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Margret Madejsky
Olaf Rippe
Heilmittel
der Sonne
Mythen, Pflanzenwissen,
Rezepte und Anwendungen

Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur überarbeiteten Neuauflage
Auf den Spuren der Sonne in Mensch und Natur
Die Schlüssel zur Sonne
Das Wesen des Lichts
Lebenselixier Sonne
Im Einklang mit der Sonne leben
Das Sonnenorgan Herz
Die Sonne in Tier, Pflanze und Mineral
Sonnentiere
Die Schlange
Schlangengift als Lebenselixier
Tier der Unsterblichkeit
Schlangengifte in der Homöopathie
Infektabwehr mit Lachesis
Blutdruckregulierung mit Naja
Schlangengifte regulieren die Hormone
Häutung der Seele durch Schlangengifte
Lachesis – Tratschtante mit Giftspritze
Innere Ruhe finden
Naja – Sorgen lasten auf dem Herz
Tiere der Weisheit
Die Biene
Bienengift als Heilmittel
Feurige Witwe mit Putzfimmel
Die Bienenkönigin – Seid fruchtbar und mehret Euch
Honig – Götterspeise und Heilmittel aus dem Bienenvolk
Met – ein Göttertrunk
Sonnenwirken in der Pflanzenwelt
Die Handschrift der Sonne
Schöllkraut – Goldwurz der Alchemisten
Sonnenblume – Sonnenstern und Gottesauge
Sonnenelixier Olivenbaum
Sonnenkräfte in Lichtwirkstoffen
Strahlenschutz durch Pflanzenfarben
Wenn Sonnenlicht in Pflanzen kondensiert
Sonnenfeuer aus Doldenblütlern
Sonne riechen, schmecken und fühlen
Mit Sonne würzen
Die Orakelkräuter des Apollon
Lorbeer – Der Kranz des Apollon
Bilsenkraut – Pflanze der prophetischen Begeisterung
Sonnenmedizin selbst gemacht
Traditionelle Sonnenrezepte
Im Licht des Sonnenspiegels – Mondtinkturen
Sonnenfeuer in Mineralien und Edelsteinen
Bergkristall – Kristallines Licht
Karneol – Der Stein des Friedens
Chrysolith – Wissen, das von Herzen kommt
Topas – Magnet des Lichts
Lichtträger Phosphor
Die reinigende Kraft des Schwefels
Bernstein – Das Gold des Nordens
Ammonit – Sonnenstein und Götterrad
Sonnenmetall Gold
König der Metalle
Zauberkräfte in Gold
Gold als Lebenselixier
Lichtmetall der Selbsterkenntnis
Gold als Mittel des Seelenfriedens
Heilmittel bei Schwermut und Einsamkeit
Im Rhythmus von Sonne und Mond
Pflanzliches Gold für die Seele
Sonnenwirken im Jahreslauf
Die Jahreszeiten im Licht der Sonne
Frühling – Das Erwachen der Sonne
Frühlingskraft durch Wildkräuter
Löwenzahn – Sonnenblüte mit Raubtierzähnen
Bärlauch – Bärenstark durch wilden Lauch
Die Lichtblumen der Ostara
Gänseblümchen – Die Lichtkünderin
Huflattich – Sonne für die Lunge
Immergrün – Blume der Inspiration
Vergissmeinnicht – Die blaue Schatzblume
Schlüsselblume – Schlüssel zur Frühlingssonne
Spiegel der Frühlingssonne
Küchenschelle – Lichtblick für die Seele
Adonisröschen – Die Blume des Frühlingsgottes Adonis
Die Himmelskraft der Bäume
Sonnenbaum Esche
Sommer – Der Sieg der Sonne
Bärlapp und Beifuß – Sonnenkraft der Gürtelkräuter
Die Blumen des Lichtgottes Baldur
Johanniskraut – Sonnenkönig der Pflanzenwelt
Baldrian – Lichtblick in der Nacht
Lichtzauber mit Sonnenpflanzen
Arnika – Blütengold der Götterthrone
Ringelblume – Die Goldblume der Gärtner
Königskerze – Himmelsbrand schützt vor Ozon
Goldrute – Pflanzengold für die Nieren
Odermennig – Königskraut für die Leber
Sonnenhut – Das Immunsystem anfeuern
Herbst – Der Abschied von der Sonne
Herbstzeitlose – Lichtblume des Jahresabends
Kornfrüchte –Abschiedsgeschenke der Sonne
Hafer – Sonnennahrung für Körper und Seele
Wurzeln – Sonnenkräfte aus der Unterwelt
Silberdistel – Blütensonne mit Dornenkranz
Wegwarte – Himmelblauer Sonnenwirbel
Erzengelwurz – Die Botin des Lichts
Der Wein – Götterblut und Lebenselixier
Über die heilsamen Kräfte des Weines
Winter – Geburt der unbesiegbaren Sonne
Die magische Zeit der Zwölften
Die Zeit der Räucherungen
Gold, Weihrauch und Myrrhe
Heilmittel aus dem Morgenland
Der nordische Weihrauch
Mysterienpflanzen der Wintersonne
Efeu – Himmelsleiter und Götterschmuck
Bartflechte – Das Kleid des wilden Mannes
Buchsbaum – Schutz vor finsteren Mächten
Fichte und Tanne – Lichtsäulen zum Himmel
Vom Wacholdergeist
Zypresse – Die Krone der Unterweltgötter
Schwarze Nieswurz – Verkünderin des neugeborenen Lichts
Mistel – Kultpflanze der Druiden
Tod und Wiedergeburt des Lichtgottes Baldur
Anhang
Wichtiges zur Selbstbehandlung und zu den Rezepten
Adressen und Bezugsquellen
Quellen und Literaturverzeichnis
Verzeichnis der Rezepte und Anwendungen
Stichwortverzeichnis
Sonnenwirken im Jahreslauf

»Jeder Sonnenschein ist ein Gedanke Gottes.«(Maria Szepes)
Vorwort zur überarbeiteten Neuauflage
Als 1996 der damalige Peter Erd Verlag auf uns zukam, um uns für das Buchprojekt »Heilmittel der Sonne« zu gewinnen, boomte gerade der Mond. Voller Elan machten wir uns an das Sonnenthema, auch um einen Gegenpol zu den vielen Mondbüchern zu schaffen. Fortan drehte sich für uns ein Jahr lang alles um die Sonne. Wir recherchierten in alten und neuen Kräuterbüchern, studierten Veröffentlichungen, suchten Imker und Schlangenhalter auf, befragten Mineralienexperten und Phytopharmakologen, diskutierten mit Heilpraktikerkollegen und Apothekern, entwarfen Rezepte und probierten diese zusammen mit unseren Freunden, Patienten und Seminarteilnehmern aus. Jede freie Minute widmeten wir unserem Projekt, denn das Sonnenfieber hatte uns gepackt. Das Ergebnis war ein wahrhaft sonniges Buch, das sich über ein Jahrzehnt lang konstanter Beliebtheit erfreute und viele begeisterte Leser und Leserinnen fand. Darüber hinaus bildete unser Erstlingswerk eine Art Fundament unserer Weltsicht, aus der schließlich NATURA NATURANS, unsere Arbeitsgemeinschaft für Traditionelle Abendländische Medizin, geboren worden ist und das auch die Grundlage unserer Praxistätigkeit darstellt.
Inzwischen hat unser Sonnenbuch weite Kreise gezogen, und immer wieder finden wir das durch uns in die Welt gebrachte Gedankengut in anderen Texten und sogar in Werbeslogans so mancher Heilmittelhersteller wieder. Doch geht der Weg weiter, denn die Kräfte der Sonnenheilmittel werden heute mehr denn je benötigt. Viele Menschen leiden in unserer Zeit unter Existenzängsten, Sorgen, an depressiven Verstimmungen oder unter einer tiefgreifenden Erschöpfung an Körper, Geist und Seele. Man könnte dies auch als einen Verlust der Sonnenkräfte im Menschen bezeichnen, den man eben am besten mit den Heilmitteln der Sonne behandelt. Daher hoffen wir, dass wir mit der überarbeiteten Neuauflage dieses Buches nicht nur ein besonders sonniges, sondern vor allem ein nützliches Werk in die Welt bringen. Lassen Sie sich also vom Sonnenfieber ergreifen, denn es kann sehr heilsam sein, sowohl für die Seele als auch für den Körper, wenn man ein tieferes Verständnis für die Sonnenrhythmen aufbaut und das Wirken der Sonne in der Heilmittelwelt erkennen und für sich selbst oder andere zu nutzen lernt. Nicht umsonst lautet eine Grundregel der Astromedizin nach Nicholas Culpeper (1616–1654), den man auch den Paracelsus Englands nannte: »Die Sonne heilt alle Leiden.«
Margret Madejsky und Olaf Rippe, im Frühling 2018
»Der Himmel trägt deine Seele
Die Erde trägt dein Ebenbild
Die Tiefe hütet dein Geheimnis.«
(Sonnenhymne an Osiris)
»Oh suche, Du Seele,
In Steinen den Strahl,
In Blüten das Licht,
Du findest Dich selbst.«
(Rudolf Steiner)
Auf den Spuren der Sonne in Mensch und Natur
Alles dreht sich um die Sonne. Sie ist der leuchtende Mittelpunkt unseres Planetensystems und der Urquell des Lebens. Aus ihrem Licht wird alles geboren, von ihrem Feuer alles belebt. Ihr Lauf durch Tag und Jahr und der dadurch bedingte Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte, lässt alles Leben in ihrem Rhythmus schwingen.
Die Sonne ist aber weit mehr als nur ein strahlender Himmelskörper oder ein kosmischer Taktgeber. Über Jahrtausende verehrten unsere Vorfahren sie als Gottheit und feierten ihr zu Ehren heilige Feste. Der Astronom Johannes Kepler sah in ihr noch den Wohnort der Vernunft und eine Quelle der Harmonie. Auch Paracelsus (1493–1541) wusste: »Von der Sonne empfangen wir das natürliche Licht der Weisheit.«
In unserer Zeit werden viele Mythen unserer Vorfahren neu entdeckt und mit ihnen vergessene Traditionen und altes Brauchtum wiederbelebt. Diese Rückbesinnung auf unsere kulturellen Wurzeln lässt auch die Sonne, die immer schon im Mittelpunkt der Überlieferungen stand, wieder in neuem Licht erscheinen. Die Naturbetrachtung unserer Vorfahren ist der Schlüssel zu einem erweiterten Verständnis des Sonnenwirkens in Mensch und Natur. Diese Betrachtungsweise lässt uns begreifen, dass die Sonne die Seele alles Lebendigen ist.

Tanz der Planeten um die Sonne, das Herz des Sonnensystems. (Stuckvilla, München)
»Im Menschen sind nämlich Sonne, Mond und alle Planeten, desgleichen sind auch in ihm alle Sterne und das ganze Chaos [= Kosmos].« (Paracelsus)
In bestimmten Tieren, Pflanzen und Mineralien aber spiegeln sich die Eigenschaften der Sonne auf ganz besondere Weise, dies sind die »Heilmittel der Sonne«. Von ihren heilenden Kräften handelt dieses Buch.
Die Schlüssel zur Sonne
Am Anfang stellt sich die Frage: Was macht Pflanzen wie das Johanniskraut,Tiere wie die Biene oder Mineralien wie den Bernstein zu Heilmitteln der Sonne, und welche Wirkung haben sie auf uns? Um diese Fragen zu beantworten, betrachten wir die Lehre des ägyptischen Eingeweihten Hermes Trismegistos: »Wie oben so unten, wie unten so oben.« Nach dieser uralten Weltsicht sind Makrokosmos und Mikrokosmos im Wesentlichen identisch, sie bedingen einander und folgen ähnlichen Gesetzmäßigkeiten.
Nach antiker Vorstellung besteht der Makrokosmos aus zwölf Sternzeichen und sieben kosmischen Grundkräften, den fünf Wandelplaneten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sowie den zwei Lichtern Sonne und Mond; heute kommen noch die erst in neuerer Zeit entdeckten Planeten Uranus, Neptun und Pluto hinzu. Diese Kräfte stehen in einer dynamischen Wechselwirkung mit den stofflichen Elementen Erde und Wasser, die von den geistartigen Elementen Luft und Feuer umgeben sind. Die vier Elemente sind mit den Naturreichen identisch: Die Erde bildet das Mineralreich, das Wasser die Welt der Pflanzen, die Luft die animalische Welt und das Feuer als Brücke zum Kosmos ist das Reich des Menschen.
Da die Welt ein Spiegelbild kosmischer Kräfte darstellt, findet man die energetischen Qualitäten der Planeten in Pflanzen, Tieren und Mineralien, aber auch im Menschen, seinen Organen, Organfunktionen und Krankheiten wieder; dies ist die »Lehre von den Entsprechungen oder Korrespondenzen«. Sie ist die Grundlage einer hermetischen Betrachtungsweise der Natur.

»Wie oben so unten, wie unten so oben«, lautet die Weisheit des Eingeweihten Hermes Trismegistos. Tür eines Arzneischrankes der Hofapotheke in Innsbruck, um 1740. (Pharmaziehistorisches Museum Basel)
Licht, Wärme, Rhythmus
Von allen kosmischen Kräften beeinflusst uns die Sonne am meisten. Sie ist das mächtigste Gestirn am Firmament. Nur der Mond, das Licht der Nacht, beeinflusst ähnlich intensiv das irdische Leben. In der griechischen Mythologie sind Sonne und Mond Zwillinge, die sich gemeinsam die Welt teilen – interessanterweise erscheinen beide von der Erde aus gleich groß. Sie sind ein Symbol für die Polarität des Lebens: Tag und Nacht, Wärme und Kälte, Bewegung und Ruhe.
Die Eigenschaften, nach denen wir suchen müssen, um den universellen Geist der Sonne zu finden, sind Licht, Wärme und Rhythmus. Entdecken wir diese in den Naturreichen, dann haben wir die Heilmittel der Sonne gefunden. Dann haben wir auch verstanden, was die sonst so unterschiedlichen Naturreiche miteinander verbindet.
Ein Beispiel: Die Farben, die wir der Sonne zuordnen, sind vor allem Gelb bis Gold-Orange. Wir finden sie in allen Naturreichen wieder, in den Blüten vieler Pflanzen wie Johanniskraut, Ringelblume oder Schöllkraut, aber auch im Gold, im Schwefel oder im Bernstein und nicht zuletzt in der Biene wie auch im Honig. Die Farbe ist einer der Schlüssel zum lebenspendenden Wesen der Sonne, viele andere lernen wir noch kennen.
Die goldene Kette
Diese Sichtweise lässt nicht nur Ähnliches in scheinbar Getrenntem erkennen, sie erlaubt auch eine besondere Art der Heilkunde, die auf dem Analogiedenken basiert. Menschen, die das Licht der Sonne wahrnehmen wollen, können sich auf diese Weise beispielsweise einen »Sonnentrank« herstellen, der sich aus sonnengelben Naturheilmitteln zusammensetzt. Solche Rezepte heißen auch »Goldene Ketten«. Eine solche Kette aus Sonnenheilmitteln bilden beispielsweise Johanniskraut, Biene und Gold. Weil sie der gleichen Grundkraft unterstehen, entfalten solche Rezepte eine besonders intensive synergistische Wirkung. Jede Substanz ergänzt und verstärkt die Wirkung der anderen, wobei jede Einzelsubstanz auf einer anderen Ebene im Menschen zum Wirken kommt.
Diese Art der Heilkunde unterscheidet sich natürlich ganz erheblich von einer rein wirkstofforientierten Medizin, wie sie heute üblich ist. Das heißt aber nicht, dass wir in der Heilkunde auf wissenschaftliche Erkenntnisse über das Stoffliche verzichten können. Ganz im Gegenteil: Auch die chemische Zusammensetzung eines Minerals oder der Wirkstoff einer Pflanze sind Wege, das Wirken der Sonne zu verstehen.
Die Signaturenlehre
Die Heilkraft einer Natursubstanz leitet man heute vor allem von deren Inhaltsstoffen sowie der Wirkung auf der strukturellen Ebene ab. Diese Betrachtungsweise führt zu einem sehr genauen, aber auch sehr beschränkten Wirkprofil einer Substanz. Heilkunde gibt es aber nicht erst seit zweihundert Jahren pharmakologischer Forschung. Sie ist so alt wie die Menschheit, und fähige Heiler hat es zu allen Zeiten gegeben. Sie kannten jedoch weder Labor noch chemische Formeln, sondern ganz andere, weit sinnlichere Wege der Heilmittelerkenntnis wie die Signaturenlehre. Sie ist keine analytische, sondern eine assoziative Methode, die aus den sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften eines Stoffs wie Gestalt, Farbe, Geruch oder Geschmack eine Heilwirkung ableitet. Doch erst die Verknüpfung von überlieferten Sichtweisen mit den Erfahrungen der Volksmedizin und mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit ergibt ein wirklich umfassendes Bild von den Möglichkeiten der Naturheilkunde. Und auf diese Weise lässt sich das Wirken der Sonne in der Natur wohl am besten begreifen.

»Die Sonne an ihrem östlichen Tor.« (William Blake, um 1820)
Bevor wir uns dazu auf die Spurensuche nach Sonnenhaftem in der Natur machen, sollten wir aber noch etwas genauer die Eigenschaften der Sonne und ihren Einfluss auf uns Menschen kennenlernen.
Das Wesen des Lichts
In manchen Alpentälern scheint die Sonne monatelang nicht. Wenn ihre Strahlen erstmals im Jahr die Schatten verdrängten, gingen früher die festlich gekleideten Bewohner mancher Alpentäler der wiederkehrenden Sonne entgegen. In den Händen hielten sie eine Schüssel voll Milch, die sie dem lebenspendenden Gestirn als Dankesopfer darbrachten. Was mit diesem Brauch gefeiert wurde, ist aber nicht nur die Wiederkehr des Lichts, sondern auch der Götterfunke im Anbeginn der Schöpfung, von dem uns alte Mythen erzählen.
In Ägypten, dem heiligen Land der Sonne, erklärte man sich den Ursprung des Lebens auf folgende Weise: Vor der Erschaffung der Welt gab es nur das dunkle Urmeer, aus dessen Fluten sich eine Insel mit einem leuchtenden Ei auf der Spitze erhob. Dem Ei entstieg der Sonnengott Re, und das gesamte Universum erstrahlte in seinem Licht. Sodann schuf er Götter, Menschen und alles Leben. Nachts weilt er in der Unterwelt, aus der er jedes Mal im Morgengrauen am östlichen Horizont wiedergeboren wird. Der Osten ist die Heimat des Sonnengottes. Dessen Name »Flammeninsel« ist ein Bild für die Morgenröte.
»Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken.« (J.W Goethe)
Noch heute zeugen die nach Osten ausgerichteten Altäre christlicher Kirchen von der ursprünglichen Sonnenverehrung. Denn aus dem Osten kommen das Licht und alle Weisheit. Der Osten ist auf alten Karten oftmals als Orient bezeichnet. Somit schenkt die Sonne dem Menschen nicht nur ihre Lebenswärme, sondern an ihr können wir uns auch »orient«-ieren.
Sonnensymbol Auge
Erst das Sehen macht uns für den Geist der Sonne empfänglich. So wundert es nicht, wenn das Auge in vielen Religionen ein Sonnensymbol ist. Bei den Ägyptern war die Sonne das Auge des Re. Bei den Griechen verkörperte sie sich im allessehenden Helios und in Apollon, im Gott der Prophetie. Die Germanen verehrten den hellsichtigen Lichtgott Baldur. Im Christentum schließlich symbolisiert das Auge im nach oben gerichteten Dreieck den sonnenhaften Geist Gottes.
Für den Menschen bedeutet Sehen eine bunte Welt. Farben geben der Welt ein Gesicht und unterscheiden das eine vom anderen. Sie lassen aber auch das Gemeinsame erkennen – erinnern wir uns an das Beispiel von den Sonnenfarben. Sehen bedeutet also eine bewusste Wahrnehmung der Außenwelt, analog dem sehenden Geist der Sonne.
Es wundert daher nicht, dass viele Augenheilmittel von sonnenhafter Natur sind wie Schöllkraut und Chrysolith. Sie stärken unsere Sehfähigkeit und heilen manche Augenleiden. Vor allem aber nehmen wir durch sie das Licht besser wahr, und manchmal öffnen sie uns sogar die Augen für die verborgenen Wahrheiten der Welt.

Das »Sonnen«auge im Dreieck symbolisiert den allessehenden Geist Gottes.

Der Geist der Sonne bescheint die Erde. Die Sonnenkugel besteht aus sieben Sphären mit Augen, die den sieben Himmelskörpern oder Planetenkräften entsprechen. (Jacob Böhme, 1682)
Erkenne Dich selbst
Das Licht der Sonne entspricht der Bewusstheit unseres Geistes. »Erkenne Dich selbst« lautet die Botschaft des Sonnengottes Apollon an uns Menschen.
In der Astrologie stellt die Sonne die innere Wahrheit, den Wesenskern eines Menschen, seine Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie sein »Ich-Bewusstsein« dar. Besonders ausgeprägt gilt dies für Löwegeborene, denn die Sonne regiert das Tierkreiszeichen Löwe (23. Juli–22. August). Kinder der Sonne sind wir aber alle, und für jeden von uns bedeutet ihr Licht das Streben nach Weisheit und einem bewussten Ich, nur die Wege sind verschieden. Der eine ist dabei still und versonnen, der andere voll glühendem Tatendrang oder strahlender Begeisterung.
Das astrologische Symbol der Sonne ist ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte. Es entspricht unserem heliozentrischen Weltbild, das seinen Namen dem Sonnengott Helios verdankt. Der Punkt stellt die Sonne als Herz unseres Planetensystems dar, der Kreis die um sie laufenden Planeten. Vor allem aber symbolisiert es die Geburt des kosmischen Lichts als Ursprung und Mittelpunkt des Universums und wie es sich in den Raum ausbreitet, um alles zu beleben. Der Punkt entspricht auch unserem Ich. Der Kreis zeigt, wie weit sich unsere Bewusstheit nach außen erstreckt.

Heilmittel als Brücke zum Licht
Viele der im Buch erwähnten Sonnenheilmittel helfen uns, unser Ich, also die eigene Persönlichkeit besser zu begreifen oder zu stärken. Besonders das Sonnenmetall Gold fördert die Selbsterkenntnis. Es gilt als die reinste Verkörperung des Sonnenlichts in der Natur. Gold ist sozusagen der Schweiß der Sonnengötter. Doch von den Orakelkräutern des Apollon oder durch den Dichtermet kann man ebenso Inspiration erhalten.Visionen oder innere Wahrheiten findet man manchmal auch im Leuchten eines Bergkristalls oder eines Topas.
Heilmittel der Sonne dienen also nicht nur dazu, Krankheiten zu behandeln, sie sind auch Hilfsmittel für den Gesunden, der seine Bewusstseinsentwicklung unterstützen möchte. Sie machen aber nicht aus jedem gleich einen Erleuchteten. Viele hellen einfach nur die Stimmung auf und wirken als Seelenbalsam.
Wenn sich die Sonne in unseren Breiten wieder einmal wochenlang nicht blicken lässt, dann verdunkelt sich meist auch das innere Licht. Erschöpfungszustände, Depressionen oder Abwehrschwäche sind nur einige der möglichen Folgen.
Die Sonne spiegelt sich in unserem Ich und in unserer Lebenskraft wieder. Wird dieser Spiegel glanzlos, sprechen wir von einer »Ich-Schwäche« oder von einem Sonnenmangel.
Mit den zahlreichen Sonnenrezepten in diesem Buch braucht man aber nicht länger Trübsal blasen. Zum einen fördern sie den Kontakt zur Natur. Wer einmal im ersten Frühling einen »Trank der Begeisterung« gesammelt hat, wird sich immer an diese Naturerfahrung erinnern und von den Gedanken an die freundlichen Lichtblumen auch in dunklen Stunden zehren. Zum anderen stellen wir viele Möglichkeiten vor, wie man »Sonne pur« zuführen kann.
Wer nach Versonnenheit sucht, Lebenswärme benötigt oder ganz einfach auf der Sonnenseite des Lebens stehen möchte, braucht eigentlich nur sein persönliches Sonnenrezept zu wählen.
»Im Mikrokosmos ist das Auge, was im Makrokosmos Sonne genannt wird.« (Paracelsus)
Das egozentrische Weltbild
Nun gibt es aber auch Menschen, die alles andere als »Ich-schwach« sind. Wer kennt sie nicht, die Partylöwen, Exzentriker und Egomanen. Wo sie hinkommen, stehen sie im Mittelpunkt, werden bewundert, verehrt und auch gefürchtet. Ihr Leitspruch ist: »Ich kam, sah und siegte.«
Was früher eher das Lebensthema einzelner Persönlichkeiten war, ist heute zum Zeitgeist geworden – alles dreht sich um das Individuum und um gesellschaftlichen Erfolg. Was mit der Natur und den Mitmenschen passiert, ist vielen egal. Naturzerstörung und das Elend der Dritten Welt sind nur zwei der vielen Folgen. Aus einem heliozentrischen Weltbild wurde ein egozentrisches.
Dieser von sich selbst besessene Menschentyp – der Egomane – verkörpert ein Übermaß der Sonne, während der verzagte Mensch einen Sonnenmangel darstellt.
Nichts darf sich aber in der Natur ins Unmäßige ausbreiten, und so lautet eine weitere Botschaft des Sonnengottes Apollon: »Alles mit Maß.« Als Attribut hält Apollon eine Leier in seinen Händen, und um harmonische Akkorde spielen zu können, dürfen deren Saiten weder zu locker, noch zu fest gespannt sein.
Das richtige Maß finden
Das notwendige Regulativ zu einem Übermaß an Sonne finden wir in den Qualitäten von Mond und Saturn, die uns noch des Öfteren begegnen werden. Im Gegensatz zur solaren Anspannung und Wachheit vermittelt Luna, das Licht der Nacht, innere Ruhe und Regenerationskraft. Saturn, das kosmische Licht, hütet einerseits die Tore zur metaphysischen göttlichen Welt, andererseits verkörpert er das Prinzip der Einschränkung und der Prüfungen. Er stellt auch die Weisheit, das Schicksal und die Berufung dar. Folgen wir der Berufung, erkennen wir uns selbst. Folgen wir ihr nicht, missachten wir uns und andere. Persönliches Leid ist die Folge. Und was für Einzelschicksale gilt, kann auch uns alle betreffen, wenn wir nicht anfangen umzudenken, um den wahren Geist der Sonne zu entdecken, das soziale Wesen, das mit sich und der Welt in Einklang lebt. Die höchste Tugend der Sonne besteht weder in Minderwertigkeitsgefühlen noch im Größenwahn, sondern in der Besonnenheit.
Hiervon erzählt die Geschichte des Phaeton, Sohn des Sonnengottes Helios, der bei seinem Vater einen Wunsch frei hatte. Obwohl noch viel zu jung und unerfahren, wollte der ehrgeizige Phaeton einmal den Sonnenwagen des Vaters steuern.
Phaeton wird von Zeus aus dem Sonnenwagen gestürzt, nachdem er der Erde zu nah kam und diese zu verbrennen drohte. Im Hintergrund sieht man das Sternzeichen des Löwen, das von der Sonne regiert wird. (»Phaeton«; Gustave Moreau, 1878)
Durch seine Unbesonnenheit fuhr er jedoch zu tief, so dass die Erde fast verbrannte. Zeus beendete den Spuk, indem er Phaeton in den Tartarus schleuderte (Sinnbild des Saturns).
Entsprechend fördern zahlreiche Heilmittel der Sonne, die zum Teil auch dem Saturn unterstehen (z. B. Bergkristall), die innere Ruhe und Ausgeglichenheit, die wir für unsere Entwicklung brauchen. Sie helfen uns auch dabei, unser egozentrisches Weltbild zu überwinden und sie geben uns ein Gefühl für das rechte Maß.
Lebenselixier Sonne
Im Licht entdecken wir den Geist der Sonne und uns selbst. In der Wärme finden wir dagegen ihre befruchtende Kraft, die uns das Leben schenkt und es erhält. Von der Sonne als Fruchtbarkeitsspenderin erzählen ebenfalls viele Mythen.
Im antiken Griechenland war der Sonnengott Helios zusammen mit der Erdenmutter Gaia Ursprung des Lebens. Das erste Wesen entstand der Überlieferung nach dort, wo seine wärmenden Sonnenstrahlen erstmals die kalte und feuchte Erde trafen. Ähnlich in der germanischen Mythologie: Dort entstand die Welt aus der dunklen Kälte des Nordens, die sich mit der Hitze des Südens vereinigte. Die heißen Sonnenwinde schmolzen das Eis, und die fallenden Tropfen wurden lebendig durch die Kraft, die das Feuer sandte. So entstand das Urwesen Ymir, das zugleich Mann und Frau war.
Wärme und Kälte (Sonne und als Gegenpol Mond/Saturn) sind die zwei Pole der Lebenskraft. Wärme bedeutet pulsierendes Leben und Bewegung, Kälte dagegen ruhende Erstarrung und scheinbarer Tod. Jeden Frühling erleben wir die vitalisierende Kraft der Sonne, die im Sommer ihren Höhepunkt findet. Mit der nachlassenden Sonnenwärme im Herbst und Winter zieht sich das Leben schließlich unter die Erde zurück und kommt zur Ruhe.
Sonnenfeuer als Allheilmittel
Das Geheimnis und Streben aller Heilkunst ist es, den Lebensfunken so lange wie möglich zu erhalten. Niemand kann dies besser als die Sonne selbst. Die belebende Kraft des Sonnenfeuers tragen jedoch auch viele Natursubstanzen in sich.
Will man die Wirkung von Sonnenheilmitteln beschreiben, so tut man sich schwer, denn unter ihnen finden sich zahlreiche Allheilmittel. Lebensverlängernde Elixiere wie das »Danziger Goldwasser« beinhalten beispielsweise absichtlich mehrere Sonnenheilmittel. Besonders alte und lebensschwache Menschen brauchen solche wärmenden Elixiere. Aber auch chronische Erkrankungen (z. B. Allergien) zeugen davon, dass die Lebenskräfte erlahmen und das Immunsystem angefeuert werden muss. Die meisten Heilmittel der Sonne regen von daher nicht nur die Lebensgeister an, sondern stärken auch die Abwehr. Dies entspricht wiederum dem astrologischen Sonnensymbol: Der Lebensgeist entspricht dem Punkt, die Abwehr dem Kreis.
Wärme brauchen wir auch, wenn wir uns erschöpft und ausgebrannt fühlen oder uns Infekte plagen. Erkältungen sind Krankheiten aus der Kälte. Erkrankungen wie Rheuma entstehen bevorzugt dort, wo es feucht und kalt ist. Sinkt der Blutdruck ab, frieren wir. Haben wir Angst, überfällt uns der kalte Schweiß. Dies alles sind Zeichen eines Sonnenmangels.
Heilmittel der Sonne erleuchten die verdunkelte Seele des Melancholikers. (»Jerusalem The Emanation of The Giant Albion.« William Blake, 1804)
Kann der Körper die notwendige Lebenswärme nicht mehr selbst erzeugen, dann helfen oftmals Zubereitungen aus Heilmitteln der Sonne wie etwa homöopathisches Bienengift (Apisinum), Schlangenreintoxine oder Arzneikomplexe, die Phosphor oder Gold enthalten, um nur einige Beispiele aufzuführen. Natürlich wirken auch viele Heilpflanzen wie etwa Sonnenhut, Engelwurz oder Mistel erwärmend.
Der Geschmack dieser anregenden Heilmittel ist häufig bitter, würzig bis brennend und scharf. Ihr Feuer regt alle lebenswichtigen Funktionen an: Abwehr, Appetit oder Kreislauf. Dieses Sonnenfeuer läutert aber auch den Geist und öffnet die Sinne für die Außenwelt.
Melancholie – Sonnenfinsternis der Seele
Wenn die Sonne in der Nacht in die Unterwelt abtaucht und die Regentschaft dem Mond überlässt, kommt auch unsere Seele zur Ruhe. Doch ab und an geschieht es, dass es für kurze Zeit auch tagsüber dunkel wird. Heute haben wir gelernt, dass eine Sonnenfinsternis ein astronomisches Ereignis ist, weil Erde, Mond und Sonne sich auf einer Linie befinden und sich der Mond vor die Sonne schiebt. Doch es gibt kaum einen Menschen, der nicht von diesem Phänomen fasziniert wäre. Es macht uns bewusst, wie fragil unser Dasein eigentlich ist und wie sehr es von kosmischen »Zufällen« abhängig ist.
Eine Sonnenfinsternis findet stets bei Neumond statt, und dieser wurde in alter Zeit als heilige Hochzeit der zwei Lichter gesehen. Doch wenn sich tagsüber die Sonne verdunkelt, dann galt dies schon immer als Zeichen drohenden Unheils, und tatsächlich ist es eine unheimliche Stimmung, wenn plötzlich tagsüber Vögel ihr Abendlied anstimmen, Fledermäuse erwachen und sich schließlich eine Totenstille über das Land legt.
So in etwa muss sich ein Mensch fühlen, für den die Sonne niemals wirklich scheint.Wir nennen diesen Zustand heute Depression, und man geht davon aus, dass es sich dabei um eine Entgleisung in der Hirnchemie handelt.
Diese Vorstellung ist keineswegs weit entfernt von der Vorstellung antiker Ärzte wie Hippokrates. Sie sahen die Entgleisung des Temperaments als Folge einer ungleichen Verteilung der vier humores, gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim. Später nannte der griechische Arzt Galen das Übermaß an schwarzer Galle Melancholie (melanos = schwarz und chole = Galle). Das Blut wird dabei mit melancholischen Säften getrübt, und keine Sonne kann mehr im Körper wirken. Die Seele gleitet infolge der permanenten Sonnenfinsternis in den Zustand ständiger Trauer. Als Hauptorgan des Übels vermutete man die Milz, die man dem Saturn unterstellte, dem Gegenspieler der Sonne.
Viele Jahrhunderte später erweiterte Paracelsus diese Sichtweise einer stofflichen Grundlage der Melancholie, in dem er den übermäßigen Einfluss des Saturns als Ursache ausmachte. Hierunter verstand er einerseits Schicksalsschläge, die im Laufe des Lebens zu einer Depression führen können oder aber einen dominanten saturnalen Einfluss von Geburt an.

Partielle Sonnenfinsternis am 4.1.2011 im Landkreis Starnberg.
Seine Therapie bestand nun nicht mehr nur in einer Entgiftung schädlicher Säfte die sich in der Milz angehäuft haben, z. B. durch Brechmittel oder Aderlass. Paracelsus propagierte eine »homöopathisch orientierte« Therapie, die aus Stoffen bestand, die ihrem Charakter nach durchaus düster waren, aber durch die Kunst der Alchemie in etwas Lichtvolles verwandelt wurden – sein Hauptmittel war hier das giftige Antimon, das bis heute in der anthroposophischen Medizin als Antidepressivum verwendet wird (z. B. Stibium metallicum praeparatum D20 Verreibung von Weleda).
Paracelsus war jedoch auch der Meinung, dass solche Patienten eine Lichttherapie benötigen, und in Heilmitteln der Sonne, wie Johanniskraut oder Gold, sah er geeignete Mittel, die das innere Feuer neu entfachen können, um dem drückenden Einfluss des Saturns etwas entgegenzusetzen.
Das Sonnenvitamin
Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, weil wir unter Einwirkung von UV-Licht in der Haut das Provitamin D3 selber bilden können. Die Umwandlung in die eigentliche Wirkform (Calcitriol) erfolgt in der Leber und in den Nieren. Weil Vitamin D3 (Colecalciferol) den Calciumstoffwechsel beeinflusst, heißt es auch »Knochenvitamin« und wird in der Osteoporoseprophylaxe eingesetzt. Doch Vitamin D3 kann weit mehr: Es steigert die Leistungsfähigkeit und lindert die Winterdepression. Neuesten Erkenntnissen zufolge stärkt es sogar das Immunsystem, weswegen es bei erhöhter Infektanfälligkeit sowie als Begleitmittel bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommt. Vor allem durch mangelnde Sonneneinwirkung, aber auch durch Erkrankungen von Darm, Leber oder Nieren kommt es in den nördlichen Breiten häufig zu Vitamin-D3-Mangel. Sofern dieser nachgewiesen wurde, empfiehlt sich die Substitution im Winterhalbjahr (z. B. mit Vitamin D3 Hevert Tabletten).

Die Sonne regiert das Sternzeichen Löwe. (»De Sphaera«, 15. Jahrhundert)
Im Einklang mit der Sonne leben
Folgt man dem Jahreslauf der Sonne durch den Tierkreis, so kann man entdecken, dass das irdische Leben ganz und gar ihrem Rhythmus unterliegt. Alles richtet sich nach der kosmischen Taktgeberin. Und wir sollten es ebenfalls tun, denn nur so können wir im Einklang mit der Sonne schwingen.
Im Frühjahr und im Sommer herrscht das Licht über die Dunkelheit. Das Leben erwacht und pulsiert, die Natur erblüht in ihrer ganzen Pracht. Dies ist die Zeit, in der auch wir aus uns herausgehen und die Sonnenkräfte in uns aufnehmen sollten.
Im Herbst ziehen sich die Lebenssäfte allmählich wieder in die Erde zurück. Nach alter Vorstellung steigen die Fruchtbarkeitsgeister in die Unterwelt hinab. Im Winterhalbjahr siegt vorübergehend die Dunkelheit über das Licht. Analog sollte dies für den Menschen eine Zeit des Rückzugs sein und eine Zeit der Vergeistigung oder der Verinnerlichung.
»Das Herz ist die Sonne, und wie die Sonne auf die Erde und sich selbst wirkt, also wirkt auch das Herz auf den Leib und sich selbst.« (Paracelsus)
Im Winter erstarrt die Natur. Aber sie stirbt nicht, denn kein Blatt fällt, bevor sich nicht eine neue Knospe gebildet hat. Auch der Tod ist nur ein Übergang. Grabbeigaben waren daher häufig sonnenhaft, und besonders immergrüne Pflanzen wurden schon zu Urzeiten als Symbole ewigen Lebens verehrt. Sie künden davon, dass die Tore der Unterwelt niemals ganz geschlossen bleiben.
Damit die alles belebende Kraft der Sonne niemals nachlässt, feiern die Menschen seit Jahrtausenden an den vier magischen Eckpunkten im Jahreskreis Feste zu Ehren der Sonne.
Die Tagundnachtgleichen im Frühjahr und Herbst sowie die Wendepunkte der Sonne im Sommer und Winter bilden den Takt zum Tanz der Sonne durch das Jahr. Die Feste machen uns bewusst, wie sehr unser Leben von der Sonne abhängig ist. Aber das ist noch nicht alles.
»Wie oben so unten, wie unten so oben« – nichts ist auf der Welt einseitig, alles ist ein Wechselspiel.
Dem Aberglauben zufolge sollten einst Dankesopfer den Geist der Sonne nähren und dem Menschen ihr Wohlwollen sichern. Doch das Opfer dient uns selbst am meisten, weil es das positive Gefühl der Dankbarkeit nährt und weil es uns mit dem Geist der Sonne verbindet.
Daher sind jene Rezepte, die den jeweiligen Jahreszeiten entsprechen, auch mehr als nur Heilmittel gegen Krankheiten. Sie sollen vielmehr zur Harmonie mit der Natur zurückführen.
Als Symbol für die fruchtbare Kraft der Sonne verwendet man seit Jahrtausenden das Sonnenrad, das älteste der Sonnenzeichen. Der Kreis entspricht dem allumfassenden und belebenden Geist der Sonne, das Kreuz symbolisiert die Erde. Es teilt den Kreis in vier Abschnitte. Sie stehen für die Jahreszeiten.
Die Swastika ist eine abgewandelte Version mit gleicher Aussage. Es ist aber viel dynamischer als die anderen Sonnensymbole, weswegen es auch Sonnenwirbel heißt. Es stellt den Lauf der Sonne durch den Tierkreis dar. Die Arme symbolisieren die vier Eckpunkte des Jahreskalenders, an denen man traditionell die Sonnenfeuer entzündet.

Wie man den Feuergeist beschwört und bändigt
Feuer gehören seit Urzeiten zu allen kultischen Handlungen, mit denen der Mensch die Kräfte der Sonne beschwört. Einst glaubte man, dass das irdische Feuer ein herabgefallener Funken des himmlischen Sonnenfeuers sei. Egal ob Ostern oder Sommersonnenwende, zu den wichtigsten Festtagen entzündete man und entzündet zum Teil auch heute noch heilige Feuer, um durch die Flammen symbolisch die Sonnenkräfte zu nähren. Auch die Kerzen auf dem Adventskranz oder am Weihnachtsbaum sind somit Relikte einer uralten Sonnenverehrung.
Vor allem aber sollen die kultischen Feuer die Mächte der Finsternis und natürlich auch die Kälte vertreiben. Darüber hinaus wollte man den Geist des Feuers nähren, indem man ihm geweihte oder heilige Kräuter opferte, wie es einst zur Sonnenwende mit dem Beifuß geschah oder zu Maria Himmelfahrt mit den Kräuterbuschen. Nicht zuletzt holt man sich bis heute immergrüne Zweige ins Haus, die den Sieg der Sonnenkräfte über den todbringenden Winter verkörpern. Viele davon dienen seit Urzeiten als Räucherwerk für die Nächte rund um die Wintersonnenwende. Räucherungen sind aber auch eine Botschaft an den Himmel und somit ein magisches Mittel, um mit den Sonnengöttern Kontakt aufzunehmen.
Aber mit dem Feuergeist ist nicht zu spaßen. Er ist ein Kobold voller Streiche und verantwortlich für so manches Unheil, ganz wie Loki, der germanische Feuergott. Damit aus einem wohlwollenden Geist kein Feuerteufel wird, sollte man wissen, wie man das Feuer im Zaum hält.
Zuviel Sonnenfeuer verbrennt nicht nur die Haut oder verursacht einen Sonnenstich. Im Seelischen führt es zu einer hysterischen, übersprühenden Begeisterung und zu einem überhitzten und cholerischen Temperament. Typische weitere Folgen sind z. B. ein hochroter heißer Kopf, eine erhöhte Schweißneigung oder Bluthochdruck. Ähnliche Symptome zeigen sich bei vielen Frauen im Klimakterium.
Aber auch hier bewähren sich sonnenhafte Heilmittel wie Biene, Schlangengift oder Bärlapp. In geeigneter Zubereitung kühlen und entspannen sie die erhitzte Seele. Allerdings sollte man hier auch mondhafte und saturnale Mittel zur Gegenregulation einsetzen.
Zu viel Wärme schadet ebenfalls so mancher Arznei. Schließlich scheint die Sonne auch nicht ununterbrochen, sondern überlässt nachts die Regie dem kühlenden Mond. Ebenso könnte man den Winter als Erholungspause betrachten.
»Alles hat sein Paar von Gegensätzlichkeiten, aber Gegensätze sind identisch in ihrer Wesensart, nur verschieden im Grad.« (Kybalion)
Die kühle Jahreszeit ist die Zeit des Geistes und der Besinnung. Und wenn es um die Herstellung von Arzneien geht, entfaltet sich vieles erst im sanften Mondlicht zur vollen Blüte. Im Mond spiegelt sich das Licht der Sonne. Seine wichtigste Funktion ist es, einen Ausgleich zur Sonne zu schaffen und ihren Gegenpol zu bilden. Immer wieder werden wir sehen, wie wichtig das Wechselspiel der »Zwei Lichter« ist. Sonne und Mond bilden Polaritäten, genauso wie Tag und Nacht oder Sommer und Winter, die sich rhythmisch abwechseln.
Das Sonnenorgan Herz
Wenn wir nach einer Entsprechung für das Rhythmusprinzip der Sonne im Menschen suchen, kommt am ehesten das Herz in Betracht, unser »Ich-Organ«. Wenn wir »Ich« sagen und dabei auf uns deuten, zeigen wir meist auf das Herz. Es ist die Sonne im Mikrokosmos Mensch.
Im stetigen Zusammenziehen und Ausdehnen des Herzmuskels schwingen wir im Rhythmus der Sonne. Aber das Herz ist dabei alles andere als eine Maschine, die einem festgelegten Takt folgt. Immer ist das Herz bereit, sich flexibel den Erfordernissen des ganzen Körpers anzupassen.
Das Herz ist auch unser »Erkenntnisorgan«, denn alles Wissen ist nur wahr, wenn es von Herzen kommt. Das Gehirn ist der Spiegel des Herzens, und daher dem Mond zugeordnet.
Disharmonie heißt Krankheit
Schätzungsweise 50 % aller Todesfälle sind heute auf Herz-Kreislauf-Krankheiten zurückzuführen – ein Phänomen, das erst seit wenigen Generationen existiert. Die Ursachen sind vielfältig.
Mangelndes Mitgefühl hat viele Herzen zu Stein werden lassen. Eine übergroße Last bedrückt die Herzen, weil es in der Hektik unserer Zeit keine Zwiesprache mehr mit den Göttern gibt. Wir leben in einer entmystifizierten Welt. Alles will gewogen und gemessen sein, um als wahr zu gelten. Seit wir aber die Götter aus der Natur verbannten und kaum noch Feste ihre Kräfte nähren, leidet unser Herz vor Sehnsucht.
Der Mensch als Mikrokosmos ist der Spiegel kosmischer Kräfte. Die Sonne entspricht dem »Ich-Organ« Herz. Unterhalb der Sonnenbahn befinden sich die Elemente Erde und Wasser, oberhalb befinden sich Luft und Feuer. Die den Körper umgebenden Kreise stellen die einzelnen Energiekörper oder Auren des Menschen dar (Physis, Vitalität, Seele und Bewusstsein). Durch sie steht der Mensch in Beziehung zur geistigen Welt höherer Mächte (Quintessenz), symbolisiert durch den Strahlenkranz über dem Kopf, in dem der Name Gottes geschrieben steht. (Robert Fludd, 1619)
»Wie man von den Arabern weiß, steht die Sonne dem Gehirn, dem Herzen, den Schenkeln, dem Marke, dem rechten Auge und dem Lebensgeiste vor.« (Agrippa von Nettesheim)
Wenn die äußere Lebensweise nicht mehr mit der inneren Wahrheit und dem Rhythmus der Sonne übereinstimmt, ist das Leben disharmonisch, und Disharmonie heißt Krankheit.
Herzneurosen, Rhythmusstörungen, Sklerose oder Herzinfarkt sind mögliche Folgen. Aber auch andere Störungen körpereigener Regulationsmechanismen stehen damit in Beziehung, denn alle rhythmischen Vorgänge entsprechen der Sonne, seien es die Hormonausschüttung, der Blutdruck oder der Wechsel von Wachen und Schlafen.
So wundert es nicht, dass wir unter den »Heilmitteln der Sonne« neben solchen für das Herz auch welche für andere Regulationsmechanismen finden. Sie verhelfen dem Körper zu einem harmonischen Licht- und Wärmerhythmus, um sich flexibel an die jeweiligen Lebensbedingungen anzupassen.
Besonders unter den Pflanzen zeigen einige einen betont rhythmischen Aufbau, beispielsweise das Bilsenkraut. Auch in den Strukturen (Spiralform) vieler Blüten lässt sich das rhythmische Wesen der Sonne wieder finden. Sie verdeutlichen, wie sehr die Sonne das Prinzip der Harmonie verkörpert.
Das Hexagramm
Das Hexagramm stellt diesen Gedanken auf einfache Weise dar. Es ist das heiligste der Sonnensymbole und baut auf der Zahl sechs auf. In der Kabbala ist die Sechs die Zahl der Sonne. Formen, die dieser Zahl entsprechen, finden wir beispielsweise im Bergkristall und in der Bienenwabe wieder.
Das nach oben gerichtete Dreieck symbolisiert die männliche lebenserzeugende und lichte Himmelsnatur der Sonne, während das Dreieck nach unten die weibliche, gebärende und dunkle Natur des Sonnenspiegels Mond darstellt. Ineinander geflochten sind die Dreiecke ein Symbol der Vereinigung der Gegensätze von Feuer (Sonne) und Wasser (Mond). Die Vereinigung ist wiederum das Licht selbst, denn es steht am Anfang von allem. Von allen Heilmitteln, die wir kennen, entspricht am ehesten das Sonnenmetall Gold dieser Idee.
In der Alchimie ist das Hexagramm ein Symbol für den »Stein der Weisen«, der alle unedlen Metalle in Gold und alle Krankheiten in Gesundheit verwandelt. Darüber hinaus entfacht er das ewige Licht der Bewusstheit im Menschen. Nach dem Weltbild der Alchimie ist die Ausgangssubstanz des Steins in allen Naturerscheinungen potentiell enthalten – mit anderen Worten: Er entspricht dem Geist des Lichts – Paracelsus nannte es das Licht der Natur.


Als Ikaros in seiner Begeisterung der Sonne zu nah kam, schmolz das Wachs seiner Flügel und er stürzte in das kühlende Meer vor der Insel Ikaria, wo sich Meerjungfrauen um den Sterbenden versammelten. (»Trauer um Ikaros«, Herbert James Draper, 1890)

Der Sternenmensch. (D.A. Freher, 1764)
»So entspricht bei jedem Menschen die Bewegung des Herzens der Bewegung der Sonne, und indem dasselbe durch die Arterien sich in den ganzen Körper ergießt, zeigt es uns aufs genaueste Jahre, Monate, Tage, Stunden und Augenblicke an.« (Agrippa von Nettesheim)
»Unter den Elementen sind solarisch das Feuer und die lichte Flamme; unter den Säften das reine Blut und der Lebensgeist (…).« (Agrippa von Nettesheim)
Das Hexagramm bedeutet aber auch, dass das Streben zum Licht schnell so enden kann wie der Flug des Ikaros. Da er sich über seine Freiheit zu sehr freute, erlahmte seine Aufmerksamkeit. Er kam der Sonne mit seinen Flügeln zu nah, stürzte ins Meer und starb.
Immer braucht das Feuer das Wasser, das Licht den Schatten und die Wärme die Kälte, genauso wie alles dem Rhythmus der Sonne folgen muss. Erst wenn wir dies begreifen, leben wir im Einklang mit der Sonne.

Der universelle Geist, dargestellt als Kreis, mit einem Hexagramm als Zentrum, umgeben von einem Pentagramm und einem Quadrat. (»Einfältig ABC Büchlein«, Rosenkreuzerschrift 1766)
Attribute der Sonne
| Zahl | 6 |
| Form | Hexagramm |
| Götter | Ra, Osiris, Titan, Apollon, Helios, Sunna, Baldur, Belenus |
| Sternzeichen | Löwe (Herrscher), Widder (Erhöhung) |
| Element | Feuer |
| Orte | Helle, heitere Orte, Weinanbaugebiete, Paläste, Theater, herrschaftliche Plätze (z. B. Herrenchiemsee, Benediktinerabteien auf Gipfeln wie Andechs), Kultplätze der Sonnenverehrung (z. B. Newgrange, Externsteine), nach Osten ausgerichtet |
| Temperament | Heiter, z. T. auch cholerisch |
| Organ | Augen, bes. das rechte; Herz, Gefäße, Blut; Abwehrfunktionen, oberer Rücken und Wirbelsäule |
| Wirkung | Ausgleichend, anregend, erwärmend, sympathikoton, |
| und Funktion | Lebenskraft anregend. Lebensfreude, Lebenskraft, Sozialität, Bewusstheit, Verantwortung, Selbstständigkeit, Rückgrat haben, Impulsgeber und sozialer Mittelpunkt; Initiativgeist, Begreifen höherer Bewusstseinsebenen |
| Übermaß | Selbstgerecht, egoistisch, Geiz, übersteigerte Vorstellung der eigenen Bedeutung; lebt ganz im Diesseits, Verpulvern von Lebensenergie – Leben auf der Überholspur. Hypertonie, Sklerose, Neigung zu Herzinfarkt und Schlaganfall, Hitzewallungen, Rheuma, Entzündungen |
| Gegenpole bei Übermaß | Mond, Saturn; Venus wirkt ausgleichend |
| Mangel | Ängstlich, abergläubisch, mangelndes Selbstvertrauen, Hang zum Jenseitigen; Status nach langen Anstrengungen – Burn-out, Hypotonie, Erschöpfung, Blutarmut, Infektanfälligkeit, Allergien, Depressionen |
| Helfer bei Mangel | Mars, Venus, Jupiter |

Sonnentiere
Die Schlange
Schlangen begegnen uns weltweit in Schöpfungsmythen. Kein anderes Tier ist mit den Sonnengöttern enger verknüpft. Im alten Ägypten verkörperte sie noch die archaische Grundkraft im Anbeginn der Welt. Dem Mythos zufolge entstieg der Sonnengott Ammun-Re dem leuchtenden Ei, das die Riesenschlange Apophis einst in das finstere Urmeer (Chaos) spie. Die Ägypter nannten die Schlange »Trägerin der Sonnenscheibe«. Sie stellten sich vor, dass der Sonnengott nachts, wenn er für die Menschen unsichtbar ist, auf ihrem Rücken durch die Unterwelt gleitet.
Leben im Sonnenrhythmus
Die Sonne ist das Lebenselixier dieses urzeitlichen Reptils. Die meisten Schlangen tummeln sich daher rund um den Äquator, im Hitzegürtel der Erde. Nur sehr kalte Regionen wie die Polargebiete oder manche Inseln (Irland) konnte das zähe Geschöpf, das selbst die Dinosaurier überdauert hat, nicht erobern. Vom Sonnenfeuer hängt nämlich der Lebensrhythmus der Landschlangen ab. In Mitteleuropa kriechen sie mit der Frühlingssonne aus ihren Schlupfwinkeln hervor und ziehen sich im Herbst wieder zurück. Sie teilen das Jahr somit in zwei Hälften. Fruchtbarkeitsgöttinnen wie Demeter oder Persephone wurden daher oft mit Schlangen dargestellt. Wie die Vegetationsgötter, so weilt auch deren heiliges Tier im Sonnenhalbjahr auf der Erde und ruht im Winter.

Ouroboros: Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, scheint sich gleichzeitig zu verschlingen und aus sich selbst zu gebären. Damit verkörpert sie den ewigen Kreislauf des Lebens und das Prinzip der Wiedergeburt. (Fred Weidmann, 2001)

Schlange und Ei. Kultstein aus römischer Zeit, eingemauert im ehemaligen Kloster Karthaus im Schnalstal, Vinschgau.
In unseren Breiten kreuzen Schlangen allenfalls verborgene Pfade abseits der Zivilisation. Wenn überhaupt, dann erblicken wir sie früh morgens oder am Spätnachmittag, wenn sie, auf Steinen oder Baumstümpfen liegend, ein Sonnenbad nehmen. Ihr Anblick löst unwillkürlich Angst aus. Obwohl sie meist nur für Kleintiere eine wirkliche Bedrohung darstellen, machte die christlich geprägte Phantasie hinterhältige und bösartige Gifttiere aus ihnen. Ursprünglich ist die Schlange aber ein Krafttier der Sonne. Der Volksmund sagt heute noch, dass sie ihr Gift aus der Sonne zieht, und eben dieses Gift gilt seit langem als Lebenselixier.
Schlangengift als Lebenselixier
Weshalb wir den Reigen der Sonnenheilmittel mit Schlangengift eröffnen, erklärt sich durch unsere Begegnung mit Scheich Ali. Wir lernten ihn vor vielen Jahren im Sinai kennen. Er führte uns damals mit seinen Kamelen durch die Wüste. An dem Beduinen mit dem sonnengegerbten Gesicht fielen uns sofort die Lebensenergie und Ausdauer auf. Während wir von der Hitze ausgelaugt auf den Kamelen dahinschaukelten und literweise Wasser in unsere ausgedörrten Kehlen schütteten, legte Ali mühelos viele Kilometer zu Fuß zurück!
Mit ihrem starren Blick gilt die Schlange, hier eine Klapperschlange, als allessehendes Tier der Weisheit.
Scheich Alis Schlangenkur
Eines Abends verriet uns der alte Beduine die Quelle seiner Lebenskraft. Einmal im Jahr geht er mit seinem Kamel allein in die Wüste, um eine bestimmte Baumschlange zu suchen. Sie lauert hinter Sträuchern oder schnellt aus Bäumen auf ihr Opfer herab und zählt zu den giftigsten Schlangen des Sinai. Ali erklärte uns, dass ihr Biss tödlich endet, wenn man nicht unverzüglich verhindert, dass sich das Gift im Körper ausbreitet. Er schilderte uns lebhaft gestikulierend, dass er das gebissene Glied notfalls abschneiden müsse.
So wie also unsereins im Frühling nach Brennnesseln Ausschau hält, fängt der Scheich eben einmal jährlich diese Schlange! Hat er sie überlistet, dann kocht er sie sieben Stunden und verzehrt sie. Schließlich durchlebt er in sieben Decken gehüllt eine Heilkrise – mit Schüttelfrost und Fieberdelirium. Jeden Morgen legt er eine Decke beiseite. Wenn er am Morgen des siebten Tages, des Sonn(en)tages, vom Fieber erwacht und die letzte Decke entfernt, dann ist auch die Heilkrise überstanden, und Ali fühlt sich wie neugeboren.
Tier der Unsterblichkeit
Die sich regelmäßig häutende Schlange scheint mit unerschöpflicher Regenerationskraft ausgestattet zu sein und gilt daher seit Urzeiten als Tier der Unsterblichkeit. Besonders die Darstellung als Ouroboros – die Schlange, die sich in den Schwanz beißt – symbolisiert den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen sowie die Wiedergeburt.
Seit langem versuchen wir Sterbliche, unsere Lebenskraft mit Hilfe von Schlangenelixieren zu stärken. Bereits aus den ältesten schriftlichen Überlieferungen der chinesischen Medizin geht hervor, dass Schlangenteile als Heilmittel dienten. Der griechische Arzt Galenos (2. Jh. n. Chr.) führte die Schlange in die abendländische Medizin ein. Zu seiner Zeit enthielten zahlreiche Rezepturen Giftschlangen als Ganzes. Scheich Alis Schlangenkur dürfte ein Relikt aus jener Epoche sein. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Samuel Hahnemann (1755 – 1843), der Begründer der Homöopathie, ein ähnliches Schlangenelixier beschrieb: »Zu dieser Absicht werden die (…) Schlangen mit Wasser bei langsamem vielstündigem Feuer so lange in einem Geschirre mit verklebtem Deckel gekocht, bis die Brühe (Jus viperinum) gallertartig wird.« (S. Hahnemann: Apothekerlexikon Bd. II S. 355). Diese Schlangenbrühe stand laut Hahnemann in dem Ruf, dass sie teelöffelweise eingenommen, »mit großem Erfolg« Skrofeln, Hautausschläge und sogar fressende Geschwüre heilen könne.
In der Volksmedizin überdauerten allerlei Schlangenrezepturen viele Jahrhunderte. In der alpenländischen Volksmedizin erhielt sich beispielsweise lange Zeit der Vipernalkohol, ein Alkoholauszug aus der Aspisviper, der im Vinschgau einst als lebensverlängerndes Elixier geschätzt wurde. Von einer weiteren volksmedizinischen Schlangenzubereitung erzählte uns ein befreundeter Makedonier, in dessen Familie fast alle hundert Jahre alt wurden. Er führte diese außergewöhnlich lange Lebenserwartung auf mehrere Faktoren zurück: frische Luft, sauberes Wasser, karge Hirtenkost, kein Stress und eben eine spezielle Schlangenmedizin. Dazu fingen die Alten eine Giftschlange (»orcha«) und legten diese zu - sammen mit Paprika in Essig und Öl ein. Im Winterhalbjahr gab es dann täglich von der eingelegten Paprika, in welche die Schlangenkraft übergegangen war, zu essen.
Zu königlichem Ruhm brachte es auch der Theriak, das berühmteste mittelalterliche Allheilmittel, Universalgegengift und Verjüngungselixier. Damals enthielt er neben mineralischen (z. B. Eisensulfat) und pflanzlichen Bestandteilen (z. B. Opium, Engelwurz) ebenfalls noch Schlangenteile. Einerseits wollte man durch den Zusatz von Giftschlangen eine gewisse Immunität gegenüber allen möglichen Giften erreichen. Andererseits erhoffte man sich, auf diese Weise die Eigenschaften auf den Menschen zu übertragen, die man der Schlange zusprach: Weisheit, Unverwundbarkeit, Regenerationskraft und ewiges Leben.

Giftschlange in Alkohol, aufgenommen auf einer Schlangenfarm in Zypern.
Symbol der Heilkunst
Schlange und Heilkunst sind bis heute untrennbare Begriffe. Die Schlange, die sich um den Äskulapstab windet und ihr Gift in eine Schale entleert, ist über Jahrhunderte hinweg das Machtsymbol der Ärzte geblieben. Es geht auf den prähellenischen Schlangengott Asklepios zurück. Er war der Sohn des Sonnengottes Apollon. Dem Mythos zufolge wurde der göttliche Arzt von dem heilkundigen Kentauren Chiron aufgezogen. Von Apollon erhielt er eine Schlange, die ihn in die Geheimnisse der Heilkunst einweihte. Asklepios besaß auch zwei Schalen voll Blut der Medusa, einem furchterregenden Wesen mit Schlangenhaar, die ihm Zauberkräfte verliehen. Mit dem Blut der einen Schale konnte er töten, mit dem Blut der anderen Schale Tote wiederbeleben. Dieses Bild symbolisiert die fließende Grenze zwischen Gift und Arznei; das griechische Wort »Pharmakon» bezeichnete ursprünglich beides. In der Schlange vereinen sich diese Gegensätze zu einem Arcanum (wahre Arznei). Die Wirkung von Alis Schlangenkur ist allerdings bei Normalsterblichen unberechenbar, also nicht nachahmenswert. Die modernen Möglichkeiten, sich Schlangenkräfte einzuverleiben, verdienen dagegen weit mehr Beachtung.
Schlangengifte in der Homöopathie
Im 19. Jahrhundert erlebte die Schlangenmedizin eine Art Renaissance. Erste empirische Untersuchungen weckten die Hoffnung, in diesen Tiergiften wirksame Arzneien für Virusinfektionen sowie für neurologische Erkrankungen gefunden zu haben. Doch bis dahin war deren Gebrauch mit erheblichen Risiken verbunden wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Störungen oder mit allergischen Reaktionen bis hin zum Schock. Doch Constantin Hering (1800–1880), ein Pionier der Schlangengiftforschung, erkannte in der Homöopathie, die seiner Zeit immer größere Kreise zog, neue Möglichkeiten. Angetrieben von fieberhaftem Forscherdrang reiste er nach Surinam und berichtete von dort erfreut: »Endlich hatte ich denn das Vergnügen, den 28. Juli 1828 des Mittags, eine, durch den kühnen Jäger zwar halb erschlagene, aber doch noch brauchbare, große, wirklich grässliche Giftschlange zu erhalten. Es war Trigonocephalus Lachesis (…).« (Constantin Hering: Einiges über das Schlangengift Lachesis, 1831).

Das Haupt der Medusa schmückt die Eingangstür zur Stuckvilla in München.
Seinen ersten Selbstversuch machte Constantin Hering unfreiwillig, als er das Giftdrüsensekret des Buschmeisters mit Milchzucker verrieb und versehentlich ein wenig davon einatmete. Kurz darauf litt er unter Halsschmerzen, denen die viel zitierten Leitsymptome der homöopathischen Lachesis folgten wie etwa Argwohn und Redseligkeit. Seine Forschungsergebnisse bildeten lange Zeit die Hauptquelle für die Anwendung von homöopathischen Schlangengiften. Durch ihn fand vor allem das Giftdrüsensekret des Buschmeisters (Lachesis) Eingang in den homöopathischen Arzneischatz, aus dem Lachesis heute nicht mehr wegzudenken ist. Für den berühmten Homöopathen James Tylor Kent (1849–1916) zählte es bereits zu den Polychresten: »Lachesis scheint für das ganze Menschengeschlecht zu passen, denn das Wesen des Menschen entspricht dispositionsgemäß und charakterlich der Schlangennatur (…)« (Edward Heits, Hrsg.: Kents Arzneimittelbilder).
Homöopathisch zubereitet, also nach den Regeln der Kunst verdünnt und verschüttelt, erwiesen sich Schlangengifte bald als nebenwirkungsarm und dennoch heilkräftig. Ausgangssubstanz für das Homöopathikum ist das frische Giftdrüsensekret. In der Trockenmasse finden sich über 90 Prozent Eiweiße, die je nach Zusammensetzung Blut, Herz oder Nerven schädigen.
»Ähnliches mit Ähnlichem heilen« lautet der Grundsatz der Homöopathie. Somit sind homöopathische Schlangengifte in erster Linie Blut-, Herz- und Nervenheilmittel.
Infektabwehr mit Lachesis
Die heutige Homöopathie bedient sich mehrerer Schlangengifte. In homöopathischer Form zeigen alle einen abwehrsteigernden Effekt und sind bei bakteriellen oder viralen Infekten hilfreich. In Kombination mit Sonnenpflanzen wie Echinacea wirkt Lachesis wie ein »homöopathisches Antibiotikum« (Vera Rosival: Die Homöopathische Hausapotheke, 2010).
Verwendet werden aber auch die Gifte der Klapperschlange (Crotalus horridus), der Korallenotter (Elaps corallinus) oder der bei uns einheimischen Kreuzotter (Vipera berus). Am häufigsten gebraucht man jedoch das potenzierte Gift des Buschmeisters (Lachesis muta; Grubenotter; Mittel- und Südamerika). Es gilt als zuverlässiges Heilmittel bei Blutvergiftung (Sepsis), die beispielsweise von eitrigen Wunden ausgehen kann.
Eben weil der Biss der Giftschlange Sepsis ähnliche Erscheinungen hervorruft, regen Tiefpotenzen (Lachesis D8) die körpereigene Gegenregulation an. Vor allem in Kombination mit dem abwehrsteigernden Sonnenhut beeinflussen sie den Krankheitsverlauf günstig. Rechtzeitig eingenommen, schützen Schlangenpräparate (siehe Tabelle) sogar vor Ansteckung, wenn wieder einmal die Grippewellen anrollen.
Blutdruckregulierung mit Naja
Das Gift der Kobra (Naja tripudians; Giftnatter; Indien) konzentriert seine Wirkung eher auf das Herz, das es zuerst erregt, später lähmt und zuletzt zum Stillstand bringt. Es zählt mit zu den tödlichsten Tiergiften, denn ein Gramm Kobragift könnte 150 Menschen töten! Eben wegen der Giftwirkung auf das Herz sind Tiefpotenzen (z. B. Naja D8) angezeigt, wenn nach Infekten Herz- oder Kreislaufbeschwerden zurückbleiben. Kobragift wirkt, ähnlich wie Lachesis, einer Blutvergiftung entgegen, aber es verhindert vor allem, dass Bakterientoxine das Herz belasten. Das homöopathische Naja senkt und reguliert außerdem noch den Blutdruck (z. B. Horvi-Enzym Naja mite Liquidum). Neben dem Sonnenmetall Gold gehört Naja also zu den Mitteln, die bei zahlreichen Herzbeschwerden Anwendung finden.
Schlangengifte regulieren die Hormone
Lachesis und Naja bewähren sich ebenso bei Wechseljahresbeschwerden (z. B. Lachesis D12). Zwar ersetzen die Schlangengifte keine Hormone (Östrogene), aber eine Hormonsubstitution ist auch nur in wenigen Fällen wirklich nötig. Beide greifen eher regulierend in den Hormonhaushalt ein. Ihr Hauptangriffspunkt ist die Schilddrüse. Herzklopfen, Unruhezustände und Hitzewallungen treten oft durch eine Fehlfunktion derselben verstärkt auf.
Rezept: Moderner Theriak
Das mittelalterliche Lebenselixier enthielt ursprünglich mehrere Dutzend Bestandteile. Die kräftigende, entgiftende und abwehrsteigernde Wirkung erreicht man gleichermaßen mit wenigen Sonnenmitteln.
• Angelica archangelica Urtinktur (Erzengelwurz) 10 ml
• Echinacea angustifolia Urtinktur (Sonnenhut) 20 ml
• Pyrit D6 (Eisensulfid) 10 ml
• Vipera berus D12 (Gift der Kreuzotter) 10 ml
Über eine Apotheke von DHU bestellen und mischen lassen.
Vitalisierende Kur: Zur Abwehrsteigerung 2- bis 3-mal täglich 15 bis 20 Tropfen pur oder in etwas Wasser einnehmen.
Eine weitere Gemeinsamkeit sind Schluckbeschwerden und Beengungsgefühle, die wiederum von der Schilddrüse ausgehen können. Wir merken uns das leicht, wenn wir uns vorstellen, dass Schlangen ihre Beute im Ganzen verschlingen. Im Magen einer 5, 5 Meter langen Python wurde einmal sogar ein Leopard gefunden (vergleiche Roland Bauchot: Schlangen). Dass es dabei eng wird, ist doch klar! Naja- Typen fassen sich jedenfalls oft an den Hals, wo sie Enge fühlen. Lachesis-Typen meiden Rollkragenpullis in der Regel ganz und mögen auch sonst keine enge Bekleidung (z. B. Gürtel).
Häutung der Seele durch Schlangengifte
Ein Mythos erzählt, wie der Sonnengott Re aufgefordert wurde, sich selbst zu erkennen. Die Mondgöttin Isis nahm den Speichel, den Re zur Erde tropfen ließ, vermengte diesen mit Lehm und formte daraus eine Schlange. Als Re durch sein Königreich wanderte, biss ihn die Schlange und er litt fürchterlich. Schließlich bat er die Mondgöttin, ihm zu helfen. »Nenne mir deinen Namen, göttlicher Vater«, forderte Isis. Erst durch die Wiederholung seines Namens in einer Beschwörungsformel wurde Re von seinen Qualen befreit. Hier begegnet uns die Botschaft: »Erkenne Dich selbst.«
Gerade nach Abschluss wichtiger Lebensphasen stellt sich oftmals die Frage nach dem Woher, Wohin und Weshalb. Die Wechseljahre der Frau oder die Midlife-Crisis des Mannes bilden eigentlich die Schwelle zur Weisheit des Alters. Viele verschließen die Augen vor ihrer inneren Wahrheit, oft aus Angst vor Verlusten. Hochpotenzierte Schlangengifte (D30) rufen die Urgründe der Seele ins Bewusstsein.Wer sie einnimmt, macht zuweilen eine Häutung der Seele durch. Weil oft schon eine Dosis tief in die Psyche eindringt und lange nachwirkt, wählt man das Mittel sorgfältig. Skizzieren wir also kurz, für wen Lachesis oder Naja ein Mittel der Seele ist.
Schlangenkur mit Reintoxinen
Aufgrund des Eiweißgehaltes war der heilkundliche Gebrauch von Schlangengiften lange Zeit mit gesundheitlichen Gefahren bis hin zum anaphylaktischen Schock verbunden. Erst vor wenigen Jahrzehnten gelang es Waldemar Diesing, dem Gründer der Heilmittelfirma Horvi, die Eiweiße aus Schlangengiften zu entfernen. Horvi hat sich seither auf die Herstellung der Reintoxine (gereinigte Schlangentoxine = enteiweißte Rohgifte) spezialisiert. Diese enthalten bis zu 50 verschiedene Enzyme, auf denen die Heilwirkung der Horvi-Präparate beruht. Beim Menschen machen Schlangenenzyme das Blut dünnflüssiger, feuern den Stoffwechsel an und regulieren den Säuregehalt des Blutes. Bei akuten Infekten oder bei chronisch geschwächtem Immunsystem von der Allergie bis hin zum Krebs unterstützen sie das Blut in seinen vielfältigen Abwehrfunktionen. Die Giftkonzentration der Reintoxine entspricht etwa dem Verdünnungsgrad einer homöopathischen D6. Mit ihnen ist daher ebenfalls eine gefahrlose »Schlangenkur« möglich. Langfristig eingenommen bewirken sie eine tiefgreifende Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte. Die Schlangenpräparate von Horvi müssen heute aus Holland importiert werden von Horvi-Enzy Med (www.horvi-enzymed.nl).
Lachesis – Tratschtante mit Giftspritze
Mit ihrer gespaltenen Zunge verführte die Schlange bereits Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Der Menschentyp, für den Lachesis ein Heilmittel der Seele wäre, hätte dies durch pausenlose Zurede erreicht. Lachesis-Typen erkennt man leicht: Sie reden ohne Punkt und Komma. Wie die überzeugungskräftige Paradiesschlange, so zeichnen sich diese Menschen durch ihre Redseligkeit aus. Sie sind jedoch äußerst sprunghaft und zerfahren. Während andere nur geschwätzig sind (z. B. Cimicifuga), dramatisiert Lachesis gerne, sie gestikuliert lebhaft und legt auch mal Hand an, damit man ihr zuhört. Fast jeder kennt eine solche Klatschbase, die ständig am Telefon hängt, um ihre Mitmenschen auf dem Laufenden zu halten. Natürlich gibt es auch Lachesis-Männer. Die findet man gehäuft in Vereinen oder an Stammtischen, wo sie gerne Reden schwingen. Der Seelenzustand, in dem sich solche Menschen befinden, gleicht einem Topf, der überzukochen droht. Misstrauen ist ein weiterer Wesenszug. Lachesis-Typen haben manchmal Angst, vergiftet oder hintergangen zu werden. Das kommt nicht von ungefähr. Sie kennen diese allzu menschlichen Eigenschaften, wie etwa Eifersucht oder Rachegefühle von sich selbst und würden vielleicht selbst gerne mit der Giftspritze hantieren – zum Glück nur in ihrer überschäumenden Phantasie, denn Lachesis mordet eher mit dem Mundwerk.
Schlangengott Naga, Tibet: Beschützer der buddhistischen Lehre und Behüter der Weisheit; hilft Hass, Neid und Unwissenheit überwinden.
Innere Ruhe finden
Mit der Gabe einer Hochpotenz (Lachesis D30) verwandelt sich der beschriebene Typ nicht gleich in ein ruhig vor sich hin strickendes Tantchen oder etwa in einen sanftmütigen Stubenhocker. Es kommen vielmehr Bewusstwerdungsprozesse in Gang, die den Grund der inneren Unruhe aufdecken. In Gedanken oder Träumen dringen Wahrheiten an die Oberfläche. Sie bilden den Ausgangspunkt für einen neuen, von mehr Ausgeglichenheit begleiteten Lebensabschnitt. In jedem Fall zählt Lachesis zu den wichtigsten homöopathischen Arzneien bei Beschwerden in den Wechseljahren. Charakteristisch ist für Lachesis-Typen, dass sie nicht schwitzen können. Schlangen können nämlich auch nicht schwitzen. Eben weil sie über keine Möglichkeit der Wärmeregulation durch Schweißabsonderung verfügen, meiden sie die Mittagshitze und verkriechen sich an heißen Tagen. Daher ist es kein Wunder, dass Hitzeintoleranz ebenfalls zu den Leitsymptomen von Lachesis sowie von anderen Schlangenmitteln gehört.
Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen … (Jesus an seine Jünger, Matthäus 10,16)
Ergänzend erleichtern Heilpflanzen die Häutung der Seele im Wechsel, z. B. in Form von Bädern, Einreibungen oder Tees. Baldrian, Hopfen oder Lavendel kühlen das Temperament und Melisse oder Wolfstrapp zügeln die Schilddrüse, damit die innere Ruhe wiederkehrt.
Naja – Sorgen lasten auf dem Herz
Bei Menschen, für die Naja in Frage kommt, schlagen sich Kummer und Ärger und überhaupt alle Leiden auf das Herz nieder. Seelische Beklemmung macht sich durch Atemnot, Herzrasen oder -stolpern bemerkbar. Naja-Typen haben manchmal das Gefühl, dass ihr Herz so heftig klopft, dass andere es hören könnten. Sie zeigen sich entweder nervös oder wie gelähmt. Im Gegensatz zu Lachesis schweigen oder brüten sie häufiger.
Auf ihrem Herz lasten Ängste, Erinnerungen an Kränkungen und Enttäuschungen sowie eingebildete Sorgen. Die Furcht, alleingelassen zu werden, hat sich in die Seele eingegraben. Melancholie bis hin zur Verzweiflung ist die Folge, und Schlafstörungen zerrütten die Nerven zusätzlich. Das Herz ist aber das Organ der Selbsterkenntnis. Es erkrankt bei Naja an der düsteren Sichtweise.
Blicken wir daher lieber hinter die Dinge, so wie es auch die Schlangen tun, und entdecken neue Ziele und Lebensinhalte.
Tier der Weisheit
Als feuerspeiender Erdwurm oder geflügelter Drache begegnen uns Schlangen auch in der nordischen Mythologie. Sie hüten Schätze oder Geheimnisse und gelten seit Urzeiten als kluge Tiere.
Wenn sie spiralförmig eingeringelt mit majestätisch erhobenem Kopf daliegen, scheint ihre Haltung von Weisheit zu zeugen. In ihr finden wir die Widerspiegelung der Sonnenspirale, die den gewundenen Pfad zum Bewusstsein symbolisiert.
Schlangenbeschwörer mit Kobra.

Kreuzotter im Mangfalltal.
Die unbeweglichen Lider der stets geöffneten Schlangenaugen vermitteln ebenfalls den Eindruck von steter Wachsamkeit. Schlangen besitzen in der Tat ein ausgeprägtes Sehvermögen. Sie können Infrarotstrahlung wahrnehmen, einfacher ausgedrückt: Sie sehen die Wärmestrahlung im Dunkeln und erblicken ihr Opfer sogar in der Dämmerung.
Im übertragenen Sinn wecken homöopathische Schlangengifte die Sinne und schärfen vor allem den Blick für das Wesentliche. Wenn wir wollen, dass das, was wir dann sehen, ein Lichtblick ist, unterstützen wir die Häutung der Seele mit weiteren Heilmitteln der Sonne.
Schlangenpräparate und ihre Anwendungsgebiete
Abwehrsteigerung
Pascoleucyn N (Tropfen; Pascoe), enthält u.a. Echinacea Urtinktur und Lachesis D8: eignet sich zur Erkältungsprophylaxe und Behandlung akuter grippaler Infekte mit Erschöpfung.
Lymphaden Hevert Complex (Tropfen; Hevert), enthält u.a. Conium D4 und Lachesis D6: bewährt bei chronischen Infekten mit Lymphknotenschwellung (z. B. Pfeiffersches Drüsenfieber) sowie als Begleitmittel bei Krebserkrankungen mit Lymphbeteiligung.
Lachesis comp. (Globuli; Wala), enthält u. a. Lachesis D11: bewährtes Begleitmittel bei bakteriellen und fieberhaften Infekten, speziell bei eitriger Rachenmandelentzündung.
Blutdruckregulierung
Horvi-Enzym-Naja mite oder forte (Liquidum; Horvi-Enzy Med, Holland), enthält Reintoxin von Naja: senkt erhöhten und reguliert schwankenden Blutdruck; ergänzt bei Neigung zu Bluthochdruck die Gold-Therapie.
Horvi-Enzym-Psy 4 comp.4 (Liquidum; von Horvi-Enzy Med, Holland), enthält u. a. Reintoxine von Crotalus (Klapperschlange): reguliert den Kreislauf bei Neigung zu erhöhter Herzfrequenz (z. B. paroxysmale Tachykardien).
Neuralgien und Schmerzsyndrome
Horvi-Enzym-Chiroprac (Salbe; Horvi Enzy Med, Holland), enthält u. a. Reintoxin von Naja: bewährt zur schmerzlindernden Einreibung von überlastungsbedingten Muskel- oder Gelenkschmerzen sowie bei Muskel- oder Gelenksentzündungen und Hexenschuss.
Horvi-Enzym-Serpalgin (Liquidum und Salbe; Horvi-Enzy Med, Holland), enthält u. a. Reintoxine von Lachesis und Naja: bewährtes Begleitmittel bei Nervenschmerzen, speziell bei Gürtelrose (Herpes zoster, Zosterneuralgie).
Schilddrüsenleiden und Wechseljahre
Ignatia comp. (Globuli; Wala), enthält u. a. Ignatia D3 und Lachesis D11: zur Begleitbehandlung von leichten Formen der Schilddrüsenüberfunktion in den Wechseljahren, vor allem bei Neigung zu innerer Unruhe und depressiven Verstimmungszuständen.
Spongia F Komplex Nr. 70 (Nestmann), enthält u.a. Apis D4 und Lachesis D10: zur Begleitbehandlung von Schilddrüsenknoten oder -zysten mit Neigung zu Halsbeengung (Globus hystericus) und Räusperzwang.
Strontium F Komplex Nr. 71 (Nestmann), enthält u.a. Apis D4 und Lachesis D10: zur Begleitbehandlung von Schilddrüsenfehlfunktion mit Neigung zu Herzklopfen, Unruhe und Schlafstörungen; wegen der jodhaltigen Inhaltsstoffe nicht bei Hashimoto einnehmen!

Homöopathische Heilmittel aus dem Gift der Kobra werden vor allem für Herzleiden und Depression verwendet. (Stahlstich, 1859)
»Die Erfahrung lehrt, dass kein Tier als vernünftiges Tier dem Menschen so gleicht wie die Bienen. Ihre natürliche Weisheit kann nicht geleugnet werden.« (Paracelsus)
Die Biene
Honigbienen (Apis mellifica) leben ganz im Rhythmus der Sonne und der Jahreszeiten.Wenn sich im Frühling unzählige Bienen an den Blüten laben, merkt auch der letzte Winterschläfer, dass die kalte Jahreszeit vorbei ist.
Als Frühlingsbotin ist die Biene das heilige Tier der Fruchtbarkeitsgöttin Persephone. Kehrt die Göttin zusammen mit ihren geflügelten Gefährtinnen aus der Unterwelt zurück, erwacht die Erde endlich wieder zu neuem Leben.
Sonnenleben der Biene
Bienen schwärmen nur aus, wenn es warm ist. Im Winter finden wir sie dagegen dicht zusammengedrängt um ihre Königin, wo sie ihren Nahrungsvorrat aufzehren, denn zum Fliegen und Sammeln ist es zu kalt. Bewegung, Licht und Wärme im Gegensatz zu Erstarrung, Dunkelheit und Kälte prägen das Bienenleben.
Interessant ist in diesem Zusammenhang das einzigartige Phänomen, dass, unabhängig vom Wetter, im Bienenstock immer eine gleich bleibende Temperatur herrscht, die in etwa unserer Körpertemperatur entspricht. Im Winter kontrahiert die Biene rhythmisch ihre Brustmuskulatur, um Wärme zu erzeugen. Dagegen legen Bienen im Sommer einen Wasserfilm über die Waben, um diese abzukühlen. Die Ähnlichkeit zum Menschen ist verblüffend. Ist uns kalt, fangen wir an zu zittern, um Wärme zu erzeugen. Dagegen schwitzen wir, wenn uns zu warm ist, um uns abzukühlen. Dies entspricht ganz dem ausgleichenden Sonnenprinzip.
Weitere Sonnensignaturen sind der zentrierte Aufbau des Bienenvolks mit der Königin als Mittelpunkt und das soziale Wesen der Biene. Bekanntlich lebt und arbeitet die Biene für das ganze Volk, besonders aber für die Königin. Wir finden hier eine Übereinstimmung mit dem kreisförmigen Sonnensymbol. Der Kreis entspricht dem Bienenvolk und unserem sozialen Umfeld, der Punkt in der Mitte der Königin und unserem Ich-Bewusstsein. Eben aus diesem Grund zählt die Bienenkönigin (Apis regina) in der Anthroposophischen Medizin zu den Ich-stärkenden Arzneitieren (siehe Aurum/Apis regina comp. von Wala; Seite 216).
Unübersehbar ist auch der Aufbau der Bienenwabe nach dem Formprinzip der Sonne, dem Sechseck. Hierin sind Bienen unerreichte Baumeister.
Nicht nur der Honig, auch das Sechseck der Wabe und der zentrierte Aufbau des Bienenstaates um die Königin (markiert mit einem weißen Punkt), macht die Biene zu einem Sonnentier.
Mit dem Nektar, welchen die Bienen in Honig umwandeln, bringen sie uns sogar die Sonne ins Haus. Die Biene lebt also nicht nur im Rhythmus der Sonne, sondern sie ernährt sich auch von stoffgewordener Licht- und Wärmeenergie.
Schließlich ist da noch ihr »Sonnentanz«. Durch Duftmarken und kreisförmige, tänzelnde Bewegungen, die sich am Sonnenstand orientieren, zeigt die Sammelbiene den anderen die Entfernung und die Himmelsrichtung zur nächstbesten Futterquelle. Auch über die Art des Futters gibt ihr Tanz Auskunft. Vieles macht die Biene also zu einem Tier der Sonne. Ebenso finden sich Analogien zum Menschen, für den die Biene auch ein bedeutendes Heilmittel ist.
Bienengift als Heilmittel
Eine eher unangenehme Begegnung mit der Biene dürfte für viele wohl ihr Stich sein. Meistens führt er zu einer schmerzhaften und heißen Schwellung. Hier kann das Auflegen frisch zerquetschter Spitzwegerichblätter Linderung bewirken, und das Combudoron Gel von Weleda wirkt ebenfalls abschwellend und kühlend.
Was als Gift überaus feurig wirkt, wird als Homöopathikum zum regelrechten Feuerlöscher. Indianer gebrauchen veraschte Bienen schon lange gegen Entzündungen und Ödeme. Als Arzneitier fand die Honigbiene (Apis mellifica) im 19. Jahrhundert Eingang in den Arzneischatz der Homöopathie. Der Ähnlichkeitsregel entsprechend gebraucht man Apis mellifica als Heilmittel gegen eine Vielzahl entzündlicher Schwellungen, besonders solche, die mit leichter Rötung sowie mit stechenden oder brennenden Schmerzen einhergehen, z. B. Harnblasen- oder Rachenmandelentzündungen (z. B. Apis mellifica C30). Auch bei Autoimmunleiden wie Rheuma, bei Heuschnupfen oder allergischen Schwellungen wie etwa bei Quincke-Ödem hat sich Apis bewährt. Als Erste-Hilfe-Mittel bei Allergien und als Soforthilfe bei einem Bienenstich ist es, zusammen mit Lachesis, unübertroffen (siehe Rezept). Nicht zuletzt gehört Apis zu den großen Zystenmitteln und bewährt sich in der Frauenheilkunde sowohl bei Brust- oder Schilddrüsenzysten (z. B. Einreibung mit Apis mellifica 1 % Salbe von Weleda) als auch bei Eierstockszysten (z. B. Kur mit Magnesium sulfuricum/Ovaria comp. von Wala).
Ein weiterer Hinweis für die Wirkung von Apis bei Autoimmunleiden ist die wesentlich größere Honigausbeute, wenn Bienenstöcke auf »Störzonen« liegen,
Rezept: Bienengift bei Allergien
Das folgende Rezept kann bei allergischen Hautleiden wie Urtikaria oder als Begleitmittel bei Quincke-Ödem versucht werden. Es stellt vor allem eine sanfte Form der Desensibilisierung dar, die in den beschwerdearmen Phasen vorbeugend durchgeführt werden sollte:
• Apis mellifica Dil. D12 (Honigbiene)
• Histaminum Dil. D12 (Histamin)
• Lachesis D12 (Buschmeisterschlange)
• Solidago virgaurea Urtinktur (Goldrute)
• Urtica dioica Dil. D4 (Brennnessel)
jeweils 20 ml.
Über eine Apotheke von Spagyra bestellen und mischen lassen oder selber bestellen (www.spagyra.at) und mischen. Dosis: Im Akutfall alle 30 Minuten 8 bis 10 Tropfen (maximal 5- bis 7-mal). Vorbeugend 2- bis 3-mal täglich 10 bis 15 Tropfen im Mund zergehen lassen. Ergänzend lässt sich die Allergiebereitschaft durch Kalziumgaben senken (z. B. Calcium Quercus Globuli von Wala) sowie mit Vitamin C und Zink. z. B. Wasseradern oder Erdverwerfungen. Ein längerer Aufenthalt auf solchen geologischen Phänomenen führt beim Menschen auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen, vor allem zu Störungen im Immunsystem. Nun ist aber eine alte Regel, dass das Heilmittel häufig dort zu finden ist, wo auch das Leiden seinen Ursprung hat. Tiere wie die Biene, aber auch bestimmte Pflanzen, z. B. Mistel oder Efeu (siehe Kapitel »Winter«), die sich auf Störzonen wohlfühlen, wirken in geeigneter Zubereitung heilend auf unser Immunsystem ein.
Für die homöopathische Anwendung von Apis spricht ferner: Verschlimmerung des Leidens durch Hitze und eine verstärkte Schweißneigung; daher auch die Anwendung bei klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen. Solche Menschen scheinen – wie Ikaros – vom Wesen der Sonne verbrannt worden zu sein. Tatsächlich empfindet der Menschentyp, für den Apis ein Heilmittel ist, die Sommerhitze als unerträglich. Apis-Typen findet man daher an heißen Tagen meist fächelnd im Schatten, eventuell mit einem Bein im kühlen Wasser.
Feurige Witwe mit Putzfimmel
Normalerweise kümmern sich Bienen um nichts anderes als um ihre Arbeit, sei es als Amme zur Aufzucht der Brut oder als Sammlerin von Nektar. Daher spricht man auch von der fleißigen Biene.
Manche Menschen verhalten sich ganz ähnlich. Insbesondere jene Menschentypen, die sich unentwegt beschäftigen und zu den übereifrigen Putzteufeln oder zu den unermüdlichen Arbeitstieren gehören, sollten einmal eine Konstitutionsbehandlung mit der homöopathischen Biene machen (z. B. einmal wöchentlich eine Gabe Apis mellifica D30). Manchmal bewirkt eine solche Konstitutionsbehandlung, dass sogar Apis-Typen auch einmal zur Ruhe kommen. Apis-Typen sind jedoch nicht nur sehr geschäftig, sie sind gleichermaßen gesellig und redselig. Daher gehört Apis zu den homöopathischen Heilmitteln für die lustige Witwe, die sich gerne auf Kaffeefahrten die Zeit vertreibt.
Auf der anderen Seite wird dieser Menschentyp immer wieder auf unerklärliche Weise müde. Genauso kann ihn aber eine Idee ergreifen, der er mit Feuereifer nachgeht. Ähnlich die Bienen: Kurz vor der Zeit des »Schwärmens« hocken sie apathisch vor ihrem Stock herum. Plötzlich überfällt sie eine eigenartige Ruhelosigkeit, und in einem orgiastischen Taumel verlassen sie schließlich mit der Königin ihren Stock, um eine neue Heimat zu finden. Im übertragenen Sinne ist Apis ein Heilmittel für begeisterungsfähige Naturen, die sich bis zur Erschöpfung verausgaben.

Das Gift der Brennnessel hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Bienengift. Beim Anfassen bricht die Hülle der Giftdrüse und schießt regelrecht in den Körper, um sich zu entleeren. Als Heilmittel hilft die Pflanze jedoch wirkungsvoll bei Insektenstichen und Allergien. Junger Brennnesseltrieb und daneben mikroskopische Aufnahme der Giftdrüse.
Ein weiteres Anwendungsgebiet für Apis, das dieser Erregbarkeit entspricht, ist die Schilddrüsenüberfunktion. Diese temperamentvolle Seite zeigt sich vor allem, wenn man den Apistyp in seiner Entfaltung bedrängt. Wer nicht weiß, was damit gemeint ist, möchte sich doch bitte einmal vor das Flugloch eines Bienenstocks stellen. Spätestens dann kann er erfahren, wie feurig und nervig die ansonsten friedfertige Biene sein kann.
Bekanntlich spielen Männer (= Drohnen) im Bienenvolk eine eher unbedeutende Rolle. Nicht einmal stechen können sie. Eigentlich sind sie unnütz im Frauenstaat der Bienen, wäre da nicht die Königin, denn Drohnen existieren einzig und allein, um die Fortpflanzung zu gewährleisten. Nach getaner Arbeit werden die Drohnen aus dem Stock geworfen und sterben. Zuvor sind sie allerdings die eifrigsten Schlemmer im Honigparadies.
Vielleicht liegt in dieser Vorherrschaft des Weiblichen der Grund, dass die Biene ein ausgesprochenes Frauenmittel der Homöopathie ist.
Apis hat jedenfalls schon so manch feuriger Witwe geholfen, etwas besonnener zu sein.

Imkerin mit Schutzanzug gegen Stiche.
Die Bienenkönigin – Seid fruchtbar und mehret Euch
Während die Biene homöopathisch vor allem das Immunsystem beeinflusst und das Gemüt besänftigt, dient die Bienenkönigin (Apis regina) auch anderen Heilzwecken.
Zunächst einmal zentriert Apis regina die Persönlichkeit und stärkt das Selbstwertgefühl (siehe: Aurum/Apis regina comp. von Wala, siehe Seite 164).
Lebenssinn der Bienenkönigin ist aber vor allem das Eierlegen – immerhin eine halbe Million pro Jahr. Auch beim Menschen steigern aus der Bienenkönigin zubereitete Arzneien die Fruchtbarkeit. Die Firma Wala liefert gleich zwei Bienenarzneien für die Fruchtbarkeit: Für die Frau Ovaria comp, zur Anregung der Eierstockfunktion und des Eisprungs und für den Mann Testes comp. zur Anregung der Spermienbildung. Neben der Bienenkönigin und den potenzierten Organen (Eierstock/Hoden) enthalten beide das Mondmetall Silber, das vor allem Aufbauprozesse fördert und die Regenerationskräfte anregt (Dosis: 2-mal täglich 10 bis 15 Globuli oder 2-mal pro Woche eine Ampulle subkutan im Bauchraum injizieren).
Eine gewisse fruchtbarkeitsteigernde Wirkung hat auch Gelee Royal, ein spezieller Saft zur Aufzucht der Bienenkönigin. Besonders die Chinesen schwören darauf. Der Saft stärkt neben der Fruchtbarkeit auch die Potenz und ist daher in fast allen chinesischen Liebestränken und Lebenselixieren enthalten (z. B. Peking-Boell Ginseng Royal ]elly N Trinklösung). Leider sind solche Präparate ziemlich teuer. Doch auch an weniger gut Betuchte hat die Biene gedacht, indem sie den Honig schuf, der schließlich schon die Götter mannbar machte.
Honig – Götterspeise und Heilmittel aus dem Bienenvolk
Als kleines Kind wurde Zeus, der Beherrscher des Olymp, von der Nymphe Melissa mit Honig und Ziegenmilch gefüttert. Die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter galt als Spenderin der Götterspeise. Sogar Amor tauchte seine goldenen Liebespfeile in Honig, um die Herzen von Göttern und Menschen zu erweichen. Noch heute sagt man im Englischen Honeymoon (Honigmond) zu den Flitterwochen frisch Verheirateter. Honig war auch ein Opfer an die Totengeister, mit dem die Seelen den Höllenhund Kerberos bestechen konnten, damit er ihnen die Tore zur Totenwelt öffnete.
Als Gegenzauber bei Besessenheit durch Dämonen gebrauchten ägyptische Priesterärzte den Honig. Dazu sprach man: »Ich habe für ihn ein Schutzamulett gegen Dich gemacht, das aus übelriechenden Kräutern, aus Knoblauch, der Dir schädlich ist, und aus Honig besteht, der für die Menschen süß ist, den Geistern aber schrecklich ist.«
Die schwierige Kunst der Honiggewinnung lernten die Menschen übrigens von Aristaios, einem Sohn des Sonnengottes Apollon, der auch die Met-Herstellung beherrschte. Er schenkte den Menschen damit nicht nur etwas zum Naschen, sondern auch ein wertvolles Heilmittel.
Honig zur Wundheilung und Abwehrsteigerung
Schriftliche Zeugnisse über die Heilanwendung von Honig gibt es bereits aus ägyptischer Zeit. In einem alten Papyrus heißt es, dass ein Stück Leinen mit Weihrauch und Honig getränkt bei Wundinfektionen helfe. Die antiseptische und immunmodulierende Wirkung von Weihrauch (Boswelliasäuren) gilt heute als wissenschaftlich erwiesen. Echter Bienenhonig enthält unter anderem Enzyme, die eine ähnliche antibakterielle Wirkung wie etwa Wasserstoffperoxyd haben. Daher bewähren sich Wundauflagen mit Honig bis heute und werden von Naturheilärzten zur Verhütung von Wundinfektionen gebraucht. Über die stärksten antibiotischen Kräfte verfügt der Manuka-Honig, erhältlich in Bioläden und Reformhäusern. Manuka-Honig lindert Mundsoor sowie Entzündungen der Rachenmandeln und dient unter anderem als entzündungswidrige und antibakterielle Wundauflage.
Die keimtötenden Heileigenschaften wirken bei Husten und Bronchitis besonders wohltuend. Echter Bienenhonig lindert den Hustenreiz meist genauso gut wie die gebräuchlichen Hustenblocker. Stärker als der naturreine und schonend abgefüllte Imkerhonig wirken in den Wintermonaten eigentlich nur noch der Weleda Flechtenhonig, der antibiotische Flechtensäuren enthält, oder auch das Weleda Hustenelixier auf Honigbasis. Ein wirksames Hausmittel zur Vorbeugung und Behandlung von fieberhaften Infekten ist ferner der frisch gepresste Saft von ein bis zwei Bio-Zitronen mit etwas echtem Bienenhonig und heißem Wasser vermengt. Ergänzt man solche heilsamen Honigarzneien zusätzlich mit abwehrsteigernden Schlangenheilmitteln wie etwa Pascoleucyn N Tropfen von Pascoe, dann braucht man Grippewellen nicht mehr zu fürchten.
Aristaios, Sohn des Sonnengottes Apollon, gilt als Entdecker der Honiggewinnung und Met-Herstellung. (Kupferstich, 17. Jahrhundert)
Ein Tipp aus der Volksheilkunde bei Atemwegsinfekten ist außerdem das Kauen einer honighaltigen Bienenwabe (erhältlich im Reformhaus oder direkt beim Imker). Bei Bedarf kaut man mehrmals täglich ein bis zwei Teelöffel Bienenwabe wie einen Kaugummi und spuckt anschließend wieder aus. Manche Imker stellen aus den Waben auch Bienenwachskompressen her, die bei Erkältungen mit Lungenbeteiligung besonders wohltuend wirken (z. B. imkerei.danzl@schwaz.net). Die Bienenwachskompressen werden so lange angeföhnt, bis sie sich ausreichend erhitzt haben. Dann legt man sie auf die nackte Haut, am besten auf die Brust unterhalb des Schlüsselbeins, bedeckt die Kompressen mit einem alten Leintuch und gibt noch eine Wärmflasche darüber. Die Bienenwachskompresse speichert die Wärme und füllt die Lungenpunkte wieder mit neuer Lebenswärme auf.

Honig nährte bereits machtvolle Götter wie Zeus, und noch Paracelsus sah in ihm eine universelle Arznei für den ganzen Menschen. (»Theatrum sanitatis«, um 1400)
Honig als Kraft- und Nervennahrung
Im Gegensatz zum gebräuchlicheren Zucker ist Honig eine lebendige und heilkräftige Nahrung. Er enthält wertvollen Trauben- und Fruchtzucker, der dem Körper als Heiz- und Brennstoff dient, sowie Enzyme, Vitamine, Spurenelemente und andere so genannte Biokatalysatoren, die unseren Energiestoffwechsel günstig beeinflussen.
In Tierversuchen konnte man nachweisen, dass mit Honignährlösungen gefütterte Ratten bis zu 50% mehr Leistung brachten und sich anschließend besser erholten als Kontrollgruppen, die nur Zucker als Nahrung bekamen. Unter Sportlern jedenfalls gilt Honig schon lange als erlaubtes Dopingmittel.
Aber auch weniger leistungsorientierte Mitmenschen finden im Honig Kraft. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Bad in Milch und Honig? Zwei Esslöffel Honig in die Badewanne geben, dazu einen halben Liter Milch oder einen Becher Sahne und nun noch einige Tropfen ätherisches Rosmarinöl – vorbei ist die Müdigkeit. Ganz nebenbei wird die Haut dadurch geschmeidig und fühlt sich an wie Samt.
Seine kraftspendenden Eigenschaften auf Körper und Geist machen den Honig auch zum Bestandteil vieler Aufbaupräparate. Besonders lebensschwache Kinder sollten mit der Speise, die schon Zeus Kraft gab, ernährt werden. Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Konzentrations- und Abwehrschwäche sind beispielsweise Anwendungsgebiete für die Nerven- und Aufbaunahrung auf Honiggrundlage von Wala, die vor allem Kinder gerne nehmen (2-mal täglich einen Teelöffel). Das Präparat enthält neben Honig und Kräutern auch das energetisierende Blaueisenphosphat Vivianit (siehe S. 133).
Honig als Jungbrunnen
Ein regelrechter Jungbrunnen unter den Honigprodukten ist auch der Bleihonig (Plumbum mellitum), eine nach alchemistischen Gesichtspunkten hergestellte homöopathische Zubereitung der Firma Weleda.
Blei wird astrologisch dem Planeten Saturn zugeordnet, desgleichen auch erkaltende und verhärtende Erkrankungen wie die Arteriosklerose und andere Alterungserscheinungen. In homöopathischer Zubereitung ist Blei auf Grund des homöopathischen Umkehreffektes ein wichtiges Begleitmittel bei degenerativen Gefäßveränderungen und anderen Altersleiden.
Damit das Saturnmetall einen Bezug zur Sonne erhält, wird das Metall geschmolzen, in Wabenform gegossen (Formprinzip der Sonne) und diese mit Honig gefüllt. Das Gleiche geschieht nach einem weiteren Schmelzvorgang nochmals mit Zucker anstelle von Honig. Anschließend wird das Ganze gemahlen und potenziert. Das jede lebendige Strahlung abschirmende, glanzlose Blei ist jetzt mit Lebenskräften der Sonne angereichert und ein ideales Altersheilmittel, bzw. ein Mittel, um in Würde zu altern, was ein Kollege einmal als »wellaging« bezeichnete. Als Bleihonig (Plumbum mellitum) ist es in einigen Arzneimitteln enthalten, wie z. B. Scleron Tabletten von Weleda (Dosis: Zur Dauertherapie 1- bis 2-mal täglich eine Tablette).
Nach längerer Einnahme verbessert das Mittel vor allem die Durchblutung des Gehirns und bewirkt eine merkliche Zunahme der Konzentrationsfähigkeit. Außerdem verbessert es die seelische Stimmungslage erheblich. Bewährt hat sich eine Kombination mit weiteren Mitteln mit Gefäßwirkung, z. B. Metaginkgo S von Meta-Fackler (Dosis: ca. 3-mal täglich 20 Tropfen).

Zusammen mit Honig ist das Saturnmetall Blei ein Heilmittel bei Altersleiden.
Ein ähnliches Herstellungsverfahren wie mit Blei macht man bei Weleda mit dem Jupitermetall Zinn. Jupiter regiert die Leber und die Gelenke, aber auch die Gedankenbildung. Das Präparat Stannum mellitum (D12 von Weleda) eignet sich daher vor allem zur Sanierung des Leberstoffwechsels und zur Behandlung chronischer Gelenksleiden wie Arthrose, aber auch zur Behandlung einer Leberdepression (hier am besten in Kombination mit Gold – siehe dort).
Honig contra Naschsucht
Eine wichtige Eigenschaft von Honig ist seine Transportfunktion für andere Heilmittel. Die Tibeter bezeichnen ihn als »Medizinpferd«, auf dessen Rücken andere Arzneistoffe besser in den Körper bzw. direkt ins Blut gelangen. Tatsächlich konnte man nachweisen, dass stark wirkende Stoffe, wie z. B. Digitalis, zusammen mit Honig, wesentlich verträglicher sind. Auch konnte man die Dosis von Digitalis deutlich senken. Starkwirkende, bzw. nebenwirkungsreiche Arzneien sollten also mit Honig kombiniert werden.
Aber was tun, wenn Honig und andere Süßigkeiten süchtig machen? Bei Suchterscheinungen kann man folgendes Rezept versuchen:
• Argentum nitricum D8 (Silbernitrat)
• Lycopodium D8 (Bärlapp)
• Mel D6 (potenzierter Honig)
• Pankreas D10 (potenzierte Bauchspeicheldrüse)
• Verbena officinalis Urtinktur (Eisenkraut)
jeweils 20 ml
Über eine Apotheke von Spagyra bestellen und mischen lassen oder selber bestellen und mischen (www.spagyra.at). Dosis: 2- bis 3-mal täglich 10–15 Tropfen.
Am besten kombiniert man den Zinnhonig bei Leberleiden und Depression mit weiteren zinnhaltigen Präparaten, z. B. dem Lebermittel Metaheptachol N oder bei Störungen im Bewegungsapparat mit dem Gelenksmittel Metasymphylen, beides von der Firma Meta Fackler (Dosis: jeweils ca. 3-mal täglich 15–20 Tropfen).
Met – ein Göttertrunk
Weniger heilend, sondern mehr erleuchtend wirkt dagegen der Met, den man beim Vergären von Honig erhält. Besonders im keltisch-germanischen Kulturkreis war es das Getränk schlechthin. In riesigen Kesseln wurde der Honig zum Gären gebracht. Keineswegs aber braute man Met nur als berauschendes Getränk. Vielmehr sollte der Kontakt zu den Göttern gefördert werden. Met war den nordischen Völkern heilig und diente ihnen als Quelle der Inspiration, Weisheit und Poesie.
Auch die Götter lieben den Met. So berichtet die Edda, eine Sammlung germanischer Götter- und Heldenlieder, wie Odin aus dem »Brunnen der Erinnerung« den Trank der Weisheit bekam, bei dem es sich natürlich um Met handelte. Um in den Genuss zu kommen, musste er allerdings ein Auge opfern. Er konnte deshalb keineswegs schlechter sehen. Vielmehr erlangte der Schamanengott die »Ein«sicht in die verborgenen Geheimnisse des Lebens (Ralph Metzner, 1994).
Eine andere Geschichte aus der Edda beschreibt, wie den Göttern ihr heiliger Met gestohlen wurde, den sie aus dem Blut des weisen Kvasir gebraut hatten. Indem sich Odin in einen Adler verwandelte, konnte er den Met in seinem Schnabel zurückbringen. Einige Tropfen fielen dabei auf die Erde. So kam der Met zu den Menschen. Er diente von nun an vor allem Skalden (Sängern) und Völvas (Seherinnen) als Quelle der Inspiration.
Pflanzen der göttlichen Inspiration
Weisheit und Seherkraft nur durch ein alkoholisches Getränk? Dann wäre das Münchner Oktoberfest ein Treffen Erleuchteter! Natürlich ist Met berauschend, aber erst gewisse Pflanzen geben ihm die richtige Würze und bewirken die göttliche Inspiration.
Beliebt waren z. B. Fliegenpilze, auch Rabenbrot genannt. Raben sind die heiligen Tiere Odins. Zwei von ihnen, Hugin und Munin, sind seine ständigen Begleiter. Sie symbolisieren Denken und Gedächtnis.
Rezept: Met, ein Trank der Götter
Lange bevor es üblich war Kräutertees zuzubereiten, siedeten die Kelten ihre Heilkräuter in Honigmet oder Ziegenmilch. Während sich im Wasser am besten wasserlösliche Pflanzeninhaltsstoffe lösen, hat die Zubereitung in Met den Vorteil, dass auch fettlösliche Wirkstoffe übergehen. Im Met wirken Alkohol und Honig als »Medizinpferde«, auf deren Rücken die pflanzlichen Wirkstoffe direkt ins Blut gelangen. Eine stimmungsaufhellende und nervenstärkende Kräutermischung für einen Met ist zum Beispiel:
Angelikawurzel, Betonie, Dost, echtes Eisenkraut und Johanniskraut, zu gleichen Teilen gemischt. So wirds gemacht: Eine gute Hand voll der Kräutermischung in einen Topf geben und mit einer Flasche Honigmet übergießen (vom Imker oder aus dem Reformhaus). Dann die Kräuter im Topf zum Sieden bringen, vom Herd nehmen, abgedeckt abkühlen lassen und in die Flasche zurück abfiltrieren – fertig.
Dosierung: Besonders lecker schmeckt der Met noch lauwarm getrunken. Kühl aufbewahrt hält sich das heilsame Getränk einige Tage lang. Bei Bedarf, zum Beispiel in der dunklen Jahreszeit, kann man ein bis drei Gläschen (ca. 100 ml) täglich vor oder zwischen den Mahlzeiten genießen.

Tollkirsche: Bei den Germanen hieß sie auch »Wolfsbeere«. Mit dieser Mittsommerpflanze würzten sie ihren Met der Inspiration.
Wahrscheinlich nutzten die Seherinnen in alter Zeit auch Alraune als Zutat zum Met der Hellsicht.
Ebenso verwendete man Tollkirsche. Ein anderer Name für die Pflanze mit den dunkelvioletten Früchten ist Wolfsbeere. Wer die Göttersagen kennt, weiß, dass der Wolf eines der Krafttiere Odins ist. In der Pflanze, die bei Hexen den wohlklingenden Namen »Göttin des Waldes« hat, verkörpern sich auch die Walküren, die den gefallenen Kriegern in Walhall den göttlichen Met kredenzen.
Alraune dürften die Germanen ebenfalls gekannt haben. Im Namen der berühmten Zauberwurzel steckt das Wort »Rune«, eine Bezeichnung für die magischen Buchstaben nordischer Völker. Odin entdeckte sie, als er am Baum der Erkenntnis hing. Anschließend trank er Met, der ihm die Augen für die Welt der Runen öffnete. Auch das germanische Wort Albruna klingt ähnlich wie Alraune. Es ist der Name für ein Weib mit Seherkraft und Zaubermacht. Ferner verwendete man möglicherweise auch den Hanf als Zusatz, die heilige Pflanze der Liebesgöttin Freya.
Schließlich ist da noch Bilsenkraut, das die Kelten auch als Belinuntia bezeichneten. Es war eine ihrer heiligen Pflanzen und dem keltischen Sonnen- und Orakelgott Belenus geweiht (zu den Met-Zutaten siehe auch Ralph Metzner: »Der Brunnen der Erinnerung«).
Allen Pflanzen ist gemeinsam, dass sie einen tief in den Brunnen der Seele blicken lassen. Aber Vorsicht! Der Gebrauch dieser Pflanzen ist nicht ungefährlich. Sie wirken bei jedem Menschen zwar anders, können aber bei empfindlichen Personen schon in allerkleinsten Mengen Halluzinationen hervorrufen oder sogar Drogenpsychosen auslösen.
Sonnenwirken in der Pflanzenwelt
Überall wo Sonnenstrahlen auf die feuchte Erde treffen, selbst in der Wüste, sprießt, wächst und blüht es. Die Sonne ist die oberste Vegetationsgottheit und Urquell allen irdischen Lebens. Doch manche Pflanzen stehen ihr näher als alle anderen. Solche Sonnenkinder aus der Pflanzenwelt erkennt man meist schon von weitem an ihren gelben Blüten, wie etwa das Sonnenröschen oder das Johanniskraut. Insbesondere der großen Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae), zu denen bedeutende Heil- und Nahrungspflanzen wie etwa Arnika, Goldrute, Kamille oder Löwenzahn zählen, gehören viele sonnenhafte Gewächse an. In den strahlend weißen Zungenblüten der Kamille erkannten die Germanen einst sogar ein irdisches Abbild der Wimpern ihres Lichtgottes Baldur.
Eben weil viele Pflanzen aufgrund Ihrer Blütezeit mit der Sonne in Beziehung stehen, erhielten sie Namen wie »Sommertürlein« (Huflattich), »Sommeraug« (Beifuß), »Sonnenwende« (Wegwarte), »Tagundnachtblümlein« (Veilchen) oder »Christrose« (Helleborus). Andere tragen ihr lichterfülltes Wesen weithin zur Schau wie die Königskerze oder der Alant mit seiner majestätischen Gestalt …
Obwohl die Sonnenkinder der Pflanzenwelt auf den ersten Blick derart unterschiedlich erscheinen, gibt es etwas, das alle vereint: Sie haben einen besonderen Bezug zur Sonne und sie zeigen dies durch ihre Signaturen.
Vom Gebrauch der Sinne
Die Lehre von der Zeichensprache der Natur bezeichnet man als Signaturenlehre. Sie ist im Laufe unzähliger Jahrhunderte gewachsen. Paracelsus hatte sie aus der Volksmedizin aufgegriffen und in sein Weltbild wie auch in seine Heilkunst integriert. Er hatte bereits in seiner Jugend heilkundige Bauern kennengelernt, welche die Kräfte der Pflanzen aus deren Signaturen ablesen konnten. Heute, im Zeitalter der Apparatemedizin, Pharmazie und Analytik, kommt dieser Weg der Heilpflanzenerkenntnis, der sich vorwiegend auf die Sinne verlässt, so manchem etwas altmodisch vor. Er beruht nicht auf Maß, Zahl und Gewicht und versteht sich somit auch nicht als »eineindeutige« Wissenschaft. Die Signaturenlehre ist vielmehr ein Weg, Pflanzen sinnlich zu erfahren und in ihrem ganzen Wesen zu begreifen.
Doch was versteht man unter einer Signatur, werden sich nun manche Leser fragen. Eine Signatur ist zunächst ein Zeichen im weitesten Sinne. Also eine Blütenform, eine bestimmte Farbe, ein bemerkenswerter Duft, eine außergewöhnliche Gestalt oder ein anderes äußeres Merkmal, das charakteristisch für eben diese Heilpflanze ist. Aus solchen äußeren Merkmalen oder Kennzeichen lassen sich, sofern man mit dem Pflanzenreich vertraut ist, bestimmte Heileigenschaften ablesen. Dies geschieht auf ähnliche Weise wie etwa ein erfahrener Jäger an den Spuren erkennt, welches Tier seinen Weg gekreuzt hat. Ein erfahrener Kräuterkundiger nimmt die Zeichen der Natur ebenso wahr und kann diese interpretieren. Für manche Naturvölker ist die Signaturenlehre bis heute der einzige Erkenntnisweg geblieben. Regenwaldbewohner haben ursprünglich alle Heilmittel durch deren Signaturen gefunden. Inzwischen gehen unsere Pflanzenforscher in den Urwald, um sich von den signaturenkundigen Ureinwohnern Heilpflanzen zeigen zu lassen und deren Kräfte zu überprüfen. Dabei können die Wissenschaftler das intuitiv gewonnene Heilwissen der Naturvölker oftmals nur bestätigen.
»Nichts ist, was die Natur nicht gezeichnet habe, und durch die Zeichen kann man erkennen, was im Gezeichneten verborgen ist.« (Paracelsus)
Die Wahrnehmung will allerdings geschult sein, und das sinnlich gewonnene Wissen sollte überprüft werden. Dann vermag die Signaturenlehre sogar die lückenhaften Erkenntnisse moderner Wissenschaften wie der Pharmazie zu ergänzen.


Die gelbe Korbblüte wie auch der scharfe Geschmack des Alants (links) zeigt dessen Zugehörigkeit zu den Sonnenpflanzen an. Die warme Blütenfarbe und der sonnenmandalaartige Blütenaufbau trug dem Goldmohn (oben links) seinen Namen ein. Wesentlich sonniger als ihre Verwandte, die Silberdistel, präsentiert sich die Golddistel (oben rechts) Wegen des orangegelben Pflanzensaftes nannten die Alchimisten das Schöllkraut »Goldwurz« (rechts).

Sichtbare Sonnensignaturen
Bei einem Streifzug durch die Natur finden sich immer Hinweise auf das Wirken der Sonne, denn alle Pflanzen sind ihre Geschöpfe! Eine wahre Sonnenpflanze vereint jedoch mehrere Sonnensignaturen gleichzeitig in sich.
Sonnensignaturen Erläuterung
| Gelbe bis orangefarbene Blüten | Kennzeichen stimmungsaufhellender Sonnenpflanzen wie etwa Johanniskraut, Königskerze oder Sonnenröschen. Gelbe Blüten sind auch beliebte Schmuckdrogen für Sonnenheiltees (Ringelblumenblüten). |
| Gelbe oder orangefarbene Pflanzensäfte | Signatur mancher Stoffwechselheilpflanzen (Löwenzahn). Nach der Signaturenlehre helfen Berberitze oder Schöllkraut aufgrund ihres gelben Pflanzensaftes bei Gelbsucht und Leber-Galle-Leiden. Der gelbliche Pflanzensaft der Engelwurz zeigt die Lichtbringerin für Seele und Körper an. |
| Sonnenstrahlenartige Blüten oder Staubblätter | Blütensonnen (Gänseblümchen, Sonnenblumen, Sonnenröschen) oder Blüten mit Staubblättern wie Strahlenkronen (Johanniskraut, Küchenschelle) erhellen das Gemüt oder durchlichten den Stoffwechsel (Löwenzahn). |
| Sonnenrhythmen der Blüten | Blührhythmen zeigen die Lichtqualität einer Pflanze an. Je nachdem ob die Pflanze mit der Frühlingssonne erwacht (Schlüsselblume), die feurige Mittsommersonne in sich aufnimmt (Holunder, Johanniskraut), im Herbst (Silberdistel) oder erst im Winter blüht (Christrose) oder fruchtet (Efeu, Mistel), wirken andere Lichtkräfte in ihr. Sofern Beschwerden immer zur gleichen Tages- oder Jahreszeit auftreten, kann man die entsprechenden Lichtblumen versuchen; z. B. erblüht die Wegwarte vor Sonnenaufgang, und ab Sonnenuntergang öffnen sich die Nachtkerzen. |
| Streben nach Licht | Hochwuchs (Esche) oder ausladende Blattkronen (Kastanien) deuten auf Sonnenbäume hin. Frei stehende Sträucher (Wacholder) oder Pflanzen (Königskerzen) zeigen Lichthunger und haben ein sonnenhaftes Wesen. Sonnenpflanzen überragen meist alle anderen (Gänseblümchen, Arnika, Alant). |
| Helle und warme Standorte | Sonnenpflanzen bevorzugen meist warme, trockene und helle Standorte. Wo die Sonne am heißesten glüht (Mittelmeerländer) , findet man besonders feurige Pflanzen: Rosmarin regt den Kreislauf an und verbessert die Konzentrationsfähigkeit, Thymian und Majoran hemmen das Wachstum von Bakterien und Pilzen, Dachwurz regeneriert die strahlengeschädigte Haut. |
| Immergrünes und Langlebigkeit | Wie die Sonne, so zeichnen sich auch deren Gewächse durch Langlebigkeit aus (Mistel, Olivenbaum, Tanne). Immergrüne symbolisieren die Unsterblichkeit (Immergrün) und die ewige Jugend (Wacholder) und sind daher als Kranzkräuter oder Räucherstoffe im Ahnenkult vertreten. Langlebige Pflanzen (Mistel, Olive) dienen meist auch als Altersheilmittel. |
Die Handschrift der Sonne
Sonnenpflanzen haben ebenso viele Gesichter wie die Sonne selbst, die zu jeder Tages- oder Jahreszeit anders erscheint – ein paar Gemeinsamkeiten finden sich dennoch (siehe Tabelle). So wie die Sonne den Mittelpunkt unseres Planetensystems bildet, so zeichnen sich auch ihre Gewächse durch ihre majestätische Natur aus.
Sonnenpflanzen führen kein Schattendasein! Sie sind meist weithin an ihrer erhabenen Gestalt erkennbar. Diese Signatur zeichnet das Gänseblümchen als Sonnenpflanze aus, denn es streckt seine Blüten im Frühjahr vorwitzig aus der Wiese. Die lichthungrige Esche gehört aus demselben Grund zu den Sonnenbäumen: Sie schafft sich durch Hochwuchs ihren eigenen Platz an der Sonne.
Den meisten, die im Geist nach einer Widerspiegelung der Sonne in der Pflanzenwelt suchen, fallen aber zuerst flammende Sonnenblumenfelder oder sonnengelbe Johanniskrautblüten ein. Ganz recht – die Sonne ist eine Malerin! Ihre Lieblingsfarbe ist zwar gelb, aber ihre Farbpalette entspricht dem Regenbogen. Wir sollten nicht vergessen, dass die Sonne auch das leuchtende Blattgrün des Frühlings, die Blütenfarben sowie das Goldocker reifer Kornfelder hervorgezaubert hat. Sie hat die Farben für das Sonnenorgan Auge geschaffen, und das nicht nur im poetischen Sinn. Wir erfahren späterhin, dass Pflanzen die empfangene Sonnenenergie in Lichtwirkstoffe und Pflanzenfarben umwandeln. Die sichtbaren Hinweise auf Licht- und Wärmewirken sind aber vielfältig (siehe Tabelle Seite 80).
»Jede Sache erhält (…) von ihrem sie bestrahlenden Sterne ein besonderes Zeichen oder Merkmal eingedrückt, das den betreffenden Gestirneneinfluss genau charakterisiert.«(Agrippa von Nettesheim)
Die Kraft der Sonne wirkt zwar auf alle Pflanzen ein und über diese auf uns; wahre Sonnenpflanzen sind jedoch in einem besonderen Maß gezeichnet. Einige Beispiele sollen dies veranschaulichen.
Schöllkraut – Goldwurz der Alchimisten
Die erste Pflanze, der wir uns zuwenden, ist das Schöllkraut (Chelidonium majus). Dieses Gewächs hat wohl jeder schon einmal gesehen. Seit Menschengedenken trifft man es in der Nähe von Siedlungen an. Die Germanen zählten es zu den heilkräftigen Zaunkräutern, in denen ein wohlwollender Hausgeist wohnt. Noch heute begleitet uns das genügsame Gewächs bis an die Haustür, wo es sich zwischen Steinplatten und Mauerritzen ansiedelt. Gleich eine Vielzahl von Sonnensignaturen vereinen sich in diesem alten Heilkraut und machen sie zur Sonnenpflanze: Schöllkraut blüht im gesamten Sonnenhalbjahr und ist daher ganz dem Licht zugewandt. Zudem sind die Blüten gelb. Auf das Sonnenorgan Auge haben sie eine besondere Wirkung. Weil Schwalben das Kraut ihrem noch blinden Nachwuchs ins Nest tragen, lautete bereits im 11. Jahrhundert ein Vers der Ärzteschule von Salerno:
»Schöllkraut ist den Augen gsund,
das tun uns die Schwalben kund.«
Volksmedizinisch wurde das »Schwalbenkraut« früher in Wasser gesotten und wie eine Art Augendampfbad angewendet. In der heutigen Naturheilkunde nutzt man homöopathische Verdünnungen in Form von Augentropfen (z. B. Chelidonium comp. Augentropfen von Wala). Besonders bewährt haben sich solche Augentropfen bei Neigung zu trockenen Augen, aber auch bei Virusinfektionen mit Augenbeteiligung wie bei Katzenschnupfen.
Schöllkraut ist darüber hinaus ein wichtiges Homöopathikum bei rechtsseitiger Migräne in Zusammenhang mit Leber- und Gallenstörungen (z. B. Kur mit Chelidonium D6).

Gelbe Blüten, strahlenartige Staubblätter und orange-gelber Milchsaft machen die »Goldwurz« (Schöllkraut) zu einer Heilpflanze der Sonne. Links Abbildung aus dem »Kleinen Fuchs« (16. Jahrhundert), rechts Blüte.
Nicht nur die Blüten mit den strahlenartigen Staubblättern lassen das Sonnenhafte erkennen. Bricht man ein Blatt ab, so quillt ein orange-gelber Milchsaft hervor. Dieser Saft hat einst die Alchimisten bewogen, die Pflanze »Goldwurz« zu nennen. Die gelbe Farbe stammt von galletreibenden Alkaloiden. Daher wirken im Schöllkraut nicht nur Sonnenkräfte, sondern auch die Planetenkräfte von Mars, dem nach alter Vorstellung die Galle untersteht, und Jupiter, der über die Leber regiert.
Gelbe Blüten und gelber Milchsaft deuten dem Signaturkundigen bereits an, dass Schöllkraut die Gelbsucht heilt. Bei Leber-Galle-Erkrankungen sind Schöllkrautextrakte wahrhaft Gold wert. Schöllkraut ist Bestandteil vieler Firmenpräparate gegen Gallensteine (z. B. Metaheptachol N von Meta Fackler oder Chelidonium Kapseln von Wala). Eine derart sonnige Pflanze erhellt natürlich auch die Stimmung. Speziell bei der Leberdepression, die meist mit Erschöpfungszuständen und Schlafstörungen zur Leberzeit zwischen ein und drei Uhr nachts einhergeht, ist Schöllkraut besonders hilfreich (z. B. mehrmonatige Kur mit Solunat Nr. 8, ehemals Hepatik von Soluna).
Sonnenblume – Sonnenstern und Gottesauge
Eine der größten Blütenpflanzen der Sonne ist die Sonnenblume (Helianthus annuus). Bis zu 5 Meter wachsen manche dem Himmel entgegen! Ihre Heimat ist das sonnenverwöhnte Mexiko, wo im 16. Jahrhundert ihr Siegeszug nach Europa begann. Heute hat sie fast jeden Garten erobert. Die meisten bewundern ihre Schönheit und vergessen dabei, dass sie auch ein Heilmittel der Sonne ist.
Sonnenblumenöl ist wegen seines hohen Gehalts an essentiellen Fettsäuren ein wertvolles Speiseöl. Besonders bei zu hohen Blutfettwerten, einer der Hauptursachen für Arteriosklerose und Bluthochdruck, sollte man es viel verwenden. Volksheilkundler schwören ferner auf die entgiftende Wirkung. Dazu schwenkt man täglich 1–2 Esslöffel Sonnenblumenöl nüchtern 5–10 Minuten lang im Mund und spuckt es anschließend wieder aus. Das aktiviert die Speicheldrüsen und fördert die Ausscheidung von Giftstoffen wie etwa Quecksilber.
Die Blume der Sonne birgt aber weit mehr Heilkräfte in sich. Vor allem Russen schätzen ihre fiebersenkende und lungenstärkende Wirkung. Weil die Lungen großlappige Organe sind, gelten Pflanzen mit großlappigen Blättern als Lungenheilmittel (siehe Rezept) – auch auf diese Weise heilt man im Sinne der Homöopathie »Ähnliches mit Ähnlichem«.


Sonnenstern nennt man die Sonnenblume im Volksmund. Die Himmelfahrtsbuschen mit Sonnenblume vertreiben Dämonen der Melancholie sowie Alben und Nachtmahre. (Gebunden von Renate Giesel)
Rezept: Lungenkraft durch Sonnenpflanzen
Besonders die russische Volksmedizin verwendet die Blütenblätter der Sonnenblume als Heilmittel bei Lungenerkrankungen sowie als Stärkungsmittel bei Fieber. Weitere Sonnenpflanzen ergänzen das lungenstärkende Rezept.
• Hedera helix Urtinktur (Efeu)
• Helianthus annuus Dil. D3 (Sonnenblume)
• Inula helenium Urtinktur (Alant)
• Tussilago farfara D6 (Huflattich)
• Verbascum thapsiforme Urtinktur (Königskerze)
jeweils 20 ml
Über eine Apotheke von Spagyra bestellen und mischen lassen oder die Einzelmittel bei Spagyra bestellen (www.spagyra.at) und selber mischen. Dosis: 3- bis 4-mal täglich 15–20 Tropfen im Mund zergehen lassen oder in etwas Tee einnehmen.
Allein der Anblick eines Sonnenblumenfeldes erfreut die Seele. Ihre Verwendung in Kräuterbuschen zum Schutz vor Krankheiten verwundert daher nicht. Ein alter Brauch ist auch, Kindern Amulettbeutel mit Sonnenblumenkernen gegen Alpträume und Fieber in die Wiege zu legen.
Neben der abwehrsteigernden ist vor allem die stimmungsaufhellende Wirkung der Sonnenblume von Bedeutung. Stetig folgt sie mit ihrer Blüte dem Lauf der Sonne. Ihre leuchtend gelben Zungenblüten sind ein Spiegel der flammenden Sommersonne. Der Volksmund nennt sie liebevoll »Sonnenstern«. Bewundernd verliert sich der Blick in der Spiralform ihrer Blüte, die wie ein Sonnenmandala anmutet. Die Spirale als Grundform des Lebens (siehe Ammonit) zeigt sich auch im Aufbau von Blatt und Stängel. Sie schraubt sich regelrecht zum Licht empor. Trotz ihrer kraftvollen Gestalt wirkt sie sanftmütig und selbstzufrieden. Auch wenn sie alles versucht, der Sonne möglichst nah zu sein, beugt sie sich schließlich unter der immensen Last ihrer Samen zur Erde.
Übertragen wir diese Geste auf uns Menschen, dann finden wir in der Sonnenblume vor allem ein Heilmittel, das uns wieder im Einklang mit der Sonne schwingen lässt, wenn sich das innere Auge vom lichten Prinzip des Lebens abgewandt hat.
Besonders lebensschwache Menschen, deren Gefühlswelt verdunkelt ist und die unter ihrer Verantwortung zusammenzubrechen drohen, werden durch sie wieder seelisch aufgerichtet und gestützt.
Sonnenelixier Olivenbaum
Die Liste der Sonnenbäume ist lang, denn alle Bäume streben mehr oder weniger zum Licht. Unter ihnen gibt es jedoch einen, der der Sonne mehr als jeder andere zugewandt ist – der Olivenbaum (Olea europaea), ein Verwandter unserer Esche. Das Ölbaumgewächs ist genauso zäh und ausdauernd wie die unermüdliche Sonne. Während die gleißenden Sonnenstrahlen die übrige Vegetation austrocknen und verbrennen, regen sie im Olivenbaum die Ölbildung an. Man könnte Olivenöl daher als stoffgewordenes Sonnenlicht bezeichnen. Das aromatische Speiseöl trägt sicher auch zur langen Lebenserwartung der Südländer bei.
Die immergrünen Blätter sind mehr als nur ein Lebenssymbol. Sie halten vor allem die Blutgefäße jung und geschmeidig und stärken sogar die Abwehrkräfte (z. B. Olivysat mono Tabletten von Bürger).

Olivenbaum: Seine Früchte sind wegen des hohen Ölgehalts ein wichtiges Heilmittel. Die Blätter dienen zur Behandlung von Altersleiden. Vielleicht waren sie das Geheimnis von Methusalem.
Uralter Olivenbaum auf der Kykladeninsel Amorgos, in dessen Schoß eine beachtliche Alraune wächst.
Mit seiner scheinbar unerschöpflichen Regenerationskraft erreicht der Ölbaum zuweilen ein beachtliches Alter. Daher kann man im Garten Gethsemane vor den Toren Jerusalems bis heute noch einige der Olivenbäume bestaunen, unter denen Christus einst gewandelt sein soll.
Einen 2000 Jahre alten Baum muss man anfassen, um die Würde und die Lebenskraft zu spüren, die von ihm ausgehen. In der knorrigen Gestalt mancher Baumveteranen kann man auch Qualitäten der Planetenkraft Saturn erkennen, der zusammen mit der Sonne über die langlebigen Gewächse regiert. Der Kräuterkundige Wilhelm Pelikan nannte den Ölbaum daher den priesterlichen Patriarchen unter den Bäumen, dem man sich mit Ehrfurcht nähern müsse, weil er eben nicht nur Nahrung spendet, sondern auch Heilung gewährt und kultische Handlungen wie die Königs- oder Priesterweihe sowie das Sterbesakrament, die letzte Ölung, ermöglicht. (Vergleiche W. Pelikan: Heilpflanzenkunde Bd. II, S. 190.)
Während der Ölbaum im christlich geprägten Abendland zum Symbol der Hoffnung avancierte, wurde er im Islam ein Symbol der Fruchtbarkeit, des Reichtums und des ewigen Lebens (Sonne – Saturn). Um seine Langlebigkeit zu übertragen, salbten die Ägypter ihre Pharaonen mit Olivenöl. Durch den Zusatz von keimtötenden Aromapflanzen wie etwa Myrrhe, Salbei und Thymian erhielten sie ihre Gottkönige für die Ewigkeit. Aus den immergrünen Blättern wanden sie Kränze als Grabbeigabe, die den Leib für die Wiedergeburt »jung« halten sollten.
Rezept: Jungbrunnen für die Gefäße
Das Rezept ist so zusammengestellt, dass mehrere Sonnenheilmittel dem Alterungsprozess der Gefäße entgegenwirken. Es kann bei sklerotischer Gefäßverengung, bei leichtem Bluthochdruck sowie bei Konzentrationsstörungen im Alter kurmäßig eingenommen werden.
• Aurum colloidale Dil. D8 (kolloidales Gold)
• Fraxinus excelsior Urtinktur (Eschenblätter)
• Olea europaea Urtinktur (Olivenbaumblätter)
• Rauwolfia serpentina Dil. D4 (Rauwolfiawurzel)
• Viscum album Urtinktur (Mistel)
jeweils 20 ml
Über eine Apotheke von Spagyra bestellen und mischen lassen oder die Einzelmittel bei Spagyra bestellen (www.spagyra.at) und selber mischen. Dosis: 2-mal täglich 20–25 Tropfen pur oder in etwas Wasser einnehmen.
Sonnenkräfte in Lichtwirkstoffen
Wenn Sonnenlicht Pflanzen durchflutet, dann bilden sich bestimmte Inhaltsstoffe vermehrt. Wir nennen sie Lichtwirkstoffe. Es handelt es sich um sinnlich wahrnehmbare (Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen) oder auf analytischem Wege feststellbare Sonnensignaturen. Sie ermöglichen der Pflanze, Lichtenergie zu verwerten (Chlorophyll) oder sich vor UV-Strahlung zu schützen (Flavonoide). An warmen Tagen lockt ihr Duft Bienen an (ätherische Öle). Manche Lichtwirkstoffe ersetzen die reinigende Kraft der Sonne und wehren Fäulnisbakterien, Schimmelpilze oder Pflanzenviren ab (Hypericine). Die Liste der Lichtwirkstoffe ist lang (siehe Tabelle Seite 80) und ihr Wirkungsspektrum breit. Für uns sind sie stoffgewordenes Sonnenlicht und eine Quelle, aus der wir fortan Sonnenkräfte schöpfen.
Strahlenschutz durch Pflanzenfarben
Bevor wir uns mit Lichtwirkstoffen Sonnenkräfte einverleiben, noch ein paar Tipps zum Schutz vor den Flammenzungen der Sonne.
Flavonoide – Sonnenschirm der Pflanzenwelt
Im Zellsaft von Pflanzen finden sich Flavonoide (flavus = gelb). Das sind Farbpigmente, mit denen sich Pflanzen vor kurzwelligen Sonnenstrahlen schützen. Darum befinden sie sich vorwiegend in oberirdischen, lichtexponierten Pflanzenteilen und reichern sich besonders in Gebirgs-, Wüsten- oder Tropenpflanzen an. Kurzum: Je intensiver die Sonneneinstrahlung, umso mehr dieser Schutzstoffe lagern Pflanzen ein. Flavonoide sind also eine Art Sonnenschirm für die Pflanzenzelle. Man könnte sie daher mit den Farbpigmenten unserer Haut (Melanin) vergleichen, die ebenfalls eine Strahlenschutzfunktion haben.

Der Sonntagsspaziergang. (Carl Spitzweg, 1841)
Der strahlungsabschirmende Effekt dieser Pflanzenfarbstoffe konnte sogar experimentell nachgewiesen werden. So verminderte die intravenöse Gabe von flavonoidhaltigen Goldrutenextrakten durch Röntgenstrahlung bedingte Hautschäden (vgl. Gerhard Madaus: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel). Diese Heileigenschaft kann man beispielsweise nutzen, um einer Sonnenallergie vorzubeugen, indem man bereits zwei Wochen vor der Strahlenexposition eine Goldrutenkur macht (z. B. Solidago Steiner Tabletten). Während der Bestrahlungen bei Krebserkrankungen können Bioflavonoide ebenfalls hilfreich sein, indem sie die strahlenbedingten Hautentzündungen (Strahlendermatitis) mindern.
Doch Flavonoide sind wahre Multitalente unter den Pflanzeninhaltsstoffen und decken ein breites Wirkungsspektrum ab: Die meisten Flavonoiddrogen wirken mehr oder weniger entzündungswidrig und abschwellend (Goldrute). Citrusbioflavonoide sind darüber hinaus antiallergisch, wirken Blutfluss hemmend und antisklerotisch.
Sonnenallergie mit Carotinoide kurieren
Strahlenschutz bieten nicht zuletzt auch Carotinoide, die in Pflanzen vorkommenden Vorstufen von Vitamin A (Provitamin A). Sie färben beispielsweise Ringelblumenblüten, Karotten, Kürbis oder Sanddornfrüchte orangegelb. Aber auch Löwenzahnblätter, Feldsalat und Tomaten zeichnen sich durch einen hohen Provitamin-A-Gehalt aus. Die durch Gemüse zugeführten Carotinoide werden im Körper in Pigmente umgewandelt und in die Haut eingelagert. Wenn man sie in größeren Mengen zuführt, dann bewirken sie manchmal den typisch orangefarbenen Teint der Karottenesser und wirken in der Haut wie ein Filter für schädliche UV-Strahlen. Darüber hinaus stärken Carotinoide die Sehkraft, weil sie sich als Pigmente in die Regenbogenhaut einlagern und das Sonnenorgan Auge ebenfalls von UV-Strahlung abschirmen. Diesen Schutzeffekt nutzt man inzwischen auch, wenn es bei Krebserkrankungen im Rahmen von Bestrahlungen zu Hautentzündungen kommt. Neuere Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass die Ringelblume die Strahlendermatitis lindern kann, wenn man sie hinterher großzügig auf die bestrahlten Hautareale aufträgt (z. B. Calendumed-Gel von DHU).
Ringelblumenblüten sehen nicht nur sonnig aus, sie enthalten auch heilsame Lichtwirkstoffe wie etwa Carotinoide und Flavonoide.
Karotten knabbern kann man jedoch auch vorbeugend. Vor allem Sonnenallergiker schätzen frühzeitige Karottenkuren, weil diese die Schübe im Sommer lindern. Dazu je nach Lust und Verträglichkeit 100 bis 200 Gramm oder mehr täglich in Form von Salaten, Frischsäften, Gemüse oder Suppen zuführen. Zusammen mit homöopathischem Calcium (z. B. Calcium Quercus Globuli von Wala) oder mit materiellen Kalzium-Gaben (z. B. Carotin Dragees kombiniert von Twardy) bleibt das lästige Leiden in vielen Fällen sogar ganz aus. Am besten beginnt man bereits zwei Wochen vor dem Urlaub im sonnigen Süden mit einer Carotin-Kur.
Wenn Sonnenlicht in Pflanzen kondensiert
In der Pflanzenwelt hinterlässt die Sonne viele Spuren, die man inzwischen wissenschaftlich nachweisen kann. Studien belegen beispielsweise die antidepressive Wirkung des Johanniskrauts – und bestätigen damit, was seine sonnengelben Blüten bereits dem Auge verraten: Nämlich, dass es sich um ein sonnenhaftes Pflanzenwesen handelt. Die gleißende Sommersonne wirkt auf Johanniskraut ein und reichert im Pflanzensaft rote Farbstoffe an. Wissenschaftler haben die Farbstoffe als Hypericine identifiziert. Signaturkundigen zeigt die aus Licht und Wärme gewobene Pflanzenfarbe seit langem, dass dieses Sonnengewächs Energie spendet und die Stimmung aufhellt.
Die Sonne dosieren
Bevor wir aber von den sonnengelben Säften dieser und anderer Lichtblumen zu viel zuführen, sollten wir uns an Ikaros erinnern. Aus Begeisterung flog er so nah an die Sonne, dass das Bienenwachs, das seine Flügel hielt, schmolz und er abstürzte. Im übertragenen Sinn verhält es sich mit dem Sonnengewächs Johanniskraut und seinen roten Farbstoffen, den Hypericinen ganz ähnlich. Je nach Dosis heilen sie oder richten auch Schaden an (vergleiche Seite 218).
Lichtwirkstoffe im Überblick
| Ätherische Öle – Sommerduft und Sonnenaroma | |
| Definition: | Geruchs- und Geschmacksträger vieler Gewürz- und Heilpflanzen. |
| Vorkommen: | Vermehrt in Pflanzen aus sonnigen Gebieten (z. B. Mittelmeerflora) , in Lippenblütlern und in Sommerpflanzen (z. B. Thymian). |
| Eigenschaften: | Vorwiegend von erwärmender Natur (Sonnengewürze). Dienen der Pflanze als Lockstoffe für Insekten sowie zum Schutz vor Fäulnisbakterien, Schimmelpilzen oder Pflanzenviren. Verfügen über weitreichende Heilkräfte: antibakteriell (z. B. Kamille, Schafgarbe) und pilzfeindlich (z. B. Kümmel, Majoran), angstlösend und nervenstärkend (z. B. Angelika, römische Kamille). |
| Alkaloide – Seelenfeuer der Propheten | |
| Definition: | Wirkstoffe vieler Giftpflanzen (Eisenhut, Schierling) und Hexenkräuter (Bilsenkraut, Tollkirsche, Stechapfel). |
| Vorkommen: | Nachtschattengewächse (Tropanalkaloide), vermehrt in Tropenpflanzen. |
| Eigenschaften: | Dienen der Pflanze zum Schutz vor Schädlingsbefall. Die Tropanalkaloide wirken u. a. krampflösend, sekretionshemmend und in großen Dosen halluzinogen. Alkaloide und Alkaloiddrogen werden heute vorwiegend homöopathisch verwendet (ab D4). |
| Carotinoide – Sonnenschutz für Pflanze und Mensch | |
| Definition: | Gelb bis orangerote Pflanzenfarbstoffe, Vorstufe von Vitamin A (Provitamin A). |
| Vorkommen: | Vermehrt in orangeroten Blüten (Ringelblume, Sonnenblume) und Früchten (Sanddorn) sowie in orangefarbenen Gemüsesorten (Karotte, Kürbis, Paprika, Tomate). |
| Eigenschaften: | Bieten der Pflanzenzelle wie auch der menschlichen Haut sowie der Regenbogenhaut Schutz vor Schäden durch UV-Strahlen und Umweltgiften (Antioxidans). |
| Chlorophyll – Pflanzliche Solarzelle und Dopingmittel | |
| Definition: | Blattgrün; wandelt Sonnenenergie in chemische Energie um (Photosynthese). |
| Vorkommen: | In allen Pflanzen, in den lichtexponierten oberirdischen Pflanzenteilen. |
| Eigenschaften: | Wirkt äußerlich angewandt wundheilungsfördernd und gilt innerlich gebraucht als Lebenskraftspender und pflanzliches Dopingmittel (z. B. Chlorophyllinum ab D3), vor allem zur Anregung der Blutbildung. |
| Flavonoide – Sonnenschirm der Pflanzenwelt | |
| Definition: | Im Zellsaft der Pflanze gelöste Farbpigmente (lat. flavus = gelb). |
| Vorkommen: | Vermehrt in sonnenexponierten Pflanzen (z. B. Bergflora und oberirdische Pflanzenteile) sowie in gelben Blüten (z. B. Goldrute, Ringelblume). |
| Eigenschaften: | Dienen der Pflanzenzelle u. a. als Schutz vor kurzwelligem UV-Licht. Sehr breites Wirkungsspektrum: Leber regenerierend (Mariendistel), Wundheilung fördernd (Spitzwegerich), hormonell regulierend (Rotklee), Nieren stärkend (Goldrute). |
| Furanocumarine – Sonnenfeuer der Doldenblütler | |
| Definition: | Im Zellsaft der Pflanze gelöste Farbpigmente. |
| Vorkommen: | Vermehrt in Doldenblütlern (z. B. Bärenklau, Engelwurz). |
| Eigenschaft: | Phototoxisch; d. h. nach Hautkontakt mit Pflanzensaft kann es unter Lichteinwirkung bis hin zu verbrennungsartigen Hautentzündungen mit Blasenbildung kommen. In kleinen Dosen wirken furanocumarinhaltige Pflanzen abwehrstärkend, stimmungsaufhellend, entgiftend und darmreinigend. |
| Hypericin – König der Lichtwirkstoffe | |
| Definition: | Roter Farbstoff des Johanniskrauts. |
| Vorkommen: | Verschiedene Johanniskrautarten. |
| Eigenschaft: | Bieten der Pflanze u. a. Schutz vor Pflanzenviren. Die längere und hoch dosierte Einnahme macht Haut und Augen lichtempfindlich und begünstigt bei Strahlenexposition sonnenbrandartige Hautentzündungen. Die stimmungsaufhellenden Heilkräfte des Johanniskrauts werden vor allem auf Hyper-icine (und Hyperforine) zurückgeführt. |
Hypericine sind photosensibilisierend, was bedeutet, dass es besonders bei hellhäutigen Personen während der Einnahme bereits nach relativ kurzer Sonnenstrahlung zu sonnenbrandähnlichen Hautentzündungen kommen kann. Bei Rothaarigen machen sie die Haut mitunter sogar wochenlang lichtempfindlich, und manche klagen sogar über gesteigerte Lichtempfindlichkeit der Augen – dies ist jedoch normalerweise nur nach längerfristiger Einnahme von hoch dosierten Johanniskraut-Präparaten der Fall.


Hypericine färben Auszüge von Johanniskrautblüten in Alkohol oder Öl rot. Johanniskrautblüte.
Jede wirksame Arznei, also auch ein sonniger Pflanzensaft, kann Nebenwirkungen hervorrufen. »Alle Dinge sind ein Gift und nichts ist ohne Gift, nur die Dosis bewirkt, dass ein Ding kein Gift ist«, würde jetzt Paracelsus anmerken. Gerade bei Sonnenpflanzen gilt es also, das rechte Maß zu finden, damit wir uns nicht an ihrem Sonnenfeuer verbrennen.
Sonnenfeuer aus Doldenblütlern
Sonnenstrahlen kristallisieren in vielen weiteren Gewächsen in Form von Lichtwirkstoffen aus. Vor allem einige Doldenblütler, zu denen gleichermaßen altbewährte Heilpflanzen wie die Engelwurz wie auch gefürchtete Neophyten wie der Riesen-Bärenklau gehören, wandeln die empfangenen Sonnenkräfte in Furanocumarine um. Diese Pflanzeninhaltsstoffe sind den meisten Gartenbesitzern zumindest vom Hörensagen geläufig – einige haben mit diesem feurigen Lichtwirkstoff schon unangenehme Erfahrungen machen müssen. So auch ein Bekannter von uns, der einst einen Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) in seinem Garten entdeckte. Zuerst war er sogar begeistert über die majestätische Pflanze vor seiner Haustür. Doch im darauffolgenden Jahr hatte das herrschaftliche Doldengewächs bereits den halben Garten erobert. Daher zückte er eines Morgens Sense und Schaufel und rückte dem Pflanzenriesen zu Leibe. Beim Fällen der fast baumdicken und borstig behaarten Stängel tropfte ein wenig von dem gelblichen Pflanzensaft auf seine Haut. Obwohl er sich gründlich gewaschen hatte, röteten sich die Hautstellen noch am selben Abend. Im Laufe des folgenden Tages entwickelten sich Brandblasen, als hätte er sich verbrüht.
Die Strahlenfinger der Sonne werden zur Flammenzunge, wenn sie in der Haut auf Furanocumarine treffen. Fachleute nennen diesen Effekt phototoxisch (photo = Licht, toxon = Gift). Nicht nur durch Kontakt mit Pflanzensäften, sondern auch durch Einnahme furanocumarinhaltiger Heilpflanzen gelangen die Stoffe in die Haut. Bergwanderer, Skifahrer und Sonnenanbeter sollten daher auf deren Einnahme verzichten. Wenn es jedoch dunkel und kalt ist, dann schenken sie dem Geist Lichtblicke und feuern das Immunsystem an.

Der Saft des Riesen-Bärenklaus enthält Furanocumarine, die vielleicht feurigsten Lichtwirkstoffe der Pflanzenwelt.

Naturwesen im Blatt des Riesenbärenklaus, gemalt von dem Münchner Künstler Fred Weidmann (»Herbstblatt«, 1979).
Die Sonnenkräfte der Doldenblütler
Vor allem die mit * gekennzeichneten Doldenblütler enthalten reichlich Furanocumarine und sollten daher von hellhäutigen und lichtempfindlichen Personen sowie von Schwangeren und Stillenden oder bei Lichtexposition gemieden werden.
In der richtigen Art gebraucht und vorsichtig dosiert tragen diese Pflanzen jedoch stoffgewordene Sonnenenergie in Körper und Seele.
Ammei* (Ammi visnaga; Früchte)
Die Früchte enthalten Furanochrome und Furanocumarine. Sie wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur und erweitern die Bronchien wie auch die Blutgefäße. Daher bei Bronchialasthma sowie bei Herzleiden wie Angina pectoris angewendet. Ferner bei Gallenkoliken, Keuchhusten oder Regelkrämpfen (Tee, Extrakte).
Achtung: Wirkt eher schwach phototoxisch, kann aber eventuell Kontaktdermatitis hervorrufen.
Bärenklau, Wiesen-* (Heracleum spondylium; junge Blätter und Wurzeln)
Die zarten Frühlingstriebe verleihen als Wildgemüse Bärenkräfte. Das Hasenfutter soll für die berüchtigte Fortpflanzungsfreudigkeit der Rammler verantwortlich sein. Wurzelextrakte und homöopathische Verdünnungen werden nur noch selten volksmedizinisch als Fruchtbarkeits- und Potenzmittel gebraucht (z. B. Heracleum spondylium Urtinktur von Spagyra).
Achtung: Bärenklau löst Wiesendermatitis aus.
Bibernelle (Pimpinella major; Wurzel)
Alte Pestheilpflanze: »Esst Kranawitt und Bibernell, dann sterbt ihr net so schnell« (alpenländische Volksweisheit). Zubereitungen aus der Wurzel werden vor allem noch volksmedizinisch verwendet bei Bronchitis mit Verschleimung und bei Verdauungsschwäche sowie zur Quecksilberausleitung (siehe Bergarbeitertee Seite 255).
Erzengelwurz* (Angelica archangelica; Wurzel)
Schutzengel in Pflanzengestalt, Beiname: »Angstwurz«; eignet sich zur Nervenstärkung und begleitend bei Angst- oder Schlafstörungen (z. B. Ceres Archangelica Urtinktur). Alte Pestheilpflanze mit antimikrobieller Wirkung. Bestandteil von Bitter- und Lebenselixieren wie dem Schwedentrunk Elixier von Infirmarius und dem Melissengeist.
Achtung: Die längerfristige und hoch dosierte Einnahme macht bei entsprechender Disposition lichtempfindlich.
Kümmel (Carum carvi; Früchte)
Verdauungsförderndes, blähungswidriges und krampflösendes Gewürz. Ätherisches Kümmelöl wirkt ähnlich stark pilzfeindlich wie Nystatin (vergleiche Wichtl: Teedrogen). Bei Darmpilz und Dysbiose nach Antibiotika sowie bei Blähungen (z. B. Iberogast von Steigerwald) und Dreimonatskolik ist Kümmel hilfreich (z. B. Carum carvi Kinderzäpfchen von Wala).
Liebstöckel (Levisticum officinale; Wurzel)
Altes Aphrodisiakum (»macht den Stöckel = Penis lieb«) mit harntreibender bis harnwegsreizender Wirkung. Volksmedizinisch zur Ausschwemmung von Ödemen sowie zur Anregung der Menstruation gebraucht; fördert auch die Ausscheidung von Quecksilber.
Achtung: Sollte nicht bei Entzündungen der Nieren und der Harnwege gebraucht werden.
Meisterwurz* (Imperatoria ostruthium = Peucedanum ostruthium; Wurzel) Mittelalterliches Allheilmittel und universelles Gegengift (Beinamen: »Kaiserwurzel«, »Meister aller Wurzen«, »Pestwurz«).
Der scharfe Geschmack zeigt die reinigende Wirkung auf die Lungen (Verschleimung) und den Dickdarm (Darmpilz) an. Bei Magenschwäche als Abkochung, Extrakt oder in Mischungen gebräuchlich (z. B. Solunat Nr. 2 von Soluna, früher Aquavit genannt).
Pastinak* (Pastinaca sativa; Wurzel)
Wildgemüse und mittelalterliche Fastenspeise. Wirkt vor allem harntreibend und schmerzstillend. Beliebtes volksmedizinisches Aphrodisiakum; stärkt die männliche Fruchtbarkeit und Potenz (z. B. Kur mit Aslan Herrenkapseln).
Achtung: Kraut und Saft rufen Kontaktdermatitis hervor.
Sonne riechen, schmecken und fühlen
Was wäre der Sommer ohne seine Düfte? Während uns der Frühling mit Farben verzaubert und der Herbst uns mit reifen Früchten beschenkt, verwöhnt der Sommer unseren fünften Sinn, den Geruchssinn.
Schließen wir einmal die Augen und denken dabei an eine frisch gemähte Wiese. Steigt uns da nicht ein lieblicher Heuduft in die Nase? Auf der stofflichen Ebene sind für diesen Sinneseindruck Cumarine verantwortlich. Diese Aromastoffe Um ein wenig Sonne zu kosten, lassen wir uns im Kräuterladen folgende Rezeptur zusammenstellen:

Der Sommer. (Caspar David Friedrich, 1807)
Rezept: Sommertraum Teemischung
Holunderblüten 20 g, Johanniskraut 40 g, Königskerzenblüten 20 g, Kornblumenblüten 20 g, Lindenblüten 40 g, Ringelblumenblüten 20 g, Steinkleekraut 40 g.
Zwei Teelöffel der Mischung mit 200 ml siedendem Wasser überbrühen, zugedeckt acht bis zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und bei Bedarf im trinkwarmen Zustand mit etwas echtem Bienenhonig süßen. Ein bis zwei Tassen pro Tag erwärmen die Seele.
Achtung: Nicht anwenden in der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Neigung zu Migräne oder starken Regelblutungen!
Rezept: Sonnenräucherung fürs Sommerhalbjahr
Die Feste im Sommerhalbjahr sollten von einem Rauchopfer begleitet werden. Der wohlriechende Rauch sonnenverwöhnter Pflanzen setzt Lichtkräfte frei, er soll darüber hinaus die Götter erfreuen und die guten Geister anlocken.
• Angelikasamen 1 TL
• Beifußblüten 1 EL
• Kiefernharz 1 TL
• Mariengras, geschnitten 2 EL
• Propolis, pulverisiert ½ TL
• Sumpfporstblätter, geschnitten 2 TL
• Wacholderbeeren 1 TL
So wirds gemacht: Harz und Propolis mit dem Mörser fein pulverisieren, dann nacheinander die übrigen Pflanzenteile beimengen und verreiben. Einen Esslöffel der Mischung in einer feuerfesten Schale (alternativ geht auch eine große, mit Sand gefüllte Avalone-Muschel) auf glühende Räucherkohle geben und den Rauch im Uhrzeigersinn durch die Räume tragen. entstehen unter anderem beim Trocknen von Gräsern. Besonders reichlich kommen sie im Mariengras (Hierochloe odorata) vor, dass wegen seines angenehmen Duftes zu den »Ruchgräsern« gehört und bis heute rituell geräuchert wird. Im gelben Steinklee (Melilotus officinalis) finden sich ebenfalls Cumarine und verleihen der trocknenden Pflanze einen honigsüßen Sommerduft. Selbst wenn der Sommer längst vorbei ist, mit Steinklee zaubern wir uns den Sommer einfach in die Tasse!
Cumarine bei Venenleiden
Cumarine sind jedoch keineswegs nur wohlriechende Sonnenwirkstoffe. Sie verfügen auch über bemerkenswerte Heilkräfte. Ihr Haupteinsatzgebiet sind Venenschwäche und Lymphstau. Denn Cumarine verflüssigen das Blut und verbessern dessen Fließeigenschaften. Neuerdings nutzen Heilkräuterkenner diese Wirkung auch zur Thromboseprophylaxe, zum Beispiel bei Überseeflügen. In dem Fall sollten Steinkleeextrakte (z. B. Ceres Melilotus Urtinktur) jedoch nicht zusammen mit Blut verflüssigenden Arzneien wie etwa Aspirin, Heparin oder Macumar eingenommen werden.
Außerdem wirken diese Aromastoffe entzündungswidrig und hemmen die Ödembildung. Daher verwendet man Cumarinpflanzen wie den Steinklee innerlich und äußerlich bei Neigung zu schweren Beinen sowie begleitend bei Venenentzündungen (Thrombophlebitis); bewährt hat sich hier das Mittel Poikiven Tropfen von Lomapharm.
Cumarine riechen betörend, aber einen wahren Rausch der Sinne bieten auch ätherische Öle, die flüchtigen Aromastoffe sonnenverwöhnter Pflanzen. Sie leisten weit mehr, als nur Nase oder Gaumen zu liebkosen.
Ätherische Öle machen die Wirksamkeit vieler Heilpflanzen aus! Sie erwärmen Körper und Seele wie ein Sonnenbad – einige wollen wir näher betrachten.
Asthmabesen fegt Depressionen weg
Zu den Aromapflanzen gehört auch eine altbewährte Heilpflanze der Mayas: Damiana (Turnera diffusa = T. aphrodisiaca). Sie blüht sonnengelb und verströmt einen angenehm balsamischen Duft. Bei den Maya heißt das Kraut »Asthma-Besen«, weil es als Tee getrunken, geräuchert oder geraucht, die Bronchien entkrampft und reinigt. Weil Damianablätter kein Nikotin enthalten, kann man sie beispielsweise als Tabakersatz während der Rauchentwöhnung gebrauchen. Dieser »lungenstärkende Tabak« ist rezeptfrei unter der Bezeichnung Folia Damianae über Apotheken und Kräuterläden zu beziehen. Dieser nikotinfreie Tabak steht in dem Ruf, sogar Raucherlungen vom Teer zu reinigen. Nebenbei wirkt er entspannend und sogar auf angenehme Art beschwingend. Damianablätter übertragen Sonnenkraft auf die Lungen.

Den Damianablättern entströmt ein balsamischer Duft, der auf intensives Sonnenwirken hinweist. Die Indianer nutzen das Kraut als »Asthmabesen« und zur Stärkung der Liebeskraft. Links: Turnera ulmifolia, rechts: Turnera diffusa.
Im Reigen der Sonnenpflanzen darf der »Asthma-Besen« nicht fehlen, denn er fegt manchmal sogar Depressionen weg! Immer wieder berichten Leute, die täglich ein bis zwei Tassen Tee trinken, dass sich dadurch ihre Gemütslage hebt und ihre allgemeine Leistungsfähigkeit steigert. Damianablätter gehören nämlich zu den Kraftspendern mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. In Teemischungen stärken und reinigen sie die Lungen, lindern krampfartige Regelbeschwerden und steigern die Fruchtbarkeit beider Geschlechter. Denn es handelt sich um ein Tonikum und Aphrodisiakum, also um eine Pflanze, die Lebenskraft und Liebeslust steigert.
Sonnenfeuer in den Lenden
Auch Rosmarin (Rosmarinus officinalis) ist ein Sonnengeschöpf. Wild gedeiht der »Tau des Meeres«, so die Übersetzung seines lateinischen Namens, nur in sonnigen Mittelmeerländern. Rosmarinblätter enthalten reichlich ätherische Öle. Diese riechen und schmecken so taufrisch und belebend wie der Morgenwind. Als Tee wirken sie kreislaufanregend und ersetzen den morgendlichen Kaffee. Ihr Aroma erinnert an Urlaub in Frankreich, Italien oder Griechenland, wo sie viele Speisen würzen. Rosmarin beginnt schon Ende März zu blühen. Er erwacht also mit dem aufsteigenden Licht des Frühlings, das im Tageskreis dem Sonnenaufgang entspricht.
Rezept: Nikotinfreier Tabakersatz
Wer sich die Raucherentwöhnung erleichtern will, kann sich folgenden Tabakersatz selbst herstellen. Er entkrampft die Bronchien und entspannt die Nerven Nikotinsüchtiger. Weil die enthaltenen Kräuter kein Nikotin enthalten, besteht keine Rückfallgefahr. Mit solchen Kräuterzigaretten kann man weiterhin gefahrlos Raucherrituale pflegen wie die gemeinsame letzte Zigarette des Tages oder die Solidaritätszigarette mit Gleichgesinnten.
• Damianablätter 2 Teile
• Huflattichblätter 1 Teil
• Odermennig 1 Teil
• Salbeiblätter 1 Teil
Die getrockneten Kräuter mischen und verlesen, d. h. alle harten Teile wie etwa Stängelchen entfernen. Dann einen gehäuften Teelöffel der Mischung in der Hand etwas kneten und mit Zigarettenpapierchen eine Kräuterzigarette daraus drehen – fertig! Bei Bedarf zwei bis drei Mal täglich eine Kräuterzigarette rauchen. Dieser Tabak ist nicht für Schwangere geeignet!
Der immergrüne Strauch gilt als Symbol für die Ewigkeit und gehört in vielen Gebieten zum traditionellen Hochzeitsschmuck, der ewige Treue symbolisiert und zu Liebesglück wie auch zu Kindersegen verhelfen soll. Nicht zuletzt verleiht Rosmarin sogar jugendliche Schönheit (siehe Schönheitswasser der Königin von Ungarn Seite 113)!
Der Lippenblütler fehlt auch in keinem »Frauentee«. Er erwärmt den Unterleib, regt die Keimdrüsen (Eierstöcke) an, fördert die Regelblutung, steigert die Fruchtbarkeit und beschleunigt schließlich noch die Geburt. Alten Kräuterbüchern zufolge ruft er sogar unkeusche Begier hervor: »Waschungen mit Rosmarinwasser sollen Mädchen, Weiber und ältere Männer zum Coitus treiben«, schreibt Jakobus Tabernaemontanus in seinem Kräuterbuch aus dem 17. Jahrhundert. Griechen stärken sich für ihre Liebesabenteuer noch heute mit Rosmarin. Wenn im Land der Liebesgöttin Aphrodite einer sagt: »Ich gehe jetzt Rosmarinwein trinken«, dann wissen alle, dass er eine heiße Nacht vor sich hat. Denn selbst nach einem Arbeitstag bringt er noch das Blut in Wallung und erfrischt die Sinne.

Der immergrüne Rosmarin ist ein Symbol der ewigen Jugend. Als Gewürz und Heilpflanze belebt er den Kreislauf und erfrischt die Sinne.
Eine weitere sonnenhafte Eigenschaft sollte nicht unerwähnt bleiben: Rosmarin fördert sowohl als Tee getrunken als auch in der Duftlampe gebraucht die Konzentration. Die geistige Leistungsfähigkeit und Konzentration soll sich allein durch Rosmarinduft um bis zu 30 Prozent steigern (siehe Rezept Seite 92).
Mit Sonne würzen
Noch sonniger als der Rosmarin sind nur noch die exotischen Gewürze (siehe Tabelle) wie etwa Ingwer oder Zimt. Sie speichern die gleißende Sonne ferner Länder in Form von ätherischen Ölen oder Scharfstoffen und sind von ausgesprochen hitziger Natur. Dass sie die Sonne in die Küche bringen, kann man mit allen Sinnen wahrnehmen. Die aus Sonnenpflanzen zusammengestellten Curry-Mischungen färben Speisen sonnengelb. Ihr warmer, trockener oder feuriger Geschmack deutet auf reinigende Sonnenkräfte hin. Die meisten Sonnengewürze treiben den Schweiß, reinigen den Darm und töten eine Vielzahl von Krankheitserregern und manche vertreiben sogar den Dämon der Melancholie. Sonnengewürze heilen tiefgreifend, weil sie Lebenswärme spenden, Verdauung und Immunsystem anfeuern.
Ingwer durchlichtet die Gefühlswelt
»Ferner sind dem Phöbus (der Sonne) heilig der Lorbeer (…), der Mastix, der Safran, (…), die Gewürznelke, der Zimt (…) und das Rosmarinkraut, welches Orpheus das Rauchwerk der Sonne nennt.«(Agrippa von Nettesheim)
»Der Ingwer ist sehr warm«, heißt es bereits bei Hildegard von Bingen in der »Physika«. Das feurige Wesen hat er seinen Scharfstoffen zu verdanken. Diese regen vor allem die Verdauung an. Dazu kann man ein oder zwei Teelöffel frischen Ingwer etwas zerkleinern und – je nach Schärfetoleranz – mit 200 ml kochendem Wasser überbrühen und einige Minuten lang ziehen lassen oder auch kurz auskochen. Mit etwas Honig gesüßt und mit etwas frisch gepresstem Bio-Zitronensaft schmeckt ein solcher Ingwerdekokt köstlich und wirkt darmreinigend.
Rezept: Rosmarinwein für die Liebeslust
Ein bis zwei Handvoll möglichst frische Rosmarinblätter in ein Schraubglas (ca. 750 ml Fassungsvermögen) geben und mit 0,7 Liter Weißwein bedecken. Das gut verschlossene Glas an einen sonnigen Platz stellen und nach vier bis sieben Sonnentagen durch ein Leintuch abfiltern.
In die Weinflasche zurückgefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt, hält sich der Wein mehrere Wochen lang. Ein oder mehrere eisgekühlte Likörgläschen pro Tag erwecken die Sinne wie ein frischer Morgenwind und machen auch müde Krieger wieder munter.
Achtung: Nicht in der Schwangerschaft oder bei Bluthochdruck einnehmen!
Rezept: Aromamischung für die Konzentration
• Bergamotte 4 Teile
• Lavendel 2 Teile
• Lorbeer 1 Teil
• Rosmarin 2 Teile
Die aufgeführten ätherischen Öle in eine Braunflasche träufeln und mit der gleichen Menge 95-prozentigem Alkohol verdünnen, das Ganze kräftig schütteln – fertig! Zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit oder zur Klärung der Raumatmosphäre einige Tropfen der Mischung auf einen Duftstein träufeln oder in die Aromalampe geben.
Tipp: »Energie Raumspray«
Für den Fall, dass Morgenstund kein Gold im Mund hat, gibt es das Energie Raumspray (von Lunasol). Es enthält unter anderem ätherisches Rosmarinöl und eine alchimistische Goldzubereitung. Eine Nase voll genügt, um taufrische Raumluft zu erhalten. Das Spray fördert die Konzentration, entstresst und hellt die Stimmung auf. Es verbessert die Luft auch bei Elektrosmog, in verrauchten Räumen oder wenn Angstschweiß in der Luft liegt.
Wie andere Sonnenpflanzen so ist auch der Ingwer ein Multitalent mit weit reichenden Heileigenschaften: Er eignet sich zur Darmsanierung wie auch als Mittel gegen Reisekrankheit oder Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie, mit ihm kann man bei Halsentzündung gurgeln oder auch Migräne lindern und vieles mehr.
Doch seinen sonnigen Charakter offenbart der Ingwer, wenn man ihn als Ingwer-Nierenwickel zubereitet (siehe Rezept). Dann erwärmt er nicht nur die Nieren (= Meer der Lebensenergie), sondern er durchlichtet auch spürbar das Gemüt. Als Pflanze für die Seele ist der Ingwer besonders hilfreich bei Angsterkrankungen, nach Schockerlebnissen,Trennungen oder Verlustereignissen, denn in Form eines Kneippschen Wickels angewandt, entstaut er die Gefühlswelt und wird deswegen sogar in psychosomatischen Kliniken mit Erfolg eingesetzt.
Rezept: Ingwer-Nierenwickel
Wer ständig kalte Füße und ein großes Wärmebedürfnis im Beckenbereich hat, sollte einmal Ingwer-Nierenwickel gebrauchen. Der erwärmende Ingwer regt die Nieren und die Nebennieren an und verleiht seelische Ausdauer. Vor allem nach Dauerstress und seelischer Überlastung wirken Ingwer-Nierenwickel entstauend auf die Gefühlswelt.Weil die Niere auch als »Organ der Angst« bezeichnet wird, sind solche Kneippschen Wickel speziell bei Angsterkrankungen, nach Schock, Trennung oder Verlustereignissen angezeigt.
So wirds gemacht: 2–3 gehäufte Teelöffel Ingwerpulver in einer Schüssel mit 250 ml kochendem Wasser überbrühen und ein wenig abkühlen lassen. Ein Leintuch mit dem warmen Ingwerbrei bestreichen und über die Nieren legen. Dann ein Handtuch und eine Wärmflasche darüber geben und das Ganze mit einem Wickeltuch bedecken. Schließlich noch je nach Wärmebedürfnis eine Wärmflasche an die Füße geben und den Körper mit einer weiteren Decke warmhalten. Der Wickel sollte 15–20 Minuten einwirken. Falls das Ingwerpulver zu sehr brennt, kann man die Wärmeflasche entfernen. Anschließend sollte man noch 15–20 Minuten nachruhen und die Nierenzone mit Johanniskrautrotöl einreiben.
Safran bezeichnet man auch als Gold unter den Gewürzen.

Paracelsus lobte Safran als das beste Mittel gegen Trauer. (Amor und Psyche von Angelika Kauffmann, 1792)
Safran heilt die Trauer
Über besonders sonnige Heileigenschaften verfügt noch der Safran, das teuerste Gewürz der Welt. Mit ihm färbt man Kuchen oder Reis sonnengelb. Doch Safran erfreut nicht nur das Auge, das ja bekanntlich immer mitisst. Er ist mindestens ebenso heilkräftig wie auch wohlschmeckend. Neben dem Johanniskraut dürfte Safran die wichtigste Heilpflanze zur Behandlung von depressiven Verstimmungszuständen sein. Schon Paracelsus lobte den Safran und bezeichnete ihn als das beste Mittel gegen die Trauer. Inzwischen konnte man dem »Gold in der Küche« (siehe S. Fischer-Rizzi: Safran-Kochbuch) eine stimmungsaufhellende und euphorisierende Wirkung wissenschaftlich nachweisen.
Täglich eine winzige Messerspitze in die Speisen getan, könnte so manches Antidepressivum ersetzen. Wer also voller Trauer ist oder aus anderen Gründen dunkle Gedanken hat, für den könnte der Safran ein Lichtblick sein. Arzneilich taucht er leider nur noch in wenigen Rezepturen auf. Einerseits findet sich Safran in Schwedenkräuter-Mischungen zum Selberansetzen (erhältlich in Kräuterläden und Reformhäusern). Dabei ergänzt er andere Sonnenheilpflanzen wie Engelwurz oder Myrrhe und wirkt im Zusammenspiel mit diesen verdauungsanregend, Lebenskraft stärkend und eben auch antidepressiv. Kein Wunder also, wenn immer wieder Menschen berichten, dass ihnen durch Kuren mit Schwedenkräutern wahre Wunderheilungen gelungen sind. Andererseits findet sich Safran in einem alchimistischen Sonnendestillat, dem Solunat Nr. 17 von Soluna, das ehemals »Sanguisol« hieß und dem Namen entsprechend Sonnenkraft ins Geblüt bringen soll. Nimmt man morgens nüchtern wenige Tropfen Sanguisol, dann geht im Herzen regelrecht die Sonne auf. Weil es sich nur um ein Destillat aus Sonnenheilpflanzen wie Johanniskraut und Safran handelt, braucht man selbst bei Dauereinnahme keine Lichtempfindlichkeit zu befürchten.
Zimt feuert auch das Immunsystem an
Den feurigsten Charakter dürfte unter den Sonnengewürzen der Zimt haben. Als Gewürz wie auch als Räucherwerk blickt er auf eine viele Tausend Jahre alte Tradition zurück. Zimt wurde schon in der Bibel erwähnt. Im alten Ägypten diente er als Bestandteil von Salbölen, und die aromatische Rinde war in der berühmten Sonnenräucherung »Kyphi« enthalten.
In unseren Breiten erfreut er sich vor allem als Sonnengewürz für traditionelle Winterspeisen wie Milchreis mit Zimt und Zucker sowie für Lebkuchen oder Zimtsterne großer Beliebtheit. Zimt erwärmt die Seele und stärkt darüber hinaus auch noch die Abwehrkräfte. Schon in den 1990er-Jahren hat das Hygieneinstitut Freiburg auf der Suche nach volksmedizinischen Antworten auf resistente Krankenhauskeime Zimt als pflanzliches Breitbandantibiotikum entdeckt. Zimtaldehyde gehören mit zu den stärksten antimikrobiellen Pflanzeninhaltsstoffen. 98 Prozent aller Krankheitskeime werden durch Zimt entweder abgetötet oder im Wachstum gehemmt (vergleiche Wabner und Beier: Aromatherapie). Die antiinfektiöse Wirkung erfasst nicht nur eine Vielzahl von Bakterien, sondern auch Typhuserreger, Amöben und Candida albicans. Eben wegen seiner antibiotischen Kräfte gebraucht man das Gewürz in warmen Ländern auch zur Haltbarmachung vieler Speisen.
Insbesondere wer unter mangelnder Lebenswärme leidet und vielleicht sogar nachweislich Darmpilz hat, sollte dieses sonnenhafte Gewürz reichlich gebrauchen.
Sonnenräucherung Kyphi
Ein wohlriechendes Räucherwerk zu Ehren der Sonne kannten einst die alten Ägypter. Die Mischung besteht vorwiegend aus Sonnenheilpflanzen und lässt sich leicht selbst herstellen:
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