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Horst-Joachim Lüdecke
Energie und Klima
Chancen, Risiken und Mythen
expert verlag

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Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen
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ISBN 978-3-8169-3485-1 (Print)
ISBN 978-3-8169-0009-2 (ePub)
Inhalt
Einleitung1.1 Geleitwort von Arnold Vaatz, MdB1.2 Ausgangslage1.3 Quellen, Literatur, Hinweise
2 Klima2.1 Klimavariabilität, Klimakatastrophen und der Mensch2.2 Klima-Fakten2.3 Die Folgen des Klimawandels2.3.1 Extremwetter2.3.2 Gletscher2.3.3 Meeresspiegel2.3.4 Arktisches Meereis und Eisbären2.3.5 Meeres-Versauerung, Korallensterben, Golfstrom und weiteres Seemannsgarn2.4 Die Geschichte von Erdtemperaturen und CO2 bis heute2.4.1 Bis 500 Millionen Jahre zurück2.4.2 Die Milankoviҫ-Zyklen2.4.3 Die Nach-Eiszeit (Holozän)2.4.4 Die letzten 2000 Jahre bis heute2.4.5 Temperaturänderungen an Stelle von Temperaturen2.5 Was Sie immer schon über CO2 wissen wollten2.5.1 CO2, Basis allen Lebens2.5.2 Der spektrale Treibhauseffekt und das CO22.5.3 Die Klimasensitivität, Verstärkungs- und Abschwächungseffekte2.5.4 Klimamodelle2.5.5 Veränderungen der CO2-Konzentrationen über die Zeiten2.5.6 Der globale CO2-Kreislauf: gibt es eine Grenze für den CO2-Anstieg in der Luft?2.5.7 Amüsantes: Fingerprints und Tipping-Points2.6 Ursachen von Klimaänderungen2.6.1 Paradigmen der Naturwissenschaft, Ockhams Rasiermesser2.7 Wie viel Klima macht der Mensch?2.8 Diskussionen von Klimarealisten mit Klimawarnern?
3 Energie3.1 Ein Überblick zu den Problemen der deutschen Energiewende3.2 Energiebedarf und Reserven: Die Menschheit braucht Energie3.2.1 Die Endlichkeit von Brennstoffreserven3.3 Ein Spaziergang im „Energie-Garten“3.4 Naturgesetzliche Schranken der Energiewende3.4.1 Zu kleine Leistungsdichte: zurück ins Mittelalter!3.4.2 Es geht um Flächenverbrauch3.4.3 Leistungsdichte bezogen auf Landschaftsfläche3.4.4 Der Erntefaktor als Maß für Energieeffizienz3.4.5 Warum sind Wind- und Sonne unzureichend?3.4.6 Fluktuation von Wind- und Sonnenstrom: die zweite naturgesetzliche Schranke3.4.7 Energiesparen3.5 Klimapolitik: Risiken, Nebenwirkungen, Verhältnismäßigkeit3.5.1 Das IPCC3.5.2 „Klimaschutz“: Gebot in Medien und Politik – Irrtum ausgeschlossen?3.5.3 Der Mythos vom wissenschaftlichen Konsens3.5.4 Climategate3.5.5 Die Kampagne des PIK gegen die Professoren Veizer und Shaviv3.5.6 Die deutschen Medien3.5.7 Ein immer noch hochakuelles Interview3.5.8 Hintergründe des Klima-Aktivismus: Die große Transformation3.5.9 Die CO2-Agenda Brüssels und Antworten Deutschlands
4 Quellenverzeichnis
Einleitung
1.1 Geleitwort von Arnold Vaatz, MdB
Unter den Nicht-Fachleuten in Deutschland gilt es als weitgehend klar, daß die weitere Nutzung der Kernenergie die Bewohnbarkeit unseres Landes gefährde und die ungebremste Anreicherung von CO2 (Kohlendioxid) in der Atmosphäre eine Erderwärmung verursache, die den Fortbestand der Menschheit und überhaupt allen Lebens bedrohe. Um dies zu vermeiden, müsse sich die Energiebereitstellung der Menschheit von Grund auf ändern. Nukleare Energiequellen oder fossile Energieträger, aus denen man durch Verbrennung jene Wärme gewinnt, die man einerseits verheizt und andererseits in Strom oder Fahrleistung verwandelt, müssen durch solche ersetzt werden, die weder radioaktive Strahlung verursachen noch CO2 freisetzen. Um dies auch dem Letzten klar zu machen, haben sich die meisten Deutschen Medien daran gewöhnt, den „Atomstrom“ zu ächten und über das Naturgas CO2 meist nur noch mit dem Attribut „klimaschädlich“ zu sprechen.
Die Politik widmete sich diesem Thema auf der legendären Rio-Konferenz der Vereinten Nationen im Jahre 1992. Während die Stigmatisierung der Kernenergie im Wesentlichen ein deutsches Thema blieb, wurde die Bedrohung der Erde durch CO2 zum politischen Faktum erhoben. Schon damals formierte sich allerdings auch Widerspruch: Zunächst 425, im Laufe der Zeit bis heute mehr als 4.000 namhafte Persönlichkeiten, darunter 72 Nobel-Preisträger, unterstützen den Heidelberg-Appeal, der die dem Rio-Gipfel zugrundeliegende Prämisse generell in Frage stellt. Zahlreiche Petitionen und Manifeste von Klimaexperten sind später hinzugekommen.
Die Politik scherte sich nicht um solche Einwände. 2010 tagte im mexikanischen Cancun die Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Die Industriestaaten bekannten sich dort zu der Absicht, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Überstiege eines Tages die Erwärmung der Erde diese zwei Grad, so habe dies für den Fortbestand des Lebens auf der Erde und damit für die gesamte Menschheit katastrophale Folgen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen konkretisierte, was zu tun sei: Eine Konzentrationsbegrenzung von CO2 in der Luft auf 0,045 % eröffne die Aussicht, das Zwei-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % einzuhalten. Ließe sich die CO2- Konzentration schon bei 0,04 % deckeln, so läge die Wahrscheinlichkeit für das Ausbleiben der Erderwärmung über die Schwelle zur Menschheitskatastrophe von zwei Grad sogar bei 70 %. Die Politik glaubt fest an diese absurden Aussagen. Sie meint, eine Art Erd-Thermostat einbauen zu können, der uns vor unerwünschten Klimaschwankungen zuverlässig schützt. Die neue Allmachtsphantasie des Menschen sieht ihn imstande, die Schöpfung zu bewahren und das Klima zu schützen. Man muss historisch einigermaßen informierten Menschen nicht erklären, was ähnliche Phantasien über die endgültige Lösung wirklicher oder vermeintlicher Lebensfragen der Menschheit schon mehrfach an Katastrophen hinterlassen haben.
Die Umwälzung ist im vollen Gange. Kaum eine Disziplin der Politik und der Wirtschaft, die nicht im Zuge dieser Forderung von Grund auf klimaschutzgerecht umfrisiert wurde. In den Ministerien und den nachgeordneten Ämtern der öffentlichen Hände schießen neue Verwaltungsgebilde, die der Energiewende dienen sollen, wie Pilze aus dem Boden. In den Ministerien entstehen Öko-Abteilungen, Förderprogramme lockern Steuermilliarden für den Klimaschutz, ganze neue Technologiebranchen entstehen, Ökofinanzprodukte erfreuen die Banken, und Hunderttausende investieren in Windmühlen und Sonnenkollektoren. Bei den Pastoren ist die Rettung der Welt an die Stelle der ewigen Seligkeit getreten.
Das hat ganz profane Folgen. Bezahlt werden diese alternativen Stromerzeuger durch horrende Einspeisesubventionen, die von den konventionellen Stromerzeugern zunächst über die Netzbetreiber an die Windmüller und Solardachbesitzer ausgezahlt und dann über den Strompreis an den Stromkunden weitergegeben werden. Da die Zahlungen an die Erzeuger 20 Jahre garantiert werden und auch dann anfallen, wenn die Netze den von ihnen erzeugten Strom wegen Überlastung nicht aufnehmen können, sind hierfür mittlerweile Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 400 Mrd. Euro aufgelaufen, von denen ca. 75 Mrd. bereits geflossen sind und die übrigen 325 Mrd. in den nächsten 20 Jahren anfallen. Wir verursachen mit alternativem Strom sporadisch auftretende Überlastungen unserer Netze, was uns famose Exportmöglichkeiten eröffnet. Das Dumme ist nur, dass wir durch dieses Überangebot leider die Strombörsenpreise drücken. Der Börsenpreis, der sich normalerweise um die 45 Euro pro Megawattstunde bewegt, ist allerdings als Verkaufspreis schon wenig genug, weil an die alternativen Stromerzeuger schon 170 Euro für diese Kilowattstunde zu entrichten war. Beim Export von 10 Terawattstunden (im Jahr 2012 waren es fast 15) bedeutet das selbst bei diesem Börsenpreis etwa 1,25 Milliarden Euro Verlust, für den der Stromkunde aufzukommen hat.
Was ist aber, wenn wir die Gefahr, die vom CO2 ausgeht, einfach maßlos übertreiben? Gut, mag der gemäßigte Betrachter sich bisher gesagt haben: Wenn an der CO2-Geschichte doch nichts dran sein sollte, dann sparen wir doch wohl an den ohne Zweifel endlichen Ressourcen! Sollte man meinen. Es wäre dann wie beim Alchimisten Johann Friedrich Böttger, der eigentlich prahlte, Gold herstellen zu können und dann stattdessen die Porzellanherstellung erfand. Seitdem wir das CO2 aus dem Kraftwerk direkt in die Erde verpressen wollen, wird auch dieses Argument – sollte es jemals gegolten haben – hinfällig. Nicht einmal Porzellan anstelle von Gold, in diesem Falle Ressourcenschonung anstelle von Klimarettung, sondern weder das eine noch das andere könnte sich einstellen, denn die CO2-Verpressung verschlingt zusätzliche Ressourcen – erst recht, wenn auch noch die schon jetzt ressourcenschonende und bei Fortentwicklung noch günstigere Nutzung der Kernenergie aufgegeben wird; und der Input an fossiler Energie zur Bereitstellung der immer riesigeren Windkraftmaschinerie, der astronomische Rohstoffverbrauch für Zuleitungen, Aufbauten und Herstellungstechnologie kommen hinzu.
All dies lässt die Frage nach der Zuverlässigkeit der Prämissen für diesen gigantischen energiepolitischen Kurswechsel um so dringlicher werden – zumal wir uns in Deutschland in Bezug auf die Kernenergie als Geisterfahrer gegenüber nahezu allen entwickelten Industrie- und Schwellenländern fortbewegen und mit unserem schwankenden Stromnetz nun auch noch zu einem Fremdkörper im europäischen Stromversorgungssystem geworden sind.
Ich drücke Horst-Joachim Lüdecke und diesem Buch, das nun von ihm vorliegt, die Daumen, weil ich glaube, dass von einem wirklichen Erkenntnisgewinn in Sachen Energie und Klima unsere Zukunft abhängt. Wir müssen zu der Forderung nach naturwissenschaftlich soliden Erkenntnissen und ingenieurtechnisch realistischen Gestaltungswegen als Grundlage von politischen Entscheidungen zurückfinden. Ein gesinnungsethischer Konformitätsdruck ist eine schlechte Grundlage für energiepolitische Entscheidungen.
Dieses Buch ist ein leidenschaftlicher Aufruf zu intellektueller Redlichkeit und zugleich ein Meisterwerk in der plausiblen Vermittlung komplizierter physikalischer Sachverhalte. Ich wünsche ihm viele Leser. Es gehört in jeden Schulunterricht einer Abiturklasse. Allerdings bin ich Realist und ahne, was kommen wird: Man wird zunächst versuchen, es zu ignorieren. Aber es wird nicht fruchten, dazu ist das Buch zu souverän, zu überzeugend, zu präzise. Daher wird sich die Empörungsindustrie mit ihm befassen und es auf den medialen Index setzen.
Nur: Über die Frage, ob CO2 ein Klimakiller ist oder nicht und welche Faktoren für das Leben wirkliche und welche eingebildete Risiken sind, entscheiden weder politische Mehrheiten noch religiöse Überzeugungen noch der kollektive Wille der deutschen Medienlandschaft. Daher wird dieses Buch zumindest eines Tages von der Realität bestätigt werden. Wie viele schwer reparable Fehler bis dahin in der deutschen Energiepolitik gemacht sein werden, ist eine andere Frage.
Arnold Vaatz, MdB
1.2 Ausgangslage
Wie kommt man zu Energie und Klima? Es fing mit einem Problem an, das jeder Hochschullehrer kennt. Vielen Studenten fällt es schwer, vorzutragen. Zur Behebung dieses Defizits bot ich die freiwillige Zusatzveranstaltung Präsentation an. Von jedem Teilnehmer wurde an Samstagvormittagen zu einem frei gewählten technischen Thema ein 30-minütiger Vortrag gehalten und danach gemeinsam analysiert. Freie Rede, Bild- und Textgestaltung der Präsentation am Beamer und korrektes Zitieren von Bild- und Faktenquellen waren gefordert. Bei dieser Veranstaltung wurden damals schon von den Teilnehmern oft Themen zu Energie und Klimawandel gewählt. Insbesondere beim Klimawandel war das Fehlen ordentlicher Quellenangaben auffällig. Es wurde als selbstverständlich vorausgesetzt, dass Extremwetter infolge ansteigender CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken, Industrie und landwirtschaftlicher Nutzung zugenommen hätten. Meine neugierige Nachfrage nach den Quellen, denn ich war damals der gleichen Annahme wie meine Studenten, ergab jedes Mal Fehlanzeige. Seltsam! Daher begann die eigene Suche, mit dem Ergebnis, dass keine wissenschaftlich fundierten Nachweise für zunehmende Extremwetter aufzufinden waren. Die gesamte meteorologische Fachliteratur und die Berichte der UN-Klimaabteilung (IPCC) belegten dies.
Historische Hochwassermarken an der alten Brücke meiner Heimatstadt Heidelberg lieferten weitere Hinweise. Touristen bleiben hier oft nachdenklich beim Lesen der in Stein geprägten Pegelmarken stehen (Bild 1).
Bild 1:
Alte Brücke in Heidelberg mit Hochwassermarken am ersten südwestlichen Brückenpfeiler. Die Pegelwerte sind in der Maßeinheit „badischer Fuß" eingraviert.
Die Heidelberger Pegelmarken zeigen, dass die stärksten Überschwemmungen weit über hundert Jahre zurückliegen. Damals gab es noch keine nennenswerten menschgemachten CO2-Emissionen. Die stärksten Überschwemmungen gab es in den Jahren 1784 und 1824 und nicht in jüngerer Zeit. Die Überschwemmungsjahre, nach Maximalhöhen geordnet, sind 1784, 1824, 1789, 1817, 1947, 1882, 1845, 1993, 1780, 1956, 1970. Zwischen dem absoluten Höchstpegel im Jahre 1784 und dem ersten Höchstpegel aus jüngerer Zeit im Jahr 1947, liegen stolze 3,5 Meter. Meine Internetsuche führte schließlich zu Seiten, die Photographien historischer Flusspegelwände aus ganz Europa zeigen. Sie bestätigen den Heidelberger Befund (s. unter 2.2).
Bereits leicht zugängliche Fakten zeigten somit an, dass die Grundlagen der Klimafurcht fragwürdig sind. Über problemlos Nachprüfbares, wie Überschwemmungshöhen von Flüssen und Extremwetter-Statistiken, besteht weitgehende Unkenntnis in der Öffentlichkeit und den Redaktionsstuben der Medien. Wie sieht es aber dann erst bei komplexeren Sachverhalten aus? Ist menschgemachtes CO2 wirklich klimaschädlich? Beantworten wir diese Frage einmal hilfsweise mit „Ja“. Dann schließt sich die Folgefrage an, ob Deutschlands kostspielige CO2-Vermeidungsmaßnahmen überhaupt global spürbar sein können. Unser Weltanteil von etwa 2 % aller menschgemachten CO2-Emissionen ist vernachlässigbar, und von den maßgebenden Verursachern, wie beispielsweise China hört man außer wohlfeilen politischen Beteuerungen nichts Substantielles über CO2-Vermeidungsmaßnahmen. Und weiter: Kann man das sich naturgesetzlich stets wandelnde Klima überhaupt schützen? Welche Klimazone von polar bis tropisch bedarf des stärksten Schutzes? Was sagen unabhängige Klimafachleute dazu? Gibt es hier einen ähnlichen Konsens über die Klimaschädlichkeit des menschgemachten CO2 wie in Politik und Öffentlichkeit?
Solche häretischen Fragen lassen sich gleichermaßen auch zur deutschen Energiewende stellen. Sie fand ihre Begründung zunächst in der Forderung nach CO2-Vermeidung zum Zweck des Klimaschutzes. Später wurde das Klimaargument durch die als unabdingbar propagierte und überstürzte Aufgabe der Kernenergie komplettiert. Keine Nation der Erde kopiert unsere Energie- und Klima-Agenda. Wie ist sie dann sachlich zu rechtfertigen? Kann irgendein Nutzen für unsere Volkswirtschaft oder unsere Umwelt aus der Energiewende abgeleitet werden? Diese Fragen sind keineswegs akademisch! Sie berühren maßgeblich die Position Deutschlands im globalen Wettbewerb, die Stromrechnung jedes Privathaushalts, die Sicherheit unserer Energieversorgung, die energieverbrauchende Industrie und insbesondere den Schutz unserer Natur. Die lawinenartig zugenommenen Bürgerproteste gegen Windradinstallationen demonstrieren es.
Inzwischen im Ruhestand, hatte ich Zeit, mich wieder frei von Lehrverpflichtungen oder finanziellen Interessen der physikalischen Forschung zuzuwenden, jetzt einem Spezialgebiet der Klimaforschung. Aus den Resultaten dieser Bemühungen sind, zusammen mit Mitautoren, Publikationen in begutachteten wissenschaftlichen Fachjournalen entstanden. Zusammen mit befreundeten Forschern an ausländischen Universitäten laufen weitere Projekte. Die hier gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse, die sich mit denen vieler Klimaforscher weltweit decken, widersprechen (unbeabsichtigt) in maßgebenden Punkten den deutschen Medienberichten und der deutschen Klima-Politik. Kritische Autoren von Klimasachbüchern haben ebenfalls schon solche Widersprüche bemerkt, die leider auch das ansonsten gut informierende Wikipedia betreffen. Man informiert sich dabei vorwiegend im Internet, denn die Klima-Berichte der deutschen Medien sind nicht objektiv. Ohne verlässliche Information ist aber kein vernünftiges Urteilen möglich. Diskussionen, die sich an meine Vorträge anschließen, zeigen einen zunehmenden Bedarf von ehemals Ahnungslosen an fachlich einwandfreier Sachinformation. An die Gruppe dieser Interessierten, die selber nachdenken und es nicht beim „Das steht doch in der Zeitung“ belassen, richtet sich das Buch.
Die dritte Auflage des Buchs ist nun vergriffen. Außer der Beseitigung unvermeidbarer Fehler musste der Buchinhalt wieder den aktuellen wissenschaftlichen und politischen Entwicklungen angepasst werden. Diese sind aktuell durch drei Phänomene bestimmt, wobei die Zukunft der sich stetig zuspitzenden Entwicklung mit Sicherheit entscheidende Umwälzungen mit sich bringen wird.
Zum einen sind es die vorwiegend nur in der westlichen Welt bekannten Bewegungen „Fridays for Future“ (FFF) und ihre noch abgehobenere Version „Extinction Rebellion“ (XR). Sie lassen an mittelalterliche Geißler denken, wobei die FFF- und XR-Jugendlichen sich natürlich nicht selber geißeln, sondern dies nur von den anderen erwarten. Das zweite Phänomen ist das unübersehbare Scheitern der Energiewende, die gemäß Expertise aller neutralen Fachleute niemals funktionieren kann. Es entstand das Dilemma der deutschen Politik, infolge des Abschaltens von CO2-freien Kernkraftwerken die gesetzlichen Bestimmungen der EU über CO2-Einsparungen nicht mehr erfüllen zu können und hohe Strafzahlungen der EU zu gewärtigen. Dass diese Politik gleichzeitig „Klimaschutz“ zur Chefsache erklärt, erschwert die Problemlösung zusätzlich. Als Drittes wird in dieser Auflage zum ersten Mal auch über die Hintergründe des Klima-Hype berichtet. Dies hat einen einfachen Grund. Inzwischen werden diese Hintergründe von den Verursachern erstaunlich offen publiziert und kommuniziert. Dies war noch vor wenigen Jahren undenkbar. Es geht ihnen, das sei schon einmal vorausgeschickt, nicht um Klimaschutz, sondern um die sozialistische Umgestaltung unserer Gesellschaft hin zu einem planwirtschaftlichen Ökostaat. Die jüngsten Ereignisse lassen wenig Gutes erwarten. Die neue EU-Präsidentin, Frau von der Leyen, will mit dem „Green Deal“ Geschichte schreiben, die uns alle teuer zu stehen kommen wird. Zum gleichen Zeitpunkt hat England mit dem Brexit die Freiheit für alle Optionen wiedergewonnen.
Der Autor ist durch die vorangegangenen Auflagen dieses Buchs, eine Reihe von begutachteten Klima-Fachveröffentlichungen2, zahlreiche Artikel in EIKE11 und schließlich Vorträge bekannt geworden. Eine Bundestagsanhörung des Autors zum Thema CO2-Vermeidung3 und drei weitere themennahe parlamentarische Anhörungen des Düsseldorfer Landtags waren fast schon logische Folgen. Maßgebende Änderungen der Bundespolitik, inklusive aller Landespolitiken, welche unsere Natur, Volkswirtschaft und Energiesicherheit schwer schädigen, bewirken solche Anhörungen natürlich nicht. Die Eigenschaft, aus Fehlern zu lernen und diese so früh wie möglich abzustellen, fehlt anscheinend in den Genen deutscher Politiker. Unter den aktuell obwaltenden Bedingungen einer bewusst herbeigeführten Energie-Mangelwirtschaft, die von den meisten deutschen Medien auch noch beifällig befürwortet wird, hat es ein Buch mit rationaler Sichtweise schwer. Kritik an Energiewende und „Klimaschutz“ ist im heutigen Deutschland unerwünscht, ja sogar anstößig geworden. Und dies, obwohl der weltweite Wissenschaftsskandal im Jahre 2007, besser bekannt unter „Climategate“ (s. unter 3.5.4), jedem nachdenkenden Beobachter die Augen hätte öffnen müssen. Inzwischen ist Climategate wieder fast in Vergessenheit geraten.
Immerhin hat das damalige Vorstandsmitglied der Deutschen physikalischen Gesellschaft (DPG), Prof. Konrad Kleinknecht, eine positive Kritik des vorliegenden Buchs im DPG-Physik-Journal veröffentlicht4. Es gab auch eine ganze Reihe weiterer positiver Kritiken der vorangegangenen drei Buchauflagen5. Das tönende Schweigen von SPIEGEL, FAZ, ZEIT, Süddeutscher Zeitung etc. spricht dagegen eine beredte Sprache. Das Buch ist unerwünscht, und man kann daher konstatieren: Das komplette Ignorieren von kritischen Fachstimmen zu „Klimaschutz“ und Energiewende seitens der großen deutschen Medien ist undemokratische Überwachung und hat mit gutem Journalismus als „berichten, was ist“ nicht mehr viel zu tun. Von dieser Art Überwachung sind natürlich nicht nur dieses Buch, sondern gleichermaßen alle kritischen Publikationen und Stimmen zur Energiewende und zum „Klimaschutz“ betroffen. Der bekannte Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn, der einen an Deutlichkeit kaum noch zu überbietenden Vortrag gegen die deutsche Energiewende an der Ludwigs-Maximilian-Universität München bei Anwesenheit hoher politischer Prominenz hielt6, wurde von den Medien ebenfalls mit Nichtbeachtung gestraft. Angesichts dieser Zustände wundert man sich nicht mehr, dass die großen Printmedien ein stetig zunehmendes Abwandern ihrer Leser ins besser informierende Internet beklagen.
1.3 Quellen, Literatur, Hinweise
Zur 4. Auflage: Neben Aktualisierungen, Schilderungen neuerer Entwicklungen und eines inzwischen oft die Hysterie streifenden Klimaschutz-Aktivismus aller politischer Parteien (die AfD, die CSU Werteunion Bayern und gelegentlich die FDP ausgenommen) erschien es angebracht, in der vierten Auflage zuerst das Thema „Klima“ und danach die „Energiewende“ zu behandeln.
Zum Klimarealisten wird man durch begründete Zweifel, verbunden mit eigenem Nachdenken und einer vorsichtig-kritischen Haltung gegenüber den Erziehungsbemühungen unser Staatsmedien ARD/ZDF und den diesen folgenden Zeitungen. Infolgedessen werden die Leser des Buchs ausdrücklich ermutigt, eigene Recherchen vorzunehmen. Hierfür ist das Internet unverzichtbar. Ein wichtiges Caveat bei der Internet-Nutzung darf aber nicht verschwiegen werden: Das Internet kennt zwar in der westlichen Welt noch relativ wenig Zensur, es kennt aber auch keine verlässlichen Qualitätsmerkmale. Daher führt kein Weg daran vorbei, sich die Institutionen und Personen, die im Internet publizieren, sehr genau anzusehen. Nur zwei stellvertretende Beispiele: Wikipedia wird gedankenlos als verlässliche Informationsquelle angesehen. „Verlässlich“ ist hier aber leider nicht immer der Fall – wann nicht, dazu gleich mehr. Ein weiteres Beispiel sind Baumaßnahmen zur Energieersparnis, insbesondere sogenannte Niedrigenergiehäuser. Kaum jemand weiß, dass die Realität hier ganz anders aussehen kann, als man sie im Internet geschildert findet. So gut wie alle Internetberichte zu diesem Thema stammen von befangenen Quellen, und der naive Internetnutzer hat unter Umständen den Schaden (s. unter 3.4.7).
Man sollte daher stets die möglichen Interessen von Internetquellen in seine Beurteilung einbezíehen. So werden „Klimarealisten“, zu denen sich auch der Autor dieses Buchs zählt, auf den Internet-Seiten von Klimawarnern oft diskreditiert, indem man ihnen finanzielle Abhängigkeiten von der Kohle- oder Erdölindustrie unterstellt. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es solche geförderten Personen und Organisationen (vorwiegend wohl in den USA) auch gibt. Hier ist aber der niemals belegte Generalverdacht gegenüber allen klimakritischen deutschen Stimmen und Internetseiten gemeint. Bei privaten Gesprächen mit Bekannten, die sich von dieser Auffassung partout nicht abbringen ließen, konnte der Autor schließlich herausfinden, warum diese zum Teil absurden Diffamierungen so ertstaunlich gut verfangen. Es ist für die Empfänger dieser diffamierenden Botschaften unvorstellbar, dass jemand etwas freiwillig, ohne Vergütung und nur der Sache selbst wegen betreibt. „Da muss doch Geld im Spielsein“, ist die logische Schlussfolgerung! Hier liegt eine nur noch psychologisch erklärbare Übertragung des eigenen fragwürdigen Charakters auf das Gegenüber vor.
Tatsächlich findet man aber im Internet ausreichend viele kritische Klima-Foren guten fachlichen Niveaus, leider überwiegend in englischer Sprache. Hier die verlässlichsten Webseiten: Watts Up With That (WUWT)7, Science of Doom8, Kalte Sonne9, Climate Etc10, Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE)11, JoNova12, Heartland Institute13, Notrickszone14, SEPP15 und Global Warming Policy Foundation16, diese Aufzählung ist sicher nicht vollständig. In Deutschland nimmt das Internetforum des gemeinnützigen e.V. EIKE nach Internet-Besucherzahl mit Abstand den ersten Platz der einschlägigen Klima-/Energie-Webseiten ein. EIKE orientiert sich an wissenschaftlichen Kriterien (s. Präambel und Zusammensetzung seines Fachbeirats) und führt auch eigene Klimaforschung durch, die in begutachteten Klima-Fachzeitschriften erscheint. Die detaillierte Aufstellung dieser Fachpublikationen findet sich auf der EIKE-Webseite unter „Publikationen“ und weiter „Peer Reviewed EIKE Publications“. Die EIKE-Artikel auf seiner News-Seite gehören aber nicht dazu, sie sind nicht begutachtet und haben daher zum Teil recht unterschiedliche fachliche Qualität. Die Beiträge erteilen so gut wie allen Meinungen ein freies Wort, was diskussionswillige Besucher anzieht und EIKE zunehmend populär machte. Der Buchautor ist Pressesprecher von EIKE.
Die im Buch angegebenen Quellen sind, von wenigen Ausnahmen wie Buchquellen abgesehen, sämtlich im Internet erreichbar. Dazu sind die Quellenbezeichnungen in geeigneten Suchmaschinen einzugeben, hier wird Google und Google Scholar17 verwendet. Google Scholar ist ausschließlich für die wissenschaftliche Fachliteratur reserviert, alles andere ist in Google zu finden. In Google ist der im Buch angegebene Suchtext der Quelle einzugeben. Es erscheint dann der Internet-Link und nach dessen Anklicken der gesuchte Artikel. Die Suchtexte sind in den Quellenangaben (s. unter 4) so gewählt, dass sie problemlos zum Internetlink der Quelle führen sollen. Ein Beispiel eines solchen Suchtextes ist:
IDW, Schlagabtausch über die Ursachen des Treibhauseffekts – zurück zur sachlichen Diskussion, 31.10.,2003
Oft reicht schon die Eingabe des Anfangsteils des Suchtextes. Dies ist aber leider nicht immer der Fall, und man muss sich dann die Mühe machen, den angegebenen Suchtext vollständig einzutippen. Nachfolgend nun auch noch ein Beispiel eines Suchtextes für die Google-Scholar-Suche nach begutachteten wissenschaftlichen Fachpublikationen, wobei er sich auch formal nach der in wissenschaftlichen Publikationen geübten Schreibweise richtet:
Weißbach, D., Ruprecht, G., Huke, A., Czerski, K., Gottlieb, S., 2013. Energy intensities, EROI and energy payback times of electricity generating power plants, Energy, 52, 210-221.
Aber auch hier ist so viel Eintipparbeit in der Regel unnötig. Man versuche es im Suchfenster von Google Scholar erst einmal mit wenigen Autorennamen und dem Anfangsteil des Titels der Arbeit, jeweils mit Kommas getrennt. Das reicht oft schon aus.
Generell nehmen begutachtete wissenschaftliche Publikationen den höchsten Rang an Verlässlichkeit ein. Dies hat folgende Gründe: Begutachtet, im Englischen „Peer Review"18, bedeutet, dass jede international akzeptierte wissenschaftliche Fachzeitschrift einen eingereichten Artikel von Fachgutachtern, Experten des betreffenden Fachgebiets, prüfen lässt, bevor der Beitrag angenommen werden kann. Prinzipiell haben begutachtete Fachveröffentlichungen eine Bezahlschranke, ausgenommen die in „Open Journalen“, welche frei im Internet abgreifbar sind. Es gibt aber fast immer Ausnahmen: Entweder stellen Autoren ihre Veröffentlichungen auf ihren Hochschulwebseiten frei zur Verfügung, oder sie geben ihr eine andere Form bei gleichem Inhalt, die dann mit Einwilligung des Verlags frei veröffentlicht werden darf. Falls die Eingabe im Suchfenster von Google-Scholar erfolgreich war, erscheint ein kurzer „Abstract“. Klickt man auf den Titel der Arbeit (1. Zeile in blau), erscheinen die vom Verlag gelieferten Informationen. Wesentlich interessanter ist dagegen der blaue Button rechts unten mit der Bezeichnung „alle Versionen“. Dieser führt auf alle bisher erschienenen Formen der Arbeit, die mit dem Inhalt der Verlagsversion übereinstimmen. Sind pdf-Versionen darunter, können Sie diese unbedenklich herunterladen und verfügen dann über Text und Bilder der Originalversion, im Allgemeinen aber nicht über die originale Verlagsversion.
Bei der eigenen Suche im Internet sind ein paar Regeln zu beachten: Oft ist der Unterschied von Groß- und Kleinschreibung maßgebend. Viele Internet-Quellen sind in Englisch. Bei der Suche nach begutachteten Fachpublikationen sind nur englische Suchbegriffe geeignet. Dies trifft übrigens auch mehr oder weniger für die Suche nach technischen und naturwissenschaftlichen Themen im Internet zu. Beiträge dieser Themenbereiche sind im englischen Sprachbereich fast immer umfangreicher und qualitativ besser als in Deutsch. Hinzu kommt, dass insbesondere das deutsche Wikipedia politisch nicht neutral ist19. Bei Themen, die dem politischen Mainstream widersprechen, greift Wikipedia oft zu Fakes und Verleumdungen. Die Wikipedia-Artikel über den gemeinnützigen e.V. EIKE10, über den Autor selber20, aber auch über Manifeste und Deklarationen von Klimaexperten (s. unter 3.5.3) bieten ausführliches Anschauungsmaterial für eigenmächtige Sachverfälschungen von Wikipedia-Sichtern, die dann oft auch noch zu unbelegten Herabwürdigungen greifen. Man erkennt es an Begriffen, wie „Klimaleugner“, „Erdölindustrie“, „Lobbyisten“ und ähnlich Unsachlichem in den betreffenden Wikipedia-Texten. Auch das englischsprachliche Wikipedia ist davon leider nicht mehr frei.
Bei diesen Sachverfälschungen geht Wikipedia subtil vor. Nach ausreichend langer Zeit wird ein für die Wikipedia-Ideologie unerwünscht angesehener Artikel „korrigiert“. Dies wird so oft wiederholt, bis der ursprüngliche Wikipedia-Artikel den gewünschten inhaltlichen Zuschnitt aufweist, wobei die ursprüngliche Version oft kaum noch erkennbar ist. Stellvertretende Beispiele dafür sind die Heidelberger Deklaration und die Leipziger Erklärung, beide kritische Manifeste von unzähligen Wissenschaftlern gegen das IPCC. Die Heidelberger Deklaration existiert vorsichtshalber im deutschen Wikipedia gar nicht, wohl aber im englischsprachigen Wikipedia21. Sie darf dort als lupenreines Pamphlet gegen die Unterzeichner bezeichnet werden. Dies steht im deutlichen Gegensatz zu einer der ersten Wikipedia-Versionen22, die noch neutral und sachlich das Manifest schilderten und zudem auch den Originaltext der Heidelberger Deklaration im Originaltext brachten. Ähnliches erfolgte mit der Leipziger Erklärung in der aktuellen verleumderischen Form23, welche wiederum in schärfstem Kontrast zur ursprünglichen neutralen Formulierung24 steht (s. auch unter 3.5.3). Es ist daher empfehlenswert, sich bei Verdacht auf ein Pamphlet von Wikipedia die ursprüngliche Version anzusehen, die gemäß strikter „Wikipedia-Regel“ glücklicherweise stets einsehbar ist.
Für die hier angegebenen Internetquellen gilt als letztes überprüftes Erscheinungsdatum Januar 2020. Internetquellen können nämlich auch wieder verschwinden. Dann zeigt der im Buch angegebene Suchtext später kein Resultat mehr. In diesen Fällen helfen nur noch aufwendige Suchaktionen weiter, oder ein Kontakt-Hinweis auf der persönlichen Webseite des Autors https://www.horstjoachimluedecke.de/. Hier findet sich eine Korrekturseite zum Buch für entdeckte Fehler und verschwundene Internet-Links. Falls Leser diese erforderlichen Korrekturen melden und damit zur Aktualisierung des Buchs beitragen wollen, kann dies über „Kontakt“ auf der genannten Webseite erfolgen. Der Autor wäre dankbar dafür.
An dieser Stelle darf die dringende Empfehlung nicht fehlen, bei undurchsichtigen oder verdächtigen Angaben in Medien oder Internet zum Bleistift und Taschenrechner zu greifen und selber überprüfende Abschätzungen vorzunehmen. Die Datenbasis dazu liefern ordentliche Internetquellen. Insbesondere ist Hinweisen auf Computerausdrucke zu misstrauen! Verfallen Sie bloß nicht der oft zu vernehmenden Ausrede „Muss ja richtig sein, schließlich stammt es von einem Computer“. So ist es gerade nicht! Der Rechengang stammt von einem Menschen und kann völlig falsch sein. Nur das numerische Ergebnis eines auch völlig falschen Rechengangs ist richtig! Der Computer kann perfekt rechnen, er kann aber nicht denken oder gar den Rechengang festlegen. Immer wieder, insbesondere unter 3.3, werden hier im Buch zahlenbelegte Abschätzungen vorgenommen, nicht zuletzt auch zum Zweck, Leser zu eigenen Versuchen zu ermutigen.
In diesem Abschnitt dürfen schließlich wichtige indirekte Beiträge und Anregungen zum Buch seitens befreundeter Kollegen nicht unerwähnt bleiben, die in Diskussionen, Gesprächen, Telefonaten und E-Mails bestanden. Besonders verpflichtet bin ich Dr. Sebastian Lüning, Dr. Götz Ruprecht (Institut für Festkörper Kernphysik, Berlin), Prof. Werner Weber (Univ. Dortmund, leider inzwischen verstorben), Prof. Carl Otto Weiss (Phys. Techn. Bundesanstalt Hannover), Dr. Rainer Link, Prof. Garth Paltridge (Univ. Hobert, Australien), Dr. Sabine Lennartz (ehem. Univ. Edinburgh, Schottland) und Dr. Hempelmann (Univ. Hamburg). Nicht zu vergessen sind dabei meine Freunde im Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE) Dipl.-Ing. Michael Limburg, Dipl.-Meteorologe Klaus-Eckart Puls, Dr. Holger Thuß, Wolfgang Müller, Prof. Friedrich-Karl Ewert (Univ. Paderborn), Dr. Siegfried Dittrich, Dr. Axel Göhring, Dipl.-Ing. Andreas Demmig, Dr. Dietmar Ufer und Chris Frey. Eine besondere Stellung nehmen zwei mithelfende Personen ein, weil sie mit ihrer direkten Hilfe anonym bleiben wollen. Die erste mit mir persönlich befreundete Person hat maßgebend und aktiv an der vierten Auflage dieses Buchs mitgearbeitet. Daraus gingen ein zum Teil neues Buchkonzept und kaum noch zu zählende, maßgebende Verbesserungen hervor. Die zweite Person, ebenfalls mit mir befreundet, ist Webmaster meiner eigenen Webseite und hat diese Aufgabe eigeninitiativ, technisch, redaktionell und unentgeltlich übernommen. Diesen beiden sei hier mein ganz besonderer Dank ausgesprochen. Herrn Arnold Vaatz, MdB danke ich für sein freundliches Geleitwort.
Schlussendlich noch eine Anmerkung zum Schreibstil dieses Buchs: Unter den hier ausschließlich verwendeten neutralen Begriffen wie der „Leser“, der „Politiker“, der „Student“ etc., sind stets und absolut gleichwertig die weibliche und die männliche Form gemeint. Der Autor sieht gendergerechtes Schreiben als Vergewaltigung unserer schönen deutschen Sprache an.
2 Klima
Wissenschaft hat etwas Faszinierendes: So eine geringe Investition an Fakten liefert so einen reichen Ertrag an Vorhersagen
(Mark Twain)
Der Begriff Klima ist von der Weltmeteorologieorganisation WMO als das statistische Mittel über mindestens 30 Jahre von lokalem Wetter definiert. Darunter sind die jeweiligen Mittelwerte von Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchte, Niederschlag, Extremwettervorkommen und weiteren Wetter-Parametern zu verstehen. Der prinzipielle Unterschied zwischen Wetter und Klima ist der Öffentlichkeit leider immer noch nicht ausreichend bekannt. Daher im Folgenden zwei Beispiele: Der verheerende Hurrikan Katrina hatte Ende August 2005 die Stadt New Orleans im Süden der USA schwer geschädigt, wobei die nächsten Jahre keine schweren Stürme in New Orleans mehr vorkamen. War Katrina ein Klimaereignis? Die Antwort lautet „Nein“. Es wäre ein Klimaereignis gewesen, wenn in den gesamten 30 Jahren vor Katrina die Hurrikan-Häufigkeit oder -Stärke zugenommen hätten. Dies war aber nicht der Fall (s. unter 2.3.1). Ein zweites Beispiel: Herr Müller und seine Frau hatten während ihres dreiwöchigen Teneriffa-Urlaubs im Norden der Insel Pech mit dem Wetter. Es regnete viel, und es war dem Ehepaar zu kühl. Ihre Freunde im Süden der Insel genossen dagegen über die gesamte Zeit warme Sonne. Hatten die Müllers nur Wetterpech? Die Antwort lautet wieder „Nein“. Es war nicht das Wetter, es war tatsächlich das Klima. Die Klimate von Teneriffa-Süd und Teneriffa-Nord unterscheiden sich nämlich, zwar nicht besonders stark, aber doch deutlich. Und dabei liegen weniger als 100 km und der höchste Berg Spaniens zwischen diesen beiden Mini-Klimazonen.
Mit dem korrekten Begriff „Klima“ dürfte zumindest auch der Begriff des Klimawandels geklärt sein. Leider trifft diese Klärung aber nicht auf die von den Medien gerne benutzen „Folgen des Klimawandels“ zu. Hier geht meist alles durcheinander, so dass zu unterscheiden ist in (keine Vollständigkeit angestrebt):
Wetterereignisse: Starkregen, Stürme und Extremstürme, Dürren, Hitzeperioden, Meereisflächen.
Klimawandel (über 30 Jahre): Veränderungen von Niederschlägen, Temperaturen.
Folgen von Klimawandel (über 30 Jahre): Veränderungen von Meeresspiegeln, Gletschern, Pflanzenverbreitung, Tierpopulationen.
Ursachen von Klimawandel: Sonnenaktivität, Treibhausgaskonzentrationen, zyklische Ozeanströmungen, zyklisch schwankender Atmosphärendruck.
Noch einmal zurück zum Begriff „Klima“! Ein globales Klima gibt es nicht, nur unterschiedliche Klimazonen. Grob kennzeichnet man sie als tropisch, subtropisch, gemäßigt, subpolar und polar. Ereignisse wie besonders heiße Sommer, Überschwemmungen, Hurrikane usw. gehören zu den Wetterereignissen, mit Klimaänderung haben sie primär nichts zu tun. Zum Begriff „Klima“ sei dem Leser die anschauliche Erläuterung von Prof. Gerhard Gerlich (TU Braunschweig) nicht vorenthalten25:
„Es gibt auf der Erde sehr viele Klimate, die das lokale mittlere Wettergeschehen beschreiben. Es gibt für die Erde kein Klima im Singular, also kein Globalklima (Erdklima). Globalklimatologie ist ein Widerspruch in sich, also die leere Menge, ein Nichts. Es gibt deshalb keine globalen Klimaänderungen, nur eventuelle zeitliche Veränderungen berechneter globaler Zahlen … In den Zeiten der Völkerwanderungen gab es einen eindeutigen Trend in die Gegenden der Erde, in denen damals die Jahresmitteltemperaturen höher lagen als in den Herkunftsländern der wandernden Völker. Diesen Leuten konnte man mit höheren Mitteltemperaturen keine Angst einflößen, es war gerade umgekehrt: die Leute machten sich auf den Weg, um in einem angenehmeren Klima zu leben. Höhere (lokale) Mitteltemperaturen sind also keine Katastrophe, sondern das Gegenteil: ein angenehmeres Klima, in dem man z.B. weniger Heizkosten und (zusammen mit Wasser und Kohlendioxid) einen besseren Pflanzenwuchs hat. Dies kann jeder Mensch ohne große Rechnungen selbst beobachten, indem er seinen Wohnsitz in die Richtung zum Äquator verlegt.“
Den letzten Satz wird jeder nachvollziehen können, der schon einmal längere Zeit in subtropischen Gegenden hoch entwickelter Länder verbracht hat, wie beispielsweise an der Küste von Queensland in Australien. Das ganze Jahr über ist keine Heizung oder warme Kleidung nötig. Das Angebot an Gemüse und Früchten ist überwältigend, verglichen mit unserem heimischen Angebot. Lokale Mangos, Papayas, Ananas sind zu nennen. Australien ist dank modernster Hygiene und Medizin nicht von Malaria oder sonstigen Tropenkrankheiten geplagt. Das Flugreisen-Abstimmungsergebnis vieler Deutscher im Winter bestätigt im Übrigen die Bevorzugung von Wärme gegen Kälte. Der Evolutionsbiologe Josef Reichholf führt in seinem empfehlenswerten Buch „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends"26 zum Thema höherer Temperaturen aus: „… Und vollkommen falsch ist es, wie vielfach behauptet wird, dass es noch nie so warm gewesen wäre wie heute. Das ist absurd: vor 120.000 Jahren gab es Nilpferde am Rhein und an der Themse. Diese Daten sollte man sich anschauen, bevor man die aktuellen Zahlen zu Horrorszenarien aufbauscht. Außerdem, und das zeigt der Rückblick in die vergangenen tausend Jahre in aller Deutlichkeit: Es waren die Kaltzeiten, in denen wir und andere Teile der Welt von den großen Katastrophen heimgesucht wurden. Nicht die Warmzeiten.“
Jede Klimazone der Erde ist naturgesetzlich einer mehr oder weniger raschen Klimawandlung unterworfen. Da konstantes Klima unmöglich ist, ist auch der Begriff „Klimaschutz“ komplett sinnlos. Ein Phänomen, das in dauernder Veränderung begriffen ist, kann man nicht schützen, das ist ebenso absurd, wie ein versuchter Schutz des „Wetters“. Vielleicht ist „Klimaschutz“ ja dies: Falls es menschliche Einflüsse gibt, die Klimaänderungen zum Schädlichen hin verursachen, sollen diese Einflüsse so weit wie möglich zurückgedrängt werden. Aber sofort tauchen Vorbehalte auf. Was tun, wenn unterschiedliche Auffassungen über Schädlichkeit und Nützlichkeit bestehen? Eine dauerhafte Erwärmung der nördlichen Zonen Europas, von denen bisher nicht die Rede sein kann, würde Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben, wobei sich die Natur stets bestens anzupassen versteht. Landwirte würden sich über höhere Ernteerträge und die Schifffahrt über eine eisfreie Nordwestpassage freuen. Die Einwohner der nördlichen Städte würden weniger heizen müssen. Auf Permafrost gebaute Häuser wären zwar durch Auftauen des Untergrunds gefährdet, das passiert aber bereits schon heute. Dies jedoch nicht durch Klimaerwärmung, sondern durch marode, leckende Kanalisations- und Heizungsrohre. Wer will unter diesen Umständen über Klimaschutz dieser Klimazonen entscheiden, falls er denn möglich wäre? Die meisten russischen Klimawissenschaftler fürchten tatsächlich nicht die Folgen einer globalen Erwärmung als vielmehr das Auftauchen einer neuen Kaltzeit. Und die überwältigende Bevölkerungsmehrheit der nordrussischen Klimazonen würde eine Erwärmung enthusiastisch begrüßen.
Trotz dieser auf der Hand liegenden nüchternen Betrachtungen bedienen und nutzen Politik und Medien das Narrativ „kommende Klimakatastrophe“. Obwohl immer noch den wenigsten Zeitgenossen der Begriff „Klima“ im Gegensatz zum „Wetter“ völlig klar ist, sind die Schlagworte Klimawandel, Klimaschutz und klimaschädliches CO2 aus dem alltäglichen Sprachgebrauch und den Medienberichten nicht mehr wegzudenken. Sie werden in der Regel falsch benutzt, in unpassenden Zusammenhängen verwendet und infolgedessen falsch verstanden. Allerdings ist es bereits einem etwas naturwissenschaftlich Gebildeten klar, dass die Dinge nicht so einfach liegen können, wie sie in Gesprächen von Laien und auch in den Medien immer wieder zu hören sind. Zweifellos ist „Klimaschutz“ kein sinnfälliger Begriff, sondern ein sinnloses Schlagwort.
Schließlich ist besser informierten Zeitgenossen bekannt, dass es in Zeiten Hildegards von Bingen über viele Klimaperioden deutlich wärmer war als heute. Es handelte sich um die globalweite mittelalterliche Warmzeit (s. unter 2.4.4). Man hat vermutlich davon gehört, dass die Wikinger im mittelalterlichen Grönland von der Landwirtschaft leben konnten. Man kennt aber auch umgekehrt die berühmten Winterbilder holländischer Genremaler, wie z.B. Pieter Breughels Heimkehr der Jäger in Schnee und Eiseskälte und vermutet zutreffend, dass diese Zeitperiode (kleine Eiszeit) wesentlich kälter als heute war. Dann stellt sich die wichtigste Frage: War die relativ geringfügige globale Erwärmung des 20. Jahrhunderts natürlich, oder wurde sie durch anthropogene CO2-Emissionen verursacht? Und weiter: Ist es überhaupt sinnvoll und wünschenswert, gegen diese Erwärmung etwas zu unternehmen – vorausgesetzt, dies wäre überhaupt möglich? Schließlich waren die letzten 45 warmen Jahre vielen von uns als angenehm und keineswegs als katastrophal in Erinnerung.
Die korrekten Antworten auf solche Fragen erscheinen angesichts der Komplexität des Klimas nicht einfach. Es wird sich aber zeigen, dass sie dennoch möglich sind. Voraussetzung dafür ist, dass sie auf dem heutigen Stand der Klimaforschung basieren sowie möglichst verständlich und nachvollziehbar sind. Dies ist möglich, weil wir uns im Buch im Wesentlichen auf die Beantwortung folgender Kernfragen beschränken wollen:
Liegen die gemessenen Temperaturen oder ihre Änderungsgeschwindigkeiten nach der Industrialisierung im natürlichen Bereich der Klimavergangenheit, oder waren sie in jüngster Zeit ungewöhnlich?
Gab es seit Beginn der Industrialisierung klimahistorisch ungewöhnliche und schädliche Entwicklungen, wie beispielsweise zunehmende oder stärkere Extremwetterereignisse, Gletscherschmelzen, Meeresspiegelanstiege?
Was sagt die Physik über die erwärmende Wirkung des anthropogenen CO2 aus?
Können Klimamodelle die zukünftigen Klimaentwicklungen zuverlässig vorhersagen?
Was steht eigentlich in den Sachstands-Berichten des IPCC27 wirklich, denn kaum jemand scheint sie ernsthaft zu lesen?
Und schließlich am wichtigsten: Sind die Maßnahmen der Bundesregierung zum Klimaschutz –falls er denn überhaupt möglich wäre – verhältnismäßig?
Die hier im Buch gegebenen Antworten basieren auf Publikationen der begutachteten wissenschaftlichen Klima-Fachliteratur, zum Teil auch auf korrekten Aussagen des IPCC, einer politischen Organisation, die sich den von ihr selbst ausgesuchten Ergebnissen der Wissenschaft bedient: Nicht alle Aussagen des IPCC sind daher korrekt! So gut wie alle genannten Publikationen sind heute im Internet frei zugänglich. Die Quellen werden angegeben.
2.1 Klimavariabilität, Klimakatastrophen und der Mensch
Die Menschen können nicht sagen, wie sich eine Sache zugetragen, sondern nur, wie sie meinen, dass sie sich zugetragen hätte
(Georg Christoph Lichtenberg)
Die Natur kennt keine Katastrophen. Die Frage nach „Klimakatastrophen“ betrifft daher nur uns Menschen. Stellvertretende Beispiele sind die Missernten und Hungersnöte in der schon erwähnten „kleinen Eiszeit“, die von Mitte des 15. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte. In den kalten Wintern des 17. Jahrhunderts war oft die Ostsee komplett zugefroren. Damals verfügten die Menschen noch nicht über eine mit fossilen Brennstoffen angetriebene Technik, um mit solch harten Umweltverhältnissen fertig zu werden. Eine andere Klimakatastrophe fand im Zentralamerika des neunten Jahrhunderts statt und führte zum Untergang der Mayas infolge Jahrzehnte anhaltender Dürren. Diese beiden Beispiele mögen genügen, es sind fast beliebig viele weitere möglich.
Aktuell ist aber etwas ganz anderes mit „Klimakatastrophen“ gemeint: Es ist von zukünftigen Katstrophen die Rede, die wir Menschen selber durch unsere industriellen CO2-Emissionen in recht unbestimmter Zeit verursachen würden. Nun ist der Fußabdruck des Menschen auf der Erde tatsächlich nicht zu übersehen. Fast schon 8 Milliarden Menschen haben auf unserem Planeten endlose landwirtschaftliche Anbauflächen und ausufernde Städte zurückgelassen. Naturlandschaften mussten weichen. Bei klarem Himmel sind Kondensstreifen von Düsenjets erkennbar, aus Aerosolen entstandene Wolken, die den Durchgang des Sonnenlichts beeinflussen. Die Weltmeere verkommen an vielen Stellen zu Müllkippen und sind in ganzen Regionen bereits leergefischt. Der bei uns früher reichlich vorhandene Kabeljau ist zur Rarität geworden, und im Mittelmeer ist der Thunfisch von Ausrottung bedroht. Schließlich wurde im 20. Jahrhundert eine Zunahme der globalen Mitteltemperatur beobachtet.
Mit alleiniger Beachtung des letztgenannten Ereignisses sind freilich nur noch die Begriffe „Klimawandel“ und „globale Erwärmung“ zu vernehmen. Dabei werden immer wieder die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)27 als Zeugen bemüht, einer UN-Institution für das Thema „Klima“, die im Buch immer wieder erwähnt und zitiert wird. Das IPCC kommuniziert mit der Öffentlichkeit über seine schriftlichen Berichte, die alle frei im Internet abgreifbar sind. Es handelt sich dabei um die wissenschaftlich gehaltenen IPCC-Sachstandsberichte und die davon sorgsam zu unterscheidenden IPCC-Berichte für Politiker. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Berichtstypen? Ganz einfach: Die IPCC-Berichte für Politiker werden von den jeweiligen Regierungen mitgeschrieben! Als Folge davon fehlen in den politischen IPCC-Berichten diejenigen Aussagen der Sachstandsberichte, die nicht in die Politik des betreffenden Landes passen. Somit widersprechen die IPCC-Berichte für Politiker oft den IPCC-Sachstandsberichten. Das vorliegende Buch bezieht sich deswegen vorwiegend auf die IPCC-Sachstandsberichte. Leider werden insbesondere die IPCC-Sachstandsberichte von Medien-Redakteuren und politischen Entscheidungsträgern kaum beachtet, geschweige denn sorgfältig gelesen, woran sicher auch ihr exorbitanter Umfang Schuld ist. Andererseits sollte die heutzutage mögliche digitale Suchhilfe auch das Lesen sehr umfangreicher Schriften erleichtern. Wer die sehr umfangreichen IPCC-Sachstandsberichte daher dennoch liest, stellt überrascht fest, dass in ihnen gar keine „Klimakatastrophen“ vorkommen. Er entdeckt aber noch etwas Entscheidendes:
Es gibt keine einzige Stelle in den IPCC-Sachstandsberichten, in der „eine erhebliche menschgemachte Klima-Beeinflussung“ belegt wird.
Der wohl wichtigste Punkt der öffentlichen Diskussion ist die Befürchtung einer zukünftigen Zunahme von Extremwetterereignissen, wie Hurrikanen, Starkregen, Überschwemmungen, Dürren sowie weiteren Schadenswettern und ihren vermuteten Folgen wie beispielsweise Wald- und Tundrabränden. Über die Zukunft ist gut spekulieren, aber wir können zumindest für den Zeitraum bis heute, in denen doch bereits maßgebende menschgemachte CO2-Emissionen stattfanden, einmal nachfragen, ob Extremwetter denn zugenommen hätten. Unter 2.3.1 wird die detaillierte Antwort gegeben, sie ist negativ. In der vorindustriellen Vergangenheit allerdings gab es sehr einschneidende Klimaänderungen, die den heutigen Klimawandel an Stärke und Schnelligkeit weit übertrafen – und dies ganz ohne Zutun des Menschen. Steter Wandel des Klimas in allen Klimazonen der Erde ist naturgesetzlich. Der immerwährende Klimawandel hält für die Menschheit günstige und ungünstige Zeiten bereit, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Konstantes Klima gab es noch nie. Man denke dabei nur an die vielen Eiszeiten der letzten 2,5 Millionen Jahre (s. unter 2.4.2). In den Temperaturminima dieser Eiszeiten waren die skandinavischen Gletscher jedesmal bis weit nach Norddeutschland vorgerückt, und ein Großteil der Nordhemisphäre war unbewohnbar. Wir werden gute wissenschaftliche Gründe für eine Wiederkehr solcher Klimakatastrophen kennenlernen.
Aber noch einmal zurück zu Wetterextremen! Unvermeidbar immer wieder auftretende Extremwetter führen zu ansteigenden Sach- und Personenschäden, weil die Schadenswerte steigen. Dies wird aber sowohl von der ARD-Tagesschau, als verständlicherweise auch vom großen Versicherer Munich Re salopp und ohne sachlichen Nachweis als Folge „zunehmender Extremwetter“ verkauft. Wegen abnehmender Bauflächen wird zunehmend in durch Hochwasser oder Lawinen gefährdeten Gebieten gesiedelt. Die Anzahl der Menschen auf der Erde nimmt zu. Von den großen Versicherungen werden dagegen diese Schäden aus nachvollziehbaren Gründen dem Klimaeinfluss des Menschen zugeschrieben. Den gegen Wetterunbilden nur scheinbar abgesicherten Zivilisationsgesellschaften ist zudem eine grundlegende Erkenntnis abhandengekommen: Die Natur ist uns nicht freundlich gesonnen, und wir müssen uns – bei allem notwendigen Umweltschutz – immer vor ihr schützen. Das beginnt mit Impfungen gegen gefährliche Krankheiten und endet mit Schutzmaßnahmen tief gelegener Länder gegen Sturmfluten, Holland ist hier Musterbeispiel. Da der Mensch kaum ein Gefühl für die Wetterentwicklung über dreißigjährige Zeiträume besitzt, werden Extremwetter oft als ungewöhnlich empfunden. Die Erzählungen von älteren Leuten, die oft von schlimmeren Wetterverhältnissen zu berichten wissen, werden dabei regelmäßig ignoriert oder vergessen. Meteorologen haben für solche Irritationen über „gefühlt“ ungewöhnliches Extremwetter den kühlen Spruch des Fachmanns parat: „Das Gewöhnliche am Wetter ist seine Ungewöhnlichkeit“.
Von diesen Fakten unberührt, hat die deutsche Politik dennoch massive und extrem kostspielige Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg gebracht, die im zweiten Buchteil unter „Energie“ näher beschrieben werden. Reale Umweltprobleme geraten darüber in Vergessenheit. Der gebotene Schutz von Landschaften und Wildtieren wird durch heute über 200 m hohe Windturbinen aufgegeben. Windturbinen sind nichts anderes als extrem umweltschädliche Industrieanlagen, die riesige Bauschneisen in Wäldern verursachen und Unmengen von vergrabenem Stahlbeton in deutschen Naturschutzgebieten hinterlassen. Mit solchen Maßnahmen beabsichtigt die aktuelle deutsche Politik, die Emissionen des für unser Klima als schädlich definierten Treibhausgases CO2 unter Inkaufnahme extrem hoher Kosten zu reduzieren. Dabei sind Windräder alles andere als CO2-einsparend. Kernkraftwerke sind es dagegen wirklich. Der deutsche Aktivismus in CO2-Vermeidung lässt vor allem die realen Umweltgefahren in den Hintergrund treten: hier sind stellvertretend die Schädigung der Weltmeere durch Überfischung und Vermüllung, das Verschwinden von Regenwäldern und weltweit sinkende Grundwasserspiegel infolge zu starker industrieller und landwirtschaftlicher Entnahmen zu nennen.
In Befolgung der EU-Klimabemühungen werden durch Meinungslenkung von Politik und Medien die unzähligen Ursachen von Klimaänderungen hierzulande nur noch auf ein einziges Agens reduziert: Der durch Industrie und Landwirtschaft erzeugte Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre, einem Treibhausgas mit dem chemischen Kürzel CO2, verursache schädliche Klimaänderungen. Diese Annahme wird mit einer simplizistischen und zudem noch sachlich falschen Argumentationskette begründet:
1 Ende des letzten Jahrhunderts wurde es hierzulande wärmer, wobei allerdings seit etwa 20 Jahren die Temperaturen globalweit stagnieren (s. Bild 4 unter 2.2).
2 CO2 ist ein Treibhausgas, dessen Anteil in der Atmosphäre, vom Menschen verantwortet, zunimmt (s. Bild 20 unter 2.5.5).
3 Die jüngste Erwärmung wurde daher vom menschgemachten CO2 verursacht und wird sich in Zukunft schädlich auf das Weltklima auswirken.
Die aus den ersten beiden zutreffenden Behauptungen gezogene „Conclusio“ in der dritten Behauptung ist natürlich im Allgemeinen unzulässig. Sie könnte nämlich dem folgenden lustigen logischen Trugschluss entsprechen: „In vielen deutschen Gemeinden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts nahmen die Geburtenzahlen und gleichzeitig die Storchpopulationen ab, daher müssen die Kinder vom Storch gebracht worden sein"118.
Natürlich ist bei aller Statistik immer auch noch ein realer, kausaler Zusammenhang nötig, um nicht in eine logische Falle zu geraten. Dieser Zusammenhang wäre bei der Klimafrage der physikalische Nachweis, dass zusätzliches anthropogenes CO2 einen maßgebenden Einfluss auf die globale Erdtemperatur ausübt. Hierbei sind die entscheidenden Adjektive „zusätzlich“ und „maßgebend“. CO2 ist das zweitstärkste Treibhausgas nach dem Wasserdampf (s. Tabelle 1 unter 2.5.2). Entscheidend ist indessen nur, wie stark das zusätzliche, vom industrialisierten Menschen in die Erdatmosphäre entlassene CO2 erwärmt. Ist dieser Effekt stark, oder ist er vernachlässigbar? Nur um diese Frage kann sich eine seriöse Debatte drehen. Tatsächlich konnte bis heute kein direkter Nachweis einer Beeinflussung von Erdtemperaturen durch menschgemachtes CO2 auf der Basis von Messungen erbracht werden – geschweige denn der Nachweis eines „maßgebenden“ Einflusses.
Klima-Alarm wird trotz dieses fehlenden Nachweises dennoch von Politik und den meisten Medien als evident vorgegeben. Einwände von Klimaforschern, die Besonnenheit anmahnen, werden als Erbsenzählerei von unbelehrbaren „Klimaskeptikern“ abgetan. Immerhin sagen die wissenschaftlichen IPCC-Berichte lediglich aus, dass eine maßgebende anthropogene Beeinflussung der Klimaentwicklung nur geschätzt wird. Dieses wichtige Caveat (estimated = geschätzt) im IPCC-Bericht für Politiker28, lautet im Wortlaut zitiert „Human activities are estimated to have caused approximately 1.0 °C of global warming above pre-industrial levels“. Dies ist wohlgemerkt erst eine Schätzung der unbekannten anthropogenen Erwärmung bis heute. Was die Güte der Schätzungen angeht, welche erst die Zukunft betreffen, sollte sich der Leser gegen mögliche Enttäuschung wappnen. Die Folgen solcher Zukunftsschätzungen des IPCC manifestieren sich zudem erst in 100 Jahren – wohlgemerkt, falls richtig „geschätzt“ wurde. Bis dahin leben die „Schätzer“ nicht mehr. Dies ist sicher ein entscheidender Unterschied zu dem, was viele Medienredakteure und Politiker glauben, den IPCC-Berichten entnehmen zu dürfen. In den wissenschaftlichen IPCC-Berichten ist natürlich deswegen nur von Schätzungen die Rede, weil Wahrscheinlichkeiten, deren Signifikanz29 nicht belegbar ist, nun einmal freie Schätzungen sind und mit ordentlicher Statistik wenig zu tun haben. Entsprechend basieren die Wahrscheinlichkeitsaussagen des IPCC auch auf der umstrittenen Bayes-Statistik30.
Die Kristallkugel, aus der das IPCC seine Zukunftsschätzungen abliest, sind Klimamodelle, keine Messdaten! Klimamodelle liefern darüber hinaus nur Szenarien und keine Prognosen (s. unter 2.5.4). Ob solche „Szenarien“ für politische Entscheidungen brauchbar sind, darf bezweifelt werden. Mit Klimamodellen wird, wohl zum ersten Mal in der Geschichte der modernen Naturwissenschaften, die Beweislast für physikalische Aussagen umgekehrt. Modelle hatten sich stets nach den Messungen zu richten. Heute hat man dieses bewährte Grundparadigma der Physik in der Klimamodellierung auf den Kopf gestellt. Der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman hatte lange vor dem Klima-Hype zu diesem Thema allgemein und unmissverständlich Stellung bezogen:
Egal, wie bedeutend der Mensch ist, der ein Modell vorstellt, egal, wie elegant es ist, egal wie plausibel es klingt, egal wer es unterstützt, wenn es nicht durch Beobachtungen und Messungen bestätigt wird, dann ist es falsch.
Die wichtigste Frage besteht nun offenbar darin, ob es sinnvoll ist, auf eine Bedrohung zu reagieren, die nur mit Szenarien von unsicheren Modellen begründet wird. Dies könnte allenfalls sinnvoll sein, wenn die Bedrohung mit belastbaren Fakten und einer nachvollziehbaren Signifikanzanalyse belegt werden kann. Anderenfalls handelt es sich um herausgeworfenes Geld, das dem echten Umweltschutz fehlt. Als Musterbeispiel für eine zuverlässige Prognose kann das weitere Ansteigen der Erdbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten genannt werden. Die Erwachsenen der nächsten Generation sind nämlich bereits geboren. Schwächere Kandidaten sind Katastrophen, die zwar real sind, aber mit nur extrem kleiner Wahrscheinlichkeit auftreten. Hier wäre etwa der Einschlag eines großen Meteoriten zu nennen, der einen erheblichen Teil der Weltbevölkerung auslöschen und die Erde für Jahrzehnte unbewohnbar machen kann. Auch eine weltweite tödliche Pandemie würde zu dieser Gruppe gehören. Schwächster Kandidat aller Bedrohungen ist dagegen eine menschgemachte Klimakatastrophe. Bei ihr ist sogar ihre Existenz unsicher und sie ist unmöglich mit einer Wahrscheinlichkeit zu beziffern. Daher ist es nunmehr nachvollziehbar, dass nachdenkende Mitbürger anfangen misstrauisch zu werden und kritische Fragen zu stellen. Äußerungen von renommierten Klima-Fachexperten liefern auf solche Fragen die ersten Antworten, wie zum Beispiel von
Heinz Miller, Professor i. R. und ehemaliger stellvertretender Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven „Klima lässt sich nicht schützen und auf einer Wunschtemperatur stabilisieren. Es hat sich auch ohne Einwirkung des Menschen oft drastisch verändert. Das Klima kann nicht kollabieren. Natur kennt keine Katastrophen. Was wir Menschen als Naturkatastrophen bezeichnen, sind in Wahrheit Kulturkatastrophen, weil unser vermeintlicher Schutz vor äußeren Unbilden versagt. Wer Häuser dicht am Strand, am Fluss oder in Lawinengebieten baut, muss mit Schäden rechnen"31, 2007.
Georg Delisle, Klimaforscher i. R. an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover: „Wir haben Zweifel, ob der Kohlendioxidausstoß wirklich einen so großen Anteil an der Erwärmung hat, und ob das alles so schlimm wird, wie von den Klimafolgenforschern beschworen"32, 2007.
Augusto Mangini, Professor i. R. für Paläoklimatologie an der Universität Heidelberg „Nein, unser Planet wird nicht sterben. Und der moderne Mensch ist an der Erwärmung vermutlich weniger schuld, als die IPCC-Berichte suggerieren"33, 2007.
Nils-Axel Mörner, Professor i. R. für Paläogeophysik an der Universität Stockholm und 1999-2003 Präsident der INQUA Commission on Sea Level Changes and Coastal Evolution: „Die Behauptung, dass Meeresspiegel ungewöhnlich ansteigen, ist kompletter Betrug"34, 2011.
Judith Curry, Professorin i. R. für Geo- und Atmosphärenwissenschaften am Georgia Institute for Technology, zu den angesehensten Klimaexperten weltweit gehörend, schreibt auf ihrem Internet-Blog unter „Challenging the 2°C target“, am 3. Okt. 2014 „…die unbequeme Wahrheit, dass es keinen Nachweis eines Anstiegs der meisten Typen von Extremwettern gibt und es extrem schwierig ist irgendeine Änderung dem Menschen zuzuordnen…"35, 2014.
500 Wissenschaftler, darunter zahlreiche Klimaexperten in ihrer Eingabe an António Guterres, Generalsekretär der UN schreiben „There is no climate emergency: A global network of more than 500 knowledgeable and experienced scientists and professionals in climate and related fields have the honor to address to Your Excellencies the attached European Climate Declaration, for which the signatories to this letter are the national ambassadors. The general-circulation models of climate on which international policy is at present founded are unfit for their purpose. Therefore, it is cruel as well as imprudent to advocate the squandering of trillions of dollars on the basis of results from such immature models. Current climate policies pointlessly and grievously undermine the economic system, putting lives at risk in countries denied access to affordable, reliable electrical energy. We urge you to follow a climate policy based on sound science, realistic economics and genuine concern for those harmed by costly but unnecessary attempts at mitigation……"293, 2019.
Ist es aber vielleicht doch nur eine verschwindende Minderheit von Fachwissenschaftlern, die sich hier äußert? Die Antwort lautet „Nein“. Gleichgerichtete Anmerkungen von praktisch beliebig vielen skeptischen Klimaexperten sind mehr als ausreichend und überdeutlich dokumentiert (s. unter 3.5.3). Internationale Studien, die angeblich einen 97-, 99- oder sogar 100-prozentigen Konsens unter Klimawissenschaftlern festgestellt haben wollen, halten den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens nicht stand, wie unter 3.5.3 gezeigt wird. Leider wird darüber von den deutschen Medien nicht berichtet. Die Gegenstimmen unzähliger Experten widerlegen die Behauptung, dass Kritik allenfalls von wissenschaftlichen Außenseitern geäußert werde. Hinzu kommt ein noch größerer Anteil an Fachexperten, die sich öffentlich bedeckt halten, um beruflichen Ärger zu vermeiden. Infolgedessen ist unbedingt zu unterscheiden: Auf der einen Seite zwischen der fachlich privaten Auffassung von Klimaforschern, welche, im Gegensatz zu den oben zitierten Stimmen, zur Wahrung ihrer Forschungsmittel und ihres Arbeitsplatzes schweigen und auf der anderen Seite einem politisch propagierten „Konsens“ über die Klimaschädlichkeit des anthropogenen CO2.
Fest steht: Die Klimawissenschaft ist sich in der Einschätzung über den Einfluss des anthropogenen CO2 keineswegs einig. Zur Vermeidung von Missverständnissen muss allerdings daran erinnert werden, dass CO2 nach dem Wasserdampf das zweitstärkste Treibhausgas ist und damit anthropogenes CO2 allein aus physikalischen Gründen einen erwärmenden Einfluss auf Erdtemperaturen ausüben muss. Der entscheidende Punkt ist, ob dieser Einfluss maßgebend, oder ob er vernachlässigbar klein ist. Nur im erstgenannten Fall wären Emissionsreduktionen von CO2 geboten. Dies klingt freilich unlogisch. Wie kann der Einfluss des anthropogenen CO2 unmaßgeblich klein sein, wenn es ein starkes Treibhausgas ist? Die detaillierte Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs wird unter 2.5.2 gegeben.
Obwohl viele physikalische Antriebe des Klimawandels der Wissenschaft bekannt sind, kann man immer noch zutreffend von einer fast vollständigen Unkenntnis darüber sprechen, wie die beobachteten Klimaentwicklungen der Klimavergangenheit zustande kamen. Sind den politischen Entscheidungsträgern diese Unsicherheiten gewärtig? Da offiziell von ihrer Kenntnisnahme keine Rede ist und die politisch propagierten und zum Teil schon ergriffenen Maßnahmen zum „Klimaschutz“ einschneidende Folgen für uns alle haben werden, sollte sich jedermann sorgfältig selber informieren und seine Verantwortung als mitdenkender Bürger und Wähler wahrnehmen. Maßnahmen zum „Klimaschutz“ sind nämlich nicht nur extrem kostspielig, sondern sie beschneiden auch die freiheitliche Lebensgestaltung eines jeden von uns. Beispiele sind die gesetzlichen Maßnahmen der Energiewende und die Ökodesignrichtlinien der EU, die in deutsche Gesetze übernommen wurden und uns, um nur zwei Beispiele zu nennen, immer strikter in den Wahlmöglichkeiten von elektrischen Küchengeräten oder Beleuchtungsmitteln beschneiden. Daher ist ein auf ordentlicher Information basierendes Eingreifen höchstes Gebot. Zurzeit existiert wieder einmal der politische Antrag, „Klimaschutz“ ins Grundgesetz aufzunehmen. Würde dies Realität, würde sogar das vorliegende Buch in die Nähe der Ungesetzlichkeit geraten.
Die verständliche Resignation von Laien angesichts der Komplexität von Klimazusammenhängen, die angeblich nur von wenigen Spezialisten verstanden werden können, kommt einem Verzicht auf das eigene Denken gleich. Die Entscheidung über weitgreifende Maßnahmen wird damit nämlich in die Hände von Politikern gelegt, die den Fachexperten einer von der Fraktionsdisziplin festgelegten Meinungsrichtung zu „glauben“ haben und alle wissenschaftlichen Gegenstimmen ausblenden müssen. Ist man dagegen willens, sich selber zu informieren und zu urteilen, wird objektive, neutrale Information benötigt. Dieses Buch bietet sie. In ihm werden Klimafakten beschrieben, die in den deutschen Medien nicht vorkommen, weil ihre Thematisierung – im Gegensatz zu Zeiten noch vor wenigen Jahren – nicht mehr erfolgt.
Die sich ergebenden Schlussfolgerungen aus den Fakten geben aber leider nicht zu Optimismus Anlass. Die Natur nimmt auf uns Menschen keine Rücksicht. Sie wird uns, wie schon in der Vergangenheit, auch zukünftig immer wieder Klima- und Wetterextreme bescheren. Etwas Optimismus ist aber dennoch angebracht, weil der Mensch auf die Klimaentwicklung keinen maßgebenden Einfluss ausübt. Dies könnte sich allenfalls mit indiskutabler Gewalt, wie „Geo-Engineering“ oder einem Weltkrieg mit Verwendung des Großteils aller Kernwaffen dieser Erde ändern. Da bis heute kein Einfluss steigender atmosphärischer CO2-Konzentrationen auf Erdtemperaturen nachweisbar ist, es gibt ihn, er ist aber infolge seiner Geringfügigkeit von den natürlichen Temperaturschwankungen nicht unterscheidbar, ist CO2-Vermeidung wirkungslos (s. unter 2.5.3 und 2.7). CO2-Vermeidung hat ferner nichts mit Naturschutz oder Umweltschutz zu tun, sondern verausgabt lediglich Mittel, die für den Naturschutz verloren sind. Die von der derzeitigen deutschen Regierung propagierte Klimapolitik gehört daher auf den öffentlichen Prüfstand, der die wissenschaftlichen Gegenstimmen zu Wort kommen und ihre Aussagen durch von politisch neutralen Sichtern ausgewählte Experten weltweit überprüfen lässt. Dies erfolgte bislang nicht.
2.2 Klima-Fakten
Vom Wahrsagen lässt sich’s wohl leben in dieser Welt, aber nicht vom Wahrheitsagen
(Georg Christoph Lichtenberg)
Das menschliche Gedächtnis ist kein guter Klima-Ratgeber. Nehmen wir als willkürliches Beispiel den Sommer 1968! Wie war er damals? War er verregnet, oder gab es über viele Wochen nur Prachtwetter mit heißen trockenen Tagen? Auch diejenigen, die diese Zeit bewusst erlebt haben, wissen es im Allgemeinen nicht mehr, es sei denn, markante Ereignisse lassen sich mit der gesuchten Erinnerung verknüpfen. So kann sich der Autor zufällig noch gut an einen der sehr seltenen, wirklich warmen Sommerabende Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts nur deswegen erinnern, weil hier ausnahmsweise der seit Jahren erforderliche Pullover unnötig war. Hierzulande musste es daher in den 60er Jahren, verglichen mit den 80er Jahren bis heute, kälter gewesen sein. Und so war es auch.
Aber wie stark waren die letzten großen Überschwemmungen im Vergleich zu früher? Erst im Jahre 2002 ist Dresden schwer geschädigt worden. Auch hier versagt die Erinnerung. Wird es schlimmer? Zumindest die andersartige Aussage der alten Brücke in Heidelberg wurde bereits erwähnt (s. Bild 1 unter 1.1). Im Internet findet sich eine detaillierte Foto-Strecke über historische Spundwände mit ihren Hochwassermarken in Deutschland und seinen Nachbarländern, wobei sich der Heidelberger Brückenbefund bestens bestätigt36. Die höchsten Pegelmarken finden sich generell in kälteren Zeiten, in denen es noch kein anthropogenes CO2 gab. Sogar das Extremhochwasser der Elbe im Jahre 2002 hatte im Jahre 1845 einen Vorgänger mit etwa gleich extremen Pegelwerten. Immerhin gibt es eine Auflösung des Hochwasserrätsels. Überschwemmungen werden als ansteigend empfunden, weil vermehrt in hochwassergefährdeten Gebieten gesiedelt wird, die Versicherungsschäden ansteigen und inzwischen weltweit über solche Ereignisse berichtet wird. Bei zweifelhaftem Verlass auf die Technik wird die Natur unterschätzt. Nicht nur in der Regenbogenpresse wird jedoch das leicht nachprüfbare Faktum einer nicht existierenden Zunahme von Hochwasserhöhen immer wieder ins Gegenteil verkehrt und jedes Hochwasserereignis ursächlich der globalen Erwärmung zugeordnet. Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass den Hochwassern in der Vergangenheit mehr Ausweichflächen zur Verfügung standen als heute. Flüsse waren damals noch nicht versiegelt. Seit spätestens 2018 spricht die deutsche Binnenschifffahrt im Übrigen wieder mehr von Niedrigwasser37 als von Bedrohung durch Hochwasser. Man darf zuverlässig erwarten, dass sich dies mit den nächsten Hochwasserereignissen wieder ändern wird.
Um nun einen Eindruck von der hohen Variabilität des Niederschlags in Deutschland zu erhalten, sind die vom Deutschen Wetterdienst herausgegebenen Daten hilfreich. Änderungen von einem Viertel des mittleren Niederschlags zum nächsten Jahre nach oben oder nach unten sind völlig normal. Bild 2 zeigt die Niederschläge Deutschlands in den Jahren 1881 bis 2018. Der lineare Trend zeigt eine leichte Steigerung von rd. 69 mm ab 1881 bis heute. Eine Aussage der Art „katastrophale Klimaänderung der Regenereignisse“ geben die Daten nicht her. Es ist nichts Ungewöhnliches über die recht hohe natürliche Variabilität hinaus erkennbar.
Bild 2:
Niederschlags-Jahressummen ganz Deutschlands der Jahre 1881 bis 2018. Die grüne unterbrochenen Line ist der lineare Trend, die hellbraune unterbrochene Linie der Mittelwert (beide von 1881-2018). Bild erstellt aus den numerischen Daten des deutschen Wetterdienstes DWD, Trendlinie und Mittelwert aus eigener Berechnung.
Wie bereits erwähnt, gilt gemäß den statistischen Untersuchungen des IPCC für alle globalweiten Extremwetter Ähnliches wie bei den Hochwassern. Unter 2.3.1 wird auf die wichtige Frage nach Extremwettern als vermutete Folgen des Klimawandels noch im Detail eingegangen.
Die Forscher Fourier und Tyndall waren Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten, welche auf die erwärmende Wirkung von Treibhausgasen in der Atmosphäre hinwiesen. Arrhenius berechnete im Jahre 1896 die globale Temperaturerhöhung, die eine theoretische Verdoppelung des CO2-Gehalts bewirken würde. Seine Rechnung ist heute überholt, aber auch nicht viel ungenauer als die der modernsten Computer-Klimamodelle. Im Jahre 1957 schließlich wiesen die US-Ozeanographen Revelle und Suess auf eine mögliche globale Erwärmung durch CO2 hin38. Seit den Zeiten dieser Forscher wurden unzählige neue Detailkenntnisse gewonnen, eine Beschreibung der Forschungsgeschichte des Klimawandels findet sich in Wikipedia39. Bei all diesen Bemühungen konnte aber bis heute kein belastbarer Beweis für eine menschgemachte Schuld an irgendeinem Klimawandel aufgefunden werden.
Das Klimabild hatte sich Ende des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Bewusstsein gefestigt. Die warmen Sommer in Süddeutschland, in denen man im kurzärmligen Hemd seinen Wein bis in die Nacht hinein in Gartenwirtschaften trinken konnte, waren von Ausnahmen zur gewohnten Regel geworden. Meteorologen und Klimaforscher bestätigten diesen Eindruck. In unseren Breiten hatte die bodennahe Mitteltemperatur zugenommen. Man sprach von „Klimawandel“ oder sogar von „globaler Erwärmung“. Damit war eine überall auf der Erde vermutete Entwicklung gemeint. Inzwischen erfolgte wieder eine globalweite Umkehr. Spätestens seit dem Jahre 1998 war es mit dem Anstieg vorbei, die globale Mitteltemperatur stagnierte, der Begriff „Hiatus“ kam dafür auf. Man erkennt den Hiatus in den Satellitendaten40, wobei die beiden starken El Niños der Jahre 1998 und 2017 optisch hervorragen. Die Bedienung der betreffenden Internet-Seite ist einfach: den button „browse time series“ anklicken und unter „region“ die gewünschte Erdzone einstellen. Empfehlenswert ist, im Grafikbereich unter „History“ auch einmal „recent“ anzugeben. Die linearen Regressionsgeraden in den Grafiken sind leider wenig aussagekräftig, sie wären besser in die Bereiche von 1980 bis 1998 und 1998 bis heute aufgeteilt worden. Wer sich ein wenig mit EXCEL auskennt, kann dies aber leicht selbst bewerkstelligen, weil unter „Download Data“ die numerischen Daten erhältlich sind. Ob der Hiatus eine neue Klimawende eingeleitet hat, steht wegen der Kürze des Zeitraums von 20 Jahren noch nicht fest.
Bemerkenswert ist, dass kein Klimamodell den Hiatus vorhersagen konnte. Und im Übrigen: Trifft eigentlich die immer wieder gebrauchte Bezeichnung „global“ im Zusammenhang mit Erderwärmung tatsächlich zu? Die IPCC-Aussage dazu basiert auf nicht übermäßig vielen Temperaturstudien, die FAS hat 2007 insgesamt 75 wissenschaftliche Studien gezählt, die bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreichen276. Inzwischen sind viele weitere Arbeiten hinzugekommen. Was sagen diese Studien aus? Überwiegend weisen die meisten Messorte über das gesamte 20. Jahrhundert Erwärmung auf, viele aber zeigen auch Abkühlung (s. hierzu Bild 3 oben). Insbesondere trotzte die Südhemisphäre der Erwärmung. Hier wurde es im Mittel wesentlich schwächer warm als auf der Nordhalbkugel, manchmal sogar kälter. Die im oben erwähnten FAS-Artikel angesprochenen Studien basieren im Wesentlichen auf Daten aus Nordamerika, Europa und Russland. Die Arktis und Antarktis haben nur eine schmale Datenbasis. Große Teile von Afrika, Südamerika, Südostasien und natürlich die Ozeane fehlen fast völlig, wenige Inseln ausgenommen. Hieraus ein globales Bild abzuleiten ist fragwürdig, nur eine rezente Erwärmung in den nördlichen Weltzonen, so auch bei uns in Deutschland, ist belegt.
Im Jahre 2003 erschien eine Studie von J.F. Eichner und Mitautoren41, zu denen auch Prof. Hans-Joachim Schellnhuber gehörte, mediennaher ehemaliger Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), ehemaliger Direktor des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen (WGBU42)“ und Klimaberater der Kanzlerin Angela Merkel. In dieser Studie wurden 95 weltweit verstreute Temperaturreihen analysiert, deren Längen sich von etwa 50 bis weit über 100 Jahre erstrecken. Bemerkenswertes Ergebnis dieser Studie ist, dass mit Ausnahme von drei hohen Bergspitzen keine Anzeichen einer globalen Erwärmung gefunden wurden! Im Wortlaut heißt es in dieser Arbeit: „In the vast majority of stations we did not see indications for a global warming of the atmosphere. Exceptions are mountain stations in the Alps [Zugspitze (D), Säntis (CH), and Sonnblick (A), where urban warming can be excluded“. Im Jahre 2011 schließlich erschienen zwei weitere Publikationen, in denen weit mehr Stationen als in Schellnhubers Arbeit vom Jahre 2003 untersucht wurden. In der ersten Veröffentlichung, die der Buchautor und Mitautoren zeichneten43, waren es rund 2500 Stationen, in der zweiten Publikation der US-Universität Berkeley gar über 30.000, davon aber viele nur wenige Jahrzehnte lang44. Beide Studien weisen etwa die gleichen Ergebnisse aus – kommen aber zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Insbesondere stellte sich heraus, dass in einem Viertel aller Stationen weltweit über das 20. Jahrhundert eine Temperaturabnahme und kein Anstieg stattfand. Hieraus auf eine globale und maßgebende Erwärmungswirkung des anthropogenen CO2 zu schließen, ist daher zumindest fragwürdig.

Bild 3, oben:
Land-Ozean-Temperatur-Index, bezogen auf den Juli-Mittelwert zwischen 1951–1980 mit Erwärmungszonen (rot) und Abkühlungszonen (weiß bis blau), Bildquelle 45 . Unten: Bipolare Meeresschaukel, Arktistemperatur (blau), Antarktistemperatur (rot), Bildquelle. 45
Die Schlussfogerung der mit den Messungen gewonnenen Resultate ist, dass eine vermutete Erwärmungswirkung des anthropogenen CO2 allenfalls nur unbedeutend klein sein kann. Zumindest kann man diese Erwärmungswirkung bis heute nicht vom natürlichen Temperaturrauschen unterscheiden. Oben in Bild 3 ist der Trend von bodennahen Mitteltemperaturen zwischen 1979 und 2005 zu sehen. Für den Widerspruch zwischen Erwärmungs- und Abkühlungsgebieten gibt es noch keine allgemein akzeptierte Erklärung. Darüber hinaus ist dieser Trend auch nicht fest, sondern ändert sich mit der Zeit und kehrt sich in etwa 70 Jahren komplett um. In der Fachwissenschaft wird von einer „bipolar seesaw“ (bipolaren Meeresschaukel) gesprochen46, diesen Effekt zeigt Bild 3 unten.
Die geringfügigen Klimaänderungen des 20. Jahrhunderts haben sich zwar ungleichmäßig in unterschiedlichen Breiten ausgewirkt, man sollte aber erwarten, dass sich eine homogen höhere CO2-Konzentration auf der Erde infolge anthropogener CO2-Emissionen gleichmäßig in Richtung Erwärmung bemerkbar macht. Der weltbekannte US-Klimaforscher Richard S. Lindzen verwendete hierfür den Begriff „gross forcing“. Weil es im 20. Jahrhundert auf der Erde überwiegend wärmer, in einigen Zonen aber auch kälter wurde, ist dies, wie schon erwähnt, ein starker Hinweis auf einen unmaßgeblichen Einfluss des anthropogenen CO2. Als Spekulationen über die Ursache der stärkeren Erwärmung am Nordpol können mögliche Klimafolgen des nordpolaren Flugverkehrs genannt werden, der sich vorwiegend auf der Nordhemisphäre abspielt, aber auch die deutlich höhere Landkonzentration auf der Nordalbkugel. Viele Flugrouten überqueren den Nordpol, und infolgedessen werden dort durch Kerosinverbrennung erhebliche Mengen Wasser, aber auch Schwefel-Aerosole in der trockenen arktischen Atmosphäre erzeugt. Die aus Bild 3 hervorgehende Datenlage verdeutlicht jedenfalls, dass wir schon bei dem als sicher vermuteten Vorgang der „globalen Erwärmung“ mit Fakten konfrontiert werden, die den gängigen Vorstellungen nicht entsprechen. Dies ist für so gut wie alle Klimafragen typisch. Stets gibt es große Unsicherheiten, Widersprüche und Unkenntnisse. Wir werden noch mehr davon im Verlauf des Buchs kennenlernen.
Kommen wir nun zum Zeitpunkt der Industrialisierung um 1850. Ab diesem Jahr bis heute gab es ein stetiges Auf und Ab innerhalb eines ansonsten leicht ansteigenden Trends. Temperatur- und CO2-Verlauf ist in Bild 4 gezeigt, von 1850 bis 2018 in Gestalt der HADCRUT4-Temperaturkurve des britischen Climate Research Unit (CRU) sowie von 1979 bis 2018 zusätzlich als Satellitenmessungen. Schließlich ist auch noch die CO2-Konzentration angegeben. Die Temperaturkurven sind Anomalien, die CO2-Konzentrationen Realwerte. Bei einer „Anomalie“ werden die Werte einer Zeitreihe als Abstände zu einem willkürlich gewählten „Nullwert“ angegeben. Zu jeder Anomalie gehört die Angabe dieses zugehörigen Nullwertes. Oft wird als Nullwert der Anomalie der reale Mittelwert der Reihe verwendet. Generell werden viele Abbildungen im Bereich der Klimaforschung als Anomalien angegeben.
Die Temperatursteigerungen in Bild 4 ab etwa 1910 werden von den Klimawarnern stets als Beleg für ihre Befürchtungen angeführt. Sie „vergessen“ dabei zu erwähnen, dass um 1850 die „kleine Eiszeit“ zu Ende ging. Danach musste es mit der Temperatur zwangsweise wieder aufwärts gehen, denn sonst würden wir immer noch in dieser ungewöhnlich kalten Zeitperiode verharren. Die Temperatur in Bild 4 zeigt ab 1850 bis 1910 noch einen leichten Temperaturrückgang, der sich danach in einen kräftigen Anstiegt bis 1935 verwandelt. Nach dem sehr warmen Jahr 1935 geht es mit den globalen Mitteltemperaturen bis Mitte der 1970er Jahre wieder bergab. Danach beginnt wiederum ein Erwärmungstrend, der gemäß den verlässlicheren Satellitendaten um 1998 endet und danach in ein Plateau etwa gleichbleibender Temperatur bis zum heutigen Tage mündet. Die Zeitspanne von 1998 bis heute wird als „Hiatus“ bezeichnet, wobei die beiden auffälligen Peaks 1998 und 2016 starke El Niño Ereignisse193 waren. Der in Bild 4 gezeigte CO2-Verlauf zeigt über 43 Jahre von 1975 bis 2018 eine gute Korrelation mit HADCRUT4. Diese beschränkt allerdings auf nur noch 23 Jahre von 1975 bis 1998, wenn man ab 1998 nicht mehr HADCRUT4, sondern die verlässlicheren Satellitenwerte verwendet. Von den Klimawarnern wird der Temperaturverlauf ab 1975 als wichtigste Stütze der CO2-Hypothese einer menschgemachten Erwärmung angesehen.
HADCRUT4 weist die folgenden ernsthaften Widersprüche auf:
1 Die fehlende Übereinstimmung von HADCRUT4 und den Satellitendaten ab 1998. Im Jahre 2008 beträgt der Unterschied sogar 0,3 °C. Die Ballonmessungen (s. Bild 19 unter 2.5.4) bestätigen die Satellitendaten. Daher ist HADRUT4 zumindest ab 1979 wahrscheinlich falsch!
2 Widerspruch von HADCRUT4 zu den Angaben von Phil Jones und Mitautoren sowie von J. von Hann: Es geht hier um den Zeitraum von 1908 bis 2000 sowie um reale Temperaturen und keine Anomalien. Für die globale bodennahe Temperatur von 1961 bis 1990 geben die Klimaforscher Phil Jones und Mitautoren in einer 1999 von den Reviews of Geophysics der geophysikalischen Union (USA) veröffentlichten Studie den Wert 14 °C an47. Ab hier geht es gemäß den Satellitendaten in Bild 4 nur noch um etwa 0,4 °C herauf bis heute, so dass die aktuelle globale Mitteltemperatur 14 + 0,4 = 14,4 °C beträgt. Prof. Julius von Hann48, Vater der modernen Klimaforschung, gab in seinem 5. Handbuch für Klimatologie für das Jahr 1908 als globales Temperaturmittel eben diesen Temperaturwert von 14,4 °C an. Er verfügte damals über Temperaturdaten, die noch nicht durch industrielle Wärmequellen oder den UHI-Effekt119 verfälscht waren. Gemäß Julius von Hann und der Publikation von P. Jones et al. gab es von 1908 (oder sogar 1850) bis heute, keine globale Erwärmung!320
3 Widerspruch von HADCRUT4 zu weiteren Quellen: Weiter oben wurde die Temperaturstudie besprochen, in welcher der prominenteste Klimawarner Deutschlands, Hans-Joachim Schellnhuber, Mitautor war. In ihr wurde keine globale Erwärmung im 20. Jahrhundert gefunden41. Zwei davon unabhängige weitere Facharbeiten43,44 geben an, dass von Tausenden weltweiten Temperaturreihen des letzten Jahrhunderts etwa ein Viertel Abkühlung und keine Erwärmung aufweisen. Zweifel, ob von einer maßgebenden globalen Erwärmung im 20. Jahrhundert gesprochen werden darf, äußern auch die Klimaexperten Joseph D’Aleo und Anthony Watts, wobei sie auf die starke Erwärmung in den 1930er Jahren hinweisen49.
Unter 2.4.4 wird auf das brisante Thema wissenschaftlicher Widersprüche, welches hier im Buch mit den Fragwürdigkeiten der HADCRUT4-Temperaturkurve zum ersten Mal angesprochen wird, noch ausführlicher eingegangen. In Anbetracht dieser Widersprüche und Unsicherheiten sind bereits an dieser Stelle schon zwei Behauptungen der Klimawarner als fragwürdig zu erkennen: Die Temperaturentwicklung seit 1850 sei durch das angestiegene anthropogene CO2 verursacht, weil es einen statistischen Gleichlauf (Korrelation) gäbe und weiter, seit 1850 oder seit 1908 habe eine ungewöhnliche und maßgebende Steigerung der globalen Mitteltemperatur stattgefunden. Eine endgültige Beantwortung der Zentralfrage, wie weit der Mensch für den rezenten Klimawandel verantwortlich ist, kann aber erst nach Sichtung aller zugehörigen Aspekte unter 2.7 erfolgen.
Bild 4:
Globale Mitteltemperatur HADCRUT4 von 1850 bis 2018 (blau), globale Mitteltemperatur aus Satellitenmessungen von 1979 bis 2019 (rot) und CO 2 -Konzentration der Atmosphäre (grün), alle Reihen erstellt aus den numerischen Daten 50 , 51 , 52 . Lineare Regressionsgeraden 120 in HADCRUT4 in den Zeitspannen 1850–1911, 1911–1944, 1944–1976, 1976–2001 (schwarz unterbrochen). Wegen unterschiedlicher Anomalie-Nullwerte wurden die Satellitendaten um 0,18 °C angehoben, so dass sie sich mit HADCRUT4-Daten 1979-1980 deckten.
2.3 Die Folgen des Klimawandels
Mit Wellen, Stürmen, Schütteln, Brand, geruhigt bleibt am Ende Meer und Land
(Johann Wolfgang Goethe)
Welche Folgen würde ein dauerhaft wärmeres Klima in unserem Land eigentlich nach sich ziehen? Auf jeden Fall mehr positive als negative! Ein mehr mediterranes Klima wäre für ein Land mit ausreichenden Wasservorkommen, wie Deutschland, generell vorteilhaft. Stellvertretend ist nur der Energiespareffekt infolge geringeren Gebäudeheizens zu nennen. Die oft beschworene Wiederkehr von Gift-Schlangen, Giftspinnen und zahlreichen Tropenkrankheiten, die Schädigung von kreislaufgeschwächten Mitbürgern durch zu hohe Temperaturen und weiteres mehr, weisen an Stelle sachlicher Substanz mehr Unterhaltungswert auf. So ist beispielsweise die Verbreitung von Malaria praktisch temperaturunabhängig. Die größte Malaria-Epidemie aller Zeiten mit über 600.000 Toten brach nicht in den Tropen, sondern während der 1920er Jahre im hohen Norden Russlands aus53. Neue Bedrohungen, wie zum Beispiel das West-Nil-Virus oder die asiatische Tigermücke, haben nichts mit globaler Erwärmung, sondern mit dem globalisierten Warenverkehr zu tun. So wurde ein zuvor unbekanntes Transportversteck von Mücken, die Tropenkrankheiten auch in europäische Länder bringen, in alten Autoreifen gefunden, die weltweit per Schiff quer über den Globus zur Wiederverarbeitung transportiert werden. Übergangen wird bei den Warnungen vor Erwärmung auch, dass mehr kälteres als wärmeres Klima zu gesundheitlichen Schädigungen, wie grippale Infekte oder Erfrierungen beiträgt. Von erhöhter Sterblichkeit in wärmeren Ländern, bei vergleichbarem Entwicklungsstand, ist nichts bekannt.
2.3.1 Extremwetter
Klimaerwärmung lässt vordergründig einen Verstärkungstrend für heftige Wetterereignisse erwarten, wenn man davon ausgeht, dass chemische Reaktionen bei höherer Temperatur schneller ablaufen. Diese Sicht beruht aber auf meteorologischer Unkenntnis. Unwetter und Stürme hängen nicht von absoluten Temperaturen, sondern von Temperaturdifferenzen ab54. Nur wenn sich die Temperaturdifferenz zwischen Polar- und Äquatorial-Gegenden erhöht, muss mit heftigeren Extremwetterereignissen gerechnet werden. Betrachtet man nun die jüngste Klimaänderung, wird sichtbar, dass Temperaturerhöhungen in polnahen Norden wesentlich größer als die am Äquator waren. Dies bedeutet verringerte Temperaturdifferenzen zwischen Pol und Äquator und somit Abnahme, nicht Zunahme von Extremwetterheftigkeiten und -häufigkeiten auf der Nordhalbkugel. Dies entspricht, im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung, auch den Messungen, die durch das IPCC in seinem Bericht AR5 dokumentiert sind26. Im Folgenden direkt aus dem AR5, Kapitel 2.6, des IPCC Sachstandsbericht von 2013 wörtlich zitiert (es gibt leider keine deutschen Versionen dieser Berichte):
Tropische Zyklone, in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 216:
„Current datasets indicate no significant observed trends in global tropical cyclone frequency over the past century and it remains uncertain whether any reported long-term increases in tropical cyclone frequency are robust, after accounting for past changes in observing capabilities“.
Dürren, in AR5, WG1, Technical Summary, S. 50:
„There is low confidence in a global-scale observed trend in drought or dryness (lack of rainfall), owing to lack of direct observations, dependencies of inferred trends on the index choice and geographical inconsistencies in the trends“
Zusammenfassung in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 215:
„In summary, the current assessment concludes that there is not enough evidence at present to suggest more than low confidence in a global scale observed trend in drought or dryness (lack of rainfall) since the middle of the 20th century, owing to lack of direct observations, geographical inconsistencies in the trends, and dependencies of inferred trends on the index choice. Based on updated studies, AR4 conclusions regarding global increasing trends in drought since the 1970s were probably overstated. However, it is likely that the frequency and intensity of drought has increased in the Mediterranean and West Africa and decreased in central North America and north-west Australia since 1950.“
Überflutungen, in AR5, WG1, Technical Summary, S. 112:
„There continues to be a lack of evidence and thus low confidence regarding the sign of trend in the magnitude and/or frequency of floods on a global scale over the instrumental record.“
Hagel und Gewitter in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 216:
„In summary, there is low confidence in observed trends in small-scale severe weather phenomena such as hail and thunderstorms because of historical data inhomogeneities and inadequacies in monitoring systems.“
Und schließlich fasst das IPCC in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 219 zusammen:
„There is limited evidence of changes in extremes associated with other climate variables since the mid-20th century.“
Da insbesondere in den USA Tornados als Extremwetterereignisse gefürchtet sind, lassen wir hier die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zu Wort kommen. Sie hat die historischen Trends von Tornados in den USA ab 1954 mit entsprechenden Grafiken publiziert55 und keine statistisch signifikanten Zunahmen, weder an Häufigkeit noch an Stärke gefunden. Schaut man auf die Südhemisphäre, sieht es ähnlich aus, hier nehmen die Zyklone an den australischen Küsten sogar auffallend ab, wie Bild 5 zeigt.
Bild 5:
Anzahl von Zyklonen um die australischen Küsten zwischen 1969 bis 2016. Die abnehmenden Trendline für schwere Zyklone ist eine lineare Regression der Daten, wobei die Grafik vom Buchautor aus den numerischen Daten der staatlichen australischen Wetterbehörde 56 erstellt wurde.
Die starken kurzfristigen Schwankungen im Bereich weniger Jahre in Bild 5 verdeutlichen, wie die in den Medien regelmäßig auftauchenden „Nachweise“ von Extremwetterzunahmen zu erklären sind. Die Zeiträume für klimarelevante Aussagen sind stets zu kurz. Eine global zunehmende Heftigkeit von Stürmen, Tornados und Zyklonen im 20. und 21. Jahrhundert ist ein Mythos. Dasselbe gilt generell für alle Extremwetter weltweit57.
2.3.2 Gletscher
Die Veränderung von Gletschern hängt von der Umgebungstemperatur, den Niederschlägen und den Schmutzteilchen auf der Gletscheroberfläche ab. Letztere verändern die Albedo (Reflexionsstrahlung) der Gletscheroberfläche, die Sonneneinstrahlung wird stärker absorbiert und trägt somit zum Schmelzen des Eises bei. Da unzweifelhaft seit Anfang des 19. Jahrhunderts in unseren Alpen die Gletscher zurückgehen, wird dies in den Medien und der Wahrnehmung jedes Bergwanderers als deutliches Warnsignal der kommenden Wärmekatastrophe durch anthropogenes CO2 angeführt. Das ist aber falsch, denn Anfang des 19. Jahrhunderts gab es praktisch noch gar kein anthropogenes CO2. Der Grund der beginnenden Schmelze muss also ein anderer gewesen sein. Man kennt ihn bis heute nicht. Laufend tauchen in schmelzenden Gletscherzungen der Alpen Baumreste auf, deren genaue Altersbestimmungen und Fundhöhen belegen, dass in etwa zwei Dritteln der letzten 9000 Jahre die Alpengletscher kleiner und die Temperaturen höher als heute waren. Wald ist in Höhen gewachsen, die heute wieder vergletschert sind und dies ohne alles menschliches Zutun58,59,60 (Bild 6)
Bild 6:
Gletscher-, Waldgrenz- und Temperaturentwicklung der Nacheiszeit, Bild nach Prof. Gernot Patzelt 58 .
Aus globaler Sicht machen die polfernen Gletscher in den Alpen, im Himalaya, im Kaukasus, in Nordeuropa und in Neuseeland nur etwa 2 % der Gesamtgletschermassen der Erde aus. 90 % befindet sich in den riesigen Gebieten des Südpols (Antarktis) und schließlich 8 % in Grönland (Arktis). Der Grönlandgletscher nimmt ab. Die Masse des antarktischen Eisschildes hat dagegen leicht zugenommen61. Zum Thema Massenänderung von Gletschern berichtet der Forscher Roger J. Braithwaite, der weltweit Massenbilanzierungs-Messungen von 246 Gletschern zwischen 1946 und 1995 vorgenommen hat62. Sein Fazit: „Es gibt Gegenden mit hoher negativer Massenbilanz in Übereinstimmung mit der öffentlichen Wahrnehmung, dass die Gletscher schmelzen. Fast überall in Europa schmelzen die Gletscher, aber es gibt auch Regionen mit positiver Bilanz, und es gibt Gegenden, in denen praktisch nichts passiert, wie z.B. im Kaukasus.“ Weltweit gemittelt, ist kein Abnahmetrend der Gletscher unserer Erde auszumachen, der zu Alarm Anlass geben könnte63. Bereits die Warmzeit des Mittelalters relativiert das in den Medien so gerne verkündete „wegschmelzende Nordpoleis“, wobei hier auch noch regelmäßig in den Medien das unter 2.3.4 besprochene Meereis mit dem Grönlandgletscher von 2,6 Millionen Kubik-Kilometer Eisvolumen verwechselt wird. Der Grönlandgletscher hatte im Mittelalter zwar eine geringfügig geringere Eisbedeckung, aber annähernd das gleiche Gesamtvolumen wie heute64.
Zum Arktiseis lassen wir zuerst die ZEIT in ihrer Ausgabe Nr. 24 vom 7.6.2007 mit dem Bericht „Der Bohrer im Eis“ über die Arbeit des Teams um den schon erwähnten Polarforscher Prof. Heinz Miller (AWI) zu Wort kommen31, wobei es hier auch noch um den Grönlandgletscher geht. Zitat ZEIT:
… Im November 2006 veröffentlichten über 80 Mitglieder des Europäischen Bohrprojekts Epica (European Project for Ice Coring in Antarctica), darunter die Bremerhavener, eine wichtige Entdeckung: Zwischen Nord- und Südpol schwingt eine Klimaschaukel. Steigen in Grönland die Temperaturen, dann sinken sie in der Antarktis – und umgekehrt. Globale Meeresströme transportieren gewaltige Wärmemengen von Pol zu Pol.
Wir konnten die Klimaschaukel äußerst präzise nachweisen und das Klima über 860.000 Jahre rekonstruieren“, berichtet Miller. In diesem Zeitraum schwankte es heftig. „Es gab acht Kalt-Warmzeit-Zyklen“, sagt er. Dabei reagierte der Nordpol (mit Temperaturänderungen bis zu 15 Grad in 20 Jahren) viel sprunghafter als der stabile Kälteklotz in der Antarktis, der 90 Prozent allen Eises birgt.
Diese Daten von Nord- und Südpol widerlegen düstere Prophezeiungen, der Meeresspiegel könne in kurzer Zeit um mehrere Meter ansteigen. „Bis das Grönlandeis schmilzt, vergehen mehr als tausend Jahre“, versichert Miller. Denn es war in der Vergangenheit auch deutlich wärmer als heute, ohne dass die riesigen Gletscher verschwanden. Auch die Befürchtung, der aktuelle Klimawandel lasse das Treibhausgas Methan aus Sümpfen und Meeren ausgasen und das Klima „kippen“, finden die Glaziologen nicht bestätigt: „Wir sehen auch in wärmeren Zeiten keinen entsprechenden Anstieg des Methans.“ Ähnlich wie bei den Eisbären unterscheidet sich die reale Welt von der gefühlt „medialen“ Wirklichkeit. „Wer von Klimaschutz redet, weckt Illusionen“, mahnt Miller zu Bescheidenheit, Schlagworte wie Klimakollaps oder -katastrophe hält er für irreführend. Zitatende ZEIT.
Dass die Zusammenhänge in Sachen Gletscher nicht so einfach liegen, wie oft vermutet, zeigt der berühmte Kilimandscharo-Gletscher. Glaziologen von der Universität Innsbruck untersuchten ihn intensiv65. Er schmilzt bereits seit 125 Jahren, als es noch kaum anthropogenen CO2-Emissionen gab. Seine Fläche hatte bereits um 90 % abgenommen, was zur Vorhersage führte, er würde in 20 Jahren völlig verschwunden sein. Inzwischen haben aber die Niederschläge in den Tropen zugenommen, und von einem Verschwinden in spätestens 20 Jahren wird kaum noch gesprochen. Inzwischen ist man mit solchen Aussagen vorsichtiger geworden, denn Gletscherschmelzen sind komplex, nicht immer auf Umgebungstemperaturen zurückzuführen und ihre Gründe oft unbekannt.
2.3.3 Meeresspiegel
Sieht man von extrem langfristigen Einflüssen der Plattentektonik und der eiszeitlichen Glazialeustasie ab, können Veränderungen von Meeresspiegeln von sehr vielen Vorgängen und sogar Ereignissen abhängen, die nicht einmal alle bekannt sind. Nachfolgend ohne Anspruch auf Vollständigkeit
Wärmeausdehnung des Wassers,
Kalben von Gletschern der Antarktis,
Abschmelzen des Eisschildes in Grönland,
Veränderungen der Meeresströmungen,
Veränderungen im globalen atmosphärischen Wasserhaushalt,
Intensive und großräumige Grundwassernutzung,
Vulkanismus.
Die Meeresoberfläche ist zudem keine Oberfläche einer Billardkugel. Unzählige Faktoren sorgen dafür, dass es erhebliche Höhenabweichungen relativ zum Erdmittelpunkt gibt. Es beginnt mit der Ausbuchtung der Äquatorialzone infolge der Fliehkraft der Erddrehung und reicht bis zu Gravitationseffekten durch nahe Küstenberge auf die Wasseroberfläche. Es gibt ein sehr empfehlenswertes unterhaltsames Youtube-Video, welches all diese Effekte anschaulich erklärt66 (die Sprache kann von Englisch auf Deutsch umgestellt werden). Man versteht danach sehr viel besser, warum lokale Messungen allein keine Aussagen über einen globalen Meeresspiegel-Trend erlauben. Es sind vielmehr noch Korrekturen der Einzelmessungen von erheblicher Komplexität erforderlich. Der Begriff „globaler Meeresspiegel“ ist nur eine virtuelle Vergleichsgröße, deren lokale Ausprägung sehr unterschiedlich ausfallen kann. Der Begriff wird dennoch verwendet. Prähistorisch ist der globale Meeresspiegel seit dem Temperaturtiefpunkt der letzten Eiszeit vor etwa 22.000 Jahren um ca. 130 m angestiegen (Bild 7).
Bild 7:
Prähistorischer Meeresspiegelanstieg 67 , Bildquelle 68 .
Auffällig bei den Meeresspiegeldaten sind deren oft erstaunlich große Schwankungen. Beispiele werden vom Ozeanographen Nils-Axel Mörner berichtet34,69, Dekan der Fakultät Paläogeophysik und Geodynamik an der Universität Stockholm und von 1999–2003 Präsident der INQUA Commission on Sea Level Changes. Weitere Beispiele liefern Fachpublikationen des deutschen Küstenforschers Prof. Karl-Ernst Behre, in welcher erstaunlich starke Veränderungen der ermittelten historischen Meereshöhen an den Nordseeküsten beschrieben sind70. In jüngerer Zeit stehen nun genaue Pegelmessungen aus vielen Hunderten Stationen weltweit zur Verfügung71. Obwohl diese Daten frei zugänglich sind und mit wenigen Maus-Klicks die realen Entwicklungen der Meeresspiegel dieser Stationen an Meeresküsten und Inseln ohne großen Aufwand überprüft werden können, vernachlässigen deutsche Journalisten ihre Berufspflicht ordentlicher Recherche und berichten immer wieder in absurder Verdrehung der Fakten von versinkenden Südseeinseln72.
Die Fachliteratur gibt aus den oben geschilderten Gründen unterschiedliche Werte für den mittleren globalen Meeresspiegelanstieg an, wobei diese Werte aber insgesamt im unbedenklichen Bereich zwischen 0,4 bis 3,5 mm/Jahr liegen. Der Grund für die Differenzen sind die schon erwähnten Korrekturen der lokalen Messungen, um überhaupt ein globales Mittel berechnen zu können. Die einzige dem Autor bekannte Fachpublikation, die diese Korrekturen vollständig angibt, entstand aus einer Zusammenarbeit der US-Universitäten Columbia und Washington mit der Hebrew-Universität Jerusalem73. In ihr findet sich als Ergebnis ein global gemittelter Anstieg zwischen 0,39 und 1,04 mm/Jahr. Bemerkenswert in dieser Arbeit ist der Befund, dass nur 7 % aller Stationen überhaupt einen Anstieg zeigen, 4 % dagegen ein Absinken des Meeresspiegels. Der weit überwiegende Rest der Stationen weist überhaupt keinen einheitlichen Trend auf. Daraus kann sicher kaum auf einen katastrophalen Meeresspiegelanstieg geschlossen werden. Fachpublikationen, die den Meeresspiegelanstieg aus Satellitenmessungen angeben, zeigen Werte, die über den Pegelmessungen liegen. Über die Korrekturmethoden der Satellitendaten, die sicher noch weit komplexer sein dürften, als die von Pegeldaten, ist in den einschlägigen Fachpublikationen freilich nichts zu finden. Bild 8 zeigt die Anstiege seit 1992 aus Satellitenmessungen.
Bild 8:
Meeresspiegel seit 1993 aus Satellitenmessungen, Bildquelle, CU Sea Level Research Group74. Die y-Achse gibt die aus Satellitenmessungen errechneten Meeresspiegelhöhen an, durch die dann eine Regressionsgerade gelegt wurde. 3,1 ± 0,4 mm/Jahr berägt die Steigung dieser Regressionsgeraden.
Nach der Zusammenfassung des heutigen wissenschaftlichen Stands über Meeresspiegelanstiege nun einige Vorkommnisse zur Auflockerung der trockenen Fakten, die auch ein Licht auf die emotionale Seite werfen. Sie sind einem Bericht des bereits erwähnten Meeresspiegel-Experten Nils-Axel Mörner entnommen: Die Satellitenmessungen, die von 1992 bis 2002 keinen von den bisherigen Steigerungswerten abweichenden Trend erkennen ließen, zeigten 2003 einen sprunghaften Anstieg, der zu heller Aufregung Anlass gab. Als Grund entpuppte sich ein neu eingeführter Korrekturfaktor! Eine Gruppe australischer Global-Warming-Aktivisten entfernte mit Gewalt einen sich praktisch auf Meeresspiegelhöhe befindlichen uralten Baum auf einer Insel des Malediven-Archipels. Dieser gab nämlich auf Grund seiner schieren Existenz Zeugnis davon ab, dass zu seiner Lebenszeit kein Anstieg des Meeres erfolgt sein konnte. Der Baum konnte wiedereingesetzt werden. Und nun auch noch etwas Politik: Die Malediven sind mit den wissenschaftlichen Ergebnissen über Meeresspiegelanstiege nicht einverstanden. Der Westen wird beschuldigt, CO2 in die Atmosphäre zu blasen und dadurch die Existenz der Inseln zu gefährden. Dafür muss er nach Meinung der Inselbewohner zahlen. Diese Forderung kann natürlich nur bei einem andauernden Überflutungsszenario begründet werden.
Gemeinsam allen Angaben über Meeresspiegelanstiege in der Fachliteratur sind unbedenkliche Werte mit relativ großen Unsicherheiten. Unbedenklich, weil wir es gemäß dieser Werte bis zum Jahre 2100 mit einen gemittelten globalen Meeresspiegel zu tun haben, der wie oben beschrieben zwischen 0,4 und 3,5 mm/Jahr liegt, also nach 80 Jahren um 3 bis 28 cm höher als heute prognostiziert wird. Von einer Beschleunigung des Anstiegs, wie es gelegentlich in den Medien berichtet wird, kann keine Rede sein, noch viel weniger von einem Einfluss des anthropogenen CO2 auf Meeresspiegel. Die Messungen des Anstiegs selber sind mit so hohen Fluktuationen und Ungenauigkeiten verbunden, dass Angaben über seine Änderungen ins Reich der Fabel gehören.
2.3.4 Arktisches Meereis und Eisbären
Zur Vermeidung von Missverständnissen sei daran erinnert, dass das Abschmelzen von schwimmendem Meereis keine Meeresspiegelveränderungen nach sich zieht. Zur Veranschaulichung gebe man in ein Glas Wasser einige Eiswürfel und fülle dann Wasser bis knapp vor dem Überlaufen hinzu. Das Wasser läuft beim Schmelzen der anfänglich weit über die Glasrandhöhe hinausragenden Eiswürfel nicht über, dies zeigt das bereits aus der Schule bekannte Archimedische Prinzip. Keine Medienmeldungen haben dennoch so viel Aufmerksamkeit erlangt, wie die immer wieder hartnäckig vorgebrachten Behauptungen, das Arktiseis würde verschwinden und der Eisbär infolgedessen aussterben. Zuerst zu den Eisbären: Von einem Aussterben der Eisbären kann keine Rede sein, diese Tiere sind putzmunter und vermehren sich wie eh und jeh75. Eine nüchterne Schilderung der Situation des Jahres 2012 findet sich in der „kalten Sonne"76. Die Eisbären-Populationen hängen vom Jagdverhalten des Menschen ab, nicht von seinen industriellen CO2-Emissionen. Eisbären haben problemlos alle Warmzeiten (Zwischenglaziale) überstanden, in welchen die Temperaturen über tausende Jahre wesentlich höher waren als heute (s. Bild 11 unter 2.4.2).
Nun zum Meereis! Das relativ dünne Meereis der Arktis, zu dem auch Eisschollen und kleine Eisberge gehören, verschwindet weitgehend im Sommer und kommt im Winter wieder. Allein schon aus diesem Jahreszyklus ergibt sich ein fundamentaler Unterschied zum arktischen Gletschereisvolumen auf der Kontinentalplatte Grönlands, aber auch zu großen Eisbergen im Meer. Meereis ist für das Ökosystem wichtig, seine unter 30 Jahre liegenden Schwankungen sind jedoch Wetter und haben mit der Klimaentwicklung nichts zu tun. Natürlich hat die Meereisbedeckung der Arktis auch langfristig mit klimabedingten Temperaturänderungen geschwankt und damit dann auch Klimaänderungen wiedergeben. Von Zeiten vor den Satellitenmessungen liegen darüber aber so gut wie keine Daten vor. Bild 9 zeigt die Flächenentwicklung von Meereis über die Monate der letzten Jahre. Solche Bilder über wenige Jahre zeigen Wetter-, keine Klimaänderungen!
Die Zahlenwerte der Meereisflächen stammen aus Satellitenmessungen, welche nur Strahlungsdichten aufnehmen können. Diese werden dann in Bedeckungsgrade umgerechnet. Die dazu erforderlichen Kalibrierungen waren bis Ende der 1980er Jahre stark fehlerbehaftet, weil die Eisbedeckung kaum von Wolken mit gleicher Strahlungstemperatur zu unterscheiden waren. Vergleiche von heutigen Messungen mit den Jahren vor 1990 sind daher unsicher. Trotz dieser Unsicherheiten hat das Dänische Meteorologische Institut ein Abnehmen der arktischen Meereisbedeckung von 1980 bis heute festgestellt. Dazu schreibt Prof. Fritz Vahrenholt77, dass sich die Entwicklung der Meereisbedeckung mit der Atlantischen Multidekaden-Oszillation deckt (AMO, s. unter 2.6). Somit gibt es für diese Abnahme eine schlüssige Erklärung und gleichzeitig die Erwartung einer Trendumkehr, weil die AMO aktuell ihr Maximum erreicht hat.
Bild 9:
Ausdehnung des arktischen Meer-Eises in Abhängigkeit von der Jahreszeit, Bildquelle 78 .
Beliebte Bilder in den Medien, in denen entweder Meereisflächen unterschiedlicher Jahreszeiten miteinander verglichen werden, oder man umgekehrt die dünnen, ebenfalls von der Jahreszeit abhängigen Oberflächen-Schmelzen des Grönländischen Festlandgletschers zeigt79, grenzen an Irreführung der Öffentlichkeit. Mit einer „Nordpolschmelze“ hat dies alles nicht das Geringste zu tun. Früher Wintereinbruch eines bestimmten Jahres erzeugt eine große Meereisbedeckung, in einem anderen Jahr mit spätem Wintereinbruch ist die Meereisbedeckung sehr viel kleiner. Greift man zu den entsprechenden Bildern in passenden Jahren, kommt man zum verschwindenden Nordpoleis. Hätte man andere Jahre genommen, hätte man ebensogut anwachsendes Nordpoleis nachgewiesen. Um mit dieser Methode überhaupt sinnvolle Aussagen zu erhalten, müssten schon über viele Jahrzehnte alle Jahresmonate miteinander verglichen und statistisch ausgewertet werden, was, wie oben erwähnt, vor 1990 nicht möglich ist.
Wetterbedingte und klimabedingte Meereisänderungen können tatsächlich dramatisch sein. In den kühlen Jahren um 1910 war das Meereis schon einmal so weit ausgebreitet, dass die Eisbären buchstäblich zu Fuß vom Nordpol nach Island hätten wandern können80. Auf der anderen Seite gab es „Rekord-Arktiseisschmelzen“ seit Beginn des vorigen Jahrhunderts bereits viele81. Aus den angegebenen Quellen stellvertretend folgende Beispiele, die bis ins Jahr 1906 zurückreichen:
Russische Berichte des Jahres 1940:
„Der gerade aus der Arktis zurückgekehrte norwegische Kapitän Viktor Arnesen behauptet, eine im Umfang 12 Meilen große Insel nahe Franz-Joseph-Land entdeckt zu haben, auf einer Breite von 80,40 Grad. Er meinte, dass die Insel zuvor von einem 19 m bis 24 m hohen Eisberg verdeckt gewesen wäre, der nun geschmolzen sei. Dies zeige die außergewöhnliche Natur des jüngsten Abtauens in der Arktis“.
Im Jahre 1947:
„Führende Arktisexperten stellten fest, dass die Temperaturen in Polnähe im Durchschnitt sechs Grad höher sind, als Nansen vor 40 Jahren gemessen hat. Die Eisdicken betragen im Durchschnitt nur 1,95 m im Vergleich zu 3,90 m“.
Im Jahr 1952:
„Der Arktis-Experte Dr. William S. Carlson sagte heute Abend, dass die Eiskappen am Pol in einem erstaunlichen und unerklärbaren Tempo schmelzen würden und die Seehäfen durch ansteigende Pegel zu überschwemmen drohten“.
Im Jahre 1952:
„Dr. Ahlman drängte auf die Einrichtung einer internationalen Agentur für das Studium der globalen Temperaturbedingungen. Die Temperaturen hätten sich um 10°C seit 1900 erhöht. Die Schiffbarkeitssaison entlang der Westküste Spitzbergens würde nun acht, anstatt drei Monate währen“.
Im Jahre 1953: Führende Experten lassen verlauten
„Die Gletscher in Norwegen und Alaska haben nur noch die Hälfte ihrer Größe von vor 50 Jahren. Die Temperatur um Spitzbergen hat sich so verändert, dass die Schiffbarkeit von drei auf acht Monate im Jahr angestiegen ist“.
2.3.5 Meeres-Versauerung, Korallensterben, Golfstrom und weiteres Seemannsgarn
Der pH-Wert, der vom dänischen Biochemiker Dr. Søren Sørensen 1909 eingeführt wurde, gibt die Stärke einer sauren oder basischen Wirkung in einer wässerigen Lösung an. Er wird als logarithmische Größe im Skalenfeld von 0–14 definiert. Der Mittelwert pH = 7 von Wasser bei 25 °C wird als neutral bezeichnet. Die Werte < 7 kennzeichnen den sauren und die Werte > 7 den basischen Bereich. Meerwasser ist mit einem Wert von 7,9 bis 8,25 basisch, von „Versauerung“ zu reden ist daher falsch.
Das im Meerwasser gelöste Kohlendioxid verbindet sich mit Wasser zu Kohlensäure. Ein Teil zerfällt in Wasserstoff-Ionen und Hydrogenkarbonat-Ionen. Diese dissoziieren in weitere Wasserstoff-Ionen und Karbonat-Ionen. Der Anteil der Wasserstoff-Ionen bestimmt dabei unmittelbar den Säuregehalt des Wassers. Durch diese chemischen Prozesse steigt die Karbonat-Kompensationstiefe nach oben. Diese gibt an, ab welcher Meerestiefe sich Kalzit (CCD, Calcite Compensation Depth) und Aragonit (ACD, Aragonite Compensation Depth) zersetzen, welche z.B. in den Kalkgehäusen von Meereslebewesen eingelagert werden. Die CCD liegt im Atlantik bei 4.500–5.000 m, im Pazifik bei 4.200–4.500 m. Die ACD liegt im Atlantik bei 3.000–3.500 m. Die ACD liegt deswegen höher, weil die Löslichkeit von Aragonit höher ist. Aragonit und Kalzit sind die beiden Mineralformen von Kalk. Die Löslichkeit von Kalk hängt wesentlich mit der Konzentration von Karbonat-Ionen zusammen und damit indirekt vom pH-Wert ab. Die Meeresbereiche, in denen sich Kalk auflöst, werden als untersättigt bezeichnet und durch die CCD und ACD bestimmt.
Es wird nun befürchtet, dass sich durch den zunehmenden Eintrag von CO2 in die Atmosphäre und der damit verbundenen vermehrten Aufnahme im Meer die CCD und ACD angehoben wird, was zur Zerstörung der Kleinstlebewesen und Korallenbänke führt. Wie sieht die Realität aus? Der pH-Wert des Wassers wird nicht nur von der Löslichkeit des CO2 bestimmt, sondern auch noch vom Salzgehalt und der Temperatur. Somit puffert eine steigende Temperatur des Meerwassers – diese wird ja immer von den Verfechtern des anthropogenen Klimawandels angeführt – den Rückgang des pH-Wertes. Des Weiteren kann der pH-Wert auch dadurch fallen, dass die Menge basischer Substanzen im Wasser abnimmt. Der Salzgehalt der Meere unterliegt bereits in Zeitabständen von wenigen Jahren erheblichen Schwankungen und hängt zudem von der Tiefe ab. Entsprechend haben die globalen Meere keinen konstanten Salzgehalt, sondern dieser schwankt stark mit der Fläche und Tiefe.
Das Mittelmeer hat z.B. einen mittleren Salzgehalt von 3,8 %. Der niedrigste Salzgehalt findet sich mit 3,2% vor Alaska, der höchste im roten Meer mit 4,0 %. Das Tote Meer hat sogar einen Salzgehalt von 24 %. Ähnlich, wie auch bei der Globaltemperatur, gibt es keinen globalen pH-Wert. Er schwankt in weiten Bereichen. Die Aussage, der pH-Wert hätte um 0,1 abgenommen82, ist daher unzutreffend. Spektrum der Wissenschaft gibt an, dass vor der Küste Mittel- und Südamerikas der pH-Wert bei ca. 7,9, im Nordmeer bei 8,2 liegt83. Dies entspricht einer natürlichen Spanne von 0,3. In keinen Gewässern, weder mit einem hohen noch mit niedrigem pH-Wert, hat dies schädliche Auswirkungen auf den Fischreichtum oder die Ausbildung von Kalkschalentieren.
Im Übrigen ist zu beachten, dass die wesentliche Quelle für den Eintrag von CO2 in den tiefen Ozean der bakterielle Abbau von organischem Kohlenstoff, also Biomasse und kein anthropogenes CO2 ist. Mit zunehmender Erwärmung steigt die Bioproduktion, was den pH-Pegel dort senkt. Mit einsetzender Abkühlung nimmt die Bioproduktion ab, wodurch der pH-Pegel wieder steigt, eine klassische Gegenkoppelung der Biologie, die keinen Raum zur Panikmache lässt. Des Weiteren wirken Bodenbakterien der Tiefsee der Versauerung entgegen. Die Wechselwirkungen, die durch die Aufnahme von CO2 ablaufen, sind weitaus komplexer, als es nur die singuläre Betrachtung einer fiktiven Reduzierung des pH-Wertes infolge zunehmenden atmosphärischen CO2 anzeigt.
Die folgenden Ausführungen sind auszugsweise dem Blog zum Buch „Die Kalte Sonne“ entnommen84: Ein Blick zurück in die geologische Vergangenheit belegt die Unschädlichkeit höherer CO2-Konzentrationen für Meereslebewesen. Zu den meisten Zeiten war die CO2-Konzentration der Atmosphäre deutlich höher als heute (s. Bild 10 unter 2.4.1), und trotzdem existierte eine üppige kalkige Lebewelt in den Ozeanen, z.B. während der Jura- und Kreidezeit vor 180 bis 65 Millionen Jahren. Es war das Dorado ozeanischen Lebens. In diese Zeit fällt z.B. auch der Höhepunkt der Entwicklung der Korallenriffe. Das CO2 hat augenscheinlich hier keine schädliche Wirkung ausüben können. Eher ist, wie sich gleich zeigen wird, das Gegenteil erfolgt. Einige Forscher vermuteten, dass ein Teil der CO2-Säurewirkung auf lange Sicht in der geologischen Vergangenheit durch verstärkte Silikatverwitterung an Land abgepuffert worden sein könnte, deren Verwitterungsprodukte den pH-Wert im Ozean stabilisiert hätten. Reduziert sich nämlich der pH-Wert des Meerwassers, so wird aus den Bodenschichten Kalk gelöst, der den pH-Wert umgekehrt wieder ansteigen lässt. Das Gleiche erfolgt durch die Verwitterungsprozesse an Land, den Silikat-Karbonat-Kreislauf. Es ist daher davon auszugehen, dass durch die genannten Regelkreise und die vergleichsweise geringen Mengen an anthropogenem CO2 kaum Auswirkungen entstehen.
Im März 2012 wurde eine Arbeit der Kieler IFM-Geomar-Forscher Armin Form und Ulf Riebesell veröffentlicht85. Die Studie beschreibt die Ergebnisse von Experimenten, in denen lebende Korallen erhöhten CO2-Konzentrationen ausgesetzt wurden. Innerhalb von nur 6 Monaten schaffte es eine untersuchte Korallenkolonie, sich an die höheren CO2-Gehalte anzupassen und entwickelte sogar höhere Verkalkungsraten als unter Normalbedingungen. Offensichtlich existieren Akklimatisierungseffekte, die bisher viel zu wenig berücksichtigt wurden. Die Korallen sind besser gegen abnehmende ph-Werte gewappnet als bislang angenommen. Dies verwundert im Grunde nicht, da Korallen seit hunderten Millionen Jahren in den Weltmeeren existieren und sich behaupten konnten. In seinem Buch „Bringen wir das Klima aus dem Takt“ (2007) schreibt der Kieler Klimaforscher und Klimawarner Mojib Latif auf Seite 174: „Aus heutiger Sicht scheint es unwahrscheinlich, dass Meeresorganismen bei den zu erwartenden künftigen atmosphärischen CO2-Konzentrationen unter akuten Vergiftungserscheinungen leiden werden. Eine Verdopplung der CO2-Konzentration führt bei vielen Phytoplanktonarten zu einer Erhöhung der Photosynthese um etwa 10 %.“
Sogar mit einer Erwärmung des Meerwassers scheinen die Korallen besser zurechtzukommen als zuvor angenommen. Auch dies ist keine Überraschung, da die üppigen Korallenmeere des Erdmittelalters viel wärmer waren als heute. Eine Gruppe von Meereswissenschaftlern von der Universität von Miami konnte jetzt nachweisen, dass viele Korallenarten die Fähigkeit haben, mit verschiedenen Typen von Algen zusammenzuleben und nicht nur mit einer einzigen Algenart. Damit können sie bei einer Erwärmung der Meere auch mit Algen zusammenleben, die widerstandsfähiger gegen höhere Temperaturen sind. Die „Ozeanversauerungsforschung“ ist in vollem Gange und gerade dabei, grundlegende Zusammenhänge zu erkunden. Ähnlich wie in vielen anderen Bereichen der Klimawissenschaft ist man auch hier noch sehr weit entfernt vom „The science is settled“. Katastrophen oder Schädigungen der Ozeanbiologie durch zunehmendes CO2 stellen sich zunehmend als Mythen heraus. Schlussendlich ist darauf hinzuweisen, dass der stark säurebildende Eintrag von Schwefel in die Meere aus nicht entschwefeltem Schiffsdiesel den „Versauerungswarnern“ keiner Erwähnung wert ist. Dies zeigt eine absurd einseitige Sicht, die alles auf anthropogenes CO2 zu reduzieren wünscht.
In diesen Zusammenhang, aber auch in die unter 3.5.4 beschriebenen Affären passt die um den australischen Physik-Professor Peter Ridd an der James Cook Universität in Nord-Queensland. P. Ridd stand dem Physik-Departement der Universität von 2009 bis 2016 und dem „Marine Geophysical Laboratory“ über 15 Jahre vor. Ridds Fachpublikationen fanden keine menschgemachten Ursachen für den Zustand des Great Barrier Riffs an der Nordostküste Australiens. Dies erregte zahlreiche australische Interessengruppen, und es entstand eine politische Kontroverse, die schließlich zur Entlassung von Ridd aus dem Universitätsdienst führte. Den daraufhin folgenden Prozess gegen die Universität gewann Ridd, wobei der urteilende Richter der Universität ins Stammbuch schrieb, sie hätte das Konzept intellektueller Freiheit nicht verstanden86!
Schließlich soll noch kurz eine immer wieder von Klimawarnern durchs Dorf getriebene Sau erwähnt werden, die bestens geeignet ist, ängstlichen Naturen den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Es ist das angebliche Versiegen des Golfstroms infolge des menschgemachten CO2. Die Fachliteratur ist hier recht eindeutig87. Der Golfstrom wird von den Winden angetrieben und folglich erst dann versiegen, wenn sich die Erde nicht mehr dreht, oder die Kontinentalverschiebung zu große Abweichungen gegenüber heute erreicht hat, was aber noch sehr viele Millionen Jahre dauern wird. Natürlich sind, wie stets in der Forschung, immer noch Detailfragen offen. Aber ein Versiegen des Golfstroms, weil die Menschheit zu viel CO2 emittiert, darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Es ist gerade umgekehrt wie von den Klimawarnern beabsichtigt: Der Golfstrom ist ein Klimatreiber, aber kein Klimaopfer!
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