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Fritz Peyer-Müller (Hg.)
Der beste Job der Welt
Theologen, Pfarrer und Pastoren über ihre Berufung

Zu diesem Buch
Pfarrerinnen und Pfarrer üben einen faszinierenden Beruf aus. Er ist vielfältig, herausfordernd und immer dicht am Menschen. 25 Frauen und Männer aus unterschiedlichsten Gemeinden berichten in diesem Buch ehrlich und persönlich von ihrer Motivation, dieser besonderen Berufung nachzugehen; von ihrem beruflichen Werdegang sowie über Freuden und Herausforderungen ihres Alltags im Dienst für Gott.
Herausgekommen ist dabei ein Ermutigungsbuch – und eine spannende Lektüre für Theologiestudierende und Gemeindemitglieder, aber natürlich auch für Pastoren aller Denominationen.
„Lassen Sie sich von den Zeugnissen dieses Buches inspirieren. Sie werden wie ich begeistert sein. Denn das ist der Beruf wahrlich – ein Dienst für Gott voller Überraschungen.“
Aus dem Vorwort von Johannes Reimer
Zur Edition IGW
Die Edition IGW wird herausgegeben vom Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW), das angehende Pastoren und Gemeindeleiter sowie kirchliche und diakonische Mitarbeitende in regionalen Schulungszentren in der Schweiz, Deutschland und in Österreich theologisch ausbildet.
Die Edition IGW macht Forschungsergebnisse von Studierenden und Dozierenden bei IGW einer breiten Leserschaft zugänglich und will damit einen Beitrag leisten, der aktuellen gemeindebaulich-missionarischen Herausforderung in Europa zu begegnen.
IGW
Josefstraße 206
CH-8005 Zürich
www.igw.edu
Über den Autor
Fritz Peyer-Müller, Jg. 1952, verheiratet, ein Sohn.
Berufslehre, Studium der Theologie am Theologischen Seminar St. Chrischona, Kirchliche Matur, Theologiestudium in Basel, Zürich, Bern und Debrecen/Ungarn. Doktorarbeit über die ungarischsprachige Reformierte Kirche in der Ukraine. Pastor beim EGW in Luzern.
Seit 1993 beim Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW), zunächst als Studienleiter in Bern, seit 2003 als Rektor.
Impressum
Dieses Buch als E-Book: ISBN 978-3-86256-766-9
Dieses Buch in gedruckter Form:
ISBN 978-3-86256-067-7, Bestell-Nummer 590 067
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über www.d-nb.de abrufbar
Bibelzitate, sofern nicht anders angegeben, wurden der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift entnommen. © 1980 Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart
Hinweis zur Übersetzung englischer Quellen: Bei der Übersetzung von offiziellen englischen Kongressdokumenten ins Deutsche wird in den Fußnoten der Übersetzer angegeben. Sofern nicht anders vermerkt, liegt die Übersetzung aller übrigen englischen Werke, die im Literaturverzeichnis als solche erfasst werden, auch ohne ausdrückliche Namensnennung beim Verfasser.
Lektorat: IGW International Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbild: © Zurijeta/Shutterstock.com Satz: Neufeld Media, Weißenburg in Bayern
© 2015 Neufeld Verlag Schwarzenfeld
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nur mit Genehmigung des Verlages
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Inhaltsverzeichnis
Zu diesem Buch
Zur Edition IGW
Über den Autor
Impressum
Vorwort
Johannes Reimer
Einleitung: Über dieses Buch
Fritz Peyer-Müller
Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben (Ps 2,8)
Florian Bärtsch
Kirche neu erleben
Steffen Beck
Träume groß – handle im Kleinen
Leo Bigger
Auserwähltes Werkzeug in seiner Hand
Andreas Blaser
Vom Geist Gottes geführt
Martin Bühlmann
Fasziniert von Gottes Wirken
Michael Dufner
Schwarz. Oder: vom Schornsteinfeger zum Pastor
Tobias Faix
Wenn Gott ruft …
Nicole Fiausch
Das Streben nach dem zweiten Leben Jesu
Markus Giger
Berufung gefunden
Freimut Haverkamp
Leb dein bestes Leben
Sören Koch
Mein Weg in den Dienst der Lehre
Ralph Kunz
Überrascht von Gott
Reiner Lorenz
Kirche im Dialog
Sabrina Müller
Mein Leben geweiht
Esther Müller-Vocke
Sehnsucht nach mehr
Marc Nussbaumer
Mit Leidenschaft für den dreieinigen Gott
Hans-Peter Pache
Dienst in der Balance zwischen Wort und Geist
Markus Schär
Der beste Job der Welt
Martin Scharnowski
Von Jesus gerufen
Birgit Schindler
Plötzlich Pastorin
Gabi Schranz
Vom schwachen Hauptschüler zum leitenden Pastor
Artur Siegert
Theologin aus Berufung und Leidenschaft
Debora Cornelia Sommer
Es ist nie zu spät
Erika Urech
Das Leben findet jenseits von Theorie und Praxis statt – aber Gott ist immer mittendrin
Matthias Wenk
Gib nie auf!
Johannes Wirth
Autorenverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Die weiteren Bücher der Edition IGW:
Band 1 der Edition IGW
Band 2 der Edition IGW
Band 3 der Edition IGW
Band 4 der Edition IGW
Band 5 der Edition IGW
Band 6 der Edition IGW
Band 7 der Edition IGW
Über den Verlag
Vorwort
Johannes Reimer
„Pastor – ein Traumberuf? – Wer das behauptet ist selbst nie Pastor gewesen“, entgegnete mir einer meiner pastoralen Kollegen, der wieder einmal völlig überarbeitet, gestresst und entnervt über die Zukunft seines Dienstes nachdachte. „Es wäre sicher ein klasse Beruf, wenn es da nicht all die komischen Menschen in der Gemeinde gäbe“, meinte er noch. „Und bezahlen könnte man uns Pastoren auch besser.“
Mein Kollege ist bei weitem nicht der einzige, der so denkt. Erschreckend hoch ist die Anzahl der Aussteiger aus pastoralen Beschäftigungen in Kirchen und Freikirchen, Gemeinden und Gemeinschaften. Pastoren halten den Druck nicht aus und verlassen ihren Beruf, den sie einmal mit so viel Elan angetreten haben. Überdurchschnittlich hoch ist die Zahl derer, die im Pastoren-Beruf ausbrennen. Man spricht von 15 % der psychisch kranken Christen, die aus einem kirchlichen Beruf kommen. Kann man da noch vom „Traumberuf“ reden?
Und dann die Bezahlung. Ein freikirchlicher Pastor in Deutschland wird schlechter bezahlt als ein Grundschullehrer. Der Vergleich mag hinken, vielleicht ist der Stresslevel eines Lehrers ja auch noch höher. Leider ist ja auch dieser Beruf notorisch unterbezahlt. Pastor, ein Traumberuf? Und das bei schlechter Bezahlung, viel Stress und mangelhaftem Verständnis? Zweifel mögen da berechtig sein.
Und doch bin auch ich nichts lieber als das – Diener meines Gottes inmitten seiner Kirche. Ja, auch ich glaube, dieser schwierige Beruf ist klasse. Wie komme ich dazu, so etwas zu behaupten? Klassifiziere ich mich nicht selbst durch die Einleitung in diesem Vorwort? Nein, bestimmt nicht. Für mich sind es folgende Argumente, die den absoluten Reiz dieses Berufs ausmachen:
1.Es ist ein Traum eines Träumers, bei dem jeder Traum wahr wird;
2.Es ist eine überaus schöpferische Vision, die in diesem Beruf verwirklich wird;
3. Es ist ein Beruf, in dem es kein Wachstumslimit gibt;
4.Es ist der einzige Job auf der Erde, den der Himmel direkt bezahlt. – Was meine ich damit?
Erstens, der Pastorenberuf ist Gottes Erfindung. Er, Gott selbst, setzt in seiner Gemeinde Pastoren ein, um die Heiligen zum Werk ihres Dienstes zuzurüsten (Eph 4,11). Nicht Menschen – Gott beruft Menschen in den Pastorendienst. Er beruft, setzt ein und benennt die Rahmenbedingungen für diesen Beruf. Er schreibt die Jobdescription. Und Gott, der Schöpfer, hat in seiner göttlichen Größe noch nie ein eigenformuliertes Ziel verfehlt. Sein Wort kommt nie leer zurück (Jes 55,11). Was er sich ausdenkt, was er benennt – das wird. Wer also Pastor aus seiner Hand ist, hat eine Erfolgsgarantie auf dem Tisch. In welchem anderen Beruf gibt es so etwas? In keinem! Man ist überall aufs Ausprobieren und damit regelmäßig auf Frust und Scheitern angewiesen. Pastoren dagegen sind dabei, Gottes Traum zu verwirklichen. Natürlich nur dann, wenn sie das, was sie da tun, auf seinen Auftrag hin und unter seiner unmittelbaren Führung tun. Man kann also nicht einfach Pastor werden. Theologie studiert, einen Job in der Kirche übernommen – das allein ist ein sicherer Weg ins oben beschriebene Problem des Scheiterns. Aber das kann auch anders gehen. Und Zeugnisse im vorliegenden Buch machen das deutlich. Wo Gott beruft, wo Er einsetzt und sein Geist leitet – bleibt immer Begeisterung zurück! Wie sagt es Apostel Paulus so treffend – „Der Geist gibt die Gaben, der Herr die Aufgaben und Gott wirkt Kraft“ (1Kor 12,4–6).
Zweitens, der Pastorenberuf zielt auf Erkennung von Potenzialen, Einsetzung in den richtigen Dienst, Ermächtigung und Begleitung von Menschen. Pastoren sollen „die Heiligen zum Werk ihres Dienstes anleiten“ (Eph 4,12). Wo sie tätig werden, da blühen Menschen auf, heilen Wunden und Beziehungen und entsteht Leben. Man kann mit Fug und Recht behaupten – Pastoren sind Lebensgestalter. Sie gestalten menschliche Biografien und wie es keinen zweiten Menschen auf der Erde geben kann, der ganz und gar einem anderen ähnelt, so sind auch ihre Aufgaben. Kein anderer Beruf ist so vielfältig, so kreativ, so herausfordernd und spannend wie dieser. Freilich auch nur dann, wenn sich Pastoren nicht auf die Stufe eines Religionsverwalters reduzieren lassen. Das ist natürlich langweilig. Aber die Zeugnisse dieses Buches sprechen eine andere Sprache. Hier reden Menschen, die die Herausforderungen ihres Berufes nicht verschweigen, aber die an der Innovation und Kreativität ihrer Aufgabe wahre Freude gefunden haben und diese auch zum Ausdruck bringen. Und natürlich ist ein Beruf klasse, in dem ich meine Zeit selbst planen, meine Aufgaben selbst aussuchen und gewichten kann und dabei noch die allerbeste Hilfe erhalte, die es geben kann – die Führung des Heiligen Geistes.
Und drittens, der Pastorenberuf ist eine Welt für sich. Was muss ein Pastor nicht alles während eines Pastorenlebens gewesen sein? Wie der Apostel Paulus strebt er danach, den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche, den Armen ein Armer, den Reichen ein Reicher, eben „… allen alles zu werden, um wenigstens einige zu gewinnen“ (1Kor 9,22). Sicher geht ein solcher Anspruch über alle Köpfe. Man könnte darunter zusammenbrechen, oder man versteht wie Paulus, niemand muss alles zugleich sein, Pastoren dürfen wachsen, sich entwickeln und bis ins hohe Alter lernen. Für sich selbst hatte der große Apostel es auf die Formel gebracht: „Ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon erreicht habe, aber eines tue ich – ich vergesse, was dahinter liegt und strebe nach vorne – dem Ziel meiner Berufung nach“ (Phil 3,13f). Sie finden viele Geschichten des persönlichen Wachstums in den Zeugnissen des vorliegenden Buches. Sie ermutigen, weil sie zeigen: Pastoren sind niemals ein für alle Mal gemachte Menschen. Sie sind, weil sie werden!
Und wieder darf gefragt werden, in wie vielen Berufen darf so etwas sein? Sicher nicht in vielen. In der Gesellschaft sucht man Spezialisten, die das, wofür sie eingestellt wurden, möglichst perfekt können. Im Pastorenberuf bleibt man dagegen lebenslang ein Lernender, eine Lernende und der Lehrer, der Heilige Geist, ist jederzeit daneben und bügelt aus, was besser gemacht werden müsste, perfektioniert, was der Pastor tut. Und wie ein kleines Kind freut sich dann der bereits in die Jahre gekommene Pastor über seine gerade vorbereitete Predigt, weil sie wieder einmal Neues enthält, noch nie vorher Erkanntes und jetzt auf einmal wurde es einem offenbar. Wie sagt es da mein guter Freund und Mentor, der ehemalige Leiter der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation, Tom Houston, der heute 87 Jahre alt ist: „Ich habe den Eindruck, heute lerne ich sogar noch intensiver als damals als ich als junger Pastor kaum Zeit dafür fand.“ Ein 87-jähriger Pastor lernt.
Und viertens und letztens, der Pastorenberuf wird zweimal entlohnt. Sicher wird niemand durch seinen Dienst als Pastor reich, wenigstens nicht dann, wenn er und seine Gemeinde sich an die Heilige Schrift halten. Wer es darauf anlegt, Geld zu verdienen, sollte nicht Pastor werden wollen. Nicht das Gehalt macht den Reiz des Berufes aus, sondern der himmlische Segen, den man dabei bekommt und eines Tages nach dem Ende dieser Tage bekommen wird. Jesus selbst verspricht seinen Jüngern einen großen Lohn (Lk 6,35). „Und was habe ich davon, wenn das erst nach diesem Leben kommt?“, wird der diesseitig denkende Mensch fragen. Tja, viel. Hier auf der Erde lebe ich ja nur 70 bis 80 Jahre, im Himmel eine ganze Ewigkeit. Wenn man so für eine ganze Ewigkeit vorsorgen kann. Wenn sich das nicht lohnt – was dann? Und Hand aufs Herz: Gibt es einen zweiten Job, der so himmlisch entlohnt wird?
Also doch Traumberuf! Ich glaube schon. Und er steht jedem Christen offen. Die Berufung spricht zwar Gott aus, aber die Bereitschaft dazu bringen wir Menschen mit. Lassen sie sich von den Zeugnissen dieses Buches inspirieren. Sie werden wie ich begeistert sein. Und vielleicht schlägt ihr Herz höher und auch Sie lassen sich auf dieses Abenteuer mit Gott selbst ein, denn das ist der Beruf wahrlich – ein Dienst für Gott voller Überraschungen und Segen.
BIOGRAFISCHES

Johannes Reimer, Jg. 1955, verheiratet, zwei Kinder. Dr. der Theologie, Gemeindegründer, Buchautor, Professor für Missionswissenschaften an der Theologischen Hochschule Ewersbach und an der Universität von Südafrika (Unisa), 1. Vorsitzender der GBFE.
Einleitung: Über dieses Buch
Fritz Peyer-Müller
Herzlichen Dank
Wir sind überzeugt, dass unsere Pastoren und Pastorinnen, unsere Pfarrer und Pfarrerinnen, unsere Theologen und Theologinnen einen ausgezeichneten Dienst tun. Oder mit den Worten des Buchtitels: einen ausgezeichneten Job machen. An ihrem Platz, in ihrem Dienst, in ihrer Kirche, zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zusammen mit ihren Gemeindeleitungen. Ob sie eine große, kleine, mittlere, wachsende Kirche leiten, ihnen gehört unser Dank. Darum ist dieses Buch den teil- und vollzeitlichen Frauen und Männern gewidmet.
Wir danken aber auch den Autorinnen und Autoren, die wir angefragt haben. Obwohl einige aus zeitlichen Gründen absagen mussten, waren sie vom Buchprojekt und von der Idee begeistert – ebenso wie die Frauen und Männer, deren Beiträge nun auf den folgenden Seiten erscheinen. Ihnen danken wir besonders für ihre Bereitschaft, offen über ihren Weg mit Gott, ihren Dienst, über ihre Motivation, über Freuden und Leiden zu schreiben. Sie erlauben uns, einen Blick in ihre Lebensgeschichte zu werfen.
Im Buch haben wir die Reihenfolge der Geschichten alphabetisch nach Autoren und Autorinnen sortiert. Ein Autoren-, ein Abkürzungs- und ein Inhaltsverzeichnis erleichtern das Auffinden der einzelnen Beiträge.
Große Vielfalt
Die 27 Geschichten spiegeln eine große Vielfalt im Reich Gottes wieder. Das lässt sich bereits bei den Dienstbezeichnungen beobachten. Wir haben Gemeindeleiter und Pfarrerinnen, Theologinnen und Pastoren, Heilsarmeeoffizierin und Seniorpastors, Professoren und Pastorinnen, Jugendpastoren und Gemeindegründer. Bewusst wurden in diesem Buch die verschiedenen vielfältigen Bezeichnungen belassen. Die Geschichten lassen erahnen, welche Vielfalt tatsächlich in 1Kor 12 wie auch in Eph 4 gemeint ist.
Die Autorinnen und Autoren repräsentieren auch eine große Vielfalt von Landeskirchen, Freikirchen, Gemeinschaften, Bewegungen, Projekten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bewusst wurde in der Vorbereitung auf diese Vielfalt geachtet. Denn wir sind der Überzeugung, dass das Reich Gottes grösser, umfassender und eben vielfältiger ist als eine Denomination. Die Berichte erlauben uns, einen Blick über den eigenen Zaun hinaus in diesen Reichtum und diese Vielfalt zu werfen. Es kann heilsam und motivierend sein, zu sehen, wie Männer und Frauen außerhalb der eigenen Kirche geführt und berufen wurden.
Auch die Sprache der Autorinnen und Autoren haben wir im Originalton belassen. Denn dieses Buch soll ihre Geschichten, ihre Erfahrungen und Begegnungen erzählen, ihre Erkenntnisse und Herausforderungen.
Eindeutige Berufungen
Ein Thema wird in fast jedem Bericht angesprochen. Die Berufung. Die Berufung zum vollzeitlichen Dienst. Dahinter steht die Frage: Was hat Gott mit meinem Leben vor? Bin ich bereit, mein Leben ganz ihm und seiner Herrschaft zur Verfügung zu stellen? Die Erfahrungen der Berufung mögen sehr verschieden sein. Aber die Klarheit und Eindeutigkeit der verschiedenen Berufungen ist offensichtlich. Begegnungen mit dem dreieinigen Gott in der Stille, unterwegs, bei der Lektüre der Bibel haben zur Klarheit des Weges geführt. Das war der Beginn einer spannenden Reise, auf der wir die Autoren und Autorinnen begleiten können.
In den meisten Geschichten wird aber auch deutlich, dass die Umsetzung der Berufung eine Vorbereitung erfordert. Oft waren eine Ausbildung, ein Studium oder verschiedene frühe Diensterfahrungen der erste Schritt. Was zunächst oft als Umweg erscheint, wurde zur eigentlichen Vorbereitung für den Dienst, zu dem berufen wurde. Die Storys erinnern zum Teil an die Berufungsgeschichten im Alten und Neuen Testament (Mose in Ex 3; Josua in Jos 1; David in 1Sam 16; Jesaja in Jes 6; Jeremia in Jer 1; die Jünger in Mt 4,18f; Paulus in Apg 9).
Die Frage der Berufung, so zeigen die Geschichten, wird oft in jungen Jahren bewegt und geklärt. Im vorliegenden Buch sind es Berufungen in den vollzeitlichen Dienst im Reich Gottes. Aber die Frage der Berufung treibt wohl jeden um. Jeder junge Mensch ist auf der Suche nach seiner Berufung für das persönliche und gemeinschaftliche Leben mit Gott. Und wir tun gut daran, diese Fragen aufzugreifen und zur Sprache zu bringen.
Starke Liebe zur Gemeinde
Die Geschichten sind auch eine Art Liebeserklärung an die lokale Kirche. Ich meine zu sehen, dass jeder Autor, jede Autorin darüber schreibt, wie gerne er oder sie seinen oder ihren Dienst in der lokalen Kirche tut. Diese Männer und Frauen lieben ihre Kirche. Sie sind gerne mit ihren Gemeindeleitungen, ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unterwegs. Sie stellen sich gerne den Herausforderungen ihres Dienstes und ihren Aufgaben.
Die Liebe zur Gemeinde Jesu hat zutiefst mit den Berufungen zu tun. Die Berufung, im Reich Gottes zu dienen, manifestiert sich lokal und global, aber immer in Gemeinschaft. Denn die Gemeinde – auch die lokale, eigene Kirche, ist Leib Christi. Er ist der Herr der Kirche, er ist der Eckstein, der die Kirche zusammenhält.
Engagierter Dienst in der Gemeinde
Ihre Berufung und ihre Sendung verstehen die Autoren und Autorinnen als Dienst. Dienst als Leitwort für die Arbeit im Reich Gottes – oder mit den Worten des Buchtitels – für den Job. Sie stehen damit in der Tradition Jesu, der gekommen ist, um zu dienen (Mk 10,41ff). Paulus greift dieses Dienstverständnis auf, wenn er sich als Diener des neuen Bundes versteht (2Kor 3,7ff) und damit als Diener Christi (1Kor 4,1). Man darf – in Umwandlung der bekannten Formulierung „dienende Leiterschaft“ – denn auch von einer „leitenden Dienerschaft“ sprechen.
Das ist auch darum hervorzuheben, weil zu oft auf Leiterschaft im Sinne von „Management“ gehofft wird und von dort Wunder erwartet werden. Die Geschichten reduzieren das Selbstverständnis auf das Wesentliche: Dienst. Er mag der Dienst der Verkündigung, der Lehre, der Leitung, der Seelsorge sein. Es ist und bleibt ein Dienst. Ein Dienst im Auftrag des Herrn der Kirche und seiner Mission, an dem Ort, wo eben der Weg des Herrn hinführte. Darum kann engagierterer Dienst gelingen, weil sich die Autoren und Autorinnen ihrem Dienstherrn verpflichtet wissen.
Gewinnende Lektüre
Die Lektüre der einzelnen Geschichte inspiriert den Pastor, die Theologin, ebenfalls über die eigene Geschichte nachzusinnen. Wie war das mit meiner Berufung? Welche wichtigen Stationen begleiteten meinen Weg bis heute? Welche prägenden Persönlichkeiten wiesen mir den Weg? Warum tue ich meinen Dienst so, wie ich ihn heute tue? Welche Bestätigungen auf dem Weg bestärkten meine Berufung und meinen Dienst?
Die Geschichten motivieren wiederum zum Dienst in der Gemeinde, im Reich Gottes. Es sind Geschichten, die der eigenen Geschichte gleichen. Sie weiten den Blick über den eigenen Lebensweg hinaus auf den großen gemeinsamen Dienst im Reich Gottes. Dieser Dienst ist vielfältig und bunt. Und die einzelne Person hat Anteil an der umfassenden Mission Gottes in dieser Welt. Männer und Frauen an verschiedensten Orten sind eben darum nicht alleine, sondern gemeinsam unterwegs, durch Leben und Dienst die Mission Gottes zu leben.
Die einzelnen Geschichten regen Gemeindeleitungen, Vorstände (und wie die Gremien auch heißen mögen) an, Dienst und Leben ihres Pastors bewusster wahrzunehmen. Warum nicht den Vollzeiter einladen, seine Geschichte, seine Berufung in der nächsten Sitzung zu erzählen? Die Geschichten führen dazu, der Gemeindeleiterin, dem Pastor, dem Theologen, der Theologin zu danken. Sie laden aber auch dazu ein, sich aktiv um die Berufung von jungen Männern und Frauen zu kümmern. Das Wort Jesu liegt immer wieder im Ohr: „Die Ernte ist groß, Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende“ (Mt 9,37f).
Diese Geschichten motivieren junge Männer und Frauen, über ihre Berufung nachzudenken und die Frage nach dem Weg mit Jesus aktiv anzugehen. Was will Gott in und durch mein Leben bewirken? Wo will er mich persönlich haben? Wie wird sein Weg mit mir aussehen? Der dreieinige Gott wird den Weg weisen, wie auch immer dieser Weg aussehen wird.
Die Geschichten sind so geschrieben, dass Christen und Christinnen eine leichte Lektüre haben. Sie eröffnen ein gutes Verständnis für den vielfältigen, herausfordernden geistlichen Dienst von Männern und Frauen und fördern das Verständnis für den eigenen Gemeindeleiter und dessen Dienst, für die eigene Pfarrerin und deren Dienst.
BIOGRAFISCHES

Fritz Peyer-Müller, Dr. theol., Jg. 1952, verheiratet, ein Sohn. Rektor von IGW. Berufslehre, Studium der Theologie am TSC, Kirchliche Matur, Theologiestudium in Basel, Zürich, Bern und Debrecen/Ungarn. Doktorarbeit über die ungarischsprachige Reformierte Kirche in der Ukraine. Pastor beim EGW in Luzern, seit 1993 bei IGW, zunächst als Studienleiter in Bern, seit 2003 als Rektor.
Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben (Ps 2,8)
Florian Bärtsch
Meine Story
Gottesbegegnung
Als 15½-jähriger Teenager hatte ich beim Lesen des dritten Buches Mose eine zentrale und kaum beschreibbare, doppelte Gotteserfahrung. Zuerst begegnete ich der Heiligkeit Gottes in einer „Feuererfahrung“. Diese Erfahrung bewirkte eine tiefe Erkenntnis meiner Sündhaftigkeit und Verlorenheit; aber auch der unbestechlichen Heiligkeit Gottes und last but not least eine tiefe und unauslöschliche Erkenntnis der Realität eines letzten Gerichtes und der Existenz von Himmel und Hölle. Dann, nach dem Lesen der Kernbotschaft des Evangeliums, hatte ich eine direkte Christusbegegnung. Diese übernatürliche Begegnung „veränderte alles“! Ich durfte IHN sehen und persönlich kennen lernen, meine Schuld wurde vergeben, ich wurde von neuem geboren. Direkt nach dieser intensiven Bekehrungserfahrung wurde ich mit einer nie gekannten, übernatürlichen Freude erfüllt, dass ich gleichzeitig weinte und laut lachte.
Berufung
Später dann, als ich mich von meinen Knien erhob, hörte ich eine innere Stimme, die ganz deutlich zu mir sprach: „Das, was du eben erfahren hast, ist nicht nur für dich, sondern das ist eine Botschaft für alle Menschen der Welt und es ist deine Bestimmung, diese Botschaft in alle Welt hinaus zu tragen!“ Kurze Zeit später, als ich dann beim Lesen der Bibel auf Ps. 2,8: „Bitte mich so will ich dir Völker zum Erbe geben und die Enden der Erde zum Eigentum“ stieß, erlebte ich eine starke Bestätigung der Berufung eines „Botschafter Jesu Christi zu den Nationen“.
Theologiestudium
Das solide, fünfjährige, bibeltreue Studium, inklusive der „alten Sprachen“ (Latein, Griechisch, Hebräisch), war für mich ein wirklich großer Segen. Dort wurde mein Vertrauen in die Inspiration der Bibel fest verankert und beim Hören einer Vorlesung über den Reformator Martin Luther hatte ich eine herrliche Offenbarung der Gnade unseres Vaters im Himmel.
Während meines ersten Praktikums in einer reformierten Landeskirche in Graubünden hatte ich ein „pastorales“ Schlüsselerlebnis. Als ich so in diesem mächtigen Pfarrhaus mit seinen riesigen Räumen und dicken Mauern stand, „wusste“ ich plötzlich ganz klar, dass ich nie ein „normaler“ Pfarrer bzw. Pastor in einer Gemeinde sein würde. Ganz im Gegenteil, ich wusste in dem Moment glasklar: Ich muss hier weg, ich bin hier „gefangen“, ich MUSS einfach hinaus in die Welt.
In der zweiten Hälfte des Studiums heiratete ich dann meine Traumfrau Anni und mitten in den Abschlussprüfungen wurde unsere erste Tochter geboren. Das war schon auch verrückt: Mitten im Gebärsaal, beim Warten auf das Baby hatte ich einige theologische „Schinken“ dabei und versuchte noch, mich irgendwie auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Nun ja, wie gesagt, ich versuchte es … und bei dem Versuch blieb es dann auch, denn dann wurde sie, unsere Wunschtochter Sarah, geboren und das war für mich, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte und überschattete bei weitem den Abschluss meines Studiums! BEI WEITEM!
Afrika und Langenthal
Nach dem Studium war ich dann vier Jahre theologischer Lehrer an der Bibelschule New Life in Walzenhausen und machte anschließend ein einjähriges Praktikum in der großen FEG in Langenthal. In Walzenhausen wurde unsere zweite Tochter Judith geboren, die dann aber unerwartet mit 40 Tagen an plötzlichem Kindstod starb. Zwei Jahre später wurde unser Sohn Silas geboren. Da ich gerade im Militärdienst war, kam ich leider zu spät zu seiner Geburt, aber als ich dann endlich dort war, hörte er augenblicklich auf zu schreien und wir waren einfach nur glücklich. Silas und seine Frau Graziella machten uns inzwischen zum ersten Mal zu glücklichen Großeltern.
Mit einigen der dortigen Bibelschülern machte ich einen ersten mehrwöchigen und prägenden Evangelisationseinsatz in Afrika. In der ersten Nacht in Afrika wurde unsere Missionsstation von etwa 30 mit Macheten bewaffneten Männern überfallen. Da auf der Station gerade eine Evangelistenausbildung stattfand, waren dort auch junge Männer aus den ehemaligen Kriegerstämmen der Samburu und Massai, bei denen jetzt auch das Kriegsblut erwachte, sodass sie Pfeil und Bogen hervorholten und es einen furchtbaren Kriegslärm und „eine richtige Schlacht“ gab. Schließlich gewannen die Evangelisten, die Eindringlinge konnten erfolgreich und endgültig vertrieben werden. Die anschließende, mehrwöchige Missions- bzw. Evangelisationsreise hat dann in mir das Feuer für die Mission lichterloh und endgültig zum Brennen gebracht. Unser lokaler Missionsleiter wurde für mich zu einem der fünf großen Lebensvorbilder. Er hatte als seine persönliche Lebensvision, dass alle Stämme im Land das Evangelium gehört haben, bevor er sterben würde. Und das ist dann auch so geschehen und dafür hat er sein Leben gegeben. Wow – PTL!
In Langenthal lernte ich darauf die ganze Welt der Gemeindegründung kennen. Die dortige Gemeinde hatte während dem Jahr, in dem ich dort war, gerade mehrere Gemeindeneugründungen „am Laufen“. Da ich dort ganz praktisch involviert war, wurde das zu einer mein Leben und meinen Dienst prägenden Erfahrung. In Langenthal wurde unsere Tochter Simona geboren. Sie ist zwar unser jüngstes Kind, aber wie es scheint, hat sie am Meisten von mir und meiner eher wilden, evangelistisch–missionarischen Art geerbt.
Bitte mich so will ich dir Völker zum Erbe geben und die Enden der Erde zum Eigentum
Nach der Zeit an der Bibelschule und dem Lehrjahr in Langenthal wurde ich von der FEG in Steffisburg, unserer „Favoriten-Gemeinde“, als Pastor für Evangelisation und Mission angestellt. So begannen die Jahre, in denen ich als reisender Evangelist arbeitete. Vorher hatte ich zweimal eine klare Berufung für die Mission in mir verspürt und zweimal hatten wir uns ganz konkret auf die Mission in Afrika (Kongo, Kenia) vorbereitet. Und beide Male hatte der Herr, relativ kurz vor der geplanten Ausreise, NEIN gesagt. Ich verstand wirklich nicht, was ER meinte. Sollen wir nun in die Mission gehen (was ich viiieeel lieber getan hätte) oder sollen wir in der Schweiz bleiben? Dann zeigte uns der Herr, dass wir eine neue Form der Mission (die sog. NMR, „Non Residential Mission“) entwickeln und leben sollen. Diese Form der Mission gestaltet sich so, dass man mit einem Bein (Standbein) hier in der Schweiz bleibt und mit dem anderen Bein (Spielbein) in ganz verschiedene Missionsfelder geht und dort bei der Gründung von neuen Gemeinden mithilft.
In der Zeit in Steffisburg erlebte ich entscheidende Begegnungen und Erfüllungen mit dem Heiligen Geist. Danach begann auch der evangelistische Dienst viel mehr Frucht zu bringen. Im Sommer 1993 sprach der Herr sehr deutlich und klar, dass nun die Zeit gekommen sei, in der sich die Verheißung aus Ps. 2,8, für die ich 18 Jahre gebetet hatte, erfüllen bzw. verwirklichen würde. Und tatsächlich folgten ein paar Monate später der Ruf und die erste Reise nach Russland. Der erste evangelistische Einsatz zusammen mit meiner Frau und einem Team führte zu drei Gemeindegründungen. Beim nächsten Einsatz, sechs Monate später, gründeten wir dann zwei weitere Gemeinden unter dem islamischen Volk der Baschkiren. Das war der Auftakt zu mehr als 20 Jahren abenteuerlichem und atemberaubend spannendem Gemeindegründungsdienst unter den verschiedensten Ethnien und Völkern in Russland, im Kaukasus, in Bulgarien, in Ägypten, in Indien, in Nepal, in Äthiopien usw. Ps 2,8: „Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und die Enden der Erde zum Eigentum.“
In diesem begeisternden Dienst haben wir bisher in fünf religiös-kulturellen Großgebieten gearbeitet: Im ehemaligen kommunistischen Ostblock, im hinduistischen Gürtel in Mittel- und Nordindien, im hinduistisch-buddhistischen Himalaja, unter islamischen Völkern und im säkularisierten Europa. Um diesem internationalen Dienst der Gemeindegründung ein organisatorisches und administratives Gefäss zu geben, gründeten wir als kleines Team das Missionswerk Kingdom Ministries (KM).
Die Begegnung mit einem ganz neuen und absolut faszinierenden Dienst
Bei den Diensteinsätzen in verschiedenen Ländern (Russland, Kasachstan, Bulgarien, Ägypten, Indien usw.) fiel mir auf, dass es eine spezielle Gruppe von „Pastoren“ gab, die alle die gleichen (Dienst-)Eigenschaften hatten. Ich machte mir dann eine Liste. Folgende sieben Kriterien fand ich bei allen:
Eine große Liebe zu Jesus, zu seinem Wort und zum Gebet. Im Durchschnitt verbringen diese Leute 2,5 Stunden am Tag im Wort und Gebet.
Sie haben eine Leidenschaft für Pionierarbeit und ein ausgesprochenes Reich-Gottes-Denken.
Weiter zeigen diese Personen eine Passion für die Gemeinde bzw. die Braut Christi und lieben das (multiplikative) Gründen von Gemeinden.
Immer wieder berufen sie Leute, trainieren sie und senden sie aus.
In ihrem Dienst wird oft ein starkes Element der Strategie in Bezug auf Gemeindegründung, Multiplikation, flächendeckende Gemeindegründung, Gemeindegründungs- und Jüngerschaftsbewegungen sichtbar.
Das Übernatürliche (Zeichen und Wunder) ist Teil ihres Dienstes.
Alle haben starke Erfahrungen des Leidens.
Langsam wurde mir klar, dass das nicht „typische Pastoren“ sind, sondern eben „Gesandte“ (gr. „apostolos“, von „apostello“, senden) sind. Dieser Dienst eines „Gesandten in die Welt“ hat mich dann mehr und mehr fasziniert und Anklang in mir gefunden. Und schließlich wurde die „Begegnung mit dem Apostolischen“ zu einer großen Wende in meinem Dienst. Heute versuchen wir ebenfalls, in diesen Werten und Prinzipien eines „Gesandten“ zu leben und auch auszubilden.
Meine Faszination
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an Ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16). – Gott liebt die WELT. Das Endziel der Liebe Gottes sind die Verlorenen. Und diese Liebe Gottes wird nicht ruhen, bis das Evangelium vom Reich Gottes dort an den tiefsten und dunkelsten Orten und Herzen angekommen ist. „Dieses Evangelium vom Reich Gottes wird verkündigt werden auf der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker und dann erst wird das Ende dieser Welt und der Anfang von Gottes neuer Welt kommen.“ Und diese Liebe treibt mich innerlich so stark an, dass ich nicht anders kann, als eben in die Welt zu den unerreichten Völkern und Regionen zu gehen, um mitzuhelfen, dass dieses kostbare Evangelium verkündigt wird. Paulus schreibt: Denn die Liebe Christi drängt uns, zumal wir überzeugt sind, dass, wenn einer für alle gestorben ist … Gerade in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, bin ich hier mitten in Oromia dem Land der Oromos. Die Oromos in Ost-Äthiopien sind 4,5 Millionen Menschen (Muslime), die noch nie das Evangelium gehört haben und völlig unerreicht sind. Und jetzt trainieren wir hier 45 Männer und Frauen, die jeden Tag hinausgehen in die Dörfer und Hütten und das Evangelium verkündigen und dann am Abend zurückkommen und berichten, was geschehen ist, als das Evangelium die Herzen der Menschen erreicht hat. Es gibt nichts Schöneres! Dann bin ich zutiefst erfüllt und glücklich; ja wie Demos Shakarian schreibt: „die glücklichsten Menschen auf Erden.“
Motivation
„Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden was wir (selber) gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Hier kommt diese Passion, Leidenschaft und das Feuer eines, der Jesus direkt und persönlich erlebt hat und immer wieder erlebt, zum Ausdruck. Das scheint mir das Wichtigste überhaupt zu sein, dass wir in dieser direkten, lebendigen und leidenschaftlichen Liebesbeziehung zu Jesus bleiben. Diese ungebrochene Freude am Herrn ist unsere wahre Kraft. „Lieber“ jede andere Sünde, in die wir fallen mögen, aber nicht in die Sünde der Lauheit! Ach, dass du doch kalt oder warm wärst! Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache immer die Hauptsache bleibt … und die „Hauptsache“ ist, diese wunderbare erste Liebe zu Jesus, unserem Retter, Herrn und König zu leben und zu bewahren in all unserem Studieren, Dienen und Leben.
BIOGRAFISCHES

Florian Bärtsch, Jg. 1959, verheiratet mit Anni, drei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder. Leiter von Kingdom Ministries. Studium der Theologie an der STH in Basel, Abschluss MTh.
Kirche neu erleben
Steffen Beck
Meine Story
Um es gleich vorweg zu sagen: Ich hatte nicht vor, „Pastor“ zu werden, weil es in meiner vom württembergischen Pietismus geprägten Welt nur „Pfarrer“ gab. Und Pfarrer zu werden in der evangelischen Landeskirche war nicht auf meinem Radar.
Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Mein Vater leitete den örtlichen Posaunenchor und die ganze Familie war im CVJM und der dazu gehörenden evangelischen Kirche engagiert.
Nach dem Abschluss der Realschule machte ich erstmal eine Ausbildung zum Mechaniker. Am Ende meiner Ausbildung sagte ein älterer Kollege zu mir: „Beck, dich sehen wir nach dem Zivildienst auch nicht wieder.“ Das war meinen Kollegen zu dieser Zeit wesentlich klarer als mir. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Ich habe nicht „zwei linke Hände“, sondern bin ein handwerklich sehr begabter Mensch. Auch mein Abschluss war gut. Aber sie ahnten wohl schon etwas von meiner Berufung, die eher im Dienst an den Menschen als am Material lag.
So machte ich also erst malmeinen Zivildienst im CVJM Tübingen. Ich lernte dabei neben der sozialen Arbeit unter jungen Ausländern auch das „akademische Leben“ einer Unistadt kennen. Ich hatte ja keine Ahnung, wie viele wichtige Bücher es gab, die andere – im Gegensatz zu mir – schon gelesen hatten.
Nach dem Zivildienst entschloss ich mich, eine vierjährige Ausbildung an der „Evangelistenschule Johanneum“ in Wuppertal zu machen. Ich habe das bewusst etwas nüchtern formuliert, weil ich kein außerordentliches Berufungserlebnis „mit glühenden Kohlen auf meiner Zunge“ verspürte. Ich fühlte mich auch nicht wie die Menschen aus meiner Heimatgemeinde, die als Missionare ausgesandt wurden, und hatte auch nicht den Eindruck, dass man für mich mehr beten muss, als für alle anderen jungen Menschen, die in eine fremde Stadt zogen, um zu studieren oder einen Beruf zu erlernen. Ich machte eine Ausbildung, Punkt! Und doch war es auch mehr. Aber viel von diesem „Mehr“ habe ich erst im Rückblick erkannt und verstanden.
Die Entscheidung, „auf’s Johanneum“ zu gehen, gehört zu den besten Entscheidungen, die ich im meinem Leben getroffen habe. Denn in dieser Schule habe ich eine solide theologische Grundausbildung bekommen und – was vielleicht noch wichtiger ist – den nötigen Schliff durch die Menschen, die in mich investiert haben. Allen voran möchte ich hier den damaligen Direktor Fritz Gaiser nennen. Er hat mich herausgefordert, als ich unreif und verwöhnt in den Tag hinein gelebt habe. Er hat mich ausgehalten, als ich auf Ab- und Umwegen war. Er hat mich ertragen, als ich für manch andere ziemlich unerträglich war. Und er hat sich mir manchmal wie ein Baum in den Weg gestellt, wenn ich auf meinem Irrweg nicht zu stoppen war. Das war nicht immer schmerzfrei, aber ich bin ihm heute noch dankbar dafür.
Dann kam natürlich die Frage, wie und wo es jetzt weitergeht. Ich halte die sogenannte „erste Stelle“ für eine besonders wichtige Stelle, denn in diesen Jahren entscheidet sich viel. Ich habe eine Stelle gefunden, die zu mir gepasst hat, die aber auch eine ganz schön große Nummer für den Anfang war. Im September 1991 begann ich meine Arbeit als Jugend- und Musikreferent im CVJM Landesverband Baden. Ich war zu 50 % für die Begleitung der TEN-SING-Arbeit in Baden zuständig (und für viele andere Dinge im Landesverband). Für die anderen 50 % war ich in einem örtlichen CVJM in Baden als Jugendsekretär angestellt. Ich wollte es so, aber es war ganz schön schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Oft kam ich an meine Grenzen.
„Warum eigentlich im CVJM Baden?“, könnte man jetzt fragen. „Weil ich im Gebet von Gott gehört habe, dass ich …“, könnte jetzt die Antwort sein. Und ich habe auch gebetet, klar, wie jeder. Aber es gab auch viele ganz menschliche Gründe. Diese Stelle passte zu mir und meinen Gaben. Die haben gerade jemanden wie mich gesucht und gebraucht. Und meine Frau Sibylle, damals noch an der Pädagogischen Hochschule, studierte in Heidelberg und von daher war klar, es wird wohl auch in diese Region gehen. Die Entscheidung, wo ich „meinen“ ersten Dienst beginne, war ja nicht nur meine Entscheidung, sondern auch die eines frisch verheirateten Paares.
Das klingt so einfach, ist aber mitunter das Spannendste am Thema Berufung und Dienst, wenn man wie ich zu denen gehört, die verheiratet sind. Meine Frau und ich gehören zu den Ehepaaren, die sehr ähnlich begabt sind, das gleiche Leiterpotenzial haben und doch, wer hätte es gedacht, verschieden sind. Uns war von Anfang an klar, dass wir so viel wie möglich gemeinsam machen wollen. Meine Frau arbeitete als Lehrerin, war aber ehrenamtlich leitend in der Jugendarbeit vor Ort und auch landesweit in der TEN-SING-Arbeit tätig.
Für manche Ehepaare wäre so viel Gemeinsamkeit im beruflichen Bereich sicher das Letzte, was sie sich vorstellen könnten. Für uns war es das Einzige, was wir uns vorstellen konnten. Es hat einfach mit dem zu tun, wozu Gott uns beide berufen hat, auch als Paar. Und natürlich damit, dass wir beide ähnliche Begabungen und keine Kinder haben. Letzteres hat uns ermöglicht, sehr viel parallel und nicht getrennt zu tun und zu erleben.
Zwar haben wir gelernt, dass es nicht alle so machen müssen wie wir, aber wir sind bis heute davon überzeug, dass die Berufung eines Ehepartners für den geistlichen Dienst (oder wie sagt man eigentlich dazu?) immer auch den anderen Partner betrifft. Zumindest mehr betrifft, als in anderen Berufen. Es geht einfach um mehr als nur um einen Beruf. Es geht um das ganze Leben im Blick auf diese Berufung. Und darüber, glaube ich, muss man sich im Vorfeld Gedanken machen.
Vielleicht gehöre ich mit dieser Ansicht auch zur alten Schule. Das kann sein. Und ich lasse mich gerne von einer neuen Generation überzeugen, dass es auch anders geht. Aber die meisten Gespräche, die junge Leiter mit meiner Frau und mir führen, zeigen, dass da etwas dran ist.
So, nun geht es ja hier um die Frage, wie es zu meiner Berufung als Pastor kam. Denn bis 2011 arbeitete ich als Jugendreferent/Sekretär beim CVJM Baden. Und jetzt kommt das Geheimnis: Streng genommen bin ich gar kein Pastor! Ich leite zwar mit meiner Frau eine Gemeinde, die am Wochenende von mehr als 1200 Menschen besucht wird. Die Menschen sehen in uns auch die leitenden Pastoren dieser Gemeinde. Und das steht auch auf unseren Visitenkarten. Aber streng genommen sind wir beide nie als Pastoren ordiniert worden. Das geht übrigens jedem so, der wie wir eine unabhängige Freikirche gründet. Dafür ordiniert dich aus verständlichen Gründen einfach niemand.
Dass ich kein ordinierter Pastor bin, wurde mir klar, als sich eines Tages ein Staatsanwalt bei mir und anderen Pastoren in Karlsruhe per E-Mail meldete. Er machte uns ziemlich eindrücklich deutlich, dass es sich bei der Bezeichnung „Pfarrer“ oder „Pastor“ um eine geschützte Berufsbezeichnung handelt, die man nur durch eine Verbindung von Ausbildung und Ordination erlangen kann. Dies hat mich veranlasst, mich mit dem Thema näher zu befassen und einen langwierigen Weg durch kirchliche Institutionen zu gehen, um hier zumindest für die Generation nach mir eine Klärung herbeizuführen.
Wie kam es, dass ich heute „Pastor im ICF Karlsruhe“ (in Anlehnung an obigen Absatz sei die Anmerkung erlaubt, dass ich nicht sagte: „Pastor all over the World“) bin?
1999 besuchte ich mit meiner Frau und 6000 weiteren Menschen den Willow-Creek-Leitungskongress in Karlsruhe. Dort malte Bill Hybels ein Bild von einer Kirche, die in ihren Gottesdiensten am Sonntag in erster Linie die Menschen im Blick hatte, die Gottesdienste sonst eher selten besuchten. Das hat unser Herz unglaublich bewegt und uns gleichzeitig ein Bild von Gemeinde oder Kirche gegeben, wie wir es bislang noch nicht mal erträumt hatten. Wir dachten: Wenn Kirche so ist, dann würden wir nicht nur selber gerne hingehen, sondern auch unsere Freunde einladen. Und von da an konnten wir uns Kirche nicht mehr anders vorstellen.
Ich war damals noch angestellt beim CVJM Baden. Darum haben wir erst mal das Gespräch mit dem CVJM und der evangelischen Kirche im Raum Karlsruhe gesucht. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Wir wollten zu viel, zu früh und zu schnell innerhalb der evangelischen Kirche verändern. Eigentlich wollten wir, getrieben von der Motivation, unsere kirchendistanzierten Freunde zu gewinnen, eine Kirche in der Kirche gründen und das noch, ohne dass einer von uns beiden ordinierter „Pfarrer“ (da ist das Zauberwort wieder) war. Gut, wir waren jung und mit 33 darf man, wenn die Motivation stimmt, ja auch mal naiv sein. So haben wir (gemeint ist die evangelische Landeskirche im Dekanat Karlsruher Land und der eingetragene Verein, den wir initiativ, wie wir sind, schon mal gegründet hatten) uns am Ende darauf geeinigt, dass es wohl besser ist, wenn wir unseren Weg selbstständig gehen.
Da stand ich nun, wohl ahnend, dass ein landeskirchlich geprägter CVJMer, wenn er eine evangelische Freikirche gründet, wohl bald schon zu den ehemaligen „Landeskirchlern“ gehört. Konsequenterweise habe ich daraufhin auch meine Anstellung beim CVJM Baden gekündigt. Wir haben von dem Teilzeitgehalt meiner Frau und einigen Nebenjobs gelebt und das ging eigentlich auch gut, weil wir ja, wie schon erwähnt, keine Kinder haben und darum beide arbeiten konnten. An dieser Stelle möchte ich mit großem Respekt diejenigen erwähnen, die so eine Phase in ihrem Leben mit Familie und Kindern durchlaufen. Liebe Leserinnen und Leser: Wenn ihr von so einer Familie einen Freundesbrief mit detaillierter Bankverbindung bekommt, dann wisst ihr, was zu tun ist, denn es sind mutige Helden, die euch schreiben. Also war ich nun auf einmal … ja was war ich denn jetzt? Denn „Pastor“ wollte ich mich noch nicht nennen, denn ein Pastor sollte ja eine Gemeinde haben. Doch wir hatten damals weder eine Gemeinde noch eine Location. Was wir hatten, war eine große Vision, 25 Menschen im Wohnzimmer und 200 Kinositze, die wir in einer Nacht- und Nebelaktion aus einem Kino im Karlsruhe ausgebaut hatten.
Also, Pastor war ich noch nicht. Aber ich war auch nicht mehr CVJM-Sekretär und nicht mehr Jugend- oder Musikreferent des CVJM Baden. Ich war ein Mann, der zusammen mit seiner Frau wusste, wo er her kam und wo er hin wollte und sollte. Aber meine berufliche Identität konnte ich nicht mehr auf eine Visitenkarte drucken. Und ich wünsche jedem Menschen eine solche Phase in seinem Leben. Denn unsere Identität darf sich nicht allein aus dem ergeben, was wir tun. Unsere Berufsbezeichnung ist weit weniger wichtig als unsere Berufung und unsere ganz eigene von Gott geschaffene Persönlichkeit. Aber, um ganz ehrlich zu sein, ein bisschen hilfreich ist es dann schon, wenn man nach dieser Phase wieder etwas auf die Visitenkarte schreiben kann.
Also haben wir einfach angefangen. Schritt für Schritt sind wir in die Richtung gegangen, in der unser Ziel lag. Und unser Ziel war zu der Zeit wohl das einzige, was ganz klar war: Wir wollten eine Gemeinde gründen, in die wir unsere kirchendistanzierten Freunde einladen konnten. Eine Gemeinde, in der unsere Freunde „Kirche neu erleben“ können. Eine Gemeinde, die ihnen hilft, eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus aufzubauen. Und dieses Ziel hat sich bis heute nicht verändert.
Und was dann passierte, stimmt uns bis heute dankbar. Unsere Gemeinde wuchs nach vier mühsamen Jahren mit kleinen Besucher- und Budgetzahlen von 80 auf 200, von 200 auf 400 und dann mit mehreren Gottesdiensten auf inzwischen über 1200 Menschen an drei Standorten an.
Wir empfinden es jede Woche neu als ein Privileg, ICF Karlsruhe leiten zu dürfen. Wie soll man das Gefühl beschreiben, wenn etwas „funktioniert“ hat, was man einerseits nie ganz in der Hand hat und wofür man auf der anderen Seite schon etwas kann. Es ist eine Mischung aus dem Gefühl, dass wir wohl nicht alles verkehrt gemacht haben, und GNADE. Gott hat meiner Frau und mir ein starkes Leiterpotenzial anvertraut. Und sicher haben sich uns darum auch viele begabte Leiterinnen und Leiter angeschlossen. Und Gott hat uns die Gabe geschenkt, so zu predigen, dass Menschen berührt und bewegt werden. Und sicher sind darum dann auch immer mehr Menschen in unsere Gottesdienste gekommen. Und Gott hat uns eine große und klare Vision gegeben, die wir auch kommunizieren konnten und die Menschen angezogen hat.
Aber der Aspekt der Gnade ist auch nicht zu unterschätzen. Woran lag es, dass nach vielen Versuchen und Irrtümern, zur rechten Zeit die richtigen Menschen kamen? Was konnten wir dafür, dass einer von den Richtigen just in dem Moment kam, wo wir eine alte Industriehalle zur ICF-Eventhall ausbauen mussten und genau der davon nicht nur etwas verstand, sondern einer der Besten ist, die es gibt? Womit haben wir es verdient, dass aus unserer Zusammenarbeit eine wertvolle Freundschaft geworden ist und aus der Freundschaft eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit im Leitungsteam von ICF Karlsruhe? Womit haben wir es verdient, dass in unserem engsten Mitarbeiterteam Menschen sind, die zu uns passen; Menschen, die unglaublich stark begabt sind, mit einer ausgeprägten Persönlichkeit, und die gleichzeitig einen sehr demütigen und geschliffenen Charakter haben? Womit haben wir es verdient, dass unser Team eine Gemeinschaft aus Freunden ist, die sich vorstellen können, auch mit 85 noch Kirche neu zu erfinden? Was konnten wir dafür, dass Menschen zur richtigen Zeit das Geld spendeten, das wir bitter nötig hatten? Was können wir dafür, dass meine Frau und ich uns heute mehr lieben als je zuvor und zu den „stabilen Ehepaaren“ gehören, die nicht gleich weglaufen und aufgeben, wenn’s hart wird? Es hätte viele Gründe gegeben, an denen unsere Ehe wie so manch andere hätte zerbrechen können. Und so könnte ich noch ganz viele Beispiele anführen, die sich für mich sehr stark nach Gnade anfühlen.
In einer Ecke unserer Eventhall steht ein Kreuz, wo unser Team nach den Gottesdiensten für Menschen betet und auch das Abendmahl feiert. Jeden Sonntag, wenn alle Gottesdienste rum und alle Besucher und auch die meisten Mitarbeiter gegangen sind, knien meine Frau und ich uns vor diesem Kreuz nieder und nehmen noch gemeinsam das Abendmahl zu uns. Immer sind es ähnliche Worte und Sätze, die wir mit einem dankbaren Herzen am Ende eines langen Tages formulieren:
„Danke Jesus, dass du uns das Privileg gegeben hast, diese Gemeinde zu leiten. Es ist uns eine Ehre, als Sohn und Tochter dir und deiner Familie zu dienen. Danke für die vielen begabten und wunderbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die heute wieder einen wunderbaren Dienst getan haben. Wir legen jetzt alle Menschen und Mitarbeiter und die ganze Gemeinde in deine Hände. Wir lassen sie los, alle Menschen und auch alle Sorgen, weil wir nicht deinen Job machen wollen. Du hast gesagt, dass du dich sorgst. Und wir freuen uns jetzt auf den Abend (ich füge in Gedanken hinzu: und auf den guten Wein und den Käse) und auf den freien Montag. Gute Nacht Herr Jesus! Amen.“
Das ist meine Geschichte. Und nicht nur meine, sondern auch die meiner Frau Sibylle Beck, mit der ich ICF Karlsruhe seit gut zehn Jahren leite.
Meine Faszination
Was mich immer wieder neu fasziniert, ist zu erleben, wie Gott durch unsere Arbeit das Leben vieler Menschen nachhaltig verändert. Und wie Menschen Kirche neu erleben, die Gottesdienste bislang eher selten besucht haben.
Was mich aber auch fasziniert, ist, wenn Christinnen und Christen ihr ganzes Leben für diese große Vision investieren. Viele von ihnen haben gut bezahlte Jobs aufgegeben, um für viel weniger Geld, aber wesentlich mehr Sinn, täglich weit mehr als acht Stunden zu arbeiten.
Andere investieren sich ehrenamtlich so verbindlich, dass wir sie gebeten haben, ihren privaten Urlaub nicht nur bei ihrem Chef, sondern auch mit unserem Büro abzustimmen. Sie gehören zum Staff, obwohl wir sie nicht bezahlen. Ohne sie würde nicht vieles, sondern so ziemlich alles zusammenbrechen.
Und es ist faszinierend, zu erleben, wie sich diese unkonventionelle und vom Auftrag her motivierte Form von Kirche (Gemeinde) ausbreitet. In der Region, in der wir wohnen, aber auch in unserem Land. Und damit meine ich nicht nur die Kirchen, die zum ICF-Movement gehören.
Meine Motivation
Wir haben damals mit den Menschen angefangen, die da waren. Viele von ihnen sind heute nicht mehr dabei – um genauer zu sein, fast alle. Viele von ihnen sind nach und nach gegangen. Von manchen mussten wir uns trennen, weil es sonst nicht mehr gegangen wäre. Aber sie waren die Helden der ersten Stunde und ohne sie wäre vieles vielleicht nicht so oder gar nicht geworden. Sie haben ihr Bestes gegeben, sie haben gespendet und viele Stunden ehrenamtlich investiert.
Was ich damit sagen will: Denkt in der Anfangsphase nicht ständig darüber nach, ob ihr die richtigen Leute an Bord habt, denn niemand hat am Anfang die richtigen Leute. Ihr habt nur die, die ihr habt, und mit denen müsst ihr anfangen! Das ist übrigens auch eine gute Übung für später, denn die Menschen suchen uns aus, nicht wir sie. Und da werden immer auch welche dabei sein, die wir uns nicht ausgesucht hätten.
Wir müssen nur wissen, was wir wollen und was nicht. Und wir müssen wissen, wo wir hin wollen und wie wir da hin kommen. Und wir müssen Acht geben, wen wir nah an uns ran lassen; also wen wir in unser Coreteam berufen oder als Leiterinnen und Leiter einsetzen. Aber am Anfang kommen sie alle: die Mühseligen und Beladenen, die Freikirchler und Landeskirchler, die, die besser nicht gekommen wären und die, von denen man sich wünschte, sie wären geblieben. Es ist oft ein Wechselbad der Gefühle, ein Kommen und Gehen. Das ist normal! Wichtig ist, dass wir als Leiter auf Kurs bleiben, durchhalten und das Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Und man muss anfangen! Viele haben große Pläne und Visionen. Aber wenige haben den Mut, den ersten Schritt zu gehen. Und noch weniger die Ausdauer, die vielen danach folgenden kleinen und mühsamen Schritte zu tun. Manche bleiben stehen und träumen ein Leben lang vom großen Ziel. Manche von ihnen schreiben noch ein Buch oder einen Artikel. Aber keiner von den Träumern hat je eine lokale Gemeinde gegründet, die zur Hoffnung für die Menschen in der Welt wurde.
BIOGRAFISCHES

Steffen Beck, Jg. 1966, verheiratet mit Sibylle Beck. Steffen ist leitender Pastor der evangelischen Freikirche ICF Karlsruhe, die er zusammen mit seiner Frau 2005 gegründet hat. Berufslehre, Studium der Theologie am theologischen Seminar Johanneum in Wuppertal. 1991 – 2001, Jugend- und Musikreferent beim CVJM-Landesverband Baden.
Träume groß – handle im Kleinen
Leo Bigger
Meine Story
Ich wuchs in einer Familie mit fünf Kindern auf. Gemeinsam besuchten wir die katholische Kirche und fast alle von uns waren Ministranten. Schon als kleiner Junge hatte ich eine große Leidenschaft für Gott und die Kirche.
Mit acht Jahren wurde auch ich Ministrant und das veränderte mein junges Leben. Ich ging nicht mehr nur jeden Sonntag voller Freude in die Kirche, sondern durfte ab jetzt in der ersten Reihe Platz nehmen! Stolz unterstützte ich den Priester bei seinen Aufgaben und reichte ihm das Messbuch, das Brot und den Wein. Bei diesem Dienst blühte ich auf. Besonders angetan war ich vom Schwenken des Weihrauchfasses. Feuer, Rauch, Nebel, Action und Show faszinierten mich schon seit eh und je.
Natürlich freute sich auch meine Mutter, wenn sie mich am Sonntag in meinem weißen Ministranten-Outfit, schick zurecht gemacht, sah. Das war aber nicht alles. Sie erkannte meine Hingabe und Liebe zur Kirche und mein bereitwilliges Herz, diesem Gott voll Leidenschaft zu dienen. Ich liebte die Aufgabe als Ministrant und meldete mich immer als Erster, wenn ein Freiwilliger gesucht wurde, wie zum Beispiel für eine Beerdigung. Denn damit schlug ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich konnte die Schule schwänzen und mich in der Kirche aufhalten.
1984 hörte ich, dass der Papst für einen Besuch in die Schweiz kommen würde. Ich war gerade mal knackige 14 Jahre alt. „Da muss ich dabei sein!“ sagte ich mir. So reiste ich für einen wirklich unvergesslichen Ausflug nach Einsiedeln. Als dynamischer, junger Leo war ich gespannt wie ein Flitzebogen und wollte unbedingt hören, was dieser Mann der Kirche zu sagen hatte. Heute erinnere ich mich leider an keines seiner Worte. Das ist schon fast peinlich. Doch unauslöschlich in meiner Erinnerung ist die Entscheidung, die ich an dem Tag getroffen habe und die mich bis heute nicht loslässt: „Gott, ich möchte dir mein ganzes Leben lang dienen! Hier bin ich!“
Diese Entscheidung hat mein ganzes Leben geprägt. Was ich Gott als 14-jähriger Teenager versprochen habe, hat er ernst genommen. Bis auf den heutigen Tag hat er nicht aufgehört, mein Herz zu verändern und schenkt mir die Liebe für ihn und für die Menschen.
Als so ganz, ganz langsam der Bartwuchs begann, kam ich auf DIE Idee. Eine Idee, mit der ich nicht nur mein Taschengeld aufstocken könnte, sondern die auch eine Menge Spaß versprach. Wie bereits erwähnt, liebte ich als Ministrant die Rauch- und Nebelschwaden und gleichzeitig mochte ich Action. Einer meiner Freunde hatte in seinem Elternhaus einen großen schönen Keller. So machten wir uns ans Werk und zimmerten, tapezierten, dekorierten, drapierten, installierten Lautsprecher und nebelten zu guter Letzt die Bude ein. Das Ergebnis unseres Werkes ließ jedes Teenagerherz in die Lüfte springen: Wir hatten unsere eigene Disco! Wir freuten uns wie die Kinder. So veranstaltete ich meinen ersten Event: Privat-Disco in Buchs, St.Gallen. Die Leute rannten uns die Bude ein.
Was ich damals mit meinen 16 Jahren auf ungestüme Art und Weise gelernt hatte, war, dass ich es liebe, Menschen zu leiten und Events zu organisieren. Ich hatte eine visionäre Idee einer Keller-Disco, die ihresgleichen suchte. Gemeinsam mit meinen Freunden erlebte ich, was geschehen kann, wenn alle zusammen ein Ziel und eine Vision verfolgen.
Als cooler Disco-Besitzer musste ich noch einen Schritt weiter gehen. So spielte ich E-Gitarre in einer richtigen Rockband. Dies war in den 80er Jahren das „Hippste vom Hippen“. Als Musiker zog ich nicht nur an den Gitarrensaiten, aus irgendwelchen Gründen zog ich auch die Mädels mit meiner ultra-stylischen Gitarre inklusive meines neuen Outfits an. Aber Gott wäre nicht Gott, wenn er mein Gebet, das ich damals als 14-jähriger betete, nicht ernst genommen hätte. In dieser Zeit, mit 18 Jahren, habe ich mein Leben Jesus Christus übergeben: „Hier bin ich Gott! Du sollst ab sofort die erste Rolle in meinem Leben spielen.“ Die Gitarre, die Band, die Disco, das war meine Leidenschaft und auch nicht schlecht, aber ich wollte Gott alles hingeben. Zuerst kommt Er und dann die Musik, die Rauchschwaden und die Action.
Wie es der „Zufall“ so wollte, habe ich kurze Zeit später dem schönen Österreich einen Besuch abgestattet. An einem Sonntagabend besuchte ich im Ort Götzis, nah an der Schweizer Grenze, eine katholische Messe. Was ich dort erlebt habe, hat mich förmlich umgehauen. In der Kirche waren knapp 1000 junge Leute versammelt und es ging voll ab. Nicht nur die Stimmung war bombastisch, sondern auch der Gottesdienst war der Hammer. Die Leute sangen für Gott, begleitet von einer coolen Band. Die Moderation war wirklich gut und es wurde sogar ein Theater aufgeführt. Was der Pfarrer anschließend auf der Kanzel erzählte, konnte man nicht nur verstehen – die 1000 Leute hörten gespannt zu, weil die Predigt lebensnah war. Und das Krasse war: Es schien so, als ob alle freiwillig da wären und Spaß hätten. Ich dachte: Genau so muss Kirche sein – eine volle Kirche, gute Musik, ein unterhaltsames, tiefgründiges, relevantes und begeisterndes Programm! Ich bin überzeugt, dass Menschen in die Kirche gehen wollen, doch viele Kirchen machen es den Menschen so schwer, sich dort wohl zu fühlen. Kirche muss die Sprache der Menschen von heute sprechen.
Als ich wieder nach Hause kam, war ich vollgepumpt mit Ideen und Wünschen, wie Kirche heute aussehen sollte. Diese Gedanken haben mich nicht mehr losgelassen.
Als 19-jähriger begann ich meine Ausbildung als Maschinenzeichner. Doch dieser Beruf war für mich unbefriedigend. Denn als Maschinenzeichner geht es in erster Linie um präzise Millimeterarbeit und nicht um das große Ganze. Es kam, wie es kommen musste: Die Aufgabe, einen Motorrad-Motor zu zeichnen, überstieg meine Kompetenzen und ich stieß in jeder Hinsicht an meine Grenzen. Dieser Job war nicht für mich konzipiert. Ich liebe das Große, will gute Idee kreieren und vorangehen. Ich bin ein visionärer Typ und die Konzentration auf die „Millimeter“ ist nichts für mich. So brach ich die Lehre ab. In diesem Moment verstand ich Gott nicht. Warum musste ich diesen Weg gehen? Warum konnte ich nicht von Anfang an einen Beruf finden, der genau zu mir passt?
Aber das war nicht die einzige Enttäuschung, die mich in dieser Zeit durcheinander brachte.
Ich spielte immer noch in dieser „Hardrockband“ und liebte Jesus von ganzem Herzen. Die Gelegenheit, bei einer Evangelisationsveranstaltung als Band aufzutreten, passte perfekt und wir sagten zu. Mein Herz machte 1000 Sprünge: Ich konnte in einer Kirche coole Musik machen und den Menschen damit zeigen, wie genial unser Gott ist. Wir legten uns ins Zeug und ich spielte wie noch nie zuvor auf meiner E-Gitarre. Was für ein Auftritt!
Nach unserem Auftritt kam eine Frau auf mich zu, die mir ins Gesicht sagte: „Deine Gitarre ist vom Teufel!“ Ich war entsetzt und schockiert zugleich. Ich stotterte nur: „Nein, das stimmt nicht. Ich habe sie selber gekauft!“
Dann kam der Pfarrer auf uns zu und teilte uns mit, dass wir nie wieder in der Kirche oder in einem seiner Gottesdienste spielen dürften. Fertig, aus. „So etwas wie ihr kommt mir nie wieder ins Haus!“, sagte er bestimmt.
Ich verstand die Welt nicht mehr. Nun hatten wir endlich super Musik in der Kirche. Musik, die die Leute ansprach, weil ihnen die Melodien und der Stil bekannt waren. Nur mit dem Unterschied, dass wir damit Gott anbeteten; mit den Texten und vor allem mit unseren Herzen. Wir waren voll Leidenschaft dabei und wollten Gott bei dieser Evangelisation mit unseren Talenten und aktueller Musik in den Fokus bringen: Und was passierte? – Wir wurden rausgeschmissen!
Ich war enttäuscht vom Pfarrer, von der Kirche und von Gott. Das war mir doch so wichtig und ich hatte ein Herz dafür. Und nun wurde mir gesagt: „Das ist vom Teufel“ – „Hau ab, du mit deinen dummen Ideen!“
Zwei meiner Freunde, die mit mir damals in der Band spielten, haben seit diesem Erlebnis nie wieder einen Fuß in eine Kirche gesetzt. Aufgrund dieser Begebenheit wollten sie mit Kirche und auch mit Gott nichts mehr zu tun haben. Bis heute.
Auch ich brauchte viel Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten. Aber ich hatte Gott ein Versprechen gegeben: Ich will dir dienen. Und ich hatte immer noch eine Leidenschaft für die Kirche und vor allem für Gott. Es kann doch nicht sein, dass Kirche die Leute vertreibt. Warum ist das so?
Die Situation in dieser Kirche war für mich ein Stolperstein. Es war ein Moment, der mich zu Boden hätte bringen können. Aber ich wollte und konnte dies nicht zulassen. „Jetzt erst recht“, dachte ich mir. Ich wollte nicht stehen bleiben, sondern nutzte diesen „Stolperstein“ als Treppe, um einen Schritt weiter zu kommen. Nicht bitter, sondern besser werden. Mir ist die Kirche nicht egal. Ich habe eine Leidenschaft für sie, denn Jesus liebt sie über alles!
So ging ich nach einer abgeschlossenen Ausbildung als Offsetdrucker ans IGW, um Theologie zu studieren.
Später begann ich unter der Leitung von Heinz Strupler im ICF Zürich mitzuarbeiten. Diese Arbeit beflügelte mich. Mit eigenen Augen konnte ich eine Kirche sehen, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte. Und ich durfte ein Teil davon sein. Menschen kommen in die Kirche und hören und erleben Gott auf zeitgemäße Art und Weise. Kirche kann begeisternd und inspirierend sein. Und das muss sie auch! Denn wir haben einen Gott, der genau so ist. Voll von Liebe für uns Menschen.
Meine Faszination
Ich liebe und diene einem Gott, der uns die Erde anvertraut hat, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenn man diesen Auftrag ernst nimmt, mit einem Team kombiniert, das innovativ, kreativ, unlimitiert und unbegrenzt denkt und lebt, nenne ich das Kirche. Kirche ist für mich ein Gefäß, in dem Menschen mit Träumen, Ideen, Zielen und unterschiedlichen Leidenschaften zusammenkommen. Dieses Team stellt sich begeistert folgende Fragen:
Wie können wir das bestmögliche Gefäß für Gott sein?
Wie können wir mit all dem, was Gott uns anvertraut hat, die Welt zu einem besseren Ort machen?
Wenn wir diese Haltung und dieses Engagement in unseren Teams haben, dann ist die Kirche ein fantastischer Ort. Kirche kann so begeisternd, vibrierend und ansteckend sein!
Denn ich träume von einer Kirche, die am Puls der Zeit steht.
Dort finden Menschen eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus.
In dieser Kirche erleben Menschen echte Liebe und Gemeinschaft.
Begabungen werden entdeckt und gefördert.
Die Kirche, von der ich träume, ist leidenschaftlich, wächst ständig und hat eine positive Auswirkung auf unsere Gesellschaft.
Eine solche Kirche fasziniert mich bis auf den heutigen Tag!
Meine Motivation
Es gibt keinen Ort in dieser Welt, an dem Begabungen und Talente besser entdeckt und gefördert werden können als in einer Kirche. Jede erdenkliche Arbeit kann man in einer Kirche ausleben. In meiner Berufslehre musste ich mich genau an die Rahmenbedingungen meines Jobs halten und konnte meine Predigtbegabung nicht ausleben. Doch die Kirche gab mir die Plattform, meine Leidenschaften auszuleben, zu entdecken und zu entwickeln. Ich begann als Ministrant, war später Worshipleiter und heute bin ich Senior Pastor und Leiter einer wachsenden Bewegung. Das ist die Kraft der Kirche mit unlimitierten Möglichkeiten. So etwas gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Darum liebe ich die lokale Kirche.
Stell dir vor, du stellst dir und deinem Team jeden Tag diese Fragen:
Wie muss Kirche heute sein, damit sie Menschen anspricht?
Wie können wir vom Leben begeistert sein und eine positive Lebenseinstellung entwickeln?
Wie können wir Gemeinschaft erleben, füreinander liebevoll da sein und miteinander gemeinsam das Leben genießen?
Wie können wir Menschen unterstützen, damit sie aufblühen und ihr volles Potenzial entfalten können?
Wie können wir das Beste für Gott geben und darin Qualität entwickeln?
Wie können wir eine Einstellung entwickeln, dass für Gott nichts unmöglich ist, und darum auch glauben, dass dies wirklich so ist?
Denn die Menschen sind nicht da für die Kirche, sondern die Kirche ist da für die Menschen!
Strukturen und Stile, wie Gottesdienste gestaltet werden, ändern sich über die Jahre, doch Werte sind unveränderbar. Darum stelle ich mir immer wieder diese Fragen, weil ich für Gott das beste Gefäß sein möchte, bis ans Ende meines Lebens.
Darum träume Großes für Gott, doch beginne immer mit dem, was Gott dir vor die Füße legt!
BIOGRAFISCHES

Leo Bigger, Jg. 1968, verheiratet mit Susanna, zwei Kinder. Senior Pastor des ICF Zürich und Leiter des ICF Movements. Berufslehre als Offsettdrucker, Theologistudium am IGW in Zürich.
Auserwähltes Werkzeug in seiner Hand
Andreas Blaser
Meine Story
„Ich bin nichts wert, es hat alles keinen Sinn und zu klein geraten bin ich auch, mich braucht’s wirklich nicht auf dieser Welt.“
Das waren so meine Gedanken und mein innerer Zustand zwischen 17 und 20 Jahren. Alles sinnlos. In mir war es leer und diese Leere habe ich oft mit Alkohol und Partys aufzufüllen versucht. Ich habe versucht, die Leere und meinen Minderwert aufzupolieren mit Leistung. Ich wollte glänzen, egal wie. Gott meinte ich aus der Kindheit zu kennen, mein Bild und meine Meinung von ihm waren alles andere als lobenswert. Schließlich war er ja schuld an meinem Zustand und ich war ihm ja sowieso egal. Der Glaube, den ich von meinem Elternhaus mitbekommen hatte, war geprägt von „du musst“ und „du darfst nicht“. Als ich dann von Zuhause weg ging, kehrte ich auch der Kirche den Rücken zu.
Mit 20 Jahren kam zu meiner eigenen Krise eine noch viel schlimmere Not dazu. Eine mir sehr nahestehende Person fiel in eine tiefe Depression und war selbstmordgefährdet. Da diese Person immer bei der Jugend in der Gemeinde mitgemacht hatte, war für mich auch sofort klar, wer nun schuld war an ihrer Not, natürlich die Gemeinde. Ich wollte mich aber selber davon überzeugen und begleitete diese mir nahestehende Person einmal zu einer Jugendveranstaltung ihrer Gemeinde.
Von diesem Jugendabend weiß ich nur noch eines: Am Ende wurden wir alle zu einer Gebetsgemeinschaft aufgefordert, also alle, die wollten, durften laut beten – und das in kleinen 3er- oder 4er-Gruppen. Schrecklich für mich. Als ich dann aber beobachten und miterleben konnte, wie diese junge Menschen, viele noch jünger als ich, zu diesem Gott im Himmel beteten, verschlug es mir den Atem. Bei diesen Gebeten merkte ich, dass es da etwas gab, das ich noch nicht hatte, das ich aber haben wollte. Wenn man mit Gott so reden konnte, so vertraut und in diesem Wissen, geliebt und angenommen zu sein, dann wollte ich diese Beziehung auch.
Zu Hause angekommen, kniete ich noch am selben Abend auf meinem Bett nieder und schrie zu Gott, gab ihm die Herrschaft über mein Leben und bat ihn, mich doch auch spüren zu lassen, dass er mich wirklich liebt. Was dann geschah, ist nicht zu erklären. Ich wusste tief in mir drin einfach plötzlich, dass er mich schon immer geliebt hat und ich unerhört wertvoll bin. Das war der Beginn meiner bewussten Abenteuerreise mit Gott.
Ja, ein Verlorener hat nach Hause gefunden. Ich werde nie vergessen, wie ich nach meiner Hinwendung zu Gott den 1. Gottesdienst besucht und das erste Mal in meinem Leben eine Predigt verstanden habe. Die Worte der Wahrheit flossen in mich und ich sog sie auf wie ein trockener Schwamm. Von diesem Zeitpunkt an war der Gottesdienstbesuch für mich der Höhepunkt der Woche.
Bald wurde ich angefragt, in der Jungschar mitzuhelfen, das war für mich ein Geschenk, da blühte ich auf und konnte in der Jüngerschaft wachsen. Kurze Zeit später kam neben dem Engagement in der Jungschar auch die Mitarbeit im Teenieclub und in der Jugendgruppe dazu.
In diesen ersten drei Jahren meines Christseins durfte ich ein paar Mal erleben, wie Gott übernatürlich in Menschenleben eingegriffen hat, sei es durch Überführung von Sünde und nachfolgende Buße und Bekehrung junger Menschen oder durch Krankenheilung oder Befreiung von dämonischen Mächten. Diese Erlebnisse haben meinen Glauben gestärkt und meine Freude am Herrn vermehrt. Selber in der Gemeinde mitzuarbeiten und gleichzeitig Gott bei seiner Arbeit zuzuschauen, weckte meine Faszination an diesem Wunderwerk „Gemeinde“ und an dem, der das Haupt der Gemeinde ist: Jesus Christus.
Nach vier Jahren intensiver Mitarbeit in der Gemeinde stellte sich mir die Frage: Wie geht es weiter? Sollte ich mich beruflich weiterbilden oder wollte Gott mich möglicherweise vollzeitlich in der Gemeindearbeit? Ich besuchte eine 11-monatige Jüngerschaftsschule, um meine Berufung zu klären. Schnell wurde mir klar, dass ich eine theologische Ausbildung machen möchte, um mich anschließend vollzeitlich in der Gemeindearbeit zu engagieren. Diese Klarheit bekam ich aber nicht durch ein spezielles Reden Gottes oder durch Eindrücke oder Bibelverse. Vielmehr war es so, dass ich bei diesem Gedanken eine große Freude und tiefen Frieden verspürte. Als besonderes Highlight kam dazu, dass ich in dieser Zeit eine Frau kennen lernte, die diesen Weg mit mir gerne teilen wollte. Also begann ich, mich über verschiedene theologische Ausbildungsstätte zu informieren – und traf dann meine Wahl.
Die nächsten vier Jahre besuchte ich die berufsbegleitende Ausbildung am IGW in Zürich und Bern. Parallel dazu wurde ich in einer Ortsgemeinde des Evangelischen Gemeinschaftswerks zu 50 % als Praktikant angestellt. Hier konnte ich mich von der Kinder- und Jugendarbeit über den Verkündigungsdienst bis hin zur Seniorenarbeit einbringen und Erfahrungen sammeln. Im Rückblick staune ich über die große Gnade, die Gott mir, dem geistlichen Greenhorn, erwiesen hat. Gott hat mich bewahrt vor schwierigen Gemeindesituationen, ein kompetentes, liebevolles und verständnisvolles Leitungsteam hat mich getragen und meine manchmal wohl etwas unreifen und stürmischen Ideen ertragen. Mit einem großen Schatz an guten Erfahrungen folgte nach der theologischen Ausbildung und dem Praktikum die Vollzeitanstellung als Pfarrer in einer anderen Ortsgemeinde des Evangelischen Gemeinschaftswerks.
Ich durfte viele positive prägende Erfahrungen machen, bevor ich den vollzeitlichen Gemeindedienst antrat. Ich habe erfahren, wie Gott mich selber verändert hat – vom Gemeindefeind zum Gemeindefan. Ich durfte miterleben, wie sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene bekehrt haben. Ich durfte dabei sein, als sich Gott mit Zeichen und Wundern offenbart hat. Ich erlebte, wie ich durch die Gemeindemitarbeit geistlich wachsen konnte und meine Beziehung zu Jesus vertieft wurde. Ich habe erfahren, wie leidenschaftliche Teamarbeit ungeahnte Kräfte mobilisiert und im Reich Gottes (und in der Welt) viel in Bewegung setzen kann. Und ich habe immer wieder erfahren, wie Gott selber Unter- und Einordnung in bestehende Leitungsstrukturen gesegnet hat und ich dadurch gefördert und freigesetzt wurde.
Meine Faszination
Die Gemeinde ist ein faszinierendes Schöpfungswerk Gottes. Meine Faszination wird nebst vielen guten Erfahrungen, die ich machen durfte, auch immer wieder genährt durch Bilder und Geschichten im Wort Gottes.
Ein Text hat schon vor Jahren einen starken Eindruck in mir hinterlassen:
„Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne.“ (2Mo 25,8) Daraufhin bauten die Israeliten die Stiftshütte. Die Stiftshütte ist ein aufschlussreiches Abbild der wahren Wohnung Gottes und sie spiegelt die Sehnsucht Gottes wider, unter uns Menschen zu wohnen. In 2Mo 26,15–30 lesen wir die Anleitung zum Stiftshüttenbau. Die Kurzfassung: Sie sollen Bretter machen aus Akazienholz, je Brett zwei silberne Füße, alle Bretter zusammenfügen und mit Gold überziehen.
Akazienholz: Dieses Brett aus Akazienholz, dieser Holzladen ist das Abbild eines Christen.
Es ist ein Wüstenholz, winzige Blätter und viele lange Dornen. Typisch Mensch, wie er in der Wüste dieser Welt wächst und in seiner Schwachheit und Unvollkommenheit existiert, mit vielen Dornen und kleinen Blättern. Der vergängliche, schwache und selbstsüchtige Mensch dieser Welt. Du und ich. Und dieses Holzbrett nimmt Gott und will es brauchen für seine Wohnung. Faszination pur!
Die silbernen Füße: Dieses Silber steht für all das, was Jesus für uns bezahlt hat, um uns zu erlösen, das heißt freizukaufen aus der Sklaverei. Aus der Sklaverei des schlechten Gewissens. Aus der Sklaverei der Sünde. Aus der Sklaverei Satans, bzw. der dunklen Mächte. Jesus hat für alle bezahlt. Genug Silber ist vorhanden, es reicht für alle! Faszination pur!
Ein weiterer Text, der mich immer wieder neu in meiner Arbeit beflügelt, stärkt und motiviert, steht in Eph 1,22f: „Gott hat alles der Herrschaft von Christus unterstellt und hat Christus als Herrn über die Gemeinde eingesetzt. Die Gemeinde aber ist sein Leib, und sie ist erfüllt von Christus, der alles ganz mit seiner Gegenwart erfüllt.“
Sie, die Gemeinde, ist der Leib von Jesus. Sie ist sein Organ, mit dem er in dieser Welt handeln kann. Er braucht diesen Leib (hat sich so entschlossen), um durch diesen Leib in der Welt als Erlöser zu handeln. Christus ist nicht vollständig ohne diesen Leib, ohne seine Gemeinde.
Es gibt Christus nicht außerhalb seiner Gemeinde! Und es gibt nicht die Gemeinde ohne Christus. Wo sie ist, ist er, wo er ist, ist sie. Faszination, ja Ehrfurcht pur!
Er sendet seine Pläne, Ideen, Anweisungen, Entscheidungen und auch seine Kraft und Herrlichkeit in seine Glieder, damit diese seinen Willen in dieser Welt verwirklichen und verleiblichen. Ohne mich fehlt Christus da, wo ich jetzt bin.
Wenn sein Leib (Gemeinde) an einem Ort ist, dann ist ER da, vielleicht mehr oder weniger verborgen, je nach Zustand seiner Glieder, aber ER ist da. Durch seinen Leib, die Gemeinde, will Christus die ganze Welt erfüllen: „Die Gemeinde aber ist sein Leib, und sie ist erfüllt von Christus, der alles ganz mit seiner Gegenwart erfüllt.“ Dies ist ein Prozess, der begonnen hat, aber noch nicht vollendet ist. Erfüllen meint: Prägen, mit seinem Wesen durchdringen, sich ähnlich machen. Durch die Gemeinde kommt die ganze Fülle Christi in die ganze Welt. Sie, die Gemeinde, ist seine Fülle – und eine andere hat er nicht. Wenn sie dort nicht rauskommt, kommt sie nirgends raus.
Welch ein gewaltiges Vorrecht, mich als Pfarrer hier gebrauchen zu lassen, mich hinzugeben und einen bescheidenen Beitrag zu leisten, damit SEINE Fülle sowohl in der Gemeinde wie auch darüber hinaus fließt.
Meine Motivation
„Die Effektivität vieler Pastoren erwächst aus ihrem Charakter.“1
Ich möchte nicht explizit sagen, dass junge (im Glauben und/oder altersmäßig) Pastoren weniger reif oder weniger charakterstark wären als ältere Pastoren. Trotzdem dürfen wir in der Regel mit dieser „Alterserscheinung“ rechnen und davon ausgehen, dass die Reife zunimmt und der Charakter positiv verändert wird. Immerhin ist dies im Plan Gottes mit seinen Kindern vorgesehen.2 In Römer 8,29 heißt es: „Sie alle, die Gott im Voraus ausgewählt hat, die hat er auch dazu bestimmt, seinem Sohn gleich zu werden.“3 Und Rick Warren schreibt: „Gott will nicht, dass Sie ein Gott werden – er will, dass Sie heilig werden, das heißt, dass Sie seine Werte, seine Einstellungen und seinen Charakter übernehmen.“4 Das ist eine so entlastende und befreiende Wahrheit. Niemand muss ein Gott werden oder Gott spielen, sondern einfach ihm ähnlicher werden. Das braucht Zeit – und Geduld. Das geschieht nicht von heute auf morgen – und in der Regel auch nicht auf übermorgen …
Damit ich diese grundlegende Wahrheit nicht aus den Augen verliere, habe ich in meinem Büro, vor meinem Schreibtisch, ein Bild vom Gleichnis aus Johannes 15 aufgehängt – der Weinstock und die Rebe. Wenn ich diese tiefe Beziehung lebe, kann ich mit großer Gelassenheit vielen Herausforderungen des Gemeindealltags entgegensehen. Jesus ist auf meiner Seite – noch besser, er fließt in mir. Es geht um ihn und nicht um mich! Ich muss nicht mich selber verwirklichen – ER will sich durch mich verwirklichen.
So dürfen wir auserwählte Werkzeuge in seiner Hand sein – in einer Reihe mit Paulus und Millionen anderen Christen. Und seine Kraft wird mit Bestimmtheit in unserer Schwachheit wirksam werden, wenn wir uns in kindlichem Vertrauen ihm hingeben.
BIOGRAFISCHES

Andreas Blaser, Jg. 1966, ist verheiratet mit Anita, drei Kinder. Andreas ist Pfarrer im Evangelischen Gemeinschaftswerk Hasle-Rüegsau. Berufslehre zum Landwirt, Theologiestudium am IGW in Zürich und Bern, Abschluss Master of Arts (IGW).
1Robert Logan, Praxis Nr. 89, Thema: Geeignet oder nicht? S. 28
2Wird deutlich z. B. in Röm 12,2; 1Kor 3,1–4; 2Kor 7,1; Eph 4,14; 1Thes. 4,3 u. v. a.
3Nach Gute Nachricht, Deutsche Bibelgesellschaft, 1984
4Rick Warren, Leben mit Vision, Projektion J, Deutsche Ausgabe 2003, S. 170
Vom Geist Gottes geführt
Martin Bühlmann
Meine Story
Ich bin in einem kulturchristlichen Umfeld aufgewachsen. Meine Eltern waren evangelisch, gottesfürchtig und haben mir gute Werte für das Leben vermittelt. Mein Vater war 42 Jahre alt, als ich geboren wurde. Er war für mich eine der wichtigsten Personen und eines der größten Vorbilder meines Lebens. Von meiner Mutter lernte ich Menschen so anzunehmen wie sie sind, das ohne Vorbehalt und ohne Vorurteile.
Mit 18 Jahren lernte ich meine Frau Georgia kennen. Wir bezogen kurz später eine gemeinsame Wohnung und erwarteten unser erstes Kind, Marius. Als Eltern im Alter von 19 und 18 Jahren setzten wir uns mit dem Sinn des Lebens auseinander. Ich erinnerte mich an einige Gottesdienstbesuche in der reformierten Kirche Seebach, Zürich, mit meinem Vater. Ich wollte als junger Ehemann und Vater diese Geborgenheit, die mir mein Vater in der Kirche vermittelt hatte, wieder erleben. Der Gottesdienstbesuch in Hilterfingen, Thunersee, war für mich eine ernüchternde Erfahrung. Meine Frau Georgia ist in einer Freikirche aufgewachsen. Sie war sehr enttäuscht von Christen und wollte sicherstellen, dass diese „religiöse Phase“ so schnell wie möglich vorbei geht. Wir besuchten diese kleine Freikirche und ich bekam eine Überdosis Christen. Ich war innerlich getrieben diese Gottesdienste wieder zu besuchen, bis mich ein Ältester der Gemeinde zu sich nach Hause zum Gebet einlud. Während des Gebetes hatte ich eine starke Jesuserfahrung. Ich wusste innerlich, dass Jesus lebt, Er mich einlädt zu einem Leben unter Seiner Herrschaft. Ich fing Feuer und begann Jesus an meinem Arbeitsplatz in einer Bank zu bekennen. Von 70 Angestellten kamen innerhalb eines Jahres 12 zum christlichen Glauben. Die Freikirche lud mich darauf ein, die Leitung der Jugendgruppe zu übernehmen. Diese wuchs innerhalb eines Jahres von 20 auf 70 Jugendliche. Trotz dieser Erfahrungen war ich davon überzeugt, dass ich kein Leiter war.
Mit 22 Jahren lernte ich einen 28-jährigen christlichen Inder kennen, der mit einem Schweizer Werk zusammenarbeitete. Er erkannte mein Potenzial und lud Georgia und mich mit unseren zwei Kindern nach Indien ein, um für ein halbes Jahr mit seiner Gemeinde zusammenzuarbeiten. Ich erlebte dort die ersten Heilungswunder, sah, was das Evangelium von Jesus Christus an Heilung, Befreiung, Lebensveränderung auslöst. Während einer Fahrt von Kalkutta nach Nagpur übernachteten wir am Straßenrand, aßen Tandoori Chicken und legten uns auf eine Pritsche. In dieser Nacht hatte ich eine Begegnung mit Jesus Christus und hörte eine innere Stimme, die zu mir sagte, ich solle in die Schweiz zurückkehren, eine Gemeinde gründen und später tausende von Menschen als Missionare aussenden. Am darauffolgenden Morgen erzählte ich meinem indischen Freund von dieser Erfahrung. Dieser freute sich und sandte uns mit seiner Gemeinde als „eingeborene“ Missionare in die Schweiz aus. Wir wurden also so etwas wie indische Missionare in der Schweiz.
In der Schweiz zurück fastete und betete ich. Wie sollten wir nun vorgehen? Wir hatten in Indien einige Amerikaner kennengelernt. Diese wollten wir besuchen. So flogen wir im Alter von 24 und 23 Jahren für drei Monate in die USA, wo wir zwei weitere Mentoren kennenlernen. Vom einen lernten wir, in Teams zu arbeiten, vom zweiten Mentor wurden wir in die Gemeindegründung begleitet. Mir war klar, dass sich eine Gemeindegründung immer an Jesus fernstehende Menschen richtet. Es war und ist für mich unmoralisch, Christen aus anderen Gemeinden für eine Gemeindegründung zu rekrutieren. So lernten wir drei Menschen kennen, die auf dem Weg zu Christus waren: eine Alkoholikerin, eine depressive Frau und einen Jazzmusiker. Sie waren der Grundstein für das, was wir in der späteren Vineyard Bern leben durften. In der gleichen Zeit wurde ein evangelischer Pfarrer auf uns aufmerksam und schloss sich der zarten Gemeindegründung an. Durch diesen Pfarrer kam ich in Kontakt mit der europäischen charismatischen Bewegung. Diese Beziehungen öffneten weitere Türen zu europäisch anerkannten christlichen Leitern. Gleichzeitig lernte ich Vineyard kennen und schätzen. Ich wurde von John Wimber begleitet und trainiert. Er wurde zum wohl wichtigsten geistlichen Vater für mich. Diese Beziehung wurde enger und 1989, als ich 34 Jahre alt war, schlossen wir uns der Vineyard-Bewegung an. 1992, als ich 37 Jahre alt war, fragte mich John Wimber, ob ich die Leitung der Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz und einiger weiterer Länder begleiten würde. Nach zwei Jahren Bedenkzeit beschlossen wir als Leitungsteam der damaligen Basileia Bern, diese Aufgabe zu übernehmen. Im Jahr 1999, ich war damals 44 Jahre alt, wurden Georgia und ich als Leiter der Vineyard-Bewegung Deutschland, Österreich, Schweiz mit einem Team eingesetzt. In der Zwischenzeit sind wir auch im Moderationsteam von vier Ehepaaren für die weltweite Vineyard Bewegung tätig.
Was zeigt diese kurze Beschreibung unseres Weges?
1.Ich versuchte mich immer vom Geist Gottes führen zu lassen. Der höchste Primat für mich war und ist die innere Führung, die innere Überzeugung, für die ich mein Leben investieren möchte.
2.Ich habe außerdem gelernt, dass wir als Leitende immer Integrationspersonen brauchen, Menschen, die uns mit ihrer Vision und Praxis des Christenlebens prägen und auf die Lebensreise mitnehmen.
3.Es wurde mir wichtig, dass ich ohne Team nichts zu tun vermag. Die Stärke einer Leitungsperson liegt in den Menschen, mit denen Gott sie umgibt. Es sind Menschen, die Leitende in ihr Leben sprechen lassen.
4.Die wohl prägendste Erfahrung ist, dass es immer um die Anliegen von Jesus Christus geht. Er ist der Leiter, wir sind immer die Assistenten Seines Wirkens und können uns deshalb ganz auf Ihn verlassen. Es geht darum, Seinen Willen zu tun und nicht etwas für sich selbst aufzubauen.
5.Es geht immer um Menschen, nicht um Projekte oder Dinge. Der würdevolle Umgang, der es uns erlaubt, Menschen zu begleiten, ihnen durch ein authentisches Christenleben ein Vorbild zu sein, sie einzuladen als Freunde von Jesus zu leben, um sie dann für die Nachfolge Jesu auszurüsten, ist die Voraussetzung für den Dienst im Reich Gottes.
Eines der schönsten Learnings meines Lebens als Leitungsperson ist die Liebe zur ganzen Kirche Jesu, zum ganzen Volk Gottes, zur ganzen Gemeinde Jesu. Diese Liebe sucht nicht den Vorteil der eigenen Bewegung oder der eigenen Gemeinde, sie sucht immer das Ganze, den ganzen Leib und das Wohl aller Christen, aller Kirchen und Gemeinden.
Wie war mein Bildungsweg? Nun, da kann ich zwei Dinge unterstreichen. Der wichtigste Bildungsaspekt ist die Herzensbildung. Ich meine damit die Bereitschaft, mich zu verschenken ohne einen persönlichen Gewinn zu erwarten. Ich meine damit das Verlangen, das Wohl des Nächsten auf meine Kosten zu suchen. Das zweite betrifft die Bereitschaft, als neugieriger Mensch immer unterwegs zu sein und von allen Menschen und ihren Erfahrungen zu lernen. Wir sind nicht die ersten Christen, auch nicht die ersten Menschen, die Gemeindeaufbau, Evangelisation, Jüngerschaft und Nachfolge verstehen. Wir sind umgeben von einer Wolke von Zeugen, die uns beobachten, uns durch ihr Vorbild den Weg vorbereitet haben und uns auf ihre Reise mitnehmen. Diese Haltung hat mich vor vielen Fehlern bewahrt.
Meine Faszination
Seit meiner ersten tiefen Gotteserfahrung im Alter von 20 Jahren erfüllt mich eine tiefe Leidenschaft für die Nachfolge Jesu. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und merkte nach meiner Hingabe Jesus Christus gegenüber, dass Sein Wesen, Seine Art und Sein Tun sich stark von mir unterscheiden. Der Hunger wuchs, so zu werden wie Er ist. Die Evangelien wurden zu meinem täglichen Begleiter, was die Herzenshaltung, die Liebe zum Vater und die Liebe zu meinen Mitmenschen betrifft. Es gibt nichts Schöneres, als zu sehen, wie Jesus Christus Menschen verändert, versöhnt, wie Vater- und Mutterschaft über Jesus fernstehende Menschen kommt, wie Menschen ihr Potenzial zu nutzen beginnen und Verantwortung für ihr Leben und für die Mitmenschen übernehmen.
Ich bin immer wieder von neuem fasziniert, wie Gott ganz gewöhnliche Menschen für ungewöhnliche Dinge freisetzt, bevollmächtigt und sie braucht. Ich erinnere mich an meine ersten Schritte im Verkündigen auf den Straßen Thuns, einer wunderschönen Schweizer Kleinstadt. Ich erinnere mich an das Erlebnis meiner Berufung, an viele Mentoren, die mich begleiteten und stärkten und besonders an meinen geistlichen Vater, John Wimber, der mich herausforderte, vorbehaltlos Jesus Christus nachzufolgen. Diese Nachfolge erfüllt mich. Ich bete für Jesus fernstehende Menschen in Not, ich lade sie ein, Freunde von Jesus zu werden, ich teile mein Hab und Gut, ich lerne im Alltag jesusmäßig zu denken, zu handeln und in Schwierigkeit so zu reagieren wie Jesus es tut.
Motivation
Ich begleite viele Menschen aus der Generation Y, das sind Menschen, die zwischen 1977 und 1998 geboren sind. Es ist einmalig, zu erleben, wie jede Generation einen Zugang zum Evangelium findet. Welches sind die Learnings, die ich dieser Generation am stärksten ans Herz legen möchte?
1.Gott meint es wirklich gut mit dir, Er hat immer eine positive Haltung dir gegenüber. Du bist geliebt, befähigt, berufen, unabhängig davon, wie du dich fühlst. Du kannst diesem Ruf wirklich vertrauen, auch wenn du dich schwach und hilflos fühlst.
2.Jesus Christus ist der Leiter jeder Gemeinde. Es hängt nicht alles von dir ab, sondern von deiner Bereitschaft loszulassen und auf Ihn zu hören.
3.Christsein ohne Gemeinschaft ist von der Bibel nicht vorgesehen. Wir brauchen geistliche Familie und die Geborgenheit in Beziehungen. Ein Leben in verbindlicher Gemeinschaft, mit bleibenden Freundschaften ist die Basis für eine gesunde Nachfolge und ein gesundes Leben.
4.Dein Sein ist die Basis deines Tuns. Möge dein Sein bestimmen, was du tust, und nicht dein Tun bestimmen, wer du bist.
5.Träume, was das Zeug hält. Alles im Leben beginnt mit einem Traum. Die innere Freiheit, Gott alles zuzutrauen, öffnet uns für Gottes Möglichkeiten in unserem Leben.
6.Lebe großzügig: Vergib, wo es zu vergeben gibt; sei gastfreundlich und teile dein Hab und Gut mit den Armen und investiere dein Herz in das Reich Gottes.
7.Freue dich an allem und miss dich nicht mit anderen Menschen, sonst beginnst du, nur dir zu dienen.
8.Liebe die ganze Kirche und nicht nur den Teil, der dir am besten gefällt. Er ist der Herr Seines Volkes, ganz unabhängig davon, in welcher Kirche sich Menschen zuhause fühlen.
BIOGRAFISCHES

Martin Bühlmann, Jg. 1955, verheirat mit Georgia, fünf Kinder und fünf Enkel. Georgia und Martin haben 1981 die Vineyard Bern (ehemals Basileia Bern) gegründet und die Leitung 2012 an ihren Sohn Marius und seine Frau Caroline und ein Leitungsteam übergeben. Sie leiten die Vineyard Berlin, die Vineyard Bewegung Deutschland, Österreich, Schweiz und sind im Moderatorenteam der weltweiten Vineyard Bewegung mit rund 3000 Vineyards. Martin hat nach dem Handelsdiplom an der Kantonsschule Freudenberg in Zürich in einer Bank gearbeitet und ist seit seinem 22. Lebensjahr vollzeitlich als Gemeindegründer, Leiter und Coach tätig. Er interessiert sich für Weltgeschichte, Krimis und ist passionierter Philatelist.
martin.buehlmann@vineyard-dach.net
Fasziniert von Gottes Wirken
Michael Dufner
Einführung
Ich bin mit 30 % meiner Arbeitszeit in der Leitung der FEG Schweiz im Bereich 0 – 25+ angestellt und leite außerdem das Ressort Jugend mit 70 %. Meine große Leidenschaft gilt den Themen Vernetzung, Entwicklung und Innovation, aber und vor allem auch dem über alles gesetzten Anliegen, dort zu sein, wo Jesus wirkt. Ich liebe es, in Eigenverantwortung zu arbeiten, Zeit mit Jesus zu verbringen, neue Trends zu setzen oder dabei unterstützend mitzuwirken.
Meine Story
Ich habe mich 1994 Jesus zugewandt. Damals hatte ich ein Erlebnis in einem Cevi-Camp, wo ich das erste Mal Gott erlebt hatte. Bis dahin hatte ich wohl schon von ihm gehört, aber das hatte mich kalt gelassen. In diesem Camp jedoch fand er mich – und ich gab ihm mein Leben.
Gut, wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass diese Begegnung mir ziemliche Angst machte, denn wenn es Gott gibt – und das war mir jetzt klar, denn ich hatte ihn ja erlebt – dann gibt es auch Himmel und Hölle. Und in die Hölle wollte ich nicht, also gab ich ihm mein Leben, damit ich in den Himmel kommen konnte.
Äußerlich veränderte sich nichts. Ich lebte weiterhin, wie ich wollte. Und doch wurde etwas anders. Heute sage ich, dass ich plötzlich ein „Gewissen“ hatte, eine Art Kompass, der mich immer wieder – auch wenn mein Leben alles andere als christlich war – zur Bibel, zur Gemeinde und zu Gott führte. Ich wurde immer suchender und suchender. Unzufriedener und unzufriedener.
Auf der Expo 2000 forderte Gott mich dann ultimativ heraus. Mir wurde klar: Er will alles: mein ganzes Leben, meine Freundin, die Jesus nicht nachfolgt, meinen Job, mein Geld, meinen Stolz, meine Freizeit, meine Freiheit. Es brauchte ein paar schlaflose Nächte, einige Wutausbrüche, viele Gespräche und drei konkrete Gebetserhörungen, bis ich einwilligte. Mensch, Jesus kann hartnäckig lieben! Aber es war das Beste, was mir passieren konnte.
Ich kam also von der Expo zurück und wusste: Mein Job, meine Freundin, mein Leben, mein Geld: Alles gehört jetzt Jesus. Meine Ausbildung zum Krankenpfleger durfte ich abschließen, obwohl mir klar wurde, dass ich nie in diesem Beruf arbeiten würde. Meine Freundin musste ich aufgeben. Aber – by the way – heute habe ich die beste Frau der Welt und mit ihr zusammen sechs wunderbare Kinder: vier eigene und zwei Pflegekinder. Ich bin ein totaler Familienmensch und genieße es megamäßig, so gesegnet zu sein!
Direkt nach meiner Ausbildung begann ich als Jugendmitarbeiter in der Gemeinde. Eineinhalb Jahre später nahm ich die Ausbildung bei IGW auf, welche ich nach vier Jahren abschloss. Danach arbeitete ich noch weitere drei Jahre in einer Gemeinde, bevor ich zum Bund FEG wechselte, wo ich auch heute noch mitwirken darf.
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