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Renko
Ein Roman von Jorin Söker
Impressum
© dead soft verlag, Mettingen 2021
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© the author
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
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© Just dance – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-466-7
ISBN 978-3-96089-467-4 (epub)
Inhalt:
Meister. So will Olaf genannt werden. Abends, wenn sie ihre Schicht bei der Polizei beendet haben und zu Renko nach Hause fahren.
Doch Renko merkt zunehmend, dass er alles andere als ein „Meister“ ist. Olaf ist unerbittlich. Ignoriert Renkos Safeword. Es wird immer schwerer, nach außen die Maske aufrechtzuerhalten. Aber die Sache zu beenden scheint fast aussichtslos, denn Olaf hat ihn in der Hand.
Kai und Steffen, ebenfalls Partner bei der Polizei und in ihrer Freizeit Doms aus Leidenschaft, entdecken durch Zufall Verletzungen an Renko, die Fragen aufwerfen. Obwohl Renko zunächst abblockt, geben sie nicht auf, bis er sich ihnen öffnet und sie die Chance haben, ihm zu helfen.
Könnte Renko tatsächlich der passende Sub für sie sein?
Ist eine Beziehung zu dritt überhaupt eine Option, oder schafft Olaf es, alles zu zerstören?
Und welche Rolle spielt Philipp dabei, der junge Kerl, der mit einer Waffe einen Apotheker bedrohte, und dessen Fall Kai und Steffen auf dem Tisch haben?
»Beweg dich gefälligst auf die Knie, Sklave!«, raunzte Olaf und trat mir mit voller Wucht in die Kniekehlen, sodass ich seinem Befehl automatisch nachkam.
Ich ließ mir den Schmerz, der durch meine Knie schoss, nicht anmerken, denn das würde die Situation nur verschlimmern. Olaf mochte es nicht, wenn ich Laute von mir gab. Dass ich erst kurz zuvor meine Wohnung betreten hatte, interessierte ihn einen Dreck. Hauptsache er konnte nach der Arbeit seine Wut bei mir abladen.
»Hat es dir mal wieder die Sprache verschlagen?! Wie wär’s mit einer Entschuldigung?!«, brüllte er weiter.
Wenn er doch nicht immer so schreien würde! Mir fielen fast die Ohren ab. Er konnte froh sein, dass die Wände in meinem Wohnblock dick waren, sodass die Nachbarn ihn nicht hörten. Ich wünschte mir oft, sie könnten ihn hören, in der Hoffnung, dass sie Hilfe holen würden. Wunschdenken.
»Entschuldigung, Meister«, gab ich unterwürfig von mir, bevor ich einen Tritt kassierte. Ich war ihm wohl zu langsam. Kurz blieb mir die Luft weg. Ein Schmerz breitete sich auf meinem Rücken aus. Ich gab keinen Mucks von mir.
»Zieh dich aus!«
Irgendwie war es sinnlos, dass er mich auf den Knien sehen wollte, nur um mich kurz darauf wieder aufzuscheuchen, damit ich die Klamotten loswurde. Aber so war er nun mal. Flink kam ich seiner Forderung nach. Diesmal war ich schnell genug und erntete keine weiteren Tritte.
Anschließend ließ ich mich auf die Knie sinken, die Arme hinter dem Rücken und aufrecht, die Brust raus, so, wie er es mir beigebracht hatte. Na ja, eingeprügelt passte eher.
»Dein Ehrgeiz lässt mal wieder zu wünschen übrig. Streck gefälligst die Brust weiter raus!«
Ja, man konnte es ihm nie wirklich recht machen. Trotzdem tat ich wie befohlen und gab mir mehr Mühe.
»Da werde ich wohl bald nochmal Hand anlegen müssen, was, Sklave?«, nörgelte er.
Er zog sich gemächlich seine Jacke aus und hängte sie an meine Garderobe, öffnete die oberste Schublade der Kommode und griff sich das Halsband und die Manschetten.
Er trat vor mich und legte mir zuerst das Halsband um. Straff, aber nicht so eng, dass ich kaum noch Luft bekam. Demnach war seine Laune noch nicht ganz im Keller. Ich hatte Schonfrist. Hoffte ich zumindest.
Die Manschetten für die Handgelenke waren ebenfalls schnell angebracht. Heute verband er sie mit einer Kette. So würde ich meine Hände zwar noch nutzen können, aber nur erschwert, weil nicht viel Spielraum blieb.
»Ab in die Küche. Koch was Ordentliches, ich hab Hunger. Ich setze mich in der Zwischenzeit vor den Fernseher.«
»Meister, erlauben Sie mir eine Frage?«
Genervt drehte er sich nochmal zu mir um. »Wenn du meinst, dass eine Frage angebracht ist. Eigentlich hatte ich mich klar ausgedrückt, oder nicht, Sklave?«
Das, was ich wissen wollte, war für mich in seiner Ansage nicht ersichtlich, also beschloss ich, dass die Frage angebracht war.
»Meister, soll ich für eine Person kochen oder für zwei?« Mit anderen Worten: Bekomme ich Essen oder nicht?
Olaf stampfte zu mir zurück, griff in meine Haare und zerrte mich in Richtung Küche. Er war so grob und rücksichtslos, dass ich einen Schrei ausstieß und versuchte, auf allen vieren mit ihm mitzuhalten. Er hatte es natürlich darauf angelegt, dass ich nicht mithalten konnte, sodass meine Kopfhaut brannte, als wir in der Küche ankamen. Mit einem Stoß, den ich gerade so mit den Händen abfangen konnte, ließ er mich los.
»Das sollte deine Frage beantworten«, sagte er kühl. »Ansonsten nochmal extra für dein mickriges Sklavenhirn: Du kriegst nichts, bist schon wieder zu fett geworden. Du kannst froh sein, dass ich dich nicht heute Abend für eine Stunde auf das Laufband schicke.«
Mit den Worten drehte er sich um und verschwand im Wohnzimmer. Ich stöhnte leise. Also wieder ein Fastentag. Ich hasste das. Olaf und ich waren Polizisten. In unserem Beruf war es wichtig, dass wir in Bestform waren. So oft, wie er mich allerdings in den letzten Tagen hatte hungern lassen, war ich nicht mehr zu hundert Prozent fit. Heimlich essen wagte ich aber auch nicht, denn würde er mich dabei erwischen, würde er explodieren. Die Erfahrung hatte ich schon gemacht und es bedurfte keiner Wiederholung.
So machte ich mich als braver Sklave ans Kochen. Vorher brachte ich ihm aber noch eine Flasche Wasser, so, wie er es immer haben wollte. Wenigstens trank er keinen Alkohol. Nie. Auf der anderen Seite bedeutete das, dass er alles, was er mit mir machte, bei vollem Bewusstsein tat. Manchmal wäre der Gedanke erträglicher, dass er mir das antat, weil er zu besoffen war, aber das würde nie passieren. Er wollte mir das, was er tat, antun. Warum auch immer er ausgerechnet mich gewählt hatte: Ich kam aus der Nummer nicht so einfach raus. Deswegen ertrug ich alles – auch das erneute Fasten.
Das Abendessen verbrachte ich unter dem Tisch, mit seinem Schwanz in meinem Mund. Ich tat nichts, außer den Mund für ihn aufzuhalten. Denn beim Essen wollte er nicht verwöhnt werden. Er fand es nur toll, mir das Maul zu stopfen und mich hilflos würgen zu hören, weil er tief in meinem Rachen steckte. Mittlerweile kam ich damit gut zurecht, denn immerhin bekam ich durch die Nase Luft. Das Würgen war zwar unangenehm, aber da gab es weitaus schlimmere Dinge, die er mit mir anstellte.
»Deck ab, ich bin satt!«, ließ er mich wissen und sah mir anschließend beim Aufräumen zu. »Du bist wirklich zu dick. Wenn du fertig bist, treffen wir uns im Fitnessraum zum Wiegen. Bis dahin bist du hoffentlich deine Klamotten losgeworden. Du bist nicht mehr wert, als der Dreck auf dem Boden, also brauchst du auch keine Kleidung. Merk dir das.«
Die Waage zeigte 81,2 Kilogramm. Bei einer Körpergröße von 1,87 Meter ging das meiner Meinung nach eher in Richtung Untergewicht. Immerhin hatte ich durch den Job und das Training auch einiges an Muskeln. Ich stieg von der Waage, ging in eine kniende Sklavenposition und wartete auf sein Urteil. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass das nicht gut ausfallen würde.
»Sag ich doch, zu fett.« Er sah auf seine Uhr. »Jetzt haben wir es halb neun. Du gehst noch eine Stunde aufs Laufband. Ich schaue derweil eine Runde fern. Und Sklave? Der Tachometer zeigt besser am Ende einen hohen Schwierigkeitsgrad an. Verstanden?«
Streng sah er zu mir herab. Er wollte immer, dass ich ihn direkt ansah. Er mochte mich demütig und wollte sehen, was in mir vorging, hatte er mal betont. Ich hatte festgestellt, dass er das nur wollte, um meine Blicke gegen mich auszuspielen. Denn ich war jemand, der ausdrucksstarke Augen hatte, in denen man jede Gefühlsregung ablesen konnte. Das war sein Glück und mein Pech. Umso härter waren die Bestrafungen, wenn er mir ansah, dass ich innerlich gegen ihn rebellierte.
Ich schaffte einen neutralen Blick, so hoffte ich zumindest. »Ja, Meister. Eine Stunde Laufband.«
»Ich komme und kontrolliere die Einstellungen. Danach entscheide ich weiter.«
Das klang nicht gut. Eher so, als ob noch mehr im Anschluss käme. Na super. Ruhige Nacht ade. Und das Fernsehprogramm würde mich auch nicht retten, so viel Blödsinn wie lief. Wahrscheinlich war er danach noch schlechter gelaunt.
Olaf wartete, bis ich mit dem Training begonnen hatte, und ließ mich dann allein.
Nur zwei Minuten später tauchte er wieder auf. »Komm nochmal runter, Sklave«, forderte er barsch.
Schnell kam ich dem nach und kniete mich vor ihm nieder.
»Es soll ja nicht ganz so langweilig für dich sein«, sagte er mit einem fiesen Grinsen. Er zeigte mir, was er in der Hand hielt. Einen Analplug. Damit war zu rechnen gewesen.
»Los, zeig mir deinen gierigen Arsch!«
Gehorsam beugte ich mich vor und streckte ihm meinen Hintern entgegen. Er setzte den Plug an und drückte ihn stetig weiter, bis er so saß, wie er sollte. Immerhin hatte er Gleitgel verwendet, sonst wäre es eine Qual gewesen. Er schlug einmal kräftig gegen die Basis des Plugs, was mich kurz ächzen ließ.
»Halt gefälligst dein Maul, Sklave!«, schnauzte er und schlug nochmal zu. Diesmal war ich gewappnet und hielt es aus.
»Geht doch. Du kennst deinen Job, also sieh zu!« Er drehte sich um und ging.
Ich rappelte mich auf und beeilte mich, das Training hinter mich zu bringen. Mit einem Plug im Arsch und den zusammengebundenen Manschetten war Laufen auf dem Laufband zwar nicht das Angenehmste, aber es hätte schlimmer kommen können.
Steffen
»Na, Ben, alles fit?«
»Ach, Hi Steffen. Ja, alles super. Wo hast du Kai gelassen?«
»Der kommt auch gleich. Wir sind mit unseren Privatwagen getrennt gefahren, damit jeder anschließend direkt nach Hause kann.«
»Ach so, ja, macht Sinn.«
Er wärmte sich für das Training auf. Ich stellte meine Wasserflasche neben seine auf die Bank und folgte dem Beispiel.
Ben arbeitete in einer Wohneinheit, die junge Erwachsene mit Gewalt- oder Drogenproblemen aufnahm. Sein Partner Mirco hatte die Einrichtung ins Leben gerufen, da er früher selbst drogenabhängig gewesen war und anderen Leuten helfen wollte. Ben war erst ein knappes halbes Jahr im Team. Ursprünglich war er als Schützling ins Haus aufgenommen worden – ebenfalls mit einem Drogenproblem. Mein Teampartner Kai hatte dafür gesorgt, dass Mirco ihn aufnahm. Bevor er auf die Polizeischule wechselte und sich ihre Wege trennten, war er eng mit Ben befreundet gewesen.
In der Zwischenzeit war viel passiert, da Bens Leben eine unschöne Wendung genommen hatte. Gemeinsam mit Mirco hatte Kai ihm den Anstoß gegeben, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen.
Jetzt machte er hier eine sozialpädagogische Ausbildung. Daher durfte er momentan nur die Sporteinheiten leiten. Da es einfacher war, eine Gruppe zu bändigen, wenn man nicht allein war, waren Kai und ich oft hier, um Mirco und seine Leute zu unterstützen. Dann gab es noch André, der wiederum Mirco aus seinem Drogenproblem herausgeholfen hatte, und Tim, der unabhängig am Anfang des Projekts dem Team beigetreten war.
André und Mirco unterstützten Ben ebenfalls häufig bei den Sporteinheiten. Tim war Psychologe und kümmerte sich eher um die seelischen Belange der Schützlinge.
Kai und ich brachten hier oft den jungen Leuten Selbstverteidigung bei. Im gleichen Zug zu trainieren, war in unserem Job sowieso das A und O.
Mircos Scheune, in der der Sport stattfand, und die dazugehörigen Menschen waren uns immer eine willkommene Abwechslung zum Polizeialltag.
»Hast du Herrn Pollack auf der Wache nochmal gesehen?«, fragte Ben plötzlich.
»Wie kommst du darauf?«
»Ich weiß nicht. Irgendwie muss ich viel an den denken. Bei dem Verhör benahm er sich anders, als der olle Herr Häuser nicht mehr dabei war.«
»Das ist dir aufgefallen?«, gab ich erstaunt von mir.
Ben war während der Befragung, zu der er als Zeuge und Betroffener geladen gewesen war, mehrfach zusammengebrochen.
Das Verhör betraf seine unschöne Vergangenheit. Demzufolge war das ein starkes Stück, dass er das Verhalten von Herrn Pollack so detailliert hatte aufnehmen können.
Aber ich musste ihm zustimmen. Ohne seinen Partner war mir Herr Pollack auch positiv aufgefallen. Sonst kannte man ihn ruhig und still; eher als defensiven Polizisten, der nur im Notfall hart durchgriff. Aber bei dem Gespräch mit Ben war er aus sich herausgekommen. Er hatte die Vernehmung zielorientiert und einfühlsam zu Ende gebracht, nachdem es mit Herrn Häuser nicht so gut geklappt hatte, da der einfach zu grob durchgeprescht war.
»Na ja«, sagte Ben. »Er war halt nett. Und da er, während Herr Häuser das Gespräch geführt hatte, nur stillschweigend am Spiegel stand, fand ich es überraschend, dass er so ein gutes Gespür für die Sache zeigte. Er hat versucht, mir die Vernehmung so angenehm wie möglich zu machen.«
Ich zuckte mit den Schultern. »So viel kann ich zu dem nicht sagen. Ich habe nicht viel mit den beiden zu tun, da sie in einem anderen Bereich arbeiten.«
»Vielleicht kannst du ihm trotzdem von mir danken. Wobei, wahrscheinlich kann er sich gar nicht mehr an mich erinnern. Ich war ja nur ein Fall von vielen.« Er winkte ab, wärmte sich weiter auf und machte Dehnübungen.
Ich zuckte nochmal mit den Schultern. Ben sah das nicht, weil er mich nicht anguckte. »Ich kann’s ihm ausrichten, wenn ich ihn das nächste Mal sehe. Er freut sich bestimmt, wenn ich ihm sage, dass er seine Sache gut gemacht hat.«
»Ja. Das hat er wirklich«, antwortete Ben und sah mich mit einem Lächeln an.
Es schien ihm inzwischen besser zu gehen. Gott sei Dank hatte er Leute wie Mirco und André an seiner Seite. Und die Freundschaft zu Kai wurde auch wieder dicker. Ich freute mich für ihn, vor allem, weil ich gemerkt hatte, dass Kai viel an ihm lag. Aber klar, wenn man sich seit dem Sandkasten kannte, warf man das nicht so einfach weg.
Mein Gedankenflug unterbrach, da die Schützlinge reinkamen. Kai folgte der Gruppe am Ende und sie schlossen sich alle dem Aufwärmprogramm an.
»Puh, war das wieder ein Training«, schnaufte Kai hinterher. Wir standen an unseren Autos, im Begriff, uns voneinander zu verabschieden.
»Ja, hat aber wie immer Spaß gemacht.«
»Absolut. Aber manchmal wünschte ich, wir wären ein Trainer mehr, dann könnten wir besser mit den Schützlingen an der Feinarbeit üben.«
»Stimmt.«
»Vielleicht gibt es ja in unserer Schicht noch irgendwen, der Lust dazu hätte? Oder in einer der anderen Abteilungen?«, überlegte Kai.
»Hm«, brummte ich nur.
Ich war kein Mensch, der viel sprach. Ich war eher der absolute Ruhepol. Kai war derjenige, der vorne stand und das Zepter in der Hand hielt. Wobei ich trotzdem nicht weniger dominant war wie er. Das wusste er auch, deswegen begegneten wir uns immer auf Augenhöhe.
Wir praktizierten in unserer Freizeit BDSM, im softeren Bereich, und taten das hin und wieder auch zusammen, wenn sich ein geeigneter Sub für uns fand. Was Dauerhaftes strebten wir beide nicht an. Zwei Doms, ein Sub, ein Spiel. Mehr nicht. Danach fuhren wir alle getrennt nach Hause. Kai und ich hatten uns auch geschworen, dass wir nur gemeinsam loszogen, solange wir Single waren. Sobald einer von uns einen festen Partner fand, würde das aufhören. Auch wenn wir uns beide momentan noch nicht fest binden wollten, waren wir uns absolut einig.
»Du bist im Feierabendmodus, ich merk’s schon«, sagte Kai lachend, aufgrund meiner brummeligen Antwort. »Wir können ja morgen auf der Dienststelle überlegen, wer vielleicht in Frage kommt, hier mit uns zu trainieren. Sollte jemand sein, der auch längerfristig Interesse daran hat.«
»Hm«, brummte ich erneut, aber ein zustimmendes Brummen. Kai lachte abermals. »Schon gut, ich lass dich in Frieden. Wir sehen uns morgen Früh um sechs bei der Arbeit. Schlaf gut.«
»Danke, du auch«, gab ich zurück, schaffte ein Lächeln, welches Kai erwiderte, und hob zum Abschied die Hand.
Zu Hause angekommen machte ich mir nur noch ein Brot mit Spiegelei, ging duschen und legte mich ins Bett. So ein Tag mit abschließendem Training war zwar schön, aber auch verdammt anstrengend. Abgesehen davon interessierte mich das abendliche Fernsehprogramm nicht die Bohne.
Renko
»Na, liebster Kollege, alles fit?«, grüßte Olaf und grinste schleimig, bevor er sich mir gegenüber auf seinen Bürostuhl fallen ließ. Er griff zu der dampfenden Tasse Kaffee, die ich jeden Tag bei Schichtbeginn in der Küche für ihn machte. Würde ich das nicht tun, würde ich es abends bitter bereuen.
Auf der Arbeit ließ er sich nicht anmerken, dass sich unsere Wege nach Feierabend noch nicht trennten. Vor seinen Kollegen behielt er immer seine Maske auf. Nur ich bekam den Rest zu spüren, samt der Launen, die er nach Dienstschluss hatte. Die gute Stimmung blieb meistens aus.
»Wir haben heute viel zu tun. Hast du schon mit Lisa gesprochen und die Post geholt?«, sprach er weiter, ohne auf eine Antwort von mir zu warten. Jetzt wiederum erwartete er eine.
»Nein, ich war noch nicht bei Lisa. Die Post kommt ja erst um neun.«
Lisa war auf der Wache unser Mädchen für alles. Sie erledigte die Kleinigkeiten im Hintergrund, für die die meisten Polizisten keine Zeit hatten, oder, so wie Olaf, sich als was Besseres fühlten. Die Post für die unterschiedlichen Abteilungen landete auch bei ihr. Ich lief jeden Tag nach unten, um sie für uns zu holen.
»Ach ja, wir haben ja erst sechs Uhr, ist ja die Frühschicht heute«, stellte Olaf fest. »Hast du wenigstens schon die Akten für den neuen Fall angelegt?«
»Ja, bin fast fertig damit.«
»Dann sieh zu, das ist wichtig!«, schimpfte er.
Was in unserem Job war denn bitte nicht wichtig? Ich dachte mir meinen Teil, sprach es aber nicht aus.
Wir waren nicht die Einzigen in diesem Büro. Auch zum Nebenbüro, der Abteilung für Jugendkriminalität, gab es nur eine dünne Scheibe, durch die man das Gemurmel der Gespräche wahrnehmen konnte. Dass Olaf unerbittlich war und gerne mal etwas lauter wurde, das wussten hier alle. Es machte sich keiner mehr was draus. Deswegen erlaubte er es sich, so mit mir zu sprechen. Er wusste, dass keiner was dazu sagen würde. Ich sowieso nicht, denn damit schnitt ich mir nur ins eigene Fleisch.
»Ja, ist gut«, murmelte ich und wandte mich besagten Akten zu.
»Und die bestehenden Akten zu dem Fall, hast du die geholt?«
Wie sollte man bitte fertig werden, wenn man immer unterbrochen wurde? Ich sprach den Gedanken nicht aus, sondern hob nur den Kopf, da Olaf es erwartete.
»Nein, tut mir leid.«
»Dann holst du das sofort nach. Ich habe dir die Namen auf den Rechner geschickt, damit das nicht schiefläuft«, sagte er scharf.
Mit anderen Worten: Ich sollte verdammt nochmal auf den Bildschirm gucken und seinen Anweisungen folgen.
Bevor ich las, was er geschrieben hatte, wusste ich, dass es nicht die Namen der Personen sein würden. Der private Chataustausch zwischen den Teampartnern wurde nämlich nicht geprüft oder abgespeichert. Deswegen konnte Olaf in das Chatgespräch alles reinschreiben, was er wollte. Für mich hieß das: Egal was da steht, du befolgst es. Ich las:
›Du gehst die Akten holen. In fünf Minuten bist du aber bei den Toiletten.‹
Na super, das hieß nichts Gutes.
Da ich schlecht mit den Akten bei den Toiletten aufkreuzen konnte, denn das käme vor anderen Kollegen komisch, brachte ich sie ins Büro.
Da sich das Archiv mit den Akten im Keller befand, war ich über die fünf Minuten drüber. Das war Olafs Absicht gewesen, denn er wusste, dass ich, aufgrund meiner Klaustrophobie, keinen Fahrstuhl fuhr.
Ich eilte zu den Toiletten, bei denen Olaf auf mich wartete.
»Es ist noch ein Kollege drin. Du gehst rein und wartest auf mich«, wies er mir wie üblich an.
»Ja«, gab ich zurück und betrat die Toilettenräume.
Der Kollege, den ich als Steffen Remanns erkannte, war bereits bei den Waschbecken und wusch sich die Hände.
»Ach, hallo Herr Pollack«, grüßte er mich mit einem Lächeln. Überrascht entgegnete ich ebenfalls einen Gruß.
Ich war es nicht gewohnt, dass Kollegen sich an meinen Namen erinnerten, da meist Olaf das Wort führte und die Lorbeeren erntete. Ich wurde gerne von ihm unter den Scheffel gekehrt und fiel den Kollegen dadurch nie auf.
»Haben Sie gleich einen Moment für meinen Partner und mich?«, erkundigte Herr Remanns sich und riss mich damit komplett aus dem Konzept.
Was wollten er und sein Teampartner von mir? War Olafs und mein Verhalten doch zu auffällig geworden? Bei dem Gedanken daran lief es mir eiskalt den Rücken runter.
»Ähm …. Ja … Klar«, stotterte ich. Herr Remanns zwinkerte mir aufmunternd zu. »Keine Sorge, es geht um nichts Schlimmes. Kommen Sie einfach gleich rüber, wenn Sie so weit sind.«
Mit den Worten nickte er mir nochmals zu und verschwand aus dem Raum. Kurz darauf trat Olaf ein.
»Was hat das so lange gedauert mit dem Remanns? Ach, egal, von dir wird er schon nichts gewollt haben.« Er winkte sogleich ab, während er die Tür zum Flur abschloss, damit ihn keiner störte. »Geh in die Kabine!«, ordnete er hart und folgte mir auf den Schritt.
Ich setzte mich auf den geschlossenen Klodeckel, da mir auf dem engen Raum keine andere Möglichkeit blieb. Olaf drängte sich mit hinein und schloss auch diese Tür hinter sich ab. Durch meine Klaustrophobie bekam ich sofort ein mulmiges Gefühl. Meine Knie zitterten, weshalb ich froh war, zu sitzen.
»Stell dich nicht so an«, forderte er, sich meiner Not bewusst. »Aufstehen, umdrehen, Hose runter und nach vorne bücken, Arsch zu mir!«
Schnell kam ich dem nach und präsentierte ihm meinen Hintern.
»Zieh die Backen auseinander!« Währenddessen drückte er mich im Nacken runter, sodass mein Kopf auf dem Klodeckel zum Liegen kam. Ich hasste das, da die Toiletten nicht die saubersten waren, aber er ließ mir natürlich keine Wahl.
»Da du deinen Job heute Morgen scheinbar nicht zuverlässig machen kannst, muss ich dich wohl daran erinnern, wer hier das Sagen hat. Du wusstest ja schließlich gestern schon, dass die Akten heute fertig sein sollen. Außerdem solltest du nach fünf Minuten hier sein, hast aber doppelt so lange gebraucht«, belehrte er mich.
Das mit den Akten stimmte nicht ganz. Er hatte am vorherigen Tag gesagt, dass sie am Morgen fertig werden sollten und nicht, dass sie bereits fertig sein müssten. Natürlich hielt ich trotzdem meinen Mund. Er musste ja schließlich einen Grund finden, mir einen Plug in den Arsch zu schieben, nicht wahr?
Im nächsten Moment spürte ich den besagten Plug auch schon an meinem Hintereingang. Er war nicht der Kleinste, aber auch nicht der Größte, den Olaf bei sich trug. Damit würde es sich wohl noch arbeiten lassen. Zur Krönung quetschte er mir die Eier und zog sie lang, bis ich wimmerte.
»Schnauze! Steh das durch wie ein Mann!« Er erhöhte den Zug und wartete ab, ob ich mich muckste. Ich biss mir stattdessen hart auf die Lippe, um keinen Laut von mir zu geben. »Geht doch.«
Er ließ zum Glück von mir ab. »Du gehst jetzt zurück. Wenn ich wieder da bin, sind die neu angelegten Akten fertig auf meinem Tisch.«
Mit den Worten verließ er die Kabine, damit ich sie verlassen konnte, und ging in die angrenzende. Wahrscheinlich musste er sich da einen runterholen, in der Hoffnung, dass ihn keiner unterbrach, da ich die Tür zum Flur aufsperrte.
Ich dachte nicht mehr an ihn, sondern ging zielstrebig ins Büro und setzte mich an die Akten. Herr Remanns Bitte um ein Gespräch ploppte wieder in meinem Gedächtnis auf, aber ich beschloss, lieber erst die Akten zu erstellen, bevor Olaf einen Grund hatte, mich weiter zu bestrafen.
Steffen
»So lange kann er doch nicht auf Toilette sein«, sprach Kai und sah mich über unsere Schreibtische hinweg an.
»Nein, das stimmt. Vielleicht muss er noch dringend irgendwas fristgemäß fertigstellen, wer weiß«, antwortete ich und zuckte mit den Schultern. Dann warf ich einen Blick rüber zum anderen Büro, in dem Herr Pollack sitzen musste.
Und tatsächlich. Er saß dort, mit Blickrichtung zu mir und arbeitete scheinbar hochkonzentriert an irgendwelchen Akten. »Sieht wichtig aus, was er macht«, kommentierte ich.
»Hm?« Kai drehte sich irritiert in seinem Stuhl, um das zu sehen, was ich sah. »Ach so, ja, scheint, als wäre er an Akten dran. Bestimmt der nächste heikle Fall.«
»Warten wir ab. Ich denke, er wird sich in der Mittagspause blicken lassen.«
»Also gehen wir nicht drüben beim Italiener essen? Heute ist Dienstag, schon vergessen?«, erinnerte Kai mich an unseren Deal, jeden Dienstag auswärts und nicht in der Kantine essen zu gehen.
»Nein, wir können trotzdem da essen. Vielleicht kommt er ja mit?«
»Meinst du wirklich? Ich meine, klar, können wir ihm anbieten, aber was man so von den Kollegen hört, isst er immer für sich allein an seinem Computer.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Warten wir’s ab. Vielleicht mag er das Kantinenessen nicht.«
Damit wandte ich mich ebenfalls wieder meiner Arbeit zu. Bis zum Mittag dauerte es noch ein paar Stunden.
Als die Mittagszeit gekommen war und immer mehr Kollegen aus unserem und den benachbarten Büros zur Kantine aufbrachen, warf ich nochmal einen Blick zu Herrn Pollack. Da sein Kollege, Herr Häuser, jetzt auch an seinem Tisch saß, konnte ich ihn nicht komplett sehen. Aber er schien nach wie vor in Arbeit vertieft zu sein.
Ich wägte ab, ob ich trotzdem zu ihm rübergehen sollte oder ob es schlauer war, zu warten, da er meine Bitte um ein Gespräch bestimmt nicht vergessen hatte.
Plötzlich stand sein Kollege auf und verließ ebenfalls das Büro. Wahrscheinlich machte der auch Mittagspause.
Demnach beschloss ich, Herrn Pollack zu stören, da sich sein Teamkollege auch eine Pause gönnte.
»Ich geh mal rüber und frag ihn, ob er mitkommt«, informierte ich Kai, der kurz seinen Blick vom Bildschirm losriss.
»Mach das, ich bin in zwei Minuten so weit.«
Da wir in Großraumbüros arbeiteten, brauchte ich nicht anklopfen. Ich betrat das Büro der Kollegen und Herr Pollack zuckte zusammen, als ich ihn ansprach.
»Wie wäre es jetzt mit einem kleinen Gespräch? Oder haben Sie noch etwas Wichtiges zu erledigen? Es ist Mittag.«
Im Gegensatz zu unserer Begegnung am Morgen bei den Toiletten, wirkte er unruhiger. Irgendwie gehetzt. Scheinbar hatte er sehr viel zu tun.
»Ich … Klar … Ich … Ich habe nicht vergessen, dass Sie mich sprechen wollten. Es gab nur … Also, es gab viel zu tun. Deswegen …«, stotterte er und sah unsicher von seinem Stuhl zu mir auf.
»Alles gut, kein Drama«, versuchte ich ihn mit einem Lächeln zu beruhigen. »Es ist auch nichts Berufliches, was mein Kollege und ich von Ihnen wollen. Aber vielleicht haben Sie ja Lust, uns zum Mittag zum Italiener gegenüber zu begleiten? Dann würden wir Ihnen sagen, worum es geht.«
Überrascht sah er mich an. »Italiener?«
»Ja, mein Teampartner Kai und ich gehen dienstags immer außerhalb essen, nicht in der Kantine. Heute ist der Italiener dran.«
»Hm. Ich weiß nicht, ich ...«, fing Herr Pollack an. Mit einem erschreckten Gesichtsausdruck sah er an mir vorbei.
Ein unschönes Kribbeln breitete sich in meinem Nacken aus und kroch über meinen Rücken. Ich drehte mich etwas, um zu sehen, was diese Reaktion bei mir auslöste. Herr Häuser. Wer auch sonst. Scheinbar war er doch nicht in die Kantine gegangen. Ich wandte den Blick wieder zu Herrn Pollack, da er mir noch eine Antwort schuldig war.
»Nun? Möchten Sie mit? Wenn Ihnen Italienisch nicht passt, gibt es auch einen leckeren Chinesen, nur ein Stück weiter.«
Seine Augen wanderten von seinem Kollegen wieder zu mir. Irrte ich mich oder war er noch gestresster? Irgendwie tat er mir leid, aber auf der anderen Seite wunderte ich mich auch, wie er es mit dem Verhalten geschafft hatte, Polizist zu werden, da Selbstbewusstsein eine wichtige Voraussetzung für diesen Job war.
»Ich, ja, ich kann Sie gerne begleiten. Allerdings werde ich nichts essen, wenn es Ihnen nichts ausmacht.«
»Ach, haben Sie schon gegessen?«, fragte ich deswegen.
»Ähm … Nein … Ähm … Ich mache eine spezielle Diät. Da darf ich jetzt nicht essen. Ist die falsche Uhrzeit«, stammelte er sich eine Erklärung zurecht, die ich ihm nicht abkaufte.
Da er dabei immer wieder zu seinem Kollegen schielte, beschloss ich, nicht weiter in dem Thema zu rühren. Ich zuckte mit den Schultern und lächelte ihn an.
»Das macht nichts, Sie können sich auch nur ein Getränk bestellen, wenn Ihnen das lieber ist. Schnappen Sie sich Ihre Jacke, mein Kollege dürfte jetzt auch soweit sein.« Ich nahm seine Worte als Zustimmung und überrumpelte ihn damit.
Er stand hektisch auf, hielt ein paar Sekunden inne, als hätte er Schmerzen. Dann besann er sich wohl aber, nahm seine Jacke und trat zu mir. Schließlich drehte er sich nochmal zu seinem Kollegen um. »Ich bin kurz mit den Kollegen was trinken«, informierte er ihn.
»Mach das. Sei pünktlich wieder hier. Wir haben viel zu tun.«
Noch bevor Herr Pollack darauf reagierte, sprang ich ein. »Wir beginnen unsere Mittagspause zehn Minuten später, also haben wir auch zehn Minuten länger Zeit, werter Kollege.«
Mit aufgerissenen Augen sah Herr Pollack mich an, sagte aber keinen Ton. Hatte ich etwas falsch gemacht? Es war doch normal, dass wir die Zeit, die wir später in die Pause gingen, hinten dranhängten.
»Wenn Sie meinen«, brummelte Häuser und beachtete uns nicht mehr.
Ich zuckte mit den Schultern und deutete Herrn Pollack, mir zu folgen. Nebenan gabelten wir Kai auf, der fertig war mit seinem Bericht.
»Hallo Herr Pollack, schön, dass Sie uns begleiten«, begrüßte er ihn und klopfte ihm leicht auf die Schulter. Ich meinte, ein leises Zischen zu hören, aber als ich mich besorgt zu Herrn Pollack umdrehte, zeigte seine Miene keine Regung. Nun, vielleicht hatte ich mich verhört.
Renko
Der Italiener war nett und ich war überrascht, wie viele Kollegen hier mittags zum Essen einkehrten. Aber woher hätte ich das auch wissen sollen? Immerhin hielt Olaf mich seit fast einem Jahr dazu an, während der Mittagszeit im Büro zu bleiben. Viel länger war ich auch noch gar nicht in dieser Dienststelle beschäftigt. Daher kannte ich die meisten Kollegen und ihre Angewohnheiten nicht.
Herr Remanns und sein Kollege hingegen schienen bekannt wie bunte Hunde zu sein. Von vielen Tischen wurde ein Gruß herübergerufen, begleitet von einer winkenden Hand. Sie erwiderten die Grüße, suchten sich mit mir aber einen Tisch, der abseits in einer ruhigeren Ecke lag.
Beim Setzen wurde ich mir des Plugs wieder bewusst, konnte ein Stöhnen aber zurückhalten. Herrn Remanns entging trotzdem nicht, dass irgendwas nicht stimmte.
»Ist alles in Ordnung bei Ihnen?«, hakte er besorgt nach. Ich winkte ab.
»Ja, ja, alles bestens. Ich habe mich nur gestern falsch gedreht. Der Rücken zwickt ein bisschen.«
Ob er mir diese Ausrede abkaufte, ließ er nicht durchblicken. »Weshalb wollten Sie mich sprechen?« Ich fiel mit der Tür ins Haus, um ihn von mir und meinem Körper abzulenken.
»Wie wäre es, wenn wir erst mal das lästige Sie loswerden?«, warf sein Kollege mit einem freundlichen Lächeln ein. »Ich bin Kai.«
»Da bin ich auch für. Ich bin Steffen«, stellte Herr Remanns sich vor.
»Renko«, gab ich den beiden preis.
»Schöner Name. Friesisch?«, erkundigte Kai sich.
Ich nickte. »Ja, stammt von Reinhard ab.«
Steffen lachte. »Na, da gefällt mir Renko besser.«
Ich musste ebenfalls lachen. »Ja, mir auch.«
»Möchtest du wirklich nichts essen?«, fragte Steffen mich nochmal und deutete auf die Speisekarte, die vor mir auf dem Tisch lag.
Kai und er schienen bereits zu wissen, was sie essen wollten, denn sie guckten ebenfalls nicht rein.
»Nein, danke«, lehnte ich ab. »Aber ein Wasser bestell ich mir.«
»Keine Scheu, Kai zahlt. Kannst ruhig ordentlich reinhauen.«
Dafür erntete er von seinem Partner einen Fauststoß gegen die Schulter. »Frechdachs. Ich korrigiere dich ja nur ungern, aber ich hab letzte Woche gezahlt. Du bist dran, mein Freund.«
»Ach, Mist. Erwischt«, feixte Steffen. »Kannst trotzdem reinhauen, wenn du willst, Renko.«
»Nein, das passt schon so. Danke.«
Leider knurrte in dem Moment mein Magen. Sie konnten es unmöglich überhört haben, aber sie taten mir den Gefallen und sprachen es nicht an. Kai musterte mich lediglich eingehender.
Bevor wir das Thema wechselten, tauchte der Kellner am Tisch auf und fragte nach unserem Getränkewunsch.
»Bring uns eine große Flasche Wasser mit drei Gläsern, Luigi«, orderte Kai.
»Alles klar. Essenswunsch? Wie immer?«
»Ja, für Steffen und mich wie immer.«
»Und für Sie?«, wandte Luigi sich an mich.
»Ich … Ähm … Ich mache derzeit Diät und begnüge mich mit dem Wasser, vielen Dank«, haspelte ich und spürte die Röte ins Gesicht steigen.
Mir was das furchtbar unangenehm. Vor allem wegen des knurrenden Magens. Aber wenn ich etwas aß und Olaf fand das heraus … Deswegen verzichtete ich lieber.
»Alles klar. Kein Problem«, erwiderte Luigi mit einem Zwinkern. Er sammelte unsere Speisekarten ein und verschwand zum nächsten Tisch.
»Ich soll übrigens viele Grüße von Ben ausrichten«, schnitt Steffen ein neues Thema an.
Ich musste nicht lange überlegen, wer Ben war. Er hatte mir während der Befragung leidgetan. Er hatte über einen längeren Zeitraum zwangsweise BDSM erleben müssen und war anschließend, als der Horror vorbei war, in eine Drogensucht gerutscht.
Olaf und ich hatten ihn vernehmen müssen, da wir in dem Fall um seine Peiniger ermittelt hatten. Olaf, der wenig Verständnis für Opfer empfand, hatte die Befragung geleitet, was schief gegangen war. Nach Bens erstem Zusammenbruch hatte ich die Vernehmung übernommen, was besser gelaufen war. Schließlich besaß ich ein Gefühl für das, was er durchleben musste. Er war zwar nochmal zusammengebrochen, aber das hatte schlichtweg daran gelegen, dass ihm die ganze Sache zugesetzt hatte. Sein Partner, sein behandelnder und befreundeter Arzt und auch Kai und Steffen hatten ihm da zur Seite gestanden.
»Danke. Grüß ihn gerne zurück.«
»Das werde ich machen. Er dachte schon, du würdest dich nicht mehr an ihn erinnern, bei den vielen Fällen und Vernehmungen, die ihr habt. Er weiß ja, wie das bei uns läuft, was im Grunde dasselbe ist, nur in einem anderen Bereich.«
»Doch, ich kann mich noch dran erinnern. War ein harter Tag für ihn und es tut mir auch immer noch leid, dass zuerst Olaf, also Herr Häuser, die Befragung geführt hat. Das hätte von Anfang an besser laufen können.«
»Na, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Ben hat das soweit verkraftet. Es geht ihm inzwischen wieder ganz gut. Er hat seinen Partner, seine Freunde und einen festen Job, läuft«, sagte Kai.
Ich lächelte und sah ihn an. »Das freut mich, wirklich.«
»Unser Anliegen hängt im weitesten Sinne sogar mit ihm zusammen«, sprach Steffen endlich den Grund an, warum sie um ein Gespräch gebeten hatten. »Sein Partner, Mirco Renner, sagt dir ja was, oder? Er war bei der Befragung im Nebenzimmer und leitet zwei Wohneinrichtungen für junge Erwachsene, die auf die schiefe Bahn geraten sind.«
»Ja, das ist mir bekannt. Ihr arbeitet viel mit seiner Einrichtung zusammen.«
Steffen nickte. »Genau. Ben war zuerst als Schützling dort, arbeitet aber mittlerweile in der Einrichtung und leitet das Sportprogramm. Wir beide sind ebenfalls regelmäßig da, um den jungen Leuten Selbstverteidigung zu vermitteln und beim Training zu helfen«, sprach er weiter und ich hörte interessiert zu. »Nun kam Kai und mir in den Sinn, dass es schöner wäre, wenn es noch mehr Unterstützung beim Trainieren der Schützlinge geben würde. Und da haben wir an dich gedacht.«
Überrascht starrte ich ihn an. »An mich?«
»Ja, an dich«, bestätigte Kai. »Du hast die geeignete Ruhe dafür. Du bist gut in Form, wie ich das bei unserem teamübergreifenden Training immer mitbekomme.«
»Ich … Also … Na ja … Ich halte mich schon fit, klar.«
Ich hatte Interesse daran, die beiden, sowie Mirco, Ben und die Einrichtung zu unterstützen. Aber wie sollte ich das mit den abendlichen Treffen mit Olaf vereinbaren? Und überhaupt: Wenn Olaf es mal wieder übertrieb, konnte ich keinen Sport machen. Es war schon immer eine Kunst, das beim Teamtraining auf der Dienststelle zu vertuschen.
»Hättest du denn Interesse?«, fragte Steffen geradeheraus, da aus meinem Gestotter nicht wirklich was zu entnehmen war.
Unschlüssig sah ich zwischen den beiden hin und her. Luigi, der das Essen und die Wasserflasche samt Gläsern brachte, unterbrach unser Gespräch, was mir ein paar Sekunden Bedenkzeit gab.
Auch als er wieder weg war, ließen sie mir noch einen Moment, da sie sich zuerst ihren Pizzen widmeten. Kai hatte sich eine Pizza Hawaii bestellt und Steffen eine mit Fisch.
Ich schnappte mir mein Glas und trank einen Schluck. Hunger hatte ich ja, so war das nicht. Der Anblick des Essens war ganz schön fies. Wie lange hatte ich so etwas nicht mehr gegessen? Ich durfte gar nicht hinschauen, sonst lief mir womöglich noch der Speichel aus dem Mund. Ich rang mich zu einer Antwort durch, um mich von den Pizzen abzulenken.
»Ich hätte schon Interesse, doch …«
»Das klingt sehr nach einem: ›Aber …‹«, kommentierte Kai zwischen zwei Bissen.
»Na ja, wann ist das Training denn?«, wich ich etwas aus.
»Steffen und ich fahren montags und donnerstags gemeinsam hin. Das wären auch die Abende, an denen es schön wäre, wenn du könntest. Alternativ fahre ich noch freitags und samstags hin, je nachdem, wie das mit unserer Schicht passt.«
»Du kannst es dir auch mal anschauen, wenn du möchtest«, warf Steffen ein.
Das war ein guter Vorschlag, den ich annehmen wollte. War nur wieder die Frage, wie ich Olaf das erklären sollte. Leider konnte ich mit niemandem darüber sprechen und mir keinen Rat einholen. Da ich schwieg, sah Steffen sich wohl genötigt, ein bisschen zurückzurudern.
»Du kannst es dir ja überlegen und dich bei uns im Büro melden. Wir haben diese Woche die gleiche Schicht, wie mir scheint. Und da wir ja erst übermorgen wieder zu Mirco und Ben fahren, bleibt dir noch etwas Zeit. Und überhaupt: Du musst dich ja nicht diese Woche entscheiden. Wir wollten dich nur mal fragen, weil uns der Gedanke kam.«
»Das ist wirklich nett. Ich werde es mir auf jeden Fall überlegen.«
»Das freut mich.«
Der restliche Teil des Mittagessens ging schnell vorüber. Kurze Zeit später saß ich wieder an meinem Schreibtisch und arbeitete fleißig an den Aufgaben, die Olaf mir zuschob.
Ich bekam schon lange keine direkten Aufträge mehr von unserem Schichtleiter. Es lief alles über Olaf. Irgendwann hatte er das wohl angeleiert. Leider. Denn so war ich auf ihn angewiesen und auch immer seinen Launen ausgesetzt. Mit anderen Worten: Ich bekam grundsätzlich die Drecksarbeit. Warum ich das mitmachte? Nun, er hatte genug gegen mich in der Hand. Wenn er sein Wissen preisgab, war ich nicht nur meinen Job los, sondern würde auch nie wieder in irgendeiner Polizeidienststelle arbeiten können. So war das Leben. Da musste ich wohl durch.
Olaf hatte natürlich gefragt, warum ich mit den beiden essen war, aber ich war ihm ausgewichen, obwohl ich wusste, dass er das durchschaute und später bestrafen würde.
Jetzt war dieses ›Später‹ gekommen. Ich kniete in meiner Sklavenposition im Schlafzimmer vor dem Fußende meines Bettes und wartete darauf, was Olaf als Nächstes in den Sinn kam.
»Du warst heute ein sehr ungehorsamer Sklave. Dafür bekommst du deinen Käfig verpasst, bevor dein Verhalten noch in eine andere Richtung ausartet.«
Mit den Worten griff er in die Schublade meines Kleiderschranks, in der er seine Spielzeuge deponiert hatte. Er nahm den Käfig raus, den er zusätzlich mit Spikes, in Form von Schrauben, versehen konnte, was sehr schmerzhaft zu tragen war. Denn wenn mein Penis hart wurde, bohrten sich die Spikes stark ins Fleisch. Ohne Spikes war es schon unangenehm, einen Käfig zu tragen, wenn man hart wurde, aber mit Spikes war es eine Tortur, die kaum auszuhalten war. Gott sei Dank hatte er das erst ein Mal mit mir gemacht und auch da war es nur sehr kurz gewesen. Auch heute ließ er die Spikes weg.
Nachdem der Käfig saß, verpasste er mir Nippelklemmen. Damit war er leider nicht so rücksichtsvoll und wählte die Krokodilklemmen, die sich durch ihre Zacken scharf in das empfindliche Fleisch bohrten.
»So, das sollte vorerst genügen. Wenn nicht, hänge ich noch ein paar Gewichte dran, das ist kein Problem«, drohte er. »Aber jetzt leg dich erst mal aufs Bett, Gesicht nach unten!«
Na super, damit scheuerten meine Nippel auch noch übers Bettlaken. Aber ich wagte es nicht, einen Ton von mir zu geben, sondern legte mich wie gefordert hin. Ich hörte Olaf hinter mir weiter hantieren, sah mich aber nicht um. Das mochte er nämlich nicht.
»Fangen wir mal mit heute Morgen an, um die Liste deiner Fehler abzuarbeiten. Du bekamst die Ansage, nach fünf Minuten bei den Toiletten aufzukreuzen. Was meinst du, wie lange ich gewartet habe, Sklave?«, fragte er.
Er erwartete darauf keine Reaktion, das wusste ich, deswegen schwieg ich. »Ganze zwölf Minuten!«, antwortete er. Ein heftiger Schlag mit der Gerte folgte, der mich auf der rechten Fußsohle traf. Da ich nicht darauf vorbereitet gewesen war, zog ich mit einem gequälten Schrei das Bein unwillkürlich an.
»Ha! Das nützt dir nichts!«, spottete Olaf und schlug gleich nochmal zu. Diesmal konnte ich nicht mehr ausweichen. Ein weiterer Hieb sauste herab und traf den linken Fuß. Auch den zog ich automatisch an, in dem lächerlichen Versuch, meinen Körper zu schützen.
Olaf lachte nur auf und schlug erneut zu. Da es so unglaublich wehtat, schaffte ich es nicht, meine Schreie zurückzuhalten.
»Halt gefälligst dein Sklavenmaul!«, schnauzte er und unterbrach seine Hiebe nicht.
Erst als er aufhörte, kam ich wieder zu Atem. Aber ich hörte ihn im Hintergrund kramen, das verhieß nichts Gutes.
Mit einem Ballknebel tauchte er schließlich in meinem Blickwinkel auf. »Maul auf! Dein Gejammer ist ja nicht auszuhalten!«
Ich gehorchte, war irgendwie auch froh, dass er mir einen Knebel verpasste, somit hatte ich wenigstens etwas, in das ich meine Zähne graben konnte, wenn die Schmerzen zu stark wurden. »Gut. Jetzt kann’s weitergehen. Das eben war ja nur die Aufwärmphase. Du erhältst zehn Schläge mit dem Rohrstock, fünf auf jeder Fußsohle. Vielleicht treibt dich das ja dazu an, meine Anweisungen einzuhalten und schneller zu laufen.«
Dass es daran lag, dass ich den Fahrstuhl nicht benutzte, interessierte ihn nicht. Und ich konnte es nicht sagen, da er mich mit dem Knebel mundtot gemacht hatte. Aber ich hätte es eh nicht gewagt, mich dazu zu äußern.
Die Schläge waren die Hölle. Hätte ich keinen Knebel gehabt, hätte mich vermutlich auch die Nachbarschaft zwei Straßen weiter gehört. Es fühlte sich an, als ob meine Fußsohlen aufplatzten. Vielleicht taten sie das auch. Olaf liebte es schließlich, mich ordentlich leiden zu sehen.
»Ich bin fertig. Steh gefälligst auf und hol mir eine Flasche Wasser und ein Glas. Ich habe Durst. Und sabber hier nicht so viel rum.«
Haha, als ob ich das mit Ballknebel im Mund ändern konnte. Ich rollte mich zur Bettkante und setzte die malträtierten Füße vorsichtig auf den Boden. Viel Zeit blieb mir nicht, um mich an den Schmerz zu gewöhnen, denn Olaf wartete nicht gern. Wenn er Befehle aussprach, galt es, sie sofort zu befolgen, ohne zu zögern. Also quälte ich mich in den Stand und machte den ersten sachten Schritt. Es fühlte sich an, als würde ich auf bloßem Fleisch laufen. Tränen schossen mir in die Augen und liefen die Wangen hinunter. Das sorgte dafür, dass meine Nase zuschwoll, was mir zu allem Überfluss das Atmen erschwerte.
Wieder bei Olaf angekommen, überreichte ich ihm Flasche und Glas. Meine Hände zitterten.
»Na, das ging aber auch schon mal zügiger«, nörgelte er. »Das muss morgen beim Teamtraining schneller sein. Schließlich bist du beim Ausdauerlauf immer unter den zehn Schnellsten.«
Was?! Scheiße! Das Training mit dem Ausdauerlauf war morgen?! Verdammter Mist, das würde grausam werden.
»Na, wirst du dir deiner Lage, in der du dich morgen befinden wirst, allmählich bewusst?«, höhnte Olaf mit einem fiesen Grinsen.
Wie gern würde ich ihm das aus dem Gesicht schlagen.
»Und du wirst dich natürlich zusammenreißen, damit keiner was bemerkt, habe ich nicht recht, mein lieber Sklave?«
Da ich das als rhetorische Frage gesehen hatte, gab ich keine Antwort. Ich hätte sowieso nur nicken können. So schnell wie der Gertenhieb allerdings auf meine mit den Klemmen verzierten Nippel herabsauste, konnte ich gar nicht gucken. Ich schrie in den Ballknebel. Meine Knie gaben nach. Ich sank auf den Boden.
»Hoch mit dir! Auf allen vieren aufs Bett!«, scheuchte er mich gleich wieder auf.
Ich erlaubte mir ein leises Wimmern und kam seiner Forderung, so schnell es mit schmerzendem Körper ging, nach. Olaf wühlte bereits erneut in der Schublade.
»Jetzt ist es an der Zeit, den Käfig zum Ausfüllen zu bringen. Noch hatte dein mickriger Sklavenschwanz offenbar keine große Lust, mir diesen Gefallen zu bereiten.«
Wie denn auch, verdammt? Wer konnte bei so einer Tortur bitteschön hart werden? Ich konnte das jedenfalls nicht. In der Hinsicht war ich nicht masochistisch.
Da Olaf sich hinter mir bewegte, wusste ich nicht, was auf mich zukam. Erst als ich Druck an meinem Anus spürte, wusste ich, dass es ein Plug werden würde. Mal wieder. Wobei, Vibro-Ei traf es eher, wie ich feststellte, als das Objekt in mir verschwand. Nur einen Moment später schaltete sich die Vibration an.
»Na, da wollen wir mal sehen, wie schnell dich das auf Touren bringt«, hörte ich ihn sagen.
Seiner Stimme nach zu urteilen, machte ihn das alles auf jeden Fall mächtig heiß. Es dauerte nicht lange, da begann sich bei mir ebenfalls etwas zu regen. Ich war schließlich auch nur ein Mann, so sehr ich innerlich dagegen ankämpfte, von seinen Spielchen hart zu werden: Gegen ein Vibro-Ei hatte ich keine Chance. Mein Schwanz wurde hart und quetschte sich gegen sein Gefängnis. Kurz darauf tasteten Olafs Finger daran entlang.
»Na, wer wird denn da munter?«, fragte er mit einem fiesen Lacher.
Er kniff mir heftig in die Haut, die er durch den Käfig zu packen bekam. Ich keuchte in meinen Knebel und bockte auf.
»Na, na, halt gefälligst still!«, wies er mich zurecht und wiederholte das Kneifen so lange, bis er zufrieden war.
Ich hingegen grub die Zähne in den Knebel. Mein Schwanz war so verdammt empfindlich.
»Ich finde, du kannst noch mehr vertragen. Wollen wir mal testen, ob da noch ein Ei reinpasst?«
Was? War das sein Ernst?! Schließlich mussten die später irgendwie wieder raus. Von der Gefahr, dass sie nicht mehr von allein rauskamen, ganz zu schweigen.
»Ich habe allerdings nicht nochmal dieselbe Größe. Das muss auch mit einer Nummer größer passen«, sprach er mit wenig Bedauern.
Schon spürte ich einen Finger an meinem Loch. Der zwängte sich dort hinein und schob das bereits eingeführte Ei weiter vor.
Das Vibrieren hatte aufgehört, trotzdem war es ein seltsames Gefühl, das Ding so weit in mir zu spüren. Schon setzte er das zweite Ei an und führte es ohne Kompromiss ein. Mein Anus fühlte sich an, als würde er reißen. Ich heulte auf, was mir einen Hieb mit der Gerte quer über die Schulterblätter einbrachte.
Ich war fix und alle mit den Nerven, wusste nicht, wohin mit meinen Empfindungen. Erst der Schmerz durch die Klemmen und die Schläge, dann die Lust durch das Ei, und dann wieder Schmerz. Tränen liefen über meine Wangen. Ich bekam nur noch schnaufend Luft. Olaf schien das alles unglaublich anzumachen, denn ich spürte an der Bewegung der Matratze, dass er sich einen runterholte. Arschloch!
Nachdem er abgespritzt und mein Bettlaken mit seinem Samen versifft hatte, prüfte er meinen Schwanz.
»Was ist denn los mit dir? Keine Lust?«, wertete er anhand dessen, dass ich nicht mehr hart war. »Das lässt sich schnell ändern, kein Problem.«
Eine Sekunde später vibrierte es wieder in meinem Arsch. Diesmal aber um ein Vielfaches heftiger. Ich kam nicht umhin, zu stöhnen. Es machte mich automatisch geil. Jetzt vibrierten nämlich beide Eier, was mein Innerstes komplett durcheinanderbrachte.
»Na, das gefällt dir, was? Wusste ich’s doch, rattig bis zum Gehtnichtmehr«, sagte er und lachte trocken. »Aber soll ich dir was sagen? Da hast du jetzt eine ganze Weile was von. Ich lasse die Fernbedienungen für die Dinger hier liegen, dann wird der Empfang auch nicht unterbrochen. Ich fahre jetzt nach Hause, schließlich muss ich morgen für das Gemeinschaftstraining fit sein. Die Batterien werden noch ungefähr eine halbe Stunde reichen. Viel Spaß.«
Ich hörte, wie er den Reißverschluss seiner Hose schloss und sich aus dem Raum bewegte. Bevor die Wohnungstür zuklappte, räusperte er sich nochmal.
»Ach, und Sklave? Die Kamera ist aktiviert, also verarsch mich nicht und lass die Eier, wo sie sind. Du darfst sie morgen früh entfernen, vorher verlässt du das Bett nicht. Habe ich mich klar ausgedrückt?«
Ich brauchte einen Moment, um diese Ansage zu verdauen. Denn das bedeutete, dass ich auch nicht mehr zur Toilette gehen konnte. Ich war das letzte Mal in der Mittagspause gewesen, da ich danach nicht dazu gekommen war und er mich nicht mehr gelassen hatte. Ich hätte gerne geschluckt, um das blöde Gefühl, was in meinem Hals entstanden war, loszuwerden, aber der Knebel erlaubte mir nur, das Laken zu besabbern.
»Ich habe dich etwas gefragt, du nutzloser Sklave!«, fauchte Olaf.
Schnell grunzte ich bestätigend, auch wenn man das nicht raushören konnte, und nickte matt.
»Geht doch. Den Knebel kannst du meinetwegen gleich entfernen. Der Käfig bleibt, wo er ist. Wird Zeit, dass ich mir für dich einen mit Schloss zulege. Solange muss es auch so gehen. Wehe, du nimmst ihn ab und hast ihn morgen nicht mehr um, wenn ich das überprüfe!«, warnte er noch, bevor ich endlich das Zuklappen der Tür vernahm.
Die Stille, die sich daraufhin ausbreitete, war eine Wohltat. Nach diesem anstrengenden Tag war ich müde.
Ich entfernte den Knebel, der mit einem Riemen am Hinterkopf festgeschnallt war, wischte mir den Speichel vom Kinn und bewegte den Kiefer vorsichtig hin und her. Endlich konnte ich mich entspannen.
Problem an dieser Entspannung war, dass sich prompt die Blase meldete. Na ja, zur Not würde ich ins Bett pinkeln. Was sollte ich machen? Ich bezweifelte, dass ich es bis zum Morgen aushielt, da ich von innen mit den Eiern gefüllt war. Aber immerhin hatte ich einen weiteren Tag mit Olaf überstanden. Das war mein einziger Trost.
Steffen
»Täusche ich mich, oder sieht Renko irgendwie krank aus?«, fragte Kai, während wir uns für das gemeinsame Training aufwärmten. Ausdauerlauf stand auf dem Plan. Eine Disziplin, in der Kai und ich immer gut abschlossen. Renko normalerweise auch. Aber Kai hatte recht: Er machte keinen fitten Eindruck.
Wir waren ein gutes Stück entfernt von ihm und seinem Teampartner am Aufwärmen, aber trotzdem sah man ihm an, dass er nicht ganz auf der Höhe war. Seine Bewegungen waren steif, wirkten vorsichtiger und bedachter als sonst.
»Hm«, brummte ich in meiner sorgfältigen Betrachtung.
»Wollen wir zu ihm gehen und fragen?«, überlegte Kai. Nebenbei machte er weitere Kniebeugen.
»Hm. Weiß nicht, sein Partner steht direkt daneben. Gestern im Büro hatte ich das Gefühl, dass er nicht so gern über sich redet, wenn der anwesend ist«, sprach ich.
Kai sah mich an und zog eine Augenbraue hoch. »Ach? Das ist aber seltsam. Gerade seinem Partner sollte er doch bedingungslos vertrauen.«
Ich zuckte nur mit den Schultern und wärmte mich ebenfalls mit Kniebeugen auf.
»Na, vielleicht kannst du ihn ja während des Laufs kurz ansprechen. Ich schätze, du kommst näher an ihn dran als ich.«
Bevor ich Kai darauf hinweisen konnte, dass während des Laufs mit Sicherheit nicht genügend Luft zum Sprechen da war und nur zu Seitenstechen führen würde, pfiff ein Schichtleiter, der das Training anführte, durch seine Pfeife und rief uns damit auf, in Startposition zu gehen.
Wir waren in etwa dreißig Leute, die an dem Ausdauerlauf teilnahmen. Es galt, in der vorgegebenen Zeit so viele Runden wie möglich auf der Aschenbahn zurückzulegen. Fünfundvierzig Minuten waren angesetzt.
Nach zwanzig Minuten hatte ich mich eingelaufen und war zufrieden mit mir. Kai hatte ich bereits hinter mir gelassen, denn er hatte die Taktik, am Ende nochmal Gas zu geben und Runden aufzuholen, während ich lieber kontinuierlich dasselbe zügige Tempo bevorzugte. Meistens waren wir zum Schluss wieder gleichauf. Ich fokussierte meinen Blick nach vorne und stellte fest, dass ich mich Renko annäherte. Obwohl es den Eindruck gemacht hatte, als würde es ihm nicht gut gehen, war er unter den Schnellsten mit dabei. Noch. Dass ich ihn aber nach der Hälfte der Zeit einholte, war unüblich, also war er wohl doch nicht so fit, wie er wirken wollte.
Mein Blick tastete die vor mir laufenden Kollegen ab, aber an Herrn Häuser, Renkos Partner, musste ich wohl schon vorbeigelaufen sein. Oder war er nach mir gestartet?
In der nächsten Runde war ich schließlich mit Renko auf einer Höhe.
»Na, alles fit?«, fragte ich, mit dem Risiko, Seitenstechen zu bekommen.
Renko blickte mich flüchtig an und nickte knapp. Er war vernünftig und sprach nicht. Ich musterte ihn von der Seite. Sein Gesicht war nass geschwitzt, seine Stirn zusammengezogen, als hätte er Kopfschmerzen. Seine Augen waren zusammengekniffen, als würde er in der Ferne irgendetwas suchen. Irgendwie gefiel mir das Bild nicht. Eigentlich war der Lauf für trainierte Leute ein entspanntes Training. Es passte nicht, dass er so angestrengt aussah.
»Wirklich alles gut?«, hakte ich daher ruhig, aber ernst nach.
Er biss die Zähne zusammen, was ich an seiner Kieferlinie sehen konnte, doch antwortete er mir nicht.
»Renko? Ehrlich jetzt. Du übernimmst dich. Lass uns mal ein Stück langsamer laufen«, redete ich weiter und spürte das erste Stechen in der Seite. Ich ignorierte es. Renko tat Selbiges mit mir.
»Verdammt, guck mich wenigstens mal an, damit ich sicher sein kann, dass alles okay ist!«, fauchte ich. Es war zwar keiner direkt vor oder hinter uns, aber ich wollte trotzdem keine Aufmerksamkeit erregen.
Nach diesen Worten wandte er den Kopf ruckartig zu mir. Wir sahen uns an, während wir weiter unser Tempo hielten. Seine Augen zeigten Trotz, aber da war noch mehr.
Mir fiel sofort auf, dass seine Wangen nicht vom Schweiß feucht waren. Es waren Tränen. Und dann erkannte ich es. Den unterdrückten Schmerz in seinen Augen.
Augenblicklich, bevor er sich dagegen sträuben konnte, packte ich seinen Arm und sorgte dafür, dass wir an den Rand der Bahn kamen. Dort drosselte ich das Tempo, bis wir schließlich standen.
»Was soll das?«, pampte er mich an und riss seinen Arm aus meinen Fingern.
Ich packte ihn stattdessen an den Schultern und sah ihm intensiv in die Augen. »Was ist los?«, fragte ich und ließ ihn dabei nicht aus den Augen.
Ich weiß nicht, ob es mein Blick oder meine Worte gewesen waren, aber plötzlich sank er in meinen Händen zusammen, sodass ich fester zupacken musste, damit er nicht fiel.
»Lass mich los, ich kann nicht mehr«, drang es leise über seine Lippen.
Ich ließ locker, ging in seiner Bewegung aber mit, bis er auf dem Boden saß. Dort legte er sich hin und rollte sich zur Seite, das Gesicht in den Händen vergraben.
»Verdammt, Renko! Was ist los mit dir? Sag es mir, sonst kann ich dir nicht helfen.« Ich bettelte regelrecht, als auch schon mein Schichtleiter neben mir auftauchte, gefolgt von Herrn Häuser.
Ausgerechnet der, dachte ich beim Anblick von Renkos Partner.
Bei uns angelangt, zog Thorsten, mein Schichtleiter, mich aus der Hocke und ein Stück von Renko weg. Ich kam gar nicht dazu, zu protestieren.
»Komm, lass Olaf das machen, der weiß vielleicht eher, was sein Teampartner jetzt braucht«, sprach er dabei.
»Ich glaube, er braucht einen Arzt. Es ging ihm vorhin schon nicht gut«, plapperte ich.
»Ja, ja, Olaf wird sich jetzt um ihn kümmern. Komm mit, du siehst gerade auch nicht fit aus. Hinten kannst du trinken.«
Damit deutete er in Richtung der Umkleiden. Notgedrungen machte ich mich mit ihm auf den Weg dorthin, nicht ohne nochmal einen Blick zurückzuwerfen.
Renko hatte sich wieder etwas aufgerappelt. Er saß im Gras, die Hände um die Knie geschlungen. Sein Kollege, von dem ich nun wusste, dass er Olaf hieß, hockte neben ihm und redete auf ihn ein. Renko sah alles andere als glücklich aus.
»Hey, was ist los?« Kais Worte rissen mich von dem Anblick weg. Er war schwer am Atmen, hatte seinen Lauf offenbar gerade erst unterbrochen.
»Wir klären das. Geh und lauf die restliche Zeit», scheuchte Thorsten ihn weg, noch ehe ich etwas dazu sagen konnte.
»Verdammt!«, wütete ich erneut und schleuderte mein Handtuch quer durch den Umkleideraum, in dem nur Kai und ich anwesend waren. Nach der Dusche und nachdem die anderen die Kabine verlassen hatten, hatte er wissen wollen, was denn genau passiert war.
»Ich hätte verflucht nochmal hartnäckiger sein sollen!« Lautstark machte ich mir Vorwürfe.
Kai, der solche Ausbrüche von mir eigentlich nicht kannte, bewahrte trotzdem absolut die Ruhe. Er sammelte mein Handtuch vom Boden auf und stopfte es mit in seine Tasche.
»Beruhig dich. Vielleicht ist Häuser mit ihm zum Arzt gefahren«, wandte er ein.
»Ich will mich aber nicht beruhigen!«, rief ich. »Sein Blick sagte mir ganz deutlich, dass er Hilfe braucht!«
»Steffen, er hat doch Hilfe bekommen. Häuser war bei ihm.«
»Häuser, Häuser«, äffte ich. »Er hat damit was zu tun, das wette ich!«
»Steffen! Jetzt ist aber mal gut!«, fuhr Kai härter dazwischen und baute sich warnend vor mir auf.
Mir war das egal. Ich sah ihn trotzdem nicht an.
»Olaf Häuser ist sein Partner! Wie du und ich! Er wird sich schon gut um ihn kümmern!«
»Es ist eben nicht wie bei dir und mir!«, begehrte ich weiter auf.
»Warum glaubst du das?«, hakte Kai nach, plötzlich wieder in normaler Lautstärke.
Ich kam nicht zu einer Antwort, da wir von der sich öffnenden Tür unterbrochen wurden, die durch die Heftigkeit des Schwungs gegen die Wand krachte.
»Was macht ihr hier für einen Lärm? Seid ihr noch ganz bei Trost?«
Ein gereizter Schichtleiter starrte uns an, auf eine Antwort wartend. Es sollte besser eine gute Antwort sein, denn Thorsten hasste es, wenn jemand laut wurde.
Ich setzte zum Sprechen an, um abzuwiegeln, aber Kai packte mich grob im Nacken und brachte mich damit zum Schweigen, bevor ich überhaupt einen Ton über die Lippen bekam.
»Ich glaube, Steffen hat die ganze Sache heute etwas mitgenommen. Ich kläre das in Ruhe mit ihm. Wir benehmen uns ab jetzt.«
»Wenn der da«, Thorsten zeigte auf mich, »so ausflippt, ist auf jeden Fall irgendwas. Und dieses Irgendwas will ich wissen. Ihr klärt das, ja, aber ich werde dabei sein. Den Weg in mein Büro kennt ihr ja.«
»Ist okay, wir kommen gleich«, stimmte Kai zu.
»Nein, nicht gleich. Sofort. Ich will nicht, dass ihr euch vorher absprecht. Dafür kenn ich euch zu gut. Irgendwas ist hier im Argen.«
Lauernd sah er uns an und wartete, bis wir unsere Sachen beisammen hatten, um ihm zu folgen.
»Setzt euch«, forderte Thorsten uns auf. In seinem Büro angekommen deutete er auf die zwei Stühle vor dem Schreibtisch.
Er selbst ließ sich gegenüber von uns auf seinen Schreibtischstuhl fallen und verschränkte die Arme vor der Brust, wie er es immer tat, wenn er gespannt auf ein Gespräch war. Erwartungsvoll sah er mich an.
»Schieß los. Was war da auf dem Platz? Und wag es nicht, ›nichts‹ zu sagen.«
Ich räusperte mich. »Renko, also Herrn Pollack, ging es nicht gut, das bemerkte ich, als ich mit ihm auf einer Höhe lief. Er wollte es erst nicht zugeben und weiterlaufen. Deshalb hab ich ihn zur Seite bugsiert und angehalten.«
»Ach, da hast du wohl wieder zu deinem typischen Steffen-Modus gewechselt«, kommentierte er meine Antwort. »Ich will das aber genauer. Also verkauf mich nicht für blöd und mach den Mund auf!«, fuhr er mich barsch an.
Der Blick von Kai, der mir im Augenwinkel auffiel, zeigte ganz klar, dass ich besser auf das, was mein Schichtleiter verlangte, hören sollte.
Ich seufzte. »Wir haben seit gestern Kontakt zu Herrn Pollack, da wir ihn gefragt haben, ob er bei Mirco im Haus mit uns die Schützlinge trainieren möchte.«
Thorsten war in der Sache komplett aufgeklärt und kannte die Zusammenhänge. Mit einer Geste forderte er mich auf, weiterzusprechen.
»Na ja, jedenfalls ist uns heute Morgen aufgefallen, dass Herr Pollack
..«
»Renko, nenn ihn Renko«, warf Thorsten ein.
Verwundert darüber fuhr ich fort. »Okay. Renko sah heute Morgen nicht fit aus. Dass er das auch nicht war, zeigte sich mir deutlich, weil ich ihn einholte. Ich laufe zwar mit soliden Zeiten, aber von Renko habe ich in allen Läufen bisher immer nur die Rückansicht gesehen. Also überholte ich ihn nicht, sondern blieb auf seiner Höhe und hakte nach. Er sagte nichts, aber als er mich irgendwann ansah, bemerkte ich seine Tränen. Den Rest kennst du. Ich zog ihn beiseite und stellte ihn zur Rede. Bevor er antworten konnte, hast du mich weggezogen.«
»Hm«, äußerte Thorsten und rieb sich übers Kinn. »Und was hat das mit Olaf Häuser zu tun?«
Ich versteifte mich unwillkürlich bei dem Namen. »Ich weiß nicht, was …«, setzte ich an, wurde aber unterbrochen, weil Thorsten mit der Faust auf den Tisch donnerte.
»Steffen! Ich warne dich. Sag. Mir. Verdammt. Nochmal. Was. Das. Mit. Dem. Partner. Von. Renko. Zu. Tun. Hat.«
Ich musste schlucken. Niemals hätte ich erwartet, dass er mich so gut kannte. Wobei … Doch, eigentlich hatte ich das erwartet. »Ich traue ihm nicht.«
»Und weiter?«
»Was denn und weiter?«, fauchte ich, woraufhin Thorsten die Augen verdrehte.
»Warum wolltest du nicht, dass er sich um Renko kümmert?«
»Ich habe da doch gar nichts zu gesagt!«
»Nein, das stimmt. Es war trotzdem ersichtlich. Jedenfalls für mich, der dich gut kennt.«
Verdammt.
»Ist er dein Sub? Oder eurer?«, fragte er plötzlich. Abwechselnd sah er Kai und mich an.
Ja, Thorsten wusste von unseren Neigungen. Denn er war ebenfalls in der BDSM-Szene unterwegs. Wir hatten ihn eines Tages in einem Club getroffen. Auf den Knien vor seiner Frau. Kaum zu glauben, wenn man ihn als Schichtleiter vor sich hatte, aber Thorsten war ein Sub. Allerdings nur zu Hause in seiner Freizeit. Würden Kai und ich hier die Doms raushängen lassen, würde ihn das absolut nicht beeindrucken. Eher würde er uns eine Tracht Prügel verpassen. So submissiv wie er in seiner Freizeit sein mochte, so hart und dominant war er in seinem Job. Kai und ich hatten vollsten Respekt vor diesem Mann.
»Krieg ich da eine Antwort drauf?«, holte Thorsten mich zurück zum Geschehen.
»Nein. Also, ich meine, nein, er ist kein Sub.«
Thorsten zog die Augenbrauen hoch. »Nicht?«
»Nicht, dass ich wüsste.« Kai war ebenfalls nichts bekannt.
»Komisch», hörte ich Thorsten vor sich hin brummeln, aber weiter sagte er nichts.
»Ich glaube, dass Renko seinen Teampartner nicht sonderlich gut leiden kann«, rückte ich mit der Wahrheit raus, da sich das Gespräch nun vertrauter anfühlte.
Thorsten sah wieder auf. »Das macht keinen Sinn. Als Partner im Dienst müssen sie sich absolut vertrauen können. Er hat noch nie geäußert, dass irgendwas nicht passt oder er sich bei Olaf nicht gut aufgehoben fühlt.«
»Meine Rede«, stimmte Kai ihm zu.
»Es ist aber so. Glaubt mir oder lasst es bleiben. Ich habe da gestern so einen Blick gesehen.«
»Was für einen Blick?«, fragte Thorsten nach.
»Ja, das wollte ich auch wissen. Er hat’s mir nicht verraten«, meinte Kai.
Ich stöhnte auf. »Wie soll ich das denn auch erklären, verdammt? Da war so ein Blick zu Häuser, als ich ihn zum Essen eingeladen habe. Das war so ein … Ach, keine Ahnung. Ich kann das nicht beschreiben! Ich habe ein ungutes Bauchgefühl. Punkt«, sprudelte es aus mir hervor.
»Hm«, machte Thorsten und setzte ein überlegendes Gesicht auf. »Ich kann ja Heiko, den Schichtleiter von den beiden, mal ansprechen. Vielleicht hat der was bemerkt.«
»Nein!«, wehrte ich klar ab.
»Wieso nicht?«
»Wir haben ihn fast so weit, er wollte es sich überlegen, ob er morgen mit zum Training bei Mirco kommt. Wenn er das macht, erfahre ich vielleicht was.«
»Steffen, was willst du da erfahren? Deine geschickten Verhörtaktiken funktionieren bei Renko bestimmt nicht. Der durchschaut dich vorher, ist ja schließlich auch Polizist.«
»Ich werde schon was rauskriegen. Oder besser gesagt wir«, beharrte ich. »Lass seinen Schichtleiter da raus. Bitte«, forderte ich nachdrücklich.
»Hm. Okay. Vorerst. Da ich jetzt Bescheid weiß, werde ich ein Auge auf Renko und Olaf halten. Ist zwar kein Team meiner Abteilung, aber das spielt keine Rolle. Wenn in der Partnerbeziehung irgendwas nicht stimmt, kann das Folgen für sämtliche Kollegen haben. Auch für Kollegen aus meiner Abteilung. Also geht es mich doch was an.« Er deutete wieder auf mich. »Und du gehst die Sache vorsichtig an. Wenn da ein Bauchgefühl ist, ist da auch mehr. Was das angeht, hast du mich noch nie enttäuscht. Aber hiermit gebe ich dir ausdrücklich die Anweisung, sofort mit mir zu sprechen, wenn du was rausgefunden hast; noch bevor du es Kai sagst, sollte er nicht dabei sein. Ist das klar?«
»Ja, verstanden«, grummelte ich.
»Gut. Dann geht an die Arbeit.«
Renko
»Weißt du eigentlich, wie sehr du mich enttäuscht hast, Sklave?«, fragte Olaf.
Nein, ehrlich gesagt wusste ich das nicht. Aber ich wusste, dass er mich spüren lassen würde, wie sehr.
»Antworte gefälligst!«, spie er.
Bevor ich dazu kam, sah ich den Rohrstock, der mit voller Wucht auf meine Brustwarzen knallte.
Gepeinigt schrie ich auf.
»Sei still! Das ist noch längst nicht alles.«
Diese Worte kaufte ich ihm ab, absolut. Wäre ich auf dem Sportplatz nur glaubhafter gegenüber Steffen gewesen. Dann würde ich nicht in meinem Schlafzimmer knien, mit dem Peniskäfig, den ich weiterhin trug, mittlerweile aber mit vier Schrauben versehen, die sich in das Fleisch meines Schwanzes bohrten. Es war schmerzhaft, sehr schmerzhaft. Gerade weil ich dort unten sowieso sehr empfindlich war. Aber ich durfte meinen Schmerz nicht zeigen. Olaf verlangte einen ausdruckslosen Sklaven, wenn er ›nur so‹ mit mir spielte. Er verlangte, dass ich es regungslos ertrug. Beim Sex, da hingegen wollte er meine Qual sehen. Die Qual zwischen Erregung und Schmerz. Ohne Sex war er nur auf Schmerzen aus, nicht auf meine Lust. Und beim Sex war er noch längst nicht angekommen.
Wieder und wieder traf mich der Rohrstock und biss sich in mein Fleisch. Das Problem bei Olaf war, dass es ihn nicht interessierte, wo er mich traf. So pochten bereits beide Ellenbogen sowie die Hüfte auf der linken Seite. Das Anschwellen konnte ich regelrecht spüren. Nach gefühlten endlosen Hieben hörte er auf. Schnaufend ließ er den Rohrstock neben sich auf den Boden fallen.
»Dass du nicht einfach mal stillhalten kannst!«, beschwerte er sich. »Entschuldige dich gefälligst dafür!«
»Entschuldigung, Meister«, würgte ich brav hervor.
»So gefällt mir das nicht. Warte.«
Er stampfte aus dem Raum und kam wieder, nachdem er in der Kommode im Flur etwas aus der Schublade geholt hatte. Da wurde mir bewusst, dass ich noch kein Halsband trug. Das hatte ihn also gestört. Mein Gedanke bestätigte sich, als er mit besagtem Halsband vor mir auftauchte.
Grob legte er es mir an; ein Loch zu eng, sodass ich automatisch würgte, weil mir im ersten Moment die Luft wegblieb.
»Gewöhn dich dran. Du wirst es ab jetzt immer in dem Loch tragen. Die guten Zeiten sind ein für alle Mal vorbei. Was hast du dir dabei gedacht, so aufzufallen? Was mögen jetzt alle Kollegen denken, was mit dir los war?«
Nun, sie werden denken, dass ich nicht ganz fit war. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das wagte ich natürlich nicht zu sagen. Ich war ja nicht lebensmüde. Außerdem war es eine rhetorische Frage gewesen, denn er redete gleich weiter.
»Los, ab aufs Bett mit dir! Wollen wir deinem armseligen Schwanz mal ein bisschen mehr Schmerzen bereiten. Du hast es ja so gewollt, gib’s zu. Hast mich extra provoziert, he?»
Ich reagierte nicht, kroch nur schnell zum Bett und legte mich auf den Rücken, damit er an meinen Schwanz kam. Den Schmerz von den Hieben versuchte ich zu ignorieren, als ich das Bettlaken berührte.
Er befahl mir, meine Beine an den Kniekehlen zu greifen und sie für ihn offen zu halten. »Und du bleibst so, verstanden?!«
Dann wandte er sich zum Kleiderschrank, griff in die Schublade und kam mit einem Plug zurück. Die Größe konnte nicht das sein, was den Plug gefährlich machte. Es musste die Technik sein, die sich in dem Gerät befand. Die Größe war nämlich normal, und dafür, dass er mich bestrafen wollte, war er zu klein.
Eine Minute später wusste ich mehr. Es war die Technik. Das Ding konnte unglaublich stimulierend vibrieren. Schnell schoss mir das Blut in den Schwanz. Nun, es versuchte es wenigstens und wurde dort vom Käfig und den fiesen Schrauben gestoppt. Am liebsten hätte ich mich vor Schmerzen eingerollt, aber die Möglichkeit bestand nicht, da Olaf mich offen präsentierend wollte. So biss ich mir heftig auf die Lippe, um den Schmerz auszuhalten.
Olaf sah mich an. Seinen eigenen Schwanz hatte er aus der Hose geholt. Er stand und triefte vor Geilheit.
»Na, wie ist das, hart zu werden, obwohl man es eigentlich gar nicht will, da es Schmerz bedeutet?«, höhnte er.
Es war die Hölle. Aber ich wusste, dass er es nicht hören wollte.
»Der kann noch mehr, warte«, versprach er und nahm, begeistert wie ein Kind, die Fernbedienung des Dings in die Hand.
Einen Moment später riss ich überrascht und zugleich überfordert die Augen auf. Das Teil in mir wurde größer und fuhr sich aus. Da ich nicht vorgedehnt war, wurde es schnell schmerzhaft.
Ich kniff die Augen zusammen und hechelte, um dem Gefühl gerecht zu werden.
»Ach, warte, er kann dabei auch vibrieren.«
Und schon fuhren meine Gefühle wieder Achterbahn. Meine Erektion war gerade abgeflaut, aber sie kam zurück, bis der Käfig sie stoppte.
»Super. Es ist so toll, dir zuzusehen, wie du versuchst, deinen Körper zu kontrollieren. Aber soll ich dir was sagen? Ich habe die Kontrolle. Schon seit fast einem Jahr. Und soll ich dir noch was sagen? Ich werde sie auch in Zukunft haben. Nicht wahr?«
Teufel. Ja, klar würde er die haben. Mir blieb ja keine andere Wahl.
»Antworte!« Der Rohrstock, den er auf einmal wieder zur Hand hatte, sauste auf meine Fußsohlen, die ich ihm quasi hinhielt, da ich die Beine weiterhin offenhalten musste. Schmerz flammte auf, da die alten Wunden erneut getroffen wurden.
»Ja, Meister. Sie haben die Kontrolle«, quetschte ich kaum verständlich hervor.
»Geht doch. So, ich habe jetzt genug. Ich bin müde und möchte nach Hause. Da kann ich mir dann in Ruhe einen runterholen, während ich live in die Kameras schalte und dich hier liegen sehe.«
Mit einem Grinsen verstaute er seinen Penis und erlaubte mir, meine Haltung fallen zu lassen. Wobei ich mir nicht sicher war, was angenehmer war, denn der Plug arbeitete weiter fröhlich vor sich hin. Er fuhr sich bis zu einer gewissen Länge aus, fuhr sich wieder ein, und so weiter. Währenddessen vibrierte er. Scheiß Teil.
»Der Plug bleibt drin, auch wenn er später ausgeht. Das Halsband darfst du abnehmen, sonst sieht man zu starke Spuren, wenn du wieder arbeiten kommst. Ach, die Arbeit, da war ja noch was. Ich habe dafür gesorgt, dass du morgen frei hast. Du weißt schon, um dich von deinem kleinen Zusammenbruch auf dem Sportplatz zu erholen. Ich erwarte aber von dir, dass du morgen auf das Laufband gehst und mindestens eine Stunde im flotten Tempo läufst. Mit Plug. Anschließend darfst du ihn rausnehmen. Schalte die Kamera im Fitnessraum an, damit ich das überprüfen kann. Wehe, du machst das nicht. Du willst nicht wissen, was dir dann blüht, Sklave«, warnte er. »Ich kann morgen Abend nicht kommen, habe noch einen Termin. Wir sehen uns dann übermorgen auf der Arbeit. Bis dahin hast du ja weitestgehend Ruhe. Aber benimm dich. Ach, und der Käfig bleibt, wo er ist.«
»Meister, erlauben Sie eine Frage?«, schaffte ich, zu fragen, bevor er verschwand.
»Wenn es sein muss«, knurrte er.
»Wie ist das mit dem Essen?«
»Du kannst essen, wenn du meinst, dass es angebracht ist. Wenn du noch einkaufen musst, hast du Pech gehabt, denn das gestatte ich dir nicht.«
Mist. Er hatte mich die letzten Tage sprichwörtlich an der kurzen Leine gehalten, weswegen ich natürlich hätte einkaufen fahren müssen.
»Verstanden, Meister.«
»Gut. Es ist alles geklärt. Wir sehen uns übermorgen.«
Mit den Worten stapfte er zur Tür und verschwand.
Am nächsten Morgen ging es mir schlecht. Der Plug hatte mich noch lange beschäftigt. War wohl eine verdammt ausdauernde Batterie drinnen gewesen. Die Striemen vom Rohrstock taten ziemlich weh. Auf dem Rücken waren welche aufgeplatzt, wie ich im Spiegel erkannte. Leider kam ich nicht richtig dran, um sie zu verarzten. Meine Fußsohlen, die zwei Tage hintereinander malträtiert worden waren, waren auf bestem Wege sich zu entzünden. Aber dort konnte ich wenigstens mit Salbe Abhilfe schaffen. Gehen war trotzdem eine Tortur und das Laufen auf dem Laufband überlebte ich gerade so. Zum Glück hatte ich daran gedacht, die Kamera einzuschalten. Das gab wenigstens keine zusätzliche Strafe. Wobei, wer wusste schon, was Olaf sich noch alles einfallen ließ? Der Käfig mit den Schrauben setzte dem Ganzen die Krone auf. Obwohl ich nicht erregt war, zwickte er gewaltig.
Später saß ich in meiner Küche und hatte nichts zu essen, außer ein bisschen Knäckebrot mit Butter. Müsli wäre auch noch da gewesen, aber weder Milch noch Joghurt, daher fiel das weg.
Nachdem das Knäckebrot gegessen war, beschloss ich, mich noch eine Runde ins Bett zu legen. Wenigstens hatte es keinen komplett strukturierten Tagesplan von Olaf gegeben, sodass ich mich tatsächlich erholen konnte. Zwar nicht wegen des Zusammenbruchs auf dem Sportplatz, sondern wegen Olafs falschem Verständnis von BDSM.
Als ich mir die Jogginghose auszog und sie auf den Stuhl legen wollte, auf dem ich meine Klamotten immer ablegte, fiel mir mein Portemonnaie ins Auge. Das war wohl aus der Hose gerutscht, die schon auf dem Stuhl gelegen hatte. In den letzten Tagen hatte ich sie auf der Arbeit getragen.
Ich hob die Geldbörse auf und eine Karte fiel heraus. Das Ziehen in den Wunden, das durch das Bücken ausgelöst wurde, ließ mich stöhnen. Es war Steffens Karte. Er hatte sie mir im Restaurant gegeben, damit ich ihm auch außerhalb unserer Arbeit mitteilen konnte, ob ich Interesse an dem Training hatte.
In diesem Moment kam mir die Karte wie ein Geschenk des Himmels vor. Die Vorstellung, aus dieser Wohnung rauszukommen und endlich mal was anderes kennenzulernen, als Arbeit und die Abende mit Olaf, war verlockend. Außerdem liebte ich gutes Training. Und mit den Schützlingen aus dem Haus, von denen Kai und Steffen erzählt hatten, würde das Training abwechslungsreich werden.
Ehe ich weiter überlegte, speicherte ich die Nummer, um Steffen eine Nachricht zu schreiben.
›Hey, habe Interesse an dem Training. Steht das Angebot noch, sodass ihr mich heute mitnehmen könnt? Gruß, Renko‹
Seine Antwort kam fast umgehend, obwohl er eigentlich bei der Arbeit sein müsste.
›Hi, das ist ja super, freut uns sehr. Klar steht das Angebot noch. Wir könnten dich nach Feierabend um 17:00 Uhr einsammeln. Grüße, Steffen‹
Ich antwortete ihm, dass mir das passen würde und wartete gespannt, bis die Zeit endlich rum war.
Steffen
Kai und ich waren beide überrascht gewesen, dass Renko sich gemeldet hatte. Wir hatten ihn auf der Arbeit schon vermisst. Dass er in einer anderen Schicht war, kam auch nicht infrage, da sein Teampartner gearbeitet hatte.
Nach Feierabend machten wir uns auf den Weg zu Renkos Wohnung, deren Adresse er mir noch geschrieben hatte.
Dort angekommen, wartete er bereits am Bordstein. Wir waren wohl nicht die Einzigen, die sich freuten.
Er stieg hinten ein, zischte dabei ein bisschen, überspielte es aber mit einem Lächeln.
»Hey, ihr zwei, super, dass ich mitkommen kann.«
Ich drehte mich auf dem Beifahrersitz zu ihm rum. Da er hinter Kai saß, konnte ich ihn so gut sehen. »Alles klar bei dir?«
»Ja, warum?«
»Ich frage nur, wegen gestern. Was war los?« Jetzt konnte er wenigstens nicht aus der Unterhaltung flüchten.
»Ich weiß auch nicht, irgendwie war ich nicht ganz fit. Heute ist wieder alles bestens«, behauptete er, was mich die Augenbrauen hochziehen ließ.
»Ach, wirklich? Du wirktest beim Einsteigen, als hättest du Schmerzen. Und auf der Arbeit habe ich dich auch nicht gesehen.«
»Ach, das.« Er winkte ab. »Ich hab’s etwas im Rücken, deshalb bin ich heute zu Hause geblieben. Aber das geht gleich weg, wenn ich mich bewege.«
Kai formte neben mir mit den Lippen ein ›wer’s glaubt‹, sprach es aber nicht aus. Ich musste ihm recht geben, denn ich glaubte Renko ebenfalls nicht. Dafür wirkte er zu hibbelig. Er versuchte, etwas zu verheimlichen. Der Polizist in mir erkannte das sofort.
Die Atmosphäre war gut, als wir im Haus auf Mirco und Ben trafen. Die Chemie zwischen ihnen und Renko schien zu stimmen, was ein gutes Zeichen war. Gemeinsam mit Ben machten wir uns auf den Weg in die Scheune, in der Renko sich erst mal umsah und dann durch die Zähne pfiff.
»Wow, das ist doch mal was. Hier kann man sich ja richtig austoben.«
»Ja, nicht wahr? Wobei ich es anfangs mit dem Austoben übertrieben habe, sodass Mirco mir verboten hatte, die Scheune ohne Trainer zu betreten«, erwiderte Ben mit einem Lachen.
»Oh ja, das war eine schwierige Zeit«, erinnerte Kai sich.
So lange war das noch gar nicht her gewesen; nur ein paar Monate. Aber in der Zwischenzeit hatte Ben sich tüchtig gemacht. Seit er eine feste Aufgabe hatte, indem er die Schützlinge trainierte, schien es ihm wesentlich besser zu gehen. Natürlich beflügelte ihn auch die noch relativ frische Liebe zu Mirco.
»Wollen wir starten? Etwas aufwärmen, bevor die Meute reinkommt?«, schlug ich vor und erntete die Zustimmung der anderen.
Wir hatten die Einheit beendet. Alle Schützlinge waren zur Tür raus. Ich räumte mit Kai die Matten zusammen, die wir benötigt hatten. Doch ließ ich sie sofort fallen, als ein Schrei ertönte. Besorgt drehte ich mich zu Renko und Ben herum, die bis dato rumgealbert hatten. Renko lag auf dem Boden. Ich rannte hin. Kai folgte.
»Was ist passiert?«, hakte ich nach, kaum hockte ich neben ihm.
Ben stand blass daneben und starrte auf Renko herab. »Ich … Ich …. Das wollte ich nicht. Ich hab doch bloß … Also ….«, stammelte er.
Kai legte ihm einen Arm um die Schultern und zog ihn an sich. »Hey, alles gut, Ben«, beruhigte er, obwohl wir alle sahen, dass bei Renko nicht alles gut war.
Der krümmte sich. Tränen rannen über sein Gesicht. Vorsichtig berührte ich ihn am Arm, doch sofort wimmerte er und zuckte weg. Also ließ ich es bleiben. Ich blickte ebenfalls zu Ben. Der war weiß wie eine Wand.
»Ich hab doch nur Spaß gemacht. Ihm die Hand entgegengestreckt und ihn auf die Matte befördert, als er eingeschlagen hat. Ich wollte nur lustig sein, ihn aber nicht verletzen«, beteuerte er.
»Ich glaube dir, dass das keine Absicht war. Und Steffen ebenso«, sprach Kai weiter auf ihn ein. »Es wäre gut, wenn du Mirco informierst. Schaffst du das?«
Ben nickte und machte sich auf den Weg. Jetzt kniete sich auch Kai neben Renko auf den Boden.
»Renko, bist du noch bei uns?«, hakte er nach und bekam ein minimales Nicken als Antwort.
Das war schon mal gut. »Was ist los? Wo hast du Schmerzen?«, fragte ich.
Daraufhin schüttelte Renko nur den Kopf und krampfte sich noch weiter zusammen.
Hinter uns ging die Scheunentür auf und Mirco kam eilig zu uns. »Brauchen wir Leon?«, fragte er und meinte damit den Arzt, der seine Schützlinge betreute und für ihn rund um die Uhr erreichbar war, denn außer, dass er der Arzt des Hauses war, waren Mirco, Ben und André auch gut mit ihm befreundet.
»Wir wissen noch nichts. Er sagt nicht, was los ist.«
»Mhm. Dann ruf ich Leon an. Besser ist das«, entschied Mirco und entfernte sich ein paar Schritte, um zu telefonieren.
»Renko?«, sprach ich erneut. »Wir können dir nur helfen, wenn du uns sagst, was los ist.«
»Keine Hilfe«, sagte er gebrochen.
Immerhin reagierte er, also war er bei klarem Verstand. Das war schon mal positiv.
»Leon braucht zehn Minuten«, informierte Mirco uns. »Bringen wir ihn besser rein. Renko, kannst du aufstehen?«
So wie er dalag und sich krümmte, glaubte ich das nicht und sein mattes Kopfschütteln bestätigte meine Vermutung.
Ich versuchte nochmal, ihn zu berühren, auch, um ihn etwas zu beruhigen, aber wieder zuckte er weg. Ratlos sah ich zu Kai, der daraufhin mit seinen Fingern zu seinen Augen und auf Renkos Rücken deutete. Ich kam der Geste nach und erschrak. Da war Blut an seinem Shirt.
»Renko? Du blutest am Rücken. Darf ich da mal nachsehen?«, fragte ich.
»Nein!«, schrie er fast panisch. »Bitte nicht«, kam leise hinterher.
Das machte mich stutzig. Kai scheinbar ebenfalls, so wie er mich ansah. Ich beschloss, Renkos Bitte zu ignorieren, fasste blitzschnell an den Saum seines Shirts und zog es hoch, soweit es ging, da er auf der Seite lag. Was zum Vorschein kam, ließ mich schockiert zurück. Sein Rücken schillerte in allen Farben. Die Haut war stellenweise aufgeplatzt. Aber noch ehe ich weiter gucken konnte, kam Regung in Renkos Körper. Er drehte sich von mir weg, sodass ich das Shirt loslassen musste.
»Was soll das?!«, beschwerte er sich, auf einmal laut und deutlich.
Ich hob die Hände. »Nichts für ungut, aber das muss behandelt werden, Renko. Sofort.«
»Nein! Das ist nichts! Das geht auch wieder weg!«, protestierte er.
Ich lachte bitter auf. »Nein, so einfach und schnell geht das mit Sicherheit nicht weg.«
»Na und? Kann dir doch egal sein!«
»Ist es aber nicht. Lass es sich wenigstens Leon ansehen. Er ist der Arzt, der sich während der Befragung auf dem Revier um Ben gekümmert hat. Erinnerst du dich?«
»Ist doch egal! Ich brauche seine Hilfe nicht! Und eure auch nicht!«, wetterte Renko weiter.
»Ich diskutiere da nicht mit dir drüber. Du lässt dir jetzt helfen. Punkt.« Ich ließ ihn Bekanntschaft mit meiner Domstimme machen.
Es zeigte überraschend Wirkung. Wobei, so überraschend fand ich das ehrlich gesagt gar nicht. Warum auch immer. Er sank jedenfalls in sich zusammen und gab keine Widerworte mehr, keinen Protest.
Als ich ihn berührte, zuckte er auch nicht mehr weg. Behutsam strich ich ihm über den Arm und bemerkte, dass sein Ellenbogen geschwollen war. Ich hakte vorerst nicht nach. Um das zu untersuchen, müsste er später das langärmlige Shirt ausziehen.
»Schaffst du es jetzt, aufzustehen?«
Er schüttelte den Kopf. Tränen liefen noch immer über seine Wangen.
»Dann trag ich dich. Wo bist du überall verletzt?«
»Der Rücken ist das Schlimmste«, murmelte er.
»Okay. Ich werde vorsichtig sein, aber ganz ohne Schmerzen wird es wohl nicht gehen, fürchte ich.« Ich schob einen Arm unter seine Schultern, mit dem anderen griff ich an seine Kniekehlen. Langsam hob ich ihn hoch.
»Schling deine Arme um meinen Hals, dann ist es einfacher.«
Er tat wie geheißen und mit vorsichtigen Schritten trug ich ihn nach drinnen, die Treppen hoch, bis in den zweiten Stock, wo Mirco mir Bens altes Zimmer öffnete, damit ich ihn auf das Bett legen konnte.
Kaum berührte er das Laken, drehte er sich zur Seite und krümmte sich wie ein Embryo zusammen.
Noch bevor ich entscheiden konnte, wie ich weiter vorgehen wollte, betrat Leon das Zimmer.
»Hallo. Ich sehe schon, meine Hilfe wird gebraucht«, erkannte er sofort und stellte seine Arzttasche neben dem Bett ab. Dann betrachtete er die im Bett liegende Person und wurde sich wohl bewusst, wer da lag.
»Herr Pollack, richtig?«, sprach er ihn an.
»Renko«, erwiderte der schwach und nickte dabei.
Leon sah zu Kai und mir, danach zu Mirco. Er deutete mit einem Kopfnicken zum Flur. Ich ging mit ihm raus und klärte ihn vor der Tür leise über das auf, was ich in der Scheune bereits entdeckt hatte.
»Hast du eine Ahnung, woher er die Wunden haben könnte?«, fragte er nach.
Ich schüttelte den Kopf. »Nein.«
»Hat er in den letzten Tagen irgendeinen heftigen Einsatz gehabt?«
»Das kommt nicht von einem Einsatz. Aber du siehst es ja gleich selbst«, antwortete ich überzeugt.
Wir gingen zurück und Leon teilte Renko mit, dass er ihn untersuchen wollte.
Renko schüttelte den Kopf.
»Renko. Verdammt, wir müssen auch nicht erfahren, wer das war. Aber lass Leon die Wunden wenigstens versorgen«, redete ich auf ihn ein.
Natürlich wollten wir wissen, wer ihm das angetan hatte, das ahnte er wahrscheinlich. Aber trotzdem hoffte ich, ihn mit diesen Worten überzeugen zu können. Und immerhin blockte er nicht sofort wieder ab. Er regte sich gar nicht.
»Ich deute das als Zustimmung«, informierte ich ihn. »Ich werde dir jetzt das Shirt ausziehen.«
Er reagierte nicht und lag nur stocksteif im Bett. Sein Atem ging stoßweise. Das Vorgehen war purer Stress für ihn. Aber da musste er wohl oder übel durch, denn wenn sein ganzer Rücken so aussah, wie das Stück, das ich gesehen hatte, brauchte er dringend ärztliche Hilfe.
Es war nicht nur das kleine Stück. Und auch nicht nur der Rücken. Als das Shirt behutsam ausgezogen war, sah ich das erschreckende Ausmaß. Es betraf seinen kompletten Oberkörper. Rücken, Brust, Bauch, Schultern, Oberarme, Unterarme. Da war wirklich keine Stelle, die kein Striemen oder blauer Fleck zierte. Manche Regionen waren auch grün-gelb. Also war es nicht das erste Mal gewesen, dass ihm so etwas angetan worden war.
Niemand von uns sagte was. Wir waren alle zu geschockt von diesem Anblick. Und Renko? Der hatte sich zusammengerollt und wohl für sich entschieden, es einfach über sich ergehen zu lassen.
»Fuck! Das ist …« Ich saß weiterhin an der Bettkante und fand als Erster die Sprache wieder.
»… heftig«, beendete Leon meinen Satz. Er kam näher und setzte sich zu mir. »Renko? Hast du noch schlimmere Verletzungen? Verstauchungen oder so?«, fragte er.
»Nein«, antwortete er. Das war schon mal ein gutes Zeichen.
»Okay. Wie sieht der Rest deines Körpers aus?«, fragte Leon weiter. Eine Frage, die ich mir auch schon gestellt hatte.
Renko versteifte sich noch mehr. »Nicht so schlimm«, brachte er hervor.
»Dein Hintern?«, hakte Leon genauer nach.
Es lag nahe, dass der genauso aussah. Wenn man seinen Oberkörper betrachtete, fragte man sich unweigerlich, ob überhaupt irgendeine Stelle verschont worden war. Renko konnte froh sein, wenn er keine Schäden an seinen inneren Organen davongetragen hatte.
»Geht schon«, wiegelte er ab.
»Das glaube ich dir nicht. Ich würde mir gern selbst ein Bild davon machen«, entschied Leon.
»Nein! Das … Das kann ich auch selbst«, wehrte er sich weiter.
Ich beugte mich zu ihm runter, griff sanft an sein Kinn und wartete, bis er die Augen öffnete und mich ansah. Grüne Augen, leider mit Schmerz durchzogen.
»Renko … Es ist wichtig, die Wunden zu versorgen, hörst du?«, redete ich leise auf ihn ein. »Ich weiß, dass das eine sehr unangenehme Situation für dich ist und wir können dich auch mit Leon allein lassen, wenn dir das lieber ist, aber ich möchte, dass du dich behandeln lässt.«
Tränen bildeten sich in seinen Augen und liefen über seine Wangen. »Nicht …«, stammelte er und krallte sich an meinen Arm, auf dem ich mich abstützte.
Ich wusste nicht, was ich mit dieser Aussage anfangen sollte und blickte Hilfe suchend zu meinem Partner. Kai kam näher und hockte sich direkt neben Renkos Kopf ans Bett. Eine Hand legte er an mein Knie. Ob er das extra oder aus Versehen tat, keine Ahnung, aber irgendwie beruhigte mich das. Die Situation war auch für mich neu und verwirrend.
»Renko. Ich nehme dir die Entscheidung jetzt ganz einfach ab. Wir werden dir gleich vorsichtig die Hose ausziehen und uns das anschauen. Mirco geht vor die Tür, dann sind nur noch Steffen, Leon und ich da. Wir wissen, dass du ein starker Polizist bist, aber jetzt musst du dir erlauben, unsere Hilfe zu akzeptieren und anzunehmen. Verstanden?«
Diese Worte hatte Kai ruhig, aber auch bestimmend ausgesprochen, was bei Renko eindeutig Wirkung zeigte. Erst nahm sein Atem zu, dann wich plötzlich alle Anspannung. Schließlich nickte er.
»Gut«, lobte Kai. Er stand auf, strich ihm einmal mit der Hand durch die Haare und kümmerte sich um das Ausziehen der Hose.
War das gerade sein innerer Dom, der da hervorschaute? So kannte ich ihn eigentlich nur, wenn wir gemeinsam spielten. War Renko ein Sub? War Thorstens Frage dazu berechtigt gewesen?
Renko
Nach Kais Äußerung konnte ich es annehmen, dass sie sich um mich kümmerten. Seine Worte hatten irgendeine Blockade in mir gelöst.
Mir war bewusst, dass sie alle gleich einen weiteren Schock kriegen würden, wenn sie den Peniskäfig entdeckten. Denn die Schrauben saßen da noch immer drin, weil Olaf mir verboten hatte, etwas daran zu verändern. Durch das lange Tragen war mein Schwanz wund und aufgescheuert. Es brannte höllisch. Schon seit Stunden. Aber im Verdrängen von Schmerzen war ich mittlerweile Meister. Doch das wussten Steffen, Kai und Leon ja nicht.
Ein Zischen, ein Knurren und das Anspannen von Steffens Arm, um den ich mich geklammert hatte, zeigten mir, dass er es jetzt sehen konnte. Die Wut, die ich in seinen Muskeln spürte, ließ mich ihn schnell loslassen, aus Angst, seine Wut könnte gegen mich gerichtet sein.
Kaum hatte ich losgelassen, wandelte sich seine Ausstrahlung. Er beugte sich wieder runter, sodass ich ihm ins Gesicht sehen konnte, und streichelte mir sanft über die Wange.
»Keine Angst. Ich bin nicht sauer auf dich. Nur auf den, der dir das antut«, besänftigte er mich.
»Das wird unglaublich schmerzhaft, wenn wir den abnehmen«, sprach Leon in den Raum.
»Renko, auf einer Skala von eins bis zehn, auf welcher Stufe befindet sich dein Schmerz im Moment, was den Käfig angeht?«, verlangte Kai zu wissen.
Er hatte weiterhin diesen Ton drauf, der mir keine andere Wahl ließ als ehrlich zu antworten.
»Zwölf?«, gab ich mehr fragend als aussagend an.
»Das können wir nicht hier machen, Kai«, warf Steffen bedenkend ein. »Der Schmerz wird ihn unkontrolliert handeln lassen. Das ist zu gefährlich. Wir wollen ja nicht noch mehr verursachen.«
»Hm, ich überlege auch gerade«, gab der zurück.
»Ich werde ihm etwas gegen die Schmerzen geben«, sagte Leon sofort.
»Nein!«, wehrte ich ab. »Keine Medikamente!«
Ich hatte Angst, dass sie mir irgendwas gaben, was mich entscheidungsunfähig machte. Meine Kontrolle wollte ich nicht abgeben, nicht so.
»Wir packen ihn ein und machen es bei mir«, entschied Steffen schließlich.
Auch er hatte inzwischen einen festen Ton angeschlagen, dem ich nicht widersprach.
Kai wischte sich mit einer Hand übers Gesicht und sah mit Sorge zu Steffen und mir. »Ja. Es wird anders nicht funktionieren. Hoffentlich geht das gut.«
»Ja, das hoffe ich auch.«
Kai seufzte, klärte mich aber nicht wirklich auf, was sie damit genau meinten. Stattdessen wickelten sie mich in eine Decke. Steffen nahm mich wieder auf seine Arme. Genau wie Kai war er kräftig gebaut und trug ansehnliche Muskeln zur Schau. Lediglich in der Größe unterschieden sie sich. Kai war einige Zentimeter größer, Steffen etwa so groß wie ich. Im Gegensatz zu den beiden war ich eher der schlanke, sehnige Typ. Daher wunderte es mich nicht, dass er mich tragen konnte.
»Halt dich fest. Wir fahren zu mir nach Hause und helfen dir dort. Du musst noch ein bisschen stark sein, bald hast du es geschafft.«
Ich nickte an seiner Schulter und ließ mich zum Auto bringen. Dort schob er mich vorsichtig auf die Rückbank und setzte sich neben Kai nach vorne, auf den Beifahrersitz.
»Ich folge euch mit meinem Wagen«, sagte Leon noch, dann ging die Fahrt los.
Steffen trug mich eine Treppe hinunter, kaum dass wir das Haus betreten hatten. Wohnte er im Keller? Ich wurde unruhig. Der Gedanke an einen Keller behagte mir nicht. Kellerräume kannte ich nur dunkel und beengend, was meiner Klaustrophobie zuspielte.
»Bleib locker, alles wird gut«, besänftigte Steffen mich.
Er hatte nur mäßig Erfolg, denn kaum sah ich, in welchen Raum er mit mir ging, brach die Panik komplett aus. Ein Spielzimmer. Er hatte ein Spielzimmer in seinem Keller! Verdammte Scheiße! Wahrscheinlich war er kein Deut besser als Olaf!
Ich schrie und wand mich. Steffen hatte kurz Mühe, mich nicht fallen zu lassen. Kai kam dazu und sorgte dafür, dass ich quasi zwischen ihnen eingeklemmt war. Ein Griff in mein Haar, der nicht brutal, aber kontrollierend fest war, ließ meinen Körper einfrieren.
»Renko. Wir sind hier in einem Spielzimmer, ja. Ich weiß nicht, ob du so einen Raum kennst und schon mal in Kontakt mit BDSM warst, aber wir tun dir nichts, versprochen. Nur wird es ohne Fixierung nicht möglich sein, dir den Käfig abzunehmen. Es geht uns hier nur um deine Sicherheit, verstehst du das? Alternativ können wir auch in ein Krankenhaus fahren.«
Ich nickte und schüttelte danach den Kopf. Ich wusste nicht, was ich denken oder fühlen sollte.
»Ich kenne BDSM, ich bin ein Sub«, brachte ich schließlich über die Lippen.
Ob diese Offenbarung überraschend kam, ließen sie sich nicht anmerken. Sie strahlten weiterhin Ruhe aus.
»Es ist okay. Du bist überfordert, das verstehen wir. Deswegen werde ich dir jetzt erklären, was passieren wird. Aber vorweg: Steffen und ich gehen BDSM in unserer Freizeit nach. Aber das ist nichts, was aktuell hierher gehört. Okay?«
Kai wartete auf mein schwaches Nicken.
»Gut. Steffen wird dich gleich auf einem Tisch ablegen, den wir vorher mit Decken abpolstern. Dieser Tisch hat an den Seiten Ringe, an denen wir dich fixieren können. Ich schätze, wir werden einen breiten Gurt wählen, den wir über deinen Bauch legen. Vielleicht müssen wir auch deine Füße fixieren, das müssen wir gleich mal schauen. Okay? Wie gesagt: Wir werden den Käfig entfernen und wollen nur verhindern, dass du dich dabei verletzt, wenn du ruckartige Bewegungen machst. Deswegen unterbinden wir das. Wir haben keine anderen Absichten, da hast du unser aller Wort drauf.«
Die Sanftheit, die er ausstrahlte, gab mir Mut. Den Mut, das durchzustehen. Ich nickte nochmal, um ihm mein Okay zu geben.
»Super«, lobte er und streichelte mir mit seiner Hand, mit der er meinen Kopf gegriffen hatte, durch die Haare.
Er trat zurück und Steffen trug mich zum Tisch, von dem Kai gesprochen hatte. Er war aus Holz und sah mit den Eisenringen an den Seiten massiv aus. Leon hatte bereits eine Wolldecke darauf ausgebreitet, auf der Steffen mich langsam ablegte. Ich unterdrückte einen zischenden Laut, der mir bei dem Schmerz entweichen wollte.
Nach einem Moment kam Kai wieder in mein Sichtfeld. Er hielt einen breiten Ledergurt in der Hand.
»Hier ist der Gurt, den ich verwenden werde«, bereitete er mich darauf vor. »Gibt es irgendwas zu beachten, was Fixierungen angeht?«
»Klaustrophobie«, gab ich leise zu.
»Wann äußert sich das? Hast du bei Bondage schon mal Schwierigkeiten damit gehabt? Ich rede jetzt von normalem, einvernehmlichen Spielverhalten. Das hier ist zwar kein Spiel und wird auch keines werden, aber die Fixierung ist trotzdem da und somit ist das vergleichbar«, erklärte er den Hintergrund seiner Frage.
»Wenn ich mich gar nicht mehr bewegen kann. Beine, Arme, Kopf, alles. Dann kommt die Panik.«
»Okay. Wir werden das beachten. Ich lege dir den Gurt jetzt an. Durch die ganzen Verletzungen könnte das trotz aller Vorsicht weh tun. Aber ich glaube, dein Schwanz ist da weitaus schlimmer dran.«
»Hm.« Ich beobachtete, wie er den Gurt befestigte und spürte schließlich den Punkt, an dem ich mich nicht mehr rühren konnte.
»Ist das auszuhalten?«, hakte Kai nach.
»Ich glaube.«
»Denk dran, wir sind immer bei dir. Wenn was ist, sprich es aus«, erinnerte Steffen mich. Die ganze Zeit stand er neben mir und hielt meine Hand.
»Ich werde vorsichtig beginnen, die erste Schraube herauszudrehen«, kündigte Leon an und blickte mir direkt in die Augen.
Ich nickte fast unmerklich, um ihm meine Zustimmung zu geben. Als er den Käfig aber dann berührte, zog ich automatisch die Beine an und wimmerte.
»Pst, ruhig«, versuchte Steffen, mich zu erden.
Mein Blick flackerte erst zu ihm, dann zu Kai.
»Ich … Ich kann das so nicht«, gab ich zu.
Ohne Fixierung würde ich meine Beine nicht davon abhalten können, meinen Unterleib schützen zu wollen. Kai verstand die unausgesprochenen Worte und nickte langsam.
»Okay. Dann binde ich auch deine Fußgelenke fest«, entschied er und wartete wieder ein Nicken von mir ab, bevor er Manschetten und Seil holte.
Als er an meine Füße trat und meine Socken auszog, die ich als Einziges noch getragen hatte, zog er scharf die Luft ein. »Die Fußsohlen musst du dir auch dringend anschauen, Leon«, kommentierte er und ich sah, dass er einen Blick mit Steffen wechselte.
Der streichelte weiter mit seinem Daumen über meinen Handrücken, wie er es schon eine Weile tat.
Als meine Knöchel ebenfalls mit Manschetten ausgestattet und mit dem Seil festgebunden waren, wanderten Leons Hände zu meinem eingepferchten Schwanz. Mehr konnte ich nicht mehr sehen, weil Kai dafür sorgte, dass ich ihn ansah. Er hatte sich auf der anderen Seite platziert und sich ebenfalls meine Hand gegriffen. Seine andere lag an meiner Wange.
»Du musst jetzt verdammt tapfer sein, mein Großer. Aber ich bin mir sicher, du schaffst das«, sprach er mir Mut zu.
Der Kosename, den er mir verpasste, sorgte für einen wohligen Schauer in meinem Körper. Ich sollte nicht so fühlen, sie sind Kollegen, ermahnte ich mich. Dennoch lag ich hier, vollkommen entblößt und ließ mir von ihnen helfen. Da war keine Privatsphäre mehr. Von einen auf den anderen Moment war das vorbei. Ab dem Moment, in dem Steffen in der Scheune mein Shirt hochgeschoben hatte. Es sollte sich falsch anfühlen, aber das war nicht der Fall. Stattdessen war da etwas, das man fast als Erleichterung betiteln konnte. War es, weil sie die Welt des BDSM kannten? Mich deswegen vielleicht nicht verurteilten?
Ich wurde jäh aus meinen Gedanken gerissen, als Leon an der ersten Schraube drehte, um sie zu entfernen. Dadurch, dass Olaf sie so verdammt weit eingedreht hatte, hatten sie blutige Wunden hinterlassen, an denen die Schraube festklebte.
Ich schrie, weil es nicht anders ging. Mein Brustkorb hob sich vom Tisch ab. Weitere Bewegungen waren durch den Bauchgurt und die Fußmanschetten nicht möglich. Tränen und Schweiß liefen gleichermaßen über mein Gesicht.
Hände drückten mich sachte, aber bestimmt, zurück auf den Tisch. »Ist gut. Ich weiß, das tut unglaublich weh, aber alles wird gut«, sprach Steffen zu mir. Sein Gesicht erschien über mir. Kai hatte meinen Kopf losgelassen.
Nach der ersten Schmerzwelle zitterte ich unkontrolliert. Mein Herz raste.
»Versuch, weiter zu atmen, immer ein und aus», hörte ich Kai sagen. Ich quetschte sicher ihre Hände, jedenfalls registrierte ich nebenbei, dass meine ziemlich angespannt waren. Sie beschwerten sich aber nicht.
»Die Erste hast du geschafft«, teilte Leon mit. »Noch drei Stück.«
Steffen
Er schrie aus Leibeskräften, wimmerte und wand sich. Es war eine gute Entscheidung von ihm gewesen, dass Kai auch die Füße fixierte. Ich mochte mir nicht vorstellen, was für Horrorschmerzen er da durchlitt.
Sein Gesicht war tränenüberströmt, sein kompletter Körper mit Schweiß bedeckt, was mit Sicherheit in den Wunden brannte. Der Schmerz an seinem Schwanz übertönte aber vermutlich alles. Unsere Hände umklammerte er, obwohl die letzte Schraube endlich raus und der Käfig entfernt war. Er hatte sie uns fast zerquetscht, aber im Vergleich zu den Schmerzen, die er erlebte, war das wohl harmlos. Weder Kai noch ich hatten was dazu gesagt oder unternommen.
»Den Schritt hast du hinter dir«, sagte Leon und zog damit Renkos Aufmerksamkeit auf sich. »Ehrlich gesagt, würde ich dir gern ein Schmerzmittel verabreichen, bevor ich weitermache.«
»Nein!«, wehrte er sofort ab, wie er es die ganze Zeit schon tat, seitdem Leon ihm das zum ersten Mal vorgeschlagen hatte.
»Ich muss einige Wunden aber ausspülen, weil sich dort schon Eiter bildet«, erklärte Leon ernst.
»Ich will aber keine Schmerzmittel!«, regte er sich auf.
»Renko, sei doch vernünftig«, versuchte Leon es auf eine andere Weise.
»Nein! Keine Schmerzmittel!«, schrie der ihm daraufhin regelrecht entgegen.
»Stopp!«, beschloss Kai, was Renko zusammenfahren ließ. »Du machst eine Spritze Schmerzmittel fertig«, erlaubte er Leon, »und du wirst es hinnehmen«, entschied er gegenüber Renko.
Als der zu einer Erwiderung ansetzte, reichte nur ein Dom-Blick von Kai, um ihn davon abzuhalten. Dass er diese Karte ausspielte, wirkte auf den ersten Blick falsch. Renko hatte schon so viele Schmerzen durch das Entfernen des Käfigs erleiden müssen, dass sein Körper sicher total überfordert gewesen wäre, hätte er jetzt den Rest auch noch ohne Schmerzmittel zu ertragen versucht. Er war schließlich kein Masochist.
Bevor Leon die Spritze ansetzte, löste Kai den Gurt und die Manschetten, sodass Renko komplett befreit war.
Die Spritze war drin. Renko muckte gar nicht mehr auf. Kais Worte schienen ihn wieder in die Spur gebracht zu haben, sodass er damit zurechtkam.
Es dauerte nur wenige Minuten, bis er wegdämmerte.
»So, das hätten wir schon mal. Ich hätte es auch nicht mit mir selbst vereinbaren können, ihn ohne Schmerzmittel weiter zu behandeln. Dafür ist sein Körper zu malträtiert«, sagte Leon, während er alle Utensilien aus seiner Tasche holte, die er brauchen würde. »In einer Klinik hätte man ihn dafür vielleicht sogar in Narkose gelegt.«
»Hm. Ich würde ja zu gerne wissen, wer ihm das angetan hat«, gab Kai betroffen zu.
»Ich habe da schon so eine Vermutung«, murmelte ich leise, sodass nur er mich hörte und nicht Leon, der wieder in seiner Tasche kramte.
Mit den Lippen formte ich das Wort ›später‹, als Kai mich fragend ansah. Er nickte kaum merklich, dann konzentrierten wir uns wieder auf Leon, der mit der Wundversorgung begann.
Er war erst zwei Stunden später fertig, sodass ich Renko nach oben tragen konnte.
Einige heftige Wunden hatte er mit Pflaster abgeklebt. Das betraf drei Stellen auf dem Rücken, eine am Schulterblatt und zwei auf seiner Brust. Der Rest war nur gereinigt und mit Salbe eingeschmiert worden. Die Wunden an den Fußsohlen waren auch heftig, aber dort bekam man kein Pflaster zum Halten, deswegen musste Salbe ausreichen.
Ich legte Renko in mein Bett und ging wieder nach vorne zur Haustür, um Leon zu verabschieden.
»Denkt daran, dass er so wenig wie möglich läuft. Am besten nur zur Toilette und zurück.«
»Was denkst du, wie lange das sein sollte?«
»Ich würde ja sagen, bis die Wunden an den Füßen verschwunden sind, aber das hält er sicher nicht durch. Einfach so lange wie möglich.«
»Okay. Und danke, echt. Ich hätte niemals gedacht, dass es ihm so schlecht geht. Stell dir vor: Er hat vorhin noch ganz normal mit uns trainiert«, sprach ich.
»Ja. Man hat echt nichts gemerkt. Erst durch Bens Aktion, die eigentlich nur als Spaß gedacht war. Der Arme! Hoffentlich hat Mirco ihn beruhigen können. Der hat sich mächtig Vorwürfe gemacht«, sagte Kai.
Leon winkte ab. »Mirco schafft es, ihn zu beruhigen, macht euch da mal keinen Kopf. Achtet lieber gut auf Renko. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so spurlos an ihm vorbeigeht.«
Ich seufzte. »Morgen wird er sich übelst schämen. Wir kennen uns ja eigentlich gar nicht richtig. Nur durch die Befragung von Ben, wenn man so will.«
»Ich schätze, jetzt kennt ihr so ziemlich alles, was ihn betrifft. Ungewollt. Passt einfach auf, dass er nicht abstürzt.«
»Werden wir«, versprach Kai. Wir wechselten einen tiefen Blick, der mir einen Schauer über den Körper laufen ließ.
»Gut. Meldet euch, wenn was sein sollte, wenn eine Wunde wieder aufplatzt oder so. Ansonsten schaue ich übermorgen automatisch vorbei. So lange solltet ihr ihn auf jeden Fall nicht allein lassen. Bis dann.«
Er hob nochmal grüßend die Hand und verschwand. Wir winkten ihm nach. Ich schloss die Haustür und lehnte mich mit einem tiefen Seufzer von innen dagegen. Kai stand ein paar Schritte vor mir und betrachtete mich genau.
»Alles ein bisschen viel, hm?« Er traf den Nagel auf den Kopf.
»Hm.«, stimmte ich zu und schloss erschöpft die Augen.
Ich hörte seine Schritte und spürte seine Hand an meiner Schulter. »Wir werden das schon schaffen mit dem Kleinen.«
Ich gluckste, trotz allem. »Kleiner? Eben hast du ihn noch Großer genannt.«
Ich öffnete die Augen und sah ihn an. Kai schmunzelte. »Ist doch egal. Wir schaffen das trotzdem.«
»Hm.«
»Komm mal her.«
Noch ehe ich reagieren konnte, zog er mich von der Tür weg und umschloss mich mit seinen Armen. Fest drückte er mich an sich und mein Körper entspannte sich sofort. Es tat gut, lockerzulassen.
»Wir sollten ins Schlafzimmer gehen, damit er nicht allein ist, wenn er aufwacht«, beschloss Kai nach einem langen Moment und löste sich von mir. Ich nickte und gemeinsam gingen wir rüber.
Aus Mangel an Sitzmöglichkeiten zog Kai sich seine Schuhe aus und setzte sich neben den schlafenden Renko aufs Bett. Das Mittel, welches Leon ihm gespritzt hatte, hatte ihn komplett ausgeknockt. Seitdem schlief er. Was auch wichtig für ihn war, davon war ich überzeugt.
Das leise Klopfen von Kais Hand auf das Bettlaken ließ mich meine Gedanken unterbrechen. Ich stand noch am Fußende des Bettes und sah zu ihm rüber.
»Komm her zu mir, hier ist noch Platz«, schlug er vor.
Eigentlich kuschelten wir nur, wenn es sich nach einem Spiel mit einem gemeinsamen Sub anbot. Und auch dann nur so lange, bis besagter Sub wieder munter war und sich unsere Wege trennten. Das hier war anders. Renko war ein Sub. Aber nicht unser Sub. Für den Moment war es mir jedoch egal, denn ich kam Kais Einladung gern nach. Zudem es sowieso mein Bett war, in dem die beiden Männer sich befanden. Ich setzte mich neben ihn, woraufhin er mich an sich zog, bis mein Kopf an seiner Schulter ruhte. Er brauchte das scheinbar ebenso wie ich. Es fühlte sich aber auch richtig an. Komplett.
Renko
Ich erwachte aus einem komischen Schlaf und brauchte einen Moment, um mir bewusst zu werden, was alles passiert war. An den Raum, in dem ich mich befand, konnte ich mich nicht erinnern. Ich hatte ein Spielzimmer in Erinnerung. Als ich mich nach rechts drehte, entdeckte ich Kai und Steffen, die ebenfalls im Bett waren. Beide lehnten am Kopfende. Steffen war offenbar an Kais Schulter eingenickt. Kai sah aus dem Fenster, aber irgendwie registrierte er wohl, dass ich wach war, denn plötzlich drehte er den Kopf zu mir.
»Na? Wie fühlst du dich?«
»Ich ...«, setzte ich an, führte den Satz aber nicht zu Ende.
Mir war mit einem Mal alles so peinlich. Außerdem tauchte Olaf in meinen Gedanken auf. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was der mit mir tun würde, wenn er mich das nächste Mal zu packen bekam. Mir lief es eiskalt den Rücken runter.
»Hey, ruhig«, hörte ich Kai wieder und spürte kurz darauf seine Hand auf meinem Kopf, wo er sachte durch meine Haare streichelte.
Seine Berührung holte mich schnell in die Gegenwart zurück, ließ den Gedanken an Olaf verschwinden. Unsicher sah ich zu ihm auf.
»Mir ist das alles so unangenehm«, stammelte ich.
»Muss es nicht. Wirklich nicht«, sagte Kai und schaute mich mit warmem Blick an.
Steffen wurde ebenfalls langsam wach. Er blinzelte und sah zu Kai auf. »Ach, verdammt, da bin ich wohl eingeschlafen.«
Er rappelte sich etwas auf, sodass sein Kopf nicht mehr an Kais Schulter ruhte. Sein Blick wanderte zu mir.
»Wie geht’s dir?«, fragte auch er.
»Es tut mir leid«, entwich es mir.
»Dir muss nichts leidtun«, entgegnete Steffen.
»Um dich mal aufzuklären«, berichtete Kai, »Leon hat alle Stellen gesäubert und mit Salbe versehen. Die schlimmsten Striemen sind mit Pflaster abgeklebt, nur deine Fußsohlen nicht, weil da die Pflaster nicht gut halten. Er hat dir absolutes Laufverbot erteilt, es sei denn, du musst auf Toilette.«
»Laufverbot?«, hakte ich irritiert nach.
»Ja, damit deine Fußsohlen abheilen können.«
»Gut, heute kann ich mich noch ausruhen, aber morgen muss ich wieder auf die Arbeit.«
»Du kannst so doch nicht arbeiten!«, wandte Steffen ein.
»Doch. Ich muss. Ich habe heute schon gefehlt.«
»Was du musst, ist, dich ausruhen«, erwiderte Steffen.
»Das geht schon.«
»Du solltest das nicht so auf die leichte Schulter nehmen.«
»Lass das mal meine Sorge sein!«, rebellierte ich, da ich mich in die Ecke gedrängt fühlte.
Da war Steffen, der wollte, dass ich mich ausruhte, Kai, der vermutlich das Gleiche wollte, und Olaf, bei dem ich wusste, dass es fatal wäre, wenn ich nicht zur Arbeit ging. Das Theater, was er veranstalten würde, wollte ich nicht erleben.
»Schluss!«, ging Kai dazwischen und brachte uns beide zum Schweigen.
Er sah mich streng an. »Du bleibst. Bis übermorgen, wenn Leon deine Wunden nochmal kontrollieren kommt.«
»Nein!«, hielt ich stur dagegen, auch wenn es mir bei seinem Blick schwerfiel.
Er hob eine Augenbraue. »Das war keine Frage, sondern eine Ansage. Das diskutiere ich nicht.«
»Ich diskutiere da auch nicht! Ich werde gleich nach Hause gehen und damit hat sich das! Eure Hilfe in allen Ehren, aber ich krieg das auch allein hin!«
»Verdammt. Du wirst hierbleiben und dich erholen«, versuchte er weiter, mir vorzuschreiben, was ich zu tun und zu lassen hatte.
»Nein! Du bist nicht mein Dom!«, schrie ich ihn an.
»Aber immerhin hast du erkannt, dass ich einer bin«, gab er trocken zurück, was mir bewusst machte, was ich da gerade gesagt hatte.
Steffen stöhnte. »Leute, wir drehen uns im Kreis. Wie wäre es, wenn wir erst mal aufstehen und etwas essen? Na gut, Renko, du stehst noch nicht auf, dich trage ich.«
»Ich kann auch aufstehen, so schlimm ist es nicht«, beharrte ich weiterhin.
Steffen verdrehte die Augen. »Schön. Ich trage dich trotzdem. Falls du es noch nicht gemerkt hast: Ich bin auch ein Dom. Also versuch gar nicht erst, gegen uns anzukommen, das schaffst du nämlich nicht.«
Er zwinkerte und stand aus dem Bett auf. Ich schnaubte.
»Und ich kann es gerne tausend Mal wiederholen: Du bist nicht mein Dom. Genauso wenig wie Kai.«
»Und wir drehen uns immer noch im Kreis, also beende ich das jetzt ein für alle Mal. Wir wechseln in die Küche. Steffen, du trägst ihn, und dann kümmere ich mich ums Essen, während du uns aufklärst, was da bei dir alles gewesen ist.«
Mit den Worten stand er auf und ging, barfuß wie er war, aus dem Schlafzimmer.
»Du hast es gehört. Hier, zieh die Jogginghose an, die dürfte dir passen, obwohl du schmaler bist als ich«, sagte Steffen und reichte sie mir rüber.
Da wurde mir erst bewusst, dass ich nackt unter der Decke lag.
»Wo sind meine Sachen?«
»Unten. Die müssen erst gewaschen werden.«
»Hm«, brummte ich unzufrieden, zog aber die Jogginghose an.
Es war komisch, keine Unterhose darunter zu tragen, aber da mein Schwanz immer noch vor Schmerz pochte, war das wohl eine kluge Entscheidung.
»Bist du so weit? Halt dich fest«, fragte Steffen und hob mich, zum wiederholten Mal, auf seine starken Arme.
In der Küche sah ich das erste Mal auf die Uhr und stellte schockiert fest, dass es bereits kurz nach dreiundzwanzig Uhr war. Steffen folgte meinem Blick, da er mir am Tisch gegenübersaß und mich ansah.
»Ja, das wird eine kurze Nacht werden«, befand er.
»Ihr könnt ausschlafen. Ich werde morgen als Einziger von uns auf die Dienststelle fahren«, teilte Kai vom Herd aus mit, wo er Rührei mit Speck zubereitete.
Steffen runzelte die Stirn.
»Ich will aber keinen Urlaubstag vergeuden.«
»Was ist mit Überstunden? Da haben wir genug von«, antwortete Kai.
»Hm. Eben. Du kannst auch hierbleiben.«
»Nein. Einer muss Thorsten informieren.«
Ich keuchte auf, woraufhin Kai sich zum Tisch umdrehte.
»Worüber informieren?«, fragte ich ihn leise.
»Darüber, dass du diese Woche nicht mehr arbeiten wirst. Ich kenne deinen Schichtleiter nicht, aber Thorsten ist unserer, und der kann das ja weitergeben.«
Innerlich atmete ich auf.
»Zu dem Thema, woher deine Verletzungen stammen, kommen wir gleich. Erst essen wir«, stellte Kai mir allerdings in Aussicht, was mich direkt wieder unruhiger werden ließ.
Aber ich durfte es ihnen nicht zeigen. Es wäre ganz schlecht, wenn sie herausbekämen, dass Olaf, mein Teampartner, der Verursacher war.
Die Zeit des Essens ging leider für mein Gefühl viel zu schnell rum. Kai hatte gerade den Tisch abgeräumt, als er sich auch schon mir gegenüber hinsetzte, statt wie beim Essen, links über Eck von mir. Jetzt saßen sie mir beide gegenüber. Und sie sahen mich beide intensiv an. Das würde eine harte Runde werden.
»Ich frage jetzt mal ganz direkt. Wer hat dir das angetan?«, wollte Kai wissen.
»Ich werde dir darauf nicht antworten«, gab ich zurück.
»Und warum nicht?«
Daraufhin schwieg ich.
»War es in einem Club und du willst nicht, dass der Inhaber jetzt Ärger bekommt?«, fragte Steffen. »Wenn dem so ist, dann sei beruhigt. Dahingehend sind alle Clubinhaber abgesichert. Zur Verantwortung gezogen wird immer nur der Verursacher. Da kann ja kein Clubinhaber was für, wenn einer seiner Gäste Mist verzapft. Deswegen unterschreibt man als Besucher solcher Clubs ja immer so eine nette Klausel.«
»Es war übers Internet«, erzählte ich, nachdem ich sicher war, das meine Maske saß.
»Übers Internet? Ihr habt also geschrieben und dann hast du dich mit ihm getroffen?«, hakte Kai nach.
»Genau.«
»Wie lange geht der Kontakt schon?«
»Schon länger. Erst online, dann persönlich.«
»Seit wann persönlich? Oder eher, wie oft schon?«, fragte er weiter.
»Schon öfters.«
»Und du bist nach der ersten heftigen Nummer nicht skeptisch geworden?«, mischte Steffen sich wieder dazwischen.
»Nein. Es war vorher nie so heftig.«
»Die Wunden an deinen Fußsohlen sind nicht alle so frisch wie die an deinem Rücken.«
Das hatte Kai erkannt? Mist. Nach außen hin behielt ich meine Maske auf.
»Die sind vom gleichen Tag«, behauptete ich.
Jetzt donnerte Kai mit der Faust auf den Tisch, sodass ich tatsächlich zusammenzuckte. Steffen hatte wohl Erfahrung mit Kais Art, denn er hatte sich keinen Millimeter gerührt.
»Ich bin Polizist, verkauf mich nicht für blöd, Renko«, warnte er gefährlich leise.
»Ich verkauf dich nicht für blöd. Im Übrigen bin ich das auch. Polizist.«
»Deswegen ist das hier ja gerade so spannend. Mal sehen, wer den längeren Atem hat«, erwiderte Kai trocken. »Die Wunden an deinen Füßen waren älter als die an deinem Oberkörper.«
»Das mag wohl daran liegen, dass ich auf den Füßen laufe. Sie sind stärker belastet.«
»Aber wie kommt es, dass die weniger schlimmen Stellen an deinen Füßen bereits verheilt waren und am Oberkörper hingegen nicht?«
»Was weiß ich? Vielleicht heilt die Haut an den Füßen besser.«
»Vielleicht, vielleicht«, wiederholte Kai, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. »Merkst du eigentlich, wie du dich gerade um Kopf und Kragen redest?«
Noch ehe ich darauf etwas Schlagfertiges sagen konnte, sprach Steffen.
»Olaf Häuser.«
Mehr sagte er nicht, aber das brauchte er auch nicht. Meine Maske verschwand nur für eine Sekunde, aber das genügte den beiden. Sie waren nun mal Polizisten und im Verhören genauso gut geschult wie ich. Und ja, ich musste mir eingestehen, dass ich auf der Seite desjenigen, der verhört wurde, nicht das beste Bild abgab. Auf der Seite des Polizisten hatte ich definitiv mehr Übung.
»Jep, du hast recht«, stimmte Kai in Steffens Vermutung mit ein. »Also wohl doch nicht online.«
»Der war von Beginn an mein Verdächtiger, seit ich die Wunden gesehen habe.«
Überrascht sah ich Steffen ins Gesicht. Er erwiderte meinen Blick.
»Du fragst dich, warum? Nun, nenn es siebten Sinn, keine Ahnung. Verhärtet hat sich der Verdacht tatsächlich erst, bei diesem Gespräch. Ich habe dich nämlich nicht das erste Mal vor mir. Das hat mir die Sache ungemein erleichtert. An dem Tag, an dem wir dich zum Mittagessen mitgenommen haben, da kam Olaf zu seinem Schreibtisch, als ich dich gefragt habe, ob du uns begleiten möchtest. Du hast ihm Blicke zugeworfen, von denen ich jetzt weiß, dass es ängstliche waren. Du wusstest, dass er dir das nicht gestatten würde, wenn er dich auf der Dienststelle offen als Sub behandeln könnte. Hab ich recht?«
»Sklave«, korrigierte ich krächzend. Für Olaf hatte ich von Anfang an Sklave sein müssen. Als Sub reichte ich ihm nicht.
»Wie dem auch sei. Eben habe ich gemerkt, dass du uns gegenüber viel lauter bist, mehr in Konfrontation gehst. Das hat dich letztendlich verraten. Vor ihm kuschst du, vor uns nicht.«
»Ich kusche nicht vor ihm.«
»Nein, deswegen hast du ja auch diese Verletzungen«, entgegnete Steffen.
Kai
»Ihr versteht das nicht!«, brauste er plötzlich auf; wahrscheinlich durch Steffens schonungslose Worte verursacht.
»Dann klär uns auf«, forderte ich.
»Was gibt es da aufzuklären?! Ich stehe auf Schmerzen. Er hat es halt diesmal etwas übertrieben, mehr aber auch nicht!«, spie er.
»Du willst also sagen, dass es normalerweise einvernehmlich ist, ihm nur diesmal ein Ausrutscher passiert ist?«, wollte ich es genauer wissen.
»Ja!«
»Ich glaube dir nicht. Vor allem, da du vieles bist, aber sicherlich nicht masochistisch.«
»Warum?! Wenn es doch nun mal so ist!«
»Ich glaube es dir nicht«, sprach ich und beobachtete ihn in Ruhe.
Ich konnte innerlich von drei runterzählen, so stark konnte man ihm die bevorstehende Explosion ansehen. Bei eins sprang er von seinem Stuhl auf. Ich war leicht erstaunt, dass er so gar keinen Schmerz zeigte, obwohl seine Fußsohlen bei der Belastung brennen mussten.
»Wisst ihr was?! Ist mir egal, was ihr denkt! Es ist einvernehmlich! Glaubt das oder lasst es bleiben! Ich gehe jetzt!«
»Du setzt dich wieder!«, donnerte ich mit meiner Dom-Stimme durch die Küche, was ihn in seiner Bewegung einfrieren ließ.
Die Zeit nutzte Steffen, um sich in aller Ruhe in der Küchentür zu positionieren, sodass seine Fluchtmöglichkeit gleich null lag. Es dauerte fünf Sekunden, bis er wieder zum Leben erwachte. Wütend funkelte er mich an.
»Du hast mir nichts zu sagen! Wenn ich gehen will, gehe ich!«, begehrte er erneut auf.
»Renko, wen willst du mit dieser Aktion schützen?«, fragte ich ruhig in seine Wut hinein.
Er funkelte mich weiter an, aber er verriet sich. Mit einem winzigen Zucken der Unterlippe. Ich hatte ins Schwarze getroffen. Das war alles, was ich hatte erreichen wollen. Zu wissen, dass meine Gedanken auf dem richtigen Weg waren. Bevor er etwas sagen oder seine Flucht planen konnte, winkte ich ihn mit einer Hand zu mir.
»Komm mal her«, bat ich ihn mit sanften Worten. Nun war ich wieder komplett ich selbst und nicht der Polizist.
»Nein! Ich …«, stammelte er.
Ich seufzte, stand auf und überbrückte den Abstand zwischen uns und zog ich ihn in meine Arme. Er sträubte sich einen Moment, dann fiel die Anspannung allerdings ab und ich spürte, wie die Schluchzer seinen Körper zum Beben brachten. Mit einer Hand an seinem Hinterkopf drückte ich ihn an mich. Die andere lag vorsichtig auf seinem Rücken, bemüht, keine zusätzlichen Schmerzen auszulösen.
»Ist ja okay. Wir sind jetzt für dich da«, redete ich beruhigend auf ihn ein.
Ich sah zu Steffen, der auch sichtlich erleichtert war, dass der Teil des Gesprächs vorbei war.
»Ihr seid gemein, dass ihr meine Gefühle so aufhetzt«, beschwerte er sich.
Ich lachte leise. »Noch nie was von Verhörtechniken gehört?«
»Doch, klar, aber nicht auf der Seite der Person, die dabei durch die Mangel gedreht wird«, klagte er.
»Du hättest es einfacher haben können. Dir muss doch klar gewesen sein, dass wir nicht lockerlassen.«
»Mhm.«
»Und was den Teil angeht, den du jetzt immer noch nicht verraten hast, lass dir gesagt sein, auch das finden wir noch heraus«, teilte ich ihm offen mit.
»Ich habe nichts …«, setzte er an, aber ich ließ ihn nicht ausreden.
»Doch hast du. Versuch erst gar nicht, aus dem Netz wieder herauszukommen, das klappt nicht.«
Jetzt schwieg er und blieb still in meinen Armen stehen. Er akzeptierte hoffentlich, dass wir ihn nicht in Ruhe ließen.
Бесплатный фрагмент закончился.
