Читать книгу: «Die gesellige Hausfrau 1892»
Die gesellige
Hausfrau
Plaudereien über Geselligkeit, Ratschläge für Gesellschaften, Feste, Bazare, Festspiele, Aufführungen, Unterhaltungen etc.
von
Frau Isa von der Lütt
(Verfasserin der „Eleganten Hausfrau“),
mit Beiträgen von Georg von Bemming.

Weitere Bücher von Isa von der Lütt im Verlag Rockstuhl:
„Das feine Dienstmädchen wie es sein soll.“ 1898 | Reprint 2011 – ISBN 978 - 3-86777 - 297-6
„Die gesellige Hausfrau“. 1900| Reprint 2012 – ISBN 978 - 3-86777 - 324-9
„Aus dem Leben des Artigen Mariechen und des Unartigen Emil.“ (mit Georg Ohm). 1900
Impressum
Umschlaggestaltung: Harald Rockstuhl, Bad Langensalza
Titelbild: Porträt um 1900.
Original Sammlung Harald Rockstuhl
Bisherige Auflagen:
2. Auflage 1892 – 3. Auflage 1893 – 4. Auflage 1900
Leipzig und Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt
1. Reprintauflage 2014
ISBN 978-3-86777-344-7
Wortgetreue Transkription
Repro und Satz: Harald Rockstuhl, Bad Langensalza/Thüringen
Original im Besitz von Harald Rockstuhl, Bad Langensalza
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH
ISBN 978-3-86777-803-9
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaber: Harald Rockstuhl
Mitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V.
Lange Brüdergasse 12 in D-99947 Bad Langensalza/Thüringen
Telefon: 03603/81 22 46 Telefax: 03603/81 22 47
www.literaturversand.de
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titel
Impressum
Plaudereien über Geselligkeit. Ratschläge für Gesellschaften, Feste, Bazare
Über den Geist der Geselligkeit und von Festen überhaupt
Kleiner Tee
Japanischen Tees (Chanoyou)
Chinesischen Tee
Wohltätigkeitsfeste (Bazare etc.)
Chinesischen Bazarfest
Blumen-Lauben-Bazar
Kunst-Ausstellungen
Tee-Abende
Kinderfest
Familienfeste
Verlobung, Polterabend, Hochzeit
Silber- und Goldhochzeit
Jubiläen, Geburtstage
Namensfest
Tauffeste
I. Teil – Für den Winter – Silvesterspiel. Silvesterbräuche. Neujahr
Neujahrs-Gruß. Dramatische Aufführung
Der Karneval: Allgemeines
Ball-Empire
Ein Mäuseball
Vegetarierfest
Pelzmärtel-Nikolaus
II. Teil – Für das Frühjahr – Festspiele, Aufführungen, Unterhaltungen
Allgemeines
Des Frühlings-Einzug. Ein Frühlingsfest im Salon
Osterscherze
III. Teil – Für den Sommer
Maibowlenscherz. Eine heitere Aufführung
Johannisfeier. Ein Spiel mit Sang und Tanz
Ländliche Kirchweih
Die Entstehung des Schäferspiels
Das Orakel, ein Liebesrezept (Schäferspiel im Geschmack der Rokokozeit)
IV. Teil – Familienfeste – Festspiele, Aufführungen u. s. w.
Liebe und Heimat. Festspiel für Verlobung oder Polterabend
Die Speisekammer. Ein Scherz für Polterabend
Die Hausgeister. Ein Polterabendscherz
Übergabe einer Bibel Festspiel für Silberhochzeit, Polterabend, Geburtstag Jubiläum
Ein Psalm. Festspiel für goldene Hochzeit
V. Teil – Unterhaltungen verschiedener Art.
Lebende Bilder
Illustrierte Lieder
Bildergalerie Wachsfiguren
Charaden
Ein Traum am Kamin. Ein Chradenspiel
Sprichwörter, Redensarten
Liebe? Sprichwörterdarstellungen. „Stille Wasser sind tief“. I.-VIII. Scene
Causerie. (Wortspiel über feu und feuer.)
„Salonliebe“. Dramatische Salonscene
VI. Teil – Das Überbrettl im Salon.
Ein Überbrettl-Programm
Prolog
Liebeswerbung. Tanzpantomime
Das Recht der Persönlichkeit. Drama in 4 Akten und 4 Minuten
Das Überkind. Moderner Monolog
Fußnoten
Über den Geist der Geselligkeit und von Festen überhaupt.
Wie weit, wie weit entfernt ist im allgemeinen unsere Geselligkeit von dem schönen Begriff froher Gemeinsamkeit; wie weit, wie weit entfernt sind im allgemeinen unsere Gesellschaften von dem schönen Begriff froher Feste, von dem edel-heiteren Reiz „froher Feste“ nach „saueren Wochen“.
Verpflichtung hier, Verpflichtung dort, sind das nicht allermeist die treibenden Punkte? Ist’s nicht meist dieser Geist des Zwanges, des Unfreiwilligen, zum mindesten der Geist der geschäftsmäßigen, gleichgültigen, gegenseitigen „Abtuns“, der uns aus unseren Gesellschaften so kalt anweht?
Manchmal wohl macht ein besonders gastlich denkendes Haus es seinen Gästen wärmer als gebräuchlich; manchmal wohl müht sich die Eitelkeit einer gesellig ruhmdürstigen Hausfrau, einen „besonders hübschen Abend“, ein „besonders schönes Fest“ zu erzielen.
Wie selten aber, wie verschwindend selten spüren die Geladenen den Geist wahrer Gastlichkeit, den Geist der Güte, den Geist der Liebe, einen Geist, der aus warmem Herzen lädt, nicht nur „wenn man muß“, sondern auch wen es und wer uns freut; einen Geist, der nicht nur den Mund, sondern auch das Herz lächeln läßt, einen Geist, der jeden Raum gleich lieblich erhellt – der prunkende Lüstre, die fürstlichen Wachskerzen in silbernen Kandelabern, oder auch nur die bescheidene, rosabeschirmte Lampe erleuchte ihn, – einen Geist, der das Wort: „hab’ deinen Bruder lieb“ sich deutet in: „hab’ deine Gäste lieb“.
Lächelt Ihr, meine jungen Freundinnen, seid Ihr erstaunt oder gar indigniert, daß ich die selbstlose, allgemeine, große Bruderliebe für eine so weltliche, unwichtige Sache, wie es Geselligkeit, Gesellschaften, Feste sind, fordere?
Tut es nicht, meine lieben Freundinnen, sondern denkt an die Hochzeit zu Canaan. Denkt, daß die liebliche Predigt dieser holden Jesusgeschichte uns sagt: nicht weltfremd, nicht weltfern ist wahrer Christusgeist! Kein Zweierlei gibt es für ihn, kein Leben jetzt in, jetzt außer diesem Geist. Das ganze Leben durchdringt er, ganz wie es ist in Leid und Freud. Immer ist er dabei, gekannt oder unerkannt, leise atmend, nicht in Sprüchen und Reden sich blähend. Nie verscheucht wird er von menschlicher Fröhlichkeit, sonnigem Lachen. Nie flieht er die Freude, die aus den Quellen schöpft, welche in den Heimatfluren der gottgeborenen Menschenseele des Guten, Wahren, Schönen rinnen und willig sich schöpfen lassen in die kleinsten Becherchen, in die mächtigsten Krüge.
Wohl der Hausfrau, die in diesem Geiste zu sich lädt, die aus diesen Quellen ihre Gäste labt!
Der lebendige Zauber der Gemeinsamkeit, des sich Aneinandererfreuens, Aneinandererhebens webt und schafft allzeit in ihrem Kreise. Sie adelt, beseelt, schmückt, füllt jedes ihrer Feste, um das sie sich ernstlich müht, das allen, aber auch jedem Freude bieten, jedem etwas geben will.
Und auch die Stunde flüchtigen, ausruhenden Geplauders an ihrem alltäglichen, stillen Teetisch ist niemals verloren. Nie wird man aus ihrem Hause gehen mit dem Gefühl einer vergeudeten Stunde oder schlimmer noch mit der halbbewußten, halb unbewußten, bitter nachschmeckenden Empfindung, Genosse, wenn auch vielleicht nur ein mitfortgerissener, neutraler Genosse gewesen zu sein bei etwas Ungutem, Unedlem, Unrechtem, sei’s auch noch so salonfähig verkappt in Erscheinung getreten.
Immer scheucht sie, die heitere, aber sichere Hüterin ihrer reinen, stolzen Herdesflamme – zwar nicht den willkommenen, lachenden Scherz, den schalkhaften Humor, die scharf sich kreuzenden Redeklingen, das übermütige Genecke, den pfeilsicheren Witz – nein, nie verbannt sie das Salz des Geistes und des Lebens aus ihrem Kreise, aber immer scheucht sie die häßlichen, harten, lieblosen, neidischen Nachtvögel der Menschenseele, die so oft in geselliger Unterhaltung emporflattern, davon.
Mit leiser Wendung erstickt sie die Reden, die erröten machen, lenkt sie ab den Pfeil, der verwunden, verschüttet sie den Tropfen, der vergiften sollte.
Sind aber doch einmal etwa gar zu viele andersgeistige Elemente in ihren Kreis geraten, und drohen diese den goldenen, appollinischen Wagen ihrer Geselligkeit in die allgemeinen, besser, gemeinen Geleise des Klatsches und Tratsches zu verfahren, dann suchen ihre Gedanken rasch nach einem gewandten Wagenführer – er heiße nun Witz, Phantasie, Laune oder Mode –, der ihn ihr zurücklenke.
Oft ist’s dann ein munteres Spiel, das unter ihrem Winke nur noch lustige Vögel, keine häßlichen mehr entkerkert.
Aus diesem Geiste heraus – – – – aber ich fürchte, ich schwärme meinen ungeduldigen Leserinnen zu lange nur von dem „rechten Geiste“ vor. Mir ist es, als hörte ich sie zürnend sagen: „Der Worte sind genug gewechselt, laßt uns nun endlich Taten sehn!“ Wir hofften etwas Tatsächliches, Greifbares, etwas bequem Verwendbares zur Verschönerung und Belebung unserer Gesellschaften zu bekommen und hören nichts, als schwärmerische, allgemeine Betrachtungen.“
Verzeihung, aber ich konnte es nicht unterdrücken! Zu oft, zu betrübend legte sich mir dies alles schon auf die Seele – ich mußte es einmal sagen!
Und nun rasch zum „Tatsächlichen“. Bevor ich Ihnen, meine lieben Freundinnen, aber diese, in der Vorrede versprochene Lese geselliger Hilfsmittel vorlege, möchte ich doch noch etwas Allgemeines vorausschicken: Nicht nur meine Empfindung, auch meine nun schon alte Erfahrung hat mir gezeigt: Ein Hauptmittel, um Gesellschaften einen besonderen Reiz zu verleihen, ist, ihnen Stimmung zu geben, sie sinnvoll, stilvoll zu gestalten.
Am leichtesten und zugleich schönsten wird der Reiz der Stimmung, des Sinn- und Stilvollen erreicht durch Betonen des gegenwärtigen Jahresmomentes, durch das Hereinziehen des Naturlebens.
Solche festliche Betonung findet sich von Beginn der Kulturgeschichte an in Volksbräuchen und Volksspielen ausgedrückt. Diejenige Hausfrau, welche den Lauf des Jahres auch im Hinblick auf ihre Geselligkeit, denkend mitlebt und nötigen Falles sich an richtigen Stellen Rat und Hilfe holt, wird darin stets eine sichere Belebungsquelle ihrer Feste finden.
Am reizendsten wirkt dies Betonen des Naturlebens in großen Städten. Hier wird man doppelt gerne an das Blühen, Leben und Weben der freien Schöpfung, an den Wechsel, das Eigenwesen der Jahreszeiten gemahnt. Selbst ein
Kleiner Tee *)
läßt sich durch solches schon anregend schmücken. Ja, sogar die verpönten Damentees – welche Offiziersfrau hätte nicht schon darüber geseufzt – können hierdurch etwas gehoben werden. Beiläufig gesagt, ohne mich zum Verdruß meiner tatendurstigen Leserin wieder zu sehr ins Allgemeine zu verirren, wäre es eigentlich ohnedies eine echte, moderne Frauenpflicht und sollte der modernen Hausfrau Müh’ und Stolz sein, diese verrufenen „Damen-Schlachten“ in besseres Licht zu setzen, dadurch, daß man sie in ein besseres Licht erhebt.
Selbst durch die einfache Hilfe von Blumen kann oft schon dieser Stimmungsreiz erzielt werden. Im Frühjahr Schneeglocken, Schlüsselblumen, Veilchen in reicher Fülle die Zimmer schmückend, davon auch am Teetisch ein reichgefüllter Korb, aus dem sich auf jede Teetasse ein Sträußchen verliert, wenn nicht liebliche Kinderchen des Hauses solche anbieten, später Maiblumen, im Sommer Rosen, jugendmoderne Riesensträuße prangender Sonnenblumen und bleichschlanker Iris, Nelken, Jasmin (denn wenigstens eine starkduftende Blume muß immer dabei sein); im Herbst Astern, Herbstlaub, Spätrosen, im Winter Tannengrün, Weihnachtsrosen, Vogelbeere, Treibhausblumen. – Das alles gibt ein leises, lebendiges Gedanken- und Empfindungs-Hin und Herströmen zu und von dem starken Naturleben draußen und dem ewigen Feste, das uns in der wonnigen Schöpfung bereitet ist, zum engen Zimmer hinein und hinaus.
Auch politische, patriotische, schöngeistige Festtage sind geeignet, das gleiche Gedankenzuströmen eines stärkeren Lebens draußen hereinzuleiten und jeglichem Tee „Stimmung“ zu geben.
Es ist ja gewiß richtig: die Frau ist vor allem zur Priesterin des häuslichen Lebens geschaffen, ihr kommt es zu, den gesegneten Heimatboden der Familie, des Privaten, Persönlichen liebend zu bebauen. Aber darüber darf sie nicht verlernen auch die Allgemeinheit mit dem Herzen zu erfassen, das Unpersönliche persönlich zu beleben, nimmer darf sie – insonderheit die moderne Frau – der großen Allgemeinheit kalt und fern gegenüberstehen, will sie nicht nur die Haushälterin, sondern die ebenbürtige Gefährtin ihres Mannes sein.
Ich kenne eine sehr liebenswürdige Kommandeuse, welche stets an Kaisers Geburtstag, während die Herren im Kasino tafeln, die Regimentsdamen zum Nachtisch-Café zu sich bittet. Ihr Tisch, ihre festlich gefüllten Vasen sind dann mit deutschen Schleifen geziert, Kaisers Bild ist bekränzt und in ganz einzig hübschen, originellen Miniatur-Champagnergläschen wird ein Hoch auf die Majestät getrunken.
Die Mutter dieser geistvollen, liebenswürdigen Frau, eine zwar den Haaren nach sehr bereifte, im Herzen aber jugendfrische Exzellenz, tut das gleiche an ihres „alten Kaisers“ Geburtstag, da schmücken dann erinnerungsvoll Kornblumen Bildnis und Tisch und wandern in kleinen Sträußchen in die Hände der Damen.
Kürzlich hatte ich die Freude, meiner Freundin A … bei dem Ausbau eines
Japanischen Tees (Chanoyou)
helfen zu können. Wahrlich für unser nach Osten blickendes Jahrhundert eine sehr zeitgemäße Idee!
Zahlreiche Geschenke, meiner Freundin von ihrem aus Japan heimgekehrten Schwager mitgebracht, welche sie ihren Bekannten zeigen sollte und wollte, gaben hierzu den Anlaß.
Die nötigste Belehrung entnahmen wir Büchern, insonderheit dem prächtigen, illustrierten Werke: „Japanischer Humor“ von Cetto und Wagner.
Dessen Ausführungen nach sind die Chanoyou (=Teegesellschaften) in Japan im 15. und 16. Jahrhundert eingeführt worden: „Zur Milderung der Kriegssitten und zum Geschmackerregen nach geistiger Beschäftigung“. Daß dabei bedeutsame, wohl politische Gespräche wesentlich gewesen seien, läßt sich aus dem „eigenhändigen Bedienen“ des Hausherrn und dem sehr niederen, Unberufene ausschließenden Eingang zu dem sehr kleinen Raume annehmen. Die angestrebte geistige Beschäftigung zu verwirklichen, zeigte der Gastgeber einen alten Sinnspruch von einem berühmten Weisen in Riesen-Tuschzeichnung. Ferner überreichte der Hausherr jedem der Gäste ein „Surimono“, ein ebenfalls von ihm selbst verfaßtes und von einem Maler illustriertes Gedicht in sauberer Reproduktion. Außerdem bringt einer der Gäste irgend ein seltenes Kunstwerk zum vorzeigen.“
Alles dies wurde von der Hausfrau so viel als möglich, aber ohne jede ängstliche Pedanterie: „wenn’s nur stilvoll wirkt“, ausgeführt. Ein befreundeter Künstler – übrigens malen ja jetzt fast alle Damen, und japanische Vorlagen für derlei sind jetzt in hundert Büchern und Zeitschriften zu haben – malte nach japanischem Muster eine Karte, auf welcher zum Chanoyou eingeladen war. Junge Freundinnen der Hausfrau reproduzierten sie in der nötigen Anzahl.
Zur Ausschmückung der Räume, zum Ersatz des europäischen Hausrats wurde alles zusammengetragen, was das eigne Haus und gute Freunde Japanisches besaßen. Fehlendes liehen Geschäfte.
Zum eigentlichen Teezimmer wurde der Hausfrau kleines Boudoir gewählt. Japanische Stoffe bildeten den verlangten niederen Eingang, durch welchen man von dem anstoßenden großen Salon aus nur gebückt gelangen konnte. Selbstverständlich war auch dieser Salon, sowie der Vorplatz japanisch dekoriert. Mächtige Chrysanthemen-Sträuße waren überall zu sehen, der mächtigste neben dem Teewinkel der Hausfrau.
Das eigenhändige Bedienen durch den Hausherrn hatte meine Freundin in das durch die Hausfrau variiert, da sie ihrem Mann ihre kostbaren japanischen Tassen nicht anvertrauen zu können behauptete.
Daß sie die ganze Tracht einer „vornehmen Japanerin“, in der sie ihre Gäste empfing, ganz entzückend zierlich und anmutig kleidete (sonst wählten wir Frauen doch kein solches Fest!), ist selbstverständlich. Diese Tracht genauer zu beschreiben, hieße, nachdem man sie in Zeitschriften und Modezeitungen allenthalben reichlich vorgeführt sah, Eulen nach Athen tragen.
Alle anwesenden Damen waren ebenfalls in Japanerinnen verwandelt; auch einzelne Herren, die übrigen nahmen japanische, in der Garderobe bereit gehaltene Kopfbedeckungen, einige nur scherzhafte Mützen aus japanischem Papier.
Auch die verlangte Riesen-Tuschzeichnung hatte ein befreundeter Künstler geschaffen. Sie trug – der Hausherr hatte den Einfall gehabt, dieselbe als Standarte aufzupflanzen – den japanischen Spruch: Feiert das Fest, solange die Blüten duften.1)
Die Surimono waren ganz besonders reizend ausgefallen. Jedes Blatt, natürlich auf japanischem Papier, trug auf der einen Seite die kulturhistorische Erklärung der Chanoyou, auf der andern einen japanischen Sinnspruch oder ein japanisches Gedichtchen.2)
Die dritte der Chanoyou-Vorschriften: Das Vorzeigen von Merkwürdigkeiten durch die Gäste selbst, ergab sich teils durch das Vorzeigen einer, einem befreundeten Kunstmäcen gehörigen Skizzenmappe eines japanischen Künstlers, teils auch durch die anfangs genannten reizenden Geschenke, welche den ersten Anlaß zu dem Chanoyou gegeben hatten, und unter welchen sich dann auch niedliche, kleine „Gastgeschenke“ entpuppten. Der Ruhm, welchen sich meine Freundin mit diesem stilisierten Tee erwarb, ist in diesem Moment noch unerreicht. Es ist aber anzunehmen, daß er in diesen Tagen noch weit überholt wird durch den noch viel zeitgemäßeren
Chinesischen Tee,
welchen Gräfin X. nach langer Beratung mit mir zu geben gedenkt. Und zwar, als eine sehr lebhaft vaterländisch gesinnte Frau, zu Ehren eines persönlichen Festtags eines der Helden der jüngsten Chinakämpfe.
Zahlreiche Anweisungen hierfür suchten und fanden wir in verschiedenen Werken über China3), nähere Einzelheiten gaben uns befreundete Chinakenner.
Die Einladungskarte trägt in chinesisch verzogenen Schriftzügen die chinesisch gefaßte Einladung: „Am 10. Tage des Januar 6 Uhr wird ein bescheidenes Fest das Licht Deiner Gunst erwarten – Grüße von Gräfin X.“
Sämtliche Dienerschaft wird chinesisch bis sogar zum Zopf gehen. Auch der Hausherr wird sich vollständig zum „Mandarin“ wandeln. Viele der geladenen Herren haben dasselbe versprochen. Doch hat die Hausfrau allen, der Verkleidung Unlustigen von vornherein erklärt, sie fände es bei einem vornehmen chinesischen Tee vollkommen stilvoll, wenn auch „Europäer“ anwesend seien. Damit sind auch die alten Damen entschuldigt. Aber die jungen werden sich alle chinesisch kleiden. Gräfin X. selbst wird, nach der heutigen Anprobe zu schließen, als „vornehme Mandarinen-Frau“ ganz allerliebst aussehen und wird vermutlich unseren Chinakämpfern gefährlicher werden, als sämtliche Chinesinnen im Lande der Sonne selbst.
Ein befreundeter Ausländer, welcher lange in China lebte, wird als chinesicher Zauberer erscheinen und allerlei Kunststücke ausführen, später wird er mit einigen von ihm ausgestatteten und unterrichteten Freunden ein chinesisches Schauspiel aufführen. Der Inhalt desselben wird den Gästen in einem chinesisch stilisierten Textbuch offenbart werden.
Da dieser Tee wirklich nur ein Tee vor dem Theater, ohne Souper sein soll, hat Gräfin X. beschlossen, die gebräuchlichen „belegten Brötchen“ in chinesisch zerkleinerte, in chinesischen Eßschälchen, mit Eßstäbchen servierten Zutaten zu wandeln.4
5) werden auf Postkarten verfielfältigt, während das Hauptkorps dieser ewig jungen Modekinder die chinesische Mauer, ihre ruhmreichen Erstürmer und andere chinesische Motive zeigt.*)
Zwei Tage des Festes sollen mit hohen Eintrittspreisen gute Einnahmen erzielen, der dritte soll dem Volke gehören d. h. sehr niederer Eintritt soll allen die Teilnahme ermöglichen, wobei eventuell auch trotzdem die Menge gutes Resultat für den Zweck des Unternehmens bringen kann.
In der ersten Komiteesitzung, welche über diese chinesische Idee zu beraten hatte, zeigte es sich, wie sehr sich mit der allgemeinen Ausdehnung unserer nationalen Gesichtskreises durch Kolonieen und Flotte auch der Horizont der Bazare zu einem überseeischen erweitert hat. Mußte auch der Vorschlag einer begeisterten Flottenvereinlerin, ein Schiff darzustellen, als zu kostspielig verworfen werden, so erwiesen sich doch Dinge wie italienische Nacht ec. als vollkommen verblühte Blumen. Jetzt blühen nur mehr exotische.
In der Tat wurde sehr über einen Kolonial-Bazar, in ähnlicher Ausführung wie der chinesische, debattiert. Ebenso auch über einen den ganzen Erdkreis umfassenden Aller Welt- oder Von-Nord-nach-Süd-Bazar.
Ja dieser letzte hatte sogar Aussicht gehabt, die chinesische Idee zu besiegen, hauptsächlich ein paar mutwilliger, junger Frauen wegen, welche es sich reizend dachten, als Eskimo-Weibchen in einer Eskimohütte Tran (Tee) zu schenken, Eis- und Eisbärfelle zu verkaufen.
Nicht weniger dankbar als Bazare auf solch ethnographischer Grundlage sind solche auf
historischer und kulturhistorischer.
Für einen solchen plädierte sehr überzeugend der Schriftführer des Vereins, ein selbst sehr „historischer“ Fachmann: Vergangene, namentlich in der Städte-Blütezeit des 15. und 16. Jahrhunderts gefeierte Volksfeste, festliche Äußerungen aus Anlaß eines bedeutsamen, geschichtlichen Ereignisses aus der Stadt, in welcher der Bazar stattfinden soll, seien äußerlich ebenso anziehend, als innerlich erfreulich. Würden auch im allgemeinen größere Momente, wie Kaisereinzüge, Tourniere ec. als zu kostspielig wegbleiben müssen, so bliebe doch noch ein großer Schatz verwendbarer, kulturhistorischer Lebensäußerungen z. B. auch Aufführungen der Werke zeitgenössischen Dichter (wie es etwa in Nürnberg mit Werken von Hans Sachs der Fall wäre).
Am besten eignet sich für einen historischen Bazar die Rokokozeit, in einer zeitlich etwas weiten Ausdehnung. Zeitgemäße theatralische Aufführungen (siehe auch das „Schäferspiel in Rokoko“ im zweiten Teil), ein Mozartsches Quartett, von Rokokoherren in einem Mozart-Zimmer gespielt; ein, vom Spinett begleitetes, von Rokokopaaren getanztes Menuett, vielleicht auch eine von guten Dilettanten aufgeführte Glucksche Oper, oder ein Singspiel, Stammbuchblätter in Form der unentbehrlichen Postkarte, ein Stammbuch, Original und reproduziert, (mit Autographen, Moment-Photographien in Silhouetten-Art) – all dies und dergleichen mehr ist ebenso gefällig, als leicht durchführbar.
Dieser anmutige Vorschlag unseres verehrten Geheimrats bringt mich auf einen der reizendsten Bazare, bei welchen ich mich je beteiligte. Derselbe wurde von einem Verein junger Mädchen – ein Verein zugunsten von Teeabenden für Ladnerinnen – abgehalten als
Blumen-Lauben-Bazar.
Die zugrunde liegende Idee war: den ganzen, nicht sehr großen Saal in einen Blumengarten mit Lauben zu wandeln, in welchen man Kaffee, Tee oder Schokolade – der Bazar wurde nur nachmittags von 2 – 8 abgehalten – trinken konnte.
Jede der jungen Damen hatte es unternommen, ihre Laube je mit einer andern Blume auszustatten. Die des Blumenmachens Kundigen fertigten selbst das ihnen Nötige; andere zogen arme Blumenmacherinnen zur Hilfe heran. Außerdem vermischten sich in den Zweigen der künstlichen Blumen auch lebende, um des Duftes willen, der übrigens auch den künstlichen beigebracht war.
Der Anblick dieses Saales war entzückend. Die Wände waren bis zur halben Höhe mit hellgrünem Stoff behangen. Davon hoben sich unendlich freundlich und freudig alle die Lauben – Rosen in jeder Art und Schattierung, Flieder, Clemathis, Goldregen, Schneeballen, Geißblatt, Kapuziner, Pfirsichblüte ec. – ab. In den Zwischenräumen standen grüne Sträucher, hingen blühende Gewinde.
Vor jeder Laube war je ein Gärtchen eingerichtet. Zierliche Gartenmöbel – meist aus der jungen Damen Häuser selbst geliehen – luden zum Genuß der Erfrischungen, welche jede Laubeninhaberin verkaufte. Die Laube hatte seitlich je eine Fensteröffnung mit Fensterbrett, bestanden mit blühenden Blumenstöcken und Sträußen zum Verkauf. In einzelnen dieser reizenden Fenster, doppelt reizend, wenn die Inhaberin anmutig die Speisen herausreichte, hingen niedliche Käfige mit Kanarienvögeln, welche fröhlich und stimmungsvoll in die lustige Welt hinauszwitscherten und sangen.
Die jungen Damen gingen alle in der Landestracht – holländisch – was ganz besonders anmutig zum allgemeinen Charakter stimmte.6)
Hellklingende, freundliche Weisen spielende Streichmusik erhöhte noch die fröhliche, sonnige Stimmung.
Der Blumengarten war drei Nachmittage geöffnet. Am dritten, Sonntags, zu Volkspreisen. An diesem wurden in letzter Stunde die künstlichen Blütenzweige der Lauben verkauft. Um Geringes, ohne den Reichen Schranken zu setzen, um Pfennige. Manche Arbeitersfrau, der solch ein Schmuck für ihr Heim sehr herrlich dünkte, ging glückselig damit nach Hause.
Für Unternehmungen mehr exklusiven Charakters und vornehmeren Stiles sind seit einiger Zeit
Kunst-Ausstellungen,
Ausstellungen von Kunstgegenständen, die in Privatbesitz sind, in Aufnahme gekommen. Es ist dies ein Gebiet, welches sich je nach der Ausführung, auch in Spezialitäten: nur Gold- und Silberarbeiten, nur Gemälde, nur Porzellan, nur Handarbeiten, sehr erfolgreich bebauen läßt. Am besten und feinsten eignet sich hierzu das Privathaus. Je vornehmer das Haus, das sich hierzu leiht, je besser der Zuspruch und pekuniäre Erfolg, welche noch gesteigert werden können, wenn sich die betreffende Hausfrau entschließt, in ihrem Haus, sei dies auch ein Palais, auch, wenigstens zu einer bestimmten Stunde, selbst zu empfangen.
In gleichem Charakter können auch die bekannten
Tee-Abende,
wie sie in Großstädten in christlichen Vereinen, Hospizen ec. der Brauch sind, nutzbar gemacht werden.
In X. hielt ein Wohltätigkeits-Verein unter dem Vorsitz der Fürstin A. H. in diesem Sinne einen Gesangs-Abend, welcher reiche Ernte trug. Die Grundlage dieses Unternehmens waren die aus Gefälligkeit gegebenen Lieder einer Konzertsängerin erster Klasse, der Schauplatz war der große Saal eines Klubhauses.
Jede der zwölf Komitee-Damen hatte je einen Raum im Saale als persönlichen Empfangswinkel übernommen. Sie richtete sich dort mit eigenem Hausrat – Paravents, Sofas, Puffs, Teetischen, traulich behaglichen, familienhaften, hohen Stehlampen, Blumenvasen – möglichst hübsch und intim ein. Die Bewirtung übernahm sie ebenfalls persönlich mit eigenem Geschirr, Diener ec. als Bewirtungseinheit war – das Fest war vor dem Theater von 6 – 9, hätte aber ebensogut nach demselben von 9 – 12 sein können – festgesetzt worden: Tee, Gebäck, belegte Brötchen, Eis, Obst, Wein, Likör, Glühwein, Grog, Punsch, Bier in kleinen Gläsern.
Jede der Damen lud sich ihre Gäste ein, Einladungen, die größtenteils als Ehre und Glück empfunden wurden. Die Karte lautete:
„Am ….. wird Frau S … (Name der Sängerin) die Güte haben, in einem Gesangs-Abend, veranstaltet vom ….. Verein, zu dessen Gunsten Lieder vorzutragen. Sollten Ew. Hochwohlgeb. gesonnen sein, diesen Abend zu besuchen, – Eintrittskarten à 10 Mark sind im Klubhause X. gegen Vorzeigung und Umtausch dieser Karte zu lösen – so bittet Fürstin A ….. hiermit, Herrn Kommerzienrat M. mit Frau und Fräulein Töchtern um das Vergnügen, sie an ihrem Teetisch im großen Saale des Klubhauses empfangen zu dürfen.
Antwort erbeten.“
Die unentbehrliche Postkarte fehlte, als einziger Verkaufsgegenstand, selbstverständlich auch nicht und trug neben dem künstlerisch ausgeführten Datum und Zweck des Unternehmens je das Wappen – die Damen gehörten sämtlich der hohen Aristokratie Österreichs an – der Gastgeberin.
Der Ertrag dieses Festes war glänzend.
Nicht unerwähnt darf ich in diesem Kapitel einen neuen Zweig solcher Bazare, als
Kinderfest
lassen. Solche Bazare können, besonders so lange sie den Reiz der Neuheit haben, ebenfalls ganz einträglich werden. Ganz im Stile eines Jahrmarkts angelegt, am besten auf einer Festwiese oder wegen der Unbestimmtheit des Wetters in Saal oder Halle, lassen sie sich unendlich reichhaltig entwickeln. Alles was Kinderherzen auf Jahrmärkten entzückt, kann diesen hier in verfeinerter, veredelter Weise geboten werden. Dazu kommen dann noch theatralische Aufführungen, teils von Kindern, teils von Erwachsenen dargestellt.
Um den Eintritt auch armen Kindern zu ermöglichen, wird derselbe, für einen der drei Tage (für die Kinder, nicht für Erwachsene) nur auf wenig Pfennige festgesetzt. Kinderfreunde können sich dann noch das Vergnügen machen, Billets in großer Anzahl an die Volksschulen zur Verteilung an arme Kinder zu schenken.
Ich kenne eine edle, warmherzige Frau, die es liebt, auch
Familienfeste
weiter auszudehnen, und die zum 7. Geburtstag ihres einzigen Sohnes den Kindern der Orte, in welchen ihre Besitzungen liegen, solch ein Fest gibt.7)
Es ist dieser seltenen Frau geradezu ein Leid, daß bedeutsame Familienfeste nirgend mehr zum Band von Mensch zu Mensch benützt und festliche Freuden, welche man sich hierbei selber schafft, auch in ihren dafür geeigneten Momenten, nicht mit anderen geteilt werden. Den Einwand, daß die Verhältnisse ganz andere geworden seien und nirgend mehr soviel Reichtum und zugleich Stellung und Ansehen in einer Hand lägen, wie einst, läßt sie nur mit Beschränkung gelten. Sie behauptet, – und wohl mit Recht! – daß auch im Mittelstande sehr oft Feste gegeben werden, welche geteilt werden könnten. Statt dessen aber seien die meisten solcher Familienfeste und Aufführungen geradezu hermetisch für ein paar Menschen abgeschlossen und nicht einmal der Dienerschaft, den Arbeiterinnen, die sich für die Kostüme mühten, werde freundlicher Zutritt ermöglicht.
Sie beklagt bei jeder Hochzeit eines gekrönten Paares oder ähnlichen Festen, welche sie veranlassen, ihre Hofschleppen hervorzunehmen, wieder neu das Verschwinden des mittelalterlichen Brauches, der die Hochzeiten regierender und anderer hoher Häuser zugleich zu Volksfesten gestaltete. Heutzutage aber habe nur mehr die Hofgesellschaft etwas von all solchen Festlichkeiten, während sich alle übrigen Landeskinder mit nur zufällig erhaschten Momenten begnügen müssen. Sie träumt schon jetzt davon, einst die Hochzeit ihres kleinen Töchterchens in diesem alten, verlorengegangenen Sinne zu feiern und hat sich schon jetzt ausgemalt, wie sie dereinst auf ihrer großen, dann jedermann zugänglichen Parkwiese vor dem Brautpaar allerlei Spiele, Gaben-Überreichung ec. aufführen lassen wolle.
Wiewohl derlei Hochzeiten im großen Stil innerhalb der Aristokratie der Geburt und des Geldes nicht in den Rahmen dieses Büchleins gehören, welches dem gleichen Leserkreise wie mein kleines Werkchen, die „Elegante Hausfrau“, gewidmet ist, so möchte ich sie doch, da wir nur einmal bei dem Abschnitt
Verlobung, Polterabend, Hochzeit
angelangt sind, flüchtig streifen.
Mehrere von den Festspielen des II. Teils eigenen sich übrigens, ja nach der Ausführung, gleich gut für größeren Stil, als auch für den bescheidenen Rahmen.
Ein speziell aber auf aristokratischen Standpunkt erwachsener Gedanke (ohne daß derselbe übrigens nicht auch für alte, stolze Bürgerhäuser variiert werden könnte) ist der:
Einen Stammbaum
zu illustrieren. Das Stammbaumblatt selbst soll in wandhoher Ausführung, welche den „Baum“ besonders schön betont darstellt, in den Farben der neu sich vereinenden Häuser gehalten sein. Ein Herold deutet den Stammbaum bis hinauf zur Gipfelung; in der Vereinigung der letzten Zweige hängt das Wappen der Braut. Er verkündet dazu von den am Stammbaum leuchtenden Namen allerlei „Alte Mären“, Familiengeschichten, die durch „lebende Bilder“ illustriert werden.
Sehr bekannt und immer wirkungsvoll ist die Ausführung der Idee der lebendig werdenden
Ahnenbilder,
oder wenigstens einiger hervorragender, aus alten Familienbildern heraustredender und in der jeweiligen Zeitsprache glückwünschenden Gestalten.
Noch reicher läßt sich ein
Tournier
gestalten, ebenfalls sich an irgend eine gewisse Familientradition anlehnend, oder an ein für die Familie bedeutsames altes Hochzeitsfest. (Im kleinen Stil kann hier auch „Als der Großvater die Großmutter nahm“ – etwa im Empiregeschmack – dargestellt werden.)
Sehr anregend, den Kostümen nach sehr prunkvoll ist es, ein
Kartenspiel
mit lebenden Karten zu spielen, wobei im Tanzschritt, mit Musik, natürlich Coeur-Dame den letzen entscheidenden Stich tut. In gleicher Weise kann auch ein
Schachspiel
mit der Königin als Siegerin gegeben werden. Sehr dankbar ließe sich der
Ring des Frangipani
nach dem reizvollen Werke Henry Thodes8) verwenden. Und zwar ebensogut bei einer glänzenden Feier der Verlobung, als der des Trauring-Wechsels. Ein Gelehrter, etwa im Faust-Kostüm, sitzt unter Büchern; ein italienischer Arbeiter bringt den Ring; nachdem der Arbeiter sich entfernt hat, träumt der Gelehrte sich in die Geschichte des Ringes weiter. Es erscheinen ihm dazu, gleichsam als lebhafte Gedankenbilder, im Hintergrunde die betreffenden Gestalten im lebenden Bild, oder als Pantomime.
Selbstverständlich muß der Gelehrte ein ausgezeichneter Deklamator sein, welcher die aus der tiefpoetischen und geschichtlichen Darstellung Thodes herauszuhebenden und nur noch ganz wenig mit eigener Zutat zu verbindenden Stellen nicht als Schauspieler, sondern wirklich wie ein von seinen Gedanken nach rückwärts getragener Gelehrter und Dichter zugleich, zum Ausdruck bringt.
Festspiele, welche, je nach den Verhältnissen, einfacher oder prunkender dargestellt werden können, sind im II. Teil: „Liebe und Heimat“, „die Hausgeister“, „Übergabe einer Bibel“. Für ausschließlich heitere Belebung des Polterabends eignet sich der kleine Scherz: „Die Speisekammer“.9)
Sehr dankbar ist auch das Auftreten der Gestalt des Hochzeitbitters, wie sie in Oberbayern gebräuchlich ist: Gebirgstracht, Strauß im Knopfloch, Hut und Stab reich mit flatternden Bändern behangen (siehe das bekannte Bild von Kaufmann). Der Hochzeitbitter kündet in Verschen altbayrischer Mundart 10) allerlei Gäste an, welche er geladen habe: die Frömmigkeit, Fröhlichkeit, Freigibigkeit, Verträglichkeit ec. Er schildert diese „Gäste“ entweder nur in Worten, oder es werden seine Worte auch lebendig durch das tatsächliche Erscheinen „der Geladenen“, welche Geschenke überbringen. Am besten erscheinen sie auch in Gebirgstracht nur mit Kennzeichen ausgestattet; so die Fröhlichkeit mit einem bunten Kranz und Zither oder der Humor mit fröhlichen „Burschen“ am Hut und Stock, die Stielerschen oder ähnliche Gedichte, Fritz Reuter ec., überreichend.
Ebenso heiter belebend kann der Hausierer wirken, wenn er von einer wirklich witzigen und redegewandten Persönlichkeit übernommen wird. Derselbe trägt in seinem allbekannten, über den Nacken hängenden Schaukasten allerlei, einem jungen Paar nützliche Dinge, als da sind: Der Geduldsfaden, der nie abreißt, die rosa Brille, die alles im besten Lichte sieht, eine neue „Suppenwürze“: gute Laune, ein großer, roter Regenschirm gegen eheliche Donnerwetter, ein Lichtlein, welches einem aufgesteckt wird, ein Laternchen, mit dem die Frau dem Manne heimleuchtet, ein Deckelchen zum Töpfchen, wenn’s überkocht, Hemdknöpfchen, die nie abreißen u. dgl. m.
Ein im Stoff durchaus nicht neuer, aber doch immer gefälliger Scherz ist das Erscheinen eines Schusterjungen (kann ganz dezent von einem ganz jungen Mädchen gegeben werden), welcher in Dialekt, – am geeignetsten (wenn nicht den lokalen) – ist bekanntlich hierfür der Berliner, da ja auch der Berliner Schusterjunge sich durch besondere „Findigkeit“ auszeichnet.
Neu ist die zeitgemäße Pagode. Sie wird dargestellt von einer in vollständig chinesischem Pagodenkostüm gekleideten Persönlichkeit, eine Larve von möglichst porzellanenem Aussehen vor dem Gesicht. Zukunfts- und Vergangenheitsfragen, welche eine Freundin der Braut stellt, werden von der Pagode mit nickender oder verneinender Kopfbewegung beantwortet. Bei
Бесплатный фрагмент закончился.
