Читать книгу: «Meeresgeschichten der Bibel»

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Inhaltsverzeichnis

Leinen los! – Einleitung

Prolog auf schwankenden Planken – Die »Taufe« des Propheten Jona

Urfluten und Grundwasser

Landgewinnung und Küstenschutz – Die Erschaffung der Welt

An großen Strömen – Das Paradies

Schiffbau und Rettung aus Seenot – Die Sintflut

Seewetterbericht – Gott antwortet Ijob

Nilpferd und Krokodil – Gottes Meisterwerke – Gott antwortet Ijob zum zweiten Mal

Regen bringt Segen – Ein Danklied

Beherrscher der Meere – Gott ist der König der Welt

Lenker von Schiffen und Sternen – Macht und Güte des Schöpfers

Ein Strom bringt Heilung – Der heilende Fluss vom Tempel

Seeleute erzählen von bestandener Gefahr – Gottes Größe in der Schöpfung

Seefahrer, Fischer, Schiffe und Boote

Der Untergang eines Prachtschiffs – Klage über Tyrus

Ein schöner Fang – Die ersten Jünger

Boote und Netze – Jesus erzählt

Am Ufer ein Feuer – Jesus und die Jünger am See von Tiberias

Stürme, Abenteuer und Gefahren

Hoffnung in größter Not – Ein Hilferuf

Ein S.O.S. in dunkler Nacht – Trost in verzweifelter Lage

Ein Wunder und ein Rettungsboot – Jesus geht auf dem Wasser

Noch ein Rettungsboot – Im Sturm auf die Probe gestellt

Hindurchgegangene und Herausgezogene

Aus dem Wasser gezogen – Israels künftiger Retter

Durchs Wasser geführt – Gott rettet die Israeliten vor ihren Verfolgern

Steine im Fluss – Der Übergang über den Jordan

Wasserwunder – Gott holt Elija zu sich

Eine anderes Wasserwunder – Elischa bringt die Axt zum Schwimmen

Steilküste – Die Besessenen von Gadara

Aus den Fluten gerettet – Ein Danklied

Haushohe Wellen – Ein anderes Danklied

Brunnen und Bäder

Ein Brunnen in der Wüste – Hagar und Ismael werden verstoßen und gerettet

Begegnung am Brunnen – Abrahams Knecht sucht eine Frau für Isaak

Geburt aus Wasser und Geist – Jesus und Nikodemus

Am Brunnen der Weite – Streit mit den Philistern

Die lebendige Quelle – Jesus und die Frau aus Samarien

Die Badende – Davids Ehebruch mit Batseba

Die andere Badende – Susanna kommt in Bedrängnis

Regen und andere Niederschläge

Wolkenweg – Zeichen der Gegenwart und Führung Gottes

Donnerstimme – Gottes Größe im Gewitter

Hagelschlag – Die Siebte Plage

Der Fels in der Brandung – Unwetter über Samaria und Jerusalem

Hoffnung auf Regen – Eine Dürrekatastrophe

Dürstende und Trinkende

Frisches Wasser aus dem Fels – In Massa und Meriba gibt Gott dem Volk zu trinken

Verdorbenes und durstlöschendes Wasser – Ein Wasservergleich

Taufwasser – Eine Warnung vor falscher Sicherheit

Wasser trinken oder schlecken – Gideons Heer ist zu groß

Wasser für Verdurstende – Elischa rettet das Heer

Am Bach – Gott sorgt für seinen Boten

Ein Krug Wasser – Elija will aufgeben

Am frischen Wasser – Der Herr ist mein Hirt

Lebendiges Wasser

Ins Leben tauchen – Jesus und Johannes der Täufer

Wasser für die Füße – Jesus und seine Jünger

Ertrunken – und lebendig – Durch Christus befreit zum neuen Leben

Wasser zu Wein – Die Hochzeit in Kana

Heilbad und Heilung – Am Teich Betesda

Übersprudelndes Wasser – Jesus ist die Quelle des Lebens

Ein Strom lebendigen Wassers – Das wiederhergestellte Paradies

Epilog auf schnellen Wellenfüßen – Mast- und Schotbruch, Paulus!

Festmachen im Hafen – Nachwort

Reihe Biblische Taschenbücher

Impressum

Leinen los!
Einleitung

Das Meer hat viele Gesichter. Welches Gesicht es uns zeigt, hängt davon ab, von wo aus wir uns ihm nähern. Ob wir als Passagier einer Atlantikpassage oder einer Mittelmeerkreuzfahrt in unserem Decksstuhl liegen und den Komfort eines Luxusliners genießen oder als Facharbeiter auf einem Containerfrachter über die Weltmeere schippern, ob wir aus dem Flugzeug die Wasserfläche eines Ozeans überblicken oder in einem Boot auf hohen Wellen vor dem Wind segeln, ob wir am Strand stehen und den Blick in die Ferne schweifen lassen oder aber bei einem Bad in den wiegenden Wellen vor Freude lachen.

Wellen laufen auf den Strand, eine Möwe taucht nach einem Fisch, der ihr schon bald von einer anderen Möwe streitig gemacht wird. Kinder bauen Gräben und Dämme, Fließsysteme. Am Strand stehen, die Zehen sind im Sand vergraben, der Blick geht in die Weite. Klar zeichnet sich der Horizont gegen den Himmel ab, gerade noch so ist ein Frachter zu sehen, der da draußen unterwegs ist, Ladung für irgendeinen hungrigen Hafen.

Das Meer – Ziel unbändiger Sehnsüchte und Ursprung großer Gefahren. Jedes Jahr bevölkern sich die Strände dieser Welt mit Sonnenhungrigen, Badelustigen und Wellenreitern.

Das Meer ist aber auch der größte Wirtschaftsweg dieser Welt. Handel und kulturelle Entwicklung in der Geschichte sind nicht denkbar ohne die Wege, die Menschen über die Meere genommen haben, um Grenzen zu überwinden und – auch geistig – über den eigenen Horizont hinauszusehen, also zu glauben, dass sie nicht gleich am Rand der Welt in den Abgrund stürzen. Regelrechte Straßen – Wasserstraßen – wurden erschlossen in der Weite des Meeres, die Nordwestpassage wurde entdeckt, Suez- und Panamakanal wurden gegraben und es wurde die Ostindienroute als einer der wichtigsten Handelswege etabliert.

Das Meer weckt Sehnsüchte. Diese Sehnsüchte lassen sich nähren: Ob es nun Kapitän Nemo ist, unterwegs mit seinem geheimnisvollen U-Boot Nautilus, oder Kapitän Ahab auf der Jagd nach Moby Dick, dem weißen Wal – die Literaturen dieser Welt bieten reichlich Lesestoff, der die Meeressehnsucht immer wieder wie im Wellenschlag wechselnd anfacht und befriedigt.

Ob es ein Meeresstrand von Courbet ist oder einer von Caspar David Friedrich, ob Mendelssohn-Bartholdy Goethes »Meeresstille und Glückliche Fahrt« vertont oder ob moderne Mythen wie »Titanic«, »Wilhelm Gustloff« oder »Great Eastern« in Romanen, Gedichten und Filmen verarbeitet werden, das Meer ist so etwas wie der Grund- und Urstoff unserer menschlichen Kultur.

»Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit, des Nichts und des Todes, ein metaphysischer Traum«, schrieb Thomas Mann und beschrieb damit gleichzeitig den Rahmen des Bildes, das die Bibel vom Meer malt. Es sind zahlreiche Meere, die in der Bibel vorkommen: das Mittelmeer, das Rote Meer, das Tote Meer, das Galiläische Meer, das ist der See Gennesaret, und der Persische Golf. Dem alttestamentlichen Weltbild entspricht die Auffassung, die Erde sei völlig vom Meer umgeben.

Meeres- und Wassergeschichten enthält die Bibel in großer Breite vom Ausbleiben des Regens bei lang anhaltender Dürre bis hin zur großen Flut, vom Verdursten bis hin zum Sattwerden am Wasser des Lebens. Zwei Aspekten des Wassers kommt in der biblischen Überlieferung besondere Bedeutung zu: dem Leben spendenden und dem Leben bedrohenden. Wasser ist die Quelle des Lebens – umso mehr in einer Region der Erde, die von Trockenheit und Dürre geprägt ist, die Region, in der die biblischen Berichte ihren Ort haben. Andererseits kennen die Menschen, von denen wir in den biblischen Berichten erfahren, das Meer als ein Leben bedrohendes Element, das die Chaosmächte repräsentiert.

Ein Schiff wird nicht gebaut, um im Hafen zu liegen, sondern um auf die hohe See hinauszufahren. So wollen wir uns hinauswagen auf das weite Meer der biblischen Überlieferung und sehen, wohin Wellen und Wind uns führen.

Prolog auf schwankenden Planken
Die »Taufe« des Propheten Jona

Das Wort des Herrn erging an Jona, den Sohn von Amittai, er sagte zu ihm: »Geh nach Ninive, der großen Stadt, und kündige ihr mein Strafgericht an! Ich kann nicht länger mit ansehen, wie böse die Leute dort sind.«

Jona machte sich auf den Weg, aber in die entgegengesetzte Richtung. Er wollte nach Tarschisch in Spanien fliehen, um dem Herrn zu entkommen. In der Hafenstadt Jafo fand er ein Schiff, das dorthin segeln sollte. Er bezahlte das Fahrgeld und stieg ein. (Jona 1,1-3)

Jona weiß, was er will. Er weiß wohl auch, was er soll, aber das will er nicht. Er will nicht nach Ninive, sondern er will nach Tarschisch, weit im Westen. Er hofft, dass es weit genug weg ist, um »dem Herrn zu entkommen«. In Jafo schifft er sich ein – das ist heute ein Teil von Tel Aviv – und will nach Tarschisch – eine damals berühmte Hafenstadt in der Nähe des heutigen Cadiz an der Südwestküste Spaniens. Man rechnete in jener Zeit für diese Reise einmal von Ost nach West durch das Mittelmeer ein volles Jahr. Damit hatte man dann auch schon die damals bekannte und schiffbare Welt durchquert. Einmal quer durch die Welt will Jona vor seinem Gott fliehen. In Tarschisch denkt er »dem Herrn zu entkommen«.

Jona bricht sogleich auf, aber in die Gegenrichtung. Verstohlen schleicht er im Hafen von Jafo umher und hält Ausschau nach einem Schiff, das ihn schnell weit weg bringt. Und er findet eines. Es ist eins von den großen Tarschisch-Schiffen. Das sind hochseetüchtige Ruder-Segler, die Containerfrachter ihrer Zeit.

Und Jona lässt sich diese Flucht etwas kosten, solch eine Passage hat ihren Preis. Um das Gegenteil zu erreichen, von dem, was er soll, zählt er noch vor dem Ablegen das Fährgeld für die Flucht dem Reeder in die Hand. Er investiert in seine Zukunft, so wie er sie sieht. Tarschisch, dem Herrn aus den Augen.

Der Befehlsverweigerer geht schnell und heimlich über die Gangway an Bord des Schiffes und verschwindet gleich in seiner Kabine, dem Herrn aus den Augen. Das Schiff legt ab, es geht hinaus auf große Fahrt. »Junge, komm bald wieder, bald wieder nach Haus«, möchten die singen, die die Geschichte schon kennen. Jona, also: Taube heißt er und ist ein Flattergeist, der sich jetzt in seine Koje klemmt, sich in seinen Kissen vergräbt.

Aber es geht in dieser Geschichte nicht nur um Jona. – Auch wenn der jetzt vielleicht mit seiner Seekrankheit kämpfen muss. Das ist ja eine Sache, bei der man nicht gut in der Lage ist, noch an andre zu denken.

Da schickte der Herr einen Sturm aufs Meer, der war so heftig, dass das Schiff auseinander zu brechen drohte. Die Seeleute hatten große Angst und jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe. Um die Gefahr für das Schiff zu verringern, warfen sie die Ladung ins Meer.

Jona war nach unten gegangen, hatte sich hingelegt und schlief fest. Der Kapitän kam zu ihm herunter und sagte: »Wie kannst du schlafen? Steh auf, rufe zu deinem Gott! Vielleicht hilft er uns und wir müssen nicht untergehen!«

Die Seeleute wollten durch das Los herausfinden, wer an ihrem Unglück schuld sei. Da fiel das Los auf Jona. Sie bestürmten ihn mit Fragen: »Sag uns: Warum sind wir in diese Gefahr geraten? Wer bist du eigentlich? Was für Geschäfte treibst du? Zu welchem Volk gehörst du, wo ist deine Heimat?«

Jona antwortete: »Ich bin ein Hebräer und verehre den Herrn, den Gott des Himmels, der Land und Meer geschaffen hat.«

Er sagte ihnen auch, dass er auf der Flucht vor dem Herrn war. Da bekamen die Männer noch mehr Angst und sie fragten ihn: »Wie konntest du das tun? Was sollen wir jetzt mit dir machen, damit das Meer sich beruhigt und uns verschont?« Denn es war inzwischen noch stürmischer geworden.

Jona sagte: »Werft mich ins Meer, dann wird es sich beruhigen. Ich weiß, dass dieser Sturm nur meinetwegen über euch gekommen ist.«

Die Seeleute machten einen letzten Versuch, durch Rudern das Land zu erreichen; doch sie schafften es nicht, denn der Sturm tobte immer heftiger. Da beteten sie zum Herrn: »Herr, strafe uns nicht, wenn wir diesen Mann jetzt opfern müssen! Rechne uns seinen Tod nicht als Mord an. Es war dein Wille, und alles, was du willst, geschieht.«

Dann nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer. Sofort wurde es ruhig.

Da packte sie alle große Furcht vor dem Herrn. Sie schlachteten ein Opfertier für ihn und machten ihm Versprechen für den Fall ihrer Rettung. (Jona 1,4-16)

Wie reagiert Gott auf die Flucht seines widerspenstigen Propheten? Gott reagiert mit einem Windwurf: Er wirft einen gewaltigen Sturm aufs Meer. Das Schiff gerät in wirkliche Gefahr. Die Seeleute geraten in den Strudel des noch unerlösten Beziehungsgeschehens zwischen Jona und Gott. Es sieht so aus, als würden sie arg in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Matrosen beten und arbeiten – Jona schläft. Die Matrosen rufen ihre Götter an, jeder seinen eigenen. Die Mannschaft auf dem Schiff ist ein Vielvölkergemisch, jeder schreit zu seinem Gott. Aber gleichzeitig packen sie die Sache auch an. Sie leichtern das Schiff. Werfen alles über Bord, was nicht zum Schiff gehört. Das bedeutet, die kostbare Ladung, die Handelswaren aus aller Herren Länder für aller Herren Länder fliegen über die Reling, versinken in den Wellen und trudeln hinab bis auf den Grund, wo sie unverkauft liegen bleiben und vielleicht noch heute dort darauf warten, wiedergefunden und gewinnbringend veräußert zu werden.

Alles ist in heller Aufregung, die Seeleute rackern sich ab, schreien sich unverständliche Sachen zu, immer wieder brüllt der Kapitän von der Brücke irgendwelche Anweisungen, der Sturmwind heult. Und Jona befindet sich in einem Tiefschlaf, der völliger Betäubung gleicht. Er liegt wie eine Bleilast in seiner Kabine und bekommt von alldem nichts mit. Dieser Schlaf, den er da schläft, der ist der kleine Bruder des Todes. Das käm ihm grade recht, ganz weg zu sein. Ein Gefangener des Schlafs ist er, verschluckt von seinem Todeswunsch.

Da kommt der Kapitän, er wummert gegen die Kabinentür, doch Jona antwortet nicht. Also rein in die Kabine, sehen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Heda, Mann, wach auf! Was ist mit dir? Sicherheitsrolle! Alle Mann an Deck. Und – vielleicht hat ja der seltsame Fahrgast einen Gott, der in dieser misslichen Situation etwas ausrichten kann.

Da stürmen die Matrosen hinter dem Kapitän den Niedergang herunter und quetschen sich in die Kabinentür, um zu sehen, was mit dem Mann los ist, der eben noch vermeintlich seelenruhig geschlafen hat.

Mitten in einem Sturm, bei dem ihnen alles um die Ohren fliegt, fangen sie dann an zu losen. »Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern«, möchte man singen angesichts dieser Seelenruhe mitten im Auge des Sturms.

Also jetzt wissen sie es: Es ist wegen Jona. Jona, Taube heißt er und ist ein Flattergeist und doch ist er ein Sohn der Treue Gottes. Ich »verehre den Herrn, den Gott des Himmels, der Land und Meer geschaffen hat«, behauptet er und das hört sich ja nun mal an wie ein waschechtes Lippenbekenntnis. Er bekennt den Gott, vor dem er selber auf der Flucht ist. Denn er weiß, jetzt hat sein ganz privates Stündlein geschlagen. Kein Ausweichen mehr. Dann also alles loslassen, aufgeben, hat ja keinen Zweck mehr. Der gibt sich auch geschlagen vor seinem Gott.

Dann werft mich doch ins Meer. Ich will nichts mehr wissen von all dem ganzen Kram. Was ihr für einen Wirbel macht! Die Matrosen denken, bei dem piept es nicht richtig und sind wenig gewillt, kampflos ein Menschenleben zu opfern. Sie reißen sich erst einmal am Riemen und pullen, was das Zeug hält. Aber Gott hat andere Pläne, inzwischen nicht mehr nur mit Jona, sondern auch mit diesen rackernden Seemännern.

Als sie merken, dass sie nicht vorwärts kommen, rufen sie den Herrn an, Jonas Gott. Jona hat ihnen gesagt, dass er der »Gott des Himmels, der Land und Meer geschaffen hat«, ist. Und bei allem, was sie hier vor Augen sehen, wissen sie: Der Mann hat Recht. Also schmeißen sie den widerspenstigen Propheten, den Propheten, der keiner sein will, über Bord. So wie die Generation Sintflut ins Wasser geworfen wurde, weil sie nicht mehr auf Gott, ihren Herrn, hörte. Sie schmeißen Jona ins Herz des Meeres, in seine tiefsten Tiefen. Dieser Meerwurf kommt seinem Wunsch, »dem Herrn zu entkommen«, sehr entgegen. Jetzt ist Schluss.

Die Matrosen – allesamt Heiden – sind die humaneren, die aktiveren, die weiseren und die frömmeren Menschen, aber nur Jona, der Sohn der Treue Gottes, kann ihnen sagen, an wen sie sich zu halten haben. Alle ihre Furcht mündet – nachdem der Wind sich gelegt hat und die Wellen sich beruhigt haben – ein in die Furcht des Herrn, ihm bringen sie Opfer und Gelübde. So hat Gott einen Propheten verloren, der sowieso nicht effektiv war, aber eine ganze Schiffsbesatzung gewonnen. Die hat er schon mal ans Ziel gebracht.

Der Herr aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. Dort betete er zum Herrn, seinem Gott:

»In meiner Not rief ich zu dir, Herr,

und du hast mir geantwortet.

Aus der Tiefe der Totenwelt schrie ich zu dir

und du hast meinen Hilfeschrei vernommen.

Du hattest mich mitten ins Meer geworfen,

die Fluten umgaben mich;

alle deine Wellen und Wogen

schlugen über mir zusammen.

Ich dachte schon,

du hättest mich aus deiner Nähe verstoßen,

deinen heiligen Tempel würde ich nie mehr sehen.

Das Wasser ging mir bis an die Kehle.

Ich versank im abgrundtiefen Meer,

Schlingpflanzen wanden sich mir um den Kopf.

Ich sank hinunter bis zu den Fundamenten der Berge

und hinter mir schlossen sich die Riegel der Totenwelt.

Aber du, Herr, mein Gott,

hast mich lebendig aus der Grube gezogen.

Als mir die Sinne schwanden, dachte ich an dich

und mein Gebet drang zu dir in deinen heiligen Tempel.

Wer sich auf nichtige Götzen verlässt,

bricht dir die Treue.

Ich aber will dir danken

und dir die Opfer darbringen,

die ich dir versprochen habe;

denn du, Herr, bist mein Retter.«

Da befahl der Herr dem Fisch, ans Ufer zu schwimmen und Jona wieder auszuspucken. (Jona 2,1-11)

Jona trudelt hinab in die dunklen Tiefen der See. Das ist das Ende. – Der Fisch, von Gott bestellt, um diesen zickigen Propheten zur Räson zu bringen, wird zu Jonas Arche. Nach dem Todessturz ins Herz des Meeres folgt die Jonaruhe im Bauch des Fisches. Jona wird in den Fisch hineingerettet. Der Ausreißer kann seiner Erwählung nicht entgehen, sondern wird nun dorthin transportiert, wo er zwar nicht hinwollte, aber hinsoll. Auch wenn sich das anhört wie fein gesponnenes Seemannsgarn: Jona gerät aus dem Bauch des Schiffes in den Bauch des Fisches. Die Hinfahrt musste er noch auf eigene Kosten unternehmen – diese Rückfahrt ist nun kostenlos.

Jona betet im Bauch des Fisches. Was sollte er dort auch anderes tun?

Vom Fisch verschluckt, an Land gespuckt – wie etwas völlig Unverträgliches. Nach drei Tagen und drei Nächten im Fischbauch ist die grause Fahrt zu Ende und Jona wieder dort, von wo er aufgebrochen war. Dieser spielerische Triumph Gottes, der mit Leichtigkeit Wind und Fisch bestellt wie es in seinen Plan passt, ist der Triumph des Gotteswillens über den Gegenwillen des Menschen, der Triumph des Lebens über den Tod.

Was Jona widerfuhr, wird im Neuen Testament zum Bild für die Auferstehung. Das Geschick Jonas hat Jesus im Blick, als er auf die Forderung der Pharisäer, er solle ihnen ein Zeichen geben, antwortet: »So wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seeungeheuers war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in der Tiefe der Erde verborgen sein.« (Matthäus 12,40)

Und als Jesus sich aus dem Garten Getsemani gleichsam weg »nach Tarschisch« wünscht, findet er für alle, die an ihn glauben, die richtigen Worte und den Weg zum Leben: »Mein Vater, es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will.« (Matthäus 26,39)

Die Pharisäer und Sadduzäer kamen zu Jesus, um ihn auf die Probe zu stellen. Sie verlangten von ihm ein Zeichen vom Himmel als Beweis dafür, dass er wirklich von Gott beauftragt sei.

Aber Jesus antwortete ihnen: »Wenn der Abendhimmel rot ist, dann sagt ihr: ›Morgen gibt es schönes Wetter.‹ Und wenn der Morgenhimmel rot und trübe ist, sagt ihr: ›Heute gibt es Sturm.‹ Ihr könnt also das Aussehen des Himmels beurteilen und schließt daraus, wie das Wetter wird. Warum versteht ihr dann nicht auch, was die Ereignisse dieser Zeit ankündigen?

Diese böse Generation, die von Gott nichts wissen will, verlangt einen Beweis; aber es wird ihr keiner gegeben werden – ausgenommen das Wunder, das am Propheten Jona geschah: Den Beweis werden sie bekommen!«

Damit ließ er sie stehen und ging weg. (Matthäus 16,1-4)

Urfluten und Grundwasser

Nirgends ist das Kraftvolle und Ungestüme der Schöpfung Gottes eindrucksvoller als im Angesicht des tobenden Meeres. Vielleicht können noch die hohen Berge oder die unendliche Weite der Sandwüsten vergleichbare Empfindungen auslösen, wenn es um den gewaltigen Eindruck geht, den die Schöpfung auf Menschen macht. Aber das Meer lässt in einer besonderen Weise Gottes lebendige Schöpfung sichtbar werden, indem das Wasser immer in Bewegung ist und im Wechsel der Gezeiten fließend die Küsten dieser Welt miteinander verbindet und die Ufer der Erde umspült.

Die Bibel stellt zwei existenzielle Qualitäten des Wassers einander gegenüber: das Leben spendende und das Leben bedrohende Wasser. Die in diesem Kapitel zusammengefassten Texte erzählen von diesen beiden Erscheinungsformen des Wassers, mit den Menschen leben und fertig werden müssen. Beides rührt her vom souveränen Schöpferhandeln Gottes, dem In-die-Welt-Rufen und Bewahren und dem Wüten, das Gewonnenes wieder nimmt, so heftig, dass dem Verlust keinerlei Sinn abgewonnen werden kann.

Das Wasser ist Urelement und Grundstoff des Lebens. Und Gott ist der Geber dieses Lebens. Dieses Bekenntnis zum Schöpfergott öffnet den Weg in eine Beziehung zwischen Gott und Mensch, in der der Mensch sich auf eine positive Weise abhängig erfährt von dem, der das Leben und damit auch den Menschen selbst zur Welt hat kommen lassen.

Landgewinnung und Küstenschutz
Die Erschaffung der Welt

Die Geschichten von der Schöpfung und den Anfängen der Welt, die sich zu Beginn unserer Bibel finden, stehen nicht am Anfang der Beziehung des Volkes Israel zu seinem Gott. Das ursprüngliche Bekenntnis, das Israel in seinem Selbstverständnis bestimmte, war das zu dem Herrn, der sein Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit hat. Erst spät, in der Zeit, als die Oberschicht Israels nach Babylonien deportiert war, wurde das Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer, wie wir es zu Beginn des ersten Mosebuches finden, formuliert.

»Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde« – so beginnt dieses Glaubensbekenntnis, in dem zum Ausdruck kommt: Alles, was es gibt, kommt von Gott. Mit den Worten »schuf Gott« ist ein hebräischer Ausdruck wiedergegeben, der von einer voraussetzungslosen Hervorbringung der Dinge erzählt.

Aus dem chaotischen Urzustand der Welt, dem Tohuwabohu, wie es im hebräischen Text des alten Testamentes an dieser Stelle heißt, gestaltet Gott eine Welt, in der es sich leben lässt.

Eine der grundlegenden Schöpfungstaten Gottes ist die Bändigung und Eindämmung der chaotischen Urflut. Er scheidet die Wassermassen voneinander, bringt sie zur Räson und bannt die Wasser auf der Erde im Meer und über der Himmelsfeste in einem Himmelsozean. So hat Gott die chaotische Macht des Meeres besiegt und seinem Ordnungswillen unterworfen. Alle Fruchtbarkeit dieser neu geschaffenen Welt schenkt Gott durch das Wasser, das aus der Erde kommt, die Erde umspült oder auf die Erde herabregnet.

Der biblische Bericht sieht die Schöpfung als das Werk eines souveränen Gottes, der die Welt in einer sinnvollen Ordnung schafft. Dazu gehört auch, dass er sich den Menschen – Mann und Frau – als ein Gegenüber bereitet. (1Mose/Genesis 1,1–2,4a)

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Die Erde war noch leer und öde,

Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser,

und über den Fluten schwebte Gottes Geist.

Da sprach Gott: »Licht entstehe!«,

und das Licht strahlte auf.

Und Gott sah das Licht an: Es war gut.

Dann trennte Gott das Licht von der Dunkelheit

und nannte das Licht Tag,

die Dunkelheit Nacht.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der erste Tag.

Dann sprach Gott:

»Im Wasser soll ein Gewölbe entstehen,

eine Scheidewand zwischen den Wassermassen!«

So geschah es: Gott machte ein Gewölbe

und trennte so das Wasser unter dem Gewölbe

von dem Wasser, das darüber war.

Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der zweite Tag.

Dann sprach Gott:

»Das Wasser unter dem Himmelsgewölbe

soll sich alles an einer Stelle sammeln,

damit das Land hervortritt.«

So geschah es.

Und Gott nannte das Land Erde,

die Sammlung des Wassers nannte er Meer.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

Dann sprach Gott:

»Die Erde lasse frisches Grün aufsprießen,

Pflanzen und Bäume von jeder Art,

die Samen und samenhaltige Früchte tragen!«

So geschah es:

Die Erde brachte frisches Grün hervor,

Pflanzen jeder Art mit ihren Samen

und alle Arten von Bäumen

mit samenhaltigen Früchten.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der dritte Tag.

Dann sprach Gott:

»Am Himmel sollen Lichter entstehen,

die Tag und Nacht voneinander scheiden,

leuchtende Zeichen,

um die Zeiten zu bestimmen:

Tage und Feste und Jahre.

Sie sollen am Himmelsgewölbe leuchten,

damit sie der Erde Licht geben.«

So geschah es:

Gott machte zwei große Lichter,

ein größeres, das den Tag beherrscht,

und ein kleineres für die Nacht,

dazu auch das ganze Heer der Sterne.

Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,

damit sie der Erde Licht geben,

den Tag und die Nacht regieren

und Licht und Dunkelheit voneinander scheiden.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der vierte Tag.

Dann sprach Gott:

»Das Wasser soll von Leben wimmeln,

und in der Luft sollen Vögel fliegen!«

So schuf Gott die Seeungeheuer

und alle Arten von Wassertieren,

ebenso jede Art von Vögeln

und geflügelten Tieren.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

Und Gott segnete seine Geschöpfe und sagte:

»Seid fruchtbar, vermehrt euch

und füllt die Meere,

und ihr Vögel, vermehrt euch auf der Erde!«

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der fünfte Tag.

Dann sprach Gott:

»Die Erde soll Leben hervorbringen:

alle Arten von Vieh und wilden Tieren

und alles, was auf der Erde kriecht.«

So geschah es.

Gott machte die wilden Tiere und das Vieh

und alles, was auf dem Boden kriecht,

alle die verschiedenen Arten.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

Dann sprach Gott:

»Nun wollen wir Menschen machen,

ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist!

Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer,

über die Vögel in der Luft,

über das Vieh und alle Tiere auf der Erde

und über alles, was auf dem Boden kriecht.«

So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild,

als Gottes Ebenbild schuf er sie

und schuf sie als Mann und als Frau.

Und Gott segnete die Menschen

und sagte zu ihnen:

»Seid fruchtbar und vermehrt euch!

Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz!

Ich setze euch über die Fische im Meer,

die Vögel in der Luft

und alle Tiere, die auf der Erde leben,

und vertraue sie eurer Fürsorge an.«

Weiter sagte Gott zu den Menschen:

»Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen

und die Früchte, die an den Bäumen wachsen,

überall auf der ganzen Erde.

Den Landtieren aber und den Vögeln

und allem, was auf dem Boden kriecht,

allen Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich tragen,

weise ich Gräser und Blätter zur Nahrung zu.«

So geschah es.

Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte,

und sah: Es war alles sehr gut.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der sechste Tag.

So entstanden Himmel und Erde mit allem, was lebt.

Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet

und ruhte von aller seiner Arbeit aus.

Und Gott segnete den siebten Tag

und erklärte ihn zu einem heiligen Tag,

der ihm gehört,

denn an diesem Tag ruhte Gott,

nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte.

Dies ist die Geschichte der Entstehung von Himmel

und Erde;

so hat Gott sie geschaffen.

An großen Strömen
Das Paradies

Der diesem Bericht folgende so genannte zweite Schöpfungsbericht unterscheidet sich in vielem deutlich vom ersten. In der Bibel wird nicht versucht, die beiden Darstellungen miteinander in Einklang zu bringen, andererseits aber auch nicht der Eindruck erweckt, als würden sie sich ergänzen. Die Berichte vom Urgeschehen verstehen sich als Annäherung an ein Verständnis vom Verhältnis zwischen Mensch und Gott.

Die zweite Erzählung von der Schöpfung beginnt nicht mit der Bändigung der Urflut, sondern mit der Befeuchtung der trockenen Steppe.

Das Wort für Quelle hat im Hebräischen den gleichen Wortstamm wie das Wort für Auge. Quellen sind demnach so etwas wie die Augen der Erde. Sie sind gleichermaßen ein Bild für die Schöpfergüte Gottes, der das zum Leben notwendige Wasser aus der Erde hervorbringt. Ein besonderes Zeichen für die Fruchtbarkeit und Güte des Landes sind die vier Paradiesströme. (1Mose/Genesis 2,4b-17)

Als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, gab es zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bearbeiten konnte. Nur aus der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden.

Da nahm Gott, der Herr, Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen.

Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er ließ aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte.

In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit schenken, und der Baum der Erkenntnis, dessen Früchte das Wissen verleihen, was für den Menschen gut und was für ihn schlecht ist.

In Eden entspringt ein Strom. Er bewässert den Garten und teilt sich dann in vier Ströme. Der erste heißt Pischon; er fließt rund um das Land Hawila, wo es Gold gibt. Das Gold dieses Landes ist ganz rein, außerdem gibt es dort kostbares Harz und den Edelstein Karneol. Der zweite Strom heißt Gihon; er fließt rund um das Land Kusch. Der dritte Strom, der Tigris, fließt östlich von Assur. Der vierte Strom ist der Eufrat.

Gott, der Herr, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. Weiter sagte er zu ihm: »Du darfst von allen Bäumen des Gartens essen, nur nicht vom Baum der Erkenntnis. Sonst musst du sterben.«

Schiffbau und Rettung aus Seenot
Die Sintflut

Ein wunderbar bewässerter Garten war es, in den Gott sein Gegenüber, Mann und Frau, gesetzt hatte. Aber die Sache ging schief. Die beiden aßen von den verbotenen Früchten. Zur Strafe wurden sie verpflanzt, dahin, wo an Wasser Mangel herrschte, wo der Boden trocken war und karg.

Die ersten elf Kapitel der Bibel heißen »Urgeschichte«, nicht weil das Erzählte vor uralten Zeiten passiert ist, sondern weil das Berichtete zum Grundbestand menschlicher Erfahrung gehört, etwas, das den Menschen in seinem innersten Wesen prägt und leitet.

»Völlig verdorben« waren die Menschen, so erzählt die Geschichte von der großen Flut; das Leben spendende Handeln Gottes war nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Gott entschließt sich zu handeln: Das Chaoswasser, die Leben bedrohende Urmacht Meer, die bei der Schöpfung in ihre Schranken verwiesen worden war, kehrt zurück, die Sintflut bricht über die Menschheit herein.

Aber dabei soll es nicht bleiben, Gott fängt mit seiner Erde noch einmal neu an. Noach und seine Familie sind die Keimzelle des Neuen, denn Noach hört auf Gott. Der Regenbogen am Ende – die Brechung von Licht in Wasser – wird zum Zeichen für das Versprechen Gottes, nie wieder eine solch furchtbare Flut zu schicken. (1Mose/Genesis 6,5–9,17)

Der Herr sah, dass die Menschen auf der Erde völlig verdorben waren. Alles, was aus ihrem Herzen kam, ihr ganzes Denken und Planen, war durch und durch böse. Das tat ihm weh, und er bereute, dass er sie erschaffen hatte. Er sagte: »Ich will die Menschen wieder von der Erde ausrotten – und nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere auf der Erde, von den größten bis zu den kleinsten, und auch die Vögel in der Luft. Es wäre besser gewesen, wenn ich sie gar nicht erst erschaffen hätte.«

Noach war der Einzige, der vor den Augen des Herrn bestehen konnte.

Dies ist die Geschichte Noachs und seiner Nachkommen: Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen war Noach ein rechtschaffener, durch und durch redlicher Mann; er lebte in enger Verbindung mit Gott. Er hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. Alle anderen Menschen konnten vor Gott nicht bestehen; die Erde war voll von Unrecht und Gewalt. Wohin Gott auch sah: überall nichts als Verdorbenheit. Denn die Menschen waren alle vom rechten Weg abgekommen.

Da sagte Gott zu Noach: »Mit den Menschen mache ich ein Ende. Ich will sie vernichten samt der Erde; denn die Erde ist voll von dem Unrecht, das sie tun.

Bau dir ein Schiff, eine Arche. Mach sie aus festem Holz und dichte sie innen und außen mit Pech ab. Im Innern soll sie viele Räume haben. Sie muss 150 Meter lang sein, 25 Meter breit und 15 Meter hoch. Mach oben ein Dach darüber, zieh zwei Zwischendecken ein, sodass es dreistöckig wird, und bring an der Seite eine Tür an.

Ich werde eine Flut über die Erde hereinbrechen lassen, in der alles Lebendige umkommen soll. Weder Mensch noch Tier wird mit dem Leben davonkommen. Mit dir aber schließe ich meinen Bund. Ich verspreche dir: Du sollst gerettet werden.

Geh mit deiner Frau, deinen Söhnen und deinen Schwiegertöchtern in die Arche! Nimm von allen Tieren ein Männchen und ein Weibchen mit, damit sie mit dir gerettet werden. Von jeder Tierart sollst du ein Paar in die Arche bringen, damit sie am Leben bleiben, alle Arten von Landtieren und Vögeln. Nimm jedem Tier sein Futter mit, und auch genug zu essen für dich und deine Familie.«

Noach tat alles genau so, wie Gott es ihm befohlen hatte.

Dann sagte der Herr zu Noach: »Geh mit deiner Familie in die Arche! Du bist der Einzige unter den Menschen, der vor mir als gerecht bestehen kann. Nimm von allen reinen Tieren je sieben Paare mit, aber von den unreinen Tieren nur jeweils ein Männchen und ein Weibchen. Auch von den verschiedenen Vögeln nimm je sieben Paare mit. Ich möchte, dass jede Art erhalten bleibt und sich wieder auf der Erde fortpflanzen kann. Noch sieben Tage, dann werde ich es vierzig Tage und Nächte lang ununterbrochen regnen lassen. Alles Leben auf der Erde, das ich geschaffen habe, wird dann ausgelöscht.«

Noach machte alles genau so, wie der Herr es befohlen hatte. Er war damals 600 Jahre alt, als die große Flut über die Erde hereinbrach.

Noach ging also mit seiner Frau, seinen Söhnen und seinen Schwiegertöchtern in die Arche. Von allen reinen und unreinen Landtieren sowie von allen Vögeln und den am Boden kriechenden Tieren ließ er je ein Paar mit sich in die Arche gehen, ein Männchen und ein Weibchen, wie Gott es befohlen hatte. Sieben Tage später kam die große Flut über die Erde.

Im 600. Lebensjahr Noachs, am 17. Tag des 2. Monats, öffneten sich die Schleusen des Himmels und die Quellen der Tiefe brachen von unten aus der Erde hervor. Vierzig Tage und vierzig Nächte lang regnete es von da an in Strömen auf die Erde.

An jenem Tag ging Noach mit seiner Frau, mit seinen Söhnen Sem, Ham und Jafet und mit den Frauen seiner Söhne in die Arche, dazu je ein Paar von allen Tierarten: den wilden und den zahmen Tieren, den Tieren, die am Boden kriechen, und allen geflügelten Tieren. Von allen Tierarten, allem, was auf der Erde lebt, gingen je zwei zu Noach in die Arche, immer ein Männchen und ein Weibchen, so wie Gott es befohlen hatte.

Und der Herr schloss hinter Noach die Tür zu.

Vierzig Tage lang regnete es ununterbrochen. Das Wasser stieg an und hob die Arche vom Boden ab. Es stieg immer weiter, und die Arche schwamm jetzt frei auf dem Wasser. Es stieg höher und höher, und schließlich waren auf der Erde sogar die Berge bedeckt; das Wasser stand sieben Meter über den höchsten Gipfeln.

Da starb alles, was auf der Erde lebte und sich regte: Vögel, zahme und wilde Tiere, all die kleinen Tiere, von denen es auf der Erde wimmelte, und alle Menschen. Alles, was Lebensgeist in sich trug und auf dem Land lebte, fand den Tod.

So vernichtete der Herr alles Leben auf der Erde, vom Menschen bis zum kriechenden Getier, vom Vieh bis zu den Vögeln. Nur Noach und alle, die bei ihm in der Arche waren, blieben übrig.

Hundertfünfzig Tage lang war das Wasser auf der Erde gestiegen. Da dachte Gott an Noach und an all die Tiere, die bei ihm in der Arche waren. Er ließ einen Wind über die Erde wehen, sodass das Wasser fiel. Er ließ die Quellen der Tiefe versiegen und schloss die Schleusen des Himmels, sodass es zu regnen aufhörte.

So fiel das Wasser nach hundertfünfzig Tagen. Am 17. Tag des 7. Monats setzte die Arche auf einem Gipfel des Araratgebirges auf. Das Wasser fiel ständig weiter, bis am 1. Tag des 10. Monats die Berggipfel sichtbar wurden.

Nach vierzig Tagen öffnete Noach die Dachluke, die er gemacht hatte, und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange hin und her, bis die Erde trocken war.

Noach ließ auch eine Taube fliegen, um zu erfahren, ob das Wasser von der Erde abgeflossen war. Sie fand aber keine Stelle, wo sie sich niederlassen konnte; denn die ganze Erde war noch von Wasser bedeckt. Deshalb kehrte sie zur Arche zurück. Noach streckte die Hand aus und holte sie wieder herein.

Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum zweiten Mal fliegen. Sie kam gegen Abend zurück und hielt einen frischen Ölbaumzweig im Schnabel. Da wusste Noach, dass das Wasser abgeflossen war.

Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen. Diesmal kehrte sie nicht mehr zurück.

Am ersten Tag des Jahres, in dem Noach sechshundertundein Jahr alt wurde, hatte sich das Wasser verlaufen. Noach öffnete das Dach und hielt Ausschau. Da sah er, dass auf der Erde kein Wasser mehr stand. Am 27. Tag des 2. Monats war die Erde schließlich ganz trocken.

Da sagte Gott zu Noach: »Verlass die Arche mit deiner Frau, deinen Söhnen und deinen Schwiegertöchtern! Lass auch alle Tiere hinaus, die in der Arche sind, die Vögel, die großen Landtiere und alles, was am Boden kriecht. Es soll wieder von ihnen wimmeln auf der Erde; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren auf der Erde.«

Da ging Noach mit seiner Familie aus der Arche, und auch die Tiere kamen heraus, alle die verschiedenen Arten.

Noach baute einen Opferaltar für den Herrn. Dann nahm er welche von allen reinen Tieren und allen reinen Vögeln und opferte sie darauf als Brandopfer für den Herrn.

Der Herr roch den besänftigenden Duft des Opfers und sagte zu sich selbst: »Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind! Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf. Ich will nicht mehr alles Leben auf der Erde vernichten, wie ich es getan habe.

Von jetzt an gilt,

solange die Erde besteht:

Nie werden aufhören

Saat und Ernte,

Frost und Hitze,

Sommer und Winter,

Tag und Nacht.«

Gott segnete Noach und seine Söhne und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die ganze Erde! Alle Tiere werden sich vor euch fürchten müssen: die großen Landtiere, die Vögel, die Tiere, die am Boden kriechen, und die Fische im Meer. Ich gebe sie in eure Gewalt.

Ihr dürft von jetzt an Fleisch essen, nicht nur Pflanzenkost; alle Tiere gebe ich euch als Nahrung. Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, sollt ihr nicht essen; denn im Blut ist das Leben.

Euer eigenes Blut darf auf keinen Fall vergossen werden. Ich wache darüber und fordere Leben für Leben, vom Tier und erst recht vom Menschen. Wer einen Menschen tötet, muss von Menschenhand sterben; denn der Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen. Also seid fruchtbar, vermehrt euch, sodass es von euch wimmelt auf der Erde!«

Weiter sagte Gott zu Noach und zu seinen Söhnen: »Ich schließe meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und auch mit allen Tieren, die bei euch in der Arche waren und künftig mit euch auf der Erde leben, den Vögeln, den Landtieren und allen kriechenden Tieren. Ich gebe euch die feste Zusage: Ich will das Leben nicht ein zweites Mal vernichten. Die Flut soll nicht noch einmal über die Erde hereinbrechen.

Das ist der Bund, den ich für alle Zeiten mit euch und mit allen lebenden Wesen bei euch schließe. Als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. Er ist der sichtbare Garant für die Zusage, die ich der Erde mache. Jedes Mal, wenn ich Regenwolken über der Erde zusammenziehe, soll der Bogen in den Wolken erscheinen, und dann will ich an das Versprechen denken, das ich euch und allen lebenden Wesen gegeben habe: Nie wieder soll das Wasser zu einer Flut werden, die alles Leben vernichtet. Der Bogen wird in den Wolken stehen, und wenn ich ihn sehe, wird er mich an den ewigen Bund erinnern, den ich mit allen lebenden Wesen auf der Erde geschlossen habe. Dieser Bogen«, sagte Gott zu Noach, »ist das Zeichen für den Bund, den ich jetzt mit allen lebenden Wesen auf der Erde schließe.«

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