Читать книгу: «Bombenstimmung»

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Impressum

ISBN:

978-3-9611-2569-2

Auflage 1 / v2 / Dezember 2016


© Foto: Charly, Köln

Autor:

Dietmar Wolfgang Pritzlaff (© Alle Rechte dem Autor vorbehalten.)

geb. in Altena/Westf., schreibt Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, Haiku, Songtexte, Theaterstücke, Hörspiele, Essays und Drehbücher, journalistische Texte

www.diwop.de

www.liesmichnet.de

Verlag:

© 2016 • dwp –Day Walker Productions

veröffentlicht von: feiyr.com

dwp-feiyr-com-Veröffentlichungen

© Coverbild: „Blutiges Feuerwerk“, Gemälde von Dietmar Wolfgang Pritzlaff, Köln

© Text und Satz: Dietmar Wolfgang Pritzlaff, Köln

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Kapitel 1: Kurzdramen

Labertaschens Fettnäpfchen oder: Wer zuletzt lacht...

Der Raub der Sabine

Scheiße, so nicht!

Wie du mir, so ich dir?

Wunder gescheh’n

Kapital 2: Abendfüllende Schauspiele

In dieser Minute

Der Schlächter von Mykonos

Die Vatermörder

Eine strahlende Zukunft

Kannst Du mir nicht beim Umzug helfen?

... und Morgen: CHAOS

Warten auf Rambot

Warme Brüder

Trümmerfrauen

Bombenstimmung

Kapitel 3: Hörspiele

Alpha-City oder bald ist Ruhe an der Ruhr

Die Fahrt ins Blaue

Es waren fünf...

Jedem seinen Mord

Kapitel 4: Drehbuch-Ideen

Messias 2000

Star Dreck I - Angriff der Dildonen -

Kapitel 1: Kurzdramen

Labertaschens Fettnäpfchen
oder: Wer zuletzt lacht...

serviert in kabarettistischen Häppchen

Inhalt:

Wie schnell man doch in ein Fettnäpfchen treten kann und was für Folgen sich daraus entwickeln können.

Besetzung:

1 D / 3 H / 5 Dek.

Menü-Folge

1. Sozialamt

2. Beim Arzt

3. In der Stadt

4. In der Kneipe

5. Im Krankenhaus

1. Sozialamt

MANN A Ach, schau an, Frau Studienrätin, auch hier, ja? Na, so schlimm ist das ja alles gar nicht, mh?

Frau A Nein, natürlich nicht.

MANN A Wissen sie wieviele ich hier schon hab rein und rausgehen sehen? Ach du lieber Gott. Sie würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, meine Liebe, wenn sie wüßten. Mich geht das ja alles nichts an, aber Gedanken macht man sich ja doch immer irgendwie, ne?

Frau A Ja, ja.

MANN A Wußten Sie eigenlich das Frau Krämer von gegenüber, ich meine die Rote, die Rothaarige, von gegenüber, mh? Sie wissen schon die immer so... — na ja, ich sag ja schon nichts, aber die, die hab ich letzten Donnerstag auch hier gesehen. Hat sich wohl hier ihren Anteil geholt. Na, wie die rumläuft, kriegt die ja sowieso keine Arbeit. Aber wir wollen nicht über andere Leute reden, das macht man ja auch nicht.

Frau A Ja, ja Herr, äh...

MANN A Ach, und sie haben schon ihren Antrag gestellt, ja? Na sie sind ja vielleicht beladen mit den ganzen Ordnern und so, ne? Brauchten sie die etwa alle für ihren Antrag?

Frau A Herr...äh...ich arbeite hier.

MANN A Ach — als Bürobotin? (lacht)

FRAU A Nein, ich arbeite beim Personalamt und werde mir mal ihre Akte genauer anschauen. Guten Tag.

2. Beim Arzt

MANN A Ach, Herr Doktor, wenn sie wüßten...

Doktor Nun sprechen Sie mal, was gibt es denn so schlimmes.

MANN A Ach, Herr Doktor, wenn sie nur ahnen täten...

Doktor Raus damit, wird alles nich so heiß gegessen wies geköchelt wird, also?

Mann A Herr Doktor, das Allerschlimmste bei meinen Nerven sind die Kinder von oben. Drei Stück hat das kleine stramme Polenkind schon auf die Welt geschmissen, die türmen sich dort oben, und dann ständig das Geschrei, ich hab schon Tabletten geschluckt, ich ab es im Guten wie im...., na ja mit dem Besen bin ich nach oben und wollt se alle durchwackeln, aber da steht doch ihr Kerl inner Tür son Einwanderer, noch ordentlich durchtrainiert vonner Flucht oder was weiß ich, und der Kerl verlangt von mir das ich mal schön ruhig sein soll und seine Kinder nich immer außem Schlaf reißen soll mit meinem Geschrei. Und seine Frau fühlt sich auch ständig bedroht, von mir — von mir! Herr Doktor geben se mir was ganz Starkes, ich halt es echt nich mehr aus.

Doktor Ich werde Ihnen eine Leck-mich-am-Arsch-Therapie verpassen, na was halten Sie davon.

Mann A Ach, Herr Doktor ich glaube das wär wahrscheinlich das Beste. Gibts denn sowas, mh?

Doktor Aber natürlich - also: LECKEN SIE MICH AM ARSCH und verschwinden Sie aus meiner Praxis.

Mann A Was fällt Ihnen denn ein, sind sie etwa auch son Pollacken? Ach Du meine Güte, natürlich, Ihr Name Poplazkij, das hät ich mir ja denken müssen, ne...

Doktor Rrrrr-aaaaa-uuuuu-sssss!!!!!!

3. In der Stadt

Mann A Rainer, Mensch, gut das ich dich treffe, wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, und wenn ich versucht habe dich anzurufen - nie einer da. Ich wollte dich für nächsten Freitag einladen auf ein Bier, na was sagste?

RAINER Du ich wollte eigentlich... Ich habe...

Mann A Ach Mensch Rainer, wir beide, du und ich, also was is.. mh...?

RAINER Ich weiß nicht. Ich habe schon Margit den Abend versprochen, und dann haben wir auch Karten für die Oper...

Mann A Karten für was? Machste jetzt ein auf intellektoid oder was? Mensch, lass uns doch lieber lustig sein, mal ein drauf machen. Margit versteht das doch.

RAINER Oh ne, da kennt Margit keinen Spaß, du.

Mann A Ah, unterm Pantoffel stehste, wa?

RAINER Ach was...

Mann A Ach ne, laß ma, da bin als Single doch besser dran. (lacht) Und was machen deine Kinder?

RAINER Ach hör auf - meine Tochter erst gerade zwanzig geworden und schon wieder geschieden, wohnt jetzt wieder zuhause und der 16 jährige, ach - ich sag dir: schaff dir bloß keine Kinder an.

Mann A Ne kein Bedarf, glaub mir. Hast du gesehen was die Blagen unten in der Stadt bei C&A gemacht haben? Alles vollgeschmiert hamse. Und da liegen überall Spritzen rum, gebrauchte, da klebt noch Blut und was weiß ich dran...die sollte man alle...alle sollte man die...

RAINER Du, mein Sohn der... der...

Mann A Einsperren sollte man alle verdreckten Fixer und ganz weit weg bringen, am besten auf ne einsame Insel, auskurieren bis aller Scheiß aus deren verkorksten Körpern raus ist und dann auf Feldern arbeiten lassen. Die gehen nirgends mehr anne Nadel sag ich dir...

RAINER Ach, was weißt Du denn schon? Du hast...

Mann A Ich sag dir die sind alles aus diesen Schmuddelfamilien, Mutter geht am Strich und besorgts vor den Kleinen den geifernden alten Säcken, und Vatter kassiert groß ab. Glaubs mir!

RAINER Jetzt reichts - mein Sohn ist in Therapie, er ist so ein dreckiger, verkorkster Fixer. Und jetzt hälst du besser Dein Schandmaul.

4. In der Kneipe

Frau A Tag, Karl, Tag Kurt, wie gehts denn so. Ach das hier ist Walter, ein Bekannter, können wir uns zu euch setzen, ist so voll heute hier.

Mann C Hallo, Tag zusammen.

Mann B Tag.

Mann A Ja klar, wenn dein Bekannter nicht son Hei-ti-tei ist, wie da drüben.

Mann C Wie bitte, was für ein...

Frau A Ist schon gut, Walter. Wir wollen nur was trinken und...

Mann A Guckt euch das doch mal an, da drüben, (äfft nach) Iiiiiiiich, hääääte geeeern eeeeineeen gaaaaaanz heeeeeißen Groooog, biiiite Schääääääääätzchen. Bah, is der schwul, tuntig, eklig...

Frau A Karl, laß das, was ist denn in dich gefahren. Hör auf die gucken ja schon rüber.

Mann C Es wäre besser wir...

Frau A (unterbricht) Karl, sag doch mal, wie wars denn im Urlaub auf Ibiza.

Mann A (der gar nicht daraufeingeht) Die sind alle so, uuuuh - darauf kann ich überhaupt nicht, auf son Gehabe. Denen sollte man ihre eigenen Eier fressen lassen.

Mann C Denen sollte man was?

Frau A Karl, dein Urlaub, na?

Mann A Hör mir damit auf. Ich glaube auf der ganzen Insel gibts nur Schwule, die ficken zu jeder tageszeit in den Büschen, widerlich sag ich dir.

Frau A Sei jetzt bitte ganz still, ja.

Mann A Solln Sies doch hörn, ist doch gut wenn dies hörn. Ich sage ekelha...

Frau A Sei still, verdammt noch mal.

Mann B (der bisher nur dumm gegrinst hat) Laß ihn doch reden. Ich finds komisch.

Mann C Du findest das komisch, wenn sich einer über Schwule hermacht.

Mann A (lacht) Ha-ha- über Schwule hermacht, ich, nie, niemals, bist du bekloppt, oder was? Die haben alle Äitsch (lacht), ja genau Aitsch (lacht). Das kommt wenn man nur in stinkenden Löchern gräbt. (lacht, Mann B lacht mit)

Frau A Herrgottnochmal, sei endlich still, Karl, das ist ja unerträglich.

Mann A Findest du? Ne, ne ich bin nicht unerträglich, die sind es, wagen sich schon in ganz normale Heterokneipen, wo sich ganz normale Leute auf ein Bier treffen.

Mann C Keine normale Kneipe, immerhin ne Studentenkneipe.

Mann A Na und, meinste vielleicht nur weil einer studiert muß er auch ne Tunte sein?

Mann C Nein, aber gewöhnlich sind Studenten toleranter. Alles kann, muß aber nicht geschehen.

Mann B Ja, ja solche Leute kenn ich auch, son Scheiß.

Mann A Alle Schwulen kriegen Aitsch, aber wir kiregen nix, so heißt das (lacht). Da können wirs dreimal ohne Gummi treiben, da passiert nix. Aber denen stecken die Viren doch schon von Geburt an im Arsch (lacht).

Mann C (steht auf und geht) Dorothea, ich habs versucht, ich kanns nicht mehr ertragen. Ich geh, tschüß.

Frau A Ja und ich geh auch, und damit dus weißt, Walter ist schwul, und ich finds o.k. Tschüß.

Mann B Oh, Scheiße.

Mann A Ach egal, die hält sich wohl für was ganz besonderes, ach, Weiber, Schlampen, alles Gesocks. Was die mit dem Schwulen wohl hat, wahrscheinlich hats sies schon mal mit dem Schwulen gemacht, und der hat sie nur von hinten gewollt und hat ihr ein paar ordenliche Viruskracher in den Arsch geschoben. (lacht, Mann B lacht mit)

5. Im Krankenhaus

Schwester Guten Morgen. So, dann wollen wir mal, ja?

Mann A Hm, mor...morgen. Wie spät ist denn?

Schwester Is´ schon halb sieben durch.

Mann A Ich werd´ mich nie an diese Zeiten gewönnen können.

Schwester (lacht) Ha, nie? Jetzt lassen Sie aber ihre Witze, ist doch makaber. (Pause) Ach was, ist doch schön wenn man drüber lachen kann.

Mann A Wieso makaber, und worüber kann man lachen?

SCHWESTER Sage niemals nie, hm? (lacht)

MANN A Versteh ich nicht.

SCHWESTER Na das "nie" aus ihrem Munde klingt so, so unendlich, na sie verstehen schon.

MANN A Nein, überhaupt nicht. Wann gibts Frühstück?

SCHWESTER Das fragen Sie mich jeden morgen. Jetzt sind sie schon fast 3 Monate hier und...

MANN A Ja, ich weiß und jeden Morgen sagen sie: Frühstück gibts um acht. Und ich frage jeden Morgen, was ich denn nach dem Fiebermessen bis zum Frühstück machen soll. Und sie sagen dann...

SCHWESTER Ich sagte und werde immer sagen, legen sie sich noch etwas hin, schlafen sie, lesen sie etwas oder waschen sie sich schon mal. Na ja, wenigstens, gilt das für die, die sich selber waschen können.

MANN A Und ich frage sie jetzt zum wer-weiß-wie-vielten-Male, wenn ich mich nach halb sieben schon wasche, was soll ich dann nach dem Frühstück machen. Hier gibts ja soviel Abwechslung.

SCHWESTER Soll ich ihnen wirklich was raten?

MANN A Ja, sicher, legen sie los.

SCHWESTER Nach dem Frühstück können sie doch in den Aufenthaltsraum gehen. Dort treffen sich doch alle, jeden Tag. (Pause) Oder... (Pause)

MANN A Ja, oder was?

SCHWESTER Oder... (Pause)

MANN A Nun sagen sie doch schon. Is ja vielleicht mal was neues.

SCHWESTER Nein, nein, nichts neues, aber etwas Bedeutendes.

MANN A Ja, also was denn?

SCHWESTER Gehen sie in die Stadt, gehen mal richtig toll essen, gönnen sie sich mal was. Oder fliegen sie in den Süden. Hängen ihre Beine ins Mittelmeer. Und...

MANN A Und was, sie wissen doch ganz genau das ich nicht entlassen werde.

SCHWESTER Eben. Wollen sie vielleicht hier drin sterben.

MANN A Sterben? Na so schrecklich ist der Fraß - (lacht) - Pardon - ich meine die...äh...die gesunden Leckereien doch auch nicht.

SCHWESTER Übertreiben sie nicht so maßlos. Ich weiß, das ihnen unser Essen nicht behagt.

MANN A Aber sonst ist es doch ganz nett hier drin.

SCHWESTER Gut so, sehr gut. Immer positiv denken. Auch wenn es zu Ende geht.

MANN A Was?

SCHWESTER Ihr Leben, mein Freund, ihr Leben. (lacht)

MANN A (lacht mit - verstummt plötzlich) - (PAUSE) Was sollen diese Andeutungen? Sterben, Ende, was meinen sie genau?

SCHWESTER Was ich meine ist ja ganz wurscht. Jeder muß selbst zusehen, wie er zurechtkommt. Sie haben Schmerzen und wollen deshalb wohl nichts mehr unternehmen. Ich dagegen würde mir ordentliche Pillen oder Morphium verschreiben lassen und ab gings um die Welt, wenn ich nur noch 3 Wochen zu leben hätte.

MANN A Was reden sie da.

SCHWESTER Na, was red ich schon. Von ihnen red ich und von ihren 3 letzten Wochen, die wie ich hoffe, sich für sie noch lohnen werden. Na wollen Sie nicht doch noch was erleben?

MANN A Ich habe nur noch 3 Wochen zu leben?

SCHWESTER (lacht) Mein Gott ja, sie haben doch Krebs, daß wissen sie doch, sie Schelm. Das wissen doch alle. (lacht) Können sie einen hoch nehmen. (entfernend) Sie bleiben so ernst, wirklich toll, wie sie das machen, ein tolles Schauspiel. Bis nachher zum Frühstück.

(Black / kurze Pause)

SCHWESTER (ins Black gesprochen) So jetzt gibts Frühstü... (erschrickt) Ach du lieber Gott, sie können sich doch nicht einfach aufhängen. Ich wollte mich für mein Geschwätz entschuldigen. Das waren doch gar nicht sie. Ich meine, daß mit dem Krebs. Sie hätten doch leben können. Noch Jahre, Du lieber Himmel, da redet man mal einfach nur so daher - und dann das, das macht man doch nicht...

ENDE

Der Raub der Sabine

Kurzdrama

Veröffentlichung als Hörspiel:

2008, In der Bearbeitung von: Lea Kutz

Produktion für den freien Radiosender „Radio Unerhört Marburg“

Inhalt:

Ein junger Mann verpatzt den Banküberfall. Dafür springt Oma Klara ein und rettet, was noch zu retten ist. Auch für den Bankräuber fällt noch etwas ab.

Besetzung:

3 D / 1 H / 1 Dek.

Personenregister:

1) Bankräuber

2) Alte Dame

3) Angestellte

4) junge Frau

Ein junger Mann, Anfang dreißig, stürmt vermummt in die Sparkasse. In der Hand hält er unsicher eine Pistole.

BANKRÄUBER laut Keine falsche Bewegung. Alle auf den Boden. Er geht zum Schalter und bedroht die ANGESTELLTE Geld her, aber schnell.

Allgemeines Chaos, die meisten legen sich sofort auf den Boden und sind still, nur eine alte Dame mit Krückstock steht einfach noch da.

BANKRÄUBER zur alten Dame Sie – legen sie sich hin!

ANGESTELLTE steht mit erhobenen Händen hinter dem Schalter Wir haben gar nicht so viel Geld in der Kasse, wie sie vielleicht glauben. Ich kann ihnen...

BANKRÄUBER hält der Angestellten einen Rucksack hin Hier nehmen sie den Rucksack und stecken sie das Geld hinein, alles was da ist.

ANGESTELLTE Ich werde tun, was sie sagen. Einen Moment, ich...

BANKRÄUBER zur alten Dame Was ist? Legen sie sich jetzt, oder was?

Der Bankräuber fuchtelt mit der Pistole, bleibt an dem Rucksack hängen. Die Angestellte zieht an dem Rucksack.

BANKRÄUBER zur Angestellten Was soll das denn? Vorsichtig, ja? Ganz langsam. Nach einem kleinen Handgemenge kann sich der Bankräuber endlich befreien. Zur alten Dame, schreit Verdammt noch mal, sie sollen sich hinlegen?

ALTE DAME ganz ruhig Junger Mann, ich habe es ganz schlimm in den Knien. Ich kann mich nicht hinlegen. Ich komme gar nicht runter. Und dann der Rücken, diese Schmerzen...

BANKRÄUBER unterbricht Hinlegen!

ANGESTELLTE Auch das Kleingeld?

BANKRÄUBER Tu nicht so blöde. Nur Scheine. Der Bankräuber fängt an unter seiner Maske zu schwitzen. Sie verrutscht ihm immer wieder und er nestelt daran herum. Zur alten Dame Ich schieße gleich, wenn sie sich nicht endlich hinlegen?

ALTE DAME Ich kann nicht, das sagte ich ihnen doch schon. Diese Schmerzen...

BANKRÄUBER Soll das ein Witz sein? Willst du dir nicht noch ein paar schöne Tage machen? Viele haste doch eh nicht mehr, also runter mit dir!

ALTE DAME Nein!

ANGESTELLTE Soll ich auch die anderen Kassen...?

BANKRÄUBER Was? Was ist?

ANGESTELLTE Die anderen Kassen könnte ich...

BANKRÄUBER Dann mach, aber schnell. Zur alten Dame Verdammt noch mal, ich schieße gleich, also runter.

ALTE DAME Wenn sie erst mal in meinem Alter sind, junger Mann... Das geht dann alles nicht mehr so wie früher.

BANKRÄUBER zu sich selbst Die spinnt die Alte. Zur Angestellten Was ist mit dem Tresor?

ANGESTELLTE Den Schlüssel hat nur unser Herr Direktor. Ich kann ihn ja mal fragen, ob...

BANKRÄUBER Ja, dann tun sie es doch endlich.

ALTE DAME Junger Mann?

ANGESTELLTE Aber da wird nicht viel drin sein. Der Geldtransport war vor einer viertel Stunde da und...

ALTE DAME unterbricht die Angestellte, zum BANKRÄUBER Junger Mann, sie haben da...

BANKRÄUBER brüllt Was denn?

ANGESTELLTE Sie wissen doch, dass wir keine großen Geldbestände mehr haben. Deutet auf einen Aushang Wegen den Sicherheitsmaßnahmen und so.

ALTE DAME Junger Mann?

BANKRÄUBER Was ist?

ALTE DAME Sie haben da... Sie zeigt auf des Bankräubers Hose

Der Bankräuber schaut nach unten. Kann aber mit seiner Maske nichts sehen, weil sie wieder verrutscht. Er wird immer nervöser.

BANKRÄUBER zur alten Dame Was ist da denn?

ALTE DAME kichert Sie haben ihre Hosentür offen.

BANKRÄUBER Blöde Alte!

Der Bankräuber nestelt an seiner Hose. Aber bekommt den Reißverschluss nicht zu, mit der Pistole in der Hand. Er reißt sich die Maske herunter und dann zieht er den Reißverschluss zu.

ANGESTELLTE Das war alles.

BANKRÄUBER Was? Gib her.

Die Angestellte reicht dem Bankräuber den Rucksack. Er reißt ihn ihr aus der Hand und will abhauen, stolpert aber und fällt. Er verliert die Pistole, die genau vor der alten Dame zu liegen kommt. Aus dem Rucksack verliert er ein paar Scheine. Er steht wieder auf und sammelt die Scheine ein. Die alte Dame konnte sich ohne Probleme bücken und steht nun mit vorgehaltener Pistole im Raum.

BANKRÄUBER Was soll das denn Oma? Lass die Finger von dem Ding. Der ist echt. Das kann gefährlich werden.

Der Bankräuber geht langsam auf die alte Dame zu.

ALTE DAME Runter, hinlegen, aber zack zack.

Der Bankräuber geht weiter auf die alte Dame zu. Plötzlich hält die alte Dame die Pistole in Richtung Decke und schießt.

ALTE DAME Stimmt, ist geladen. Also keinen Schritt weiter. Ich war mal deutsche Meisterin im Schießen, junger Mann.

Der Bankräuber legt sich langsam auf den Boden.

ALTE DAME Schieb mal die Knete rüber, Kleiner.

Der Bankräuber schiebt den Rucksack in die Richtung der alten Dame. Sie dreht den Krückstock um und „angelt“ nach einem Riemen des Rucksacks und zieht ihn zu sich.

ALTE DAME Das schöne Geld. Endlich kann ich mal meine Rente ein bisschen aufbessern. Ich bin es so leid an allem zu sparen.

Die alte Dame nimmt mehrere Bündel Geldscheine aus dem Rucksack und wirft sie dem Bankräuber auf den Boden.

ALTE DAME Sollst auch davon haben. Sie deutet auf eine junge Frau, die neben dem Bankräuber auf dem Boden liegt Schau mal, mein Kleiner, die wäre doch was für dich. Meinst Du nicht?

Die alte Dame geht aus der Sparkasse.

ALTE DAME Einen wunderschönen guten Tag, wünsche ich ihnen allen.

JUNGE FRAU Ich bewundere Männer, die ihren eigenen Kopf haben und ihren Willen durchsetzen wollen.

BANKRÄUBER Tatsächlich?

JUNGE FRAU Ich heiße Sabine.

BANKRÄUBER Ich bin der Bernd. Heute Abend schon was vor? Wir könnten zusammen essen gehen.

Black

ENDE

Scheiße, so nicht!

Kurzdrama

Inhalt:

Der „Verein zur Hege und Pflege von Bedürftigen“ hält seine Jahreshauptversammlung in einem Caféhaus ab. Die nur sehr spärlich besuchte „Versammlung“ wird von einem Obdachlosen gestört.

Besetzung:

3 D / 1 H / 1 Dek.

Personenregister:

1) Marianne

2) Renate

7) Bedienung (im Café)

8) Helmut (Obdachloser)

Ein paar Tische im Café dienen dem „Verein zur Hege und Pflege von Bedürftigen“ als Treffpunkt. Die übrigen Tische im Café sind dem „normalen“ Publikum vorbehalten. Das Stück könnte in Mitten von Besuchern des Stückes spielen. Die Mitglieder des Vereins sind ausschließlich Damen der gehobenen Gesellschaft.

Marianne, die Vorsitzende des „Vereins zur Hege und Pflege von Bedürftigen“ will sich gerade von ihrem Sitz erheben, lässt es dann aber.

MARIANNE Liebe, tja, Mitglieder? Liebe Renate. Ich glaube, heute kann ich mir die Begrüßung sparen. Es sind ja keine Mitglieder anwesend. Die anderen kriegen Post von mir. Na ja, dann machen wir das hier mal eben. Ich begrüße also bla... bla... bla... Der „Verein zur Hege und Pflege von Bedürftigen“ feiert in diesem Jahr sein 10 jähriges Bestehen. Aus diesem Grund wollen wir die heutige Versammlung dafür nutzen, das Fest-Programm für unseren großen Tag zu besprechen. Wir wollen Ideen sammeln und Aufgaben verteilen. Es soll ein ganz besonders schöner Tag für unsere Bedürftigen werden und natürlich auch für uns Heger und Pfleger. Das Fest wird unter freiem Himmel auf dem Marktplatz stattfinden. Ich hoffe hier und jetzt auf Ihre tatkräftige Unterstützung und auf schöne Ideen, wie wir diesen Tag zusammen begehen können.

Marianne lehnt sich zurück.

RENATE Ich möchte gerne Waffeln backen und ... Ich könnte mindestens 3 Waffeleisen besorgen und hätte sehr viel Spaß daran die Bedürftigen mit den herrlichen Süßwaren zu verwöhnen. Wahlweise mit heißen Kirschen und Sahne oder nur Puderzucker.

MARIANNE Eine wunderbare Idee, meine Liebe. Ich werde Kartoffelpuffer backen, die mögen doch alle. Gesalzen mit Speck oder nur mit Apfelmus.

RENATE Die Clara wird bestimmt Germknödel backen wollen. Die macht sie immer wieder gerne und zu allen Anlässen.

MARIANNE Und die Margot kann Muzen backen. Da hätten wir eine noch größere Auswahl an Gebackenem.

RENATE Die Anneliese möchte selbstgebaute Vogelhäuser verkaufen.

MARIANNE Sie möchte was? Verkaufen? Ich weiß nicht. Die sollte sie spenden. Ich werde nochmals einen Rundbrief an alle schicken, mit der dringenden Bitte sich doch an unserem schönen Fest „richtig“ zu beteiligen. Welche Ideen haben wir denn noch für unsere Lieben daheim gebliebenen?

RENATE Stricken könnte doch jemand, Schals und warme Socken für den Winter. Oder Bratwürste grillen. Wir brauchen unbedingt auch etwas Deftigeres.

MARIANNE Dann darf aber auch ein Getränkestand nicht fehlen.

RENATE Oh, natürlich, Getränke brauchen wir ja auch.

MARIANNE Kaffee und Tee und Erfrischungsgetränke.

RENATE Bier und Wein und...

MARIANNE Bitte Renate, doch keine alkoholischen Sachen. Wir betreuen doch auch Alkoholiker.

RENATE Die müssen halt was anderes trinken, aber so was verkauft sich gut.

MARIANNE Ja, liebste Renate, das ist zwar ein Aspekt, aber auf alkoholische Getränke sollten wir besser gänzlich verzichten. Denk nur, was daraus entstehen kann.

RENATE Aber in die Kasse soll doch auch was kommen für die Pflege von...

Ein Obdachloser schwankt mit mehreren prallgefüllten Einkaufstüten in das Caféhaus. Er hat die letzten Sätze vernommen und unterbricht Renate.

OBDACHLOSER spricht angetrunken Scheiße, wat denn kein Schnaps. Seit ihr alten Schachteln bekloppt, oder wat? Da kommt doch dann kein Mensch zu eurem Scheiß.

Obdachloser versucht seine Tüten abzustellen, wirft sie aber immer wieder um. Es scheppert. In den Tüten sind gesammelte leere Flaschen und Dosen. Eine Bedienung des Cafés will den Obdachlosen zur Tür aus dem Café führen. Der Obdachlose reißt sich immer wieder los, brabbelt teils unverständliches Zeug laut vor sich hin und kümmert sich um seine Tüten.

BEDIENUNG Bitte seien Sie still. Unsere Gäste. Kommen Sie bitte...

Die Bedienung fast den Obdachlosen am Arm und will ihn zur Tür ziehen.

OBDACHLOSER Ich bin doch auch ein Gast, Scheiße. Ich will was saufen und so’n Stück Sahnetorte.

MARIANNE greift ein Helmut, unser Helmut. Sie geht auf Helmut zu, zur BEDIENUNG Lassen Sie mal. Helmut ist ein Lieber, nicht wahr Helmut? Wir kennen uns doch.

HELMUT Scheiße, was willst du alte Schnepfe? Was schreist du denn hier ...

Die Bedienung bedient weiter die anderen Gäste. Guckt sich aber immer wieder nach Helmut um.

MARIANNE Erkennst Du mich denn nicht, Helmut? Ich bin es doch, die liebe Marianne.

Marianne nimmt die Tüten und will Helmut auf einen Platz in der Nähe ihres Tisches führen, der aber wehrt sich.

HELMUT Kenn ich nicht. Schreit hinter Marianne her. Wo willste denn mit meinem Zeug hin? Verdammte Scheiße. Dat is meins. Gib mir die Sachen wieder, sonst hau ich dir aber mal ein paar aufs...

MARIANNE gibt schnell Helmut die Tüten Ich will doch nur helfen, Helmut. Nun komm doch mal mit.

HELMUT Scheiße, nein. Ich will nicht. Ich will saufen...

MARIANNE Helmut, bitte. Komm doch mal. Lass uns mal sprechen.

HELMUT Scheiße, ich will jetzt nicht quatschen, ich will sau... au... fen...

RENATE kommt Marianne zur Hilfe Helmut, mich erkennst du aber? Na komm.

Renate zieht Helmut am Ärmel. Helmut fühlt sich bedroht und will mit den vollen Tüten um sich schlagen.

HELMUT Scheiße, noch mal. Du willst auch nur an meine Sachen. Geh weg du Ziege!

MARIANNE zu RENATE Lass ihn mal für einen Moment. Der geht bestimmt gleich. Zu dem Obdachlosen Bist doch unser Helmut. Sie streichelt dem Obdachlosen über den Kopf

HELMUT schreit Fass mich nicht an, Scheiße. Alle wollen mich anfassen. Immerzu anfassen. Ich will das nicht!

RENATE Du lieber Gott, keiner will was von Dir. Zu MARIANNE Der hat es aber heute ganz schlimm, was?

Marianne und Renate gehen wieder auf ihre Plätze. Helmut lässt sich endlich auf einen freien Stuhl an einem der für den Verein freigehaltenen Tische fallen, kramt in seinen Taschen und lallt vor sich hin.

MARIANNE zu RENATE Ich denke, er wird sich benehmen. Wo waren wir stehen geblieben?

HELMUT sehr laut Ich will den besten Schampus den sie haben, Fräulein. wedelt mit einem Hundert-Euro-Schein Scheiße, kommen sie mal zu mir?

RENATE Ideen, wundervolle Ideen für unseren schönen...

HELMUT Wollen sie mich hier nicht, oder wat? Scheiße. Ich habe Kohle dabei, also, ne Flasche Fusel, aber schnell.

RENATE dreht sich zu dem Obdachlosen um Woher hat Helmut denn soviel Geld?

BEDIENUNG zu dem Obdachlosen Was wünschen sie?

HELMUT Ah, so ist’s recht. Beschissene Scheiße. Ja, wenn se das Scheiß-Geld sehen, werden se scheiße-nett, wa?

BEDIENUNG Also?

HELMUT Scheiße, noch mal, erst mal drei Schnaps und von der Sahnetorte ein dickes Stück und dann eine Flasche Schampus, bitte...

BEDIENUNG verdreht die Augen Kommt sofort.

MARIANNE Wir könnten doch auch Spiele organisieren für die Kleinen. Dann wird es ein richtiger Familientag.

RENATE Eine wunderbare Idee, und zu gewinnen gibt es auch was. Schreib das auch in den Rundbrief, Marianne.

Der Obdachlose kramt noch immer in seinen Taschen. Dann hält er eine Geldbörse in der Hand und wühlt in den Scheinen die hervorquellen.

MARIANNE Ja, das werde ich sofort notieren. Und Eis für die Kleinen, wäre auch nicht schlecht. Ein Eiswagen...

RENATE unterbricht MARIANNE Schau mal Marianne. Sie deutet zu Helmut hin Helmut hat genauso eine Geldbörse, wie du sie hattest.

Marianne dreht sich zu Helmut um.

MARIANNE Nein, nein, Renatchen, da täuschst du dich.

RENATE Schau doch erst Mal richtig hin.

MARIANNE Ich habe keine verloren.

RENATE Natürlich hast du. Überleg doch mal. Na? Jetzt, verstehst du, oder?

MARIANNE Das ist nicht... oder? Du meinst...?

RENATE Das ganze Geld. Das ist doch das Geld unseres Vereins, oder etwa nicht?

MARIANNE Renate, du hast Recht. Lauter Das ist meine Geldbörse.

Marianne steht auf, geht zu Helmut und will ihm die Börse entreißen. Er hält sie aber fest.

MARIANNE Wo hast du die Börse her? Du hast sie mir gestohlen, mit den vielen Spendengeldern. Die wollte ich doch noch einzahlen. Helmut, das hätte ich nicht von dir gedacht.

HELMUT Geh weg, verdammte Scheiße, ich habe was bestellt. Es schmeckt mir nicht, wenn du blöde Gans da rum stehst.

Marianne versucht immer wieder an die Börse zu kommen.

RENATE von ihrem Platz aus Du musst die Polizei holen.

MARIANNE Nein, nein, das regeln wir selber.

RENATE Der ist betrunken Marianne, da erreichst du mit Worten gar nichts.

MARGOT Schau mal an seinem Handgelenk... Das ist meine goldene Uhr, die ich schon so lange vermisst habe. Ich dachte, ich hätte sie... Ja, zum Kuckuck, wo hast du denn die Uhr her?

RENATE steht auf und geht zu Helmut, sie nimmt eine der Tüten und geht wieder zu ihrem Platz Schauen wir doch mal, was wir noch so finden.

HELMUT will aufstehen und hinter Renate her, schafft es aber nicht, er ist zu betrunken Scheiße! Gib mir meine Tüte wieder, du Hexe.

Helmut reißt an dem Tischtuch. Eine kleine Vase fällt zu Boden und geht zu Bruch. Renate zieht eine Kette aus der Tüte.

RENATE Sieh mal an, die gehört mir.

Renate holt eine Brosche hervor.

MARIANNE Die hat mir mein verstorbener Mann geschenkt, Gott hab ihn selig.

Renate holt ein goldenes Feuerzeug hervor.

RENATE Da ist es also und ich habe tagelang geweint, bitterlich. Ich habe so gesucht. Renate stellt die Tüte zur Seite. Da ist bestimmt noch mehr in den anderen Tüten.

Renate geht wieder zu Helmut. Marianne versucht immer noch an die Geldbörse zu kommen. Die Bedienung kommt in dem Moment und will servieren. Anneliese nimmt die zweite Tüte. Helmut greift die Tüte, doch Renate reißt sie ihm weg. Helmut schwankt auf dem Stuhl, hält sich an der Bedienung fest und sie lässt das Tablett fallen. Aus Reflex schlägt Bedienung Helmut.

BEDIENUNG nimmt etwas Abstand von dem Obdachlosen Das wirst du alles bezahlen. Wir sind ja hier nicht bei den Hottentotten.

MARIANNE Jetzt schlägt Helmut auch noch die arme Bedienung. Wir müssen helfen. Renate komm!

HELMUT Scheiß auf alles. Scheiß auf euch alle. Was is denn, was...?

MARGOT Wie konntest du uns nur bestehlen?

HELMUT Was is...? Ich... ich... Scheiße, so nicht. Nicht mit mir. Ich habe nichts gestohlen, ich hab alles gefunden.

RENATE Du hast bestimmt noch mehr. Renate kramt in den Tüten. Ich finde nichts in den Tüten, da sind ja nur noch leere Flaschen drin, du Säufer.

MARIANNE Renate, bitte lass dich nicht hinreißen...

RENATE Von mir hat er bestimmt noch mehr, so was spüre ich doch.

Renate zerrt an Helmuts Mantel. Plötzlich entlädt sich bei den drei Frauen ihre ganze aufgestaute Aggression. Sie schlagen auf Helmut ein, zerren an ihm. Ein kollektives Zusammenschlagen. Dann eilen Marianne und Renate zu ihren Plätzen und holen ihre Handtaschen.

MARIANNE Lass uns gehen. Wir können uns ja noch bei mir zuhause eine Weile zusammensetzen.

RENATE Wird wohl das Beste sein. Hier, mehr konnte ich nicht kriegen. Sie legt einen Zwanzig-Euro-Schein auf den Tisch. Lass uns gehen.

BEDIENUNG Und was ist mit dem hier? Zu sich selbst Herr im Himmel, jetzt muss ich das wieder machen.

Marianne und Renate gehen. Die Bedienung streicht sich ihr Haar zu Recht und zerrt Helmut am Arm zur Tür und schmeißt ihn raus.

HELMUT fällt, weint und tritt vor Wut um sich, er ruft der Bedienung hinterher Ich habe alles gefunden. Die ganze Scheiße, auf der Straße. Die blöden Ziegen behaupten nur, es wäre ihr Zeug. Ich wollte doch nur einen saufen in ihrem Scheiß-Café!

Vor dem Café kommt Helmut wieder auf die Beine und schwankt davon.

Die Bedienung wirft die Tür zu und geht zu Helmuts Tisch und räumt auf, dabei findet sie die Geldbörse. Ein paar Scheine stecken noch drin. Sie schaut sich um und steckt das Geld ein.

BEDIENUNG zu sich selbst Das Geld ist mein Trinkgeld und überhaupt... Für den ganzen Ärger.

Black

ENDE

Wie du mir, so ich dir?

Kurzdrama

Inhalt:

Ein schwules Paar sucht bei einem Optiker nach einer passenden Brille. Das Paar trägt dabei seinen Beziehungskampf aus.

Besetzung:

4 H / 1 Dek.

Personenregister:

1) Verkäufer

2) Hans

3) Gerd

4) Rainer (Chef)

Hans und Gerd betreten das Optikgeschäft. Ein Verkäufer kommt auf sie zu.

VERKÄUFER Guten Tag die Herren, was kann ich für Sie tun?

HANS zögerlich Ich... ich...

GERD ergreift die Initiative, zu HANS Na, sag schon. zum VERKÄUFER Mein Freund braucht eine Brille. zu HANS Gib ihm das Rezept.

HANS Das kann ich auch alleine.

GERD Du sagst ja nichts.

Hans kramt in seinen Jackentaschen, findet das Rezept und reicht es dem Verkäufer.

HANS Hier, bitte!

GERD zu HANS Na also, geht doch. zum VERKÄUFER Er bekommt heute seine erste Brille.

HANS leise erbost zu Gerd Halt die Klappe!

GERD Mach nicht so einen Aufstand, Herrgottnochmal! Irgendwann brauchen wir alle mal eine Brille. Zum VERKÄUFER Richtig?

VERKÄUFER Das kann man so sagen.

HANS ermahnend zu GERD JA!

GERD zum VERKÄUFER Er ist eben 27 geworden.

HANS Und schon Brille...

VERKÄUFER Herzlichen Glückwunsch nachträglich.

HANS Zur Brille? Danke.

VERKÄUFER Ich meine... äh... Der Verkäufer studiert etwas verlegen das Rezept. Er tut so als ob er das Gespräch zwischen Hans und Gerd nicht mitbekommen hat. 2,5 Dioptrien links und 3,0 Dioptrien rechts. Erstaunt zu HANS Und da sind sie nicht schon früher zu uns gekommen? Sie sehen ja fast nichts mehr!

HANS Bitte?

GERD zu HANS Du bist doch vor sämtliche Türen und Schränke gelaufen. Zum VERKÄUFER Mein Freund meint, dass ihn eine Brille abwertet. Bei uns in der Szene...

HANS Hör auf!

GERD Na, ist doch wahr! Brillenschlangen sind nicht gerade gefragt, bei den Schwulen.

HANS Das interessiert jetzt doch gar nicht!

GERD zum VERKÄUFER Und ob. Du meinst doch, Du hättest dann keine Chancen mehr.

VERKÄUFER Der eine früher – der andere später.

GERD zu HANS Eben, und bei Dir früher!

VERKÄUFER ablenkend zu HANS Um die Gläser kümmern wir uns später. Wir haben ein paar außergewöhnlich chicke Gestellmodelle reinbekommen. Sie wollen doch eher etwas Ausgefallenes, oder...?

GERD Sicher. 0815 hat doch jeder...

HANS unterbricht, zu GERD Muss ich das Scheißding tragen, oder Du?

GERD Ich will ja nur helfen.

VERKÄUFER versucht zu überspielen, öffnet eine Schublade und holt eine paar Brillengestelle heraus Hier haben wir die neuesten Modell aus der Sommerkollektion. Sehr schmal und besonders leicht und farbig.

HANS Wie teuer?

GERD Such doch erst Mal was aus. Der Preis ist doch egal. Hauptsache das „Ding“ gefällt Dir.

HANS geht nicht auf Gerd ein, zum VERKÄUFER Ich will wissen: Wie teuer?

GERD Setz doch mal eine auf?

HANS zum VERKÄUFER Wie teuer ist diese?

VERKÄUFER schaut in einer Liste nach Einen Moment bitte, das habe ich gleich. Das ist das „Modell Jerry“ aus der Harley-Davidson-Kollektion. Die ist schon im etwas höheren Preisniveau zu finden.

HANS Was soll das denn heißen? Sagen Sie mir jetzt den Preis oder nicht?

GERD Nu setz das Ding doch mal auf. Ich habe dich noch nie mit Brille gesehen.

HANS wird laut Wie teuer, verdammt noch mal?

VERKÄUFER Der Preis liegt so um die 500 Euro.

HANS Was heißt denn so um die? Ich will den genauen Preis.

GERD Boah, du nervst.

HANS Du hältst jetzt den Rand, ja? Du musst dir ja nicht mit so einem Scheißteil die Fresse verhunzen und das Ganze auch noch bezahlen.

GERD Geht das schon wieder los. Du brauchst eine Brille damit du wieder was siehst. Das ist doch vorrangig.

VERKÄUFER Also, der Preis ist 585 Euro, das ist dann schon mit Mehrwertsteuer.

HANS Na, klasse! So um die 500 Euro. Ich lach mich schlapp. Und nur das Gestell, ja?

VERKÄUFER Wir haben auch ganz schicke Kassenmodelle.

GERD Nein, nein. Wir bleiben erst Mal bei diesen Modellen. Zu HANS Hör mal, Harley Davidson, das klingt doch schon richtig männlich.

HANS Willst du mich verarschen? Das ist eine Brille, kein Motorrad, basta.

GERD Ja...

HANS setzt die Brille auf und schaut in den Spiegel Großer Gott, sehe ich Scheiße aus mit dem Teil.

VERKÄUFER Die steht ihnen aber ungemein gut.

GERD Finde ich auch. Ein Glücksgriff, passt genau zu dir.

HANS Ist ja widerlich. Kein Schwein schaut mich mehr an. Ich will nicht.

Er setzt die Brille wieder ab und stiert auf die anderen Modelle. Er probiert nacheinander die Brillen aus. Er nimmt sich die Brillen selbst, gibt seinen Kommentar ab und wirft sie dem Verkäufer missbilligend nach dem Aufsetzen wieder über den Tisch.

HANS Scheußlich. Die Nächste.

GERD Die hat doch was.

HANS Aber was? Die Nächste.

GERD Und die Dunkelrote von gerade?

HANS Willst du mich zur Tunte machen? Nein, danke.

VERKÄUFER versucht zu retten Schwarz oder Silber ist sehr neutral, darf ich Ihnen mal...

HANS Nein.

GERD Hans reiß dich zusammen, das haben wir doch schon alles gestern besprochen.

HANS Verflucht, lass mich in Ruhe. Du brauchst ja keine Brille. Du kriegst Angebote von den geilen Kerlen und schleppst sie reihenweise ab und ich glotz blöd durch die Glasbausteine hinterher, was?

GERD Das gehört jetzt nicht hier hin.

HANS Sicher gehört das hier hin. Meinst du der Typ von der letzten Party wäre mit dir abgezogen? Hätte mit dir eine Nummer geschoben, wenn du eine dieser schicken Glotzophone auf der Nase gehabt hättest? Wohl kaum.

GERD Das war ein Versehen.

HANS Ein Versehen, das ich nicht lache. Du hast ihn aufgerissen und bist mit ihm verschwunden. Zitiert GERD Ich liebe nur dich Hans, es gibt immer nur wir beide. Scheiß drauf!

GERD Hans hör auf.

HANS Du hattest deinen Spaß. Ich durfte mit ansehen, wie der Typ dich fickt, vor allen Leuten.

GERD Sei still, verdammt noch mal.

VERKÄUFER Also ich habe hier noch...

HANS Ja, jetzt soll ich still sein.

GERD Ich habe mich entschuldigt. Wir waren völlig auf Droge. Schaut verlegen zum VERKÄUFER Ich... ich... meine... das kann doch mal passieren.

HANS Alles klar. Drogen entschuldigen alles.

GERD Hans, doch nicht hier und jetzt.

VERKÄUFER Ich habe noch einige preisgünstige Modelle aus der letzten...

HANS Ich werde das nächste Mal losgehen und auch alles rammeln, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.

GERD So war das ja gar nicht.

HANS Ach, nein? Wie denn? Du hast es doch darauf angelegt.

VERKÄUFER überspielt die Peinlichkeit mit schneller und lauter reden Ich kann Ihnen auch erst Mal nur Prospekte...

GERD Ich habe das doch mit dir abgeklärt.

HANS Abgeklärt, war gar nichts. Abgeklärt! Du hattest schon seine Finger im Arsch, hattest gar nichts dagegen und hast nur kurz zu mir gesehen...

GERD Du hast eine Geste gemacht. Ich dachte...

HANS Was sollte ich denn tun? Ich war einfach nur geschockt.

GERD Warum warst Du nicht bei mir? Ich dachte, Du stehst hinter mir und es sind deine Finger, die... Du hast dich rumgedreht und bist gegangen...

HANS Ich wollte euch nicht auch noch zuschauen müssen. Zum VERKÄUFER Das ist doch wohl verständlich, oder?

VERKÄUFER Ich möchte dazu lieber...

GERD Wenn Du bei mir gewesen wärst, wäre es mit dir passiert und wir hätten...

HANS zum VERKÄUFER Hören Sie das? Ihm ist es völlig egal... Wäre ich da gewesen mit mir und so dann eben mit irgendwem. Ist das normal frage ich Sie?

VERKÄUFER Äh... Vielleicht nur ein Missverständnis... Ich meine...

GERD Können wir das Zuhause besprechen?

HANS Nein, jetzt. Das muss einfach raus. Ich halt das nicht aus. Hans steht plötzlich auf und steht vor einer Vitrine mit Brillengestellen. Er stiert hinein. Er redet laut weiter zu Gerd. Du willst eine offene Beziehung, das ist mir klar.

GERD Nichts ist klar. Ich will keine offene Beziehung. Das war nie mein Ding. Aber wenn du mir so ein Zeichen machst...

HANS spricht zur Vitrine Ich habe abgewunken, nur so mit dem Arm. Was soll ich machen, dir hinterher und dich an den Haaren rauszerren?

Der Verkäufer steht auf und stellt sich neben Hans an die Vitrine.

VERKÄUFER Hier haben wir ein paar ganz außerordentliche Brillen ausgestellt. Eine gute Wahl. Darf ich Ihnen...

HANS Nein, dürfen sie nicht.

GERD steht auf und stellt sich hinter Hans. Er fasst Hans an den Schultern. Hans, ich sage es nochmals, es tut mir leid. Ich habe das falsch verstanden. Ich...

HANS reißt sich los Es tut dir gar nicht leid.

GERD Ich bitte dich nochmals um Verzeihung. Lass uns jetzt...

VERKÄUFER unterbricht Können Sie das Gespräch vielleicht doch woanders zu Ende führen? Wir haben ja noch andere...

GERD zum VERKÄUFER Nein, was? Was wollen SIE denn? Versucht Hans in den Arm zu nehmen, der immer wieder versucht Gerd abzuschütteln Hans, ich werde das nie wieder tun. Wir Beide und kein Anderer, versprochen, geschworen, alles was du willst, ja?

VERKÄUFER Ich glaube, Sie sollten jetzt lieber...

HANS UND GERD gleichzeitig Was wollen Sie denn?

VERKÄUFER Ich... ich... hole mal den Chef...

GERD Tun sie, was sie nicht lassen können. Gerd stellt sich hinter Hans und umarmt ihn von hinten. Nun komm Hans, sei nicht so. Hans dreht sich langsam um, dann umarmen sich Gerd und Hans gegenseitig.

VERKÄUFER Ich gehe mal lieber.

Verkäufer ab.

Auftritt Chef.

Hans steht mit dem Gesicht in den Raum, Gerd mit dem Gesicht zur Schaufensterscheibe nach draußen. Hans sieht den Chef zuerst.

HANS Ach, du Scheiße.

GERD Was ist?

HANS Da ist er ja – klasse – das haste ja ganz toll hingekriegt.

Hans reißt sich schroff von Gerd los.

GERD Was ist denn, verdammt noch mal?

CHEF Meine Herren, darf ich sie weiterbedienen. Ich höre, das sie Schwierigkeiten haben und...

HANS Schwierigkeiten? Oh, ja! Jetzt erst recht.

GERD dreht sich herum Hallo?! Das ist ja... das ist...

HANS Tu noch so blöde. Du wusstest doch wo wir hingehen.

GERD zu HANS Ich hatte keine Ahnung, das...

CHEF Hallo.

HANS Habt ihr schon eure Telefonnummern ausgetauscht, oder was?

GERD zu HANS Natürlich nicht. Zum Chef Hallo Rainer.

HANS Na wenigstens weißt du noch seinen Namen.

Rainer schaut beunruhigt nach hinten, ob keiner zuhört oder zusieht. Dann geht er auf Gerd zu und reicht ihm die Hand. Gerd nimmt Rainers Hand und schüttelt sie. Für einen längeren Moment lassen die beiden Männer ihre Hände nicht los.

HANS Das reicht!

Hans dreht sich um und geht zur Ladentür. Auftritt Verkäufer, der wohl doch alles mitbekommen hat.

VERKÄUFER Was ist denn hier los?

Hans dreht sich wieder um.

RAINER Nichts, Schatz, ich wollte den Herrschaften die Brillen...

VERKÄUFER Ihr kennt euch?

HANS Von innen und außen.

VERKÄUFER Wie darf ich das denn verstehen?

RAINER Wir haben uns auf der letzten Party...

HANS unterbricht Gefickt!

GERD Hans! Zum VERKÄUFER Wir haben uns unterhalten und...

VERKÄUFER zu RAINER Also? Was ist los? Es ging also um dich?

RAINER Was meinst Du?

VERKÄUFER Ach, herrje! So schlimm? Ich rede von dem ganzen Theater der Beiden Typen hier, was sonst?

RAINER Da war wirklich nichts, Schatz.

HANS Lügner!

GERD Hans!

HANS zum VERKÄUFER Die beiden hier deutet auf Rainer und GERD haben sich vergnügt – das ist alles! Wusstest du das nicht? Jetzt weißt du es.

VERKÄUFER Stimmt das, Rainer?

RAINER Ich... Wir... haben uns geküßt und...

VERKÄUFER Ich will nur ein bisschen tanzen gehen. Ich bin ganz schnell wieder bei dir. Schade, dass du keine Lust hast mitzukommen.

RAINER Schatzi, ich...

VERKÄUFER Ach, Mausi, war das eine schöne Party. Ich konnte gar nicht aufhören zu tanzen.

HANS unterbricht Zu ficken!

GERD Hans!

HANS äfft ihn nach Hans! Ja? Was denn?

VERKÄUFER zu RAINER Ist das wahr?

Rainer schweigt und stiert zu Boden.

VERKÄUFER Alles klar. Ich hau ab.

Verkäufer geht nach hinten ins Büro. Rainer läuft ihm nach.

RAINER folgt ihm aufgeregt nach Schatz, bitte, ich... ich...

Abgang Rainer und Verkäufer.

GERD Das hast du ja toll hingekriegt!

Abgang Gerd durch die Ladentür.

HANS zu sich selbst Ich habe das hingekriegt? Ich? Das darf doch wohl nicht wahr sein.

Hans schüttelt den Kopf und will gerade gehen.

Auftritt Rainer.

RAINER Wo ist Gerd?

HANS Gegangen.

RAINER Jetzt sind nur wir beiden Hübschen alleine.

HANS Und dein Schatzi?

RAINER Ach der, der kommt schon wieder, bevor er in Hartz IV geht.

HANS Und?

RAINER Ich kann den Laden abschließen und wir könnten...

HANS Du spinnst wohl?

Hans reißt die Ladentür auf.

HANS dreht sich nochmals um Obwohl...!

Hans geht auf Rainer zu. Er umarmt ihn, beide küssen sich.

RAINER Wow, du küsst immer wieder klasse. Ich schließe nur schnell ab...

Rainer holt den Schlüssel aus seiner Hosentasche und will zur Ladentür.

HANS kommt Rainer zuvor Du bist ein verdammter Mistkerl. Die Partner sind weg und schon gelüstet es dich anderweitig. Widerliche Ratte. Er wedelt mit dem Rezept Und die Knete für die neue Brille werde ich auch woanders los.

Hans reißt die Ladentür auf bevor Rainer zuschließen kann. Abgang Hans.

RAINER zu sich selbst Auch gut, dann eben nicht. Das Leben geht weiter.

In diesem Moment betritt eine Kundin den Laden.

KUNDIN Guten Morgen.

RAINER überfreundlich Guten Morgen, was kann ich für sie tun?

Black.

Ende

Wunder gescheh’n

Kurzdrama

Inhalt:

Alltagskatastrophen kommen nie allein. Ein junger Mann wird von kleinen und großen Alltagsproblemen überschüttet und steht kurz vor einem Burn out. Und dann kommt noch Mutter zu Besuch...

Besetzung:

1D / 2 H / 3 Dek. – angedeutet

Personen:

1) Martin, der Sohn

2) Mutter

3) Axel, Jogger

4) Stimmen vom Anrufbeantworter

1. Szene Martin an der Hausfront

Eine Hausfront. Spot auf einen Mann, der sich an einem Vorsprung festklammert. Es ist Nacht.

MARTIN Mama, Mama, ich kann mich nicht mehr halten, Mama!

Eine Frauengestalt wird am Fenster sichtbar.

MUTTER Ist das kalt hier drin.

Mutter schließt das Fenster.

MARTIN Mama, hier draußen, Mamaaaaaaaaaaa...

Martin fällt und schreit. Der Schrei wird immer leiser.

Black.

2. Szene Martins Wohnung, einige Minuten früher

Ein Telefon klingelt.

MARTINS STIMME AUS DEM OFF Verdammt, wo ist der Schlüssel.

Martin schließt die Tür auf. Licht an. Er schlägt die Tür fest hinter sich zu. Er ist nervös, aufgeregt. Er weiß nicht, was er machen soll. Martin läuft zum Telefon, wirft seinen Rucksack in eine Ecke und nimmt den Hörer auf.

MARTIN Aufgelegt. So eine Scheiße. Überall nur Scheiße.

Er legt den Hörer auf und lässt sich auf einen Stuhl fallen.

MARTIN Wer wollte denn was von mir?

Martin hört den Anrufbeantworter ab.

SUSANNES STIMME VOM ANRUFBEANTWORTER (enttäuscht) Hallo Martin, hier ist Susanne, wo bleibst du denn? Wir wollten doch heute ins Kino. Ist wohl wieder mal was dazwischen gekommen. Na gut, meld dich mal.

MARTIN (spricht zu sich selbst) Tut mir leid Susanne, heute geht es wirklich nicht.

BERNDS STIMME VOM ANRUFBEANTWORTER (sehr tuntig) Hi, Martin, also du glaubst nicht was bei mir los ist. Bei mir ist eingebrochen worden. Die ganze Wohnung durchsucht. Schrecklich. Und das Schlimmste: Die ganzen Klamotten für meine Transenshow sind weg. Der ganze Strass, der schöne Flitter... (schluchzt) Ich bin total fertig. Du musst unbedingt herkommen. Die Polizei ist hier. Ich halte das nicht aus. Ach so, hier war Bernd.

MARTIN (spricht zu sich selbst) Noch mehr Probleme.

MUTTERS STIMME VOM ANRUFBEANTWORTER (keifend, überdreht) Martin, hier ist deine Mutter. Ich stehe am Hauptbahnhof. Du wolltest mich doch abholen. Ich nehme jetzt ein Taxi. Weiß gar nicht, ob ich so viel Geld habe. Ich hoffe, du bist gleich zu Hause. Ich hab doch keine Schlüssel. Wo bist du denn?

MARTIN (springt auf) Mama, der Besuch ist doch erst nächstes Wochenende. Oh, nein!

Martin will zur Tür. Das Telefon klingelt. Martin läuft zurück zum Telefon. Es schellt immer mal wieder an der Haustür.

MARTIN Mama? Ach so, du bist es Andreas. (Pause) Was? Vorbeikommen? Auf ein Schwätzchen? Ne, lass mal, das geht heute wirklich nicht. Ich bin total fertig. (Pause) Was ich habe? Heute Morgen fing alles an: Frank hat Schluss gemacht. (Pause) Was? Stand sowieso auf der Kippe? Da weißt du mehr als ich. Anschließend musste ich zum Arbeitsamt. Die haben mir die Arbeitslosenhilfe gestrichen. Ich soll erst mal eine Lebensversicherung auflösen und davon leben. Erst wenn das aufgebraucht ist kriege ich wieder Hilfe. (Pause) Was? Ich habe schon 17. Jahre eingezahlt. Ist doch für meine Rente und dann die hohen Verluste bei der Auflösung. Dann ist auch noch mein Wagen liegen geblieben. (Pause) Ja, der alte Opel Kadett. Der ADAC war da. Irgendwas mit dem Keilriemen. Einen passenden Keilriemen für meinen alten Wagen hatte er nicht dabei. Dann hat er mich abgeschleppt, bis vor die Haustür. (Pause) Bitte? Ich meine nicht den Typ, das Auto. (Pause) Ja klar, in die Werkstatt. Wer soll das bezahlen? Kaum zuhause rief Britta an. Hat sich ausgesperrt. Ich mit dem Bus zu Britta und die Tür eingetreten. Ging nicht anders. Aber sie konnte wenigstens wieder rein. Die Tür haben wir nur notdürftig geflickt. Mit dem Bus zurück. Unterwegs ein Unfall. Nix ging mehr. Ich bin dann gelaufen. Aber wie der Blitz, weil ich doch mit Susanne ins Kino wollte. Dann war ich aber im Krankenhaus. (Pause) Im Krankenhaus, weil ich gestolpert und auf meine Hand gefallen bin.(Pause) Nein, nicht gebrochen, nur aufgeschürft und geprellt. Trage nur einen Verband, keinen Gips. (Pause) Wie, dann gehts ja noch? Na, auf jeden Fall, Kino muss heute ausfallen und meine Mutter kommt heute abend übers Wochenende zu Besuch. (Pause) Ja genau, auch das noch und Bernds Wohnung ist aufgebrochen worden. Er rief gerade an und...

Es schellt an der Haustür.

MARTIN Du, es hat geschellt, wird wohl meine Mutter sein. Ich muss an die Tür. (Pause) Ja, ja, halt du auch was steif. Tschüß.

Es schellt wieder an der Haustür. Martin läuft zur Tür und öffnet.

MARTIN Mama!?

MUTTER (redet sehr schnell - ohne Punkt und Komma) Jetzt darf deine arme, alte, kranke Mutter auch noch selbst die Koffer in die dritte Etage tragen. Danke, mein Sohn. Wo warst du denn?

MARTIN (gibt Mutter einen Kuss, die nicht weiß, wo sie mit ihren Koffern hin soll) Mutti, ich...

MUTTER (unterbricht) Da besucht man einmal in der heiligen Zeit seinen Sohn und dann hat der Herr was Besseres zu tun, als seine arme, alte, kranke Mutter vom Bahnhof abzuholen. Gib mir mal einen Schnaps.

MARTIN Mutter!

MUTTER Du wirst doch deine arme...

MARTIN (fällt mit ein) ...alte, kranke Mutter...

MUTTER ...nicht verdursten lassen?

MARTIN Hol dir einen Schluck Wasser aus dem Hahn.

MUTTER Ich brauche nur ein bisschen, keine Panik, habe ich jetzt alles im Griff.

MARTIN Du hast schon fünf Entzüge hinter dir...

MUTTER Zählen kann er auch nicht mehr. Sechs sind es schon, mein Kleiner.

MARTIN Von mir kriegst Du nichts.

Martin dreht sich herum und geht ins Wohnzimmer. Er läuft ziel- und kopflos hin und her. Er achtet nicht auf seine Mutter. Mutter holt aus der Reisetasche eine Literflasche Schnaps, dreht sich vom Sohn weg und trinkt fast ein Viertel daraus und versteckt sie ganz schnell wieder in der Tasche.

MUTTER So, geht schon wieder. Müssen wir das alles im Hausflur besprechen?

MARTIN (genervt) Dann mach doch die Tür zu.

Mutter schlägt die Tür fest zu und kommt ins Wohnzimmer.

MUTTER Junge, was ich dir erzählen muss, deine Tante Inge kriegt was Kleines. Sie ist zwar 20 Jahre jünger als ich, auch nur ein Ausrutscher, aber mit 44 sollte man doch keine Kinder mehr kriegen. Jetzt weiß sie nicht ob abtreiben oder nicht. Und Onkel Heinz hat es wieder ganz schlimm...

MARTIN Mama, ich muss dir was sagen. Ich habe heute...

MUTTER (lauter) Gleich mein Kleiner! Lass doch mal deine arme, alte, kranke, Mutter was erzählen. Man sieht sich doch kaum noch. Onkel Heinz hat es wieder ganz schlimm mit seiner Lunge. Der keucht auf dem letzten Loch. Der raucht aber auch eine nach der anderen. Rauchst du noch so viel?

MARTIN Ich...

Mutter geht im Zimmer umher ohne auf Martin zu achten.

MUTTER Du könntest aber auch mal Staubputzen.

MARTIN Ja, Mutti!

Mutter nimmt ein Foto vom Regal.

MUTTER Was ist denn das für eine Schweinerei?

MARTIN (reißt der Mutter das Foto aus der Hand) Das sind zwei Männer die sich küssen.

MUTTER In einer eindeutigen Stellung. Muss so was hier öffentlich rum liegen? Das ist doch Pornografie.

MARTIN Mutter, die haben mir die Arbeitslosenhilfe...

MUTTER (unterbricht) Ach, jetzt gibt’s doch die 400 Euro-Jobs. Kannste denn nicht so was mal machen. Du hast doch keine zwei linken Hände.

MARTIN Ich suche schon 2 Jahre nach einem Job.

MUTTER Na, dann wird es doch höchste Zeit mal wieder arbeiten zu gehen. So was kann man verlernen. Gemütlich hast du es ja nicht gerade. So unordentlich.

MARTIN Unordentlich?

MUTTER Unaufgeräumt.

MARTIN Ich habe keine Putzfrau, so wie du in deiner Langzeittherapieklinik.

MUTTER Oh, Junge, wir Patienten...

MARTIN Alkoholiker!

MUTTER (grinst einmal kurz zu Martin) Wir Kranken, wir werden hart rangenommen. Wir müssen sogar das eigene Zimmer sauber halten. Schrecklich. Die kommen und kontrollieren. Man weiß gar nicht, wo man die Flaschen noch verstecken soll.

MARTIN (zornig) Wieso bist du heute hier? Der Besuch war doch erst für das nächste Wochenende geplant?

MUTTER Die haben mich rausgeschmissen.

MARTIN Die haben was?

MUTTER Rausgeschmiss...

MARTIN Du hast gesoffen.

MUTTER Nur ein bisschen. Das machen alle. Sonst hält man es dort doch nicht aus. Und ausnüchtern kann ich doch auch hier bei dir. Kannst deiner armen, alten, kranken Mutter ruhig mal helfen. Ach übrigens, dein Wagen hat zwei platte Reifen.

MARTIN Was? (Martin läuft zum Fenster und reißt es auf) Das gibt’s doch gar nicht. So eine Scheiße. Das auch noch.

MUTTER (steht auf) Und ich dachte, du hast es extra gemacht, damit du deine arme, alte, kranke Mutter nicht abholen brauchst. Ich geh mal aufs Klo.

Mutter nimmt die Flasche aus der Tasche an sich und versucht sie hinterm Rücken zu verstecken. Martin sieht es.

MARTIN Was hast du da? Du willst doch nicht...

MUTTER Nur einen winzigen Schluck.

Martin geht ihr hinterher. Mutter geht schnell ins Bad und schließt ab.

MARTIN Mama, mach die Tür auf.

Kein Laut von drinnen.

MARTIN Fängt die ganze Scheiße wieder an.

Martin läuft zum Fenster.

MARTIN Mein schönes altes Auto. Ich halt das alles nicht mehr aus.

Martin klettert aus dem Fenster und springt.

MARTINS STIMME AUS DEM OFF Mama! Mama?

Mutter kommt vom Klo und verstaut die Flasche, die fast leer ist, wieder in der Tasche.

MUTTER Jesses, jetzt lässt der Junge auch noch das Fenster offen. (lauter) Und Mutter kann sich ja den Tod an den Hals holen, was? Ich habe noch nicht genug getrunken, dass ich das nicht merke. Martin? Wo bist du denn? Ich glaub ich krieg ne Krise. Ist das kalt hier drin.

Mutter geht zum Fenster und schließt es.

Black.

3. Szene Vor dem Haus, auf der Straße

Ein großer, muskulöser Kerl im Sportdress hält Martin auf den Armen.

AXEL Nur gut, dass ich heute etwas später mein Jogging-Training angefangen habe, sonst wäre ich schon an deinem Haus vorbeigelaufen.

MARTIN Das du mich auffangen konntest? Unglaublich!

AXEL Nicht wahr? Hätte ich auch nicht gedacht. Habe es einfach mal probiert, als ich deinen kleinen Knackarsch dort oben baumeln sah. Ich heiße übrigens Axel.

MARTIN (klammert sich fest um Axels Hals und lehnt sich an seine Brust, lässt dann genießerisch den Namen auf seiner Zunge zergehen und seufzt) A - x - e - l !

Axel trägt Martin von der Bühne.

Black.

Ende

Kapital 2: Abendfüllende Schauspiele

In dieser Minute

Eine Inspiration oder ein paar ungeordnete Gedanken über das Leben und den Tod

Ein Theaterstück in 27 Szenen

Preise:

1993

Stipendium/Theaterworkshop, Kurzdrama-Wettbewerb, Gladbecker Förderpreis

2015

Stipendium/Theaterworkshop, Luaga & Losna, 27. Internationales Theaterfestival für ein junges Publikum

Inhalt:

Das Stück IN DIESER MINUTE ist ein Nummernprogramm, zeigt hier und jetzt, was irgendwo, so oder auch anders zur gleichen Zeit geschehen kann. Frei nach Strindbergs-Traumspiel-Motto: "Alles kann geschehen, alles ist möglich und wahrscheinlich".

Dabei ist es unerheblich, ob das Programm von einigen wenigen auf Minimal-Niveau oder von vielen Schauspielern auf einer Drehbühne als Ausstattungsstück gespielt wird.

Das Stück experimentiert mit der Realität und mit Fiktion. Spielt mit Sprache, Bewegung, Licht und Musik. Eine sozialkritische Revue, als Manhmal gegen die Oberflächlichkeit und als Aufforderung zur Intensivierung jeder Minute unseres Lebens gedacht.

Besetzung

mindestens 2D/2H - 1 Dek.

Das Theaterstück ist inspiriert von dem Gedicht IN DIESER MINUTE von Eva Rechlin.

Eva Rechlin, auch: Eva Bartoschek-Rechlin, Ehename: Eva Bartoschek (* 17. September 1928 in Prillwitz; † 30. April 2011 in Berchtesgaden; vollständiger Name: als Eva Edita Anna Helene Rechlin) war eine deutsche Schriftstellerin.

Quelle: Wikipedia

Quellenangabe (im Internet): http://www.lesa21.de/lernen/z/zeit/texte/text11/index.html

(aus: Hans Baumann Hrsg. Ein Reigen um die Welt Eva Rechlin 274 Gedichte aus 75 Sprachen Bertelsmann Jugendbuchverlag Gütersloh 1965. S. 209 )

Vorwort:

Das Stück soll Motivation und Inspiration zu eigenen Überlegungen und eigenen Szenen sein.

Diese Version ist vom Autor des Stückes. Jede andere Theatergruppe kann ihre Version von dem Stück herstellen. Die Programmabfolge ist dabei nicht zwingend. Sie kann geändert werden, Szenen umgestellt werden, neue hinzugefügt oder vorhandene weggelassen werden.

Es kann auch ein ganz neues Stück unter diesem Titel entstehen.

In der Wahl der Ausführung ist es völlig frei. Ob Schauspiel, Tanz, Gesang oder Pantomime – alles ist möglich und soll die Darsteller anregen aktuell gegebene Verhältnisse aufzugreifen, sie weiterzuführen und weiterzudenken.

Die einzelnen Szenen sind Beispiele und können je nach Geschmack ausgeführt, verkürzt oder verlängert oder neue Beispiele hinzugefügt werden.

Eine Idee wäre: Das Gedicht IN DIESER MINUTE von Eva Rechlin im Stück am Anfang oder Ende vorzutragen.

Spiel-Anleitung:

Der Spielleiter fragt die Spielenden zu ihren Gedanken um das Thema IN DIESER MINUTE. Was ist den Spielenden wichtig zu erzählen, wenn sie daran denken, was gerade irgendwo auf der Welt in dieser Minute passiert. Wie wollen sie das Erdachte umsetzen: in Spiel, Tanz, Gesang, Pantomime, Akrobatik, Traum oder Real etc.

Aus den Vorschlägen formt der Spielleiter oder alle zusammen ihre Version von IN DIESER MINUTE.

Programmablauf / Szenenfolge

01. Szene: Kurz philosophiert – Einführung (Spiel)

02. Szene: Eine Geburt (Spiel)

03. Szene: Freude und Ärger (Tanz / Pantomime / Spiel)

04. Szene: Eine Familie (Spiel)

05. Szene: Park-Idylle (Spiel)

06. Szene: Neon-Liebe (Tanz/Pantomime)

07. Szene: Nach einer Geburt (Spiel)

08. Szene: Afrika, und nicht nur dort... (Spiel)

09. Szene: Eine Geburtstagsfeier (Spiel)

10. Szene: Abendspaziergang (Spiel)

11. Szene: Männerliebe (Spiel)

12. Szene: Ein anderer Geburtstag (Spiel)

13. Szene: Ein Traum wird wahr (Tanz / Pantomime / Spiel)

PAUSE

14. Szene: Flugzeuge und Abstürze (Spiel)

15. Szene: Noch eine Familie (Spiel)

16. Szene: Frauenliebe - Frauenleid? (Spiel)

17. Szene: Mord, Morde, Mordsspaß (Spiel / Pantomime)

18. Szene: Mann im Schrank (Spiel)

19. Szene: Einsamkeit (Spiel)

20. Szene: Roulette (Spiel)

21. Szene: Russisches Roulette (Pantomime / Tanz)

22. Szene: Tor, Tor, Tor (Spiel)

23. Szene: Der Fixer und die Nutte (Spiel)

24. Szene: Selbstmordgelüste (Spiel)

25. Szene: Betende Sünder (Spiel)

26. Szene: Der Traum der Raketen (Spiel)

27. Szene: Weltuntergang oder der Schluß oder doch nicht?

(Spiel / Musik / Tonbandstimme / Geräusche)

ENDE

Die Bühne sollte sehr schlicht gehalten sein. Alle Requisiten für die einzelnen Szenen werden von den Schauspielern auf und von der Bühne getragen. Deshalb sollten auch die Requisiten so einfach wie möglich sein.

1a. Szene - Kurz philosophiert (Eine Einführung)

- wenn Jugendliche angesprochen werden sollen

(Auftritt Sprecher, suchend, Scheinwerfer folgt ihm, Licht blendet ihn, wendet sich dann an das Publikum)

SPRECHER: Aah, da seit ihr ja!

(Licht an im Zuschauerraum)

SPRECHER: Wißt ihr eigentlich was ihr hier macht? Welche Zufälle müssen sich abgespielt haben, daß wir uns heute hier sehen können? Ihr habt euch Karten besorgt, oder besorgen lassen, habt jemanden bestochen oder umgebracht, um hier sein zu können? Na egal, auf jeden Fall seit ihr hier und wollt einen Theaterabend genießen. Tut mir leid, tut mir aufrichtig leid, aus dem Theaterabend wird leider nichts. Die Pest wütet zur Zeit in unserer Theatergruppe, zehn sind schon gestorben, leider. So können wir natürlich nicht unser Stück aufführen. Ihr versteht. Ich habe nur noch die ehrenvolle Aufgabe euch ein paar Meldungen anzusagen und dann ist Schluß für heute. Als erstes sind zwei Fahrräder vor der Tür geklaut worden. Ihr lacht? Was glaubt ihr was jetzt, gerade jetzt alles auf der Welt passiert? (Zeigt in das Publikum.) Habt ihr eure Fahrräder abgeschlossen? Habt ihr die Tür zum Kinderzimmer fest geschlossen? Nein? Dann wird die kleine Schwester alles durchwühlen oder eure fertigen Hausaufgaben mit Farbe beschmieren. Vielleicht ist es ja auch nur ein kleiner Rohrbruch oder ein Flugzeug stürzt in euer Haus. Vielleicht ertränkt gerade jetzt ein wütender Nachbar euren bellenden Liebling. Kann doch sein. Es sterben minütlich tausende von Menschen, oder werden geboren. Die Erde dreht sich und dreht sich, immer weiter. Und wir leben vor uns hin. Was ist aber mit dem Rest der Welt? Ihr sitzt hier herum und draußen geschehen die merkwürdigsten Begebenheiten, Zufälle und Schicksale, auch in dieser Minute.

(Black: Scheinwerfer und Licht im Zuschauerraum, Sprecher ab)

1b. Szene Kurz philosophiert (Eine Einführung)

– wenn Erwachsene angesprochen werden sollen

(Auftritt Sprecher, suchend, Scheinwerfer folgt ihm, Licht blendet ihn, wendet sich dann an das Publikum)

SPRECHER: Aah, da sind Sie ja!

(Licht an im Zuschauerraum)

SPRECHER: Wissen Sie eigentlich was Sie hier machen? Welche Zufälle müssen sich abgespielt haben, daß wir uns heute hier sehen können? Sie haben sich Karten besorgt, oder ein Bekannter hat sie Ihnen besorgt, oder haben Sie jemanden bestochen, oder jemanden umgebracht, um hier sein zu können? Na egal, auf jeden Fall sind Sie hier und wollen einen Theaterabend genießen. Tut mir leid, tut mir aufrichtig leid, aus dem Theaterabend wird leider nichts. Die Pest wütet zur Zeit in unserer Theatergruppe, zehn sind schon gestorben, leider. So können wir natürlich nicht unser Stück aufführen. Sie verstehen. Ich habe nur noch die ehrenvolle Aufgabe Ihnen ein paar Meldungen anzusagen und dann ist Schluß für heute. Als erstes zwei Auto-Nummern: der Fahrer des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen: .......... (erdachte Kennzeichen-Nummern, angepaßt an den Spielort) wird gebeten sein Licht abzuschalten, da es genau in ein Wohnzimmerfenster scheint und dabei eine fünfköpfige, fernsehende Familie blendet. Der Fahrer des Fahrzeuges mit der Nummer: .......... soll sich bitte nach dieser Ansage bei der Polizei melden. Sein Fahrzeug wird... (sieht auf die Uhr) ja, gerade jetzt abgeschleppt... Sie lachen? Was glauben Sie was jetzt, gerade jetzt alles auf der Welt passiert? (Zeigt in das Publikum.) Haben Sie die Kaffeemaschine ausgemacht? Wirklich? Wissen Sie es genau, oder glauben Sie es nur? Vielleicht schmort gerade jetzt Ihre Kaffeemaschine durch. Oder Sie, vielleicht platzt gerade jetzt der Wasserschlauch Ihrer Waschmaschine. Haben Sie Ihre Haustür gut verschlossen? Alle Wasserhähne ab- und alle Gashähne zu gedreht? Ja? - oder vielleicht doch nicht? Vielleicht ist es ja auch nur ein kleiner Rohrbruch oder ein Flugzeug stürzt in ihr Haus. Vielleicht ertränkt gerade jetzt ihr wütender Nachbar Ihren bellenden Liebling. Kann doch sein. Es sterben minütlich tausende von Menschen, oder werden geboren. Die Erde dreht sich und dreht sich, immer weiter. Und wir leben vor uns hin. Was ist aber mit dem Rest der Welt? Sie sitzen hier herum und draußen geschehen die merkwürdigsten Begebenheiten, Zufälle und Schicksale, auch in dieser Minute.

(Black: Scheinwerfer und Licht im Zuschauerraum, Sprecher ab)

2. Szene - Eine Geburt

(unter weißen Tüchern liegt eine Schwangere, ein Arzt ist bei ihr und hilft)

ARZT: Pressen, pressen, fester, noch fester (die Frau stöhnt) Nochmals, los, fester (die Frau schreit, dann Babygeschrei) Ein Kind. Da ist es. Ein Kind ist uns geboren. Ein neues Leben für unsere Welt. Preiset den Herrn. Halleluja!

CHOR: (in weißen Gewändern und Kerzen tritt auf und singt) Halleluja, Halleluja!

(Black)

3. Szene - Freude und Ärger

(Tanzweltmeisterschaft, die Juroren halten Tafeln hoch: Paar 1 - gut, Paar 2 - schlecht, immer wieder werden diese Tafeln hochgehalten, zum Schluss: Paar 1- Gewinner, Paar 2 - Verlierer, Paar 1 schreitet nach vorn und erhält Blumen und geht ab, Musik wird leiser, Paar 2 im Streit)

FRAU: Konntest Du nicht aufpassen, wo Du mit Deinen Plattfüßen hintrittst? Nur dadurch haben wir verloren.

MANN: Und du? Deine Bewegungen waren ja wohl alles andere als elegant. Wie du deinen fetten Hintern rausgestreckt hast. Direkt widerlich.

(gehen im Streit ab, Licht ausblendend)

4. Szene - Eine Familie

(Ein Kinderzimmer. Mutter sitzt vor dem Bettchen und singt ein Schlaflied, der Vater kommt dazu.)

VATER: Ist er eingeschlafen?

MUTTER: Ja, sanft und süß.

(Vater und Mutter gehen nach vorn zum Bühnenrand und umarmen sich.)

MUTTER: Ist unser Leben nicht herrlich.

VATER: Ja, du hast recht. Wir leben in Liebe und Güte. Wir haben das Kind - was kann man sich mehr wünschen. Das ist es, wofür wir leben.

MUTTER: (seufzt) Ja.

(beide gehen ab)

5. Szene - Park-Idylle

(Im Park: 2 Männer grölen besoffen, eine Frau geht vorbei. Die Männer pöbeln die Frau an.)

MANN 1: (pfeift)

MANN 2: Hey, Zuckerpüppchen, wart` doch mal. (Die Frau guckt weg, und geht schneller)

MANN 2: (Steht auf und reißt die Frau an ihrem Arm herum.) Los bleib hier Schätzchen. Wir haben etwas für dich, was dir gefallen wird.

FRAU: (wehrt sich) Laß mich los, loslassen sollst du!

(MANN 1 steht auf, überwältigt die Frau, hält ihren Mund zu und schleift sie von der Bühne, man hört aber noch die Stimmen.)

FRAU: Saukerle, Schweine, alte Dreckschweine. Hilfe, Hilfe!!!

MANN 1: Hier ist mein großer Knüppel. Ist er nicht schön steif. Stahlhart sag ich dir. Los, mach die Beine breit. Ja wehr dich ruhig, mein Hammer wird dir schon zeigen wo es lang geht. (die Frau schreit)

MANN 2: (Sucht in der Handtasche der Frau nach Geld, findet was und steckt es ein. Er ruft nach dem anderen Mann.) Los beeil dich, ich hab ihre Moneten.

(Nach lautem Getöse, ist es jetzt völlig still)

MANN 1: (stolpert auf die Bühne und stottert) Die...die...sagt nichts mehr, keinen Ton. Ich, ich, ich glaub die ist hin.

MANN 2: Idiot, los komm, schnell weg hier!

(Beide gehen ab.)

6. Szene - Neon-Liebe

(Liebesszene mit Musik. Ballettartig in einer Disco. Alle außer 2 Leuten tanzen sehr steif voreinander, jeder aber für sich. Zwei aber sehen sich - verlieben sich ineinander und tanzen in weichen Bewegungen aufeinander zu, dann miteinander, eng zusammen.)

7. Szene - Nach einer Geburt

(Eine Frau hat ihr Neugeborenes im Arm.)

MUTTER: Du bist mein ein und alles, du süßer Fratz. So - (Sie drückt das Kind näher an sich.) Hast du es auch warm, mein Kleines. Deine kleinen Beinchen und Ärmchen sind so süß. Die kleinen Fingerchen, dein zerknautschtes Näschen. Lach doch mal, ja was ist denn? Ja lach doch mal, ja, ja, aber du...du...atmest ja gar nicht mehr. Hey, hey...du...du!!! (Mutter schreit.) Hallo, Hilfe, mein Kind, mein Kind, was ist mit meinem Kind?

ARZT: (tritt auf und nimmt das Kind) Ihr Kind ist tot. Da kann man nichts mehr machen.

(wirft das Kind in einen Mülleimer)

MUTTER: (schreit) Nein!!!

8. Szene - Afrika, und nicht nur dort...

(Szene wird übertrieben mystifiziert gespielt. 3 Schauspieler wälzen sich auf dem Boden.)

DIE DÜRRE: (tritt auf und geht zwischen den Halbtoten geheimnisvoll herum) Ich bin die Dürre. Ich stehe im Einklang mit der Sonne, die die Erde verbrennt. Dann schlage ich zu. Unter meinen Händen verdorrt alles, was ihr euch aufgebaut habt. Da gibt es kein Erbarmen, niemals. Still, ich höre jemanden kommen. Aah, einer meiner größten Schmarotzer. Einer der aus meinen Taten erst Gewinne zieht. (weicht zur Seite und schaut zu)

DER HUNGER: (tritt auf und geht zwischen den Halbtoten geheimnisvoll herum) Ja, ich bin der Hunger. Der Hunger, der euch lehrt den Gürtel enger zu schnallen. Der, der euch das Fürchten vor dem Tode gibt. Der Helfer des Todes und einer seiner besten Freunde. Ich bin der, der eure Eingeweide qualvoll zusammenziehen läßt. Ihr windet euch in herrlichem Hungerschmerz. Mmmmhhh... und wenn ich in eure Gesichter schaue, sehe ich mein eigenes Antlitz wieder, wie in einem Spiegel. Die herausquellenden, blutunterlaufenen Augen, die wunderschönen dunklen Ränder drumherum, die eingefallenen Wangen, die die Knochen so bizarr herausstechen lassen. Ich sage euch, es ist wie, ja - wie ein Kunstwerk. Was gebe ich drum euch und eure Kinder noch länger zu quälen und dabei immer wieder euch anzusehen, aber ihr gebt so schnell auf und da höre ich ihn schon. Ihn...

DER TOD: (tritt auf und geht zwischen den Halbtoten geheimnisvoll herum) Weiche Freund, denn ich bin der Tod. Sie gehören nun mir. Mir ganz allein. Es ist meine Aufgabe ihnen das letzte bischen Leben, daß Ihr Ihnen gelassen habt, ganz auszuhauchen. Seht, so geht es tausenden und abertausend in dieser Minute.

(Blitz, Donner. Der Tod zeigt nacheinander auf die am Boden liegenden die dann schreien und sterben. Die Dürre und der Hunger lachen. Dann gehen Dürre, Hunger, und Tod gemeinsam lachend ab.)

9. Szene - Eine Geburtstagsfeier

(Alle singen: HAPPY BIRTHDAY TO YOU und HOCH SOLL ER/SIE LEBEN, das "Geburtstagskind" bläst Kerzen auf Torte aus, alle klatschen, beglückwünschen "Geburtstagskind", werfen Konfetti, tanzen, machen eine Polonaise. Langsam Licht aus.)

10. Szene - Abendspaziergang

(Ein Ehepaar geht spazieren)

FRAU: Ein herrlicher Abend heute nicht wahr?

MANN: Ja wirklich, diese frische klare Luft - (atmet tief) - tut gut.

FRAU: (unterbricht den Mann) Sieh mal da, da liegt eine Frau.

MANN: (geht zur Toten) Die ist tot.

FRAU: Was? (geht auch zur Toten) Tatsächlich. (Sie reißt der Toten den Schmuck vom Hals)

MANN: Ja so ist es gut, zieh ihr noch den Ring vom Finger. Die Klunkern braucht die sowieso nicht mehr. So, und jetzt schnell weg.

(beide gehen ab)

11. Szene - Männerliebe

(Ein Mann steht auf der Bühne und wartet)

Stimme: (aus dem Lautsprecher) Der Zug aus München fährt auf Gleis 7 in den Bahnhof ein. Vorsicht am Bahnsteig. (Zuggeräusche)

(Ein anderer Mann kommt mit Koffer auf die Bühne. Beide Männer gehen aufeinander zu, umarmen und küssen sich stürmisch.)

MANN 1: Hab ich dich endlich wieder.

MANN 2: Na, na, Schatz. Die Geschäftsreise dauerte doch nur zwei Wochen.

MANN 1: Zwei Wochen ohne dich, ist die Hölle. Furchtbar. Ich liebe dich so.

MANN 2: Ich liebe dich auch, komm wir gehen nach Hause.

(Die Männer gehen ab. 2 Frauen kommen auf die Bühne an den Männern vorbei und ereifern sich)

FRAU 1: Hast du das gesehen, Ilse. Das ist ja widerlich. Also wirklich. Das hätte es früher nicht gegeben.

FRAU 2: Und dann knutschen sie auch noch in aller Öffentlichkeit. Eklig. Haben die nicht alle AIDS?

(Frauen gehen redend ab. Licht aus.)

12. Szene - Ein anderer Geburtstag

(Die Bühne ist dunkel. Eine Person kommt auf die Bühne mit einer Kerze in der Hand. Sie geht bis zum Bühnenrand, sie lächelt im Schein der Kerze und beginnt sich selber ein Lied zu singen: HAPPY BIRTHDAY TO YOU... Sie wird ernst, guckt ins Publikum, dann auf die Kerze, bläst sie aus und geht im Dunkeln ab. Man hört die sich entfernenden Schritte.)

13. Szene - Ein Traum wird wahr

(Ein Ehepaar liegt im Bett. Der Mann hat einen Traum. Die Frau schläft fest. Von einer Seite tanzen wild schwarze Gestalten, von der anderen Seite schweben graziös weiße Gestalten an das Bett heran. Dann kämpfen Gut und Böse gegeneinander. Die Weißen stürzen zu Boden. Die Schwarzen wollen den Mann aus dem Bett ziehen er schreit und wacht dabei auf. Schwarze Gestalten verstecken sich. Frau wird durch Schrei auch wach.)

FRAU: Was ist? Was hast du denn?

MANN: Mich wollten schwarz vermummte Gestalten töten. Sie packten mich und spielten mit mir ein tödliches Spiel.

FRAU: Ach, nur ein Traum, mein Lieber, leg dich wieder hin und schlaf und .... stör mich bitte nicht wieder. Ich muß früh raus. Gute Nacht.

(Beide legen sich wider hin, der Mann zittert, schläft dann aber wieder ein. Langsam stehen die Schwarzen wieder auf, tanzen und nehmen den Mann mit sich der sich mit aufgerissenem Mund und Schwenken der Arme wehrt, aber kein Laut ist von ihm zu Hören.)

FRAU: (wacht auf) Träumst du schon wieder? (dreht sich um) Wo, bist du, hey, wo du bist hab´ ich dich gefragt? (Dann schlägt sie das Bett zurück, und zieht das blutige Hemd ihres Mannes hervor und schreit langanhaltend. Dann reißt sie sich sichtlich zusammen, holt tief Luft und lächelt.) Huh, ha, so, jetzt brauch ich erstmal ne Pause.

(Black)

PAUSE

14. Szene - Flugzeuge und Abstürze

STEWARDESS: Möchten sie noch etwas trinken?

FRAU 1: Ja bitte, das wäre sehr freundlich. Bringen sie mir bitte noch einen Whisky. Aber pur. Ich fliege zum erstenmal müssen sie wissen.

STEWARDESS: Verstehe, kommt sofort.

MANN 1: Hey Stewardess. Was ist das für ein Rumoren hier an Bord. Und dann das ständige hoch und runter - mmmmhhh?

STEWARDESS: Beruhigen sie sich. Das sind nur die Luftturbolenzen eines Gewittergebietes, das wir durchfliegen.

(Stewardess geht ab)

FRAU 2: (sieht aus dem Fenster) Aber sehen sie nur. Da kommen Flammen aus den Motoren. (ein paar Leute schreien, spielen als ob das Flugzeug sie schüttelt)

MANN 2: (sieht auf der anderen Seite aus dem Fenster) Da, auf dieser Seite brennt auch eine der Düsen.

FRAU 3: (stürzt vom Sitz, schreit) Hilfe, Stewardess.

STEWARDESS: Meine Damen und Herren, der Kapitän wird in wenigen Minuten die zwei brennenden Düsen ausschalten und auf die Motoren 3 und 4 umschalten. Bitte behalten sie Ruhe. (die Leute achten nicht auf die Stewardess, sie starren aus dem Fenster) Ich bitte um ihre Aufmerksamkeit, Schnallen sie sich bitte sofort...

(Das Flugzeug kippt zur Seite, alle schreien, Stewardess und andere Personen stürzen zu Boden)

FRAU 1: Ich will nicht sterben.

MANN 2: Wo ist meine Frau? Petra, wo bist du, Petra?

MANN 3: Wir stürzen aaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh...

(Alle schreien durcheinander. Abruptes Ende. Licht aus.)

15. Szene - Noch eine Familie

(Die Mutter schuftet in der Wohnung. Das Kind spielt, der Vater sieht fern mit einer Flasche Bier in der Hand und die Füße auf dem Tisch)

VATER: Anna, mach die Musik aus, ich versteh hier kein Wort.

MUTTER: Ich brauch halt auch etwas Unterhaltung bei der Arbeit.

VATER: Aber nicht wenn ich fernsehe. Außerdem wenn ich bei der Arbeit ständig Musik hören würde, na, der Chef würde mir was anderes erzählen. Rausschmeißen würd der mich.

MUTTER: Ja, schon gut.

SOHN: Papa, machste mir ein Wurstbrot?

VATER: Wie oft habe ich dir schon gesagt, daß du dich beim Abendessen satt essen sollst. Geh nach Mama die kann dir eins schmiern. (zu Anna) Anna schmier deinem Sohn ma ne Stulle.

MUTTER: Kannst du doch wohl auch ma machen.

VATER: Ich hab genug getan für heute. Ich hab mir den Feierabend redlich verdient.

MUTTER: Ich weiß, ich weiß.

VATER: Und merk dirs fürs nächste Mal.

(Sohn kommt mit Brot zurück, spielt weiter, Mutter kommt dazu.)

MUTTER: Ach Mensch, Christoph, du hast alles mit Butter vollgeschmiert. Sie dir den Teppich ma an. (zum Vater) Konntest du nicht aufpassen wo der Junge sein Butterbrot hinlegt?

VATER: Ich guck Fernsehen.

MUTTER: Ja, du guckst Fernsehen.

VATER: Ja, das tu ich, und wenn dein Sohn nicht vernünftig essen kann, dann kommt er demnächst in die Badewanne.

MUTTER: Eher sperr ich dich in den Keller. (zu sich selbst) In die Badewanne, das gibts doch gar nicht.

VATER: Ach, sei still. Ich will meine Ruhe haben.

MUTTER: Komm, Christoph, du ißt jetzt in der Küche weiter.

SOHN: Ich will spielen.

MUTTER: Jetzt wird nicht gespielt, jetzt wird gegessen und basta. Du kommst jetzt mit.

SOHN: Nein, ich will spielen.

VATER: Was ist denn jetzt. Geh mit deiner Mutter und Schluß. Sonst setzt es ne Tracht Prügel, hörst du.

SOHN: (weint)

MUTTER: Nu hör schon auf. Du machst ihm ja Angst. Du wirst ihm keine Prügel geben. Sauf dein Bier und sei zufrie... (geht mit Sohn in die Küche)

VATER: Ich werde dir gleich zeigen wer hier alles Prügel bezieht. Ach, Weiber.

(Sohn kommt wieder ins Wohnzimmer und versteckt sich)

VATER: Mach das du ins Bett kommst, Nervensäge, is schon spät genug.

(Der Sohn hört nicht. Vater steht auf, schnappt sich den Jungen und gibt ihm eine Ohrfeige. Der Sohn schreit.)

MUTTER: (Mutter kommt ins Wohnzimmer.) Laß den Jungen in Ruh. (Reißt am Arm des Vaters)

VATER: Laß mich los, du Kuh.

MUTTER: Laß den Jungen. Loslassen sollst du.

VATER: Geh weg, geh weg, du Schlampe... (Vater schlägt Mutter, läßt Sohn fallen.)

(Licht aus, ab und zu wieder an, immer andere Stellungen der Schauspieler werden festgehalten für Sekunden, dann ganz aus.)

16. Szene - Frauenliebe - Frauenleid?

(Zwei Frauen in einem Wohnzimmer, übertrieben "süßliches" und höfliches Gespräch))

FRAU 1: Ich habe diesen Brief gefunden

FRAU 2: Ja und?

FRAU 1: Du bist mich leid, ja? Du liebst eine andere Frau, diese Frau, ja?

FRAU 2: Liebes, weißt du...

FRAU 1: Du brauchst mir nichts zu erklären. Ich verstehe schon. Ich gehe. (Sie packt ein paar Kleidungsstücke in eine Reisetasche.)

FRAU 2: Schatz, die Zeit mit dir war schön, sehr, sehr schön. Doch ich - versteh doch bitte - ich...

FRAU 1: Du hast mich ausgenutzt, gebraucht um mich dann wegzuwerfen.

FRAU 2: Sei nicht so streng mit mir. Ich habe dich wirklich geliebt. Du warst so zärtlich, so lieb. Sie - ist halt ganz anders als du. Sie ist...

FRAU 1: Ich will nichts hören. Du hast mich zerstört. Ich kannte keine Zärtlichkeit und Liebe bevor du kamst. Ich hatte die Männer so satt. Ich habe mich an dich geklammert als ich spürte, da gibt es noch etwas anderes als sich nur hinzulegen genommen zu werden. Doch auch du hast mich nur benutzt. Auch du. (Frau 1 geht)

FRAU 2: (ruft Frau 1 nach) Liebes, Liebes. Laß uns nicht so voneinandergehen. Liebes. Kleine, meine Kleine... (sie weint etwas, dann telefoniert sie) Ja mein Schatz, meine liebe Kleine. Oh ich sehne mich so nach dir. Ich komme zu dir. Liebes, ja, ja... (lacht)

(Licht aus)

17. Szene - Mord, Morde, Mordsspaß

(Szene wird pantomimisch dargestellt. Einer spielt A = Verfolger, einer B = Verfolgter. Aber diese Rollen wechseln innerhalb der Szene. Es sollten mindestens 4 Wechsel stattfinden. Andere Tötungsarten können hinzugenommen oder ausgetauscht werden.)

1 = A geht auf B mit einem Messer los. B schreit. A sticht, B schreit fällt um und steht wieder auf.

2 = B lauert A auf und erwürgt A. A schreit, fällt um und steht wieder auf.

3 = A holt Axt aus einer Ecke der Bühne und hackt auf B ein. B schreit fällt um und steht wieder auf.

4 = B stellt A ein Bein. A fällt zu Tode. A schreit fällt um und steht wieder auf.

5 = A holt einen Strick und erhängt B. B schreit fällt um und steht wieder auf.

6 = B geht mit einem Speer auf A los. A schreit fällt um und steht wieder auf.

7 = A schießt mit Pistole auf B. B schreit fällt um und steht wieder auf.

8 = B kitzelt A. A lacht sich zu Tode.

18. Szene - Mann im Schrank

(Szene wird übertrieben theatralisch gespielt. Im Bett ein sich liebendes Paar, stöhnend - plötzlich: Geräusche auf dem Flur)

FRAU: Hör auf. Sei still. Hörst du nicht?

MANN: Aber Frau, was hast denn du?

FRAU: Geräusche, Geräusche dringen an mein Ohr.

MANN: Geräusche? Woher - woher - woher kommen sie?

FRAU: Vom Flur, vom Flur, vom Flur, mein Schatz.

MANN: Vom Flur?

FRAU: Ja vom Flur, vom Flur, vom Flur.

MANN: Ja, dann muß ich schnell weg.

FRAU: Aber wohin, wohin, wohin willst du so schnell. Die Geräusche kommen immer näher. Sie werden immer lauter, ach.

MANN: Wer kann das sein, mein holdes Weib?

FRAU: Es ist bestimmt mein - Mann, oh weh!

MANN: Was will denn der schon hier?

FRAU: Mich lieben.

MANN: So wie ich?

FRAU: Ja, so wie du.

MANN: So wie ich?

FRAU: Ja so wie du.

MANN: So wie ich?

FRAU: Ja, so - so - so - so wie du.

MANN: Na gut, aber wohin jetzt bloß? Ich kann nicht raus. Auf dem Flur dein Mann. Unterm Fenster - der Wassergraben mit den Krokodilen. Wohin, wohin also, wohin denn nur?

FRAU: In den Schrank, da ist noch Platz, hinein mit dir mein kleiner Schatz.

MANN: Na denn bis gleich mein Schnuckelchen.

(Mann verschwindet im Schrank, der Ehemann kommt herein)

EHEMANN: Ich habs gewußt, ein andrer Mann.

FRAU: Waaaaas?

EHEMANN: Ein andrer Mann.

FRAU: Bitte?

EHEMANN: Ein andrer Mann war bei dir noch gerade.

FRAU: Aber nein, komm her zu mir. Sei still. Es gibt keinen anderen Mann für mich, als dich.

EHEMANN: Doch was ist das; Geräusche aus dem Schrank und dann und dann und dann...

FRAU: Ja um Gottes Willen, und was denn dann?

EHEMANN: Ich hab es gleich gerochen. Der Duft, der Duft ist nur von ihm.

FRAU: Von wem?

EHEMANN: Von meinem Freund, mein liebster Freund. Nur er duftet so nach Rosen.

FRAU: Ro - ro - ro - ro - ro -ro - rrrrrrrrrrr - Rosen?

EHEMANN: Ja Rosen, Rosen, so lieblich und zart. (Ehemann geht zum Schrank, öffnet die Tür, Mann kommt hervor) Da ist er ja, mein holder Jüngling. Ich benetze ihn mit heißen Küssen. Mein lieber Schatz.

FRAU: Dein was, was, was, was?

EHEMANN: (zum Publikum) Also sie hat heute irgend etwas mit den Ohren (zur Frau, schreiend) Mein lieber Schatz!

FRAU: Was, was, was, was, was, was ist geschehn?

(Mann und Ehemann gehen Arm in Arm ab, beachten die Frau im Bett gar nicht mehr)

(Licht aus)

19. Szene - Einsamkeit, oder das langsame sterben des Menschen im Mensch

(Licht blendet langsam auf, ein Schauspieler sitzt allein auf einem Stuhl auf der Bühne)

EINSAMER: Ich sitze hier allein, völlig allein. Alleingelassen und einsam. Ich zähle Sekunden, Minuten, Stunden und Schafe.. Die Zeit will nicht vergehn. sie fließt nur zäh und träge an mir vorbei. Mit jeder Minute in der nichts geschieht wächst meine Ungeduld, wächst meine Unzufriedenheit mit mir selbst, doch es fehlt mir die Lust und die Kraft dazu, der Zeit nachzueilen, etwas zu tun, aufzustehen, zu gehen, mit anderen zu reden. (PAUSE) Mit anderen? Mit wem denn? (PAUSE) Ich hatte heute so viel vor. Ich wollte erst zu meinen Eltern, später zu Freunden, zu Frank, mit ihm vielleicht ins Theater oder zu Bettina und mit ihr in die Disco. Aber - Frank ist ja noch immer sauer - hach - wegen so ner blöden Sache - und - und Bettina, da muß ich ja ne Stunde fahrn. (PAUSE) Also wieder nichts. Keiner der kommt. (PAUSE) Ich gehe - nein, oder? - Warum gehe ich nicht, warum? Keine Kraft. Aber wenn ich sie hätte, oh, dann würde ich, dann würde ich... - aber wollen andere Leute mich sehen? Die haben bestimmt andere Sorgen, als die Zeit mit mir totzuschlagen. Und ich bleibe eben allein. Is ja auch schön, nur eben - einsam. (PAUSE) Einsamkeit - Einsamkeit ist die fehlende Kraft auf andere Menschen zuzugehen, sie zu verstehen, mit ihnen zu leben.und... und... Es gibt in dieser Minute viele, denen diese Kraft genauso fehlt, wie mir. Und durch das Sich-Selbst-Bedauern fallen sie, wie ich, immer mehr in ihre Einsamkeit, ja - (PAUSE) Ich bin einsam, hört ihr, ich bin einsam in dieser Minute.

(Licht langsam ausblendend)

20. Szene - Roulette

(Im Spielcasino will eine Frau ihren Mann dazu bewegen endlich zu gehen. Einige Schauspieler stehen an einem "Spieltisch" mit dem Rücken zum Publikum. Nur MANN und FRAU spielen zum Publikum. Mann geht immer nach hinten an Spieltisch drängelt sich dazwischen und setzt sein Geld.)

MANN: (zur Frau) Warte noch. Gleich wird meine Glückssträhne wiederkommen. Bestimmt.

FRAU: Du hast genug verspielt. Komm bitte.

MANN: Nur noch einmal, ich versprechs dir. (Er rennt zurück zum Spieltisch, dreht sich um.) Ich habe auf die 20 gesetzt. (Er geht zu seiner Frau.)

CROUPIER: Nichts geht mehr. (PAUSE) Die 21 gewinnt.

MANN: (Mann rennt wieder zu Spieltisch, kommt dann wieder nach vorne.) Jetzt aber, paß auf. (lacht) Die 13.

FRAU: Hör auf . Hör bitte auf. du weißt wie das endet.

MANN: Jetzt kommt meine Zahl. Du wirst sehen.

CROUPIER: Die 17 gewinnt, Gewinn für die 17.

(Mann will wieder zum Spieltisch. Frau hält ihn fest.)

FRAU: Du hast schon dein ganzes Gehalt von diesem Monat verspielt. Mit was willst du noch weiterspielen?

MANN: Ich habe noch genug Geld.

FRAU: Woher?

MANN: Von der Bank, was sonst.

FRAU: Du warst an unseren Ersparnissen?

MANN: Ja, aber du wirst gleich Augen machen wenn wir gewinnen.

FRAU: Hör auf bitte. Du weißt das das vorerst dein letztes Gehalt war. Du wirst nächsten Monat arbeitslos, und dann brauchen wir das bischen Ersparte. Also komm.

MANN: Du sagst es. Das bischen Ersparte - ich mach daraus mehr, du wirst sehen.

FRAU: Komm, komm jetzt.

(Der Mann hört nicht mehr, die Frau will ihn zurückhalten, er aber spielt immer weiter.)

MANN: Jetzt die 25, die kommt du wirst sehen.

CROUPIER: Die 19 gewinnt, Gewinn auf die 19.

MANN: Die 7, die 7 gewinnt. (lacht)

CROUPIER: 30 gewinnt, Gewinn auf die 30.

(Der Mann bricht heulend zusammen. Seine Frau schleppt ihn raus.)

MANN: Morgen komm ich wieder. Ihr werdet sehen. Morgen gewinn ich, morgen sind wir reich. Morgen. Morgen...

21. Szene - Russisches Roulette

(Diese Szene wird nur getanzt und pantomimisch gespielt: mehrere Schauspieler tanzen zur Musik. Sie tanzen immer um den der die Pistole hat. Musik wird abrupt nach einiger Zeit unterbrochen, alle erstarren und sehen den Schützen an, der Schütze drückt ab. Ein SCHUSS - dann fällt der Schütze um und bleibt liegen oder nur ein KLICK - dann wechselt der Revolver zum nächsten Kandidaten. Es wird wieder weiter getanzt bis zwei übrig bleiben - in dem Moment in dem der Zweitletzte die Pistole sich an die Schläfe hält, hält er inne und zielt dann langsam auf den anderen Übriggebliebenen, mit einem Lächeln im Gesicht zum Publikum, Licht geht langsam aus.)

22. Szene - Tor, Tor, Tor

(Fußballfans im Stadion werden nachgespielt. Wild gestikulierend, grölend, schreiend und saufend.)

FAN 1: Gib ab. Gib doch endlich ab. Oh, sieh dir das an. Das gibts doch gar nich. Penner, geh nach Hause, das kann meine Oma ja besser.

FAN 2: Lauf. Lauf. Mensch die 11 ist doch frei. Wo schießt der denn hin?

FAN 3: Flanke, ja und jetz Pass zu Fritz. Ja isses denn wahr, hau ich denn ab, der steht im Abseits.

FAN 4: Faul. Buh, das warn Faul. Sieht der das denn nicht, ich dreh am Rad. Das darf nicht wahr sein.

ALLE FANS: Schiedsrichter, Eierkopp, ei, ei, ei, ei.

Fan 5: Paul, Paul, lauf du Saukerl, jou ey, und jetz baller aufs Tor, ja, ja - aaahhh, nein - sieh dir doch bloß die faulen Säcke an.

FAN 6: Stürmt, überrennt die anderen. Lauft was das Zeug hält.

(Zwei Frauen, nicht ganz so bei der Sache.)

FRAU 1: Ach, guck dir den an. Der hat aber schöne Beine.

FRAU 2: Und da, die 7. Den würde ich auch nicht von der Bettkante schubsen.

(Frauen lachen)

FAN 7: Tor, Tor, ja Tooooooor.....!!!!

ALLE FANS: Ole, ole, ole, ole - wir sind die Champions, ole...

(dazu machen alle DIE WELLE, alle singen weiter bis Licht aus.)

23. Szene - Der Fixer und die Nutte

(Der Fixer sitzt auf der Bühne und will sich gerade eine Spritze setzen, eine Nutte kommt dazu)

NUTTE: Hey, was machst´n da. Das hier ist mein Stammplatz. Fix woanders rum, du Schwachkopf. Du machst mein Geschäft kaputt. Ach, jetz´ glotz mich nicht so doof an, kriech wenigstens in den Hauseingang da. Na verschwinde schon. Mach ne´ Fliege.

FIXER: Laß mich in Ruh´. Ich brauch jetzt den Stoff, verstehst du?

NUTTE: Ja, ja, sicher, nimm deinen Stoff doch. Das ist mir egal. Aber halt die Schnauze.

(Nutte steht am Straßenrand. Ein Mann kommt vorbei.)

NUTTE: Na, Kleiner!

MANN: Na, Puppe, wieviel kostet´s denn bei dir?

NUTTE: 200

MANN: Sagen wir 150?

NUTTE: Ne, ne. Ich sage 200 und dabei bleibt´s.

MANN: Ok, Baby.

NUTTE: Na also. Komm mit, hier gleich um die Ecke ist mein Zimmer.

(Beide gehen ab. Fixer setzt sich die Spritze und sackt zusammen. Nutte kommt wieder, beachtet den Fixer nicht der zuckend und gestikulierend auf dem Boden liegt. Wieder kommt ein Mann an der Nutte vorbei.)

NUTTE: Hallo, Kleiner. Was ist mit dir. Keine Lust auf ´ne Nummer?

MANN 2: Psssst, sei still. Wo können wir denn hin?

NUTTE: Hier gleich nebenan.

MANN 2: Ok, mach schnell.

NUTTE: Ist schon gut, immer langsam Sportsfreund. Kannst es wohl kaum noch erwarten.

(Die Nutte und der Mann gehen an dem Fixer vorbei.)

NUTTE: (zu Fixer) Also dann, mein kleiner Scheißer, bis gleich.

(beide gehen ab. Der Fixer stöhnt. – kurze PAUSE - Nutte kommt wieder zurück, der Fixer röchelt leise.)

NUTTE: Ich glaub´ das war´s heute. Hey, kleiner Fixer, was ist mit dir? (Fixer stöhnt, kippt dann zur Seite, ist tot.) Hey mach kein´ Quatsch. Bist wirklich ein guter Schauspieler. (Nutte geht zum Fixer, bemerkt das er tot ist, ist aufgeregt.) Oh, Scheiße. Und das mir. An meinem guten Stammplatz. Verflucht ... irgend etwas muß ich doch tun? Man hat mich hier mit dir gesehen. (Plötzlich schreit die Nutte auf.) Polizei, Hilfe, Polizei...

(Licht aus, kurze Pause, Licht an)

SPRECHER: Und hier die neuesten Nachrichten. Heute morgen kurz nach 3.00 Uhr wurde in der Nähe des Bahnhofs ein Fixer aufgefunden der sich den goldenen Schuß gesetzt hatte. Eine sich aufopfernde Frau nahm sich seiner an und versuchte noch alles, um ihn so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu bringen. Doch die Überdosis an Heroin war zu stark. Der Fixer starb noch bevor der Krankenwagen eingetroffen ist.

(Black)

24. Szene - Selbstmordgelüste

1. = Eine Person sitzt an einem Tisch, grübelt und starrt vor sich hin. Dann endlich sein Entschluss. Er holt einen Revolver hervor und starrt ihn an. Eine Stimme über Lautsprecher schreit: NEIN, NEIN, TU ES NICHT. BITTE. NICHT... Die Person setzt sich die Pistole an die Schläfe und drückt ab, fällt nach hinten, bleibt liegen.

2. = Eine Person starrt vor sich auf den Boden, spielt als ob sie auf einer Brücke steht und springen will. Eine Stimme schreit wieder, aber Person springt, bleibt liegen.

3. = Eine Person kommt mit Strick und Abschiedsbrief auf die Bühne. Sie weint und liest nochmals den Brief. Sie legt ihn vorsichtig irgendwohin und erhängt sich dann. Keine Stimme schreit nach ihr.

4. = Eine Person rennt auf die Bühne, fällt, steht wieder auf. Rennt auf eine Wand zu und schlägt sich Kopf an der Wand, Die Person schreit. Sie schluckt Schlaftabletten und Gift und krümmt sich auf dem Boden, Steht wieder auf und versucht sich selber totzuschlagen. Sie nimmt ein Messer und sticht sich selber. Eine zweite Person kommt dazu und schaut sich die erste Person an die jetzt versucht sich selber zu erwürgen. Dann stellt zweite Person der ersten Person ein Bein. Erste Person bleibt tot liegen. Zweite Person reibt sich die Hände, lächelt ins Publikum und geht.

25. Szene - Betende Sünder

(Ein Pfarrer und eine Frau im Beichtstuhl)

FRAU: Hochwürden, ich habe gesündigt.

PFARRER: Wie hast du gesündigt?

FRAU: Ich habe mit einem Mann geschlafen.

PFARRER: Was war das für ein Mann?

FRAU: Es war Franz, mein Ehemann.

PFARRER: Dann ist es doch keine Sünde. Denn es ist ja dein dir angetrauter Ehemann. Eine Ehe bringt auch Pflichten mit sich, mein Kind.

FRAU: Ja, aber...

PFARRER: Ja mein Kind?

FRAU: Wir haben es mit - mit...

PFARRER: Ja mein Kind.???

FRAU: Mit Gummi getan.

PFARRER: Mit Gummi sagst du, tja dann mußt du doch um dein Seelenheil beten. Denn der Herr sprach: Gehet hin und mehret euch. Wenn du dich freimachen willst - ähhh - ich meine von all deinen Sünden, dann bete mein Kind. Bete drei Ave Maria.

FRAU: Ja, Herr Pfarrer, das will ich tun, aber...

PFARRER: Ist denn da noch etwas, mein Kind, was du mir sagen solltest?

FRAU: Herr Pfarrer, ich werde beten, aber Herr Pfarrer ich kann mich nicht dem Akt der Liebe hingeben. Auch wenn ich bete geht es nicht. Ich habe jedesmal Angst und durch die Angst wirkt die Liebe meines Mannes wie eine Folter bei mir.

PFARRER: Aber Kind, du mußt dich lösen von deinen Zwängen und Ängsten. Du mußt lockerer, ungezwungener werden. Die Liebe soll das Höchste sein, hinter der Anbetung Gottes natürlich, was der Mensch verrichten kann auf unsere Welt.

FRAU: Aber wie kann ich so frei lieben lernen, Herr Pfarrer?`

PFARRER: Komm zu mir mein Kind. Komm. Komm her zu mir. (Frau geht zum Pfarrer hinüber) Komm nur her, Kleines, komm setz dich auf meinen Schoß, dann beten wir gemeinsam und dann..

FRAU: Und dann?

PFARRER: Dann wirst du schon sehen. Es wird dir gefallen. Und dazu gebe ich dir natürlich den göttlichen Segen. Komm laß uns anfangen zu beten.

(Licht aus)

26. Szene - Der Traum der Raketen

(Zwei Atomraketen stehen zu beiden Seiten der Bühne. Die Raketen werden von Menschen dargestellt.)

RAKETE 1: (schwelgend) Ich bin schön. Ich kann fliegen, weit und hoch, hat man mir gesagt.

RAKETE 2: (lustlos) Ich auch.

RAKETE 2: Vor mir hat die Welt Respekt.

RAKETE 2: Vor mir auch.

RAKETE 1: Wer mich besitzt hat die Macht.

RAKETE 2: Na, na. Nimm den Mund nicht so voll.

RAKETE 1: Ich möchte fliegen, fliegen hoch über den.Wäldern, über Täler, Seen und fernen Ländern.

RAKETE 2: Biste platzt. Dann ist alles vorbei.

RAKETE 1: Aber das ist doch der Sinn einer Rakete.

RAKETE 2: Und was hast du hinterher davon gehabt? Du bist zerstört, die Welt ist zerstört. Aus. Vorbei. Keine Rakete mehr, keine Welt mehr. Nur weil du einmal fliegen wolltest.

RAKETE 1: Wie kann man nur als Rakete, so unraketisch denken?

RAKETE 2: Weil ich es erst gestern wieder gesehen habe, und miterleben mußte. Meinen kleineren Bruder haben Sie für Versuchszwecke hochgehen lassen. Nichts mehr ist übriggeblieben von ihm. Deshalb.

RAKETE 1: Er explodierte für das Vaterland.

RAKETE 2: Sei still. Sei bloß still.

RAKETE 1: Schon gut.

RAKETE 2: Ich will dir mal was sagen. Es kann schon bald sein, daß wir fliegen werden. Ich habe so was im Gefühl.

RAKETE 1: Ach du, was du immer hast.

RAKETE 2: Sei mal still, ich glaube sie kommen. Hörst du nicht, sie kommen!

RAKETE 1: Ich hab Angst. Du hast mir Angst gemacht.

RAKETE 2: Da hilft kein Zittern und kein Beten mehr. Sie kommen, sei tapfer. Bald bis du dahin.

RAKETE 1: Ich will nicht. Ich will nicht. Hör auf.

RAKETE 2: Ja, schrei du nur.

(Zwei Männer. kommen auf die Bühne, packen sich die Raketen und schleppen sie von der Bühne. Lautes Schreien ist noch zu hören.)

RAKETE 1: Ich will nicht. Laßt mich doch los. Ich will nicht, daß nach mir nichts mehr bleibt. Ich will auch nie mehr vom Fliegen träumen. Nein, nein, nein!!!

RAKETE 2: Zu spät. Wir sehen uns ja bald wieder, wenn auch nur für einen kleinen Augenblick. Und dann treten wir gegeneinander an.

27. Szene - Weltuntergang, oder der Schluss, oder doch nicht?

SPRECHER: (tritt auf) Liebe Kinder (oder wenn Erwachsene anwesend: Meine sehr verehrten Damen und Herren) in dieser Minute wird uns eine kleine Erschütterung heimsuchen. Grelles Licht und eine Druckwelle, die die Scheiben zerspringen lassen wird, werden folgen. Falls ihr danach nichts mehr sehen solltet, so sind eure Augen verbrannt. Falls ihr nichts mehr spüren solltet, so sind Sie tot, und das Fleisch wird euch von den Knochen fallen. Aber bitte, bitte liebe Kinder (oder: Damen und Herren) keine Panik. Bewahrt bitte Ruhe und stört den Untergang der Welt nicht unnötig mit lautem Geschrei. Ich danke für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch viel Spaß in dieser letzten Minute.

(Licht aus, sehnsuchtsvolle Musik, dazu Sirenen, diese "nervende" Geräuschkulisse, langsam steigern, dann abruptes Ende)

STIMME: (aus dem Lautsprecher) Liebe Kinderlein (oder: Meine Damen und Herren), jetzt für euch unser großes Finale.

(laute Musik, dabei Licht im Zuschauerraum langsam an, abruptes Ende der Musik, Licht aus)

(Wiederholung)

STIMME: (aus dem Lautsprecher) Liebe Kinderlein (oder: Meine Damen und Herren), jetzt für euch.

(laute Musik, dabei Licht im Zuschauerraum langsam an, abruptes Ende der Musik, Licht im Zuschauerraum an)

ENDE

Der Schlächter von Mykonos

Eine brühwarme Sexkrimödie

Theaterstück in 26 bunten Bildern

Inhalt:

5 Männer im Urlaub auf der Schwuleninsel Mykonos. Sextourismus pur. Es sollte ein schöner Urlaub werden, aber der Schlächter von Mykonos geht um...

Besetzung:

mindestens 7 H/ 1 Dek.

Personenregister (Mindestbesetzung):

Namen – Spitznamen - Alter (ca.)

1. Paul Kröpke - Paulinchen, Pauletta - 35

2. Bernd Patschke – Bernhardette - 32

3. Wolfgang Sterner – Wolferl - 31

4. Stefan Funke – Steffi - 31

5. Jürgen Klapper - 26

6. Der Typ, später Alexander – Alexia - 31

weitere Rollen von DER TYP und noch 1 Person

(als Doppelrollen spielbar)

7. nackter Mann 1, in Garderobe

8. nackter Mann 2, in der Abfertigungshalle des Flughafens

9. Steward im Flugzeug

10. Brasilianer, im Flugzeug

11. Außerirdischer, in Höhle

12. Muchmed, der Araber – Sulaika oder Sulchen

Bühnenausstattung:

Hotelzimmer: drei Schränke, drei Betten

Garderobe eines Travestietheaters: ein Schminktisch und Kleiderständer

Insel Mykonos: Sandhaufen und Steine, gemalte Wellen auf beweglichen Holzplatten, ein Gummiboot

Flugzeug: ein paar Stühle

Sonstiges:

eine Leinwand: auf der Filme/Dias gezeigt werden können.

Die Requisite sollte so einfach wie möglich gestaltet, veränderbar, variabel und beweglich sein, zum Beispiel: Schränke und Betten auf Rollen, Vorderseite der Schränke = Hotelausstattung, Rückseite = Hügel von Mykonos etc.

1. Bild

In der Garderobe eines Travestietheaters: Paul, Bernd, Wolfgang, Stefan und Jürgen

Wolfgang und Jürgen in „Normal“-Kleidung helfen Paul, Bernd und Stefan im Fummel, beim Anziehen für einen Auftritt, Musik ist zu hören, zwischendurch Applaus.

PAUL (zu Wolfgang und Jürgen) Hach, schön dass ihr schon da seid. Wir haben es auch gleich geschafft.

Allgemeine Küsschen zur Begrüßung.

JÜRGEN Wir sind voll im Stau gestanden, sonst wären wir eher da gewesen.

BERND Noch liegen wir alle gut in der Zeit. Wo habt ihr denn euren Wagen abgestellt.

PAUL (sehr laut) Miiiiiiiiiiiii-mimimi--------miiiiiiiiii---miiiiiiii

BERND (zu Jürgen der fragend guckt) Ihre Stimmübungen.

STEFAN Dabei klappert sie nur lautlos mit ihrem Maul zum Playback.

PAUL (zupft Perücke zurecht) Ein Spiegelchen für drei Tunten sind einfach 5 zuwenig.

JÜRGEN Mein Auto steht auf dem kleinen Parkplatz hinterm Haus, ist das OK?

PAUL Och, habt ihr tatsächlich noch einen erwischt. Das ist ja fantastisch. Da kann er die nächsten 2 Wochen gut stehen. Da ist er ja sogar unter Aufsicht.

WOLFGANG Habt ihr ‘nen Wächter?

BERND So ungefähr, die dicke Alte von oben, sieht, hört, weiß einfach alles, die gute Seele.

PAUL Die hängt 24 Stunden am Fenster. Der entgeht nichts.

STEFAN Herrgottnochmal, der Fummel passt einfach nicht. So geh ich nicht raus.

PAUL Himmel, Arsch und dicker Dödel. Jetzt geht das wieder los. Sag doch was, Bernie.

BERND Ist doch nur für einmal. Du bist eben etwas kleiner als...

STEFAN Etwas kleiner. Ich hab S und das ist noch zu weit und die Dietrich hat mindestens XXL.

PAUL Wie der geile Rugbyspieler aus der Quadratisch-praktisch-gut-Werbung.

JÜRGEN Wer ist denn die Dietrich?

BERND Wie, wer ist die Dietrich?

PAUL Bernhardette, es gibt tatsächlich noch Leute, die nicht in unserer kleinen Show waren.

JÜRGEN Ich kenn‘ Marlene.

STEFAN Die ist tot und ich sterbe auch gleich.

BERND UND PAUL gleichzeitig Oh Steffi.

STEFAN Ich kann nicht auf den hohen Hacken, die sind zu weit. In den Kindersärgen auf Stelzen kann ich nicht laufen.

BERND Du sollst nicht laufen, sondern schweben.

JÜRGEN Wer ist also die Dietrich?

PAUL Unser bestes...

BERND Mist...

PAUL ...stück. (strafend zu Bernd) Eine wahre Perle.

WOLFGANG Sie ist auch in der Show. Solltest mal sehen, wie sie ihre Pfunde schmeißen kann. Macht die beste Trude Herr, die ich je gesehen hab.

JÜRGEN Trude Herr, aha.

BERND Und Divine macht sie auch.

JÜRGEN Und warum nennt ihr sie die Dietrich.

PAUL Sie heißt Dieter...

(Alle lachen außer Jürgen)

BERND ...und ist `ne echte Diva.

JÜRGEN Versteh ich nicht, wenn sie doch dick ist und...

PAUL Jürgen, Schätzchen, zermartere dir nicht deinen süßen Kopf. Machst du mir bitte den Reißverschluss zu?

WOLFGANG Und warum macht sie heute Abend nicht?

STEFAN Weil die blöde Kuh einen verdammten Pflaumensturz hatte, als sie ihren Lover mit ‘nem andern im Publikum knutschen sah.

BERND Sie hat es nicht leicht mit ihrem Kracher. Der bumst alles, was ihm vor die Flinte läuft und...

PAUL ...und er sieht verdammt gut aus und ihm läuft viel vor die Flinte und viel aus der Flinte. Ich würde ihn auch nicht von der Bettkante schubsen.

STEFAN Ich schon, aber dann würde ich ihn auf dem Fußboden durch der Dietrich ihre Wohnung bumsen...

PAUL Steffi!

STEFAN ...und Dieter müsste mit ‘nem Knebel im Mund gefesselt zuschauen.

PAUL Gelüste hast du vielleicht.

BERND Der lässt sich nicht bumsen. (alle schauen Bernd fragend an) Hab ich gehört.

PAUL (grinst) Ach so, ja dann.

STEFAN Schreiend, kreischend, heulend ist die blöde Kuh von der Bühne ins Publikum gesprungen und hat versucht, auf ihren Lover einzuschlagen.

BERND Hat ihre kleinen, dicken Fäustchen geballt und hat so (macht unbeholfene Geste) ganz vorsichtig natürlich, um ihre langen Fingernägel nicht abzubrechen, immer wieder auf ihn eingeschlagen.

PAUL Dann war erst mal Schluss mit dem zweiten Teil der Show. Wir haben zwar noch versucht zu retten, was zu retten ging. Aber die Leute kamen einfach nicht mehr in Schwung.

STEFAN Paulinchen hat mich dann angerufen, ob ich früher kommen könnte, wegen den vielen Umzügen und so. Und dann hat sie mir eröffnet, dass ich auftreten soll. Ich wär doch immer bei den Proben dabeigewesen.

PAUL Sie kennt jeden Schritt auswendig.

STEFAN Aber die Nerven. Ich hab sowas noch nie gemacht. Ich scheiß mir in die Hosen.

BERND Ins Mieder, Darling.

PAUL Beflecke bloß nicht der Dietrich ihre Strapse, sie wird dich mit ihrem nackten Arsch an die Wand pressen, bis du keine Luft mehr kriegst.

BERND Bei dem Arsch zappelst du nicht lange.

Plötzlich rennt ein nackter, verängstigter Mann über die Bühne, der sich schützend die Hände vor sein Geschlecht hält.

MANN 1 Helfen Sie mir, er ist hinter mir her. Helfen Sie mir.

Paul pfeift ihm hinterher, die anderen stöhnen ein Ach oder Oh.

BERND Hier geht es raus, junger Mann, über die Hintertreppe.

PAUL (ganz verzückt) Was war denn das?

BERND Ein Mann.

WOLFGANG Und was für einer.

JÜRGEN Strammer Arsch, was?

PAUL Die spielen bestimmt Räuber und Gendarm, oder Meister und Sklave oder so was, wie süß.

BERND Wenn keine Show läuft, haben die Leute nichts anderes zu tun, als sich die Kleider vom Leib zu reißen und in irgendwelchen dunklen Ecken rumzufummeln.

JÜRGEN Mit so einem würde ich auch...

STEFAN Besser jedenfalls als im Fummel doof über die Bühne zu galoppieren.

STIMME AUS DEM LAUTSPRECHER Ihr seid gleich dra-a-a-n. Macht euch fertig, Mädels.

STEFAN Ich bin völlig fertig, blöder Arsch.

BERND Apropos galoppieren, gleich kannst du mal zeigen, was du so drauf hast als Stute.

STEFAN Hengst.

BERND Stute

STEFAN Hengst.

WOLFGANG Stefan bitte - Stute - ja?

PAUL Wie ist denn unser Steffi drauf. (zu Stefan) Du verwechselst da etwas, glaub ich. Das Bückstück ist immer die Stute.

STEFAN Tä-tä, ich geh nicht raus.

BERND UND PAUL gemeinsam Oh, Steffi!

PAUL Nu los, Kinder, unsere Overtüre spielt schon. (Reihum Küsschen, weiter zu Stefan) Toi, toi, toi.

STEFAN Ich kann wirklich nicht. Mir schlottern schon sämtliche Glieder.

BERND Wie schön, dann kommt endlich Leben in den alten Kadaver. Raus jetzt.

2. Bild

Auf der Bühne des Travestietheaters: Paul, Bernd, Stefan

Bernd, Paul und Stefan treten rückwärts zum Publikum vor einen zweiten Vorhang, der sich öffnet, Scheinwerfer strahlen aus einem imaginären zweiten Zuschauerraum, die drei Männer tanzen zu: „It‘s raining men“ von den Weather Girls. Nach dem Tanz verbeugen sie sich, der Vorhang schließt sich wieder, man hört nur müdes Klatschen, dann setzt wieder Discomusik ein. Die drei Männer gehen wieder in die Garderobe.

3. Bild

In der Garderobe des Travestietheaters: Paul, Bernd, Wolfgang, Stefan, Jürgen

Sie kommen in die Garderobe, wo sie von Wolfgang und Jürgen stürmisch gefeiert werden.

PAUL Ach Göttchen, haben die `ne Laune.

BERND Wir hätten auch ins Publikum pissen können, denen wärs egal gewesen.

PAUL Bernhardette, bitte. Hast du den kleinen Schwarzen in der ersten Reihe rechts gesehen. Ich dachte, ich sterbe.

STEFAN Ich sah unmöglich aus.

BERND Siehst du immer noch.

STEFAN Was? Paul, sag doch was.

PAUL Du warst ganz wunderbar, wirklich wunderbar. Die Dietrich hätte es vielleicht nur ein bisschen, sagen wir, rythmischer gemacht.

STEFAN Was?

WOLFGANG Großartig, umwerfend, einfach spitze. Ihr seid die Besten. (zu Stefan) Wie du den Trickspagat gemacht hast, toll.

BERND Das war kein Spagat. Sie ist ausgerutscht und auf den Arsch geknallt.

PAUL Herr Bernd Patschke, ich bitte dich. Patsch-patsch drauf...

ALLE ANDEREN (stimmen mit ein) und patsch-patsch rein, unser Bernhardette schlägt alles kurz und klein (alle lachen)

PAUL Jetzt aber schnell Kinderchen. Wir müssen noch nach Düsseldorf mit der Bahn. Wie spät ist denn wohl schon?

WOLFGANG Wir haben noch 3 Stunden. Keine Panik, Pauletta.

PAUL Och, Wolferl, wie du das sagst. Oh, wie wird mir.

BERND Ihr kennt euch von innen und außen ganz genau, das ist doch nichts Besonderes mehr.

PAUL Na, und ich könnt es glatt wieder tun.

BERND Na bitte, dann mach es gleich hier.

PAUL Ich bin ja kein Unmensch.

BERND Wie gnädig.

WOLFGANG Werde ich auch mal gefragt?

Tumult beim Umziehen, Paul singt, Stefan stolpert über Koffer.

STEFAN Verflixt erst der Fummel und jetzt noch das. Ich werde hysterisch.

BERND Oh, unsere Hysteria wieder, ich krieg ne Krise.

STEFAN Wem gehören denn die Koffer?

JÜRGEN Uns.

STEFAN Schaff sie mir sofort aus den Augen.

PAUL Aus welchem Film ist das? Bestimmt aus einem Bette Davis Film. „All about Eve“ oder so.

BERND Und woher ist der: „Ich greif dir in die Eier, Kleines?“

ALLE ANDEREN Aus ”Fünf Tunten auf Mykonos” (alle lachen)

(Black)

4. Bild

Irgendwo auf einer dunklen Straße: Nackter Mann 1 und Mörder

Nackter Mann 1 läuft durch den Zuschauerraum, Scheinwerfer folgt ihm.

MANN 1 Helfen Sie mir. Der Typ will mich fertig machen. Helfen Sie mir bitte.

Nackter Mann 1 versucht, sich zu verstecken, zwischen den Stuhlreihen, bei einem Zuschauer auf dem Schoß etc. Dann flüchtet er auf die Bühne, Vorhang auf, er kriecht unter einen Karton auf dem Boden. Der maskierte Mörder in schwarzem Leder taucht plötzlich auf und schlägt mit einem Beil auf Nackten Mann 1 ein, der schreit wie am Spieß, eine Menge Blut spritzt, laute Musik.

(Black).

5. Bild

In der Abfertigungshalle des Flughafens: Paul, Bernd, Wolfgang, Stefan, Jürgen und Nackter Mann 2

Flughafenatmosphäre, mit Durchsagen etc. Bernd, Paul, Jürgen, Stefan und Wolfgang stehen in Schlange mit vielen Koffern, Köfferchen, Tüten und Hutschachteln, um einzuchecken.

PAUL Hat jemand mein Schminkköfferchen gesehen.

BERND Ist hier auf dem Wagen.

STEFAN Wo ist meine Sonnenbrille, wenn jemand in der Show war und mich gesehen hat... Ich könnte es nicht ertragen.

WOLFGANG Such lieber dein Ticket, Schätzchen.

BERND Tickets hab ich.

WOLFGANG Aber...

BERND Alle.

WOLFGANG Danke.

PAUL Ich denke immer, ich hab was vergessen.

BERND Wie im letzten Urlaub, wo du 3 Strapse und ein Latexkleid mit hattest, aber keine Unterhose. Drei Tage nicht ansprechbar.

PAUL Du sagst es, alle meine Calvin Klein-Slips vergessen, Ich war völlig verzweifelt. Unter den Shorts nackt wie Gott mich schuf, so bin ich zum Buffet.

WOLFGANG Verkommenes kleines Luder. Abgründe tun sich auf.

PAUL Nicht wahr.

WOLFGANG Wie tragisch.

BERND Einmal beim Frühstück hat Pauletta einen Ständer in ihren weit geschnitten Shorts gehabt.

PAUL Bitte schweig.

BERND Mit dem Ding hätte sie fast die Müslischüssel vom Tisch gehauen.

STEFAN Übernimmt so was die Versicherung?

ALLE (im Chor) Oh, Steffi. (alle lachen)

PAUL (singt) Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus. Ach, ich bin ja so aufgeregt, Kinder.

Plötzlich rennt Mann 2, nackt und Blut verschmiert durch den Flughafen, drängt sich durch die Wartenden und reißt dabei einen Koffer und den Schminkkoffer vom Wagen und rennt wieder raus.

PAUL (schreit) Ha, was war das?

BERND Wieder ein Mann, siehst du doch.

Alle schauen verzückt dem Typ hinterher.

PAUL (singt) ”Freunde, das Leben ist lebenswert.” (aufgeregt weiter) Gott haben wir ein Glück. Zwei nackte Männer innerhalb von drei Stunden. Bestimmt ein gutes Omen.

JÜRGEN Nackter Mann von rechts bringt Schlechts.

WOLFGANG Ist das nicht der schwarze Katzenspruch?

STEFAN Geht das auch mit Männern?

JÜRGEN Was weiß ich.

WOLFGANG Wie geht der noch weiter?

JÜRGEN Nackter Mann von links - Glück dir winkts.

BERND Glück dir winkts?

WOLFGANG War aber gut gebaut, der Kleine. Ob ich ihm mal hinterher soll?

BERND So weit kommt es noch.

PAUL Wir sind doch bald im Paradies der Männer. Wie geht noch der Werbespruch: Bist du auf Mykonos, lässt dich kein Mann mehr los, oder so.

STEFAN Hat sie sich bestimmt gerade ausgedacht.

PAUL Beginnt man zu reimen, fängt’s Hirn an zu keimen, wie eine gute Freundin mal sagte.

STEFAN Bis dein Hirn auf Erbsengröße angewachsen ist, kannst du noch 300 Jahre reimen.

PAUL Oh jetzt wird sie zickig.

JÜRGEN Der Typ war bestimmt verletzt. Total verschmiert.

WOLFGANG Ich denke, da haben zwei ne Marmeladennummer auf der Toilette geschoben oder so was.

BERND Marmelade?

WOLFGANG Oder Konfitüre. Habt ihr mal mit Quark gebumst? Kommt tierisch gut...

STEFAN ...und schmeckt...

WOLFGANG ...mit Gervais Obstgarten ist es leicht bekömmlich...

STEFAN ...und fruchtig dazu...

PAUL Das ist ja pervers.

BERND Bananenficks lasse ich ja noch gelten, aber Quark?

PAUL Bernd!

STEFAN Und wenn mal eine Banane drin bleibt, sind doch weich, die Dinger.

PAUL Stefan!

BERND Die kommen schon irgendwann wieder raus. Auf natürlichem Weg oder rausgefickt.

PAUL Bernd!

WOLFGANG Sag mal, Paul, hattest du nicht auch so einen grauen Koffer wie der Typ eben?

PAUL Na, der ist doch... wo ist...

BERND ...der Koffer?

PAUL Ich krieg ne Krise. Der Typ hat meinen Koffer. Und... (ringt nach Luft) ...und...

STEFAN Was?

PAUL ...was viel schlimmer ist...

JÜRGEN Deinen Sonnenschirm.

BERND Dein aufblasbares Surfbrett.

WOLFGANG Deine umschnallbare Kühltasche.

PAUL Nein... er hat... er hat...

BERND Was denn?

PAUL Mein Schminkköfferchen.

STEFAN Oh nein.

PAUL Oh Gott, ich kann nicht mitfliegen. Tut mir leid, meine Lieben. Tut mir leid. So niemals. (geht ein paar Schritte von den anderen)

BERND Nu bleib hier, wir sind gleich dran.

PAUL Ich bin schon dran gewesen. Fliegt ruhig, macht euch einen schönen Urlaub. Ich werde mich von einer Brücke stürzen. Schreibt mal, wie`s Wetter ist, ja?

WOLFGANG Was war denn so Wichtiges in dem Koffer?

JÜRGEN Hörst du doch, seine Schminksachen.

WOLFGANG Und deshalb der Aufstand?

PAUL Nicht irgendwelche Schminksachen, sondern die ganze Ellen Betrix Kosmetikserie, einschließlich meiner Marbert Nachtcreme für sensible Haut, eine Perücke und...

JÜRGEN Und?

PAUL Und der Duft von Lis.

JÜRGEN Von wem?

BERND Von dat Auf- und-Abbläh-Lisbeth.

JÜRGEN Ich versteh kein Wort.

PAUL Begreifst du denn nicht: White Diamonds von Elisabeth Taylor.

JÜRGEN War der nicht von der Sabatini?

PAUL (läuft aufgeregt hin und her und redet abfällig) Sabatini - Sabatini - pah - Sabatini - Sabatini - oh - Sabatini - du Narr - Sabatini...

JÜRGEN (zu Bernd) Ich wusste ja nicht, dass sie Pflaumenduft benutzt.

PAUL (sehr laut) Ich mache Shows, ich bin ein Showgirl, und zwar das Beste. Und um etwas wirklich Perfektes zu inszenieren, bedarf es mehr als nur einer Perücke und einem Diorkleid und echten Perlen von meiner Großmutter. Es braucht auch den gewissen Duft, die Nonchalance und die Eleganz einer Dame, die ihr nie haben werdet. Und wenn ihr euch auf den Kopf stellen würdet,. ihr bleibt doch immer dämliche, prollige, pottschwule Schwuchteln.

BERND Komm wieder runter, der ganze Flughafen hört dich schon.

PAUL (weint übertrieben) War das zu heftig.

WOLFGANG Allerdings.

STEFAN Was meinst du mit prolligen Pottschwulen. Mir sieht man es nicht an, wenn ich nicht im Fummel stecke.

BERND UND PAUL gemeinsam Oh, Steffi.

PAUL (schluchzt) Tut mir leid, Kinder, es ist mir so rausgerutscht. Aber ich bin mit den Nerven am Ende.

WOLFGANG Hast du deinen Ausweis? Hast du...?

PAUL Meinen Personalausweis den hab ich im Portemonnaie. Aber mein Reisepass. Ach du lieber Gott, der ist im Köfferchen. (fängt wieder an zu heulen)

JÜRGEN Was ist denn, du hast doch den Ausweis, du brauchst doch kein Reisepass mehr für Griechenland.

PAUL Aber nur im Reisepass steht mein Künstlername - Valerie d`Paris - die Schöne der Nacht.

JÜRGEN Damit traust du dich über die Grenzen.

WOLFGANG Damit überschreitet sie jede Grenze guten Geschmacks.

PAUL Überschritt, jetzt ist er weg.

BERND Also Schluss jetzt. Du hast den Ausweis und die Schminke kannste von mir haben, oder wir kaufen neue.

STEFAN (listig) Und was war in dem grauen Koffer?

JÜRGEN 100 Kondome, 1 Pfund Gleitgel und Poppers, stimmt es?

PAUL Oh - Poppers, das war auch im Köfferchen.

BERND Ich hab auch ne Flasche bei, OK?

STEFAN Also was war in dem grauen Koffer?

PAUL (stockend) Meine ganzen Frauenfummel, Stöckelschuhe, Strapse...(heult wieder)

BERND Damit wird der Typ nichts anfangen können. Der wird ihn bestimmt irgendwo liegen lassen. Und wenn wir zurückkommen fragen wir nach dem Koffer, alles klar?

PAUL Aber mit was soll ich denn am Strand auftreten? Ich habe Michalis versprochen aufzutreten, wegen der alten Zeiten.

BERND Ihr ward einmal zusammen in der Kiste und jetzt machst du so einen Aufstand. Der kann sich bestimmt nicht an dich erinnern.

PAUL Warum bist du so böse zu mir. Nur weil er dich nicht wollte, was?

WOLFGANG Wie sieht er aus?

JÜRGEN Wie war es denn?

PAUL Griechisch-römisch, würde ich sagen, wild und leidenschaftlich unter glühender Sonne.

BERND Es war Nacht, und es war in seinem Hotelzimmer.

PAUL (schwärmt) Breiter Rücken, kräftige Arme, starke Hände, schwarze Augen, und Haare...

BERND Fell, wie ein Affe. Wir nannten ihn den Strohballen.

PAUL Ich nannte ihn meine kleine Tessi, er kam nämlich aus Tessaloniki.

JÜRGEN Erzähl von seinen Haaren.

PAUL Ich sage euch, Borsten waren das. Auf dem ganzen muskulösen Körper nur schwarze Borsten, ich hab die ganze Nacht in diesem unglaublichen Urwald gewühlt und gewühlt...

BERND 1 Stunde hat es gedauert. Er bekam keinen hoch und wollte dir auch nicht an den Schwanz packen, wegen Aids.

STEFAN Was habt ihr denn so gemacht. Du nur an ihm?

PAUL Kinder, wir sind dran. Bernd, wo hast du die Papiere.

JÜRGEN Und deine Koffer?

PAUL Mein Gott ja, wir haben jetzt keine Zeit dazu, uns aufzuregen. Es warten neue Abenteuer auf uns. Also los. (zu einer imaginären Flughafen-Angestellten) Guten Morgen, wir wollen nach Mykonos. Bitte für mich einen Fensterplatz, ja, Fräulein?

BERND Für mich auch.

JÜRGEN Ich auch.

WOLFGANG Ich auch.

STEFAN Ich auch.

(Black)

6. Bild

Im Flugzeug: Paul, Bernd, Jürgen, Wolfgang, Stefan, Steward und Brasilianer

Paul und Bernd, Jürgen und Wolfgang sitzen nebeneinander, Stefan sitzt neben einem Brasilianer.

PAUL (lehnt sich über die Stuhlreihen nach hinten) Was war denn vorhin mit euch los. Selten dämlich. Wolltet ihr alle hintereinander sitzen? So ist doch viel schöner, oder?

JÜRGEN (vorwurfsvoll) Du sitzt ja auch am Fenster.

PAUL Mein Gott, wir können ja gleich mal tauschen.

STEWARD (kommt auf Bernd zu) Sind sie auch gut angeschnallt?

Bernd schweigt, lächelt nur, Steward überprüft den Gurt, sehr lange, greift Bernd um die Hüften und streichelt ihn zwischen den Beinen.

PAUL Wir brauchen doch jetzt nicht mehr angeschnallt zu sein.

STEWARD (der weiter an Bernd herummacht) Manchmal kann gefess... ich meine angeschnallt ganz aufregend sein.

PAUL Bitte?

STEWARD Ich komme gleich mit den Getränken.

BERND (stottert) Sch...sch...schön, sehr schön.

Steward geht und dreht sich noch ein paar mal nach Bernd um.

PAUL Was war denn das für ein Früchtchen?

BERND Gar nicht schlecht gebaut, was? Hast du gesehen, wo er überall seine Finger hatte?

PAUL (boshaft) Ja, ich hab es gesehen. (sehr ernst) Wag bloß nicht auch mal hinzu greifen, du Ferkel.

BERND Bist ja nur neidisch.

PAUL Phhh. (schaut aus dem Fenster)

(Pause)

BERND Da kommt er wieder. (lächelt Steward an)

PAUL Schön für dich.

STEWARD (lächelnd zu Bernd) Darf ich hier Sekt servieren?

PAUL (giftig) Ja, für alle und zwar zack-zack.

STEWARD Kommt sofort.

Steward geht wieder, Bernd grinst vor sich hin.

PAUL Wenn du weiter so blöde grinst, werd‘ ich um mich schlagen.

BERND Ich find ihn richtig süß.

PAUL Na prima. Frag ihn doch nach seiner Adresse.

BERND Vielleicht?!

(Pause)

Steward kommt mit Getränken.

STEWARD (reicht Paul und Bernd Sekt) Bitte sehr. Prickelnd aufregender Sekt für die Herren.

PAUL Her damit.

BERND Danke sehr, vielen, vielen Dank.

PAUL Mach mal nen Punkt.

STEWARD (schiebt ihm eine Visitenkarte hin) Hier meine Adresse. Man weiß ja nie...

BERND Nein, man weiß nie...

STEWARD Vielleicht noch ein Kopfkissen?

BERND Nein, nein, nein - danke. ich hab sonst alles.

STEWARD Tatsächlich? (mit geringschätzigem Blick zu Paul) Also gut. (haucht) Bis gleich dann...ich bin da vorne...wenn...

BERND OK.

Steward geht, bleibt vor einem Vorhang stehen und kneift Bernd ein Auge zu, deutet mit dem Kopf, er soll kommen.

PAUL Das ist ja unglaublich. Wenn du jetzt aufstehst, töte ich dich.

BERND Ist ja schon gut. Ich werd nicht aufstehen. (Pause) Ist aber schon aufregend.

PAUL Na toll, wie heißt denn der Sack überhaupt.

BERND Der Sack ist ein gut aussehender blonder Bengel ,ja?

PAUL Schon gut, also wie heißt der Heinz.

BERND (liest Visitenkarte) Detlef, Detlef Wagner.

PAUL Ach du liebe Güte, auch das noch. Der Heinz heißt Deeeetleeeef. Ein schwuler Flugbegleiter, namens Deeetleeeef. Das hat uns gerade noch gefehlt. Nichts wäre schrecklicher, als mit dem da abzustürzen.

BERND Und wie in dem Film ”Überleben” von ihm als erstes essen.

PAUL Du bist pervers.

BERND Gerne sogar.

PAUL Und wo kommt er her? (reißt Bernd die Karte weg) Hah, aus Düsseldorf. Eine Seidenhusche aus Düsseldorf. Wie aufregend.

Paul zerreißt die Karte und wirft sie unter den Sitz.

BERND Ja sag mal, spinnst du? Vielleicht kann er uns mal billige Flüge besorgen.

PAUL Du kannst sicher billigst mit ihm vögeln, aber besorgen kann er es dir wahrscheinlich nicht, so zart wie der gebaut ist.

BERND Du bist ja richtig eifersüchtig.

PAUL Quatsch. Nur, wir sind noch nicht mal ganz auf Mykonos, geht das Rummachen schon los.

In diesem Moment hört man ein tiefes Grunzen von dem Brasilianer neben Stefan aus der dritten Reihe. Er streichelt Stefan zwischen den Beinen, geht ihm auch in die Hose und wichst Stefan.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh.

BERND Du bist eifersüchtig.

PAUL Blödsinn.

BERND Find ich richtig süß von dir, gib mir ein Kuss.

PAUL Ich bin nicht eifersüchtig und einen Kuss kriegst du nicht, so.

BERND Mein kleiner eifersüchtiger Schatz. (streichelt Paul)

PAUL Lass das, nimm die Finger weg.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

Steward kommt wieder.

STEWARD (reicht Bernd eine neue Visitenkarte) Hier, für den Fall, dass eine mal verloren geht.

Steward geht wieder, Bernd nimmt die Karte und steckt sie aber gleich in die Tasche.

PAUL Das ist ja wohl dreist. Der hat uns doch beobachtet.

BERND Muss er wohl. (streichelt Paul)

PAUL Fass - mich - nicht - an, ja?

BERND (zieht die Hand weg) Beruhig dich wieder. Du sitzt am Fenster, also schau raus.

PAUL (schüttelt resigniert den Kopf) Mistkerl, Sauerei, schwule Sauerei, so was.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

PAUL Was passiert denn dahinten, wer ist das denn? (Paul hockt sich verkehrt herum auf den Sitz) Hallo Jürgen, hallo Wolferl.

JÜRGEN Hallo.

WOLFGANG Guckt doch mal, wie schön, die Wolken.

JÜRGEN Ich sehe nichts.

WOLFGANG Du musst auch raus sehen.

JÜRGEN Sehe aber nichts, wenn deine Bollerrübe davor ist.

WOLFGANG Oh, jetzt wird sie zickig. Du wolltest doch keinen Fensterplatz.

JÜRGEN Anfangs schon. Ich streite mich nicht.

WOLFGANG Dann hör gefälligst auf rumzumaulen. Wir können ja gleich tauschen.

JÜRGEN Bleib bloß sitzen. Stehst du auf, kreisch ich ganz laut.

WOLFGANG (versucht aufzustehen) Nu komm schon ans Fenster.

Jürgen schreit ganz laut spitz auf, Wolfgang setzt sich sofort hin, Paul auch. Dann geht er langsam wieder in die Hockstellung.

WOLFGANG Herrgottnochmal, bist du verrückt. Ich bleib ja schon sitzen.

JÜRGEN Ich hab dir gesagt, ich kreische.

PAUL Und wie, mein Gott, wie peinlich.

JÜRGEN Uns kennt doch keine Sau hier.

PAUL Dich vielleicht nicht, aber mich. Meine Show war in allen Zeitungen. Nein, wie peinlich.

JÜRGEN Die Welt, Bildzeitung, Frankfurter Allgemeine, Die Zeit...

PAUL Der Neid der Besitzlosen...

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

PAUL Huch, dreht euch jetzt bitte nicht um....

JÜRGEN (der sich gleich rumdrehen will) Was ist denn?

PAUL (flüstert) Nicht umdrehen hab ich gesagt. Ich werde euch alles erzählen, aber dreht euch bloß nicht um. Mein Gott, das gibt es doch gar nicht.

WOLFGANG Was is denn, erzähl schon?

PAUL (flüstert) Ihr glaubt nicht, was ich da sehe. Wo sind wir denn eigentlich. Stefan hat die Augen geschlossen und der Brasilianer, dieser Primat, hat seine Hand in Stefans Hose und scheuert ihm einen.

JÜRGEN Was?

BERND Bei der LTU ist das normal.

WOLFGANG Lauter Tunten unterwegs, der hat so ein langen Bart. Ha, ha.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

WOLFGANG (dreht sich ganz langsam um und guckt zwischen den Sitzen durch, dreht sich wieder um) Unglaublich. Der Primat sieht aus, als ob er nur mit einer Keule umgehen kann.

JÜRGEN Hat Stefan ein Glück.

WOLFGANG Kannst dich ja rüber setzen, wenn Stefan abgemolken ist.

JÜRGEN Jetzt tu nicht so, als ob du nicht auch wolltest.

WOLFGANG Na bei so einer Fingerfertigkeit.

Der Steward kommt.

STEWARD (zu Bernd) Kann ich dir noch irgendetwas Gutes tun?

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

BERND (grinst) Ne, ne, oder vielleicht doch noch einen Sekt.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

STEWARD Eigentlich gibt es ja für jeden nur einen Sekt, aber bei dir mach ich ne‘ Ausnahme. Bin gleich zurück.

Der Steward geht.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

Stefan stöhnt.

PAUL Oh Gott, jetzt holt er ihm den Schwanz raus.

BERND Was?

PAUL Stefans Schwanz. Tut doch was, Kinder. (zu Jürgen) Hier, nimm die Zeitung, leg sie einfach drüber, damit man das nicht so sieht.

JÜRGEN Das ist die Süddeutsche...

PAUL Die schwulen Zeitungen sind aus. Also mach schon.

Paul reicht Jürgen eine Zeitung, der sie ganz cool einfach über Stefans offene Hose ausbreitet. Der Brasilianer und Stefan lassen sich dadurch nicht stören.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

Stefan genießt stöhnend.

BRASILIANER (grunzt) Mmmmmhhh

Stefan stöhnt immer heftiger.

PAUL Lasst uns schnell was singen.

Bernd Halt bloß den Rand.

PAUL Aber irgendetwas muss man doch tun.

BERND Lass sie doch.

PAUL (singt laut) Ich weiß es wird einmal ein Wunder geschehn.... (Jürgen und Wolfgang stimmen mit ein) und dann werden tausend Märchen wahr....

(Black)

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Возрастное ограничение:
18+
Дата выхода на Литрес:
08 июля 2025
Объем:
410 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9783961125692
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
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