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Inhalt
Editorial
Alexander Sperl
E-Assessment in der Hochschule
Katharina Kaunat
Gruppenarbeiten in ILIAS. Online-Fortbildung an der HSPV NRW
Katja Drasdo, Birgitta Sticher
Die Anstrengung hat sich gelohnt! Erfahrung mit der Planung und Durchführung einer Online-Lehrveranstaltung im Studium des gehobenen Polizeivollzugsdienstes an der HWR Berlin
Felix Bode
Podcasts in der Lehre. Die Nutzung von Podcasts zur Wissensreproduzierung
Holger Meeh
Die Autorenumgebung H5P. Mehr Interaktivität für die Online-Lehre
Caroline Duncker-Euringer, Melanie Lehmann
Digitale Lehre in Zeiten der Corona-Pandemie. Ergebnisse der Lehrevaluation an der Akademie der Polizei Hamburg
Peter Glanninger
E-Learning als System. Eine neue Perspektive
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
Sie wundern sich, dass Sie mitten im Sommer eine »LLD-Zeitschrift« in den Händen halten? Wir freuen uns über die vielen Expertinnen und Experten, die für uns schreiben und möchten allen einen Platz einräumen. Daher erscheinen wir ab sofort mit drei Ausgaben im Jahr.
Für diese Ausgabe haben wir wieder spannende Beiträge aus der digitalen Welt für Sie zusammengestellt:
Freuen Sie sich auf einen Beitrag von Alexander Sperl zu Prüfungs- und Bewertungsszenarien, die mit digitalen Werkzeugen umgesetzt werden (E-Assessment). Hierzu gehören etwa E-Klausuren, Peer-Assessments, Weblogs, E-Portfolios und viele weitere neue Prüfungsformen. Welche Vor- und Nachteile gibt es bei E-Assessment?
Interessieren Sie sich für die Planung, Organisation oder Durchführung einer digitalen Gruppenarbeit mittels des Lernmanagementsystems ILIAS? Der Beitrag von Katharina Kaunat gibt nicht nur einen Überblick über die ILIAS-Werkzeuge Etherpad, Forum und Wiki, vielmehr lernen Sie auch verschiedene digitale Gruppenarbeitsmethoden kennen.
Wollen Sie wissen, welche Erfahrung mit der Planung und Durchführung einer Online-Lehrveranstaltung im Fach Psychologie im Studium des gehobenen Polizeivollzugsdienstes an der HWR Berlin gemacht wurde? Frau Prof. Dr. Brigitta Sticher hat hierzu die inhaltliche Ausgestaltung übernommen und Frau Katja Drasdo zusammen mit dem E-Learning-Zentrum die mediale, didaktische und technische Umsetzung.
Prof. Dr. Felix Bode stellt ein Projekt der Hochschule für Polizei und Verwaltung NRW (HSPV NRW) im Fach Kriminologie vor, in dem für Wiederholung und Reflexion bereits thematisierter Lehr- und Lerninhalte älterer Semester Podcasts als ergänzende didaktische Methode fokussiert werden.
Holger Meeh stellt mit H5P eine Autorenumgebung vor, die den hohen Entwicklungsaufwand interaktiver Elemente erheblich reduziert.
Einen Blick zurück auf die Chancen und Herausforderungen des Einsatzes digitaler Tools und Medien im digitalen Sommersemester 2020 in Zeiten der Corona-Pandemie werfen Dr. Caroline Duncker-Euringer und Melanie Lehmann von der Akademie der Polizei Hamburg unter Auswertung einer durchgeführten Befragung. Was hat gut funktioniert? Welche Lernmethoden und -medien haben sich bewährt? Was hat nicht so gut funktioniert beziehungsweise worauf sollte man zukünftig beim Einsatz digitaler Lehr-Lern-Elemente achten? Mit Blick über den nationalen Tellerrand stellt schließlich Peter Glanninger vom Bundesministerium für Inneres in Wien (Österreich) eine systemorientierte Perspektive von E-Learning vor. Sie orientiert sich nicht am herkömmlichen pädagogisch-didaktischen Zugang, sondern an einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive und eröffnet damit eine breit gefächerte Betrachtungsweise.
Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren wünscht Ihnen
Ihre
Waltraud Nolden
(im Namen des Herausgeberteams)
E-Assessment in der Hochschule
Alexander Sperl1, FernUniversität in Hagen
Der Begriff „E-Assessment“ beschreibt eine Reihe von Bewertungsmethoden, die mit Hilfe digitaler Werkzeuge umgesetzt werden. Häufig wird E-Assessment mit E-Klausuren gleichgesetzt, allerdings gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Szenarien, die ebenfalls darunter zusammengefasst werden und häufig übersehen werden. Der Beitrag stellt einige vor.
1.Was ist E-Assessment?
E-Assessment setzt sich zusammen aus dem englischen Wort „assessment“ (dt. Bewertung, Einschätzung, Prüfung, Beurteilung etc.) und einem E, das für „elektronisch“ steht. Es bezeichnet alle Prüfungs- und Bewertungsszenarien, die mit digitalen Werkzeugen umgesetzt werden.
Die unterschiedlichen Übersetzungsmöglichkeiten des englischen Worts deuten bereits darauf hin, dass es sich dabei um einen Sammelbegriff handelt, der sich nicht nur auf Prüfungen im eigentlichen Sinn beschränkt.
2.Wie können unterschiedliche E-Assessmentvarianten eingeteilt werden?
Es gibt unterschiedliche Dimensionen von Prüfungen und Bewertungen, die als Grundlage einer Einordnung dienen können. Die häufigste ist dabei der Zeitpunkt, an dem ein Assessment eingesetzt wird. Unterschieden wird hier in:
•diagnostisches Assessment zu Beginn einer Phase,
•formatives Assessment während einer Phase und
•summatives Assessment am Ende einer Phase.
Mit „Phase“ können unterschiedliche Zeiteinheiten gemeint sein, wie sie an Hochschulen definiert werden, z. B. eine Einzelveranstaltung, ein Kurs über ein ganzes Semester oder ein Modul.
Diagnostisches Assessment bezieht sich etwa auf Einstufungstests oder das Abfragen von Vorwissen. Formatives Assessment versammelt alle Formen, die über einen längeren Zeitraum punktuell oder langfristig eingesetzt werden, z. B. E-Portfolios. Schließlich gruppiert summatives Assessment alle abschließenden Formen, z. B. (E-)Klausuren oder Hausarbeiten.

Abbildung 1: Darstellung traditioneller Leistungsnachweise und ihrer digitalen Umsetzungen in Anlehnung an Ruedel (2010).
In der Literatur finden sich auch noch andere Einteilungsvarianten, die nach dem Zweck der Prüfung oder Bewertung fragen oder danach, wer eine Prüfung abnimmt.
Die meisten „analogen“ Prüfungs- und Bewertungsszenarien können auch mit Hilfe von digitalen Werkzeugen umgesetzt werden. Cornelia Ruedel hat dazu eine Übersicht (Abbildung 1) zusammengestellt. Blau hinterlegte Boxen zeigen solche Formen, die direkt ins Digitale übersetzt werden können, bei den hellen Boxen hat sie Vorschläge für alternative digitale Formen gemacht. Diese Darstellung ist beispielhaft und kann durch viele Formen ergänzt werden.
3.Welche Vor- und Nachteile gibt es bei E-Assessment?
Dass E-Assessment mit Zeitersparnis bei Prüfungen gleichzusetzen ist, ist leider ein Aspekt, der nicht immer bestätigt werden kann. Zwar fällt die Zeit für die Korrektur bei automatisch auswertbaren Aufgabenformaten wesentlich kürzer aus. Die Konzeption dieser Aufgabenformate nimmt aber einiges an Zeit in Anspruch. Manche Expert*innen veranschlagen für die Konzeption einer guten Multiple-Choice-Frage eine Stunde. Wenn dann ein Pool von 200 Fragen für eine Klausur erstellt werden soll, aus dem 50 per Zufall ausgewählt werden, ist die Erstellung entsprechend aufwändig.
Nicht alle Inhalte können darüber hinaus mit Multiple-Choice-Fragen abgeprüft werden. Hier sind Prüfende oft abhängig von der Funktionalität, die ein Prüfungssystem anbietet. Wenn z. B. die Unterstützung für mathematische Formeln fehlt, gerät man bei dieser Art von Inhalten schnell an die Grenzen des Machbaren. Daher ist es wichtig, im Vorfeld zu klären, welche Funktionen bereitstehen. Ganz abgesehen davon, dass bestimmte Fragenformate wie Freitextfragen natürlich zusätzlich per Hand korrigiert werden müssen.
Die Abhängigkeit von einem Prüfungssystem ist in besonderem Maße gegeben, wenn sich die Hochschule für eine externe Lösung entscheidet. Hier sollte sehr genau analysiert werden, welche Funktionen bereitstehen, wie Updates und Wartung gehandhabt werden und wie mit Sonderwünschen umgegangen wird, die in der Hochschule bestehen.
Ein weiterer Nachteil sind die teilweise hohen Anschaffungs- und Betriebskosten für digitale Prüfungssysteme. Damit die Rechtssicherheit und Fehlerfreiheit der Systeme gewährleistet ist, müssen dezidierte Server betrieben werden, die in besonderem Maße gegen Angriffe von außen abgesichert werden. Aufwändig ist auch die Archivierung von Prüfungsergebnissen auf speziellen Systemen.
Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Vorteilen, die für einen Einsatz digital gestützter Prüfungen sprechen.
Die automatische Korrektur, die bei vielen Fragenformaten möglich ist, wurde bereits erwähnt. Der Aufwand bei der Erstellung eines Fragenpools relativiert sich ein wenig, wenn bedacht wird, dass viele Personen am gleichen Pool arbeiten können. Eventuell kann der Fragenpool auch für eine ganze Reihe von Klausuren und nicht nur für eine genutzt werden. Das ist allerdings abhängig von dem Themengebiet und der Art der Klausurfragen.
Viele Prüfungssysteme bieten die Möglichkeit, nicht nur die Reihenfolge der Fragen und Antworten zu randomisieren. Bei einigen Aufgabentypen können auch Anfangswerte per Zufall generiert werden, sodass nicht nur eine sondern gegebenenfalls viele tausend Aufgaben entstehen. Dadurch nimmt das System den Lehrenden die Arbeit ab, eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufgaben zu erstellen, die nicht so leicht von Kohorte zu Kohorte weitergegeben werden können und die vom Niveau her vergleichbar sind.
Abgesehen von E-Klausuren gibt es eine Menge digital gestützter Prüfungsformate, die für Studierende eine größere Flexibilität bedeuten. Wenn es nicht mehr von Bedeutung ist, dass eine Prüfung zu einem festgelegten Zeitpunkt abgelegt wird, kommt dies Studierenden entgegen, die neben dem Studium beruflichen oder familiären Verpflichtungen nachgehen müssen.
Ein sehr großer Vorteil von E-Assessment ist im Hinblick auf die Gütekriterien, die Prüfungen erfüllen müssen, die höhere Objektivität bei der Korrektur von automisch auswertbaren Aufgabenformaten. Dadurch kommt es auch zu weniger Nachfragen und Beschwerden von Studierenden, die von vornherein wissen, dass der Computer weniger überzeugbar ist als die Dozierenden. Außerdem bekommen die Studierenden ein schnelleres Feedback zu ihrem Abschneiden in einer Prüfung.
Viele digitale Prüfungssysteme erlauben es, unterschiedliche Medien in die Aufgaben einzubinden. Dadurch entsteht die Möglichkeit, ganz andere inhaltliche Aspekte abzudecken. So können z. B. mikroskopische Aufnahmen gezoomt und annotiert werden oder Videos in einer Aufgabe eingebunden werden, die dann durch die Studierenden ausgewertet werden müssen. Dadurch entsteht in vielen Fachgebieten ein größerer Praxisbezug als dies bei rein textlichen Prüfungen der Fall ist.
Bei einigen Aufgabentypen ist eine Qualitätssicherung in Form von Itemanalysen möglich. Das bedeutet, dass die Klausursysteme Statistiken zum Abschneiden bei einzelnen Aufgaben bereitstellen, aus denen auf die Qualität der Aufgabe geschlossen werden kann. Schneiden z. B. bei einer Aufgabe mehr Studierende schlecht ab, als dies bei einer Normalverteilung zu erwarten ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Aufgabe zu schwer oder vielleicht sogar unverständlich war.
Bereits die Übersicht von Prüfungsergebnissen, die viele Prüfungssysteme bieten, stellt eine Erleichterung für Dozierende dar. Statt der Zettelwirtschaft kann in Tabellen strukturiert eingesehen werden, wie die Prüfung ausgefallen ist.
Abgesehen von den bereits erwähnten Vorteilen, die größtenteils für E-Klausuren zum Tragen kommen, gibt es auch didaktische Aspekte, die bei alternativen Prüfungsformaten jenseits von Klausur und Hausarbeit Vorteile bringen. Ein Beispiel dafür ist die Anwendung von formativen Prüfungen und Bewertungen, die während eines Zeitraums punktuell Feedback darüber geben, wo die Studierenden stehen. Zum einen können Dozierende sich so einen Überblick verschaffen, welche Inhalte sie gegebenenfalls wiederholen müssen, weil bei vielen Studierenden Verständnisschwierigkeiten vorliegen. Zum anderen wissen die Studierenden durch das Feedback durch die formativen Aufgaben, wo sie noch Lücken haben und was sie bereits gut beherrschen.
Dadurch wird zusätzlich vermieden, dass sich Studierende erst kurz vor einer Klausur mit dem Thema beschäftigen, das sie bereits im ganzen Semester behandelt haben sollten. Das sogenannte „Binge Learning“, also das exzessive Lernen in einem kurzen Zeitraum und das damit einhergehende Phänomen, dass kurz danach alles wieder vergessen wird, kann durch die kontinuierliche Beschäftigung vermieden werden.
Alles in allem müssen die Assessment-Formate mit den Rahmenbedingungen der Hochschule und der Studien- und Prüfungsordnungen abgeglichen werden. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass in einer Prüfungsordnung z. B. Klausuren vorgeschrieben werden und daher nicht durch alternative Formate ersetzt werden können. Generell ist es ratsam, die Rechtsabteilungen, die für prüfungsrechtliche Fragen zuständig sind, bei der Umstellung miteinzubeziehen.
4.Beispiele für E-Assessment
Um einen Eindruck zu bekommen, welche unterschiedlichen Konzepte im Begriff „E-Assessment“ versammelt werden, sollen im Folgenden einige Beispiele für Prüfungsformate vorgestellt werden, die besonders für eine Umsetzung mit digitalen Werkzeugen geeignet sind. Dabei wurde darauf geachtet, die zeitliche Einordnung aus dem Abschnitt 2 aufzugreifen und Beispiele für diagnostisches, formatives und summatives Assessment zu beschreiben.
4.1. Tests, Quiz und Abstimmungen
Diagnostisches Assessment hat die Einschätzung des Wissensstands von Lernenden zum Ziel. Häufig lassen sich dazu klar umrissene Fragen aufstellen, die wiederum klar beantwortet werden können. Diese Fragen bieten sich für eine Umsetzung in einem automatisch auswertbaren Format an. Dadurch können schnell und unkompliziert Ergebnisse generiert werden, auf die die Dozierenden im weiteren Verlauf eingehen können.
Ein Ziel des diagnostischen Assessment kann es auch sein, Studierende in Gruppen einzuteilen. Ein bekanntes Beispiel dafür sind Sprachtests, die Sprachlernende in Niveaus einstufen. Durch die Einordnung in diese Niveaus können Lehrende besser auf die Bedürfnisse der Lernenden eingehen.
Aus didaktischer Sicht könnte aber auch die Zuordnung in heterogene Gruppen sinnvoll sein. Studierende, die bereits ein großes Wissen zu einem Themengebiet besitzen, können dann den Studierenden helfen, bei denen das nicht der Fall ist.
Diagnostische Bewertungen werden häufig als Tests, Quiz oder Abstimmungen realisiert. Der Unterschied zwischen den ersten beiden Formaten ist fließend, generell kann aber festgestellt werden, dass die Ergebnisse von Tests eher ein Feedback für die Lehrenden darstellen, wohingegen Quiz – daher auch die eher informelle Bezeichnung – für die Studierenden Informationen liefern, was sie z. B. für ein Seminar wissen sollten. Bei Abstimmungen steht ein Echtzeit-Feedback im Vordergrund. Daher werden sie häufig am Beginn oder während einer synchronen Veranstaltung genutzt.

Abbildung 2: Beispiel für eine Test-Aktivität in Moodle
Tests und Quiz können mit den Bordmitteln gängiger Lernmanagementsysteme (LMS) wie Moodle oder ILIAS umgesetzt werden. Dort werden dann Aktivitäten erzeugt, die unterschiedliche Fragenformate wie Single Choice, Multiple-Choice, Zuordnungsaufgaben, Markieraufgaben usw. bieten. Manchmal sind die Bordmittel etwas langweilig in der Umsetzung, sodass gerade bei den Quiz auch auf externe Anbieter wie Learning Apps oder Kahoot! ausgewichen wird. Erwähnenswert ist außerdem noch H5P, dass als Plug-In in vielen Systemen genutzt werden kann. Beim Thema „Quiz“ ergibt sich eine Schnittmenge mit einem anderen Themenbereich des Lehrens und Lernen mit digitalen Medien, der sogenannten Gamification, also der Anreicherung didaktischer Konzepte durch spielerische Ansätze.
Auch Abstimmungen können in manchen LMS mit Bordmitteln umgesetzt werden. Häufiger ist allerdings der Einsatz von explizit dazu erstellten Anwendungen. Im Hochschulkontext kommen oft das an der Universität Paderborn entstandene und mittlerweile ausgegründete PINGO und das an der Technischen Hochschule Mittelhessen entwickelte ARSnova zum Einsatz. Manche Videokonferenzsysteme wie Adobe Connect, Microsoft Teams oder Zoom bieten die Möglichkeit, Abstimmungen während eines Meetings zu starten. Der Vorteil der Hochschullösungen ist dabei, dass das Thema Datenschutz eine geringere Rolle spielt als bei den kommerziellen Anbietern.

Abbildung 3: Beispiel für ein Abstimmungsergebnis in PINGO, Frage: “Welche Prüfungen werden an Ihrer Hochschule eingesetzt?”
Bei Abstimmungen steht, wie erwähnt, die synchrone Anwendung im Vordergrund. Lehrende können z. B. zu Beginn oder während einer Veranstaltung eine Frage stellen und die Studierenden stimmen dann mit einem mobilen Gerät ab. Die Ergebnisse werden in Form von Diagrammen angezeigt, auf die die Lehrenden in unterschiedlicher Form eingehen können.
Tests, Quiz und Abstimmungen eignen sich zur Lernstandserhebung, Motivation und Aktivierung von Lernenden. Lehrende können entweder auf die Bordmittel von LMS zurückgreifen oder unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen auf externe Werkzeuge.
Übrigens können die drei Formate auch bei formativen Prüfungs- und Bewertungsformaten eingeordnet werden, weil sie punktuell über einen längeren Zeitraum hinweg eingesetzt werden können.
4.2. E-Portfolios
Ein Beispiel für eine formative Assessmentmethode stellen E-Portfolios dar. Darunter versteht man die Sammlung unterschiedlicher Produkte in einer digitalen Anwendung. Lernende füllen ein E-Portfolio über einen längeren Zeitraum (z. B. während eines Semesters oder des gesamten Studiums) mit von ihnen erstellten Werken. Zu den Produkten können z. B. Essays, Bescheinigungen, Erklärvideos usw. sein.
Wichtig ist dabei, dass die Produkte zu den jeweiligen Inhalten passen. Lehrende müssen bei der Aufgabenstellung entscheiden, ob ein Thema mit einem bestimmten Werk besonders gut umzusetzen ist oder ob den Lernenden die Auswahl des Mediums überlassen werden kann. Grundbegriffe aus einer Disziplin können etwa als Erklärvideo oder als Lernkarten mit einem Begriff auf der Vorder- und der Definition auf der Rückseite umgesetzt werden. Natürlich sollte auch darauf geachtet werden, dass es den Studierenden grundsätzlich möglich ist, bestimmte Medien für die Umsetzung zu nutzen.

Abbildung 4: Beispiel für ein E-Portfolio
Ein häufig verwendetes System für E-Portfolios ist Mahara. Aber auch andere Content Managementsysteme wie WordPress oder ein Wiki können für die Portfolioarbeit genutzt werden. Mahara hat im Zusammenspiel mit Moodle den Vorteil, dass über die Aktivität „Übung“ sogenannte Ansichten eingereicht werden können und dann ähnlich wie Dokumente zur Bewertung zur Verfügung stehen. In ILIAS ist eine Portfolio-Funktion bereits integriert.
Bei der Verwendung einer Anwendung für die Portfolio-Arbeit sollte entschieden werden, wie kreativ die Lernenden werden sollen. Während die Layout- und Designvorgaben im ILIAS-Portfolio nur rudimentär geändert werden können, bieten andere Content Managementsysteme eine Vielzahl von Vorlagen an.
Grundsätzlich sind E-Portfolios persönliche Werke der Lernenden. Sowohl über die einzelnen Produkte wie auch über die Gestaltung der gesamten Website reflektieren sie ihren individuellen Lernprozess. Gleichzeitig bieten sie aber auch die Möglichkeit, die Beschäftigung der Studierenden mit einem Thema über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Erreicht werden kann dies eben durch die individuelle Ausgestaltung, aber natürlich auch über die Bewertung sowohl der einzelnen Produkte als auch des Gesamtportfolios.
Die Portfolioarbeit hat das Potential, dass sich Lernende über einen längeren Zeitraum mit einem Themengebiet beschäftigen. Die individuelle Ausgestaltung steigert häufig die Motivation. Außerdem wird der Workload durch viele kleinere Aufgaben verteilt und sammelt sich nicht erst zum Schluss, wenn es etwa darum geht, sich auf die Klausur vorzubereiten.
E-Portfolios können auch als summative Prüfungsleistung betrachtet werden, wenn sie erst als Gesamtprodukt am Ende einer Phase eingereicht und bewertet werden.
4.3. E-Klausuren
E-Klausuren sind von den hier genannten Beispielen wahrscheinlich das aufwändigste. Die Einführung von E-Klausuren ist nicht gleichbedeutend mit der Übertragung bisheriger Papierklausuren in ein digitales System. Vielmehr kommen didaktische, rechtliche und technische Zusammenhänge zum Tragen, über die sich eine Hochschule Gedanken machen muss.
E-Klausur-Systeme haben häufig das Potential, über die didaktischen Möglichkeiten einer Papierklausur hinauszugehen. Neben der Einbettung von Medien tragen auch interaktive Fragenformate dazu bei, dass Inhalte anders abgefragt werden können, als nur mit Multiple Choice und Freitextfragen. Einige andere Möglichkeiten wurden bereits im Abschnitt 3 angesprochen.
Neben den didaktischen Aspekten müssen im Vorfeld allerdings prüfungsrechtliche und technische Fragen geklärt werden. Je nach Szenario betreten Hochschulen dabei Gebiete, die bislang noch keine Rolle gespielt haben.
Zu Beginn sollte geklärt werden, ob E-Klausuren laut Prüfungsordnung die herkömmlichen Klausuren ersetzen können. Die Interpretation, ob E-Klausuren auch Klausuren im rechtlichen Sinne sind, ist dabei von Hochschule zu Hochschule verschieden. Danach müssen die Soft- und Hardwaresysteme entsprechend sicherheitstechnischer und datenschutzrechtlicher Aspekte ausgewählt oder selbst programmiert werden. Damit sich der Betrieb der E-Klausur-Systeme aus Hochschulsicht lohnt, sollten die Funktionen für möglichst viele Fachgebiete relevant sein.
Bei der Durchführung von E-Klausuren müssen den Studierenden entsprechende Endgeräte zur Verfügung gestellt werden, die dann wiederum gelagert und gewartet werden müssen. Außerdem sind für reguläre E-Klausuren spezielle Software-Lösungen notwendig, die vermeiden, dass während der Klausur auf andere Anwendungen oder das Internet zugegriffen werden können.
Aktuell kommen während der COVID-19-Pandemie noch weitere Fragen dazu: Soll Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, Klausuren zu Hause am eigenen PC zu schreiben? Müssen Sie dabei überwacht werden (Stichwort: Proctoring)? Welche Überwachungsformen sind dabei rechtlich zulässig? Sind Open-Book-Klausuren, also Klausuren, bei denen alle Ressourcen ohne Einschränkung genutzt werden können, eine Alternative zu herkömmlichen Klausuren?
E-Klausuren bilden herkömmliche Prüfungsformate am ehesten ab. Allerdings gehen sie mit einer Reihe von didaktischen, rechtlichen und technischen Fragen einher, die vor ihrer Einführung geklärt werden müssen.
5.Fazit
Das Feld des E-Assessments bietet weit mehr als Multiple Choice Fragen, die automatisch ausgewertet werden. Formen wie E-Portfolios und Quizze haben großes Potential, das Lernen von Studierenden auf positive Art und Weise zu beeinflussen. Im Idealfall wird die Motivation der Lernenden durch die Aktivierung, die die vorgestellten Assessmentformen bieten, über einen längeren Zeitraum aufrecht gehalten. Dass die Umstellung auf digital gestützte Prüfungs- und Bewertungsformen nicht immer mit einer zeitlichen Ersparnis einhergeht, sollte aber bei den didaktischen Vorteilen kein Hinderungsgrund für das Ausprobieren sein. Viele der vorgestellten Formate können nach einmaliger Erstellung viele Male eingesetzt werden.
Literaturverzeichnis
Handke, Jürgen; Schäfer, Anna Maria. E-Learning, E-Teaching und E-Assessment in der Hochschullehre: Eine Anleitung. Walter de Gruyter, 2012.
Meister, Dorothee M.; Oevel, Gudrun (Hg.). E-Assessment in der Hochschulpraxis – Empfehlungen zur Verankerung von E-Assessments in NRW. URL: https://www.dh.nrw/fileadmin/user_upload/dh-nrw/e-assessment/pdf/E-Assessment_in_der_Hochschulpraxis.pdf
Ruedel, Cornelia; Mandel, Schewa (Hg.). E-Assessment: Einsatzszenarien und Erfahrungen an Hochschulen. Waxmann Verlag, 2010.
Themenbereich „Prüfung“ bei e-teaching.org. URL: https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/pruefung
Wiki des ELAN e.V., Niedersachsen zum Thema E-Assessment & E-Klausuren. URL: https://ep.elanev.de/wiki/Hauptseite
Im Beitrag erwähnte Werkzeuge:
ARSnova: https://arsnova.eu/
H5P: https://www.h5p.org/
Kahoot!: https://kahoot.com/
Learning Apps: https://learningapps.org/
Mahara: https://mahara.org/
PINGO: https://pingo.coactum.de/
1Alexander Sperl arbeitet in der Koordinationsstelle für E-Learning und Bildungstechnologien (e-KOO) der Fern-Universität in Hagen im Bereich „Qualifikation und Informationsmanagement“. Im Blog der e-KOO schreibt er unter https://ekoo.fernuni-hagen.de/regelmäßig über hochschuldidaktische Themen.
Gruppenarbeiten in ILIAS
Online-Fortbildung an der HSPV NRW
Katharina Kaunat1, HSPV NRW
Gruppenarbeiten als Lehr- und Lernmethode werden an Universitäten in unterschiedlicher Weise eingesetzt. Hierbei ist die Zusammenarbeit von Studierenden mit einer Reihe von Vorteilen verbunden, so lassen sich bestimmte Kompetenzen und Inhalte nur gemeinsam erreichen. Zudem können neben den fachlichen Qualifikationen mit Gruppenarbeiten auch die sozialen und rhetorischen Fähigkeiten verbessert werden. Eine gelungene Zusammenarbeit setzt jedoch eine zielgerichtete Planung durch den Lehrenden voraus. Die Durchführung einer digitalen Gruppenarbeit stellt an den Lehrenden zweierlei Herausforderungen: Die Wahl einer geeigneten Methode für das zu vermittelnde Lernziel und die Entscheidung für das dafür notwendige E-Learning-Tool.
An der HSPV NRW (Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW) wird seit 2019 die Online-Fortbildungsreihe „Gruppenarbeiten in ILIAS“ angeboten. In dieser wird die Planung, Organisation und Durchführung einer digitalen Gruppenarbeit mittels des Lernmanagementsystems ILIAS der HSPV NRW ILIAS thematisiert und praktisch erprobt. Hierbei erhalten die Lehrenden nicht nur einen Überblick über die ILIAS-Funktionen Etherpad, Forum und Wiki, sondern lernen auch verschiedene digitale Gruppenarbeitsmethoden kennen.
Einführung Gruppenarbeit
Gruppenarbeit findet nicht nur in der Schule und der Hochschule Anwendung, sondern ist auch Teil des alltäglichen Lebens im Beruf und der Familie. Hierbei kann die Zusammenarbeit in verschiedener Form genutzt und mit unterschiedlichen Intentionen eingesetzt werden. Im Rahmen der hochschulischen Ausbildung wird Gruppenarbeit in verschiedenster Weise angewandt, als Möglichkeit zur Strukturierung und Erarbeitung von Wissensinhalten sowie zur Wissenssicherung beispielsweise als Prüfungsvorbereitung. Das gemeinsame Arbeiten stellt somit einen wichtigen Bestandteil von Lehrprozessen dar. Als didaktisches Instrument kann zielgerichtete Zusammenarbeit zur Steigerung sozialer Kompetenzen und Verbesserung der Lernleistung von Lernenden eingesetzt werden. Gruppenarbeiten als didaktisches Instrument fanden vor der Digitalisierung primär Anwendung in der Präsenzlehre. In Zeiten der Digitalisierung und gerade in der Corona-Pandemie findet jedoch nicht nur das Lernen, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Studierenden digital statt. Die Herausforderung umfasst nun die didaktische Umgestaltung der Lehrplanung. Hier setzt die Fortbildung an und möchte den Lehrenden didaktische Handreichungen zum Themengebiet Gruppenarbeiten digital geben.
Am Anfang einer Gruppenarbeit stellen sich dem Lehrenden viele Fragen. Wie teile ich die Studierenden in Gruppen ein? Für welche Aufgaben eignen sich größere und für welche kleinere Gruppen? Welche didaktische Methode soll ich wählen und wie motiviere ich meine Studierenden? Die pädagogische Psychologie bietet einige Antworten auf diese Fragen in Form von, aus Studienergebnissen generierten, praktischen Handlungsempfehlungen.
Seit etwa 100 Jahren wird das Thema Gruppenarbeit erforscht, so wurden etwa zwischen den Jahren 1924 und 1997 über 168 Studien mit dem Ziel Gruppenarbeit und Einzelarbeit sowie die damit verbundenen Lernerfolge zu vergleichen durchgeführt (Johnson, Johnson & Smith, 2007). In der Forschung werden hierbei häufig auch die Begriffe kooperatives und kollaboratives Lernen eingesetzt, die jedoch trotz Abgrenzungen häufig synonym verwendet werden und das gemeinsame Arbeiten beschreiben.
Die pädagogische Psychologie beschäftigte sich nicht nur mit der Effektivität und Gestaltung von Zusammenarbeit in Präsenz, sondern untersuchte zudem auch Determinanten für die erfolgreiche Durchführung einer digitalen Gruppenarbeit. Die aus den empirischen Studien entstandenen Handlungsempfehlungen zur Motivations- und Leistungssteigerung in Gruppenarbeit bieten die theoretische Grundlage für die Konzeption der Online-Fortbildung „Gruppenarbeiten in ILIAS“.
Für die erfolgreiche Durchführung kollaborativer digitaler Lernsettings müssen Lehrende laut Brahm, Hasanbegovic und Dillenbourg (2007) nicht nur Kenntnis über die grundlegenden Möglichkeiten digitaler Bildungstools, sondern auch über den praktischen Einsatz in ihrer Lehre haben. Es scheint notwendig, zunächst E-Learning-Tools vorzustellen, um diese in einem nächsten Schritt gleich in ein didaktisches Szenario einzubetten. Im Rahmen der Forschung zum computergestützten kollaborativen Lernen entstand der Ansatz sogenannter Kollaborationsskripts.
Der Autor Dillenbourg definiert ein Kollaborationsskript folgendermaßen „a set of instructions prescribing how students should form groups, how they should interact and collaborate and how they should solve the problem“ (Dillenbourg, 2002, S. 61). Ein Kollaborationsskript umfasst im Wesentlichen den Ablaufplan der Gruppenarbeitsphase und bietet die Möglichkeit der didaktischen Vorabplanung durch den Lehrenden. In einem solchen Ablaufplan sollten hierbei die vier Phasen einer Teamarbeit, Vorbereitung, Durchführung, Präsentation und Feedback, enthalten sein.
Bestandteile eines Kollaborationsskripts können das Gesamtziel, also welche Kompetenzen oder Wissensinhalte vermittelt werden sollen, der Verlauf der Gruppenarbeit oder die einzelnen Arbeitsschritte sein. Solche Ablaufpläne für die Arbeitsphase sind nicht nur für Lehrende, sondern auch für Studierende eine Unterstützung, da sie den Lernprozess und die damit verbundenen Aufgaben und Interaktionen zielgerichtet strukturieren.
2. Online-Schulung: Gruppenarbeiten in ILIAS
Die HSPV NRW bietet den haupt- und nebenamtlich Lehrenden die Möglichkeit zur Teilnahme an kostenlosen Fortbildungsangeboten der internen Weiterbildung an. Die Lehrenden werden hierbei in ihrer Lehrtätigkeit unterstützt und können ihre fachspezifischen Lehrkompetenzen und ein professionelles Verständnis der eigenen Lehrendenrolle entwickeln.
Das E-Learning-Team der HSPV NRW bietet eine Reihe von Unterstützungsangeboten für die Lehrenden an, neben Video-Tutorials und Leitfäden umfasst dies auch Präsenz-Schulungen zum Einsatz von ILIAS. Nicht nur aufgrund des hohen Anteils nebenamtlich beschäftigter Lehrbeauftragter, sondern auch aufgrund der Nachfrage nach online durchführbaren Weiterbildungsangeboten, entstand die Idee für eine Online-Schulung.
Im Frühjahr 2019 wurde die Online-Schulung zum Einsatz von Gruppenarbeiten in ILIAS erstmalig durchgeführt. Aufgrund der hohen Nachfrage fand die Veranstaltung mit zwei parallellaufenden Kursen statt. Im Oktober 2020 wurde sie das dritte Mal durchgeführt.
2.1. Aufbau der Online-Schulung
Es werden zum einen Fragen zur Planung, Organisation und Durchführung einer digitalen Gruppenarbeit behandelt sowie zum anderen Möglichkeiten zur praktischen Auseinandersetzung gegeben. Die Online-Schulung besteht aus fünf Modulen, die inhaltlich aufeinander aufbauen.
Modul 1: Überblick E-Learning und Gruppenarbeit
Modul 2: Etherpad, Forum und Wiki nutzen
Modul 3: Gruppenarbeitsmethoden
Modul 4: Materialien für die Gruppenarbeit finden (OER)
Modul 5: Gruppenarbeiten planen
Jeder Teil besteht aus einem Lernmodul in ILIAS sowie einer Aufgabe zur Stärkung der vermittelten Kompetenzen. Die Schulung „Gruppenarbeiten in ILIAS“ findet komplett online statt, sodass die Lehrenden der HSPV NRW zeitlich und örtlich flexibel daran teilnehmen können. Um das Fortbildungsangebot wahrzunehmen, sind nur ein Internetzugang, ein internetfähiges Endgerät und ein Headset notwendig. Das Schulungsangebot besteht aus einem Grundlagen- und einem Vertiefungsteil. In den Modulen 1 bis 3 werden die Grundlagen digitaler Gruppenarbeit und von E-Learning behandelt. In den Modulen 4 und 5 kann das theoretisch gelernte Wissen praktisch umgesetzt werden. Die Lehrenden können sowohl nur am Grundlagenteil teilnehmen oder aber auch beide Teile des Fortbildungsangebots nutzen. Die Online-Fortbildung findet hierbei in Gruppen von nicht mehr als 30 Teilnehmenden statt, da die jeweilige aktivierende Aufgabe die Interaktion und Zusammenarbeit der Teilnehmenden umfasst. Hierbei findet eine Begleitung durch die Fortbildungsleitung statt, die bei Rückfragen und inhaltlichen Diskussionen zu Themenbereichen unterstützt.
2.2. Inhalte
Im ersten Modul erhalten die Lehrenden einen Überblick über die beiden Themenbereiche E-Learning und Gruppenarbeit. Hierbei geht es zunächst darum, für die Veränderungen des Lernprozesses durch die Digitalisierung zu sensibilisieren und die daraus resultierenden Folgen für die Lehre darzustellen. Die Kursteilnehmenden lernen die einzelnen E-Learning-Formen sowie konkrete Einsatzszenarien kennen. Neben den Vorteilen liegt der Fokus auch auf den potentiellen Nachteilen, bei denen mögliche Phänomene von Motivationsverlusten in kollaborativen Phasen als Ansatzpunkte für die weiteren Module herangezogen werden.
Das zweite Modul Forum, Etherpad und Wiki nutzen vermittelt konkretes Wissen zu diesen ILIAS-Funktionen. Hierbei steht zunächst im Fokus, dass die Lehrenden die einzelnen ILIAS-Funktionen und damit ihre Möglichkeiten im Einsatz bei digitalen Gruppenarbeiten genauer kennenlernen. Es werden jedoch keine Anleitungen zu der technischen Bedienung der ILIAS-Tools, sondern die didaktischen Einsatzszenarien, die sich mit ihnen realisieren lassen, vermittelt. Inhaltlich ist das Lernmodul in drei Teile, Etherpad, Forum und Wiki, aufgeteilt. Dabei setzt sich jeder Teil aus einer Vorstellung der ILIAS-Funktion und anschließend den damit verbundenen Einsatzmöglichkeiten für die Lehre zusammen. So beginnt der erste Teil Etherpad zunächst mit einer Vorstellung, worum es sich dabei genau handelt (folgender Screenshot zeigt diese Folie im Lernmodul).

Abb: Screenshot Lernmodul
Daraufhin werden didaktische Einsatzszenarien für die ILIAS-Funktion Etherpad, wie beispielsweise das Brainstorming, dargestellt. Im Weiteren wird die Notwendigkeit von Kommunikationsregeln auch in der digitalen Zusammenarbeit herausgestellt. Zudem erhalten die Lehrenden Tipps und Tricks zum praktischen Einsatz von Etherpad, Forum und Wiki in ihrer Lehre. Die Lehrenden können so eigene Anwendungsideen für ihre eigene Lehre entwickeln.
Gruppenarbeitsmethoden und die Vorbereitung der Durchführung sind der Schwerpunkt des dritten Moduls. Zunächst erhalten die Lehrenden einen Überblick über die verschiedenen Methoden zur Gruppenaufteilung und lernen auch deren digitale Umsetzungsmöglichkeit in ILIAS kennen. Anschließend werden exemplarisch typische Herausforderungen von Kollaboration und praktische Handlungsmöglichkeiten als Reaktion auf diese dargestellt. Für jede ILIAS-Funktion erfolgt die Darstellung einer hierfür geeigneten digitalen Gruppenarbeitsmethode mit den einzelnen Schritten in Form eines Kollaborationsskripts.
Das vierte Modul konzentriert sich auf das Thema „Materialien für die digitale Gruppenarbeit finden“. Die Auswahl und die damit verbundene Suche nach geeignetem Lehrmaterial stellen einen wesentlichen Teil der Vorbereitung einer Gruppenarbeit dar. Optimal gestaltetes bzw. ausgewähltes Lehrmaterial kann zu einer gesteigerten Lernleistung und Motivation bei den Studierenden führen. Die jeweiligen Materialien sind nach didaktischen Prinzipien auszuwählen, um den Lernerfolg maximal zu unterstützen. Gleichzeitig sind jedoch auch urheberrechtliche Aspekte bei der Nutzung von Arbeitsmaterialien zu berücksichtigen. Aufgrund dessen erhalten die Lehrenden in diesem Lernmodul kompaktes Wissen über Alternativen zu urheberrechtlich geschützten Materialien. Eine Variante sind sogenannte Open Eduactional Resources (OER), also freie Lehrmaterialien. Unter OER versteht man „frei verfügbare Lehrmaterialien, die alle Teilnehmenden nutzen, nachbearbeiten, neu zusammensetzen und weiterverarbeiten können“ (Hochschulrektorenkonferenz, 2016, S. 2). Die Idee der offenen Lehrmaterialien entstand als Reaktion auf die Einschränkungen des Urheberrechtsgesetzes. Im Zuge der Digitalisierung ist es möglich, online auf eine Vielzahl an Materialien zugreifen. Diese können jedoch ohne Erlaubnis des Autors/der Autorin nicht verändert oder an Studierende weitergeben werden. Freie Lehrmaterialien bieten eine Lösung für diese Einschränkungen. OER bedeutet, dass Lehr- und Lernmaterialien je nach Lizenz frei sowie kostenlos verwendet, verändert sowie auf ILIAS bereitgestellt werden können. Bei OER kann es sich nicht nur um frei nutzbare Lehrbücher, sondern auch um Präsentationen, Arbeitsblätter oder Podcasts handeln. Zudem gibt es auch verschiedene Videos und Bilder, die frei für die Lehre nutzbar sind.
Die Teilnehmenden identifizieren und prüfen in der Online-Schulung verschiedene freie Bildungsmaterialien, indem sie an unterschiedlichen Beispielen den Umgang mit diesen ausprobieren. In der aktivierenden Aufgabe sollen die Teilnehmenden direkt für ihre Lehre mit den vorgestellten OER-Recherchemöglichkeiten passende Materialien auswählen und je nach Lizenz das Einsatzszenario präsentieren. Erläutert wird den Lehrenden hier die CC-Suche. Die Suchmaschine der gemeinnützigen Organisation Creative Commons durchsucht verschiedene Datenbanken nach einem Suchbegriff. Hierbei kann man nicht nur nach dem Suchbegriff, sondern auch nach Lizenzen und zu durchsuchenden Datenbanken filtern. Mit dieser Suchmaschine besteht also Zugriff auf eine Vielzahl an interessanten und hilfreichen OER. Die Teilnehmenden beurteilen somit verschiedene freie Bildungsmaterialien, indem sie diese exemplarisch auf praktische Lehrsituationen anwenden, um für die eigene Lehrveranstaltung passende und lernförderliche Materialien aussuchen zu können.
Das fünfte Modul der Online-Schulung bietet einerseits die Möglichkeit zur Vertiefung der zuvor behandelten Themen sowie andererseits zur praktischen Anwendung des Wissens. Die Teilnehmenden erhalten im Lernmodul einen tieferen theoretischen Überblick zur Planung, Organisation und Durchführung einer Gruppenarbeit sowie zu deren Umsetzung in ILIAS. In einem eigenen Konzept soll dann eine digitale Gruppenarbeit geplant, in ILIAS umgesetzt und anschließend reflektiert werden.
2.3. Didaktik
Die Online-Fortbildung setzt sich aus den Elementen Lernmodul, Lernvideos, aktivierende Aufgabe und Peer-Feedback zusammen. Der Einsatz sowie die Begründung dieser wird im Weiteren erläutert.
2.3.1. Lernmodul
Jeder Teil des Fortbildungsangebots umfasst ein Lernmodul in ILIAS sowie eine aktivierende Aufgabe.
Anhand eines Lernmoduls eignen sich die Lehrenden das Wissen über E-Learning-Formen sowie Einsatzmöglichkeiten von Gruppenarbeit an. Das Lernmodul wurde mit der Software Articulate 360 erstellt und entspricht durch die Gliederung einer Art digitalem und interaktivem Lehrbuch. Die fünf Lernmodule bestehen aus folgenden Inhalten Folien mit Audio, interaktive Elemente, Testfragen, externe Links und Lehrvideos. Anhand der Audio- und Videoinhalte können die Lehrenden die Themen erarbeiten und erhalten mit den interaktiven Testfragen die Möglichkeit der Wissenssicherung. Zudem steht während des einmonatigen Bearbeitungszeitraums für ein Modul ein Forum zur Verfügung, in dem etwaige Rückfragen gestellt werden können.
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