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Johann Georg Hamann, Heinrich Wilhelm von Gerstenberg, Christian Friedrich Daniel Schubart, Georg Christoph Lichtenberg, Wilhelm Heinse, Johann Gottfried Herder, Gottfried August Bürger, Matthias Claudius, Heinrich Leopold Wagner, Johann Wolfgang von Goethe, Jakob Michael Reinhold Lenz, Friedrich Maximilian Klinger, Johann Anton Leisewitz, Johannes Friedrich Müller, Friedrich Schiller

STURM UND DRANG: Die bedeutendsten Werke der Epoche

e-artnow, 2022

Kontakt: info@e-artnow.org

EAN 4066338122001

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Sturm und Drang als Genieperiode der Literatur

Johann Georg Hamann

Sokratische Denkwürdigkeiten

Aesthetica in nuce

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

Ugolino

Gedicht eines Skalden

Christian Friedrich Daniel Schubart

Die Fürstengruft

Freiheitslied eines Kolonisten

Georg Christoph Lichtenberg

Aphorismen

Gedichte

Wilhelm Heinse

Ardinghello und die glückseligen Inseln

Johann Gottfried Herder

Fragmente über die neuere deutsche Literatur

Kritische Wälder oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend, nach Maßgabe neuerer Schriften

Journal meiner Reise im Jahr 1769

Abhandlung über den Ursprung der Sprache

Von deutscher Art und Kunst - Einige fliegende Blätter

Volkslieder

Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Gottfried August Bürger

Lenore

Der Bauer

Seufzer eines Ungeliebten

An ein Maienlüftchen

Die Esel und die Nachtigallen

Die Umarmung

An Arist

Der Ritter und sein Liebchen

Liebe ohne Heimat

Amors Pfeil

Die Aspiranten und der Dichter

Winterlied

Das neue Leben

Gegenliebe

Sinnenliebe

Der Raubgraf

Der Edelmann und der Bauer

Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen

Matthias Claudius

Gedichte

ASMUS omnia sua SECUM portans

Heinrich Leopold Wagner

Die Reue nach der That

Die Kindermörderin

Johann Wolfgang von Goethe

Urfaust

Faust

Die Leiden des jungen Werther

Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand

Clavigo

Stella

Zum Schäkespears Tag

Von deutscher Baukunst

Prometheus

Willkommen und Abschied

Mahomets Gesang

Ganymed

Adler und Taube

An Schwager Kronos

Mayfest

Jakob Michael Reinhold Lenz

Anmerkung über das Theater nebst angehängtem übersetzten Stück Shakespeares

Der Hofmeister

Die Soldaten

Der neue Menoza

Friedrich Maximilian Klinger

Sturm und Drang

Die Zwillinge

Simsone Grisaldo

Johann Anton Leisewitz

Julius von Tarent

Johannes Friedrich Müller

Golo und Genovefa

Friedrich Schiller

Die Räuber

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua

Kabale und Liebe

Don Karlos, Infant von Spanien

Vorwort
Sturm und Drang als Genieperiode der Literatur

Inhaltsverzeichnis

Die Stürmer und Dränger waren sinnlich und dramatisch, heute würde man sagen: mehr politisch, mehr aktivistisch gerichtet. Sie litten unter der sozialen und politischen Ungerechtigkeit des Zeitalters. Das Motto Schillers, das er über »Die Räuber« setzte: in tyrannos! Kann man über die ganze Richtung setzen.

Die Stürmer und Dränger waren die deutschen Vorläufer und Brüder der französischen Revolution von 1789. Wie Wilhelm II. dem Erwachen der deutschen Dichtung aus dem patriotischen Winterschlaf nach dem siegreichen Krieg von 1870/71 zur Selbstbesinnung, zur Erhebung, zur Vergeistigung von seinem Standpunkt mit dem größten Recht mißtrauisch gegenüberstand – denn einer Revolution des Geistes pflegt eine solche der Tat auf dem Fuß zu folgen: so standen die damaligen Souveräne dem Ansturm der Stürmer ablehnend und erbittert gegenüber, denn es ging ums Gottgnadentum, es ging um Autokratie oder Demokratie schon damals. Es handelt sich darum, ob die deutschen Fürsten ihre Untertanen als Schlachtenfutter nach Amerika verkaufen könnten wie ein Stück Vieh, um aus dem Erlös ihre fetten Huren und lasterhaften Gelage zu bestreiten, oder ob der Mensch ein Mensch wie sie, ob es nicht unvergängliche »Menschenrechte« gäbe, die niemand wagen dürfe anzutasten, der nicht ein Hundsfott oder Lump sein wollte. In den »Räubern« und in »Kabale und Liebe« zog Schiller gegen die Tyrannen vom Leder.

Und es ist nicht zu verwundern, wenn Karl Eugen von Württemberg sich dieser Richtung gegenüber ähnlich äußerte wie später Wilhelm II.: »Die ganze Richtung paßt mir nicht!« Schiller wurde 1782 vierzehn Tage in »Schutzhaft« genommen; als der Fürst ihm wenig später überhaupt untersagte, weiterhin »Komödien« zu schreiben, machte Schiller dieser Komödie ein Ende und floh aus Württemberg ins Ausland.

Sein Gesinnungsgenosse, der Schwabe Christian Schubart (1739 bis 1791), mußte die Auflehnung gegen die Tyrannei mit einer zehnjährigen Gefangenschaft auf dem Hohenasperg büßen. Er schleuderte den Fürsten die Verse der »Fürstengruft« wie Pfeile entgegen.

Jakob Reinhold Lenz (aus Seßwegen, 1751 bis 1792) schrieb sein Drama »Die Soldaten«, in dem er die Immoralität des Soldatenlebens attackierte. Sein Leben wie sein Dichten zerrann ihm wie Wasser zwischen den Händen. Die Erscheinung Goethes blendete ihn, so daß er die Welt der Erscheinungen nicht mehr zu sehen vermochte und einer utopischen Welt verfiel, die halbe Wahrheit und ganze Dichtung nicht mehr auseinanderzuhalten verstand. Wäre er nur der Lenz geblieben, der er war! Vielleicht, daß er zu einem fruchtbaren Sommer gereift wäre! Aber er wollte ein Goethe werden.

Maximilian Klinger (aus Frankfurt 1752 bis 1831), dessen eines Drama der Bewegung den Namen gab, war eine bedächtigere Natur, obgleich seine Dramen selbst aus allen Fugen zu gehen scheinen. Im reiferen Alter resigniert er. In seinen »Betrachtungen« sind aus den Ungetümen und Unholden, die die Fürsten im Sturm und Drang waren, schwache Menschen geworden wie wir alle. In der Tendenz steht der Satiriker Georg Christoph Lichtenberg (aus Darmstadt, 1742 bis 1799) den Stürmern nahe, besonders in seinen geistvollen politischen Bemerkungen.

Als der eigentliche Prosaiker der Richtung muß Wilhelm Heinse (1749 bis 1803) betrachtet werden. Sein Renaissanceroman »Ardinghello und die glücklichen Inseln« predigt die Idee der Kraft, der Schönheit, der leiblichen und seelischen Nacktheit, der Scham- und Hüllenlosigkeit. Geschrieben in einem bezaubernden Stil, dessen Wohlklang nur noch von Geßner in seinen Idyllen und später von Jean Paul erreicht wird, bezaubert er auch durch die amoralische Anmut seiner Gestalten und durch die tropisch bunte Ausmalung des Schauplatzes. Der Starke hat Recht. Aber er siegt nicht durch seine Stärke, durch rohe Gewalt allein: sie muß sich mit Natürlichkeit, mit Geist, der Mut muß sich mit Anmut paaren. Heinses Genie war eine brünstige Flamme. Aber wer feuersicher ist (und nur der sollte sich ins Feuer wagen), der wird gestählt und gefestigt durch sie hindurchgehen.

Es ist für die Dichter der Sturm- und Drangbewegung bezeichnend, daß sie ausnahmslos ihre größten Würfe im jugendlichen Alter taten: es gilt dies sogar von den Klassikern Herder, Goethe und Schiller. Den Beginn machte Gerstenbergs »Ugolino« im Jahre 1767, eine prachtvolle dramatische Studie voll Farbe und Spannung, die durch die Kraßheit, mit der sie eine Art Morphologie des Hungers entwarf, größtes Befremden erregte. Gerstenberg war um etwa ein Jahrzehnt älter als die übrigen Originalgenies und starb erst im Jahre 1823 mit sechsundachtzig Jahren, hat aber nach diesem verheißungsvollen Auftakt nichts von Bedeutung mehr produziert. Der Göttinger »Hain«, ein Bund exaltierter junger Leute, gegründet 1772, suchte die alte Skaldenpoesie zu erneuern und schwärmte für Freiheit, Vaterland, Tugend und Klopstock. Die Mitglieder der eigentlichen Sturm- und Dranggruppe, die mit dem »Hain« nur äußerlich in Berührung stand, sind alle um die Mitte des Jahrhunderts geboren und wurden vielfach auch »Goethianer« genannt, weil man den Führer der ganzen Bewegung in Goethe erblickte, der sich aber bekanntlich sehr bald von ihr zurückzog. Die Werke erschienen anonym, und es ist ergötzlich zu beobachten, wie selbst Kenner in der Feststellung des Verfassers fehlgriffen. Lessing glaubte, daß Leisewitzens »Julius von Tarent« von Goethe und Wagners »Kindermörderin« von Lenz sei, einige Gedichte Lenzens sind in fast alle Goetheausgaben übergegangen, seine »Soldaten« galten allgemein für ein Werk Klingers, dafür wurde Klingers »leidendes Weib« noch von Tieck in Lenzens gesammelte Werke eingereiht, während bei Klingers »neuer Arria« Gleim und Schubart auf Goethe rieten und Lenzens »Hofmeister« von Klopstock, Voß und aller Welt ebenfalls Goethe zugeschrieben, ja sogar von vielen für dessen bedeutendstes Drama erklärt wurde. In der Tat ist Lenz nächst Goethe der weitaus interessanteste Dichter der Generation. Dieser nannte ihn »das seltsamste und indefinibelste Individuum« und Lavater sagte, Lenzens Stärke und Schwäche treffend zusammenfassend: »er verspritzt vor Genie«. Er erinnert in mancher Beziehung an Wedekind. In seinen Dramen herrscht eine wüste und doch kalte Sexualität, eine gehetzte Bilderflucht und Gedankenflucht, die aber gerade eine eminent dramatische Atmosphäre schafft, ein ins Pathologische und Karikaturistische gesteigerter Naturalismus, der den Figuren eine höchst eigentümliche Grelle und Panoptikumstarrheit verleiht, und ein aus Amoralität geborener Moralismus, der vor den schockantesten Motiven nicht zurückschreckt: in den »Soldaten« ist die Heldin eine Hure und der »Hofmeister« schließt damit, daß der Titelheld sich kastriert. Lenzens Stücke, die er selbst in der Erkenntnis, daß sie ein Mischgenre darstellten, Komödien nannte, erfüllten vollkommen die Forderung, die er 1774 in seinen »Anmerkungen über das Theater« an das Drama stellte: ein »Raritätenkasten« zu sein; der vorzügliche Ausdruck stammte eigentlich von Goethe, den er überhaupt in allem zu kopieren suchte. Er verliebte sich in Friederike Brion und Frau von Stein, stand in engem Freundschaftsverkehr mit Schlosser und Cornelia, traf in einigen seiner Gedichte täuschend den Ton des jungen Goethe und wollte in Weimar ebenfalls die Hofkarriere ergreifen. Karl August nannte ihn daher den Affen Goethes. Doch unterschied er sich von diesem, ganz abgesehen von allem andern, allein schon durch einen abnormen Mangel an menschlichem Fond und psychologischem Takt, der sein Leben nach kurzem Aufstieg ins Dunkel des Wahnsinns und der Vergessenheit schleuderte.

Eine alle Grenzen überspringende und doch im Grunde nur künstlich erzwungene Maßlosigkeit war auch der Grundzug Klingers. Wieland nannte ihn »Löwenblutsäufer« und er selbst schrieb in einem Brief vom Jahre 1775: »Mich zerreißen Leidenschaften, jeden anderen müßte es niederschmeißen ... ich möchte jeden Augenblick das Menschengeschlecht und alles, was wimmelt und lebt, dem Chaos zu fressen geben und mich nachstürzen.« Seine Gestalten leben in einer permanenten Siedehitze; seine Sprache erstickt in einem dicken Nebel von verstiegensten Tropen und widersinnigsten Wendungen. Später ging er nach Petersburg, wo er zum General und Liebling des Zaren avancierte, ziemlich zahme vielgelesene Romane schrieb und in hohem Alter starb. Von seinen Jugenddichtungen sagte er 1785: »Ich kann heut über meine früheren Werke so gut lachen, als einer; aber so viel ist wahr, daß jeder junge Mann die Welt mehr oder weniger als Dichter und Träumer ansieht. Man sieht alles höher, edler, vollkommener; freilich verwirrter, wilder und übertriebener.«

Heinrich Leopold Wagner war ein roher und krasser, aber sehr kräftiger Naturalist. Sein Drama »Die Reue nach der Tat« hatte unter Schröder, der ihm den kitschigen Titel »Familienstolz« gab, einen großen Erfolg. Er starb schon 1779. Der Maler Friedrich Müller, in der Literaturgeschichte unter dem Namen »Maler Müller« bekannt, schrieb ein Faustfragment und ein Schauspiel »Golo und Genoveva«: fein kolorierte, halb realistische, halb lyrische Szenenreihen, geschmackvoller, aber auch blasser als die der anderen. Der schwächste, gemäßigteste und daher erfolgreichste der Gruppe war Leisewitz.

1773 erschien Bürgers »Lenore«, eine der stärksten deutschen Balladen. Diese Dichtungsgattung erreichte überhaupt damals eine hohe Blüte: sie kommt von der »Moritat« der Jahrmarktsbuden her und ist eben darum ein volkstümliches, farbiges und lebenskräftiges Genre, ein lyrisch-episches Pendant zum Drama der Geniezeit. Der erste Musiker, der die geheimnisvoll düsteren Farben der Ballade wirksam zu treffen wußte, war Johann Rudolf Zumsteeg. Schiller hat an Bürger im Jahr 1791 in der »Allgemeinen Literaturzeitung« eine etwas einseitige Kritik geübt, die großes Aufsehen machte, von Goethe sehr beifällig aufgenommen wurde und den Dichter der »Lenore« tief verstimmte, obgleich sie sich an mehreren Stellen sehr anerkennend, ja bewundernd äußert und ihm nur die letzte Kunstreife abspricht.

Sturm und Drang ist eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der Aufklärung, die etwa von 1765 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30-jährigen Autoren getragen wurde. Diese Strömung wird auch als Geniezeit oder Genieperiode bezeichnet.

Die Bezeichnung Sturm und Drang kam in den 1820er Jahren auf. Sie geht auf die 1776 verfasste, 1777 veröffentlichte Komödie Sturm und Drang des deutschen Dichters Friedrich Maximilian Klinger zurück – und damit letztlich auf den aus Winterthur stammenden „Genieapostel“ Christoph Kaufmann (1753–1795). Er hatte Klinger gedrängt, sein Schauspiel so zu nennen, anstelle des ursprünglichen Titels Wirrwarr. Die Uraufführung fand in Leipzig am 1. April 1777 durch die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft statt.

Das Persönlichkeitsideal dieser jungen Generation in der deutschen Literatur wendete sich gegen Autorität und Tradition. An Stelle einer erlernbaren Regelpoetik, die man in Dichterakademien lernen konnte, setzten die „jungen Wilden“ die Selbstständigkeit des Original-Genies, das sein Erleben und seine Erfahrungen in eine individuelle künstlerische Form brachte, die mit den Regeln der traditionellen Poetik sehr frei umging. Man bezweifelte die Maßgeblichkeit der ratio und begann die emotio ins Zentrum zu rücken.

Die exaltierte, ungebändigte und doch gefühls- und ausdrucksstarke Sprache des Sturm und Drang war voller Ausrufe, halber Sätze und forcierter Kraftausdrücke und neigte zum derbrealistisch Volkstümlichen. Man nahm kein Blatt mehr vor den Mund und brachte die Sprache des Volkes und der Jugend auf die Bühnen. Die Frontstellung der jungen Schriftsteller gegen eine aristokratische Hofkultur nach französischem Vorbild sowie ihre Sympathie für Begriffe wie Natur, Herz und Volk fielen bereits den Zeitgenossen auf. Eine eigenständige „Jugendkultur“ in der Literatur war entstanden.

Johann Georg Hamann

Inhaltsverzeichnis

Sokratische Denkwürdigkeiten

Inhaltsverzeichnis

Mit einer doppelten Zuschrift an Niemand und an Zween.

An das Publicum, oder Niemand, den Kundbaren.

An die Zween.

Einleitung.

Erster Abschnitt.

Zweyter Abschnitt.

Dritter Abschnitt.

Mit einer doppelten Zuschrift an Niemand und an Zween.

Inhaltsverzeichnis

O curas hominum! o quantum est in rebus inane!

Quis leget haec? – – – Min' tu istud ais? – –

Nemo hercule – – Nemo? –

Vel DVO vel NEMO – – –

Pers.

Amsterdam, 1759.

An das Publicum,
oder
Niemand, den Kundbaren.

Inhaltsverzeichnis

– οδ' ΟΥΤΙΣ, που 'στιν; – –

Eurip. Κυκλοψ.

Du führst einen Namen, und brauchst keinen Beweis Deines Daseyns, Du findest Glauben, und thust keine Zeichen denselben zu verdienen, Du erhältst Ehre, und hast weder Begrif noch Gefühl davon. Wir wissen, daß es keinen Götzen in der Welt giebt. Ein Mensch bist Du auch nicht; doch must Du ein menschlich Bild seyn, das der Aberglaube vergöttert hat. Es fehlt Dir nicht an Augen und Ohren, die aber nicht sehen, nicht hören; und das künstliche Auge, das Du machst, das künstliche Ohr, das Du pflanzest, ist, gleich den Deinigen, blind und taub. Du must alles wissen, und lernst nichts; Du must alles richten , und verstehst nichts, lernst immerdar, und kannst nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen; Du dichtest, hast zu schaffen, bist über Feld, oder schläfst vielleicht, wenn Deine Priester laut ruffen, und Du ihnen und ihrem Spötter mit Feuer antworten solltest. Dir werden täglich Opfer gebracht, die andere auf Deine Rechnung verzehren, um aus Deinen starken Mahlzeiten Dein Leben wahrscheinlich zu machen. So eckel Du bist, nimmst Du doch mit allem für lieb, wenn man nur nicht leer vor Dir erscheint. Ich werfe mich wie der Philosoph zu den erhörenden Füssen eines Tyrannen. Meine Gabe besteht in nichts als Küchlein, von denen ein Gott, wie Du, einst barst. Überlaß sie daher einem Paar Deiner Anbeter, die ich durch diese Pillen von dem Dienst Deiner Eitelkeit zu reinigen wünsche.

Weil Du die Züge menschlicher Unwissenheit und Neugierde an Deinem Gesichte trägst; so will ich Dir beichten, wer die Zween sind, denen ich durch Deine Hände diesen frommen Betrug spielen will. Der erste arbeitet am Stein der Weisen, wie ein Menschenfreund, der ihn für ein Mittel ansieht, den Fleiß, die bürgerliche Tugenden und das Wohl des gemeinen Wesens zu befördern. Ich habe für ihn in der mystischen Sprache eines Sophisten geschrieben; weil Weisheit immer das verborgenste Geheimnis der Politick bleiben wird, wenn gleich die Alchymie zu ihren Zweck kommt, alle die Menschen reich zu machen, welche durch des Marqvis von Mirabeau fruchtbare Maximen bald! Frankreich bevölkern müssen. Nach dem heutigen Plan der Welt bleibt die Kunst Gold zu machen also mit Recht das höchste Project und höchste Gut unserer Staatsklugen.

Der andere möchte einen so allgemeinen Weltweisen und guten Münzwaradein abgeben, als Newton war. Kein Theil der Kritick ist sicherer, als die man für Gold und Silber erfunden hat. Daher kann die Verwirrung in dem Münzwesen Deutschlands so groß nicht seyn, als die in die Lehrbücher eingeschlichen, so unter uns gang und gebe sind. Es fehlt uns an richtigen Verhältnis-Tabellen, die uns bestimmen, wie viellöthig an Korn und Schrot ein Einfall seyn müsse, wenn er eine Wahrheit gelten soll u. s. w.

Ω Ζευ, τι δη χρυσον μεν ος κιβδηλος η,

Τεκμηρι' ανθρωποισιν ωπασας σαφη

Ανδρων δ' οτω χρη τον κακον διειδεναι

Ουδεις χαρακτηρ εμπεφυκε σωματι

Euripides Medea.

Weil diese Küchlein nicht gekaut, sondern geschluckt werden müssen, gleich denjenigen, so die Cosmische Familie zu Florenz in ihr Wapen aufnahm; so sind sie nicht für den Geschmack gemacht. Was ihre Wirkungen anbetrift; so lernte bey einem ähnlichen Gefühl derselben Vespasian zuerst das Glück Deines Namens erkennen, und soll auf einem Stuhl, der nicht sein Thron war, ausgeruffen haben: VTI PVTO, DEVS FIO!

An die Zween.

Inhaltsverzeichnis

– – σμικρα μεν ταδ', αλλ' ομως

α 'χω – – –

Sophocles in Electra.

Das Publicum in Griechenland laß die Denkwürdigkeiten des Aristoteles über die Naturgeschichte der Thiere, und Alexander verstand sie. Wo ein gemeiner Leser nichts als Schimmel sehen möchte, wird der Affect der Freundschaft Ihnen, Meine Herren, in diesen Blättern vielleicht ein mikroskopisch Wäldchen entdecken.

Ich habe über den Sokrates auf eine sokratische Art geschrieben. Die Analogie war die Seele seiner Schlüsse, und er gab ihnen die Ironie zu ihrem Leibe. Ungewißheit und Zuversicht mögen mir so eigenthümlich seyn als sie wollen; so müssen sie hier doch als ästhetische Nachahmungen betrachtet werden.

In den Werken des Xenophons herrscht eine abergläubische, und in Platons eine schwärmerische Andacht; eine Ader ähnlicher Empfindungen läuft daher durch alle Theile dieser mimischen Arbeit. Es würde mir am leichtesten gewesen seyn denen Heyden in ihrer Freymüthigkeit hierin näher zu kommen; ich habe mich aber bequemen müssen meiner Religion den Schleyer zu borgen, den ein patriotischer St. John und platonischer Shaftesbury für ihren Unglauben und Misglauben gewebt haben.

Sokrates war, meine Herren, kein gemeiner Kunstrichter. Er unterschied in den Schriften des Heraklitus, dasjenige, was er nicht verstand, von dem, was er darin verstand, und that eine sehr billige und bescheidene Vermuthung von dem Verständlichen auf das Unverständliche. Bey dieser Gelegenheit redete Sokrates von Lesern, welche schwimmen könnten. Ein Zusammenfluß von Ideen und Empfindungen in jener lebenden Elegie vom Philosophen machte desselben Sätze vielleicht zu einer Menge kleiner Inseln, zu deren Gemeinschaft Brücken und Fähren der Methode fehlten.

Da Sie beyde meine Freunde sind; so wird mir Ihr partheyisch Lob und Ihr partheyischer Tadel gleich angenehm seyn. Ich bin etc.

Einleitung.

Inhaltsverzeichnis

Der Geschichte der Philosophie ist es wie der Bildsäule des französischen Staatsministers ergangen. Ein grosser Künstler zeigte seinen Meissel daran; ein Monarch, der Name eines ganzen Jahrhunderts, gab die Unkosten zum Denkmal und bewunderte das Geschöpf seines Unterthanen; der Scythe aber, der auf sein Handwerk reisete, und wie Noah oder der Galiläer des Projektmachers, Julians, ein Zimmermann wurde, um der Gott seines Volks zu seyn, dieser Scythe begieng eine Schwachheit, deren Andenken ihn allein verewigen könnte. Er lief auf den Marmor zu, both grosmüthig dem stummen Stein die Hälfte seines weiten Reichs an, wenn er ihn lehren wollte, die andere Hälfte zu regieren. Sollte unsere Historie Mythologie werden; so wird diese Umarmung eines leblosen Lehrers, der ohne Eigennutz Wunder der Erfüllung gethan, in ein Mährchen verwandelt seyn, das den Reliquien von Pygmalions Leben ähnlich sehen wird. Ein Schöpfer seines Volkes in der Sprache unsers Witzes wird nach einer undenklichen Zeit eben so poetisch verstanden werden müssen, als ein Bildhauer seines Weibes.

Es giebt in dem Tempel der Gelehrsamkeit würklich einen Götzen, der unter seinem Bilde die Aufschrift der philosophischen Geschichte trägt; und dem es an Hohenpriestern und Leviten nicht gefehlt. Stanley und Brucker haben uns Kolossen geliefert, die eben so sonderbar und unvollendet sind als jenes Bild der Schönheit, das ein Grieche aus den Reitzen aller Schönen, deren Eindruck ihm Absicht und Zufall verschaffen konnte, zusammensetzte. Meisterstücke, die von gelehrten Kennern der Künste immer sehr möchten bewundert und gesucht; von Klugen hingegen als abentheuerliche Gewächse und Chimären in der Stille belacht oder auch für die lange Weile und in theatralischen Zeichnungen nachgeahmt werden.

Weil Stanley ein Britte und Brucker ein Schwabe ist: so haben sie beyde die lange Weile des Publicums zu ihrem Ruhm vertrieben; wiewohl das Publicum auch für die Gefälligkeit, womit es die ungleichen Fehler dieser national Schriftsteller übersehen, gelobt zu werden verdient.

Deslandes, ein Autor von encyclischen Witz hat eine chinesische Kaminpuppe für das Kabinet des gallicanischen Geschmacks hervorgebracht. Der Schöpfer der schönen Natur scheint die grösten Köpfe Frankreichs, wie Jupiter ehmals die Cyclopen zur Schmiede der Strahlen und Schwärmer verdammt zu haben, die er zum tauben Wetterleuchten und ätherischen Feuerwerken nöthig hat.

Aus denen Urtheilen, die ich über alle diese ehrliche und feine Versuche von einem kritischen System der philosophischen Geschichte gefällt, läßt sich mehr als wahrscheinlich schlüßen, daß ich keines davon gelesen; sondern blos den Schwung und Ton des gelehrten Haufens nachzuahmen, und denenjenigen, zu deren Besten ich schreibe, durch ihre Nachahmung zu schmäucheln suche. Unterdessen glaube ich zuverläßiger, daß unsere Philosophie eine andere Gestalt nothwendig haben müste, wenn man die Schicksale dieses Namens oder Wortes: Philosophie, nach den Schattierungen der Zeiten, Köpfe, Geschlechter und Völker, nicht wie ein Gelehrter oder Weltweiser selbst, sondern als ein müßiger Zuschauer ihrer olympischen Spiele studiert hätte oder zu studieren wüste ως γραφευς τ' αποσταθεις.

Ein Phrygier, wie Äsop, der sich nach den Gesetzen seines Klima, wie man jetzt redt, Zeit nehmen muste, klug zu werden, und ein so natürlicher Tropf, als ein La Fontaine, der sich besser in die Denkungsart der Thiere als der Menschen zu schicken und zu verwandeln wuste, würden uns an statt gemalter Philosophen oder ihrer zierlich verstümmelter Brustbilder, ganz andere Geschöpfe zeigen, und ihre Sitten und Sprüche, die Legenden ihrer Lehren und Thaten mit Farben nachahmen, die dem Leben näher kämen.

Doch sind vielleicht die philosophischen Chroniken und Bildergallerien weniger zu tadeln, als der schlechte Gebrauch, den ihre Liebhaber davon machen. Ein wenig Schwärmerey und Aberglauben würde hier nicht nur Nachsicht verdienen, sondern etwas von diesem Sauerteige gehört dazu, um die Seele zu einem philosophischen Heroismus in Gährung zu setzen. Ein durstiger Ehrgeitz nach Wahrheit und Tugend, und eine Eroberungswuth aller Lügen und Laster, die nämlich nicht dafür erkannt werden, noch seyn wollen; hierinn besteht der Heldengeist eines Weltweisen.

Wenn Cäsar Trähnen vergießt bey der Säule des macedonischen Jünglings, und dieser bey dem Grabe Achills mit Eyfersucht an einen Herold des Ruhms denkt, wie der blinde Minnesänger war: so biegt ein Erasmus im Spott sein Knie für den heiligen Sokrates, und die hellenistische Muse unsers von Bar muß den komischen Schatten eines Thomas Diafoirus beunruhigen, um uns die unterirrdische Wahrheit zu predigen; daß es göttliche Menschen unter den Heyden gab, daß wir die Wolke dieser Zeugen nicht verachten sollen, daß sie der Himmel zu seinen Boten und Dollmetschern salbte, und zu eben den Beruf unter ihrem Geschlechte einweihte, den die Propheten unter den Juden hatten.

Wie die Natur uns gegeben, unsere Augen zu öfnen; so die Geschichte, unsere Ohren. Einen Körper und eine Begebenheit bis auf ihre ersten Elemente zergliedern, heißt, Gottes unsichtbares Wesen, seine ewige Kraft und Gottheit ertappen wollen. Wer Mose und den Propheten nicht glaubt, wird daher immer ein Dichter, wieder sein Wissen und Wollen, wie Buffon über die Geschichte der Schöpfung und Montesquieu über die Geschichte des Römischen Reichs.

Wenn kein junger Sperling ohne unsern Gott auf die Erde fällt; so ist kein Denkmal alter Zeiten für uns verloren gegangen, das wir zu beklagen hätten. Sollte seine Vorsorge sich nicht über Schriften erstrecken, da Er Selbst ein Schriftsteller geworden, und der Geist Gottes so genau gewesen den Werth der ersten verbotenen Bücher aufzuzeichnen, die ein frommer Eyfer unserer Religion dem Feuer geopfert? Wir bewundern es an Pompejus als eine kluge und edle Handlung, daß er die Schriften seines Feindes Sertorius aus dem Wege räumte; warum nicht an unserm HErrn, daß er die Schriften eines Celsus untergehen lassen? Ich meyne also nicht ohne Grund, daß Gott für alle Bücher, woran uns was gelegen, wenigstens so viel Aufmerksamkeit getragen als Cäsar für die beschriebene Rolle, mit der er in die See sprang, oder Paulus für sein Pergamen zu Troada.

Hatte der Künstler, welcher mit einer Linse durch ein Nadelöhr traf, nicht an einen Scheffel Linsen genung zur Übung seiner erworbenen Geschicklichkeit? Diese Frage möchte man an alle Gelehrte thun, welche die Werke der Alten nicht klüger, als jener die Linsen, zu brauchen wißen. Wenn wir mehr hätten, als uns die Zeit hat schenken wollen; so würden wir selbst genöthiget werden unsere Ladungen über Bord zu werfen, unsere Bibliothecken in Brand zu stecken, oder es wie die Holländer mit dem Gewürz zu machen.

Mich wundert daß noch keiner soviel über die Historie gewagt, als Bacon für die Physik gethan. Bollingbroke giebt seinem Schüler den Rath, die ältere Geschichte überhaupt wie die heydnische Götterlehre und als ein poetisch Wörterbuch zu studieren. Doch vielleicht ist die ganze Historie mehr Mythologie, als es dieser Philosoph meynt, und gleich der Natur ein versiegelt Buch, ein verdecktes Zeugnis, ein Räthsel, das sich nicht auflösen läßt, ohne mit einem andern Kalbe, als unserer Vernunft zu pflügen.

Meine Absicht ist es nicht, ein Historiograph des Sokrates zu seyn; ich schreibe blos seine Denkwürdigkeiten wie Düclos dergleichen zur Geschichte des XVIIIten Jahrhunderts für die lange Weile des schönen Publicums herausgegeben.

Es liesse sich freylich ein so sinnreicher Versuch über das Leben Sokrates schreiben als Blackwell über den Homer geliefert. Sollte der Vater der Weltweisheit nicht dieser Ehre näher gewesen seyn als der Vater der Dichtkunst? Was Cooper herausgegeben ist nichts als eine Schulübung, die den Eckel so wohl einer Lob- als Streit-Schrift mit sich führt.

Sokrates besuchte öfters die Werkstätte eines Gerbers, der sein Freund war, und wie der Wirth des Apostel Petrus zu Joppe Simon hieß. Der Handwerker hatte den ersten Einfall die Gespräche des Sokrates aufzuschreiben. Dieser erkannte sich vielleicht in denselben besser als in Platons, bey deren Lesung er gestutzt und gefragt haben soll: Was hat dieser junge Mensch im Sinn aus mir zu machen? – – Wenn ich nur so gut als Simon der Gerber meinen Held verstehe!

Erster Abschnitt.

Inhaltsverzeichnis

Sokrates hatte nicht umsonst einen Bildhauer und eine Wehmutter zu Eltern gehabt. Sein Unterricht ist jederzeit mit den Hebammenkünsten verglichen worden. Man vergnügt sich noch diesen Einfall zu wiederholen, ohne daß man selbigen als das Saamkorn einer fruchtbaren Wahrheit hätte aufgehen lassen. Dieser Ausdruck ist nicht blos tropisch, sondern zugleich ein Knäuel vortreflicher Begriffe, die jeder Lehrer zum Leitfaden in der Erziehung des Verstandes nöthig hat. Wie der Mensch nach der Gleichheit Gottes erschaffen worden, so scheint der Leib eine Figur oder Bild der Seelen zu seyn. Wenn uns unser Gebein verholen ist, weil wir im Verborgenen gemacht, weil wir gebildet werden unten in der Erde; wie viel mehr werden unsere Begriffe im Verborgenen gemacht, und können als Gliedmassen unsers Verstandes betrachtet werden. Daß ich sie Gliedmaassen des Verstandes nenne, hindert nicht, jeden Begrif als eine besondere und ganze Geburt selbst anzusehen. Sokrates war also bescheiden genung seine Schulweisheit mit der Kunst eines alten Weibes zu vergleichen, welches blos der Arbeit der Mutter und ihrer zeitigen Frucht zu Hülfe kommt, und beyden Handreichung thut.

Die Kraft der Trägheit und die ihr entgegengesetzt scheinende Kraft des Stolzes, die man durch so viel Erscheinungen und Beobachtungen veranlasset worden in unserm Willen anzunehmen, bringen die Unwissenheit, und die daraus entspringende Irrthümer und Vorurtheile nebst allen ihren schwesterlichen Leidenschaften hervor. Von dieser Seite ahmte also Sokrates seinen Vater nach, einen Bildhauer, der, indem er wegnimmt und hauet, was am Holze nicht seyn soll, eben dadurch die Form des Bildes fördert. Daher hatten die grossen Männer seiner Zeit zureichenden Grund über ihn zu schreyen, daß er alle Eichen ihrer Wälder fälle, alle ihre Klötzer verderbe, und aus ihrem Holze nichts als Späne zu machen verstünde.

Sokrates wurde vermuthlich ein Bildhauer, weil sein Vater einer war. Daß er in dieser Kunst nicht mittelmässig geblieben, hat man daraus geschlossen, weil zu Athen seine drey Bildsäulen der Gratien aufgehoben worden. Man war ehmals gewohnt gewesen diese Göttinnen zu kleiden; den altväterischen Gebrauch hatte Sokrates nachgeahmt, und seine Gratien wiedersprachen der Costume des damaligen Göttersystems und der sich darauf gründenden schönen Künste. Wie Sokrates auf diese Neuerung gekommen; ob es eine Eingebung seines Genius, oder eine Eitelkeit seine Arbeiten zu unterscheiden, oder die Einfalt einer natürlichen Schaamhaftigkeit gewesen, die einem andächtigen Athenienser wunderlich vorkommen muste; weiß ich nicht. Es ist aber nur gar zu wahrscheinlich, daß diese neugekleideten Gratien so wenig ohne Anfechtung werden geblieben seyn als die neugekleideten Gratien unserer heutigen Dichtkunst.

Hier ist der Ort die Übersichtigkeit einiger gegen das menschliche Geschlecht und dessen Aufkommen gar zu witzig gesinnter Patrioten zu ahnden, die sich die Verdienste des Bildhauers im Sokrates so groß vorstellen, daß sie den Weisen darüber verkennen, die den Bildhauer vergöttern um desto füglicher über des Zimmermanns Sohn spotten zu können. Wenn sie in Ernst an Sokrates glauben; so sind seine Sprüche Zeugnisse wieder sie. Diese neuen Athenienser sind Nachkommen seiner Ankläger und Giftmischer, abgeschmacktere Verläumder und grausamere Mörder dann ihre Väter.

Bey der Kunst, in welcher Sokrates erzogen worden, war sein Auge an der Schönheit und ihren Verhältnissen so gewohnt und geübt, daß sein Geschmack an wohlgebildeten Jünglingen uns nicht befremden darf. Wenn man die Zeiten des Heydenthums kennt, in denen er lebte; so ist es eine thörichte Mühe ihn von einem Laster weiß zu brennen, das unsere Christenheit an Sokrates übersehen sollte, wie die artige Welt an einem Toußaint die kleinen Romane seiner Leidenschaften als Schönfleckchen seiner Sitten. Sokrates scheint ein aufrichtiger Mann gewesen zu seyn, dessen Handlungen von dem Grund seines Herzens, und nicht von dein Eindruck, den andere davon haben, bestimmt werden. Er leugnete nicht, daß seine verborgene Neigungen mit den Entdeckungen des Gesichtsdeuters einträfen; er gestand daß dessen Brille recht gesehen hätte. Ein Mensch, der überzeugt ist, daß er nichts weiß, kann, ohne sich selbst Lügen zu strafen, kein Kenner seines guten Herzens seyn. Daß er das ihm beschuldigte Laster gehaßt, wissen wir aus seinem Eyfer gegen dasselbe, und in seiner Geschichte sind Merkmale seiner Unschuld, die ihn bey nahe loßsprechen. Man kann keine lebhafte Freundschaft ohne Sinnlichkeit fühlen, und eine metaphysische Liebe sündigt vielleicht gröber am Nervensaft, als eine thierische an Fleisch und Blut. Sokrates hat also ohne Zweifel für seine Lust an einer Harmonie der äusserlichen und innerlichen Schönheit, in sich selbst leiden und streiten müssen. Überdem wurden Schönheit, Stärke des Leibes und Geistes nebst dem Reichthum an Kindern und Gütern in dem jugendlichen Alter der Welt für Sinnbilder göttlicher Eigenschaften und Fußstapfen göttlicher Gegenwart erklärt. Wir denken jetzt zu abstrakt und männlich die menschliche Natur nach dergleichen Zufälligkeiten zu beurtheilen. Selbst die Religion lehrt uns einen Gott, der kein Ansehen der Person hat; ohngeachtet der Misverstand des Gesetzes die Juden an gleiche Vorurtheile hierinn mit den Heyden gebunden hielt. Ihre gesunde Vernunft, woran es den Juden und Griechen so wenig fehlte als unsern Christen und Muselmännern, stieß sich daran, daß der Schönste unter den Menschenkindern ihnen zum Erlöser versprochen war, und daß ein Mann der Schmerzen, voller Wunden und Striemen, der Held ihrer Erwartung seyn sollte. Die Heyden waren durch die klugen Fabeln ihrer Dichter an dergleichen Wiedersprüchen gewohnt; bis ihre Sophisten, wie unsere, solche als einen Vatermord verdammten, den man an den ersten Grundsätzen der menschlichen Erkenntnis begeht.

Von solchem Wiederspruch finden wir ein Beyspiel an dem Delphischen Orakel, das denjenigen für den weisesten erkannte, der gleichwol von sich gestand, daß er nichts wisse. Strafte Sokrates das Orakel Lügen, oder das Orakel ihn? Die stärksten Geister unserer Zeit haben für diesmal die Priesterinn für eine Wahrsagerinn gehalten, und sich innerlich über ihre Ähnlichkeit mit dem Vater Sokrates gefreut, der es für gleich anständig hielt einen Idioten zu spielen oder Göttern zu glauben. Ist übrigens der Verdacht gegründet, daß sich Apoll nach den Menschen richte, weil diese zu dumm sind sich nach ihn zu richten: so handelt er als ein Gott, dem es leichter fällt zu philippisiren oder zu sokratisiren als uns Apollos zu seyn.

Die Überlieferung eines Götterspruches will aber so wenig als ein Komet sagen für einen Philosophen von heutigem Geschmack. Wir müssen nach seiner Meynung in dem Buche, welches das thörichste Volk auf uns gebracht, und in den Überbleibseln der Griechen und Römer, so bald es auf Orakel, Erscheinungen, Träume und dergleichen Meteoren ankommt, diese Mährchen unserer Kinder und Ammen (denn Kinder und Ammen sind alle verfloßne Jahrhunderte gegen unser lebendes in der Kunst zu erfahren und zu denken) absondern, oder selbige als die Schnörkel unserer Alpendichter bewundern. Gesetzt, dieses würde alles so reichlich eingeräumt; als man unverschämt seyn könte es zu fordern: so wird Bayle, einer ihrer Propheten, zu dessen Füssen diese Kreter mit so viel Anstand zu gähnen gewohnt sind, weil ihr Gamaliel gähnt, diesen Zweiflern antworten; daß, wenn alle diese Begebenheiten mit dem Einfluß der Gestirne in gleichem Grade der Falschheit stehen, wenn alles gleichartig erlogen und erdacht ist, dennoch der Wahn, die Einbildung und der Glaube daran zu ihrer Zeit und an ihrem Ort würklich grössere Wunder veranlaßt habe und veranlassen könne, als man den Kometen, Orakelsprüchen und Träumen selbst jemals zugeschrieben hat noch zuschreiben wird. In diesem Verstande sollten aber die Zweifler mehr Recht als unsere Empyriker behalten, weil es menschlicher und Gott anständiger aussieht, uns durch unsere eigene Grillen und Hirngespinste, als durch eine so entfernte und kostbare Maschinerey wie das Firmament unseren blöden Augen vorkommt, zu seinen Absichten zu regieren.

Zweyter Abschnitt.

Inhaltsverzeichnis

Ein Mann, der Geld zu verlieren hatte, und vermuthlich auch Geld zu verlieren verstand, den die Geschichte Kriton nennt, soll die Unkosten getragen haben unsern Bildhauer in einen Sophisten zu verwandeln. Wer der etymologischen Mine seines Namens traut, wird diesen Anschlag einem weitsehenden Urtheil, ein leichtgläubiger Schüler der täglichen Erfahrung hingegen einem blinden Geschmack an Sokrates zu schreiben.

Die Reyhe der Lehrmeister und Lehrmeisterinnen, die man dem Sokrates giebt, und die Kriton ohne Zweifel besolden muste, ist ansehnlich genung; und doch blieb Sokrates unwissend. Das freche Geständniß darin war gewissermassen eine Beleidigung, die man aber dem aufrichtigen Klienten und Kandidaten scheint vergeben zu haben, weil sie auf ihn selbst am schwersten zurück fiel. Das Loos der Unwissenheit und die Blöße derselben macht eben so unversöhnliche Feinde als die Überlegenheit an Verdiensten und die Schau davon. War Sokrates wirklich unwissend, so muste ihm auch die Schande unwissend seyn, die vernünftige Leute sich ergrübeln, unwissend zu scheinen.

Ein Mensch, der nichts weiß und der nichts hat, sind Zwillinge eines Schicksals. Der Fürwitzige und Argwöhnische zeichnen und foltern den ersten als einen Betrüger; wie der Gläubiger und Räuber den letzten, unterdessen der Bauerstolz des reichen Polyhistors beyde verachtet. Eben daher bleibt die philosophische Göttin des Glücks eine bewährte Freundinn des Dummen, und durch ihre Vorsorge entgehen die Einfälle des Armen den Motten länger als blanke Kleider und rauschende Schlafröcke, als die Hypothesen und Formeln der Kalender-System- und Projektmacher der Stern- und Staatsseher.

Sokrates scheint von seiner Unwissenheit so viel geredt zu haben als ein Hypochondriaker von seiner eingebildeten Krankheit. Wie man dies Übel selbst kennen muß um einen Milzsüchtigen zu verstehen und aus ihm klug zu werden; so gehört vielleicht eine Sympathie der Unwissenheit dazu von der sokratischen einen Begrif zu haben.

Erkenne dich selbst! sagte die Thür jenes berühmten Tempels allen denen, die hereingiengen dem Gott der Weisheit zu opfern und ihn über ihre kleinen Händel um Rath zu fragen. Alle lasen, bewunderten und wusten auswendig diesen Spruch. Man trug ihn wie der Stein, in den er gegraben war, vor der Stirn, ohne den Sinn davon zu begreifen. Der Gott lachte ohne Zweifel unter seinen güldenen Bart, als ihm die küzliche Aufgabe zu Sokrates Zeiten vorgelegt wurde: Wer der weiseste unter allen damals lebenden Menschen wäre? Sophokles und Euripides würden nicht so grosse Muster für die Schaubühne, ohne Zergliederungskunst des menschlichen Herzens, geworden seyn. Sokrates übertraf sie aber beyde an Weisheit, weil er in der Selbsterkenntnis weiter als jene gekommen war, und wuste, daß er nichts wuste. Apoll antwortete jedem schon vor der Schwelle; wer weise wäre und wie man es werden könne? jetzt war die Frage übrig: Wer Sich Selbst erkenne? und woran man sich in dieser Prüfung zu halten hätte? Geh, Chärephon, lern es von Deinem Freunde. Kein Sterblicher kann die Achtsamkeit und Entäusserung eines Lehrmeisters sittsamer treiben, als womit Apoll seine Anbeter zum Verstande seiner Geheimniße gängelte. Alle diese Winke und Bruchstücke der ältesten Geschichte und Tradition bestätigen die Beobachtung, welche Paulus und Barnabas den Lykaoniern vorhielten, daß Gott auch unter ihnen sich selbst nicht unbezeuget gelassen, auch ihnen vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben. Mit wie viel Wahrheit singt also nicht unsere Kirche:

Wohl uns des feinen HErren!

Ein sorgfältiger Ausleger muß die Naturforscher nachahmen. Wie diese einen Körper in allerhand willkührliche Verbindungen mit andern Körpern versetzen und künstliche Erfahrungen erfinden, seine Eigenschaften auszuholen; so macht es jener mit seinem Texte. Ich habe des Sokrates Sprüchwort mit der Delphischen Überschrift zusammen gehalten; jetzt will ich einige andere Versuche thun, die Energie desselben sinnlicher zu machen.

Die Wörter haben ihren Werth, wie die Zahlen von der Stelle, wo sie stehen und ihre Begriffe sind in ihren Bestimmungen und Verhältnissen, gleich den Münzen nach Ort und Zeit wandelbar. Wenn die Schlange der Eva beweiset: Ihr werdet seyn wie Gott, und Jehova weissagt: Siehe! Adam ist worden als Unser einer; wenn Salomo ausruft: Alles ist eitel! und ein alter Geck es ihm nachpfeift: so sieht man, daß einerley Wahrheiten mit einem sehr entgegen gesetzten Geist ausgesprochen werden können.

Überdem leidet jeder Satz, wenn er auch aus einem Munde und Herzen quillt, unendlich viel Nebenbegriffe, welche ihm die geben, so ihn annehmen, auf eben die Art als die Lichtstrahlen diese oder jene Farbe werden nach der Fläche, von der sie in unser Auge zurück fallen. Wenn Sokrates dem Kriton durch sein: Nichts weiß ich! Rechenschaft ablegte, mit eben diesem Worte die gelehrten und neugierigen Athenienser abwieß, und seinen schönen Jünglingen die Verleugnung ihrer Eitelkeit zu erleichtern, und ihr Vertrauen durch seine Gleichheit mit ihnen zu gewinnen suchte: so würden die Umschreibungen, die man nach diesem dreifachen Gesichtspunkte von seinem Wahlspruche machen müste, so ungleich einander aussehen, als bisweilen drey Brüder, die Söhne eines leiblichen Vaters sind.

Wir wollen annehmen, daß wir einem Unbekannten ein Kartenspiel anböthen. Wenn dieser uns antwortete: Ich spiele nicht; so würden wir dies entweder auslegen müssen, daß er das Spiel nicht verstünde, oder eine Abneigung dagegen hätte, die in ökonomischen, sittlichen oder andern Gründen liegen mag. Gesetzt aber ein ehrlicher Mann, von dem man wüste, daß er alle mögliche Stärke im Spiel besässe und in den Regeln so wohl als verbotenen Künsten desselben bewandert wäre, der ein Spiel aber niemals anders als auf den Fuß eines unschuldigen Zeitvertreibes lieben und treiben könnte, würde in einer Gesellschaft von feinen Betrügern, die für gute Spieler gelten, und denen er von beyden Seiten gewachsen wäre, zu einer Parthey mit ihnen aufgefordert. Wenn dieser sagte: Ich spiele nicht, so würden wir mit ihm den Leuten ins Gesicht sehen müssen, mit denen er redet, und seine Worte also ergänzen können: » Ich spiele nicht, nämlich, mit solchen als ihr seyd, welche die Gesetze des Spiels brechen und das Glück desselben stehlen. Wenn ihr ein Spiel anbiethet; so ist unser gegenseitiger Vergleich den Eigensinn des Zufalls für unsern Meister zu erkennen, und ihr nennt die Wissenschaft eurer geschwinden Finger Zufall, und ich muß ihn dafür annehmen, wenn ich will, oder die Gefahr wagen euch zu beleidigen, oder die Schande wählen euch nachzuahmen. Hättet ihr mir den Antrag gethan mit einander zu versuchen, wer der beste Taschenspieler von uns in Karten wäre; so hätte ich anders antworten, und vielleicht mitspielen wollen, um euch zu zeigen, daß ihr so schlecht gelernt habt Karten machen, als ihr versteht die euch gegeben werden nach der Kunst zu werfen.« In diese rauhe Töne läßt sich die Meynung des Sokrates auflösen, wenn er den Sophisten, den Gelehrten seiner Zeit, sagte: Ich weiß nichts. Daher kam es, daß dies Wort ein Dorn in ihren Augen und eine Geissel auf ihren Rücken war. Alle Einfälle des Sokrates, die nichts als Auswürfe und Absonderungen seiner Unwissenheit waren, schienen ihnen so fürchterlich als die Haare an dem Haupte Medusens, dem Nabel der Egide.

Die Unwissenheit des Sokrates war Empfindung. Zwischen Empfindung aber und einen Lehrsatz ist ein grösserer Unterscheid als zwischen einem lebenden Thier und anatomischen Gerippe desselben. Die alten und neuen Skeptiker mögen sich noch so sehr in die Löwenhaut der sokratischen Unwissenheit einwickeln; so verrathen sie sich durch ihre Stimme und Ohren. Wissen sie nichts; was braucht die Welt einen gelehrten Beweis davon? Ihr Heucheltrug ist lächerlich und unverschämt. Wer aber so viel Scharfsinn und Beredsamkeit nöthig hat sich selbst von seiner Unwissenheit zu überführen, muß in seinem Herzen einen mächtigen Wiederwillen gegen die Wahrheit derselben hegen.

Unser eigen Daseyn und die Existentz aller Dinge ausser uns muß geglaubt und kann auf keine andere Art ausgemacht werden. Was ist gewisser als des Menschen Ende, und von welcher Wahrheit gibt es eine allgemeinere und bewährtere Erkenntnis? Niemand ist gleichwol so klug solche zu glauben, als der, wie Moses zuverstehen giebt, von Gott selbst gelehrt wird zu bedenken, daß er sterben müsse. Was man glaubt, hat daher nicht nöthig bewiesen zu werden, und ein Satz kann noch so unumstößlich bewiesen seyn, ohne deswegen geglaubt zu werden.

Es giebt Beweise von Wahrheiten, die so wenig taugen als die Anwendung, die man von den Wahrheiten selbst machen kann; ja man kann den Beweiß eines Satzes glauben ohne dem Satz selbst Beyfall zu geben. Die Gründe eines Hume mögen noch so triftig seyn, und ihre Wiederlegungen immerhin lauter Lehnsätze und Zweifel: so gewinnt und verliert der Glaube gleich viel bey dem geschicktesten Rabulisten und ehrlichsten Sachwalter. Der Glaube ist kein Werk der Vernunft und kann daher auch keinem Angrif derselben unterliegen; weil Glauben so wenig durch Gründe geschieht als Schmecken und Sehen.

Die Beziehung und Übereinstimmung der Begriffe ist eben dasselbe in einer Demonstration, was Verhältnis und Symmetrie der Zahlen und Linien, Schallwürbel und Farben in der musikalischen Composition und Malerey ist. Der Philosoph ist dem Gesetz der Nachahmung so gut unterworfen als der Poet. Für diesen ist seine Muse und ihr Hieroglyphisches Schattenspiel so wahr als die Vernunft und das Lehrgebäude derselben für jenen. Das Schicksal setze den grösten Weltweisen und Dichter in Umstände, wo sie sich beyde selbst fühlen; so verleugnet der eine seine Vernunft und entdeckt uns, daß er keine beste Welt glaubt, so gut er sie auch beweisen kann, und der andere sieht sich seiner Muse und Schutzengel beraubt, bey dem Tode seiner Meta. Die Einbildungskraft, wäre sie ein Sonnenpferd und hätte Flügel der Morgenröthe, kann also keine Schöpferinn des Glaubens seyn.

Ich weiß für des Sokrates Zeugnis von seiner Unwissenheit kein ehrwürdiger Siegel und zugleich keinen bessern Schlüssel als den Orakelspruch des grossen Lehrers der Heyden:

Ει δε τις δοκει ειδεναι τι ουδεπω ουδεν εγνωκε καθως δει γνωναι Ει δε τις αγαπα τον ΘΕΟΝ ουτος εγνωται υπ αυτον.

So jemand sich dünken läßt, er wisse etwas, der weiß noch nichts, wie er wissen soll. So aber jemand Gott liebt, der wird von ihm erkannt. –

– – als Sokrates vom Apoll für einen Weisen. Wie aber das Korn aller unserer natürlichen Weisheit verwesen, in Unwissenheit vergehen muß, und wie aus diesem Tode, aus diesem Nichts das Leben und Wesen einer höheren Erkenntniß neugeschaffen hervorkeimen; so weit reicht die Nase eines Sophisten nicht. Kein Maulwurfshügel, sondern ein Thurn Libanons muß es seyn der nach Damesek gaft.

Was ersetzt bey Homer die Unwissenheit der Kunstregeln, die ein Aristoteles nach ihm erdacht, und was bey einem Shakesspear die Unwissenheit oder Übertretung jener kritischen Gesetze? Das Genie ist die einmüthige Antwort. Sokrates hatte also freylich gut unwissend seyn; er hatte einen Genius, auf dessen Wissenschaft er sich verlassen konnte, den er liebte und fürchtete als seinen Gott, an dessen Frieden ihm mehr gelegen war, als an aller Vernunft der Egypter und Griechen, dessen Stimme er glaubte, und durch dessen Wind, (wie der erfahrne Wurmdoctor Hill uns bewiesen) der leere Verstand eines Sokrates so gut als der Schoos einer reinen Jungfrau, fruchtbar werden kann.

Ob dieser Dämon des Sokrates nichts als eine herrschende Leidenschaft gewesen und bey welchem Namen sie von unsern Sittenlehrern geruffen wird, oder ob er ein Fund seiner Staatslist; ob er ein Engel oder Kobold, eine hervorragende Idea seiner Einbildungskraft, oder ein erschlichner und willkührlich angenommener Begrif einer mathematischen Unwissenheit; ob dieser Dämon nicht vielleicht eine Quecksilberröhre oder den Maschinen ähnlicher gewesen, welchen die Bradleys und Leuwenhoeks ihre Offenbarungen zu verdanken haben; ob man ihn mit dem wahrsagendem Gefühl eines nüchternen Blinden oder mit der Gabe aus Leichdornen und Narben übelgeheilter Wunden die Revolutionen des Wolkenhimmels vorher zu wissen, am bequemsten vergleichen kann: hierüber ist von so vielen Sophisten mit so viel Bündigkeit geschrieben worden, daß man erstaunen muß, wie Sokrates bey der gelobten Erkenntniß seiner Selbst, auch hierinn so unwissend gewesen, daß er einem Simias darauf die Antwort hat schuldig bleiben wollen. Keinem Leser von Geschmack fehlt es in unsern Tagen an Freunden von Genie, die mich der Mühe überheben werden weitläuftiger über den Genius des Sokrates zu seyn.

Aus dieser sokratischen Unwissenheit flüssen als leichte Folgen die Sonderbarkeiten seiner Lehr- und Denkart. Was ist natürlicher, als daß er sich genöthigt sahe immer zu fragen um klüger zu werden; daß er leichtgläubig that, jedes Meynung für wahr annahm, und lieber die Probe der Spötterey und guten Laune als eine ernsthafte Untersuchung anstellte; daß er alle seine Schlüsse sinnlich und nach der Ähnlichkeit machte; Einfälle sagte, weil er keine Dialectick verstand; gleichgültig gegen das, was man Wahrheit hieß, auch keine Leidenschaften, besonders diejenigen nicht kannte, womit sich die Edelsten unter den Atheniensern am meisten wusten; daß er wie alle Idioten, oft so zuversichtlich und entscheidend sprach, als wenn er, unter allen Nachteulen seines Vaterlandes, die einzige wäre, welche der Minerva auf ihrem Helm säße – – Es hat den Sokraten unsers Alters, den kanonischen Lehrern des Publicums und Schutzheiligen falsch berühmter Künste und Verdienste noch nicht glücken wollen, ihr Muster in allen süssen Fehlern zu erreichen. Weil sie von der Urkunde seiner Unwissenheit unendlich abweichen; so muß man alle sinnreichen Lesearten und Glossen ihrs antisokratischen Dämons über unsers Meisters Lehren und Tugenden als Schönheiten freyer Übersetzungen bewundern; und es ist eben so mislich ihnen zu trauen als nachzufolgen.

Jetzt fehlt es mir an dem Geheimnisse der Palingenesie, das unsere Geschichtschreiber in ihrer Gewalt haben, aus der Asche jedes gegebenen Menschen und gemeinen Wesens eine geistige Gestalt heraus zu ziehen, die man einen Charakter oder ein historisch Gemälde nennt. Ein solches Gemälde des Jahrhunderts und der Republik, worinn Sokrates lebte, würde uns zeigen, wie künstlich seine Unwissenheit für den Zustand seines Volkes und seiner Zeit, und zu dem Geschäfte seines Lebens ausgerechnet war. Ich kann nichts mehr thun als der Arm eines Wegweisers und bin zu hölzern meinen Lesern in dem Laufe ihrer Betrachtungen Gesellschaft zu leisten.

Die Athenienser waren neugierig. Ein Unwissender ist der beste Arzt für diese Lustseuche. Sie waren, wie alle neugierige, geneigt mitzutheilen; es muste ihnen also gefallen, gefragt zu werden. Sie besassen aber mehr die Gabe zu erfinden und vorzutragen, als zu behalten und zu urtheilen; daher hatte Sokrates immer Gelegenheit ihr Gedächtnis und ihre Urtheilskraft zu vertreten, und sie für Leichtsinn und Eitelkeit zu warnen. Kurz, Sokrates lockte seine Mitbürger aus den Labyrinthen ihrer gelehrten Sophisten zu einer Wahrheit, die im Verborgenen liegt, zu einer heimlichen Weisheit, und von den Götzenaltären ihrer andächtigen und staatsklugen Priester zum Dienst eines unbekannten Gottes. Plato sagte es den Atheniensern ins Gesicht, daß Sokrates ihnen von den Göttern gegeben wäre sie von ihren Thorheiten zu überzeugen und zu seiner Nachfolge in der Tugend aufzumuntern. Wer den Sokrates unter den Propheten nicht leiden will, den muß man fragen: Wer der Propheten Vater sey? und ob sich unser Gott nicht einen Gott der Heyden genannt und erwiesen?

Dritter Abschnitt.

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Sokrates soll drey Feldzüge mitgemacht haben. In dem ersten hatte ihm sein Alcibiades die Erhaltung des Lebens und der Waffen zu danken, dem er auch den Preis der Tapferkeit, welcher ihm selbst zukam, überließ. In dem zweyten wich er wie ein Parther, fiel seine Verfolger mitten im Weichen an, theilte mehr Furcht aus, als ihm eingejagt wurde und trug seinen Freund Xenophon, der vom Pferde gefallen war, auf den Schultern aus der Gefahr des Schlachtfeldes. Er entgieng der grossen Niederlage des dritten Feldzuges eben so glücklich wie der Pest, die zu seiner Zeit Athen zweymal heimsuchte.

Die Ehrfurcht gegen das Wort in seinem Herzen, auf dessen Laut er immer aufmerksam war, entschuldigte ihn Staatsversammlungen beizuwohnen. Als er lange genung glaubte gelebt zu haben, bot er sich selbst zu einer Stelle im Rath an, worinn er als Mitglied, Altermann und Oberhaupt gesessen, und wo er sich mit seiner Unschicklichkeit in Sammlung der Stimmen und andern Gebräuchen lächerlich, auch mit seinem Eigensinn, den er dem unrechten Verfahren einer Sache entgegen setzen muste, als ein Aufrührer verdächtig gemacht haben soll.

Sokrates wurde aber kein Autor, und hierinn handelte er übereinstimmig mit sich selbst. Wie der Held von der Leuctrischen Schlacht keine Kinder nöthig hatte; so wenig brauchte Sokrates Schriften zu seinem Gedächtnisse. Seine Philosophie schickte sich für jeden Ort und zu jedem Fall. Der Markt, das Feld, ein Gastmal, das Gefängnis waren seine Schulen; und das erste das beste Quodlibet des menschlichen Lebens und Umganges diente ihm den Saamen der Wahrheit auszustreuen. So wenig Schulfüchserey er in seiner Lebensart beschuldigt wird, und so gut er auch die Kunst verstand die besten Gesellschaften selbst von jungen rohen Leuten zu unterhalten, erzählt man gleichwol von ihm, daß er ganze Tage und Nächte unbeweglich gestanden, und einer seiner Bildsäulen ähnlicher als sich selbst gewesen. Seine Bücher würden also vielleicht wie diese seine Soliloquien und Selbst-Gespräche ausgesehen haben. Er lobte einen Spatziergang als eine Suppe zu seinem Abendbrodt; er suchte aber nicht wie ein Peripatetiker die Wahrheit im Herumlaufen und hin- und hergehen.

Daß Sokrates nicht das Talent eines Scribenten gehabt, liesse sich auch aus dem Versuche argwohnen, den er in seinem Gefängnisse auf Angabe eines Traums in der lyrischen Dichtkunst machte. Bey dieser Gelegenheit entdeckte er in sich eine Trockenheit zu erfinden, der er mit den Fabeln des Äsops abzuhelfen wuste. Gleichwol gerieth ihm ein Gesang auf den Apoll und die Diana.

Vielleicht fehlte es ihm auch in seinem Hause an der Ruhe, Stille und Heiterkeit, die ein Philosoph zum Schreiben nöthig hat, der sich und andere dadurch lehren und ergötzen will. Das Vorurtheil gegen Xantippe, das durch den ersten Claßischen Autor unserer Schulen

Xantippe war ein' arge H – –

und 10 mal 10 macht hundert nur.

Sokrates soll in der Bigamie gelebt haben; Xantippe die Mutter des Lamprocles, und Myrto (welche ihm Gesner abspricht) die Mutter des Sophroniscus und Menexenus gewesen seyn.

ansteckend und tief eingewurzelt worden, hat durch die Acta Philosophorum nicht ausgerottet werden können, wie es zum Behuf der Wahrheit und Sittlichkeit zu wünschen wäre. Unterdessen müssen wir fast ein Hauscreutz von dem Schlage annehmen, um einen solchen Weisen als Sokrates zu bilden. Die Reitzbarkeit seiner Einfälle konnte vielleicht aus Mangel und Eckel daran von Xantippen nicht behänder gedämpft werden als durch Grobheiten, Beleidigungen und ihren Nachtspiegel. Einer Frau, welche die Haushaltung eines Philosophen führen, und einem Mann, der die Regierungsgeschäfte unvermögender Großviziere verwalten soll, ist freylich die Zeit zu edel, Wortspiele zu ersinnen und Blumen zu reden. Mit eben sowenig Grunde hat man auch als einer Verläumdung einer ähnlichen Erzählung von Sokrates eigener Heftigkeit wiedersprochen, mit der er sich auf dem Markte bisweilen die Haare aus dem Haupte gerauft und wie außer sich gewesen seyn soll. Gab es nicht Sophisten und Priester zu Athen, mit denen Sokrates in einer solchen Verstellung seiner selbst reden muste? Wurde nicht der sanftmüthige und herzlich demüthige Menschen-Lehrer gedrungen ein Wehe über das andere gegen die Gelehrten und frommen Leute seines Volkes auszustossen?

In Vergleichung eines Xenophons und Platons würde vielleicht der Styl des Sokrates nach den Meissel eines Bildhauers ausgesehen haben und seine Schreibart mehr plastisch als malerisch gewesen seyn. Die Kunstrichter waren mit seinen Anspielungen nicht zufrieden, und tadelten die Gleichnisse seines mündlichen Vortrages bald als zu weit hergeholt, bald als pöbelhaft. Alcibiades aber verglich seine Parabeln gewissen heiligen Bildern der Götter und Göttinnen, die man nach damaliger Mode in einem kleinen Gehäuse trug, auf denen nichts als die Gestalt eines ziegenfüßigen Satyrs zu sehen war.

Hier ist ein Beyspiel davon. Sokrates verglich sich mit einem Arzte, der in einem gemeinen Wesen von Kindern die Kuchen und Leckerbissen verbiethen wollte. Wenn diese Hofbecker, sagte er, den Arzt vor einem Gerichte verklagen möchten, das aus lauter Kindern bestünde: so wäre sein Schicksal entschieden. Man machte zu Athen so viel Anschläge an der Ruhe der Götter Theil zu nehmen, und gleich ihnen weise und glücklich zu werden, als man heut zu Tage macht nach Brodt- und Ehren-Stellen. Jeder neue Götzendienst war eine Finanzgrube der Priester, welche das öffentliche Wohl vermehren sollte; jede neue Secte der Sophisten versprach eine Encyclopedie der gesunden Vernunft und Erfahrung. Diese Projecte waren die Näschereyen, welche Sokrates seinen Mitbürgern zu vereckeln suchte.

Athen, das den Homer als einen Rasenden zu einer Geldbusse verdammt haben soll, verurtheilte den Sokrates als einen Missethäter zum Tode.

Sein erstes Verbrechen war, daß er die Götter nicht geehrt und neue hätte einführen wollen. Plato läßt ihn gleichwol in seinen Gesprächen öfterer bey den Göttern schwören als ein verliebter Stutzer bey seiner Seele oder ein irrender Ritter bey den Furien seiner Ahnen lügt. In den letzten Augenblicken seines Lebens, da Sokrates schon die Kräfte des Gesundbrunnens in seinen Gliedern fühlte, ersuchte er noch aufs anständigste seinen Kriton einen Hahn zu bezahlen und dem Äskulap zu opfern. Sein zweytes Verbrechen war ein Verführer der Jugend gewesen zu seyn, durch seine freye und anstössige Lehren.

Sokrates antwortete auf diese Beschuldigungen, mit einem Ernst und Muth, mit einem Stolz und Kaltsinn, daß man ihn nach seinem Gesichte eher für einen Befehlshaber seiner Richter, als für einen Beklagten hätte ansehen sollen.

Sokrates verlor, sagt man, einen giftigen Einfall, und die gewissenhaften Areopagiten die Gedult. Man wurde also hierauf bald über die Strafe einig, der er würdig wäre, so wenig man sich vorher darüber hatte vergleichen können.

Ein Fest zu Athen, an dem es nicht erlaubt war ein Todesurtheil zu vollziehen, legte Sokrates die schwere Vorbereitung eines dreyssigtägigen Gefängnisses zu seinem Tode aut.

Nach seinem Tode soll er noch einem Chier, Namens Kyrsas erschienen seyn, der sich unweit seines Grabes niedergesetzt hatte und darüber eingeschlafen war. Die Absicht seiner Reise nach Athen bestand, Sokrates zu sehen, der damals nicht mehr lebte; nach dieser Unterredung also mit desselben Gespenste, kehrte er in sein Vaterland zurück, das bey den Alten wegen seines herrlichen Weins bekannt ist.

Plato macht die freiwillige Armuth des Sokrates zu einem Zeichen seiner göttlichen Sendung. Ein grösseres ist seine Gemeinschaft an dem letzten Schicksale der Propheten und Gerechten. Ein Bildsäule von Lysippus war das Denkmal, das die Athenienser seiner Unschuld und dem Frevel ihres eigenen Blutgerichts setzen liessen.

Schlußrede.

Wer nicht von Brosamen und Allmosen, noch vom Raube zu leben, und für ein Schwert

Μαχαιραν; αστειον γε κερδος – – – –

Υπερβολος δ' ουκ των λυχνων πλειν η ταλαντα πολλα

Ειληφε δια πονηριαν, αλλ' ου μα Δι' ου μαχαιραν.

Aristoph. Nubes.

alles zu entbehren weiß, ist nicht geschickt zum Dienst der Wahrheit; Der werde frühe! ein vernünftiger, brauchbarer, artiger Mann in der Welt, oder lerne Bücklinge machen und Teller lecken: so ist er für Hunger und Durst, für Galgen und Rad sein Lebenlang sicher.

Ist es wahr, daß GOtt Selbst, wie es in dem guten Bekenntnisse lautet, das er vor Pilatus ablegte; ist es wahr, sage ich, daß Gott Selbst, dazu ein Mensch wurde und dazu in die Welt kam, daß er die Wahrheit zeugen möchte: so brauchte es keine Allwissenheit vorher zu sehen, daß er nicht so gut wie ein Sokrates von der Welt kommen, sondern eines schmählichern und grausameren Todes sterben würde, als der Vatermörder des allerchristlichsten Königes, Ludwich des Vielgeliebten, der ein Urenkel Ludwich des Grossen ist.

Aesthetica in nuce

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Apostille.

Buch der Richt. V, 30.

שלל צבעיס רקמה צבע רקמתים לצוארי שלל׃

Elihu im Buch Hiob XXXII, 19-22.

הנה בטני כיין לא־יפתח כאבות חדשים יבקע׃ אדברה וירוה לי אפתח שפתי ואענה׃ אל־נא אשא פני־איש ואל־אדם לא אכנה׃ כי לא ידעתי אכנה כמעט ישאני עשני׃

Kapitel 1

Inhaltsverzeichnis

HORATIVS.

Odi profanum vulgus & arceo.

Fauete linguis! carmina non prius

Audita, Musarum sacerdos,

Virginibus puerisque canto.

Regum timendorum in proprios greges;

Reges in ipsos imperium est Iouis,

Clari giganteo triumpho,

Cuncta supercilio mouentis.

Nicht Leyer! – noch Pinsel! – eine Wurfschaufel für meine Muse, die Tenne heiliger Litteratur zu fegen! – – Heil dem Erzengel über die Reliquien der Sprache Kanaans! – auf schönen Eselinnen1 siegt er im Wettlauf; – aber der weise Idiot Griechenlands borgt Euthyphrons2 stolze Hengste zum philologischen Wortwechsel.

Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts; wie der Gartenbau, älter als der Acker: Malerey, – als Schrift: Gesang, – als Deklamation: Gleichnisse, – als Schlüsse3: Tausch, – als Handel. Ein tieferer Schlaf war die Ruhe unserer Urahnen; und ihre Bewegung, ein taumelnder Tanz. Sieben Tage im Stillschweigen des Nachsinns oder Erstaunens saßen sie; – – und thaten ihren Mund auf – zu geflügelten Sprüchen.

Sinne und Leidenschaften reden und verstehen nichts als Bilder. In Bildern besteht der ganze Schatz menschlicher Erkenntniß und Glückseeligkeit. Der erste Ausbruch der Schöpfung, und der erste Eindruck ihres Geschichtschreibers; – – die erste Erscheinung und der erste Genuß der Natur vereinigen sich in dem Worte: Es werde Licht! hiemit fängt sich die Empfindung von der Gegenwart der Dinge an4.

Endlich krönte GOTT die sinnliche Offenbarung seiner Herrlichkeit durch das Meisterstück des Menschen. Er schuf den Menschen in Göttlicher Gestalt; – – zum Bilde GOttes schuf er ihn. Dieser Rathschluß des Urhebers löst die verwickeltesten Knoten der menschlichen Natur und ihrer Bestimmung auf. Blinde Heyden haben die Unsichtbarkeit erkannt, die der Mensch mit GOTT gemein hat. Die verhüllte Figur des Leibes, das Antlitz des Hauptes, und das Äußerste der Arme sind das sichtbare Schema, in dem wir einher gehn; doch eigentlich nichts als ein Zeigefinger des verborgenen Menschen in uns; –

Exemplumque DEI quisque est in imagine parua5.

Die erste Nahrung war aus dem Pflanzenreiche; die Milch der Alten, der Wein; die älteste Dichtkunst nennt ihr gelehrter Scholiast (der Fabel des Jothams und Joas zu folge6 botanisch7; auch die erste Kleidung des Menschen war eine Rhapsodie von Feigenblättern. – –

Aber GOTT der HERR machte Röcke von Fellen, und zog sie an – unsern Stammeltern, welche die Erkenntniß des Guten und Bösen Schaam gelehrt hatte. – Wenn die Nothdurft eine Erfinderin der Bequemlichkeiten und Künste ist: so hat man Ursach sich mit Goguet zweymal zu wundern, wie in den Morgenländern die Mode sich zu kleiden, und zwar in Thierhäuten, hat entstehen können. Darf ich eine Vermuthung wagen, die ich wenigstens für sinnreich halte? – – Ich setze das Herkommen dieser Tracht, in der dem Adam durch den Umgang mit dem alten Dichter, (der in der Sprache Kanaans Abaddon, auf hellenistisch aber Apollyon heist,) bekannt gewordenen allgemeinen Bestandheit thierischer Charaktere, – die den ersten Menschen bewog unter dem gelehnten Balg eine anschauende Erkenntnis vergangener und künftiger Begebenheiten auf die Nachwelt fortzupflanzen – – –

Rede, daß ich Dich sehe! Dieser Wunsch wurde durch die Schöpfung erfüllt, die eine Rede an die Kreatur durch die Kreatur ist; denn ein Tag sagts dem andern, und eine Nacht thuts kund der andern. Ihre Losung läuft über jedes Klima bis an der Welt Ende und in jeder Mundart hört man ihre Stimme. – – Die Schuld mag aber liegen, woran sie will, (außer oder in uns): wir haben an der Natur nichts als Turbatverse und disiecti membra poetae zu unserm Gebrauch übrig. Diese zu sammeln ist des Gelehrten; sie auszulegen, des Philosophen; sie nachzuahmen8 – oder noch kühner! – – sie in Geschick zu bringen, des Poeten bescheiden Theil.

Reden ist übersetzen – aus einer Engelsprache in eine Menschensprache, das heist, Gedanken in Worte, – Sachen in Namen, – Bilder in Zeichen; die poetisch oder kyriologisch9, historisch, oder symbolisch oder hieroglyphisch – – und philosophisch oder charakteristisch10 seyn können. Diese Art der Übersetzung (verstehe Reden) kommt mehr, als irgend eine andere, mit der verkehrten Seite von Tapeten überein,

And shews the stuff, but not the workman's skill;

oder mit einer Sonnenfinsternis, die in einem Gefäße voll Wassers in Augenschein genommen wird11.

Mosis Fackel erleuchtet selbst die intellectualische Welt, die auch ihren Himmel und ihre Erde hat. Bacon vergleicht daher die Wissenschaften mit den Gewässern über und unter dem Gewölbe unserer Dunstkugel. Jene sind ein gläsern Meer, als Krystall mit Feuer gemengt; diese hingegen kleine Wolken aus dem Meer, als eine Manneshand.

Die Schöpfung des Schauplatzes verhält sich aber zur Schöpfung des Menschen: wie die epische zur dramatischen Dichtkunst. Jene geschah durchs Wort; die letzte durch Handlung. Herz! sey wie ein stilles Meer! – – Hör den Rath: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sey, die da herrschen! – Sieh die That: Und GOTT der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß – – Vergleich Rath und That; bete den kräftigen Sprecher12 mit dem Psalmisten; den vermeynten Gärtner13 mit der Evangelistin der Jünger; und den freyen Töpfer14 mit dem Apostel hellenistischer Weltweisen und talmudischer Schriftgelehrten an!

Der hieroglyphische Adam ist die Historie des ganzen Geschlechts im symbolischen Rade: – – der Charakter der Eva, das Original zur schönen Natur und systematischen Ökonomie, die nicht nach methodischer Heiligkeit auf dem Stirnblatt geschrieben steht; sondern unten in der Erde gebildet wird, und in den Eingeweiden, – in den Nieren der Sachen selbst – verborgen liegt.

Virtuosen des gegenwärtigen Äons, auf welchen GOTT der HERR einen tiefen Schlaf fallen lassen! Ihr wenigen Edeln! macht euch diesen Schlaf zu Nutz, und baut aus einer Ribbe dieses Endymions die neueste Ausgabe der menschlichen Seele, die der Barde mitternächtlicher Gesänge in seinem Morgentraum sahe15, – – aber nicht von nahe. Der nächste Äon wird wie ein Riese vom Rausch erwachen, eure Muse zu umarmen, und ihr das Zeugnis zuzujauchzen: Das ist doch Bein von meinem Bein, und Fleisch von meinem Fleisch!

Sollte diese Rhapsodie im vorübergehen von einem Leviten der neuesten Litteratur in Augenschein genommen werden: so weiß ich zum voraus, daß er sich seegnen wird, wie der heilige Petrus16 vor dem großen leinenen Tuch an vier Zipfeln gebunden, darin er mit einem Blick gewahr ward, und sahe vierfüßige Thiere der Erden und wilde Thiere, und Gewürme und Vögel des Himmels – – – »O nein; besessener – Samariter!« – – (so wird er den Philologen schelten in seinem Herzen) – »für Leser von orthodoxem Geschmack gehören keine gemeine Ausdrücke noch unreine Schüsseln« – – Impossibilissimum est, communia proprie dicere – Siehe! darum geschieht es, daß ein Autor, dessen Geschmack acht Tage alt, aber beschnitten ist, lauter weißen überzogenen Entian – zur Ehre menschlicher Nothdurft! – in die Windeln thut – – Die fabelhafte Häßlichkeit des alten Phrygiers ist in der That lange so blendend nicht, als die ästhetische Schönheit Äsop des jüngern. Heuer ist Horazens typische Ode an Arist17 erfüllt, daß ein Sänger der süßlächelnden Lalage, die noch süßer küßt als sie lacht, aus sabinischen, apulischen und mauritanischen Ungeheuern Stutzer gemacht hat. – Man kann allerdings ein Mensch seyn, ohne daß man nöthig hat ein Autor zu werden. Wer aber guten Freunden zumuthet, daß sie den Schriftsteller ohne den Menschen denken sollen, ist mehr zu dichterischen als philosophischen Abstractionen aufgelegt. Wagt euch also nicht in die Metaphysick der schönen Künste, ohne in den Orgien18 und Eleusinischen Geheimnissen vollendet zu seyn. Die Sinne aber sind Ceres, und Bacchus die Leidenschaften; – alte Pflegeltern der schönen Natur.

Bacche! veni dulcisque tuis e cornibus vua

Pendeat, & spicis tempora cinge Ceres19 !

1 Buch der Richt. V, 10.

2 Siehe Platons Kratylos. Hermogenes: Και μεν δη, ω Σωκρατες, ατεχνως γε μοι δοκει ωσπερ οι ενθουσιωντες εξαιφνης χρησμωδειν. Sokrates: Και αιτιωμαι γε, ω Ερμογενες, μαλιστα αυτην απο Ευθυφρονος του Παντιου προσπεπτωκεναι μοι· εωθεν γαρ πολλα αυτω συνην και παρειχον τα ωτα· κινδυνευει ουν ενθουσιων ου μονον τα ωτα μου εμπλησαι της δαιμονιας σοφιας, αλλα και της ψυχης επειληφθαι· δοκει ουν μοι χρηναι ουτωσι ημας ποιησαι, το μεν τημερον ειναι, χρησασθαι αυτη – αυριον δ'αν και υμιν συνδοκη, αποδιοπομπησομεθα τε αυτην και καθαρουμεθα, εξευροντες οστις τα τοιαυτα δεινος καθαιρειν, ειτε των ιερεων τις, ειτε των σοφιστων – – – προβαλλε μοι, οφρα ιδηναι οιοι ΕΥΘΥΦΡΟΝΟΣ ΙΠΠΟΙ.

3 – – vt hieroglyphica literis: sic parabolae argumentis antiquiores, sagt Bacon, mein Euthyphron.

4 Παν γαρ το φανερουμενον, φως εστι. Ephes. V, 13.

5 Manilius Astron, Lib. IV.

6 Buch der Richt. IX. 2 Chron. XXV, 18.

7 – – quum planta sit poesis, quae veluti à terra luxuriante absque certo semine germinauerit, supra ceteras doctrinas excreuit & diffusa est. Bacon de Augm. Scient. Lib. II. Cap. 13. Siehe des Herrn Hofraths Johann David Michaelis Anmerkungen zu Roberti Lowth de sacra poesi Praelectionibus Academicis Oxonii habitis. p. 100. (18)

8 Rescisso discas componere nomine versum; Lucili vatis sic imitator eris Ausonius Epist. V.

9 Zur Erläuterung kann nachgesehen werden Wachters Naturae & Scripturae Concordia. Commentatio de literis ac numeris primaeuis aliisque rebus memorabilibus cum ortu literarum coniunctis. Lips. & Hafn. 1752. im ersten Abschnitt.

10 Von dieser letztern Gattung Zeichen ist folgende Stelle im Petron zu verstehen, die ich mich genöthigt sehe in ihrem Zusammenhange anzuführen, gesetzt daß man auch selbige für eine Satyre auf den Philologen selbst und seine Zeitverwandten ansehen solte: nuper ventosa isthaec & enormis loquacitas Athenas ex Asia commigrauit, animosque iuuenum ad magna surgentes veluti pestilenti quodam sidere afflauit, simulque corrupta eloquentiae regula stetit & obmutuit. Quis postea ad summam Thucydidis? (Man nennt ihn den Pindar der Geschichtschreiber) quis Hyperidis (der den Busen der Phryne entblößte, um die Richter von seiner guten Sache zu überzeugen) ad famam processit? Ac ne carmen quidem sani coloris enituit; sed omnia, quasi eodem cibo pasta, non potuerunt vsque ad senectutem canescere. PICTVRA quoque non alium exitum fecit, postquam AEGYPTIORVM AVDACIA tam magnae artis COMPENDIARIAM inuenit. Man vergleiche hiemit die tiefsinnige Prophezeyung, welche Sokrates dem ägyptischen Könige Thamus über die Erfindung des Theuts in den Mund legt, daß Phädrus darüber ausruft: ω Σωκρατες, ραδιως συ Αιγυπτιους τε και οποδαπους αν εθελης λογους ποιοιης.

11 Die eine Metapher ist aus des Grafen von Roscommon Essay on translated verse und Howel's Lettres; beyde haben dies Gleichnis aus dem Saavedra entlehnt, wo ich nicht irre; die andere aus einem der vorzüglichsten Wochenblätter (The Adventurer) entlehnt: Dort werden sie aber ad illustrationem (zur Verbrämung des Rockes); hier ad inuolucrum (zum Hemde auf bloßem Leibe) gebraucht, wie Euthyphrons Muse unterscheiden lehrt.

12 Ps. XXXIII, 9.

13 Joh. XX, 15-17.

14 Röm. IX, 21.

15 Siehe D. Youngs Schreiben an dem Verfasser des Grandison über die Originalwerke.

16 Apostelgesch. X. XI.

17 Lib. I. Od. 22.

18 Orgia nec Pentheum nec Orpheum tolerant, Baco de Augm. Scient. Lib. II. Cap. XIII.

19 Tibull. Libr. II. Eleg. I.

Kapitel 2

Inhaltsverzeichnis

Sollte diese Rhapsodie gar die Ehre haben einem Meister in Israel zur Beurtheilung anheim zu fallen: so laßt uns ihm in heiliger Prosopopee20, die im Reiche der Todten eben so willkommen als im Reiche der Lebendigen ist (– – si NVX modo ponor in illis) entgegen gehen:

Hoch- und Wohl-gelahrtester

Rabbi!

»Des heiligen Römischen Reichs Postillon, der auf dem Schilde seines Wapens zum Wahlspruch: Relata refero, trägt, hat mich zur letzten Hälfte der Homilien de sacra poesi recht lüstern gemacht. Ich brenne darnach – und warte umsonst bis auf den heutigen Tag, wie die Mutter des Hazoritischen Feldhauptmanns nach dem Wagen ihres Sohns zum Fenster aussahe, und durchs Gitter heulte – – Verdenken Sie es mir also nicht, wenn ich gleich dem Gespenst im Hamlet durch Winke mit Ihnen rede, biß ich gelegnere Zeit haben werde, mich durch sermones fideles21 zu erklären. Werden Sie es ohne Beweiß wohl glauben, daß des berühmten Schwärmers, Schulmeisters und Philologen Amos Comenius22 Orbis pictus und Muzelii Exercitia viel zu gelehrte Bücher für Kinder sind, die sich noch im bloßen Buch-sta-bi-ren üben – – und wahrlich, wahrlich, Kinder müssen wir werden, wenn wir den Geist der Wahrheit empfahen sollen, den die Welt nicht fassen kann, denn sie sieht ihn nicht, und (wenn sie ihn auch sehen sollte) kennt ihn nicht. – – Vergeben Sie es der Thorheit meiner Schreibart, die sich so wenig mit der mathematischen Erbsünde Ihrer ältesten, noch mit der witzigen Wiedergeburt Ihrer jüngsten Schriften reimt, wenn ich ein Beyspiel aus der Fibel borge, die ohne Zweifel älter als die Bibel seyn mag. Verlieren die Elemente des A B C ihre natürliche Bedeutung, wenn sie in der unendlichen Zusammensetzung willkührlicher Zeichen uns an Ideen erinnern, die, wo nicht im Himmel, doch im Gehirn sind? Falls man aber die ganze verdienstliche Gerechtigkeit eines Schriftgelehrten auf den Leichnam des Buchstabens erhöht; was sagt der Geist dazu? Soll er nichts als ein Kammerdiener des todten oder wohl gar ein bloßer Waffenträger des tödtenden Buchstabens seyn? Das sey ferne! – – Nach Dero weitläuftigen Einsicht in physischen Dingen wissen Sie besser, als ich Sie daran erinnern kann, daß der Wind bläst, wo er will – Ungeachtet man sein Sausen wohl hört; so ersieht man doch am wankelmüthigen Wetterhahn, von wannen er kommt, oder vielmehr, wohin er fährt – –«

Ah scelus indignum! soluetur litera diues?

Frangatur potius legum veneranda potestas.

Liber & alma Ceres succurrite! – –23

Die Meynungen der Weltweisen sind Lesarten der Natur und die Satzungen der Gottesgelehrten, Lesarten der Schrift. Der Autor ist der beste Ausleger seiner Worte; Er mag durch Geschöpfe – durch Begebenheiten – oder durch Blut und Feuer und Rauchdampf24 reden, worinn die Sprache des Heiligthums besteht.

Das Buch der Schöpfung enthält Exempel allgemeiner Begriffe, die GOTT der Kreatur durch die Kreatur; die Bücher des Bundes enthalten Exempel geheimer Artickel, die GOTT durch Menschen dem Menschen hat offenbaren wollen. Die Einheit des Urhebers spiegelt sich bis in dem Dialecte seiner Werke; – in allen Ein Ton von unermäslicher Höhe und Tiefe! Ein Beweiß der herrlichsten Majestät und leersten Entäußerung! Ein Wunder von solcher unendlichen Ruhe, die GOTT dem Nichts gleich macht, daß man sein Daseyn aus Gewissen leugnen oder ein Vieh25 seyn muß; aber zugleich von solcher unendlichen Kraft, die Alles in Allen erfüllt, daß man sich vor seiner innigsten Zuthätigkeit nicht zu retten weiß! –

Wenn es auf den Geschmack der Andacht, die im philosophischen Geist und poetischer Wahrheit besteht, und auf die Staatsklugheit26 der Versification ankommt; kann man wohl einen glaubwürdigern Zeugen als den unsterblichen Voltaire anführen, welcher beynahe die Religion für den Eckstein der epischen Dichtkunst erklärt, und nichts mehr beklagt, als daß seine Religion27 das Widerspiel der Mythologie sey? –

Bacon stellt sich die Mythologie als einen geflügelten Knaben des Äolus vor, der die Sonne im Rücken, Wolken zum Fußschemel hat, und für die lange Weile auf einer griechischen Flöte pfeift28.

Voltaire aber, der Hohepriester im Tempel des Geschmacks schlüßt so bündig als Kaiphas29 , und denkt fruchtbarer als Herodes30 . Wenn unsere Theologie nämlich nicht so viel werth ist als die Mythologie: so ist es uns schlechterdings unmöglich, die Poesie der Heyden zu erreichen – geschweige zu übertreffen; wie es unserer Pflicht und Eitelkeit am gemäßesten wäre. Taugt aber unsere Dichtkunst nicht: so wird unsere Historie noch magerer als Pharaons Kühe aussehen; doch Feenmährchen und Hofzeitungen ersetzen den Mangel unserer Geschichtschreiber. An Philosophie lohnt es garnicht der Mühe zu denken; desto mehr systematische Kalender! – mehr als Spinneweben in einem verstörten Schlosse. Jeder Tagedieb, der Küchenlatein und Schweitzerdeutsch mit genauer Noth versteht, dessen Name aber mit der ganzen Zahl M. oder der halben des akademischen Thieres gestempelt ist, demonstrirt Lügen, daß Bänke und die darauf sitzende Klötze Gewalt! schreyen müssen, wenn jene nur Ohren hätten und diese, wiewohl sie der leidige Spott Zuhörer nennt, mit ihren Ohren zu hören geübt wären. – – –

»Wo ist Euthyphrons Peitsche, scheues Gaul?

daß mein Karren nicht stecken bleibt – – –«

Mythologie hin! Mythologie her!31 Poesie ist eine Nachahmung der schönen Natur – und Nieuwentyts, Newtons und Büffons Offenbarungen werden doch wohl eine abgeschmackte Fabellehre vertreten können? – – Freylich sollten sie es thun, und würden es auch thun, wenn sie nur könnten – Warum geschieht es denn nicht? – Weil es unmöglich ist; sagen eure Poeten.

Die Natur würkt durch Sinne und Leidenschaften. Wer ihre Werkzeuge verstümmelt, wie mag der empfinden? Sind auch gelähmte Sennadern zur Bewegung aufgelegt? – –

Eure mordlügnerische Philosophie hat die Natur aus dem Wege geräumt, und warum fordert ihr, daß wir selbige nachahmen sollen? – Damit ihr das Vergnügen erneuren könnt, an den Schülern der Natur auch Mörder zu werden –

Ja, ihr feinen Kunstrichter! fragt immer was Wahrheit ist, und greift nach der Thür, weil ihr keine Antwort auf diese Frage abwarten könnt – Eure Hände sind immer gewaschen, es sey, daß ihr Brodt essen wollt, oder auch, wenn ihr Bluturtheile gefällt habt – Fragt ihr nicht auch: Wodurch ihr die Natur aus dem Wege geräumt? – – – Bacon beschuldigt euch, daß ihr sie durch eure Abstractionen schindet. Zeugt Bacon die Wahrheit; wohlan! so werft mit Steinen – und sprengt mit Erdenklößen oder Schneeballen nach seinem Schatten – – –

Wenn eine einzige Wahrheit gleich der Sonne herrscht; das ist Tag. Seht ihr an statt dieser einzigen so viel, als Sand am Ufer des Meeres; – hiernächst ein klein Licht32 das jenes ganze Sonnenheer am Glanz übertrift33 ; das ist eine Nacht, in die sich Poeten und Diebe verlieben. – – Der Poet34 am Anfange der Tage ist derselbe mit dem Dieb35 am Ende der Tage – –

20 L'art de personifier ouvre un champ bien moins borné et plus fertile que l'ancienne Mythologie. Fontenelle sur la Poesie en general. Tom. VIII.

21 Job. III, 11. – Der gröbsten Unwissenheit, die es sich am ersten einfallen lassen dörfte, gegenwärtige Nachahmung der kabbalistischen Schreibart für gut oder arg auszuschreyen, sucht man mit nachfolgender Stelle vorzubeugen: In interpretandi modo duo interueniunt excessus. Alter eiusmodi praesupponit in Scripturis perfectionem, vt etiam omnis Philosophia ex earum fontibus peti debeat, ac si Philosophia alia quaeuis res profana esset & ethnica. Haec intemperies in schola Paracelsi praecipue, nec non apud alios inualuit; initia autem eius à Rabbinis & CABBALISTIS defluxerunt. Verum istiusmodi homines non id assequuntur, quod volunt: neque enim honorem, vt putant, Scripturis deferunt, sed easdem potius deprimunt & polluunt. – Quemadmodum enim neologiam in Philosophia quaerere, perinde est ac si viuos quaeras inter mortuos: ita Philosophiam in Theologia quaerere, non aliud est, quam mortuos inter viuos. Alter autem interpretandi modus (quem pro excessu statuimus) videtur primo intuitu sobrius & castus; sed tamen & Scripturas ipsas dedecorat, & plurimo Ecclesiam afficit detrimento. Is est (vt verbo dicamus) quando Scripturae diuinitus inspiratae eodem, quo scripta humana, explicantur modo. Meminisse autem oportet, DEO, Scripturarum Auctori, duo illa patere, quae humana ingenia fugiunt: Secreta nimirum cordis & successiones temporis. – – Quum Scripturarum dictamina talia sint, vt ad cor scribantur, & omnium seculorum vicissitudines complectantur; cum aeterna & certa praescientia omnium haeresium, contradictionum & status Ecclesiae varii & mutabilis, tum in communi, tum in electis singulis: interpretandae non sunt solummodo secundum latitudinem & obuium sensum loci: aut respiciendo ad occasionem, ex qua verba erant prolata: aut praecise ex contextu verborum praecedentium & sequentium; aut contemplando scopum dicti principalem: sed sic, vt intelligamus, complecti eas, non solum totaliter, aut collectiue, sed distributiue, etiam in clausulis & vocabulis singulis, innumeros doctrinae riuulos & venas, ad Ecclesiae singulas partes & animas fidelium irrigandas. Egregie enim obseruatum est, quod Responsa Saluatoris nostri ad quaestiones non paucas, ex iis, quae proponebantur, non videntur ad rem, sed quasi impertinentia. Cuius rei causa duplex est. Altera, quod quum cogitationes eorum, qui interrogabant, non ex verbis, vt nos homines solemus, sed immediate & ex sese cognouisset, ad cogitationes eorum, non ad verba respondet: Altera, quod non ad eos solum locutus est, qui tunc aderant, sed ad nos etiam, qui viuimus & ad omnis aeui ac loci homines, quibus Euangelium fuerit praedicandum. Quod etiam in aliis Scripturae locis obtinet. Baco de Augm. Lib. IX.

22 S. die Kortholtsche Samml. der Briefe des H. von Leibnitz. Vol. 3. Ep. 29.

23 S. Kaysers Octauii Augusti poetisches Edict, kraft dessen Virgils letzter Wille de abolenda Aeneide aufgehoben seyn soll – – Man kann mit beyden Händen zugeben, was D. George Benson über die Einheit des Verstandes mit wenig Nachsinn, Wahl und Salbung mehr zusammengeraft als ausgearbeitet. Wenn er uns einige irrdische Sätze über die Einheit der Lesart hätte mittheilen wollen; so würde uns seine Gründlichkeit sinnlicher fallen – – Man kann ohn ein sehr zweydeutiges Lächeln die vier Bände dieser paraphrastischen Erklärung nicht durchlaufen, und die häufige Stellen verfehlen, wo D. Benson mit einem Sparren des Pabstthums in seinem eigenen Augapfel, über die Splitter der römischen Kirche eyfert – und unsere theologische Hofräthe nachahmt, welche jeden übereilten blinden Einfall laut beklatschen, durch den das Geschöpf mehr als der Schöpfer geehrt wird – – Zuförderst müste man D. George Benson fragen: ob die Einheit mit der Mannigfaltigkeit nicht bestehen könne? – Ein Liebhaber des Homers läuft gleiche Gefahr durch einen französischen Paraphrasten, wie la Motte, und durch einen tiefsinnigen Dogmatiker, wie Samuel Clarke, die Einheit des Verstandes zu verlieren – – Der buchstäbliche oder grammatische, der fleischliche oder dialektische, der kapernaitische oder historische Sinn sind im höchsten Grade mystisch, und hängen von solchen augenblicklichen, spirituosen, willkührlichen Nebenbestimmungen und Umständen ab, daß man ohne hinauf gen Himmel zu fahren, die Schlüssel ihrer Erkenntnis nicht herabholen kann, und keine Reise über das Meer noch in die Gegenden solcher Schatten scheuen muß, die seit gestern oder vorgestern, seit hundert oder tausend Jahren – Geheimnisse! – geglaubt, geredt, gelitten haben, von denen uns die allgemeine Weltgeschichte kaum so viel Nachricht giebt, als auf dem schmallsten Leichenstein Raum hat, oder als Echo, die Nymphe vom lakonischen Gedächtnisse, auf einmal behalten kann. – – Derjenige muß freylich die Schlüssel des Himmels und der Hölle haben, der uns die Projecte vertrauen will, die Gedankenreiche Schriftsteller an einem kritischen Ort zur Bekehrung ihrer ungläubigen Brüder schmieden. – – Weil Moses das Leben im Blute setzt, so gräuelt allen getauften Rabbinen vor der Propheten Geist und Leben, wodurch der Wortverstand, als ein einzig Schooskind εν παραβολη aufgeopfert, und die Bäche morgenländischer Weisheit in Blut verwandelt werden. – – Die Anwendung dieser erstickten Gedanken gehört für keinen verwöhnten Magen. – Abstracta initiis occultis; Concreta maturitati conueniunt, nach Bengels Sonnenweiser (plane pollex, non index).

24 Apostelgesch. II, 19.

25 Ps. LXXIII, 21. 22.

26 La seule politique dans un Poeme doit être de faire de bons vers, sagt der Herr von Voltaire in seinem Glaubensbekenntnis über die Epopee.

27 Was der Herr von Voltaire unter Religion verstehen mag, Grammatici certant & adhuc sub Iudice lis est; hierum hat sich auch der Philolog so wenig als seine Leser zu bekümmern. Man mag die Freyheiten der gallikanischen Kirche, oder die Schwefelblumen des geläuterten Naturalismus dafür ansehen: so werden beyde Erklärungen der Einheit des Verstandes keinen Eintrag thun.

28 Fabulae mythologicae videntur esse instar tenuis cuiusdam aurae, quae ex traditionibus nationum magis antiquarum in Graecorum fistulas inciderunt. De Augm. Scient. Lib. II, Cap. XIII.

29 Qu'un homme ait du jugement ou non, il profite egalement de vos ouvrages: il ne lui faut que de la MEMOIRE, sagt ein Schriftsteller, in dessen Munde Weissagung ist, dem Herrn von Voltaire ins Gesicht – – Και τοι ουκ αν πρεποι γε επιλησμονα ειναι ραψωδον ανδρα. Sokrates in Platons Jon.

30 Photius (in den Amphilochiis Quaest. CXX, welche Joh. Chr. Wolf seinem Füllhorn philologischer und kritischer Grillen angesetzt hat) sucht in den Worten Herodes zu den Weisen aus Morgenland: »damit ich auch komme, und ihn anbete« eine Prophezeyung, vergleicht sie mit Kaiphas Ausspruch Joh. XI, 49-52. und macht die Anmerkung: Ιδοις δ'αν παραπλησιως τουτοις και ετερα τινα κακουργω μεν γνωμη και ορμη μιαιφονω προενηνεγμενα, περας δε προφητικον ειληφοτα. Photius denkt sich im Herodes einen Ianus bifrons, der nach seinem Geschlechte die Heiden, nach seiner Würde die Juden vorstellte. – Sehr viele hämische und unnütze Einfälle, (womit sich Herren und Diener brüsten) würden ein ganz ander Licht für uns gewinnen, wenn wir uns bisweilen erinnern möchten: ob sie von sich selbst reden oder weissagend verstanden werden müssen? – –

31 Fontenelle sur la Poesie en General. Quand on saura employer d'une maniere nouvelle les images fabuleuses, il est sûr qu'elles feront un grand effet.

32 – – & notho – – – – lumine – Catull. Carm. Sec. ad Dian.

33 – – micat inter omnes Iulium sidus, velut inter ignes Luna minores. Horat. Lib. I. Od. XII.

34 2 Kor. IV, 6.

35 Offenb. XVI, 15.

Kapitel 3

Inhaltsverzeichnis

Alle Farben der schönsten Welt verbleichen: so bald ihr jenes Licht, die Erstgeburt der Schöpfung, erstickt. Ist der Bauch euer Gott: so stehen selbst die Haare eures Hauptes unter seiner Vormundschaft. Jede Kreatur wird wechselsweise euer Schlachtopfer und euer Götze. – Wider ihren Willen – aber auf Hofnung – unterworfen, seufzet sie unter dem Dienst oder über die Eitelkeit; sie thut ihr Bestes eurer Tyranney zu entwischen, und sehnt sich unter den brünstigsten Umarmungen nach derjenigen Freyheit, womit die Thiere Adam huldigten, da GOTT sie zu dem Menschen brachte, daß er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch sie nennen würde, so sollten sie heißen.

Diese Analogie des Menschen zum Schöpfer ertheilt allen Kreaturen ihr Gehalt und ihr Gepräge, von dem Treue und Glauben in der ganzen Natur abhängt. Je lebhafter diese Idee, das Ebenbild des unsichtbaren GOttes36 in unserm Gemüth ist; desto fähiger sind wir Seine Leutseeligkeit in den Geschöpfen zu sehen und zu schmecken, zu beschauen und mit Händen zu greifen. Jeder Eindruck der Natur in dem Menschen ist nicht nur ein Andenken, sondern ein Unterpfand der Grundwahrheit: Wer der HERR ist. Jede Gegenwürkung des Menschen in die Kreatur ist Brief und Siegel von unserm Antheil an der Göttlichen Natur37, und daß wir Seines Geschlechts38 sind.

O eine Muse wie das Feuer eines Goldschmieds, und wie die Seife der Wäscher39 Sie wird es wagen, den natürlichen Gebrauch der Sinne von dem unnatürlichen Gebrauch der Abstractionen40 zu läutern, wodurch unsere Begriffe von den Dingen eben so sehr verstümmelt werden, als der Name des Schöpfers unterdrückt und gelästert wird. Ich rede mit euch, Griechen! weil ihr euch weiser dünkt, denn die Kammerherren mit dem gnostischen Schlüssel; – versucht es einmal die Iliade zu lesen, wenn ihr vorher durch die Abstraction die beyden Selbstlauter α und ω ausgesichtet habt, und sagt mir eure Meynung von dem Verstande und Wohlklange des Dichters.

Μηνιν· ειδε Θε· πηληι· δε· χιληος

Seht! die große und kleine Masore der Weltweisheit hat den Text der Natur, gleich einer Sündfluth, überschwemmt. Musten nicht alle ihre Schönheiten und Reichthümer zu Wasser werden? – Doch ihr thut weit größere Wunderwerke, als die Götter sich jemals belustiget41 haben, durch Eichen42 und Salzsäulen, durch petrificirte und alchymische Verwandlungen und Fabeln, das menschliche Geschlecht zu überreden – Ihr macht die Natur blind, damit sie nämlich eure Wegweiserin seyn soll! oder ihr habt euch selbst vielmehr durch den Epikurismum die Augen ausgestochen, damit man euch ja für Propheten halten möge, welche Eingebung und Auslegung aus ihren fünf Fingern saugen. – Ihr wollt herrschen über die Natur, und bindet euch selbst Hände und Füße durch den Stoicismus, um desto rührender über des Schicksals diamantene Fesseln in euren vermischten Gedichten fistuliren zu können.

Wenn die Leidenschaften Glieder der Unehre sind, hören sie deswegen auf, Waffen der Mannheit zu seyn? Versteht ihr den Buchstaben der Vernunft klüger, als jener allegorische Kämmerer der alexandrinischen Kirche den Buchstaben der Schrift, der sich selbst zum Verschnittenen machte, um des Himmelreichs willen? Die grösten Bösewichter gegen sich selbst, macht der Fürst dieses Äons zu seinen Lieblingen; – – seine Hofnarren sind die ärgsten Feinde der schönen Natur, die freylich Korybanten und Gallier zu Bauchpfaffen, aber starke Geister zu wahren Anbetern hat.

Ein Philosoph, wie Saul43 , stellt Mönchengesetze – – Leidenschaft allein giebt Abstractionen sowohl als Hypothesen Hände, Füße, Flügel; – Bildern und Zeichen Geist, Leben und Zunge – – Wo sind schnellere Schlüsse? Wo wird der rollende Donner der Beredsamkeit erzeugt, und sein Geselle – der einsylbichte Blitz44 Warum soll ich Ihnen, nach Stand, Ehr und Würden unwissende Leser! Ein Wort durch unendliche umschreiben, da sie die Erscheinungen der Leidenschaften allenthalben in der menschlichen Gesellschaft, selbst beobachten können; wie alles, was noch so entfernt ist, ein Gemüth im Affect mit einer besonderen Richtung trift; wie jede einzelne Empfindung sich über den Umkreis aller äußeren Gegenstände verbreitet45; wie wir die allgemeinsten Fälle durch eine persönliche Anwendung uns zuzueignen wissen, und jeden einheimischen Umstand zum öffentlichen Schauspiele Himmels und der Erden ausbrüten. – Jede individuelle Wahrheit wächst zur Grundfläche eines Plans, wunderbarer als jene Kuhhaut zum Gebieth eines Staats; und ein Plan, geraumer als das Hemisphär, erhält die Spitze eines Sehpuncts. – – Kurz, die Vollkommenheit der Entwürfe, die Stärke ihrer Ausführung; – die Empfängnis und Geburt neuer Ideen und neuer Ausdrücke; die Arbeit und Ruhe des Weisen, sein Trost und sein Eckel daran, liegen im fruchtbaren Schooße der Leidenschaften vor unsern Sinnen vergraben.

»Des Philologen Publicum, seine Welt von Lesern, scheint jenem Hörsaal ähnlich zu seyn, den ein einziger Platon füllte46. – Antimachus fuhr getrost fort, – wie geschrieben steht:

Non missura cutem nisi plena cruoris hirudo.«

Gerade, als wenn unser Lernen ein bloßes Erinnern wäre, weist man uns immer auf die Denkmale der Alten, den Geist durch das Gedächtnis zu bilden. Warum bleibt man aber bey den durchlöcherten Brunnen der Griechen stehen, und verläst die lebendigsten Qvellen des Alterthums? Wir wissen vielleicht selbst nicht recht, was wir in den Griechen und Römern bis zur Abgötterey bewundern. Daher kommt der verfluchte Widerspruch47 in unsern symbolischen Lehrbüchern, die bis auf diesen Tag in Schaafsfell zierlich gebunden werden, aber inwendig – ja inwendig, sind sie voller Todtenbeine, voller hypo-kritischer Untugend48.

Gleich einem Manne, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschaut, nachdem er sich aber beschaut hat, von Stundan davon geht und vergißt, wie er gestaltet war; eben so gehen wir mit den Alten um – Gar anders sitzt ein Maler zu seinem eignen Contrefait. – Narciß, (das Zwiebelgewächs schöner Geister) liebt sein Bild mehr als sein Leben49

– bibit visae correptus imagine formae.

Spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod vmbra est.

Adstupet ipse sibi, vultuque immotus eodem

Haeret vt e Pario formatum marmore signum.

Spectat humi positus geminum, sua lumina, sidus,

Et dignos Baccho, dignos & Apolline crines,

Impubesque genas & eburnea colla, decusque

Oris, & in niueo mistum candore ruborem;

Cunctaque miratur, quibus est mirabilis ipse.

– – opaca fusus in herba

Spectat inexpleto mendacem lumine formam,

Perque oculos perit ipse suos; paulumque leuatus

Ad circumstantes tendens sua brachia siluas:

»Ecquis io! siluae, crudelius, inquit, amauit?

(Scitis enim & multis latebra opportune fuistis) – – –

Et placet & video; sed quod videoque placetque

Non tamen inuenio. Tantus tenet error amantem!

Quoque magis doleam, nec nos mare separat ingens

Nec via, nec montes, nec clausis moenia portis.

Exigua prohibemur aqua – – –

Posse putes tangi. MINIMVM est quod amantibus obstat.

Quisquis es, huc exii – – –

Spem mihi nescio quam vultu promittis –

– – lacrymas quoque saepe notaui

Me lacrymante tuas, nutu quoque signa remittis –

In te ego sum. Sensi, nec me mea fallit imago –

Quod cupio, meum est: inopem me copia fecit.

O vtinam nostro secedere corpore possem!

Votum in amantem nouum – – –«

DIXIT & ad faciem rediit male sanus eandem,

Et lacrymis turbauit aquas, obscuraque moto

Reddita forma lacu est. Quam quum vidisset abire

– – clamauit: »Liceat quod tangere non est

Aspicere & misero praebere alimenta furori« –

Ille caput viridi fessum submisit in herba;

Lumina nox clausit domini mirantia formam.

Tum quoque se, postquam est inferna sede receptus,

In Stygia spectabat aqua – – –

Planxerunt Dryades; plangentibus assonat Echo,

Iamque rogum quassasque faces feretrumque parabant,

Nusquarn corpus erat. Croceum pro corpore florem

Inueniunt foliis medium cingentibus albis.

Das Heil kommt von den Juden – Noch hatte ich sie nicht gesehen; ich erwartete aber in ihren philosophischen Schriften gesundere Begriffe – zu eurer Beschämung – Christen! – Doch ihr fühlt den Stachel des guten Namens, davon ihr genennt seyd50, eben so wenig als die Ehre, die sich GOTT aus dem Eckelnamen des Menschensohns machte – – – –

Natur und Schrift also sind die Materialien des schönen, schaffenden, nachahmenden Geistes – – Bacon vergleicht die Materie der Penelope; – ihre freche Buhler sind die Weltweisen und Schriftgelehrten. Die Geschichte des Bettlers, der am Hofe zu Ithaka erschien, wißt ihr; denn hat sie nicht Homer in griechische und Pope in englische Verse übersetzt? – –

Wodurch sollen wir aber die ausgestorbene Sprache der Natur von den Todten wieder auf erwecken? – – Durch Wallfahrten nach dem glücklichen Arabien, durch Kreuzzüge nach den Morgenländern, und durch die Wiederherstellung ihrer Magie, die wir durch alte Weiberlist, weil sie die beste ist, zu unserer Beute machen müssen. – Schlagt die Augen nieder, faule Bäuche! und lest, was Bacon51 von der Magie dichtet. – Weil euch seidene Füße in Tanzschuhen eine so beschwerliche Reise nicht tragen werden: so laßt euch einen Richtweg durch die Hyperbel zeigen –52

Du, der Du den Himmel zerrissest und herabfuhrst! – vor Dessen Ankunft Berge zerfließen, wie heiß Wasser vom heftigen Feuer aufseudet, damit Dein Name unter Feinden desselben, die sich gleichwol nach Ihm nennen, kund werde, und gesalbte Heyden zittern lernen vor den Wundern, die Du thust, derer man sich nicht versieht! – Laß neue Irrlichter im Morgenland aufgehen! – Laß den Vorwitz ihrer Weisen durch neue Sterne erweckt werden, uns ihre Schätze selbst ins Land zu führen – Myrrhen! Weyrauch! und ihr Gold! woran uns mehr gelegen als an ihrer Magie! – Laß Könige durch sie geäfft werden, ihre philosophische Muse gegen Kinder und Kinderlehren vergeblich schnauben; Rahel aber laß nicht vergeblich weinen! – –

36– εικων θου Θεου αορατου. Koloss. I, 15.

37 – – θειας κοινωνοι φυσεως. 2. Petr. I, 4. συμμορφους της εικονος του υιου αυτου. Röm. 8, 29.

38 Apostelgesch. XVII, 27. etc.

39 Maleachi III, 2.

40Bacon de interpretatione Naturae & regno Hominis. Aphorism. CXXIV. Modulos ineptos mundorum & tanquam simiolas, quas in Philosophiis (in den Theorien der Wissenschaften) phantasiae hominum exstruxerunt, omnino dissipandas edicimus. Sciant itaque homines, quantum intersit inter humanae mentis Idola & diuinae mentis Ideas. Humanae mentis idola nil aliud sunt quam abstractiones ad placitum: Diuinae mentis ideae sunt vera signacula Creatoris super creaturas, prout in materia per lineas veras & exquisitas imprimuntur & terminantur. Itaque ipsissimae res sunt Veritas & Vtilitas: atque Opera ipsa pluris facienda sunt, quatenus sunt veritatis pignora, quam propter vitae commoda (um des Bauchs willen). Anderswo wiederholt er diese Erinnerung, daß man alle Werke der Natur nicht nur als beneficia vitae, sondern auch als veritatis pignora nutzen sollte.

41 – φιλοπαιγμονες γαρ κει οι Θεοι. Sokrates im Kratylus.

42Sokrates zum Phädrus: Οι δε ω φιλε εν τω του Διος του Δωδωναιου ιερω δρυος λογους εφασαν μαντικους πρωτους γενεσθαι· τοις μεν ουν τοτε ατε ουκ ουσι σοφοις, ωσπερ υμεις οι νεοι, απεχρη δρυος δε και πετρας ακουειν υπ' ευηθειας, ει μονον αληθη λεγοιεν. Σοι δ' ισως διαφερει, τις ο λεγων και ποδαπος, ου γαρ εκεινο μονον σκοπεις, ειτε ουτως ειτε αλλως εχει.

431 Sam. XIV, 24.

44 Brief as the lightning in the collied night, That (in a spleen) unfolds heav'n and earth And ere man has power to say: Behold! The jaws of darkness do devour it up.

Shakespeare im Midsummer-Night's Dream.

45C'est l'effet ordinaire de notre ignorance de nous peindre tout semblable à nous et de repandre nos portraits dans toute la nature, sagt Fontenelle in der Histoire du Theatre Franç. Une grande passion est une espece d'Ame, immortelle à sa maniere et presque independante des Organes. Fontenelle in Eloge de M. du Verney.

46Plato enim mihi VNVS instar omnium est. Cicero in Brut.

47Ps. LIX, 13.

48 Siehe den ganzen XI. Theil der Briefe, die neueste Litteratur betreffend, hie ein wenig, da ein wenig, eigentlich aber Seite 131.

49Ouid. Metamorph. Lib. III.

50Jakob. II, 7.

51MAGIA in eo potissimum versabatur, vt architecturas & fabricas rerum naturalium & ciuilium symbolisantes notaret – – Nec similitudines merae sunt (quales hominibus fortasse parum perspicacibus videri possint) sed plane vna eademque naturae vestigia aut signacula diversis materiis & subiectis impressa. Bacon im dritten Buch de augmentis scientiarum; wo er die Magie auch durch eine scientiam consensuum rerum vniuersalium und bey diesem Schimmer die Erscheinung der Weisen zu Bethlehem zu erklären meynt.

52– και ετι καθ' υπερβολην οδον υμιν δεικνυμι. 1. Kor. XII. 31.

Kapitel 4

Inhaltsverzeichnis

Wie sollen wir nun den Tod in den Töpfen verschlingen, um das Zugemüse für die Kinder der Propheten schmackhaft zu machen? Wodurch sollen wir den erbitterten Geist der Schrift versöhnen? »Meynst du, daß ich Ochsenfleisch essen wolle oder Bocksblut trinken?« Weder die dogmatische Gründlichkeit pharisäischer Orthodoxen, noch die dichterische Üppigkeit sadducäischer Freygeister wird die Sendung des Geistes erneuren, der die heiligen Menschen GOttes trieb (ευκαιρως ακαιρως) zu reden und zu schreiben. – – Jener Schooßjünger des Eingebornen, der in des Vaters Schooß ist, hat es uns verkündigt: daß der Geist der Weissagung im Zeugnisse des Einigen Namens lebe, durch den wir allein seelig werden, und die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens ererben können; – des Namens, den niemand kennt, als der ihn empfäht, der über alle Namen ist, daß in dem Namen JESU sich beugen sollen alle derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind; auch alle Zungen bekennen sollen, daß JESUS CHRISTUS der HERR sey zur Ehre GOttes! – des Schöpfers, der da gelobt ist in Ewigkeit! Amen!

Das Zeugnis JESU also ist der Geist der Weissagung53, und das erste Zeichen, womit er die Majestät seiner Knechtsgestalt offenbart, verwandelt die heiligen Bundesbücher in alten guten Wein, der das Urtheil der Speisemeister hintergeht, und den schwachen Magen der Kunstrichter stärkt. Lege libros propheticos non intellecto CHRISTO, sagt der punische54

Ex ambiguo dicta vel argutissima putantur; sed non semper in ioco, sed etiam in grauitate versantur – Ingeniosi enim videtur vim verbi in aliud atque ceteri accipiant, posse dicere. Cicero de Orat. lib. 2. The second Edition 1719. 8. Dieses gelehrte Werk (von dem ich leider! nur ein defectes Exemplar besitze) hat zum Verfasser – Swift, den Ruhm der Geistlichkeit (Hagedorn),

(The glory of the Priesthood and the shame!)

Essay on Criticism.

Kirchenvater, quid tam insipidum & fatuum inuenies? intellige ibi CHRISTUM, non solum sapit, quod legis, sed etiam inebriat. – »Aber den freveln und hochfahrenden Geistern hier ein Mal zu stecken, – – muß Adam zuvor wohl todt seyn, ehe er dies Ding leide und den starken Wein trinke. Darum siehe dich für, daß du nicht Wein trinkst, wenn du noch ein Säugling bist; eine jegliche Lehre hat ihre Maße, Zeit und Alter55.«

Nachdem GOTT durch Natur und Schrift, durch Geschöpfe und Seher, durch Gründe und Figuren, durch Poeten und Propheten sich erschöpft, und aus dem Othem geredt hatte: so hat er am Abend der Tage zu uns geredt durch Seinen Sohn, – gestern und heute! – bis die Verheißung seiner Zukunft nicht mehr in Knechtsgestalt – auch erfüllt seyn wird –

Du Ehrenkönig, HERR JESU CHRIST!

GOTTES VATERS ewiger SOHN Du bist;

Der Jungfraun Leib nicht hast verschmäht – –56

Man würde ein Urtheil der Lästerung fällen, wenn man unsere witzige Sophisten, die den Gesetzgeber der Juden einem Eselskopf, und die Sprüche ihrer Meistersänger dem Taubenmist gleich schätzen, für dumme Teufel schelten wollte; aber doch wird sie der Tag des HERRN – – – ein Sonntag, schwärzer als die Mitternacht, in der unüberwindliche Flotten Stoppeln sind – – Der verbuhlteste West, ein Herold des jüngsten Ungewitters, – so poetisch – als es der HERR der Heerschaaren nur denken und ausdrücken kann, wird da den rüstigsten Feldtrompeter überschmettern: – – Abrahams Freude den höchsten Gipfel erreichen; – sein Kelch überlaufen – Die allerletzte Thräne! unschätzbar köstlicher als alle Perlen, womit die letzte Königin in Egypten Übermuth treiben wird; – diese allerletzte Thräne über Sodoms letzten Brand und des letzten Märtyrers57 Entführung, wird GOTT eigenhändig von den Augen Abrahams, des Vaters der Gläubigen! abwischen – –

Jener Tag des HERRN, der Christen Muth macht des HERRN Tod zu predigen, wird die dummsten Dorfteufel unter allen Engeln, denen ein höllisches Feuer bereitet ist, offenbar machen. Die Teufel glauben und zittern! – aber eure durch die Schalkheit der Vernunft verrückte Sinne zittern nicht – Ihr lacht, wenn Adam, der Sünder, am Apfel, und Anakreon, der Weise, am Traubenkern erstickt! – Lacht ihr nicht, wenn Gänse das Capitol entsetzen – und Raben den Patrioten ernähren, in dessen Geist Israels Artillerie und Reuterey bestand? – Ihr wünscht euch heimlich zu eurer Blindheit Glück, wenn GOTT am Kreuz unter die Missethäter gerechnet wird – und wenn ein Gräuel zu Genf oder Rom, in der Oper oder Moschee, apotheosirt und koloqvintisirt wird. – –

Pinge duos angues! pueri, sacer est locus; extra

Meiite; discedo – – –

PERS.

Der Geburtstag eines Genies wird, wie gewöhnlich, von einem Märtyrerfest unschuld'ger Kinder begleitet – Man erlaube mir, daß ich den Reim und das Metrum mit unschuldigen Kindern vergleichen darf, die über unsere neueste Dichtkunst einer drohenden Lebensgefahr ausgesetzt zu seyn scheinen.

Wenn der Reim zum Geschlechte der Paronomasie58 gehört: so muß das Herkommen desselben mit der Natur der Sprachen und unserer sinnlichen Vorstellungen beynahe gleich alt seyn. – – Wem das Joch des Reims zu schwer fällt, ist dadurch noch nicht berechtigt, das Talent59 desselben zu verfolgen. Der Hagestolze hätte dieser leichtsinnigen Feder sonst so viel Anlaß zu einer Stachelschrift gegeben, als Platon haben mochte den Schlucken des Aristophanes im Gastmal, oder Scarron seinen eigenen durch ein Sonnet zu verewigen.

Das freye Gebäude, welches sich Klopstock, dieser große Wiederhersteller des lyrischen Gesanges, erlaubet, ist vermuthlich ein Archaismus, welcher die rätzelhafte Mechanick der heiligen Poesie bey den Hebräern glücklich nachahmt, in welcher man nach der scharfsinnigen Beobachtung der gründlichsten Kunstrichter unserer Zeit60 nichts mehr wahrnimmt als »eine künstliche Prose in alle kleine Theile ihrer Perioden aufgelöst, deren jeden man als einen einzelnen Vers eines besondern Sylbenmaaßes ansehen kann; und die Betrachtungen oder Empfindungen der ältesten und heiligsten Dichter scheinen sich von selbst« (vielleicht eben so zufälliger weise wie Epikurs Sonnenstäubchen) »in symmetrische Zeilen geordnet zu haben, die voller Wohlklang sind, ob sie schon kein (vorgemaltes noch Gesetzkräftiges) Sylbenmaas haben.«

Homers monotonisches Metrum sollte uns wenigstens eben so paradox vorkommen, als die Ungebundenheit des deutschen Pindars61. Meine Bewunderung oder Unwissenheit von der Ursache eines durchgängigen Sylbenmaaßes in dem griechischen Dichter ist bey einer Reise durch Curland und Liefland gemäßigt worden. Es giebt in angeführten Gegenden gewisse Striche, wo man das lettische oder undeutsche Volk bey aller ihrer Arbeit singen hört, aber nichts als eine Cadenz von wenig Tönen, die mit einem Metro viel Ähnlichkeit hat. Sollte ein Dichter unter ihnen aufstehen: so wäre es ganz natürlich, daß alle seine Verse nach diesem eingeführten Maasstab ihrer Stimmen zugeschnitten seyn würden. Es würde zu viel Zeit erfordern, diesen kleinen Umstand (ineptis gratum fortasse – qui volunt illa calamistris inurere) in sein gehörig Licht zu setzen, mit mehreren Phaenomenen zu vergleichen, den Gründen davon nachzuspüren, und die fruchtbaren Folgen zu entwickeln –

Iam satis terris niuis atque dirae

Grandinis misit Pater, & rubente

Dextera sacras iaculatus arces

Terruit vrbem,

Terruit gentes; graue ne rediret

Seculum Pyrrhae, noua monstra questae,

Omne quum Proteus pecus egit altos

Visere montes. – –

HORATIVS.

Apostille.

Als der älteste Leser dieser Rhapsodie in kabbalistischer Prose seh ich mich vermöge des Rechts der Erstgeburt verpflichtet, meinen jüngern Brüdern, die nach mir kommen werden, noch ein Beyspiel eines barmherzigen Urtheils zu hinterlassen, wie folget:

Es schmeckt alles in dieser ästhetischen Nuß nach Eitelkeit! – nach Eitelkeit! – Der Rhapsodist62 hat gelesen, beobachtet, gedacht, angenehme Worte gesucht und gefunden, treulich angeführt, gleich einem Kaufmannsschiffe seine Nahrung weit her geholt, und von ferne gebracht. Er hat Satz und Satz zusammengerechnet, wie man die Pfeile63 auf einem Schlachtfelde zählt; und seine Figuren abgezirkelt, wie man die Nägel zu einem Gezelt abmißt. Anstatt Nägel und Pfeile hat er mit den Kleinmeistern und Schulfüchsen seiner Zeit * * * * * * * * und – – – – – – – – Obelisken und Asterisken64 geschrieben.

Laßt uns jetzt die Hauptsumme seiner neusten Ästhetick, welche die älteste ist, hören:

Fürchtet GOtt und gebt Ihm die Ehre, denn die Zeit Seines Gerichts ist kommen, und betet an Den, der gemacht hat Himmel und Erden und Meer und die Wasserbrunnen!

53Offenb. XIX, 10.

54S. die Beantwortung der Frage von dem Einflusse der Meynungen in die Sprache und der Sprache in die Meynungen, welche den von der königlichen Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1759. gesetzten Preiß erhalten hat. S. 66. 67. Hiebey kann füglich zu Rath gezogen werden: Ars Pun-ica, siue Flos Linguarum: The Art of Punning, or the Flower of Languages in seventy-nine Rules for the farther Improvement of Conversation and Help of Memory. By the Labour and Industry of TUM PUN-SIBI.

55Worte unsers Luthers (der sich durch Lesung des Augustins seinen Geschmack ein wenig verdorben haben soll) aus dessen bekannter Vorrede über den Brief an die Römer, an der ich mich eben so wenig müde lesen kann, als an seiner Vorrede zum Psalter. Ich habe diese Stelle durch eine sogenannte Accommodation hier angeführt, weil Luther am angeführten Orte von dem Abgrunde Göttlicher Vorsehung spricht, und nach seiner löblichen Gewohnheit auf seinen Ausspruch versichert, »daß man ohne Leiden, Kreuz und Todesnöthen die Vorsehung nicht ohne Schaden und heimlichen Zorn wider GOTT handeln könne.«

56Den Kirchenliederischen Fall dieses Abschnittes wird der andächtige Leser selbst ergänzen. Mein Gedächtnis verläßt mich aus bloßem Eigensinn; – Semper ad euentum – – & quae desperat – relinquit.

572 Petr. II, 8.

58Siehe zu Lowthii Praelect. XV. die 76. Note des Herausgebers. Algarotti. Vol. III.

59 Sanft schleichet sich der Reim ins Herz, wenn er sich ungezwungen findet; Er stützt und ziert die Harmonie, und leimt die Rede ins Gedächtnis. Elegien und Briefe. Strasburg, 1760.

60Siehe zu Lowths dritten Vorlesung die vierte Anmerkung des Herausgebers S. 149 und im dritten Theil der Briefe die neueste Litteratur betreffend den ein und funfzigsten.

61Würde es nicht poßierlich seyn, wenn Herr Klopstock seinem Setzer, oder einer Margot la Ravaudeuse, wie die Muse des Philologen ist, die Ursachen angeben wollte, warum er seine dichterische Empfindungen, die qualitates occultas für den Pöbel zum Gegenstande haben und in galanter Sprache Empfindungen par excellence heissen, mit abgesetzten Zeilen drucken läßt. Ohngeachtet meiner kauderwelschen Mundart würde ich sehr willig seyn, des Herrn Klopstocks prosaische Schreibart für ein Muster von klaßischer Vollkommenheit zu erkennen. Aus kleinen Proben davon trau ich diesem Autor eine so tiefe Kenntnis seiner Muttersprache, und besonders ihrer Prosodie zu, daß sein musikalisches Sylbenmaaß einem Sänger, der nicht gemein seyn will, zum Feyerkleide der lyrischen Dichtkunst am angemessensten zu seyn scheint. – Ich unterscheide die Originalstücke unsers Assaphs von seinen Verwandlungen der alten Kirchenlieder, ja selbst von seiner Epopee, deren Geschichte bekannt, und mit Miltons seiner, wo nicht ganz, doch im Profil, ähnlich ist.

62– οι ραψωδοι – ερμηνεων ερμενεις. Sokrates in Platons Ion.

63Procop. de bello persico. I. 18.

64Asteriscus illucescere facit; obeliscus iugulat et confodit: Hieronymus in praefat. Pentateuchi. Conf. Laertius in Platone. Ein geschickter Gebrauch dieser massoretischen Zeichen könnte eben so gut dienen, die salomonischen Schriften zu verjüngen, als einer der neuesten Ausleger zween Briefe Pauli durch die Methode der §. §. und Tabellen erläutert hat.

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

Inhaltsverzeichnis

Ugolino

Inhaltsverzeichnis

Vorbericht

Erster Aufzug

Zweiter Aufzug

Dritter Aufzug

Vierter Aufzug

Fünfter Aufzug

Vorbericht

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte dieses Drama ist aus dem Dante bekannt.

Ugolino, Graf von Gherardesca, und seine drei Söhne sind die Personen.

Die Zeit der Vorstellung eine stürmische Nacht.

Die Szene ein schwach erleuchtetes Zimmer im Thurm.

Erster Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Anselmo. Hilf dem armen Gaddo, mein Vater! Sein Anblick dringt mir ans Herz.

Ugolino. Guten Mut, mein wackrer Anselmo. – Armer Gaddo!

Gaddo. Ach, mein Vater!

Anselmo. Ich dachte nicht, daß es so böse Menschen auf der Welt geben könnte. Warum hat der Thurmwärter dem armen Gaddo nichts zu essen gebracht? Ein tückischer Mann, der Thurmwärter!

Ugolino. Er kann krank sein; es kann ihn ein Unglück betroffen haben. Er ist unschuldig an unserm Hunger.

Anselmo. Hungert dich denn auch, mein Vater?

Ugolino. Dich nicht, mein Lieber?

Anselmo. Mich dünkt, daß mich weniger hungern würde, wenn der arme Gaddo zu essen hätte. Ich kann sein eingefallnes bleiches Gesicht nicht ohne Schmerz ansehen. (umarmt Gaddo.)

Ugolino. Armer Gaddo!

Gaddo. Sei nicht traurig, mein Vater.

Anselmo. Sieh, mein Vater, ich bin nicht traurig. (Trocknet sich die Augen ab.) Ich bin nur müde.

Ugolino. Und müßt ihr meine Tröster sein? Ha! es ist bitter.

Anselmo. Du sagtest, dem Thurmwärter sei ein Unglück begegnet. Ist denn niemand, der ihm den Liebesdienst tun könne, statt seiner zu kommen? Es ist doch unbillig, daß Gaddo nicht essen soll. Kein Weib, keine Tochter, kein Blutsfreund?

Ugolino. Ich hoffe, mein Anselmo, daß jemand für ihn kommen werde.

Anselmo. Die Bedauernswürdigen haben unsrer vielleicht über dem Unglück des Mannes vergessen.

Ugolino. So ist's.

Anselmo. Ich bedaure sie von Herzen.

Ugolino. Gott wird dich wieder bedauern, mein Geliebter.

Anselmo. Und den kranken Gaddo.

Ugolino. Uns alle.

Anselmo. Dich? Und ein Gott müßt es nur sein, der dich bedauerte. Von der Welt braucht ein so großer Mann, wie du, nicht bedauert zu werden. Meine Mutter hat mir oft gesagt, daß du ein sehr großer Mann bist; jedermann sagt es. Wenn ich ein Mann wäre, ich will nicht träumen, ein großer Mann: denn was habe ich, ich Pflanze! getan, daß ich ein Mann sein könnte, wie du? aber wenn ich ein Mann wäre, niemand sollte mich bedauern.

Ugolino. Wie das?

Anselmo. Doch itzt besinne ich mich: ich müßte auch ein freier Mann sein; nicht im finstern Thurm eingesperrt sitzen; frei müßt ich sein; frei meine Hand (sie würde dann Nerve haben;) frei dieser Arm – ha!

Ugolino. Du schweigst? du glühst? Rede weiter, mein Sohn Anselmo.

Anselmo. Mein Vater! (seinen Arm um seinen Vater schlingend) Großer Mann! schäme dich meiner nicht, daß ich erröte! Ah, Gherardesca, nenne mich noch einmal deinen Sohn Anselmo!

Ugolino. Mein geliebter, mein edler Sohn Anselmo! Mein männlicher Sohn Anselmo!

Anselmo. (auf und ab gehend) Ich bin nur dreizehn Jahre alt: aber Ugolino Gherardesca hat mich seinen Sohn genannt. Männlicher Sohn ist zu viel: aber genug, Gherardesca hat mich seinen Sohn genannt! Zittre du, o du, den ich jetzt denke, zittre vor dem Sohne Gherardescas, wenn er ein Mann sein wird!

Ugolino. Welch großer Gedanke drängt sich, und keimt auf in deiner zarten Seele? Bewundernswürdig!

Anselmo. Ein Sprung vom Thurme, sagte Francesco, ist ein kühner Gedanke: allein ein kühner Gedanke, setzte er hinzu, ist ein angenehmer Gedanke. Es ist wahr; je höher ich mir den Thurm denke, desto höher erhebt sich meine Seele.

Ugolino. Nun?

Anselmo. Wie ärgert's mich, daß Francesco mir darin zuvorkommen mußte!

Ugolino. Was schwärmst du, Knabe? Worin zuvorkommen?

Anselmo. Das zu denken! ach! – In jedem entzückenden gefahrvollen Gedanken läßt er mich hinter sich. Du würdest mich nicht so mit der Miene Knabe nennen: würdest du? Es schmerzt mich, mein Vater!

Ugolino. Ruggieri, laß deinen Grimm diesen Weg nehmen! (auf sein Herz zeigend) Feind meiner Seele, laß ihn diesen Weg nehmen!

Anselmo. (erschrocken) Wen nanntest du? Ah, mein Vater!

Gaddo. Ruggieri? O sieh, sieh, mein Vater! (hält ihm seinen Nacken hin) so hat er mich geschlagen!

Ugolino. Traurig! jammervoll! wie sie in meiner Seele wütet! o diese Erinnerung!

Gaddo. Er schlug mich! So hob er seine Hand auf! – Dann schlug er mich. Weder mein Vater, noch meine Mutter haben mich geschlagen. Meine Mutter wollte mich in ihrem Busen verbergen; und der eiserne Erzbischof traf auch sie.

Ugolino. Und wo war ich bei dieser schändlichen grausamen Szene? Ah, Barbar! das ist es! das schmerzt! Daß deine Büttel mich unter der schwärzesten aller Nächte (verbannt sei sie auf ewig aus meinem Gedächtnisse!) niederdrücken mußten, daß ich nicht um mich her schauen, nicht in dem gerechten Zorne meiner Seele mich erheben, dich nicht zwischen meine ausgestreckten Hände fassen, dir nicht das verruchte Herz aus dem Leibe drücken konnte! Doch du tatst wohl, daß du den Bären aus seiner Höhle entferntest, und Dank sei deiner Weisheit! Beruhigt euch, meine Kinder! Wie ist's, Gaddo?

Gaddo. Sage mir, mein Vater, warum ward dieses Fenster so klein gemacht?

Anselmo. Daß man nicht durchschlüpfe, Gaddo.

Gaddo. Ein glücklicher Einfall! Man hat vorausgesehn, daß der Erzbischof versuchen würde, zu uns zu kommen, und darum hat man das Fenster so klein gemacht. Ein guter Einfall! Ich wunderte mich schon, daß er uns so lange in Ruhe gelassen hat.

Anselmo. Wollte Gott, er käme!

Gaddo. Pfui, Anselmo!

Anselmo. Ich sage noch einmal, wollte Gott, er käme.

Gaddo. Das Blut starrt mir in den Adern, du böser Anselmo.

Anselmo. Aber wohl zu verstehn, durch dies kleine Fenster: den Kopf voran, und die übrige Schlange strotzte draußen im Freien, und könnte sich nicht nachwinden! und ich stünde hinter ihm an der Wand! ungesehn! Hei, Gaddo! (umarmt Gaddo)

Gaddo. Mutwilliger! Er würde seine Büttel mit sich bringen.

Anselmo. Die möchten wieder heimkehren. Ich wünsche keinem Menschen Arges, als ihm.

Gaddo. Hat er dich auch geschlagen?

Anselmo. Was Schlimmers, Gaddo. Er hat mich gehöhnt.

Gaddo. Gehöhnt?

Anselmo. Er hob mich auf seine verhaßten Arme, als wäre ich ein Säugling, setzte mir sein Barett auf den Kopf, und nannte mich Prinz von Pisa.

Gaddo. Prinz von Pisa? Was ist das?

Anselmo. Merkst du denn nicht, daß er unsers großen Vaters spotten wollte?

Gaddo. So scheint's. Und du?

Anselmo. Ich zitterte. »Bischof!« stammelte ich, »Bischof! warum? wie? für was diese Krönung? Ich mache keine Ansprüche darauf, Bischof. Ich lege das Diadema – zu deinen Füßen.« – Weg flog das Barett.

Gaddo. Gut war's, daß du das Barett nicht behieltest. Wer weiß, es könnt ihn gereut haben; und so hätt er dich auch geschlagen.

Ugolino. Ihr Kinder macht mich lächeln. Wie, mein kleiner Freund, du warfst ihm das Barett vor die Füße? Was sagte der Mann da?

Anselmo. Seine plumpen Augen schwollen ihm ganz dick im Kopf auf, recht so, wie ich's an der Kröte gesehen habe, die Francesco mit dem Wurf einer Orange traf. Er preßte mich fest an sich, kniff blaue Mäler in meinen Arm, biß die Lippen zusammen, und ließ sie dann hangen, sprach kein Wörtchen, nahm das Barett langsam vom Boden auf. Traun, er kam mir so hölzern vor, daß ich ihn im Bücken von mir stieß, und mit einem Schwünge seinen Armen entsprang.

Gaddo. Was für boshafte Menschen es gibt! Er kniff dich doch, ob du ihm gleich das Barett zurückgabst!

Anselmo. Nun fand er die Sprache. Er rief seinen Sbirren, mich den Buben (so schalt seine Wut) meinem Vater (ich verschweige den Namen seiner Vergiftung: was über seine Zunge geht, wird ein Greuel) –

Ugolino. Er hat keine andre Waffen.

Anselmo. – nachzuschleppen, mich aus dem Drachenneste hinweg in den Thurmkerker zu schleppen. »Ich danke dir«, antwortete ich mit einer Verbeugung, »ein Drachennest ward diese Wohnung erst, da du sie mit deiner Brut betratst.« Ich wollte mehr sagen: die Sklaven aber bebten, wie Totengeribbe, mit mir davon. Nun bin ich hier; drum sei nicht traurig, mein Vater.

Ugolino. Ach, Anselmo, du süßer Knabe, kannst du –

Anselmo. Du wendest deine teuren Augen von mir weg, mein Vater?

Ugolino. Kannst du – und du, mein sanfter Gaddo – könnt ihr mir vergeben, meine Kinder?

Anselmo. (zu Gaddo) Unser Vater ist wunderbar bewegt. Wie er mir die Hand drückt!

Ugolino. Nur dies noch. – Ihr Unschuldigen, vergebt mir!

Gaddo. Ach! er zürnt, unser Vater. Was mag er meinen?

Anselmo. Er riß sich mit Gewalt von uns los. Er wollte noch etwas sagen; ich sah's; er zwang die Sprache zurück in seine männliche Brust; eine hohle dumpfigte Sprache, wie eines Schluchzenden –

Gaddo. (weinend) Ah!

Anselmo. Fürchterlich!

Gaddo. Erblasse nicht so, Anselmo! Du erschreckst mich nur mehr.

Anselmo. Er wendet sich zu uns. Holdseliger Vater! wie er uns anlächelt!

Ugolino. (setzt sich) Komm her, mein Gaddo – wenn die Entkräftung dir noch so viel Schritte erlaubt – geliebtes Kind – (Hebt ihn auf seinen Schoß)

Gaddo. Ich? ich sollte entkräftet sein? (seines Vaters Hände küssend)

Anselmo. Nein, Vater, belebende Kraft geht von deinem Antlitze aus; das ist gewiß.

Ugolino. Wie alt bist du, Gaddo? weißt du's?

Gaddo. Zwölf Jahre, wo mir recht ist.

Anselmo. Einfältiger Gaddo! kaum sechs.

Ugolino. Laß ihn, Anselmo. Jammer und Elend haben seinen kleinen Lebenslauf schnell beflügelt. Er zählt besser als du glaubst.

Anselmo. Wie, mein Vater? Ich selbst bin wenig über zwölf Jahre alt. Ich müßte doch drum wissen.

Ugolino. Wahr ist's. Deine reifern Tage haben viel Freude gekannt. O du liebesvolle Genügsamkeit! Du hassest Ruggieri, sagst du? sprich nicht, daß du ihn hassest.

Anselmo. Ihn? Er ist mir ein Grauen! dir nicht, Gaddo? Hassest du ihn nicht? Sprich.

Gaddo. Ich fürcht ihn, Anselmo. Daß ich ihn hasse, kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht, was das ist.

Ugolino. Gaddo liebt mich.

Anselmo. Nicht mehr, als ich dich liebe; nicht mehr als ich deinetwegen Ruggieri hasse!

Ugolino. Meinetwegen?

Anselmo. Deinetwegen: deiner zerstörten Glückseligkeit wegen, du Befreier von Pisa! laß mich dich dies erstemal mit diesem Namen nennen, großer Mann! Aber auch meiner Mutter wegen; ihrer vielen Tränen wegen! Aber auch Gaddos wegen! sollt ich den Feind deiner Ehre, den Urheber deines Verderbens nicht hassen? Mein Vater, so müßt ich mich selbst hassen; vergib mir.

Ugolino. Nicht weiter! nicht weiter grausamer junger Mensch. Du bis schwerer zu ertragen, als ein unruhiges Gewissen.

Anselmo. Mein Vater!

Ugolino. Geh!

Anselmo. Den Urheber –

Ugolino. Geh, sag ich, entfleuch!

Anselmo. Vergib mir. Den Störer deiner Ruhe –

Ugolino. Verstumme! Zittre!

Anselmo. Den Herrschsüchtigen –

Ugolino. Zittre; du hassest mich! Der Urheber eures Verderbens, der Störer eurer Ruhe, der Herrschsüchtige, der Verräter, der bin ich! Genug, Schmerzenssohn! Du hast nicht verdient, was du für mich leiden mußt.

Anselmo. (Zu Gaddo) Neue Wolken gehn in unsers Vaters Augen auf. Ich für ihn leiden? Ach, mit Wonne! mit Wonne! wenn nur er dann nicht litte! Nicht wahr, Gaddo, du wolltest auch für unsern Vater leiden? wolltest du?

Gaddo. O ja! viel lieber, als ihn so traurig sehn.

Anselmo. Und worüber so traurig? sind wir nicht hier bei dem besten Manne? Du auf seinem Schoße, ich in seinen Arm gelehnt? Wenn jemand sich zu beklagen hat, so ist's unsre Mutter –

Gaddo. Der der Mann mit dem traurigen Namen so unfreundlich begegnete –

Anselmo. Recht, daß er sie allein im Palaste zurückließ. Hier hätt er sie herschicken sollen; und wir wären eine Welt der Freude füreinander gewesen. Dies einzige ist's, glaube mir, Gaddo, denn was könnt es sonst sein? was unsern Vater so traurig macht. Husch! da kömmt Francesco. (Läuft ihm entgegen) O mein anmutiger Bruder! immer so heiter! so emporwallend! Dein Kommen ist mir erwünschter, als der jugendliche Morgen. Aber unser Vater ist traurig.

Francesco. (Leise zu Anselmo) Freue dich Anselmo: der Entwurf ist reif; und er soll ausgeführt werden.

Anselmo. Ist irgendein Beinbruch oder Armbruch oder so was damit verbunden?

Francesco. Nein, das ist eben das Schlimme, daß die Sache so gar leicht ist. Nicht die mindeste Gefahr, auf mein Wort.

Anselmo. Erkläre dich.

Francesco. Du hast die Öffnung gesehn –

Anselmo. Was? die Öffnung in der Spitze des Thurms? Du schwärmst Francesco!

Francesco. Haha! schwindelt dir so früh?

Anselmo. Die Öffnung, sagst du, oben an der Spitze des Thurms! Geh doch! geh! dieser Gedanke ist so erhaben, daß ich ihn dir nicht nachdenken kann: um desto mehr aber bewundre ich ihn.

Francesco. Schmeichler!

Anselmo. Ganz wider meine Absicht. Überdem getraut ich mir kaum, ein Bein hindurchzubringen.

Francesco. Nicht gestritten! Ich sage dir Bübchen, die Öffnung ist so groß, daß sie beide durchschlüpfen, Kopf und Arme hintendrein.

Anselmo. Und wie hast du das gemacht?

Francesco. Wie macht man's? Erst hab ich einen Stein gelöst, dann wieder einen, dann noch einen, und abermals einen gelöst: genug, Schwätzer, wenn du mir nicht glaubst, komm und sieh.

Anselmo. Dann springst du von oben mit einem Sprunge aufs Pflaster herunter! Patsch! war's nicht so?

Francesco. Nicht völlig so. Mit Absätzen spring ich, wie das Eichhörnchen vom Ahornbaum. Du hast's ja wohl gesehen.

Anselmo. Ich springe doch mit, Lieber? Nun du mir davon sprichst, wird's mir ja ganz warm im Kopfe. Nicht? ich springe doch mit, Francesco?

Francesco. Nicht doch! Du schreitest mit aller Gemächlichkeit zur Thurmtüre hinaus. Was ist begreiflicher, als daß ich die Thurmtüre öffne, wenn ich unten bin? Doch dies muß seine Zeit haben. Soviel verspreche ich, ehe der Morgen kömmt, seid ihr frei, frei, wie euch Gott erschaffen hat; oder ich heiße nicht Francesco.

Gaddo. (Horchend) Ach lieber Gott! dann wird gegessen werden!

Anselmo. (traurig) Und ich soll unten wie ein armseliger Tropf, zur Thurmtüre hinausschreiten? was sag ich schreiten? schleichen! Eher soll man mich bei den Haaren hinausschleppen! Merke dir's, Stolzer, ich springe!

Francesco. Tor, wird unser Vater nicht auch hinausschreiten?

Gaddo. (der seines Vaters Schoß verläßt, und Anselmo am Rock zupft) Sprich, daß du schreiten willst! Was ist daran gelegen? Geht's doch hinauswärts!

Ugolino. (auffahrend) Was habt ihr Kinder?

Francesco. Mein Vater, es findet sich im Thurm eine Öffnung – eine Öffnung – von der ich dein Urteil wissen möchte.

Ugolino. Der heftige SThurm, der über uns im Gewölke kracht, und die Spitze schüttelt, hat vermutlich die Mauer zerrissen. Ist der Riß so tief, daß man auf die Gasse sehen kann? Es würde mir ein neuer schöner Anblick sein, auch außer diesen Wänden Menschen, das Bild Gottes, zu erblicken; sowenig die in Pisa es um mich verdient haben.

Francesco. O Himmel! einen Riß nennst du's, mein Vater? Komm, komm, du sollst Wunder sehn.

Ugolino. Ha! ist's mehr, als ein bloßer Riß?

Francesco. Einen Schlund nenn es, mein Vater; wofern man das einen Schlund nennen kann, was den Leib eines Menschen durchläßt –

Ugolino. Was sagst du, Jüngling? Du treibst mir das Herz an den Hals hinauf! Ha! geschwind laß mich sehn.

Francesco. (winkt Anselmo) Gib acht, Bübchen, unser Vater wird's nicht nur verstatten: er wird mich drum bitten.

Ugolino. Hurtig! hurtig! (geht mit Francesco ab)

Anselmo. Bemerktest du den Übermut unsers Bruders? O Gaddo, es ist ein unerträglicher Gedanke!

Gaddo. Ein unerträglich süßer Gedanke! Nun kann ich's kaum abwarten.

Anselmo. Er der Erretter des Gherardesca? Wie wird's des Übermütigen Herz aufschwellen, wenn unsere Mutter mit dem Finger hinzeigt, sprechend: »Seht, dies ist mein Erstgeborner, der seinen Vater, und seine beiden Brüder befreite!« Von uns aber sagt man kein Wörtchen!

Gaddo. Wenn unsere Mutter das spricht, so wird mir's so lieb sein, als spräche sie es von mir: warum? es gebührt ihm so!

Anselmo. Allerdings. Aber hätt ich nicht machen können, daß es mir auch so gebührte?

Gaddo. Schäme dich, Anselmo. Du liebst Francesco nicht, wenn du ihn nicht loben hören magst.

Anselmo. O Gaddo, ich lieb ihn gewiß mehr, als du: denn ich möcht ihm gleich sein. (Ugolino und Francesco kommen zurück.)

Ugolino. (schnell auf und ab gehend) Wenn diese Öffnung so tief unten wäre, als sie hoch oben ist! –

Francesco. Glaube nicht, mein Vater, daß sie zu hoch oben ist. Du wirst die Zinnen draußen an der Mauer bemerkt haben.

Ugolino. Gram und Alter haben mich schwerfällig gemacht. O Ruggieri! Verworfner! nur einmal dich so unter meiner Hand zu wissen! so dein Schlangenhaar zu ergreifen! so dein Leben an die Spitze meines Fußes zu heften! so dir die höllische Seele aus dem Leibe zu treten!

Francesco. Königlicher Anblick! was wollt ich drum geben!

Anselmo. Der Zorn schwellt ihm die Lippen!

Ugolino. Gib mir Geduld! Gott im Himmel! Gib mir Geduld! Wartet hier, meine Kinder. Ich komme gleich zu euch. (geht ab)

Francesco. Er wird die Öffnung näher untersuchen wollen. Wenn er sich nur nicht im edlen Grimm seines Herzens auf das Ungeheuer herabstürzt, gleich dem erhabnen Vogel, der sich ins Steintal wirft, wo er einen Drachen erblickte.

Anselmo. Fürchte das nicht, Francesco. So aufgebracht unser Vater wider Ruggieri ist, so ist er's doch noch mehr wider sich selbst. Mir zwar ein Rätsel.

Francesco. O es ist ein großer, ein wunderbar großer Geist, der in diesem Manne, unserm Vater, wohnt! Er schmälert seine Verdienste, um sein Schicksal zu rechtfertigen.

Anselmo. Sie schmälern, die kein Sterblicher zu schmälern wagt? Sie selbst schmälern? Wie kann er's?

Francesco. Pisa seufzte unter dem Joche eines Tyrannen. Gherardesca stand auf, und rächte die Seufzende.

Anselmo. War es nicht edel? war es nicht göttlich?

Francesco. Was war es nicht! Aber nun blies ihm Ruggieri, schon lange sein heimlicher Neider, nun blies ihm der Gesandte des Abgrundes, der, um sichrer zu verschlingen, im priesterlichen Mantel der Religion umherschleicht, der blies ihm den Gedanken ein, Pisas Wohl erfordre einen Beherrscher, niemand habe ein höheres Recht auf Pisas Diadema, als Gherardesca. Gherardesca wagte den kühnen Schritt, den er sich nie verzeihen wird; und Gherardesca ward unglücklich.

Anselmo. Wußte der Heimtückische ihn so zu verwickeln. Ist das die Welt? Nun, bei der heiligen Mutter Gottes, ich verabscheue sie!

Francesco. Die Gualandi, die Sismondi, die Lanfranchi, die Buondelmonti, die Cavicciulli, alle seine Freunde und Bewundrer, sie alle verließen ihn. Noch mehr: sie schwuren seinen Fall. So fiel Gherardesca.

Anselmo. Durch seine Freunde! O es ist unerhört! es ist unerhört! Francesco, wir sind Gherardescas Söhne!

Francesco. Und ehe der Morgen kömmt, Gherardescas freie Söhne!

Anselmo. Gib mir deine Hand, Francesco! Bei dieser brüderlichen Hand! gehüllt ins Dunkel dieser schauernden Mitternachtstunde! schwör ich! und so möge lautes Hohngelächter mir auf der Ferse folgen, wenn ich vergebens schwöre! ich will den Namen Gherardesca rächen! rächen! rächen!

Francesco. Gaddo weint? warum weint mein Gaddo?

Gaddo. Ja wohl, eine schauernde Mitternachtstunde! Muß ich so was von meinem Bruder Anselmo hören! Geht weg von mir; ihr macht mich fürchten.

Ugolino. (tritt an die Szene) Ich wollte dir nur sagen, Francesco, daß du nicht weiter daran denkst. Gherardesca soll nicht flüchten, als wär er ein Bandit. Überdem ist der Sprung unmöglich; und unten lauern Kundschafter. (geht ab)

Francesco. (bestürzt) Eine Donnerstimme!

Anselmo. Glück zu. Dir verbot es unser Vater: aber ich darf den Sprung wagen, und ich will. Lebe wohl, guter Francesco. Denke du der Donnerstimme nach: unterdes steh ich draußen an der Thurmtüre.

Francesco. Kundschafter in dieser Totenstunde? In diesem SThurme, der die Erde aus ihren Angeln zu reißen droht? »Wozu Kundschafter?

Anselmo. Sie sind nicht dumm!

Francesco. Nein, mein Vater, flüchten soll Gherardesca nicht, als wär er ein Bandit! Noch haben wir Freunde! Dank sei es der Vorsicht! Die Häuser der Ruccellai, der Cerrettieri, und der Cavalcanti sind noch alle auf unsrer Seite. Hast du nicht selbst vor zwei Tagen, in dem Briefe an meine Mutter, den der Thurmwärter zu bestellen übernahm, diese mächtigen Häuser aufgeboten? Und soll der Befreier von Pisa hier im abscheulichen Thurmkerker umkommen? Nein, nein, mein Vater, meine Gegenwart ist unentbehrlich, und Francesco soll dich retten. Nenn ihn ungehorsam, vermessen, wie du willst; Francesco soll dich retten!

Anselmo. Gib dir keine Mühe: er hat der Söhne mehr.

Francesco. Komm, Anselmo, du magst mich zurechtweisen, wenn ich an der Mauer herabklimme.

Anselmo. Und ich soll das Nachsehn behalten? soll ich?

Francesco. Du bist ein Geck. Die Sache ist zu ernsthaft, um ein Wortspiel daraus zu machen. Erinnere du dich deines Schwurs, mir überlasse den Sprung: so sind wir beide Gherardesca! (gehen ab. Gaddo legt sich auf den Boden nieder)

Zweiter Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Anselmo. (läuft zu Gaddo hin) Schläfst du? Daß der Wind mich nur nicht überhole! Hei, beim Sankt Stephan, ich bin flüchtiger, als ein junges Reh! (Läuft) Hi! hi! hi! o daß ich recht auslachen dürfte! Schläft er denn immer? (Läuft wieder zu Gaddo hin) O mir! wie es so wohltut! hüpfen möcht ich, ja hüpfen, wie ein Lamm der Herde! (Hüpft und läuft fort. Gaddo erwacht)

Gaddo. Wie ist mir? Ich bin gespeist und getränkt, und vergesse das Gratias! (Knieend) Dank sei dir, heilige Mutter Gottes, für Speise und Trank! Du hast wohl an mir getan, Madonna: denn deinem armen Knaben hungerte sehr. Laß dir das Gebet meiner Einfalt gefallen, und gib mir noch etwas drüber! Dank sei dir auch, heilige Jungfrau, für die Speisung meines lieben Vaters, und meines lieben Bruders Francesco, und meines lieben Bruders Anselmo. Ich danke dir. Du hast viel Gutes getan uns allen.

Anselmo. (Kömmt zurück) Der anmutige Knabe betet. Was mag er beten? Ich will ihn nicht stören.

Gaddo. Du störst mich nicht, Anselmo: ich hatte das Gratias vergessen.

Anselmo. So weißt du sie denn schon, die fröhliche Neuigkeit?

Gaddo. Wie sollt ich sie nicht wissen?

Anselmo. Du hast uns belauscht, Schalk. War's nicht ein köstlicher Anblick? eine bezaubernde Augenweide?

Gaddo. Eine bezaubernde Mundsweide!

Anselmo. Auch das, Gaddo. Eins folgt aus dem andern. Doch wünscht ich, daß du davon nicht zu viel erwähntest.

Gaddo. Wie das?

Anselmo. Unter uns gesagt, meine Eßbegierde ist nie unruhiger gewesen.

Gaddo. Ich konnt es merken. Du fielst grausam über die Schüsseln her.

Anselmo. Ich fiel nicht, Gaddo, sondern ich möchte fallen.

Gaddo. Dich hungert schon wieder? Eine seltsame Eßbegierde!

Anselmo. Das ist lustig!

Gaddo. Ungemein!

Anselmo. Ha, ha, ha!

Gaddo. Hi, hi, hi!

Anselmo. Immer lustiger. Du bist leichter zu sättigen, als ich, Gaddo.

Gaddo. Ich bin zufrieden, Anselmo; ich habe mein Teil genossen. (sich über den Mund streichelnd)

Anselmo. Wenn's aufs Genießen ankömmt, so ist eine gute Aussicht mir bei weitem nicht zureichend.

Gaddo. Ich denke, ich denke, Anselmo, du bliebst bei der guten Aussicht nicht stehen. Hi, hi, hi!

Anselmo. (ernsthaft) Ich blieb? Wovon redest du, Gaddo?

Gaddo. Nein, wenn du mir von Aussichten sprichst, Anselmo, als ob du nur ein Zuschauer gewesen wärst, da ich doch das Gegenteil weiß!

Anselmo. Wahrlich, Gaddo, nun versteh ich dich nicht.

Gaddo. Wie? du möchtest mich wohl überreden, du wärst so mäßig gewesen. –

Anselmo. Weil sie schlecht war, deine Mahlzeit: nicht so?

Gaddo. Ah, sie ging doch mit. Der Smerlen und des Geflügels viel! An Gebacknem kein Mangel! Zuckerbrot und Früchte von allerlei Art. Ich kann mich nicht rühmen, daß diese Augen je eine besser besetzte Tafel gesehn hätten.

Anselmo. Vermutlich auch der süßen Weine nicht wenig?

Gaddo. Freilich nicht. Aber du weißt, daß ich keinen Wein genieße.

Anselmo. Ich hätte doch geglaubt. Wie, Gaddo, sollst du deinen ältern Bruder necken?

Gaddo. Was gibt's hier zu necken? als ob du es nicht wüßtest!

Anselmo. Du sprichst also im Ernst?

Gaddo. Man kann nicht ernsthafter.

Anselmo. Beim Himmel, so bist du der seltsamste Gaddo auf Erden.

Gaddo. Und du der Ungenügsamste unter den Anselmos. Eine solche Tafel schlecht zu nennen!

Anselmo. Und wo hast du diese köstliche Tafel ausgefunden?

Gaddo. Wie, im Hause unsers Vaters. Sind wir nicht im Hause unsers Vaters?

Anselmo. Du träumst, Gaddo. Sieh dich um. Ist dies ein Zimmer im Hause unsers Vaters?

Gaddo. Das ist sonderbar. Aber ich will sterben, wenn ich weiß, wie ich nun schon wieder hieher gekommen bin.

Anselmo. Du bist nicht vom Fleck gekommen, Gaddo. Du hast geschlafen. Besinne dich. Du hast geträumt.

Gaddo. Geträumt? Possen! Fühl ich's denn etwa nicht, daß ich satt bin? Und vor kurzem hungerte mich noch so sehr!

Anselmo. Recht so habe ich von Leuten gehört, die aus Hunger geträumt hatten, sie äßen, und beim Erwachen hungerte sie nicht. Ich wünsche dir Glück zu deinem Traum; auch zweifle ich keines weges an der guten Vorbedeutung. Wenn du nicht gegessen hast, Gaddo, so bist du doch auf dem Wege zu essen. Du weißt, daß es Francesco gelungen ist, uns vielleicht noch in dieser Nacht zu befreien.

Gaddo. Ich? ich weiß kein Wort davon.

Anselmo. Du sagtest mir eben itzt, daß du es wüßtest.

Gaddo. Sagte ich's? Ja, so ist's offenbar, daß ich nur geträumt habe. Ich dummer Gaddo! Fast möcht ich weinen.

Anselmo. Warum weinen? Hörst du denn nicht, kleiner Träumer, daß du noch in dieser Nacht essen sollst?

Gaddo. Ist der Thurmwärter wieder da? Der gute Thurmwärter! Wo ist er? Ich sehe ihn nicht.

Anselmo. Nicht der Thurmwärter, sondern Francesco, bringt Speise und Trank, und Freiheit und Freude.

Gaddo. Wenn's nur gebracht wird! Zwar von Francescos Hand wird es mir noch besser schmecken. Ich liebe Francesco sehr.

Anselmo. Du haftest noch überall an der Schüssel. Francesco bringt nicht bloß Speise, sondern Freiheit.

Gaddo. Was geht mich Freiheit an! Hab ich doch zu essen!

Anselmo. Welch ein Gedanke! Gehn dich die aromatischen Blumenfelder, geht dich die Villa Gherardesca, geht dich der neue Himmel, die neue Sonne, die neue Erde nichts an?

Gaddo. Nichts, Anselmo; ich esse.

Anselmo. Unersättlicher! du issest? – Nichts die luftige Grotte? Nichts die weißschäumende Zisterne? Nichts die kristallnen Forellbäche?

Gaddo. Ah! die Forellbäche!

Anselmo. Nichts der gesangvolle Park, der stillere See, die jähen Ufer, vom Getön der Gondeln hallend, das Scherzen der vorüberhüpfenden Rudel, der brausende Auerhahn, die zirpenden Weinvögel, Heidelerchen, und Ortolane, der Fasan, die Turteltaube vor dir her, und unter dir die leichte Sardelle, die Alose, der Goldfisch, die schmelzende Lamprete –

Gaddo. (hält ihm den Mund zu) Sprich nicht mehr davon, Anselmo; du hast mich ganz.

Anselmo. O Gaddo! mein Gaddo! mein geliebter Gaddo! stelle dir die Wonne, das Entzücken vor!

Gaddo. Ach! so lebhaft!

Anselmo. Wir baden unter dem blumigten Abhange im Silberquell; sieh! die langen Aale schweben im Schatten der Weinrebe; und nun schlüpfen sie dahin! schneller schlüpfen sie dahin, als der Schilfpfeil von der Darmsenne!

Gaddo. Laß mich! laß mich!

Anselmo. Was gibt's?

Gaddo. Ich will ihnen nachschwimmen. Ich will sie einholen.

Anselmo. Hab ich dich, Schalk? Gut! unsre Mutter kömmt. Die edle Mutter!

Gaddo. Die freundliche Mutter!

Anselmo. »Anselmo!« ruft sie. »Gaddo!« ruft sie. Halb zitternd.

Gaddo. Warum zittert sie?

Anselmo. In ebendiesem Bade zog unsern Bruder Francesco ein zuckender Krampf unters Wasser bis zur Tiefe. Sie warf ihm einen Kastanienast nach; sonst war er verloren.

Gaddo. Die gütige Mutter! Sie liebt uns auch, Anselmo.

Anselmo. Allerdings; eben darum zittert sie. Wir pflücken purpurne Waldblumen jenseits am Ufer, und binden ihr einen Kranz, von Zypressenlaub umwunden. Lächelnd nimmt sie den Kranz, und drückt ihn mir auf die Stirne.

Gaddo. Nein, mir.

Anselmo. Nicht doch, Gaddo; ich habe ihn ja geflochten.

Gaddo. Und ich die Blumen gesammelt.

Anselmo. Gut! wir wollen ihrer zwei machen. Aus Freude sing ich ihr ein Frühlingslied in die Laute.

Gaddo. Und ich zeichne ihr einen dritten bessern Kranz von Amaranthen, Anemonröschen, Tausendschön, und Stockrosen.

Anselmo. Weg mit den Stockrosen!

Gaddo. Weg mit den Stockrosen? Ich sage dir, es gehört Kunst dazu, eine Stockrose zu malen.

Anselmo. Und ich sage dir, weg mit den Stockrosen! Stockrosen in einen Kranz? Unser Vater macht sich unterdessen zum Herrn von Pisa. Er versteht sich aufs Herrschen.

Gaddo. Ja, und es ist süß, kann ich dir sagen, von unserm Vater beherrscht zu werden. »Geh nicht dorthin«, spricht er, »du fällst; tritt nicht gegen die Flamme, Gaddo, sie brennt.« Unter uns, man geht am sichersten, wenn man ihm gehorcht.

Anselmo. Da schenkt er uns dann irgendein Ländchen von einer nicht geringen Strecke in die Länge und in die Breite, um Federvieh und Kaninchen zu unterhalten.

Gaddo. Sind auch Wälder dabei?

Anselmo. Ohne Zweifel. Die aber behalt ich für mich, der Rehe wegen. Du weißt, daß ich ein Liebhaber von Rehen bin.

Gaddo. Und ich von Nestern. Ich eigne mir die Nester darin zu.

Anselmo. In meinem Holze?

Gaddo. Mein oder dein: im Holze.

Anselmo. Es ist wider die Ordnung, Gaddo. In mein Holz mußt du mir nicht kommen.

Gaddo. Ich nicht in dein Holz kommen?

Anselmo. Nein, Gaddo, keinen Fuß breit, außer wenn ich dir's erlaube.

Gaddo. Wer will mir's wehren? Ich gehe hinein.

Anselmo. Ich laß es einhegen.

Gaddo. Ich steige über.

Anselmo. Über mein Gehege?

Gaddo. Über dein Gehege.

Anselmo. (erhitzt) Was? über mein Gehege wolltest du steigen?

Gaddo. Ohne Umstände.

Anselmo. Eher will ich unter Heiden und Sarazenen wohnen, als diese Ungerechtigkeit dulden.

Gaddo. (bewegt) Anselmo!

Anselmo. Reize mich nicht. Ich bin zornig.

Gaddo. Anselmo!

Anselmo. Laß mich.

Gaddo. Nimm die Nester denn nur: ich mag sie nicht.

Anselmo. Wie? die Nester?

Gaddo. Nein, Anselmo, es tut mir leid, daß du die Wälder bloß meinetwegen einhegen sollst. Ich bin ein Liebhaber von Nestern: aber ich liebe dich mehr, Anselmo.

Anselmo. Großmütiger Gaddo! Wie du mich rührst, Gaddo! Du schenktest mir die Nester; ich aber verbot dir, in mein Holz zu kommen. Nein, Gaddo, behalt die Nester, nimm die Rehe dazu, nimm die Wälder –

Gaddo. Du beschämst mich, Anselmo! Ferne sei es von mir –

Anselmo. Ich bitte, ich flehe, ich beschwöre dich!

Gaddo. Niemals, niemals –

Anselmo. O du brüderliche Zärtlichkeit! (Fällt ihm um den Hals und weint. Sie weinen beide)

Ugolino. (tritt auf) Ja wohl brüderliche Zärtlichkeit! Welch ein holder Anblick! O ihr teuren Zartfühlenden beide! ihr weint?

Gaddo. Lauter Freude!

Ugolino. Du warst doch vorher nicht eben freudig.

Gaddo. Aber itzt bin ich's, mein Vater: denn nun Francesco entsprungen ist, haben wir ja Essen die Fülle. Haben wir nicht?

Anselmo. Pisch!

Ugolino. Francesco entsprungen! Was sagst du, Gaddo?

Anselmo. (zupft Gaddo, und droht ihm) Hm!

Ugolino. Unmöglich! Wo ist Francesco?

Gaddo. Mum!

Ugolino. Antworte du mir Anselmo. Wo ist Francesco?

Anselmo. Um Vergebung, mein Vater – ich will gleich wieder hier sein.

Ugolino. Rufe mir Francesco augenblicklich her. Du zögerst?

Anselmo. Mein Vater, Francesco – ist vom Thurm gesprungen.

Ugolino. Was? was? vom Thurm gesprungen? vom Thurm wäre er gesprungen? Unglücklicher! er ist zerschmettert! er ist Staub!

Anselmo. Dafür ist gesorgt. Ich bin mehr Staub als er: laß mich dir das sagen, mein Vater er lebt, wie unsereiner, und besser. Er gab mir das Zeichen mit den drei Steinwürfen. Ich höre sie noch von den Dachziegeln rollen. Ein so musikalisches Rollen als ich eins in meinem Leben gehört habe. Ich will dir's auf der Laute machen. O mein Vater, deine Söhne sind klüger, als sich zu zerschmettern.

Gaddo. Mach's nur nicht auf der Laute. Mich dünkt, ich höre das Rollen schon so.

Ugolino. Ich hatt es dem Ungehorsamen verboten –

Anselmo. Daran zu denken, mein Vater: darum tat er es rasch.

Ugolino. Du mißfällst mir. Du bist zu kühn.

Anselmo. (kleinlaut) Ach nein! nein! mein Vater! Francesco ist kühner. Mit diesem Worte hast du alle meine Aufwallungen versenkt. Ich kühn?

Ugolino. Was soll ich sagen? Erstaunen und Bewunderung! Aber wie konnt er? Von dieser Höhe, sagst du? Es war unsinnig! Und doch scheint's mir edel! Nicht wahr, Anselmo, du halfst deinem Bruder?

Anselmo. Erst küsse mich, mein Vater, daß ich Herz fasse, dir's zu sagen.

Ugolino. Aber verschweige mir nichts.

Anselmo. Bei diesem Kuß! es war ein edler Sprung! Freilich! ich war dabei; ich behielt das Nachsehn. Zwar wenn ich neidisch wäre, so gäbe ich vor, der SThurm habe das Beste dabei getan. Es ist wahr, fast schien es, als ob der Wirbelwind die Thurmspitze ganz seinetwegen so tief gegen die Erde neigte. Oder vielmehr, damit ich ihm nicht Unrecht tue, Francesco schien den Orkan, wie der Autor es von der Gelegenheit sagt, an der Stirn zu fassen, und die Thurmspitze hinter sich zu spornen, und auf dem Rücken des Windes davonzureiten.

Gaddo. O Geschwätz!

Anselmo. Kurz, mein Vater, um dich nicht zu lange aufzuhalten, Francesco umarmte mich, und empfahl sich Gott –

Ugolino. Nach Art aller Unbesonnenen, die erst der Vorsehung trotzen, dann ihren Beistand auffordern.

Anselmo. Ein schwachdämmerndes Licht aus einem der nächsten Häuser half ihm die erste, dann die zweite, dann die letzte Zinne, dann den anstoßenden Giebel erreichen –

Gaddo. Dröhnt's mir doch bis in die Fußsohlen hinunter!

Anselmo. Und da ich ihn bald darauf ins Finstre verlor, klirrten Sterne dreimal vom Dach. Ich wiederhol es mein Vater, ich kenne keine lieblichere Melodie, als die mir diese drei Steine machten.

Gaddo. Sie klirrten! Ein gutes lebhaftes Wort das! Ich weiß kaum, ob ich's dem Rollen nicht vorziehe.

Ugolino. Wann geschah dies alles?

Anselmo. Gleich, da du ihm das Denken untersagtest. Wer weiß, ist er nicht gar schon an der Thurmtüre! O ich muß geschwind hinabgucken. (geht hurtig ab)

Ugolino. (indem er sich die Hände reibt) Ein großer Schritt! Welch ein Jüngling! Hat der Brief an mein Weib gewirkt, und fangen den allzu kühnen jungen Menschen die schleichenden Hunde nur nicht auf, so läßt sich was hoffen, Gherardesca! Ha, Ruggieri! zwei Tage lang ließest du diese Unschuldigen hungern! Ungeheur, das die Hölle von sich ausgespieen hat! Komm's über dein Haupt, Verruchter! Diese zwei Tage sollst du mit einer Ewigkeit büßen!

Gaddo. Küsse mich auch, mein Vater!

Ugolino. (ihn küssend) Frisch, mein Gaddo! Du bist ein starker Knabe!

Gaddo. Kein Wunder! ich träumte einen so nahrhaften Traum! Ach! daß ich ihn wieder träumen könnte! Itzt hungert mich mehr als zuvor!

Anselmo. (keuchend) Sind sie noch nicht da? ich glaubte sie hier zu finden. (Will wieder abgehen)

Ugolino. Was ist's?

Anselmo. Lang sah ich, mit langgestrecktem Halse, durch die Öffnung. Mir war! ich kann dir nicht sagen, mein Vater, wie mir war! Ich dachte, Francesco riefe mir, und ich müßte ihm nach. Da kam's mir plötzlich vor, als säh ich den jungen Antonio Cerrettieri, nebst vielen andern, mit Axten und Hebebäumen längs der Gasse heraufkommen, immer näher, immer näher. Da bückte ich mich mit halbem Leibe vorüber, sah aber immer weniger, immer weniger; und zuletzt sah ich gar nichts mehr. Da hofft ich, sie wären im Thurm, und glaubte, sie hier zu finden. Unten müssen sie doch schon sein. (will abgehen)

Ugolino. Wohin?

Anselmo. Gehst du mit, Gaddo? Wir müssen den jungen Antonio an der Tür empfangen.

Gaddo. Wäre nur die Menge von Stufen nicht! Überdem bin ich eben itzt einigermaßen kraftlos.

Ugolino. Bleibt hier, ihr Kinder. Ich will selbst gehn. (geht ab)

Anselmo. (hebt Gaddo in die Höhe) Heida, Gaddo! ich bin trunken von übermäßiger Freude! Du auch?

Gaddo. Heida! Wenn ich nur erst zu essen hätte!

Anselmo. Es will nicht recht fort mit dir. Wie nun? Du hängst mir wie Blei am Arme!

Gaddo. (mit schwacher Stimme) Heida! Mir wird sehr übel!

Anselmo. Soll ich dich hinlegen?

Gaddo. Tu es.

Anselmo. Du bist kränker, als du gestehn willst.

Gaddo. O mein Herz! (Heftig) Mein Herz!

Ugolino. (tritt auf) Du hast dich geirrt. Ich höre nichts, als das Geheul der Winde und das Geklatsch des Regens.

Anselmo. (traurig) Ach! warum mußt ich mich irren! Sie werden doch nun bald kommen? Werden sie nicht, mein Vater? Sieh, Gaddo ist kränker.

Ugolino. (mit einem Seufzer) Ich denke, mir ist nicht viel besser! (Sieht schüchtern nach Gaddo hin) Anselmo, singe mir das Lied in die Laute, das deine Mutter dich jüngst an ihrem letzten Geburtstage lehrte.

Anselmo. (singt)

Stillen Geists will ich dir flehen!

Weisheit, blick aus deinen Höhen,

Blicke sanft auf mich herab!

Leite mich im finstern Tale,

Quell des Lichts! mit deinem Strahle!

Sende mir dein Licht herab!

Um und um von Nacht umflossen,

Ach! von Schauern übergossen,

Wall ich bebend an mein Grab!

Leite mich im finstern Tale,

Quell des Lichts! mit deinem Strahle!

Blicke mild auf mich herab!

Ugolino. Ich danke dir, mein Sohn. Ich wollte dich bitten, es noch einmal zu singen: aber ich bin diesmal zu weich. Geht auf einige Augenblicke heraus, meine Kinder. (Er weint heftig) Doch nein, bleibt. Diese Silbertropfen waren willkommen, ihr Geliebten. Es gibt Augenblicke, da die Natur in einer Art von tauber Fühllosigkeit hinsinkt: es ist nicht Erkrankung; es ist nicht Schmerz: sonst empfände sie; Beklemmung ist Traurigkeit, und ich wollte nicht, daß ihr mich für traurig hieltet. »Schwere« ist das Wort, ihr Kinder: ein mittler Zustand zwischen Freude ohne Namen, und – Ernst ohne Namen. Wie nun? Die Wolke ist noch einmal reif. (Weint wieder) Weint nicht, ihr sanften mitfühlenden Herzen, weint nicht! Die Natur bedarf einer Erquickung. Weint nicht! Ich hoffe dieser herabrollende Tau ist der Bote eines goldnen Morgens. Die Natur bedarf einer Erquickung. Sie scheint einen süßen Schlaf einzuladen; er ist mir willkommen.

Gaddo. Segne mich, mein Vater! Schon wird mir bänger.

Ugolino. Gott der Allmächtige segne dich! Gott der Allmächtige segne euch beide! Harrt nicht des Menschen Hülfe, ihr Lieben; vertraut Gott: sein heiliger Wille geschehe! (Im Abgehen) Noch einmal, ihr Unschuldigen, vergebt mir! (Geht ab)

Anselmo. Du schweigst, Gaddo?

Gaddo. Was kann ich sagen? Bete für mich. Ich entschlummre.

Anselmo. Ich will zur Thurmspitze hinaufgehen, wo Francesco sich Gott empfohl, und da für dich beten! (Küßt Gaddo und geht langsam ab)

Dritter Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Gaddo in einer Ecke des Zimmers schlafend. Einige Männer tragen zween Särge über das Theater, die sie Gaddo gegenüber hinstellen, daß nur der vorderste gesehn wird. Gaddo erwacht und betrachtet ihn mit vieler Aufmerksamkeit

Gaddo. Dieser große Kasten sieht natürlich aus, wie ein Totenkasten. Wenn ich den Kasten betrachte, richtet sich mein Haar ganz langsam in die Höhe; weh mir! und ein Fieber klappert in meinen Zähnen! Holla! spricht hier niemand, als der kranke Gaddo? (Es wird ein starkes Pochen im vordersten Sarge gehört) Ach, heilige Jungfrau! was ist das? (Eine dumpfigte Stimme ruft »Gaddo! Gaddo!«) Hilf mir, mein Vater! Mein Vater! Anselmo!

Ugolino. (ohne die Särge zu sehn) Was ist dir, Gaddo?

Gaddo. O mir! Die Gebeine haben sich geregt! rufen: »Gaddo! Gaddo!«

Anselmo. (im Hereinlaufen) Wartet, wartet, ihr Männer. Nehmt mich und Gaddo auch mit. Wir sind Francescos Brüder. (Stößt auf den Sarg) Ah!

Ugolino. (sieht sich nach Anselmo um) Welch ein Traum ist dies? Ein Sarg? (Pochen im Sarg. Ugolino tritt zurück) Nun, beim wunderbaren Gott! das ist seltsam! (Die Stimme ruft »Hülfe!«) Der Deckel dieses Sarges ist nicht befestigt. (Er hebt den Deckel auf, und fährt zurück) Ha!

Francesco. (steigt heraus. Nachdem sie einander lange mit Erstaunen betrachtet haben, fällt Francesco seinem Vater zu Füßen)

Francesco. Der Blinde lehnte sich wider den Sehenden auf. Ich bin bestraft, mein Vater.

Ugolino. Ich erwartete nicht, dich so wiederzusehen. Wo bist du gewesen?

Francesco. Wollte Gott, ich dürfte nicht sagen, im Hause Gherardescas.

Ugolino. Du erfandst einen Sprung vom Thurme; Ruggieri eine neue Art, dich wieder herzubringen: wer unter euch beiden ist der sinnreichste, mich zu quälen?

Francesco. Dies ist so strenge – so erstaunlich strenge, mein Vater –

Ugolino. Du warst frei. Die Kühnheit deiner Unternehmung ließ mich hoffen, daß der Ausgang weniger schimpflich sein würde. In einen Sarg rafft man Gherardescas Erstgebornen; und er vergißt seiner Hände – Doch ich tue dir Unrecht, du brauchtest sie zum Pochen im Sarge.

Francesco. Ich erdulde deine Streiche ohne Murren.

Ugolino. Murren, Knabe? Wer bist du? Ha?

Francesco. Dein Sohn mein Vater; ein zwanzigjähriger Jüngling; nie bisher von dir verachtet; und ich wage hinzuzusetzen, noch itzt deiner Verachtung nicht würdig.

Ugolino. Redseliger! Der Hülflose, der in diesem Kasten wimmerte, sollte bescheidner sprechen. Ich habe keine Geduld mit dir. Geh zurück, wo du hergekommen bist.

Francesco. Und bald! meine Sprache soll dich nicht lange beleidigen. Ah! kann Gherardesca ungerecht gegen seinen Francesco sein? Anselmo, er muß nicht wissen, wie ungerecht er ist.

Anselmo. Francesco, ich hatte alle meine besten Hoffnungen auf dich gesetzt, und du nennst unsern Vater ungerecht? Ach Gaddo! wir sind betrogen! wir sind betrogen!(ringt die Hände)

Gaddo. Gib mir Speise, Francesco, oder ich sterbe!

Anselmo. Speise her! Speise! Francesco! Ich bin standhaft gewesen, weil ich auf deine Zusage baute. Aber nun kann ich's nicht länger aushalten, Gott ist mein Zeuge!

Ugolino. O es dringt tief in die Seele! Unglücklicher! was hast du gemacht!

Anselmo. Gaddo wird dich vor Gottes Richterstuhl verklagen, wenn du ihn hier verschmachten lässest.

Gaddo. Ach ich Verlaßner! soll ich denn Hungers sterben?

Francesco. Es ist grausam! o es ist grausam! Der Gott, den ihr zum Zeugen wider euren Bruder anruft, er weiß es, daß ich unschuldig bin.

Anselmo. Was kümmert mich deine Unschuld? Solltest du zurückkommen, ohne einen Bissen Brot für deine hungernden Brüder mitzubringen, du?

Gaddo. Er weint, Anselmo. Vielleicht ist er unschuldig. Gott vergebe ihm, daß er uns betrogen hat!

Anselmo. Sprich wenigstens, teurer Francesco! sprich daß der Thurmwärter noch einmal, nur einmal! kommen wird! Du hast Empfindung, mein Bruder: ach, bei allen Heiligen im Himmel! sprich, daß du den Thurmwärter zu deinen armen Brüdern hergewiesen hast!

Francesco. Nichts, nichts darf ich sagen! Wenn der große Erbarmer nicht einen Engel vom Himmel herabschickt, euch Speise zu bringen, ach so – so –

Ugolino. Daß ein Todesengel vom Himmel herabsteige, deine Zunge zu lähmen, der du meine fürchterlichen Ahndungen zur Wahrheit machst! Verstumme, verstumme auf ewig!

Francesco. Warum fluchst du mir, mein Vater? Was ich dir zu erzählen hatte, würde warme Tränen hervorlocken: darum verschwieg ich's; und stille sei mein Geheimnis, wie das Grab.

Ugolino. Komm seitwärts. Was hattest du mir zu erzählen?

Francesco. Nichts.

Ugolino. Seit wann bin ich dir der Schwache, dem du sein Unglück verbergen müßtest?

Francesco. Du bist Mensch, Gemahl und Vater.

Ugolino. Ha! du hast deine Mutter gesehn? Hurtig! sie ist doch sicher?

Francesco. Ihr Friede ist unzerstörbar.

Ugolino. Das ist mehr, als das Los einer Sterblichen. Sprich deutlicher. Deine weggewandte Augen, diese Glut auf deiner Stirne sind treuere Erzähler, als deine Lippen. Du ängstigst mich.

Francesco. Frage mich nicht, Vater.

Ugolino. Keine Geheimnisse, junger Mensch!

(Anselmo schreit erschrocken)

Ugolino. Schon wieder? was nun, Anselmo?

Anselmo. Ach! Sieh! sieh! mein Vater!

Ugolino. Wo? was?

Anselmo. Wenn mich kein Gesicht täuscht, so steht hier noch ein Sarg.

Francesco. Anblick des Entsetzens! den Sarg kenn ich!

Ugolino. (tritt herzu) Lebt's in diesem Sarge auch? (will den Deckel abschieben; Francesco hält ihm den Arm)

Francesco. Tu es nicht, mein bester, mein teurer Vater!

Ugolino. Nicht? nicht?

Francesco. Um Gottes willen! Ich will dir alles erzählen.

Ugolino. (reißt sich von ihm los, und schiebt den Deckel ab) Mein Weib! o Himmel und Erde!

Francesco. Warum zerschmetterte ich mir nicht das Gehirn? Warum zerstiebten die SThurmwinde den Spreu nicht? Warum ward ich geboren? (Reißt sich die Haare aus)

(Anselmo wirft sich bei Gaddo auf den Boden hin, und verhüllt sich das Gesicht)

Ugolino. Sie schweigt. Bleich ist ihr schöner Mund. Kalt der Schnee ihrer Brust.

Francesco. Kann ich's, muß ich's überleben?

Ugolino. Ach nein! nein! du bist nicht tot! Beim Himmel! ich will's nicht glauben! (Er faßt Francesco vor die Brust) Verderben ergreife dich, du Todesbote! Warum ließest du mich nicht zweifelhaft? Warum brachtest du diese unseligste Gewißheit vor meine Augen? Warum kamst du, wie das Grab gerüstet, meine goldnen Träume zu verscheuchen?

Francesco. Dein Raub – und des Todes – zerreiße mich vollends.

Ugolino. Nicht einsam stand ich da, und schaute von meinem Thurme herab. Ich war stolz: denn ich hoffte. Ein lieblicher Betrug. Verderben ergreife dich, du Todesbote!(schüttelt ihn heftig)

Francesco. Vollende dein Werk; du hast mich dem Verderben gezeugt.

Ugolino. (zum Sarge gehend) Und ist sie tot? O Gianetta! bist du tot? Tot? tot?

Francesco. Rede du zu unserm Vater, Anselmo. Rede zu ihm.

Ugolino. Was hier? Mein Bild an ihrem Herzen? Ach! sie war lauter Liebe und erhabne Gütigkeit! Sie vergab mir mit dem letzten stillen Seufzer ihres Busens. Es ist feucht, dies Bild; feucht von ihrem Sterbekuß. (Er küßt das Bild) Und küßte meine Gianetta ihren Ugolino in der richterlichen Stunde? Wie freundlich war das! wie ganz Gianetta! Ihr Tod muß sanft gewesen sein, mein lieber Francesco.

Francesco. Ihr Tod war ein sanfter Tod.

Ugolino. Gott sei gelobt! Ihr Tod war ein sanfter Tod. Ich danke dir, Francesco. Sie küßte ihren Ugolino in der Stunde ihres sanften Todes. Aber sieh her, Francesco. Dies Bild gleicht deinem Vater nicht recht. Das Auge ist zu hell, die Backe zu rot und voll. Ihr seid die Abdrücke dieses Bildes; aber keine Wange unter diesen Wangen ist rot und voll. Ihr seid blaß und hohl, wie die Geister der Mitternachtstunde. Ihr gleicht diesem Ugolino, nicht dem. Ah! ich muß hieher sehen.

Francesco. Wir sind vergnügt, mein Vater, wenn du zu uns redest.

Ugolino. Daß sie mein Bild an ihrem Herzen trug; daß sie sich ihres Ugolino nicht schämte, mein Sohn, als sie vor ihre Schwester-Engel hintrat; daß sie mit ihrem Sterbekusse meine Flecken abwusch: ach liebes Kind! wie erheitert mich das! wie gütig, wie herablassend war es! Aber sie hat mich immer geliebt. Kein pisanisches Mädchen hat zärter geliebt. Sie war die liebreichste ihres Geschlechts.

Francesco. Und hier diese diamantne Haarnadel, mein Vater, mit der sie nur an dem Jahresfeste ihrer Vermählung ihr duftendes Haar zu schmücken pflegte –

Ugolino. Es ist mein Angebinde. Geschmückt wie eine Braut entschlief meine Gianetta. Sie lud mich ein: hier liegt ein Brief an ihrem keuschen Busen. Nie ist ein Liebesbrief geschrieben worden, wie dieser. Ha! es ist meine Hand! Der letzte Brief, den ich aus diesem elenden Aufenthalte an sie schrieb!(er will den Brief nehmen; Francesco springt zu, und zerreißt ihn)

Francesco. Du mußt den Brief nicht sehn, mein Vater –

Ugolino. Den Brief?

Francesco. Er ist furchtbar, wie der Tod! Die Natter hat ihn getränkt.

Ugolino. Mein Brief?

Francesco. Tod ist sein Hauch.

Ugolino. Mein Brief?

Francesco. Er fiel durch die Treulosigkeit des Thurmwärters in Ruggieris Hände: du weißt genug.

Ugolino. Richter im Himmel! –

Francesco. Nie hat die Hölle einen giftigern Aspik an des Arno versengten Strand ausgeworfen, als der Gherardescas Worte zur Pest machte.

Ugolino. O ich erliege! Mein Brief?

Francesco. Sie trank die Züge deiner werten Hand in sich – ah Getäuschte! Sie drückte den geliebten verrätrischen vergifteten Brief an ihr Herz –

Ugolino. Widerrufe, Francesco.

Francesco. Ungefürchtet wirkte die verborgne Natter fort; in jede Nerve, in jede kleinste Blutader, in jeden liebevollesten ihrer Blicke sandte Ruggieri seinen Tod, und mit dem trübentfliehenden Tage, früher als der Abend sich neigte, eilte ihr Geist zum Himmel auf.

Ugolino. Widerrufe, junger Mensch; widerrufe deine Verleumdungen. Mein Brief, sagst du? – Wehe mir! dem Gedanken erlieg ich!

Francesco. Ich habe dir noch zu wenig gesagt. Daß ein Blitz Gottes den Verruchten in den untersten Pfuhl der Vergiftung hinunterschleudre! hinunter! wo scheußliche Dünste siebenfachen Tod brüten; wo das Antlitz der Natur von Volkanen und Pestilenzen versehrt ist! daß sein Leib verdorre, wie eine Otterhaut, und eine Gewissensangst nach der andern seine Seel ergreife! Ach mein Vater! mein Vater!(er umfaßt seines Vaters Kniee ängstlich)

Ugolino. Ich errate. Deine starren Blicke in wilder Verwirrung, dein straubigtes Haar, deine schlotternden Kniee, die aschgraue Verzweiflung deines Angesichts, jeder Ton, jede Bewegung lehrt mich, daß noch eine Nachricht ist, vor der die Menschlichkeit zurückbebt. Verbirg sie, mein Sohn, verbirg sie diesen Schwachen. Und du, Francesco, sei standhaft.

Francesco. Mein Kelch ist geleert. Wie glücklich, wenn deine und meiner Brüder Leiden mir in die Grube folgten! Könnt ich sie mit dir teilen, mein Vater, so wär ich beneidenswürdig!

Ugolino. Du bist ein edler Jüngling. Vergib mir, ich kannte deinen Wert nie bis itzt.

Anselmo. (greift Gaddo wild an) Wir sind betrogen!

Gaddo. Ist's denn meine Schuld?

Ugolino. Dieser Knabe ist heftig, wie ein Mann.

(Anselmo geht ab)

Rede, Francesco. Komm her. Erst laß uns diesen Sarg verschließen. Ruhe wohl, heiliger Staub, bald will ich deiner würdiger sein. Genug. Nun rede.

Francesco. Ah, Gherardesca! Du hast der Schritte noch viele bis ans Ziel! und schwere!

Ugolino. Gherardesca soll sie tun. Sei nicht traurig. Wie weiter?

Francesco. Was kann ich? was darf ich sagen?

Ugolino. Ist das Todesurteil über dich und deine Brüder gesprochen?

Francesco. Du wirst fallen, wie der Stamm einer Eiche, alle deine Äste um dich her gebreitet.

Ugolino. Ist es über dich und deine Brüder gesprochen?

Francesco. Gesprochen über alle! Vollzogen an mir!

Ugolino. Wie meinst du das?

Francesco. Ich bin zu glücklich. Ich habe meinen Kelch geleert.

Ugolino. Man hat dir einen Giftbecher gereicht?

Francesco. Ich habe ihn geleert.

Ugolino. (mit starken Schritten, auf und ab gehend) Es gibt mancherlei Todesarten, mein Sohn. Kein Geschöpf ist sinnreicher, Todesarten zu erfinden, als der Mensch. Ich will dir nur eine nennen. Der Erzfeind hätte seine Freude daran finden können, mir ein Glied nach dem andern absägen zu lassen, erst die Gelenke an den Zehen, dann die Füße, dann die Beine, dann die Schenkel; so stünde ich Torso da: und nun setzte man mir das zackigte Eisen an die Finger, die Hände, die Arme, eins nach dem andern, mit Ruhezeiten, daß der Zeitvertreib nicht zu kurz dauerte; ganz zuletzt zerstieße man mir, nicht aus Mitleid! das wunde Herz, bis ich in meinem Blute erläge, das mit viel Schweiß herabränne, aber nicht mit Tränen! Wie könnt ich weinen? Man sollte denken, dieser Tod sei schon unterhaltend genug: allein der Erzfeind hat's besser überlegt. Hier würde ich an meinem eignen Fleische leiden: eine Kleinigkeit! Ich soll in meinen Kindern langsam sterben, eine volle Weide an eurer Marter nehmen, und dann fallen! Mein Weib mußte erst fallen, durch die Worte meiner Liebe fallen, in diesem Sarge hergeschickt werden, du ihr Vorläufer, dem Tode geopfert, aber später zum Grabe reif! O es ist der Hölle so würdig! Doch ich will nicht murren! Aber warum mußten diese Unschuldigen leiden? Warum du? warum mein Weib? warum durch den großen Verführer? womit hatt ich ihn beleidigt? Pisa konnte mich strafen, um Pisa hatt ich's verdient: aber womit um ihn? Ich hielt ihn für meinen Freund; ich hätt ihn lieben können; allein sein teuflisches Herz enthüllte sich mir zu bald. O schändliche Eifersucht über einen dreimal schändlichern Gegenstand! Fürchtete er, daß ich Ruggieri sein könnte, wenn ich Ruggieris Macht hätte? Heimtückischer zähneblöckender Neid! Erstgeborner der Hölle! und Erstgefallner! Aber warum mußt ich durch den großen Neider fallen? warum er nicht? warum reichte die Vorsehung ihm, unter allen Verworfensten der Schöpfung nur ihm – nur ihm – nur ihm – o es verwundet jeden Gedanken meiner Seele! – warum nur ihm ihre Geißel?

Francesco. Um das Maß seiner Verdammnis ganz vollzufüllen.

Ugolino. Ist es denn wahr, himmlischer Vater! Doch nein! nein! ich will nicht murren! Rechtfertige du die Wege der Vorsicht.

Francesco. Innerhalb einer Stunde hoff ich's zu können.

Ugolino. Innerhalb einer Stunde! Glücklicher Francesco! Ich sollte mich dieser Stunde freuen. Wie konnte Ruggieri den menschlichen Gedanken fassen, deinen Tod zu beschleunigen? Es ist wundervoll, ich gesteh es.

Francesco. Bist du stark genug, meine traurige Erzählung zu hören?

Ugolino. Ich glaube, daß ich sie hören kann.

Francesco. Im Taumel meiner Wonne, Pisas Pflaster noch einmal zu betreten, floh ich augenblicklich dem Palaste meiner Mutter zu. Alle Wände hallten von der Wehklage ihrer Frauen. Ich blieb nicht lange im Zweifel. Blind vom Schrecken stürzte ich vor der Schwelle nieder. Als ich erwachte, sah ich das Zimmer voll hagerer hohnblickender Gesichter; Ruggieri war nicht unter ihnen. Ich wollt entspringen, da ich mich umringt sah: allein ich war von ihren Riechwassern, wie sie sie nannten schwindlicht und krank. Man riß mir die Kleider auf; man bot mir einen Becher mit kühlem Getränke dar; ich trank; meine Geister waren verwirrt. Neue Ohnmachten überfielen mich, und da ich endlich die Augen öffnete, herrschte stille Nacht um mich her, ich fühlte mich schweben, in einem engen Raume, und atmete schwerer: wo ich aber war, konnt ich nicht erkennen. Lange vernahm ich nur ein undeutliches Geräusch in meinen Ohren: zuletzt eine Stimme. O diese Stimme! Noch zittre ich. Sie hatte mich versteinert, daß ich den Gebrauch meiner Sinne verlor, bis ich, wie im Traume Gaddo reden hörte.

Ugolino. Was sagte diese Stimme?

Francesco. Verlange nicht, es zu erfahren.

Ugolino. Da ich das Ärgste weiß?

Francesco. Wahr ist's. »Ich erwarte euch hier unten«, zischelte sie. »Ich will den Thurmschlüssel selbst in den Arno werfen. Was droben ist, gehört der Verwesung: kein lebendiger Mensch soll diese Stufen nach uns betreten. Es müssen noch Schlupfwinkel im Thurm sein«, sprach sie lauter; »verwahrt sie: denn der Thurm ist von dieser Stund an verflucht! ein Gebeinhaus!« –

Ugolino. Und verflucht die Stimme, die diese Unmenschlichkeit aussprach! O Pisa! Schandfleck der Erde! geschieht das in deinen Mauren? Ich will der unerhörten Bosheit itzt nicht weiter nachsinnen. Es könnte die Weisheit selbst wahnsinnig machen. (Geht gedankenvoll) Sollen meine armen Kinder zu meinen Füßen verhungern? Verhungern? Hast du jemals dies greuliche Wort: »Verhungern!« recht überdacht, Francesco?

Francesco. Sprich es nicht aus, mein Vater!

Ugolino. Selbst Verhungern zu milde! Verhungern sehn! Meine Kinder verhungern sehn! Und dann verhungern! Das ist das große Gericht! Und bin ich! ich Gherardesca! ich der Sieger! ich, der ich einen Fürsten zu ehren schien, wenn ich ihn meiner Rechten an meiner Tafel würdigte! bin ich be stimmt den Tod des Hungers zu sterben? Doch stille! Ich will, ich will des Schändlichsten, o dieses Schändlichsten Frevelstücke nicht nachsinnen! Aber ach! wie bedaure ich dich, mein Francesco!

Francesco. Mich?

Ugolino. Dich. Hast du mir alles erzählt?

Francesco. Alles, alles.

Ugolino. Keinen kleinsten Umstand verschwiegen?

Francesco. Keinen. Verlaß dich drauf.

Ugolino. Überlege es wohl.

Francesco. Keinen, keinen, mein Vater; nicht den mindesten.

Ugolino. So bedaure ich dich! Bei allem, was heilig ist, ich bedaure dich!

Francesco. Du setzest mich in Verwundrung.

Ugolino. Was für Grund hattest du, zu hoffen, daß der Becher, den man dir reichte, ein Giftbecher sei?

Francesco. Er kam von Ruggieri. Was konnt er sonst sein?

Ugolino. Siehst du? Du trautest Ruggieri Menschlichkeit und Gefühl zu. Nein, nein, mein Sohn, es war ein Erquicktrank; ich kenn ihn besser.

Francesco. Ha! wenn dem so wäre! ich dürfte mit meinem Vater ganz ausdulden! gewürdigt sein, ihn zu trösten und zu ermuntern! die Stütze seines reifern Elends! der Teilnehmer seiner Leiden! Ach ich wäre beneidenswürdig! Ich kann's nicht glauben!

Ugolino. Francesco, was du mir itzt sagst, ist der empfindlichste Vorwurf, den mir je ein Sterblicher gemacht hat.

Francesco. Ich zittre.

Ugolino. Wie sehr hab ich dich verkannt! Dein Herz ist ein erhabnes Herz, Francesco! Ich bewundre dich. Ich betrachte dich mit Entzücken.

Francesco. Nur dein Herz ist erhaben, mein Vater. Ich bin eigennützig. Doch wage ich nicht, es zu hoffen. Mein Leben neigt sich; ich fühl es zu sehr.

Ugolino. Überreste deiner Ohnmacht – Du warst in einen Sarg gepreßt.

Francesco. Gesegnet, gesegnet seist du mir, bester Vater! Du machst mich noch einmal glücklich!

Ugolino. Laß uns diese Unterredung abbrechen, du große Seele; sie rührt mich zu sehr.

Francesco. Wollen wir jenen Sarg nicht entfernen, der itzt meine Augen nur ärgert? Ich hoff ihn noch lange nicht zu bewohnen.

Ugolino. Ich bin's zufrieden. (sie tragen Francescos Sarg ab)

Vierter Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Ugolino. Bin ich endlich allein? (Er schiebt den Sargdeckel ab) Hier war ich König! Hier war ich Freund und Vater! Hier war ich angebetet! Ich heischte mehr. Ich wollte Sklaven im Staub meines Fußtritts sehen; und so verlor ich alles, was das parteiische Verhängnis mir geben konnte. Wenn ich mir itzt das goldne Gepränge, die Trophäen, den Stolz meiner kriegerischen Tage zurückerkaufen könnte, ach mit Entzücken gäb ich sie alle die geprahlten Nichtswürdigkeiten, um ein dankbares Lächeln ihrer errötenden Wangen, um einen belohnenden Blick ihrer Augen, um einen Ton ihrer Lippen, um einen Seufzer der Freude aus ihrer Brust. Ach Ugolino, du warst glücklich! Kein Sterblicher war glücklicher! Und du hättest glücklich vollenden können! Da sitzt der Stachel! Ich bin der Mörder meiner Gianetta! Wider mich hebt sie ihr bleiches Antlitz zum Himmel! Auf ihren Ugolino ruft ihr unwilliger Schatten den Richter herab! Liebenswürdiger Geist! liebenswürdig in deinem Unmut! Ist dein Antlitz ganz ernst? Ah! dein Antlitz ist ernst! Einst hab ich dich gesehn, meine Gianetta; liebevoll und schüchtern sankst du in meine Arme. Ruggieri Ubaldini trat heran; das Gewand des Heuchlers rauschte lauter; sein bleifarbigtes wässerigtes Angesicht tobte vom SThurm seiner Seele; er wälzte seine adrigten Augen weit hervor; Tücke und Verderben lauschten nicht mehr im Schleier der Nacht! Du aber lagst furchtsam atmend an meinem Halse. Da erhob sich mein Herz! Da erkannte Ruggieri noch einmal Gherardesca, den Mann! Da waren deine Blicke mild, wie der Morgentau; und deine süßen Lippen, deine Nektarlippen, deine Wonnelippen (Er küßt sie) nannten Pisas Befreier deinen Erretter! Nun bin ich gebeugt, meine Liebe! Mein Haar ist nun grau, und mein Bart ist fürchterlich, wie eines Gefangnen. Doch der große Morgen wird ja kommen! schrecklich, dunkelrot und schwül von Gewittern wird er ja kommen! In seinem schwarzen Strahle will ich erlöschen! In seiner gebärenden Wolke soll, wie Feuer vom Himmel, mein Geist über Pisa stehn! Dann erzittre ein Elender! aber nur einer. Feuer und Rache! ist meine Gianetta gefallen! (Steht tiefsinnig) Mit Gift hingerichtet haben sie meine Gianetta? Gift sogen sie aus den Worten meiner Liebe? ah! aus den Worten meiner Liebe? Einsame Erde! ich traure! Was? mit Gift hingerichtet haben sie meine Gianetta? (Geht stillschweigend) Gern möcht ich die Stimme des Abgrundes vergessen! o daß ich sie nie gehört hätte! Ein Gebeinhaus der Verhungernden! Ein Gebeinhaus der Verhungernden! Denn der Thurm ist von dieser Stund an verflucht! ein Gebeinhaus der Verhungernden! Ha! wie er wütet, der Gedanke! wie er sich in mir umkehrt! Ich kann ihn nicht ausdenken! und mag nicht! O pfui! pfui! Brandmal für die Menschlichkeit! ewiges Brandmal! Ich kann mich deiner nicht erwehren; du Wohnhaus des Schreckens! nicht mehr Kerker meiner Erniedrigung! Gruft! Gruft der Gebeine Gherardescas! Gruft meiner Auferstehung! aber erst meiner Verwesung! ah! nicht nur meiner! Fürchterlich! hier hinsinken! hier mit dem Tode ringen! einsam! von keiner freundschaftlichen Hand unterstützt! ganz einsam! mein Weib, meine Kinder rings um mich gesammelt! dennoch ganz einsam! jeder Sinn voll ihrer Verwesung! fürchterlicher als einsam! Tod, wie keiner dich starb, o du bist fürchterlich! Ich will nicht, ich will dich nicht denken! (Er sieht Gaddo) Doch zwingt mich dieser Anblick. Ach daß ich Vater und Mensch sein muß! Steh auf, armer Gaddo! Du antwortest nicht?

Gaddo. Ich bin gelähmt.

Ugolino. Aha, war das die Ursache?

Gaddo. Hilf mir, mein Vater!

Ugolino. So!

Gaddo. Lächle, trauter Vater, und hilf deinem Gaddo!

Ugolino. So!

Gaddo. Gott segne dich!

Ugolino. (hebt ihn auf seinen Schoß) Wo schmerzt es dich, mein Gaddo? Sage mir's, armes Kind.

Gaddo. (ihn sehr beweglich ansehend) Du wirst mich nicht Hungers sterben lassen, mein Vater!

Ugolino. Wo sitzt deine Krankheit?

Gaddo. Im Herzen, im Magen, im Kopf: ich kann's dir nicht sagen. O mich ekelt!

Ugolino. Ich habe dich nicht schreien gehört.

Gaddo. Oh! der Hirnschädel wäre mir geborsten.

Ugolino. Deine Augen sind blau und geschwollen.

Gaddo. Sie wollen nicht weinen!

Ugolino. Gewiß, gewiß, es ist sehr bitter!

Gaddo. Liebt meine Mutter mich noch?

Ugolino. Sie liebt dich immer: wir lieben dich beide.

Gaddo. Hah! wenn dem so wäre! Es ist unglaublich.

Ugolino. Warum unglaublich, mein Gaddo? Sprich! Ich bin dein liebender Vater.

Gaddo. Sie hat mich an ihrem Busen genährt: itzt läßt sie mich verschmachten. Doch sie kann mich verschmachten lassen, und doch lieben: denn du liebst mich, mein Vater; sagtest du nicht so?

Ugolino. (küßt seine Augen) Habe Mitleid, Strafengel! o schone! schone!

Gaddo. (seufzt) Ach!

Ugolino. O nein! nein! lieber rede! daß Gott im Himmel dich höre! rede; strafe deinen Vater; girre nach deiner Mutter, Verlorner! Ärmster! nur laß mich dich süßes Kind nie wieder seufzen hören!

Francesco. (eilig) Es müssen Leute im Thurm sein: ich hörte Fußtritte.

Ugolino. (bestürzt) Wie? Was? (Legt Gaddo hin)

Anselmo. (langsam) Du wolltest vermutlich die Männer im Thurm sehen. Es sind dieselben, die ich vorher bat, mich und Gaddo mitzunehmen: Männer ohne Herz. Sie schlichen fort, da sie mich wahrnahmen, als fürchteten sie mich. Sie sind nicht mehr da.

Francesco. Horch! horch!

Anselmo. Auch die Öffnung ist nicht mehr. St! St!

Francesco. (erblaßt) Die Thurmtüre! Ha! (Man hört sie stark zuschlagen)

Anselmo. Sie wird verschlossen. (Ein sehr langes und schreckenvolles Stillschweigen: worauf Anselmo seinen Bruder leise anstößt) Du siehst den Geist an der Mauer, Francesco! Nein, sieh nicht dort hin; sieh unsern Vater. Erstarrt? Versteinert? Bleich war das Antlitz unsers Vaters; aber sieh, Francesco, itzt ist's schrecklich. Weh mir! ihm ins rote, ins unbewegliche Auge zu sehn, schaudert mich! Ach mein Vater! (Küßt seine Hand) Und auch du, Francesco? Du schweigst? seufzest? auch du, Francesco? und schluchzest? Mein Vater! (Küßt seine Hand noch einmal, sieht auf, und erschrickt) Auf dich wirft er einen schnell zurückgezognen Blick, und auf mich, und auf Gaddo! Blut strömt vom gewaltigen Biß seiner Lippen! Seine Gesichtsmuskeln stehn aufwärts gedrängt und starr! Mein Vater! (Wirft sich ihm zu Füßen)

Francesco. Sei ruhig, Anselmo, ich bitte dich! (er richtet ihn auf)

Anselmo. (mit Heftigkeit) Mein Vater! mein Vater! (Ugolino geht ab) Mein Vater! (Mit den Füßen stampfend) Mein Vater! (Ängstlich schreiend)

Francesco. Was ängstigt dich, mein Anselmo? Was schreckt dich, Lieber? ach! laß unsern Vater nichts von dieser Heftigkeit sehn! sei gelassen! sei ruhig!

Anselmo. Gut, Mann! entferne dich nur! aber schnell! schnell aus meinen Augen! wenn dein Leben dir lieb ist, Mann!

Francesco. Ich darf ihn itzt nicht verlassen, nein. Und mein Vater! o ewige Vorsicht!

Anselmo. Ich irrte mich. Dieser da ist keiner von ihnen. (Sieht sich furchtsam nach allen Seiten um) Ach! (Indem er die Hände ringt) Nun ist es gewiß. Weggeführt haben die Priestersklaven das Opfer! und die Reihe wird an mich kommen: aber desto besser.

Francesco. Gib dich zufrieden, Anselmo. Kennst du mich nicht?

Anselmo. Dich? (misst ihn mit den Augen)

Francesco. Kennst du mich?

Anselmo. Ha! ha! ha! Wie sollt ich dich nicht kennen. Du bist ja Er, der aus dem Abgrunde heraufkam. Ich sah dich aus deiner Grotte steigen: eine Grotte, wie ich mir keine wünsche, schmal und eckigt. Hatte sie keinen giftigen Einwohner, als dich?

Francesco. Er redet vom Sarge, und seine Geister scheinen sich zu sammeln. Beruhige dich, Anselmo; ich bin dein Bruder Francesco, und ich lebe.

Anselmo. Wohl dir, daß du lebst! Draußen, ach weh! drohn die Gefahren! man kann dir nicht schuld geben, daß du ihnen nicht zeitig genug ausgewichen seist. Willkommen, Thurmspringer! Sicherheit ist die Blume des Lebens.

Francesco. Ich vergebe dir den Spott. Thurmspringer nennst du mich? Wollte Gott, ich hätte den unseligen Sprung nicht gewagt! Alles wäre gut gewesen! Keins unter euch hätte viel gehofft, noch viel gefürchtet! Wie wund muß euer Gefühl sein! Wie sehr vergrößert sich meine Übereilung! Vergib mir, mein Bruder, o vergib mir! die Absicht war nicht unedel.

Gaddo. (ruft) Francesco!

Anselmo. Gut! sei gerichtet nach deinen Taten! (er geht auf und ab, bald schnell, bald langsam)

Gaddo. Francesco!

Francesco. Was verlangt mein Gaddo?

Gaddo. Sei mein Fürsprecher, Francesco. Ich bin dir auch gut.

Francesco. Bei wem, du geliebter Gaddo? Sprich.

Gaddo. Bin ich dein geliebter Gaddo? Ich frage nicht umsonst.

Francesco. Ja! Gott weiß es!

Gaddo. Ach! Jedermann liebt mich, und ich liebe jedermann, und doch hilft mir keiner. Hilf du mir, geliebter Francesco. Vertritt mich bei Anselmo; du giltst viel bei ihm.

Francesco. Worin, Gaddo, worin soll ich dich vertreten?

Gaddo. Erst bitt ich dich, mir eine Zechine zu leihen.

Francesco. Eine Zechine? wozu die?

Gaddo. Ich habe viele Zechinen unter meinen Sparpfennigen: sie sollen alle dein sein. Ich bitte dich nur um eine.

Francesco. Hier hast du sie, Gaddo.

Gaddo. Nimm diese Zechine, und überrede Anselmchen, daß er mir ein einziges Ei aus den vielen Nestern gebe, die er mir kurz vorher schenken wollte: sollt's auch nur so viel sein, als ein Hänflingei.

Francesco. Du sprichts mir Rätsel.

Gaddo. Ich will die Auerhähne gerne entbehren, die uns dein Sprung vom Thurme verschafft hat: itzt brauche ich nur ein einziges Hänflingei. Tu es Francesco, aber bitte ihn höflich, daß er dir's nicht abschlage.

Francesco. Schöne Folgen des Sprungs vom Thurme! Ich war nicht allein ein Tor; ich war auch ungehorsam: allein, o Himmel! die Strafe ist hart! Vergib auch du mir, mein Gaddo! Und doch mit welcher Stirne kann ich's wünschen?

Gaddo. Ein Ei würde mich retten! Ein Hänflingei! Bedenke, Francesco! Kannst du mir ein Hänflingei versagen? O lieber Gott! Gib mir die Zechine zurück: ich will Anselmo selbst bitten. Ich wollt ihm zu Füßen fallen, wenn ich könnte: allein ich kann mich nicht regen. (Francesco gibt ihm die Zechine, und geht mit aufgehobnen Augen ab) Anselmo! großmütiger Anselmo! mein Bruder!

Anselmo. (auffahrend) So ist's recht! Laßt die Hörner tönen am hallenden Fels!

Gaddo. (sanft bittend) Anselmo! mein Bruder Anselmo!

Anselmo. (rauh) Wer ruft? Hei! wer ruft denn da? wer ruft? wer ruft?

Gaddo. (erschrocken) Ich wenigstens bin hier der Rufende nicht!

Anselmo. Du da auf dem Stroh, ich habe zu tun!

Gaddo. (streckt die Hände aus, und legt sich seitwärts)

Anselmo. Hinweg! (Er pfeift) Hinweg! in meinem Kopf sollst du mir nicht spinnen! (Pfeift wieder) Hinweg ich verbanne dich auf ewig aus meinem Kopf! (Macht eine Bewegung mit der Hand) Nun, wie steht's, ihr im silbernen Gewande, unsterbliche Töchter des hohen Oceanus! haben wir das Wild? Mit diesen Nägeln will ich's zerreißen; mit diesem Gebiß will ich's zermalmen; so, so, so will ich das Wonneblut trinken! Schnaubend stürzt der Tiger vom Abhang; sie haben ihm seinen Raub entwandt; springt zischend hoch auf, wittert in den Wind, zerstiebt mit langgestreckter Klaue den Fußtritt des Schnellen im glutroten Sand, Grimm knirscht in seinen Zähnen, Hunger sprüht heiß im Aug: umsonst, Tiger, am Bart des Jägers glänzt's! Ich will mich an diesen Abhang setzen. Durch diese Felsritze kann ich die Tigerkatzen über mir, und von die ser Höhe die Marder unter mir spähen. So will ich euch den Fang ablauschen, ihr Räuber! Meine Hühnchen nisteten am Sumpf, wo der Marder mit gesenkten Ohren hinabschleicht. Weg sind sie! Stoßt ins Horn, Müßige! stoßt ins Horn! stoßt ins Horn! (singt)

Der muntre Jagdzug schwebet

In blauer Luft!

Roß, Hund, und Jäger drängt sich

Daher, dem Himmel nah!

Hab ich den Dieb? Langöhrigter! laß deine Stimme hören! (Er billt) Ho! ho! ho! Dieb siehst du den Pudel nicht?

Gaddo. Was ist das?

Anselmo. Sei gegrüßt, Endymion. Wir haben gute Weile. Kannst du einen Wettgesang singen?

Gaddo. Ich singe wenig, Anselmo.

Anselmo. Was schadet's? Wir wollen einen Wettgesang singen.

Gaddo. Ich kann kaum reden, Anselmo; und sollte singen?

Anselmo. Singe, Träger, oder bei jenem hinhangenden Monde! ich zerstoße dich mit dem Felsbruche!

Gaddo. Wie, Anselmo, du weißt, daß ich nicht singen kann.

Anselmo. Singe!

Gaddo. Ich singen?

Anselmo. Singe!

Gaddo. Ich, der ich weinen möchte, wenn ich könnte?

Anselmo. Singe weinend! Singe!

Gaddo. Nun denn, Anselmo, ich will singen: aber mein Hals ist roh und heiser. Schenke mir, wenn ich bitten darf, ein kleines Hänflingei, oder ein Zeisigei, wie es dir am nächsten zur Hand ist, um meine Stimme zu bereiten.

Anselmo. (beiseite) Was gilt's, dies ist der Marder, der mir die Eier austrinkt! Durch seine Larve hindurch erkenn ich den tückischen Heuchler! Er ist's! bei meinem Leben! Ich will ihn ausfragen.

Gaddo. Aber schenke mir's bald, Lieber: meine Stimm ist vertrocknet.

Anselmo. Gut! gut! du möchtest also ein Hänflingei haben?

Gaddo. Ich will's nicht leugnen.

Anselmo. Oder ein Zeisigei?

Gaddo. Ach ja!

Anselmo. Hem! wäre dir nicht mit einem Hühnerei gedient?

Gaddo. Das wäre zu viele Güte.

Anselmo. Ei ja, nimm ein Hühnerei.

Gaddo. Ich danke.

Anselmo. Es ist ein frisches Ei, eins von den besten, die ich in meinem Stall habe. He?

Gaddo. Weil es von deiner Hand kömmt, will ich's nicht ausschlagen.

Anselmo. Ich dacht es. (Faßt ihn an die Kehle) Räuber, bekenne mir, wie lange hast du diesen heillosen Frevel verübt?

Gaddo. O mir!

Anselmo. Wie viele Eier hast du mir ausgetrunken? Sieh, dein Leben ist in meiner Hand. Bekenne, wie viel?

Gaddo. Ah! du wirst mich nicht umbringen, Anselmo?

Anselmo. Ich, Marder! ich! ich! umbringen, Marder! dich, Marder! gib acht, Marder!

Gaddo. Hülfe! Hülfe!

Francesco. (springt zu und befreit Gaddo) Entsetzlich! Anselmo schlägt seinen Bruder Gaddo?

Gaddo. Ah! ah!

Francesco. Seinen kranken, gelähmten, verschmachtenden Bruder schlägt Anselmo?

(Anselmo gibt Francesco unvermutet einen Stoß, um sich loszureißen)

Gaddo. Halt ihn! ach halt ihn!

Francesco. Eine eiserne Hand!

Gaddo. Nach mir sieht er hin. Trauter Francesco, halt ihn!

Francesco. Ein Luchs blickt nicht wilder. Der Apfel quer, flammigt der Stern. Und es ist Tücke darin. Wie kann Tücke in ein Auge kommen, wo das Herz so gut, so brüderlich gut ist? O mein Anselmo! Er schweigt hartnäckigt.

Gaddo. Ich aber sollte singen!

Francesco. Unser Vater wird gleich hier sein. Er muß dich nicht sehn. Ich beschwöre dich, Anselmo, laß mich dich entfernen, daß unser Vater dich itzt nicht sehe. Es würd ihn töten!

Gaddo. Schone seiner, Francesco. Ein Marder hatt ihn wider mich aufgebracht; ich weiß selbst nicht, wie. Ah! nun schaut er schon wieder um sich!

Francesco. Er erschrickt. Es dämmert in seinem Auge. O Anselmo! wo bist du gewesen, Anselmo?

Gaddo. Das ging ihm ans Herz!

Francesco. Eine mildere Röte umzieht seinen Blick. Seine Wangen glühn. Er schmilzt, er schmilzt wirklich. Fürchte dich nicht, mein Bruder Anselmo. Sein Auge weinet. Gottlob! da stürzt die Träne! da stürzt die Träne!

Anselmo. Ach Heerscharen des Himmels! Welcher Segenvolleste unter euch stellt sich zwischen mein Herz und die umspannende Kralle?

Francesco. Erbärmlicher Anblick!

Anselmo. Läuft die Natur im Kreise vor mir herum? Wohin, mein Bruder?

Francesco. Dir schwindelt, armer Anselmo. Es ist alles unbeweglich um dich her. Unser Vater kömmt. Um Gottes willen, teuerster Anselmo, mäßige dich itzt, da unser Vater kömmt!

Anselmo. Wie könnt er kommen? Er lebt ja nicht mehr!

Ugolino. (sehr freundlich) Ihr guten Kinder!

Anselmo. (fällt ihm um den Hals und schluchzt)

Ugolino. (ihn küssend) So lieb ich euch, meine Kinder. Euch in dieser reizenden Vertraulichkeit beisammen sehn, ist Erquickung zum Leben! Warum stutzt mein Anselmo? betrachtet mich so aufmerksam?

Francesco. Das Vergnügen, mein Vater, dich so heiter zu finden –

Ugolino. Wir wollen recht heiter sein, meine Kinder. Es ist eine heitre Stunde. (Er nimmt einen Stuhl und setzt sich) Setze dich neben mich, Francesco, und du, Anselmo. Will Gaddo auf seines Vaters Schoß sitzen?

Gaddo. Ob ich will? (Bewegt sich, um hinzukommen)

(Francesco bringt ihn seinem Vater)

Ugolino. Wir haben viel fröhliche Tage gelebt, meine Söhne. Wollen wir nachrechnen? Es wird uns schwerfallen, sie alle zusammenzurechnen.

Francesco. Das war ein schöner fröhlicher Tag, da Anselmo geboren ward. Ich erinnere mich's recht genau. Ich war damals sieben Jahre alt.

Ugolino. Ein schöner Tag; du hast recht, Francesco. Ganz Pisa nahm daran teil. Die Freudenfeier und die festlichen Tänze dauerten drei Tage, und darüber.

Gaddo. Da wird was Rechts geschmaust sein, mein Vater! War ich auch dabei?

Francesco. Du warst noch nicht geboren, Gaddo.

Gaddo. Schade!

Ugolino. Wie so still, Anselmo?

Anselmo. (nachdem er ihn starr angesehn hat) So bist du's denn wirklich? Nun (Blickt zum Himmel) ich danke dir!

Francesco. Anselmo wähnte, daß dir nicht wohl sei. Auch das war ein schöner Tag, mein Vater, da die Mütter, Jungfrauen und Jünglinge dir nach dem großen Siege vor die Stadt entgegenkamen.

Ugolino. Ganz recht. Ihr Zuruf im Klange der Klappererze und Trompeten machte mir warm. Aber ich wollte, daß ihr mir auch einige von euren fröhlichen Tagen herrechnetet.

Anselmo. War das nicht ein schöner und ein fröhlicher Tag, ihr Brüder, da mich Ruggieri meinem Vater nachschickte? und –

Francesco. Und da wir, auf dem goldnen Kahne, unsrer Mutter entgegensegelten, als die dankbaren Pisaner sie im Triumphe den Arno hinaufführten bis zur Villa Gherardesca.

Ugolino. Du warst auch zugegen, Gaddo: was sagst du dazu?

Gaddo. Mir wird ganz trübe vor den Augen!

Ugolino. Genug, meine Kinder; wir haben alle viel fröhliche Tage gelebt. Zu bedauern ist's, daß dies Leben nicht immer fortwährt. Man ist auf der Welt so glücklich.

Gaddo. (seufzend) Ach ja! das Leben ist so was Süßes!

Francesco. Das dächt ich nicht, mein Vater. Wenn man beim Tausch verlöre, da ließ ich's gelten. So aber gewinnt man ja in jeder Absicht.

Ugolino. Du hast's getroffen, Francesco. Das menschliche Leben ist zwar sehr glücklich; aber das höhere Leben nach dem Tode ist doch viel glücklicher: es hat keine Abwandlungen, es ist ein höheres Leben. Ach! von Vaterhuld floß das Herz unsers Schöpfers, da er Menschen schuf. Er setzte sie in einen irdischen Garten, und bereitete ihnen den Übergang in einen Garten des Himmels.

Francesco. Mir fällt dabei das Sterbelied unsers Schutzheiligen, Sankt Stephans, ein, wie ich's ein mal von einer sehr angenehmen Stimme gehört habe.

Ugolino. Sing es.

Francesco. (singt)

Ich soll den Lichtquell trinken

Am himmlischen Gestad!

Ach! wo das Lied der Sterne strömt,

Am himmlischen Gestad,

Da strömt ihr Silberstrom

Unsterblichkeit!

Ihn soll ich schaun! Gedank!

Unauszudenkender Gedank!

Ach! ich verstumme dir!

Ugolino. Du hast's gut gesungen. (Beiseite) Herunter, mein Herz! So weit war's wohlgetan, Ugolino!

Anselmo. (steht vom Stuhl auf) O Licht! Licht! o Salamis, heiliger Vaterlandsboden! Herd meiner Väter! und du, ruhmvolles Athen! und du, mit mir auferzognes Geschlecht! ihr Quellen, ihr Flüsse, ihr trojanischen Felder! euch ruf ich! seid mir gesegnet, o ihr meine Pflegerinnen! Dies letzte Wort ruft Ajax euch zu: das übrige will ich im Elysium den Schatten erzählen.

Ugolino. Was sagst du?

Francesco. Er hat die Rolle des Ajax Telamonius im Augustinerkloster gespielt. Dies ist nichts, als eine plötzliche Regung seines Herzens.

Ugolino. Gut; ich verlasse euch, meine Kinder. Der Morgen naht heran, und keins von euch hat noch den balsamischen Schlaf genossen. Schlaft nun wohl, ihr Geliebten. (Legt Gaddo wieder hin) Wenn wir uns wiedersehn, so – (Geht eilig ab)

Anselmo. Schläfert dich?

Francesco. Freilich! aber ohne meines Vaters Segen will ich nicht einschlummern! O mein Schlaf wird ein herzerquickender Schlaf sein!

Anselmo. Mein Vater soll mich auch segnen. (gehen ab)

Gaddo. Mich hat er gesegnet. Dennoch könnt ich itzt nicht einschlummern.

Fünfter Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Anselmo. Ich bin voller Erwartung.

Francesco. Er sprach die Worte »Es ist ein Gott, meine Kinder!« mit großer väterlicher Gemütsbewegung aus; er konnte keinen Ton mehr vollenden. O mein Anselmo, du weißt nicht, warum ich unsern Vater so schnell verließ.

Anselmo. Noch warum du mir winktest, dir zu folgen.

Francesco. Umarme mich, mein Bruder! daß ich dich fest an mein Herz drücke, Geliebter! Du bist doch nun völlig wieder Anselmo?

Anselmo. Ich bin mild, wie der Honig vom Hymettus.

Francesco. Ruggieri hat mir Gift gegeben, und ich werde sterben. Mein Vater wähnte, ich hätte mich betrogen; ich wähnt es selbst. Mein Vater soll mich nicht sterben sehen. Mein Vater hat mich zum letzten Male gesehen. Du erblassest? Was ist dir, mein Werter?

Anselmo. Cithäron fällt, die erhabne Pallene zittert, und Tempe welkt!

Francesco. Noch immer diese hochfliegenden Phantomen! Ach! wie quälst du mich, mein Anselmo!

Anselmo. Sprich es noch einmal aus, das geliebte tonvolle Wort. Wie war's? Sterben?

Francesco. In dieser Stunde. Daß ich euch itzt schon zurücklassen soll, meinen niedergebeugten Vater, dich, mein Anselmo, dich, mein Gaddo, (Indem er Gaddo mitleidig ansieht) das, das tut mir weh. Doch, ihr Armen, ich gehe nicht lange voraus.

Anselmo. Ha!

Francesco. Anselmo, ich will dir etwas ins Ohr sagen, ehe ich sterbe. Ich fürchte unsers Vaters Stillschweigen. Er ist arm an Worten, schwer beladen mit Jammer, schwerer, als ein Mensch es vor ihm gewesen ist. Kann er seine Seele bis ans Ende behaupten, so ist er der größte Sterbliche der Erden, wie er der größte in Pisa war. Aber seine Leiden sind zu vielfach. Deswegen hab ich gewünscht, ihn zu überleben, mein Bruder, um der Stab seines sinkenden Alters zu sein. Du bist ein Knabe von starker Seele, Anselmo; ja du bist mehr, als ein Knabe! Weine nicht, Liebster. Doch weine nur. Ich verstehe den ganzen Sinn dieser Zähre.

Anselmo. Wie schwach ich mir itzt vorkomme, du Goldzüngiger!

Francesco. Ein Wort sagte unser Vater: es gellt noch in meinen Ohren. »Ach, Herr, bewahre mich vor Verzweiflung!« So sagte unser Vater! So sagte Gherardesca! Er nannte sich den von Gott Verlassenen. Entsetzen fuhr durch meine Seele: aber ich hielt mich, daß ich nicht ausschrie. Bete für unsern Vater, Anselmo! (Indem er ihm die Hand drückt) Ich wollte dich auffordern – Nun vergeß ich, wozu ich dich auffordern wollte. Die Rede eines Sterbenden –

Anselmo. Sprich nicht eines Sterbenden, ehrwürdiger Jüngling! Wie, Lichtheller, du wirst mich nicht in diesem engen Thurme, von der Welt, und aller menschlichen Hülfe abgesondert, mit Gaddo allein lassen? Überdem ist mein Kopf zerstört. Ich schaudre, zurück, ich schaudre, vorwärts zu schauen.

Francesco. Recht so, das war's, wozu ich dich auffodern wollte. Laß Ruggieri nicht über die Seele eines Gherardesca triumphieren! Sei stärker, als deine Jahre. Tritt mit Anstand in die Laufbahn. Wache über deine Vernunft! Ruggieri allein sei der Tobende, aber auch der Zähnklappernde! Er, der itzt jauchzt, sei der Winselnde, der Kriechende, das Insekt! Stirb du deines Namens würdig, Anselmo. Stirb, daß ich dich an jenem Ufer umarmen könne, wie ich dich hier umarme. Gut! das Zittern deines Antlitzes verspricht viel! Dein stolzes Herz steigt sichtbar in deinen Mienen empor! Du bist mein Bruder!

Anselmo. (fällt ihm in die Arme) Ach!

Francesco. Meine Bitte hat ihre Deutung, Geliebter. Auch deines Vaters wegen wünsch ich dich standhaft. Kränk ihn nicht durch vergeblichen Kummer: er hat der Leiden genug. Laß mich keine Fehlbitte tun; gib mir deine Hand darauf. Itzt sterb ich vergnügt. Ohne heilige Fürbitten zwar der Knechte Gottes! Keine Träne fließt um mich in seinen Tempeln. Kein Edler im unedlen Pisa trägt meinen wandernden Geist auf den Flügeln seiner Andacht zum Himmel. Aber wo ihr seid, will ich sein. Auf dieser Grabinsel soll mein Geist verweilen, auf dieser schwanken Spitze hingeheftet ruhn, mit dem Winde Freudigkeit des Todes auf euch niederlispeln, bis ihr verklärt seid, wie ich.

Anselmo. (entschlossen) Da hast du meine Hand, Kind der himmlischen Grazie, Erstgeborner des großen Gherardesca! Nimm sie, nimm sie zum zweiten Male. Er soll kriechen! er soll winseln! Ich bin eingedenk meines Schwurs, des Erstlinggelübdes; und ich will's halten.

Francesco. Ah! deine Geister sind im Aufruhr! Sammle sie, geliebter teurer Anselmo!

Anselmo. Rache! Rache!

Francesco. Es gibt nur eine. Verzeih ihm.

Anselmo. Wenn das Schwert meiner männlichen Hand ihn nicht erreichen kann, so treff ihn das Gebet meiner Seele in der Todesstunde! –

Francesco. Das Gebet ihrer Großmut und herablassenden Huld. So rächen die Beleidigten im Himmel.

Anselmo. O du! – ich kann deine Glorie nicht ertragen. Aber es sei, wie du gebietest.

Francesco. Ich fühl's, ich muß eilen. Nimm mein Bruder, nimm meinen Abschiedskuß. Ich sollte Gaddo umarmen – Seltsam! meine Füße wollen mich nicht hintragen.(lehnt sich auf Anselmo)

Anselmo. Siehst du? ich bin stark, Francesco.

Francesco. Er schlummert.

Anselmo. Mächtig pocht das Herz des Knaben, wie meins pocht. Wie kann es pochen?

Francesco. Schon ist's seiner Wohnung zu groß. So ist deins. Freue dich. Die Gekerkerten sind am Ziele ihrer Freiheit.

Anselmo. Wenn dies Schlummer ist, so ist's ein angstvoller.

Francesco. Die Stunde wird kommen. Fahre wohl, Unschuld! Für dich darf ich nicht beten? (Macht das Kreuz über ihn) Laß uns eilen. Itzt! itzt! Ich will am Sarge meiner Mutter sterben. Gute Nacht! Erde! du Stiefmütterliche! (Er legt sich in einiger Entfernung, mit Bedacht, an die Seite des Sargs. Anselmo hält ihn in seinen Armen) Gute Nacht! Hier will ich besser ruhn. Jetzt verlaß mich! (Indem er Anselmo mit der Hand winkt, wegzugehen)

Anselmo. Nicht also! Ich habe noch nie einen Sterbenden gesehen. (Nach einer kurzen Pause) Ist das Sterben? Betracht es wohl, Anselmo! Ist das Sterben? Gott sei mir gnädig!

Francesco. Er hat mich ergriffen – Gott! Gott!

Anselmo. Erbarmer! Erbarmer! Erbarmer! Noch windet der Wurm sich? Noch? Noch? Wehe mir! Sterben ist grauenvoll!

Francesco. (streckt den Arm gegen Anselmo aus, und stirbt)

Anselmo. (schlägt sich vor die Brust, und entfernt sich schnell) Er ist dahin! mit ihm meine Entschlossenheit. Sterben ist grauenvoll! Geboren werden ist auch grauenvoll! Dies Rätsel ist mir zu fein. (Er betrachtet den Leichnam) Wer nennt den Tod ein Geribbe? Ich hab ihn gesehn: sein Fleisch ist Sehne, seine Knochen sind gegoßnes Erz. Ein vollblütiger breitschultrigter Mann. Francesco rang mit ihm, es ist wahr: aber Francesco ist der Kraftvolleste der krotonischen Jugend. Francesco hat einen Stier an den Hörnern zu Boden gestürzt: allein dem erhabnen Fremdling erlag Francesco. Ich bewundre den Bau seiner Glieder. Wenn dieser Jüngling in der Schlacht gefallen wäre: welch ein Mahl für die Adler! Hier ist liebliche Speise! Hier ist Vorrat! Jupiter ist parteiisch. Den Raubvögeln gibt er im Überfluß; Menschen darben. Husch! warum nenn ich ihn parteiisch? Sorgt er nicht für mich, wie für die jungen Raben? Ladet er mich nicht ein? Nein! hier widersteht etwas! In meinen Herzen empört sich's, und ruft: Iß nicht Anselmo, iß nicht von diesem Fleische. Ein guter Rat! dies Fleisch könnte mir schaden; es ist vergiftet. Hieher winkt der Versorger. Ein offner Sarg, der einen weiblichen Körper voll himmlischer Schönheit für mich aufbewahrt! Soll ich? Glück! soll ich? Ich folge dir, Glück! Meine Zähne knirschen! Der Wolf ist in mir! Ha! verwünscht will ich sein, wenn ich dieser Weibsbrust schone! (Indem er sich über den Sarg erhebt, fällt der Deckel)

Ugolino. Tiger! in deiner Mutter Busen wolltest du deine Zähne setzen? Du greinst? Du bist deiner Mutter Sohn nicht, du Ungeheuer!

Anselmo. Woher dieser Starke? Der Tod kann er nicht sein: er ist hager und bärtig.

Ugolino. Wenn Ruggieri dies sähe! dies hörte!

Anselmo. Er droht mir!

Ugolino. Der Mensch ist Mensch; mehr nicht, Herrscher im Himmel! deine Lasten sind zu schwer! Was hab ich nicht erlitten! Könnt ich, wie das morgenländische Weib, eine Marmorsäule dastehn, so wollt ich zurückschaun! O nun beb, Erde! nun brüllt, SThurmwinde! nun wimmre, Natur! wimmre, Gebärerin! wimmre! wimmre! die Stunde deines Kreißens ist eine große Stunde!

Anselmo. Dies Weib war meine Mutter!

Ugolino. Dies Weib war deine Mutter, du mit dem dreifachen Rachen!

Anselmo. (indem er sich mit geballter Faust vor die Stirne schlägt) Dies Weib war meine Mutter!

Ugolino. Gorgo! was hast du getan!

Anselmo. Hunger! Hunger! Ach er wütet in meinem Eingeweide! er wütet in meinem Gehirne!

Ugolino. Du Greuel meiner Augen! der du wie ein bösartiger Krebs deiner Mutter Busen zernagst!

Anselmo. Unmenschlich! o unmenschlich!

Ugolino. Wenn der Sohn mit dem Gebiß einer Hyäne am Fleisch zehrt, das ihn gebar: o ihr Elemente! so sei der Krieg allgemein! Sulfurisches Feuer zersprenge den Schoß der Mutter Erde! der Abend verschlinge den Morgen! die Nacht den Tag! ewiger chaotischer stinkender Nebel die heilige Quelle des Lichts! Hebe dich weg von mir, Abart! Du triefst von dem Blute deiner Mutter! sei unstet und flüchtig! Die Rache zeichnet dich aus!

Anselmo. (wirft sich auf Francescos Leichnam) Verbirg du mich dem Grimme meines Vaters, brüderlicher Busen! Bei den Toten will ich Schutz suchen: denn ach! die Lebenden sind furchtbar!

Ugolino. (indem er Francescos Leichnam sieht) Sie ist da, die feierliche Stunde! die mächtige! die prüfende! sie ist da! Nun, Gherardesca! Nun, wenn du ein Mann bist! Die entscheidende feierliche Stunde ist da! Wann ward dieser erste Ast vom Stamme gerissen? Das Schrecken hat den unglücklichen Knaben getötet. Warum zürnt ich? O Himmel! Er wußte wohl nicht, was er tat. Anselmo! mein Sohn Anselmo! Du ängstigest mich! Sohn des Entsetzens! ach! bist du der dritte dieser Leichname?

Anselmo. (seines Vaters Knie umfassend) Sei milde! schone! schone!

Ugolino. (ihn aufrichtend) Betrübe mich nie wieder so!

Anselmo. Nie! oder du magst mich zertreten, wie einen Skorpion. Ein reißendes Tier billt in meinem Eingeweide! ich will mit ihm kämpfen! kämpfen will ich mit dem reißenden Tiere! Aber ach! mein Vater! warum muß Gaddo hungern? Dich hungert nicht, sagtest du: warum soll dein Gaddo hungern? Betrachte Gaddo, mein Vater!

Ugolino. Kann ich den Hülflosen sehn, den ich nicht zu retten weiß? Lieber will ich diesen Entbundnen sehn!

Anselmo. Dieser Entbundne ist Francesco.

Ugolino. Und diese im Sarge ist deine Mutter. Zweene sind hier Leichname der Toten: drei tappen noch an ihrer Grabstätte. Francesco verließ mich schnell.

Anselmo. Er starb in meinem Arme.

Ugolino. Der Großmütige! Ich sollt ihn nicht sterben sehn! warum sah ich ihn gestorben! Hier ist keine Erquickung! Nirgend ein Winkel, der mir nicht einen Gegenstand des Grauens darbeut. So weit die Schöpfung reicht, ist kein Ort, von dem der Erschaffende seinen Blick abwandte, als der Ort der ewigen Finsternis, und dieser!

Anselmo. O sieh! sieh! mein Vater! Gaddo bewegt sich herwärts. Was ist dem Kinde?

Ugolino. Daß ich mit Blindheit geschlagen wäre! mein Auge nichts sähe! mein Ohr nichts hörte! Sind alle Leiden der Erde in eine einzige Stunde zusammengedrängt?

Gaddo. (kriecht zu seinem Vater hin, dessen Zipfel er faßt) Nur ein Brosämchen, mein Vater! nur eins! oder ich sterbe zu deinen Füßen!

Ugolino. (zitternd) O Gott!

Gaddo. Ach, Anselmo! hilf mir meinen Vater erbitten! Der Tod sitzt auf meinen Lippen: warum soll ich Hungers sterben?

Anselmo. (den andern Zipfel anfassend, und gleichfalls knieend) Um deiner Liebe willen! laß Gaddo nicht Hungers sterben!

Gaddo. Schier verschmacht ich! bin doch nicht vaterlos, noch mutterlos! Gib mir, daß dein Vater im Himmel dir's wiedergebe!

Anselmo. Da dich selbst nicht hungert, o Versorger! gib Gaddo von deinem Vorrate! Laß den Wolf hungern. Der Wolf mag hungern. Laß den schändlichen Anselmo hungern. Der schändliche Anselmo mag hungern. Aber o du mit der finstern Stirne! warum dieses fromme, sanftmütige, schweigende Lamm?

Gaddo. Schon ein halber Bissen wird mir das Leben retten! ja die Hälfte eines halben Bissens wird mich retten!

Anselmo. Als der Mangel ferne von uns war, strömten die Schätze des Gottes wie ein Sommerregen herab! herab auf den gierigen Adler! herab auf das idäische ambrosiaduftende Kind!

Gaddo. (indem er kraftlos zurücksinkt) Hier will ich mein Leben ausschmachten! hier auf dieser Stelle! Den Trost soll man mir doch nicht nehmen, daß ich zu meines Vaters Füßen sterbe. (Mit gebrochner Stimme) Gott segn' ihn!

Ugolino. Mark und Bein kann es nicht aushalten! (er sinkt bei seinen Kindern zu Boden)

Anselmo. Jenseits, wo sie am Styx schweben, ist die Aussicht. So pflegte unsre teure Mutter zu sagen. Jenseits ist die Aussicht!

Gaddo. Engel Gottes! der du mich hier abfordern wirst, laß ein Blümchen unter meines Vaters Füßen aufblühen! (Mit schwächrer Stimme) ein geknicktes kleines Blümchen! (Küßt seines Vaters Füße) So blühe mein Leichnam!

Anselmo. Getrost, schöner Sterbender! Das Leben ist der Tränen nicht wert! Was sagte unsre Mutter Ops? Sicherheit blüht nicht unter der Sense des Göttervaters! Jenseits ist die Aussicht!

Ugolino. Ihr Mütter der Kinder und Säuglinge! ihr Weiber mit zartfühlenden Herzen! Menschengeschlecht! heult zum Mond auf! heult zu ihm auf, der höher, als der Mond, ist! zu ihm, der eure Wehklage hören kann! Klagt's dem Allwissenden, daß dies Los ein Los der Kinder und Säuglinge ist! Und du, blasse Bewohnerin dieses Sarges! (Kniet vor den Sarg hin) Heilige unter den Heiligen! Verklärte am Thron! wenn du auf mich herabsiehst! durchschaue die Leiden deines Ugolino!

Anselmo. Armer neugeborner Unglücklicher! umsonst! der Alte hat seine Zähne gewetzt, und du mußt sterben!

Ugolino. Wenn er stirbt; wenn der Unschuldige stirbt! für eure Verbrechen stirbt! Hungers, Hungers! stirbt: o Ugolino! o Ruggieri! wo ist eine Verdammnis, die euch Grausamen, euch wider diese duldende Unschuld Verschwornen! nicht gebührt?

Anselmo. Mit Verwünschungen spricht er das Todeslos über dich aus! Aber deine gebrochenen weißschimmernden Augen reden eine Sprache! und wohl mir! daß ich sie verstehe!

Ugolino. (nimmt Gaddo in seine Arme) Ich lasse dich nicht, Engel! nicht aus meinem Arme sollst du mir entschlüpfen! Ringender! willst du die Hölle auf deinen Vater herabrufen?

Anselmo. So! reiß ihm das Herz aus dem Leibe! Frisch! Nun hast du's! Dies Zucken kenn ich. Fahre wohl, schöner Knabe, fahre wohl!

Ugolino. Verderben komm über mein Haupt! (lässt Gaddo fallen, und tritt zurück)

Anselmo. Frisch! du Vater deiner Kinder! wohltätiger Saturnus! diesen hast du gewiß! Aber warum scheu? warum bleich und mit entstelltem Antlitze? warum wendest du deine gelben Blicke? warum nagst du deine Hände? Will er sein Fleisch von seinem Gebein abnagen, seinen Hunger zu stillen? Sieht er mich denn nicht? Ich bin ja der einzige Übriggebliebne? Ich kann ihm nicht entschlüpfen, und ich will nicht! Er nagt an seinem Fleisch! Beim Styx! große Schweißtropfen fallen von der Stirn auf die zernagten Hände Saturns, des Niedergebeugten! Kann er mich nicht abmähen? Warum säumt er? Oder soll ich mein Fleisch ihm darbieten? So will's die kindliche Pflicht! Ich soll mein Fleisch ihm darbieten! Ich fühle mich von Mitleiden und Erbarmen durchdrungen, diesen Alten so ungewöhnlich hungern zu sein. Ich weiß auch, was Hunger ist! Nein, ich kann's nicht ausstehn! (Er hängt sich an seines Vaters Arm) Mich! mich! mich verzehre, du eisgrauer Alter! Sieh, dein einziger Zurückgebliebner lebt! Mir laß das Verdienst, deinen Hunger zu stillen!

Ugolino. (in einer Art von Betäubung) Ruggieri! Ruggieri! Ruggieri!

Anselmo. Schwer liegt die Hand des Schreckenden an meinem Nacken! Gott der Götter! du, den ich in der Angst meines Todes – Es ist Ugolino! (er sträubt sich im Arme seines Vaters)

Ugolino. Oh! hab ich dich so in meinen Armen! Schuppigtes Ungeheuer! hab ich dich endlich in meinen Armen! Nun winde dich, Hyder! umflicht meine Schenkel! umflicht meine Arme! Gherardesca soll mit männlicher und mit nervigter Faust auf dich treffen! Schuppigtes vielköpfigtes Ungeheuer! Siehst du? ha! siehst du? ha! siehst du?

Anselmo. (flieht)

Ugolino. (streckt den Arm nach ihm aus und schlägt ihn zu Boden) Also treffe dich –

Anselmo. (jammert in seinem Blute)

Ugolino. Der Sterbenden Geschrei! der Kinder Wehklag im Leichengefild! das Gewinsel der Weiber und ihrer Säuglinge! o Sieger Ugolino! Alles wieder still! Kein Hauch mehr in der Luft! Keine Kühlung um meine Schläfe! und mir ist besser! Doch meine Augen sind mit Blindheit geschlagen! Wo find ich meine Laute? (nachdem er einige Griffe auf der Laute getan, wird eine sanfte traurige Musik gehört)

Ist's Ruggieri, der Leichenbestatter? Diese Harmonien schweben nah um den HungerThurm. Oder seid ihr's, ihr wenigen Rechtschaffnen, die ihr unter Ugolinos martervollem Kerker weinet? (die Musik fährt fort)

Francesco ist am Gift gestorben, sagst du? was ist's mehr? Wär er vom Schwert, vom Dolch, vom Beil gestorben, würd er weniger tot sein? Lern es, mein Sohn, Vergiften, Ermorden, Hinrichten ist ein heiliges Vergnügen: es ist ein bischöfliches Vergnügen! Wie ist das? Bin ich hier allein? Wer dieser Jüngling an der blutigen Mauer?

(Anselmo schreit, da sein Vater sich ihm nähert. Dieser fährt voll Entsetzen zurück)

Verflucht sei das Weib, das mich gebar! Verflucht die Wehemutter, die das Wort aussprach: »Der Knabe lebt.«

Anselmo. Nur verzehre mich nicht, du hungernder Vater! nur mich Lebenden nicht!

Ugolino. Und hab ich – O Furchtbarster in deiner Rache! Hier liege, Mörder! (Er wirft sich heftig neben Anselmo hin) Hier weihe dich der Erde auf ewig! (Er spreitet seine Arme über den Boden aus. Die Musik fährt fort)

Anselmo! (wehklagend) einst mein Anselmo! einst Freude und Labsal meiner Augen! Dein Vater ist's, der dich ins frühe Grab sandte. Die Klage des Mörders eilt von einer Leiche zur andern. Fluch ihm! Sie wird's ewig!

Anselmo. Dich, Hungertod, werd ich nicht sterben. Heil ihm!

Ugolino. Auf mich rausche daher! Hungertod daher! Ich bin müde und lebenssatt! Hier sollst du den morschen Gebeinbau finden. Hier zerstieb er, bis die Gerichtsposaune diesen Staub, und diesen, und diesen, und diesen erweckt! Hier vermisch er sich mit der Verwesung der Unschuldigen, die hier, hier, und hier, und hier um mich her zerstreut liegen! Und Pestilenz, Pestilenz, du Verwesungsluft der Gherardescas! sei jedem Pisaner, der dich eintrinkt! Mit diesem Vermächtnis –

Anselmo. (indem sich die Musik entfernt)

Wonnegesang! Wonnegesang!

Ist am Ziel denn nicht Vollendung?1

Nicht im Tale des Tods Wonnegesang?

Ugolino. Ich hebe meine Augen zu Gott auf! Meine zerrißne Seele ist geheilt. Mit diesem Vermächtnis – mit diesem Vermächtnis – Himmel und Erde! eines Verhungernden! langsam, langsam, unter jeder Gewissensangst! Was? Tage- und nächtelang angestarrt von jenen weitoffnen Augen deiner Erschlagnen und auch Verhungerten? was? Nein! nein! nein! bei allen Schauern des Abgrundes! nein! Ich will es nicht aushalten! beim allmächtigen Gott! ich will nicht! (Er hebt sich gählings, wie um gegen die Mauer zu rennen) Du im Himmel! (Fährt aber plötzlich zurück) Ha! (Mit zum Himmel gehobnen Augen) Mein Herr und mein Richter! Ha, Ugolino! noch lebst du! noch – lebst du! klein zwar nun, und nun dir verächtlich, und nun unwürdig des Prüfungstodes! Aber ich lebe! Schwur ich's? bei dem allmächtigen Gott schwur ich's? O Schwur, wie ihn nie die Verzweiflung geschworen hat! Drei Tage dieser Dämmrung, Ugolino! drei Nächte dieser Dämmrung! Diese Felslast auf meinem Herzen? sie nicht abwälzen? Ja, es ist schwer! Oder Jahrtausende jenseits in der Finsternis der Finsternisse? Jahrtausendelang an allen Wänden aller Felsen meine Stirne zerschmettern? Wehe mir! in jeder schamvollen Erinnerung meiner unsterblichen Seele sterben? und wieder leben? und wieder sterben? Ach! es ist graunvoll! Jahrtausendelang in der schwarzen Flamme des Reinigers? und neue Jahrtausende lang? und vielleicht eine Ewigkeit lang, hinzitternd vor dem furchtbaren Antlitze des Rächers? Und wie würde der mitverdammte Pisaner die Zähne blöcken! Wie würde der Mitverdammte die Zähne blöcken! Vergib mir! vergib mir, o mein Richter und Erbarmer! vergib mir! Sind nicht meine armen unschuldigen Kinder gefallen? Armer Gaddo! da wand er sich! da umher liegen die Leichname! armer Francesco! und meine Gianetta! meine Gianetta! und – und – (mit erstickter Stimme) Sie murrten nicht! So hingebeugt der Verwesung! So sie! Kein Murren in ihrer Seele! Ah! was wär's, wenn sich der Verbrecher empörte! (Er weint bitterlich, und verhüllt sich das Haupt. Die Musik wird klagender)

Eine unmännliche Träne! (In edler Stellung) Kannst du die Bande der sieben Sterne zusammenbinden? Oder das Band des Orion auflösen? Kannst du den Morgenstern hervorbringen zu seiner Zeit? Oder den Wagen am Himmel über seine Kinder führen? Weißt du, wie der Himmel zu regieren ist? Oder kannst du ihn meistern auf Erden (die Musik endigt erhaben)

Ich will meine Lenden gürten, wie ein Mann. Ich hebe mein Auge zu Gott auf. Meine zerrißne Seele ist geheilt. Mit dir, Hand in Hand, du Nahverklärter! (Anselmo umfassend) Und dann seid mir gepriesen, die ihr diesen Leib der Verwesung hinwarft! Ganz nahe bin ich am Ziel!

Fußnoten

1 Aus einer Strophe von Klopstock.

Gedicht eines Skalden

Inhaltsverzeichnis

Erläuterung der Eddensprache und der Anspielungen in diesem Gedichte

Prosopopoema Thorlaugur Himintung des Skalden

Erster Gesang

Zweiter Gesang

Dritter Gesang

Vierter Gesang

Fünfter Gesang

Erläuterung der Eddensprache und der Anspielungen in diesem Gedichte

Inhaltsverzeichnis

Braga oder Bragur, der Gott der Dichtkunst. – Dvats oder Dvatens Töchter, Parzen, die die Geburt der Kinder weihten. – Thor oder Hlodin, der Donner-Gott. – Njord, ein Riese oder Halbgott, den die Edda als einen Dichter anführt. – Mimers Haupt, eine Quelle, die Odin um Rath fragt – eine Quelle auf einem angenehmen Hügel bey Sandholm, die auch im zweyten Gesange in der Bestimmung einer Cascade vorkömmt. – Sigtuna, die Residenz des Odin. Valholl oder Valhalla, der Himmel des alten Nordens. – Glasur, ein geheiligter Wald, der die Vorhöfe des Himmels umgab, und dessen goldne Zweige von dem Vorhofe Sigtur an bis auf den mit goldnen Schilden bedeckten Götterpalast (Glitner) reichten. – Fansal, Palast der Mutter der Götter. (Hirschholm, ein Lustschloß.) – Gladheim, Palast der Freude, der durch seine goldnen Säle bekannt ist. (Friedrichsburg.) – Vingolf, Palast der Freundschaft und des Friedens. (Friedensburg, der Sommeraufenthalt K. Friedrichs des V.) – Alfadur, der allgemeine Vater, die erhabenste Vorstellung, die man sich von einem gütigen Wesen macht. – Asgaard, die Residenz der Götter oder Asen. – Valaskialf, der Palast dieser Residenz. – Disen, rächerische Gottheiten, die auch unter dem Namen der Nornen (Parzen) und Valkyriur vorkommen; die Namen der letztern, wie fern sie den Halbgöttern in Valholl aufwarten, sind im Liede des zweyten Gesanges angeführt. – Hiorthrimul, eine Todes-Parze. – Alfen, Schutzgeister. – Hlidskialfs Zepter, der Zepter des obersten Throns. – Vidri, der Sohn des Odin. – Blakullur, eine Wasser-Gottheit. – Einherium, Helden, die das Schwert einer Stelle in Valholl würdig gemacht hat. – Einherium Ol, das himmlische Getränk dieser Helden. – Goldharf, ein musikalisches Instrument, das unter diesem Namen in den Kiämpe-Viser vorkömmt, eigentlich aber Mundharp heißt. – Frö, eine Gottheit, die oft mit K. Frotho verwechselt wird. – Dämmerung der Götter, derjenige Zeitpunkt, der der Voluspa gemäß im fünften Gesange beschrieben wird. – Heliars Palast, der Ort, wo die irdischen Hähne krähen. Das Gallicinium war sowohl in Valholl als auf der Erde, eine Aufforderung zum Kampfe. – Gotland, der alte Name Dänemarks. – Geir, ein kurzer Speer. – Endil, ein blutdürstiger Wasser-Gott. Seine Wölfe, die Ungeheur des Meeres. – Hrymur, ein Riese oder Halb-Gott. – Jormungandur, eine Schlange, welche die Erde umgiebt. – Naglfar, ein Schiff, das beym Untergange der alten Welt zerschmettert wird. – Hlin, eine Göttinn, welche die Freunde der Frigga, Gemalinn des Odin, beschützt. Zwerge, Bewohner des Himmels. – Zwillings Wolf, Bruder des Jormungandur. – Midgardische Schlange, ein Feindinn der Götter. – Der Altar, der auf dem Titelkupfer abgebildet ist, liegt nebst den beyden Grabhügeln, in der Gegend von Sandholm. – Sandholm, die Scene des Gedichts, ein Landsitz des Herrn Hofpredigers Cramer.

Prosopopoema Thorlaugur
Himintung des Skalden

Inhaltsverzeichnis

Erster Gesang

Inhaltsverzeichnis

Ist Bragas Lied im Sternenklang,

Ists, Tochter Dvals, dein Weihgesang,

Was rings die alte Nacht verjüngt?

Auch mich – ach! meinen Staub durchdringt,

Wie Blitze Thors, die Gruft enthölt,

O Wonne! mich – mich neu beseelt?

Aus rothen Wellen ströhmt das Licht;

Ich aber, Heil mir! schlummre nicht,

Heil mir Erwachten! bade ganz

Den neuen Leib in Sonnenglanz,

Schwimm in die leichtre Luft empor,

Bin ganz Entzückung, bin ganz Ohr,

Und walle trunken in der Fluth

Der hohen Harmonie? –

Wo ruht

Mein schwebender Geist auf luftiger Höh?

Wo über Berg und Thal und See

Flattr ich und glüh im Silberton?

Wohin, mein Geist, bist du entflohn?

Wo badest du den Schwung so früh

Im Urquell süßer Harmonie?

Nicht so entfesselte einst Njord

Den blanken Eisberg durch Accord:

Der Fels, wo er die Hymne ergoß,

Daß Nord-Sturm tonvoll ihn umfloß,

Bebt' unter ihm, die Tiefe klang,

Und Geister seufzten in seinen Gesang.

Wo Mimers Haupt vom Hügel quoll,

Hier ist Sigtuna, hier Valholl,

Hier Glasurs Dunkel, hier der Kranz,

Der mit der Wipfel heilgem Glanz

Herab aus Wolken, die er stützt,

Die goldnen Schilder überblitzt.

Ich sehe Fansal – Schaur umfaßt

Und stille Würde den Palast;

Ich sehe Gladheims Freuden-Saal,

Gehüllt in seines Goldes Strahl:

Von seiner Zinne bebt der Blick,

Zu stumpf, ihn anzuschaun, zurück.

Wer schreitet königlich daher

In Vingolfs Hayn, am sanftern Meer?

Laß mich, du Majestät im Hayn,

Auf deinen Fußtritt Blumen streun!

Du König, Vater, Friedensheld,

Du Lust des Himmels und der Welt!

Laß mich die Stunde weihen, da

Ich deinen Tritt, Alfadur, sah!

Hier, wie in Asgaards Valaskialf

Umringt von Disen oder Alf,

Den Zepter Hlidskialfs in der Hand,

Im Helm, im purpurnen Gewand,

Stets Freund der Menschen, dort wie hier,

Bist du geweiht, und glorreich, mir!

Zweiter Gesang

Inhaltsverzeichnis

Stiller wird das Meer

Der Entzückung um mich her.

Weh mir! auf welcher Stätte ruht

Mein blutbetriefter Fuß?

Welch feierliches Graun

Steigt langsam über diese Hügel

Wie im Nachtgewölk

Neugeschiedner Seelen auf? –

Ach hier! – hier? – Ach, Halvard!

Wie manch geflügeltes Aeon

Ist von der Nornen Stunden-Thron,

Seit ich dieß Grab gebaut, entflohn! –

Ruht hier die Urne, mein Halvard,

Hier, bester Freund, dein edler Staub? –

Mir schwindelt! durch Jahrhunderte

Blick ich, durch trübe ferne Nebel

Hoch übern Horizont, ins Grab,

Auf unsrer Freundschaft Maal herab!

Lernts, Gotlands Söhne! Wenn der Stein

Der Hügel schweigt, wenn seine Runen

Verloschen sind, kein Trümmer mehr,

Kein Brand-Altar der Freundschaft zeugt: –

O! lernts durch ewigen Gesang,

Und flammet neuen Opferdank

Vom rauhen hüglichten Altar,

Der euren Vätern heilig war.

Im Schatten dieses Eichenhayns,

Hier wars, von hoher Flamme warm,

Wo ich, Halvard, in deinem Arm

Den großen Todesbund beschwur.

Still war die Luft, in Majestät

Lag die Natur zu Vidris Füßen;

Die stolzesten der Wipfel rauschten,

Und leise Bäche murmelten.

Unsichtbar wandelten um uns

Zween Alfen, von Odin gesandt.

Wo über buntbeblühmte Rasen

Der See vom Hauch der Luft bewegt,

Crystallne Wellen von sich jägt,

Sahn wir, mit süßem Duft beladen,

Die Göttinn Blakullur sich baden.

Vom Hügel braust im Bogenschuß

Ein breiter Quell, schwillt auf zum breitern Fluß,

Springt donnernd über jähe Spitzen,

Und diamantne Tropfen blitzen,

Im Lichtstrahl und im Silberschein

Erzitternd, durch das Laub im Hayn:

Indeß die Wellen schmeichlerisch sich regen,

Ihr Bild in die glanzvolle Luft zu prägen.

Die Göttinn sah ihr himmlisch Bild,

Wie es die Wasser-Scene füllt;

Bescheiden schlüpfte sie zur Tiefe nieder:

Allein das Ebenmaaß der weißen Glieder

Strahlt durch die heitre Fläche wieder.

Es scherzt um ihren Hals ihr blondes Haar,

Verbirgt ihn halb, stellt halb entblößt ihn dar.

Die seidnen Locken spielen mit den Lüften,

Und thauen dann herab auf Marmor-Hüften.

Die Wangen blühn in seelenvollrer Glut;

Die runden Arme rudern durch die Fluth;

Die kleinen Füße rudern, sanft gebogen,

Der volle Busen wallt auf zarten Wogen.

Die sternenvolle Nacht umschwebet sie,

Die Flur ist Duft, der Wald ist Melodie.

Sieh den gelindern West ihr Haar umfließen!

O sieh den hellern Mond zu ihren Füßen! –

Wir sahn das Wunder, staunen, beten an! –

Schnell hören wir aus einem Zauberkahn

Fremde Spiele der Saiten

Mystische Lieder begleiten.

Stillschweigend horchen wir; die Saite klingt;

Die himmlische verborgne Stimme singt:

"Beglückt! beglückt! Dreymal beglückt!

"Den Hiorthrimul angeblickt!

"Beglückt! beglückt! beglückt!

"Wer in die Freuden der Götter entrückt

"Am Busen seines Freundes stirbt,

"Ihm reichen Hrist,

"Und Skogula und Mist,

"Und Hilda und Hertruda,

"Und Hloka und Herfiudra,

}Gaull, Geira, Radgrida,

"Hod, Reginleif, Rangrida,

"Und alle Valkyriur in Valholl

"Einherium Ol.

"Laßt uns spinnen, laßt uns spinnen

"Den Faden Thorlaug und Halvard!

"Laßt ihn in Nebel zerrinnen,

"Den Leib, der Einherium ward!"

Der Schauer der Begeisterung

Ergriff mein schwellendes Herz! Ich schlung

Den Arm um meinen Freund, und schwur

Meines Freundes Tod zu sterben!

Da jauchzten die Valkyriur!

Da hub mein Freund den Arm, und schwur

Den blanken Schild zu färben,

Und meinen Tod zu sterben!

Da jauchzten die Valkyriur!

Dritter Gesang

Inhaltsverzeichnis

Schon schnitt aufs neu der Sonnenführer

Den Zwischenraum der Endlichkeit

Drei Jahre bis zur Dämmerung

Der Götter ab, seit mein Halvard

Vom Waffenblitz aus meinem Arm

Weit nach Britannien hinweg

Gewinkt, nach seiner Gegenwart

Mich Schwermuthsvollen schmachten ließ.

Einst, da ich einsam und verlassen,

Wo ihn die Barke von mir stieß,

Am Ufer irrt, und jeden Hauch

Der Luft, der nach der Küste blies,

Mit meinen Seufzern flügelte:

Trat ein mir fremder kühner Mann

Mit wildem Schritt zu mir heran.

"Gieb mir die Goldharf! rief er stolz,

"Die dir Halvard zum Denkmaal ließ;

"Er gab sie dir, er nahm sie mir.

"Du überträfst mich nicht in Liedern,

"Wär nicht der Raub des Frevlers dein!

"Gieb mir die Goldharf, sie ist mein!" –

"Nicht so! sprach ich mit ernster Stirn,

"Was mir mein Freund geschenkt, war sein,

"Ist itzt mein Stolz, mein Schmuck, mein Ruhm,

"Und wird dereinst mein Nachruhm seyn.

"O glaube mir, nicht der Besitz

"Der Goldharf ists, der Dichter macht.

"Erhebe dich, entzünde deinen Witz

"Mit Bragurs edler Glut,

"Fach auf dein träges Blut

"Streb' himmelan zu dringen,

"So wirst du besser singen!"

Zur Wuth erhitzt und Funken sprühend

Aus rothem Auge fodert er

Zum Kampf des kurzen Speers mich auf:

"Da soll, sprach er, der Rächer Frö

"Mit warmem Blut die Wahrheit rächen."

"Da mag, sprach ich, Frö, der Gerechte,

"Die Wahrheit schützen, und mich rächen."

Der neugebohrne Tag entschlüpft dem Meer,

Sträubigt rauscht von oben her

Der Hahn Valholls, und kräht

Sein kriegrisch Lied, und hebt den goldnen Kamm!

Aus Heliars Palast tönt ihm

Der Erde Hahngeschrey entgegen!

"Auf! auf! zum Kampf aus später Ruh!"

Ruft Gotlands Helden-Jugend uns zu.

Schon treten wir mit Helmen angethan

Auf die blutlechzende Todesbahn;

Schon schließt sich um uns her die Schaar

Der Richter, die durch weißes Haar

Und langen Bart ehrwürdig war!

Schon blinkt der Geir im Sonnenstrahl!

Schon strömt die Purpur-Wunde!

Schon öffnen Endils Wölfe

Auf meinen Feind den giergen Schlund!

Ach mir Unglücklichen! Da schlüpft

Die Ferse mir im schwarzen Blut

Da stürz ich hin, und über mich

Mein sterbender Feind! –

Schmach, Wuth und Scham

Begrub mich noch im Todes-Schlummer,

Als mich ein jammernd Klaggeschrey

Vom Oceane her erweckt.

Ich seh, ich seh! – o Schauer! o Entsetzen!

Ach, warum lebt ich, es zu sehn? –

Ich sehe meinen Freund, den besten

Der Menschen, meinen treuen Halvard,

Der Freundschaft Urbild, itzt des Todes Bild,

Im Schleyer der ewgen Nacht gehüllt.

Zu meinen Füßen lag er, seufzte noch,

Und hob die schwere Brust – Ihn hatte

Sein eignes Schwert, zu eingedenk

Des hohen Schwurs, gestürzt, da er

Mich fallen sah – Ach! wehe, wehe, mir!

Warum mußt ihn ein falscher Anblick trügen?

Warum sein erster Anblick seines Freunds?

Nicht darum war er, nach drey langen Jahren,

Dem Busen seines Thorlaugs zugeeilt! –

Ich warf verzweiflungsvoll

Auf seinen Leib mich hin, verbarg

Mein Angesicht in seine Brust, und schluchzte!

"Ach nein, Halvard, du bist nicht todt?

"Nein! bey den Göttern, nein! du schlummerst nur!

"Es ist ein dichter Schlaf, der dich erquickt!"

Umsonst! umsonst! Die lange Nacht

Versiegelte sein Helden-Auge!

Er war auf Ewig mir entschlummert!

Man riß mich grausam aus des Todten Arm.

Mit wildem und gebrochnem Blick schaut ich

Zum Himmel! Da ermannt ich mich,

Und sprach: Ich will dem theuren Mörder

Ein Grabmaal baun, und seinem Hügel nah

Ein Brand-Altar erbaun, zur Ehre

Der Freundschaft! des Unsterblichen!

Ich thats; mein letztes Opfer flammte

Durch Wolken auf; ich schwung dreymal

Mein Schwert, durchstieß mein brechend Herz,

Und sank vergnügt auf seinen Holzstoß nieder.

Die Schaar der Staunenden ließ meine Glieder

Zur Asche glühn, und senkte dann,

Dem Hügel meines Freunds zur Seite,

Des Staubes Urn in diese Gruft,

Der sie dieß zweyte Denkmaal weihte,

Das freundschaftlich im heiligen Schatten

Dem Wandrer süße Schwermuth winkt,

Und zur Begeistrung ihn erhebt,

Mein banger ahndungsvoller Geist

Hielt bey dem frommen Schauspiel sich

Nicht auf, und flatterte verfinstert

Durchs unbegränzte Leere

Dem Schatten des Geliebten nach.

Vierter Gesang

Inhaltsverzeichnis

Und doch – leichtgläubiges Gefühl! –

Ist alles dieß mehr als ein Gaukelspiel?

Kann dieß die Stätte seyn, wo wir

Ins Thal des Schweigens flohn? Kaum glaub ich dir!

Wie reizend, wie bezaubernd lacht

Die heitre Gegend! wie voll sanfter Pracht!

In schönrer Majestät, in reiferm Strahle

Glänzt diese Sonne! Milder fließt vom Thale

Mir fremder Blüthen Frühlings-Duft;

Und Balsamgeister ströhmen durch die Luft,

Unübersehlich malt die Blumen-Flur

Sich meinem Aug, und die Natur

Ist rings umher ein Garten! – Welcher Gott

Schmiegt eine Wildniß unter das Gebot

Der Schönheit, Ordnung, Fruchtbarkeit?

Wer ists, der Wüsteneyn gebeut,

Sich in entfernter Sonnen Glut zu tauchen,

Und unbekannte Spezereyn zu hauchen? –

Ha! nicht also, im festlichen Gewand,

Grüßt ich dich einst, mein mütterliches Land!

Unfreundlich, ungeschmückt, und rauh und wüste,

Im trüben Dunkel schauerte die Küste;

Kein Himmel leuchtete mild durch den Hayn;

Kein Tag der Aehren lud zu Freuden ein;

In Hölen lauschte Graun und Meuterey,

Und was am Ufer scholl, war Kriegsgeschrey.

Das Weib der Ehe trat mit Helm und Speer,

Und neben ihr, von blutger Rüstung schwer,

Die blühnde Tochter fürchterlich einher –

O wie weit anmuthsvoller schreitet,

Von acht geliebten Kindern hold begleitet,

Dort jene Mutter durch den Schattengang,

In dessen Hecken friedlicher Gesang

Ertönt, wo goldnes Obst um sie entsprang!

Auf Rasen hingelehnt, im Auge Himmel,

Erwartet das weithallende Gewimmel

Der frohe Vater, der mit reger Hand

In die veredelte Natur entbrannt,

Die mächtge Feuerharfe schlägt,

Daß ihren Schall der Hügel und das Meer

Und näher wallender Wolken Heer

Empor zum Tanz der Sphären trägt!

Daß sie den Staub der Urn erregt,

Und Geister-Welten um sich her bewegt!

Auch mich! auch mich! – "Es horchten auf die Lieder

Die Kinder Korah, Assaph stand,

Und staunt', und warf den Psalter nieder,

Den hohen Psalter, und empfand!" –

Wer ist der Gott, den deine Saite singt?

Wer, dessen Schaur mich Bebenden durchdringt!

"Er misst die Himmel, stillt die Meere!

Gericht und Recht ist um ihn her!

Er ist der Herr! der Gott der Heere!

Er ist! – Wo ist ein Gott, wie er?"

Fünfter Gesang

Inhaltsverzeichnis

Sie sind gefallen, die Götter, gefallen!

Laßts Erd und Himmel wiederhallen!

Sie sind gefallen! gefallen! gefallen!

Hrymur fuhr, auf sieben Donner-Wagen

Vom Aufgang herunter getragen!

Da wälzte sich der Ocean!

Da wälzte Jormungandur in Blut

Mit schreckenvoller Wuth

Sich auf der Wogen schäumender Bahn!

Der Adler tönt', und zerriß die Leiche!

Und Naglfahr scheitert, das Gebäu der Eiche!

Woher der Untergang der Asen?

Wer hat die Alfen wie Spreu hinweggeblasen?

Vom Krachen heult die Riesenwelt!

Des Himmels Trümmer sind ein Waffenfeld!

Die Zwerge seufzen vor den Thoren,

In zähneklappernde Schrecken verlohren!

Das Sonnenschwert des Rächers blitzt

Auf Riesenweiber, die im Fliehn

Sich hinter einer Wolke Ruin

Vergebens, vergebens geschützt!

Da wankte, da erzitterte Hlin,

Und rang die Hände noch einmal!

Vergebens verletzt der Sohn des Odin

Das Ungeheuer mit triefendem Stahl!

Vergebens würgt auf seinem Riesengange

Der Helden-Same des Hlodin

Den Zwillingswolf, und die Midgardische Schlange!

Sie alle, die Götter, die Helden, sie alle

Sind hingegossen dem Falle

Furchtbar billt aus dampfender Grotte

Mit weit geöffnetem Schlund

Hinter dem fallenden Gotte

Garm der Höllenhund!

Mit schwarzem Antlitz entsteigt die Sonne dem Dunkeln,

Und Sterne hören auf zu funkeln!

Da wüten Meere, flammende Berge wüten,

Wo ihre Fackeln glühten! –

In neue Gegenden entrückt

Schaut mein begeistertes Aug umher – erblickt

Den Abglanz höhrer Gottheit, ihre Welt,

Und diese Himmel, ihr Gezelt!

Mein schwacher Geist, in Staub gebeugt,

Faßt ihre Wunder nicht, und schweigt.

Christian Friedrich Daniel Schubart

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Die Fürstengruft

Inhaltsverzeichnis

Da liegen sie, die stolzen Fürstentrümmer,

Ehmals die Götzen ihre Welt!

Da liegen sie, vom fürchterlichen Schimmer

Des blassen Tags erhellt!

Die alten Särge leuchten in der dunkeln

Verwesungsgruft, wie faules Holz;

Wie matt die großen Silberschilde funkeln,

Der Fürsten letzter Stolz!

Entsetzen packt den Wandrer hier am Haare,

Geußt Schauer über seine Haut,

Wo Eitelkeit, gelehnt an eine Bahre,

Aus hohlen Augen schaut.

Wie fürchterlich ist hier des Nachhalls Stimme!

Ein Zehentritt stört seine Ruh'.

Kein Wetter Gottes spricht mit lauterm Grimme:

O Mensch, wie klein bist du!

Denn ach! hier liegt der edle Fürst, der gute!

Zum Völkersegen einst gesandt,

Wie der, den Gott zur Nationenruthe

Im Zorn zusammenband.

An ihren Urnen weinen Marmorgeister;

Doch kalte Thränen nur, von Stein,

Und lachend grub, vielleicht ein welscher Meister,

Sie einst dem Marmor ein.

Da liegen Schädel mit verloschnen Blicken,

Die ehmals hoch herabgedroht,

Der Menschheit Schrecken! – denn an ihrem Nicken

Hing Leben oder Tod.

Nun ist die Hand herabgefault zum Knochen,

Die oft mit kaltem Federzug

Den Weisen, der am Thron zu laut gesprochen,

In harte Fesseln schlug.

Zum Todtenbein ist nun die Brust geworden,

Einst eingehüllt in Goldgewand,

Daran ein Stern und ein entweihter Orden,

Wie zween Kometen stand.

Vertrocknet und verschrumpft sind die Kanäle,

Drinn geiles Blut, wie Feuer floß,

Das schäumend Gift der Unschuld in die Seele,

Wie in den Körper goß.

Sprecht Höflinge, mit Ehrfurcht auf der Lippe,

Nun Schmeichelei'n ins taube Ohr! –

Beräuchert das durchlauchtige Gerippe

Mit Weihrauch, wie zuvor!

Er steht nicht auf, euch Beifall zuzulächeln,

Und wiehert keine Zoten mehr,

Damit geschminkte Zofen ihn befächeln,

Schamlos und geil, wie er.

Sie liegen nun, den eisern Schlaf zu schlafen,

Die Menschengeisseln, unbetraurt,

Im Felsengrab, verächtlicher als Sklaven,

Im Kerker eingemaurt.

Sie, die im ehrnen Busen niemals fühlten

Die Schrecken der Religion,

Und Gottgeschaffne, bessre Menschen hielten

Für Vieh, bestimmt zur Frohn;

Die das Gewissen, jenen mächt'gen Kläger,

Der alle Schulden niederschreibt, Durch Trommelschlag, durch welsche Trillerschläger Und Jagdlärm übertäubt;

Die Hunde nur und Pferd' und fremde Dirnen

Mit Gnade lohnten, und Genie

Und Weisheit darben liessen; denn das Zürnen

Der Geister schreckte sie.

Die hegen nun in dieser Schauergrotte

Mit Staub und Würmern zugedeckt,

So stumm! so ruhmlos! noch von keinem Gotte

Ins Leben aufgeweckt.

Weckt sie nur nicht mit eurem bangen Aechzen

Ihr Schaaren, die sie arm gemacht,

Verscheucht die Raben, daß von ihrem Krächzen

Kein Wüthrich hier erwacht!

Hier klatsche nicht des armen Landmanns Peitsche,

Die Nachts das Wild vom Acker scheucht!

An diesem Gitter weile nicht der Deutsche,

Der siech vorüberkeucht!

Hier heule nicht der bleiche Waisenknabe,

Dem ein Tyrann den Vater nahm;

Nie fluche hier der Krüppel an dem Stabe,

Von fremdem Solde lahm.

Damit die Quäler nicht – zu früh erwachen,

Seyd menschlicher, erweckt sie nicht.

Ha! Früh genug wird ihnen krachen

Der Donner am Gericht.

Wo Todesengel nach Tyrannen greifen,

Wenn sie im Grimm der Richter weckt,

Und ihre Gräul zu einem Berge häufen,

Der flammend sie bedeckt.

Ihr aber, bessre Fürsten, schlummert süße

Im Nachtgewölbe dieser Gruft!

Schon wandelt euer Geist im Paradiese,

Gehüllt in Blüthenduft.

Jauchzt nur entgegen jenem großen Tage,

Der aller Fürsten Thaten wiegt,

Wie Sternenklang tönt euch des Richters Wage,

Drauf eure Tugend liegt.

Ach, unterm Lispel eurer frohen Brüder

Ihr habt sie satt und froh gemacht,

Wird eure volle Schale sinken nieder,

Wenn ihr zum Lohn erwacht.

Wie wird's euch seyn, wenn ihr vom Sonnenthrone

Des Richters Stimme wandeln hört:

»Ihr Brüder, nehmt auf ewig hin die Krone,

Ihr seyd zu herrschen werth.«

Freiheitslied eines Kolonisten

Inhaltsverzeichnis

Hinaus! hinaus ins Ehrenfeld

Mit blinkendem Gewehr!

Columbus, deine ganze Welt

Tritt mutig daher!

Die Göttin Freiheit mit der Fahn'

(Der Sklave sah sie nie)

Geht - Brüder, seht's! sie geht voran!

O blutet vor sie!

Ha, Vater Putnam lenkt den Sturm,

Und teilt mit uns Gefahr;

Uns leuchtet, wie ein Pharusturm,

Sein silbernes Haar!

Du, gier'ger Britte, sprichst uns Hohn?

Da nimm uns unser Gold!

Es kämpft kein Bürger von Boston

Um sklavischen Sold!

Da seht Europens Sklaven an,

In Ketten rasseln sie!

Sie braucht ein Treiber, ein Tyrann,

Für würgbares Vieh.

Ihr reicht den feigen Nacken, ihr,

Dem Tritt der Herrschsucht dar?

Schwimmt her! - hier wohnt die Freiheit, hier!

Hier flammt ihr Altar!

Doch winkt uns Vater Putnam nicht?

Auf, Brüder, ins Gewehr!

Wer nicht für unsre Freiheit ficht,

Den stürzet ins Meer!

Herbei, Columbier, herbei!

Im Antlitz sonnenroth!

Hör, Britte, unser Feldgeschrei

Ist's Sieg oder Tod.

Georg Christoph Lichtenberg

Inhaltsverzeichnis

Aphorismen

Inhaltsverzeichnis

A

B

C

D

E

F

J

K

L

A

Inhaltsverzeichnis

Der große Kunstgriff kleine Abweichungen von der Wahrheit für die Wahrheit selbst zu halten, worauf die ganze Differential-Rechnung gebaut ist, ist auch zugleich der Grund unsrer witzigen Gedanken, wo oft das Ganze hinfallen würde, wenn wir die Abweichungen in einer philosophischen Strenge nehmen würden.

*

Es ist eine Frage ob in den Wissenschaften und Künsten ein Bestes möglich sei, über welches unser Verstand nicht gehen kann. Vielleicht ist dieser Punkt unendlich weit entfernt, ohnerachtet bei jeder Näherung wir weniger vor uns haben.

*

Um eine allgemeine Charakteristik zu Stande zu bringen müssen wir erst von der Ordnung in der Sprache abstrahieren, die Ordnung ist eine gewisse Musik, die wir festgesetzt, und die in wenigen Fällen (z.E. femme sage, sage femme) einen sonderbaren Nutzen hat. Eine solche Sprache die den Begriffen folgt müssen wir erst haben, oder wenigstens für besondere Fälle suchen, wenn wir in der Charakteristik fortkommen wollen. Weil aber unsere wichtigsten Entschlüsse, wenn wir sie ohne Worte denken, oft nur Punkte sind, so wird eine solche Sprache eben so schwer sein zu entwerfen, als die andere, die daraus gefolgert werden soll.

*

Die Gesichter der Menschen sind oft bis zum Ekelhaften häßlich. Warum dieses? Vermutlich konnte die nötige Verschiedenheit der Gemüts-Arten nicht erhalten werden ohne eine solche Einrichtung; man kann dieses als eine Seelen-Charakteristik ansehen, welche zu lesen wir uns vielleicht mehr befleißigen sollten. Um einigen Grund in dieser schweren und weitläuftigen Wissenschaft zu legen müßte man, bei verschiednen Nationen, die größten Männer, die Gefängnisse und die Tollhäuser durchsehen, denn diese Fächer sind so zu reden die 3 Hauptfarben, durch deren Mischung gemeiniglich die übrigen entstehen.

*

Bei einem großen Genie gehet das in einem Augenblicke vor, was oft bei einem andern ganze Stunden dauert. Ein gewisser Mensch, der eben keine großen Gaben hatte, hielt einen zum Betrug mit der Feder nachgemachten Druck eine ganze Stunde würklich dafür, andere sahen es im ersten Augenblick.

*

Es ist schwer anzugeben, wie wir zu den Begriffen gekommen sind die wir jetzo besitzen, niemand, oder sehr wenige werden angeben können, wenn sie den Herrn v. Leibniz zum erstenmal haben nennen hören; weit schwerer aber wird es noch sein, anzugeben, wenn wir zum erstenmal zu dem Begriff gekommen, daß alle Menschen sterben müssen, wir erlangen ihn nicht so bald, als man wohl glauben sollte. So schwer ist es den Ursprung der Dinge anzugeben, die in uns selbst vorgehen, wie wird es erst alsdenn ergehen, wenn wir hierin in Dingen außer uns zu Stande bringen wollen?

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Die Erfindung der wichtigsten Wahrheiten hängt von einer feinen Abstraktion ab, und unser gemeines Leben ist eine beständige Bestrebung uns zu derselben unfähig zu machen, alle Fertigkeiten, Angewohnheiten, Routine, bei einem mehr, als bei dem andern, und die Beschäftigung der Philosophen ist es, diese kleinen blinden Fertigkeiten, die wir durch Beobachtungen von Kindheit an uns erworben haben, wieder zu verlernen. Ein Philosoph sollte also billig als ein Kind schon besonders erzogen werden.

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Wenn wir auf einen Gegenstand hinsehen, so sehen wir noch viele andre zugleich mit, aber weniger deutlich. Es ist die Frage ob dieses Gewohnheit ist, oder ob es eine andere Ursache habe? Im ersten Fall müßten wir uns auch angewöhnen können Dinge deutlich zu sehen ohnerachtet wir unsere Augen nicht unmittelbar daraufwenden.

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Die Bemühung ein allgemeines Principium in manchen Wissenschaft zu finden ist vielleicht öfters eben so fruchtlos, als die Bemühung derjenigen sein würde, die in der Mineralogie ein erstes Allgemeines finden wollten durch dessen Zusammensetzung alle Mineralien entstanden seien. Die Natur schafft keine genera und species, sie schafft individua und unsere Kurzsichtigkeit muß sich Ähnlichkeiten aufsuchen um vieles auf einmal behalten zu können. Diese Begriffe werden immer unrichtiger je größer die Geschlechter sind, die wir uns machen.

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In Werken des Geschmacks ist es sehr schwer weiter zu kommen, wenn man schon einigermaßen weit ist, weil leicht hierin ein gewisser Grad von Vollkommenheit unser Vergnügen werden kann, so daß wir nur diesen Grad zum Endzweck unserer Bemühungen setzen weil dieser unsern ganzen Geschmack ausfüllt, in andern Stücken, die nicht bloß auf das Vergnügen ankommen, verhält es sich ganz anders, daher haben wir in den letzteren den Alten es weit zuvorgetan, in den ersten aber sind wir noch tief unter ihnen, ohnerachtet wir sogar Muster von ihnen vor uns haben. Dieses kommt daher, das Gefühl des neueren Künstlers ist nicht scharf genug, es geht nur bis auf die körperliche Schönheiten seines Musters, und nicht auf die moralischen wenn ich so reden darf. Man kann das Gesicht eines redlichen Menschen sehen, man kann es aber auch gewissermaßen fühlen, das letztere ist das erstere verbunden mit einer Rücksicht auf das moralische Gute, womit wir in ihm oft die Mienen begleitet sehen. Was ich hier sagen will wird wohl jeder verstehen für den ich eigentlich schreibe. So lange der Künstler nur bloß nach den Augen zeichnet, wird er nie einen Laokoon herausbringen, der etwas mehr als Zeichnung hat, der mit Gefühl verfertigt ist. Dieses Gefühl ist dem Künstler unumgänglich nötig, aber wo soll er es lernen und wie? Unsre Ästhetiken sind bei weitem noch nicht praktisch genug. Vid infra.

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Die größten Dinge in der Welt werden durch andere zuwege gebracht, die wir nichts achten, kleine Ursachen, die wir übersehen, und die sich endlich häufen.

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Es ist nicht so angenehm wenn uns andere von einem Taschen-Spieler erzählen, als ihn selbst zu sehen, weil uns bei dem ersten immer ein Grad von Unglauben zurückbleibt, oder wir denken, die erzählende Person sei nicht fein genug gewesen, wie sie die Sache betrachtet habe.

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Die Versart den Gedanken anzumessen ist eine sehr schwere Kunst, und eine Vernachlässigung derselben ist ein wichtiger Teil des Lächerlichen. Sie verhalten sich beide zusammen wie im gemeinen Leben Lebens-Art und Amt.

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Was mögen dieses wohl für verborgene Gesetze und Wege sein, durch welche die Natur die Triebe in dem nämlichen Tier abändert und ihn seine vorige vergessen macht. Das Hühnchen kriecht unter seine Glucke. Es wird endlich selbst eine Glucke und kriecht nicht mehr unter, sondern läßt unter sich kriechen. Bei allen Tieren ist der äußere Zustand ihres Körpers und die Veränderung der sinnlichen Werkzeuge derselben allzeit eine Funktion ihrer Handlungen und ihrer Lebensart. Bei dem Menschen ist dieses zwar auch wahr, allein indem eine der veränderlichen Größen zunimmt kann die andere abnehmen und umgekehrt.

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Da alle Glieder der Tiere eine sehr weisliche Absicht ihres großen Schöpfers zeigen, so fragt sich warum die Menschen oft Gewächse, Glieder ohne eine Absicht, bekommen.

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Die Esel haben die traurige Situation, worin sie jetzo in der Welt leben, vielleicht bloß dem witzigen Einfall eines losen Menschen zu danken, dieser ist Schuld, daß sie zum verächtlichsten Tier auf immer geworden sind und es auch bleiben werden, denn viele Eselstreiber gehen deswegen mit ihren Eleven so fürchterlich um, weil es Esel, nicht weil es träge und langsame Tiere sind.

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Der Aberglauben gemeiner Leute rührt von ihrem frühen und allzu eifrigen Unterricht in der Religion her, sie hören von Geheimnissen, Wundern, Würkungen des Teufels, und halten es für sehr wahrscheinlich daß dergleichen Sachen überall in allen Dingen geschehen könnten. Hingegen wenn man ihnen erst die Natur selbst zeigte, so würden sie leichter das Übernatürliche und Geheimnisvolle der Religion mit Ehrfurcht betrachten, da sie hingegen jetzo dieses für etwas sehr Gemeines halten, so daß sie es für nichts Sonderliches halten, wenn ihnen jemand sagte, es wären heute 6 Engel über die Straße gegangen. Auch die Bilder in den Bibeln taugen nicht für Kinder.

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Die Schnecke baut ihr Haus nicht, sondern es wächst ihr aus dem Leib.

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Aus den Träumen der Menschen, wenn sie dieselben gnau anzeigten, ließe sich vielleicht vieles auf ihren Charakter schließen. Es gehörte aber dazu nicht etwa einer sondern eine ziemliche Menge.

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Vom 1 ten Julii 1765 an.

Jeder Gedanke hat gewiß bei uns eine besondere relative Stellung der Teile unsers Körpers, die ihn allemal begleitet, allein Furcht oder überhaupt Zwang ersticken und hemmen sie oft, ohnerachtet sie freilich nicht allemal so heftig sind, daß sie andern in die Sinne fallen, so sind sie doch da und der Geist zeigt sich desto freier je weniger er diese äußere Bewegungen an sich halten darf, denn ein solches Zurückhalten schadet dem freieren Fortgang der Gedanken eben so sehr, als der Zorn, den man nicht darf ausbrechen lassen, daher sieht man warum in einer Versammlung von den vertrautesten Freunden die guten Gedanken sich selbst nach und nach herbeiführen.

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Am 4 ten Julii 1765 lag ich an einem Tag, wo immer heller Himmel mit Wolken abwechselte, mit einem Buche auf dem Bette, so daß ich die Buchstaben ganz deutlich erkennen konnte, auf einmal drehte sich die Hand, worin ich das Buch hielt, unvermutet, ohne daß ich etwas verspürte, und weil dadurch mir einiges Licht entzogen wurde, so schloß ich es müßte eine dicke Wolke vor die Sonne getretten sein, und alles schien mir düster, da sich doch nichts von Licht in der Stube verloren hatte. So sind oft unsere Schlüsse beschaffen, wir suchen Gründe in der Ferne, die oft in uns selbst ganz nahe liegen.

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Eine sehr nützliche und wichtige Frage, die wir allezeit an uns selbst tun sollten, ist ohnstreitig diese: Wie kann ich dieses Ding oder den gegenwärtigen Augenblick am besten nützen? Das Maximum das hier stattfindet wird sich wohl schwerlich allemal sogleich finden lassen, zwischen allen den möglichen Verrichtungen, die sich mit gleichen Kräften in einem Augenblick tun lassen, ist eine große Verschiedenheit, und eine eben so große zwischen denjenigen die sich mit der stärksten Kraft, die in meiner Macht stehet in einem jeden Augenblick tun läßt. Das Maß des inneren Werts unserer moralischen Handlungen wird also wohl dieses sein, daß wir sie so weit treiben bis auf den Punkt, da sie uns verdrüßlich werden würden, wenn wir ihn überschritten, alsdenn sind wir versichert daß wir die größte Kraft angewendet haben, und dieses tun auch tugendhafte Leute würklich, ohne es zu wissen. Die größte Kraft aber am besten zu gebrauchen ist eine Sache die schwerer zu bestimmen ist, und solange wir hier noch keine Tafel über unsere Pflichten haben, wo sie nach ihrem Wert geordnet sind, so wird sich wohl schwerlich das perfice te mit einigem Nutzen anwenden lassen, alsdann werden wir berechnen können, wenn in jeder Handlung die wir unternehmen, das was darin Gott, uns selbst und andre Geschöpfe angeht die größte Summe geben.

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Man sollte in der Woche wenigstens einmal diätetische Predigten in der Kirche halten, und wenn diese Wissenschaft auch von unsern Geistlichen erlernt würde, so könnte man doch geistliche Betrachtungen einflechten, die sich gewiß hier sehr gut würden anbringen lassen, denn es ist nicht zu glauben das geistliche Betrachtungen mit etwas Physik vermischt die Leute aufmerksam erhält, und ihnen Gott stärker darstellt, als die oft übel angebrachten Exempel seines Zorns.

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Wir würden gewiß Menschen von sonderbarer Gemüts-Art kennen lernen, wenn die großen Striche, die jetzo Meer sind, bewohnt wären, und wenn vielleicht in einigen Jahrtausenden unser gegenwärtiges festes Land Meer und unsere Meere Länder sein werden, so werden ganz neue Sitten entstehen, über die wir uns jetzo sehr wundern sollten.

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Die Furcht vor dem Tod, die den Menschen eingeprägt ist, ist zugleich ein großes Mittel, dessen sich der Himmel bedient, sie von vielen Untaten abzuhalten, vieles wird aus Furcht vor Lebensgefahr oder Krankheit unterlassen.

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Daß der Mensch grob sündigen kann, daran ist mehr die Beschaffenheit der äußeren Dinge, als seine eigene schuld, könnte er nicht die Würkung gewisser Dinge hindern, andere zerstören, wie könnte er fehlen, wenn alles, was er gegen die Wesen außer ihm vornähme, denselben zum Vorteil gereichte?

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Die Speisen haben vermutlich einen sehr großen Einfluß auf den Zustand der Menschen, wie er jetzo ist, der Wein äußert seinen Einfluß mehr sichtbarlich, die Speisen tun es langsamer, aber vielleicht ebenso gewiß, wer weiß ob wir nicht einer gut gekochten Suppe die Luftpumpe und einer schlechten den Krieg oft zu verdanken haben. Es verdiente dieses eine gnauere Untersuchung. Allein wer weiß ob nicht der Himmel damit große Endzwecke erreicht, Untertanen treu erhält, Regierungen ändert und freie Staaten macht, 〈und ob nicht die Speisen das tun was wir den Einfluß des Klima nennen.〉

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Wir müssen uns freilich unsre gegenwärtigen Augenblicke allemal zu Nutz zu machen suchen, und dieses wäre nicht sehr schwer, denn wir dürften nur jeden Augenblick tun, was uns am meisten gefällt, allein wer sieht nicht daß uns bald Stoff dazu fehlen würde. 2 Jahre so hingebracht würden uns alle künftige verderben; jeder gegenwärtige Augenblick ist ein Spiegel aller künftigen, und unser gegenwärtiges Vergnügen, verglichen mit dem daß er ein künftiger wird kann darin ein Größtes werden.

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Wir finden nur alsdann Vergnügen, wo wir Absicht bemerken, wenigstens urteilt unser Auge und Ohr nach diesem Grundsatz, der Flügel eines Schmetterlings gefiel anfangs wegen der regelmäßigen Farben, dieses ward man gewohnt, und jetzt gefällt er wieder von neuem wenn man sieht, daß er aus Federn besteht, der Quarz mehr als unförmliche Sandstein. Vergnügen zu erwecken müssen wir dieses aufsuchen in den Dingen.

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Heftigen Ehrgeiz und Mißtrauen habe ich noch allemal beisammen gesehen.

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Ich habe etliche Mal bemerkt, daß ich Kopf-Weh bekam wenn ich mich lange in einem Hohl-Spiegel betrachtete.

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Wenn ich bisweilen viel Kaffee getrunken hatte und daher über alles erschrak, so konnte ich ganz gnau merken, daß ich eher erschrak ehe ich den Krach hörte, wir hören also gleichsam noch mit andern Werkzeugen, als mit den Ohren.

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Leute, die nicht die feine Verstellungskunst völlig inne haben, und andere mit Fleiß hintergehen wollen, entdecken uns gemeiniglich das Generelle ihrer ganzen Denkungs-Art bei der ersten Zusammenkunft, wer also der Neigung eines andern schmeicheln will und sich in dieselbe schicken lernen will, der muß bei der ersten Zusammenkunft sehr acht geben, dort findet man gemeiniglich die bestimmende Punkte der ganzen Denkungs-Art vereinigt.

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Ich träumte neulich an einem Morgen ich läge wachend im Bette und könnte keinen Atem bekommen, darauf erwachte ich ganz helle und spürte, daß ich nur ganz mäßig Mangel nach meiner damaligen Lage daran hatte, einem bloß fühlenden Körper kommen böse Empfindungen allzeit größer vor, als einem der mit einer denkenden Seele verknüpft ist, wo selbst oft der Gedanke, daß die Empfindungen nichts zu bedeuten haben, oder daß man sich, wenn man nur wollte, davon befreien könnte, vieles vom Unangenehmen vermindert. Wir liegen öfters mit unserm Körper so, daß gedrückte Teile uns heftig schmerzen, allein, weil wir wissen, daß wir uns aus dieser Lage bringen könnten, wenn wir nur wollten, so empfinden wir würklich sehr wenig. Dieses bestärkt eine Anmerkung, die ich unten gemacht habe, nämlich, daß man sich durch Drücken die Kopfschmerzen vermindern kann.

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Der Tod ist eine unveränderliche Größe, allein der Schmerz ist eine veränderliche die unendlich wachsen kann. Dieses ist ein Satz, den die Verteidiger der Folter zugeben müssen, denn sonst foltern sie vergeblich, allein in vielen wird der Schmerz ein Größtes und der Tod.

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Die Vorurteile sind so zu reden die Kunsttriebe der Menschen, sie tun dadurch vieles, das ihnen zu schwer werden würde bis zum Entschluß durchzudenken, ohne alle Mühe.

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Ich wünschte mir an jedem Abend die Sekunde des vergangenen Tags zu wissen, da mein Leben den geringsten Wert hatte, das ist, da wenn Reinigkeit der Absichten, und Sicherheit des Leben Geld wert sind, ich am allermeisten würde gegolten haben.

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Debitum naturae reddere heißt auf lateinisch gemeiniglich sterben. O es könnte noch mehr heißen! Viele Schwachheiten die wir begehen sind Schulden, die wir der Natur bezahlen.

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Unser Leben hängt so gnau in der Mitte zwischen Vergnügen und Schmerz, daß uns schon zuweilen Dinge schädlich werden können, die uns zu unserm Unterhalt dienen, wie ganz natürlich veränderte Luft, da wir doch in die Luft geschaffen sind. Allein wer weiß ob nicht vieles von unserm Vergnügen von diesem Balancement abhängt, diese Empfindlichkeit ist vielleicht ein wichtiges Stück von dem was unsern Vorzug vor den Tieren ausmacht.

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Eine Empfindung die mit Worten ausgedruckt wird, ist allzeit wie Musik die ich mit Worten beschreibe, die Ausdrücke sind der Sache nicht homogen genug. Der Dichter, der Mitleiden erregen will, verweist doch noch den Leser auf eine Malerei und durch diese auf die Sache. Eine gemalte schöne Gegend reißt augenblicklich hin, da eine besungene erst im Kopf des Lesers gemalt werden muß. Bei der ersten hat der Zuschauer nichts mehr mit der Einrichtung zu tun, sondern er schreitet gleichsam zum Besitz, wünscht sich die Gegend, das gemalte Mädgen, bringt sich in allerlei Situationen, vergleicht sich mit allerlei Umständen bei der Sache.

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Ein gewisses großes Genie fängt aus einem besondern Hang an eine Verrichtung vorzüglich zu treiben, weil es schwer war, so wird er bewundert, andere reizt dieses. Nun demonstriert man den Nutzen dieser Beschäftigungen. So entstehen Wissenschaften.

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Der Mensch scheint eine Kreatur zu sein, die sehr zur abgeänderten Witterung gemacht zu sein scheint, weil er unter der Linie und an den Polen dumm ist.

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Um uns ein Glück, das uns gleichgültig scheint, recht fühlbar zu machen müssen wir immer denken, daß es verloren sei, und daß wir es diesen Augenblick wieder erhielten, es gehört aber etwas Erfahrung in allerlei Leiden dazu um diese Versuche glücklich anzustellen.

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Die Entschuldigungen, die man bei sich selbst sich macht wenn man etwas unternehmen will, ist ein vortrefflicher Stoff für Monologen, denn sie werden selten anders gemacht, als wenn man allein ist und sehr oft laut.

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Wenn man einen guten Gedanken liest, so kann man probieren, ob sich etwas Ähnliches bei einer andern Materie denken und sagen lasse. Man nimmt hier gleichsam an, daß in der andern Materie etwas enthalten sei das diesem ähnlich sei. Dieses ist eine Art von Analysis der Gedanken, die vielleicht mancher Gelehrter braucht ohne es zu sagen.

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Es ist etwas Unbegreifliches, daß es uns schwer wird, in Komödien natürlich zu schreiben, da uns doch das Natürliche am natürlichsten ist. Es kommt bloß daher, daß wir das Natürliche mit einem Ausdrucke zuweilen verbinden müssen, der nicht so ganz gemein ist, und man ist sehr geneigt, wenn der Geschmack sich nicht auf Philosophie und Vernunft und das menschliche Herz gründet, die Grenzen zu überschreiten.

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Ein allgemeines Maß für das Verdienst oder für die Wichtigkeit einer Verrichtung, das allen Ständen sogleich die wahre Größe einer Tat angäbe, wäre eine Erfindung, die eines moralischen Newton würdig wäre. Z.E. eine Compagnie vor des Kommandanten Haus zu exerzieren, ist gewiß nicht so schwer als ein paar Schuh zu sohlen (ich weiß es freilich, daß die Ehre eine Besoldung ist, sie auszuzahlen legt der Fürst eine Steuer auf die Hüte und den Nacken der Untertanen. Wenn ein Handwerkspursche vor dem Offizier den Hut zieht, so denke ich immer, dieser Pursche ist eine Art von Kriegszahlmeister. Und wie ungeschliffen sind die Offiziers die sie ohne Quittung annehmen, ich meine die nicht wieder an den Hut greifen) und ich behaupte ein Kleid gut zu schneiden ist zuverlässig schwerer als Hof-Kavalier zu sein, zuverlässig schwerer, ich meine den Hof-Kavalier in abstracto. Eine solche Rangordnung, die aber gewiß dem Verfasser und dem Verleger den Kopf kosten würde, wünschte ich gedruckt zu sehen, sie existiert gewiß in dem Kopf jedes rechtschaffenen Mannes. Man könnte zu einem solchen Maß das Balancieren auf der Nase nehmen, weil dieses ohngefähr alle Menschen mit gleicher Geschwindigkeit lernen, und durch die Länge der Tabakspfeife in Zollen die Grade der Schwierigkeit messen.

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Wenn wir so vollständig sprechen könnten als wir empfinden, die Redner würden wenige Widerspenstige, und die Verliebten wenig Grausame finden. Unser ganzer Körper wünschet bei der Abreise eines geliebten Mädgens, daß sie dableiben mögte, kein Teil drückt es aber so deutlich aus als der Mund: wie soll er sich aber ausdrucken, daß man auch etwas von den Wünschen der übrigen Teile empfindet, gewiß das ist sehr schwer zu raten, wenn man noch nicht in dem Fall würklich ist, und noch schwerer wenn man nie darin war.

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Bei einem Verbrechen ist das was die Welt das Verbrechen nennt selten das was die Strafe verdient, sondern da ist es, wo unter der langen Reihe von Handlung womit es sich gleichsam als mit Wurzeln in unser Leben hinein erstreckt diejenige ist, die am meisten von unserm Willen dependierte, und die wir am allerleichtesten hätten nicht tun können.

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Es ist ein Fehler in unsern Erziehungen, daß wir gewisse Wissenschaften so früh anfangen, sie verwachsen so zu sagen in unsern Verstand, und der Weg zum Neuen wird gehemmt. Es wäre die Frage ob sich die Seelenkräfte nicht stärken ließen ohne sie auf eine Wissenschaft anzuwenden.

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Wenn die Substanzen Eigenschaften besitzen die sich andern vergegenwärtigen lassen, so können wir zugleich Glieder in verschiedenen Welten sein ohne uns jedoch in mehr als einer bewußt zu sein, denn Eigenschaften der Substanzen sind so zu reden durchdringlich. So können wir sterben und in einer andern Welt fortleben.

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Es gibt eine gewisse Art Menschen, die mit jedem leicht Freundschaft machen, ihn eben so bald wieder hassen und wieder lieben, stellt man sich das menschliche Geschlecht als ein Ganzes vor, wo jeder Teil in seine Stelle paßt, so werden dergleichen Menschen zu solchen Ausfüll-Teilen die man überall hinwerfen kann. Man findet unter dieser Art von Leuten selten große Genies, ohneracht sie am leichtesten dafür gehalten werden.

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Die wahre Bedeutung eines Wortes in unsrer Muttersprache zu verstehen bringen wir gewiß oft viele Jahre hin. Ich verstehe auch zugleich hiermit die Bedeutungen die ihm der Ton geben kann. Der Verstand eines Wortes wird uns um mich mathematisch auszudrücken durch eine Formul gegeben, worin der Ton die veränderliche und das Wort die beständige Größe ist. Hier eröffnet sich ein Weg die Sprachen unendlich zu bereichern ohne die Worte zu vermehren. Ich habe gefunden, daß die Redens-Art: Es ist gut auf fünferlei Art von uns ausgesprochen wird, und allemal mit einer andern Bedeutung, die freilich auch oft noch durch eine dritte veränderliche Größe nämlich: die Miene bestimmt wird.

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Die Geschöpfe machen nicht sowohl eine Kette aus wie die Poeten (Pope) öfters sich ausdrücken, sondern ein Netz, denn sie kommen auch öfters von der Seite wieder zusammen. Wie die Übergänge der Tiere und Steine aus einer Species in die andere und aus einem Genus in das andere deutlich zeigen. Büttner.

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Die Worte sind eine Art von Buchstabenrechenkunst für die natürlichen Zeichen der Begriffe, welche in Gebärden und Stellungen besteht, die Casus der Substantiven sind die Zeichen.

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Jedermann gesteht, daß schmutzige Historien, die man selbst aufsetzet, lange nicht die gefährliche Würkung auf uns tun, als die von Fremden.

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Das Maß des Wunderbaren sind wir, wenn wir ein allgemeines Maß suchten, so würde das Wunderbare wegfallen und würden alle Dinge gleich groß sein.

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Geister ohne eine Welt außer ihnen müssen seltsame Geschöpfe sein, denn da von jedem Gedanken der Grund in ihnen liegt, so sind die seltsamsten Verbindungen von Ideen allzeit recht. Leute nennen wir rasend, wenn sich die Ordnung ihrer Begriffe nicht mehr aus der Folge der Begebenheiten in unsrer ordentlichen Welt bestimmen läßt, deswegen ist gewiß eine sorgfältige Betrachtung der Natur, oder auch die Mathematik das sicherste Mittel wider Raserei, die Natur ist so zu sagen das Laufseil, woran unsere Gedanken geführt werden, daß sie nicht ausschweifen.

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Die Einrichtung unserer Natur ist so weise, daß uns so wohl vergangener Schmerz, als vergangene Wollust Vergnügen erweckt; da wir nun ferner eher eine zukünftige Wollust voraussehen als einen zukünftigen Schmerz, so sehen wir daß wirklich nicht einmal die traurige und angenehme Empfindung in der Welt gleich verteilt sind, sondern daß würklich auf Seiten des Vergnügens ein Größeres statt findet.〉

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Der Krämer der etwas abwiegt schafft so gut die unbekannten Größen auf die eine Seite und die bekannten auf die andere als der Algebraist.

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Der Streit über bedeuten und sein, der in der Religion so viel Unheil angestiftet hat, wäre vielleicht heilsamer gewesen, wenn man ihn über andere Materien geführt hätte, denn es ist eine allgemeine Quelle unsers Unglücks, daß wir glauben die Dinge seien das würklich, was sie doch nur bedeuten.

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Das Leben kann als eine Linie angesehen werden, die mit verschiednen Krümmungen über einer Graden (der Grenze des Lebens) hinläuft. Der plötzliche Tod ist ein perpendikulärer Lauf nach dieser Linie, Krankheit auf Parallelen mit derselben.

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Ein Narr, der sich einbildet, ein Fürst zu sein, ist von dem Fürsten der es in der Tat ist durch nichts unterschieden, als daß jener ein negativer Fürst, und dieser ein negativer Narr ist, ohne Zeichen betrachtet sind sie gleich.

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Kein Fürst wird jemals den Wert eines Mannes durch seine Gunst bestimmen, denn es ist ein Schluß, der nicht auf eine einzige Erfahrung etwa gegründet ist, daß ein Regent meistens ein schlechter Mann ist. Der in Frankreich backt Pasteten und betrügt ehrliche Mädgen, der König von Spanien haut unter Pauken und Trompeten Hasen in Stücken, der letzte König in Polen der Kurfürst von Sachsen war schoß seinem Hofharren mit dem Blasrohr nach dem Arsch, der Fürst von Löwenstein beklagt bei einem großen Brand nichts als seinen Sattel, der Landgraf von Kassel fährt einer Tänzerin zu Gefallen in der Suite eines Fürsten der nicht viel mehr ist als er und wird durch die erbärmlichsten Leute betrogen, der Herzog von Württemberg ist ein Wahnsinniger, der König von Engelland macht... ....Engelländerin P...., der Fürst von Weilburg badet sich öffentlich in der Lahn; die meisten übrigen Beherrscher dieser Welt sind Tambours, Fouriers, Jäger. Und dieses sind die Obersten unter den Menschen; wie kann es denn in der Welt nur erträglich hergehen; was helfen die Einleitungen ins Kommerzien-Wesen, die arts de s'enrichir par l'agriculture, die Hausväter, wenn ein Narr der Herr von allen ist, der keine Oberen erkennt, als seine Dummheit, seine Caprice, seine Huren und seinen Kammer-Diener, o wenn doch die Welt einmal erwachte, und wenn auch drei Millionen am Galgen stürben, so würden doch vielleicht 50 bis 80 Millionen dadurch glücklich; so sprach einst ein Peruquenmacher in Landau auf der Herberge, man hielt ihn aber mit Recht für völlig verrückt, er wurde ergriffen, und von einem Unteroffizier noch ehe er in Verhaft gebracht wurde mit dem Stock todgeschlagen, der Unteroffizier verlor den Kopf.

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Es kann ohnstreitig Kreaturen geben, deren Organe so fein sind, daß sie nicht im Stande sind durch einen Lichtstrahl durchzugreifen, so wie wir nicht durch einen Stein durchgreifen können, weil unsere Hände eher zerstört werden würden.

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Es ist eine richtige Beobachtung wenn man sagt daß Leute die zu stark nachahmen ihre eigene Erfindungskraft schwächen. Dieses ist die Ursache des Verfalls der italienischen Baukunst, wer nachahmt und die Gründe der Nachahmung nicht einsieht fehlt gemeiniglich so bald ihn die Hand verläßt, die ihn führte.

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Vielleicht ist ein Gedanke der Grund aller Bewegung in der Welt, und die Philosophen, welche gelehrt haben, daß die Welt ein Tier sei, sind vielleicht durch diesen Weg darauf gekommen, sie haben sich vielleicht nur nicht so eigentlich ausgedruckt wie sie vielleicht hätten tun sollen; unsere ganze Welt ist nichts als die Würkung eines Gedankens von Gott auf die Materie.

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Den 5 ten Nov. 1769.

Die Welt ist ein allen Menschen gemeiner Körper, Veränderungen in ihr bringen Veränderung in der Seele aller Menschen vor die just diesem Teil zugekehrt sind.

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Träume führen uns oft in Umstände, und Begebenheiten hinein, in die wir wachend nicht leicht hätten können verwickelt werden, oder lassen uns Unbequemlichkeiten fühlen welche wir vielleicht als klein in der Ferne verachtet hätten, und eben dadurch mit der Zeit in dieselben verwickelt worden wären. Ein Traum ändert daher oft unsern Entschluß, sichert unsern moralischen Fond besser als alle Lehren, die durch einen Umweg ins Herz gehen.

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Nicht dasein heißt bei den Naturforschern, wenigstens bei einer gewissen Klasse so viel als nicht empfunden werden.

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Für das Künftige sorgen, muß bei Geschöpfen die das Künftige nicht kennen sonderbare Einschränkungen leiden. Sich auf sehr viele Fälle zugleich schicken, wovon oft eine Art die andern zum Teil aufheben muß, kann von einer vernünftigen Gleichgültigkeit gegen das Zukünftige wenig unterschieden sein.

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Der Bauer, welcher glaubt, der Mond sei nicht größer als ein Pflug-Rad, denkt niemals daran daß in einer Entfernung von einigen Meilen eine ganze Kirche nur wie ein weißer Fleck aussieht, und daß der Mond hingegen immer gleich groß scheint, was hemmt bei ihm diese Verbindung von Ideen, die er einzeln alle hat? Er verbindet in seinem gemeinen Leben auch wirklich Ideen vielleicht durch künstlichere Bande, als diese. Diese Betrachtung sollte den Philosophen aufmerksam machen, der vielleicht noch immer der Bauer in gewissen Verbindungen ist. Wir denken früh genug aber wir wissen nicht daß wir denken, so wenig als wir wissen daß wir wachsen oder verdauen, viele Menschen unter den gemeinen erfahren es niemals. Eine gnaue Betrachtung der äußeren Dinge führt leicht auf den betrachtenden Punkt, uns selbst, zurück und umgekehrt wer sich selbst einmal erst recht gewahr wird gerät leicht auf die Betrachtung der Dinge um ihn. Sei aufmerksam, empfinde nichts umsonst, messe und vergleiche; dieses ist das ganze Gesetz der Philosophie.

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Ich habe schon auf Schulen Gedanken vom Selbstmord gehegt, die den gemein angenommenen in der Welt schnurstracks entgegen liefen, und erinnere mich, daß ich einmal lateinisch für den Selbstmord disputierte und ihn zu verteidigen suchte. Ich muß aber gestehen, daß die innere Überzeugung von der Billigkeit einer Sache (wie dieses aufmerksame Leser werden gefunden haben) oft ihren letzten Grund in etwas Dunklem hat, dessen Aufklärung äußerst schwer ist, oder wenigstens scheint, weil eben der Widerspruch, den wir zwischen dem klar ausgedruckten Satz und unserm undeutlichen Gefühl bemerken, uns glauben macht wir haben den rechten noch nicht gefunden. Im August 1769 und in den folgenden Monaten habe ich mehr an den Selbst-Mord gedacht als jemals vorher, und allezeit habe ich bei mir befunden, daß ein Mensch bei dem der Trieb zur Selbst-Erhaltung so geschwächt worden ist, daß er so leicht überwältigt werden kann, sich ohne Schuld ermorden könne. Ist ein Fehler begangen worden, so liegt er viel weiter zurück. Bei mir ist eine vielleicht zu lebhafte Vorstellung des Todes, seines Anfangs und wie leicht er an sich ist schuld daß ich vom Selbstmord so denke. Alle die mich nur aus etwas größeren Gesellschaften und nicht aus einem Umgang zu zweit kennen werden sich wundern, daß ich so etwas sagen kann. Allein Herr Ljungberg weiß es, daß es eine von meinen Lieblings-Vorstellungen ist mir den Tod zu gedenken, und daß mich dieser Gedanke zuweilen so einnehmen kann, daß ich mehr zu fühlen als zu denken scheine und halbe Stunden mir wie Minuten vorübergehn. Es ist dieses keine dickblütige Selbst-Kreuzigung, welcher ich wider meinen Willen nachhinge, sondern eine geistige Wollust für mich, die ich wider meinen Willen sparsam genieße, weil ich zuweilen fürchte, jene melancholische nachteulenmäßige Betrachtungsliebe möchte daraus entstehen.

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Es gibt Grade des Verlierens, ein Ding in keiner einzigen gegebenen Zeit wieder finden können, heißt dieses Ding verloren haben, zuweilen läßt sich aus den Umständen nicht schließen ob diese Zeit unendlich werden wird oder nicht, wird aber oft endlich befunden. Man kann etwas würklich verloren haben, wenn man auch gleich weiß, daß man es nach einer halben Stunde Fleiß wieder finden könnte.

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Den 25. Febr. 1770.

Was ist es, das macht, daß wir uns zuweilen eines geheimen Kummers standhaft entschlagen können, da die Vorstellung, daß wir unter dem Schutz einer höchstgütigen Vorsicht stehen, die größte Würkung auf uns hat, und dennoch oft in der nächsten halben Stunde diesem nämlichen Kummer beinah unterliegen. Mit mir ist es wenigstens so, ohne daß ich sagen könnte, daß ich bei der 2 ten Vorstellung meinen Kummer von einer neuen Seite betrachte, andere Relationen einsehe, nichts weniger. Fände dieses statt, so würde ich diese Anmerkung nicht einmal niedergeschrieben haben. Ich glaube vielmehr, daß die moralische Empfindlichkeit im Menschen zu unterschiedenen Zeiten verschieden ist, des Morgens stärker als des Abends.

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Es donnert, heult, brüllt, zischt, pfeift, braust, saust, summet, brummet, rumpelt, quäkt, ächzt, singt, rappelt, prasselt, knallt, rasselt, knistert, klappert, knurret, poltert, winselt, wimmert, rauscht, murmelt, kracht, gluckset, röcheln, klingelt, bläset, schnarcht, klatscht, lispeln, keuchen, es kocht, schreien, weinen, schluchzen, krächzen, stottern, lallen, girren, hauchen, klirren, blöken, wiehern, schnarren, scharren, sprudeln. Diese Wörter und noch andere, welche Töne ausdrücken, sind nicht bloße Zeichen, sondern eine Art von Bilderschrift für das Ohr.

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Menschliche Philosophie überhaupt ist die Philosophie eines einzelnen gewissen Menschen durch die Philosophie der andern selbst der Narren korrigiert und dieses nach den Regeln einer vernünftigen Schätzung der Grade der Wahrscheinlichkeit. Sätze worüber alle Menschen übereinkommen sind wahr, sind sie nicht wahr, so haben wir gar keine Wahrheit. Andere Sätze für wahr zu halten zwingt uns oft die Versicherung solcher Menschen, die in der Sache viel gelten, und jeder Mensch würde das glauben, der sich in eben den Umständen befände, so bald dieses nicht ist, so ist eine besondere Philosophie und nicht eine die in dem Rat der Menschen ausgemacht ist, Aberglaube selbst ist Lokal-Philosophie, er gibt seine Stimme auch.

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Weiser werden heißt immer mehr und mehr die Fehler kennen lernen, denen dieses Instrument, womit wir empfinden und urteilen, unterworfen sein kann. Vorsichtigkeit im Urteilen ist was heutzutage allen und jeden zu empfehlen ist, gewönnen wir alle 10 Jahre nur eine unstreitige Wahrheit von jedem philosophischen Schriftsteller, so wäre unsere Ernde immer reich genug.

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Es ist zum Erstaunen, wie wenig dasjenige oft, was wir für nützlich halten, und was auch leicht zu tun wäre, doch von uns getan wird. Die Begierde, geschwind viel wissen zu wollen, hindert oft an gnauen Untersuchungen, allein es ist selbst dem Menschen, der dieses weiß, sehr schwer etwas gnau zu prüfen, da er doch weiß, er kommt auch nicht zu seinem Endzwecke viel zu lernen, wenn er nicht prüft.

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Es gibt Menschen, die sogar in ihren Worten und Ausdrücken etwas Eigenes haben, (die meisten haben wenigstens etwas, das ihnen eigner ist) da doch Redensarten durch eine lange Mode so und nicht anders sind, solche Menschen sind allzeit einer Aufmerksamkeit würdig, es gehört viel Selbstgefühl und Unabhängigkeit der Seele dazu bis man so weit kommt. Mancher fühlt neu und sein Ausdruck womit er dieses Gefühl andern deutlich machen will ist alt.

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Den Männern in der Welt haben wir so viel seltsame Erfindungen in der Dichtkunst zu danken, die alle ihren Grund in dem Erzeugungstrieb haben, alle die Ideale von Mädchen und dergleichen. Es ist schade, daß die feurigen Mädchen nicht von den schönen Jünglingen schreiben dürfen wie sie wohl könnten, wenn es erlaubt wäre. So ist die männliche Schönheit noch nicht von denjenigen Händen gezeichnet, die sie allein recht mit Feuer zeichnen könnten. Es ist wahrscheinlich, daß das Geistiche, was ein paar bezauberte Augen in einem Körper erblicken, der sie bezaubert hat, ganz von einer andern Art sich den Mädchen in männlichen Körpern zeigt, als es sich dem Jüngling in weiblichen Körpern entdeckt.

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Aus einer Menge von unordentlichen Strichen bildet man sich leicht eine Gegend, aber aus unordentlichen Tönen keine Musik.

B

Inhaltsverzeichnis

Wenn er seinen Verstand gebrauchen sollte, so war es ihm als wenn jemand, der beständig seine rechte Hand gebraucht hat, etwas mit der linken tun soll.

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Zuweilen schlug er aus, wiewohl nur mit dem Schwanze. (Pferd)

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Er ging weder den ganz breiten Weg zur Ewigkeit noch den ganz schmalen, sondern hatte bei häufigem Gebet und einer guten Tafel einen mittleren eingeschlagen, den man den geistlich-kurfürstlichen nennen könnte.

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Der Pöbel wünscht sich Gold und Chargen und würde sich betrogen finden wenn er sie hätte. Unter den Großen ist es nun auch Mode geworden, die Quelle und den Strohsack dem Bauern zu beneiden, mancher würde sich auch in diesem Zustand betrogen finden. Der Dichter versteht aber ein Ideal wird man sagen, wer weiß aber ob nicht der Bauer sich den Zustand des Großen auch idealisiert.

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Es gibt eine gewisse Art von Büchern, und wir haben in Deutschland eine große Menge, die nicht vom Lesen abschrecken, nicht plötzlich einschläfern, oder mürrisch machen, aber in Zeit von einer Stunde den Geist in eine gewisse Mattigkeit versetzen, die zu allen Zeiten einige Ähnlichkeit mit derjenigen hat, die man einige Stunden vor einem Gewitter verspürt. Legt man das Buch weg, so fühlt man sich zu nichts aufgelegt, fängt man an zu schreiben, so schreibt man eben so, selbst gute Schriften scheinen diese laue Geschmacklosigkeit anzunehmen, wenn man sie zu lesen anfängt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß gegen diesen traurigen Zustand nichts geschwinder hilft als eine Tasse Kaffee mit einer Pfeife Varinas.

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Beobachtungen zur Erläuterung der Geschichte des Geists dieses Jahrhunderts. Die Geschichte eines Jahrhunderts ist aus den Geschichten der einzelnen Jahre zusammengesetzt. Den Geist eines Jahrhunderts zu schildern kann man nicht die Geister der hundert einzelnen Jahre zusammenflicken, unterdessen ist es dem der ihn entwerfen will allemal nützlich auch die letzteren zu kennen, sie können ihm immer neue Punkte darbieten seine steten Linien dadurch zu ziehen.

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Der Pöbel ruiniert sich durch das Fleisch das wider den Geist, und der Gelehrte durch den Geist dem zu sehr wider den Leib gelüstet.

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Diese Frau war mit einer Zunge schon eine Fama, was würde sie erst getan haben, wenn sie tausendzüngig gewesen wäre.

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Wir haben heutzutage eine ganze Menge sogenannter feiner Köpfe (nicht großer Geister). Es sind aber dieses nicht sowohl Leute, die groß in der ganzen Anlage ihres Geistes und zwar ursprünglich sind, sondern bei den meisten ist die Feinheit eine Schwächlichkeit, Hypochondrie, eine kränkliche Empfindlichkeit. Ein solcher Gelehrter ist zu feinen Bemerkungen aufgelegter als andere Menschen, stiftet aber in dem Reich der Gelehrsamkeit selten so viel Nutzen, glaubt viel ausrichten zu können, wenn er nur erst wollte, will aber niemals. Diese Leute bilden sich leicht nach allem wenn sie lauter Gutes lesen, so schreiben sie ziemlich gut, sie sind aber allzeit weit entfernt von der sicheren Richtigkeit der Alten, deren Genie der gesunden und festen Reife einer Frucht und nicht der welken wurmstichigen, wiewohl oft schönfarbigen einiger Neueren gleicht.

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In den Romanen gibt es tödliche Krankheiten, die im gemeinen Leben nichts weniger als tödlich sind, und umgekehrt im gemeinen Leben tödliche, die es in Romanen nicht sind.

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Der Deutsche liegt im Charakter so zwischen dem Franzosen und Engelländer in der Mitte, daß unsere Romanen-Schreiber leicht einen von diesen beiden schildern, wenn sie einen Deutschen nur mit etwas starken Farben malen wollen.

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In der Erinnerung an unser vergangenes Vergnügen lassen wir unsern sinnlichen Körper im gegenwärtigen und stellen uns ganz in abstracto, als ein gutes arkadische Ding ohne Schulden, ohne Sorgen, ohne notleidende Verwandten, zurück in die damalige Zeit, denn wir sind nicht im Stand uns die vereinte Würkung verschiedener Eindrücke so gut zu vergegenwärtigen als eines einzigen.

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Man folgert vielleicht zu geschwind aus der weisen Einrichtung in den Kunsttrieben der Tiere ein höchst weises Wesen, es darf nur weiser sein als wir.

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Der eigentliche Mensch sieht wie eine Zwiebel mit vielen tausend Wurzeln aus, die Nerven empfinden allein in ihm, das andere dient diese Wurzeln zu halten, und bequemer fortzuschaffen, was wir sehen ist also nur der Topf, in welchen der Mensch (die Nerven) gepflanzt ist.

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Es sind sehr wenige Dinge von denen wir uns durch alle 5 Sinne Begriffe erwerben können.

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Gott schuf den Weibern die Haare lang und um die Schultern hängend, aber ein Perüquenmacher fand für gut dieses zu ändern, und sie hinaufzukämmen.

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Er pflegte seine obern und untern Seelenkräfte das Ober- und Unterhaus zu nennen, und sehr oft ließ das erstere eine Bill passieren, die das letztere verwarf.

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Wir können gar nichts von der Seele sehen wenn sie nicht in den Mienen sitzt, die Gesichter einer großen Versammlung von Menschen könnte man eine Geschichte der menschlichen Seele nennen mit einer Art von chinesischen Zeichen geschrieben. Die Seele legt, so wie der Magnet den Feilstaub, so das Gesicht um sich herum und die Verschiedenheit der Lage dieser Teile bestimmt die Verschiedenheit dessen, das sie ihnen gegeben hat. Je länger man Gesichter beobachtet, desto mehr wird man an den sogenannten nichtsbedeutenden Gesichtern Dinge wahrnehmen, die sie individuell machen.

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Jeder Mensch hat auch seine moralische backside, die er nicht ohne Not zeigt, und die er so lange als möglich mit den Hosen des guten Anstandes zudeckt.

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In dem Hause, wo ich wohnte, hatte ich den Klang und die Stimmung jeder Stufe einer alten hölzernen Treppe gelernt, und zugleich den Takt, in welchem sie jeder meiner Freunde, der zu mir wollte, schlug, und, ich muß gestehen, ich bebte allemal, wenn sie von einem Paar Füßen in einem mir unbekannten Ton heraufgespielt wurden.

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Charakter einer mir bekannten Person.

Ihr Körper ist so beschaffen, daß ihn auch ein schlechter Zeichner im Dunkeln besser zeichnen würde, und stünde es in ihrem Vermögen, ihn zu ändern, so würde sie manchen Teilen weniger Relief geben. Mit seiner Gesundheit ist dieser Mensch, ohnerachtet sie nicht die beste ist, doch noch immer so ziemlich zufrieden gewesen, er hat die Gabe, sich gesunde Tage zu Nutze zu machen, in einem hohen Grade. Seine Einbildungskraft, seine treuste Gefährtin verläßt ihn alsdann nie, er steht hinter dem Fenster den Kopf zwischen die zwo Hände gestützt, und wenn der Vorbeigehende nichts als den melancholischen Kopfhenker sieht, so tut er sich oft das stille Bekenntnis, daß er im Vergnügen wieder ausgeschweift hat. Er hat nur wenige Freunde, eigentlich ist sein Herz nur immer für einen Gegenwärtigen, aber für mehrere Abwesende offen, seine Gefälligkeit macht daß viele glauben er sei ihr Freund, er dient ihnen auch aus Ehrgeiz, Menschenliebe, aber nicht aus dem Trieb der ihn zum Dienst seiner eigentlichen Freunde treibt. Geliebt hat er nur ein oder zweimal, das einemal nicht unglücklich, das anderemal aber glücklich, er gewann bloß durch Munterkeit und Leichtsinn ein gutes Herz, worüber er nun oft beide vergißt, wird aber Munterkeit und Leichtsinn beständig als Eigenschaften seiner Seele verehren, die ihm die vergnügtesten Stunden seines Lebens verschafft haben, und könnte er sich noch ein Leben und noch eine Seele wählen, so wüßte ich nicht ob er andere wählen würde, wenn er die seinigen noch einmal wieder haben könnte. Von der Religion hat er als Knabe schon sehr frei gedacht, nie aber eine Ehre darin gesucht ein Freigeist zu sein, aber auch keine darin, alles ohne Ausnahme zu glauben. Er kann mit Inbrunst beten und hat nie den 90 ten Psalm ohne ein erhabenes, unbeschreibliches Gefühl lesen können. Ehe denn die Berge worden pp ist für ihn unendlich mehr als: Sing unsterbliche Seele pp. Er weiß nicht was er mehr haßt, junge Offiziers oder junge Prediger, mit keinen von beiden könnte er lange leben. Für Assembleen sind sein Körper und seine Kleider selten gut, und seine Gesinnungen selten .... genug gewesen. Höher als drei Gerichte des Mittags und zwei des Abends mit etwas Wein, und niedriger als täglich Kartuffeln, Äpfel, Brod und auch etwas Wein, hofft er nie zu kommen, in beiden Fällen würde er unglücklich sein, er ist noch allzeit krank geworden, wenn er einige Tage außer diesen Grenzen gelebt hat. Lesen und Schreiben ist für ihn so nötig als Essen und Trinken, er hofft es wird ihm nie an Büchern fehlen. An den Tod denkt er sehr oft und nie mit Abscheu, er wünscht daß er an alles mit so vieler Gelassenheit denken könnte, und hofft sein Schöpfer wird dereinst sanft ein Leben von ihm abfordern, von dem er zwar kein allzu ökonomischer, aber doch kein ruchloser Besitzer war.

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Der Mann zu sein, der so absolut in Deutschland herrschen könnte wie ich auf meinem Schreibtische, wünsche ich mir nie, ich würde gewiß nur Dintenfässer umwerfen, und durch Aufräumen die Sachen nur noch mehr verwirren.

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Da wo einen die Leute nicht mehr können denken hören, da muß man sprechen, sobald man dahin kommt wo man nun wieder Gedanken voraussetzen kann, die mit unsern einerlei sind, da muß man aufhören zu sprechen. Ein solches Buch ist Sterne's Reise, aber die meisten Bücher enthalten zwischen zweien merkwürdigen Punkten nichts als den allergemeinsten Menschen-Verstand, eine stark ausgezogene Linie, wo eine punktierte zugereicht hätte. Alsdann ist es erlaubt das Gedachte auszudrücken, wenn es auf eine besondere Art ausgedrückt wird, doch dieses ist schon mit unter der ersten Anmerkung begriffen.

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Grabschrift.

Ich starb sehr jung, ohnerachtet ich väterlicherseits mit dem Tode ziemlich nahe verwandt war, ich ward nur 15 Jahr alt und mein Vater war ein Arzt.

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Die alten Schriftsteller sind nun durch so viele Jahrhunderte durchgesichtet worden, wie viele unserer großen Autoren wird schon 18.. mit dem Wirrstroh wegwerfen.

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Es gibt etwas in uns, das beinah so schwer abzulegen ist als der alte Adam, das uns immer zum Künstlichen und dem dem Künstlichen so nahe verwandten Schlechten treibt, und was ist das? Antwort wir werden nicht angehalten individua im Denken zu werden. Wir lesen zu früh, gesetzt es seien auch die alten Schriftsteller, wie soll man ein Kind verhindern, daß es nicht bloß lernt, wie Herder sagt, denken was die Alten dachten, sondern so denken wie sie dachten. Liberty and property, darauf müssen wir halten. Der Mensch schreibt absolute immer gut wenn er sich schreibt, aber der Perüquenmacher der wie Gellert schreiben will, ..., der den Winckelmann im Stil affektiert, und in die Chrie zu gehen kommt, schreibt schlecht. Warum ergötzt der niedersächsische Bauer durch seine plattdeutschen Naivetäten so oft den Kenner des Schönen, und der junge Theolog nicht der uns mit wehmütiger Stimme durch lautre sichtbare Finsternis nach Golgatha hinleuchten, und uns den Gekreuzigten anstaunen lassen will.

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Ich verstehe von Musik wenig, spiele gar kein Instrument, außer daß ich gut pfeifen kann. Hiervon habe ich schon mehr Nutzen gezogen, als viele andere von ihren Arien auf der Flöte und auf dem Clavecin. Ich würde es vergeblich versuchen mit Worten auszudrücken, was ich empfinde wenn ich an einem stillen Abend In allen meinen Taten recht gut pfeife und mir den Text dazu denke, ich singe nicht gerne alleine. Wenn ich an die Zeile komme hast du es denn beschlossen pp, was fühle ich da oft für Mut, neues Feuer in Menge, was für Vertrauen auf Gott, ich wollte mich in die See stürzen und mit meinem Glauben nicht ertrinken, mit dem Bewußtsein einer einzigen Guttat eine Welt nicht fürchten. Spüre ich einen Hang zum Scherzhaften, so pfeife ich: Sollt auch ich durch Gram und Leid, oder When you meet a tender creature pp.

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Er hatte einige Definitionen hergesagt ohne zu stocken und wenn er ein Wort ausließ, so wußte er es gleich nachzuholen, seine Zunge mehr als sein Verstand lehrte ihn daß etwas fehlte, denn er hatte alles auswendig gelernt.

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In der Komödie suchte er bei jedem ihm lächerlich scheinenden Zug immer mit den Augen jemanden, der mit ihm lachen mögte, wenn ich dieses gewahr wurde, so kam ich ihm nie zu Hülfe, sondern sähe unverwandt auf die Seite zu.

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Es ist lächerlich zu behaupten, daß man zuweilen zu gar nichts recht aufgelegt sei, ich glaube der Augenblick da man sich stark genug fühlt einen Haupttrieb, nämlich den Trieb zur Wirksamkeit und zum Handeln zu unterdrücken, dieses ist der Augenblick da man vielleicht geschickt wäre, die seltsamsten und größesten Dinge zu unternehmen. Es ist dieses eine Art von Entgeisterung worin die Seele eben so viel ungewöhnlich Kleines sieht, als in jenen Begeisterungen ungewöhnlich Großes, und wie diese letztere Art Zustand mit jenen verwegenen Aussichten der Astronomen verglichen werden kann, so läßt sich hingegen die erstere mit den Bemühungen eines Leeuwenhoek zusammenhalten.

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Der Mensch kommt unter allen Tieren in der Welt dem Affen am nächsten.

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Das Ding von dessen Augen und Ohren wir nichts und von dessen Nase und Kopfe wir nur sehr wenig sehen, kurz unser Körper.

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Der Vignettenstecher muß sich allzeit doch nach großen und erhabenen Mustern bilden, denn das Nachlässige muß das Ausruhen einer mächtigen Hand, und nicht die mühsame Nachlässigkeit einer ungeübten sein.

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Er hatte seine Bibliothek verwachsen, so wie man eine Weste verwächst. Bibliotheken können überhaupt der Seele zu enge und zu weit werden.

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Der Stolz des Menschen ist ein seltsames Ding, es läßt sich nicht sogleich unterdrücken, und guckt, wenn man das Loch A zugestopft hat, ehe man sichs versieht zu einem andern Loch B wieder heraus und hält man da zu, so steht er hinter dem Loch C usw.

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Kopf und Füße so weit sie auch im physischen Verstand von einander liegen, so nah liegen sie sich doch im moralischen und psychologischen, Freude und Traurigkeit zeigen sich kaum so bald an der Nase, die doch kaum 3 Zoll von der Seele wegliegt, als in den Füßen, ich kann dieses täglich an meinem Fenster bemerken, wo ich deutlich an den Füßen der Studenten sehen kann ob sie aus einem Collegio kommen oder in eines zu gehen willens sind, Jenes an der platt auffallenden Sohle, die den Hunger der regierenden Seele verrät, Dieses an dem schmachtenden Schritt, wo Absatz und Zehen etwas langsamer nach einander aufzuliegen kommen, der allemal ein Zeichen der kurz vorhergegangenen Sättigung ist. Bei denen Studenten, wo ich nichts dergleichen bemerken konnte, habe ich nach der Hand fast allemal erfahren, daß sie zugleich in ein Kolleg gehen und aus einem kommen. Bei dem Catilina, wie die lateinischen Schriftsteller sagen, soll dieses so merklich gewesen sein, daß einige Leute schon lange vorher, ehe Cicero die berühmte Konspiration in desselben Kopf entdeckte, sie schon wollten in seinen Füßen beobachtet haben, er ging nämlich zuweilen auf der Straße ganz ordentlich, dann langsam, dann kehrte er um als wenn er sein Schnupftuch vergessen hätte, dann stund er gar still, dann auf einmal lief er, bis daß ein neues Projekt wieder quer vor ihn hintrat und ihn still stehen machte. Bei unserem verblaßten Freund konnte man nichts so was bemerken, er hinkte sehr stark und sein Gang sah fast immer aus als eines, der zugleich in ein Collegium geht und aus einem herauskommt. Ich versuchte andere Mittel hinter seinen Charakter zu kommen, pp.

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Damals fing sich etwas von der Leidenschaft in ihm an zu regen, die wir gewöhnlich nicht lange vorher, ehe wir uns zum erstenmal rasieren lassen, schon verspürt haben. Von Anfang war es ein Ding, das gar keine Richtung hatte, und er konnte nichts bemerken, als daß seine gewöhnlichen Begierden nicht so wohl besänftigt, als von etwas wenigstens eben so stark nicht mehr dahin sondern dorthin gezogen wurden, ein ärgerliches Gleichgewicht, man schüttelt und rüttelt und weiß nicht warum, nur um nicht still zu stehen, und wieder etwas anderem Überwucht zu geben, ein seltsamer Zustand durch den wir Männer alle müssen, und ihr Mädgen, ja das weiß ich nicht. Glücklich ist der geschwind dadurch kommt oder schon vorher eine klare Einbildungskraft durch eine wohltätige Erziehung erhalten hat, daß dieser süße Tumult in der Seele ihm nichts als schöne Hoffnungen eingibt, und ihn über einen bezauberten Boden endlich zu der schönen Kreatur hinführt und entzückende Gewißheit mit reizender Ungewißheit vertauschet.

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Es gibt zwei Wege das Leben zu verlängern, erstlich daß man die beiden Punkte geboren und gestorben weiter von einander bringt und also den Weg länger macht, diesen Weg länger zu machen hat man so viele Maschinen und Dinge erfunden, daß man wenn man sie allein sähe unmöglich glauben könnte, daß sie dazu dienen könnten einen Weg länger zu machen, in diesem Fache haben einige unter den Ärzten sehr viel geleistet. Die andere Art ist, daß man langsamer geht und die beiden Punkte stehen läßt, wo Gott will, und dieses gehört für die Philosophen, diese haben nun gefunden, daß es am besten ist daß man zugleich botanisieren geht, zickzack, hier versucht über einen Graben zu springen und dann wieder herüber, wo es rein ist, und es niemand sieht, einen Purzelbaum wagt und so fort.

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In dem Satz 2 mal 2 ist 4 oder 2 · 2 = 4 liegt würklich schon etwas von der Parallaxe der Sonne, oder von der pomeranzenförmigen Gestalt der Erde.

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Der Trieb zum Bücherschreiben, der gemeiniglich wie ein andrer eben so starker in die Zeit des ersten Barts fällt, hat sich bei mir etwas früher eingestellt, mein erstes Jucken, wenn ich vom ersten Vers der Messiade zu zählen anfange, fiel in das 6 te Jahr des deutschen Hexameters und ohngefähr in das 14 te wenn ich mit meiner Geburt anfange. Es ist dieses eine etwas kützliche Zeit und Eltern und Lehrer haben gnau acht zu geben auf ihre Kinder. Ich will daher beschreiben was ich in mir fühlte, man wird leicht erachten können wie jemand aussehen muß, der dieses fühlt. Ich fand die Sprache in unserer Familie etwas zu plan, ich vermißte hier und da die Beiwörter und fühlte mich so voll wenn ich welche fand, zumal die ich selbst gemacht hatte pp.

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Einteilung. Ich teile mir das Publikum so ein, Leute die gar keine Besoldung und auch keine fixe Einnahmen haben, arme Teufel, Leute die unter 5 hundert Taler Besoldung oder bestimmte Einnahmen haben, Leute die über 5 hundert Taler haben, Leute die in die Tausende kommen, oder von Consequence sind. Dieses sind die 4 Klassen in der natürlichen Ordnung, wo die 4. die größte ist. Ich deklariere also feierlichst im Angesicht dieser Messe, daß ich nie etwas in meinen Schriften gegen die 4 te Klasse, ja nicht einmal gegen die 3 te geredet oder gedacht habe, sondern daß ich auch niemals etwas weder reden noch denken werde was dieser ehrwürdigen Klasse entgegenlaufen könne. Die 2 te Klasse versichere ich meiner Freundschaft als Mitgenossen, allein die erste Klasse! Sehet da das Feld für einen deutschen Satyrenschreiber, unübersehbar; arme Teufel gibt es überall, und wird vermutlich welche geben so lange die Welt stehen wird.

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Den jetzigen Menschen kann man sich als aus zween zusammengesetzt vorstellen, dem natürlichen Menschen und dem künstlichen, wovon der eine nach den ewigen Gesetzen der Natur und der andere nach den veränderlichen des Costume sich ändert. man kann ihn zerfällen Bei der Schilderung des Menschen muß man hauptsächlich daraufsehen den einen von dem andern zu unterscheiden. Zum natürlichen Charakter rechne ich die Hauptstriche des Charakters der Konturen, bedächtlich, schwermütig, still, lustig, Geck, Bemerker, Wahrheiten selbst erfunden, anderer ihre Eigenmacht verfließen gemacht in das eigene System von Gesinnungen, der künstliche Mensch alles bloß Angeklebte, Gelernte, es sei ein Kompliment oder eine große philosophische Wahrheit, alles Erzwungene, Eau de Lavende und rote Absätze usw.

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Bei dem Frauenzimmer fällt der Sitz des Point d'honneurs mit dem Schwerpunkt zusammen, bei den Mannspersonen liegt er etwas höher in der Brust um das Zwerchfell herum. Daher bei Mannspersonen die elastische Fülle in jener Gegend bei Unternehmung prächtiger Taten, und eben daher das schlappe Leere daselbst bei der Unternehmung kleiner.

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Alles wird uns schön was einige Relation auf sinnliche Liebe hat, in den Stunden da der tierische Affekt selbst schläft, und unsere übrigen sinnlichen Werkzeuge einer Seele gegenüberstehen, die voll von dem Gedanken eines vergangenen Vergnügens und eines künftigen nach Belieben würklichen ist. Wir sehen alsdann vieles was wir nicht würden gesehen haben. Wir haben die armen Knaben nicht mehr lieb wie die Griechen, wenn unsere neuere Zeiten ein schönes Stück in der Bildhauerkunst liefern, so muß es ein Mädgen sein. Der christliche Künstler findet die Schönheit nicht, und wenn er sie fände und anbrächte, so erkennt sie der Anschauer wieder nicht.

d. 2 ten Mai. 1769.

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den 3 ten Mai 1769.

Alle Leute, welche Sachen von uns kaufen, die wir nicht mehr brauchen, und eben aus dieser einzigen Ursache weggeben, stehen nicht in dem besten Kredit bei der Welt, die Antiquarii, die geringen Juden, alle Trödler, die Dungkärrner, die ihre Grade haben und endlich sich gar in das Unehrliche verlieren.

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Ich gehe zuweilen in 8 Tagen nicht aus dem Hause und lebe sehr vergnügt, ein eben so langer Hausarrest auf Befehl würde mich in eine Krankheit werfen. Wo Freiheit zu denken ist, da bewegt man sich mit einer Leichtigkeit in seinem Zirkel, wo Gedanken-Zwang ist, da kommen auch die erlaubten mit einer scheuen Miene hervor.

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Trinken, wenn es nicht vor dem fünf und dreißigsten Jahre geschieht, ist nicht so sehr zu tadlen, als sich viele von meinen Lesern vorstellen werden. Dieses ist ohngefähr die Zeit, da der Mensch aus den Irrgängen seines Lebens heraus auf die Ebene tritt in welcher er seine künftige Bahn von nun an offen vor sich hinlaufen sieht. Es ist betrübt, wenn er alsdann erst sieht daß es die rechte nicht ist, eine andre zu suchen, wenn er nicht sehr gut zu Fuß ist, ist gemeiniglich zu spät. Ist diese Entdeckung mit einer Unruhe verknüpft, so hat man durch die Erfahrung befunden, daß der Wein zuweilen Wunder tut, fünf bis sechs Gläser oder bis an die Spes dives des Horaz getrunken, gibt nun dem Menschen die Lage die er verfehlt hat, das Gesinnungen-System findet alles Äußere mit seinem angenehmsten Stande harmonisch, wo Prospekte verbaut sind, da reißt die Seele ein, und überall schafft sie sich die schönsten Perspektive, von dem reinsten rosenfarbenen Licht erhellt, oder dem erquickendsten Grün das nur ein Auge zur Stärkung und eine Seele zur angenehmsten Füllung verlangen kann.

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Einen einzigen Abend in einer Laube im Genuß seiner eigenen Empfindung, wie es Wieland nennt, zuzubringen, war für ihn das Beste und Höchste, darnach schätzte er die Größe und das Glück der Menschen, damit wog er Taten auf wovon das Gerücht durch Jahrtausende durchhallt.

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Der Genuß seiner selbst findet mehr bei ruhigen Seelen statt, sagt Winckelmann.

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Wenn man die Kur in Regenwasser trinken will, so muß man nach Göttingen kommen, da hat man es allezeit frisch.

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Wir wundern uns zuweilen über die indianische Völker, die sich Briefe in Knoten schicken, unsere Buchstaben sind nichts als Knoten von Linien, welche, wie man aus der Schattierung erkennt, gewisse Bänder machen.

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Er mußte etwas zu spielen haben, hätte ich ihn keine Vögel halten lassen, so hätte er Maitressen gehalten.

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Man soll sehr gut schießen, wenn man etwas getrunken, sehet da die Verwandtschaft zwischen Schützenkunst und Poesie.

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Er stund damals im 54 ten Jahr, wo Vernunft und Leidenschaft auch bei Dichtern anfangen über die Friedens-Artikel zu konferieren und den Frieden selbst nicht lange hernach gewöhnlich zu Stande bringen.

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Was haben Sie hier? Ein Kompaß um durch die Welt zu reisen. Wie, in einem Beutel? Ja es sind 50 Louisd'or bar und Wechsels auf ein paar tausend andere.

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Das einzige was er Männliches an sich hatte konnte er des Wohlstandes wegen nicht sehen lassen. Mi si nihil aliud virile, sexus esset. Petron.

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Ein gewisser Mensch bleibt allezeit in den Augen des Weltweisen einerlei, er mag Perüquenmacher oder Minister sein, so wie der Marmor derselbe bleibt, die Statue mag einen Kapuziner oder den Apollo vorstellen, Bronze oder Sandstein wird er aber nicht.

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Er trug die Livree des Hungers und des Elendes.

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Er hatte sich auf alles geschickt was er antworten könnte, wenn der König mit ihm sprechen würde, sogar wenn er fragen würde wie hoch ihn diese Manschetten kämen, allein der König fragte, was spricht man denn von mir in D... Rien, Monsieur, antwortete er.

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Rede eines Selbstmörders kurz vor der Tat aufgesetzt.

Freunde! Ich stehe jetzo vor der Decke im Begriff sie aufzuziehen, um zu sehen ob es hinter derselben ruhiger sein wird als hier. Es ist dieses keine Anwandlung einer tollen Verzweiflung, ich kenne die Kette meiner Tage aus den wenigen Gliedern die ich gelebt habe zu wohl. Ich bin müde weiter zu gehen, hier will ich ganz ersterben oder doch wenigstens über Nacht bleiben. Hier nimm meinen Stoff wieder, Natur, knete ihn in die Masse der Wesen wieder ein, mache einen Busch, eine Wolke, alles was du willst aus mir, auch einen Menschen, aber mich nicht mehr. Dank sei es der Philosophie, daß mich jetzo keine fromme Possen in dem Zug meiner Gedanken stören. Genug ich denke, ich fürchte nichts, gut, also weg mit dem Vorhang! – –

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Wenn ich einen Augenblick einmal denke, aber es könnte dir in Zukunft schaden so zu handeln; Possen, fällt mir meine Empfindung ins Wort, und ich bin gewöhnlich schon überführt ehe sie völlig ausgeredet hat.

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Sprich nicht immer: weil nun das ist, so muß dieses so sein, laß deine Empfindung auch einmal zum Wort kommen. Bisher konnte die Vernunft nicht zum Wort kommen, jetzo da sie merkte, daß es etwas stiller ward, so fing sie wie gewöhnlich an, wenn sie lange nicht gesprochen hat.

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Seinen kleinen Stock brauchte er allerlei zu messen, körperliche sowohl als moralische Dinge, denn er sagte oft: ich bekümmere mich nicht so viel darum, und zeigte mit dem Nagel seines Daumens an dem Stock wie viel er sich darum bekümmerte.

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Ihr Unterrock war rot und blau sehr breit gestreift und sah aus, als wenn er aus einem Theater-Vorhang gemacht wäre. Ich hätte für den ersten Platz viel gegeben, aber es wurde nicht gespielt.

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Weil er seinem Vater nun einmal bei der Zeugung mißlungen war, so getraute sich kein Kupferstecher nachher noch einmal sein Heil mit ihm in Kupfer zu versuchen.

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Taten, die zum Schaden der Täter, allein zum Vorteil anderer eben deswegen gereichten, hat man weil sie ihrer Natur nach keine bare Bezahlung zuließen mit Lob zu bezahlen gesucht, und Ehrengedächtnisse sind Wechsel, die man auf die Nachwelt stellen muß, weil sie oft die lebende Welt mit Protest würde zurückgehen lassen.

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Leute werden oft Gelehrte so wie manche Soldaten werden, bloß weil sie zu keinem andern Stand taugen, ihre rechte Hand muß ihnen Brod schaffen, sie legen sich, kann man sagen, wie die Bären im Winter hin und saugen aus der Tatze.

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Die Barbarei ist eine Sündflut über die Wissenschaften gewesen welche der witzelnde Frevel einiger römischen beaux esprits über dieselben gebracht hat, sie ist in beinah 2000 Jahren noch nicht ganz vertrocknet, selbst in Deutschland stehen hier und da noch starke Pfützen, wie Seen, wo gewiß keine Taube ein Ölblatt finden würde.

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Jedermann kennt das Vergnügen und die angenehme Sicherheit mit welcher man in neuen Strümpfen ausgeht, wenn die vorhergehenden schon öfters geflickt worden, und dennoch zuweilen die Aufmerksamkeit der Leute durch ein Loch auf sich gezogen haben.

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Als den 3. Junii 1769. des Abends die Venus durch die Sonne gehen sollte, so machte man Anstalten vorher und man sah sie um die gehörige Zeit kommen, als aber am 8 ten Julii die Prinzessin von Preußen durch Göttingen kommen sollte, so wartete man bis des Nachts um zwölf Uhr umsonst, sie kam erst den 9 ten früh um 10 Uhr.

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Wer ist da? Nur ich. O das ist überflüssig genug.

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Wenn uns ein Engel einmal aus seiner Philosophie erzählte, ich glaube es müßten wohl manche Sätze so klingen als wie 2 mal 2 ist 13.

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Er konnte nicht begreifen warum zuweilen unwiderstehliche Neigungen in ihm entstunden, wozu ihm doch alle Befriedigung abgeschnitten war. Er richtete diese Zweifel oft als eine Preisfrage an den Himmel und eine befriedigende Beantwortung versprach er mit einer völligen Verleugnung seiner selbst und einer gelassenen Unterwerfung zu erwidern.

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Wenn ich einen Großen der ein Bösewicht ist in Gedanken gehn sehe, so denke ich immer, nun ist er sein eigener Henker vielleicht und vollzieht eine Strafe an sich selbst, welches jener nicht tun darf und kann.

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Das älteste Sprüchwort ist wohl: allzu viel ist ungesund.

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Nimm dich in acht, daß meine Gedult nicht über deiner Langsamkeit ablauft. Auf meine Ehre, ich ziehe sie deinetwegen nicht noch einmal auf.

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Es ist zum Erstaunen wie sehr unsere Eitelkeit mit jedem Bettel schachert, was der Arme nicht mehr nützen kann wirft er auf den ersten den besten Weg hin umsonst. Wir, die wir uns mehr dünken als Bettel-Leute, geben unsere abgenutzte Kleider zuweilen dem ersten dem besten Armen gegen Erlegung von etwas weit Wichtigerm, als es uns zu stehen kam, gegen Dank und Verbindlichkeit.

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Liebste Freunde

Bei jeder Veränderung unseres Zustandes werden uns gewöhnlich eine Menge von Dingen bald zu weit und bald zu enge, kurz unbrauchbar. So wie wir ein paar Hosen verwachsen, so verwachsen wir Umgang, Bibliotheken, Grundsätze und dergleichen, zuweilen ehe sie abgenutzt sind, und zuweilen, welches der schlimmste Fall ist, ehe wir neue haben. Ich werde meinen Zustand bald verändern, eine gewisse Sehnsucht Diese hat eine Ähnlichkeit mit der Neigung sich zu dehnen beim physischen Wachsen nach einem andern Leben, und ein inneres Gefühl meiner Fähigkeit dazu lassen mich diesen wichtigen Schritt nicht um eine Woche weiter hinaussetzen, als die Ostermesse 1770. Meine Füße wollen den Körper nicht mehr mit der Leichtigkeit tragen, die dem Studenten geziemt, sondern fallen öfters ohne daß ich es weiß in den mehr abgemessenen säenden Tritt der höhern Geschäfte. Im Kolleg werde ich für einen einzigen Platz zu breit, kurz ich fühle mich reif dieses angenehme Leben zu verlassen, und mich meinen Vätern immer mehr und mehr zu nähern.

Außer meinem unsichtbaren Vermögen, etlichen Kleidungsstücken, und ein paar Büchern werde ich alles zurücklassen, auch einige Lebens-Regeln, für welche ich reelle Auslage getan habe und für welche man mir nirgends etwas gibt, werde ich nicht mitnehmen. Um aber eine Plünderung ab intestato zu vermeiden, so habe ich meinen letzten Willen hiermit bekannt machen wollen.

Du mein lieber L. würdest mich sehr verbinden wenn du meine Stube nehmen wolltest. Ich habe allezeit von einer Stube größere Begriffe gehabt, als der gewöhnliche Teil der Menschen. Ein großer Teil unserer Ideen hängt von ihrer Lage ab, und man kann sie für eine Art von zweitem Körper ansehen. Ich sähe sie nicht gern entheiligt, du bekommst wenn du sie nehmen willst meinen sehr rechtschaffenen Wirt, mein Barometer, und 6 Land-Charten, die ich an die Tapete geklebt habe, auch das Thermometer in der Kammer ist dein. Du wirst dafür das kleine onus tragen einem ehrlichen gebrechlichen Armen, der alle Sonnabend an das Fenster kommen wird, jedesmal 4 zu geben. 144 solcher Almosen machen erst den Wert eines gemeinen Barometers, das meinige kostet wohl mehr.

Du mußt bedenken daß, hätte ich 50 Schritte weiter hinunter, um die Ecke herum, gewohnt, ich so wenig der Mensch wäre, der ich jetzo bin, als wenn ich 100 Meilen mehr mittäglich wäre empfangen worden. Einen gewissen herrschenden Grundsatz meines Tuns hätte ich noch nicht gefunden, wenn damals der Tisch vor meinem einen Fenster gestanden hätte der jetzo da steht, so leicht läßt sich das Fahrzeug drehen, das wir, mit unserer zeitlichen und – ewigen Glückseligkeit an Bord, durch diese Zeit fortzutreiben haben, die mindeste Bewegung teilt sich dem Steuerruder mit. Morgen ist es Sonntag, wenn ich wüßte wo diejenige Stube sein wird, die für die beste Observation vom Fenster die glücklichste Lage hat, ich böte dem Menschen der darauf wohnt 100 Taler für einen Platz, weil dieses nicht geschehen kann, so will ich mich wenigstens bemühen bei einer aus meinem Fenster den besten Gedanken zu haben.

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Wenn ich einmal sein Leben herausgebe, so suchen Sie gleich im Index die Wörter Bouteille und Selbst-Genuß auf, sie enthalten das Wichtigste von ihm.

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Ich fürchte immer, unter den hundert Händen, wodurch mein Brief gelaufen ist, sind ein paar neugierige gewesen, und das schlimmste Maul kann gewiß nicht so viel Unheil anfangen, als ein Paar neugieriger Hände, entweder für andere Leute, oder auch für den, von dessen Schultern sie herabhängen.

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Er bewegte sich so langsam als wie ein Stunden-Zeiger unter einem Haufen von Sekunden-Zeigern.

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Aber der Herr P. kann recht trinken, sagte neulich jemand zu mir, erst zwo Bouteillen Wein und dann 12 Gläser Punsch. Was will er damit? Wenn ich ihn anders recht verstehe, so dünkt mich ich könnte alles viel geschwinder tun, was Herr P... tut, wenn ich mir eine Pistole vor den Kopf schösse.

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Ich weiß in der Tat nicht warum dieser Mensch noch fortlebt in der Welt, keine von den Eigenschaften, die er jetzo besitzt, darf er auf einen höheren Grad der Vollkommenheit bringen, eine jede würde sich im Galgen endigen.

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Es wäre nicht gut, wenn die Selbstmörder oft mit der eigentlichen Sprache ihre Gründe erzählen könnten, so aber reduziert sie sich jeder Hörer auf seine eigene Sprache und entkräftet sie nicht sowohl dadurch, als macht ganz andere Dinge daraus. Einen Menschen recht zu verstehen müßte man zuweilen der nämliche Mensch sein, den man verstehen will. Wer versteht, was Gedanken-System ist, wird mir Beifall geben. Öfters allein zu sein, und über sich selbst zu denken, und seine Welt aus sich zu machen kann uns großes Vergnügen gewähren, aber wir arbeiten auf diese Art unvermerkt an einer Philosophie, nach welcher der Selbst-Mord billig und erlaubt ist, es ist daher gut sich durch ein Mädgen oder einen Freund wieder an die Welt anzuhaken, um nicht ganz abzufallen.

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Heute habe ich im de Lacaille etwas über die Theorie der Kometen nachgelesen, als ich mich etwas ermüdet fand stützte ich mich auf meinen Tisch, weil dieses die Lage ist in welcher ich gemeiniglich an mich selbst denke, so nahmen meine Gedanken jetzo diesen Zug wieder. In den Gedanken gibt es gewisse Passat-Winde, die zu gewissen Zeiten beständig wehen, und man mag steuern und lavieren wie man will, so werden sie immer dahin getrieben. Bei solchen November-Tagen, wie die jetzigen, streichen alle meine Gedanken zwischen Melancholie und Selbst-Verkleinerung hin, wenn übrigens kein besonderer Strom mich seitwärts treibt, und ich würde oft mich nicht mehr zu finden wissen, wenn nicht die beiden Kompasse, Freundschaft und Wein mich lenkten und mir Mut gäben against a sea of troubles zu kämpfen. Mein Verstand folgte heute den Gedanken des großen Newton durch das Weltgebäude nach, nicht ohne den Kützel eines gewissen Stolzes, also bin ich doch auch von dem nämlichen Stoff, wie jener große Mann, weil mir seine Gedanken nicht unbegreiflich sind, und mein Gehirn Fibern hat die jenen Gedanken korrespondieren, und was Gott durch diesen Mann der Nachwelt zurufen ließ wird von mir gehört, da es über die Ohren von Millionen unvernommen hinschlüpft. An diesem Ende folge ich der ehrwürdigen Philosophie, während als am andern Ende zwo Aufwärterinnen (die Stella mirabilis und der Planet) eben diesen Verstand, der sich so über die Erde zu schwingen glaubt, in einem Winkel nicht einmal für wichtig genug halten, allen ihren Witz gegen ihn zu gebrauchen, sondern, ohne ihn erst unter den focum desselben zu bringen, schon mit seinem gemeinen Licht schmelzen. Die Einbildungskraft, mit welcher ich der subtilsten Wendung einer Wielandischen Beschreibung folge, mir selbst meine eigene Welt schaffe durch die ich, wie ein Zauberer, wandele, und die Körner eines kleinen Leichtsinns in ganze Gefilde geistiger Lust aufblühen sehe, diese Einbildungskraft wird oft von einer fein gebogenen Nase, von einem aufgestreiften gesunden Arm in ihrem schnellsten Schwung so heftig angezogen, daß von der vorigen Bewegung nicht ein flüchtiges Zittern übrig bleibt. So hänge ich in der Welt zwischen Philosophie und Aufwärterinnen-List, zwischen den geistigsten Aussichten und den sinnlichsten Empfindungen in der Mitte, taumelnd aus jenen in diese bis ich nach einem kurzen Kampf zur Ruhe meines beiderseitigen Ichs dereinst völlig geteilt hier faule und dort in reines Leben aufdunsten werde. Wir beide, Ich und mein Körper sind noch nie so sehr zwei gewesen als jetzo, zuweilen erkennen wir einander nicht einmal, dann laufen wir so wider einander daß wir beide nicht wissen wo wir sind.

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Bei unsrem frühzeitigen und oft gar zu häufigen Lesen, wodurch wir so viele Materialien erhalten ohne sie zu verbauen, wodurch unser Gedächtnis gewöhnt wird die Haushaltung für Empfindung und Geschmack zu führen, da bedarf es oft einer tiefen Philosophie unserm Gefühl den ersten Stand der Unschuld wiederzugeben, sich aus dem Schutt fremder Dinge herauszufinden, selbst anfangen zu fühlen, und selbst zu sprechen und ich mögte fast sagen auch einmal selbst zu existieren.

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Wie hat es Ihnen in dieser Gesellschaft gefallen? Antwort Sehr wohl, beinah so sehr als auf meiner Kammer.

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Ich weiß nicht, der Mensch hatte würklich die Miene, die man ein In-sich-kehren der Augen des Geistes nennen könnte, und allezeit ein Zeichen des Genies ist.

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Derjenige Stand in der Welt, der seine Seele nicht so für nichts und wieder nichts haben will, sondern der sie so anhält, daß sie ihm etwas eintragen soll, ich meine der Stand der Gelehrten, sollte bedenken wie viel auf ihm liegt; daß 4/10 des menschlichen Geschlechts sich dahin mit ihm verglichen haben mit Händen und Füßen ihm zu dienen, wenn er seinerseits ihm wieder mit dem Kopf dienen wollte, den sie, neun Zehenteile, unmöglich so anstrengen könnten. Es findet sich also zwischen diesen beiden Ständen eine Verhältnis wie zwischen Kopf und Leib.

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Nicht jedem ist es gegeben so zu schreiben, wie es dem Menschen in abstracto zu allen Zeiten und in allen Welt-Altern gefallen muß. In einer Verfassung der Welt, wie die jetzige ist, gehört viel Kraft dazu nur immer im Wesentlichen zu wachsen, sehr viel Ballast, um nicht wenn alles schwankt auch mit zu schwanken. Auf diese Art natürlich zu schreiben erfordert unstreitig die meiste Kunst, jetzo da wir meistens künstliche Menschen sind; wir müssen, so zu reden, das Costume des natürlichen Menschen erst studieren, wenn wir natürlich schreiben wollen. Philosophie, Beobachtung seiner selbst und zwar gnauere, Naturlehre des Herzens und der Seele überhaupt, allein, und in allen ihren Verbindungen, diese muß derjenige studieren der für alle Zeiten schreiben will. Dieses ist der feste Punkt, wo sich gewiß die Menschen einmal wieder begegnen, es geschehe auch wenn es wolle, ist ein solcher Geschmack der herrschende, so ist der Wert des menschlichen Geschlechts, mit den Mathematikverständigen zu reden, ein größtes, und kein Gott kann es höher bringen. Wer nur für etliche Jahre schreibt, nur für eine Messe, oder nur für eine Woche, kommt mit wenigerem aus. Er darf nur neuere Schriftsteller lesen, die Gesellschaften seiner Zeit besuchen, so gibt sich, wenn er nur ein Mensch ist so wie man ihn in die Haushaltung braucht, das übrige von selbst. Der Gedanke, daß es so außerordentlich leicht ist schlecht zu schreiben, hat mich daher oft beschäftigt. Ich meine nicht daß es leicht sei etwas Schlechtes zu schreiben, das man selbst für schlecht hält, nein sondern daß es so leicht ist etwas Schlechtes zu schreiben, das man für sehr schön hält, hierin liegt das Demütigende. Ich zeichne eine gerade Linie und die ganze Welt sagt, das ist eine krumme, ich zeichne noch eine, diese wird gewiß grade sein, und man sagt gar, O diese ist noch krümmer. Was ist da zu tun? Das Beste ist keine gerade Linien mehr gezeichnet und dafür anderer Leute gerade Linien betrachtet, oder selbst nachgedacht.

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Kein Schriftsteller muß je glauben, daß das, was einer gemischten Gesellschaft gefällt, deswegen der Welt gefalle. Die kleine Gesellschaft hat alle erforderliche Mittel einen Gedanken in allen seinen Relationen zu betrachten, sie kann aus der Gelegenheit und Umständen die Zeit messen, die der Urheber brauchte ihn hervorzubringen, die Vergleichung der Zeit oder anderer Umstände mit dem inneren Gewicht des Gedankens könnte man sein Moment nennen, und man sieht, daß ein schlechter Gedanke zuweilen ein großes Moment bekommen, wenn er unerwartet kommt, dabei nicht viel Zeit kann gekostet haben. Die Welt schätzt bloß das Werk nach dem Gewicht, nicht nach der Zeit, worin es ist zu Stande gebracht worden. Wüßte der Leser die Umstände gnau, so würde der Gedanke nichts verlieren, es ist aber höchst ungereimt zu glauben, daß dasjenige, was ich einer Gesellschaft sage die ich kenne, eben die Wirkung auf ein ganzes Publikum haben soll das ich doch nicht kenne.

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Ich habe mit ihm 2 Jahre in einerlei Nachtgeschirr gepisset und kann also schon wissen was an ihm ist.

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Er hat bisher nur ein kleines Leben von 26 Jahren zu kommandieren gehabt, und doch konnte er nicht damit fertig werden, es hat ihm eine Menge Schande gemacht. Ich weiß nicht, was er endlich noch mit sich selbst anfangen wird.

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Vernunft und Einbildungskraft haben bei ihm in einer sehr unglücklichen Ehe gelebt.

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Er hatte als eine Grund-Regel seines Tun und Lassens den Anti-Shaftesburyschen Satz angenommen, sich nie mit sich selbst zu gemein zu machen, weil er wohl voraussah, daß die Folge eine Verachtung seiner selbst sein müsse.

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Lernen sich selbst zu prüfen und zu belehren, hat so viele Bequemlichkeit und ist nicht so gefährlich als sich selbst zu rasieren, jedermann sollte es in einem gewissen Alter lernen, aus Furcht irgend einmal der Raub eines übelgeführten Schermessers zu werden.

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Die Hypothesen einiger Neuern laufen noch nicht gegen die Erfahrung, aber ich fürchte die Erfahrungen werden einmal gegen sie laufen.

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Man lese nicht viel und nur das Beste, langsam, und befrage sich alle Schritte, warum glaube ich dieses? folgt es aus meinem übrigen Gedanken-System, oder ist es nur aus Trägheit zur Untersuchung durch Vorurteil, fides implicita und dergleichen daran angeplackt worden, hat sich einmal ein solcher Klumpe angehängt und man fängt an darauf zu bauen, so reißt öfters alles ab und dann wird eine Menge guter Sachen zuweilen unbrauchbar, und die Mühe ist doppelt sie an das eigentliche System schicklich so anzusetzen daß sie anschlagen.

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Ohne meine innere Überzeugung würde alle Ehre, Glück und Beifall der Welt mich nicht vergnügt machen können, und wenn ich meiner Überzeugung nach es bin, so kann das Urteil einer ganzen Welt mich nicht in diesem Genuß stören. Es ist einer mit von den Gala-Gedanken mittelmäßiger Schriftsteller geworden, den Bettler vor dem König glücklich zu preisen. Es ärgert mich nur, daß ihn so viele Leute sagen, deren Eigentum er nicht ist, er ist aber würklich gegründet, ich glaube, daß es im Krankenbette oft besser zugeht als am ersten Platz der königlichen Tafel. Ich habe wenigstens in einer kleinen Kammer als Kranker im Bette zuweilen Augenblicke gehabt, die ich den glücklichsten meines übrigen Lebens ohne Scheu gleichsetze; traurige auch, das versteht sich, aber auch eben so traurige bei vollkommener Gesundheit außer dem Bette.

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Ich habe eine Menge kleiner Gedanken und Entwürfe zusammengeschrieben, sie erwarten aber nicht sowohl noch die letzte Hand, als vielmehr noch einige Sonnenblicke, die sie zum Aufgehen bringen.

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Es waren ihrer zwo Schwestern, die ältere majestätisch, still, und alles verkündigte ohne Zwang den Verstand den sie besaß, die jüngere einnehmend, flatterhaft, aber dennoch vortrefflich, kurz wenn man sie beisammen sah, so glaubte man Freundschaft und Liebe zu sehen.

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Auf ein schönes Mädgen, das in der Kirche sehr andächtig war.

Andächtiger und schöner als Lucinden

Wird man nicht leicht ein Mädgen beten sehn;

In jedem Zug lag Reue für die Sünden

Und jeder reizte zum Begehn.

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〈Daß das Barometer öfters fällt, wenn es trüb wird, daran sind die Wolken eben so wenig Ursache, als an manchen Örtern die Jahrmärkte daß es regnet.〉

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〈Wenn die wilden Schweine dem armen Manne seine Felder verderben, so rechnet man es ihm unter dem Namen Wildschaden für göttliche Schickung an.〉

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Es ist eine Frage, welches schwerer ist, zu denken oder nicht zu denken. Der Mensch denkt aus Trieb, und wer weiß nicht wie schwer es ist einen Trieb zu unterdrücken. Die kleinen Geister verdienen also würklich die Verachtung nicht, mit der man ihnen nun in allen Landen zu begegnen anfängt.

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Er hatte etwas an sich, was die Herrnhuter gemeiniglich gesalbtes Wesen, der stubensitzende Lehrer der Theologie Frömmigkeit, der vernünftige Mann der die Welt kennt Einfalt und Unverstand nennt.

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Hätte die Natur nicht gewollt daß der Kopf den Forderungen des Unterleibes Gehör geben sollte, was hätte sie nötig gehabt den Kopf an einen Unterleib anzuschließen. Dieser hätte sich ohne eigentlich dasjenige zu tun was man Sünde nennt satt essen und sich satt paaren und jener ohne diesen Systeme schmieden, abstrahieren und ohne Wein und Liebe von platonischen Räuschen und platonischen Entzückungen reden und singen und schwatzen können. Küsse vergiften ist noch weit ärger von der Natur gehandelt, als das Vergiften der Pfeile der Feinde im Krieg.

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Magister Schulz spannte öfters über seinen Rock, der keine 4 Taler kostete, einen Regenschirm, der 6 unter Brüdern wert war.

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In der Tat war dieses sonderbar, aber mich dünkt du handelst sonderbar ohne sonderbar zu sein. Höre, laß dich in kein Spiel ein mit dir selbst, du gewinnst dir doch nichts ab. Ich mag gern sehen, wenn man immer ist was man sein kann, was hilft es dich wenn du auch dem gegenwärtigen Augenblick etwas weismachst, worüber dich der nächste Lügen straft.

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Ein gewisser Freund den ich kannte pflegte seinen Leib in drei Etagen zu teilen, den Kopf, die Brust und den Unterleib, und er wünschte öfters, daß sich die Hausleute der obersten und der untersten Etage besser vertragen könnten.

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Die gerade Linie wird eher in sich selbst wieder zurückkehren, als ich von meiner Richtung abweichen, sage mir einen Weg der noch näher ist als der gradeste und ich will den jetzigen fahren lassen und deiner Anweisung folgen.

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Lieber Freund, du kleidest deine Gedanken so sonderbar, daß sie nicht mehr aussehen wie Gedanken.

Sage mir ob dieser nicht seltsam gekleidet ist und du sollst alle die meinigen nackend sehen ehe sie noch meine Sinnen mit ihrer Livree bedecken. Es ist eine Schande, die meisten unserer Wörter sind mißbrauchte Werkzeuge, die oft noch nach dem Schmutz riechen, in dem sie die vorigen Besitzer entweihten. Ich will mit neuen arbeiten, oder ohne so viel Luft dazu zu brauchen, als ein Sommervogel aussumst, nur mit mir selbst in alle Ewigkeit sprechen.

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Trinken πίνειν heiße ich hier überhaupt mit offenen Sinnen und zur guten Stunde einen Zug tun der mit einer solchen Zauberkraft auf unser Innerstes auffällt und alle Seelenkräfte zu einem Freudenfeste versammelt bei dem die strengste Vernunft Feier-Abend macht; es geschehe nun dieser Zug aus der Bouteille (welches die eigentliche Bedeutung des Worts ist) oder beim Mondenlicht aus einer mit Blütengerüchen geschwängerten Luft, ganz allein, wie Agathon, ehe ihn Danae in Dienste nahm, oder in Gesellschaft wie er bald hernach Gelegenheit hatte. Daher nenne ich Rausch den Zustand sanfter Empfindlichkeit, in welchem jedem äußern Eindruck neue unaussprechliche Gedanken korrespondieren, oder jeden Zustand wollüstiger Ruhe, der nicht sowohl die Würkung einer verdauten Philosophie, als vielmehr eines glücklichen ungefähren Zugs (§ 1.) ist.

Tausend Menschen sterben jährlich bloß weil sie nicht dursten konnten, ohne doch jemals nur einen Tropfen auf diese Art getrunken zu haben, so wie es ehrliche Väter von 10 Kindern gibt die nie die Liebe geschmeckt haben.

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Nun Liebster Ihre Hand. – – Ihren Mund – so, nächstens mehr. Leben Sie wohl.

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Selbst dadurch daß wir uns vergnügen auch noch einer geliebten Person außerdem ein großes Vergnügen machen, ist das Reizendste was sich der empfindliche Mensch denken kann, daher hat auch die gütige Natur dieses Prämium demjenigen versprochen, der sich die Mühe nehmen würde andere seines gleichen zu machen.

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Polizei, Polzei, Plotzei, Platzei, Platzerei, Plackei, Plackerei.

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Apostel, Apostille, Postille.

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Der liebe Gott muß uns doch recht lieb haben, daß er immer in so schlechtem Wetter zu uns kommt.

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Apollo verlangte von den Einwohnern zu Delos die Auflösung eines Problems aus der Geometrie um die Pest aufzuhalten. Die Aufgabe war: die Seite des doppelten Würfels aus der Seite des einfachen zu finden. Wenn heutzutag mancher Stadt in Deutschland eine solche Aufgabe vorgelegt würde, was würde alsdann ein Hochweiser Magistrat beschließen: vermutlich dem Himmel die Sache anheimzustellen und die Pest ausrasen zu lassen.

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Ist es denn so unrecht daß der Mensch wieder durch die nämliche Pforte zur Welt hinausgeht durch die er hineingekommen ist?

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Es kann nicht alles ganz richtig sein in der Welt weil die Menschen noch mit Betrügereien regiert werden müssen.

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Es tun mir viele Sachen weh, die andern nur leid tun.

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Dieser Mann teilte alles sehr gerne mit, was ihn nichts kostete, unter allen aber Komplimente, beleidigte niemanden, wenigstens wußte man es nicht, hatte allezeit eine liebreiche Miene und seine Bescheidenheit war so groß, daß sie in der Stimme sogar an das Klägliche grenzte, er passierte bei vielen Leuten für tugendhaft und bei den meisten für demütig, kurz er war von der Art Leute, die man so ziemlich häufig antrifft, und die man in England mit dem Namen sneaking rascals zu beehren pflegt.

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Ich warf allerlei Gedanken im Kopf herum bis endlich folgender obenhin zu liegen kam.

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Fein war er eigentlich nicht, allein er verstund doch die Kunst, wenn er es bedurfte, zuweilen auf seinen Nebenmenschen zu reiten.

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Er hatte so wenig Macht über sich selbst, daß er es nicht einmal über sich bringen konnte seinen Stock in eine gewisse Ecke seiner Stube zu stellen, wie er sich doch vorgenommen, sondern wenn er nach Hause kam, so ging er an der Ecke vorbei und es war ihm gemeiniglich zu unbequem ihn aus der Hand zu lassen bis er an ein anderes Ende der Stube gekommen war.

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Was für eine Entdeckung wäre es, wenn man Geistern Aktivität geben könnte, daß sie nur täten, was sie würklich tun wollten und auch könnten, wenn sie weniger nachlässig wären, diese Nachlässigkeit stürzte die Regentin Anna in Rußland, und macht daß mancher lieber bettelt, als arbeitet, und ist der Anfang zu allem Nichtswürdigen.

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Grabschrift auf Herrn B.

Hier liegt

und rezitiert nicht mehr,

das ist

hier liegt begraben

J. Christoph B...

trotz seines patriotischen Sinnes

mehr eine Anthologie der Deutschen,

als ein Deutscher.

Sein ganzes Leben

war ein Sinngedicht,

denn

Er brachte den klügsten Einfall den

er jemals hatte

ans Ende,

Er starb.

Doch Nein,

er ward vielmehr vergriffen

und wir zweifeln nicht

daß Er an jenem Tage auf besseres Papier

wieder aufgelegt werden wird.

*

Ich sehe nicht ein warum nur derjenige Mann bekannt werden soll dessen Fähigkeiten durch viel Lärmen und Schimmer hörbar und sichtbar werden, der nicht ihr eigen ist. Alexanders Genie war ein Funke, der in ein Pulver-Magazin fiel, das aufflog und Asien beben machte, unser Funke fiel neben vorbei ins Feuchte, ich sage nur was hätte das für eine Erschütterung geben können, wenn er auf das Pulver gefallen wäre.

*

Sein Charakter soll sein Ehrengedächtnis sein, mich dünkt das ist viel gesagt wenn es wahr ist. Jeder, der den Menschen weiter kennt, als der Naturgeschichtschreiber, oder der ihm ähnlich Moralist, der beschreibt, ohne das Messer zu gebrauchen, wird mir dieses eingestehen müssen.

*

Die beste Politik ist doch noch nicht für den Zustand von Europa, was ein gutes Barometer für das Wetter ist.

*

In saufbrüderlicher und kaffeeschwesterlicher Eintracht.

C

Inhaltsverzeichnis

Die eine Schwester ergriff den Schleier und die andere den Hosen-Schlitz. πμ

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Empfindungen die zwar sehr fein und platonisch sind, jedoch schon außerhalb der Grenzen der Kastraten-Empfindungen fallen.

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Bei mir liegt das Herz dem Kopf wenigstens um einen ganzen Schuh näher als bei den übrigen Menschen, daher meine große Billigkeit. Die Entschlüsse können noch ganz warm ratifiziert werden.

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Ein Drei-Groschen-Stück ist immer besser als eine Träne.

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Ihr die ihr so empfindsam von der Seele eurer Mädchen sprechen könnt, ich gönne euch diese Freude, glaubt aber ja nicht, daß ihr so was Erhabenes tut oder sagt, oder dünkt euch nicht edler als der Pöbel, der gewiß so gar unrecht nicht hat sich hauptsächlich an den Körper zu halten. Was doch ein junger Rezensionen-Leser für eine Idee von einem so feinen Sentiment hat! Der Bauerknecht schielt nach dem Unterrock-Schlitz und sucht den Himmel dort, den du in den Augen suchst. Wer hat recht? Ich wäge keine Gründe in dieser Frage und noch viel weniger entscheide ich sie, aber raten will ich es aus treuem Herzen allen empfindsamen Kandidaten, daß sie sich mit dem Bauern setzen, es könnte sonst auf verdrießliche Weitläuftigkeiten hinauslaufen.

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Mit größerer Majestät hat noch nie ein Verstand still gestanden.

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Die Sand-Uhren erinnern nicht bloß an die schnelle Flucht der Zeit, sondern auch zugleich an den Staub in welchen wir einst verfallen werden.

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Vergangener Schmerz ist in der Erinnerung angenehm, vergangenes Vergnügen auch, künftiges Vergnügen wieder, auch gegenwärtiges, also ist nur der zukünftige und gegenwärtige Schmerz, was uns quälet; ein merkliches Übergewicht von Seiten des Vergnügens in der Welt, das noch dadurch vermehrt wird, daß wir uns beständig Vergnügen zu verschaffen suchen dessen Erhaltung wir in vielen Fällen mit ziemlicher Gewißheit voraussehen können; hingegen der noch künftige Schmerz weit seltner vorausgesagt werden kann.

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Ja die Nonnen haben nicht allein ein strenges Gelübde der Keuschheit getan, sondern haben auch noch starke Gitter vor ihren Fenstern.

A. O durch das Gelübde wollten wir wohl kommen, wenn wir nur durch die Gitter wären.

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Er kann sich einen ganzen Tag in einer warmen Vorstellung sonnen.

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Die Mädchen hören euch vielleicht gerne zu, wenn ihr auf euren Lauten eure Phantasien vorklimpert, wenn es ihnen aber zu tun ist zwischen Geist und Fleisch Friede zu stiften, so werdet ihr nie zum Kongreß gelassen.

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Die englischen Genies gehen vor der Mode her und die deutschen hinten drein.

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Ich will dir keinen Schatten machen kleines Tierchen (es war eine Spinne), die Sonne gehört dir so gut als mir.

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Wir schrieben einander die verbindlichsten Briefe, er lobte meinen Fleiß und ich nannte ihn den Stolz der Deutschen. So schwänzelten wir einen ganzen Sommer gegen einander, bis in den September, da der Herr Hof-Rat auf einmal den Schwanz fallen ließ. Ich dachte gleich damals er würde nun beißen und habe gegen einige meiner Freunde diese Vermutung in klaren Worten geäußert. Er biß würklich, es ging aber nicht durch.

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Es ist ein Vorurteil unsers Jahrhunderts in Deutschland, daß das Schreiben so zum Maßstab des Verdienstes gediehen ist. Eine gesunde Philosophie wird vielleicht dieses Vorurteil nach und nach vertreiben.

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Unsere Gelehrten verfallen in den Fehler der Krämer in den kleinen Städten, sie kaufen nicht an der Stelle, wo es wächst, sondern lassen sich es lieber erst von einem Engländer oder Franzosen vorsagen. Das ewige Unsern-Lands-Leuten-bekannt-Machen, warum suchen wir unsern Landsleuten nicht den Geist einzuprägen selbst zu versuchen, und immer auf das Bessermachen zu denken?

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Was einem das Liegen auf dem rechten Ellenbogen ist, nachdem man eine Stunde auf dem linken gelegen.

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Den 2 ten Dezember 1772. des Abends fragte mich jemand in Osnabrück (Herr Henrici): aber Herr Professor, heißt man das nicht das Klima, wenn ich des Abends hinausgehe und so in die Höhe sehe?

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Seitdem jedermann kritische Chartequen liest, so sind die Produkte des Witzes der Leute gewissermaßen der Maßstab geworden, nach welchem man ihren Wert als Mensch überhaupt bestimmt.

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Man hätte immerweg denken und leben können ohne sich um die Art unsres Denkens und wie es zugehe zu bekümmern, gewiß hat man erst über Dinge außer uns philosophiert, bis endlich einer dieses Mikroskop auch auf sich selbst richtete. Wie geht es zu daß wir denken? fragte sich einer, der Neugierde und Beobachtungs-Geist besaß; nicht jeder Mensch, o Millionen von Menschen, manchen Professor, der die Psychologie erklärt, selbst nicht ausgenommen, würden nie eine solche Frage getan haben. Wie viele Menschen fragen heutzutage: warum fällt alles nach der Erde? Die Kraft, die das tut und die Euler so wenig kennt als Rudolph von Bellinkhaus, ist so notwendig zu unserer zeitlichen Glückseligkeit, als immer die uns denken machende zur ewigen. Die Würkungen der ersten haben viele Geistern zugeschrieben, ich habe aber nicht Kenntnis der Geschichte der menschlichen Torheiten genug dazu, um zu wissen ob je ein ehrgeiziger Religionsstifter die Versöhnung dieser Geister an die notwendigen Pflichten der Menschen angereihet hat, und durch deren Unterlassung es einmal dahin kommen könnte, daß unsre nicht mehr schwere Hülle durch die Himmel zerstiebe. Aus der Hypothese, daß es ein Geist sei, was in uns denkt, hat man erstaunliche Folgen gezogen und die Religionsstifter andere Meinungen, die nicht unmittelbar aus der Hypothese folgen, daran gehängt, und so stützt sie nunmehr die Gesellschaft so wie jene Kraft die Veste des Himmels. Dieses Gebäude ist zu groß, als daß ein menschlicher Plan zum Grund liegen kann, ich wollte eher glauben, daß die Zeugung eine menschliche Erfindung sei. Hier ist Gott. Aber der, der uns durch die größte sinnliche Wollust zur Fortpflanzung zog, der kann uns durch eingepflanzte Andacht zu einem bloß zeitlichen Wohl zusammenziehen; aber hieße das nicht betrogen? Uns scheint es Betrug.

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Es gibt 100 Witzige gegen einen der Verstand hat, ist ein wahrer Satz, womit sich mancher witzlose Dummkopf beruhigt, der bedenken sollte, wenn das nicht zuviel von einem Dummkopf gefordert heißt, daß es wieder 100 Leute, die weder Witz noch Verstand haben, gegen einen gebe, der Witz hat.

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Gib meinen guten Entschlüssen Kraft, ist eine Bitte, die im Vaterunser stehen könnte.

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Aus der Weisheit Gottes manche Sachen schließen zu wollen ist nicht viel besser, als es aus seinem eignen Verstand zu tun.

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Beschreibung eines sonderbaren Bettvorhanges. Im Jahr 1769 geriet ich auf den Gedanken, allerlei Gesichter auf einen Bogen Papier neben einander zu zeichnen, die meistens etwas Lächerliches an sich hatten. Wenige Personen, denen ich das Papier vorlegte, konnten sich des Lachens enthalten, durch kein Buch hätte sich dieses so bald erreichen lassen. Ich hatte aber noch nicht 40 Köpfe gezeichnet, als ich mich schon erschöpft fühlte. Die Zusätze kamen nur selten. Im folgenden Jahr legte mich ein kleines Flußfieber in ein Bette, das einen schrägen Himmel hatte, durch dessen nicht gar dichtes Gewebe, das noch dazu aus ziemlich ungleichen Fäden bestund, die weiße Wand durchschien. Hier zeigte sich eine unzählbare Menge der seltsamsten und drolligsten Gesichter. Ich konnte in einer Fläche, die kaum so groß als ein Quartblatt war, über 100 hervorbringen, und jedes hatte mehr Ausdruck und Eignes als sonst in den gezeichneten Gesichtern anzutreffen ist, die unverbesserlichen Köpfe des Hogarth ausgenommen mit denen sie viel Ähnliches hatten. Wenn ich einen Kopf hatte, so nahm ich seinen Mund zum Auge und den Augenblick stund ein neuer da, der mich bald anlächelte bald anfletschte, ein dritter lachte mich aus und ein vierter blickte ihn höhnisch an. Es ist unmöglich alle die hustenden, niesenden und gähnenden Stellungen zu beschreiben, die sich mir vorstellten. Hätte ich sie mit eben der Kraft zeichnen können, mit welcher sie sich meinem Auge und meiner Einbildungskraft darstellten, ich würde gewiß diesen Vorhang verewigen. Leonardo da Vinci soll diese Beschäftigung jungen Malern empfehlen.

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Diogenes ging in einem schmutzigen Aufzug über die prächtigen Fußdecken in den Zimmern des Plato. Ich trette, sagte er, den Stolz des Plato mit Füßen; ja, erwiderte Plato, aber nur durch eine andere Art von Stolz.

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Tue nicht allzufein, damit nicht ein natürlich Feinerer zuweilen merkt, daß du würklich so bist, wie du ihn gerne finden wolltest. pm

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Es gibt eine Art Vögelchen, die in die dicksten hohlen Bäume Löcher hacken, sie trauen ihren Schnäbeln so viel Kraft zu, daß sie allemal nach jedem Hieb auf die entgegengesetzte Seite des Baumes gehen sollen um zu sehen, ob der Streich nicht durch und durch gegangen sei.

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Wer hört Entschuldigungen, wenn er Handlungen hören kann?

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Wir Protestanten glauben nunmehr in sehr aufgeklärten Zeiten in Absicht auf unsere Religion zu leben. Wie wenn nun ein neuer Luther aufstünde? Vielleicht heißen unsre Zeiten noch einmal die finstern. Man wird eher den Wind drehen oder aufhalten können, als die Gesinnungen des Menschen heften.

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Es war ihm unmöglich die Wörter nicht in dem Besitz ihrer Bedeutungen zu stören.

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In Hannover logierte ich einmal so, daß mein Fenster auf eine enge Straße ging, wodurch die Kommunikation zwischen zwo großen erhalten wurde. Es war sehr angenehm zu sehen, wie die Leute ihre Gesichter veränderten, wenn sie in die kleine Straße kamen, wo sie weniger gesehen zu sein glaubten, so wie einer hier pißte, der andere dort sich die Strümpfe band, so lachte der eine heimlich, und schüttelte der andere den Kopf. Mädchen dachten mit einem Lächeln an die vorige Nacht und legten ihre Bänder zu Eroberungen auf der nächsten großen Straße zurecht.

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Es wird schwerlich Ein Mensch können gefunden werden, dessen Urteil über das Gute und Schöne als die Stimme der menschlichen Natur wird angesehen werden können. Man sollte anfänglich glauben, daß ein Mann von der größten Erfahrung und Einsicht allemal am besten schreiben würde. Allein ist der Witzige nicht eben so gut ein Mensch; Da ein menschliches Geschlecht von lauter Weisen so wenig das glücklichste wäre als eines von lauter Narren oder Witzigen, sondern das Glück desselben vielmehr in einer Mischung derselben besteht, so kann kein Glied desselben sein Gedanken- und Gesinnungen-System als das Maß des Besten angeben. Seneca und Plinius haben so gut recht als Cicero. Am besten wird derjenige schreiben, der so schreibt wie es die Vernünftigsten derjenigen Klasse gut finden würden die er durch seine Schriften zu belehren gedenkt. Allgemeine Regeln werden sich nie in diesem Stück angeben lassen.

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Die Astronomie ist vielleicht diejenige Wissenschaft, worin das wenigste durch Zufall entdeckt worden ist, wo der menschliche Verstand in seiner ganzen Größe erscheint, und wo der Mensch am besten kennen lernen kann wie klein er ist. Vaezupahc.

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Die kleinsten Unteroffizier sind die stolzesten.

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Bei der Abhandlung von Gespenstern könnte vorzüglich die Neigung der Menschen zum Wunderbaren, das daher entstehende Selbstbelügen, und das Bemühen die Sache wenigstens so vorteilhaft vorzustellen als sie es leidet. Es hat z. B. jemand etwas gesehen. So bald er es für würdig hält zu erzählen, so kann man sicher sein, er wird nichts fehlen lassen den Leuten wenigstens begreiflich zu machen, daß die Sache bemerkenswert gewesen sei. Jedem Kenner des Menschen ist es bekannt wie schwer es ist Erfahrungen so zu erzählen, daß sich in die Erzählung kein Urteil einmischt.

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Ich habe sehr oft schon darüber nachgedacht, worin sich eigentlich das große Genie von dem gemeinen Haufen unterscheidet. Hier sind einige Bemerkungen, die ich gemacht habe. Der gewöhnliche Kopf ist immer der herrschenden Meinung und der herrschenden Mode konform, er hält den Zustand in dem sich alles jetzt befindet für den einzig möglichen und verhält sich leidend bei allem. Ihm fällt nicht ein, daß alles von der Form der Meublen bis zur feinsten Hypothese hinauf in dem großen Rat der Menschen beschlossen werde, dessen Mitglied er ist. Er trägt dünne Sohlen an seinen Schuhen, wenn ihm gleich die spitzen Steine die Füße wund drücken, er läßt die Schuh-Schnallen sich durch die Mode bis an die Zehen rücken, wenn ihm gleich der Schuh öfters stecken bleibt. Er denkt nicht daran, daß die Form des Schuhs so gut von ihm abhängt, als von dem Narren, der sie auf elendem Pflaster zuerst dünne trug. Dem großen Genie fällt überall ein: könnte auch dieses nicht falsch sein? Er gibt seine Stimme nie ohne Überlegung. Ich habe einen Mann von großen Talenten gekannt, dessen ganzes Meinungs-System, so wie sein Meubeln-Vorrat, sich durch eine besondere Ordnung und Brauchbarkeit unterschied, er nahm nichts in sein Haus auf, wovon er nicht den Nutzen deutlich sah, etwas anzuschaffen, bloß weil es andere Leute hatten, war ihm unmöglich. Er dachte, so hat man ohne mich beschlossen, daß es sein soll, vielleicht hätte man anders beschlossen, wenn ich mit dabei gewesen wäre. Dank sei es diesen Männern, daß sie zuweilen wenigstens wieder einmal schütteln, wenn es sich setzen will, wozu unsere Welt noch zu jung ist. Chineser dürfen wir noch nicht werden. Wären die Nationen ganz von einander getrennt, so würden vielleicht alle obgleich auf verschiednen Stufen der Vollkommenheit zu dem sinesischen Stillstand gelangt sein.

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Bei einem Brief an einen guten Freund, der gut geschrieben sein soll, muß immer hauptsächlich der eine Gedanke durch das Ganze hervorsehen: Sie hatten nicht nötig gehabt sich zu bedanken. Im Jetzigen muß das Künftige schon verborgen liegen. Das heißt Plan. Ohne dieses ist nichts in der Welt gut.

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Er weiß am besten, wo ihn der Soccus oder der Kothurn drückt.

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Er mäanderte wohl dreimal um die Stelle herum.

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Er speiste so herrlich, daß 100 Menschen ihr: tägliches Brod gib uns heut davon hätte erfüllt werden können.

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Das Bekehren der Missetäter vor ihrer Hinrichtung läßt sich mit einer Art von Mästung vergleichen, man macht sie geistlich fett, und schneidet ihnen hernach die Kehle ab, damit sie nicht wieder abfallen.

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Vorher war er sehr unordentlich. Es kostete ihn viele Mühe und er tat sich etwas Rechts zugute darauf, daß er drei Wochen hinter einander seine Schere, ein altes Messer, das er oft brauchte, und ein Federmesser an einem gewissen bestimmten Ort beisammen behalten konnte.

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Stade.

Eine Strafe im Traum ist allemal eine Strafe. Vom Nutzen der Träume.

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Der Unterleib hatte gar keine Portion zu dem übrigen.

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Der Mensch vergibt sich nichts ohne etwas zu erwarten, daher das Sammeln des Lohns im Himmel, Geißelung und dergleichen. Die Philosophie des gemeinen Mannes ist die Mutter der unsrigen, aus seinem Aberglauben konnte unsre Religion werden, so wie unsere Medizin aus seiner Hausmittelkenntnis. Er tat etwas ohne Belohnung vorauszusehen, er erhielt sie aber auch ohne sich eines kurz vorhergängigen Verdienstes bewußt zu sein, was war natürlicher als eine Verbindung zwischen jenem Verdienst und dieser Belohnung zu finden? Was konnte für den Religionsstifter wichtiger und was der Gesellschaft nützlicher sein? So wurde der Mensch aus Eigennutz uneigennützig und was ihm das Glück ohnehin zugeführt hätte wurde ihm als eine Bezahlung angerechnet, die ihn noch mehr verpflichtete.

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Die Katholiken bedenken nicht, daß der Glauben der Menschen sich auch ändert, wie überhaupt die Zeiten und Kenntnisse der Menschen. Hier zunehmen und dort stille stehn ist den Menschen unmöglich. Selbst die Wahrheit bedarf zu andern Zeiten wieder einer andern Einkleidung um gefällig zu sein.

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Zwei auf einem Pferd bei einer Prügelei ein schönes Sinnbild für eine Staatsverfassung.

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Ein Mann, der sich in einem engen Felde mit Aufmerksamkeit und Nachdenken beschäftigt hat, wird, wo es nicht auf Geschmack sondern auf Verstand ankommt, gewiß außer diesem Feld gut urteilen, wenn ihm der Fall gehörig vorgestellt wird, da der andere der vielerlei weiß nirgends recht zu Hause ist. Wenn sich eine mannigfaltige Kenntnis heutzutage nicht so leicht aus Büchern erwerben ließe, ohne andere Anstrengung, als allein des Gedächtnisses, so ließe sich noch eher etwas dafür sagen, da aber dieses gewiß immer der Fall ist, so ziehe ich schon aus diesem Grund eine geringe aber deutliche Kenntnis vor.

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Zeit urbar machen.

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Du fragst mich Freund welches besser ist, von einem bösen Gewissen genagt zu werden oder ganz ruhig am Galgen zu hängen?

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Ist denn kein Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Schinderei?

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Als der brave Mann tod war, so trug dieser den Hut, der den Degen so wie er, der ließ sich so frisieren, jener ging wie er, aber der redliche Mann wie er wollte keiner mehr sein.

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Wir können beim Anblick einer Sache uns nicht enthalten wenigstens etwas von der Sache zu urteilen, auch dieses tun wir bei Menschen, darauf hat einer eine Physiognomik gebaut.

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So wie Julius Caesar einen Brief schreiben und zugleich etliche diktieren konnte, so hatte er die Gabe einen Takt zu tretten und in einem andern Magentropfen in einen Löffel zu zählen.

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Die Bauern (Deutsche) saßen da und waren ungestört frei, eine schöne Gelegenheit, wenn es von einem reisenden Deutschen in England wäre gesehen worden, uns von neuem die Freiheit, Großmut und Gott weiß was der Engländer mit einem Beispiel zu belegen.

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Die Vergnügen der Einbildung sind gleichsam nur Zeichnungen und Modelle, womit die armen Leute spielen, die sich die andern nicht anschaffen können.

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Er redete oft an Orten sehr frei wo jedermann eine heilige Miene annahm, dafür predigte er aber die Tugend wiederum an Orten, wo sie sonst kein Mensch predigte.

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Wie leicht Eigenliebe, ohne daß wir es merken, die Triebfeder mancher uns von derselben ganz independent scheinenden Handlung sei, können wir daraus sehen, daß Leute das Geld lieben können als Geld ob sie gleich nie Gebrauch davon machen.

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Gäbe es nur lauter Rüben und Kartuffeln in der Welt, so würde einer vielleicht einmal sagen, es ist schade daß die Pflanzen verkehrt stehen.

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Die Indianer nennen das höchste Wesen Pananad oder den Unbeweglichen weil sie selbst gerne faulenzen.

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Er spricht mit dem Maule wie der Franzose, mit Handlungen wie der Engländer, mit den Achseln wie der Italiäner oder mit allen dreien, wie der Deutsche.

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Ich kann es wohl begreifen aber nicht anfassen und umgekehrt.

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Wenn jemand auf die Ärzte, auf Advokaten oder die elenden Philosophen loszieht, so lachen die Vernünftigen unter denselben mit. Allein wenn man auf einen schlechten Geistlichen loszieht, deren es doch gewiß mehrere gibt als schlechte Leute in irgend einer Fakultät, deswegen weil es schwerer ist ein guter zu sein, so werfen selbst gute Männer unter ihnen mit Eifer und Verfolgung um sich.

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Die Steine und Mineralien dienen nur von Füßen getretten zu werden, und den Tieren und Pflanzen gleichsam unterwürfig zu sein, sagt Buffon. Allein wo liegt der Quell der Kräfte der jene bewegt? Und würde eine Laus, wenn sie Vernunft hätte, nicht ebenso von Fleisch und Blut urteilen?

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Daß die großen Herrn sich den Regen noch nicht eigen gemacht haben ist ein Glück, mit den Gewittern könnten sie es tun.

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Ich habe einmal in Stade eine Ruhe mit einem heimlichen Lächeln in dem Gesicht eines Kerls erblickt, der seine Schweine glücklich in eine Schwemme gebracht hatte worein sie sonst ungern gingen, desgleichen ich nachher nie wieder gesehen habe.

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Die oft schon gemachte Betrachtung, daß einem jeden das Seine am besten gefällt, ließe sich noch einmal recht lebhaft und mit vieler Philosophie behandeln.

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Es gibt Materien in der Welt die sich am füglichsten in Registern, andere die sich in Noten, wieder andere, die sich fast allein in Dedikationen sagen lassen. Andere nehmen sich im Vorbeigehen gesagt am besten aus. Zu einer Vorrede habe ich diejenige für die schicklichste befunden, die ich sogleich abhandeln will und gewiß allemal abhandeln werde, sollte ich auch noch hundert Vorreden schreiben.

Soliloquium des Lesers.

Wer bist du der du nachstehendes Büchelchen lesen willst? Belüge dich ja selbst nicht, alles aufrichtig gestanden.

Sehr wohl, da du nun dieses bist und nichts weiter, glaubst du auch daß es Leute geben kann die etwas anders sind?

Dieses zugestanden. Hältst du diese Leute für besser oder für schlechter als dich, da sie Fleisch und Blut wie du, fünf Sinne haben wie du, da sie auf derselben Erde stehen, da ihre Meinungen sich auch unter dem Mond und in einer Form von derselben Masse formiert haben wie die deinigen?

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Der Magnet diente anfänglich nur den Taschenspielern.

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Ich kann es keinem Mädchen verdenken, wenn sie sich in ihrer Wahl eines Gemahls nicht nach dem Willen der Eltern richtet. Soll sie etwas, das sie so oft im Spiegel beschaut, woran sie so oft poliert und geputzt hat, dessen Auszierung, Pflegung und Erhaltung so lange ihre einzige Sorge gewesen ist, soll sie das jemanden hingeben, den sie nicht leiden kann?

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Sie hatten bei dem jungen Menschen die eigentliche Pfropf-Zeit vorbeistreichen lassen, und es wollte nichts mehr auf dem wilden Stamm bekleiben.

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Was geht es dich an was der Grund dieser guten Tat bei diesem Manne gewesen sein mag? Wenn auch nicht Neid die Quelle der Tat gewesen ist, so kann es doch das Vergnügen, beneidet zu werden, sein. Nicht der eigne Neid also, sondern der Neid andrer. Z. U.

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Glaubt ihr etwa, eure Überzeugung habe ihre Stärke den Argumenten zu danken? Ihr irrt sicherlich, sonst müßte jeder, der sie hört, überführt werden, so gut als ihr. Voltaire ist verblendet, sagen die Theologen, und er sagt: ihr seid verblendet. Da sie gar nicht gerichtlich dartun können, daß sie mehr Vernunft haben als er, und er mehr Weltkenntnis und Philosophie besitzt als sie, so ist noch ein Übergewicht auf seiner Seite. Man kann so gut für als wider einen Satz verblendet sein. Gründe sind öfters und meistenteils nur Ausführungen von Ansprüchen, um etwas, das man in jedem Fall doch getan haben würde, einen Anstrich von Rechtmäßigkeit und Vernunftmäßigkeit zu geben. Es scheint die Natur habe eine so nötige Sache, als ihr die Überzeugung beim Menschen war, nicht gern auf Vernunftschlüsse allein ankommen lassen wollen, indem diese leicht betrüglich sein können. Der Trieb kommt uns, dem Himmel sei es gedankt, schon über den Hals, wenn wir oft mit dem Beweis der Nützlichkeit und Nötigkeit noch nicht halb fertig sind.

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Ich bemerkte würklich auf seinem Gesicht den Nebel, der allezeit während des Wonnegefühls aufzusteigen pflegt das man hat, wenn man sich über andere erhaben zu sein glaubt.

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Es gibt Menschen die nicht so wohl schön schreiben, als vielmehr jedem decennio und saeculo das Modegesicht ablernen können, daß der Teufel selbst glauben sollte sie schrieben von Natur so. Es mag stürmen wie es will, so schwimmen verzwickte Bälge immer oben. Ich mag immer den Mann lieber, der so schreibt daß es Mode werden kann, als den der so schreibt wie es Mode ist.

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Sie tun die Taten und wir übersetzen die Erzählungen davon ins Deutsche.

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Große Leute fehlen auch, und manche darunter so oft, daß man fast in die Versuchung gerät sie für kleine zu halten.

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Jemand wollte einmal seinen Fliegen in der Stube den Zucker abgewöhnen, und das hat ihn über ein halbes Pfund Zucker gekostet, und doch kamen noch immer welche, die ihn nicht verschmähten.

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Wenn jemand etwas sehr gerne tut, so hat er fast immer etwas in der Sache was die Sache nicht selbst ist. Dieses ist eine Bemerkung, die eine tiefsinnige Untersuchung durch den nützlichen Erfolg belohnen würde. (πμ)

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Mit wollüstiger Bangigkeit.

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Bei einem kleinen Werkchen denke ich immer, das ist nur ein Späh-Büchelchen, wodurch er Ankergrund für ein größeres suchen läßt.

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Das Gute ist deswegen so schwer in allen Wissenschaften und Künsten zu erreichen weil ein gewisser festgesetzter Punkt erreicht werden soll; etwas nach einer vorgesetzten Regel schlecht zu machen wäre ebenso schwer, wenn es anders alsdann noch den Namen des Schlechten verdient.

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Nicht Größe des Geistes sondern des Windes hat ihn zu dem Manne gemacht.

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Berechnung wie viel jünger man wird, wenn man des Morgends um 3 Uhr aufsteht.

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Wenn man nun einmal in der Welt anfangen wollte, das bloß Nötige zu tun, so müßten Millionen Hungers sterben.

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Die Menschen können nicht sagen, wie sich eine Sache zugetragen, sondern nur wie sie meinen, daß sie sich zugetragen hätte.

D

Inhaltsverzeichnis

Warum gefällt eigentlich Witz so sehr?

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Es ist nicht Lasterhaß, sondern Halseisen-Furcht. oder so Wer kann in jedem Fall Tugend von Halseisen-Furcht unterscheiden?

IIM

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Unsere Gesinnungen sind so unterschieden als unsere Gesichter, denn wer will uns beweisen, daß unsere inneren Werkzeuge zumal des Gehirns nicht merklich unterschieden sind? Wie mannichfaltig sind die Vorfälle des Lebens aus denen hernach Gesinnungen und Meinungen werden. Sie sind deswegen immer menschlich. Die meisten Menschen nehmen die Meinungen an, so wie sie von andern gemacht worden sind. Der Deutsche geht hierin unbegreiflich weit. In England hat beinah jedermann seine eigne Meinung. Ich sage damit nicht, daß jeder eine verschiedene habe. Dieses gibt der Urteilskraft ein leichteres Spiel, gelernte Meinungen hingegen schränken sie ein. In dem neuen Land könnte man die Masken der Kinder in kupferne Formen zwingen. Wir sollten uns bemühen Facta kennen zu lernen und keine Meinungen, hingegen diesen Factis eine Stelle in unserm Meinungen-System anweisen. Man räsoniere nur einmal selbst über die gemeinsten Dinge, hüte sich aber ja etwas hineinzubringen, was die Meinung eines andern war, wenigstens muß sie nicht qua talis hinein, wenn sie nicht die unsrige ist. Es ist unglaublich was sich die Menschen Dinge einander nachbeten können. Der größte Mann, der alles auf seiner eignen Waage wiegt was er ausgibt, glaubt sich einmal einen Augenblick allzu sicher und legt etwas hin, das er nicht gewogen hat. Wo ich nicht sehr irre, so liegt hierin eigentlich der Unterschied des großen und des schlechten Schriftstellers, daß jener mit eignen geübten Kräften aus Factis räsoniert, und dieser die verstümmelten Meinungen anderer mit nicht genugsam geübten verbindet. Ein schlechter Schriftsteller ist von dem guten nicht dem Grade nach unterschieden, daher gibt es große schlechte Schriftsteller. Daß die Geschichte eine Lehrmeisterin des Lebens sei ist ein Satz der gewiß von vielen ununtersucht nachgebetet wird. Man untersuche einmal, wo die Menschen, die sich durch ihren Verstand gehoben haben, ihren Verstand herhaben. Sie holen ihn in den Affairen selbst, da wo die Begebenheiten sind und nicht da wo sie erzählt werden. Man kann sehr viel gelesen haben und wenig Verstand zeigen. Die Geschichte sollte die Begebenheiten so erzählen, aber welcher Geschichtschreiber kann dieses tun? Sie belohnt vielmehr die großen Taten, sie kann anflammen. Wenn sie sagt, der Held bei Minden ist ein großer Mann, so schallt es durch Jahrtausende durch, ohne sie würden jene den Klang seines Ruhmes so wenig hören, als sie den Donner seiner Batterien gehört haben. Ein gemeiner Mann kann aber nach der Art über einen Gegenstand schreiben nach welcher ein großer Mann darüber schreibt, ob sie gleich nicht dasselbe schreiben.

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Er hat den Galgen nicht auf dem Buckel, aber in den Augen.

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Schwachheiten schaden uns nicht mehr sobald wir sie kennen.

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Manches an unserm Körper würde uns nicht so säuisch und unzüchtig vorkommen wenn uns nicht der Adel im Kopf steckte.

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Man ist nur gar zu sehr geneigt zu glauben, wenn man etwas Talent besitzt, Arbeiten müßte einem leicht werden. Greife dich immer an, Mensch, wenn du etwas Großes tun willst.

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Allzeit: Wie kann dieses besser gemacht werden?

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Lehre mich wie ich meinen heilsamen Entschlüssen Kraft gebe, lehre mich mit Ernst wollen was ich will, lehre Standhaftigkeit wenn die Stürme des Schicksals oder ein aufgestreifter weißer Arm meinen Bau von 3 Jahren beben machen. Lehre mich dem Menschen in das Herz zu reden, ohne daß mein Ausdruck in dem brechenden Mittel seines Gesinnungs-Systems eine andere Richtung nimmt, und dann gib mir noch Horazens Geist, und dein Ruhm soll durch Jahrtausende durch schallen.

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Eine Uhr, die ihrem Besitzer immer um Viertel zuruft Du ... um halb Du bist – – um ¾ Du bist ein ... und wenn es voll schlägt: Du bist ein Mensch.

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Eine Fleder-Maus könnte als eine nach Ovids Art verwandelte Maus angesehen werden, die, von einer unzüchtigen Maus verfolgt, die Götter um Flügel bittet, die ihr auch gewährt werden.

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Das ist wahr, meine Schuh kann ich mir nicht selbst machen, aber ihr Herrn, meine Philosophie laß ich mir nicht zuschreiben. Meine Schuh will ich mir allenfalls selbst machen lassen, das kann ich selbst nicht.

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Er pflegte das die Abweichung der Leidenschaften zu nennen, wenn er etwas mit Hitze wollte, was unter oder über das Maximum der bürgerlichen Glückseligkeit fiel.

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Was heißt schwätzen? Schwätzen heißt mit einer unbeschreiblichen Geschäftigkeit von den gemeinsten Dingen, die entweder schon jedermann weiß oder nicht wissen will, so weitläuftig sprechen, daß darüber niemand zum Wort kommen kann, und jedermann Zeit und Weile lang wird. Die deutsche Sprache ist sehr arm an Wörtern für Handlungen die sich so zu andern Handlungen des vernünftigen Mannes verhalten wie Geschwätz zur zweckmäßigen vernünftigen Unterredung. So fehlt es uns an einem solchen Wort für rechnen.

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Die Komödie bessert nicht unmittelbar, vielleicht auch die Satyre nicht, ich meine man legt die Laster nicht ab, die sie lächerlich macht. Aber das können sie tun, sie vergrößern unsern Gesichtskreis, vermehren die Anzahl der festen Punkte aus denen wir uns in allen Vorfällen des Lebens geschwinder orientieren können.

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Auch ich bin erwacht Freund, und zu dem Grad der philosophischen Besonnenheit gekommen, wo Liebe zur Wahrheit die einzige Führerin ist, wo ich allem was ich für Irrtum halte mit dem mir verliehenen Licht entgegengehe, ohne grade laut zu sagen, das halte ich für Irrtum, und noch weniger, das ist Irrtum.

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Eine Vergleichung zwischen dem was man denkt und dem was man sagt anzustellen. Man kann es sagen ohne deswegen den Staupbesen zu fürchten, daß die Hälfte der Einwohner den Staupbesen bekommen würden, wenn sie öffentlich sagten was sie denken, und doch ist der Mensch das was denkt und nicht das was sagt. Zwo Personen, die sich einander komplimentieren, würden einander an den Köpfen kriegen, wenn sie wüßten was sie von einander denken.

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Men would be angels, angels would be Gods. Man hält immer das für verdienstlicher was einem sauer wird, dieses fließt aus einer Verachtung seines gegenwärtigen Zustandes, daher kommen die vielen Stümper, der Schnallengießer will die Meeres-Länge erfinden. Tue das was dir leicht wird, wovon du gern immer sprächest, wozu du gern jedermann brächtest wenn du könntest, wovon du dir deine eignen Vorstellungen machst, die andern Leuten zuweilen nicht in den Kopf wollen und die sie fremd und seltsam finden. Weiter muß man gehen, allerdings, allein es muß sich gleichsam von selbst geben, man muß glauben immer dasselbe zu tun und zur Verwunderung anderer Leute sehr viel mehr tun. Es ist ein Unglück wenn ein Mann von Fähigkeiten durch Empfehlungen von Männern, deren Begriffe von ihm etwas zu groß sind, in ein Amt kommt, wo man etwas Außerordentliches von ihm erwartet, das er noch nicht leisten kann. Es ist immer besser, daß das Amt geringer ist als die Fähigkeiten. Wer oft dasselbe tut, kommt darin weiter, aber nicht der der sich vornimmt Dinge zu tun die von seinen gegenwärtigen Verrichtungen verschieden sind. Dieses könnte mit der Einleitung gesagt werden, daß man aus Erfahrungen reden müsse, wenn man lehren wolle, sein eignes Leben auf diese Art beschreiben fruchtet mehr für andere, als hundert Kaiserhistorien. – Wenn man sagt: man müsse Geschichtbücher lesen um die Menschen kennen zu lernen, so muß man nicht glauben man verstehe jene feinen, ins Verschlagene fallenden Künste darunter, die lernt man wohl allein in der Gesellschaft, und gewiß sicherer und schneller.

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Der Gedanke hat in dem Ausdruck noch zu viel Spielraum, ich habe mit dem Stockknopf hingewiesen, wo ich mit der Nadelspitze hätte hinweisen sollen.

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Es scheint als wenn Herr S.., der durch das Tor der Geschichte in den Tempel des Ruhms gekommen, sich nun wieder durch das Türchen der Dichtkunst hinausschleichen wollte.

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Die Zeitungsschreiber haben sich ein hölzernes Kapellchen erbaut, das sie auch den Tempel des Ruhms nennen, worin sie den ganzen Tag Porträte anschlagen und abnehmen und ein Gehämmer machen, daß man sein eignes Wort nicht hört.

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Armer Teufel, wo du jetzt bist, da bin ich längst gewesen.

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Bilder wie: die Offenherzigkeit schlägt der Dankbarkeit ins Gesicht.

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Laß dich nicht anstecken, gib keines andern Meinung, ehe du sie dir anpassend gefunden, für deine aus; meine lieber selbst.

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Man kann sicher bei verschlossenen Augen in das erste beste Buch den Finger auf eine Zeile legen, und sagen, hierüber ließe sich ein Buch schreiben. Wenn man die Augen auftut, so wird man sich selten betrogen finden.

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So närrisch als es dem Krebse vorkommen muß wenn er den Menschen vorwärts gehen sieht.

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Alles bis auf das äußerste hinaus zu verfolgen, so daß nicht die geringste dunkle Idee zurückbleibt, mit Versuchen die Mängel daran zu entdecken, sie zu verbessern, oder überhaupt zu dieser Absicht etwas Vollkommneres anzugeben, ist das einzige Mittel uns den so genannten gesunden Menschen-Verstand zu geben, der der Haupt-Endzweck unsrer Bemühungen sein sollte. Ohne ihn ist keine wahre Tugend. Er macht allein den großen Schriftsteller, scribendi recte sapere est et principium et fons. Man muß nur wollen, war der Grundsatz des Helvetius.

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Was sind unsere Gedanken und Vorstellungen, die wir wachend haben, anders, als Träume, wenn ich wachend an meine verstorbene Freunde gedenke, so geht die Geschichte fort ohne daß mir nur einmal einfällt sie seien tod, so wie im Traum, ich stelle mir vor ich hätte das große Los gewonnen, in dem Augenblick habe ich es, der hinten drein kommende Gedanke, daß ich es nicht gewonnen habe, wird erst hinten angetroffen als eine Urkunde zum Beweis des Gegenteils. Der würkliche Besitz eines Guts gewährt uns zuweilen Vergnügen die nicht stärker sind als die uns die bloße Vorstellung, wir besäßen es, gewährt. Unsere Träume können wir sanfter machen, wenn wir des Abends kein Fleisch essen, aber die andern? – –

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Heutzutage machen drei Pointen und eine Lüge einen Schriftsteller.

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Die Einwohner von Uliettea sandten dem Herrn Cook ein Mädchen und ein Schwein zum Zeichen der Freundschaft. Mittel gegen beide Arten von Hunger.

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Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Schicksals.

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Die Eingießung des Lebens in den Menschen ist gleichsam der Stoß, der sie in Bewegung setzt, die immer würkende Friktion reizt ihn zur Ruhe. Daher entsteht der Hang zum Läppischen. Obgleich dem Menschen das Denken so natürlich ist als dem Ochsen das Wiederkäuen, so hat er sich nunmehr ein Geschäfte daraus gemacht. Das Gute wird dem Menschen schwer.

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Der Mensch ist vielleicht halb Geist und halb Materie, so wie der Polype halb Pflanze und halb Tier. Auf der Grenze liegen immer die seltsamsten Geschöpfe.

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Er ist in sein Unheil eingegangen. Wer wird jedermann gleich anpfuien?

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Er hat mich einiger Fäden des frömmsten Geifers gewürdigt und sein geweihtes Pfui über mein Werkgen ausgespuckt.

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Wörter die recht herumgezerrt worden sind, dazu gehören unstreitig die Wörter Butterbrod, Philosophie, Laune.

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Sich in einen Ochsen verwandeln ist noch kein Selbst-Mord.

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Ich bin nun nicht mehr Geselle, als Mensch betrachtet, ich verarbeite selbst Meinungen so gut ich kann, wenn sie nicht abgehen, so ist es mein Schaden. Aber meine Schuld? das ist eine andere Frage.

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Acht Bände hat er geschrieben. Er hätte gewiß besser getan er hätte 8 Bäume gepflanzt oder 8 Kinder gezeugt.

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Bei Ausarbeitungen habe vor Augen Zutrauen auf dich selbst, edlen Stolz und den Gedanken, daß andere nicht besser sind als du, die deine Fehler vermeiden und dafür andere begehn, die du vermieden hast.

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Ein rechtes Sonntagskind in Einfällen.

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Die Attraktion scheint bei der leblosen Materie das zu sein, was die Selbstliebe bei der lebendigen ist.

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Zur Verteidigung des Witzes. In bequemeren Zeitaltern, als unser gegenwärtiges ließ man den Himmel durch die Philosophie befragen warum er das Böse geschaffen hätte, da es etwas höchst Unangenehmes wäre. Unser gegenwärtiges ernsthaftes Dezennium wird ihn hoffentlich bald befragen warum er die bunten Schmetterlinge und den Regenbogen hat werden lassen, der offenbar zu weiter nichts da ist, als daß sich die Gassenjungen und Mädchen darüber freuen, oder ein physikalischer Müßiggänger in Betrachtungen darüber gerät.

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Allein so geht es, wenn man die Gelehrten ums Himmels willen bittet eine demütigste Vorstellung zu Herzen zu nehmen – kaum haben sie sie gelesen, grad geht sie nach dem Kopf.

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Daß die Seele nach dem Tode übrig bleibt, ist gewiß erst geglaubt und hernach bewiesen worden. Dieses zu glauben ist nicht seltsamer, als Häuser für einen einzigen Mann bauen, darin ihrer hundert Platz haben, ein Mädchen eine Göttin und einen gekrönten Wackermaul unsterblich zu nennen. Der Mensch ist kein künstlicheres Geschöpf, als die andern, er weiß es nur daß er ist und daraus läßt sich alles erklären, und wir tun wohl diese Eigenschaft unseres Geistes allen übrigen Eigenschaften eines Geistes vorzuziehen, da wir in der Welt die einzigen sind, die uns dieses streitig machen könnten.

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Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, das heißt vermutlich der Mensch schuf Gott nach dem seinigen. Sieh unten p. 34

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Heutzutage haben wir schon Bücher von Büchern und Beschreibungen von Beschreibungen.

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Eine affektierte Ernsthaftigkeit, die sich endlich in einer moralischen Lähmung der Gesichtsmuskeln endigt.

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Was die Spannung der Triebfedern in uns am meisten hemmt, ist andere Leute im Besitz des Ruhms zu sehen, von deren Unwürdigkeit man überzeugt ist.

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Der gute Schriftsteller ist der der viel und lange gelesen und nach 100 Jahren noch in allerlei Format aufgelegt und eben dadurch das Vergnügen des Menschen im allgemeinen wird. Das ganze menschliche Geschlecht lobt nur das Gute, das Individuum oft das Schlechte.

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Die Genies brechen die Bahnen, und die schönen Geister ebnen und verschönern sie. Eine Wegverbesserung in den Wissenschaften wäre anzuraten, um desto besser von einer zu den andern kommen zu können.

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Es ist mit dem Witz wie mit der Musik, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man.

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Es ist eine Bemerkung die ich durch vielfältige Erfahrung bestätigt gefunden habe, daß unter Gelehrten diejenigen fast allezeit die verständigsten sind, die nebenher sich mit einer Kunst beschäftigen oder wie man im Plattdeutschen sagt klütern.

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Erstlich glaube ich nicht, daß ich auf die Nachwelt komme, und dann sind wir ja die Väter der Nachwelt und die wird uns gewiß ihren kindlichen Respekt nicht versagen. Ich kann nicht begreifen warum man sich mehr vor ihr als vor dieser Welt schämen soll.

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Der gesunde Gelehrte, der Mann bei dem Nachdenken keine Krankheit ist.

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Was auf Shakespearisch in der Welt zu tun war hat Shakespear größtenteils getan.

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Unsere Erde ist vielleicht ein Weibchen.

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Das ist eine Arbeit wobei sich glaube ich die Gedult selbst die Haare ausrisse.

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Weil doch nun einmal Geld in der Welt dasjenige ist was macht, daß ich das Kinn höher trage, freier aufsehe, sicherer auftrete, härter an andere anlaufe.

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Die Professoren auf Universitäten sollten Schilde aushängen wie die Wirte.

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Man könnte eine Diätetik schreiben für die Gesundheit des Verstandes.

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Jeder Mensch hat seinen Zirkel von Kenntnissen, worin er sich besser zu finden weiß als der meiste Teil unsrer Philosophen sich in den ihrigen zu finden wissen. In diesem bemerkt er das Lächerliche, das Feine, das Dumme, das Überflüssige in einem Blick, und wie kann es anders sein, wenn ich die Absicht einer Sache kenne, und habe mir eine Kenntnis der bekannten Mittel erworben, so muß es mir leicht sein das Falsche in neuen Mitteln einzusehen. Wenn ich einem Küchen-Mädchen eine Beschreibung von einem Gericht geben will, und sagte ihr daß es ein cürieuses Essen und von einem besondern Wohlschmack sei, und daß man Grütze auf den Rand der Schüssel streuen könne, so wird sie mich sicher auslachen. Viele Schriftsteller behandeln ihre Materien auf diese Art, das Widersinnige ist ihnen verborgen. Wenn man also Personen etwas begreiflich machen will, so muß man sich der Beispiele aus ihrem Zirkel bedienen, und wiederum kann man aus diesen Erfahrungen lernen was man zu tun hat um eine gewisse Wissenschaft sich zu seinem Zirkel zu machen.

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Es wäre kein Wunder fürwahr wenn die Zeit einem solchen Schurken das Stundenglas ins Gesicht schmisse.

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Sind wir nicht schon einmal auferstanden? Gewiß aus einem Zustand in welchem wir weniger von dem gegenwärtigen wußten, als wir in dem gegenwärtigen von dem künftigen wissen. Wie sich verhält unser voriger Zustand zu unserm jetzigen, so der jetzige zum künftigen.

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Wenn ich sage, halte deine Zähne rein und spüle den Mund alle Morgen aus, das wird nicht so leicht gehalten, als wenn ich sage, nehme die beiden Mittelfinger dazu und zwar über das Kreuz. Des Menschen Hang zum Mystischen. Man nütze ihn.

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Ich habe bemerkt, daß zwar jetzt eine gewisse Freigeisterei unter jungen Leuten einreißt, die mit der Zeit üble Folgen haben kann, aber so viel ist gewiß, es hat sich doch ein gewisses Wohlwollen unter eben diesen Leuten ausgebreitet. Man findet viel Mitleiden, Bescheidenheit pp unter ihnen.

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Wenn man über dieses anfängt zu sprechen, so wird es plausibel, denkt man aber daran, so findet man daß es falsch ist. Der erste Blick, den ich im Geist auf eine Sache tue, ist sehr wichtig. Unser Geist übersieht die Sache dunkel von allen Seiten, welches oft mehr wert ist, als eine deutliche Vorstellung von einer einzigen.

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Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, sagt die Bibel, die Philosophen machen es grade umgekehrt, sie schaffen Gott nach dem ihrigen.

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Ich glaube der schlechteste Gedanke kann so gesagt werden, daß er die Wirkung des besten tut, sollte auch das letzte Mittel dieses sein ihn einem schlechten Kerl in einem Roman oder Komödie in den Mund zu legen.

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Ob ein Mann, der schreibt, gut oder schlecht schreibt, ist gleich ausgemacht, ob aber einer, der nichts schreibt und stille sitzt, aus Vernunft oder aus Unwissenheit stille sitzt, kann kein Sterblicher ausmachen.

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Ein Impromptu an dem er schon ein paar Tage zuvor in müßigen Stunden gearbeitet hatte.

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Die Bauernmädchen gehen barfuß, und die Vornehmen barbrust.

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Wenn die Menschen nicht in Etagen wohnten, so wäre die halbe Erde schon mit Häusern angefüllt, so bauen wir schon in die Luft wo wir nicht hingehören.

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Ich stelle mir vor, wo wir an die uns gesetzten Grenzen der Dinge kommen oder noch ehe wir daran kommen, so können wir ins Unendliche sehen, so wie wir auf der Oberfläche der Erde in den unermeßlichen Raum hinaussehen.

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Man muß keinem Werk, hauptsächlich keiner Schrift die Mühe ansehen, die sie gekostet hat. Ein Schriftsteller der noch von der Nachwelt gelesen sein will muß es sich nicht verdrüßen lassen, Winke zu ganzen Büchern, Gedanken zu Disputationen in irgend einen Winkel eines Kapitels hinzuwerfen, daß man glauben muß, er habe sie zu Tausenden wegzuschmeißen.

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Wo sich ein Körper bewegt, da ist Raum und Zeit, das simpelste empfindende Geschöpf in dieser Welt wäre also das Winkel und Zeiten messende. Unser Hören und vielleicht auch unser Sehen besteht schon in einem Zählen von Schwingungen.

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Daß die Menschen alles aus Interesse tun, ist dem Philosophen nützlich zu wissen, er muß nur nicht darnach handeln, sondern seine Handlungen nach dem Weltgebrauch einrichten. So wie ein guter Schriftsteller nicht von dem gewöhnlichen Gebrauch der Wörter abgeht, so muß auch ein guter Bürger nicht gleich von dem Handlungsgebrauch abgehen, ob er gleich vieles gegen beides einzuwenden hat. Ich bin so sicher überzeugt, daß der Mensch alles seines Vorteils wegen (dieses Wort gehörig verstanden) tut, daß ich glaube es ist zu Erhaltung der Welt so nötig als die Empfindlichkeit zu Erhaltung des Körpers. Genug daß unser Vorteil so sehr oft nicht erhalten werden kann ohne 1000 glücklich zu machen, und unsere erste Ursache das Interesse eines Teils so weislich mit dem Interesse vieler andern zu verbinden gewußt hat.

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Über den Neger-Embryo in Spiritus

Da liegt er noch in der Stellung, worin er Leben und Tag erwartete, Leben und Tag, die dem Armen nie erschienen. Kind wie glücklich bist du, schon so früh an dem Ziel, das Tausende deiner Brüder unter blutigen Striemen, unter Leiden ohne Zahl erst erreichen.

Armer Kleiner, wie glücklich bist du, die Ruhe die du genießest müssen sich Tausende deiner unglückseligen Brüder mit Blut unter der Geißel nichtswürdiger Krämer erkaufen. Nichts, nichts hast du an dieser Welt verloren, wo deine Rechte verkauft sind, und wo dein Herr ein Krämer gewesen wäre. Auch für ihn wäre es besser gewesen, der deine Kette schon bereit hielt, er hätte wie du den Tag nicht gesehen.

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Bei wachender Gelehrsamkeit und schlafendem Menschen-Verstand ausgeheckt.

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Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.

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Daß der Mensch das edelste Geschöpf sei läßt sich auch schon daraus abnehmen, daß es ihm noch kein anderes Geschöpf widersprochen hat.

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Es läßt sich ohne sonderlich viel Witz so schreiben, daß ein anderer sehr vielen haben muß es zu verstehen.

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Alle Tiere, die etwas mit den Pfoten fassen können, können es auch mit dem Kopf, Affen, Papageien, Biber.

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Einer unsrer Voreltern muß in einem verbotenen Buch gelesen haben.

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Die Täfelchen von Chocolade und Arsenik worauf die Gesetze geschrieben sind.

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Vielleicht gehören die eigentlichen Dichter nur in die rohen Zeiten, jetzt da diese nicht mehr sind müssen wir auch andere Dichter haben.

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Der Witz wird mit den Jahren stumpf, andere Kenntnisse bleiben.

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Es muß untersucht werden, ob es überhaupt möglich etwas zu tun ohne sein eignes Bestes immer dabei vor Augen zu haben.

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Der Mangel an Ideen macht unsere Poesie jetzt so verächtlich. Erfindet wenn ihr wollt gelesen sein. Wer Henker wird nicht gern etwas Neues lesen?

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Man kann eine Sache wieder so sagen wie sie schon ist gesagt worden, sie vom Menschenverstand weiter abbringen, oder sie ihm nähern, das erste tut der seichte Kopf, das zweite der Enthusiast, das dritte der eigentliche Weltweise.

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Wenn du auch schon einmal in dem Zustand gewesen bist, so wirst du mich beneiden, lieber Leser, wo nicht, für einen Narren halten.

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Der oft unüberlegten Hochachtung gegen alte Gesetze, alte Gebräuche und alte Religion hat man alles Übel in der Welt zu danken.

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Bei noch jungfräulicher Vernunft.

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Musik war in der ersten Zeit Lärm, Satyre war Pasquille. Alles verfeinert sich. Hier und da sieht man nur noch die Geister der abgeschiedenen Wissenschaft.

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Wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, so empfindet man ein gewisses Ichweißnichtwas, eine Ruhe, so etwas von einer wollüstigen Abspannung der Fibern, die mit derjenigen etwas Ähnliches hat, die man empfindet wenn man nach einer Partie Schach anfängt Gänsespiel zu spielen. Ihr könnt freilich nichts dazu, daß ihr es noch nicht wißt.

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Er wurde toll, eine ewige Warnung für die Klugen.

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Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?

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In den vorigen Zeiten achtete man auf Kometen und Nordscheine um andere Bedürfnisse zu befriedigen. Aberglauben trieb damals den Beobachter, jetzt tut es Ehrgeiz und Wißbegierde.

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Der Philosoph setzt sich oft über die Großen der Erde weg mit einem Gedanken, der Große setzt sich über sie weg und fühlt es.

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Die Welt muß noch nicht sehr alt sein, weil die Menschen noch nicht fliegen können.

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Ich glaube kaum, daß es möglich sein wird zu erweisen, daß wir das Werk eines höchsten Wesens, und nicht vielmehr zum Zeitvertreib von einem sehr unvollkommenen sind zusammengesetzt worden.

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Je mehr man in einer Sprache durch Vernunft unterscheiden lernt, desto schwerer wird einem das Sprechen derselben. Im Fertig-Sprechen ist viel Instinktmäßiges, durch Vernunft läßt es sich nicht erreichen. Gewisse Dinge müssen in der Jugend erlernt werden, sagt man, dieses ist von Menschen wahr, die ihre Vernunft zum Nachteil aller übrigen Kräfte kultivieren.

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Es gibt Leute die nicht sowohl Genie als ein gewisses Talent besitzen dem Jahrhundert oder wohl gar dem Dezennium seine Wünsche abzumerken, noch ehe es sie tut.

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Ich weiß gar nicht was ihr Leute wollt. Ich bin gar nicht einmal willens ein großer Mann zu werden, und das hättet ihr mich wenigstens erst einmal vor der Hand fragen müssen. Meint ihr denn um einem Sünder einmal mit der Geißel über den Wirbel zu hauen müsse man eine Löwen-Force besitzen? Man braucht kein großer Mann zu sein um jemand die Wahrheit zu sagen und ein Glück für uns, daß auch der arme Teufel Wahrheiten sagen kann.

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Wenn wir mehr selbst dächten, so würden wir sehr viel mehr schlechte und sehr viel mehr gute Bücher haben.

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Ich wünschte sehr ein wohlgetroffenes Porträt von Christo zu haben. Hätte man doch Münzen von ihm.

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Man muß nie denken, dieser Satz ist mir zu schwer, der gehört für die großen Gelehrten, ich will mich mit den andern hier beschäftigen, dieses ist eine Schwachheit die leicht in eine völlige Untätigkeit ausarten kann. Man muß sich für nichts zu gering halten.

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So wird uns der Vetter Engel und der Vetter Affe auslachen.

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Es gibt heuer eine gewisse Art Leute, meistens junge Dichter die das Wort Deutsch fast immer mit offnen Naslöchern aussprechen. Ein sicheres Zeichen daß der Patriotismus bei diesen Leuten sogar auch Nachahmung ist. Wer wird immer mit dem Deutschen so dicke tun? Ich bin ein deutsches Mädchen, ist das etwa mehr als ein englisches, russisches oder otaheitisches? Wollt ihr damit sagen daß die Deutschen auch Geist und Talent besitzen? O das leugnet nur ein Unwissender oder ein Tor. Ich stelle mich zum Beweis, wenn er sich zur Behauptung stellt. Er sei Prinz, Duc, Bischof, Lord, Aldermann, Don oder was er will. Gut das ist ein Narre oder Unwissender wer das leugnet, das nehme ich schlechtweg an. Ich bitte euch Landesleute, laßt diese gänzlich unnütze Prahlerei, die Nation die uns verlacht und die die uns beneidet müssen sich darüber kützeln, zumal wenn sie inne werden, daß es ihnen gesagt sein soll.

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Ich wollte lieber das Wort superklug gemacht haben als irgend eines, es macht seinem Zusammensetzer zuverlässig Ehre. Es gibt Leute, die sich angewöhnt haben über alles Reflexionen anzustellen, nicht weil ihnen die Sachen natürlich einfallen, sondern es ist viel mehr ein künstliches Einfallen, das der Philosophie nicht den Henker nützt. Es sind so zu reden Wunder in der Welt der Ideen, auf die man nicht rechnen kann. Da dergleichen Leute immer Ursachen angeben, weil sie es für ihre Pflicht ansehen oder für schön halten, so verfehlen sie fast allemal das Natürliche, denn das Schwere, weit Hergeholte schmeichelt dem Stolze aus welchem sie es tun mehr, als das Natürliche. Auch hierin liegt der Grund davon, daß uns die großen Entdeckungen so leicht zu machen scheinen, wenn sie gemacht sind. Der eigentliche Verständige hingegen, der nicht so viel lebhaften Witz hat, oder ihm wenigstens alsdann nicht gleich traut, schließt so weil er hohe Ursache hat so zu schließen, durch Ähnlichkeit sind mir Tausende verwandt, durch nahe Blutsfreundschaft nur wenige. Versteht ihr mich? Daher urteilt das Frauenzimmer so vernünftig, das haben unsere Vorfahren eingesehen und sie bei großen Sachen zu Rate gezogen. Die Gallier glaubten sogar, es sei etwas Göttliches in ihnen. Ihr Gefühl für das wahre Schöne hängt mit jenem zusammen, so wie das Superkluge mit einem Vergnügen am Sonderbaren verbunden ist. Herr Magister Thiele ist superklug, Professor Meister klug. Der Kluge wird nie superklug, hingegen kann der Superkluge, wenn er aufhört aus dem Erfinden ein Geschäfte zu machen und viel vernünftige Sachen liest, wenn er sich nicht gar zu sehr verstiegen hat, am Ende klug werden.

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Wenn man die Lage, Gestalt und Einrichtung alles dessen was um uns ist gnau untersucht, so werden sich noch natürliche Gründe finden lassen, warum sie so liegen, so gestaltet und so eingerichtet sind. Hat man diesen Regeln nachgespürt, so finden sich nach Maßgabe des Verstandes dessen, der diese Untersuchungen unternimmt, leicht Verbesserungen dieser Dinge, weil man finden wird, daß diese einzigen Regeln in einem Punkt befolgt und in dem andern aus der Acht gelassen worden sind.

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Einige Leute wollen das Studieren der Künste lächerlich machen indem sie sagen man schriebe Bücher über Bildchen. Was sind aber unsre Gespräche und unsre Schriften anders als Beschreibungen von Bildchen auf unserer Retina oder falschen Bildchen in unserem Kopf?

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Wenn man die meisten Gelehrten ansieht, nichts verrichten sie an sich als daß sie sich die Nägel und Federn schneiden. Ihre Haare lassen sie sich durch andere in Ordnung legen, ihre Kleidung durch andere machen, ihre Speise durch andre bereiten, dafür daß sie das Wetter in ihrem Kopfe beobachten.

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Der Mann hatte so viel Verstand, daß er fast zu nichts mehr in der Welt zu gebrauchen war.

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Ich kenne die Leute wohl, die ihr meint, sie sind bloß Geist und Theorie und können sich keinen Knopf annähen. Lauter Kopf und nicht so viel Hand als nötig ist einen Knopf anzunähen.

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Die beiden Frauenzimmer umarmten sich aus Grimasse, und hingen zusammen wie 2 Vipern in coitu.

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Außer den Eigenschaften, die er mit allerlei Tieren gemein hatte, hatte er auch noch einige mit Thermometern, Hygrometern und Barometern gemein.

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Man wird in manchen Fällen bloß aus dem Grunde nicht gestraft, oder es sieht vielmehr so aus als wenn man nicht gestraft würde weil man die Strafe an sich selbst bezahlt. Das was ausgezahlt wird wird oft einem Teil genommen und an den andern erlegt. Einer kann an dem Ruhm ein witziger Schriftsteller zu sein zunehmen, während als der Kredit, den er als ehrlicher Mann hatte, abnimmt.

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Wenn Scharfsinn ein Vergrößrungs-Glas ist, so ist der Witz ein Verkleinerungs-Glas. Glaubt ihr denn daß sich bloß Entdeckungen mit Vergrößerungs-Gläsern machen ließen? Ich glaube mit Verkleinerungs-Gläsern, oder wenigstens durch ähnliche Instrumente in der Intellektual-Welt sind wohl mehr Entdeckungen gemacht worden. Der Mond sieht durch einen verkehrten Tubum aus wie die Venus und mit bloßen Augen wie die Venus durch einen guten Tubum in seiner rechten Lage. Durch ein gemeines Opern-Glas würden die Plejaden wie ein Nebelstern erscheinen. Die Welt, die so schön mit Bäumen und Kraut bewachsen ist, hält ein höheres Wesen als wir vielleicht eben deswegen für verschimmelt. Der schönste gestirnte Himmel sieht uns durch ein umgekehrtes Fern-Rohr leer aus.

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Es wäre ein Tier möglich das seinen Körper nicht übersehen könnte, so wie unsere Seele sich nicht deutlich begreifen kann ob sie gleich weiß, daß sie da ist. Der Materialist findet die Gründe zu schwach, womit man die Existenz der Seele beweisen will, der Idealist findet die andern wieder schwach.

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Bemühe dich, nicht unter deiner Zeit zu sein.

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Er war ein solcher aufmerksamer Grübler, ein Sandkorn sah er immer eher als ein Haus.

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Die Verfasser der Zeitungen und Monatschriften lassen sehr weislich gegen das Ende etwas nach und schreiben schlechter, um die Leser endlich an den gänzlichen Verlust zu gewöhnen, das hätte man ja schon daraus schließen können, daß sie allemal bald hernach ganz aufhören.

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Er hatte sich ein gewisses System gemacht, das nunmehr einen solchen Einfluß auf seine Denkungsform hatte, daß die Zuschauer sein Urteil immer ein paar Schritte vor der Empfindung vorangehen sahen, ob er selbst gleich glaubte es hielte sich hinten.

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Die Gabe den Menschen ihre Heimlichkeiten sagen zu können ist es was man bei einem Schriftsteller oft Menschenkenntnis nennt. Ein Pursch dünkt sich gleich mehr, wenn er den Hut heruntergeschlagen usw. Jedermann hat seinen guten Grad von Menschenkenntnis, die Leute wissen nur nicht, daß man eben das sagen muß um für einen Menschenkenner gehalten zu werden.

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Es gibt Leute die zuweilen ihre Offenherzigkeit rühmen, sie sollten aber bedenken daß die Offenherzigkeit aus dem Charakter fließen muß, sonst muß sie selbst der als eine Grobheit ansehen, der sie sonst, wenn sie echt ist, hochschätzt.

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Zwei Absichten muß man bei der Lektüre beständig vor Augen haben, wenn sie vernünftig sein soll. Einmal die Sachen zu behalten und sie mit seinem System zu vereinigen, und dann vornehmlich, sich die Art eigen zu machen, wie jene Leute die Sachen angesehen haben, das ist die Ursache warum man jedermann warnen soll keine Bücher von Stümpern zu lesen, zumal wenn sie ihre Räsonnements einmischen, man kann Sachen aus ihren Kompilationen lernen, allein was einem Philosophen eben so wichtig, wo nicht wichtiger ist, seiner Denkungs-Art eine gute Form zu geben lernt er nicht.

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Es ist minder schrecklich einen Venerischen der voller Geschwüre ist anzusehen, als einen andern Menschen der böse Geschwüre hat, vermutlich, weil es nur von uns abhängt, ob wir von jenem Übel befreit bleiben wollen, hingegen aber das letztere uns, wie wir wenigstens glauben, auch wider unser Verschulden befallen kann.

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Ich kann nicht leugnen, daß mir als ich zum erstenmal sah, daß man nun in meinem Vaterland anfange zu wissen was Wurzelzeichen sind, mir die klaren Freuden-Tränen in die Augen gedrungen sind.

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Herr mein Gewissen ist so geldfest, daß meine Taschen in einem halben Jahre keines zu sehn bekommen.

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Wie werden einmal unsere Namen hinter den Erfindern des Fliegens und dergleichen vergessen werden.

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Shakespear hat eine besondere Gabe das Närrische auszudrücken, Empfindungen und Gedanken zu malen und auszudrücken, die man kurz vor dem Einschlafen oder in leichtem Fieber hat. Mir ist alsdann schon oft ein Mann wie eine Einmaleins-Tafel vorgekommen, und die Ewigkeit wie ein Bücherschrank. Er müßte vortrefflich kühlen, sagte ich, und meinte den Satz des Widerspruchs, ich hatte ihn ganz eßbar vor mir gesehen.

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Manche Leute wissen alles so, wie man ein Rätsel weiß, dessen Auflösung man gelesen hat, oder einem gesagt worden ist, und das ist die schlechteste Art von Wissenschaft, die der Mensch sich am wenigsten erwerben sollte; er sollte vielmehr darauf bedacht sein sich diejenigen Kenntnisse zu erwerben, die ihn in den Stand setzen vieles selbst im Fall der Not zu entdecken, was andere lesen oder hören müssen um es zu wissen. Viele Simplicia. Also sind wir hier wieder auf einem schon einmal gehabten Gedanken.

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Entsprechen, entsagen. versprechen, versagen.

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Der Herbst, der der Erde die Blätter wieder zuzählt, die sie dem Sommer geliehen hat.

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Ich bin aus vielfältiger Erfahrung überzeugt, daß die wichtigsten und schwersten Geschäfte in der Welt, die der Gesellschaft den meisten Vorteil bringen, durch die sie lebt und sich erhält, von Leuten getan werden die zwischen dreihundert und 800 oder 1000 Taler Besoldung genießen, zu den meisten Stellen, mit denen 20, 30, 50, 100 Taler oder 2000, 3000, 4000, 5000 Taler verbunden sind, könnte man nach einem halbjährigen Unterricht jeden Gassenjungen tüchtig machen, und sollte der Versuch nicht gelingen, so suche man die Schuld nicht im Mangel an Kenntnissen, sondern in der Ungeschicklichkeit, diesen Mangel mit dem gehörigen Gesicht zu verbergen.

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Da sie sahen, daß sie ihm keinen katholischen Kopf aufsetzen konnten, so schlugen sie ihm wenigstens seinen protestantischen ab.

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Endlich kam er, gnau wie er versprochen hatte nach einem Viertelstündgen, das aber fast so lang war als anderthalb der gewöhnlichen bürgerlichen Stunden.

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Wenn sich etwas Bestimmtes von dem Charakter der Engländer sagen läßt, so ist es dieses, daß ihre Nerven wie man zu sagen pflegt sehr fein sind, sie unterscheiden vieles wo andere nur eins sehen, und werden leicht durch den gegenwärtigen Eindruck hingerissen, daher sieht man wie ihre Wankelmütigkeit mit ihrem Genie zusammenhängt. Wenn sie sich vorsätzlich einer einzigen Sache überlassen, so müssen sie es auf diese Art sehr weit bringen.

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Grade das Gegenteil tun heißt auch nachahmen, es heißt nämlich das Gegenteil nachahmen.

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Manche unserer Original-Köpfe müssen wir wenigstens so lange für wahnwitzig halten, bis wir so klug werden wie sie.

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Ich übergebe euch dieses Büchelgen als einen Spiegel um hinein nach euch und nicht als eine Lorgnette um dadurch und nach andern zu sehen.

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Ich habe mit meinen Augen in einer englischen Schrift gelesen, daß die Rede eines gewissen Mitgliedes im Parlament zwar ausgearbeitet, aber sehr vernünftig gewesen sei.

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Es ist nicht zu leugnen, daß das Wort Nonsense, wenn es mit gehöriger Nase und Stimme ausgesprochen wird, etwas hat, das selbst den Wörtern Chaos und Ewigkeit wenig oder nichts nachgibt. Man fühlt eine Erschütterung die wo mich meine Empfindung nicht betrügt von einer fuga vacui des menschlichen Verstandes herrührt.

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Man kann, was einer erfindet, immer ansehen als hätte er es verloren, es ist nur so zu reden verlegt in seinem Kopf, wer nichts in seinem Kopf verloren hat kann nichts finden.

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Leib und Seele ein Pferd neben einen Ochsen gespannt.

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Die so genannten gesitteten Menschen, die unter uns zu reden die allerungesittetsten sind.

E

Inhaltsverzeichnis

Er teilte des Sonntags Segen und oft schon des Montags Prügel aus.

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Es hätte etwas aus seinen Ideen gemacht werden können, wenn sie ihm ein Engel zusammengesucht hätte.

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Daß die wichtigsten Dinge durch Röhren getan werden. Beweise erstlich die Zeugungsglieder, die Schreibfeder und unser Schießgewehr, ja was ist der Mensch anders als ein verworrnes Bündel Röhren?

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Es ist der Ordnung der Natur sehr gemäß, daß zahnlose Tiere Hörner haben, was Wunder wenn es alten Männern und Weibern öfters so geht?

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Die Kaufleute haben ihr Waste book (Sudelbuch, Klitterbuch glaube ich im Deutschen), darin tragen sie von Tag zu Tag alles ein was sie verkaufen und kaufen, alles durch einander ohne Ordnung, aus diesem wird es in das Journal getragen, wo alles mehr systematisch steht, und endlich kommt es in den Leidger at double entrance nach der italiänischen Art buchzuhalten. In diesem wird mit jedem Mann besonders abgerechnet und zwar erst als Debitor und dann als Creditor gegenüber. Dieses verdient von den Gelehrten nachgeahmt zu werden. Erst ein Buch worin ich alles einschreibe, so wie ich es sehe oder wie es mir meine Gedanken eingeben, alsdann kann dieses wieder in ein anderes getragen werden, wo die Materien mehr abgesondert und geordnet sind, und der Leidger könnte dann die Verbindung und die daraus fließende Erläuterung der Sache in einem ordentlichen Ausdruck enthalten.

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Es ist ein großer Unterschied zwischen etwas noch glauben und es wieder glauben. Noch glauben, daß der Mond auf die Pflanzen würke, verrät Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben zeigt von Philosophie und Nachdenken.

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Um witzig zu schreiben muß man sich mit den eigentlichen Kunstausdrücken aller Stände gut bekannt machen, ein Hauptwerk in jedem nur flüchtig gelesen ist hinlänglich. Denn was ernsthaft seicht ist, kann witzig tief sein.

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Nichts kann mehr zu einer Seelen-Ruhe beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat.

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In den glückseligen Zeiten der Barbarei, da hatte man doch noch Hoffnung, einmal mit der Zeit ein guter Christ zu werden. Man durfte nur regelmäßig in die Kirche gehen und dem lieben Gott von allem was er einem gab wieder etwas zurückgeben, dessen Besorgung noch dazu die Geistlichkeit übernahm. Aber heutzutag ist es kaum mehr möglich, diesen Titul zu erlangen.

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Laune kommt in dem Deutschen von luna der Mond, und launigt hieß ehmals so viel als mondsüchtig, so heißen die Engländer noch jetzt einen Mondsüchtigen a lunatic, aus welchem das Wort launigt leicht hergeleitet werden kann, wenn man ein paar Buchstaben durch ein paar andere ablösen läßt.

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Wer zwei Paar Hosen hat, mache eins zu Geld und schaffe sich dieses Buch an.

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Seine Uhr lag schon einige Stunden in einer Ohnmacht.

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Wir ziehen unsere Köpfe in Treibhäusern.

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Es hatte die Würkung, die gemeiniglich gute Bücher haben. Es machte die Einfältigen einfältiger, die Klugen klüger und die übrigen Tausende blieben ungeändert.

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Seid versichert, ich komme nicht erst diesen Morgen auf diese Materie, sondern habe als Kandidat der Theologie und der vernünftigen Mode gemäß sich so viel als möglich mit Dingen zu beschäftigen, die einen nichts angehen, ein fast beständiges Augenmerk auf die Staatswirtschaft gehabt, und nach vielfältig angestellten Betrachtungen endlich gefunden, daß Herren-Dienste Frondienste und das sogenannte Bauerschinden der kleinen Prinzen in Deutschland am Ende auf metaphysische Spitzfündigkeiten hinauslauft. Ich habe daher tausendmal gewünscht, daß man statt den allmählig aus der Mode kommenden Vorschriften des Christentums, die ohnehin in praxi nicht viel mehr nützen, dem Bauern lieber die rechten metaphysischen Begriffe von der Freiheit, von Voluntas velleitas und volitio auseinandersetzen mögte, damit er erkennen lernt, daß was er Schweiß und Blut und Träne nennt meistens von Syllogismen mit 4 Terminis herrührt. Den armen Teufeln kann man ihre Irrtümer jetzt nicht übel nehmen, denn wie kann der, der nie die Sonnen- oder kostbare Uhren sieht, wissen ob seine Uhr richtig geht? Alle Bauern, die ich noch befragt habe, haben gemeiniglich ihre Klagen auf das Sophisma gegründet, daß sie was sie dem Prinzen bezahlten von ihrem Eigentum gäben, da doch jedermann weiß, daß, die großen Herrn ausgenommen, der Mensch jenseit seiner Epidermis nicht so viel als einen physischen Punkt besitzt. Wie wenn nun die Bauern das nicht hätten was sie haben? Das, was sie geben, gehörte den Prinzen ehe sie es gaben quod probe notandum und sie sind die bloßen Auszahler, und was sie Eigentum nennen ist gnädigst verwilligtes Zahlgeld, das in Deutschland an manchen Orten auf eine ganz unerlaubte Weise bis in die 50 Prozent hinauflauft.

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Ein sonderbares Geräusch, als wenn ein ganzes Regiment auf einmal niesete.

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Schwätzt doch nicht. Was wollt Ihr denn? wenn die Fixsterne nicht einmal fix sind, wie könnt ihr denn sagen, daß alles Wahre wahr ist?

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Sie schreiben aus Vaterlands-Liebe Zeug, worüber man unser liebes Vaterland auslacht.

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Ich bin eigentlich nach England gegangen um deutsch schreiben zu lernen.

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Mut, Geschwätzigkeit und Menge ist auf unserer Seite. Was wollen wir weiter?

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Was man nicht gleich sieht ist keine drei Groschen wert, artifizielles Gewäsch.

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In dem Sudel-Buch können die Einfälle die man hat, mit aller der Umständlichkeit ausgeführt werden, in die man gewöhnlich verfällt so lang einem die Sache noch neu ist. Nachdem man bekannter mit der Sache wird, so sieht man das Unnötige ein und faßt es kürzer. Es ist mir so gegangen als ich meinen Timorus schrieb. Ich habe oft mit dem, was ein Aufsatz im Sudelbuch war, einen Ausdruck schattiert.

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Frei? Wie? Vogelfrei vielleicht?

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Der Engländer tut für den Schall: Liberty so viel als mancher ehrliche Mann in Deutschland für das Ding: Freiheit.

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Es gibt Leute, die so fette Gesichter haben, daß sie unter dem Speck lachen können, daß der größte physiognomische Zaubrer nichts davon gewahr wird, da wir arme winddürre Geschöpfe denen die Seele unmittelbar unter der Epidermis sitzt immer die Sprache sprechen, worin man nicht lügen kann.

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Um eine fremde Sprache recht gut sprechen zu lernen, und würklich in Gesellschaft zu sprechen mit dem eigentlichen Akzent des Volks, muß man nicht allein Gedächtnis und Ohr haben, sondern auch in gewissem Grad ein kleiner Geck sein.

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Hüte dich, daß du nicht durch Zufälle in eine Stelle kommst, der du nicht gewachsen bist, damit du nicht scheinen mußt, was du nicht bist, nichts ist gefährlicher und stört alle innere Ruhe mehr, ja ist aller Rechtschaffenheit mehr nachteilig als dieses, und endigt gemeiniglich mit einem gänzlichen Verlust des Kredits.

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Ihr wünscht uns einen Kopf, und ich wünsche daß ihr zwei hättet und säßet in Spiritus bis über die vier Ohren.

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Geht hin und schreibt einmal eine Satyre auf den regierenden Kammerdiener, auf den natürlichen Sohn, oder des natürlichen Sohns Bastard oder des Bastards Bankert. Ihr werdet des Henkers werden. Überhaupt wenn ihr in Deutschland auf vornehme Herrn Satyren machen wollt, so rate ich euch zwei Stücke, entweder wählt euch welche aus dem alten Testament, oder bewerbt euch zuvor um ein Dienstgen zwischen den Tropicis, und wenn euch das nicht ansteht, so halts Maul.

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Ich habe nichts zurückgehalten, sondern meine mit vielem Schweiß und Mühe auf fast unzähligen Hochzeiten, Kindbetten und Magisterschmäusen erworbene Menschenkenntnis, sowohl als die auf meinen die Elbe hinunter getanen Reisen und einer Tour auf dem Salzwasser, wo ich das Salz der Widerwärtigkeit nicht wenig geschmeckt habe, erlangten vielfältigen Erfahrungen gerne und willig bekannt gemacht, ohne Hoffnung des geringsten Profits. Ich habe fast auf jeder Seite Ideen-Körner ausgestreut, die wenn sie auf den rechten Boden fallen Kapital ja Dissertationes tragen können. Meine Sprache ist allzeit simpel, enge, und plan und da wo sie keins von allen dreien ist, habe ich es getan um den deutschen Zwirnhändlern in London das Übersetzen meines Traktats ins Englische wonicht unmöglich zu machen, doch so viel zu erschweren als ich konnte. Die subtileren kitzelnden Sarkasmen oder das sogenannte Bruder-Naumburgische, welches die Böotische Zeitung so sehr beliebt macht, habe ich deswegen vermieden, teils weil ich mir zur Regel gemacht habe: Wenn man einen Ochsen schlachten will, so schlägt man ihm grade vor den Kopf, und teils: Man hat den Deutschen vorgeworfen, daß sie bloß für die Gelehrten schrieben, ob nun dieses gleich ein höchst gesuchter und unüberlegter, ja sogar ungegründeter Vorwurf ist, so habe ich mich doch darnach gerichtet und überall für den geringen Mann mitgesorgt. Nicht allein der Professeur penseur und der Professeur Seigneur werden ihre Rechnung darin finden, sondern ich habe mich sogar in unsern Ackerbau und das Postwesen eingelassen. Unter den Ungelehrten werden es mir hauptsächlich die Dichter und die Advokaten Dank wissen, daß ich in ihren Fächern aufgeräumt und ihre Felder umzäunt habe. Ferner findet sich in meinem Parakletor für die Suchenden eine Metaphysik und Theorie der Künste für das Jahr 1776, die vielleicht an Verwegenheit, sich in die Tiefen zu stehlen, ihres gleichen noch nicht gehabt hat. Wahrheit und Gerechtigkeit küssen sich in jeder Periode. Sie zeigen sich selbst in dem Klang meiner Periode so deutlich, daß selbst der Spanier oder Portugiese, oder unsere Landesleute, die nicht deutsch verstehen, sie nicht verkennen können. Die wenigen Schimpfwörter die ich brauche sind treffend und schwer, und der Schlag allezeit in einer gnauen Verhältnis mit dem Fell worauf er fällt, und ist er ja zuweilen stärker, so ist gewiß das Wundpflaster nicht weit. Übrigens habe ich es nie für eine Schande gehalten mit Witz zu wetterkühlen, oder mit Numerus zu donnern ehe ich aus Barbara und Celarent geblitzt habe.

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Für alle die Bemerkungen eines Mannes, der z.E. barfuß nach Rom laufen könnte um sich dem Vatikanischen Apoll zu Füßen zu werfen, gebe ich keinen Pfennig. Diese Leute sprechen nur von sich wenn sie von andern Dingen zu reden glauben, und die Wahrheit kann nicht leicht in üblere Hände geraten.

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Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf. Die Lügner sind ihre schwächsten Feinde. Der enthusiastische Schriftsteller, der von allen Dingen spricht und alle Dinge ansieht, wie andere ehrliche Leute, wenn sie einen Hieb haben, ferner der superfeine erkünstelte Menschenkenner, der in jeder Handlung eines Mannes, wie Engel in einer Monade, sein ganzes Leben sich abspiegeln sieht, und sehen will, der gute fromme Mann, der überall aus Respekt glaubt, nichts untersucht, was er vor dem 15. Jahr gelernt hat, und sein bißgen Untersuchtes auf (un)untersuchten Grund baut, dieses sind Feinde der Wahrheit.

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Es sind ganz brave Leute, aber die Hälfte des Guten und Bösen, das man von ihnen sagt, ist nicht wahr.

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Sie verkaufen alles bis aufs Hemd und noch weiter.

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Wenn alle Menschen des Nachmittags um 3 Uhr versteinert würden.

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Unser Leben kann man mit einem Wintertag vergleichen, wir werden zwischen 12 und 1 des Nachts geboren, es wird 8 Uhr ehe es Tag wird, und vor 4 des Nachmittages wird es wieder dunkel, und um 12 sterben

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Wenn die Menschen plötzlich tugendhaft würden, so müßten viele Tausende verhungern.

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Dem Pabst einen Bart machen heißt das reformieren?

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Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel heraus sehen. Wir haben keine Worte mit dem Dummen von Weisheit zu sprechen. Der ist schon weise der den Weisen versteht.

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Der Mensch ist nicht so schwer zu kennen, als mancher Stubensitzer glaubt der sich in seinem Schlafrock freut, wenn er eine von Rochefoucaulds Bemerkungen wahr findet. Ja ich behaupte, die meisten kennen den Menschen besser, als sie selbst wissen, sie machen auch Gebrauch davon im Handel und Wandel, allein sobald sie schrieben, da wäre der Teufel los, da wäre alles so feiertagsmäßig schön, daß man sie gar nicht kenne, und da sie sonst ganz natürlich aussähen, so machten sie jetzt Gesichter, wie eine alte Jungfer, wenn sie sich malen läßt.

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Indem ich jetzt die Feder ansetze fühle ich mich so voll, meinem Gegenstand so gewachsen, sehe mein Buch in dem Keim so deutlich vor mir, daß ich es fast versuchen mögte mit einem einzigen Wort auszusprechen.

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Nach den Worten: ohne daß deswegen unser Topf zu kochen oder unser Bratenwender zu gehen aufhört: Nein! Ich weissage nicht, ich sehe. Wißt Ihr was? Verloren sind wir arme Teufel von der Feder, Ich und Ihr; verloren wie ein Gestern, wenn wir nicht heute die Feder ergreifen. Merkt Ihr denn nicht wo uns unser Publikum hin haben will?

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Die Natur hat die Menschen durch die Brust verbunden, und die Professores hätten sie gerne mit dem Kopf zusammen.

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Die große Regel: Wenn dein Bißgen an sich nichts Sonderbares ist, so sage es wenigstens ein bißgen sonderbar.

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Daß es wahr ist, das hätte nichts zu bedeuten, allein die Leute glaubens, das ist den Teufel.

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Ordnung müßt ihr im Büchelgen nicht suchen. Ordnung ist eine Tochter der Überlegung, und meine Feinde haben so wenig Überlegung gegen mich gebraucht, daß ich gar nicht absehe warum ich welche gegen sie gebrauchen sollte.

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Wir sollten deutsche Charaktere auf die Bühne bringen, vortrefflich, und die deutschen Charaktere uns dafür ans Halseisen. Nicht wahr?

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Solche Leute sollte man Knöpfe mit dem Buchstaben Null tragen lassen, damit man sie kennte.

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Der noch nicht einmal passives und aktives Lesen unterscheiden kann.

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Ist heimsuchen würklich so viel als strafen oder ist es so viel als das Herz untersuchen? Wir müssen mehr Gebrauch machen von dem Wort heim, es ist sehr stark: heimreden, das ist die Seele, höchste Überzeugung bei Scham sie zu gestehen.

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Eine schädliche Folge des allzu vielen Lesens ist, daß sich die Bedeutung der Wörter abnutzt, die Gedanken werden nur so ohngefähr ausgedrückt. Der Ausdruck sitzt dem Gedanken nur los an. Ist das wahr?

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Ich erinnere mich deutlich, daß ich in meiner ersten Jugend einmal ein Kalb wollte apportieren lernen, allein ob ich gleich merkte, daß ich merklich in den nötigen Fertigkeiten zunahm, so verstunden wir uns einander alle Tage weniger, und ich ließ es endlich ganz und habe es nachher nie wieder versucht.

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Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut.

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In einem Städtgen wo sich immer ein Gesicht aufs andere reimt.

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Der Mensch denkt Wunder, wer er wäre, wenn er die Milbe einen Elefanten und die Sonne einen Funken nennt.

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Die Wege sind mit Nimmergrün besetzt.

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Wenn sie die Wahrheit in der Natur gefunden haben, so schmeißen sie sie wieder in ein Buch, wo sie noch schlechter aufgehoben ist. Formuln.

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Vorschlag in einem kalten Winter Bücher zu brennen.

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Er schreibt, daß selbst den Engeln der Verstand stille steht.

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Schreibt man denn Bücher bloß zum Lesen? oder nicht auch zum Unterlegen in die Haushaltung? Gegen eins, das durchgelesen wird, werden Tausende durchgeblättert, andere Tausend liegen stille, andere werden auf Mauslöcher gepreßt, nach Ratzen geworfen, auf andern wird gestanden, gesessen, getrommelt, Pfefferkuchen gebacken, mit andern werden Pfeifen angesteckt, hinter dem Fenster damit gestanden.

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Man macht nicht gerne aus einem weißen Bogen Pfefferdutten, so bald darauf gedruckt ist, greift man gerne zu.

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Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen?

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Ist denn Besinnen etwas anders als Nachschlagen und Erfinden mehr als Umformen?

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Ein guter Ausdruck ist so viel wert als ein guter Gedanke, weil es fast unmöglich ist sich gut auszudrücken ohne das Ausgedrückte von einer guten Seite zu zeigen.

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In dem Tollhaus muß einer shakespearisch sprechen.

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Dem Richter dem man auf den Flügeln des Lichtes nicht entrinnen kann.

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Als er eine Mücke ins Licht fliegen sah, und sie nun mit dem Tode rang, so sagte er: hinunter mit dem bitteren Kelch, du armes Tier, ein Professor sieht es und bedauert dich.

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Viel Federkauens wollen wir gewiß nicht machen.

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Wer wird abwimmern, was er abtragen kann?

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Nicht alle die Wohlgeboren sind Wohlgestorben oder im Reich der Toden Hochedelgestorbene.

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Als ich nun so studierte und schlief.

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Den Nachtwächter nach der Stimme zeichnen wollen. Man irrt sich oft so daß man sich des Lachens nicht enthalten kann, wenn man seinen Irrtum sieht. Ist Physiognomik etwas anders? Die Leute mit denen man des Nachts in einem Postwagen fährt.

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Man suche keinen Enthusiasten Behutsamkeit lehren zu wollen. Solche Leute sagen sie wollen behutsam sein, glauben auch sie wären behutsam und sind die unbehutsamsten Seelen auf der Welt.

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Wenn man etwas sieht, so suche man den Eindruck, den es auf einen macht, in Worte zu bringen, unverfälscht. Es ist kaum zu glauben wie gelehrt der Mensch ist.

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Wie gehts, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, antwortete der Lahme.

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Das Fortgehen des Guten und des Zweckmäßigen in der Welt. Wenn es in der menschlichen Natur liegt, daß z.E. die christliche Religion endlich einmal wieder zu Grunde geht, so wird es geschehen man mag sich darwider setzen oder nicht, das Zurückgehn und Hemmen auf eine kurze Zeit ist nur ein unendlich kleiner Bogen in der Linie. Nur ist es schade, daß grade wir die Zuschauer sein müssen und nicht eine andere Generation, es kann es uns also niemand verdenken, wenn wir so viel als möglich arbeiten unsere Zeiten nach unsern Köpfen zu formen. Ich denke immer, wir auf dieser Kugel dienen zu einem Zweck, dessen Erreichung eine Zusammenverschwörung des ganzen menschlichen Geschlechts nicht verhindern kann. Eben so geht ein gutes Buch zur Nachwelt, wenn sich alle kritische Richterstühle vereinigten es verdächtig zu machen nicht durch Satyre, sondern mit der Miene des unschuldigen Lamms und mit (dem) Akzent der Wahrheitsliebe, ja wenn sie gar ganz davon schwiegen. Wenn es ein Dutzend neue Wahrheiten stark und gut gesagt enthält, wenn man den Menschenkenner im Übrigen des Werks erblickt, so wird eine Legion von witzigen Bibliothekenschreibern es in seinem Gang zur Ewigkeit so wenig aufhalten können, als ich den Sturm oder die kommende Flut mit einem Kartenblatt zurückfächeln. Ein Mensch kann ein gutes Buch aus Neid, Unverstand oder Narrheit als schlecht verdammen, allein der Mensch nicht. Den Verfasser kann er an Bettelstab bringen. Ein Mensch kann etwas Schlechtes loben und etwas Gutes verdammen, aber der Mensch nicht.

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Wenn man sich nur recht selbst beobachtet. Ein weißer Bogen Papier flößt mehr Respekt ein, als der schönste Bogen Makulatur. Es füllt einen mit einer Begierde ihn zu beseelen.

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Habe keine zu künstliche Idee vom Menschen, sondern urteile natürlich von ihm, halte ihn weder für zu gut noch zu böse.

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Wenn ich die Genealogie der Dame Wissenschaft recht kenne, so ist die Unwissenheit ihre ältere Schwester, und (ist) denn das etwas so Himmelschreiendes die ältere Schwester zu nehmen wenn einem die jüngere auch zu Befehl steht? Von allen denen, die sie gekannt haben, habe ich gehört, daß die älteste ihre eigne Reize habe, daß sie ein fettes gutes Mädchen sei, die eben deswegen, weil sie mehr schläft als wacht, eine vortreffliche Gattin abgibt.

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Als ich nicht bei ihm wohnte sah er nicht, was er nunmehr übersah, kleine Vergehen brachten uns damals weder näher zusammen noch weiter von einander, jetzo aber wurde selbst seine scheinbare Nachsicht ein Mittel mich durch Erkenntlichkeit einzuschränken.

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Mit der Feder in der Hand habe ich, mit gutem Erfolg, Schanzen erstiegen, von denen andere mit Schwert und Bannstrahl bewaffnet zurückgeschlagen worden sind.

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Wer kann dem Menschen seine Gedanken ansehen, nicht einmal seine Krankheiten. Überall widersprechen, das ist Raserei, gehörig einschränken ist das Werk der Vernunft und sie findet gemeiniglich die meiste Beschäftigung da wo mit der größten Zuverlässigkeit behauptet worden ist.

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Man könnte, da man doch einzelne Silben nicht liest, sondern ganze Wörter, manche Bücher sehr abkürzen. In vielen Wörtern sind die Vokalen entbehrlich: Mnsch liest gewiß jedermann Mensch, list gwß jdrmn Mnsch.

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Daß alle scherzhafte Sachen Possen sind, wird überhaupt nur meistens von alten Theologen oder alten Professoribus Juris behauptet die glauben alles wäre ernsthaft was mit einem ernsthaften Gesichte oder ernsthaften stilo gesagt würde, da es doch ausgemacht ist, daß von 100 Possen gewiß 90 ernsthaft vorgetragen werden. Aus den munteren Schriften kluger Köpfe läßt sich sehr oft mehr lernen, als aus sehr vielen ernsthaften. Sie tragen manches mit einer lachenden Miene vor, was sie im Ernst meinen, was aber noch nicht untersucht genug ist um eine ernsthafte zu kleiden. Andere Leute können das im Ernste gar wohl nützen.

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Alle unsere besten Gedanken haben wir in einer Art von Fieber-Rausch, im Fieber von Kaffee erregt.

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Begriffe und Sachen zusammen zu bringen, die selten zusammenkommen, oder die gemeinen mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit und Beobachtungs-Geist anzusehen kann einen auf einen Gedanken leiten.

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Leute die sehr viel gelesen haben machen selten große Entdeckungen. Ich sage dieses nicht zur Entschuldigung der Faulheit, denn Erfinden setzt eine weitläuftige Selbstbetrachtung der Dinge voraus, man muß mehr sehen als sich sagen lassen. Assoziation.

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So sagen die Menschen gemeiniglich: Da lach ich dazu, wenn sie dazu weinen, oder dazu schäumen mögten.

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So wie man Hitze und Kälte und Kräfte mit Linien ausdrückt, so kann man, so nennt man Taten glänzend, schwarz, es würde lächerlicher sein zu sagen eine graue Tat, oder eine himmelblaue. Indessen könnte man sehr vieles mit sichtbaren Ideen ausdrücken.

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Wenn Leute ihre Träume aufrichtig erzählen wollten, da ließe sich der Charakter eher daraus erraten, als aus dem Gesicht.

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Ich habe oft bemerkt, daß wenn Leute einen mathematischen Satz von einer andern Seite her verstehn lernen, als durch die gewöhnliche Demonstration, so sagen sie gerne, o ich seh es, es muß so sein. Es ist dieses ein Zeichen, daß sie es sich aus ihrem System erklären.

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Die Ingredienzien des Mitleids und der Mit-Freude.

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Was muß es auf ein Volk für einen Einfluß haben wenn es keine fremde Sprachen lernt? Vermutlich etwas Ähnliches von dem, den eine gänzliche Entfernung von aller Gesellschaft auf einen einzelnen Menschen hat.

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Wenn wir die Mütter bilden, das heißt die Kinder in Mutterleibe erziehen.

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Es ist kein sicherer Weg sich einen Namen zu machen, als wenn man über Dinge schreibt, die einen Anschein von Wichtigkeit haben, die sich aber nicht leicht ein vernünftiger Mann die Zeit nimmt zu untersuchen.

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A im Mund und non A im Herzen.

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Er fiel sich selbst ins Wort.

F

Inhaltsverzeichnis

1776 – 1779

Assoziation: Ein langes Glück verliert schon bloß durch seine Dauer.

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Lesen heißt borgen, daraus erfinden abtragen.

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Darf man Schauspiele schreiben, die nicht zum Schauen sind, so will ich einmal sehen wer mir wehren will ein Buch zu schreiben, das kein Mensch lesen kann.

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Wenn man gerne wissen will, was andere Leute über eine gewisse Sache denken die einen selbst angeht, so denke man nur, was wir unter gleichen Umständen von ihnen denken würden. Man halte niemanden für moralisch besser in diesem Stück, als man selbst ist, und niemand für einfältiger. Die Leute merken öfter, als man glaubt, solche Dinge, die wir vor ihnen mit Kunst versteckt zu haben denken. Von dieser Bemerkung ist mehr als die Hälfte wahr und das ist allemal viel für eine Maxime, die jemand in seinem 30. Jahr festsetzt, so wie ich diese.

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Ich werde das in Ewigkeit nicht vergessen ist ein falscher Ausdruck.

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Das Doktor-Werden ist eine Konfirmation des Geistes.

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Die Äußerungen der Großmut sind heutzutage mehr ein Werk der Lektüre oder vielmehr so: man ist mehr großmütig um Lektüre zu zeigen, als Güte des Herzens. Leute die es von Natur sind merken selten, daß es etwas ist großmütig zu sein.

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Ich bin überzeugt, daß, wenn Gott einmal einen solchen Menschen schaffen (würde), wie ihn sich die Magistri und Professoren der Philosophie vorstellen, er müßte den ersten Tag ins Tollhaus gebracht werden. Man könnte daraus eine artige Fabel machen: Ein Professor bittet sich von der Vorsicht aus ihm einen Menschen nach dem Bilde seiner Psychologie zu schaffen, sie tut es und er wird in das Tollhaus gebracht.

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Es wäre der Mühe wert, zu untersuchen, ob es nicht schädlich ist zu sehr an der Kinderzucht zu polieren. Wir kennen den Menschen noch nicht genug um dem Zufall, wenn ich so reden darf, diese Verrichtung ganz abzunehmen. Ich glaube, wenn unsern Pädagogen ihre Absicht gelingt, ich meine, wenn sie es dahin bringen können, daß sich die Kinder ganz unter ihrem Einfluß bilden, so werden wir keinen einzigen recht großen Mann mehr bekommen. Das Brauchbarste in unserm Leben hat uns gemeiniglich niemand gelehrt. Auf öffentlichen Schulen, wo viel Kinder nicht allein zusammen lernen, sondern auch Mutwillen treiben, werden freilich nicht so viel fromme Schlafmützen gezogen, mancher geht ganz verloren, den meisten sieht man aber ihre Überlegenheit an. Bewahre Gott, daß der Mensch, dessen Lehrmeisterin die ganze Natur ist, ein Wachsklumpen werden soll, worin ein Professor sein erhabnes Bildnis abdruckt.

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Die hitzigsten Verteidiger einer Wissenschaft, die nicht (den) geringsten scheelen Seitenblick auf dieselbe vertragen können, sind gemeiniglich solche Personen, die es nicht sehr weit in derselben gebracht haben, und sich dieses Mangels heimlich bewußt sind.

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Kluge Leute glauben zu machen man sei, was man nicht ist, ist in den meisten Fällen schwerer als würklich zu werden, was man scheinen will.

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Das Wohl mancher Länder wird nach der Mehrheit der Stimmen entschieden, da doch jedermann eingesteht, daß es mehr böse als gute Menschen gibt.

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Wir, der Schwanz der Welt, wissen nicht, was der Kopf vorhat.

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Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die vom menschlichen Gesicht.

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Wer hat nicht jemals einen schlecht aufgeschlagenen Hut, den er aufsetzen mußte, durch sein ganzes Wesen durch gefühlt, oder einen schlechten Stockknopf im Arm gefühlt.

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Glas ist gefrorne Luft. Glas wie gefrorne Luft.

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Ich habe Leute gekannt, die haben heimlich getrunken und sind öffentlich besoffen gewesen.

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Es regnete so stark, daß alle Schweine rein und alle Menschen dreckig wurden.

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August 1776.

Man muß zuweilen trinken um den Ideen, die in eines Gehirn liegen, und den Falten mehr Geschmeidigkeit zu geben, und die alten Falten wieder hervor zu rufen.

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Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel heraus gucken.

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Wenn ich ein deutsches Buch mit lateinischen Buchstaben gedruckt lese, so kommt es mir immer vor, als müßte ich es mir erst übersetzen, eben so wenn ich das Buch verkehrt in die Hand nehme und lese, ein Beweis, wie sehr unsere Begriffe selbst von diesen Zeichen abhängen.

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Es ist die Frage ob man nicht, Denker zu ziehen, die Kinder alles auf das Letzte hinaus untersuchen lassen muß, selbst bis auf Eigenschaften, die nicht mehr in die Sinne fallen, als sie mit vielerlei bekannt machen.

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Der Umgang mit vernünftigen Leuten ist deswegen jedermann so sehr anzuraten weil ein Dummkopf auf diese Art durch Nachahmen klug handeln lernen kann, denn die größten Dummköpfe können nachahmen, selbst die Affen, Pudelhunde und Elefanten können es.

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Was mag wohl die Ursache sein, daß einen unangenehme Gedanken viel lebhafter schmerzen, des Morgends, wenn man erwacht, als einige Zeit nachher, wenn man weiß, daß alles wacht, oder auch wenn man aufgestanden ist, oder mitten am Tage, oder auch des Abends, wenn man zu Bette liegt? Ich habe davon vielfältige Erfahrung gehabt, ich bin des Abends ganz beruhigt über gewisse Dinge zu Bette gegangen, über die ich gegen 4 Uhr des Morgends wieder sehr bekümmert gewesen bin, so daß ich oft einige Stunden wachte und mich herumwarf, um 9 Uhr oder auch noch vorher war schon Gleichgültigkeit oder Hoffnung wieder da.

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Empfindsam zu schreiben, dazu ist mehr nötig als Tränen und Mondschein.

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Wenn man manche Histörchen gnau untersucht, so wird man immer finden daß etwas Wahres darunter steckt, und zuweilen etwas ganz anderes, als man gemeiniglich sich vorstellt, so sind z. E. die Hexen, die man ehmals so sehr mit Feuer und Wasser verfolgte, gar die Geschöpfe nicht gewesen, die man sich gemeiniglich vorstellt – auch hat man das Verbrennen derselben ein wenig zu früh eingestellt. Ich habe an die 150 Loca gesammelt, woraus ich beweisen kann, daß die Hexen der vorigen Welt eigentlich die so genannten Kaffeeschwestern der jetzigen sind. Unter dem Namen Kaffeeschwester verstehe ich alle alte Frauenspersonen, die in ihrer Jugend so viel gelernt haben, daß sie die Bibel bis auf einige Nomina Propria im alten Testament ziemlich fertig weglesen und alle Zahlen aussprechen können, wenn sie mit Worten geschrieben sind, und die, nächst den Biblischen Geschichten, hauptsächlich sich auf die Privat-Geschichte aller Familien in ihrem Städtgen gelegt haben, und über Schwangerschaften, Ehverlöbnisse, Hochzeit-Tage, und Kopfzeuge Register halten, die in jeder Krankheit eines jungen Mädgens den Bastard reifen sehen, und den Mann und den Ball erraten, der die Ursache und die Gelegenheit dazu war, die hypothetische Ehen zwischen ledigen Personen und nicht selten reelle Ehescheidungen mit ihrem Geschwätz stiften, kurz alle unverständige plappernde, besuchen gehende alte Weiber, so sehr die Pest und das Verderben der guten Gesellschaft als hingegen die reinliche verständige Matrone und ehrwürdige Mutter die Zierde derselben ist. Die Hexen schwammen auf dem Wasser ist ein bloß figürlicher Ausdruck und soll nur so viel heißen, daß eigentlich Tee und Kaffee ihr Element sei, und ich glaube im Ernst, daß unsere neuern Hexen im Kaffee nicht ersäuft werden können, denn ich habe selbst eine einmal 14 Tassen trinken sehen, da die frischsten Westfälischen Viehmägde an vieren sterben. Daß sie am ersten Mai auf einem Besen reiten hat mir von Anfang am meisten zu schaffen gemacht, denn ich habe zwar öfters in meinem Leben Birkenbesen und Kaffeeschwestern beisammen gesehen, allein allemal ritt das Birkenholz auf der Kaffeeschwester. Ferner da im mittlern Latein ein Busch oder Besen Boessonus heißt, so hätte es leicht sein können, daß jemand den Bösen als welches den Teufel bedeutet, mit dem allerdings die Hexen so wohl als Kaffeeschwestern viel zu tun haben, mit dem Besen verwechselt. Aber so wahrscheinlich auch dieses manchem scheinen mögte, so wird doch der Denker auch hier die Schwierigkeit finden, die wir oben beim Birkenholz antrafen. Denn nach dieser Erklärung hätten die Hexen zwar den Teufel geritten, aber sie könnten alsdann unsere Kaffeeschwestern nicht sein, denn die reitet umgekehrt der Teufel. Sonst heißt ja bekanntlich die großbärtige Schwalbe, die Ziegenmelkerin wegen ihrer Neigung zum Trinken (Hirundo Caprimulga), in manchen Ländern Hexe, was war also natürlicher als daß man die Melkerinnen der Kaffee-Kannen eben so nannte?

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So wie man den Heiligen eine Nulle über den Kopf malt.

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Warum die Menschen so wenig behalten können was sie lesen ist, daß sie so wenig selbst denken, wo ein Mensch was andre gesagt haben gut zu wiederholen weiß, hat er gewöhnlich selbst viel nachgedacht, wenn sein Kopf anders nicht ein bloßer Schrittzähler ist, und dergleichen sind manche Köpfe, die des Gedächtnisses wegen Aufsehen machen.

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Die letzte Hand an sein Werk legen, das heißt verbrennen.

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Kaufleute, die täglich oft ganz entgegengesetzte Moden rühmen hören, und das von Leuten, die sie übrigens hochachten, bekommen einen so gemischten Geschmack, daß ihnen endlich alles gefällt. Sie sagen also mit Recht, dieses hat dieser und jener Mann gewählt, anstatt zu sagen, das ist schön, und das nicht.

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Es gibt noch eine Art das Leben zu verlängern, die ganz in unserer Macht steht. Früh aufstehen, guter zweckmäßiger Gebrauch der Zeit, Wählung der besten Mittel zum Endzweck, und so bald sie gewählt sind muntere Ausführung. Auf diese Art läßt es sich sehr alt werden, so bald man das Leben nicht mehr nach dem Kalender schätzt, und was das Beste ist, so wird auch jenes Leben, das wir mit Kalendern ausmessen, durch jenes, wovon Verdienst der Maßstab ist, verlängert. Wenn man einmal eine Arbeit vor hat, so ist es gut bei der Ausführung nicht das Ganze sich vorzustellen, dieses hat bei mir wenigstens viel Niederschlagendes, sondern man arbeite grade an dem was man vor sich hat und das klar, alsdann gehe man an das nächste. Herr Hofrat Heyne machte einmal eine ähnliche Anmerkung, wegen der Schwierigkeiten in der Archäologie. Eine Sache gleich den Augenblick angefangen, und nicht eine Minute aufgeschoben, viel weniger eine Stunde oder einen Tag, ist ebenfalls ein Mittel die Zeit zu strecken.

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Eine einzige Seele war für seinen Leib zu wenig, er hätte zwoen zu tun genug geben können.

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Die eine Seite seines Gehirns war weit härter und älter als die linke, und das gab seinen Gedanken das Sonderbare, er hatte oft Gedanken, die gar nicht wie Gedanken aussahen.

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Wenn man sich an einem Tage nicht von seinem Zweck ableiten läßt, ist auch ein Mittel die Zeit zu verlängern, und ein sehr sicheres, aber schwer zu gebrauchen.

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Nichts erklärt Lesen und Studieren besser, als Essen und Verdauen. Der philosophische eigentliche Leser häuft nicht bloß in seinem Gedächtnis an, wie der Fresser im Magen, da hingegen der Gedächtnis-Kopf mehr einen vollen Magen, als einen starken und gesunden Körper bekömmt, bei jenem wird alles was er liest und brauchbar findet, dem System und dem inneren Körper, wenn ich so sagen darf, zugeführt, dieses hierhin und das andere dorthin, und das Ganze bekommt Stärke.

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Oktober 1776.

Er hatte die Eigenschaften der größten Männer in sich vereint. Er trug den Kopf immer schief wie Alexander, und hatte immer etwas in den Haaren zu nisteln wie Cäsar. Er konnte Kaffee trinken wie Leibniz, und wenn er einmal recht in einem Lehnstuhl saß, so vergaß er Essen und Trinken drüber wie Newton, und man mußte ihn wie jenen wecken. Seine Perücke trug er wie Dr. Johnson und ein Hosenknopf stund ihm immer offen wie dem Cervantes, (und nun auf einmal mit Magister Reinhold)

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Bibelträger nennt man in Niedersachsen die Scheinheiligen.

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Die Sympathien sind gewiß nicht alle zu verwerfen. Vielleicht finden wir einmal die Ursachen dazu. Sie sind vielleicht Reste von den verlornen Wissenschaften einer andern Generation Menschen.

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Diejenigen unter den Gelehrten, denen es an Menschen-Verstand fehlt, lernen gemeiniglich mehr als sie brauchen, und die vernünftigen unter ihnen können nie genug lernen.

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Die Wälder werden immer kleiner, das Holz nimmt ab, was wollen wir anfangen? O zu der Zeit, wenn die Wälder aufhören, können wir sicherlich so lange Bücher brennen, bis wieder neue aufgewachsen sind.

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Beim Torheits-Fältgen. Leute haben es gemeiniglich die mit einem albernen nicht verschwindenden Lächeln alles bewundern und nichts verstehen.

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Wenn einmal eine Schwäche in den Nerven so weit gediehen ist, daß ein Entschluß etwas zu seiner eigenen Besserung anzufangen unmöglich wird, so ist der Mensch verloren.

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Es ist gar übel, wenn man alles aus Überlegung tun muß, und zu nichts früh gewöhnt ist.

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Vielleicht hat ein Hund kurz vor dem Einschlafen, oder ein betrunkener Elefant Ideen, die eines Magisters der Philosophie nicht unwürdig wären. Sie sind ihnen aber unbrauchbar, und werden durch ihre allzu reizbare sinnliche Werkzeuge auch wieder verwischt.

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Ich sehe nicht ein, warum manche Teile des menschlichen Körpers mit Haaren bewachsen sind, als damit beim Baden sich das Wasser länger darin hält und durch seine Kühlung jene Teile stärkt und kühlt, weil sie es am meisten von Nöten haben.

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Er war ein Zwillings-Kopf, das ist er hatte ohne eine Mißgeburt zu sein die Kopf-Kräfte von zween. Einen Kopf im andern.

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Man kann die Fehler eines großen Mannes tadeln, aber man muß nur nicht den Mann deswegen tadeln. Der Mann muß zusammengefaßt werden.

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Wenn ich nur wüßte, wer es dem ehrlichen Mann beibringen wollte, daß er nicht klug ist.

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Die Welt ist immer in ihren Urteilen zu gütig oder unbillig.

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Alles Unglück von A bis Z. O meine liegen alle zwischen A und G (Frau, Ehe).

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Wenn der Mensch seinen Körper ändern könnte wie seine Kleider, was würde da aus ihm werden, oder wenn aus den Kleidungsstücken der Frauenzimmer immer das würde, was sie sich statt derselben hätten kaufen sollen.

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Meine Gedanken von dem Dichterwerden der Erde verdienen durchgesetzt zu werden. Alles wird dichter, alles fällt zusammen, Häuser, Berge, Brücken, und was ist unser Boden anders als eine Brücke? Saturn ist vermutlich eingestürzt. Jupiter wird einmal einstürzen. Die Veränderungen werden jetzt seltner je dichter sie wird. Wenn ich Dach-Ziegel auf der Erde finde, so schließe ich daß sie in der Höhe waren. Alles bricht zusammen und ist im Zusammenbrechen begriffen.

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Unter Physiognomik wollen wir hier nur die Kunst verstehen aus den unveränderlichen Zügen des Gesichts einer Person auf ihren Charakter zu schließen, wir wollen hier allein den Kopf betrachten, als von welchem alles kommt und wohin auch alles wieder zurückgeführt wird, und weil man nichts mehr erkennt, sobald er zugedeckt ist. Es sind selten stark bleibende Abweichungen in irgend einem Teil des Leibes die nicht auch im Gesicht ihre Zeichen hätten, Personen die verwachsen sind, zumal an den Schienbeinen, haben gemeiniglich ein sonderbares Unterkinn, die stumpfen Füße sind gemeiniglich mit stumpfen Nasen beisammen, aber nicht umgekehrt. Lange Finger gemeiniglich bei blassen Leuten.

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An einer Krankheit krank liegen, oder an den Mitteln.

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Wenn man den Ländern Namen von den Worten gäbe die man zuerst hört, so müßte England damn it heißen.

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Wenn man gar nicht einmal die Geschlechter an den Kleidungen erkennen könnte, sondern auch noch sogar das Geschlecht erraten müßte, so würde eine neue Welt von Liebe entstehen. Dieses verdiente in einem Roman mit Weisheit und Kenntnis der Welt behandelt zu werden.

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Was für einen Effekt würde es nicht auf mich haben, wenn ich einmal in einer ganz schwarz behangenen großen Stube, wo auch die Decke mit schwarzem Tuch beschlagen wäre, und bei schwarzen Fußteppichen, schwarzen Stühlen und schwarzem Canapee, in einem schwarzen Kleide bei einigen wenigen Wachskerzen sitzen müßte und von schwarz gekleideten Leuten bedient würde?

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Wahrhaftes unaffektiertes Mißtrauen gegen menschliche Kräfte in allen Stücken ist das sicherste Zeichen von Geistesstärke.

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Nichts aufgeschoben; alle Tage wenig; Pfennige gespart in allen Stücken, nicht zu viel auf einmal, und lieber oft ein wenig ist meinem Charakter am zuträglichsten, und wenn ich es nicht so ausrichte, so richte ich nichts aus.

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Was sie Herz nennen liegt weit niedriger als der 4te Westenknopf.

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Die Leute, die alles verachten, was nicht gleich ihr Liebes-Geschwätz vergöttert, sollten bedenken, daß sie es sind, die stumpf sind, denn sie haben nur für dasjenige Gefühl, wofür jeder welches haben muß.

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Was ist denn der Mensch anders als eine Kaffee-Tasse? Er sammelt im Köpfgen um ins Schüsselchen auszugießen, und das Schüsselchen taugt ohne Köpfgen nichts und das Köpfgen nichts ohne Schüsselchen.

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Das war, wie die Zeit noch keinen Bart hatte.

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Wenn eine andere Generation den Menschen aus unsern empfindsamen Schriften restituieren sollte, so werden sie glauben es sei ein Herz mit Testikeln gewesen. Ein Herz mit einem Hodensack.

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Wenn die Seele einfach ist, wozu der Bau des Gehirns so fein? Der Körper ist eine Maschine und muß also aus Maschinen-Materialien bestehen. Es ist ein Beweis daß sich das Mechanische in uns sehr weit erstreckt, da selbst noch die innern Teile des Gehirns mit einer Kunst geformt sind, wovon wir wahrscheinlicher Weise nicht den hundertsten Teil verstehen.

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Mir ist ein Kleintuer weit unausstehlicher als ein Großtuer, denn einmal verstehen es so wenig, weil es eine Kunst ist da Großtun aus der Natur entspringt, und dann läßt der Großtuer jedem seinen Wert, da der Kleintuer den, gegen welchen er es ist, offenbar verachtet. Ich habe einige gekannt, die von ihrem wenigen Verdienst, das sie hatten, mit soviel pietistischer Dünnigkeit zu sprechen wußten, als wenn sie fürchteten man möchte schmelzen, wenn sie sich in ihrem ganzen Licht zeigten. Ich habe mir aber angewöhnt über solche Leute zu lachen, und seit der Zeit sehe und höre ich sie gerne.

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Krankheiten der Seele können den Tod nach sich ziehen und das kann Selbstmord werden.

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Wer seine Talente nicht zur Belehrung und Besserung anderer anwendet ist entweder ein schlechter Mann oder äußerst eingeschränkter Kopf. Eines von beiden muß der Verfasser des leidenden Werthers sein.

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Ich denke wenn man etwas in die Luft bauen will, so sind es immer besser Schlösser als Kartenhäuser.

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Ich glaube, daß die Quelle des meisten menschlichen Elends in Indolenz und Weichlichkeit liegt. Die Nation, die die meiste Spannkraft hatte, war auch allezeit die freiste und glücklichste. Die Indolenz rächt nichts, sondern läßt sich den größten Schimpf und die größte Unterdrückung abkaufen.

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Die Metapher ist weit klüger als ihr Verfasser und so sind es viele Dinge. Alles hat seine Tiefen. Wer Augen hat der sieht (alles) in allem.

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So wie ein Taubstummer lesen und Sprachen lernt, so können wir auch Dinge tun deren Umfang wir nicht kennen, und Absichten erfüllen, die wir nicht wissen. Er spricht für einen Sinn, den er selbst nicht hat.

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Die Menschen gehn zwar nicht auf allen Vieren aber sie gehen mit allen Vieren, niemand kann geschwind laufen ohne mit seinen Händen eine ähnliche Bewegung zu machen. Viele Leut, wenn sie gehen, schleudern mit den Händen nicht aus Nachahmung, sondern aus Natur, es scheint dieselbe Kraft die die Füße bewegt bewege zugleich die Hände; auch Leute die in die Höhe springen, machen eine hüpfende Bewegung mit den Händen.

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Die Perser legen, wenn sie den größten Respekt anzeigen wollen, die Hand auf den Magen.

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Die Perser nennen ein gutes Buch Divan oder die Versammlung der Weisen.

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Da dringe ich eben darauf, das ist der eigentliche Mensch nicht, der mit uns lebt, wir müssen ihn jetzt aus der Geschichte heraus suchen.

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In Göttingen wird der Mann, der den Kopf von außen zustutzt, von dem Purschen eines größeren Vertrauens gewürdigt, als der ihn von innen zu verbessern unternimmt.

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Verständigen Personen werden nicht allein schöne Leute ohne Verstand verhaßt, sondern auch die äußerste Dienstfertigkeit bei Leuten verliert ohne Gaben des Geistes ihren Wert.

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Große Reinlichkeit ohne Geckerei, und ohne daß man merkt, daß sie gar zu sehr gesucht wird, Nachgiebigkeit und unaffektierte Bescheidenheit und Wohlwollen ohne Zwang kann zu Schönheit werden, wenigstens Liebe gewinnen.

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März.

Die Leute, die einem aus Interesse gut sind, sind es auch aus Hoffnung auf Vorteil.

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Das heißt man soll mit dem Licht der Wahrheit leuchten, ohne einem den Bart zu sengen.

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Es sind zuverlässig in Deutschland mehr Schriftsteller, als alle vier Weltteile überhaupt zu ihrer Wohlfahrt nötig haben.

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Die Orakel haben nicht sowohl aufhören zu reden als vielmehr die Menschen ihnen zuhören.

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Wie nah wohl zuweilen unsere Gedanken an einer großen Entdeckung hinstreichen mögen?

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Wir tun alle Augenblicke etwas, das wir nicht wissen, Fertigkeit wird immer größer, endlich würde der Mensch alles ohne es zu wissen tun und im eigentlichen Verstand ein denkendes Tier werden. Vernunft nähert sich der Tierheit.

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Unsere Psychologie wird endlich bei einem subtilen Materialismus stille stehn, indem wir immer von der einen Seite (Materie) mehr lernen und von der andern über alles hinausgegriffen haben.

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So sagt man jemand bekleide ein Amt, wenn er von dem Amt bekleidet wird.

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Der Mensch kann sich Fertigkeiten erwerben und kann ein Tier werden, wo er will. Gott macht die Tiere, der Mensch macht sich selber.

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Mancher Mann quält sich seine Lebenszeit, studiert sich frigid und impotent über der Entwickelung der Meinung eines Schriftstellers. Ich gebe es zu, es war eine Lebenszeit nötig das System des Mannes zu entwickeln, es vom Schmutz schmieriger Ausbesserer zu reinigen, das ist alles wahr, aber es erforderte nur viertelstündiges helles Wachen gesunder Vernunft einzusehen daß die ganze Historie keine 3 Groschen wert war.

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Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden.

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Nächst einer Methode aus allen Köpfen alles zu machen, die wohl so bald noch nicht und auf unsern Philanthropinen zuletzt erfunden werden wird, wäre es wohl am besten getan wenn man die Köpfe aussuchte, denen der Zufall eine glückliche Erziehung beschert hat. Wie glücklich wäre die Welt, wenn jeder Mensch an seine rechte Stelle käme!

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Ich bin überzeugt, man liebt sich nicht bloß in andern, sondern haßt sich auch in andern.

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Es ist schon sehr arg, daß es so viel Ehre ist heutzutag etwas Falsches zu sagen.

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Die Naturkündiger der vorigen Zeit wußten weniger als wir, und glaubten sich sehr nahe am Ziel: wir haben sehr große Schritte darauf zu getan und finden nun, daß wir noch sehr weit ab sind. Bei den vernünftigsten Weltweisen nimmt die Überzeugung von ihrer Unwissenheit zugleich mit ihrem Wachstum an Erkenntnis zu.

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Haushaltung ist in allen Dingen vorteilhaft, ein guter Gedanke. Ökonomie, Ausgabe und Einnahme zu aller Zeit gut angemerkt und bewahrt gibt einen Schatz. Gute Ökonomie ist auch da Reichtum.

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Wir vergrößern alles um uns, wir sehen manche Dinge entsetzlich vergrößert, dieser Satz gehörig genutzt führt auf vieles, Licht spalten heißt es vergrößern. Die Erde eine Turmalin-Verkleinerung.

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Alles ist sich gleich, ein jeder Teil repräsentiert das Ganze. Ich habe zuweilen mein ganzes Leben in einer Stunde gesehen.

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Was man sucht, ist gewöhnlich in der letzten Tasche, ist ein vermeintlicher Erfahrungs-Satz, den man glaube ich in allen Ländern und in allen Familien angenommen hat, und doch glaubt ihn niemand im Ernst.

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Man führt gegen den Wem nur die bösen Taten an, zu denen er verleitet, allein er verleitet auch zu hundert guten, die nicht so bekannt werden. Der Wein reizt zur Würksamkeit, die Guten im guten und die Bösen im bösen.

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Wenn er sprach, so fielen in der ganzen Nachbarschaft die Mäusefallen von selbst zu.

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Ich sehe das Grab auf meinen Wangen, den 16. April 1777.

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Der Mensch wird ein Sophist und über-witzig, wo seine gründlichen Kenntnisse nicht mehr hinreichen; alle müssen es folglich werden, wo es auf Unsterblichkeit der Seele und Leben nach dem Tode ankommt. Da sind wir alle ungründlich. Materialismus ist die Asymptote der Psychologie.

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Daß wir nur Geschmack an englischen und französischen Sachen haben ist ein Zeichen, daß unser Geschmack und Kräfte sich von einander entfernt haben. Unser Appetit ist leckerer als es noch zur Zeit unser Boden mit sich bringt.

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Es ist als wenn unsere Sprachen verwirrt wären; wenn wir einen Gedanken haben wollen, so bringen sie uns ein Wort, wenn wir ein Wort fordern, einen Strich, und wo wir einen Strich erwarteten, steht eine Zote.

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Es ist sehr gefährlich, sagt Voltaire, in Dingen Recht zu haben, wo große Leute Unrecht gehabt haben.

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Es ist allezeit betrübt für mich wenn ich bedenke, daß man in der Untersuchung mancher Dinge zu weit gehen kann, ich meine, daß sie unserer Glückseligkeit nachteilig werden können. Eine Probe habe ich darin an mir. Ich wünsche ich wäre in meinen Bemühungen das menschliche Herz kennen zu lernen minder glücklich gewesen. Ich verzeihe den Leuten ihre Bosheiten weit lieber als vorher, das ist wahr, wenn jemand in Gesellschaft übel von mir redet, zumal wenn es nur geschieht die Gesellschaft zu belustigen, so kann ich ihm deswegen nicht im mindesten aufsätzig werden, ich mache mir im strengsten Verstände nichts daraus, nur muß es nicht mit wallendem Blut und Hitze geschehen oder grobe Verleumdung sein, die glaube ich nicht zu verdienen. Hingegen ist mir zu wenig an dem Lob der Leute gelegen, ihr Neid wäre allenfalls das einzige was mich noch freuen würde. Das sollte in der Welt nicht sein. Also ist auch hier harmonischer Wachstum des ganzen Erkenntnis-Systems nötig. Wo ein Teil zu sehr kultiviert wird führt es immer auf kleines oder großes Unheil am Ende hinaus.

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Der Mensch hat einen unwiderstehlichen Trieb zu glauben man sähe ihn nicht wenn er nichts sieht. Wie die Kinder, die die Augen zuhalten um nicht gesehen zu werden.

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Aus dem Blöken des Kindes ist Sprache so geworden, wie aus dem Feigenblatt ein französisches Gala-Kleid.

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Ich kann nicht sagen, daß ich ihm feind gewesen wäre, aber auch nicht gut, es hat mir nie von ihm geträumt.

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Ein kluges Kind, das mit einem närrischen erzogen wird, kann närrisch werden. Der Mensch ist so perfektibel und korruptibel, daß er aus Vernunft ein Narr werden kann.

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Ich kann nur die Oberfläche der Leute auf meine Seite bringen, ihr Herz erhält man nur mit ihrem sinnlichen Vergnügen, des bin ich so überzeugt als ich lebe.

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Ich will die Falte in Ihrem Kopf nicht anders brechen, aber ich kann Ihnen sagen, es ist nicht wahr.

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Über nichts wünschte ich mehr die geheimen Stimmen denkender Köpfe gesammelt zu lesen, als über die Materie von der Seele. Die lauten öffentlichen verlange ich nicht, die weiß ich schon. Allein die gehören nicht sowohl in eine Psychologie als in eine Statuten-Sammlung. Was wird noch aus diesem Geschlecht werden ehe es vergeht? Die Welt kann leicht noch 1 Million Jahre so fort rollen wie bisher, und da wären 5000 Jahr grade was ¼ Jahr in dem Leben eines Menschen von 50 ist, kaum 1/2 unsrer Universitäts-Zeit. Was habe ich das letzte Viertel-Jahr getan? Gegessen, getrunken, elektrisiert, Kalender gemacht, über eine junge Katze gelacht, mit kleinen Mädchen gespielt, und so sind 5000 Jahr dieser kleinen Welt hingelaufen die Ich bin pp.

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Vorstellungen sind auch ein Leben und eine Welt.

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Grabsteine für Bücher.

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Frage: Könnte ein Mensch so erzogen werden, daß er, ohne eigentlich von Sinnen zu kommen, seine Begriffe so seltsam verbände, daß er in der Gesellschaft nicht zu gebrauchen wäre, ein artifizieller Narr.

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Nicht die Lügen, sondern die sehr feinen falschen Bemerkungen sind es die die Läuterung der Wahrheit aufhalten.

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Ich habe es sehr deutlich bemerkt: Ich habe oft die Meinung wenn ich liege und eine andere wenn ich stehe. Zumal wenn ich wenig gegessen habe und matt bin.

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Eigne Schwachheiten, wenn man (es) sonst wohl meint, aus der Natur des Menschen zu entschuldigen ist die erste Pflicht jedes Schriftstellers gegen sich selbst.

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Mit dem Band das ihre Herzen binden sollte haben sie ihren Frieden stranguliert.

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Unter den Opfern die man ihm brachte war ihm immer der ehrliche Namen eines Feindes das Angenehmste.

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Sie geben uns Brüche von Gedanken, die der Teufel selbst nicht unter einerlei Benennung bringen kann.

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Das ist toll genug einen Narren klug zu machen, bei meiner Ehre.

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In diesem schön gemalten und glasierten Porzellan-Alter der Welt.

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So traurig stund er da wie das Trinkschälgen eines krepierten Vogels.

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Damals als die Seele noch unsterblich war.

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Alle Unparteilichkeit ist artifiziell. Der Mensch ist immer parteiisch und tut sehr recht daran. Selbst Unparteilichkeit ist parteiisch. Er war von der Partei der Unparteiischen.

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Das wird selbst die deutsche Sprache überleben.

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Dessen, was wir mit Gefühl beurteilen können, ist sehr wenig und simpel, das andere ist alles Vorurteil und Gefälligkeit.

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Man läßt sich jetzt seinen Schatten besehen wie ehmals sein Wasser.

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Man scherzt so viel über Mohren die einen Handel mit Menschen treiben, aber welches ist grausamer, sie verkaufen, oder zu kaufen?

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Es gibt Schwärmer ohne Fähigkeit und dann sind sie würklich gefährliche Leute.

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Schlankheit gefällt wegen des bessern Anschlusses im Beischlaf und der Mannigfaltigkeit der Bewegung.

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Daß einem (wenigstens mir) so oft träumt, man rede mit einem Verstorbenen von eben demselben als dem Verstorbenen, könnte von den ähnlichen Hemisphärien des Gehirns herrühren, so wie man doppelt sieht, wenn man Ein Auge drückt. Im Traum sind wir Narren, der Scepter fehlt, es hat mir oft geträumt, ich äße gekochtes Menschenfleisch. Von der Natur der Seele aus Träumen ist eine Materie, die des größten Psychologen würdig wäre. Der selige Faber zu Jena hat einmal hier etwas in der deutschen Gesellschaft vorgelesen.

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Gesicht und Seele sind wie Silbenmaß und Gedanken.

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Es gibt keine wichtigere Lebens-Regel in der Welt, als die: halte dich, so viel du kannst, zu Leuten, die geschickter sind als du, aber doch nicht so sehr unterschieden sind, daß du sie nicht begreifst. Das Erheben wird deinem Ehrgeiz durch Instinkt leichter werden, als dem allzugroßen das Herablassen aus kalter Entschließung.

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Das Mädchen ist ganz gut, man muß nur einen andern Rahmen drum machen lassen.

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Wir sind alle Blätter an einem Baum, keins dem andern ähnlich das eine symmetrisch, das andere nicht, und doch gleich wichtig dem Ganzen. Diese Allegorie könnte durchgeführt werden.

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Aus einem Augenblick läßt sich kein Gesicht beurteilen, es muß eine Folge da sein.

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Es ist schade, daß es keine Sünde ist Wasser zu trinken, rief ein Italiäner, wie gut würde es schmecken.

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Eine jede Sache hat ihre Werktags- und Sonntagsseite.

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Es ließe sich ein philosophisches Traumbuch schreiben, man hat, wie es gemeiniglich geht, seine Altklugheit und Eifer die Traumdeutungen empfinden lassen, die eigentlich bloß gegen die Traumbücher hätte gewendet werden sollen. Ich weiß aus unleugbarer Erfahrung daß Träume zu Selbst-Erkenntnis führen. Alle Empfindung, die von der Vernunft nicht gedeutet wird, ist stärker. Beweis das Brausen in den Ohren während des Schlafs, das bei Erwachen nur sehr schwach befunden wurde. Daß es mir alle Nacht von meiner Mutter träumt und daß ich meine Mutter in allem finde ist ein Zeichen wie stark jene Brüche des Gehirns sein müssen, da sie sich gleich wieder herstellen, so bald das regierende Principium den Scepter niederlegt. Merkwürdig ist, daß einem zuweilen von Straßen der Vaterstadt träumt, man sieht besondere Häuser, die einen frappieren, bald darauf aber besinnt man sich und findet (wiewohl es falsch ist), es sei ehmals so gewesen.

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Mir ist es oft mit Physiognomik so gegangen: Man sieht jemanden mit einem schläfrigen Gesicht, nun ist er schläfrig, man hört den Mann sprechen und er spricht geschwind, ha! das ist ein munterer Kopf, nun sehe ich ihm die geschwinde Sprache in den Augen, und alles sieht zwar stille aus aber in gespannter Ruhe. Er ist an einem Abend in einem tändelnden Hümeur, das ist ein einfältiger Kerl, auch das trage ich in das Gesicht. Endlich steht er mir in einer Gefahr bei, nun ist es ein vernünftiger feiner, guter Kerl bei dessen Namen man Freuden-Zähren vergießt. Und so hat man freilich endlich den Mann kennen gelernt, und seinen Charakter in sein Gesicht übergetragen.

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Und was ist Kränklichkeit (nicht Krankheit) anderes als innere Verzerrung?

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Von dem, was der Mensch sein sollte, wissen auch die besten nicht viel Zuverlässiges, von dem, was er ist, kann man aus jedem etwas lernen.

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Wenn ich noch ein Zeichen des Verstandes angeben soll, das mich selten betrogen hat, so ist es dieses, daß die Leute, die sehr viel älter sind, als sie scheinen, selten viel Verstand hatten, und umgekehrt junge Leute die alt aussehen sich auch dem Verstand des Alters nähern. Man wird mich verstehen und nicht etwa glauben daß (ich) unter Jung-Aussehen Gesundheit und frische Farbe und unter Anschein des Alters Falten und Blässe verstehe.

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Auch Gelegenheit macht nicht Diebe allein, sie macht auch beliebte Leute, Menschenfreunde, Helden, von dem Einfall, den ein Witziger hat, gehört mehr als die Hälfte dem Dummkopf zu, den er traf. (umständlich ausgeführt)

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Der Sturm am Berge, das Rauschen des Eichenwaldes und das Silber-Gewölke sind alles ganze gute Sachen, aber neue Bilder sind besser.

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Es regnet allemal wenns Jahrmarkt ist, oder wenn wir Wäsche trocknen wollen, was wir suchen ist immer in der letzten Tasche in die wir die Hand stecken.

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Ich empfehle Träume nochmals; wir leben und empfinden so gut im Traum als im Wachen und sind jenes so gut als dieses, es gehört mit unter die Vorzüge des Menschen, daß er träumt und es weiß. Man hat schwerlich noch den rechten Gebrauch davon gemacht. Der Traum ist ein Leben, das, mit unserm übrigen zusammengesetzt, das wird, was wir menschliches Leben nennen. Die Träume verlieren sich in unser Wachen allmählig herein, man kann nicht sagen, wo das Wachen eines Menschen anfängt.

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Eine angenehme Stimme ist sehr oft mit sonst übrigens guten Eigenschaften des Leibes und der Seele verbunden. Und doch sind so viel Sängerinnen Huren und die meisten Menschen haben schlechte Stimmen. Auch Herr Leib-Medicus Z.

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Es ist merkwürdig in dem Sehen ohne Licht, daß das, was man sieht wenn man die Augen im Dunkeln zuschließt, Anfänge zu Träumen werden können, bei wachender Vernunft ist die Folge ganz anders, als im Schlaf. Ich mögte wissen ob die Tiere dummer träumen, als sie im Wachen sind, ist dieses, so haben sie einen Grad von Vernunft.

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Die Leute sagen immer, was der Mann originell schreibt, mir kommt der Stil nichts weniger als selten vor; es ist die Schreib-Art aller Leute, die mehr sagen wollen, als sie wissen, und welche eben deswegen der Menge gefällt, weil sie ihr glauben macht sie verstünde Dinge, von denen sie kein Wort weiß.

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Wir sehen, ein jeder, nicht bloß einen andern Regenbogen, sondern ein jeder einen andern Gegenstand und jeder einen andern Satz als der andere.

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Wenn Vernunft, die Tochter des Himmels, von Schönheit urteilen dürfte, so wäre Krankheit die einzige Häßlichkeit.

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Was einem das Absolute in dem Schönen der griechischen Gesichtsbildung immer verdächtig macht, ist daß es eine Art von Gelehrsamkeit ist, es zu erkennen, (med.)

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Daß ich etwas, ehe ich es glaube, erst durch meine Vernunft laufen lasse ist mir nicht ein Haar wunderbarer, als daß ich erst etwas im Vorhof meiner Kehle kaue, ehe ich es hinunter schlucke. Es ist sonderbar so etwas zu sagen und für unsere Zeiten zu hell, aber ich fürchte es ist für 200 Jahr, von hier ab gerechnet, zu dunkel.

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Der Maler, der ein Gesicht mit wenigen Strichen in der Geschwindigkeit trifft, muß unstreitig in dem Gesicht mehr sehen als ich, ob er gleich wenn er es mir erklären will, weil er nur Worte gebrauchen kann, die alle schon gestempelt sind, weiter nichts sagt als ich auch.

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Eine von den Haupt-Konvenienzen der Ehe ist die, einen Besuch, den man nicht ausstehen kann, zu seiner Frau zu weisen.

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Ich glaube grade das Gegenteil, daß nämlich das meiste Gute in der Welt durch Menschen getan wird, die ihrer schönen Bildung wegen nicht in Betrachtung kommen. Oder das meiste Unheil in der Welt hat die Schönheit gestiftet. Ob sie gleich das Glück oder vielmehr die Wollust einzelner mag befördert haben.

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Du weißt nicht einmal aus einem Teil des Leibes zu sagen, wie der andere aussieht, und willst aus dem Leib auf den Geist schließen.

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Dieses unbegreifliche Wesen, das wir selbst sind, und das uns noch weit unbegreiflicher vorkommen würde, wenn wir ihm noch näher kommen könnten als wir selbst sind, muß man nicht auf einer Stirne finden wollen.

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Ich kann mir vorstellen, daß ein Mensch der von einer Kanonen-Kugel tödlich getroffen wird in einem Sekunden langen Beben seines Gehirns sein ganzes Leben in einem Punkt sieht und fühlt.

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Das Hutabnehmen ist eine Abkürzung unsres Körpers, ein Kleinermachen.

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Daß die Menschen so oft falsche Urteile fällen rührt gewiß nicht allein aus einem Mangel an Einsicht und Ideen her, sondern hauptsächlich davon, daß sie nicht jeden Punkt im Satz unter das Mikroskop bringen, und bedenken.

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Tausend sehn den Nonsense eines Satzes ein ohne im Stand zu sein noch Fähigkeit zu besitzen ihn förmlich zu widerlegen.

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Gedanken im Klingel-Beutel sammeln zu einer Rede auf den Geburtstag des Königs.

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Ein gesunder Appetit, und die damit gemeiniglich verbundene Hochachtung gegen das Frauenzimmer.

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Ich habe oft auf dem Punkt gestanden, mit so viel Überzeugung zu glauben, daß man, um der Nachwelt zu gefallen, von der jetzigen gehaßt werden müßte, daß ich alles anzufallen Neigung fühlte.

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Ich bin sehr viel mitleidiger in meinen Träumen, als im Wachen.

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Neue Blicke durch die alten Löcher.

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Ein reines Herz und ein reines Hemd. (Ein reines Herz ist eine vortreffliche Sache, und ein reines Hemd auch.)

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Es soll mir zur Warnung dienen, ich will künftig nichts mehr drucken lassen, ohne es wie jener große französische Dichter meiner Köchin vorzulesen.

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Sie scheinen mich mit Rosinen und Mandeln zu füttern, und mich hernach als einen fetteren Bissen zu verschlingen.

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Es ist die Frage, ob nicht selbst Tiere, wenn man sie in ihrem Bau stört, einen Weg erwählen, der vom vorigen verschieden zu demselben Endzweck führt.

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Zween Leute, wovon der eine den andern bekehren wollte und nicht bekehrt hat, vereinigen sich um – mich zu bekehren und werden mich schwerlich bekehren.

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Selbst dieselben Züge, die wir häßlich nannten, können schön in unsern Augen werden.

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O ich kenne die Leute allzu wohl, die aus gedemütigtem Stolz oder blinder Hitze immer eine Meile über oder unter der Wahrheit nisten.

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Ein Amen-Gesicht.

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Wenn die feinen Welt-Leute fragen: Gott weiß warum? so ist es immer ein sicheres Zeichen, daß sie außer dem lieben Gott noch einen großen Mann kennen, der es auch weiß.

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Es ist eine traurige Liebe, wo man zum erstenmal im Grab mit einander zu Bette geht.

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Was hilft alles Schließen aus Erfahrung? ich leugne nicht, daß es zuweilen eintrifft. Aber fehlt es nicht auch eben so oft? und ist das nicht was ich sagen wollte? Glücksspiel.

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Das Ideal von Stärke und Tugend müßte die größte Schönheit sein, freilich das würden und müßten wir so nennen. Doch könnte es mit Befriedigung sinnlicher Lust streiten, die richtet auch mit. Wir lieben uns in andern, wo wir Güte erkennen, gefällt uns das Gesicht. Aber kann man das eigentlich mit zu der Schönheit rechnen? Schön nennen die Leute sehr oft was ihnen gefällt und das ist relativ.

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Dieses ist eine sehr fruchtbare Wahrheit, wenn man sie in einem gesunden Kopf bewahrt, so hat sie, wie die Glücks-Pfennige, alle Morgen eine neue bei sich liegen.

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Die Klugheit eines Menschen läßt sich aus der Sorgfalt ermessen, womit er das Künftige oder das Ende bedenkt. Respice finem.

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Von dem der skribbelt bis zu dem der schreibt.

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Was das sonderbar wäre, wenn einmal eines Mund anfing seine geheimsten Geschichten zu erzählen ohne daß man ihn aufhalten könnte, und dabei müßte man seine völlige Vernunft behalten. Eine sehr lächerliche Situation.

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Sogar aus den Hunden läßt sich etwas machen, wenn man sie recht erzieht, man muß sie nur nicht mit vernünftigen Leuten, sondern mit Kindern umgehen lassen, so werden sie menschlich. Dieses ist eine Bestätigung von meinem Satz, daß man Kinder immer zu Leuten halten müsse die nur um ein weniges weiser sind, als sie selbst.

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Es waren eigentlich nur 2 Personen in der Welt, die er mit Wärme liebte, die eine war jedesmal sein größter Schmeichler, und die andere war er selbst.

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Wie wir noch ein halbes Jahr jünger waren, da wars ganz anders.

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Bei manchem Werk eines berühmten Mannes mögte ich lieber lesen was er weggestrichen hat, als was er hat stehen lassen.

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Belehrung findet man öfter in der Welt als Trost.

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Der Blitz der Überzeugung zündete überall.

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Ich habe sehr oft folgendes bemerkt: je mannigfaltiger die Begebenheiten sind, die sich ereignen, desto geschwinder verstreichen einem zwar die Tage, allein desto länger dünkt einen die vergangene Zeit, die Summe dieser Tage, hingegen je einförmiger die Beschäftigungen, desto länger werden einem die Tage, und desto kürzer die vergangene Zeit oder ihre Summe. Die Erklärung ist nicht sehr schwer.

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Gott, der unsere Sonnen-Uhren aufzieht.

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Es ist eine Frage ob der Mensch nicht eher niest als er weint.

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Nicht sagen, der diesen Kopf hat ist ein verständiger Mann, sondern dahin muß man es zu bringen suchen: der so aussieht ist 100 gegen 1 ein verständiger Mann.

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Einige mutwillige Leute haben behauptet, so wie es keine Mäuse gäbe, wo man keine Katzen halte, so gäbe es auch keine Besessene wo es keine Teufelaustreiber gäbe.

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Wenn man einmal weiß, daß einer blind ist, so meint man [man] könnte es ihm auch von hinten ansehen.

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Wir können nicht beweisen, daß die Planeten mit vernünftigen Geschöpfen bewohnt sind, dem ohngeachtet glaube ich es, so kann jemand glauben, die Seele sterbe mit dem Leib, ob er es gleich strikte nicht beweisen kann.

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Du hast diese Züge zehenmal beisammen gefunden, aber hast du auch die Fälle gezählt da du sie nicht beisammen gefunden hast?

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Bücher, die man junge Leute will lesen machen, muß man ihnen nicht sowohl selbst empfehlen, als in ihrer Gegenwart loben. Sie finden sie hernach von selbst, so ist es mir gegangen.

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Der Trieb unser Geschlecht fortzupflanzen hat noch eine Menge anderes Zeug fortgepflanzt.

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Die Kunsttriebe der Tiere sind eine Offenbarung, einzelne Stückgen aus einem Zirkel von Kenntnissen, den sie nicht ganz wissen konnten, ohne sehr hohe Wesen zu sein. So können andere Geschöpfe unsere Offenbarung als Kunsttrieb ansehen, uns zum ewigen Leben zu leiten, nicht bloß die Offenbarung, sondern schon den Trieb sich Götter zu schaffen.

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Wenn es uns im Dunkeln beißt, so können wir gemeiniglich mit einer Nadelspitze die Stelle finden, was für einen gnauen Plan muß die Seele von ihrem Körper haben?

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Das viele Lesen hat uns eine gelehrte Barbarei zugezogen.

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Unstreitig ist die männliche Schönheit noch nicht genug von den Händen gezeichnet worden, die sie allein zeichnen könnten, von weiblichen. Mir ist es allemal angenehm wenn ich von einer neuen Dichterin höre. Wenn (sie) sich nur nicht nach den Gedichten der Männer bildeten, was könnte nicht da entdeckt werden.

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Ich habe mich zuweilen recht in mir selbst gefreut, wenn Leute, die Menschenkenner und Weltweise sein wollen, über mich geurteilt haben. Wie entsetzlich sie sich irren, der eine hielt mich für weit besser, und der andere für weit schlimmer als ich war, und das immer aus sehr feinen Gründen, wie er glaubte.

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Manchen Personen muß man sehr nahe kommen, um den Reiz zu sehen, den ihnen das gute gefällige Gemüt gibt. Kann es nicht eben deswegen bei manchen ganz unkenntlich sein?

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Ziererei, ein sehr gutes Wort, wenn einer etwas nicht gestehn will, was er doch gern von sich geglaubt.

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Es sind wenig Menschen, die nicht manche Dinge glauben sollten, die sie bei gnauer Überlegung nicht verstehen würden. Sie tun es bloß auf das Wort mancher Leute, oder denken, daß ihnen die Hülfs-Kenntnisse fehlen, mit deren Erwerbung alle Zweifel würden gehoben werden. So ist es möglich, daß ein Satz allgemein geglaubt werden kann, dessen Wahrheit noch kein Mensch geprüft hat.

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Wenn eine Betschwester einen Bet-Bruder heiratet, so gibt das nicht allemal ein betendes Ehepaar.

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Wir gingen an dem Tage einen englischen Kunstbereuter zu sehen, der bereits zweimal zum letztenmal gespielt hatte, und nun Anstalt machte zum erstenmal das allerletztemal zu spielen.

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Wir verbrennen zwar keine Hexen mehr, aber dafür jeden Brief, worin eine derbe Wahrheit gesagt ist.

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Die Kinder werden so schlecht gemacht, man meint die Leute lernten es aus dem Zeichenbuch.

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Wir sehen verstorbene Personen im Traum öfter doppelt (ich meine wir wissen daß sie tod sind und sprechen doch mit ihnen, erzählen es ihnen wohl gar selbst), ich sage öfter als daß es bloßer Zufall sein könnte. Es verdient daher unsere Aufmerksamkeit. Es rührt also wahrscheinlich davon her, daß unser Gehirn doppelt ist, symmetrisch, oder daß wir würklich wachend uns eben so die Sache vorstellen, und daß uns die Vernunft bei jedem Schritt immer wieder belehrt.

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Wenn einem zum Tod Verurteilten eine Stunde geschenkt wird, so ist sie ein Leben wert.

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Wir wissen zuverlässig, daß ihm ein einziger so genannter Kraft-Ausdruck oft 2 bis 3 Stunden kosten soll. Solche Mühe gibt sich die Natur die Menschen bei solchen Jahren von Kindereien abzuhalten und solche Mühe geben sich schwache Köpfe der Natur entgegen zu arbeiten.

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Daß Leute, die so erstaunlich lesen, oft so schlechte Denker sind kann seinen Grund ebenfalls in der Beschaffenheit unseres Gehirns haben. Es ist ja wahrhaftig nicht einerlei ob ich einen Satz ohne Mühe lerne, oder ob ich selbst nach meinem System endlich darauf komme. Beim letztern hat alles Wurzeln, beim erstern ist es bloß angeklebt.

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Ich gehe oft, wenn ein Bekannter vorbeigeht, vom Fenster weg, nicht sowohl um ihm die Mühe einer Verbeugung, als vielmehr mir die Verlegenheit zu ersparen zu sehen, daß er mir keine macht.

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Daß wir uns im Traume selbst sehen, kommt vom Spiegel-Sehen her, bei welchem wir nicht denken, daß es im Spiegel ist. Es ist aber im Traum die Vorstellung lebhafter und das Bewußtsein und Denken geringer.

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Es sind gewiß wenig Pflichten in der Welt so wichtig als die die Fortdauer des Menschen-Geschlechts zu befördern, und sich selbst zu erhalten, denn zu keiner werden wir durch so reizende Mittel gezogen, als zu diesen beiden.

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Er war zwar etwas unpoliert, aber würklich ein rechter Zebra unter den Eseln, oder unter seiner Gesellschaft.

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Wenn du die Geschichte eines großen Verbrechers liesest, so danke immer, ehe du ihn verdammst, dem gütigen Himmel, der dich mit deinem ehrlichen Gesicht nicht an den Anfang einer solchen Reihe von Umständen gestellt hat.

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Du glaubst ich laufe dem Sonderbaren nach weil ich das Schöne nicht kenne, nein weil du das Schöne nicht kennst, deswegen suche ich das Sonderbare.

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So wie man jeden ganzen Feiertag für einen Sonntag, und (den) folgenden Tag für einen Montag hält.

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So wie die Knaben so lange kratzen und schaben bis sie einen Bart heraus schaben.

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Schmierbuch-Methode bestens zu empfehlen. Keine Wendung, keinen Ausdruck unaufgeschrieben zu lassen. Reichtum erwirbt man sich auch durch Ersparung der Pfennigs-Wahrheiten.

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Eine Regel beim Lesen ist die Absicht des Verfassers, und den Hauptgedanken sich auf wenig Worte zu bringen und sich unter dieser Gestalt eigen zu machen. Wer so liest ist beschäftigt, und gewinnt, es gibt eine Art von Lektüre wobei der Geist gar nichts gewinnt, und viel mehr verliert, es ist das Lesen ohne Vergleichung mit seinem eigenen Vorrat und ohne Vereinigung mit seinem Meinungs-System.

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Wir bewundern zuweilen die Kräftigkeit der Sprachen unausgebildeter Nationen, die unsrige ist es nicht weniger, unsere gemeinsten Ausdrücke sind oft sehr poetisch, allein das Poetische eines Ausdrucks verliert sich, wenn er uns gemein wird, der Laut bringt den Begriff hervor, und das Bild, das vorher das Mittel war, verschwindet und mit ihm zugleich alle die Neben-Ideen.

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Inhaltsverzeichnis

Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man bedenkt: was für Zeit und Mühe auf die Erklärung der Bibel gewendet worden ist. Wahrscheinlich ein Million Oktav-Bände jeder so stark als einer der allg(emeinen). d(eutschen). Biblioth. Und was wird am Ende der Preis dieser Bemühungen nach Jahrhunderten oder -tausenden sein? Gewiß kein anderer als der: die Bibel ist ein Buch von Menschen geschrieben, wie alle Bücher. Von Menschen die etwas anderes waren als wir, weil sie in etwas andern Zeiten lebten; etwas simpler in manchen Stücken waren als wie wir, dafür aber auch sehr viel unwissender; daß sie also ein Buch sei worin manches Wahre und manches Falsche, manches Gute und manches Schlechte enthalten ist. Je mehr eine Erklärung die Bibel zu einem ganz gewöhnlichen Buche macht, desto besser ist sie, alles das würde auch schon längst geschehen sein, wenn nicht unsere Erziehung, unsere unbändige Leichtgläubigkeit und die gegenwärtige Lage der Sache entgegen wären.

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Zu Aufweckung des in jedem Menschen schlafenden Systems ist das Schreiben vortrefflich, und jeder der je geschrieben hat, wird gefunden haben, daß Schreiben immer etwas erweckt was man vorher nicht deutlich erkannte, ob es gleich in uns lag.

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Man soll alle Menschen gewöhnen von Kindheit an in große Bücher zu schreiben, alle ihre Exercitia, in hartes Schweinsleder gebunden. Da sich kein Gesetz daraus machen läßt, so muß man Eltern darum bitten, wenigstens mit Kindern, die zum Studieren bestimmt sind. Wenn man jetzt Newtons Schreibbücher hätte! Wenn ich einen Sohn hätte, so müßte er gar kein Papier unter Händen bekommen, als eingebundenes, zerrisse er es, oder besudelte er es, so würde ich mit väterlicher Dinte dabei schreiben: dieses hat mein Sohn anno * den * ten besudelt. Man läßt den Körper und Seele, das Punctum saliens der Maschine fortwachsen und verschweigt und vergißt es. Die Schönheit wandelt auf den Straßen, warum sollten nicht in dem Familien-Archiv die Produkte, oder vielmehr die Signaturen der Fortschritte des Geistes hinterlegt bleiben, und der Wachstum dort eben so sichtbar aufbewahrt liegen können? Der Rand müßte gebrochen werden, und auf einer Seite immer die Umstände und zwar sehr unparteiisch geschrieben werden. Was für ein Vergnügen würde es mir sein, jetzt meine Schreibbücher alle zu übersehen! Seine eigne Naturgeschichte! Man sieht jetzt immer was man ist und sehr schwach was man war. Man müßte den eigentlichen Gegenstand der Sammlung die Dinge nicht zu oft sehen lassen. Vielleicht nur erst spät sehen lassen, das übrige müßte er bloß aus Relationen kennen. Man hebt die Kinderhäubchen auf, und ich habe öfters selbst den Zusammenkünften mit beigewohnt, da man einem sehr großen, besoldeten und ansehnlichen Kopf sein Kinderhäubchen wies. Warum nicht eben so mit Werken des Geistes. Die Eltern könnten eine solche Sammlung von Bänden eben so aufbewahren, wie ihr Kind, denn es ist der Spiegel desselben. Wie sie seinen Leib zu bilden haben lehrt sie ihr Auge; wie seinen Geist, der Anblick dieser Bände. Vom 4 ten Jahre glaube ich könnte man anfangen. Kein Band müßte verloren werden. Denn das Papier müssen sie doch bezahlen, und das Aufbehalten macht keine Schwierigkeiten. Ich wüßte nicht welches angenehmer und nützlicher wäre, die Bewegung aller Planeten zu kennen, oder diese Annalen einiger vorzüglicher Menschen. Die Welt würde dadurch sehr gewinnen.

*

Man muß die Kinder in einen Korb sperren, aber ihnen den Korb so angenehm machen als möglich, das heißt, wer ein großer Violinenspieler werden soll muß täglich 8 Stunden geigen, von der Zeit an, da er eine Geige halten kann, usw. Das ist der Korb, aus dem er nicht darf, allein darin muß ihm alles sehr erleichtert werden.

*

Wenn bei kleinen Personen alles Innere stark und gut ist, so sind sie gewöhnlich lebhafter als andere Menschen, weil bei gleicher Bluterzeugung weniger Masse zu versorgen ist. Zwerge und Riesen sind gemeiniglich gleich dumm, weil bei erstem die Kräfte fehlen, und bei letzteren zu viel zu bestreiten ist. Vielleicht kömmt es noch dahin, daß man die Menschen verstümmelt, so wie die Bäume, um desto bessere Früchte des Geistes zu tragen. Das Kastrieren zum Singen gehört schon hieher. Die Frage ist ob sich nicht Maler und Poeten eben so schneiden ließen.

*

Es müßte artig lassen, wenn man eine ganze Stadt auf eine Waage bauen könnte, das beständige Schwanken zu bemerken.

*

Es ist freilich nötig, daß, wenn die nützliche, arbeitende Volks-Klasse erhoben werden soll in Kenntnissen, die höhere sehr viel weiter sein muß um sie nachzuschleppen. Allein dieses sehr viel weiter ist relativ. Wenn unsere Gelehrten so fortarbeiten, so werden sie sich immer mehr von der gemeinen Menschen-Klasse entfernen, und der Eifer, jene nach sich zu ziehn, wird immer größer, aber auch die Verachtung größer werden, womit man jene Menschen ansieht. Der Katholike ist in dieser Rücksicht billiger als wir, er gibt das nach, was wir verlangen, daß der Niedrigere zugeben soll. Er segelt langsamer um die schlechten Segler bei sich zu behalten, wir mit vollen Segeln, und hoffen, was kaum zu erwarten ist, daß uns die Kleinen nachkommen sollen.

*

Auf Flügeln der Lunge.

*

Das Alter (Zahl der Jahre) macht klug, das ist wahr, dieses heißt aber nichts weiter als Erfahrung macht klug. Hingegen Klugheit macht alt (das heißt Reue, Ehrgeiz, Ärger macht die Backen einfallen, die Haare grau, und ausfallen) ist nicht minder wahr. Diese täglichen Lehren mit Züchtigung, zwar nicht auf den Arsch, aber an gefährlicheren Teilen eingeschärft, sind ein wahres Gift. (med)

*

Ich habe einmal, wo ich nicht irre in Rousseau's Emil gelesen, daß ein Mann der täglich mit der Sonne aufstund und mit Untergang derselben zu Bette ging, über 100 Jahr alt geworden sein soll. Ich glaube aber, wo man eine solche Ordnung in einem Manne antrifft, da sind auch mehrere zu vermuten, und diese mögen dann die Ursache des Alters gewesen sein.

*

Der schwächste aller Menschen ist der Wollüstling, der nach dem Leibe sowohl als der nach dem Geist, ich meine der Hurer und der Betbruder, der der mit Mädchen und der mit Religion hurt. Gott bewahre alle Menschen vor einem so hurenden Könige und Minister. Und Gott behüte einen solchen König und Minister vor vernünftigen Untertanen.

*

Bayern, sagt der König, ist ein Paradies von Tieren (Bestien hätte er sagen sollen) bewohnt.

*

Die Träume können dazu nützen, daß sie das unbefangene Resultat, ohne den Zwang der oft erkünstelten Überlegung, von unserm ganzen Wesen darstellen. Dieser Gedanke verdient sehr beherzigt zu werden.

*

Ein Schullehrer und Professor kann keine Individuen erziehn, er erzieht bloß Gattungen. Ein Gedanke, der sehr viele Beherzigung und Auseinandersetzung verdient.

*

Man läßt die Kinder im 14 ten Jahre konfirmieren, man sollte sie im 25 ten konfirmieren lassen, oder wenigstens neu bewerfen lassen, wie die Häuser zu Göttingen. – Man muß seine Philosophie alle 10 Jahre neu bewerfen lassen.

*

Wenn man alt wird, muß man sich wieder junge Katzen und junge Ziegen anschaffen, um das bißchen Konsonanz das sich noch in den weichsten Fibern findet wieder zu erwecken.

*

Verhunzdeutschen. Er hat es verhunzdeutscht.

*

Ob ich gleich weiß, daß sehr viele Rezensenten die Bücher nicht lesen die sie so musterhaft rezensieren, so sehe ich doch nicht ein was es schaden kann, wenn man das Buch lieset, das man rezensieren soll.

*

Je größer die Veränderung von der Ruhe zum Lachen oder von der Ruhe zum Weinen im Gesicht ist, desto empfindlicher ist (sie). Ich habe in meinem Leben keine solche Veränderung gesehen, als in dem Gesicht meines ältesten Jungen, wenn er lächelt und wenn er weint. Im ersten Fall habe ich nicht leicht ein himmlischeres Gesicht gesehen, und wenn er weint, so bekömmt er eine Art von 50jährigem Gesicht das ganz 4eckigt wird, da das andere sonst rund ist. Ich habe ihn daher den Wagenmeister genannt, weil der selige Bruns, unser 4schrötiger Wagenmeister, ohngefähr ein solches Gesicht hatte.

*

Ich habe mich nach dem Strom der Gesinnungen gerichtet, und zweierlei gesucht, entweder reich oder ein Betbruder zu werden, es ist mir aber keines geglückt.

*

Es ist eine schöne Ehre die die Frauenzimmer haben, die einen halben Zoll vom Arsch abliegt!

*

Selbst, daß sich so viele Schriftsteller Mühe geben, Friedrich dem Großen seine Menschlichkeiten vorzurücken, zeigt kräftiger, als alles Lob seiner Panegyristen, daß sie ihn für etwas Übermenschliches hielten, den sie mit ihrem Tadel nicht sowohl zu erniedrigen, als mit dem was man einen bloß großen Menschen heißt, ins Gleichgewicht zu bringen (suchen).

*

Das Höchste wozu sich ein schwacher Kopf von Erfahrung erheben kann, ist die Fertigkeit die Schwächen besserer Menschen auszufinden.

*

Die Katholiken verbrannten ehmals die Juden, und bedachten nicht, daß des lieben Gottes Mutter von der Nation war, und bedenken noch jetzt nicht, daß sie eine Jüdin anbeten.

*

Das heißt die Hand auf den Mund legen und hernach ein wenig durch die Finger plaudern.

*

Haben Sie was gefangen? Nichts als einen Fluß.

*

Die Personen, die (am) aufgelegtesten sind sich mit praktischen Dingen zu beschäftigen, oder was man in der gelehrten Welt jetzt arbeiten nennt, sind die, die am wenigsten Unterhaltung in sich selbst finden. Bei ihnen ist immer der Stoß von außen nötig.

*

Ich vergesse das meiste was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe, ich weiß aber so viel, beides trägt nichts desto weniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (besser)

*

Ein kanadischer Wilder, dem man alle Herrlichkeit von Paris gezeigt hatte, wurde am Ende gefragt was ihm am besten gefallen hätte. Die Metzger-Läden, sagte er.

*

Ach, rief er bei dem Unfall aus, hätte ich doch diesen Morgen etwas angenehm Böses getan so wüßte ich doch weswegen ich jetzt leide!

*

Warum hat Gott so viel Angenehmes in das Doppelte gelegt. Mann und Frau, das Zwei verdient Aufmerksamkeit. Ist es vielleicht mit Leib und Seele eben so?

*

Es ist wohl ausgemacht, daß nächst dem Wasser, das Leben das Beste ist was der Mensch hat.

*

Er hatte sich in den lieben Gott verliebt.

*

Die weißen Federn der Damen sind weiße Fahnen die sie aufstecken zum Zeichen der Kapitulation.

*

Was man so sehr prächtig Sonnenstäubchen nennt sind doch eigentlich Dreckstäubchen.

*

Seine Bücher waren alle sehr nett, sie hatten auch sonst wenig zu tun.

*

Es wäre ein denkendes Wesen möglich dem das Zukünftige leichter zu sehen wäre als das Vergangene. Bei den Trieben der Insekten ist schon manches, das uns glauben machen muß, daß sie mehr durch das Künftige, als das Vergangene geleitet werden. Hätten die Tiere eben so viel Erinnerung des Vergangenen als Vorgefühl vom Künftigen, so wäre uns manches Insekt überlegen, so aber scheint die Stärke des Vorgefühls immer in umgekehrter Verhältnis mit der Erinnerung an das Vergangene zu stehen.

*

Das Melancholische, Dichterische pp in der Liebe ist eigentlich (eine) eigne Form von Anschauung des Genusses, der Mensch hat mehrere Formen als eine für seine innere Empfindung.

*

Der Deutsche holt bei Beschreibung psychologischer Dinge vieles vom Fallen, es fällt mir ein, es ist mir entfallen, es ist mir aufgefallen. Zufall, casus accidit. Beifall.

*

Der Mann machte sehr viel Wind. B.O nein! wenn es noch Wind gewesen wäre, es war aber mehr ein wehendes Vakuum.

*

Bei dem ist Hopfen und Malz verloren. B. Das setzt voraus, daß es mit ihm auf Bier angelegt gewesen wäre. Das ist es aber nicht. Es war alles Wassersuppe.

*

Es gibt in Rücksicht auf den Körper gewiß wo nicht mehr doch eben so viele Kranke in der Einbildung als würklich Kranke, in Rücksicht auf den Verstand eben so viel, wo nicht sehr viel mehr Gesunde in der Einbildung als würklich Gesunde.

*

Am 28 ten Dezember 1789 abends als Herr Hof-Rat Richter bei mir war fiel mir folgende Darstellung eines bekannten Gedankens von mir ein: Die Menschen gehen eigentlich nicht selbst in Gesellschaft, sondern sie schicken eine angekleidete Puppe statt ihrer hin, die sie auskleiden wie sie wollen. Herr Richter lächelte dabei.

*

Wenn sie auf dem Leihhause Menschen annähmen, so möchte ich wohl wissen wie viel ich auf mich geborgt bekäme. So sind die Schuldtürme eigentlich Leihhäuser, in welchen man nicht sowohl auf Meubeln, als auf die Besitzer selbst Geld leiht.

*

Er hieß dieses: mit stilltätiger Gedult abwarten. Dieses ist eine große Regel. Die Menschen ändern sich von selbst, wenn man sie nicht ausdrücklich ändern will, sondern ihnen nur unmerklich die Gelegenheit macht zu sehen und zu hören. Viele Unternehmungen mißlingen bloß, weil man die Früchte davon noch gerne erleben wollte.

*

Wie könnten am geschwindesten Briefe so kopiert werden, daß sie die Blinden mit den Fingern lesen könnten!

*

Was eigentlich den Schriftsteller für den Menschen ausmacht ist beständig zu sagen, was vorzüglichste Menschen, oder überhaupt der größte Teil denkt oder fühlt ohne es zu wissen, die Mittelmäßigen sagen nur, was jeder würde gesagt haben. Hierin besteht ein großer Vorteil zumal der dramatischen und Romanen-Dichter.

*

Wenn auch das Gehen auf 2 Beinen dem Menschen nicht natürlich ist, so ist es doch gewiß eine Erfindung, die ihm Ehre macht.

*

Man erleichtert sich, habe ich irgendwo gelesen, die Betrachtungen über die Staaten, wenn man sie sich als einzelne Menschen gedenkt. Sie sind also auch Kinder und so lange sie dieses sind mögen sie monarchisch am besten sein. Wenn aber die Kinder groß werden, so lassen sie sich nicht mehr so behandeln, denn sie werden alsdann würklich nicht selten klüger, als der Vater.

*

Noch eine neue Religion einzuführen die die Würksamkeit der christlichen haben sollte ist wohl unmöglich, deswegen bleibe man dabei und suche lieber darauf zu tragen, und gewiß sind auch die Ausdrücke Christi so beschaffen, daß man so lange die Welt steht das Beste wird hinein tragen können.

*

Aufklärung in allen Ständen besteht eigentlich in richtigen Begriffen von unsern wesentlichen Bedürfnissen.

*

Die Superklugheit ist eine der verächtlichsten Arten von Unklugheit.

*

Bei meiner Nerven-Krankheit habe ich sehr häufig gefunden, daß das was sonst bloß mein moralisches Gefühl beleidigte nun in das physische überging. Als Dieterich einmal sagte: mich soll Gott töden, so wurde mir so übel, daß ich ihm daher auf eine Zeitlang die Stube verbieten mußte.

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Die gemeinen Leute unter den Katholiken beten lieber einen Heiligen an, oder richten ihr Gebet an ihn, als an den lieben Gott, so wie sich die Bauern immer lieber an die Bedienten halten. Gleich und gleich gesellt sich gern.

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Offenbarung macht nicht, daß ich eine Sache begreife, sondern daß ich sie, wenn sie Autorität hat, begreife. Aber welche Autorität kann mir etwas aufdringen zu glauben, das meiner Vernunft widerspricht? Gottes Wort allein. Aber haben wir denn ein Wort Gottes außer der Vernunft! Gewiß nicht. Denn daß die Bibel Gottes Wort ist, das haben Menschen gesagt, und Menschen können kein anderes Wort Gottes kennen, als die Vernunft.

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Lange vor der Erfindung des Pabsttums und des Fegfeuers war es schon gebräuchlich für die Verstorbenen zu beten. Ich glaube mich hat auch einmal die Liebe zu meiner Mutter verleitet für sie zu beten. Es ist dieses weiter nichts, als die Vermenschung, Vermenschlichung alles dessen, wovon wir nichts wissen und nichts wissen können, die man überall antrifft.

*

Wie sind wohl die Menschen zu dem Begriff von Freiheit gelangt? Es ist ein großer Gedanke gewesen.

*

Unsere Theologen wollen mit Gewalt aus der Bibel ein Buch machen, worin kein Menschen-Verstand ist.

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Daß zuweilen eine falsche Hypothese der richtigen vorzuziehen sei sieht man aus der Lehre von der Freiheit des Menschen. Der Mensch ist gewiß nicht frei, allein es gehört sehr tiefes Studium der Philosophie dazu sich (durch) diese Vorstellung nicht irre führen zu lassen; ein Studium zu welchem unter Tausend (die) nicht die Zeit und Gedult haben, und unter 100 die sie haben, kaum einer den Geist hat. Freiheit ist daher eigentlich die bequemste Form sich die Sache zu denken und wird auch allezeit die übliche bleiben, da sie so sehr den Schein für sich hat.

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Vor Gott gibt es bloß Regeln, eigentlich nur eine Regel und keine Ausnahmen. Weil wir die oberste Regel nicht kennen, so machen wir General-Regeln, die es nicht sind, ja es wäre wohl gar möglich, daß das, was wir Regel nennen, wohl selbst noch für endliche Wesen Ausnahmen sein könnten.

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Ich glaube Nerven-Krankheiten können dienen, allerlei Verwandtschaft zu entdecken. Ich konnte mich verbrennen, schneiden, stechen pp, das tat mir alles nichts, aber die mindeste Gemütsbewegung riß mich hin. Vergebliches Bemühen von Leuten etwas zu tun, z. E. wenn jemand ein Pferd nicht zum Stillestehen bringen konnte. Auch Musik war mir widerlich, und konnte ich mein eignes Klingeln, ja sogar Holz-Spalten mit einem Hackmesser auf dem Tische sehr gut vertragen.

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Wenn nur der Scheidepunkt erst überschritten wäre. Mein Gott wie verlangt mich nach dem Augenblick wenn die Zeit für mich aufhören wird Zeit zu sein, in dem Schoß des mütterlichen Alles und Nichts, worin ich damals schlief als der Hainberg angespült wurde, als Epikur, Cäsar, Lukrez lebten und schrieben und Spinoza den größten Gedanken dachte der noch in eines Menschen Kopf gekommen ist.

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Ich glaube von Grund meiner Seele und nach der reifsten Überlegung, daß die Lehre Christi, gesäubert von dem verfluchten Pfaffenschmier, und gehörig nach unserer Art sich auszudrücken verstanden, das vollkommenste System ist, Ruhe und Glückseligkeit in der Welt am schnellsten, kräftigsten, sichersten und allgemeinsten zu befördern, das ich mir wenigstens denken kann. Allein ich glaube auch daß es noch ein System gibt, das ganz aus der reinen Vernunft erwächst und eben dahin führt, allein es ist nur für geübte Denker und gar nicht für die Menschen überhaupt, und fände es auch Eingang, so müßte man doch die Lehre Christi für die Ausübung wählen. Christus hat sich zugleich nach dem Stoff bequemt, und dieses zwingt selbst dem Atheisten Bewunderung ab. (In welchem Verstand ich hier das Wort Atheist nehme wird jeder Denker fühlen.) Wie leicht müßte es einem solchen Geist gewesen sein ein System für die reine Vernunft zu erdenken, das alle Philosophen völlig befriedigt hätte. Aber wo sind die Menschen dazu? Es wären vielleicht Jahrhunderte verstrichen, wo man es gar nicht verstanden hätte, und so etwas soll dienen das menschliche Geschlecht zu leiten und zu lenken und in der Todesstunde aufzurichten? Ja was würden nicht die Jesuiten aller Zeiten und aller Völker daraus gemacht haben? Was die Menschen leiten soll muß wahr aber allen verständlich sein. Wenn es ihm auch in Bildern beigebracht wird, die er sich bei jeder Stufe der Erkenntnis anders erklärt. S. p. 47.

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Wer weniger hat als er begehret, muß wissen daß er mehr hat als er wert ist (nicht πμ).

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Hier wo die Krankheiten so wohlfeil und die Arzneien so teuer sind.

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Hinten hat er einen falschen Zopf eingebunden und vornen ein frommes Gesicht, das nicht viel echter war, auch zuweilen wie jener bei heftigen Bewegungen ausfiel.

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Das Zimmer war ganz leer ein bißchen Sonnenschein aus der zweiten Hand ausgenommen, das auf der Erde lag.

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Das Schlimmste, daß ich in meiner Krankheit gar die Dinge nicht mehr denke und fühle ohne mich hauptsächlich mit zu fühlen. Ich bin mir in allem des Leidens bewußt, alles wird subjektiv bei mir und zwar bezieht sich alles auf meine Empfindlichkeit und Krankheit. Ich sehe die ganze Welt als eine Maschine an die da ist um mich meine Krankheit und mein Leiden auf alle mögliche Weise fühlen zu machen. Ein pathologischer Egoist. Es ist ein höchst trauriger Zustand. Hier muß ich sehen ob noch Kraft in mir ist, ob ich dieses überwältigen kann, wo nicht so bin ich verloren. Allein diese Art Krankheit ist mir schon gleichsam zur 2 ten Natur geworden. Wenn mir nur eine schickliche Arznei das erste Differential von Stoß gäbe!! Pusillanimität ist das rechte Wort für meine Krankheit, aber (wie) benimmt man sich die? Diese zu überwinden würde Ehrensäulen verdienen, aber wer setzt dem Menschen Ehrensäulen, der sich aus einem alten Weibe zum Manne macht?

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Nun weiß ich was das heißt sich ermannen, wenn man schon ermannt ist, so ist es gut andern anzuraten. Was der Mensch elend ist, wenn er alles selbst tun soll, es heißt ein Wunder von ihm fordern, wenn man seine Selbst-Erhaltung von ihm fordert.

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Übe, übe deine Kräfte, was dich jetzt Mühe kostet wird endlich maschinenmäßig werden.

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Ich glaube nicht, daß es ganz unmöglich wäre daß ein Mensch ewig leben könne, denn immer Abnehmen schließt den Begriff von Aufhören nicht notwendig in sich.

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Meine Phantasie scheute, so wie Pferde und lief fort mit mir. Dieses drückt meinen Zustand in der Empfindlichkeit am besten aus.

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Eine ganze Milchstraße von Einfällen.

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Wenn es noch ein Tier gäbe dem Menschen an Kräften überlegen, das sich zuweilen ein Vergnügen machte mit ihm zu spielen, wie die Kinder mit Maikäfern, oder sie in Kabinetten aufspießte wie Schmetterlinge. Ein solches Tier würde wohl am Ende ausgerottet werden, zumal wenn es nicht an Geisteskräften dem Menschen sehr weit überlegen wäre. Es würde ihm unmöglich sein sich gegen die Menschen zu halten. Es müßte ihn dann verhindern seine Kräfte im mindesten zu üben. Ein solches Tier ist aber würklich der Despotismus und doch hält er sich noch an so vielen Orten. Bei der Geschichte des Tieres muß aber auch angenommen werden, daß das Tier den Menschen nicht wohl entbehren kann.

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Wenn die Hunde, die Wespen und die Hornisse mit menschlicher Vernunft begabt wären, so könnten sie sich vielleicht der Welt bemächtigen.

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Diese ganze Lehre taugt zu nichts als darüber zu disputieren.

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Die Leichenöffnungen können diejenigen Fehler nicht entdecken, die mit dem Tode aufhören.

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Das ist die Wetterseite meiner moralischen Konstitution, da kann ich was aushalten.

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Eine große Rede läßt sich leicht auswendig lernen und noch leichter ein großes Gedicht. Wie schwer würde es nicht halten, eben so viel ohne allen Sinn verbundene Wörter, oder eine Rede in einer fremden Sprache zu memorieren. Also Sinn und Verstand kömmt dem Gedächtnis zu Hülfe. Sinn ist Ordnung und Ordnung ist doch am Ende Übereinstimmung mit unserer Natur. Wenn wir vernünftig sprechen, sprechen wir nur immer unser Wesen und unsere Natur. Um unserm Gedächtnisse etwas einzuverleiben suchen wir daher immer einen Sinn hineinzubringen oder eine andere Art von Ordnung. Daher Genera und Species bei Pflanzen und Tieren, Ähnlichkeiten bis auf den Reim hinaus. Eben dahin gehören auch unsere Hypothesen, wir müssen welche haben, weil wir sonst die Dinge nicht behalten können. Dieses ist schon längst gesagt, man kömmt aber von allen Seiten wieder darauf. So suchen wir Sinn in die Körperwelt zu bringen. Die Frage aber ist, ob alles für uns lesbar ist. Gewiß aber läßt sich durch vieles Probieren, und Nachsinnen auch eine Bedeutung in etwas bringen was nicht für uns oder gar nicht lesbar ist. So sieht man im Sand Gesichter, Landschaften usw. die sicherlich nicht die Absicht dieser Lagen sind. Symmetrie gehört auch hieher. Silhouette im Dintenfleck pp. Auch die Stufenleiter in der Reihe der Geschöpfe, alles das ist nicht in den Dingen, sondern in uns. Überhaupt kann man nicht gnug bedenken, daß wir nur immer uns beobachten, wenn wir die Natur und zumal unsere Ordnungen beobachten.

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Es ist und bleibt doch allemal eine sonderbare Redensart zu sagen: die Seele ist in mir, sie ist im Leibe, da man sagen sollte, ich bin das, man sagt ja auch nicht, die Ründe ist in der Kugel pp. Es ist bloß die Ähnlichkeit, die uns hier verführt. Gleichheit ist etwas Objektives, allein Ähnlichkeit ist subjektiv. Med.

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Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die Klappe selbst.

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Rousseau sagt: ein Kind das nur seine Eltern kennen lernt, das kennt auch diese nicht. Sehr schön und wahr.

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Hinlänglicher Stoff zum Stillschweigen.

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Er hatte im Prügeln eine Art von Geschlechtstrieb, er prügelte nur seine Frau.

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Der Astronom, der mir eine Mondfinsternis Jahrhunderte auf eine Minute voraussagt, ist nicht im Stand mir den Tag vorher zu sagen ob wir sie werden zu sehen kriegen. Ja, was noch seltsamer ist, daß wir von der Stunde der großen Finsternis, unserem Tode nichts wissen. Es ist gar keine Basis da, trotz unserer Anatomie und Physiologie sind für uns gar keine Grundbeobachtungen hierüber zu machen.

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S. war ein viel zu niederträchtiger Mensch, als daß es ihn lange hätte schmerzen sollen, bei irgend einer einträglichen Gelegenheit einmal öffentlich dafür gehalten zu werden.

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Ich war zuweilen nicht im Stande zu sagen ob ich krank oder wohl war.

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Menschenfreundlichkeit: Wenn ich jemanden in der Ferne oder heimlich etwas knicken sehe, so muß ich immer so lange glauben es sei ein Floh gewesen bis ich mir apodiktisch demonstrieren kann, daß es eine Laus war.

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Man könnte die Geizhälse und Verschwender so ordnen. Leute die bei großem Vermögen so leben als hätten sie nur noch die letzten 6 Groschen in der Tasche, so könnte man auch leben als hätte man die letzten 10 Taler nur noch ohne Hoffnung andere 10 zu bekommen, und so weiter. Der Verschwender ist der der so lebt, als hätte er noch immer viel mehr als er würklich hat. Dieses könnte mathematisch behandelt werden.

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Riechen wie viel Uhr es ist, eine besondere Uhr.

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Ein Fisch der in der Luft ertrunken war.

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Er urteilt nach dem jedesmaligen Aggregatzustand seiner Empfindungen.

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Die beste Art Lebende und Verstorbene zu loben ist ihre Schwachheiten zu entschuldigen, und dabei alle mögliche Menschenkenntnis anzuwenden. Nur keine Tugenden angedichtet, die sie nicht besessen haben, das verdirbt alles, und macht selbst das Wahre verdächtig. Entschuldigung von Fehlern empfiehlt den Lobredner.

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Ich habe den Weg zur Wissenschaft gemacht wie Hunde die mit ihren Herrn spazieren gehen, hundertmal dasselbe vorwärts und rückwärts, und als ich ankam war ich müde.

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Er wurde nur so in dieser Gesellschaft gedultet, wie die Stinkböcke in Pferdeställen.

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Man kann von keinem Gelehrten verlangen (daß er) sich in Gesellschaften überall als Gelehrter zeige, allein der ganze Tenor muß den Denker verraten, man muß immer von ihm lernen, seine Art zu urteilen muß auch in den kleinsten Dingen von der Beschaffenheit sein, daß man sehen kann was daraus werden wird wenn nun der Mann mit Ruhe und in sich gesammelt wissenschaftlichen Gebrauch von dieser Kraft macht.

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Solche Leute schützen eigentlich das Christentum nicht, sie lassen sich aber dadurch schützen.

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Anderer Leute Wein auf Bouteillen ziehn, und sich dabei ein bißchen benebeln daß man glaubt er gehöre ihm. So etwas tun die meisten deutschen Schriftsteller.

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Er hatte von seiner Frau ein Kind, welches einige für apokryphisch halten wollten.

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Der Liebe und Mode Beflissene.

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Den Gradum der Menschheit annehmen.

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Man kann würklich nicht wissen ob man nicht jetzt im Tollhaus sitzt.

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Die meisten Glaubens-Lehrer verteidigen ihre Sätze, nicht weil sie von der Wahrheit derselben überzeugt sind, sondern weil sie die Wahrheit derselben einmal behauptet haben.

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Von dem Ruhme der berühmtesten Menschen gehört immer etwas der Blödsichtigkeit der Bewunderer zu, und ich bin überzeugt, daß solche Menschen das Bewußtsein, daß sie von einigen, die weniger Ruhm aber mehr Geist haben, durchgesehen werden, ihren ganzen Ruhm vergällt. Eigentlicher ruhiger Genuß des Lebens kann nur bei Wahrheit bestehn. Newton, Franklin, das waren Menschen, die beneidenswert sind.

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Die Deutschen schreiben die Bücher, aber die Ausländer machen, daß sie sie schreiben können.

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Die Ideen in meinem Kopf des Nachts gehen mehr wie Ratzen und Mäuse umher, ich mußte mich erst an sie gewöhnen ehe ich einschlafen konnte. Dieses könnte eine Einleitung werden. Ich füttere zwar keine Schweine wie Pellison oder Ratzen wie de Latude in der Bastille (Cahiers de lecture XI et XII Cahier 1790. p. 380.), allein ich habe doch zuweilen solche Ideen, die ich nach und nach an mich gewöhne, und nun könnte eine Abhandlung von dem Firnis über die Erde kommen, das Kien-Ruß-Flöz, ein Tropfen Wasser fiel darauf, wie hoch war er? er riß einen Astronomen mit sich fort.

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Das ist ein närrischer Einfall, sagt man von einer gewissen Art Einfälle, die nicht weniger als unklug sind, auch das Ding ist doch närrisch. Gewiß hat der erste Mann, der die Redensart brauchte, etwas dabei gedacht. Es kann das Unerwartete und das Seltsame in der Verbindung der Ideen bezeichnen, das Überspringende, dergleichen man bei närrischen Leuten vieles findet.

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Ob mich ein paar alte Weiber tod sagen, deswegen sterbe ich noch nicht.

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In meiner Krankheit im Januar und Februar 1790 betrachtete ich oft den Himmel meiner Bettlade, der aus einem kleingeblümten Zitz war. Jedes Blümchen lag in dem gemeinschaftlichen Punkt zweier sich unter einem Winkel von etwa 6o° durchkreuzenden Linien. Dadurch entstunden denn eine Menge von Rhombis, so wie ich nur einen Rhombus von etwa einem Quadratzolle, oder von 4 oder von 9 usw. Quadratzollen recht deutlich ins Auge faßte, so verwandelte sich für mein Auge sogleich die ganze Fläche in solche Rhombos, alle von der Größe des angenommenen. Auch dieses ging noch wenn ich, statt der Rhomben, Rhomboiden versuchte. Dieses waren also Muster, die aus objektiven und subjektiven Anlagen zugleich entstunden. Wenn ich ein Neues versuchte, so hielt es immer anfangs etwas schwer, war es aber im Gange, so war auf einmal das Ganze wie plötzlich kristallisiert. Ich glaube die Sache könnte auf höhere Dinge angewendet werden. In einer Menge gleichförmig verteilter Punkte könnte ich allerlei Zeichnungen sehen und allerlei Muster, die an einem Ende der Fläche erst gehörig gefaßt sich bald auch im übrigen finden würden. So ließe sich in der größten Unordnung Ordnung sehn, so wie Bilder in den Wolken und auf bunten Steinen.

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Theosophie, Astrologie und eine gewisse Meteorologie haben nicht bloß das gemein, daß man bei ihrem Studio sowohl als ihrer Ausübung die Augen nach dem Himmel richtet, sondern auch daß ihre Verehrer immer mehr sehn wollen als andere.

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Nach einem dreißigjährigen Krieg mit sich selbst kam es endlich zu einem Vergleich, aber die Zeit war verloren.

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Mir tut es allemal weh wenn ein Mann von Talent stirbt, denn die Welt hat dergleichen nötiger als der Himmel.

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Bei einer undeutlichen Hand lernt man Buchstaben kennen durch Erkennung der Worte. Eben so führt der Sinn auf die wahre Bedeutung der Worte in einer Periode und endlich der Sinn des Kapitels auf den von einzelnen Perioden.

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Ich hätte nicht geglaubt, daß man mit Gänse-Federn so viel einfältiges Zeug machen könnte, wenigstens nicht ohne Dinte mit zu Hülfe zu nehmen.

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Die Stadt-Uhr hat wieder rheumatische Zufälle.

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Es ist kein tückischeres und boshafteres Geschöpf unter der Sonne als eine Hure, da (sie) sich Alters wegen genötigt sieht eine Betschwester zu werden.

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Was mögen wohl die Huren in den alten Zeiten geworden sein? Ob es da wohl auch Betschwestern gab?

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Das was man wahr empfindet auch wahr auszudrücken, das heißt mit jenen kleinen Beglaubigungszügen der Selbstempfindung, macht eigentlich den großen Schriftsteller, die gemeinen bedienen sich immer der Redensarten, die immer Kleider vom Trödelmarkt sind.

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Schauer der Vorwelt.

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Die schlechten Dichter und Romanschreiber überlassen manches dem Lauf der Natur und der Anordnung des Lesers was sie eigentlich erklären sollten. Sie geben die bloßen Erfahrungen, die der eigentliche Kenner des menschlichen Herzens erklärt.

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Ach Gott wie manchen Gedanken habe ich gehabt, von dem ich überzeugt sein konnte, daß er den besten unter den Menschen gefallen würde, wenn sie ihn läsen, und den ich nicht anzubringen wußte, auch anzubringen nicht sonderlich begierig war, und dafür mußte ich mich von manchem seichten Literator und Kompilator oder irgend einem bloß empirischen Waghals oder einem Epigramme schreibenden Konfusionär über die Achsel ansehen lassen, und doch auch gestehen, daß, nach meinem Verhalten, die Leute so gar unrecht nicht hätten, denn wie konnten sie wissen, was meine Indolenz selbst vor meinem Schmierbuch verheimlichte. Wenn mir Deluc schrieb, ich schriebe ihm nie einen Brief, aus dem er nicht etwas lernte, so setzte mich dieses über alle Urteile der Welt weg, aber wieder nur bei mir selbst.

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Auch die Bengelei hat ihre Genies, und wer will die Natur zur Verantwortung ziehen, daß sie dieser Gabe es verstattet sich ihrem Besitzer durch das schmeichelhafte Gefühl von Kraft und Überlegenheit und Behaglichkeit anzukündigen. Die Wege des Himmels sind finster und verwickelt, und ihre Tröstungen mannigfaltig.

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Steckbriefe nachschicken, wo man mir einen Gedanken abborgte und sich zueignete.

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Einer will in einem Wörterbuche etwas nachschlagen und sucht nach dem Namen seines Mädchens, seines Feindes, seines Abgotts pp. Es müßte ein chemisches Wörterbuch sein. Ein Zug.

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Vortrefflich sagt von Thümmel: Ihr Herz besaß die Gabe der Rechtschaffenheit, so wie ihr Auge die zu sehn. Oder doch auf eine solche Weise.

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Die Vorstellung, die wir uns von einer Seele machen, hat viel Ähnliches mit der von einem Magneten in der Erde. Es ist bloß Bild. Es ist ein dem Menschen angebornes Erfindungsmittel sich alles unter diesen Formen zu denken.

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O, das Mädchen war ein Bethesda und ich kam immer zu spät.

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Uhren, die das Datum schlagen und repetieren.

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Ein Geschöpf höherer Art läßt die ganze Geschichte der Welt repetieren, so wie man die Uhren repetieren läßt.

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Der Gang der Jahrzeiten ist ein Uhrwerk wo ein Guguck ruft, wenn es Frühling ist.

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Der Rheinwein ist der beste, in welchen der Rhein und die Mosel gar nicht geflossen ist.

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Ein Vater sagt: der verfluchte Junge macht es gerade so wie ich, ich will ihn prügeln, daß er des Teufels wird.

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Reich gewesen, schön gewesen, alles gewesen.

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Könnten nicht die Weiber der Gelehrten die alten Schreibfedern auf den Hüten tragen und die Stuben mit ihrem Makulatur tapezieren?

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Eine Art von Gang, als wenn er in seinen Kopf kriechen wollte.

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Er konnte einen Gedanken, den jedermann für einfach hielt, in sieben andere spalten wie das Prisma das Sonnenlicht, wovon einer immer schöner war, als der andere, und dann einmal eine Menge anderer sammeln und Sonnenweiße hervorbringen, wo andere nichts als bunte Verwirrung sahen.

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Wenn man von der wenigen Übereinstimmung, die das Innere des Menschen mit seinem Äußern hat, ich meine hier der esoterische Mensch mit dem exoterischen, auf etwas Ähnliches in den Werken der Natur schließen kann, so ist das ein schlechter Trost. Denn wie wenig Freunde würden Freunde bleiben, wenn sie ihre Gesinnungen im ganzen sehen könnten.

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Es ist eine sehr weisliche Einrichtung unserer Natur, daß wir so viele äußerst gefährliche Krankheiten gar nicht fühlen. Könnte man den Schlagfluß von seiner ersten Wurzel an verspüren, er würde mit unter die chronischen Krankheiten gezählt werden.

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Das Mädchen war so langsam, daß, wenn ich sie des Morgens zur Türe hinausgehen hörte, ich immer glaubte sie hätte 4 Beine, denn 2 hörte ich in der Stube und 2 auf dem Gange trappen. Vermutlich rührte das daher, daß sie immer noch etwas vergessen hatte, während sie schon in der Türe war.

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Die Hannoveraner haben den Fehler, daß sie zu früh klug werden.

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Der Dachdecker stärkt sich vielleicht durch ein Morgengebet zu den größten Gefahren, das sind glückliche Menschen, die das können; vielleicht aber auch durch eine Dosis von gebranntem Katzenhirn. O wenn man manchmal wüßte was den Leuten Mut gibt!

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Der vollkommenste Affe kann keinen Affen zeichnen, auch das kann nur der Mensch, aber auch nur der Mensch hält dieses zu können für einen Vorzug.

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Wer eine Scheibe an seine Garten-Tür malt, dem wird gewiß hineingeschossen.

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Ein Charakter: von allem nur das Schlimmste zu sehen, alles zu fürchten, selbst Gesundheit als einen Zustand anzusehen da man seine Krankheit nicht fühlt; ich glaube keinen Charakter würde ich glücklicher durchsetzen können, als diesen.

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Seinen Neigungen schlechtweg entgegen zu handeln führt gewiß am Ende zu etwas Besserem. Z. E. mein gar nicht Trinken bei Tische.

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Sie bekam eine Guinea des Tags. Des Tags? also für die Nacht nichts?

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Ich habe schon lange gedacht, die Philosophie wird sich noch selbst fressen. – Die Metaphysik hat sich zum Teil schon selbst gefressen.

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So wie man (mit) den Kinnladen nachhilft wenn man mit einer schlechten Schere Papier schneidet, oder wenn man sehr viele Blätter auf einmal schneiden will (ich habe dieses an meinem kleinen Jungen von 5 Jahren bemerkt), so gibt es vermutlich eine Menge Verrichtungen selbst des Geistes.

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Die Entschuldigungen seiner Fehler nehmen sich zum Teil gut aus, sie tragen aber zur Besserung seines Fehlwurfs gemeiniglich so wenig bei, als beim Kegeln das Nachhelfen mit Kopf, Schultern, Armen und Beinen, wenn die Kugel schon aus der Hand ist, es ist mehr Wunsch, als Einwürkung.

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Ein Mann der seinen ganzen Ruf der Neigung der Menschen zu danken hat von seinen Bekannten etwas Böses zu lesen.

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Charakter: Alle Menschen formieren sich eine unrichtige Idee von ihm und hassen und verfolgen ihn, nach dem Bilde.

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Ein Charakter. Ein Mann, der wie ich immer statt des Hundes spricht, wenn er mit einem Hund spielt. Es läßt sich auch bei Kindern anbringen, das ist eigentlich Vormund.

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Ich habe mir zur Regel gemacht, daß mich die aufgehende Sonne nie im Bette finden sollte so lange ich gesund bin. Es kostete mich nichts als das Machen, denn ich habe es bei Gesetzen, die ich mir selbst gab, immer so gehalten, daß ich sie nicht eher festsetzte, als bis mir die Übertrettung fast unmöglich war.

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Seit einigen Tagen (22. April 91) lebe ich unter der Hypothese (denn ich lebe beständig unter einer), daß das Trinken bei Tisch schädlich ist, und befinde mich vortrefflich dabei. Hieran ist gewiß etwas Wahres. Denn ich habe noch von keiner Änderung in meiner Lebens-Art und von keiner Arznei so schnell und handgreiflich die gute Wirkung empfunden als hiervon.

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Ich habe überhaupt sehr viel gedacht, das weiß ich, viel mehr als ich gelesen habe, es ist mir daher sehr viel von dem unbekannt, was die Welt weiß, und daher irre ich mich oft, wenn ich mich in die Welt mische, und dieses macht mich schüchtern. Könnte ich das alles was ich zusammengedacht habe so sagen, wie es in mir ist, nicht getrennt, da möchte sich manches nicht zum besten ausnehmen, so würde es gewiß den Beifall der Welt erhalten.

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Die praktische Vernunft oder der moralische Sinn, durch letztern Ausdruck wird es manchem deutlicher was man mit ersterem meint.

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Ich glaube man würde immer blühen wie die Jugend, wenn man immer so sorglos sein könnte, oder macht, umgekehrt, die Blüte sorglos?

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Wenn es der Himmel für nötig und nützlich finden sollte mich und mein Leben noch einmal neu aufzulegen, so wollte ich ihm einige nicht unnütze Bemerkungen zur neuen Auflage mitteilen, die hauptsächlich die Zeichnung des Porträts und den Plan des Ganzen angehen.

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Die beiden Hohenlieder-Dichter Salomon und Bürger haben in puncto puncti nie sonderlich viel getaugt.

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Es ist zum Erstaunen wie sehr das Wort unendlich gemißbraucht wird, alles ist unendlich schöner, unendlich besser pp. Der Begriff muß etwas Angenehmes haben, sonst hätte der Mißbrauch nicht so allgemein werden können. Was haben die Alten davon?

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Er verachtet mich, weil er mich nicht kennt, und ich seine Beschuldigungen, weil ich mich kenne.

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Er war in der Zeugungs-Gegend ein wahrer Presbyt, und wünschte oft herzlich daß man auch für jenen Sinn Brillen schleifen könnte.

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Er hatte das Eigne, daß er nie schlechte Bücher las, aber dafür selbst welche schrieb, zum sichern Beweis, daß er entweder nicht verstanden was er gelesen, oder doch das Gute nicht so gefaßt haben muß, wie es gefaßt werden muß.

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Man kann würklich, wenn man in einem schlechten Wagen sitzt, ein solches Gesicht machen, daß der ganze Wagen gut aussieht, auch vom Pferde gilt das.

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Jedermann ist sehr bereitwillig durch Schaden klug zu werden, wenn nur der erste Schade der dieses lehrt wieder ersetzt wäre.

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Als ich dieses gesehen hatte, und den Anblick nun so ganz für mein künftiges Leben gesichert sah, ging ich weg mit einem Gefühl als wäre ich reicher geworden.

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Die Dinge außer uns sind nichts anderes als wir sie sehen, für uns wenigstens nicht, denn wir können bloß Relationen bemerken, weil die beobachtende Substanz ja beständig in das Mittel tritt. Gott selbst sieht in den Dingen nur sich.

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Es mag ein Einfall noch so einfältig sein, er reguliert immer etwas und herrscht irgendwo. Das Gesicht im Mond herrscht in unsern Kalender-Zeichen.

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Es gibt für mich keine gehässigere Art Menschen, als die welche glauben, daß sie bei jeder Gelegenheit ex officio witzig sein müßten.

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Sehr viele und vielleicht die meisten Menschen müssen, um etwas zu finden, erst wissen, daß es da ist.

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Auf diesem reinen, echt deutschen Eichenblatt saß ein französischer Gallapfel, den ein überrheinisches Insekt dahin gestochen hatte.

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Der gesunde Appetit unsrer Vorfahren, zu essen, scheint sich jetzt in einen nicht ganz so gesunden Appetit zu lesen verwandelt zu haben, und so wie ehmals die Spanier zusammen liefen die Deutschen essen zu sehen, so kommen jetzt die Fremden zu uns uns studieren zu sehen.

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Die Chausseen, die die Stellen von Arterien und Venen des Handels zugleich vertretten.

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Es ließe sich etwas über Übersetzungs-Kurist schreiben, das ganz nützlich werden könnte. Ich meine die, die Sprache der gemeinen Leute, und ihre Behandlungs-Art in die eigentliche Sprache unseres Lebens zu übersetzen. Die gemeinen Leute drücken sich oft sehr fürchterlich und mit Gelächter über Dinge aus, von denen sie, in unsere Sprache übersetzt, ganz anders zu reden scheinen würden, oder würklich reden würden. Wir denken über die Vorfälle des Lebens nicht so verschieden, als wir darüber sprechen.

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Es gibt große Krankheiten, an denen man sterben kann; es gibt ferner welche die (man), ob man gleich nicht eben daran stirbt, doch ohne viel Studium bemerkt und fühlt; endlich gibt es aber auch welche, die man ohne Mikroskop kaum erkennt, dadurch nehmen sie sich aber auch recht abscheulig aus und dieses Mikroskop ist Hypochondrie. Ich glaube, wenn sich die Menschen recht darauf legen wollten die mikroskopischen Krankheiten zu studieren, sie würden die Satisfaktion haben, alle Tage krank zu sein.

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Man hat vieles über die ersten Menschen gedichtet, es sollte es auch einmal jemand mit den beiden letzten versuchen.

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Es sah in seinem Garten elend aus, da er Pflanzenseelen glaubte, so schien es mir wahrscheinlich, daß er über der Sorge für ihre Seele den Leib ganz vernachlässigte. Sie sahen alle mager und gelb aus.

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Das Bilder-Buch der Welt.

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Man ist verloren wenn man zu viel Zeit bekömmt an sich zu denken, vorausgesetzt, daß man sich nicht als ein Objekt der Beobachtung, wie ein Präparat ansieht, sondern immer als alles was man jetzt ist. Man wird so viel Trauriges gewahr, daß über dem Anblick alle Lust verfliegt, es zu ordnen oder zusammen zu halten.

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Ein System: Jeder Mensch kömmt durch Seelenwanderung in den Zustand, den er in seinem Leben vorzüglich beneidete und wünschte, so geht alles endlich in einem Zirkel, kein Stand wird ganz leer sein.

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14. Junii 91. Es ist eine Frage, ob wir nicht, wenn wir einen Mörder rädern, grade in den Fehler des Kindes verfallen, das den Stuhl schlägt an den es sich stößt.

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Ja freilich, wenn wir den Schnupftabak hätten, der neben den Nasen vorbei geht! Bei der Zeugung geht es eben so zu. Überhaupt bei jedem wichtigen Prozeß geht immer etwas verloren im Physischen sowohl als im Moralischen.

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Ich glaube doch, daß, in Vergleich mit dem Engländer, die Vernunft bei dem Deutschen mehr vertuscht, was eigentlich gar nicht einmal statt finden sollte. Der Deutsche lacht zum Exempel bei mancher Gelegenheit nicht, weil er weiß, daß es unschicklich ist, wobei dem Engländer das Lachen gar nicht einfällt.

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Um den Menschen nützliche Wahrheiten zu predigen ist alles erlaubt, was niemanden schadet oder kränkt, also auch Feenmärchen. Kein Mensch findet es mehr absurd daß die Tiere in der Fabel sprechen, warum sollte er es abgeschmackt finden, daß es Perlen regnet? Ein weiser Mann wird mehr tun, als mancher Zauberer in einem Feen-Märchen, wenn er einen Dumpfkopf weise machen könnte, warum soll er nicht in der Absicht etwas dichten?

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Einer der merkwürdigsten Züge in meinem Charakter ist gewiß der seltsame Aberglaube, womit ich aus jeder Sache eine Vorbedeutung ziehe und in einem Tage hundert Dinge zum Orakel mache. Ich brauche es hier nicht zu beschreiben indem ich mich hier nur allzu wohl verstehe. Jedes Kriechen eines Insekts dient mir zu Antworten über Fragen über mein Schicksal. Ist das nicht sonderbar von einem Professor der Physik? Ist es aber nicht in menschlicher Natur gegründet und nur bei mir monströs geworden, ausgedehnt über die Proportion natürlicher Mischung, wo es heilsam ist?

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Die Kasernen der Bienen.

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Er war kein Sklave seines Worts, wie man zu reden pflegt, gegenteils war eine solche Despotie über seinen Versprechungen, daß er mit ihnen machte was er wollte.

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Wir sind so eingerichtet, daß wir wohl selten gültige Richter dessen sein werden, was uns nützlich ist. In diesem Leben ist dieses der Fall, wer will uns gut dafür sein, daß es in Rücksicht auf künftiges Leben nicht eben so ist? Wen Gott lieb hat, den züchtiget er. Wie wenn es nun hieße, wen Gott lieb hat, den vernichtet er?

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Feerei: Seele und Leib beide sichtbar darzustellen, wie eins das andere führt, hieraus könnte etwas wenigstens Unterhaltendes gemacht werden.

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Wir haben eigentlich nur Ableger von Romanen und Komödien. Aus dem Samen werden wenige gezogen.

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Bei einem Menschen, der mit Gottesfurcht prahlt, muß man nie eigentliche christliche Gesinnungen suchen.

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Es müßte eine ganz artige Geschichte werden, wenn man ein Mädchen und einen Jüngling, die durch Romanen-Lesen verdorben sind, vorstellte, wie sie gerne einer den andern durch mißlungne Liebe zum Selbst-Mord zu bringen suchen um dadurch berühmt zu werden. Die eine könnte durch Werthern, der andere durch das Regenspurger Fräulein verführt zu diesem Entschluß gebracht worden sein. Allein da sie sich einander nicht eigentlich lieben, so entstehn daraus die lächerlichsten Situationen.

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Mein großer Trost, oder eigentlich was mir die süßeste Rache bei K's Sticheleien auf mich und andere gewährt, ist die völlige Überzeugung, daß nie ein großer und ein guter Mann solcher Neckereien fähig war.

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Bei den Kirschen reift grün zu rot allmählig, dieses sieht einem Stimmen einer Saite ähnlich. So läßt der Künstler Dissonanzen zu Harmonie allmählig reifen.

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Auf die Blüte folgt die unreife Frucht, die Blüte ist in sich eine Vollkommenheit. Eben so ist es mit dem Menschen. Der Jüngling wird für vollkommener gehalten, als der Mann von 30, 40 Jahren, und dann kömmt erst wieder ein vollendeter Zustand, die Reife.

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Es gibt sehr viele Menschen, die unglücklicher sind, als du, gewährt zwar kein Dach darunter zu wohnen, allein sich bei einem Schauer darunter zu retirieren ist das Sätzchen gut genug.

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Jedes Männchen von Gedanken fand sein Weibchen. Oder die Ideen in seinem Kopf müssen entweder lauter Männchen oder lauter Weibchen gewesen sein. Denn es hat sich nie ein neuer erzeugt. Kalender 1795.

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Die Kinder und die Narren reden die Wahrheit, sagt man; ich wünsche daß jeder gute Kopf, der Neigung zur Satyre bei sich verspürt, bedenken möchte, daß der beste Satyriker immer etwas von beiden enthält.

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Neue Bäder heilen gut.

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9. Julii 91 auf dem Garten. Einige kommen auf einen Gedanken, andere stoßen darauf, andere fallen darauf, andere verfallen darauf (hier fehlt noch das zerfallen), auch gerät man darauf. Man sagt nicht, ich habe mich nach dem Gedanken hinbegeben. Das wäre via regia.

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Es gibt nur eine Pflanze und nur ein Tier und diese beide sind Eins. Das Tier, das von Pflanzen lebt, hat seine Wurzel in der Erde, also auch das Tier, das von Tieren lebt.

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Alle großen Herrn sollten so wie die Sultane eine Kunst lernen, wir leben jetzt in sonderbaren Zeiten, man kann nicht wissen ob man sie nicht einmal braucht. Der vorige türkische Kaiser schnitzte Bogen und Pfeile sehr gut, der jetzige malt Musselin für das Frauenzimmer.

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Die Natur hat den Tieren Einsicht genug gegeben für ihre Erhaltung zu sorgen. Sie wissen sich alle sehr gut zu helfen wenn es auf diesen wichtigen Artikel ankömmt. Vaillant gibt davon sehr gute Beispiele von dem Verhalten der Tiere bei Herannahung des Löwen. Den Menschen hat sie sogar fast instinktmäßig gegen die Furcht vor dem Tode gewaffnet, durch Glauben an Unsterblichkeit.

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Durch vieles Lesen lernt man sogar Versuche gut erzählen, die man sehr schlecht angestellt hat.

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Alle Wünsche sind ein bloßes Nerven-Spiel und das umgebende Mittel pflanzt sie nicht zu meinem Willen fort. Meine Furcht und sehnlichster Wunsch ist nicht im Stand den leichten Nebel einer Donnerwolke aufzuhalten. Sie zieht den Gang der ihr angewiesen ist. Der Mensch ist nicht in den Erdball einorganisiert, sondern bloß in seinen Körper.

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Schmucklos ist ja noch nicht geschmacklos.

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Die Degen, welche die größten Eroberungen machen, sind die mit Demanten besetzten.

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Offensiver und defensiver Stolz.

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Vom Wahrsagen läßt sichs wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen.

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Wir wissen mit weit mehr Deutlichkeit, daß unser Wille frei ist, als daß alles was geschieht eine Ursache haben müsse. Könnte man also nicht einmal das Argument umkehren und sagen: Unsre Begriffe von Ursache und Wirkung müssen sehr unrichtig sein, weil unser Wille nicht frei sein könnte, wenn die Vorstellung richtig wäre?

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Sympathie ist ein schlechtes Almosen.

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Sie zog eine Lieb- und Leibrente.

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Ich. Warum weint sie denn? Die Gartenfrau: Je mein Mann geht heute zu Nachtmahl zu Bovenden. Ich: Nun ist denn das was zu weinen? das ist ja gut, daß er so fromm ist. Die Frau: Ach ja fromm, wenn er zum Nachtmahl gewesen ist, so besäuft er sich, und da krieg ich allemal Schläge.

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Der Januarius ist der Monat, da man seinen guten Freunden Wünsche darbringt, die übrigen die, worin sie nicht erfüllt werden.

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Mein Kopf hatte einige Schöpfungs-Tage erlebt, aber den von der Sonne noch nicht.

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Mäßigkeit setzt Genuß voraus, Enthaltsamkeit nicht. Es gibt daher mehr enthaltsame Menschen als solche die mäßig sind. (besser)

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S. tat selten Unrecht, aber was er tat, gemeiniglich zur unrechten Zeit.

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Wenn man alle Tage 3 Armen etwas gibt, so gibt man des Jahrs 1095 etwas und das ist eine Armee.

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Es ist die Redekunst, die vor der Überzeugung einhertritt und ihren Pfad mit Blumen bestreut.

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Es könnte ein Ohr geben für welches alle Völker nur eine Sprache redeten.

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Die Menschen nach den Häusern ordnen worin sie wohnen wie die Schnecken.

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Es ist nicht Kenntnis der menschlichen Natur sondern der Sitte, die zu beobachten jeder Gecke möchte ich sagen Fähigkeit hat.

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Zwei Personen, die sich einander nicht lieben, wovon aber jede die andere in sich verliebt machen möchte, und zwar zu dem Grade, daß sie entweder vor Liebe stürben, oder sich entleibten, schreiben einander Briefe. So etwas könnte lustig werden.

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Die Menschen, die erst die Vergebung der Sünden durch lateinische Formeln erfunden haben, sind an dem größten Verderben in der Welt schuld.

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Darin, daß man große Krieger bewundert, liegt etwas Natürliches, so wie in der Eroberungssucht, das erste korrespondiert mit Schönheit und Leibesstärke, das andere mit Wohlstand, es wird auch daher nie aus der Welt hinaus philosophiert werden können.

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So wie Linné im Tierreiche könnte man im Reiche der Ideen auch eine Klasse machen die man Chaos nennte. Dahin gehören nicht sowohl die großen Gedanken von allgemeiner Schwere, Fixstern-Staub mit sonnenbepuderten Räumen des unermeßlichen Ganzen, sondern die kleinen Infusions-Ideechen, die sich mit ihren Schwänzchen an alles anhängen, und oft im Samen der Größten leben, und deren jeder Mensch wenn er still sitzt (eine) Million durch seinen Kopf fahren sieht.

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Ich sehe die Rezensionen als eine Art von Kinderkrankheiten an, die die neugebornen Bücher mehr oder weniger befällt. Man hat Exempel, daß die gesündesten daran sterben, und die schwächlichen oft durchkommen. Manche bekommen sie gar nicht. Man hat häufig versucht, ihnen durch Amulette von Vorrede und Dedikation vorzubeugen oder sie gar durch eigene Urteile zu inokulieren, es hilft aber nicht immer.

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Eine der schwersten Künste für den Menschen ist wohl die sich Mut zu geben. Diejenigen, denen er fehlt, finden ihn am ersten unter dem mächtigen Schutz eines der ihn besitzt, und der uns dann helfen kann, wenn alles fehlt. Da es nun so viele Leiden in der Welt gibt, denen mit Mut entgegen zu gehen kein menschliches Wesen einem schwachen Trost genug geben kann, so ist die Religion vortrefflich. Sie ist eigentlich die Kunst sich durch Gedanken an Gott ohne weiter andere Mittel Trost und Mut im Leiden zu verschaffen und Kraft demselben entgegen zu arbeiten. Ich habe Menschen gekannt, denen ihr Glück ihr Gott war. Sie glaubten an ein Glück und der Glaube gab ihnen Mut. Mut gab ihnen Glück und Glück Mut. Es ist ein großer Verlust für den Menschen, wenn er die Überzeugung von einem weisen die Welt lenkenden Wesen verloren hat. Ich glaube, es ist dieses eine notwendige Folge alles Studiums der Philosophie und der Natur. Man verliert zwar den Glauben an einen Gott nicht, aber es ist nicht mehr der hülfreiche Gott unsrer Kindheit; es ist ein Wesen, dessen Wege nicht unsere Wege und dessen Gedanken nicht unsere Gedanken sind, und damit ist dem Hülflosen nicht sonderlich viel gedient.

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Da gnade Gott denen von Gottes Gnaden.

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Unser Weltsystem ist ein monarchischer Staat. Die Sonne hat ihren Hofstaat, sie hält aber doch die Großen etwas entfernt. Sie erlaubt ihnen aber ihre Neben-Planeten. Hieraus ließe sich vielleicht eine Fabel machen, die auf die jetzigen politischen Revolutionen passen (würde). Die Satelliten rebellieren und wollen gerade um die ?? laufen.

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Nach authentischen Nachrichten werden jährlich für 30 000 Groschen Maultrommeln zu Schwabach verfertigt, das sind, eine zu 4 gerechnet, 1 440 000 Maultrommeln. Sollte dieses irgend einen Zusammenhang mit der deutschen Schriftstellerei, zumal der poetischen haben?

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A. Der Mann hat viele Kinder. B. ja, aber ich glaube, von (den) meisten hat er bloß die Korrektur besorgt.

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A. Warum unterstützen Sie Ihren Schwiegervater nicht? B. Warum?

A. Er ist ein armer Mann. B. aber fleißig und ich habe nicht Geld genug ihn zum Faulenzer zu machen.

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Eine der sonderbarsten Einbildungen, deren man fähig ist, wäre die daß man glaubte man sei rasend, und man säße im Tollhause, übrigens aber ganz vernünftig handelte. Wenn jemand einmal zu dieser Überzeugung käme, so sehe ich fürwahr nicht ein, wie man sie ihm ausreden wollte.

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Außer der Zeit gibt es noch ein anderes Mittel große Veränderungen hervorzubringen und das ist die – Gewalt. Wenn die eine zu langsam geht, so tut die andere öfters die Sache vorher.

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Man hat Nachtstühle, die wie aufeinander gelegte Folianten aussehen. Einige Schriftsteller scheinen Gefallen an der umgekehrten Methode zu finden und Bücher zu schreiben die sich wie Nachtstühle präsentieren.

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Die Welt ist nicht da um von uns erkannt zu werden, sondern uns in ihr zu bilden. Das ist eine Kantische Idee.

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Zu Braunschweig wurde in einer Auktion ein Hut für vieles Geld verkauft, der aus dem heimlichsten Haar von Mädchen verfertigt war.

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Wenn man Mitleid fühlt, so fragt man nicht erst andere Leute ob man es fühlen soll.

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Nachdem ich vieles menschenbeobachterisch und mit vielem schmeichelhaften Gefühl eigner Superiorität aufgezeichnet, und in noch feinere Worte gesteckt hatte, fand ich oft am Ende, daß grade das das Beste war, was ich ohne alle diese Gefühle so ganz bürgerlich niedergeschrieben hatte. (sehr sehr wahr)

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Von allem, was ausgerechnet wird in der Welt, geschehen 2/3 gedankenlos.

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Ora & non labora.

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Eine intolerante Bestie von einem Hund kam herausgeschossen.

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Seitdem er die Ohrfeige bekommen hatte, dachte er immer, wenn er ein Wort mit einem O sah, als Obrigkeit pp, es hieße Ohrfeige.

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In der Nacht vom Ostersonntag 1792 auf den Ostermontag (vom 8 ten auf den 9 ten April) träumte mir, ich sollte lebendig verbrannt werden. Ich war sehr ruhig dabei, welches mich beim Erwachen nicht freute. So etwas kann Erschlaffung sein. Ich räsonierte ganz ruhig über die Zeit, die es dauern würde. Vorher bin ich noch nicht verbrannt, und nachher bin ich es. Das war fast alles, was ich dachte und bloß dachte. Diese Zeit liegt zwischen sehr engen Grenzen. Ich fürchte fast, es wird bei mir alles zu Gedanken und das Gefühl verliert sich.

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Die Welt jenseit der geschliffenen Gläser ist wichtiger, als die jenseits der Meere, und wird vielleicht nur von der jenseits des Grabes übertroffen.

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Seit der Mitte des Jahrs 1791 regt sich in meiner ganzen Gedanken-Ökonomie etwas, das ich noch nicht recht beschreiben kann. Ich will nur einiges anführen und künftig aufmerksamer darauf werden. Nämlich ein außerordentliches fast zu schriftlichen Tätlichkeiten übergehendes Mißtrauen gegen alles menschliche Wissen, Mathematik ausgenommen, und was mich noch an (das) Studium der Physik fesselt, ist die Hoffnung etwas dem menschlichen Geschlecht Nützliches auszufinden. Wir müssen nämlich auf Ursachen und Erklärungen denken, weil ich gar kein anderes Mittel sehe uns ohne dieses Bestreben in Tätigkeit zu erhalten. Jemand kann freilich wochenlang auf die Jagd gehn und nichts schießen, aber so viel ist gewiß, zu Hause würde er auch nichts geschossen haben und zwar gewiß nichts, da er doch nur auf dem Felde die Wahrscheinlichkeit für sich hat, so gering sie auch sein mag. Wir müssen freilich etwas ergreifen. Aber ob das nun alles so ist, wie wir glauben? Da frage ich mich wieder: was nennst du so Sein, wie du es dir vorstellst? Dein Glaube, daß es so ist, ist ja auch etwas, und von dem übrigen weißt du nichts. Dieses war auch die Zeit da ich (Gott verzeih mir wenn ich irre) zu glauben anfing, daß die Muscheln in den Bergen gewachsen sein könnten. Es war aber kein positives Glauben, sondern bloß dunkeles Gefühl von unsrer Unfähigkeit, oder wenigstens von der meinigen in die Geheimnisse der Natur einzudringen.

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Zum Teil zum Vorhergehenden gehörig: Das Wesen, was wir am reinsten aus den Händen der Natur empfangen, und was uns zugleich am nächsten gelegt wird, sind wir selbst, und doch wie schwer ist da alles und wie verwickelt! Es scheint fast, wir sollen bloß würken ohne uns selbst zum Gegenstand der Beobachtung zu machen. So bald wir uns zum Gegenstand der Beobachtung machen: so ist es fast einerlei ob wir aus dem Hainberg den Ursprung der Welt, oder aus unsern Verrichtungen die Natur unserer Seele wollen kennen lernen.

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Selbst unsere häufigen Irrtümer haben den Nutzen, daß sie uns am Ende gewöhnen zu glauben, alles könne anders sein, als wir es uns vorstellen. Auch diese Erfahrung kann generalisiert werden, so wie das Ursachen-Suchen, und so muß man endlich zu der Philosophie gelangen, die selbst die Notwendigkeit des principii contradictionis leugnet.

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Die beiden Begriffe von Sein und Nichtsein sind bloß undurchdringlich in unsern Geistes-Anlagen. Denn eigentlich wissen wir nicht einmal was Sein ist, und so bald wir uns ins Definieren einlassen, so müssen wir zugeben daß etwas existieren kann was nirgends ist. Kant sagt auch so was irgendwo.

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Es ist doch fürwahr zum Erstaunen, daß man auf die dunkeln Vorstellungen von Ursachen den Glauben an einen Gott gebaut hat, von dem wir nichts wissen, und nichts wissen können, denn alles Schließen auf einen Urheber der Welt ist immer Anthropomorphismus.

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Wenn der Verstand reift, oder seine Regierungskräfte fühlt ohne etwas zu haben was er regieren kann, so entstehen freilich seltsame Dinge. Man fällt in den Fehler der kleinen Fürsten, und macht sich vor den Großen lächerlich. Hat man viel gelesen und besitzt wenig Regierungskunst, so macht man sich vor den Weisen lächerlich. Wenn sich denn doch am Ende einmal lächerlich gemacht sein soll: so wollte ich doch lieber vor dem Großen lächerlich werden, als vor dem Weisen, lieber vor dem Belesenen, als vor dem Denker, der mich immer nach der Art beurteilt, womit ich von meinem Vermögen Gebrauch gemacht habe.

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Man ist nie glücklicher als wenn uns starkes Gefühl bestimmt, nur in dieser Welt zu leben. Mein Unglück ist nie in dieser sondern in einer Menge von möglichen Ketten von Verbindungen zu existieren, die sich meine Phantasie unterstützt von meinem Gewissen schafft, so geht ein Teil meiner Zeit hin, und keine Vernunft ist im Stand darüber zu siegen. Dieses verdiente sehr auseinander gesetzt zu werden. Lebe dein erstes Leben recht, damit du dein zweites genießen kannst. Es ist immer im Leben wie mit der Praxis des Arztes, die ersten Schritte entscheiden. Das ist doch Unrecht irgendwo, in der Anlage oder im Urteil?

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Zug: Jemand zerreißt ein Papier und wirft es voll Ungedult zum Fenster hinunter indem seine Frau hereintritt: da schreibt man mir schöne Sachen von dir, sagt er und geht aufgebracht weg. Die Frau, die kein gutes Gewissen hat, läßt durch ihr Kammer-Mädchen die Stückchen alle zusammenlesen, und des Abends, da sie allein sind, suchen sie alles zusammenzulegen, es fehlen aber Stückchen; mit jedem Wort das sie lesen erklären sie sichs und verraten ihre Schuld, am Ende findet sich daß es (ein) Dinten-Rezept war.

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Passabel auszudrücken, was andere Leute gedacht hatten, war seine ganze Stärke.

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Es geht freilich sonderbar zu unter uns Erdreichern.

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Man liest jetzt so viele Abhandlungen über das Genie, daß jeder glaubt er sei eines. Der Mensch ist verloren, der sich früh für ein Genie hält.

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Ist es nicht besonders, daß die katholischen Prediger immer ihre Gemeinden vor den protestantischen Schriften warnen müssen? Die protestantischen hingegen warnen die ihrigen nie vor den katholischen. Ja wäre ich ein protestantischer Prediger, ich würde glaube ich meiner Gemeinde die Lesung der sogenannten erzkatholischen Bücher als eines der stärksten Befestigungsmittel in ihrem Glauben empfehlen.

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Bei aller meiner Bequemlichkeit bin ich immer in Kenntnis meiner selbst gewachsen, ohne die Kraft zu haben mich zu bessern, ja ich habe mich öfters für alle meine Indolenz dadurch entschädigt gehalten, daß ich dieses einsah, und das Vergnügen, das mir die genaue Bemerkung eines Fehlers an mir machte, war oft größer, als der Verdruß, den der Fehler selbst bei mir erweckte. So sehr viel mehr galt bei mir der Professor, als der Mensch. Der Himmel führt seine Heiligen wunderlich.

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Ohne Witz wäre eigentlich der Mensch gar nichts, denn Ähnlichkeit in den Umständen ist ja alles was uns zur wissenschaftlichen Erkenntnis bringt, wir können ja bloß nach Ähnlichkeiten ordnen und behalten. Die Ähnlichkeiten liegen nicht in (den) Dingen, vor Gott gibt es keine Ähnlichkeiten. Hieraus folgt freilich der Schluß, daß je vollkommener der Verstand ist, desto geringer ist der Witz, oder es muß Seelen-Einrichtungen geben, die so gespannt werden können, wie manche Waagen (wieder Witz) daß man sie so wohl zum Genau-als Roher-wiegen gebrauchen kann.

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Mehr Dinge zu erfinden wie etwa der Schnupftabak, der allerdings eine gar seltsame Erfindung ist. Es ist doch würklich, wenn man bedenkt wie viel Wohlgerüche es in der Natur gibt, eine Art von Onanie.

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Eine goldne Regel: Man muß die Menschen nicht nach ihren Meinungen beurteilen, sondern nach dem, was diese Meinungen aus ihnen machen. – Ich fühle, daß ich nach der Meinung der Welt hiergegen nicht aushalte, ob ich gleich vor Gott überzeugt bin, daß ich es würde, wenn sie mich genauer kennte. Also das Aus-ihnen-machen muß genau beobachtet werden.

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Den redlichen Mann zu erkennen ist in vielen Fällen leicht, aber nicht in allen, so wie verschiedene Mineralien, bei einigen ist chemische Zerlegung nötig, aber wer gibt sich bei Charakteren damit ab, oder wieviel haben die Fähigkeit dazu? Das schnelle Aburteln ist größtenteils dem Faulheits-Trieb der Menschen zuzuschreiben, das mühsamere chemische System findet in Praxi wenig Anhänger, wir sind wernerisch gesinnt im Charaktersystem.

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Ich möchte zum Zeichen für Aufklärung das bekannte Zeichen des Feuers (Δ) vorschlagen. Es gibt Licht und Wärme, es ist zum Wachstum und Fortschreiten alles dessen was lebt unentbehrlich, allein – unvorsichtig behandelt brennt es auch und zerstört auch.

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Darf ein Volk seine Staats-Verfassung ändern wenn es will? Über diese Frage ist sehr viel Gutes und Schlechtes gesagt worden. Ich glaube die beste Antwort darauf ist: Wer will es ihm wehren, wenn es entschlossen ist? Allgemein gewordenen Grundsätzen gemäß handeln ist natürlich, der Versuch kann falsch ausfallen, allein es ist nun einmal zum Versuch gekommen. Diesem Versuche vorzubeugen müßten die Weisesten die Oberhand haben, und diese Weisesten müßten eine Menge der Weisesten oder der Unweisesten, gleich viel, kommandieren können, um die Vernunft der Besseren, und den Gehorsam der Schlechtern immer nach derselben Seite zu lenken.

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Die Theorien der physischen Welt (Erde) fangen mit einem rohen Klumpen an, der immer besser wurde, die von der moralischen fangen mit patriarchalischer Vollkommenheit an und werden immer ärger. Ich glaube es ist in der 2 ten nicht besser gegangen als in der ersten. Daß der rohe Mensch in manchen Stücken besser ist als der gebildete, das ist nicht zu verwundern, so ist auch das Kind in vielen besser als der Erwachsene pp.

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Eine Kommode, eine Inkommode. Die Nachtstühle sind öfters wahre Inkommoditäten.

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Dieser Gedanke arbeitete immer in seinem Gewissen wie eine Toden-Uhr. Im Gewühl der Geschäfte und des Umgangs unhörbar, aber in der Stille der Nacht hörte ihm die ganze Seele zu. (besser)

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In den Kehrigthaufen vor der Stadt lesen und suchen was den Städten fehlt, wie der Arzt aus dem Stuhlgang und Urin.

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Ich habe das Register der Krankheiten angesehn, und habe die Sorgen und traurige Vorstellungen nicht darunter gefunden, das ist sehr unrecht.

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Gott, der Vergelder alles Guten.

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Schlecht Disputieren ist immer besser als gar nicht, selbst Kannegießern macht die Leute weiser, wenn gleich nicht in der Politik, doch in andern Dingen. Das bedenkt man nicht genug.

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Als ich im Frühling 1792 an einem sehr schönen Abend am Gartenfenster lag, das etwa 2000 Fuß von der Stadt entfernt ist, war ich begierig zu hören, was nun von dem berühmten Göttingen noch zu meinen Ohren herüber kam, und das war

- das Rauschen des Wassers bei der großen Mühle

- das Fahren einiger Wagen oder Kutschen

- Ein sehr helles und emsiges Schreien von Kindern vermutlich auf der Maikäfer-Jagd auf dem Walle

- Hundegebell in allerlei Distanzen und mit allerlei Stimmen und Affekten

- 3 bis 4 Nachtigallen in den Gärten nah bei oder in der Stadt

- unzählige Frösche

- das Klirren geworfener Kegel und

- ein schlecht geblasener halber Mond der von allem das Unangenehmste war.

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Der Ton stimmt oft die Behauptung statt daß die Behauptung den Ton angeben sollte. Selbst gute Schriftsteller, wenn sie auch gerne schön sprechen, finden sich unvermerkt zuweilen da, wo sie eigentlich nicht hin wollten.

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Jemand beschrieb eine Reihe Weidenbäume, die in gewissen Distanzen gepflanzt waren, so: erst stund ein Baum, alsdann keiner, dann wieder einer und dann wieder keiner.

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Ich hatte Gelegenheit öfters einen Betteljungen zu sehen, der durch Gesichterschneiden und allerlei Gebärden Lachen zu erwecken suchte. Dieses war mir würklich unerträglich, daß ich das Gesicht des Jungens, auch selbst in der Ruhe, anfing abscheulig zu finden und den Knaben im eigentlichen Verstand zu hassen anfing, weil er sich gar nichts wollte sagen lassen. Eines Tages aber da ein sehr schönes und gutes Kind, ein Mädchen von 4 Jahren sehr herzlich und doch mit einem gewissen Anstand über des Knaben Possen lachte, machte dieses einen so angenehmen Eindruck auf mich, daß ich nun selbst des Knabens Gesichter erträglich fand, und zwar nicht bloß aus der zweiten Hand, wie man denken sollte, sondern würklich in sich selbst. Ich lächelte nicht in meinem eigenen sondern in des Kindes Namen darüber. Auch habe ich bei andern Gelegenheiten bemerkt, daß man über gewisse unschädliche Ungezogenheiten sich erst ärgern muß, um sie hernach erträglich zu finden. Ich verstehe mich hier recht gut, und erkläre die Sache weiter nicht.

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Es kömmt so außerordentlich viel darauf an wie etwas gesagt wird daß ich glaube, die gemeinsten Dinge lassen sich so sagen, daß ein anderer glauben müßte, der Teufel hätte es einem eingegeben.

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Die Vermählung des Doge mit dem Adriatischen Meere kann genützt werden. Der Bürgermeister zu ..., das wegen seines Bieres berühmt ist, vermählt sich jährlich mit einem Brau-Kessel. N. vermählte sich alle Jahre wenigstens einmal mit der Gosse, nur mit dem Unterschiede von dem Doge zu Venedig, daß dieser bloß einen Ring ins Wasser wirft, dieser mit sehr viel größerer Herzlichkeit (sich) selbst hineinlegte.

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Er war in nichts regelmäßiger als in Dingen, die er gar nicht zum Gegenstand seiner Obhut machte, so verbrauchte er z. E. regelmäßig alle 3 Wochen ein Pfund Schnupftabak ob er gleich gar hierin keiner Regel folgte. Hatte er sich einmal im Ernst vorgenommen ordentlich darin zu sein, so würde alles sehr unordentlich darin gegangen sein.

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Man findet auf einer steilen Höhe weißen Schaum, er wird einmütig für den von einem Reitpferd erkannt und jedermann bewundert die Verwegenheit des Reiters, am Ende kömmt es heraus daß sich der Schulmeister des Orts, der um den Weg abzukürzen hieher gegangen war, sich hier rasiert habe.

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Es wurde ein Blumen-Körbchen angekündigt und siehe da, es erschien ein Kartoffel-Säckchen.

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Es ist für des Menschen Rechtfertigung hinreichend, wenn er so gelebt hat, daß er seiner Tugenden wegen Vergebung für seine Fehler verdient.

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Die Allmacht Gottes im Donnerwetter wird nur bewundert entweder zur Zeit da keines ist, oder hinten drein beim Abzuge.

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Die Klapperrosen oder Erdbeeren zwischen Gletschern. Das Rote Meer mit dem Wasser wie Mauern.

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Die Natur hat die Frauenzimmer so geschaffen, daß (sie) nicht nach Prinzipien sondern nach Empfindung handeln sollen.

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Daß Gott, oder was es ist, durch das Vergnügen im Beischlaf den Menschen zur Fortpflanzung gezogen hat, ist doch bei Kants höchstem Prinzip der Moral auch zu bedenken.

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Ein Sorgen-Messer, mensura curarum. Mein Gesicht ist einer.

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Die Philosophen (die so genannten Könige der Welt) sind doch eigentlich bloß die Schuhputzer der Nachwelt (½ πμ).

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Noch zur Zeit mehr Wunsch als Erwartung.

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Wenn der Schlaf ein Stiefbruder des Todes ist, so ist der Tod ein Stiefbruder des Teufels.

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Im Namen des Herrn sengen, im Namen des Herrn brennen morden und dem Teufel übergeben, alles im Namen des Herrn.

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Er pflegte sich und seinen Kindern so viel circenses zu geben, daß es endlich beiden am pane zu fehlen anfing.

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Es gibt manche Leute die nicht eher hören bis man ihnen die Ohren abschneidet.

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Die Luft ein Magazin von Licht, Feuer und Wasser.

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Ein wildschöner (bildschöner) Mensch.

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Das ist auch einer von denen, die glauben der Mensch wäre schon fertig und der jüngste Tag könnte nun anfangen.

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Viel Hasen sind der Hunde Tod, sagt der Oberförster, dem man seinen Hund aus Versehen tod geschossen hatte weil der Schützen zu viele waren.

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Und sorgt uns sorgenfrei zu machen.

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Es wäre vielleicht besser für das menschliche Geschlecht, wenn es ganz katholisch wäre als ganz protestantisch. Sobald aber einmal Protestantismus existiert, so muß man sich schämen ein Katholik zu sein. Denn was der allgemeine Katholizismus Gutes hätte fällt nun weg, und ihn wieder allgemein zu machen ist unmöglich.

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Das herannahende Alter und die Furcht davor recht auszumalen, das allmählige Vergehn der Zähne, die einzelnen grauen Haare. Alle die heimlichen Untersuchungen darüber. Bemerkt man einen solchen Zustand recht genau, so wird man dadurch auch in den Stand gesetzt einen erdichteten eben mit dem charakteristischen Detail zu schildern. So lernt man das menschliche Herz schildern. Der Alternde tröstet sich damit, daß jüngere Leute auch schon keine Zähne mehr, und graue Haare haben, und er vergleicht sich immer mit den Besten und Vorteilhaftesten.

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Ich möchte wohl wissen was geschehn würde, wenn einmal die Nachricht vom Himmel käme, daß der liebe Gott ehestens eine Kommission von bevollmächtigten Engeln herab schicken würde, in Europa herum zu reisen, so wie die Richter in England, um die großen Prozesse abzutun worüber es in der Welt keinen andern Richter gibt, als das Recht des Stärkeren. Was würde dann aus manchen Königen und Ministern werden? Mancher würde (lieber) um gnädigsten Urlaub ansuchen einem Walfischfang beizuwohnen oder die reine Kap-Horn-Luft zu atmen pp als an seiner Stelle bleiben.

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Man kann bei der Gelegenheit eine Nase holen, aber auch eine verlieren.

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Die Bücher Kopfgeld bezahlen lassen.

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Man gibt falsche Meinungen, die man von Menschen gefaßt hat, nicht gern auf, so bald man sich dabei auf subtile Anwendung von Menschenkenntnis etwas zu gute tun zu können für berechtigt hält, und glaubt solche Blicke in das Herz des andern könnten nur gewisse Eingeweihte tun. – Es gibt daher wenige Fächer der menschlichen Erkenntnis, worin das Halbwissen größern Schaden tun kann, als dieses Fach.

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Ich sehe nicht was es schaden kann dem Patriotismus für den nicht alle Menschen Gefühl haben Liebe des Königs unterzuschieben, wenn der König so herrscht, daß alles aus Liebe zu ihm und Treue gegen ihn (geschieht). Liebe und Treue gegen einen rechtschaffenen Mann ist dem Menschen viel verständlicher als die gegen das beste Gesetz. Was für eine Macht haben nicht die Lehren der Tugend wenn sie aus dem Munde rechtschaffener Eltern kommen. Gott hat gesagt, du sollst nicht töden, du sollst Vater und Mutter ehren, du sollst kein falsch Zeugnis reden pp. Gott, der Herr der Natur, dein Schöpfer hat es dir geboten, das versteht jedermann. Der Beweis aus dem Rechte der Natur ist nicht so verständlich. Jene Worte sind deswegen kein Betrug, denn es ist die Stimme der Natur und Gottes.

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Es fehlt nicht viel, so ordnet man die Menschen in Rücksicht auf Geistes-Fähigkeiten, so wie die Mineralien nach ihrer Härte, oder eigentlich nach der Gabe die eines besitzt, das andere zu schneiden und zu kratzen.

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Wir nehmen Dinge wahr vermöge unsrer Sinnlichkeit. Aber was wir wahrnehmen sind nicht die Dinge selbst, das Auge schafft das Licht und das Ohr die Töne. Sie sind außer uns nichts. Wir leihen ihnen dieses. Eben so ist es mit dem Raume, und der Zeit. Auch wenn wir die Existenz Gottes nicht fühlen, beweisen können wir sie nicht. Alle diese Dinge führen auf eines hinaus. Es ist aber nicht möglich sich hiervon ohne tiefes Denken zu überzeugen. Man kann Kantische Philosophie in gewissen Jahren glaube ich eben so wenig lernen als das Seiltanzen.

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Ehmals ärgerte ich mich mit einem Gefühl von Kraft, jetzt mit einem von passiver Ängstlichkeit.

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Man schreibt wider den Selbstmord mit Gründen die unsere Vernunft in dem kritischen Augenblick bewegen sollen. Dieses ist aber alles vergeblich, so lange man sich diese Gründe nicht selbst gefunden hat, das heißt, so bald sie nicht die Früchte, das Resultat unserer ganzen Erkenntnis und unsres erworbenen Wesens sind. Also alles ruft uns zu, bemühe dich täglich um Wahrheit, lerne die Welt kennen, befleißige dich des Umgangs mit rechtschaffnen Menschen, so wirst du jederzeit handeln wie dirs am zuträglichsten ist, und findest du dereinst den Selbstmord für zuträglich, das heißt sind alle deine Gründe nicht hinreichend dich abzuhalten, so ist er dir auch – erlaubt.

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Ich möchte wohl wissen, ob alle die wider die Gleichheit der Stände schreiben und dieselbe lächerlich finden recht wissen was sie sagen. Eine völlige Gleichheit aller Menschen, so wie etwa aller Maikäfer läßt sich gar nicht denken, so können es auch die Franzosen unmöglich verstanden haben, denn sie reden ja überall von den Reichen. Selbst Cambon sagt in dem Rapport vom 15. Dezember, worauf das berüchtigte Dekret gebaut wurde: Nur die Reichen sollen zu den Staatslasten beisteuern. Unter den Studenten auf Universitäten findet eine solche Gleichheit statt, der ärmste Student dünkt sich so viel wie der Graf und gibt diesem nichts vor und das ist recht, ob er gleich gerne zugibt, daß er im Collegio an einem besondern Tische sitzt und bessere Kleider trägt. Nur muß er als Graf keine Vorzüge prätendieren, die ihm bewilligten läßt ihm jedermann gerne. Wollte er welche prätendieren, so wäre dieses der Weg zu bewirken, daß man ihm alle versagte. Nur die stolzen Prätensionen sind, was der freie Mensch nicht vertragen kann, er ist übrigens gar sehr geneigt wenn man ihn gehen läßt jedem (die) Vorzüge zu bewilligen, die er verdient, und was er für welche verdient, dazu hat er gewöhnlich ein sehr richtiges Maß. Jede Achtung ist ein Geschenk, das nicht erzwungen werden darf und kann. Bewilligt das Volk durch Dekrete gewisse Vorzüge, so ist dieses eine Abgabe und kein Geschenk des einzelnen und diese können prätendiert werden, so sind die Vorrechte der Magistrats-Personen im Dienst. Jedermann denke doch an die Bürger seiner Vaterstadt. Wenn der reichste Kaufmann einer Stadt einen Vorzug vor dem ärmsten Schuster oder Schneider prätendierte, so möchte er übel ankommen, du hast mir nichts zu befehlen, ist die Antwort, prätendiert er ihn nicht und ist sonst ein ehrlicher Mann, so wird ihm der den Vorzug nie versagen.

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Deutscher Fleiß, mit diesem Titul pflegen oft Köpfe, die nicht zum Denken aufgelegt sind, ihre trockene geistlähmende Bemühungen zu belegen. Tag und Nacht lesen und sammeln hat etwas sehr Schmeichelhaftes für den Sammler, dem es an wahrer Geistesstärke fehlen muß, denn sonst schickte er sich nicht zu solchen Arbeiten, die immer etwas von Neger-Dienst an sich haben. Es ist auch nicht ohne Verdienst in jedem Sinn, wo dieses Wort auch Einnahme bedeutet, aber man sollte doch bedenken, daß ein solcher Mann immer unendlich tief unter dem kleinsten Erfinder steht. In England werden die Literatoren wenig geachtet. In Deutschland sieht man den Mann schon als etwas an, der weiß was in jeder Sache geschrieben worden ist, ja wenn man ihn um sein Urteil in einer Sache fragt, so nimmt man wohl vorlieb, wenn er einem eine Literär-Geschichte der Sache statt der Antwort gibt.

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Eine Wirkung völlig zu hindern, dazu gehört eine Kraft, die der Ursache von jener gleich ist, aber ihr eine andere Richtung zu geben bedarf es öfters nur einer Kleinigkeit.

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Was doch eigentlich den Armen den Himmel so angenehm macht ist der Gedanke an die dortige größere Gleichheit der Stände.

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Er redete so zu den Leidenschaften der Menschen, als wenn sie zu einem Sturm kommandiert wären.

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Es gibt kaum eine unangenehmere Lage als die Geschenke von nichtswürdigen Dingen zu erhalten auf die aber der Geber einen außerordentlichen Wert setzt und würklich dafür zwar keine Gegengeschenke aber doch Ergebenheit erwartet, es ist dieses der Fall zwischen mir und D. Er überhäuft mich mit sogenannten Leckerbissen von seinem Tisch, die ich für gar keine Leckerbissen halte, und die ich oft, wenn er nicht gegenwärtig wäre, ungekostet weggäbe. Und doch muß ich hören, daß er an andern Orten sagt, er schicke mir zuweilen etwas zu essen. Der ehrliche Mann meint es herzlich gut.

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Mein Körper ist derjenige Teil der Welt, den meine Gedanken verändern können. Sogar eingebildete Krankheiten können würkliche werden. In der übrigen Welt können meine Hypothesen die Ordnung der Dinge nicht stören.

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Für die Seele sorgen nur allein die Pastoren und die Philosophen, die sich oft den Handel einander verderben; für den Leib, außer dem Arzt und Apotheker, die Feldbauern, Müller, Bäcker, Brauer, Fleischer und Brannteweinbrenner, für das adoptierte Fell unzählige Weber, Schneider, Schuster, Hutmacher, Gerber, und dann endlich für das Wohnhaus der Schnecke der Baumeister, Zimmermann, Tischler, Schlosser, also für die Seele der Pastor allein. Freilich müssen hier noch die Wissenschaften eingewebt werden!

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A. Sie sind sehr alt geworden. B. Ja, das ist gewöhnlich der Fall wenn man lange lebt.

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Der Eierstock der Zukunft.

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Für den Verlust von Personen, die uns lieb waren, gibt es keine Linderung als die Zeit, und sorgfältig und mit Vernunft gewählte Zerstreuungen, wobei uns unser Herz keine Vorwürfe machen kann.

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Ist es nicht sonderbar, daß jedermann sein eigner Arzt, auch sein eigner Advokat sein darf, sobald er aber sein eigner Priester sein will, so schreit man Jammer und Weh über ihn und die Götter der Erde mischen sich darein. Was wohl die Ursache sein mag daß sich die Götter der Erde so sehr um das ewige Wohl der Menschen bekümmern, da sie doch ihr zeitliches oft so unverantwortlich vernachlässigen; Die Antwort ist nicht sehr schwer.

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Ordnung führet zu allen Tugenden! aber was führet zur Ordnung?

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Zeitungen besser Sagen der Zeit so wie man Sagen der Vorzeit hat. Nach Zeitung ist Räumung. Das letztere ist Platzmachen, so wie das erste Zeitmachen oder Zeitenmachen. Zeitungen sind öffentliche Blätter worin die neusten Begebenheiten so erzählt werden wie es (sich) für Zeit und Umstände des Orts wo sie gedruckt werden am besten schickt. Exoterische und esoterische.

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Ich glaube der beste Kopist und Zeichner würde einen Kopf oder eine Figur nicht gut treffen können, wenn sie ihm verkehrt vorgelegt würde, und unter der Bedingung weder das Original noch seine Kopie während der ganzen Arbeit je gerade vor sich hinzulegen. Man sieht also was der Künstler tut der ein Gesicht kopiert, er liest beständig im Ganzen, und mit dem Geiste dieses Ganzen vor Augen tut er manchen Strich in der augenblicklichen Begeisterung wenn ich so reden darf, wovon er nichts weiß, und so wird die Kopie ähnlich. Man wird finden, daß dieses Lesen, dieses Zusammennehmen derselben bei jedem Unternehmen nötig ist und den Mann von Genie zu diesem Unternehmen von dem gemeinen Kopf unterscheidet. So sind bei dem Kommando von Armeen, bei Anlagen großer mechanischer Werke, bei großen Finanzoperationen oft die tiefsten Theoretiker die elendesten Ausführer. Sie haben immer das Detail zu sehr vor Augen, und das Ungemeine, das von wenigen Erkannte, das Neuentdeckte, auch das Schwere, und vergessen darüber das leichte Alltägliche, das immer oder doch wenigstens in den meisten Fällen auch das Hauptsächlichste ist. Hier fällt mir der Mathematiker ein, der gegen eine Maschine, die den Weg des Schiffes auf der See zeichnen sollte, nichts einzuwenden hatte, als daß es wegen der Ausdehnung des Papiers trügen könne.

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Sie fühlen den Druck der Regierung so wenig als den Druck der Luft.

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Ich konnte deutlich bemerken, daß an dem Tage, da D.. an seinem Testament schrieb, er mir mehr zumutete, als sonst seine Höflichkeit erlaubte. Ich konnte also merken, daß er an dem Tage etwas für mich oder meine Familie getan haben mochte. Ist es nicht sonderbar, daß er, ohne daß ich von der Belohnung etwas wissen konnte, mir Dinge aufbürdete, die ich ohne Entgelt nicht würde übernommen haben, gerade als wüßte ich von der Belohnung?

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So wie es eines jeden Vermögens-Umstände verstatten, ich meine hier des geistischen Vermögens.

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In Frankreich gärt es, ob es Wein oder Essig werden wird ist ungewiß.

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Aus Galvani's Entdeckung wird auch begreiflich warum die Menschen ihre Hände so gerne nach Gold und Silber ausstrecken, denn das Ausstrecken gehört mit unter die Zuckungen. Man sieht also, daß hierin nicht alles moralisch sondern auch manches physisch ist. Die Hände sind Wünschelruten die immer nach Metall schlagen.

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0+
Дата выхода на Литрес:
27 февраля 2026
Объем:
5273 стр. 39 иллюстраций
ISBN:
4066338122001
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Правообладатель:
Bookwire
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