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Lea Lind

Der Ski-Flirt: Erotische Novelle

Lust

Der Ski-Flirt: Erotische Novelle ÜbersetztKirsten Evers Original SkiflirtenCopyright © 2019, 2019 Lea Lind und LUST All rights reserved ISBN: 9788726202052

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Die Schlange zur Sicherheitskontrolle am Flughafen ist unendlich lang und genauso langsam. Ich blinzle und versuche, zumindest ein Minimum an Zen aufzubringen, aber der Pulli kratzt auf der Haut wie ein Putzschwamm, überall dort wo mein Top sich nicht schützend dazwischen legt, und die Röte steigt mir ins Gesicht. Ob ich jemals begreife, warum sich die Menschheit in kollektiver Selbstverblendung dazu entschlossen hat, Wolle als ein atmungsaktives Material zu bezeichnen? Dieses Exemplar eines pensionierten Wollhaufens verleiht mir jedenfalls gerade charmanterweise das Gefühl, mich in einem Dampfdrucktopf zu befinden. Aber ich muss ihn anbehalten, weil ich mich ja von Anfang an dazu entschieden hatte, keinen Koffer einzuchecken. Also muss ich mich an die Handgepäckvorgaben halten. Was bei Winterklamotten gar nicht so einfach ist - auch wenn es sich nur um ein Wochenende handelt. Und auch wenn wir die Ausrüstung vor Ort mieten.

Die Schlange bewegt sich einen knappen Zentimeter nach vorn. Aufgebend versetze ich meinem prall gefüllten Koffer einen Tritt. Von wegen man spart Zeit, wenn man nur mit Handgepäck reist.

Und doch erreiche ich irgendwann den Sicherheitscheck.

“Bittesehr, die Dame”, sagt der Sicherheitstyp mit einem kecken Lächeln.

Eigentlich sieht er echt gut aus. Muskulös und mit einem verspielten Funkeln in den Augen. Ich hebe den Koffer aufs Band und werfe in einem Versuch, mein altes, kokettes Ich zu finden, den Kopf über die Schulter. Wahrscheinlich sieht es eher aus wie ein nervöser Tick. Die alte Anya scheint Lichtjahre entfernt zu sein. Dabei war ich immer eher ein auffallender Typ. Die, die alle etwas “too much” finden, wenn sie auf Partys mit High Heels und Cocktail in der Hand alle Aufmerksamkeit - und vor allem alle Blicke - auf sich zieht. Aber auch die, der das völlig egal ist, denn man lebt nur einmal, und hat nur soviel Spaß, wie man sich selbst macht.

“Voilà, Madame”, sagt er, als er mich passieren lässt.

Ich vermisse die auffallende, flirtende Anya - ein sorgenfreies Mädel mit dem Motto “Was uns nicht umbringt...”. Die letzten Monate waren hart. Jonas hat mich in einem dunklen Labyrinth hinterlassen, in dem alles unüberwindbar erscheint. Ich kann mich zu nichts aufraffen. Ganz einfach zu nichts. Will eigentlich nur bei zugezogenen Gardinen unter der Decke liegen, habe nicht mal Lust auf Ben & Jerry’s Eis und platte Chick Flicks. Will einfach nur meine Ruhe haben. Am wenigsten kann ich mich selbst und meine eigenen Gedanken aushalten. Deshalb geht es mir zur Zeit im Bett am besten. Und deshalb ist dieser blöde Ski-Urlaub auch das Letzte, worauf ich Lust habe. Aber vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich zu Maria nicht nein sagen konnte: Weil ich eben nichts kann. Und nachdem ich ihr zustimmt hatte, gab sie zumindest endlich Ruhe. Denn ihre ewigen Fragen wurden langsam echt anstrengend.

“Komm schon, besuch mich am Wochenende!”, lockte sie mich bei unserem letzten Skype-Gespräch. “Dann fahren wir über Barcelona in die Berge und fahren Ski. Bergluft und Schnee sind das beste Detox. Ich verspreche dir, wenn das Wochenende um ist, bist du ein neuer Mensch!”

Ich vermochte es nicht, ihr zu widersprechen. Beziehungsweise machte ich ein paar halbseidene Versuche, ihr zu widersprechen, aber sie ließ sich nicht abschütteln, und schließlich sagte ich doch ja. Obwohl ich gar nicht weiß, wie man Ski fährt. Aber wie ein willenloser Depri-Klumpen ließ ich sie die Flugtickets bestellen. Und hier bin ich nun.

Oben in der Luft ist es etwas kühler und mein Pulli wird mir gegenüber etwas gnädiger. Aber kratzen tut das Monstrum noch immer. Immerhin ist der Flieger fast leer, sodass ich einen Platz am Fenster ergattere und mir ein halbwegs bequemes Nickerchen genehmige.

Vor dem Flughafen in Barcelona höre ich Marias Stimme, bevor ich sie sehe.

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