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Dr. Marianne Teitelbaum

AYURVEDA für die SCHILDDRÜSE

Natürlich, sanft und effektiv Hashimoto,Hyperthyreose und Hypothyreose heilen


Impressum

Dr. Marianne Teitelbaum

Ayurveda für die Schilddrüse

Natürlich, sanft und effektiv Hashimoto,

Hyperthyreose und Hypothyreose heilen

1. deutsche Auflage 2021

ISBN 978-3-96257-231-0

© Narayana Verlag 2021

Titel der Originalausgabe:

Healing the thyroid with ayurveda: natural treatments for Hashimoto’s,

hypothyroidism, and hyperthyroidism

Copyright © 2019 by Marianne Teitelbaum

Published by Arrangement with INNER TRADITIONS INTERNATIONAL LTD., ROCHESTER, VT, 05767 USA

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover

Übersetzung aus dem Englischen: Samira Goth

Coverlayout: Narayana Verlag

Abbildungen: Cover: shutterstock # 250224313© Panda Vector #1282068544©nadianb Inhalt: shutterstock # 39319753©Elena Elisseeva #309278966©id-art

Herausgeber:

Unimedica im Narayana Verlag GmbH, Blumenplatz 2, 79400 Kandern

Tel.: +49 7626 974 970-0

E-Mail: info@unimedica.de

www.unimedica.de

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Die Empfehlungen dieses Buches wurden von Autor und Verlag nach bestem Wissen erarbeitet und überprüft. Dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.


Ich widme dieses Buch meinem Mentor und Freund Vaidya Rama Kant Mishra, der unzählige Stunden damit verbrachte, sein göttliches und heiliges Wissen mit mir zu teilen, das mein Leben und auch das Leben meiner Patienten jeden Tag durchdringt und bereichert. Möge das Werk dieses vedischen Meisters, der Ayurveda in seiner reinsten Form verkörperte, noch viele Jahrhunderte ein Echo finden.

Inhalt

Vorwort

von Dr. Anjali Grover

Danksagung

Zum Geleit

EINFÜHRUNG Traditionelle Heilkunst für ein neues Zeitalter

1 Was ist Ayurveda?

2 Die Schilddrüse und das Hormonsystem

3 Die Grundursachen für Fehlfunktionen der Schilddrüse

4 Wechselwirkungen zwischen Schilddrüse und Nebennieren

5 Hashimoto-Thyreoiditis: Autoimmunerkrankung der Schilddrüse

6 Gallenblasenfunktion und die Schilddrüse

7 Ayurvedische Behandlungen für spezielle, durch Schilddrüsenstörung hervorgerufene Leiden

8 Ernährung und Alltag für eine gesunde Schilddrüse

SCHLUSSBEMERKUNG Visionäre Medizin


Bezugsquellen

Literatur

Über die Autorin

Index

Vorwort

Es ist mein Glück und eine große Ehre, einen Menschen wie Dr. Marianne Teitelbaum zu kennen und mit ihr zu arbeiten. Sie ist ein heller Stern, der Licht in die Dunkelheit der Krankheit bringt und Heilung und Gesundheit ihre wahre Bedeutung verleiht.

Als praktizierende Endokrinologin habe ich festgestellt, dass mindestens 50 Prozent meiner Patienten an einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung leiden. Wenn man sich die Bedeutung des Schilddrüsenhormons vor Augen führt, das für die richtige Funktion von praktisch allen Organen unerlässlich ist, kann eine Schilddrüsenerkrankung – wenn sie nicht angemessen behandelt wird – die Lebensqualität eines Menschen drastisch beeinträchtigen. Ich habe häufig erlebt, wie frustriert meine Patienten über die Unstimmigkeit zwischen ihren Symptomen und der Tatsache sind, dass man ihnen sagt, ihr Blutbild sei „normal“. Was sie noch mehr frustriert, ist die Verschreibung von Schilddrüsenmedikamenten für den Rest ihres Lebens, denn sie merken im Laufe der Zeit, dass diese ihnen nicht wirklich helfen. Wir alle werden mit der intuitiven Fähigkeit geboren, zu erkennen, wenn wir nicht im Gleichgewicht sind. Patienten geben sich nicht damit zufrieden, dass die Werte in ihrem Blutbild normal aussehen. Sie wollen sich normal fühlen. Sie wollen sich gesund fühlen. Sie wollen das harmonische Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele fühlen.

Als Ärztin besitze ich die Grundlage einer soliden medizinischen Ausbildung, doch ich will die Patienten nicht nur behandeln, sondern sie auch hören. In den letzten Jahren habe ich verstärkt nach etwas gesucht, das tiefer geht, ganzheitlicher ist, etwas, das nicht nur die Symptome überdeckt oder behandelt, sondern zum Keim des Problems vordringt. Ich bin über einen Vortrag von Dr. Teitelbaum gestolpert, den sie 2014 gehalten hatte. Da ich Meditation und Yoga praktiziere, fand ich es faszinierend, dass sie die gesunden Bakterien, die in unserem Verdauungstrakt leben, als Yoginis bezeichnete und als Teil des Gehirns unseres Immunsystems einstufte. Sie verknüpfte geschickt die Zusammenhänge zwischen traditioneller Physiologie und der Weisheit des Ayurveda, und es machte alles Sinn. Ich fühlte mich, als hätte ich die andere Hälfte des Puzzleteils gefunden. Ich wusste, dass ich sie treffen und von ihr lernen musste und genau das geschah. Tatsächlich kam ich als Patientin zu ihr.

Eines der größten Geschenke im Leben ist eine gute, ausgewogene Gesundheit – und ich glaube, dass wir das allzu oft für selbstverständlich halten. Ich betrachte den Körper gern als einen heiligen Schrein, in dem unsere vielen Organe und Drüsen gut aufgehoben sind, und als ein eigenes Universum. Es ist schon beeindruckend, wie Billionen von Zellen in unserem Körper unermüdlich und harmonisch zusammenarbeiten, selbst wenn wir schlafen, ohne dass wir irgendetwas dazu beitragen, dass dies geschieht. Unser physischer Körper ist ein Werkzeug, ein Instrument, mit dem wir die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren. In seinem ursprünglichen Zustand guter Gesundheit funktioniert der Körper nicht nur richtig, sondern er besitzt auch die angeborene Fähigkeit zu heilen. Doch wir leben in einer Zeit, in der wir unseren Körper zum Limit treiben. Wir scheinen mehr zu tun zu haben als je zuvor, essen schnell und zur falschen Zeit, schlafen nicht genug und zur falschen Zeit, essen praktische, aber hochgradig verarbeitete Nahrung und haben einen sitzenden Lebensstil.

Diese Faktoren tragen zusammengenommen zu einem Teufelskreis der Krankheit bei, in dem der Körper seine angeborene Fähigkeit verliert, im Gleichgewicht zu bleiben. Das Ergebnis ist, dass wir uns mitten in einer ernsten Gesundheitskrise befinden. Chronische Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen und Adipositas nehmen in epidemischem Ausmaß zu und beginnen in immer jüngerem Alter. Die Häufigkeit der autoimmunen Schilddrüsenerkrankung, einer weniger bekannten, aber ebenso folgenschweren Erkrankung, ist ebenso im Steigen begriffen. Es gibt viele Theorien darüber, wieso dies so ist, und wir müssen erst noch herausfinden, welche davon sich als plausibel erweist. Es ist jedoch offensichtlich, dass sich die Patienten trotz des wachsenden Angebots an synthetischen und natürlichen Schilddrüsenhormonpräparaten und Medikamenten nicht unbedingt besser fühlen, obgleich sich ihr Blutbild verbessert zu haben scheint.

Das Ayurveda ist ein Medizinsystem, das mehrere tausend Jahre alt ist und seinen Ursprung in Indien hat. Ayur bedeutet „Leben“ und Veda heißt „Wissenschaft“; mit anderen Worten: Ayurveda ist die Wissenschaft des Lebens. Laut Ayurveda sind Balance und Gesundheit unser natürlicher Zustand und ein Symptom oder eine Krankheit sind die Manifestation einer Abweichung von diesem natürlichen Zustand. Das Schöne an dieser Perspektive ist, dass sie es uns erlaubt, einen Zustand des Ungleichgewichts zu erkennen – also die Wurzel der Krankheit –, bevor er so ernst wird, dass er in unserem Blutbild erkennbar wird. Ayurveda erkennt also den ursprünglichen Balancezustand des Körpers als primäre Verteidigung gegen Krankheit an.

Als ich Dr. Teitelbaum als Patientin aufsuchte, unterhielt sie sich eine Weile mit mir, erkundigte sich nach meiner psychischen und physischen Gesundheit und ging dann in eine heilende, tiefe Stille, als sie meinen Puls analysierte. Durch diese eine energetische und sinnlich wahrgenommene Diagnosetechnik war sie imstande, die Geschichte meiner Körperinnenwelt mit äußerster Genauigkeit wiederzugeben. Dies ging weit darüber hinaus, was das herkömmliche Blutbild angedeutet hatte.

Aus der Perspektive der Schilddrüse behandelt die allopathische Medizin die Symptome der Disbalance. Das Ayurveda konzentriert sich auf die Wurzel – also, warum kam es zu diesem Ungleichgewicht? Durch jahrelange Erfahrung und ihr eigenes Verständnis für den Körper und die ayurvedischen Prinzipien hat Dr. Teitelbaum erfolgreich viele Patienten mit Schilddrüsenproblemen behandelt. Ich habe allerlei meiner eigenen Patienten zu ihr geschickt. Ein Großteil hat über Jahrzehnte gelitten, in denen ihre Schilddrüsenerkrankung nur an der Oberfläche behandelt wurde. Indem sie diese Patienten von Grund auf geheilt hat – weil sie sich auf die Grundursache konzentrierte –, konnte Dr. Teitelbaum die Schilddrüse systematisch und erfolgreich wieder gesund machen.

Liebe Leserinnen und Leser, ich habe daher nur einen Wunsch: Die Schilddrüsenkrankheit kann verheerende und zermürbende Auswirkungen auf unseren Alltag und unsere Lebensqualität haben. Mögen Sie, wenn Sie dieses Buch lesen und Dr. Teitelbaums Fachkompetenz kennenlernen, die Schilddrüse wieder ins Gleichgewicht bringen und dabei eine Reise der Transformation, Befreiung und Heilung erleben.

Ich danke Dr. Teitelbaum aufrichtig für ihr enormes Engagement, ihre Bescheidenheit und ihre Weisheit. Es ist ihre Berufung, zu dienen und zu heilen. In einer Welt, in der Pharmazeutika allgegenwärtig sind, hat sie inspirierenden Mut bewiesen, die uralte Wissenschaft des Ayurveda zum Leben zu erwecken und ihren wahren Wert zu erkennen. Sie ist eine echte Pionierin, die das Heilen wieder zurück zu seinen Wurzeln bringt und uns wieder zu Harmonie und Gesundheit verhilft. Dafür sollten wir alle dankbar sein.

NAMASTE UND OM SHANTI, DR.

ANJALI GROVER

Die Endokrinologin Dr. Anjali Grover hat sich auf die Behandlung von Diabetes, Schilddrüsenstörungen und anderen hormonellen Störungen und Defiziten spezialisiert. Sie hat einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften vom Barnard College/Columbia University und studierte anschließend Medizin am Stony Brook University Medical Center. Dr. Grover absolvierte ihre Assistenz in Innerer Medizin beim NYU Langone Medical Center und ihre Facharztausbildung am Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School. Sie arbeitete mehrere Jahre als klinische Endokrinologin am NYU Medical Center und ist aktuell bei der Hackensack Meridian Health Mountainside Medical Group tätig. Sie baut gern ein persönliches Verhältnis zu ihren Patienten auf und bemüht sich, Meditationspraktiken in Gesundheit und Heilung zu integrieren.

Danksagung

Es war äußerst bereichernd, dieses Buch zu schreiben. Es hat meine Liebe für Ayurveda und für alle Menschen gestärkt, die meinem Leben einen Sinn gegeben haben – angefangen bei meinen liebevollen und fürsorglichen Eltern, die immer alles unterstützt haben, was ich tun wollte. Ich wünschte von ganzem Herzen, sie könnten jetzt hier sein, um die Veröffentlichung meines Buchs mit mir zu feiern.

Meine Kinder Eric und Carly sind die Freude meines Lebens – und zuverlässige Berater, wenn mich die Technik im Stich lässt oder ich an ihr scheitere. Meine Ehemann Larry ist nicht nur mein bester Freund, sondern auch ein kluger Leser, der seine jahrelange Erfahrung als Lektor dazu genutzt hat, mein Manuskript zu verfeinern.

Natürlich schulde ich auch vielen anderen Dank für die Inspiration und Erstellung dieses Buchs. Ich möchte meinen Kollegen und Patienten danken, die mich dazu angehalten haben, mein Wissen in einem Buch zu teilen. Ich danke meinen Assistentinnen Ann Keys und Barb Haslam, die unermüdlich und seit vielen Jahren die Telefonanrufe beantwortet, einen Karton Kräuter nach dem anderen ausgepackt und meine Praxis im Allgemeinen ohne Probleme am Laufen gehalten haben. Ich möchte mich auch bei meiner Agentin Anne Marie O’Farrell bedanken, die mich fachkundig durch den Publikationsprozess geleitet hat, der für mich ein großes Rätsel war, und bei meinem Verlag, Inner Traditions. Dies ist mein erstes Buch und es hätte gar nicht besser laufen können mit der Zusammenarbeit, die von Professionalität und Höflichkeit geprägt war.

Ich hoffe von Herzen, dass dieses Buch sich für die Leser als lehrreich erweisen wird, wenn sie ihren Weg zurück zu strahlender und dauerhafter Gesundheit fortsetzen.

Zum Geleit

In den frühen 1960er-Jahren, einer Zeit großer Unruhe, verfasste der Physiker und Philosoph Thomas Kuhn ein einflussreiches Buch namens Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Das Buch löste in der wissenschaftlichen Gemeinde hohe Wellen und Widerstände aus. Kuhn argumentiert darin, dass Fortschritt nicht immer in einer geraden Linie verläuft, sondern eher periodischen Paradigmenwechseln unterliegt, die die etablierten Meinungen in Frage stellen. Wir befinden uns aktuell in so einer Zeit.

Es ist eine Zeit überraschender Wendungen. In den Jahren seit Kuhns Buch sind vielen Patienten die Lücken und Probleme der modernen Medizin bewusst geworden. Wenn die dritthäufigste Todesursache in den Vereinigten Staaten ein Krankenhausaufenthalt ist, wäre es wohl an der Zeit für eine Gewissensprüfung – und eine gemeinsame Anstrengung, die Einweisung in ein Krankenhaus zu vermeiden! Verwestlichte „Schnellspur“-Versionen ganzheitlicher Medizin kamen mit neuen und verbesserten Modellen, die auf angeblich „natürlichen“ Behandlungen beruhten. Diese griffen jedoch häufig zu kurz und boten eine Kopie der modernen Medizin, indem sie pharmazeutische Arzneimittel oft durch synthetische Vitamine und Mineralien ersetzten und manchmal den Fokus auf die Behandlung von Symptomen gerichtet hielten. Tatsächlich ist die Zeit reif für eine Neubewertung der alten Modelle.

Und hier kommt „das neue Ayurveda“.

Ironischerweise hat sich herausgestellt, dass das neue Paradigma, das Kuhn propagierte, heute mit der alten Praxis der indischen Kräutermedizin übereinstimmt. Das neue Ayurveda stützt sich auf ewige Prinzipien zur Behandlung der Grundursache(n) von Krankheiten. Sie berücksichtigt unsere modernen Beschwerden, entwickelt eine Reihe neuer Protokolle und hält das Versprechen einer personalisierten Medizin, von der wir so viel gehört haben.

Werfen wir einen Blick auf die Tücken der modernen und angeblich ganzheitlichen Medizin aus der Perspektive von zwei meiner Patientinnen.

Die Zwillinge Elizabeth und Megan wurden vor 13 Jahren geboren und von zwei liebevollen Eltern glücklich in die Welt gebracht. Ihre Eltern befolgten alle Ratschläge des Kinderarztes, damit ihre hübschen Mädchen gesund aufwuchsen. Doch nach einer Reihe von Schutzimpfungen im Alter von zwei Jahren stellten die Eltern zu ihrem Entsetzen fest, dass den Mädchen das Haar büschelweise ausfiel. Zuerst ignorierten sie es in der Hoffnung, dass es bald von selbst aufhören würde, doch im Laufe der nächsten Wochen verloren die Mädchen schließlich ihr ganzes Haar, auch ihre Augenbrauen und Körperbehaarung.

Verzweifelt gingen die Eltern mit den Zwillingen zu ihrem Kinderarzt, der sie nach seiner Untersuchung in die Kinderklinik überwies. Die Ärzte dort stellten fest, dass die Mädchen die Schilddrüsenunterfunktion ihrer Mutter geerbt hatten, was den Haarausfall erklärte. Den Mädchen wurde sofort ein Schilddrüsenhormon verabreicht und dann begann eine schmerzhafte Behandlung mit Steroidinjektionen in die Kopfhaut, was dafür gesorgt hat, dass sie seitdem Angst vor Ärzten haben und, was schlimmer ist, haarlos blieben. Die Ärzte ermutigten die Eltern dazu, ihre Kinder zu einer Selbsthilfegruppe zu bringen, die sich einmal im Jahr in verschiedenen Teilen des Landes traf, damit die Mädchen in dem Bewusstsein aufwachsen, dass es noch andere gibt, die ein ähnliches Schicksal erdulden müssen. Bei einem dieser Treffen hörten sie von einem bekannten Heilpraktiker, der ein umfangreiches Blutbild durchführte und natürlich eine Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln für Schilddrüsenpatienten verschrieb, u. a. Multivitamine, Mineralien, L-Glutamin, Glutathion, Kurkuma, Vitamin D, Coenzyme, Alpha-Liponsäure, Ashwagandha und Vitamin-B-Komplex. Sie vereinbarten einen Termin bei dem Heilpraktiker und nach der ersten Sprechstunde wurde entschieden, dass die Mädchen weiterhin ihr Schilddrüsenhormon nehmen sollten, während sie das neue Programm an Nahrungsergänzungsmitteln befolgten. Zuerst war die Familie begeistert und hoffnungsvoll, doch im Laufe der nächsten zwei Jahre wurden sie enttäuscht und desillusioniert, weil sich nichts änderte und den Mädchen von der Einnahme dieser Flut von Pillen schlecht war. Dann fand die Familie den Weg in meine ayurvedische Praxis.

Da ich viele Tausend Schilddrüsenfälle behandelt habe, wusste ich, dass ihre Ärzte den falschen Ansatz verfolgt hatten, indem sie sich einzig und allein auf die Funktionsschwäche der Schilddrüse konzentriert und nichts getan hatten, um den Angriff des Immunsystems auf die Drüse zu korrigieren. Ich wusste auch, dass das Schilddrüsenhormon, das man den Mädchen verschrieben hatte, mehr Schaden als Nutzen brachte – durch die Gabe des Hormons hatte man unwissentlich die Notwendigkeit zur Eigenproduktion des Hormons im Körper der Mädchen unterbunden.

Der Naturheilkundler hatte zumindest versucht, ihr Immunsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sein Fehler aber war die Verschreibung einiger synthetischer Nahrungsergänzungsmittel, die, wie Pharmazeutika, unterschiedliche Nebenwirkungen auslösen können. Das andere Problem mit dem von ihm verschriebenen Protokoll war die Tatsache, dass es zu viele oral einzunehmende Tabletten umfasste. Die Leber war ihrer Aufmerksamkeit komplett entgangen, denn sie musste ja all diese Mittel verarbeiten, die ihre Funktion störten und somit noch eine stärkere Autoimmunreaktion auslöste (mehr dazu später).

Da die Behandlung mit pharmazeutischen Arzneimitteln nicht Teil meiner Praxis ist, erklärte ich den Eltern, dass Sie entscheiden sollten, ob sie die Dosierung des Schilddrüsenhormons für die Mädchen reduzieren wollten, sobald sie mit dem ayurvedischen Protokoll begannen, das ich für sie zusammengestellt hatte. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate wurde die Dosierung immer weiter gesenkt und schließlich ganz aufgegeben. Denn nun verlagerten wir das Hauptaugenmerk auf die Ursachen, wieso ihr Immunsystem bis zu so einem Grad gestresst war, dass es tatsächlich ihre Schilddrüse angriff und dadurch den Haarausfall verursachte.

Unser Ansatz bestand darin, echte Naturheilmittel einzusetzen, die aus Kräutern, Nahrungsmitteln und Gewürzen bestehen. So sollte das Immunsystem wieder auf Vordermann gebracht werden, damit es aufhört, ständig die Schilddrüse zu attackieren. Dann erhielt die Drüse Unterstützung, um sich selbst zu heilen, ohne sich auf das Hormon zu verlassen. Außerdem wurden alle Anstrengungen unternommen, um orale Medikationen auf ein Minimum zu beschränken. Es wurden andere Verabreichungswege für die Kräuter gewählt (über transdermale Applikation, homöopathische Verdünnungen der Kräuter in Wasser, die über den ganzen Tag verteilt getrunken wurden, sowie stark verdünnte Tees), um die Leberbelastung so gering wie möglich zu halten.

Langsam aber sicher begannen kleine Haarbüschel zu sprießen, Monat für Monat, bis beide Mädchen ihr glänzendes, braunes Haar wiederhatten – das sie auch von ihrer Mutter geerbt hatten. Abgesehen davon, dass ihr Immunsystem – gestört durch zu viele Impfungen zur selben Zeit – wieder gesund und ausgeglichen war, verschwanden auch ihre Empfindlichkeiten gegenüber Gluten, Milchprodukten und anderen Lebensmitteln. Außerdem wussten die Eltern, dass die Behandlung all dieser Probleme in jungen Jahren ihre Töchter später einmal davor bewahren würde, andere Autoimmunerkrankungen wie Fibromyalgie und Lupus zu entwickeln.

Ich schreibe dieses Buch für Elizabeth und Megan und die Tausenden von Patienten, die sich in ähnlich misslicher Lage befinden.


Elizabeth bei ihrer Kontrolle nach drei Monaten


Elizabeth bei ihrer Kontrolle nach sechs Monaten


Elizabeth bei ihrer Kontrolle nach 1 Jahr

Wir wissen, dass die Menschen weltweit an einer Epidemie schlechter Gesundheit leiden, die sie verzweifeln lässt und zu den Ärzten treibt. Die Litanei ist vertraut: Krebs, Herzerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Verdauungsstörungen, wobei die letzten beiden oft ein und dasselbe sind. Wie können wir in den technologisch fortschrittlichsten Ländern der Erde nur so krank sein, wo es doch modernste Diagnosegeräte, Wundermedikamente und angesehene medizinische Einrichtungen gibt? Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die allopathische und die ganzheitliche Medizin einen Paradigmenwechsel brauchen, wie er von Kuhn vorgeschlagen wurde, sei es bei der Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen oder bei den verschiedensten anderen Krankheiten.

Die allopathischen Ärzte sind dafür ausgebildet, Krankheiten zu erkennen und mit einer Reihe von nebenwirkungsbehafteten Pharmazeutika zu behandeln, die nur auf Symptome ausgerichtet sind und die Ökologie unseres Körpers durcheinanderbringen. Sie verfügen, ohne ihr eigenes Verschulden, über keine Methode, um bestehende Missverhältnisse frühzeitig zu erkennen, wenn sie viel leichter zu bewältigen sind, noch ehe die Krankheit einsetzt.

Die ganzheitliche Medizin steckt in den Kinderschuhen und wie bei jeder neuen Disziplin wird auch hier viel experimentiert. Es lässt sich nicht vermeiden und ist verständlich, dass Fehler gemacht werden. Die Heilpraktiker sind mit ihrem Einsatz natürlicher Alternativen statt chemischer Medikamente auf dem richtigen Weg. Doch darin liegt auch das Problem: Neben der Verwendung unterschiedlicher Kräuter und Lebensmittel zur Heilung verordnen viele auch zahlreiche synthetische Vitamine, Mineralien, Aminosäuren usw. Bei näherem Hinsehen sind viele dieser so genannten natürlichen Produkte, die häufig unter dem Oberbegriff Nahrungsergänzungsmittel geführt werden, fast ebenso problematisch wie Medikamente, da auch sie im Labor hergestellt werden und nichts mit der Natur gemein haben. Sie haben eine Wirkung wie pharmazeutische Medikamente, doch zu welchem Preis? Diese Heilmittel verringern vielleicht manche Symptome, doch allzu oft werden Patienten von der Einnahme dieser menschgemachten Version von Vitaminen krank, da sie in viel höheren Dosen eingenommen werden, als sie natürlich im Essen vorkommen. Der Körper erkennt diese synthetischen Ergänzungsmittel als Toxine, daher müssen die Nieren und die Leber Überstunden machen, um den Körper von diesen Chemikalien zu befreien. Wenn wir also eine wahrlich natürliche Alternative zur allopathischen Medizin bieten wollen, dann muss die Behandlung aus Heilmitteln bestehen, die in der Natur wachsen.

Nicht nur das. Wir müssen berücksichtigen, wie stark die Leber von der Einnahme so vieler Ergänzungsmittel belastet wird, selbst wenn manche aus Kräutern bestehen und wirklich natürlich sind. Es ist die Aufgabe der Leber, alles zu verarbeiten, was wir schlucken, daher wollen wir sie nicht mit so vielen Tabletten und Mixturen belasten. „Wie viel kann die Leber aushalten?“ Diesen Satz habe ich immer wieder gehört, wenn Vaidya Mishra und ich Patienten untersuchten, die uns eine lange Liste an Ergänzungsmitteln (synthetische und natürliche) nannten, die sie einnahmen.

Dieses Buch präsentiert Ihnen eine echte alternative Medizin: Ayurveda.

Ayurveda ist ein 5.000 Jahre altes traditionelles System der indischen Kräutermedizin. Lange vor Hippokrates entwickelten die alten indischen Seher ein umfassendes Heilsystem, das sich mit Disbalancen und deren Grundursachen befasste. Dabei war das ideale Ziel, Krankheit möglichst zu verhindern oder, falls dies nicht möglich war, zu heilen.

Ich habe eine Ausbildung als Chiropraktikerin. Vor 30 Jahren begann ich, mich für Ayurveda zu interessieren, als ich beschloss, etwas über Heilkräuter zu lernen, um meinen Patienten helfen zu können, hartnäckige Gesundheitsprobleme zu überwinden. Schon bald entdeckte ich, dass die einheimischen Heilkräuter in den Feldern brachlagen, unentdeckt und den Massen unbekannt. Die Vereinigten Staaten, ein junges Land, hatten nie die Gelegenheit dazu gehabt, ein umfassendes Arzneibuch zu entwickeln. Daher gab es nur wenige Experten für Heilkräuter, bei denen man lernen konnte.

Ich studierte bei mehreren Ernährungsfachleuten im ganzen Land und lernte, wie man Nahrungsergänzungsmittel benutzt, führte in den Anfangsjahren meiner Praxis Versuche mit dieser Herangehensweise durch und erlebte zusammen mit meinen Patienten enorme Rückschläge. Entschlossener denn je wandte ich mich dem Ayurveda zu, von dem ich durch meine Beschäftigung mit Meditation und östlicher Kultur gehört hatte. Dank dieses Verfahrens erlebte ich einen Schimmer von Erfolg – meine Patienten erholten sich langsam. Doch der Schlüsselmoment kam 1999. In diesem Jahr wurde ich Vaidya Rama Kant Mishra vorgestellt und begann, bei ihm zu studieren. Er war aus Indien in die USA gekommen, um ayurvedische Rezepturen für das führende Unternehmen für ayurvedische Kräuter in den Vereinigten Staaten zu entwickeln.

Dr. Mishra hatte im ayurvedischen Pantheon eine hochrangige Stellung inne, da er von einer Linie von „Raj Vaidyas“ oder ayurvedischen Ärzten abstammte, denen es vorbehalten war, den Adel Indiens zu behandeln. Und nun lehrte er mich! Im Laufe der nächsten 17 Jahre saß Dr. Mishra an meiner Seite, während wir Hunderte von Patienten sahen und brachte mir sorgfältig bei, wie man 500 verschiedene Kräuterrezepturen einsetzt, um alle nur möglichen Krankheiten und Beschwerden zu behandeln.

Doch er hat noch viel mehr getan. Meine Praxis wurde quasi sein Labor. Dr. Mishra erkannte schon bald, dass meine Patienten nicht dazu imstande waren, viele der Kräuter zu verstoffwechseln, die er in Indien verwendet. Sie konnten die in den alten Texten verordneten Reinigungstechniken nicht aushalten und litten an unterschiedlichen modernen Leiden, die in den alten Texten gar nicht vorkommen, wie Fibromyalgie und viele andere. Außerdem kamen viele mit sehr anfälligen Physiologien in die Sprechstunde, was aus der übermäßigen Nutzung von pharmazeutischen Arzneimitteln und der Einnahme industriell verarbeiteter Lebensmittel herrührte. Also adaptierte Dr. Mishra gemeinsam mit mir die traditionelle Praxis und richtete sie neu aus auf das, was wir heute „das neue Ayurveda“ nennen, indem die Weisheit der alten Seher mit moderner Forschung kombiniert wird.

Verglichen mit der traditionellen Praxis beinhaltet „das neue Ayurveda“ einige entscheidende Innovationen von Dr. Mishra:

Seine Heilmittel erfordern nur ein oder zwei Messerspitzen Kräuter in etwa einem Liter gekochten Wasser statt einen Teelöffel pro Tasse gekochtem Wasser wie sonst üblich. Alles, was wir schlucken, geht durch die Leber; doch die „westliche“ Leber ist tendenziell schon durch Exzesse aus Pharmazeutika, Nahrungsergänzungsmitteln und industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln so überfordert, dass sie die normalen Dosen der Kräuter in vielen Fällen nicht erträgt.

Er führte die Anwendung transdermaler Kräutercremes ein, wobei die Kräuter von der Haut direkt ins Blut gelangen und so die Leber umgehen, die so ihre dringend benötigte Pause erhält.

Dr. Mishra hat außerdem ein spezielles Verfahren entwickelt, bei dem die Pranaenergie der Heilpflanze extrahiert wird. Das grobe, physische Kraut wird ausgefiltert und nur die Schwingung oder Intelligenz des Heilkrauts durchdringt einen Biosirup aus gelber Zucchini. Da die daraus entstandenen Nektar-Glycerid-Tropfen keines der physikalischen Moleküle des Krauts enthalten, muss die heiße, reaktive Leber auch kein rohes Kraut angreifen und oxidieren. Doch gleichzeitig profitieren das Zellsystem, die Organe und Drüsen von den gleichen Vorteilen, als wäre das physische Kraut vorhanden. Man sollte nicht vergessen, dass die Pranaenergie für die Wirkungen auf den Körper verantwortlich ist. Durch Einbeziehung dieses genialen Verabreichungssystems können zahlreiche Kräuter also in Form von Tropfen in einem Liter Wasser verabreicht werden, das langsam über den Tag verteilt getrunken wird. So lässt sich die extreme Belastung der Leber vermeiden, die durch das Schlucken von Kräutern, Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren, Enzymen, pharmazeutischen Arzneimitteln usw. entstanden ist.

Die tägliche Ölmassage – eine verbreitete ayurvedische Praxis, um Toxine zu beseitigen, die Gelenke zu schmieren und den Alterungsprozess zu verlangsamen – wurde von Dr. Mishra abgeändert. Im „neuen Ayurveda“ wurde das herkömmliche Sesamöl für Menschen mit heller Haut in den kälteren Monaten durch Oliven- oder Mandelöl ersetzt. Uns fiel auf, dass hellhäutigere Patienten das schwerere Sesamöl nicht ertragen konnten, das bei indischen Patienten eingesetzt wird: Die Öle blieben auf der Haut und wurden nicht aufgenommen, wodurch zu viel Hitze am Körper entstand, denn Sesamöl gilt als erhitzendes Öl. Wir empfehlen auch den Einsatz von Kokosöl in den Sommermonaten, unabhängig von der Hautfarbe, denn Kokosöl kann als kühlendes Öl die Auswirkungen der Hitze auf unseren Körper besänftigen, die sich während der Sommermonate ansammelt.

In den alten Texten empfohlene Reinigungstechniken wurden aktualisiert, um sie an die modernen Toxine anzupassen, die die Ärzte von einst nicht vorhersehen konnten: z. B. Pestizide, Pharmazeutika, Nahrungsergänzungsmittel und Luftverschmutzung.

Die alten Ärzte gaben uns die Lehrbücher des Ayurveda, um zukünftige Ärzte zu lehren, wie man die verschiedensten Leiden behandelt. Doch sie erklärten auch, dass sie die Lehrbücher offenlassen würden, damit spätere Ärzte ihren Büchern neue Kapitel hinzufügen könnten, denn sie könnten ja nicht vorhersehen, was in ferner Zukunft noch geschehen würde. Und genau das hat Vaidya Mishra getan, als wir zusammen Patienten behandelten. Die oben genannten Änderungen sind Aktualisierungen, wodurch das Ayurveda in der modernen Zeit relevant und wirksam bleibt.

Nachdem wir die Hürden der frühen Jahre genommen hatten, kamen die Patienten zu Hunderten in unsere Praxis, sie strömten aus aller Welt zu uns und gewannen allmählich ihre Gesundheit wieder. Wir teilten unsere Erkenntnisse verschiedensten ayurvedischen Vereinigungen und Kliniken im ganzen Land mit. Nachdem sich unsere Arbeit herumgesprochen hatte, wuchs unser Ruf. Nach den Vorträgen kamen immer wieder Leute zu mir und baten mich, ein Buch zu schreiben. Daher habe ich mich bemüht, all mein Wissen zusammenzutragen, das ich von meinem Mentor erhalten habe, um es mit Patienten wie Elizabeth und Megan und mit Ärzten zu teilen, die diese Behandlungsprotokolle übernehmen möchten.

Ich konzentriere mich aus gutem Grund auf die Schilddrüse. Ich habe in meiner Praxis im Laufe der letzten 30 Jahre mehr als 90.000 Patienten gesehen, die sich mit jeder möglichen Krankheit vorgestellt haben. Doch mehr als alles andere behandle ich Menschen mit Schilddrüsenbeschwerden. An einem typischen Tag haben zumindest die Hälfte meiner Patienten irgendeine Form von Schilddrüsenstörung. Die Stressfaktoren des modernen Lebens können die Schilddrüse schwächen, was Auswirkungen auf den ganzen Körper hat und zu einer Bandbreite an verwirrenden chronischen Leiden führen kann.

Die alten Gelehrten, die diese Lehrbücher über Ayurveda schrieben, warnten die Ärzte: „Wenn ihr dem Patienten nur Kräuter verabreicht, seid ihr schlechte Ärzte.“ Und dann fügten sie hinzu, dass wenn man Patienten wirksam behandeln will, man die zugrundeliegende sogenannte Hetu diagnostizieren muss, was sich auf die Grundursache oder, wie man es heute nennt, die Ätiologie bezieht. Danach muss man den Patienten die richtige Ernährungsweise, den richtigen Tagesablauf und Reinigungstechniken beibringen, um echte und anhaltende Veränderungen in ihrer Gesundheit zu bewirken.

Es gibt unterschiedliche Gründe dafür, wieso jemand ein Problem mit der Schilddrüse bekommt, und diese Gründe unterscheiden sich je nach Patient. Über die Pulsdiagnose und entsprechende Fragen kann man die Hauptursachen ermitteln, in Angriff nehmen und dann die Schilddrüse unterstützen. Ohne zur Ursache des Problems vorzustoßen, wird eine Behandlung der Schilddrüse nur geringe Ergebnisse zeigen, wenn überhaupt.

Eines habe ich in den letzten 30 Jahren gelernt: In welcher Weise sich eine Krankheit auch immer manifestieren mag, sie ist nur das Symptom eines tieferliegenden Problems, das man angehen muss. Krebs? Ein Symptom – wodurch wurde es verursacht? Gelenkrheumatismus? Ein Symptom – graben Sie tiefer, um die Ätiologie herauszufinden. Hashimoto-Krankheit? Warum versagt das Immunsystem und greift die Schilddrüse an? Beseitigen Sie die Ursache und die Schilddrüse erholt sich.

Wenn die Grundursachen behandelt werden, wird der Patient sehr erfolgreich damit sein, seine Krankheit zu überwinden und wieder eine ausgewogene Gesundheit zurückzuerhalten. Vor allem muss man der Versuchung widerstehen, nur das Augenfällige zu behandeln, denn die Ursache liegt gewöhnlich weit vom Symptom entfernt. Das ist das Credo dieses Buchs. Es ist eine einfache Botschaft, wird aber dennoch oft übersehen, wenn die medizinische Fachwelt sich bemüht, den Patienten dabei zu helfen, ihre Gesundheit zurückzuerlangen.

Ich schreibe dieses Buch in dem sicheren Wissen, dass die uralte Heilkunst des Ayurveda die Medizin der Zukunft ist. In den letzten Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Heilwirksamkeit des Ayurveda anerkannt und zu weiterer Forschung und Studium ermutigt, da sie seinen Aufschwung im Westen festgestellt hat. Die WHO prognostiziert bis 2050 einen Heilkräuter-Marktwert von 5 Billionen US-Dollar. Ein Artikel im Journal of Ayurveda and Integrative Medicine fasste es so zusammen: „Wenn [Ayurveda] sich öffnet, um neu entstehendes Wissen in das etablierte Ayurveda zu integrieren und gleichzeitig den ayurvedischen Grundlagen treu bleibt, wird dies sicherlich eine weitreichende Chance darstellen, die Mehrzahl der Probleme zu behandeln, die durch das Auftreten neuer Krankheiten und gesundheitsbezogener Fragestellungen entstanden sind.“ Das ist eine Herausforderung, die ich gerne annehme.

EINFÜHRUNG
Traditionelle Heilkunst für ein neues Zeitalter

Schilddrüsenprobleme treten so häufig auf wie noch nie. Mehr als 12 Prozent der US-Bevölkerung werden im Laufe ihres Leben ein Problem mit der Schilddrüse haben. Das sind schätzungsweise etwa 20 Millionen US-Amerikaner, die an irgendeiner Form von Schilddrüsenerkrankung leiden. Bis zu 60 Prozent davon wissen aber nichts von ihrer Krankheit. In Deutschland bildet sich bei etwa jedem dritten Erwachsenen im Laufe des Lebens mindestens eine krankhafte Schilddrüsenveränderung aus.

Allein in den Vereinigten Staaten leiden 14 Millionen Menschen an Hashimoto-Thyreoiditis, in Deutschland gehen Schätzungen von 4 bis 8 Millionen Betroffenen aus. Sie ist damit nicht nur die häufigste Form von Thyreoiditis, sondern auch die verbreitetste Autoimmunerkrankung. Die äußerst verletzliche Schilddrüse reagiert sehr empfindlich auf Stressfaktoren: Strahlung, Chemikalien, Infektionen sowie geistigen, emotionalen und körperlichen Stress. Wundert es da noch, dass die Schilddrüsenprobleme explodieren? Die US-Amerikaner wollen gern alles über ihre Gesundheitsprobleme wissen und lesen auf der Suche danach, was ihre Symptome lindern könnte, über jede Krankheit im Internet nach. Doch leider suchen die Menschen Rat in einem Land, in dem es keine echte ganzheitliche Heiltradition gibt.

Ayurveda ist das älteste und am schnellsten wachsende traditionelle Gesundheitssystem weltweit, vor allem in den Vereinigten Staaten, wo wir uns nach natürlichen Heilverfahren sehnen. Unsere modernen allopathischen Ärzte und viele Heilpraktiker täten gut daran zu erkunden, was diese uralten Heiler über Gesundheit zu sagen hatten und es zu übernehmen, um unsere ansonsten unvollständigen Gesundheitssysteme zu ergänzen, zu bereichern und zu erweitern. Und genau das möchte ich mit diesem Buch tun: die aktuellsten Informationen und Forschungen zur Schilddrüsenstörung diskutieren und Ihnen gleichzeitig zeigen, wie Sie diese Probleme mit erprobten Methoden bewältigen können, die vor Tausenden von Jahren äußerst detailliert beschrieben wurden.

Sie lernen zunächst die Grundlagen des Ayurveda kennen, was Ihnen eine Perspektive gibt, wenn Sie danach etwas über die Funktion der Schilddrüse und die zahlreichen Faktoren erfahren, die die normale Schilddrüsentätigkeit steuern. Wir untersuchen dabei zwei gegenteilige Perspektiven zur Entstehung einer Schilddrüsenstörung. Die eine Diskussion, basierend auf uralter ayurvedischer Weisheit, nennt die Schilddrüse nur selten und konzentriert sich stattdessen auf die zugrundeliegenden Einflüsse, die das Schilddrüsenproblem eigentlich auslösen. Die Schilddrüse wird eher als Opfer dieser Grundstörungen gesehen. Der zweite, modernere und vielleicht etwas oberflächliche Erklärungsversuch eines Schilddrüsenleidens besteht darin, das Problem genau so zu sehen: ein Problem mit der Schilddrüse, was die Kräfte ignoriert, die ständig an dieser überlasteten Drüse zerren und sie davon abhalten, normal zu arbeiten.

Formulieren wir es so. Die alten Gelehrten sprachen von Prinzipien in der Natur, die alle Funktionen unseres Körpers lenken. Eine Störung dieser grundlegenden regulierenden Faktoren kann, falls sie nicht frühzeitig behandelt wird, zu einer ausgewachsenen Krankheit werden. Diese Prinzipien erhielten die Namen Vata, Pitta und Kapha.

Vata wird als das Element von Raum und Luft beschrieben, es verkörpert die Qualitäten Schnelligkeit, Leichtigkeit, Trockenheit, Rauheit und Bewegung. Pitta gilt als das Feuerelement, das unser Essen nach der Nahrungsaufnahme umwandelt oder „verbrennt“. Es wird auch als das Element betrachtet, das unsere Gedanken und Emotionen verdaut und transformiert. Kapha, das dritte Element, steht für Erde und Wasser. Dieses schwerere Element befeuchtet den Körper – das Gehirn und das Rückenmark, die Gelenke und den Magen – und es schützt diese Bereiche vor dem brennenden Pitta und den austrocknenden Wirkungen von Vata. Aufgrund seiner öligen Natur sorgt es für eine langsame und regelmäßige Verdauung und freundliche und entspannte Persönlichkeiten. Kapha kann übermäßiges Vata oder Pitta ausgleichen, die Auswirkungen der Schnelligkeit oder Hyperaktivität von Vata beruhigen und die Effekte der Übersäuerung im Körper besänftigen, wenn Pitta außer Kontrolle gerät.

Wenn Sie die Konzepte in diesem Buch lesen und aufnehmen und allmählich verstehen, wie die Schilddrüse funktioniert oder versagt – und in letzterem Fall, was dann zu tun ist –, werden Sie stets zum tieferen Verständnis zurückkehren, das in den alten Texten präsentiert wird. Sie werden immer wieder daran erinnert, dass es zwar ein Problem mit der Schilddrüse gibt, aber das echte und tiefergehende Thema darin besteht, dass die Elemente Vata, Pitta und Kapha aus dem Gleichgewicht geraten konnten und im Körper Unheil anrichten. Bis Sie lernen, diese Disbalancen zu korrigieren, werden Sie immer wieder anfällig für Schilddrüsenprobleme sein und durch sie frustriert werden. Denn sie sind in Wahrheit nur symptomatisch für einen viel größeren Gesamtzusammenhang.

Das Ayurveda hat die Grundlagen für die moderne Medizin gelegt. Die frühen Ärzte formulierten die unterschiedlichen Disziplinen der Medizin und beschrieben die ersten Operationstechniken. Dieses Wissen breitete sich von der vedischen Kultur nach Indonesien aus und durchdrang die Heiltraditionen in Tibet, Sri Lanka, Burma und anderen buddhistischen Ländern, die von der chinesischen Medizin beeinflusst waren. Schließlich borgten die alten Griechen diese Philosophie und benannten Vata, Pitta und Kapha in Luft, Galle und Schleim um. Die medizinischen Schulen des Westens folgten dieser Einteilung und betonten weiterhin, wie wichtig die Balance im Körper ist, bis sie diese Idee aus den Augen verloren. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts begann sich das Gesundheitswesen verstärkt auf die Symptome zu konzentrieren, die durch eine Fehlfunktion dieser drei sogenannten „Temperamente“ entstehen. Dabei wurde der Körper in Systeme aus Organen und Drüsen und die dazugehörigen Krankheitszustände aufgeteilt. Der Fokus verlagerte sich noch stärker, als pharmazeutische Arzneimittel in einem solchen Maße entwickelt wurden, dass sich die moderne Medizin heute ausschließlich auf die Diagnose und Behandlung der Krankheit konzentriert und darauf, welche Pharmazeutika einzunehmen sind, um die Symptome dieser besonderen Krankheit zu unterdrücken.

Dieses Buch ist darauf ausgerichtet, Sie wieder zu den Anfängen der Entstehung der Medizin zurückzubringen – in eine Zeit, als der Körper als Ganzes und nicht als getrennte Einzelteile gesehen wurde. Wir besprechen die einzelnen Schilddrüsenleiden, angefangen von der oft übersehenen subklinischen Hypothyreose bis zur diagnostizierbaren Schilddrüsenunterfunktion und der autoimmunen Hashimoto-Krankheit, den beiden verbreitetsten Schilddrüsenproblemen. Dabei behalten wir stets das tiefere Verständnis dafür im Auge, was diese Probleme überhaupt erst verursacht hat. Sobald wir die verschiedenen Gründe untersucht haben, wieso die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, können wir unsere Gedanken darauf richten, wie man sie beseitigen kann. Dafür reden wir über ayurvedische Ernährungsrichtlinien, den richtigen Tagesablauf, Reinigungspläne und Heilkräuterbehandlungen. Zum Schluss führen wir Kräuterheilmittel für alle Leiden auf, die durch eine schwache Schilddrüse verursacht werden können. Dazu gehören Depression, Gewichtszunahme, Haarausfall, Verstopfung, hohe Cholesterinwerte, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, ein niedriger Progesteronspiegel, schwere und zu häufige Regelblutungen u. v. m.

Der westlichen Welt mangelt es an einem umfassenden Verständnis für traditionelle Heilkunst. Wir haben keine Anleitung von weisen Ahnen erhalten, die uns zeigt, wie man Hunderte von Kräutern zur Heilung einsetzt. Wir haben nie eine feste Vorstellung davon entwickelt, was eine gute Ernährung ausmacht, und stattdessen eine Vorliebe für hochgradig verarbeitete und ernährungsphysiologisch unzureichende Lebensmittel entwickelt. Niemand hat uns darüber informiert, wie wir unsere Körper von Unreinheiten befreien, Missverhältnisse erkennen oder unsere energetischen Verbindungen mit der Welt kultivieren, um physisch, psychisch und seelisch in Harmonie zu bleiben. All diese Fragen werden besprochen, damit Sie ein umfassendes Verständnis darüber gewinnen, wie Sie für sich und Ihre Familie sorgen können.

Wenn es Ihnen wie zahlreichen meiner Patienten geht, tappen Sie in Bezug auf Ihre Gesundheit wahrscheinlich im Dunkeln und stecken im Morast widersprüchlicher Ernährungsberater fest: Der eine empfiehlt Ihnen, nur Fleisch und Gemüse zu essen, ein anderer schlägt Ihnen vor, sich vegan zu ernähren und ein Dritter meint, nur Rohkost oder vielleicht lieber Paleo oder FODMAP-arm oder gluten-, kuhmilch- oder sojafrei seien gesundheitsfördernd. Was kann man überhaupt noch essen? Sie lesen von verschiedenen Reinigungen und finden, dass das hart oder sogar haarsträubend klingt und bekommen das Gefühl, dass das nicht das Richtige für Sie ist – aus gutem Grund! Sie hören ständig von neuen Strömungen und wenn sie wieder verschwinden, fragen Sie sich, warum, wenn sie doch so gut waren?

Die meisten von uns sind von all den widersprüchlichen, heute verfügbaren Ernährungstipps verwirrt oder stehen ihnen skeptisch gegenüber. Gleichzeitig spüren wir, dass es ganz tief drinnen eine einigende Wahrheit geben muss, irgendwelche universellen Prinzipien, die uns lehren, wie wir optimale Gesundheit erlangen und bewahren können. Wenn Sie sich angesprochen fühlen, werden Sie beim Lesen der folgenden Seiten Erleichterung verspüren. Denn statt sich auf kurzlebige Trends zu verlassen, die verschwinden, sobald es neuere Forschungsergebnisse gibt, erhalten Sie fundiertes Wissen, das sich rühmen kann, das Grundproblem zu erfassen.

Wenn man Patienten erklärt, wie ihr Körper funktioniert und warum sie überhaupt krank geworden sind, entwickeln sie meiner Erfahrung nach ein besseres Verständnis für die Behandlungsprotokolle und haben am Ende eine klare Idee davon, was sie erreichen wollen und wie sie ein gutes Ergebnis erzielen können. Mein Ziel in diesem Buch ist es, Ihnen zu helfen, die Ursachen Ihrer Erkrankung zu finden. Damit das Erfolg hat, müssen Sie Vorurteile über Ihre Gesundheit fallen lassen. Behalten Sie bei Ihrer Krankheit die Perspektive – ja, Sie haben ausgeprägte Schilddrüsensymptome, aber warum? Und was können Sie dagegen tun? Sie müssen sich über eines im Klaren sein: Sich um seine Schilddrüse zu kümmern, bedeutet mehr, als nur eine Pille zu schlucken – sei es ein verschriebenes Arzneimittel, ein Nahrungsergänzungsmittel oder ein ayurvedisches Heilkraut. Eine ordentliche Gesundheitsversorgung ist ganzheitlich und umfasst eine Reihe von Heilmitteln, Heilmethoden und gesunden Lebensgewohnheiten und konzentriert sich vor allem auf Balance und Harmonie. In vielerlei Hinsicht ist die Gesundheit ein sich ständig verwandelndes Mosaik. Dieses Buch kann Ihnen dabei helfen herauszufinden, wie Sie Ihren Körper dazu bringen, wieder harmonisch zu funktionieren, stets mit Blick auf die tiefergehenden Prinzipien, die die Krankheit verursacht haben.

Seien Sie versichert: Die Informationen sind einfach, leicht zu verstehen und anzuwenden. Meine Patienten haben mir immer wieder gesagt, dass der „neue Ayurveda“-Ansatz Sinn macht. Er ist fundiert und solide. Und auch wenn das Wissen aus Indien kommt, bedeutet dies nicht, dass Sie sich jetzt indisch ernähren müssen oder ihren eigenen spirituellen Werten hinduistische Rituale überstülpen müssen. Die im Ayurveda enthaltenen Informationen sind für alle Kulturen und alle Menschen zu allen Zeiten gültig.

Die Seher von einst haben erklärt, dass das zeitlose Wissen des Ayurveda in allen Zellen unseres Körpers vorhanden ist und mitschwingt. Es ist von Natur aus da und bereits bekannt. Wenn Sie dieses Buch lesen, stellen Sie vielleicht fest, dass Sie sich sagen: „Ja, auf einer tieferen Ebene wusste ich das bereits.“ Und genau das erzählen mir meine Patienten: Sie hatten die ganze Zeit den Schlüssel zu ihrer strahlenden Gesundheit, doch sie brauchten jemanden, der ihnen zeigt, wie sie damit die Tür öffnen. Wenden Sie diese uralte Wissenschaft also nun auf Ihre eigene Gesundheit an und konzentrieren Sie sich dabei auf die Schilddrüse.

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Was ist Ayurveda?

Die Natur selbst ist der beste Arzt.

HIPPOKRATES

Die erste Konferenz für ganzheitliche Medizin in den USA wurde 1975 mit großem Getöse eröffnet. Wie bei so vielen anderen Innovationen fand auch sie in Kalifornien statt. Sie brachte 150 der größten Köpfe auf diesem aufstrebenden Gebiet zusammen und führte zur Gründung enorm vieler ganzheitlicher Gesundheitsorganisationen. Endlich wurde damit die alternative Medizin anerkannt, eine indirekte Herausforderung an die medizinische Orthodoxie, die in der westlichen Zivilisation Wurzeln geschlagen hatte.

Das einzige Problem? Sie kam Tausende von Jahre zu spät. Auf der anderen Seite der Welt, in Indien, hatten Seher ihre eigenen Versammlungen bereits vor über 5.000 Jahren abgehalten und schufen dabei ein elegantes System der Gesundheitsversorgung, dessen Schwerpunkt auf Prävention lag und darauf ausgerichtet war, die Grundursachen der Krankheit zu erkennen. Zur Unterstützung erstellten sie Texte mit präzisen Ablaufbeschreibungen, die vorausschauend und relevant waren.

Zu dieser Zeit sprach niemand von „ganzheitlicher“ Medizin, denn das gab es nicht. Alle Medizin war an sich ganzheitlich und nichts galt als „alternativ“, es war eben Medizin.

Stellen Sie sich das mal vor. Ayurveda gab es vor Jesus und Buddha. Es ist das Produkt von erleuchteten Sehern, die in einer Agrargesellschaft lebten und intuitiv ein fortschrittliches Medizinsystem erkannten. Sie beschrieben 300 chirurgische Verfahren, schrieben Texte über Psychiatrie, Geburtshilfe und Toxikologie und entwickelten ein siebenjähriges Ausbildungsprogramm für Heiler, lange bevor das moderne Medizinstudium konzipiert wurde.

Bemerkenswert ist, dass all dies in ihren fruchtbaren Köpfen Tausende von Jahren vor der Erfindung des Mikroskops oder der Einführung des Blutbilds als vertrauenswürdiges Diagnoseinstrument entstand. Laut historischer Berichte erkannten die alten Rishis das System des Ayurveda durch direkten Kontakt mit der Natur, während sie sich in tiefer Meditation befanden. Es wurde eine mündliche Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ayurveda gilt als wahrheitsgetreues, unveränderliches, zeitloses und ewiges Wissen – im Gegensatz zur modernen Medizin, die auf den wechselhaften Winden der empirischen Forschung basiert. (Aber vergessen Sie nicht, dass Ayurveda keineswegs statisch ist, es passt sich neuen Informationen an, hält jedoch an seinen Grundprinzipien fest.)

Die Ursprünge des Ayurveda sind geheimnisumwoben. Niemand weiß genau, wann die ersten ayurvedischen Texte, die Shastras, verfasst wurden, obwohl einige Experten 1000 v. Chr. vermuten. Diese grundlegenden Werke umfassen eine Reihe von Büchern, wie die Charaka Samhita, die Sushruta Samhita und die Bhagavata Purana. Sie stellen die ayurvedischen Konzepte in Sutras, „Fäden“ des Wissens, dar.

Der Name Ayurveda selbst gibt uns Aufschlüsse über die Natur des Systems. Veda bedeutet „Wissenschaft“ – Wissenschaft, die auf Siddhantas, fundamentalen, unveränderlichen Prinzipien, fußt. Veda bezieht sich auf geführte Kenntnisse; es ist nicht nur eine Theorie, sondern ein Leitfaden, wie man aus den Lehren einen praktischen Nutzen zieht.

Was ist Ayu? Bhava Mishra, ein Vorfahre meines Lehrers Dr. Rama Kant Mishra, der im 16. Jahrhundert lebte, verfasste einen Text namens Bhava Prakasha. Darin schrieb er, dass Ayu „Leben“ bedeutet – vor allem aber, was gut und schlecht für das Leben im Hinblick auf Ernährung, Natur, Verhalten oder Jahreszeit ist.

Die Charaka Samhita beschreibt Ayu im Sutra Deha Prana Samyoge Ayuh mit „Prana als die Lebensenergie“. Mit anderen Worten: Wenn die Aufnahme, das Fließen und die Nutzung von Prana im Körper, im Zellsystem oder in einem bestimmten Organ oder einer Drüse vermindert ist, wird dieser Bereich gefährdet, was zu erhöhter Entzündung und einem allmählichen Ausfall des Immunsystems führt. So fasst die Krankheit Fuß und schreitet fort.

WAS IST PRANA?

Da eine gute Gesundheit vom ausgewogenen Fließen des Prana im Körper abhängt, ist es wichtig, dessen Definition zu verstehen. Prana befindet sich in der Nahrung, die wir essen, in der Luft, die wir atmen, im Wasser, das wir trinken und in den Kräutern, die wir einnehmen. Prana ist die Schwingung der Natur, die Intelligenz zu jeder Zelle in unserem Körper bringt. Auf dieser tiefen Zellebene kommunizieren alle Teile des Körpers miteinander und der Körper führt jederzeit höchst intelligente Handlungen durch: Er stellt Hormone her, wenn er erkennt, dass zu wenige vorhanden sind, die Zellen produzieren ATP (Adenosintriphosphat) für Energie, der Citratzyklus findet statt, Neurotransmitter werden gebildet. Woher weiß der Körper instinktiv, wie er all das tun muss? Der Grundimpuls, all diese Tausenden von Funktionen durchzuführen, stammt von dieser Schwingung der Natur – vorausgesetzt, dass wir sie nicht zerstören.

Wenn wir Chlor ins Wasser geben, zerstört dies das Prana, das Wasser ist dadurch weniger „intelligent“. Wir können das Wasser filtern, aber das Prana nicht wieder zum Leben erwecken. Daher empfehlen wir, kein Leitungswasser oder gefiltertes Wasser zu trinken. Wir raten auch davon ab, Wasser zu trinken, das synthetische Vitamine enthält oder „elektrolytverstärkt“ ist, um seinen pH-Wert zu erhöhen. Das natürlich aus der Erde kommende Wasser in einer unberührten Umgebung hat automatisch einen basischen pH-Wert und die lebensspendende Schwingung der Natur.

Ebenso tötet die Verarbeitung von Lebensmitteln deren Prana. Industriell verarbeitete Lebensmittel wurden ihrer ursprünglich unversehrten Natur beraubt, wodurch sie ernährungsphysiologisch und energetisch mangelhaft sind. Wärmt man Essen in einer Mikrowelle auf, wird dieses Essen durch eine menschengemachte, künstliche Vibration überlagert, was das Prana stört und es leblos macht. Einfrieren und Konservieren verändern diese Lebensenergie ebenfalls. Die alten Gelehrten beobachteten sogar, dass sobald Nahrung gekocht war, sie nur für vier Stunden ihren pranischen Wert behielt. Daher wurde davon abgeraten, Reste zu essen. Ayurvedische Kräuter werden nach den strengen Normen der Shastras gepflückt und verarbeitet, damit ihr Prana intakt bleibt. Falls ihr Prana gestört wird, weil sie irgendwie falsch behandelt wurden, wirken die Kräuter nicht so gut, falls überhaupt. Wenn man dieses Konzept weiterentwickelt, erkennt man, warum pharmazeutische Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel, die in Laboren hergestellt wurden und daher keine natürliche Prana-Schwingungsenergie besitzen, den Körper stressen können, selbst wenn sie auch positive Folgen haben. Wenn diese unintelligenten Chemikalien in den Körper gelangen, werden sie sofort als Toxine wahrgenommen, wodurch die Leber und Nieren Mehrarbeit leisten müssen, während sie versuchen, sie aus dem Körper zu entfernen.

Es fällt Ihnen sicher auf, wie glücklich Menschen draußen in der Natur sind, sei es am Strand, beim Wandern in den Bergen oder einfach nur, wenn sie einen ruhigen Moment im Park genießen. Hier ist die frische Luft, die sie atmen, von Prana erfüllt und sie stärken ihre eigene Energieversorgung mit jedem langen Atemzug. Beobachten Sie jetzt andererseits, wie gestresst oder erschöpft die Leute aussehen, wenn sie in einer menschengemachten Umgebung eingeschlossen sind, sei es an ihrem Schreibtisch im Büro, unterwegs auf einer verkehrsreichen Straße oder selbst auf der Couch vor dem Fernseher. Hier ist der pranische Wert der Luft nicht nur durch chemische Verschmutzung gestört, sondern auch durch EMF (elektromagnetische Felder) von Computern, Mobiltelefonen, Wi-Fi-Netzwerken, Stromleitungen usw. EMF stören die Schwingungssignatur des Prana und erzeugen im Körper Chaos, denn alle Zellen im Körper entstehen durch diese Urvibration. Deshalb kann Strahlung Zellmutationen und Krebs auslösen.

Luft, Wasser und Nahrungsmittel, die kein Prana enthalten, könnte man als „dumm“ oder „tot“ bezeichnen, denn sie haben ihre intelligente Schwingung verloren. Wenn unser Essen, unsere Luft und unser Wasser einen Pranamangel haben, werden unsere eigenen Zellen in ihren Funktionen dumm. So können ernste Krankheiten wie Autoimmunerkrankungen und Krebs Fuß fassen. Was sind Krebszellen? Es sind Zellen, die ihren Kontakt zur Natur verloren haben – dumme Zellen, die sich nicht erinnern können, was ihre Aufgabe ist und die stattdessen abnorme Geschwülste und Strukturen bilden.

Einer der Grundsätze dieses Buches ist, dass wir alle gute Nahrung essen, reines Wasser trinken, uns in der Natur bewegen und ausschließlich solche Ergänzungsmittel einnehmen sollten, die gutes Prana besitzen, um für eine ausgezeichnete Gesundheit zu sorgen.

Die drei Bausteine von Prana

Prana besteht aus drei Elementen: Soma, Agni und Marut.

Die Quelle von Soma ist der Mond. Es ist die kühlende, nährende, stabilisierende und wachstumsfördernde Komponente der Pranaenergie.

Die Quelle von Agni ist die Sonne. Sie ist der feurige Bestandteil des Prana und als solche der Ursprung der Transformation, verantwortlich für die Umwandlung des Soma, dem Rohstoff der Natur, in den unterschiedlichen Teilen und Systemen des Körpers.

Marut ist die Energie, die den Elementen Raum und Luft entströmt. Es ist der Keim aller fünf Elemente (Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde) und enthält alles – die gesamte Intelligenz der Schöpfung. Marut verbreitet Soma innerhalb und außerhalb des Körpers. Es ist der Bestandteil der Pranaenergie, der Intelligenz verleiht und verantwortlich für die Organisation der unterschiedlichen Systeme im Körper ist. Marut bestimmt, wie viel Soma in die unterschiedlichen Gewebe, Neurotransmitter und Hormone abgegeben wird und wie es mit all diesen Elementen zusammenwirkt.

Ich gebe ein Beispiel: Wenn man Reis kocht, ist die Flamme das Agni, der Reis und das Wasser sind Soma, der Regler ist die Einstellung der Flamme und das Umrühren und Vermischen von Reis und Wasser ist Marut.

WAS SIND DIE DREI DOSHAS?

Die gesamte Schöpfung entsteht aus einem ruhigen Feld reinen, absoluten Seins. Es ist nicht manifestiert und unbegreifbar, doch es trägt den Samen in sich selbst, den Keim von allem. Dieser Samen wird Swara genannt und verwandelt sich in den Urton (Aum). Der Urton ist der Ursprung, aus dem die gesamte Schöpfung entsteht. Es ist eine Schallschwingung, die Materie erschafft. Diese Schallschwingung wird als Aditattwa bezeichnet. Das Aditattwa manifestiert sich als Tritattwa (oder die drei Urenergien, bekannt als Soma, Agni und Marut), die dann wiederum in den Panchamahabhutas, also den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde, Gestalt annehmen. Die Schwingung des Marut wird zum eher physikalischen Element von Raum und Luft, die Schwingung des Agni manifestiert sich als Feuerelement und die Schwingung des Soma ist die physikalischere Schwingung von Wasser und Erde. Sie sehen, dass die Erschaffung dieser Elemente vom Feinstofflichsten, also dem Raum, zum festesten Element, der Erde, geht. Auf diese Art entfaltet sich die gesamte Schöpfung der Reihe nach und manifestiert sich selbst.

Fassen wir zusammen: Prana besteht aus den kosmischen Bestandteilen von Tritattwa, die in unserem Körper und der gesamten Schöpfung zusammenfließen und sich körperlich als die drei Doshas – Vata, Pitta und Kapha – manifestieren, die alle Aspekte unseres Körpers und Geistes lenken. Somit sind die drei Doshas die physischen Manifestationen des Schwingungsrohstoffs Prana und zeigen, wie unser physischer Körper sich mit der Schwingung der kosmischen Intelligenz verbindet.

Vata

Vata ist das Dosha, in dem Marut vorherrscht. Es besteht aus den Elementen Raum und Luft und hat mit Bewegung, Veränderung und Unregelmäßigkeit zu tun. Es wird als rau, trocken, kalt, schnell, leicht und beweglich angesehen. Daher steuert es jede Bewegung im Körper und Geist – die Bewegung oder Zirkulation des Bluts, Bewegung der Gedanken durch den Verstand, Bewegung des Essens durch den Verdauungstrakt usw.

Vata-Typen sind gewöhnlich dünn und es fällt ihnen aufgrund ihrer alles durchdringenden Rastlosigkeit schwer, ihr Gewicht zu halten. Sie sind von Natur aus lebendig, enthusiastisch und kreativ. Ihr Haar ist von Natur fein und sie haben generell feine Gesichtszüge.

Bei einer Unausgewogenheit kann Vata für kalte Hände und Füße sorgen. Vata-Typen können ängstlich und zerstreut sein, ständig reden und sich bewegen, was es schwer macht, konzentriert zu bleiben. Da ihr Nervensystem sich nicht beruhigen kann, haben sie oft einen leichten Schlaf oder leiden an Schlaflosigkeit. Vata ist rau und trocken, daher können sie auch raue und trockene Haare, Haut und Nägel haben. Ein Vata-Typ trommelt oft mit den Fingern, hat die Hände im Haar und entwickelt alle möglichen Ticks. Aufgrund von zu viel Trockenheit neigen ihre Gelenke zum Knacken und sie haben daher vielleicht auch die Angewohnheit, ständig ihre Gelenke knallen zu lassen. Denn das verschafft Erleichterung vom Aufbau der Luft in den Gelenkkapseln. Sie können vergesslich sein, da ihre Gedanken rasch kommen und gehen. Schwindel, unruhige Beine, Verstopfung und unregelmäßiger Appetit gehören zu den üblichen Symptomen, die sie im Laufe ihres Lebens haben können.

Pitta

Pitta ist das von Agni beherrschte Dosha, denn es enthält die Elemente Feuer und Wasser und bezieht sich auf Stoffwechsel, Verdauung und enzymatische Prozesse. Es gilt als heiß, scharf, durchdringend, leicht, flüssig, sauer und ölig. Es ist verantwortlich für unser Sehvermögen, Hunger, die Verdauung und Umwandlung von Essen, die Wärmeregulierung im Körper und den Glanz im Hautbild.

Pitta-Typen sind allgemein mittelgroß und haben Muttermale oder Sommersprossen, helle Haut, blonde oder rote Haare und blaue Augen. Ihr Haar kann vorzeitig grau oder weiß werden. Haarausdünnung und Kahlheit ist auch verbreitet. Da Pitta die Verdauung kontrolliert, besitzen sie gewöhnlich einen starken Stoffwechsel, eine gute Verdauung und einen gesunden Appetit. Sie schwitzen reichlich und ihre Körpertemperatur kann etwas erhöht sein, mit warmen Händen und Füßen. Da sie zu Überhitzung tendieren, ertragen sie heiße Sommertage oder zu viel Hitze in einem Raum nicht sehr gut.

Wenn Pitta aus dem Gleichgewicht gerät, kann dies Geschwüre, Säurereflux und übermäßige Hitze im System zur Folge haben, was sich als Ärger, Hitzewallungen oder Ausschläge und verschiedene andere Hautleiden manifestiert.

Kapha

Kapha, das Dosha, in dem Soma regiert, enthält das Erd- und Wasserelement und hat mit der Balance zwischen Struktur und Flüssigkeit zu tun. Es ist kalt, feucht, dicht, schwer, ölig, langsam, süß und stabil. Kapha verleiht sowohl der physischen Struktur als auch der psychologischen Natur Stabilität.

Kapha-Typen neigen zu Übergewicht, ihr Körper ist erdig und schwer, besitzt einen starken Aufbau und Ausdauer. Ihr Haar ist zumeist sehr dick, dunkel und gewellt. Ihre Augäpfel sind sehr weiß und groß. Von seiner Natur her steht Kapha für Langsamkeit, diese Leute sind also langsam und methodisch, sie sprechen langsam und besitzen einen ruhigen, aufmerksamen und liebevollen Geist.

Bei einem Ungleichgewicht kann Kapha Lethargie zur Folge haben sowie eine Tendenz zu Adipositas, Diabetes, Wassereinlagerungen und Stauung. Gerät ihr stabiler Geist aus der Balance, kann er sich gegen Veränderung wehren und an den Status quo klammern, selbst wenn die Umstände nicht mehr förderlich oder notwendig sind.

Ausgleich der Doshas

Wir werden mit allen drei Doshas geboren, aber in unterschiedlichen Verhältnissen. Manche Menschen werden mit sehr viel Vata und weniger Pitta und Kapha geboren. Wir können sie dann als „Vata-Typ“ bezeichnen. Manche haben vielleicht einen höheren Prozentsatz von Vata und Pitta und viel weniger Kapha und daher würden wir sie als „Vata-Pitta-Typ“ einstufen. So sehen mögliche Kombinationen aus:

Reine Doshas

Vata

Pitta

Kapha

Dosha-Kombinationen

Vata-Pitta Vata-Kapha

Pitta-Vata Pitta-Kapha

Kapha-Vata Kapha-Pitta

Ausgewogenheit aller Doshas

Vata-Pitta-Kapha

Die Balance der drei Doshas, mit denen man geboren wird, gilt als Prakriti, Ihre Grundnatur oder Konstitution. Da sie genetisch ist, bleibt Ihre Prakriti für Ihr gesamtes Leben gleich. Doch die Ausbildung der Dosha-Energien verändert sich durch verschiedene Einflüsse in der Umwelt und andere Stressfaktoren werfen Ihren Körper aus dem Gleichgewicht. Die Unausgewogenheiten, an denen Sie aktuell festhalten und die die drei Doshas durcheinanderbringen, werden als Ihr Vikruti bezeichnet.

Das Wort Dosha heißt „das, was aus dem Gleichgewicht ist“ oder „das, was an der Aufrechterhaltung des Körpers beteiligt ist“. Die Doshas sind im Körper und Geist immer in Aktion und sind aufgrund ihrer Natur störanfällig. Wenn wir z. B. Hunger bekommen, gerät das Pitta-Dosha aus dem Gleichgewicht – uns knurrt der Magen oder wir fühlen uns benommen oder schwach. Die Lösung, um Pitta auszugleichen? Essen! Wenn die Doshas aus dem Gleichgewicht geraten, bringen wir sie reflexartig wieder in Balance, indem wir essen, trinken, uns bewegen, uns ausruhen und alle anderen normalen Alltagsabläufe durchführen. Doch wenn wir es versäumen, diese drei Doshas neu einzustellen – wenn wir keine ordentliche Ernährungsweise, körperliche Ertüchtigung und Tagesabläufe befolgen, im Einklang mit einem motivierten Geist und guten spirituellen Weg –, kann das chronische Ungleichgewicht mit der Zeit zu Krankheit führen.

Um gesund zu bleiben, ist es wichtig, die Doshas im Gleichgewicht zu halten. Wenn Sie also z. B. ein Vata-Typ sind, müssen Sie lernen, etwas langsamer zu werden, um eine Verschlimmerung Ihrer Vata-Natur zu verhindern. Ruhen Sie sich genug aus, halten Sie sich warm, essen Sie warme, gekochte, ölhaltige Speisen und widerstehen Sie der Versuchung, zu spät ins Bett zu gehen, zu hart zu arbeiten oder zu viel Sport zu treiben.

Pitta-Typen müssen, da sie ein starkes Verdauungsfeuer haben, rechtzeitig essen, keine Mahlzeit auslassen oder zu spät essen und scharf gewürzte Lebensmittel, Kaffee und Alkohol vermeiden, die sie noch weiter erhitzen könnten. Im Sommer müssen sie dafür sorgen, dass ihr Körper kühl bleibt und Haut und Augen vor zu viel Sonnenlicht schützen.

Kapha-Typen dagegen müssen mehr Sport treiben, weniger essen und früh aufstehen und in Gang kommen, um das Aufkommen von Trägheit, Lethargie und Faulheit zu vermeiden.

DIE NEUN KRANKHEITSSTADIEN

Krankheit baut sich im Körper über neun Stadien auf. In den ersten beiden Stadien zeigen sich keine Symptome. In der dritten und vierten Phase können wir Symptome haben, aber noch keine diagnostizierbare Erkrankung. Ab dem fünften und sechsten Stadium ist die Krankheit erkennbar. In den Phasen sieben bis neun wird die Erkrankung ernst und lebensbedrohlich.

Es sollte das Ziel der Medizin sein, eine Erkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln, wenn sie sich im Frühstadium befindet. Dennoch werden moderne Ärzte dazu ausgebildet, Diagnosewerkzeuge einzusetzen, die eine Krankheit erst entdecken, wenn sie auf ein ernstes Niveau fortgeschritten ist. Ich sehe jedes Jahr Hunderte von Patienten, die bitterlich über ihre Symptome klagen. Sie waren bei Ärzten und hatten diagnostische Tests, aber man sagte ihnen, dass alles in Ordnung mit ihnen sei. Diese Patienten befinden sich gewöhnlich im dritten und vierten Stadium, wo die Symptome sich manifestieren, doch keine Diagnose erfolgen kann. Dies gilt besonders für Schilddrüsenstörungen – man kann alle Symptome einer Schilddrüsenerkrankung haben, doch die Hormonwerte im Blutbild liegen im normalen Rahmen. Sobald die Schilddrüsenerkrankung das fünfte und sechste Stadium erreicht hat, in der sie durch ein Blutbild diagnostiziert werden kann, hat der Patient leider schon einen Schaden davongetragen. Doch selbst in dieser Phase kann es noch möglich sein, die Schilddrüse ohne den Einsatz einer pharmazeutischen Intervention zu reparieren.

Im Gegensatz dazu entwickelten die Heiler im alten Indien ein ausgeklügeltes System der Pulsdiagnose, um die frühesten Anzeichen eines Erkrankungsprozesses zu erkennen. Diese Methode ist für Patienten und Ärzte gleichermaßen unbezahlbar, denn es ist wesentlich einfacher, die Entwicklung eines Leidens zu verhindern als eines rückgängig zu machen, das schon in vollem Gange ist.

Sehen wir uns nun die neun Stadien an, die man Samprapti Chakra oder „Rad“ der Pathogenese nennt. Dabei nutzen wir weiterhin das Beispiel des unausgewogenen Pitta-Dosha, das sich in seiner frühesten Ausprägung einfach als Hunger zeigt. Die folgende Erklärung stammt aus der Charaka Samhita.

Phase 1: Ansammlung oder Sanchaya

In diesem ersten Stadium beruhigen wir die Ansammlung von Pitta-Dosha, wenn wir hungrig sind und essen.

Phase 2: Verschlimmerung oder Prakopa

Doch wenn wir nicht essen, verschlimmert sich das verstärkte Pitta-Dosha. Falls wir jetzt essen, können wir dieses Dosha noch immer besänftigen.

Phase 3: Ausbreitung oder Prasara

Wenn wir nicht essen und regelmäßig Mahlzeiten auslassen oder zu spät essen, beginnt das verschlimmerte Pitta-Dosha sich auszubreiten und geht in die Dhatus (die Gewebe) und Malas (Ausscheidungsprodukte) über.

Phase 4: Ablagerung bzw. örtliche Fixierung von Toxinen oder Sthana Samshraya

Falls die Pitta-Unausgewogenheit anhält, werden die Toxine in den Dhatus und Malas abgelagert oder örtlich fixiert. In diesem dritten und vierten Stadium beginnt der Patient, Symptome auszubilden, also Sodbrennen, Brennen beim Wasserlassen oder Afterjucken.

Phase 5: Manifestierung oder Vyakti

In der fünften Phase der Pathogenese manifestiert sich das verschlimmerte Dosha als Blockaden in den Körperkanälen und in den Zwischenräumen zwischen den Zellen und Geweben und stört das Fließen, die Verteilung, Umwandlung und Abgabe von Prana.

Phase 6: Differenzierung von Krankheit oder Bheda

Jetzt sehen wir Zerstörung in den Organen und Systemen im Körper, die strukturelle Veränderungen in der Physiologie zur Folge haben. Im Falle von verschärftem Pitta kann das Pitta-Dosha die Magenwand angreifen und ein Magengeschwür hervorrufen, das nun anfängt zu bluten oder zu perforieren.

Phase 7 bis 9: Verformung, finale Krankheitssymptome und -komplikationen oder Virupaka, Rogalakshana, Paribhaashaa und Kledu

Von hier aus richtet das unausgewogene Dosha weiteren Schaden im Körper an und sorgt für unterschiedliche Arten von Verformung (Phase 7), die Endsymptome der Erkrankung (Phase 8) und Komplikationen (Phase 9) dieser Krankheit. In unserem Beispiel von aggraviertem Pitta wird dieses perforierte oder blutende Geschwür jetzt vielleicht eine Bauchfellentzündung, eine potenziell tödliche Infektion der Bauchdecke oder ein Magenkrebs, der in andere Organe und Systeme metastasiert.

DIE SIEBEN DHATUS (GEWEBE)

Wenn wir etwas essen, bewegt sich die Nahrung durch den Verdauungstrakt und wird dann in die Blutbahn resorbiert. Von dort aus gelangt sie nach und nach in die Dhatus oder sieben Gewebe:

1. Blutplasma (Rasa)

2. Blut (Rakta)

3. Muskeln (Mamsa)

4. Fett (Meda)

5. Knochen (Asthi)

6. Knochenmark (Majja)

7. Reproduktive Flüssigkeiten (Shukra)

Diese Reihenfolge ist aus vielen Gründen wichtig. Zuerst wandelt sich jedes Gewebe in das nachfolgende, was bedeutet, dass das vorherige Gewebe gut genährt sein muss, damit das nachfolgende Gewebe voll ausgebildet und stark ist. Wenn man also eine Diät befolgt, die sehr wenig Fett enthält, ist nicht nur das Fettgewebe unterernährt. Auch das Knochengewebe wird darunter leiden, denn das Fettgewebe liefert Rohstoffe zur Bildung des Knochengewebes. Dieser wichtige Faktor muss berücksichtigt werden, wenn wir über zwei Symptome von Hypothyreose sprechen: Haarausfall und Osteoporose. Haargesundheit und -wachstum sind von der Nährung des Knochengewebes abhängig. Tatsächlich ist Haarausfall ein Symptom für schwache Knochen. Damit das Knochengewebe genährt wird, braucht man eine ordentliche Portion hochwertiges Fett auf seinem Speiseplan (mehr dazu später).

Wenn Toxine in den Körper gelangen, bewegen sie sich in der Regel auf der gleichen Route, angefangen beim Blutplasma, und von dort allmählich in die anderen sechs Gewebe. Falls sich Toxine im Blutplasma und Blut befinden, versucht der Körper, sie über den Stuhlgang und Urin auszuscheiden. Ist der Körper allerdings nicht in der Lage, sich ihrer zu entledigen, bewegen sie sich schließlich tief ins Knochenmark. Das Knochenmark ist ein lebenswichtiger Teil des Immunsystems und Toxine können hier autoimmune Tendenzen hervorrufen, die bespielsweise bei Hashimoto-Thyreoiditis eine Rolle spielen.

Wenn alle sieben Gewebe gut genährt sind, bildet der Körper Ojas, d. h. Neurotransmitter und Hormone. Falls die Gewebe jedoch nicht gut genährt sind, sei es durch schlechte Ernährung, schwache Verdauung oder aus einem anderen Grund, sind die sieben Gewebe mangelernährt und der Körper stellt nicht genügend Ojas her – ein weiterer wichtiger Faktor bei der Diskussion von Problemen mit Schilddrüsenhormonen.

Dies bringt uns erneut zu den Defiziten der westlichen Medizin. Wenn moderne diagnostische Tests auf einen niedrigen Hormonspiegel deuten, verschreiben die Ärzte gemeinhin Hormonbehandlungen, ohne andere Faktoren zu berücksichtigen. Falls die Ursache für die niedrigen Hormonspiegel eines Patienten eine schwache Verdauung oder unzureichende Ernährungsweise ist, können die Hormonbehandlungen vielleicht die Hormonwerte ausgleichen, doch der Patient wird weiterhin leiden, denn die Grundursache der Unausgewogenheit schwärt weiter. Eine umfassendere und ganzheitlichere Diagnose und Behandlung ist erforderlich, um den Gesundheitszustand des Patienten wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

OJAS: NEUROTRANSMITTER UND HORMONE

Ojas, die unverzichtbare Lebensenergie, die den Hormonhaushalt steuert, gilt als Essenz der sieben Dhatus. Als Endprodukt unserer reproduktiven Flüssigkeiten (Shukra) ist es auch das erste Element unseres Körpers. Wie es in der Charaka Samhita heißt, ist „Ojas das Erste im Körper, das entwickelt wird, da es während der Befruchtung zusammen mit Samen und Eizelle an den Embryo weitergegeben wird. Es hat die Farbe von Ghee, schmeckt wie Honig und riecht wie Puffreis.“

Ojas verleiht unserem Körper Kraft und stärkt unsere Immunität gegenüber Krankheiten. Falls wir ein ausreichendes Maß an Ojas haben (was man im Puls fühlen kann), ist das Auftreten chronischer und akuter Leiden weniger wahrscheinlich. Muttermilch fördert Ojas. Daher sollten Babys gestillt werden, denn die Milch verleiht eine starke Immunität gegen Erkrankungen. Der Verzehr von Ghee (geklärter Butter) fördert ebenfalls die Bildung von Ojas. Verwenden wir westliche Begriffe, so bestehen alle Steroidhormone der Nebennieren und der Geschlechtsdrüsen aus Cholesterin. Somit liefert Ghee, das qualitativ hochwertiges Cholesterin enthält, den wesentlichen Rohstoff für die Produktion dieser Hormone. Diese Information wird später noch wichtig werden, wenn wir über die Rolle der Ernährung bei der Stärkung der Schilddrüsen- (und hormonellen) Funktion sprechen.

Wir können auch Ojas bilden, wenn wir froh und glücklich sind – wenn wir meditieren, beten, chanten oder sonst etwas tun, das uns Freude und ein Glücksgefühl beschert. So wie unser Körper Serotonin bildet, wenn wir glücklich sind, produzieren wir auch Ojas.

Optimale Mengen an Ojas liefern dem Körper die richtige Versorgung, eine gute Körperstruktur und Unterstützung, große Stärke und Immunität gegenüber Krankheiten sowie optimale Hormonspiegel und eine ausgewogene Neurotransmitterproduktion. Zu viel Sport, Fasten, Angst, durch den Tag hetzen, lange wach bleiben, Kummer, Verletzungen, hohes Alter und die übermäßige Absonderung von Schleim, Blut, Samen und anderen Ausscheidungsprodukten kann zu erschöpftem Ojas führen.

DIE SCHWINGUNGS- UND KÖRPERKANÄLE

Die alten Texte haben zwei Arten von „Kanälen“ beschrieben, wie sie genannt werden. Die Schwingungskanäle (Nadis) befördern Prana durch den ganzen Körper, während die Körperkanäle (Srotas) unterschiedliche Arten von Flüssigkeiten wie Urin, Schweiß, Toxine, Tränen usw. transportieren.

Die Schwingungskanäle (Nadis)

Prana tritt durch den Adhipati-Marmapunkt am Scheitel des Kopfes in den Körper ein. Marmapunkte sind Punkte am Körper, wo das Prana an ein bestimmtes Organ, eine Drüse oder ein Zellsystem abgegeben werden kann. Der Adhipati-Punkt befindet sich an der Stelle, wo Neugeborene eine Fontanelle oder weiche Stelle haben. Adhipati heißt „steuern“ – dieser Punkt empfängt und steuert also den Fluss des Prana in den Körper hinein. Daher ist es so gefährlich, einen schweren Schlag auf den Kopf zu erhalten – denn dies unterbricht den unentbehrlichen Fluss von lebensspendendem Prana in den gesamten Körper.

Vom Adhipati-Marmapunkt aus fließt das Prana über den Ida- und Pingala-Kanal an der Wirbelsäule entlang nach unten. Das Logo der American Medical Association zeigt diese beiden Kanäle, die an der Wirbelsäule entlang verlaufen, als zwei um einen Stab nach oben geschlungene Schlangen. Diese Schwingungskanäle empfangen und geben Prana durch das rechte und linke Nasenloch ab, dabei kommt das Soma-dominante Prana über das linke Nasenloch durch den Ida Nadi und das Agni-dominante Prana durch den Pingala Nadi über das rechte Nasenloch und vermischt sich mit Marut-dominantem Prana, das aus dem Shushumna Nadi (der Wirbelsäule) herabfließt.

Zu verschiedenen Tageszeiten benötigt der Körper die kühlende Mondenergie von Soma und die wärmende Sonnenenergie von Agni in verschiedenen Anteilen. Daher verändern sich die Ströme auf der rechten und linken Seite der Nase mehrmals am Tag. So gelangt in den frühen Morgenstunden mehr Soma hinein, um Ausdauer und Stärke aufzubauen (Soma ist der Rohstoff, aus dem Kapha und Ojas entstehen) und den Körper auf seinen geschäftigen Tag vorzubereiten oder lässt nach dem Essen mehr Agni hinein, wenn der Körper zur Verdauung mehr Agni benötigt.

Yogische Atemtechniken, bekannt als Pranayama, gleichen die Aufnahme und Abgabe aller drei Pranaenergien aus – Soma, Agni und Marut – sowie die Nadis Ida, Pingala und Shushumna, die diese Energien im Körper überall dorthin bringen, wo sie gebraucht werden.

Es gibt andere Nadis, die ebenfalls Prana empfangen, dazu gehören Gandhari (linkes Auge), Hastijihva (rechtes Auge), Yasavini (linkes Ohr), Alambusa (rechtes Ohr) und Loma Rondhra (Haarfollikel auf der Haut am ganzen Körper). Der Fluss des Prana aus all diesen Körperöffnungen strömt die Wirbelsäule hinab und wird an alle Organe und Systeme verteilt und fließt schließlich durch Hände und Füße ab.

Wenn der Pranafluss normal ist, sind die Doshas, die unseren Körper und Geist steuern, ausgeglichen. Ist der Pranafluss jedoch gehemmt, beginnt eine Erkrankung. Pranablockaden können unter anderem durch EMF, Verletzungen, Operationswunden und Fehlstellungen der Wirbelsäule entstehen.

Die Körperkanäle (Srotas)

Sobald das Essen im Verdauungstrakt aufgeschlossen und in die Blutbahn aufgenommen wurde, fließt es durch die einzelnen Körperkanäle bis es verstoffwechselt als Stuhlgang, Urin, Schweiß, Tränen usw. wieder ausgeschieden wird.

Falls diese Körperkanäle verkleinert, entzündet, verstopft oder verhärtet werden, ist der Durchfluss von Flüssigkeiten gestört, was für den Körper Probleme verursacht. Nikotin aus Zigaretten kann die Arterien, einen der Körperkanäle, verengen, was zu einer Herzerkrankung beitragen kann, da weniger Blut den Herzmuskel erreicht. Colitis ulcerosa ist ein Beispiel dafür, dass ein Körperkanal (der Darm) sich entzündet und Geschwüre bildet, während das Immunsystem einen Angriff auf die empfindliche Darmschleimhaut ausführt.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass gestillte Babys weniger Ohrinfektionen haben als solche, die mit Milchpulver gefüttert werden? Dies liegt daran, dass Muttermilch sehr leicht ist und schnell von den Zellen aufgenommen wird, wohingegen Säuglingsnahrung dicht und dick ist und die zarten Kanäle des Babys verstopft. Falls die aufgenommene Nahrung den ersten Kanal (den Verdauungstrakt) blockiert, verstopfen alle folgenden Kanäle (auch die Ohrenkanäle). Da die Nahrung in den Ohrenkanälen festsitzt, beginnt sie, eine Infektion auszulösen.

Durch falsche und übereifrige Reinigungstechniken können die Körperkanäle Risse bekommen. Falls man versucht, stark säurehaltige Toxine (wie jahrelange Verhütungspillen) zu schnell aus dem Körper zu entfernen, können die Säuren die Kanäle zum Platzen bringen, wenn sie durch den Darm-, Harn- und Schweißkanal austreten. Daher empfehle ich, die Körperkanäle auf ein Entgiftungsprogramm vorzubereiten und sie zu befeuchten. Nach der Einleitung der Entgiftung ist es bedeutsam die Toxine zu binden und sie sorgfältig und langsam aus dem Körper zu leiten. Somit ist es sehr wichtig, dass man die Entgiftung mit einem Arzt durchführt, der weiß, wie man Toxine auf die richtige Art entfernt und den gesamten Entgiftungsprozess sorgfältig überwacht.

Kapitel 8 beschreibt die beste Ernährungsweise und tägliche Routine, um die Verstopfung, Verengung, Entzündung oder Verhärtung der Körperkanäle zu verhindern und in Kapitel 3 sprechen wir ausführlicher über Reinigungstechniken.

PULSDIAGNOSE

Die alten Heiler des Ayurveda entwickelten ein System der Pulsdiagnose, das Nadi Vidyan genannt wird. Der Puls wird in der Arterie, einem Körperkanal oder Srota, gemessen, in der sich auch der Nadi, der Schwingungskanal, befindet. Obwohl sich die Pulsbeurteilung also auf die physische Arterie konzentriert, ist es in erster Linie eine Untersuchung des Pranaflusses. Da das Prana das reibungslose Funktionieren unseres Körpers auf allen Ebenen organisiert – jede Zelle, jedes Organ und jede Drüse benötigt die ununterbrochene Zufuhr von Prana – ist es wichtig zu wissen, ob der Fluss des Prana normal oder gehemmt ist. Letzteres ist das Zeichen einer sich entwickelnden oder fortgeschrittenen Krankheit.

Die im Ayurveda gelehrte Pulsdiagnose hat keinerlei Ähnlichkeit mit der Pulsdiagnose in der modernen Medizin. Westliche Ärzte lernen, die Rate und den Rhythmus des Pulses zu erkennen – wie oft pro Minute Ihr Herz schlägt und ob der Rhythmus regelmäßig ist. Ayurvedische Ärzte verwenden den Puls stattdessen, um auf sehr tiefgehende Informationen zuzugreifen, wie der gesamte Körper funktioniert, angefangen von den Organen, Drüsen und sieben Geweben bis zu den Doshas, Schwingungs- und Körperkanälen. Man kann auch die vier unterschiedlichen Arten von Toxinen erkennen (siehe Kapitel 3) und in welchen Geweben sie sich abgelagert haben. Die Pulsdiagnose ermöglicht es den ayurvedischen Ärzten auch, die sehr frühen Stadien des Krankheitsverlaufs zu bestimmen, manchmal Jahre, bevor sie sichtbar werden.

Die sieben Gewebe im Puls fühlen

Auf der ersten Pulsebene kann man Informationen zum ersten Gewebe, Rasa (Blutplasma), ermitteln. Hat der Patient sein Essen richtig verdaut oder steckt es im Kanal fest und verstopft ihn aufgrund von schwerem Essen oder schlechter Verdauung?

Auf der zweiten Ebene kann man die Schwingung von Rakta (Blutgewebe) spüren. Welche Arten von Toxinen befinden sich dort? Wie ist der Fluss? Ist das Blut warm oder kühl?

Auf der dritten Ebene fühlt man alle Unausgeglichenheiten im Mamsa (Muskelgewebe). Sind Toxine vorhanden, die zu Fibromyalgie führen könnten? Hat der Patient ein Statinmedikament genommen, das ins Muskelgewebe übergegangen ist und dessen normale Funktion schwächt und beeinträchtigt?

Auf der vierten Pulsebene kann man die Qualität des Meda (Fettgewebes) feststellen. Isst der Patient qualitativ minderwertiges Pflanzenöl, wie genmanipuliertes Rapsöl, und setzen sich freie Radikale im Fettgewebe fest? Befolgt der Patient eine fettarme Diät und erhält dieses Gewebe dadurch nicht die richtige Nahrung?

Auf der fünften Ebene kann man die Gesundheit und Stärke vom Asthi (Knochengewebe) erkennen. Hat der Patient gesunde Fette vermieden und dadurch dieses Gewebe erschöpft und möglicherweise Osteopenie oder Osteoporose hervorgerufen?

Auf der sechsten Ebene kann man die Integrität des Majja (Knochenmarks) spüren. Hat der Patient Toxine von Luftverschmutzung, Pestiziden, Schwermetallen oder Pharmazeutika abgelagert, die jetzt in seinem Knochenmark sitzen und die Immunfunktion stören? Diese Situation kann eine autoimmune Tendenz oder Krebs zur Folge haben.

Die siebte Ebene offenbart die Stärke von Shukra (den reproduktiven Flüssigkeiten). Sind diese Gewebe schwach und mangelernährt, weil eines der vor ihnen gebildeten Gewebe auch schwach war?

Stärke, Rhythmus und Volumen im Puls erkennen

Im mittleren Bereich der Pulsdiagnose, irgendwo zwischen dem ersten und siebten Gewebe, kann man die Gesamtstärke (Bala), den Rhythmus (Laya) und das Volumen (Poornata) des Pulses bestimmen.

Bala: Stärke

Bala ist nicht nur die physische Stärke, es bezieht sich auch auf die geistigen, emotionalen, körperlichen und sinnlichen Stärken des Einzelnen. Es gibt drei Ebenen von Bala: optimal (Balvati), mittel (Nirbala) und schwach (Durbala).

Laya: Rhythmus

Laya, der Rhythmus des Pulses, wird unterteilt in:

1. Ausgeglichen und glücklich (Sama)

2. Normal (Sarala)

3. Fröhlichkeit ausdrückend oder „glücklich hüpfend“ (Prasanna)

4. Etwas aus dem Takt geraten (Niyamita)

5. Etwas aus dem Takt, einige Impulse lang aus dem Gleichgewicht, was auf den Beginn eines ungesunden Zustandes hinweist (Vishama)

6. Kommt und geht in verschiedene Richtungen (Vishama Gamini)

7. Setzt einige Schläge völlig aus, was bestätigt, dass Körper und Geist nicht miteinander verbunden sind (Trutika)

8. Bewegt sich zuerst in die eine und dann in die andere Richtung, zeigt keinerlei Verbindung zwischen Geist und Körper (Gati Kautilya); dies ist ein ungesunder Rhythmus und ein sehr unheilvolles Zeichen

Es kommt bei einer schwachen Schilddrüse häufig vor, dass der normale Pulsrhythmus beeinträchtigt ist und daher ist es sehr erfreulich festzustellen, wenn sich der Rhythmus nach Stärkung der Schilddrüse wieder normalisiert.

Poornata: Volumen

Das Volumen des Pulses, Poornata, wird in sechs Stadien unterteilt:

1. Mehr als voll oder überströmend (Sthula)

2. Perfektes Volumen (Poorna)

3. Nicht gering, weniger als optimal (Apoorna)

4. Deutlich geringer als das normale Volumen (Rikta)

5. Ein zarter, dünner und schwacher Puls (Sukshma); das ist ein unheilvolles Zeichen

6. Ein dünner, zarter, extrem schwacher Puls (Krishna), der zu spüren ist, wenn ein Patient viel Prana oder Blut verliert oder bald sterben wird; es zeigt eine chronische Krankheit ohne Bala an und ist ein besorgniserregendes Zeichen

Das Volumen des Pulses kann unter anderem durch Flüssigkeitsmangel und schlechte Ernährung vermindert werden.

Vata, Pitta und Kapha im Puls erkennen

Die mittlere Ebene des Pulses verrät auch die Stärke und Integrität der Doshas Vata, Pitta und Kapha. Besteht zu viel Vata, sodass der Patient nervös, schwach oder benommen ist? Ist Pitta verschlimmert und ruft Ärger, Heißhunger oder Säurereflux hervor? Ist Kapha unausgewogen und erzeugt Trägheit, Lethargie und Depression?

Die Pulsdiagnose erlaubt es uns, noch tiefer zu gehen und die Subdoshas zu ergründen. Dies sind die fünf besonderen Bereiche, in denen jedes primäre Dosha seinen einmaligen Einfluss geltend macht.

DIE SUBDOSHAS
Die Vata-Subdoshas

Prana Vata

Prana Vata befindet sich im Kopfbereich. Es lenkt nicht nur die Bewegung der Gedanken durch den Verstand, sondern das Fließen der Intelligenz durch den ganzen Körper. Es steuert auch die anderen vier Vata-Subdoshas und daher wird jede Behandlung von Prana Vata automatisch die anderen Vata-Subdoshas ausgleichen. Falls Prana Vata aus dem Gleichgewicht geraten ist, kann es Angst und Schlaflosigkeit hervorrufen, da Ihr Geist unaufhörlich in Bewegung ist.

Udana Vata

Udana Vata befindet sich in der Brust und nach oben zur Kehle hin. Es fließt aufwärts und lenkt alle Karmendriyas oder physisch aktiven Organe, die einen direkten Kontakt zur Außenwelt ermöglichen; dazu gehören Ausscheidung (Anus), Fortpflanzung (Reproduktionsorgane), Fortbewegung (Beine), das Greifen (Hände), das Atmen (Lungen) und die Sprache (Mund).

Unausgeglichenes Udana Vata kann sich in fehlendem Mut zeigen (aus Mangel an Koordination zwischen Geist, Körper und Sinnen). Es kann auch Ihre Gesichtsfarbe beeinflussen und eine zyanotisch-bläuliche Verfärbung hervorrufen, da zu wenig Prana in den Lungen zu flacher oder schwerer Atmung und ungenügender Sauerstoffzufuhr im Blut führen kann.

Es ist auch verantwortlich für Sprache, Ausdruck und Begeisterung. Wenn es aus dem Gleichgewicht gerät, kann dies zu Sprachproblemen, Husten, rauem Hals und Halsentzündungen führen.

Es ist recht häufig dieses Subdosha, das aus dem Gleichgewicht kommt, wenn es ein Problem mit der Schilddrüse gibt, denn die Schilddrüse befindet sich in dem Bereich, das von Udana Vata (dem Hals) gesteuert wird.

Samana Vata

Samana Vata ist im Magen angesiedelt und regelt die Bewegung der Nahrung im Uhrzeigersinn, während sie im Magen verarbeitet wird. Samana bedeutet „ausgleichen“ und dieses Subdosha sorgt für Gleichgewicht bei den anderen Vata-Subdoshas: Prana, Udana, Vyana und Apana. Es hält auch die Peristaltik von Dünn- und Dickdarm in Balance, hilft den Abläufen von Verdauung, Aufnahme und Resorption. Falls es aus dem Gleichgewicht gerät, kann es Gas im Magen und einen Aufwärtsdruck zur Folge haben, was zu Aufstoßen und Schluckauf führen kann.

Vyana Vata

Vyana Vata liegt im Herz und regelt den Blutkreislauf. Es steuert die Reflexbewegungen des autonomen Nervensystems – z. B. zu blinzeln, wenn man erschrocken ist. Eine Disbalance hier kann Probleme hervorrufen, die mit einem schlechten Kreislauf und hohem Blutdruck einhergehen.

Apana Vata

Apana Vata, das im Beckenbereich liegt, kontrolliert Impulse, die mit Wasserlassen, Ausscheidung und Menstruation zu tun haben. Apana ist ein nach unten gerichteter Energiefluss, der dafür verantwortlich ist, die Menstruationsflüssigkeit, den Stuhlgang und Urin nach unten zu bringen und auszuscheiden und der auch bei der Geburt das Baby nach unten drückt. Apana ist zudem verantwortlich für die Abgabe von aufgebrauchtem Prana aus dem Körper durch alle Ausscheidungskanäle.

Wenn Ihr Verstand überaktiv ist, kann Apana fälschlicherweise aufwärts fließen. Dabei stört es die Verdauungsorgane auf dem Weg nach oben und erzeugt Probleme mit der Verdauung (wie Säurereflux, Gas, Gastroparese, Zwerchfellbrüche und Blähungen), Schluckauf, Endometriose (wenn das Blut nach oben und in die Beckenhöhle fließt), Menstruationsbeschwerden, Verstopfung, lang anhaltende Geburtswehen und Schmerzen im unteren Rücken. Apana kann auch aus dem Gleichgewicht geraten, wenn man überaktiv ist (zu viel Bewegung und Stress für Becken und Beine) oder zu viel sitzt (mangelhafte Bewegung von Becken und Beinen). Selbst wenn man enge Kleidung um die Taille trägt, kann das ein Missverhältnis dieses Subdoshas auslösen.

In unserer schnelllebigen Gesellschaft grassiert die Störung von Apana Vata und ist verantwortlich für vielerlei hormonelle Ungleichgewichte bei Frauen, da es sich im Bereich der Eierstöcke befindet.

Die Pitta-Subdoshas

Pachaka Pitta

Pachaka Pitta ist im Magen und Dünndarm ansässig und ermöglicht die Verdauung von Nahrung. Es wird als die Flamme beschrieben, die Lebensmittel verbrennt. Wenn diese Flamme zu hoch ist, können Gastritis oder Geschwüre die Folge sein.

Ranjaka Pitta

Ranjaka Pitta befindet sich in Leber und Milz. Ranjaka stammt von Ranjan, „Färbung“, und bezieht sich auf das, was unserem Blutplasma oder Rasa Dhatu Farbe verleiht. Rasa wird nach der ersten Verdauungsphase gebildet. Dann wandelt das Ranjaka Pitta das Plasma in Blut um. Ranjaka Pitta ist der Brennstoff für die Leber und hat fünf Flammen oder Agnis, um die fünf Elemente, die aus der Nahrung kommen, zu verarbeiten und umzuwandeln: Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde.

Dieses Subdosha ist heutzutage zumeist aus dem Gleichgewicht, weil die Leber in ihrem Bemühen überfordert ist, Toxine aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln, pharmazeutischen Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Pestiziden, Luftverschmutzung und Toxine aus verschiedenen Hautpflegeprodukten zu verarbeiten, die durch die Haut sickern und sofort ins Blut übergehen.

Sadhaka Pitta

Sadhaka Pitta befindet sich im Herzen und im Hirn. Es ist das emotionale Pitta, das uns hilft, unsere emotionalen Herausforderungen zu transformieren oder zu verdauen. Im ganzen Körper treten Entzündungen auf, wenn unsere negativen Gedanken und Gefühle dieses Subdosha aus dem Gleichgewicht bringen. Falls sie unbehandelt bleiben, kann dies zu einer Depression führen.

Alochaka Pitta

Alochaka Pitta liegt in den Augen und hilft uns, zu sehen und zu spüren. Dies beeinflusst nicht nur das körperliche Sehen, sondern auch die Wahrnehmung aus der Tiefe unseres Bewusstseins. Daher schließen wir unsere Augen, wenn wir meditieren oder beten. Unausgewogenheiten in diesem Subdosha stehen in Verbindung mit Augenproblemen.

Bhrajaka Pitta

Bhrajaka Pitta ist in der Haut angesiedelt. Dieses Subdosha bestimmt unser Hautbild, insbesondere Farbe und Aura der Haut. Wenn es aus dem Gleichgewicht gerät, können wir an Hauterkrankungen wie Ekzem, Psoriasis und juckenden oder brennenden Ausschlägen leiden.

Die Kapha-Subdoshas

Tarpaka Kapha

Tarpaka Kapha ist im Gleitmittel/der Flüssigkeit enthalten, die das Hirn und das Rückenmark umgibt. Wenn das Gehirn durch exzessives Prana Vata (Verschlimmerung durch zu viel Stress) ausgetrocknet wird, ist Tarpaka Kapha der Schutzmechanismus, der das Hirn befeuchtet und nährt. Das Tarpaka arbeitet dafür, das Gedächtnis zu unterstützen und Demenz zu verhindern. Es beeinflusst auch die Markscheide, die unsere Nerven umhüllt und isoliert und wesentlich dafür ist, dass unser Nervensystem richtig funktioniert. Wie bereits besprochen, fließt das Marut-vorherrschende Prana vom Adhipati-Marmapunkt am Scheitelpunkt des Kopfes die Wirbelsäule hinunter. Marut besteht aus Raum und Luft, hat also die Tendenz auszutrocknen. Daher benötigt das Rückenmark ständige Befeuchtung, Kühlung und Nährung. Eine Störung im Tarpaka Kapha kann zu Multipler Sklerose und anderen Entmarkungskrankheiten führen.

Bodhaka Kapha

Bodhaka Kapha steuert unsere Geschmacksknospen und erlaubt uns, die sechs Geschmäcke (süß, sauer, salzig, scharf, bitter und adstringierend) wahrzunehmen. Wenn es nicht in Balance ist, können wir den Geschmack nicht richtig wahrnehmen. Es schützt auch die Mundhöhle, indem es Speichel bildet, wenn sie trocken ist. Trockener Mund, Zahnfleischrückgang und Zahnfleischentzündungen sind alles Zeichen für geringes Bodhaka Kapha.

Kledaka Kapha

Kledaka Kapha befindet sich in der Schleimhaut des Verdauungstrakts. Es befeuchtet das Essen, das wir in den Mund nehmen und hält es in unserem Magen feucht, sodass es richtig umher bewegt wird und verhindert, dass Pachaka Pitta die Schleimhäute verbrennt. Wenn das Kledaka Kapha gering ist, können Gas, Aufblähung, brennende Schmerzen im Magen und Geschwüre auftreten.

Avalambaka Kapha

Avalambaka Kapha ist in der Brust beheimatet. Avalambaka heißt „abhängig von“ oder „halten oder unterstützen“, was sich auf die Tatsache bezieht, dass wir psychisch, physisch und emotional von seiner soliden Grundlage abhängig sind. Wenn dieses Subdosha aus dem Gleichgewicht gerät, verlieren wir unsere geistige Stabilität, was ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, mangelndes Vertrauen und eine hartnäckig negative Einstellung hervorruft.

Shleshaka Kapha

Shleshaka Kapha befindet sich in der Gelenksflüssigkeit. Es nährt und befeuchtet die Gelenkoberflächen und fördert die Biegsamkeit der Gelenke. Es befeuchtet außerdem die Kapillaren und die Haut sowie die Zwischenräume zwischen den Organen, die Spalte zwischen den Zellen und sogar die Lücken zwischen DNA- und RNA-Molekülen – jeden Zwischenraum, an dem zwei Dinge miteinander verbunden sind und zusammenarbeiten. Anomalien dieses Subdoshas können Osteoarthritis und andere strukturelle Schäden an den Gelenken zur Folge haben.


Wie Sie sehen, ist der Puls ein wertvoller, detaillierter Bauplan für die Gesundheit eines Patienten und bietet Ärzten einen raschen Zugang zu aktuellen und früheren Informationen über Körper, Geist, Seele und Temperament des Patienten. Es kann die sehr frühen Stadien des Krankheitsverlaufs erkennen, wenn eine Intervention entscheidend ist, um ein voll ausgeprägtes Leiden zu verhindern und es kann auch als ausgezeichnetes Werkzeug dienen, um den Fortschritt des Patienten während der Behandlung zu verfolgen.

Trotz aller Sanskritwörter und komplizierter körperlicher Wechselwirkungen, die ich in diesem Kapitel beschrieben habe, läuft die Wiedererlangung oder Bewahrung Ihrer Gesundheit auf den gesunden Menschenverstand hinaus, der die Essenz des Ayurveda ist. Daher ist Ihr Rezept, um eine vollkommene Gesundheit zu erlangen, einfach und unkompliziert: Essen Sie, wenn Sie hungrig sind, trinken Sie, wenn Sie durstig sind und schlafen Sie, wenn Sie müde sind. So einfach ist das.

2
Die Schilddrüse und das Hormonsystem

„Judy, bitte folgen Sie mir ins Behandlungszimmer.“ Als ich meine nächste Patientin aufrief, sah ich, wie sie sich Tränen aus den Augen wischte. Als wir uns setzten, um ihre Krankengeschichte durchzugehen, gab ich ihr ein paar Taschentücher, während sie ihre Geschichte erzählte. Sie zählte ihre Symptome auf: Das Haar fiel ihr büschelweise aus, bis zu dem Punkt, an dem sie eine Perücke tragen musste. Sie nahm Gewicht zu, egal wie wenig sie aß oder wie viele Stunden sie pro Woche ins Fitnessstudio ging, wo sie neben schlanken Frauen trainierte – was ihr Selbstbewusstsein zum Absturz brachte. Ihr Herz schlug unregelmäßig, wenn sie nachts im Bett lag und sich fragte, ob sie einen Herzinfarkt bekam und sie litt an Benommenheit. Als ich ihre Krankengeschichte aufnahm, stellte ich fest, dass ich Sätze für sie beendete, während sie nach den einfachsten Worten suchte. Ihre Beine und Fußgelenke waren geschwollen und sie fühlte sich jeden Tag deprimiert, obwohl sie einen liebevollen Ehemann und wunderbare Kinder hat.

Was alles nur noch schlimmer machte, war die Tatsache, dass all ihre Laborergebnisse normal waren. Ihre Schilddrüse war normal und ihre Darmspiegelung und das Blutbild waren in Ordnung. Die einzigen Probleme, die ihre Ärzte finden konnten, waren ihr leicht erhöhtes Cholesterin und das etwas zu geringe Vitamin D. Also konnte sie nur mehr trainieren, weniger essen und Antidepressiva nehmen, um ihre Stimmung aufzuhellen. Sie probierte dies aus und nahm 18 Kilogramm zu.

Judy ist nicht allein. Fälle wie ihren sehe ich mehrmals am Tag, jede Woche, Jahr um Jahr. Die westliche Medizin scheint für diese Patienten allgemein keine Hilfe zu bieten. Wenn Blutbildanalysen der Schilddrüsenfunktion eine normale Funktion zeigen, müssen diese Patienten, die eine Schilddrüsenschwäche erleben, die aber noch nicht bis zu einer diagnostizierbaren Erkrankung fortgeschritten ist, darunter leiden. Und wenn die Tests ergeben, dass die Schilddrüsenhormone zu gering sind, verschreiben die Ärzte gewöhnlich einfach das synthetische Schilddrüsenhormon Levothyroxin (Levothroid, Synthroid, Levoxyl). Als Alternative empfehlen manche Ärzte natürlichere Formen des Schilddrüsenhormons aus getrockneten Schweineschilddrüsen (wie Armour Thyroid, Nature-Throid und Westhroid). Doch wenn ich Patienten sehe, die eine dieser beiden Arten von Schilddrüsenmedikationen nehmen, hat sich nicht viel verändert und ihre Symptome bestehen weiter.

Einige ganzheitliche Ärzte empfehlen Nahrungsergänzungsmittel, um die Schilddrüse zu unterstützen. Aber dies sind synthetische Versionen der Nährstoffe, die in Lebensmitteln, Kräutern und Gewürzen vorkommen, und während einige vielleicht einen Nutzen haben und andere Symptome lindern, haben sie auch eine Reihe von Nebenwirkungen und schädigen die Leber und Nieren auf ähnliche Weise wie Pharmazeutika.

Manche ayurvedischen Ärzte verschreiben Kräuter wie Ashwagandha, Shilajit und Shatavari, die sehr nützlich für die Schilddrüse und ungiftig für Nieren oder Leber sind. Das ist ein guter Anfang, aber ohne überhaupt erst zu berücksichtigen, warum die Schilddrüse schwach ist, greift diese Behandlung auch zu kurz.

Schilddrüsenschwäche oder Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich gewöhnlich über einen längeren Zeitraum, aufgrund von später Schlafenszeit, Toxinen, Darminfektionen, falscher Ernährungsweise, Überarbeitung oder Stress oder einer genetischen Veranlagung. Wendet man die Pulsdiagnose (in Kapitel 1 beschrieben) an, kann man eine Schwäche in der Schilddrüse in einem viel früheren Stadium ermitteln als es das Blutbild zeigen würde. Außerdem – ebenso wichtig – lassen sich die speziellen Faktoren identifizieren, die diese sehr empfindliche Drüse beim jeweiligen Patienten schwächen.

Bereits 1976 hat Dr. Broda O. Barnes in Hypothyroidism: The Unsuspected Illness, seinem bahnbrechenden Buch zu diesem Thema, die medizinische Fachwelt gewarnt. Er wies die Ärzte darauf hin, dass Tausende von Menschen im ganzen Land an Schilddrüsenschwäche litten, aber nicht diagnostiziert und daher wegen der mangelnden Sensitivität verfügbarer Schilddrüsentests nicht behandelt würden.

Seitdem wurden zahlreiche Bücher und Forschungsartikel zum Thema „subklinische“ Schilddrüsenbeschwerden, die nicht im Blutbild erkennbar sind, geschrieben. Selbst wenn Ärzte ein subklinisches Schilddrüsenleiden vermuten und Hormone verschreiben, seien es nun natürliche oder synthetische, ändert sich für den Patienten nicht viel. Warum? Die Schilddrüse kann nur Hormone produzieren, wenn sie von der Hypophyse ein Signal erhält, dass die Hormonspiegel der Schilddrüse zu niedrig sind. Falls der Patient Schilddrüsenhormone nimmt, geht die Schilddrüse, die bereits nicht richtig gearbeitet hat, einfach schlafen. Da der Körper Schilddrüsenhormone von einer äußeren Quelle erhält, besteht für die Schilddrüse keine Notwendigkeit, diese zu produzieren. Daher brauchen viele Patienten im Laufe der Zeit immer mehr Schilddrüsenhormone zusätzlich. Erinnern Sie sich an Judy? Man hatte ihr natürliche Schilddrüsenhormone, Jod, Tyrosin und Ashwagandha verschrieben, doch es war keine Besserung eingetreten. Das kommt daher, dass ihre Behandlung hauptsächlich darauf ausgerichtet war, Hormonmängel der Schilddrüse auszugleichen, obgleich es viele andere Faktoren zu berücksichtigen galt.

Um anhand dieser anderen Faktoren zu begreifen, wie man eine Schilddrüsenunterfunktion wirksam auf der Ebene ihrer Grundursache behandelt, muss man zuerst die Funktion der Schilddrüse und ihre Rolle im Körper verstehen. Dazu gehört auch ihr Verhältnis zum restlichen Hormonsystem. Sehen wir uns das einmal an.

DAS HORMONSYSTEM

Die Schilddrüse ist Teil des Hormonsystems, das aus Drüsen und Organen besteht, die Hormone produzieren, speichern und in die Blutbahn ausschütten. Die Hormone bewegen sich in der Blutbahn durch den ganzen Körper, bis sie ihren Zielort erreichen.

Hormone regulieren die Funktion jeder Zelle des Körpers. Doch um eine Reaktion hervorzurufen, muss sich ein Hormon mit einem spezifischen Rezeptor auf einer Zellmembran verbinden. Die Membran ist eine dünne Barriere, die die Zelle umgibt und einhüllt. Sie ist semipermeabel, was bedeutet, dass sie bestimmte Substanzen in die Zelle hineinlässt und andere nicht. Verschiedene Zellen haben Rezeptoren für unterschiedliche Hormone und diese Rezeptoren funktionieren mit einem Mechanismus, der häufig als Schlüssel-Schloss-Prinzip bezeichnet wird. Falls der Schlüssel (ein Hormon) zum Schloss passt (dem Rezeptor), öffnet sich die Tür in der Zellmembran und es findet eine Wirkung statt.

Jede Drüse im Hormonsystem ist für die Ausschüttung bestimmter Arten von Hormonen verantwortlich, die ihrerseits bestimmte Reaktionen in der Physiologie hervorrufen.

Zirbeldrüse

Die Zirbeldrüse liegt fast im Zentrum des Gehirns. Anders als der Rest des Gehirns ist sie vom übrigen Körper nicht durch die Blut-Hirn-Schranke getrennt. Obwohl ihre Funktion bis in jüngere Zeit unbekannt war, bezogen sich mystische und esoterische Traditionen auf diesen Bereich in der Mitte des Gehirns als dem Verbindungsglied zwischen den physischen und spirituellen Reichen.

Die Zirbeldrüse ist die Quelle von Melatonin, einem Hormon, das aus Tryptophan gebildet wird. Sie reguliert unsere Biorhythmen, indem sie bei fehlendem Licht mehr Melatonin produziert und seine Produktion verringert, wenn Licht vorhanden ist. Spezielle Fotorezeptorzellen in der Netzhaut erkennen die An- oder Abwesenheit von Licht und senden über den Hypothalamus Signale zur Zirbeldrüse, um die Melatonin-Produktion zu regeln. Daher ist die Melatonin-Produktion in den Nachtstunden am höchsten, was es uns ermöglicht zu schlafen, indem wir unsere körperlichen Vorgänge verlangsamen. Tagsüber ist sie am geringsten, wodurch wir uns wach und bereit fühlen, die Herausforderungen des Tages anzugehen.

Um den größtmöglichen Nutzen aus dem Schlaf und dem Melatoninzyklus zu ziehen, sollte man dafür sorgen, dass das Schlafzimmer nachts vollkommen dunkel ist. Verwenden Sie also kein Nachtlicht und natürlich auch kein eingeschaltetes Smartphone neben dem Kopf!

Ein weiterer wichtiger Punkt: Zeitpunkt, Länge und Frequenz des Menstruationszyklus werden auch durch Melatonin beeinflusst. Daher ist es wichtig, dem Rat der alten Seher Indiens zu folgen und zu schlafen, wenn die Sonne untergeht und zu erwachen, wenn die Sonne aufgeht. In dem revolutionären und beachtlichen Buch Das geheime Leben der Pflanzen zeigten die Forscher, wie Tiere keine Eizellen mehr bilden und unfruchtbar werden, wenn sie nachts mit Licht beschienen werden, um sie wach zu halten. Das illustriert die starken Auswirkungen von Tageslicht und Dunkelheit auf unsere sensiblen Hormonsysteme.

Hypothalamus

Der Hypothalamus schickt Hormone zur Hypophyse, um ihr zu signalisieren, dass sie entweder Hormone in die anderen endokrinen Drüsen ausschütten oder dies verhindern soll. Wenn die Schilddrüsenhormone z. B. zu stark abnehmen, setzt der Hypothalamus Thyreoliberin (TRH) frei, das die Hypophyse dazu anregt, thyreoidea-stimulierende Hormone (TSH) auszuschütten. Dies wiederum signalisiert der Schilddrüse, dass sie ihre Produktion von Schilddrüsenhormonen steigern soll. Dasselbe macht er mit den Keimdrüsen, die Gonadoliberin (GnRH) freisetzen, und mit den Nebennieren, die Corticoliberin (CRH) ausschütten.

Er sondert außerdem Wachstumshormon-freisetzende Hormone, Wachstumshormon-hemmende Hormone, Oxytocin und antidiuretische Hormone ab. Diese Hormone werden dann zur Hypophyse transportiert und dort im hinteren Teil aufbewahrt, bis sie benötigt werden. Oxytocin löst während des Geburtsvorgangs Gebärmutterkontraktionen und beim Stillen die Abgabe der Milch aus. Das antidiuretische Hormon verhindert Wasserverlust im Körper, indem es die Wasseraufnahme in den Nieren erhöht und den Blutfluss zu den Schweißdrüsen verringert.

Hypophyse

Die erbsengroße Hypophyse ist klein und oval und an der Unterseite des Gehirns angesiedelt, direkt hinter dem Nasenrücken. Sie sitzt in einer kleinen Vertiefung im Keilbein, auch als Sella turcica oder Türkensattel bezeichnet, da es sehr stark an einen Pferdesattel erinnert. Die Hypophyse besteht aus zwei separaten Teilen, der Neurohypophyse und der Adenohypophyse.

Die Neurohypophyse besteht eigentlich aus Nervengewebe (und nicht aus Drüsengewebe) und speichert Oxytocin und das antidiuretische Hormon, die es wiederum bei Bedarf ausschüttet.

Die Adenohypophyse ist der eigentliche Drüsenteil der Hypophyse. Sie wird von mehreren Liberinen (Releasing-Hormonen) und Statinen (Inhibiting-Hormonen) kontrolliert, die vom Hypothalamus an sie abgegeben werden. Sie selbst stellt sechs Hormone her:

•Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH), was der Schilddrüse signalisiert, ihre Hormone zu erzeugen

•Adrenokortikotropes Hormon (ACTH), was die Nebennierenrinde dazu anregt, ihre Hormone zu produzieren

•Follikelstimulierendes Hormon (FSH), was die Keimdrüsen dazu stimuliert, bei Frauen Eizellen und bei Männern Sperma herzustellen

•Luteinisierendes Hormon (LH), das die Keimdrüsen dazu bringt, bei Frauen Östrogene und bei Männern Testosteron zu produzieren

•Humanes Wachstumshormon (hGH), das sich auf das Wachstum, die Reparatur und Reproduktion vieler Zellen im ganzen Körper auswirkt

•Prolaktin (PRL), das die Milchdrüsen der Brüste dazu anregt, Milch zu produzieren

Die Hypophyse erhält auf zweierlei Weise Informationen über die im Blut zirkulierenden Hormonspiegel: indem sie die Hormonpegel selbst erkennt und über Signale vom Hypothalamus.

Schilddrüse

Die Schilddrüse wirkt praktisch auf jede Zelle, jedes Organ und jede Drüse in unserem Körper und kann in umgekehrter Richtung auch durch zahlreiche negative Faktoren in unserer Umgebung und Physiologie beeinflusst werden. Die Schilddrüse erzeugt Calcitonin, das die Kalziumspiegel im Blut verringert, wenn sie über einen bestimmten Punkt steigen. Sie produziert außerdem Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die gemeinsam Stoffwechselrate, Wachstum, Temperatur, Herzfrequenz und -rhythmus, Verdauungsfunktionen, reproduktives System, Muskelkontrolle, Gehirnentwicklung und Knochenerhalt im Körper regulieren.

Nebenschilddrüsen

Diese vier kleinen Ansammlungen von Drüsengewebe befinden sich auf der hinteren Seite der Schilddrüse und produzieren das Nebenschilddrüsenhormon oder Parathormon (PTH), wenn die Kalziumwerte im Blut zu stark abfallen. Das PTH sorgt dafür, dass die Osteoklasten (Knochenzellen) Kalzium abbauen und in die Blutbahn abgeben, während es gleichzeitig einen Impuls in den Nieren auslöst, das Kalzium zu bewahren, das aus dem Blutstrom herausgefiltert wurde, und wieder ins Blut zurückzuführen, statt es über den Urin auszuscheiden.

Nebennieren

Die Nebennieren sitzen oben auf den Nieren und bestehen aus der äußeren Nebennierenrinde und dem inneren Nebennierenmark. Die Nebennierenrinde produziert zwei wichtige Gruppen von Kortikosteroidhormonen: Glukokortikoide und Mineralokortikoide, sowie Androgene.

Die Glukokortikoide bestehen überwiegend aus Cortisol, das den Einsatz von Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten im Körper kontrolliert, Entzündungen im Zaum hält, den Blutdruck reguliert, den Blutzucker erhöht und auch die Knochenbildung vermindern kann. Es wird in Stresszeiten ausgeschüttet, um Ihrem Körper zu helfen, mehr Energie zu generieren und eine Notsituation besser zu meistern.

Das allerwichtigste Mineralokortikoid ist Aldosteron, das bei der Kontrolle des Blutdrucks hilft und den Nieren signalisiert, wann sie Natrium in die Blutbahn reabsorbieren und Kalium in den Urin abgeben sollen, was die Elektrolyte und den pH-Wert im Blut reguliert.

Die Androgene, die von der Nebennierenrinde produziert werden, sind Dehydroepiandrosteron (DHEA) und Testosteron. Diese Hormone sind Vorläuferhormone, die in den Eierstöcken in weibliche Hormone (Östrogene) und in den Hoden in männliche Hormone (Androgene) umgewandelt werden.

Das Nebennierenmark befindet sich in der Nebennierenrinde und produziert Epinephrin (Adrenalin) und Noradrenalin, wenn es vom sympathischen Teil des autonomen Nervensystems dazu angeregt wird. Diese Hormone aktivieren die „Kampf oder Flucht“-Reaktion auf Stress. Sie erhöhen den Blutfluss zu Gehirn und Muskeln, die Herzfrequenz, Atemfrequenz und den Blutdruck und senken den Blutfluss zu und die Funktion von Organen, die nicht in diese Reaktion involviert sind (wie die Verdauungsorgane).

Das meiste Östrogen (und Progesteron) von Frauen nach den Wechseljahren wird von den Nebennieren produziert, was ein weiterer Grund dafür sein sollte, dass man sein Drüsensystem mit dem Älterwerden in einem guten Zustand hält!

Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse ist eine große Drüse. Sie gilt als „heterokrine“ Drüse, denn sie enthält endokrines und exokrines Gewebe. Der exokrine Teil der Bauchspeicheldrüse scheidet Enzyme aus, die Proteine, Fette, Kohlenhydrate und Nukleinsäuren in Lebensmitteln aufspalten.

Der endokrine Teil der Bauchspeicheldrüse umfasst nur etwa 1 Prozent der Gesamtmasse des Organs und findet sich in kleinen Anhäufungen, die man Langerhans-Inseln nennt. Diese Inseln enthalten Alpha-Zellen, die Glucagon produzieren. Es erhöht die Glukosewerte im Blut, indem es Muskel- und Leberzellen dazu bringt, Glykogen (die Speicherform der Glukose) aufzuspalten, damit Glukose in die Blutbahn ausgeschüttet werden kann. Dort befinden sich auch Beta-Zellen, die das Insulin produzieren, das die Glukosewerte im Blut nach einer Mahlzeit senkt. Insulin löst die Resorption von Glukose aus dem Blut in die Zellen aus, wo es in den Glykogenmolekülen gespeichert wird. Somit steuert die Bauchspeicheldrüse den Blutzuckerspiegel den ganzen Tag hindurch und erhöht und senkt ihn nach Bedarf.

Keimdrüsen

Die Keimdrüsen (oder Gonaden) sind die Drüsen, die die Sexualhormone produzieren, also die Eierstöcke bei Frauen und die Hoden bei Männern.

Die Hoden produzieren nach Einsetzen der Pubertät das Androgen Testosteron, das für Wachstum sorgt und Knochen und Muskeln stärkt. Es trägt außerdem zur Entwicklung der Sexualorgane und der Körperbehaarung bei, einschließlich Scham-, Brust- und Gesichtsbehaarung.

Die Eierstöcke produzieren Progesteron und Östrogene. Progesteron ist bei Frauen während des Eisprungs und der Schwangerschaft am aktivsten, um eine Fehlgeburt zu verhindern. Östrogen fördert die Entwicklung von Gebärmutter und Brüsten, Scham- und Achselhaaren, das Wachstum der Knochen in der Adoleszenz und die Regulierung von Menstruationszyklus und Fortpflanzungssystem.

Thymus

Hinter dem Sternum (Brustbein) liegt die Thymusdrüse. Sie produziert Hormone, die man als Thymosine bezeichnet, welche die T-Lymphozyten (T-Zellen), die den Körper vor Pathogenen schützen, während der fötalen Entwicklung und in der Kindheit ausbilden und entwickeln.

Die Haut

„Die Haut?“, fragen Sie vielleicht. Also, technisch gesehen ist die Haut keine Hormondrüse, sondern ein Organ – sie ist tatsächlich das größte Organ des Körpers. Allerdings erzeugt auch die Haut ein Hormon, nämlich Vitamin D. Ja, Vitamin D ist in der Tat ein Hormon, kein Vitamin. Unsere Haut stellt einen Großteil des Vitamins D her, das der Körper braucht; nur etwa 10 Prozent unseres Vitamins D stammt aus der Nahrung, die wir essen.

Vitamin D wird in der Haut produziert, wenn es ultraviolette B-Strahlen (UVB) absorbiert. Die Leber und Nieren sind dann an der Umwandlung dieser inaktiven Form von Vitamin D in eine aktive Form beteiligt, die der Körper nutzen kann.

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung eines normalen Kalzium- und Phosphorspiegels im Blut. Es unterstützt uns bei der Aufnahme von Kalzium aus dem Darm, sodass wir starke Knochen aufbauen können. Doch wie neue Forschungen gezeigt haben, wirkt sich Vitamin D auf mehr als nur auf die Gesundheit der Knochen aus. Bei Frauen kann ein Vitamin-D-Mangel niedrige Östrogenwerte hervorrufen, bei Männern kann es zu einem geringen Testosteronspiegel führen, was sich auf die Libido auswirkt. Dies könnte der Grund sein, wieso unsere Libido im Frühjahr zu steigen scheint, den ganzen Sommer lang stark bleibt und in den Wintermonaten etwas abnimmt.

Andere Studien haben gezeigt, dass Vitamin D die Gene aktiviert, die Dopamin und Serotonin freisetzen, beides Neurotransmitter, die uns glücklich und ruhig halten. Außerdem beeinflusst es auch unser Immunsystem, weswegen unsere Immunität in den Wintermonaten durch weniger Sonneneinstrahlung abnimmt. Ein Vitamin-D-Mangel kann auch zu Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose führen. Ein geringerer Vitamin-D-Spiegel wird auch mit Krebs, Herzkrankheiten, Schlaganfall und Diabetes in Zusammenhang gebracht. Alles in allem scheint es, dass unser Verständnis über den Einfluss von Vitamin D auf unseren Körper täglich wächst.

Die Nieren

Die Nieren werden normalerweise nicht als Teil des Hormonsystems angesehen, doch sie produzieren das Hormon Renin, das dabei hilft, den Blutdruck und das Hormon Erythropoietin zu steuern, das das Knochenmark dazu anregt, rote Blutkörperchen zu produzieren.


Das Hormonsystem ist wie ein fein aufeinander abgestimmtes Orchester – Probleme oder eine Schwäche in einem Teil des Systems können sich nachteilig auf andere Teile des Systems auswirken. Viele Stressfaktoren, die Einfluss auf das Hormonsystem nehmen, können wir nicht kontrollieren – Stress am Arbeitsplatz, Unfälle und Verletzungen usw. Doch es zeigt sich, dass wir zwei große Stressfaktoren beeinflussen können: wann wir ins Bett gehen und was wir essen. Falls wir in beiden Fällen diszipliniert sind, geben wir unserem Körper mehr Bewegungsspielraum, um die anderen Stressfaktoren zu handhaben, wodurch es schwieriger für sie wird, uns krank zu machen. Im nächsten Kapitel sprechen wir über beide Faktoren.

NUN ZURÜCK ZUR SCHILDDRÜSE

Die Schilddrüse befindet sich im Hals, direkt unterhalb des Adamsapfels. Wie oben bereits angemerkt, beeinflusst sie praktisch jedes andere Organ im Körper und ist daran beteiligt, Stoffwechsel, Herzrhythmus, Verdauungsfunktion, Muskelkontrolle, Gehirnentwicklung und Knochenerhalt zu regulieren. Sie liefert Hormone zur Produktion von Energie und hat einen tiefen Einfluss auf unsere Stimmungen und Emotionen.

Hier ist eine beeindruckende Tatsache: Jede Zelle im Körper hat Rezeptoren für bestimmte Hormone, doch nur zwei Arten von Rezeptoren sind auf allen Zellen zu finden. Welche sind das? Schilddrüsenhormon- und Vitamin-D-Rezeptoren. Was bedeutet das? Wirklich jede Zelle im Körper ist von einer normal funktionierenden Schilddrüse abhängig! Es erklärt auch, warum die Schilddrüse auf jede Verletzung im Körper reagiert. (Was die Vitamin-D-Rezeptoren betrifft, vermute ich, dass die Allgegenwärtigkeit der Rezeptoren zeigt, dass wir nur an der Oberfläche dessen gekratzt haben, was wir über die Auswirkungen des Vitamins D auf den Körper wissen. Ich erwarte gespannt neue Forschungsergebnisse, die mehr Details über den Einfluss dieses Hormons in unserem Körper offenbaren.)

Wenn die Hormonwerte in der Schilddrüse zu stark sinken, sezerniert der Hypothalamus Thyreoliberin (TRH), das die Hypophyse dazu anregt, thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) auszuschütten. Dies signalisiert der Schilddrüse, dass sie mehr Hormone herstellen soll. Wenn die Hormonspiegel der Schilddrüse zu hoch sind, sinken die TSH-Spiegel und geben der Schilddrüse so zu verstehen, dass sie ihre Hormonproduktion reduzieren muss.

Die Schilddrüsenhormone werden erzeugt, indem sich Jodmoleküle an Tyrosin, eine Aminosäure, binden. Tyrosin wird im Körper aus Phenylalanin aufgebaut, einer Aminosäure, die in vielen Speisen mit hohem Proteinanteil zu finden ist. Dazu gehören Huhn, Pute, Fisch, Milch, Joghurt, Hüttenkäse, Mandeln, Sesamsamen und Avocados. (Anmerkung für Vegetarier: Die meisten Nahrungsquellen für Tyrosin sind tierische Proteine.) Die Schilddrüsenzellen sind die einzigen Zellen im Körper, die Jod resorbieren können, das man in Fisch, Meeresgemüse und diversen anderen Lebensmitteln findet. (Eine umfassendere Liste befindet sich in Kapitel 3).

TSH stimuliert die Thyreoperoxidase-Aktivität (TPO), bei der Jod zur Erzeugung der Hormone Thyroxin (T4), Triiodthyronin (T3), Diiodthyronin (T2) und Monoiodthyronin (T1) eingesetzt wird. Die Zahlen 1 bis 4 stehen für die Zahl der Jodmoleküle, die an das Tyrosin-Molekül gebunden sind: T4 hat vier Jodmoleküle, T3 drei Moleküle usw. Insgesamt bestehen die Schilddrüsenhormone zu 80 Prozent aus T4 und 15 Prozent aus T3, die übrigen 5 Prozent sind zwischen T2 und T1 aufgeteilt.

T4 kann aber nicht in Ihre Zellen gelangen. T3, das als die aktive Form des Hormons gilt, ist dasjenige, das sich auf den Stoffwechsel auswirkt, da es in die Zellen eintreten kann. Über die Funktion von T2 und T1 ist bisher nicht viel bekannt, doch ich hoffe, dass die Forschung uns mehr Aufschluss über ihre Wirkungen auf den Körper geben wird.

Viele meiner Patienten fragen mich, warum unser Körper so viel T4 produziert, wenn es doch nicht durch unsere Zellen genutzt werden kann. Wäre es denn nicht wirksamer, wenn die Schilddrüse einfach nur T3 produzieren würde, da doch das T3 die ganze Arbeit tut? Gute Frage! Es hat sich gezeigt, dass der Körper tatsächlich weiser ist, als wir glauben. Er hat einen Plan und einen Grund für alles. T4 strömt durch den Körper in die Blutbahn und wird in den Geweben gespeichert, wo es auf Signale wartet, dass mehr T3 benötigt wird. In diesem Moment kommt es aus den Speicherorten und wird in T3 umgewandelt.

Probleme bei der Umwandlung von T4 zu T3

Wenn der Körper T4 in T3 umwandeln muss, werden etwa 80 Prozent des T4 durch die Leber in T3 umgeformt und etwa 20 Prozent des T4 gehen in den Verdauungstrakt.Dort transformiert es freundliche Bakterien zu T3.

Überlegen Sie mal: Die meisten von uns besitzen nicht genug Darmflora, die so lebenswichtig für die Verdauungs-, Stoffwechsel- und Immunsystemfunktionen ist. Wer von uns hat noch nie seine nützlichen Darmbakterien geschwächt, indem er Antibiotika, Verhütungspillen, Steroide oder verschiedene andere Pharmazeutika eingenommen hat? Sie denken jetzt wahrscheinlich, ja, während Sie diese Arzneimittel genommen haben, waren Sie vorausschauend genug, danach ein Probiotikum zu nehmen oder Ihrem Darm Ihren Lieblings-Bio-Joghurt mit lebendigen probiotischen Kulturen zu gönnen. Also sollte es Ihnen danach doch gut gehen. Was Sie jedoch wahrscheinlich nicht wissen, ist die Tatsache, dass die probiotischen Kulturen auf dem Markt unwirksam sind, weil die meisten ihrer Kulturen bei der Verarbeitung sterben. Das gilt ebenfalls für Joghurts – sie verlieren ihre Bakterienkulturen, während sie im Supermarkt im Regal stehen.

Wenn bei Ihnen kein Leberproblem wie Hepatitis oder Fettleber diagnostiziert wurde, glauben Sie vielleicht, dass Ihre Leberfunktion in Ordnung und vollauf dazu imstande ist, T4 in T3 umzuwandeln. Aber weit gefehlt. Die Leber ist bei den meisten Menschen angegriffen. Fast 99 Prozent der neuen Patienten, die zu mir kommen, müssen ihre Leber etwas reparieren. Überlegen Sie mal: Alles, was Sie je geschluckt haben, jede Chemikalie, die Sie je eingeatmet haben und jedes Produkt, mit dem Sie sich je eingecremt haben, wurde von Ihrer Leber verarbeitet. Im Laufe der Zeit trägt die Leber eine ziemlich giftige Last.

Und außerdem leben wir in Regionen, die die Bedeutung von innerer Reinigung nicht anerkennen. Infolgedessen trägt die Leber viele säurehaltige Toxine in sich, überhitzt und kann keine ihrer Funktionen gut ausführen, also auch nicht die Umwandlung von T4 in T3. Dieses enorme Problem sehe ich bei allen meinen Patienten, doch die meisten Leute – viele Ärzte eingeschlossen – sind sich dessen nicht bewusst.

Ohne die Leber und Darmflora wirksam zu behandeln, ist es fast unmöglich, irgendeine Störung in der Schilddrüse zu kurieren, sei es Hypothyreose oder Hashimoto-Thyreoiditis. Aus diesem Grund werden wir später in diesem Buch über die Kräuter sprechen, die zur Behandlung von Entzündungen in der Leber eingesetzt werden. Außerdem nenne ich Ihnen die besten Quellen für Präbiotika und Probiotika, die für die richtige Kühlung und den raschen und wirksamen Ersatz der nützlichen Bakterien sorgen.

Sehr spannende Forschungsergebnisse, die sich auf diese äußerst wichtige Konversion von T4 zu T3 konzentrieren, wurden 2015 von Brock McGregor veröffentlicht. Darin beschreibt er die Tatsache, dass es der periphere Stoffwechsel ist (Stoffwechsel, der außerhalb der Schilddrüse stattfindet), der das T4 über eine Reihe von Wegen in T3 umwandelt. Sein Artikel konstatiert die zahlreichen Faktoren, die diese Konversion stören können, wodurch die Patienten Symptome von Schilddrüsenunterfunktion haben, selbst wenn ihre Schilddrüsen-Blutuntersuchungen normal sind. Diese Faktoren beinhalten Probleme mit der Leber- und Nierenfunktion, Entzündungen, Krankheiten, Verhaltensweisen in der Lebensführung – dazu gehören Fasten, Alkoholabhängigkeit, Rauchen und Nährstoffmangel wie Zink und Selen, um nur einige zu nennen. Wir werden all diese Faktoren und mehr in späteren Kapiteln besprechen.

Gebundene versus freie Schilddrüsenhormone

Die Schilddrüsenhormone werden von thyroxin-bindenden Proteinen, die im Blutbild als thyroxin-bindende Globuline (TBG) gemessen werden, durch die Blutbahn transportiert. Diese besonderen Proteine bringen die Schilddrüsenhormone persönlich durch den Körper und setzen sie dort ab, wo sie gebraucht werden. Sobald sie angekommen sind, werden sie zu „freien“ Hormonen, im Blutbild markiert als „freie T4“ oder „freie T3.“ Nur die freien Hormone können einen Einfluss auf die Körperzellen ausüben, doch der Körper lässt seine Schilddrüsenhormone nur ungern los: etwa 99 Prozent der Schilddrüsenhormone sind gebunden. Sie werden nur freigesetzt, wenn dies notwendig ist. Zu viel TBG oder gebundene Hormone führen dazu, dass der aktive Schilddrüsenhormonspiegel absinkt, was zu Hypothyreose oder einer hypoaktiven Schilddrüsenfunktion führt. Zu viel freies T4 oder T3 erzeugt Hyperthyreose oder überaktive Schilddrüsenfunktion. Krankheiten, Lebererkrankungen, Verhütungspillen, Hormonersatztherapie und Kortikosteroide (wie Prednison) können Ihren TBG-Spiegel beeinträchtigen.

Eine vom Endokrinologen Kent Holtorf 2014 im Journal of Restorative Medicine veröffentlichte Studie zeigt, „dass der verminderte Transport von T4 und T3 in die Zellen bei einer Reihe verbreiteter Krankheiten zu beobachten ist, dazu gehören Insulinresistenz, Diabetes, Depression, bipolare Störung, Hyperlipidämie, Chronisches Erschöpfungssyndrom, Fibromyalgie, neurodegenerative Krankheiten, Migränen, Stress, Angst, chronisch Diät halten und Altern, während der T3-Spiegel in der Hypophyse davon oft unbeeinflusst bleibt. Die Hypophyse hat verschiedene Transporter von jedem einzelnen Gewebe im Körper. Die Schilddrüsentransporter im Körper sind stark energieabhängig und werden durch zahlreiche Bedingungen beeinflusst, z. B. niedrige Energiezustände, Toxine und Dysfunktion der Mitochondrien, während die Hypophyse davon nicht betroffen ist“ [Hervorhebung durch die Autorin].

Er erklärt weiter, „da die Hypophyse weitgehend unbeeinflusst bleibt und in der Lage ist, ihren intrazellulären T3-Spiegel (den Hormonspiegel in der Zelle) aufrechtzuerhalten, während der Rest des Körpers an einem deutlich verminderten intrazellulären T3-Spiegel leidet, findet trotz einer weit verbreiteten Hypothyreose im Gewebe kein Anstieg des thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) statt, was den TSH- und andere Standard-Bluttests zu einem schlechten Marker macht, um das Vorhandensein oder Fehlen einer Hypothyreose zu bestimmen“ [Hervorhebung durch die Autorin]. Er schließt mit der nachdrücklichen Feststellung, dass Patienten Anzeichen und Symptome einer Hypothyreose aufweisen, doch trotzdem einen normalen TSH-Spiegel besitzen können. Außerdem mahnt er die Kliniker, klinische und Laboruntersuchungen zu kombinieren und andere Parameter einzubeziehen, wie z. B. reverses T3 (siehe unten), um eine Schilddrüsenstörung besser bestimmen zu können.

Bildung von reversem T3

Das reverse T3 (rT3) ist eine biologisch inaktive Form von T3, es ist also ein „Spiegelmolekül“ von normalem T3. Es bindet sich an den Zellen an die gleichen Rezeptoren, aber blockiert diese Stellen eher, anstatt sie zu aktivieren, wodurch es den Basalmetabolismus unterdrückt. Die Leber produziert bei der Umwandlung von T4 zu T3 normalerweise ein wenig rT3. In Zeiten voller Stress oder wenn man krank ist, wird mehr rT3 als reguläres T3 gebildet, um Energie zu sparen, bis der Stress wieder weniger ist.

Erhöhte rT3-Spiegel können durch chronischen Stress (der einen hohen Cortisolspiegel hervorruft), Nebennierenschwäche, niedrige Ferritinspiegel (Ferritin ist Eisen in gespeicherter Form), strenge Diäten, akute Verletzung oder Krankheit oder eine chronische Erkrankung ausgelöst werden. Wie Sie im nächsten Kapitel lesen werden, sind diese Faktoren genau dieselben, die zur Schilddrüsenstörung beitragen.

Endokrinologen erkennen normalerweise weder die Bedeutung von höheren rT3-Spiegeln noch betrachten sie diese als Indikator einer Schilddrüsendysfunktion.

Die ganzheitlichen Ärzte sind da anderer Ansicht. Selbst wenn TSH-, freie T3- und freie T4-Werte normal sind, betrachten sie erhöhte rT3-Spiegel als Ausdruck eines tiefer liegenden Schilddrüsenproblems auf Zellebene. In der oben zitierten Forschungsarbeit nennt Kent Holtorf dies ein Problem mit der „Schilddrüsenunterfunktion der Zellen“. Laut Dr. Holtorf ist

reverses T3 tatsächlich eine „Antithyreoidea“ – T3 ist das aktive Schilddrüsenhormon, das in die Zellen geht und Energieproduktion und Stoffwechsel anregt. Reverses T3 ist ein Spiegelbild – es geht nämlich zu den Rezeptoren und bleibt dort und es geschieht nichts. Somit blockiert es die Schilddrüsenwirkung. Reverses T3 ist eine Art von Winterschlafhormon; in Zeiten von Stress und chronischer Krankheit fährt es den Stoffwechsel herunter. So viele Menschen haben einen scheinbar normalen Schilddrüsenhormonspiegel, doch wenn sie ein hohes Maß an reversem T3 besitzen, leiden sie eigentlich an Schilddrüsenunterfunktion.

Dies erklärt, warum viele Patienten, die synthetische T4-Arzneimittel (wie L-Thyroxin, Levothyroxin, Euthyrox usw.) nehmen, weiterhin an Symptomen leiden. Die Ursache ihres Problems ist nicht, dass ihr Körper zu wenig T4 produziert, sondern, dass manche Formen von Stress – Entzündungen, schlechte Ernährung, Toxizität, psychische Belastungen – ihren Körper dazu veranlassen, zu viel rT3 zu produzieren. Und wie wir im nächsten Kapitel lernen werden, ist es entscheidend, die Grundproblematik anzugehen, um einer Schilddrüsenstörung zu begegnen.

3
Die Grundursachen für Fehlfunktionen der Schilddrüse

Wir neigen heute dazu, die Schilddrüsenstörung als ein modernes Übel zu betrachten, das durch die Geschwindigkeit unserer Welt und die Verunreinigungen, die wir aufnehmen, noch verschlimmert wird. Obgleich dies allgemein zutreffen mag, suchen uns Schilddrüsenprobleme schon seit langer Zeit heim.

Die Chinesen erwähnten die Schilddrüsenerkrankung in Schriften, die bis vor 2700 v. Chr. zurückreichen. Das grundlegende ayurvedische Lehrbuch, die Sushruta Samhita, beschrieb Hyperthyreose, Hypothyreose und Struma (Kropf). Die alten Griechen beklagten die Schrecken der Basedow-Krankheit, lange bevor sie ihren Namen erhielt. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Schilddrüse erstmals als solche erkannt. Ihren Namen erhielt sie nach dem griechischen Wort thyreos für Schild, da die Drüse ein wenig wie die Schilde aussieht, die von den Griechen einst im Kampf benutzt wurden.

In der Moderne ist unser Wissen über die Schilddrüse weiter fortgeschritten, doch wir erforschen noch immer alle Feinheiten ihrer Funktion. Wir haben erkannt, dass die Schilddrüse ein bisschen wie eine zarte Blume ist, die man täglich wässern und sorgfältig pflegen muss. Falls es irgendwo im Körper ein Problem gibt, ob es nun durch einen Mangel an Pflege, elektromagnetische Strahlung, Infektionen oder ein Übermaß an Stress oder Toxinen kommt, wird diese kleine Blume welken und dadurch unsere ganze Physiologie schädigen. Wenn wir unserem Körper allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, uns ausruhen, nähren und entgiften, wird unsere Schilddrüse wieder richtig in Schwung kommen und uns die strahlende Gesundheit und den Stoffwechsel schenken, welche wir uns wünschen.

DIE WURZEL ALLER BALANCE: DIE DOSHAS

Das Ayurveda ist stolz darauf, dass es Unausgewogenheiten auf tiefster Ebene erkennen kann. Ehe wir die zahlreichen Ursachen der Schilddrüsenstörung offenlegen, müssen wir unbedingt verstehen, dass unabhängig davon, welches Leiden oder welche Symptome bestehen mögen – Haarausfall, Arrhythmien, Gewichtszunahme, Erschöpfung, Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion, Hashimoto-Thyreoiditis, Basedow-Krankheit, selbst Schilddrüsenkrebs – wir zuerst das Gleichgewicht der drei Doshas in Betracht ziehen müssen. Falls Sie die Symptome behandeln, ohne die drei Doshas auszugleichen, werden die Ergebnisse minimal und vorübergehend sein.

Kapitel 1 beschreibt die drei Doshas im Detail. Erinnern wir uns kurz:

•Vata repräsentiert die Elemente Raum und Luft. Seine Qualitäten sind schnell, leicht, kalt, trocken, rau, feinstofflich, beweglich, unstet und zerstreuend.

•Pitta repräsentiert die Elemente Feuer und Wasser. Seine Qualitäten sind leicht, heiß, ölig, scharf, flüssig, sauer und scharfwürzig.

•Kapha repräsentiert die Elemente Erde und Wasser. Seine Qualitäten sind schwer, kalt, ölig, langsam, schleimig, dicht, weich, statisch und süß.

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25 мая 2021
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404 стр. 8 иллюстраций
ISBN:
9783962572310
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