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Lieblingsplätze Hochschwarzwald

Birgit Hermann

Impressum

Autor und Verlag haben alle Informationen geprüft. Gleichwohl wissen wir, dass sich Gegebenheiten im Verlauf der Zeit ändern, daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Sollten Sie Feedback haben, bitte schreiben Sie uns! Über Ihre Rückmeldung zum Buch freuen sich Autor und Verlag: lieblingsplaetze@gmeiner-verlag.de

Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Birgit Hermann:

Hochschwarzwaldtouristik GmbH 12, 62, 144, 170; Margarete Köpfer 124, 126; Elisabeth Kaiser 128; Margarete Schwär 180

Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.

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www.gmeiner-verlag.de

1., aktualisierte Neuauflage 2021

© 2018 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 07575/2095-0

info@gmeiner-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat / Redaktion: Anja Kästle

Herstellung: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung / Bildbearbeitung: Susanne Lutz

unter Verwendung der Illustrationen von © SimpLine – stock.adobe.com;

© Sylwia Nowik; © Ron-e – pixabay.com; © askaja – dobe.stock.com; © Katrin Lahmer; © Benjamin Arnold; © Susanne Lutz

Kartendesign: © Maps4News.com/HERE

ISBN 978-3-8392-6820-9

Inhalt

Impressum

1 Im Herzen der Stadt

Titisee-Neustadt: Münster St. Jakobus

2 In Stein gehauen

Titisee-Neustadt: Skulptur Schwarzwälder

3 Von Kolonialwaren zum Bistrot

Titisee-Neustadt: Villinger

4 Unseren Helden

Titisee-Neustadt: Fullbergkreuz

5 Weitenjäger

Titisee-Neustadt: Große Hochfirstschanze

6 Kraftort

Titisee-Neustadt: Vögelefelsen

7 Treffpunkt für Jung und Alt

Titisee-Neustadt: Felsele Erlebniswald

8 Sind es Keltengräber?

Titisee-Neustadt: Steinhügelfelder

9 Vom Gletscher ausgeschliffen

Titisee-Neustadt: Spaziergang am Ufer

10 Relikt aus vergangenen Zeiten

Titisee-Neustadt: Schalenstein

11 Die neue Zeit

Titisee-Neustadt: Alte Werksuhr

12 Vom Eisstadion zum Naturweiher

Titisee-Neustadt: Eisweiher

13 Ort der Geschichte

Titisee-Neustadt: Öhlermühle in Jostal

14 Ein Heiliger für die Welschen

Titisee-Neustadt: Josenkapelle in Jostal

15 Baum der alten Mystik

Titisee-Neustadt: Wendelinus-Eiche in Langenordnach

16 Vom Uhrenhändler zum Wirt

Titisee-Neustadt: Hotel Sonne-Post in Waldau

17 Gehöft mit eigener Sage

Titisee-Neustadt: Gasthaus Ahorn in Schwärzenbach

18 Eine Seuche beendete den Feldzug

Titisee-Neustadt: Russenkreuz in Schwärzenbach

19 Zeugnis der Volksfrömmigkeit

Eisenbach: Dreifaltigkeitskapelle des Bärenhofs in Schollach

20 Die Erfindung des Skilifts

Eisenbach: Talstation beim Gasthof Schneckenhof in Schollach

21 Ausfahrt römische Raststation?

Titisee-Neustadt: Rotes Kreuz am Kolmen bei Schwärzenbach

22 Heidnischer Kultplatz?

Vöhrenbach: Megalithanlage Kuckucksweiher bei Hammereisenbach

23 Zerstört im Bauernkrieg

Vöhrenbach: Ruine Neufürstenberg in Hammereisenbach

24 Frühzeitliche Wallburg

Vöhrenbach: Krumpenschloss bei Hammereisenbach

25 Ein rätselhafter Gedenkstein

Titisee-Neustadt: Scheibenkreuz bei Rudenberg

26 Maria zu Ehren?

Friedenweiler: Schillingskapelle

27 Erfrischender Geheimtipp

Friedenweiler: Klosterweiher

28 Im Tal der heiligen Jungfrauen

Friedenweiler: Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster

29 Überfall im Wald

Friedenweiler: Mörderkreuz im Klosterwald

30 Der Letzte seiner Zunft

Friedenweiler: Rathaus mit Straub-Geigen in Rötenbach

31 Gelebte Gemeinschaft

Friedenweiler: Dorfladen in Rötenbach

32 Vom Zentrum der Macht zum Badesee

Bräunlingen: Kirnbergsee bei Unterbränd

33 Überbleibsel eines Dorfes

Löffingen: Weiler Kapelle bei Dittishausen

34 Wundersame Rettung

Löffingen: Wallfahrtskapelle Witterschneekreuz

35 Markenzeichen des Städtles

Löffingen: Mailänder Tor

36 Versteck einer Kräuterfrau?

Löffingen: Nanteleloch in der Mauchachschlucht

37 Unberechenbare Naturgewalt

Löffingen: Teufels Loch in der Gauchachschlucht bei Unadingen

38 Immer der Nase nach

Löffingen: Hochschwarzwälder Kaffeerösterei in Seppenhofen

39 Von unheimlichen Löchern

Löffingen: Rosshag-Doline bei Göschweiler

40 Vom Wehrturm zum Kirchturm

Löffingen: St. Rochuskirche in Göschweiler

41 Kleine Schwester der Wutachschlucht

Lenzkirch: Haslachschlucht bei Kappel

42 Steinreich

Lenzkirch: Geopark

43 Wasserkraft als Sinnbild

Lenzkirch: Brunnenschalen Begegnung

44 Zeitzeugen

Lenzkirch: Ruine Alt-Urach

45 Der Energieberg

Schluchsee: Bildstein

46 Vom Gletschersee zum Stausee

Schluchsee: Rund um den Stausee

47 Geschicklichkeit mit bäuerlichem Flair

Schluchsee: Spass-Park Hochschwarzwald

48 Freie Sicht bis zu den Alpen

Schluchsee: Riesenbühlturm

49 Das Dampfross schnauft

Schluchsee: Museumsbahnhof Seebrugg

50 Alemannische Fasnet

Bonndorf: Fasnachtsmuseum Schloss-Narrenstuben

51 Von der Quelle zum Bier

Grafenhausen: Badische Staatsbrauerei Rothaus

52 Gugge, Mache, Wunderfitze

Grafenhausen: Schwarzwaldhaus der Sinne

53 Wenn Geistwesen Gestalt annehmen

Grafenhausen: Holzschnitzerei Stiegeler

54 Die größte Kuppel nördlich der Alpen

St. Blasien: Dom

55 Vom Glasbläserhof zur Filmkulisse

St. Blasien: Windberghof

56 Stonehenge von Blasiwald

Schluchsee: Steinkreise in Eisenbreche

57 Bäuerliches Leben anno dazumal

Bernau: Holzschnefler- und Bauernmuseum Resenhof

58 Heimatmaler

Bernau: Hans-Thoma-Kunstmuseum in Innerlehen

59 Vom Bauernhof an die Kaiserhöfe Europas

Menzenschwand: Winterhalter-Museum »Le Petit Salon«

60 Wild von Anfang an

Menzenschwand: Menzenschwander Wasserfälle

61 Höchstgelegene Sumpflandschaft

Feldberg: Hirschbäder Moor

62 Kanzel nach Osten

Feldberg: Aussichtsfelsen Zweiseenblick

63 Insel über dem Nebelmeer

Bernau: Herzogenhorn

64 Verteidigungslinie

Bernau: Schwedenschanze am Herzogenhorn

65 Sturzbach mit Denkmalschutz

Todtnau: Todtnauer Wasserfall

66 Geheimnisvolle Schriftzeichen

Todtnauberg: Schatzstein

67 Ausblick bis ins Elsass

Todtnauberg: Aussichtsplatz Radschert

68 Hinterm Berg

Feldberg: St. Wilhelmer Hütte

69 Denkmal auf dem Höchsten

Feldberg: Feldbergturm

70 Heimat des Dengelegeistes?

Feldberg: Feldsee

71 Wurzeln und Früchte in edelster Form

Feldberg: Schnapsmuseum im Café Zum gscheiten Beck in Bärental

72 Die höchstgelegene Destination

Feldberg: Bahnhof Bärental

73 Versteckter Moorsee

Hinterzarten: Mathisleweiher

74 Wollgräser und Baumleichen

Hinterzarten: Hinterzartener Moor

75 Was klappert im Schwarzwälder Tal?

Hinterzarten: Jockeleshofmühle

76 Vom Sturm gebeugt

Horben: Wetterbuchen am Schauinsland

77 Manche Namen sprechen für sich

Oberried: Café und Restaurant Die Bergstation

78 Winterspaß der Superlative

Oberried: Halde am Schauinsland bei Hofsgrund

79 Tor des Schwarzwaldes

Breitnau: Hirschsprung im Höllental

80 Gebeine als Reliquie

Breitnau: St.-Oswald-Kapelle im Höllental

81 Mit 360 Grad kurvig nach oben

Breitnau: Kreuzfelsen im Höllental

82 Perle des Wissens

St. Peter: Rokokobibliothek des Klosters St. Peter

83 Ein Platz der Stille

St. Peter: Lindlehöhe

84 Man nehme; die Zeit

St. Märgen: KlosterMuseum

85 Heiligtum der Bäuerin

St. Märgen: Steinbachhof mit Bauerngarten

86 Wie ein Adlerhorst

Waldkirch: Thomashütte auf dem Kandel

87 Von Hexentanz und Teufelsfelsen

Waldkirch: Großer Kandelfelsen

88 Windreiche Hochfläche

St. Peter: Hochebene Platte

Karte


1 Im Herzen der Stadt
Titisee-Neustadt: Münster St. Jakobus

Unübersehbar thront es auf dem Hügel der Stadt, das Münster St. Jakobus. Auf und um diese Erhebung gründete Heinrich Fürst zu Fürstenberg, der Nachkomme der Zähringertochter Agnes, im 13. Jahrhundert seine neue Stadt am Verbindungsweg Höllental/Villingen.

Laut Urkunden gab es in Neustadt bereits früh eine eigene Pfarrei. Doch mit dem Aufschwung durch die Uhrenindustrie und dem Bahnanschluss von 1887 wuchs die Bevölkerung sprunghaft an; die alte Kirche wurde zu klein. Das Ordinariat in Freiburg gab grünes Licht und überließ dem erzbischöflichen Baumeister Max Meckel die Planung. Architekt vor Ort war der Neustädter Johann Happle. Durch eine enorme Spendenbereitschaft seitens der Bevölkerung gelang das Projekt. Das neugotische Münster mit 1.200 Sitzplätzen entstand. Es ist die größte Kirche im Hochschwarzwald: 68 Meter beträgt sowohl die Höhe des Turms als auch die Länge des Gebäudes. Am Nikolaustag 1900 konnte der erste Gottesdienst gefeiert werden.

Nach dem Vorbild der Spätgotik wurden die Flügelaltäre zwischen 1903 und 1911 vom Freiburger Bildhauer Josef Dettlinger geschaffen. Im ehrenden Andenken hat jener Meister zwei Figuren unter die Heiligen gemogelt, die nicht dorthin gehören: Im Josefsaltar, ganz rechts, steht ein Mann mit Steinmetzmütze und Rauschebart, der das Kirchenmodell in der Hand hält. Es handelt sich hierbei um Baudirektor Meckel. Das Antlitz einer großzügigen Spenderin, Theresia Blessing, vermutet man im Porträt der Prophetin Hannah im unteren linken Flügel des Marienaltars. Wer findet die Heiligen in der Figurengruppe?

Die ursprünglich schönen Malereien an den Seitenwänden des Kirchenschiffs waren bei einer Renovierung überstrichen worden. In mühevoller Kleinarbeit hat man diese vor Jahren freigelegt, siehe links und rechts des Mittelschiffs.

Einen kleinen Kirchenführer, herausgegeben von der Erzdiözese Freiburg, finden Sie beim Haupteingang. Er kann für einen geringen Unkostenbeitrag erworben werden.


1

Münster St. Jakobus

Bei der Kirche 2

79822 Titisee-Neustadt

07651 5930

2 In Stein gehauen
Titisee-Neustadt: Skulptur Schwarzwälder

Ein provokantes Bildnis hat der Künstler Peter Lenk vom Bodensee mit seiner Skulptur Schwarzwälder geschaffen. Zu finden ist sie vor dem Eingang des Schuhhauses Jungkind gegenüber dem Neustädter Münster und gehört der Ladenbesitzerin Iris Voelter.

Nackt, grübelnd und seinen Bart kraulend hockt er da und harrt der Dinge, die da kommen. Oder nicht kommen. Einzig Sandalen trägt der Mann aus Stein. »Hauptsache, Schuhe«, steht auf dem Sockel, wenngleich diese Riemchenschuhe nicht die bevorzugte Fußbekleidung eines Einheimischen sind. Lenk hat ihn, den Zugeknöpften, nackig gemacht und zur Schau gestellt, als ob er den Einwohnern der Stadt einen Spiegel vorhalten wolle. Der Bildhauer ist bekannt für seinen scharfen Blick auf die Schattenseiten seiner Zeitgenossen. Anfangs wurden kritische Stimmen zu dem hässlichen Nackedei mitten in der Stadt laut. Fühlte man sich persönlich getroffen? Doch die Gemüter haben sich beruhigt, und die meisten begegnen ihm heute mit einem Schmunzeln. Haben die Menschen sich oder vielleicht ihren Nachbarn heimlich wiedererkannt, oder haben sie sich einfach an den komischen Kautz gewöhnt?

Was will Lenk dem Betrachter mit dieser Figur sagen? Beim genauen Hinsehen erkennt man ein verschmitztes, sympathisches Lächeln unter dem Bart. Was auf dem ansonsten kahlen Schädel auf den ersten Blick wie ein Zopf aussieht, entpuppt sich als Korken. Sein muskulöser Körper sitzt in entspannter, abwartender Haltung auf einem Granitblock. Er beobachtet uns! Wartet er darauf, dass man sich ihm zuwendet? Den Korken öffnet, um in sein Innerstes zu schauen? So, als würde man den Geist aus der Flasche rufen?

Während seine Nacktheit zum verschämten Hinschauen verleitet, bleibt sein Innerstes vorläufig unter Verschluss. Er lässt sich nicht gleich in die Seele schauen. Peter Lenk hat die Mentalität der Hochschwarzwälder in Stein gehauen.

Nebenan beim Feinkost-Bistrot Villinger in der Hauptstraße 6, ein beliebter Treffpunkt im Städtle, entdecken wir eine zweite Skulptur, diesmal aus Holz: Befruchtungen von Simon Stiegeler.


2

Skulptur Schwarzwälder beim Schuhhaus Jungkind

Scheuerlenstraße 1

79822 Titisee-Neustadt

07651 1355

3 Von Kolonialwaren zum Bistrot
Titisee-Neustadt: Villinger

Ein kleines Highlight nach den Besorgungen im Städtle ist für mich das Bistrot Villinger gegenüber dem Münster. Ein angesagter Treffpunkt; nicht nur zum Cappuccinotrinken. Erlesene kulinarische Köstlichkeiten verwöhnen den Gaumen zu allen Tageszeiten.

Katharina Villinger hat das Feinkostgeschäft ihrer Eltern Jürgen und Brigitte zu einem modernen Bistrot umgewandelt. Sie ist die Besitzerin in vierter Generation. Angefangen hat ihr Urgroßvater Albert im Jahr 1900 mit einem Kolonialwarenladen. Damals ging man noch von der Hauptstraße her in das Geschäft, das neben Raritäten wie Stockfisch und Kaffee auch Gerätschaften für die Landwirtschaft im Sortiment hatte. Der Fisch wurde getrocknet in Körben geliefert und über Nacht in Steinbecken im Keller gewässert, weiß Jürgen zu erzählen. Dazu leitete man den Brandbach zwischen den Häusern kurzerhand um. In dieser engen Gasse röstete Albert die Kaffeebohnen. Der Duft dieses Luxusgutes wehte zwischen den Häusern und stieg in die feinen Nasen der Neustädter.

Im Januar 1959 jedoch brannte das Haus ab. Alberts Sohn Herbert baute es wieder auf, ins ehemalige Lädele zog eine Apotheke. Das Lebensmittelgeschäft mit Haushaltswaren kam in den oberen Stock, den man ebenerdig vom Münster her betrat. 1981 übernahm die nächste Generation und modernisierte, aus der Edeka-Filiale wurde ein Feinkostgeschäft. Weitere Umbauten folgten und allmählich schälte sich das Bistrot aus dem Obst-, Gemüse- und Weinsortiment. Neben der gemütlichen Einkehr lässt Katharina sich abwechslungsreiche Veranstaltungen einfallen: Sekt-, Wein- und Ginproben, Musikabende und After-Work-Partys sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Glück hat, wer noch eine Eintrittskarte ergattern kann. Zu den kulinarischen Abenden gehören Martinsgans und Valentinsmenü oder eine Krimilesung mit Verköstigung.

Keine 200 Meter vom Bistrot entfernt, neben der Kirche den Berg hinunter, lädt der weitläufige Kurgarten zum Verweilen ein.


3

Villinger

feinekost/bistrot

Hauptstraße 6

Am Münsterplatz

79822 Titisee-Neustadt

07651 1401

www.feinkost-villinger.de

4 Unseren Helden
Titisee-Neustadt: Fullbergkreuz

Von Titisee her kommend, springt einem das Fullbergkreuz, Neustadts heimliches Wahrzeichen, vor allem nachts ins Auge. Es wirkt, als leuchte es den Heimkehrern den Weg.

Woran erinnert das Denkmal? Wer sich die Mühe macht, auf den Fullberg mit seinen 922 Metern zu steigen, wird nicht nur mit einem wunderbaren Blick über die Stadt belohnt, sondern findet die Lösung des Rätsels als Inschrift auf dem Sockel: »Unseren Helden draußen und daheim 1914–18«. Das Kreuz ist eines von zwei Kriegerdenkmälern der Stadt. Das zweite, ein Figurendenkmal vom Neustädter Bildhauer Heinrich Bauser gefertigt, steht auf dem alten Friedhof in der Stadtmitte gegenüber der Friedhofskapelle. Zehn Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden die beiden Denkmäler erbaut und feierlich am selben Tag eingeweiht.

»’s Kritz«, wie es bei den Einheimischen genannt wird, ragt als Mahnmal über 15 Meter in den Himmel. Breitet seine Arme aus, als beschütze es die Stadt und deren Menschen, die ihm zu Füßen liegen. Es ist nur einen Katzensprung von der Jugendherberge entfernt und ein beliebter Ort, um stimmungsvolle Sonnenuntergänge zu erleben. Großen Zulauf erfährt das Kreuz außerdem am letzten Abend des Jahres. Vom Fullbergkreuz aus hat man den besten Überblick, will man Neustadt im Lichterregen der Silvesterraketen erstrahlen sehen.

Der Name »Fullberg« kommt von »Füllen«, was eine Abwandlung von »Fohlen« ist. Hier weideten einst die Jungtiere des Sennhofs, der auf der Südostseite unterhalb der Stadtkirche gestanden haben muss, wo sich heute das Münster befindet. Zu jener Zeit gab es am Dennenberg, wie der Hang gegenüber des Fullbergs heißt, noch keine Häuser, nur freie Felder. Die »Füllenzucht« war im Besitz der fürstenbergischen Grafen zu Stühlingen, den weltlichen Herren der Stadt. Heute erinnert nur noch der Name daran.

Bei der Jugendherberge die Ortsstraße überqueren und am Waldrand dem steilen Trampelpfad folgen, dann erreicht man nach circa 800 Metern die Max-Engelmann-Hütte mit Grillplatz und Alpenblick.


4

Fullbergkreuz

auf einer Anhöhe direkt neben der

Jugendherberge

Rudenberg 6

79822 Titisee-Neustadt

Tourist-Information Titisee

Strandbadstraße 4

79822 Titisee-Neustadt

07652 12060

www.hochschwarzwald.de

5 Weitenjäger
Titisee-Neustadt: Große Hochfirstschanze

In kalten Winternächten lässt sich über dem Neustädter Schmiedsbachtal am Hochfirst gelegentlich eine helle Beleuchtung ausmachen, zeitgleich ist ein unterschwelliges Brummen zu hören. Nein, hier tanzen keine Waldgeister um den Hexenkessel! Die Neustädter wissen: Es ist so weit, die Schanze wird hergerichtet. Draußen herrschen die nötigen Minustemperaturen, um zur Sicherheit Kunstschnee herzustellen, denn in Zeiten des Klimawandels fällt nicht immer genügend Naturschnee. Während die Masse am Hang verteilt wird, hängt »Mathilde«, wie die Neustädter das Spurgerät liebevoll nennen, an langen Stahlkabeln und fräst die Anlaufspur in Form. Titisee-Neustadt richtet seit einigen Jahren den Skisprungweltcup und das Continental-Cup-Skispringen aus. Ein freiwilliger Trupp, das Schanzenteam, organisiert alljährlich diese Events. Die vielseitigen Arbeiten gehen Hand in Hand, man ist aufeinander eingespielt.

Eine Misere war es, als an den festgelegten Skisprungterminen 2002 und 2003 der Naturschnee fehlte. Beim Blick über die Landesgrenzen zeigte sich, dass die Finnen den Schnee »übersommern«. Die Idee fand im Schwarzwald Anklang. Verpackt unter Sägespänen und Dämmmatten liegt der Verlust in dieser Höhenlage nun bei einem verschmerzbaren Drittel. Sollte es bis zu den Weihnachtsfeiertagen nicht geschneit haben, kann (seither) auch Abhilfe geschaffen werden, um die Schlitten, die das Christkind gebracht hat, auszuprobieren.

Mit dem Alpenmusical Watzmann, dem Operettenklassiker Schwarzwaldmädel, Lichtershows und Konzerten erwacht im Auslauf der Schanze jährlich im Juli die kulturelle Seite der Anlage. Sportlich ins rechte Licht rücken der Bergsprint, die Internationale Mountainbike-Bundesliga und das Dreckeimerrennen, ein Gaudi-Rennspektakel, Deutschlands größte Naturschanze in der schneefreien Zeit.

Wem der steile Aufstieg zum Schanzentisch zu anstrengend ist, der kann über einen bequemen Waldweg dorthin gelangen, er beginnt neben dem Schützenhaus in der Schützenstraße 22.


5

Große Hochfirstschanze

Schützenstraße 100

79822 Titisee-Neustadt

6 Kraftort
Titisee-Neustadt: Vögelefelsen

Ein Ort der Stille und Erholung, ein Kraftort, mitten in der Natur. Ein solch besonderer Platz sei hier vorgestellt: der Vögelefelsen am Hochfirstmassiv.

Unsere vorchristlichen Ahnen suchten Orte wie diesen zu Kulthandlungen auf. Sie versprachen sich davon göttliche Inspiration und Heilung. Es sind die besonderen Felsformationen, Quellen und Bergkuppen dieser Plätze, denen man geoenergetische Kräfte zuspricht. In den Landkarten sind sie zu finden unter mystischen Bezeichnungen wie Heiden-, Geister-, Teufelsstein und Ähnlichem. Der Vögelefelsen, bestehend aus zwei Blöcken, soll ein Heilort für Rheuma und Ischiasleiden sein. Ein kleines Loch im Fels führt angeblich ins Feenreich.

An diesem Ort herrscht kein Trubel – denn niemand kommt hier zufällig vorbei –, nur die Stille des Waldes. Wer sich auf den Weg in dieses Idyll machen möchte, der folgt der schmalen Straße vom Bahnhof Neustadt, die über den Gleisen beginnt und zum Berggasthaus Hochfirst führt. Zu Fuß gelangt man auf diesem Sträßchen ab der Abzweigung Saigerkreuz über Waldwege hinauf. Vom Gasthaus aus bleibt man auf dem Höhenkamm Richtung Saig/Kappel, von wo nach etwa 1,4 Kilometern ein Trampelpfad rechts ab geht. Der Fels ist ab dort ausgeschildert und nur noch wenige Meter entfernt.

Der Hochfirst, auf dem der Vögelefelsen sich befindet, gilt als Hausberg Titisee-Neustadts und besteht aus Granitgestein. Geologisch gesehen ist er eine Kippscholle, die beim Aufstieg des Feldbergs vor einigen Millionen Jahren verkippte und in ihrer heutigen Position hängen blieb. Die verwitterten Gesteinsblöcke des Vögelefelsens gleichen aufeinandergeschichteten Säcken, was man in Fachkreisen eine Wollsackverwitterung nennt. Allein auf den Felsen zu sitzen und der Natur zu lauschen ist einen Besuch wert.

Im Berggasthaus Hochfirst, Auf dem Hochfirst 10, erhalten Sie ein zünftiges Vesper sowie Eintrittskarten für den nebenstehenden Turm. Von oben bietet sich ein herrlicher Blick – nicht nur auf den Titisee.


6

Vögelefelsen

Ab dem Berggasthaus circa 1,4 Kilometer dem Weg Richtung 79853 Saig/ Kappel folgen

Berggasthaus Hochfirst

Auf dem Hochfirst 10

79822 Titisee-Neustadt

07651 7575

www.berggasthaushochfirst.de

7 Treffpunkt für Jung und Alt
Titisee-Neustadt: Felsele Erlebniswald

Wie es die alemannische Verniedlichung schon ausdrückt, ist das Fel­sele ein kleinerer Felsen. Früher befand sich hier nur eine Lichtung mit Hütte und besagter Felswand gegenüber dem Altenheim St. Raphael in Neustadt.

Mithilfe einer Bürgerinitiative und Unterstützung von der Stadt sowie dem Naturpark Südschwarzwald entstand ab 2008 auf einer Länge von circa 600 Metern eine Erlebniswelt. Sie zieht sich den teils bewaldeten Hang entlang bis zum Schottengrund, wie das Gelände nahe des Schottenhofs auf der anderen Seite des Bergs heißt, und umfasst mehrere Stationen. Den Anfang macht ein Kletterfelsen, an dem auch Kurse gegeben werden und Ferienangebote stattfinden. Im Zickzackkurs windet sich der Erholungssuchende bergauf und wird an jeder Biegung mit einer Lebensweisheit belohnt, die auf einer Tafel angebracht ist. Dieser »Literaturpfad« endet am Hubertusteich, bei dem man auf einer Himmelsliege dösend dem Wind zusehen kann, wie er die Fichtenwipfel bewegt. Bunt bemalte Stelen im Wald und ein Brunnen nahe dem Weiher ziehen Kinder magisch an, sie tauchen in eine Märchenwelt ein und der für sie sonst oft öde Spaziergang wird zum Erlebnis. Über einen breiten Waldweg gelangt man hinunter zum Erlebnisspielplatz. Eingebettet zwischen Gesteinsbrocken finden die Kleineren hier alles, was ein Abenteurerherz höherschlagen lässt, und auch die Älteren kommen mit Wassertretstelle und Grillplatz auf ihre Kosten.

Körperlich Eingeschränkte und Kinderwagenfahrer, für die der Waldweg nicht gangbar ist, wandeln entlang einer kleinen Teerstraße von der Wohnanlage Hangenwies, gegenüber dem Seniorenheim, zum Schottengrund. Auf halber Strecke lockt eine beschattete Sitzgruppe mit Aufstehhilfe für die ältere Generation. In der Erlebniswelt am Fel­sele lässt sich ein ganzer Ferientag verbringen.

Von der Wassertretstelle führt ein kleiner geteerter Weg über drei Kilometer Länge zum Schwarzwaldgasthof-Hotel Zum Löwen Unteres Wirtshaus in Langenordnach. Ideal für Kinderräder und -wagen.


7

Felsele Erlebniswald

Schottenbühlstraße 70

(gegenüber dem Seniorenzentrum St. Raphael)

79822 Titisee-Neustadt

07651 206191

www.felsele-erlebniswald.de

Schwarzwaldgasthof – Hotel Zum Löwen Unteres Wirtshaus

Langenordnach 4

79822 Titisee-Neustadt

07651 1064 oder 922990

www.loewen-titisee.de

8 Sind es Keltengräber?
Titisee-Neustadt: Steinhügelfelder

Überall im Wald um Titisee-Neustadt und in der näheren Umgebung sind sie zu finden, jene merkwürdigen, überwucherten Steinhügel. Auf den ersten Blick bemerkt man sie kaum, der Boden wirkt lediglich uneben. Bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass sie von Menschenhand angelegt, Stein für Stein aufgeschichtet worden sind. Welches Geheimnis bergen sie? Eine mystische Stimmung überkommt den Besucher inmitten des verwunschen wirkenden Waldes, die Stille des Ortes verstärkt dieses Gefühl noch.

Die Steinhügel liegen knapp unterhalb der Kammlage einer Bergkuppe, mit Blick ins Tal. Allein auf städtischer Gemarkung wurden 1.300 katalogisiert und der Urnengräberkultur der Bronzezeit zugeordnet. Man spricht von einer Zeitspanne zwischen 1700–1250 v. Chr. Die Hügel stehen unter Denkmalschutz.

Im Spätsommer 2015 wurden erstmals Ausgrabungen an der Fehrn, der Erhebung zwischen Schottengrund und Schwärzenbach, vorgenommen. Die geschichtsinteressierten Einheimischen und die örtliche Presse verfolgten das Geschehen mit Spannung. Die Forscher mutmaßten im Vorfeld, dass sie nicht auf Knochen oder Grabbeigaben stoßen würden, weil diese im sauren Boden des Schwarzwaldes nicht überdauern könnten.

Nach sechs Wochen waren drei Hügel Stein für Stein abgetragen worden. Was hatten die Archäologen gefunden? Scherben aus dem 14. Jahrhundert und Kohlereste. Von Feuerbestattungen? Nein, die Ausgrabenden vermuten Rodungsarbeiten im Mittelalter. Also Lesesteinhaufen, um Felder zu ebnen, keine Keltengräber? Ich war enttäuscht. Jein, es wäre denkbar, dass Bauern den auf ihren Feldern gefundenen Unrat auf bereits vorhandenen Steinhaufen aus der Frühzeit der Kelten abluden, so der Tenor der Historiker.

Der Mythos unserer Vorfahren bleibt uns erhalten.

Wer sich in die Zeit der Kelten im Schwarzwald versetzen will, dem sei das Buch Magisch-Mystisch-Megalithisch von Dr. Roland Weis mit Bildern von Ramesh Amruth empfohlen.


8

Steinhügelfelder

Nahe dem Funkmasten auf der Anhöhe Fehrn

Startpunkt: Felsele Erlebniswald

Schottenbühlstraße 70

79822 Titisee-Neustadt

Dem Wanderweg »Fehrn« im Gebiet Schottengrund/Neustadt circa zwei Kilometer bergwärts folgen

9 Vom Gletscher ausgeschliffen
Titisee-Neustadt: Spaziergang am Ufer

Die meisten Titisee-Besucher schlendern zuerst über die Promenade; auf einer Seite den See, auf der anderen Geschäfte, Gaststätten und Hotels, ehe sie sich zum Kauf von Souvenirs entscheiden. Die Straße hat daher unter den Einheimischen den Beinamen »Goldküste«.

Sollten Sie am Ufer des rund 1,3 Quadratkilometer großen Sees verweilen und ein Eis genießen, versetzen Sie sich gedanklich 10.000 Jahre zurück. Zu der Zeit lag eine 400 Meter dicke Eisschicht über dem Ort. Das ist grob geschätzt die Länge der Seepromenadenstraße, steil nach oben. 20.000 Jahre lang hauchte der Feldberggletscher seinen eisigen Atem über das, was wir heute Hochschwarzwald nennen. Zehnmal länger als der Nullpunkt unserer Zeitrechnung zurückliegt!

Langsam erwärmte sich das Klima. Die Gletscher schmolzen ab, nicht gleichmäßig, sondern in Schüben. Ursprünglich reichte die Eiszunge bis weit nach Neustadt rein und endete dort, wo heute die Gutachtalbrücke steht. Ein Gletscher wächst von oben und schiebt sich in die Täler, wobei er den Boden schleift und Geröll mitführt. Er ist stetig in Bewegung. Wird es wärmer, schiebt der Gletscher nicht mehr, weil von oben kein Eis mehr nachdrückt. Er kommt zum Stillstand. Das Geröll bleibt liegen und bildet eine Art Damm, die »Endmoräne«. Schreitet die Erwärmung fort, zieht sich der Gletscher zurück. Schmelzwasser fließt talabwärts, bis es sich an der nächsten Moräne aufstaut. Geschehen am Titisee, er ist ein Überrest der Eiszeit, ein Gletschersee.

Ein anderes Relikt aus der Eiszeit, das Stachelsporige Brachsenkraut der Bärlappfamilie, kommt in Mitteleuropa nur im Titisee und Feldsee vor. Um es vor dem Bade- und Bootbetrieb zu schützen, wird es in Ufernähe mit Pflanzengittern abgedeckt.

Zurück in der Gegenwart lockt nach dem Eisgenuss ein Bad im See oder eine Runde mit dem Tretboot darauf.

Wollen Sie dem Trubel entfliehen und den See in Ruhe genießen, folgen Sie dem Spazierweg hinter dem Maritim Hotel (Seestraße 16). Zwischen Wald und See finden sich einsamere Ruheplätze.


9

Blick auf den Titisee vom Hochfirst aus

Parkplätze (mit kostenlosem WC)

Neustädterstraße (gegenüber dem Bahnhof)

79822 Titisee-Neustadt

Tourist-Information Titisee

Strandbadstraße 4

79822 Titisee-Neustadt

07652 12060

www.hochschwarzwald.de

10 Relikt aus vergangenen Zeiten
Titisee-Neustadt: Schalenstein

Am Hirschbühl in Titisee, einer Erhebung zwischen B31 und dem Ort Titisee, stoßen wir auf einen erneuten Hinweis für eine frühgeschichtliche Kultur; ein Schalenstein liegt unbeachtet abseits im Gestrüpp. Ein Teil des Steins scheint abgebrochen, schaut man näher, sieht man eine punktartig eingeschlagene Linie von Sprenglöchern. Laut Aussagen von Historikern handelt es sich dabei um das Ergebnis einer mittelalterlichen Sprengtechnik. In die Bohrlöcher wurden Holzpflöcke getrieben, die unter Einwirkung von Wasser aufquollen und schließlich den Felsblock entlang der Linie sprengten. Was nicht vollständig gelang, wie man an verbliebenen Lochlinien sieht. Ein Drittel des Steins liegt am Boden, ohne dass ihn jemand mitgenommen, also gebraucht, hätte. Das erweckt den Anschein der Zerstörung. Warum? Wollte man einen vorchristlichen Kult ausmerzen?

Oben auf dem Stein erkennt man eine schalenartige Vertiefung, und nicht nur das, unter den Moosgeflechten führt seitlich eine Ablaufrinne weg. Kein Zufall, andere bekannte Schalensteine weisen diese Eigenart ebenfalls auf. Ein Opferstein? Auffallend, dass im oberen Bereich des Hirschbühls Steinhügelfelder zu finden sind. Stammt der Schalenstein aus der Steinzeit? Nutzten ihn später die Kelten? Wir wissen es nicht, es gibt keine Überlieferungen.

Und wie findet man den Stein? Man muss ihn suchen, er offenbart sich nicht jedem. Folgen Sie vom Friedhof Titisee dem Fuchsweg zwischen Wohngebiet und Waldrand. Das Teersträßchen geht in einen Sandweg über und teilt sich mit Beginn des Waldes. Unter den vier Möglichkeiten wählen Sie die linke den Berg hoch. Kurz vor der Anhöhe gabelt der Weg sich nochmals, nehmen Sie den rechten bemoosten Pfad. Nach 150 Metern sehen Sie den Schalenstein schließlich auf der rechten Seite.

Gegenüber dem Bahnhof Titisee wartet im Action Forest Kletterwald (www.action-forest-kletterwald.de) ein luftiges Erlebnis auf abenteuerlustige Eroberer der Baumkronen.


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Schalenstein

Startpunkt: Wendeschleife Fuchsweg

79822 Titisee-Neustadt

11 Die neue Zeit
Titisee-Neustadt: Alte Werksuhr

Wer das Kurhaus in Titisee aufsucht, dem sticht eine sonderbare Uhr ins Auge – vorausgesetzt er hebt den Blick. Sie ist in ein Dreieck gefasst, das Zifferblatt mit römischen Zahlen versehen. Beachten wir die Ziffer vier! Wie alle Schwarzwälder Uhren weist auch sie die typische Abweichung auf: Sie zeigt vier Striche statt der römischen IV. Ob dies auf einen alten Übertragungsfehler zurückzuführen ist oder gar eine Eigenheit der Marke Schwarzwald darstellt, entzieht sich meiner Kenntnis. Diese Besonderheit findet sich jedenfalls auf allen alten Uhren, weshalb man an dieser Eigenart erkennen kann, ob es sich um ein Schwarzwälder Original handeln könnte.

Geschmückt ist die einstige Werksuhr mit Ornamenten. Ein modernes Designerteil nach altem Vorbild? Nein, es handelt sich um ein industrielles Erbe, um die Alte Werksuhr der ersten Neustädter Uhrenfabrik Fürderer, Jägler und Cie. Ein Unikat, das Zifferblatt rein aus Messing gefertigt. Die Fabrik, gegründet im Jahre 1865 in Neustadt, schrieb bald rote Zahlen. Uhrengeschäfte liefen nicht mehr. Zwei Gesellschafter der nebenstehenden Papierfabrik kauften das Werk auf und ließen dort fortan Holzschrauben produzieren, später Metallschrauben für die Automobilindustrie. Bis in die 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts war die Fabrik Arbeitgeber für 200 Werkstätige, zum Schluss waren es noch 75. Schließlich mussten die Inhaber Konkurs anmelden. Die Geschichte der Firma, mit der die Uhr untrennbar verbunden ist, kann im Innern des Kurhauses nachgelesen werden.

Nach dem Abbruch der alten Hallen galt die Uhr als verschollen, wurde jedoch offenkundig wiedergefunden, auf einem Flohmarkt, und restauriert. Auf dem Prägestempel findet sich das Jahr 1869, der Zeitpunkt der Fertigung der Betriebsuhr. Heute wacht sie über das quirlige Leben auf Titisees Touristenmeile.

Die Zeit steht nicht still, neue Betriebe schaffen neue Angebote – wie zum Beispiel das Badeparadies Schwarzwald, eine Spaß- und Wohlfühloase für Touristen wie Einheimische.


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Alte Werksuhr am

Kurhaus

Strandbadstraße 4

79822 Titisee-Neustadt

07652 12060

Badeparadies Schwarzwald

Am Badeparadies 1

79822 Titisee-Neustadt

08000 4444333

www.badeparadies-schwarzwald.de

12 Vom Eisstadion zum Naturweiher
Titisee-Neustadt: Eisweiher

Versteckt im Bruggerwald am Titisee gibt es einen weiteren kleinen See. Er ist in wenigen Minuten zu Fuß vom Parkplatz der Badestelle Titisee zu erreichen. Kaum taucht man in den mystisch anmutenden Wald ein und folgt dem Sägebächlein, kündigt er sich durch einen kühlen Luftzug an. Der Eisweiher macht seinem Namen alle Ehre. Er ist bis heute das am längsten zugefrorene Gewässer in der näheren Umgebung. Dieser Umstand verhalf ihm Anfang des 20. Jahrhunderts zu besonderem Ruhm. Hier war das erste deutsche Eisstadion, eine Natureisbahn auf 949 Metern über dem Meeresspiegel. Am 17. Januar 1926 wurde die Sportanlage von seiner Durchlaucht Max Egon Fürst zu Fürstenberg aus Donaueschingen eingeweiht. Noch im selben Winter fanden die deutschen Meisterschaften in den Disziplinen Eisschnelllauf, Eishockey und Eisstockschießen statt. Der deutsche Eiskunstlaufmeister und Vizeweltmeister, Werner Rittberger, war mit von der Partie.

Zuvor diente das Gewässer weit über 100 Jahre lang dem 1935 abgebrannten Bärenhof als Sägeweiher. Sein Wasser speiste die älteste Klopfsäge auf der Gemarkung Titisee, sie stammte aus dem Jahr 1798. Dagegen war die Zeit als Eisstadion relativ kurz, denn schon 1945 wurde die Anlage als solche geschlossen. Der Weiher fand eine erneute Verwendung; er wurde als Eiskammer der Brauerei Ganter genutzt. Bis zur deren Schließung kühlte das Eis das Bier der Seemer, wie sich die Anwohner des Titisees selbst bezeichnen. Heute liegt der Weiher in einem Naturschutzgebiet. Wanderwege führen vorbei und laden die Besucher zur Ruhepause ein. Dabei kann die einheimische Pflanzen- und Tierwelt beobachtet werden. Mit etwas Glück sieht man sogar einen Bieber. Die Nager bauen hier Burgen und ziehen ihre Jungen groß, weshalb man Hunde unbedingt anleinen sollte.

Ein besonderes Erlebnis; die Falknerei Ruchlak lädt freitags nachmittags zur Flugvorführung ihrer Greifvögel auf der Eisweiherwiese ein, www.falknerei-ruchlak.de.


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Eisweiher

Startpunkt: Parkplatz der Badestelle

Strandbadstraße

79822 Titisee-Neustadt

Im Bruggerwald dem Weg entlang des Sägebaches folgen und bei der Weggabelung rechts abbiegen

13 Ort der Geschichte
Titisee-Neustadt: Öhlermühle in Jostal

In der Öhlermühle im Schildwendetal scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Nebental des Jostals soll seinen Namen erhalten haben, da ein Kutscher am Talende sein Schild, gemeint ist damit die Front des Gefährts, wenden musste, weil der Weg nicht weiter befahrbar war.

Die Mühle ist ein wahres Kleinod Schwarzwälder Kulturgeschichte und liegt auf 1.000 Metern. 1772 erstmals urkundlich erwähnt, war sie bis 1934 ohne Strom in Betrieb. Nach der Elektrifizierung wurde sie sich selbst überlassen. Seit 1988 steht die Mühle unter Denkmalschutz. In mühevoller Kleinarbeit versetzte August Fürderer vom nebenstehenden Hof sie in den Urzustand und bietet seither Führungen auf Anfrage an.

Wie der Name schon sagt, wurde in der Mühle nicht nur Korn gemahlen; ihr Herzstück ist eine Ölpresse für Lein. Die Flachsfaser fand ihren zweiten Nutzen in der Weiterverarbeitung zu Stoff. Gut betucht war, wer sich Leinen leisten konnte. Baumwolle gab es hierzulande zur Gründerzeit der Mühle noch nicht.

Eine neue Bedeutung hat die Mühle als Bühnenkulisse erhalten. Die dortigen Jostäler Freilichtspiele sind über die Grenzen des Hochschwarzwaldes hinaus bekannt. In den historisch ausgerichteten Stücken wird die Schwarzwaldgeschichte samt Dialekt lebendig. Die Mitglieder des Männergesangvereins Eckbach-Jostal, die die Festspiele veranstalten, erweisen sich nicht nur als Sänger, sie sind gleichfalls Schauspieltalente und Kulissenbauer. Der Aufwand ist immens, darum finden die Spiele nur rund alle drei Jahre statt.

Am besten Sie parken bei Ihrem Besuch der Öhlermühle das Auto zwei Kilometer vorher auf dem Parkplatz nach der Abzweigung Schildwende von Neustadt kommend, da bei der Mühle keine ebene Fläche zur Verfügung steht.

Statt mit dem Auto anzureisen, kann man mit dem Zäpfle Bähnle von Titisee aus eine Rundfahrt durch die Täler unternehmen. Der Ausstieg ist möglich an der Fürsatzhöhe, mehrere hundert Meter oberhalb der Mühle.


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Öhlermühle

August Fürderer

Schildwende 18

79822 Titisee-Neustadt/Jostal

07651 5483

s’ Hochschwarzwälder Zäpfle Bähnle

Willi Rosenstiel

Gewerbestraße 26

78199 Bräunlingen-Döggingen

0175 7238971

www.zaepfle-baehnle.de

14 Ein Heiliger für die Welschen
Titisee-Neustadt: Josenkapelle in Jostal

Mitten im länglich gezogenen Jostal, versteckt hinter dem Gasthof Tannzapfenland, steht eine Kapelle. Sie scheint von der Welt vergessen, dementsprechend auch das Wissen um ihre Bedeutung. Dabei ist das Gotteshaus ein geschichtsträchtiger Ort, es birgt das Geheimnis vom Aufeinandertreffen uralter Kulturen. Es wird nicht mehr zu Gottesdiensten genutzt, vielleicht wegen der versteckten Lage. Dabei hat man von der Kapelle aus einen wunderschönen Blick ins Tal, eine Ruhebank lädt bei einer Wanderung zur Mußestunde ein.

Der ursprüngliche Name des Jostals lautete »Welschenordnach«. Wie im Nebental Langenordnach gab das von Norden kommende Wasser – das keltische Wort dafür heißt »Ach« – dem Tal seinen Namen. Und »Welsche« sind Fremde. Wie? Leben im Tal keine Schwarzwälder? Im Gegenteil, die Nachfahren der Urschwarzwälder sind im Jostal zu Hause. Neusiedler, die im Mittelalter durch die Klöster St. Peter, St. Märgen und Friedenweiler angeworben wurden, um zu roden, kamen aus allen Himmelsrichtungen und trafen hier zusammen. Die Welschen waren in den Augen der Neuankömmlinge keine anderen als die alteingesessene keltisch-römische Urbevölkerung. Der Hochschwarzwald war nicht menschenleer, als die Klöster ihn kultivierten, nur dünn besiedelt. Sie christianisierten das Heidental letztlich.

Seinen heutigen Namen erhielt das Tal durch den heiligen Jodokus (auch Jost genannt), ein Einsiedler mit adliger Abstammung, der in dieser Einöde verehrt wurde. Er lebte im 7. Jahrhundert im jetzigen Nordfrankreich und gründete dort das benediktinische Kloster St.-Josse-sur-mer. Vermutlich waren es Pilger auf dem Jakobusweg, die die Legende von ihm ins Tal brachten. Bis ins 19. Jahrhundert schenkte man in diesem Kirchlein den Johanneswein zum Schutz gegen böse (alte) Mächte aus.

Binden Sie das Gotteshaus in eine Rundwanderung ein. Bei allen Tourist-Infos gibt es zum Selbstkostenpreis einen Kapellenführer mit wunderschönen und gut beschriebenen Touren.


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Josenkapelle

Jostalstraße 90

Neben dem Appartement-Haus des Gasthofs Tannzapfenland

79822 Titisee-Neustadt/Jostal

www.tannzapfenland.de

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Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
26 мая 2021
Объем:
237 стр. 180 иллюстраций
ISBN:
9783839268209
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