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Bädermanagement
Klaus Boese

© Litho-Verlag e.K., Wolfhagen
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Alle Rechte vorbehalten
Druck: Druckleister, Windeck
3. Auflage Oktober. 2018 (Nachdruck)
ISBN Print: 978-3-941484-11-5
ISBN Ebook PDF: 978-3-941484-47-4
ISBN Ebook Epub: 978-3-946128-29-8
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Inhalt
Vorwort zur zweiten Auflage ..........................................................................................3
A Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb .................................................5
Einführung ......................................................................................................5
A 1.1 Der Entwicklungsprozess des Einzelnen .....................................................10
A 1.1.1 Die körperliche Entwicklung .........................................................................10
A 1.1.2 Entwicklungsphasen des Jugendalters ........................................................12
A 1.1.3 Einige Grundbegriffe der Entwicklungspsychologie .....................................17
A 1.1.4 Handeln und Verhalten als Funktion von Person und Umwelt .....................17
A 1.1.5 Die Leistungskurven des Menschen ............................................................22
A 1.2 Gruppenverhalten .........................................................................................26
A 2 Einflüsse des Betriebes auf das Sozialverhalten .........................................40
A 2.1 Arbeitsorganisation und soziale Maßnahmen ..............................................40
A 2.1.2 Der Betrieb als Arbeitssystem ......................................................................41
A 2.2 Arbeitsplatz- und Betriebsgestaltung ............................................................43
A 2.3 Führungsgrundsätze ....................................................................................56
A 3.1 Die Rolle des Meisters .................................................................................70
A 3.2 Kooperation und Kommunikation .................................................................74
A 3.3 Führungstechniken und Führungsverhalten .......................................................85
B Bäderbetrieb ..............................................................................................105
B1.1 Techniken und Methoden der Gesprächsführung ......................................105
B 1.2 Motivation ....................................................................................................115
B 1.3 Methoden der Konfliktlösung ......................................................................123
B 2.1 Bedarfsanalyse ...........................................................................................131
B 2.1.1 Mit Informationen umgehen ........................................................................131
B 2.1.2 Informationen darstellen .............................................................................138
B 2.1.3 Informationen gewinnen .............................................................................143
B 2.2 Organisation und Durchführung .................................................................148
B 2.3 Grundsätze von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit ...................................163
Literaturverzeichnis ....................................................................................172
Index ...........................................................................................................173
Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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Vorwort zur zweiten Auflage
Seit der ersten Auflage im Jahr 2001 sind nun acht Jahre vergangen, so dass eine gründliche Überarbeitung des gesamten Buches überfällig war. Die Änderungen und Erweiterungen des vorliegenden Bandes geben die Unterrichtserfahrungen der letzten Jahre wieder. Besonders hinweisen möchte ich auf eine ganze Reihe neuer handlungs-orientierter Aufgabenstellungen, die sich 1:1 umsetzen lassen und so das Unterrichten erleichtern. Gleichzeitig stellt das Buch mit seiner Ausrichtung auf die Prüfungsinhalte die ideale Vorbereitung auf die Meisterprüfung dar.
Mannheim, Juni 2009
Klaus Boese
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A Grundlagen der Zusam-menarbeit im Betrieb
Einführung
Die „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Meis-ter für Bäderbetriebe/Geprüfte Meisterin für Bäderbetriebe“ vom 7.Juli 1998 (im folgenden einfach Prüfungsverordnung genannt, veröffentlicht im Bundesge-setzblatt, nachzulesen z.B. unter www.gesetze-im-internet.de oder www.bds-ev.de) gibt für die Meisterprüfung vor, dass der Prüfling
• über soziologische Grundkenntnis-se verfügen und
• soziologische Zusammenhänge im Betrieb erkennen und beurteilen kön-nen soll.
Damit ist zum einen der Rahmen des Fa-ches abgesteckt, zum anderen gibt es auch Hinweise über die Art der zu vermit-telnden Kenntnisse und Fertigkeiten. Be-trachten wir zuerst die hervorgehobenen Begriffe. Erst mal steckt das Wort „Sozio-logie“ drin. Die Soziologie ist die Lehre vom Miteinander von Gesellschaftsmit-gliedern. Es soll hier natürlich kein Sozio-logiestudium vermittelt werden, sondern es geht um Grundkenntnisse, über die der angehende Meister für Bäderbetriebe
verfügen soll. Verfügen bedeutet soviel wie besitzen, haben. Im Gegensatz dazu soll er/sie soziologische Zusammenhän-ge erkennen und beurteilen können. Die Worte „erkennen“ und „beurteilen“ be-deuten etwas ganz anderes als das Wort „verfügen“. Sie bedeuten, dass man das Wissen, über das man verfügt, anwen-den muss, dass man damit eine gewisse Handlungskompetenz aufweisen kann. Das hat einen ganz andere Qualität als nur „besitzen“ oder „verfügen“. Den Un-terschied kann man sich etwa so verdeut-lichen: Überall kann man lesen, dass Be-wegung gesund ist. Also kaufen wir uns ein Fahrrad, wir können über es verfügen. Der Besitz allein macht noch lange nicht gesund. Wir müssen mit dem Rad fahren, und zwar nicht zu knapp und regelmäßig. Genauso ist es mit dem Wissen. Wissen allein ist sinnlos, wenn man es nicht an-wenden kann. Allerdings ist ein bestimm-tes Grundwissen notwendige Vorausset-zung dafür, dass man dieses anwenden kann, das ist genau wie mit dem Fahrrad.
Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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Das soziologische Denken
Nun zu den Inhalten der Soziologie. So-ziologisches Denken unterscheidet sich vom herkömmlichen Denken dadurch, dass der Mensch nicht als isoliertes Ein-zelwesen betrachtet wird. Es wird ver-sucht, den Menschen im Zusammenhang mit dem Umfeld, mit der Gemeinschaft, in der lebt, zu sehen. Das Umfeld, das sind andere Menschen, Gruppen, Organisatio-nen, Betriebe, Gesellschaften, letztlich die Welt, in der wir leben.
Ein Beispiel: Michaela (16), eine Auszubil-dende im ersten Lehrjahr. Was bestimmt ihr Verhalten, ihr Handeln, ihre Einstellun-gen und Sichtweisen?
Herkömmlicher Weise neigt man dazu, das Verhalten der Einzelperson als Ei-genschaft zuzuordnen. Z.B. Michaela ist nett und freundlich, sie ist hilfsbereit und höflich, oder sie ist oft schlecht gelaunt, aufbrausend und zickig. Michaela denkt vielleicht genauso: „Wenn ich schlecht drauf bin, werd’ ich schnell pampig!“ oder „Ich bin nun mal cholerisch, das hab’ ich vom Vater geerbt.“
Bei dem Vorstellungsgespräch, das Mi-chaela vor einem Jahr hatte, hat sie versucht, sich von ihrer „guten Seite“ zu zeigen, war pünktlich und höflich. Die Ausbilder, die das Gespräch führten, ha-
ben ihrerseits versucht Michaelas Eigen-schaften auszuloten und zu schauen, ob sie ins Anforderungsprofil passt. Es wäre aber falsch, jetzt ein endgültiges Urteil zu fällen. Jeder, der etwas mit Ausbildung oder Auszubildenden zu tun hat, weiß, dass sich ein junger Mensch in drei Jah-ren sehr stark ändern kann, auch wenn vielleicht einige Wesensmerkmale erhal-ten bleiben.
Der soziologische Ansatz versucht nun, das Bild von Michaela um noch weitere Ebenen zu erweitern. Wenn wir Michaela und ihr Verhalten verstehen wollen, müs-sen wir auch die (Klein-) Gruppen, in de-nen sie sich bewegt, betrachten.
Als erstes wäre hier die Familie zu nen-nen. Dass die Familie einen Menschen prägt, ist völlig klar und muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden. Allein schon die Konstellation der Familie wirkt sich auf deren Mitglieder aus. Vielleicht hat Micha-ela noch eine kleine Schwester. Sie war immer die Ältere, musste frühzeitig „ver-nünftig“ sein und musste manchmal auf die Kleine aufpassen, daher ist das Über-nehmen von Verantwortung für sie nichts Neues. Oder Michaela war Nachkömm-ling, hat zwei ältere Brüder, die schon aus dem Haus sind und eigene Familien haben. Michaela war das „Nesthäkchen“ und wurde von ihren Eltern verwöhnt
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und ihr wurde jedes Steinchen aus dem Weg geräumt. Sie ist deshalb nur wenig selbstständig bei der Arbeit. Kinder mit Geschwistern haben andere soziale Kom-petenzen als Einzelkinder. Auch die Atmo-sphäre in der Familie prägt den Menschen. Wie werden Konflikte ausgetragen? Wer-den sie totgeschwiegen oder wird in sach-licher Umgebung darüber geredet, wel-che Lösungen werden gefunden, setzen sich die Eltern immer autoritär durch oder werden Kompromisse angestrebt? Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Alles das beeinflusst Michaelas Handeln und Denken. Unter Beeinflussung darf man übrigens keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung verstehen. Manche Jugendliche rauchen, weil die Eltern rau-chen, andere rauchen eben nicht, gerade weil die Eltern rauchen.
Neben der Familie spielen vielleicht noch andere Gruppen in Michaelas Leben eine Rolle und prägen sie und ihr Verhalten. Vielleicht trifft sich Michaela oft mit ei-ner Freundesclique. Sie verbringen ihre Freizeit zusamen, gehen in die Disco, ins Kino oder zum Minigolf. Sie tauschen sich über Jungs aus, jammern über ihre Eltern und lästern über Ausbilder oder Lehrer. Michaela übernimmt automatisch einige Denkweisen dieser Gruppe. Sie fin-det cool, was Andere cool finden, sie teilt modische Vorlieben, und anderes mehr.
Michaela befindet sich mit der Gruppe in einem wechselseitigen Prozess. Sie wird durch die Gruppe in ihren Anschauungen und in ihrem Auftreten und Verhalten ge-prägt. Gleichzeitig prägt sie aber auch die Gruppe. Das gilt natürlich nicht nur für die Clique, sondern für alle kleinen und gro-ßen Gruppen, in denen sie ist. Schließlich hat Michaela aber auch einen gewissen Spielraum. Sie muss nicht alle Denkwei-sen der Gruppe 1:1 übernehmen. Im Gro-ßen und Ganzen wird aber ein Konsens über wesentliche Dinge bestehen, sonst würde sich Michaela nicht wohl fühlen. Über kurz oder lang müsste sie sich an-passen oder die Gruppe verlassen.
Möglicher Weise ist Michaela Spielerin ei-ner Hockeymannschaft. Auch hier gelten die gleichen Prinzipien. Sie wird von der Gruppe geprägt und sie prägt die Grup-pe. Allerdings ist das Ziel dieser Gruppe – vorausgesetzt sie nimmt an Wettkämp-fen teil - eher leistungsorientiert. Michaela wird also auf Dauer, wenn sie in der Grup-pe verbleiben will, sich angewöhnen müs-sen, pünktlich zum Training zu erschei-nen, regelmäßig zu trainieren und nicht nur nach dem Lustprinzip zu handeln.
Wie wir wissen ist Michaela Auszubilden-de im ersten Lehrjahr. Das bedeutet, dass sie einer weiteren Gruppe angehört. Sie ist Betriebsangehörige. Je nach Betriebs-
Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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größe kann diese Gruppe klein, aber auch sehr groß sein. So groß, dass sich gar nicht alle Kolleginnen und Kollegen ken-nen (z.B. Großkonzerne wie VW, Daimler oder BASF). Eine derartige Organisation unterscheidet sich von den Gruppen, de-nen wir bisher begegnet sind, nicht nur durch ihre Größe, sondern sie hat auf-grund dieser Größe und der Ausrichtung auf ein bestimmtes Betriebsziel auch ei-nen ganz anderen Organisationsgrad. Die Regeln, die in dieser Organisation einge-halten werden müssen, sind nicht freiwillig oder zufällig, sondern sie sind vertraglich bzw. gesetzlich (arbeitsrechtlich) festge-legt. Selbstverständlich werden Micha-elas Verhalten und ihre Anschauungen auch hier wieder geprägt und sie selbst prägt die Organisation ein Stück mit. Ob sie Schicht arbeitet, ob sie bei Problemen allein gelassen wird oder ob sie im Team arbeitet; was ihre Vorgesetzten von ihr er-warten, ob sie offen Kritik üben kann oder buckeln muss, all das und vieles andere mehr prägt Michaela und ihre Sicht der Dinge.
Wir können noch einen Schritt weiter gehen. Michaela lebt natürlich in einem bestimmten Land und in einer bestimm-ten Kultur. Auch das wirkt auf sie ein und beeinflusst ihr Denken und Handeln. Viel-leicht hat Michaela – wie sie findet – ein paar Pfund zu viel auf den Rippen (mög-
licher Weise spielt sie deshalb Hockey) und findet sich zu dick. Dass sie so denkt, liegt an dem Schönheitsideal, das hier-zulande gilt und an den Medien, die uns allzeit berieseln. Die in einer Gesellschaft geltenden Normen betreffen selbstver-ständlich auch Michaela. Das gilt für die geschriebenen (Gesetze, Verordnungen, usw.) genauso wie für die ungeschrie-benen (Normen und Werte). Wie sie als Mädchen und als junge Frau lebt, ob sie selbstständig und emanzipiert leben kann oder ob sie als Frau benachteiligt ist, bzw. eine andere Rolle zugewiesen bekommt, das liegt an der Gesellschaft, in der sie lebt. Zu anderen Zeiten war und an an-dern Orten ist das möglicher Weise ganz anders. Auch die wirtschaftliche Lage ei-nes Landes spielt in diesem Zusammen-hang eine wichtige Rolle. Drohende Ar-beitslosigkeit z.B. wirkt auf die Menschen und ihr Denken und Verhalten. Länder mit großer Armut oder einer ungleichen Ver-mögensverteilung (vergl. USA) haben oft eine wesentlich höhere Kriminalität.
Schließlich bleibt noch ein Punkt übrig: die größte denkbare „Gruppe“, nämlich das globale Dorf, in dem wir alle leben. Die Globalisierung erfasst uns alle, jeder ist irgendwie davon betroffen. Michaela trägt T-Shirts, die in Taiwan hergestellt wurden, ihr mp3-player wurde in China zusam-mengebaut und damit sie mit ihrem Handy
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telefonieren kann, wurden Satelliten ins All geschossen. Je nach dem in welchem Beruf sie arbeitet, muss sie fürchten, dass ihr Betrieb Arbeitsplätze ins benachbarte Ausland verlagert, um Personalkosten zu sparen. Wenn sie ein Steak isst, werden dafür vielleicht in Südamerika Wälder für die Viehzucht gerodet. Die Liste der Aus-wirkungen der Globalisierung auf den ein-zelnen Menschen ließe sich fortsetzen.
Die verschiedenen Ebenen durchdringen und beeinflussen sich gegenseitig. Wenn man ein richtiges und vollständiges Bild von Menschen und deren Verhalten ha-ben will, dann muss man alle Ebenen mit einbeziehen. Das ist auch bei der Ausbil-dung und der Arbeit mit jungen Menschen der Fall. Im Folgenden werden wir daher auf die verschiedenen aufgezeigten As-pekte eingehen. Es geht dabei in erster Linie darum – wie eingangs aus der Prü-fungsordnung zitiert - Grundkenntnisse zu erwerben und Zusammenhänge zu erken-nen und beurteilen zu können.
Erarbeitungsaufgaben
Aufgabe 1: Erklären Sie den Unterschied zwischen „... über Kenntnisse verfügen ...“ und „... Zusammenhänge erkennen ...“.
Aufgabe 2: Worum geht es der Soziologie im Allgemeinen?
Aufgabe 3: Im Text geht es um ein Vor-stellungsgespräch, das Michaela hatte. Was muss ein Ausbilder vor dem Hintergrund des Beschriebenen bei einem solchen Gespräch beachten?
Aufgabe 4: Beschreiben Sie die Art und Weise, wie die Familie einen Menschen prägt.
Aufgabe 5: In welchen Gruppen bewegt sich in dem Beispiel Michaela?
Aufgabe 6: Zeichnen Sie ein Schaubild, in dem alle Gruppen aufgezählt werden, in denen Sie Mitglied sind.
Gibt es Abhängigkeiten, Beziehungen oder Konflikte zwischen diesen Gruppen?
Aufgabe 7: Welchen Einfluss hat die Kultur auf unser Verhalten? Geben Sie konkrete Bei-spiele.
Aufgabe 8: Im Text ist von der Globalisie-rung die Rede. Glauben Sie, dass Sie persön-lich davon betroffen sind?
Aufgabe 9: In welche Bereiche gliedert der Text das Umfeld bzw. die Umwelt eines Men-schen?


Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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A 1.1 Der Entwicklungspro-zess des Einzelnen
A 1.1.1 Die körperliche Ent-wicklung
In welchem Alter waren Sie halb so groß wie heute?
Die meisten Menschen - nehmen wir als Beispiel einen Mittzwanziger, der 180 cm misst – halbieren ihr Alter erst mal (also 12-13) und ziehen dann noch ein biss-chen ab, weil es ihnen doch noch zu viel vorkommt. Viele würden also zwischen 5 und 10 Jahre schätzen. Dass das Wachs-tum nicht unbedingt gleichmäßig vonstat-ten geht, ist eigentlich klar, denn irgend-
wann hört der Mensch auf zu wachsen. Also wird ein 80Jähriger nicht glauben, er sei mit 40 halb so groß gewesen wie mit 80. Wie verhält es sich nun wirklich mit dem Wachsen?
Das obige Diagramm gibt die jährliche Zu-nahme der Körperlänge eines Jungen an, also nicht etwa die jeweilige Größe, son-dern den jeweiligen Zuwachs der Körper-größe. Die Art der Darstellung heißt So-matogramm und wir verdanken sie dem französischen Grafen de Montbeillard, der – warum auch immer – von 1759 bis 1777 jährlich seinen Sohn vermessen und das der Nachwelt erhalten hat. Der gute Junge war schließlich mit 18 Jahren über einsachtzig groß.

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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Was sagt uns nun diese Darstellung und wie wird unsere Eingangsfrage (Alter der halben Körpergröße) beantwortet?
Das Körperwachstum ist keineswegs gleich-mäßig, sondern bis-weilen sprunghaft.
Auffällig sind die bei-den „Gipfel“. Zum ei-nen die hohen Werte zu Beginn des Lebens. Die Kurve beginnt hier eigentlich erst im Alter von einem hal-ben Jahr. Wenn man bedenkt, dass in den neun Monaten vor der Geburt (= 3/4 Jahr) das Längenwachstum von fast Null auf etwa 50 cm stattfindet, so kann man sich vorstellen, dass die Anfangskurve noch steiler wäre. Würde dieses Längenwachs-tum beibehalten, so wäre der Mensch mit 18 Jahren über elf Meter groß. So gese-hen ist es beruhigend, dass das Wachs-tum in seiner Geschwindigkeit nachlässt und der durchschnittliche Mensch seine halbe Körpergröße schon etwa mit zwei (!) Jahren erreicht hat. Damit wäre die Ein-gangsfrage beantwortet. (Den Pathologen unter den Lesern ist bekannt, dass man-che Madenarten, die bei Toten gefunden werden, tatsächlich ihr Leben lang wach-sen. Aus ihrer Größe kann man durchaus ihr Alter – und somit den Todeszeitpunkt – bestimmen.)
Ein Somatogramm wie es bei den Un-tersuchungen für Kinder verwendet wird. Eine durchschnittliche halbe Erwachse-nengröße (ca. 90 cm) wird bei 50% der Kinder etwa im Alter von zweieinhalb Jahren erreicht (linke Hälfte). Rechts die Gegenüberstellung von Körpergröße und Gewicht.
Sehr viel interessanter für uns ist der Berggipfel um das 15. Lebensjahr herum. Hier findet offenbar ein Wachstumsschub statt. Es handelt sich um den sog. pube-ralen Wachstumsschub, d.h. das starke Wachstum in der Pubertät. Bei Mädchen findet dieser Schub um das zwölfte Le-bensjahr statt (Wachstum durchschnittlich acht Zentimeter), bei Jungen um das vier-zehnte Lebensjahr (durchschnittlich neun Zentimeter). Was bedeutet das für die Be-troffenen? Die Motorik (die Fähigkeit des

Der Entwicklungsprozess des Einzelnen
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menschlichen Körpers, sich zu bewegen) ist u.a. ein Lernprozess. Wenn sich nun der Körper relativ schnell verändert, wie das bei einem Wachstumsschub der Fall ist, dann hat der/die Betroffene möglicher-weise Anpassungsschwierigkeiten. Ge-nau das ist in dieser Phase der Fall. Das Auftreten wird schlaksiger, unsicherer.
Ideale Proportionen erreicht ein Mensch – meistens gar nicht und wenn überhaupt – erst im Erwachsenenalter.
A 1.1.2 Entwicklungsphasen des Jugendalters
Bestimmte Wasserschildkrötenarten ver-scharren ihre Eier am Strand in selbst gegrabenen Gruben. Wenn die Kleinen schlüpfen, müssen sie möglichst schnell in das nahe gelegene Wasser kommen,
denn sie sind bevorzugtes Nahrungsmit-tel für einige Vogelarten. Im Wasser sind sie dann erst mal vor diesen sicher. Wenn die kleinen Kröten das Licht der Welt erbli-cken, müssen sie also schon wissen, dass sie sofort das Wasser erreichen müssen und sie müssen wissen, wo das Wasser ist. Wenn sie dann dort ankommen, müs-sen sie zudem noch schwimmen können. Das alles können diese Tiere, auch wenn nicht alle das rettende Nass erreichen. Das ist eigentlich nur zu erklären, wenn man annimmt, dass diese Tiere gewisse Kenntnisse und Fertigkeiten von der Na-tur bei der Geburt mitgeliefert bekommen.
Im Gegensatz dazu stellen sich die meis-ten Menschen (nicht nur im zartesten Al-ter) recht tölpelhaft an. Ein ausgesetztes Menschenjunges hat keine Chance zu überleben. Es kann sich keine Nahrung besorgen, es kann nicht laufen, es kann sich nicht gegen Kälte und Witterung schützen u.v.m. Selbst im Erwachsenen-alter sind viele Menschen nicht in der Lage, sich richtig zu ernähren. Dafür hat der Mensch aber einen gewaltigen Vorteil. Er kann lernen und ist anpassungsfähig.


Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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Und er kann eben nicht nur alles lernen, er muss auch alles lernen und braucht dafür wesentlich länger als Tiere (die natürlich auch in gewissem Maße lernfähig sind).
Bemühen wir einen technischen Ver-gleich. Ein herkömmlicher Taschenrech-ner (Tier) braucht kein Programm, er kann rechnen, weil die entsprechenden Funkti-onen bei ihm fest „verdrahtet“ sind. Ein PC (Mensch) kann erst mal überhaupt nichts. Er braucht ein Betriebssystem und dann noch Anwendungsprogramme, um rech-nen zu können. Viel Aufwand! Doch der
Vorteil besteht darin, dass man alle mög-lichen Programme auf ihm laufen lassen kann. Deswegen kann man eben nicht nur rechnen, sondern auch schreiben, malen, spielen, simulieren, steuern, u.v.a. Der PC ist nicht auf eine Funktion festgelegt, er ist eine universelle Maschine.
Kehren wir zurück zum Lernen der Men-schen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Phasen, die ein junger Mensch durchläuft.
Stufen
Phasen
Durchschnittsalter
Lerninhalte (u.a.)
Säuglingsalter
Schlafalter
0 – 0,2
Nahrungsaufnahme, Aus-scheidungen, Gehen
Zuwendungsalter
0,2 – 1,0
Kleinkind
Spracherwerb
1,0 – 2,5
Geschlechtsunterschiede, Unterscheidung richtig - falsch; Bewusstsein
1. Trotzalter
2,5 – 3,5
Ernstspielalter
3,5 – 5,5
Großkind
1. Gestaltwandel
5,5, - 6,5
Grobmotorik, SpielenSelbsteinschätzungRollen
Mittleres Kindesalter
6,5 – 9,0
Spätes Kindesalter
9,0 – 10,5 / 12
Jugendalter
Vorpubertät
m 10,5 – 13 f 10 – 12
Übernahme sozialer,emotionale Unabhängigkeit von Eltern
Pubertät
m 13,0 – 16 f 13 –15
Adoleszenz
m 17 – 21 f 16 – 20
Erwachsenen-alter
18 – 60
Partnerwahl; gesellschaftl. Und soziale Verantwortung; u.v.m.
Seniorenalter
60 – 80
Anpassung an die physiolo-gischen Veränderungen im Alter
Greisenalter
Ab 80
Entwicklungsphasen des Jugendalters
14

Uns interessieren in erster Linie die Pha-sen des Jugendalters, also die Vorpuber-tät, die Pubertät und die Adoleszenz.
Die Pubertät ist die Sturm- und Drangzeit, die Zeit, in der die Eltern komisch wer-den, wie es oft scherzhaft genannt wird. Diese Zeit ist durch die Suche nach einer eigenen, individuellen Identität geprägt. Dieses Erwachsenwerden wird in die fol-genden drei Phasen eingeteilt.
Die Vorpubertät
Die Vor- oder auch Frühpubertät ist die erste Phase und beginnt kurz vor dem oben schon genannten präpuberalen Wachstumsschub, bei Mädchen also mit dem 9./10 und bei Jungs mit dem 11./12. Lebensjahr. Natürlich sind das alles Durchschnittswerte, die bei dem Einen oder der Anderen unter oder überschrit-ten werden können. Gegen Ende tritt bei den Mädchen (12./13. Lebensjahr) die erste Regelblutung auf und bei den Jungs (13./14. Lebensjahr) beginnt die Samen-produktion.
Im körperlichen Bereich findet ein star-kes Wachstum vor allem der Extremitäten (Arme und Beine) statt, auch findet die Reifung der sekundären Geschlechts-merkmale statt, u.a. der Bartwuchs und Adamsapfel bei Jungs, Wachstum der Brüste bei den Mädchen. Als Folge des
schnellen Wachstums kann eine gewisse Unbeholfenheit in der Motorik und eine vorübergehend unharmonische Gestalt auftreten.
Im seelischen Bereich gehen große Ver-änderungen vor sich. Die Stimmungen schwanken oft, das ganze Gefühlsleben ist unausgeglichen. Die Jugendlichen werden leicht aggressiv und sind oft un-beherrscht. Sie sind im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt und lehnen nicht selten herkömmliche Vorbilder (Eltern) ab.
Die Pubertät
Dieser Prozess setzt sich in der Puber-tät fort. Es werden neue, eigene Leitbil-der gesucht, ein eigener Wille bildet sich heraus, der Einfluss der Eltern nimmt ab, dagegen finden viele Jugendliche Ori-entierung in Gruppen Gleichaltriger. Die ersten Freundschaften mit dem anderen Geschlecht treten auf, die Jugendlichen sind auf dem – natürlich nicht immer grad-linigen Weg – eigene, selbständige Per-sönlichkeiten zu werden.
Körperlich findet wieder eine gewisse Harmonisierung der Körpergestalt statt, die Motorik verbessert sich und die Ge-schlechtsreife wird vollendet. Bei Mäd-chen geht die Pubertät bis zum 15., bei Jungs ungefähr bis zum 16. Lebensjahr.
Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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Zwei Tendenzen sind hier bemerkens-wert. Erstens sind Mädchen wohl eher reif als Jungs, das ist wohl nichts Neues. Zweitens verlagern sich diese Zeiten aber immer mehr nach vorne. Vor 30-50 Jah-ren waren diese Phasen später als heute.
Die Adoleszenz
Die Adoleszenz schließt als letzte dieser drei Phasen vorläufig die Entwicklung des Jugendlichen zum Erwachsenen ab. Hier gibt es „offene“ Grenzen. Während rein juristisch der Mensch mit der Vollendung des achtzehnten Lebensjahres volljährig und damit voll verantwortlich für sein Tun ist, geht man im pädagogischen Bereich davon aus, dass dieser Prozess sich etwa bis zum 25. Lebensjahr hinzieht. Die Ge-stalt reift endgültig aus, die Jugendlichen werden auch rein äußerlich Erwachsene.
Die Beschäftigung mit sich selbst tritt et-was zurück, die Menschen beginnen sich Gedanken über ihre Lebensplanung zu machen, oft werden feste Bindungen in Partnerschaften gesucht, es erfolgt eine Zuwendung zu den Realitäten des Le-bens.
Erarbeitungsaufgaben
Aufgabe 10: Nennen Sie wichtige Phasen im jugendlichen Entwicklungsprozess. Beschrei-ben Sie die Veränderungen, die dabei in der
körperlichen und seelischen Entwicklung der Jugendlichen vor sich gehen.
Aufgabe 11: Überlegen Sie sich Situationen aus Ihrer Berufspraxis, in denen Sie mit Ju-gendlichen zu tun hatten, die sich in einer der oben beschriebenen Weisen verhielten. Wie reagierten Sie? Würden Sie heute mit einigem Abstand zum Geschehenen anders reagieren?
Aufgabe 12: Ein 16jähriger Auszubildender ist häufig unausgeglichen, manchmal flegelhaft, manchmal aber auch scheu und abweisend. Worauf führen Sie dieses Verhalten zurück? Spielt das Alter des Auszubildenden eine Rolle?
Wie reagieren Sie am besten? Betrachten Sie den Sachverhalt von mehreren Seiten.
Aufgabe 13:
Von der niedlichen Tochter zum Grufti
Umbruchphase Pubertät: Abgrenzung von den Eltern wichtiger Entwicklungsschritt
Die Pubertät hält für Eltern viele Überraschun-gen bereit. Plötzlich kleidet sich die Tochter von Kopf bis Fuß in Schwarz. Aus ihrem Zimmer dringen sakrale Klänge mittelalterlicher Musik, auf dem Boden verstreute Buchstaben und Zahlen sind die Überbleibsel vom Gläserrücken mit den Grufti-Freunden. Der Sohn ist Punk und zeigt den Eltern seine Ablehnung der blöden Spießerwelt. Ein Irokesenhaarschnitt, Nieten-armbänder und Springerstiefel runden den neu-en Auftritt ab.
Nicht nur die äußerlichen Veränderungen ih-


Entwicklungsphasen des Jugendalters
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rer Kinder machen Eltern schwer zu schaffen: Rebellion steht nun auf der Tagesordnung. Dis-kussionen und Streit sind kaum zu vermeiden, ehemals feste Grenzen werden ständig über-schritten. „Eltern müssen in dieser Phase viel aushalten“, sagt Klaus Fischer, Sozialpädagoge in Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen). Die Abgrenzung von der Erwachsenenwelt und den Eltern ist jedoch ein ganz normaler und wich-tiger Entwicklungsschritt: „Anders zu sein und sich gegenüber der sozialen Umwelt auszutes-ten, gehört zum Weg in die Eigenständigkeit.“
Die Jugendlichen strampeln sich frei aus der engen Beziehung zu den Eltern und wollen die Welt auf ihre eigene Art und Weise entdecken. „In der Pubertät findet die körperliche, emotio-nale und verstandesmäßige Verselbstständi-gung statt“, erklärt der Pubertätsexperte Peer Wüschner.
Ob Grufti, Punk, Mittelalter- oder Heavymetal-Fan, besonders die extremen Formen der Ver-änderungen ermöglichen Jugendlichen eine größtmögliche Abgrenzung. Um erwachsen zu werden, suchen sie fortlaufend Reibung und Auseinandersetzung: „Erst diese schwer nachzuvollziehende, nervende und manchmal auch verletzende Überprüfung des Rollenvor-bildes der Eltern ermöglicht die Bildung eines eigenen Standpunkts“, erklärt Wüschner. Eltern würden auf diese anstrengende Entwicklungs-phase gerne verzichten, doch sie legt einen wichtigen Grundstein auf dem Weg in die Welt
der Erwachsenen: „Pubertierende, die diese Sturm- und Drangphase nicht durchmachen dürfen, können sich nicht richtig entwickeln“, sagt Wüschner. Doch anstatt sich täglich über den Nachwuchs aufzuregen, sollten Eltern ge-lassen bleiben, empfiehlt die Psychologin Helga Gürtler aus Berlin. „Verständnis ist besonders wichtig.“ Strenge Verbote und schlaue Vorträge führten hingegen zu nichts.
Das tägliche Treffen mit der Clique, der Wo-chenendausflug aufs Rockfestival, der Wunsch nach einem Piercing oder Tattoo: Eltern sollten sich über die Interessen und Aktivitäten des Kindes informieren und den Dialog suchen, rät Gürtler: „Reagieren Sie nicht gleich mit Angst und Widerstand, sondern hören Sie sich die Motive ihres Kindes an.“ Denn Gespräche über Gedanken und Wünsche stärken die familiäre Beziehung. Geschmacksfragen über das Äuße-re des Kindes dürfen mit dem nötigen Respekt diskutiert werden, Verbote hingegen bewirken oft das Gegenteil. gms
Mannheimer Morgen
15. Mai 2007
Fassen Sie die Aussagen des Artikels zusam-men. Was halten Sie von den gegebenen Rat-schlägen? Diskutieren Sie sie in der Gruppe.


Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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A 1.1.3 Einige Grundbegriffe der Entwicklungspsy-chologie
Jede Fachsprache hat ihre eigenen Fachbegriffe, die genau eine bestimmte festgelegte Bedeutung haben, um Miss-verständnisse zu vermeiden. Wir haben schon einige davon verwendet, ohne uns Gedanken über ihre genaue Bedeutung zu machen. Das soll jetzt nachgeholt wer-den.
Einen Vorgang, bei dem relativ dauerhaf-te Veränderungen (körperlich, geistig oder seelisch) vollzogen werden, nennt man Entwicklung. Veränderungen im körper-lichen Bereich, die eine unumkehrbare Zunahme der körperlichen Substanz be-deuten, nennt man dagegen Wachstum.
Einen Vorgang, bei dem besondere Or-gane und Funktionszusammenhänge ent-stehen, heißt Reifung.
Die körperliche Reife ist mit der Fort-pflanzungsfähigkeit verbunden, die so-ziale Reife ist ereicht, wenn der junge Mensch in der Lage ist, im jeweiligen Kulturbereich sein Leben selbständig zu führen.
Ein auffallendes Zurückbleiben eines Kindes hinter der normalen Entwicklung
nennt man Retardation, eine auffällige Beschleunigung hingegen heißt Akzele-ration. Ein Rückfall in an sich überwunde-ne Entwicklungsstufen wird Regression genannt, Ursachen dafür können orga-nisch bedingte oder durch mangelnde Entwicklungsanreize hervorgerufene Be-lastungssituationen sein.
Erarbeitungsaufgabe
Aufgabe 14: Schlagen Sie die hervorgeho-benen Begriffe in einem Online-Lexikon nach und klären Sie, in welchen weiteren Zusam-menhängen die Begriffe noch benutzt werden.
A 1.1.4 Handeln und Verhalten als Funktion von Per-son und Umwelt
Schon immer wurde versucht, das Han-deln und Verhalten der Menschen zu er-klären. Warum verhält sich der Eine gera-de so und der Andere handelt vornehmlich auf diese oder jene Weise? Schon vor langer Zeit unterschied man vier, auf den griechischen Arzt Hippokrates zurückge-hende, Temperamente. Unter Tempera-ment ist der grundsätzliche Verhaltensstil eines Menschen zu verstehen, die Art und Weise, wie ein Mensch (oder allgemein ein Lebewesen) handelt und auf die Um-welt reagiert. Der gute Hippokrates unter-

Einige Grundbegriffe der Entwicklungspsychologie
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schied den Choleriker, den Melancholiker, den Phlegmatiker und den Sanguiniker. Die allesamt griechischen Bezeichnun-gen gehen auf verschiedene Körpersäfte zurück, die man den verschiedenen Tem-peramenten zuordnete.
Die Entstehung der Charaktereigenschaf-ten (charakter war im griechischen der Prägestempel für Münzen oder Siegel) wird heute viel differenzierter betrachtet.
Erarbeitungsaufgabe
Aufgabe 15: Sind Sie der Meinung, dass eine wie oben beschriebene Einteilung der Menschen in vier Gruppen der Wirklichkeit ge-recht wird? Begründen Sie Ihre Meinung aus-führlich.
Wir hatten weiter oben davon gespro-chen, dass Tiere schon bei der Geburt sehr viel können, während der Mensch sich alles erst mühsam aneignen muss. Das ist zweifellos richtig. Trotzdem be-kommt auch der Mensch vieles in die Wie-ge gelegt. Neben körperlichen Merkmalen (Gestalt, Haarfarbe, Augenfarbe, usw.) können das auch Talente, Begabungen und andere Eigenschaften sein, z.B. ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, logisches Denken, Intelligenz (was immer das auch sein mag), künstlerische Bega-bungen u.v.a. Oder sind diese Eigenschaf-ten im Laufe des Lebens durch Erfahrung erworben, d.h. erlernt? Der Streit darüber ist uralt und wird wohl nie entschieden werden. Die Vertreter der „Vererbungsthe-orie“ (=man bekommt viele Eigenschaf-ten, aber auch Schwächen in die Wiege
Choleriker
Melancholiker
Phlegmatiker
Sanguiniker
cholä = Galle
melas = schwarz
(schwarze Galle)
phlegma = Schleim
sanguis
= Blut
leicht erregbar, unausgeglichen, jähzornig
nach innen gerich-tet, schwermütig, traurig
langsam, ruhig, schwerfällig
heiter, lebhaft, nach außen gerichtet


Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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gelegt) stehen den Vertretern der „Milieu-theorie“ (= die Menschen erlernen vieles im Laufe ihres Lebens) gegenüber. Was wie ein rein akademischer Streit aussieht, hat eine eminente praktische Bedeutung.
Stellen wir uns einmal den folgenden Fall vor: Ein Auszubildender fällt dadurch auf, dass er auf Fragen der Badegäste un-wirsch, gereizt und unhöflich reagiert. Sie stellen ihn zur Rede und er erklärt Ihnen, dass er eben sein Temperament vom cholerischen Vater geerbt habe. Oder ein Auszubildender bringt nur mangelhaf-te Leistungen und begründet das damit, dass er eben keine Intelligenz von seinen Eltern geerbt habe. Hat der arme Kerl Recht?
Die Wahrheit liegt sicherlich in der Mitte. Natürlich kann man positiv oder negativ vorbelastet sein, aber was man daraus macht, das liegt nun einmal in der Verant-wortung jedes Einzelnen. Da kann sich keiner rausreden. Man muss allerdings manchen eingestehen, dass sie es viel-leicht schwerer als andere haben.
Was die Intelligenz angeht, so wird gern folgendes Bild gebraucht: Die Intelligenz, die man von seinen Vorfahren erbt, ist wie ein Behälter, den man im Laufe sei-nes Lebens füllen muss. So hat der eine – bildlich gesprochen - vielleicht nur ein Wasserglas geerbt, das er aber im Laufe
seiner Entwicklung bis zum Rand aufge-füllt hat, während ein anderer einen gan-zen Maßkrug geerbt hat, bei dem aber nur der Boden benetzt ist... Na, denn Prost!
Die Anlagenbereiche des Menschen
Die eben angesprochenen Eigenschaften fallen demnach entweder auf guten oder schlechten Boden, je nach vererbten Vo-raussetzungen. Dass die Umwelt diese auch beeinflusst und verändert (fördert oder behindert) ist auch unwiderlegbar. Die Umwelt, das sind z.B. das Elternhaus, die Schule, der Freundeskreis, die Medi-en und natürlich – für uns ganz wichtig - auch die betriebliche Ausbildungsstätte.
Einfaches Modell, das viel erklärt: Der Mensch als Einheit von Geist, Körper und Seele „schwimmt“ in einer Umwelt, die ihn ständig beeinflusst und die er selbst mit-prägt.

Handeln und Verhalten als Funktion von Person und Umwelt
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Unter geistigen Anlagen werden Eigen-schaften wie die schon weiter oben ge-nannte Intelligenz verstanden, aber auch Merkfähigkeit, räumliches Denken, logi-sches Schlussfolgern, Sprachtalent, Ab-straktionsfähigkeit (Begriffsbildung) u.v.a.
Körperliche Anlagen sind z.B. Statur, Körperbau, Haar- und Augenfarbe, Kopf-form, Geschicklichkeit. Unter seeli-schen Anlagen werden vor allem die Temperamente, die Vitalität, die Nei-gung, sich nach außen (extravertiert) oder mehr nach innen (introvertiert) zu wenden, ver-standen. Die darge-stellten Sachverhalte sind interessant und z.T. auch heute noch sehr umstrit-ten, doch sollte man auf keinen Fall die eigene Verantwortung des Menschen für sein Tun und Handeln außer Acht las-sen. Das „Problem“ mit den Anlagen ist, dass diese – wenn überhaupt - nur schwer veränderbar sind. Man hat sie oder man hat sie nicht. Das darf nicht dazu führen, dass man sich in ein irgendwie geartetes Schicksal ergibt und den eigenen Willen und die eigene Schaffenskraft und Gestal-tungsfähigkeit aufgibt.
Die Abbildung oben zeigt, dass sich die drei Bereiche (geistig, körperlich und see-lisch) gegenseitig beeinflussen und alle miteinander verbunden sind. Es gibt hier also Abhängigkeiten, die beachtet werden
müssen. Man darf auf keinen Fall einen Bereich isolieren und denken, die ande-ren hätten damit nichts zu tun. Man muss hier vernetzt denken.
Wovon wird nun das Verhalten von Menschen, vor allem von Jugendli-chen, bestimmt?
Um das Verhältnis von Umwelt und Anla-ge zu erforschen, bedient man sich seit Jahrzehnten der Zwillingsforschung.
Hier werden Zwillingspaare, die ja die gleichen Erbanlagen haben, dauerhaft beobachtet. Da sie oft unterschiedli-chen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, gibt es hier interessante Ergebnisse. Wenn die Vererbungstheorie stimmt, dann müssten (eineiige) Zwillinge, die ja die gleichen Anlagen haben, auch in unterschiedlichen Umgebungen ähnli-che Eigenschaften und Verhaltenswei-

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sen aufweisen. So geht man z.B. davon aus, dass kognitive (verstandesmäßige) Eigenschaften, wie z.B. die Intelligenz, in hohem Maße (bis zu 70%) vererbt sind. Andere, auch soziale Eigenschaf-ten, scheinen nur bis zu 30% genetisch vorbestimmt zu sein. Interessant sind auch Vergleiche, die das Rauchen be-treffen: Bei zweieiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass – wenn ein Zwil-ling raucht – auch der andere Zwilling raucht bei 63%, bei eineiigen sogar bei 75%. Wie dem auch sei, ob Zwilling oder Drilling: Rauchen schadet der Gesund-heit!
Erarbeitungsaufgaben
Aufgabe 16: Erklären Sie an einem konkre-ten Beispiel, wie sich geistige, körperliche und seelische Anlagen gegenseitig beeinflussen können.
Aufgabe 17: Erklären Sie das Schaubild oben (Verhalten des Menschen) am Beispiel der Sozialkompetenz eines/einer Auszubilden-den.
Aufgabe 18: Welche besonderen angebore-nen Fähigkeiten wären für die folgenden Berufe von Vorteil?
a) Maler
b) Dachdecker
c) Uhrmacher
d) Schmied
e) Zahnarzt
f) Meister für Bäderbetriebe
Aufgabe 19: Sie haben beschlossen, aus-zusehen wie Arnold Schwarzenegger. Können Sie dieses Aussehen durch hartes Training „er-werben“ (=Milieutheorie) oder müssen Sie dazu Anlagen Ihrer Eltern vererbt bekommen haben (Vererbungstheorie)?


Handeln und Verhalten als Funktion von Person und Umwelt
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A 1.1.5 Die Leistungskurven des Menschen
Ganz vollständig ist die obige Abbildung allerdings doch nicht. Denn das Verhalten eines Menschen – und seine Leistungs-fähigkeit ist ein Teil seines Verhaltens – wird noch von einer anderen Tatsache beeinflusst: von der Tatsache, dass jeder Mensch Leistungsschwankungen unter-worfen ist. Im Gegensatz zu Maschinen, die ihre Leistung relativ konstant bringen (allerdings muss sich auch ein Motor manchmal erst warm laufen!), zeigt der Mensch im Laufe eines Tages, einer Wo-che, eines Jahres und im Laufe seines Le-bens Leistungsschwankungen. Es wäre ein großer Fehler, dauerhaft diese Tatsa-che zu ignorieren. Auf der anderen Sei-te dürfen diese Erkenntnisse auch nicht schematisch angewendet werden. Das ist das Thema dieses Abschnitts.
Arbeitsmedizinische Untersuchungen ha-ben ergeben, dass sich Menschen nur etwa höchstens acht Minuten voll auf etwas konzentrieren können, danach braucht der Geist etwas Erholung und wird leicht ablenkbar. Trotzdem wird z.B. oft von Schülern und Auszubildenden ver-langt, sich 45 Minuten auf einen Stoff zu konzentrieren. Der Lehrer/Ausbilder sollte dem Rechnung tragen, indem er hin und wieder die Unterrichtsmethode wechselt. Ein weiteres Beispiel: Unterhaltungssen-
dungen im Fernsehen versuchen durch „Highlights“ (was auch immer das im spe-ziellen Fall sein mag) im Acht-Minuten-Takt den Zuschauer bei der Stange zu halten. Auch die gedruckten Medien fallen oft dadurch auf, dass in den einzelnen Ar-tikeln nicht mehr steht, als man in kurzer Zeit lesen kann, noch durch Bilder und evtl. große Überschriften aufgelockert.
Was bedeutet das nun für uns? Soll die Ausbildung nur noch in Fünf-Minuten-Por-tionen stattfinden? Sicherlich nicht. Jeder sollte aber einsehen, wie wichtig Pausen (auch für andere!) sind. So kann es z.B. kaum sinnvoll sein, kurz vor einer Prüfung zwei Nächte durchzuarbeiten und dann zu glauben, man sei in der Prüfung selbst fit. Der Meister als Ausbilder sollte also seine Auszubildenden rechtzeitig darauf hinwei-sen.
Das folgende Schaubild zeigt den Erho-lungseffekt von Pausen in Abhängigkeit von ihrer Dauer:
Das Verhältnis von Pausenlänge und Erholung

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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Ist eine zwanzigminütige Pause besser als zwei zehnminütige? Das Schaubild spricht eine deutliche Sprache. Da der Er-holungswert ab etwa zehn Minuten kaum noch ansteigt, sind zwei kurze Pausen ef-fektiver als eine längere! Der Erholungs-effekt nimmt nicht gradlinig zu, sondern flacht nach ungefähr zehn Minuten deut-lich ab. Deshalb sind mehrere kurze Pau-sen erholsamer als eine lange. Allerdings darf man auch nicht übertreiben, denn dann wird der Arbeitsrhythmus gestört.
Bedenken Sie, dass es hier nicht nur um einen ruhigen Job geht, sondern auch um die Vermeidung von Übermüdung, Überforderung, Erkrankung und Arbeits-unfällen. Gerade im Schwimmbadbereich können im Extremfall von der Verfassung des Aufsichtführenden Menschenleben abhängen.
Betrachten wir nun den durchschnittlichen Verlauf der Leistungsschwankungen im Laufe eines Tages.
Leistungsschwankungen im Verlauf eines Tages
Ein erster Höhepunkt wird am Vormit-tag (9-10 Uhr) erreicht, ein zweiter – et-was kleinerer - am Abend. Im Laufe der Nacht kommt es dann zu sehr niedrigen Werten, was nur logisch ist, weil man um diese Zeit normalerweise schläft, um den Körper und dessen Energieverbrauch zu regenerieren. Was macht nun ein Nacht-schichtarbeiter? Kann der nur unterdurch-schnittliche Leistungen bringen? Hier ist es natürlich anders, der Nachtarbeiter hat – sofern er regelmäßig nachts arbeitet - eventuell einen ganz anderen Leistungs-rhythmus. Auch Menschen, die zu „nor-malen“ Zeiten arbeiten, müssen nicht dem oben gezeichneten Leistungsverlauf ent-sprechen, denn es handelt sich hier um Durchschnittswerte, von denen es auch Ausnahmen gibt. Außerdem kommt dazu, dass in so einer Darstellung alle aktuel-len äußeren Einflüsse nicht berücksichtigt werden. Das fängt beim Klima an (Hitze-welle, vergl. Aufgabe weiter unten), geht über körperliche Befindlichkeiten (Krank-heit), bis hin zur vielleicht fehlenden Mo-tivation. Schichtarbeiter, Frühaufsteher, Morgenmuf-fel, letztendlich gilt für jeden Menschen ein individuelles Muster, das er herausfinden sollte, um seinen Tag optimal planen zu können.

Die Leistungskurven des Menschen
24

Für die tägliche Arbeit gilt bei allen Ein-schränkungen im Prinzip die Regel, wich-tige Aufgaben auf den Vormittag in den Bereich der ersten Hochphase (siehe Schaubild) zu legen.
Zuletzt sei noch kurz daran erinnert, dass neben der Leistungsfähigkeit (also das, was man zu leisten imstande ist) auch noch die Leistungsbereitschaft (das, was man leisten möchte) bei der tatsächli-chen Leistung eine große Rolle spielt.
Erarbeitungsaufgaben
Aufgabe 20: Ein Auszubildender antwortet am Montagmorgen, noch müde vom Wochen-ende, auf die Aufforderung, eine Arbeit zu erle-digen: „Ein Mensch ist keine Maschine.“ Hat er Recht?
Erklären Sie die durchschnittlichen Leistungs-schwankungen der Menschen.
Worauf sollten Sie als Betriebsleiter achten?
Aufgabe 21: Oft hört man jemanden sagen, er habe ein Montagsauto. Was ist der Hinter-grund einer solchen Aussage?
Aufgabe 22: Beobachten Sie sich eine Wo-che lang und notieren Sie möglichst oft Ihre Leistungsfähigkeit. Der Wert, den Sie notieren, sollte im Verhältnis zum Tagesdurchschnitt ste-hen. Auf diese Weise erhalten Sie Ihr eigenes Leistungsprofil. Vergleichen Sie es mit dem Schaubild oben und mit dem Profil Ihrer Kolle-gen. Welche Rückschlüsse können Sie ziehen? Sollten Sie etwas verändern?
Aufgabe 23: Stellen Sie sich vor, es ist Som-mer und es herrscht eine Hitzewelle. Welche Tipps geben Sie Ihren Mitarbeitern für die Arbeit (Pausen, wichtige Aufgaben, usw.)?
Aufgabe 24: Wilhelm Fließ (ein früher Freund von Sigmund Freud) entwickelte den sog. Biorhythmus. Dieser besagt, dass sich das menschliche Leben in der Form von Sinus-kurven (siehe Schaubild) abspielt. Auf Phasen hoher Aktivität und Leistungsfähigkeit folgen solche mit verminderten Möglichkeiten. Er un-terschied drei verschiedene Rhythmen: den körperlichen mit einer Dauer von 23 Tagen, den geistigen mit einer Dauer von 28 Tagen und den seelischen mit einer Dauer von 33 Tagen. Vom Tag der Geburt an, beginnen diese Perio-den das Leben eines Menschen mitzuprägen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Tief-punkte (vor allem, wenn es mehrere Tiefpunkte gleichzeitig gibt) und auch die Wendepunkte, wenn die Kurven durch die Null-Linie gehen. Es ist ganz spaßig auszurechnen, wie die Form an einem bestimmten Tag (auch in der Zukunft, z.B. bei der Meisterprüfung) sein wird, aller-dings ist das Ganze natürlich wissenschaftlich



Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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nicht untermauert. Was ist an diesem Modell grundsätzlich auszusetzen? Siehe Bild „Körper-licher Zyklus (23 Tage) nach Wilhelm Fließ“
Aufgabe 25: Recherchieren Sie im Internet nach dem puberalen Wachstumsschub. Skiz-zieren Sie eine Grafik (möglichst großes For-mat, evtl. Wandzeitung), das den Wachstums-schub für Jungen (blaue Linie) und für Mädchen (rote Linie) gegenüberstellt und tragen Sie Ihre Ergebnisse vor der Klasse vor.
Aufgabe 26: Sie sehen hier ein Bild des jun-gen Mozart und eine Grafik, die die Entwicklung der Körperpro¬portio¬nen bei Männern zeigt. Auffällig ist das verschiedene Wachstum von Kopf und Körper. Versuchen Sie Mozarts Alter auf dem Bild zu bestim¬men, in dem Sie das Verhältnis von Kopfgröße und Armlänge (Schul-ter bis Hand¬gelenk) messen und mit den Wer-ten der Grafik vergleichen.





Zu Aufgabe 24
Zu Aufgabe 26
Körperlicher Zyklus (23 Tage) nach Wilhelm Fließ
Die Leistungskurven des Menschen
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A 1.2 Gruppenverhalten
Unsere Gesellschaft, vor allem das Be-rufs- und Arbeitsleben, ist arbeitsteilig auf-gebaut. Mehr als je zuvor ist der Einzelne auf die Zusammenarbeit mit anderen Teil-nehmern am Wirtschaftsleben angewie-sen.
„Nicht Eigenbrötler, auch nicht einsame Tüftler sind in der Regel gefragt, sondern auf Koopera-tion, auf den Austausch von Informationen, Er-fahrungen, Verbesserungsvorschlägen ausge-richtete Mitarbeiter. Zusammenarbeit im Betrieb ist zwingend. Vor allem die neuen betrieblichen Organisationsformen sind wesentlich auf Ko-operation ausgelegt.“
Dies schreibt die Industrie- und Handels-kammer Rhein-Neckar in dem Aufsatz „Was erwartet die Wirtschaft von den Schulabgängern?“. Wer regelmäßig Stel-lenangebote liest, stößt immer wieder auf den Ausdruck „Teamfähigkeit“. Genau das meint auch die IHK. Auch wenn man oft den Eindruck hat, die Menschen würden immer individualistischer und würden nur an sich selbst denken, im Arbeitsleben ist das ganz und gar nicht der Fall. Im Gegen-teil. Auch in der Freizeit lebt der Mensch in Gruppen. Allein würde es oft auch keinen Spaß machen.
Schauen wir uns einmal einen (typi-schen?) Tagesablauf an: Michael B. lebt
mit Frau und Kind, nach dem gemeinsa-men Frühstück trifft er zwei Arbeitskolle-gen, mit denen er gemeinsam zur Arbeit fährt, dort ist er mit anderen Kollegen Schichtführer. Am Nachmittag ist Be-triebsversammlung, von da aus geht er gleich zum Sport, er ist nämlich Torwart in einer Fußballmannschaft. Abends trifft er sich mit Freunden.
Grafische Darstellung der Gruppen von Michael B:
Alle diese Gruppen (und es gibt im Leben von Michael sicher noch viele weitere) zeichnen sich durch gewisse Kennzei-chen aus. Alle haben ein Gruppenziel.
So hat die Familie das Ziel, die biolo-gischen Bedürfnisse der Mitglieder zu befriedigen. Gleichzeitig hat sie – damit zusammenhängend – auch wirtschaftli-che und soziale Ziele. Schutz vor Hunger,

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Kälte, Erziehung und Sozialisation der Kinder, Zusammengehörigkeit und vieles andere.
Die Familie wird auch als Primärgruppe bezeichnet (Primus = der Erste; Sekun-dus = der Zweite). d.h. die erste Gruppe, in die ein Mensch im Regelfall kommt, also Mitglied ist. Primärgruppen sind normaler Weise nicht so groß wie andere Gruppen, unterscheiden sich auch dadurch, dass sie ihre Mitglieder in besonderer Weise prägen. Ihr Ziel ist in erster Linie die Be-friedigung biologischer Bedürfnisse. Im Gegensatz dazu finden sich die Gruppen-mitglieder in Sekundärgruppen zu einem bestimmten Zweck und zum zielorientier-ten handeln zusammen.
Exkurs: biologische Bedürfnisse
Biologische Bedürfnisse werden oft mit den physiologischen (körperlichen) Bedürfnissen gleichgesetzt und beinhalten dann mehr als die reine Arterhaltung. Man versteht darunter die Bedürfnisse nach Essen, Trinken, Sauerstoff, Sexualität, Ruhe, Entspannung und Schmerz-vermeidung.
Vergl. Thema Motivation, dort die Maslov’sche Bedürfnispyramide. Dort ste-hen die biologischen Bedürfnisse ganz unten als die grundlegenden Bedürfnisse, deren Befriedigung der Mensch als erstes in Angriff nimmt.
Die Fahrgemeinschaft hat auch ein Ziel, nämlich Geld, Benzin und Nerven zu spa-ren. Die Arbeitsgruppe, in der Michael arbeitet, hat sicher auch ein bestimmtes, festgelegtes Ziel. Der Betrieb hat eben-falls ein Betriebsziel, z.B. die Erwirtschaf-tung von Gewinn durch Anbieten von Waren oder Dienstleistungen. Michaels Sportverein hat natürlich auch ein Ziel, er möchte vielleicht die Meisterschaft ge-winnen oder auch nur die Freizeit seiner Mitglieder sinnvoll gestalten. Das Ziel der Clique, mit der sich Michael abends trifft, ist, zusammen Spaß zu haben, die Frei-zeit zusammen zu verbringen, Erfahrun-gen und Gedanken auszutauschen und vieles mehr.
Rolle, Position und Status
Setzen wir das Beispiel von Michaels Ta-gesablauf fort. Michael war mit seiner Cli-que noch etwas trinken und kommt nun gut gelaunt nach Hause. Sabine, seine Frau, ist vielleicht nicht so gut gelaunt wie er, denn auch sie möchte Zeit mit ihm ver-bringen. Außerdem haben die beiden eine kleine Tochter, die vielleicht von ihrem Vater eine Gutenacht-Geschichte vorge-lesen bekommen will. Natürlich haben die Beiden Recht, wenn sie Erwartungen an ihren Mann bzw. Vater haben. Aber auch andere haben Erwartungen an Michael. Die Bekannten, mit denen er eine Fahr-
Gruppenverhalten
28

gemeinschaft bildet, erwarten, dass er morgens pünktlich erscheint, jedes dritte Mal fährt und – falls er mal krank sein soll-te – rechtzeitig vorher absagt. Sein Chef im Betrieb erwartet, dass er pünktlich und ausgeschlafen bei der Arbeit erscheint und noch vieles mehr. Seine Kollegen von der Arbeitgruppe erwarten Fachkom-petenz und Leistungsbereitschaft. Außer-dem soll er sich hilfsbereit und kollegial verhalten. Im Sportverein – Michael ist Torwart – wird u.a. von ihm erwartet, dass er möglichst jeden Ball der gegnerischen Mannschaft hält und dass er regelmäßig ins Training kommt. Seine Clique erwar-tet vielleicht von ihm, dass er ab und zu einen ausgibt, Spaß versteht, dass man ihn um Rat fragen kann und vieles mehr. Armer Michael! Aber so geht es mehr oder weniger allen Menschen. Wir alle spielen in verschiedenen sozialen Zusammen-hängen, d.h. in verschiedenen Gruppen, unterschiedliche Rollen.
Die Summe aller Erwartungen an eine Person in einem sozialen System nennt man eine Rolle.
Michael ist Ehemann, Vater, (wahrschein-lich auch noch Sohn, Bruder, Enkel), Mitfahrer, Kollege, Betriebsangehöriger, Schichtführer, Torwart, Freund und noch
einiges andere. Er ist Mitglied in einer (nach oben nahezu offenen) Anzahl von Gruppen, und er spielt somit eine Anzahl von Rollen, muss die verschiedensten Er-wartungen erfüllen.
Rolle: Summe der Erwartungen an eine Person in einem sozialen System.
Position ist der Standort in einem sozialen Sys-tem
Status = die Wertschätzung an eine Position
Der Status z.B. einer Berufsgruppe ist natürlich nicht unbedingt einheitlich. Er ist von verschiedenen Faktoren abhän-gig. So ist z.B. das Bild von Politikern in der Öffentlichkeit nicht immer das Beste, wenn sie aber irgendwo erscheinen, wird der Verkehr umgeleitet, Ampeln ausge-schaltet und auch sonst kräftig gebuckelt.
Aufgabe 27: Diskutieren Sie den Status der folgenden Berufe. Vergleichen Sie die Bedeu-tung des Berufes für die Gesellschaft mit der sozialen Anerkennung, die die Berufe jeweils erhalten:
Straßenreiniger, Politiker, Krankenschwester, Showstar, Versicherungsvertreter, Lehrer, Arzt, Malermeister, Bischof, Großunternehmer, Gele-genheitsarbeiter, Meister für Bäderbetriebe.

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Der Betrieb als System
Vereinfachtes Betriebsmodell
Hier sehen wir ein stark vereinfachtes Modell eines Betriebs. Die einzelnen Po-sitionen des Modells stehen untereinan-der in (Arbeits-) Beziehungen, z.B. Aus-bilder und Auszubildende. Vom Inhaber einer Position werden jeweils bestimmte Leistungen und Verhaltensweisen erwar-tet. Z.B. sollen Auszubildende pünktlich, höflich, lernbereit, u.v.m. sein. Ausbilder sollten Vorbild sein, usw. Die Summe dieser Erwartungen an eine Position ist eine Rolle (der Begriff kommt übrigens aus der Theatersprache). Der Status ei-ner Position ist der Ort auf einer sozialen Rangskala, der der jeweiligen Position zu-geschrieben wird. Es handelt sich dabei um die Wertschätzung, die der Position entgegengebracht wird.
Aufgabe 28: Welche Rollenerwartungen werden an Sie bei Ihrer Arbeit gestellt? Sind Sie mit allen einverstanden?
Was ist eigentlich ein System?
Ein System ist ein Gebilde, das aus ein-zelnen Elementen besteht, die zueinan-der in Beziehung stehen, d.h. sie beein-flussen sich wechselseitig. Das System grenzt sich nach außen von der Umwelt ab, kommuniziert aber u.U. auch mit ihr. Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile.
Ein Sandhaufen ist kein System, da die einzelnen Elemente nicht untereinander in Beziehung stehen, ein Ameisenhaufen aber sehr wohl. Jede Ameise für sich ist wieder ein System, jedes Organ der Amei-se (haben die so was?) auch wieder. Je-der Mensch ist ein System, eine Gruppe ist ein soziales System.
Interessante Versuche
Sicher haben Sie schon einmal eine Fuß-ballübertragung gesehen, die auch einen Blick auf die Fanblöcke warf. Selbst bei gutartigem Verlauf eines Spieles sind hier Verhaltensweisen zu beobachten, die ein einzelner Fußballanhänger allein vor dem Bildschirm nie zeigen würde. Offenbar gelten hier in der großen Gruppe der Fan-kurve andere Regeln. An diesem Beispiel erkennt man aber auch, dass Gruppen nicht nur ihre eigenen Regeln haben, sie scheinen auch einen gewissen Schutz zu bieten (z.B. vor den Fans des gegne-


Gruppenverhalten
30

rischen Vereins). Gleichzeitig üben Grup-pen auch einen gewissen Zwang aus. Es empfiehlt sich kaum, mitten in der Fan-kurve einen Torerfolg der anderen Mann-schaft zu bejubeln.
Zum Thema Gruppenzwang wurden schon zahlreiche Experimente durchge-führt. (Der gesellschaftspolitische Hin-tergrund zu diesen Untersuchungen war u.a. der Versuch, die Geschehnisse in Deutschland zur Zeit des Nationalsozi-alismus verstehen zu können, man den-ke z.B. an die Goebbels-Rede 1943 im Berliner Sportpalast.) So wurden z.B. Testgruppen zusammengestellt, die die Aufgabe hatten, die unten dargestellten Längen zu vergleichen:
Es handelt sich hierbei um eine bekann-te optische Täuschung. Normaler Weise sind die beiden Innenlinien exakt gleich lang, durch die Pfeile, die das eine Mal nach außen gehen und das andere Mal nach innen, wirkt die obere Figur kürzer als die untere. In diesem Fall wurde aber die obere Figur tatsächlich noch ein biss-chen gekürzt, so dass sie nicht nur kürzer erscheint, sondern auch wirklich kürzer ist. Es wurden Gruppen mit jeweils acht
Testpersonen zusammengestellt, die die-se Aufgabe gestellt bekamen. In der Re-gel wurden die Schätzungen richtig abge-geben.
Nun wurden andere Testgruppen zusam-mengestellt, die allerdings aus nur einer wirklichen Testperson und sieben Stroh-männern bzw. –frauen bestanden. Diese Strohleute behaupteten nun, die untere Linie sei kürzer als die obere. Und siehe da: Die wirklichen Testpersonen schlos-sen sich zwar keineswegs immer, aber doch wesentlich häufiger als im ersten Fall (als die Strohleute richtig schätzten) der offensichtlich falschen Meinung an. Ein typischer Fall von Gruppenzwang.
Was ist eine Gruppe?
Nicht jede beliebige Ansammlung von Menschen ist eine Gruppe. Eine Gruppe ist der Zusammenschluss mehrerer Men-schen, die sich gegenseitig beeinflussen und steuern und damit besondere zwi-schenmenschliche Beziehungen sowie einen inneren Zusammenhalt aufweisen.
Was macht eine Gruppe aus?
a) Sie hat ein Gruppenziel. Das kann z.B. gemeinsame Freizeitgestaltung, die Erreichung eines Schulabschlus-ses oder fünf Kilo in fünf Wochen ab-nehmen sein.

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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b) Es gibt ein Gruppenbewusstsein, ein „Wir-Gefühl“, das die Gruppenzusam-mengehörigkeit darstellt, z.B. bei Fan-gruppen von Fußballmannschaften, Klassenverbänden, Mannschaften. Die Mitglieder identifizieren sich mit der Gruppe.
c) Es gibt Gruppennormen. Normen sind gemeinsame Standards für das eigene Handeln, was ist gut bzw. er-laubt, was ist schlecht oder verboten. Normen können z.B. sein: Fairness, den Ball nicht in die Hand zu nehmen (beim Fußball), den Ball nicht mit dem Fuß zu spielen (beim Handball), keine Drogen zu nehmen, Gewalt abzuleh-nen, u.v.m.
d) Es gibt eine Gruppenstruktur. Nicht jedes Mitglied einer Gruppe hat die gleichen Aufgaben und somit werden auch verschiedene Anforderungen an die Einzelnen gestellt. Nehmen wir als Beispiel eine Fußballmannschaft: Tor-wart und Verteidigung sollen den „Kas-ten“ sauber halten, die Stürmer sollen die Tore schießen. Der Torwart darf in-nerhalb des Strafraumes den Ball in die Hand nehmen, er sollte aber nur selten am gegnerischen Strafraum auftau-chen. Es gibt „Manndecker“, die einen bestimmten Spieler der gegnerischen Mannschaft hautnah abschirmen und
es gibt einen Mannschaftsführer, der bei Streitfragen mit dem Schiedsrichter verhandelt und der stets Vorbild sein sollte. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Gruppen. Überall herrscht eine bestimmte Aufgabenverteilung. Nicht jeder muss bzw. soll alles ma-chen. Es gibt verschiedene Rollen. Meistens gibt es einen Gruppenfüh-rer, der zu den meisten Mitgliedern der Gruppe einen guten Draht hat und dessen Autorität anerkannt wird. Zu Konflikten kann es kommen, wenn die Führungsposition umstritten ist oder wenn die formelle (z.B. von der Ge-schäftsleitung vorgesehene) Führung nicht mit der informellen (tatsächlich gegebenen) Führung übereinstimmt. Außer der Führungsrolle gibt es noch eine Menge anderer möglicher Rollen und Konstellationen, so z.B. Mitläufer, Außenseiter, Fachmann/-frau für ei-nen bestimmten Bereich, graue Maus, Clown, Oppositionsführer, Tüchtigster, Streber, Sündenbock, Pärchen, Unter-gruppen, u.v.a.
e) Innerhalb der Mitglieder von Gruppen gibt es Beziehungen. Diese Beziehun-gen können verschiedenster Art sein. Am einfachsten ist die Unterscheidung in positive oder negative Beziehungen, also wer mag wen, wer mag wen nicht. Auf die betriebliche Praxis bezogen, kann hier auch ausgedrückt werden,
Gruppenverhalten
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wer mit wem gerne zusammenarbeitet und mit wem weniger gern. Diese kom-plexen Strukturen kann man in sog. Soziogrammen (s.u.) grafisch sehr übersichtlich darstellen:
f) Eine Gruppe braucht eine relative zeit-liche Beständigkeit, damit sie eine soziale Einheit bilden kann. Beziehun-gen müssen sich entwickeln können, Rollen werden verteilt, Aufgaben ver-geben und vieles mehr. Das braucht eben seine Zeit.
Soziogramme
Unter den Mitgliedern einer Gruppe be-stehen soziale Beziehungen, z.B. Sympa-thien, Antipathien, Abhängigkeiten, usw. Stellen wir uns vor, wir erheben in einer Gruppe (z.B. einem Betrieb) eine Umfra-ge, wer mit wem (Mehrfachnennungen möglich) am liebsten zusammenarbeiten würde und mit wem der/die Befragte nicht gerne zusammenarbeiten würde. Die Ant-worten können wir dann folgendermaßen grafisch darstellen: Für jede Person wird ein Kreis gezeichnet, der entweder den Namen oder eine anonymisierende Ab-kürzung enthält. Positive Wahlen (also: A will gern mit B zusammenarbeiten) wer-den durch einen Pfeil dargestellt. Will B auch mit A zusammenarbeiten, dann gibt es einen Doppelpfeil. Bei der Ablehnung
eines Gruppenmitglieds gibt es gestrichel-te Pfeile oder entsprechend Doppelpfeile. Ein einfaches Beispiel:
Hier haben wir vier Gruppenmitglieder.
Die durchgezogenen Linien bedeuten
Zuneigung, die gestrichelten bedeuten
Abneigung.
Der Vorteil eines solchen Sozigramms be-steht darin, dass die Gruppenstrukturen und die Beziehungen der Gruppenmit-glieder sehr schnell aufgedeckt werden. Problematische Konstellationen, wie z.B. Außenseiter, isolierte Gruppenmitglieder, Ablehnung, Binnengruppen, Orientierung nach außen, usw. können anhand einer solchen Grafik abgelesen werden.
Gruppendynamik
Gruppen sind, wie wir gesehen haben, also Systeme, die sich entwickeln. Wie sich Gruppen entwickeln, das hängt na-

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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türlich erst einmal von den Gruppenmit-gliedern ab, die die Gruppe bilden. Es ist aber auch von der Aufgabe, dem Ziel, das die Gruppe hat, abhängig, von den äu-ßeren Bedingungen und vielem anderen. Es gibt aber auch Entwicklungsphasen, die man immer wieder beobachten kann. Diese Erscheinung nennt man Gruppen-dynamik.
• Fremdheitsphase
Jeder versucht, sich von seiner besten Seite zu zeigen, sich anderen gegen-über so zu verhalten, wie er gern gese-hen werden möchte und tastet vorsich-tig die anderen ab. Man ist höflich und freundlich zueinander. Eigentlich die „normale“ Anfangsphase einer Grup-pe, die sich kennen lernt.
• Orientierungsphase
Die einzelnen Gruppenmitglieder be-greifen die Gruppe als solche zu emp-finden, es beginnt ein Prozess des Rollenfindens, der Rollenverteilung; z.T. entstehen starke Machtkämpfe. Wenn die Rollen – z.B. die Führungs-rolle – umkämpft sind, ist diese Phase heftiger und dauert länger, als wenn die Gruppenmitglieder sich einig sind.
• Vertrautheitsphase
Die Rollen innerhalb der Gruppe sind vergeben, jeder hat seinen Platz bzw. seine Aufgabe. In dieser Phase ist die Gruppe am produktivsten, sie wird
deshalb auch in einigen Modellen als Arbeitsphase beschrieben.
• Abschlussphase
Die Gruppe löst sich auf, bzw. wird aufgelöst (zum Beispiel Schulklasse). Diese Phase hat nur dann eine Bedeu-tung, wenn die Auflösung einer Grup-pe absehbar ist bzw. geplant.
Erarbeitungsaufgaben
Aufgabe 29: Fertigen Sie für sich ein Schau-bild an, wie es weiter oben für die Gruppen, in denen sich Michael bewegt, gemacht wur-de. Versuchen Sie, wirklich alle Gruppen zu erfassen, in denen Sie vertreten sind. Lassen Sie das Blatt einige Tage liegen und gehen Sie dann die Aufgabe noch einmal an. Überlegen Sie auch, welche Ziele die einzelnen Gruppen haben und welche Regeln jeweils gelten. Sie werden sehen, dass das ein interessantes Feld ist.
Aufgabe 30: Analysieren Sie das folgen-de Soziogramm einer Jugendgruppe. Welche Merkmale, Rollen und Konstellationen können Sie erkennen? (durchgezogene Linie = positi-ve Wertung, gestrichelte Linie = negative Wer-tung). Auf der nächsten Seite.
Aufgabe 31: Stellen Sie einen möglichst be-kannten Sachverhalt (z.B. Märchen, Roman, Film, o.ä.) als Soziogramm dar (z.B. Schnee-wittchen und die sieben Zwerge).
Aufgabe 32: Erstellen Sie nach den folgen-den Vorgaben ein Soziogramm für eine Gruppe:

Gruppenverhalten
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Andy: Sehr gerne arbeite ich mit Chrissy und Ernst. Mit Bernd komme ich leider meistens nicht gut aus.
Bernd: Mir sind die Leute hier egal. Nach Feier-abend gehe ich zu meiner Freundin, die ist toll.
Chrissy: Dagmar find ich super. Bernd ist ar-rogant, außerdem hat er keine Ahnung von der Arbeit.
Dagmar: Chrissy ist immer sehr nett zu mir, mit ihr arbeite ich gerne zusammen. Ernst finde ich auch ganz toll.
Ernst: Am liebsten bin ich mit Andy auf der glei-chen Schicht. Mit ihm gibt es nie Probleme, er tut immer, was ich ihm sage.
Aufgabe 33: Beurteilen Sie, ob die folgenden Menschen jeweils Gruppen bilden. Versuchen Sie jeweils, Ziele, Normen und Rollen zu be-schreiben.
a) Alle Deutschen
b) Alle Blondinen
c) Menschen, die gemeinsam auf die Straßen-bahn warten
d) Eine Schulklasse
e) Drei Mitarbeiter eines Bades während einer gemeinsamen Schicht
f) Ein Pärchen im Kino
g) Fahrgemeinschaft zur Arbeit
Aufgabe 34: Nennen Sie fünf verschiedene Gruppen aus Ihrem persönlichen Erfahrungs-bereich und nennen Sie
a) die jeweiligen Ziele, die diese Gruppen ver-folgen
b) einige Normen, die in diesen Gruppen gel-ten
c) einige Rollen, die diese Gruppen aufweisen.


Soziogramm mit 13 Personen zu einem Sachverhalt
Zu Aufgabe 30:
Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb
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Kennzeichen von Gruppen
• Gemeinsames Ziel
• Struktur (Rolle)
• Gruppenbewusstsein
• Gemeinsame Normen und Werte
• Beziehungen
• Zeitliche Beständigkeit
Beispiel
Erläuterungen
Primärgruppe: erste, prägende Gruppe, meistens die Familie
Rolle: Summer der Erwartun-gen an eine Person in einem sozialen System
Positon: Standtort in einem so-zialem System
Status: Wertschätzung einer Rolle
Soziogramm: grafische Dar-stellung der Beziehung in einer Gruppe
Formale Gruppen ergeben sich auch vorgegebenen Rege-lungen, informale (auch infor-mele) entstehen freiwillig.
Typische Rollen in der Gruppe: Führer, Beliebtes-ter, Tüchtigster, Opposi-tionsführer, Sündenbock, Außenseiter, Drahtzieher, Mitläufer, Gefolgsleute, usw.
Gruppendynamik: Vorgänge und Abläufe, die in Gruppen stattfinden (Fremdheits-, Orientie-rungs-, Vertrautheits-, Differenzierungs- und Abschlussphase)

Zusammenfassung
Gruppenverhalten
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Warum werden Gruppen gebildet?
Überall begegnen uns Gruppen, in der Freizeit, im Berufsleben. Sie organisieren Menschen mit gleichen Interessen oder Neigungen und helfen ihnen, Ziele zu er-reichen, die sie sonst vielleicht gar nicht schaffen könnten. „Gemeinsam sind wir stark!“ ist das Motto von Gewerkschaften, Parteien, Bürgerinitiativen, Arbeitsgrup-pen u.v.m. Durch das Zusammentragen von Kenntnissen können Ergebnisse er-zielt werden, die ein Einzelner allein nicht erreichen kann. Gruppen bieten eine enorme Arbeitsersparnis, da man von den Erfahrungen anderer lernen kann, ohne sie erst mühsam selbst machen zu müs-sen. Denken wir einmal an eine Bergstei-gergruppe. Sie bietet dem einzelnen Mit-glied Sicherheit, die er allein nicht haben kann. Gruppen bieten auch einen Schutz vor Unsicherheit und Angst, ein Beispiel ist eine Versichertengemeinschaft. Was auch nicht vergessen werden darf, ist der Austausch von Erfahrungen und Kennt-nissen. Jeder kann davon profitieren, nicht nur der vermeintlich Schlauere. Au-ßerdem ist ein sozialer Vergleich möglich, jeder kann seine Kenntnisse und Fertig-keiten (oder auch andere Eigenschaften) im sozialen Zusammenhang vergleichen. Das ist gerade für Jugendliche, die sich einschätzen und vergleichen wollen, wichtig, um geregelte Maßstäbe zu fin-
den. Gruppen bieten dem einzelnen Mit-glied auch Anerkennung für vollbrachte Leistungen, sie können Verhaltensweisen und Lebenseinstellungen bestätigen, sie bringen Verständnis, Geborgenheit und Freundschaft. Kurz und gut: der Mensch ist kein Einzellebewesen, sondern ein Gruppentier!
Aufgabe 35: Mit welchen Absicht wurden die folgenden Gruppen wohl gebildet?
a) Urmenschen rotten sich zusammen (im Hintergrund wartet ein hungriger Bär)
b) Lerngruppe vor einer Prüfung (im Hintergrund wartet der Prüfungsausschuss)
c) Winzer-Genossenschaft
d) Azubi-Gruppe
e) Selbsterfahrungsgruppe
Welche Arten von Gruppen gibt es?
Da es unendlich viele und vor allem auch sehr unterschiedliche Gruppen gibt, wer-den verschiedene Arten von Gruppen unterschieden. Zuerst einmal gibt es die Primärgruppe. Sie wurde weiter oben bereits erwähnt. Ihr Hauptmerkmal sind sehr enge, persönliche Beziehungen. In der Literatur ist die Definition nicht ganz einheitlich. Manche Autoren verstehen unter einer Primärgruppe nur die Fami-lie, andere auch Freundesgruppen und sogar die Nachbarschaft. Die Familie ist

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in vielen Fällen sicherlich die wichtigste Primärgruppe. Dementsprechend sind Sekundärgruppen außerhalb der Familie stehende Gruppen. Sie werden ihrerseits in formelle und informelle Gruppen aufge-teilt. Formelle Gruppen ergeben sich aus bestimmten vorgegebenen Regelungen und Bestimmungen, z.B. Schulklassen. Die Mitgliedschaft in informellen Gruppen ist hingegen der freiwilligen Entscheidung des Einzelnen überlassen, z.B. die Mit-gliedschaft in einem Sportverein. Schließ-lich gibt es noch spezielle Gruppen, das sind z.B. für bestimmte Aufgaben kurzfris-tig zusammengestellte Arbeitsgruppen. Um das Bild zu vervollständigen, soll noch erwähnt werden, dass Gruppen auch hin-sichtlich ihrer Größe unterschieden wer-den können. Zwei Menschen bezeichnet man im Allgemeinen nicht als Gruppe, sondern als Paar oder Dyade (hauptsäch-lich Mutter und Kind). Gruppen mit mehr als 25 Mitgliedern werden nicht mehr als Kleingruppe, sondern als Großgruppe bezeichnet.
Gruppenarten
Manchmal werden statt der Ausdrücke „formell“ und „informell“ auch die Bezeich-nungen „formal“ bzw. „informal“ verwen-det.
Was kann Gruppen kaputtmachen?
Wie wir gesehen haben, sind gut funk-tionierende Gruppen so etwas wie die Keimzellen des Lebens, also auch des Ar-beitslebens. Umso wichtiger ist es, dass sie gut funktionieren. Dazu ist es wiede-rum notwendig zu wissen, welche Fehl-entwicklungen es bei der Gruppenbildung geben kann.
• Das Gruppenziel ist unklar oder nicht einheitlich.
• Die Gruppe ist durch die gestellte Auf-gabe überfordert.
• Die Kommunikation klappt nicht – man-gelnder Informationsfluss – Sprach- oder Verständigungsprobleme.
• Die Rollenverteilung innerhalb der Gruppe ist nicht klar, z.B. Führungsrol-le ist umstritten.
• Die Mitglieder der Gruppe sind nicht teamfähig, lauter Einzelgänger und Ei-genbrötler.
• Es gibt Schwierigkeiten mit dem Füh-rungsstil des Vorgesetzten.

Gruppenverhalten
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Aufgabe 36: Um einen Tag der Offenen Tür durchzuführen, bilden Sie zur Vorbereitung eine Arbeitsgruppe. Sie besteht aus einem Aus-zubildenden im ersten Lehrjahr, zwei Auszubil-denden im zweiten Jahr (beide Umschüler) und einem Auszubildenden im dritten Jahr.
Welche Probleme könnten entstehen? Wie könnten sie gelöst werden? Wie könnten sie vermieden werden? Müssen sie vermieden werden oder gibt es in der Zusammensetzung der Gruppe evtl. auch Vorteile?
Die Gruppe im Badebetrieb
Welche Bedeutung spielt nun die Gruppe bei der täglichen Arbeit? Welche Bedeu-tung hat die Tatsache, dass es Gruppen gibt, auf das Betriebsleben? Was muss z.B. der Leiter eines Bades beachten?
Auch auf den Bäderbetrieb lässt sich un-ser Gruppenmodell anwenden. Das Bad hat ein Betriebsziel. Alle Mitarbeiter soll-ten mit ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten darauf hinarbeiten, die-ses Betriebsziel zu verwirklichen. Es gibt verschiedene Positionen, Rollen. Es gibt auch eine soziale Rangskala und somit haben die einzelnen Beschäftigungsfel-der auch alle einen gewissen Status. Es gibt Normen und Regeln, die die Persön-lichkeit einschränken (z.B. pünktlich sein, arbeiten müssen, u.v.a.) Schließlich gibt es – wie wir schon gesehen haben – man-
nigfache Beziehungen der Mitarbeiter un-tereinander, also alles, was eine Gruppe ausmacht. Der Betrieb ist daher ein so-ziales Arbeitssystem. Verantwortlich da-für, dass dieses System gut funktioniert, ist in erster Linie der Betriebsleiter, letzt-endlich aber alle Mitarbeiter.
Wie im Einzelnen zu verfahren ist, um ein gutes Betriebsergebnis zu erzielen, das ist auch eine Frage der Führung. Zu die-sem Komplex wird später noch viel gesagt werden. An dieser Stelle wollen wir noch auf den Gruppenaspekt eingehen. Günter Liedtke hat in seinem Buch „Führungs-kraft Meister“ die folgenden Gruppen-spielregeln aufgestellt:
Gruppenspielregeln
1. Jeder ist gleichberechtigt.
2. Jeder achtet die Persönlichkeit des anderen.
3. Jeder bleibt sachlich.
4. Jeder vertritt die Gruppe nach in-nen wie außen gut.
5. Jeder ist bereit zu helfen.
6. Jeder respektiert die Meinung des anderen.
7. Jeder gibt sein Können und sei-ne Erfahrung her für die Erfüllung der Gruppenziele.
8. Jeder ist für Kritik offen und hat das Recht, Kritik zu üben.


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9. Jeder beteiligt sich an der Lösung von Problemen und dem Prozess der permanenten Verbesserung.
10. Alle sind fair und offen zueinan-der.
Aus: Günter Liedtke, Führungskraft Meister, S. 28
Auffallend bei den obigen Gruppenspiel-regeln ist, dass alle mit „jeder“ oder „alle“ beginnen. Die Gleichberechtigung spielt also eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig merkt man, dass sich alle der gestellten Aufgabe, dem vorgegebenen Ziel unter-ordnen. Zum Schluss bringt aber jeder seine eigene Individualität - mit allem, was damit zusammenhängt – in die Grup-pe ein. Für den Meister im Bäderbetrieb geht es darum die jeweilige Aufgabe mit der jeweiligen Gruppe und den jeweiligen Individuen „unter einen Hut“ zu bringen.
Zusammenhang von Aufgabe, Gruppe und Indivi-duum
Erarbeitungsaufgaben:
Aufgabe 37: Diskutieren Sie diese Regeln. Was halten Sie von den Gruppenspielregeln?
Welche halten Sie für die wichtigste? Sind diese Regeln im betrieblichen Alltag zu verwirklichen oder sind sie utopisch?
Aufgabe 38: Arbeiten Sie für Ihre Klasse sol-che Gruppenspielregeln aus. Galten sie schon bisher oder muss ein Umdenken erfolgen?



Gruppenverhalten
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A 2 Einflüsse des Betriebes auf das Sozialverhalten
A 2.1 Arbeitsorganisation und soziale Maßnah-men
Der Betrieb als soziales Umfeld
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das heißt, der Mensch ist von seiner Natur zum Zusammenleben mit anderen Men-schen geschaffen. Bei der Betrachtung von Gruppen haben wir schon gesehen, dass der Einzelne von den Gruppen, in denen er lebt und arbeitet, profitieren kann. Letztendlich muss die Mitgliedschaft in einer Gruppe für die Mitglieder lohnend sein. So wie jeder Mensch die Gruppen, deren Mitglied er ist, mitprägt, so wird er auch von diesen Gruppen beeinflusst. Jeder Mensch wird vor allem in seiner Entwicklung von seinem sozialen Umfeld geprägt. Zuerst von Eltern, Mitschülern, Lehrern, usw. Später nehmen der Betrieb und das Berufsleben im Sozialisations-prozess eine besondere Rolle ein.
Sozialisation: Dem heranwachsenden Menschen wird in seinem Entwicklungs-prozess vermittelt, was die herrschenden Werte und Normen der Gesellschaft so-wie die Techniken des Lebens ausmacht.
Ziel dabei ist, den Einzelnen im Rahmen
der kulturellen, sozialen und materiellen Bedingungen seiner Gesellschaft lebens-fähig und funktionstüchtig zu machen.
Im Betrieb gilt normalerweise eine relativ strenge Ordnung, die die Persönlichkeit einschränkt. Spielregeln für das Zusam-menarbeiten und Zusammenleben wer-den hier ständig geübt und praktiziert. Der Grund liegt darin, dass alles Wirken einem Betriebsziel untergeordnet ist, das man gemeinsam erreichen will. Der einzelne Betrieb hat daher die Aufgabe, soziale Beziehungen zu schaffen, die der Anpassung des Menschen an die Arbeits-bedingungen dienen.
Der Betrieb ist ein entwicklungsfördern-des, soziales Arbeitssystem.
Erarbeitungsaufgaben
Aufgabe 39: Nennen Sie einige Werte und Normen unserer Gesellschaft, die im Rahmen des Sozialisationsprozesses vermittelt werden. Haben diese Werte und Normen in anderen Ländern oder in anderen Zeiten (z.B. Mittelal-ter) auch Geltung?
Aufgabe 40: Was ist wohl mit „Techniken des Lebens“ gemeint, die im Sozialisationsprozess vermittelt werden?
Aufgabe 41: Schränkt Ihr Betrieb Sie ein? Falls ja, begründen Sie Ihre Meinung.

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A 2.1.2 Der Betrieb als Arbeits-system
Was hat das alles mit der täglichen Arbeit zu tun? Versuchen wir, es an einem einfa-chen, alltäglichen Beispiel festzumachen: Ein Mitarbeiter erhält einen Arbeitsauf-trag, er soll ein defektes Schloss an einem Umkleidespind austauschen.
Der Betrieb als System (Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe)
Die Arbeitsaufgabe besteht darin, dass der Mensch mit bestimmten Arbeitsmitteln ein gewünschtes Arbeitsergebnis herstellt. In unserem Beispiel repariert ein Mitarbeiter des Bades mit Bohrer, Schrauben, usw. ein defektes Schloss. Das Ergebnis ist ein wieder funktionierender Spind mit ausge-wechseltem Schloss.
Eingabe: Das sind die Informationen, was er machen soll (Schloss austau-schen), wie er es machen soll (mit Bohrer
aufbohren), um welches Schloss es sich handelt, was er braucht (Bohrmaschine), was er beachten muss (in den eigenen Finger bohren tut weh), u.v.m. Und es sind Informationen, die er diesen Arbeits-gang betreffend schon hat (Ausbildung, Berufserfahrung).
Verarbeitung: Das ist der Arbeitsgang selbst.
Ausgabe: Das ist in erster Linie das Ar-beitsergebnis, aber auch Abfall (z.B. fünf abgebrochene Bohrer), Restmaterial, und nicht zu vergessen, die Erfahrungen, die der Ausführende bei der Arbeit gesammelt hat.
Einflüsse des Umfeldes: Z.B. Unfall-verhütungsvorschriften verhindern, dass bestimmte Arbeitsgänge ohne Schutz-kleidung ausgeführt werden, gesetzliche Vorschriften, Publikumsverkehr, überge-ordnete Stellen, usw.
Einflüsse auf das Umfeld: Das Umfeld wird direkt durch die Arbeitsaufgabe ver-ändert, das Bohren macht Lärm, Erfah-rungen werden weitergegeben, usw.

Der Betrieb als Arbeitssystem
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Wir fassen zusammen:
• Arbeitssysteme dienen der Erfüllung von Arbeitsaufgaben.
• z.B. Badebetrieb für Badegäste er-möglichen
• Menschen und Arbeitsmittel wirken zu-sammen, benötigen Eingaben, um ein Arbeitsergebnis (Ausgaben) zu erbrin-gen.
• z.B. Chlorgasflaschenwechsel
• Der im Arbeitssystem ablaufende Pro-zess ist der Arbeitsablauf.
• Das Arbeitssystem übt Einflüsse auf seine Umgebung aus.
• z.B. Veränderung des Bades durch Aufstellen einer neuen Wasserrutsche
• Die Umgebung übt Einflüsse auf das Arbeitssystem aus.
• z.B. durch gesetzliche Vorschriften, Normen, usw.
Aufgabe 42: Vollziehen Sie diesen Abschnitt mit einer anderen Arbeitsaufgabe aus Ihrem persönlichen Erfahrungsschatz nach.
Das Betriebsklima
Jeder kennt den Ausdruck „Es herrscht dicke Luft“ im Betrieb. Um die Stimmung deutlich zu machen, wird ein bildhafter Vergleich aus der Wetterkunde herange-zogen. Beim Begriff „Betriebsklima“ ist
das genauso. Wie sich das Klima aus vie-len einzelnen Faktoren zusammensetzt (Temperaturen, Wetter, Luftfeuchtigkeit, usw.) so ist auch das Betriebsklima von mehreren Faktoren abhängig:
Das Betriebsklima setzt sich zusam-men aus:
• Führungsstil des/der Vorgesetzten (autoritär / partnerschaftlich)
(wird später noch ausführlich bespro-chen)
• Zusammensetzung von Gruppen (sie-he oben)
Auch in jeder Gruppe herrscht eine be-stimmte Atmosphäre.
• Entlohnung
• Arbeitsorganisation
Information und Kommunikation, Strukturen im Betrieb, Arbeitsabläufe, Kompetenzverteilungen, Vorschriften, ...
• Arbeitsplatzgestaltung
Fühle ich mich wohl, wie ist die Umge-bung? (siehe weiter unten)
• Arbeitsklima
Welche Aufgaben habe ich (Unterfor-derung, Überforderung), kann ich mich entfalten, haben ich Erfolgserlebnisse, wie klappt die Zusammenarbeit, usw.
Das Betriebsklima ist daher die Gesamt-heit aller sozialen, psychologischen und

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