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Manfred Engeli

Gottes Angebote

Manfred Engeli

Gottes Angebote

Final ausgerichtete Seelsorge


Impressum

Bibelzitate wurden den folgenden Übersetzungen entnommen:

(EÜ) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart

(GN): Gute Nachricht Bibel (Bibel in heutigem Deutsch) © 1982 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

(HfA): Hoffnung für alle® © 1983, 1996 by International Bible Society

(LU): Bibel in der Übersetzung von Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

(NZH): Zürcher Bibel 2007 © 2007 Verlag der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich

(ZH): Zürcher Bibel 1942 © Verlag der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich

Alle anderen Zitate: (EF) Die Bibel. Elberfelder Übersetzung © 1985/1991/2006, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal

Dieses Buch als E-Book:

ISBN 978-3-86256-725-6

Dieses Buch in gedruckter Form:

ISBN 978-3-86256-020-2, Bestell-Nummer 588 719

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.d-nb.de abrufbar

Lektorat: Roland Nickel, Altdorf/Böblingen

Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson

Umschlagbild: © monami/ShutterStock.com Satz: Neufeld Media, Weißenburg in Bayern

© 2012 Neufeld Verlag Schwarzenfeld

Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages

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Inhaltsverzeichnis

Zu diesem Buch

Über den Autor

Vorwort

Einführung ins Thema

Hinweise für den Leser

1. Die Grundlagen

1.1. Final ausgerichtete Seelsorge

1.2. Gott sucht Mitarbeiter

1.2.1. Gott beruft Menschen

1.2.2. Die doppelte Grundentscheidung

1.2.3. Ein Lernprozess beginnt

1.3. Gottes Angebote

1.3.1. Die biblischen Angebote

1.3.2. Vergeben

1.3.3. Erlösung aus dem unguten Erbe

1.3.4. Sorgen abwerfen

1.3.5. Gottes individuelle Angebote

1.4. Gottes Wege

1.5. Finale Logik

1.6. Das Lob der Torheit

2. Menschliche Nöte – Gottes Angebote

2.1. Ein biblisches Menschenbild

2.1.1. Ursprung und Ziel

2.1.2. Verantwortlichkeit des Menschen und Antriebe des Handelns

2.1.3. Entwicklung und Veränderung

2.1.4. Der Mensch als Beziehungswesen

2.2. Die Wurzel aller Not

2.3. Die Zerbrochenheit des Menschen

2.3.1. Belastende Erbanteile

2.3.2. Unvollkommene Gegenüber

2.3.3. Das Leben als Kampfplatz

2.3.4. Das Gesetz der Perpetuierung

2.4. Nöte und Störungen einordnen

2.4.1. Nöte in der Beziehungsfähigkeit

2.4.2. Entwicklungsbedingte Nöte und Lerndefizite

2.4.3. Bedürftigkeit und emotionale Defizite

2.4.4. Geistliche Nöte

2.4.5. Und die Diagnose?

2.5. Gottes Angebote

2.5.1. Gottes Teil – unser Beitrag

2.5.2. Heiligung

3. Veränderung durch Gesinnungswandel

3.1. Herz – Gesinnung – Verhalten

3.2. „Willst du gesund werden?“

3.3. Veränderung als Prozess

3.3.1. Die Etappen der Veränderung

3.3.2. Zucht

3.4. Grundregeln der Veränderung

3.5. Wenn Gott Regie führt

3.5.1. Ein gemeinsamer Schritt

3.5.2. Die Auswirkungen

3.5.3. Wie Gott uns einsetzt

4. Stationen einer Finalen Seelsorge

4.1. Finale Seelsorge als vorbereitetes Werk

4.2. Anfrage und Erstgespräch

4.2.1. Die Anfrage

4.2.2. Das Erstgespräch

4.2.3. Die Entscheidung

4.2.4. Die Seelsorge-Vereinbarung

4.3. Die Anfangsphase

4.3.1. Die Vertrauensbasis

4.3.2. Das Schwungrad der Veränderung

4.4. Der Verlauf einer Finalen Seelsorge

4.4.1. Wahl und Abfolge der Themen

4.4.2. Der Verlauf

4.4.3. Meilensteine

4.4.4. Standortbestimmungen

4.5. Das Einbeziehen des sozialen Umfeldes

4.5.1. Einzelseelsorge mit verheirateten Klienten

4.5.2. Die Ko-Evolution fördern

4.6. Eine Finale Seelsorge abschließen

4.6.1. Das Abschlussgespräch

4.6.2. Abbrüche

5. Arbeitsweisen

5.1. Mit Gott zusammenarbeiten

5.2. Den Glauben einbeziehen

5.2.1. Kanäle für Gottes Kraft

5.2.2. Begleitende Fürbitte

5.2.3. Den Glauben in die Gespräche einbeziehen

5.2.4. Finale Seelsorge mit Nichtchristen

5.3. Verschiedene Arbeitsweisen

5.3.1. Spiralen- oder Sektoren-Arbeit?

5.3.2. Arbeit am Aktuellen

5.3.3. Thematische Arbeit

5.3.4. Erlebnis-Aufarbeitung

5.3.5. Entwicklungsarbeit

5.3.6. Grundstörungen angehen

5.3.7. Die Krisenintervention

5.3.8. Geistsorge

5.3.9. Körperliche Heilung

5.3.10. Befreiung von finsteren Mächten

5.4. Möglichkeiten und Grenzen der Finalen Seelsorge

6. Finale Gesprächsführung

6.1. Gesprächsführung und Grundeinstellungen

6.2. Die Kunst der Gesprächsführung

6.2.1. Aufgaben der Gesprächsführung

6.2.2. Das Gespräch als Rangierbahnhof

6.2.3. Die Kunst des Weiterführens

6.2.4. Die Echtheit bewahren

6.3. Finale Gesprächsführung

6.3.1. Zielgerichtetheit

6.3.2. Die drei Fragen

6.3.3. Leitung durch den Heiligen Geist

6.3.4. Tiefgang

6.3.5. Konzeptuelles Arbeiten

6.4. Die Phasen und Stationen des finalen Gesprächs

6.5. Liebe im Gespräch

6.5.1. Agape-Liebe

6.5.2. Hören

6.5.3. Reden

6.6. Geistgeleitet beten

6.6.1. Gebet als Grundkompetenz

6.6.2. Seelisches Gebet

6.6.3. Geistgeleitet beten

6.6.4. Hörendes Gebet

7. Der Seelsorger

7.1. Mein Weg

7.2. Mit- oder Für-Arbeiter Gottes?

7.3. Die Entscheidung fällen

7.4. Eigenerfahrung und Golddeckung

7.5. Der Lebensstil der Sohn- oder Tochterschaft

7.6. Auf sich selbst achten und Psychohygiene

7.6.1. Die privilegierte Situation der Mitarbeiter Gottes

7.6.2. Eigenverantwortlichkeit

7.6.3. Gottes Ratschläge für innere Stabilität

7.6.4. Beziehungshygiene

7.6.5. Geistliche und seelische Hygiene

7.7. Kompetenzen für Gottes Mitarbeiter

8. Weiterwachsen

8.1. Kontinuierliche Zurüstung

8.2. Die vier Formen der Supervision

8.2.1. Intravision und Supravision

8.2.2. Intervision und Supervision

8.3. Wissen und Abhängigkeit von Gott

8.4. Vom Wert der Ausbildungen

Nachwort

Anhang

Begriffserklärungen

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Übersichten

Über den Verlag

Finale Eheseelsorge Ehewochen und ­Ausbildungskurse LiSa Eheatelier

Finale Eheseelsorge

Ehewochen und Ausbildungskurse für Finale Eheseelsorge

Der Verein LiSa Eheatelier

Informationen und Kontakt

Zu diesem Buch

Dr. Manfred Engeli beschreibt hier erstmals den Ansatz der Finalen Seelsorge: Im seelsorgerlich-therapeutischen Gespräch geht es vor allem darum, gemeinsam Gottes einmalige Lösung zu entdecken und zu helfen, dieses Angebot anzunehmen. Die Finale Seelsorge ist eine vorwärtsgerichtete statt vergangenheitsbezogene Sicht- und Arbeitsweise; sie umschreibt ein lösungs- statt problemorientiertes Vorgehen.

Ein biblisch begründetes, gut lesbares und mit vielen Praxisbeispielen versehenes Buch für professionelle wie ehrenamtliche Therapeuten und Seelsorger – und für Leser, die sich Heilung und Veränderung im eigenen Leben wünschen.

„Manfred Engeli, der Psychotherapeut, verzichtet auf das therapeutische Handwerkszeug und formuliert in einem klassischen Seelsorgeentwurf eindrücklich die göttlichen Lösungsangebote. Es ist das praktische Buch eines Seelsorgers, der Gottes Handeln an sich erlebt hat und in seiner Praxis immer mehr das Potential und die Realität des lebendigen Gottes und seiner Lösungen erfährt.“

Pfarrer Daniel Zindel, Leiter der Stiftung „Gott hilft“ und Autor

Über den Autor

Dr. Manfred Engeli, geboren 1937, ist Psychologe und Psychotherapeut. 20 Jahre lang leitete er die Christliche Beratungsstelle Bern. Heute widmet sich der Paar- und Familientherapeut vor allem der Ausbildung von Seelsorgern.

Er ist verheiratet mit Anne-Fleurette Engeli-Méroc; die beiden haben fünf erwachsene Kinder und leben bei Bern.

Vorwort

Vor einigen Jahren fiel mir in einer psychologischen Fachzeitschrift der Titel eines Artikels auf: Lösungen erfinden statt Probleme lösen – Lösungsorientierte Kurzzeittherapie1. Er löste bei mir ein Aha-Erlebnis aus: „Das ist es! Der Titel umschreibt meine Arbeitsweise!“ Was mich damals angesprochen hat, ist der hier indirekt ausgedrückte Wechsel von einer vergangenheitsbezogenen zu einer vorwärtsgerichteten Sicht- und Arbeitsweise, von der Problemorientierung zu einem lösungsorientierten Vorgehen, und das Bestreben, mit einer Kurzzeittherapie nachhaltige Veränderung zu bewirken. Dabei wurde mir aber auch das Privileg meines christlichen Ansatzes bewusst: Ich brauche mit dem Klienten keine Lösungen zu „erfinden“; es geht in einem Gespräch jeweils einfach darum, miteinander zu entdecken, welche einmalige Lösung Gott in seiner liebevollen, schöpferischen Kreativität für mein Gegenüber vorbereitet hat, und ihm zu helfen, Gottes Angebot anzunehmen. Diese Feststellung hat mich tief beglückt. Die „gute Nachricht“ von Gottes Angeboten zur Lösung unserer Nöte, die ich in meiner therapeutischen Tätigkeit entdeckt habe, will ich an andere weitergeben. Das ist der Sinn dieses Buches.

Einführung ins Thema

Meine Arbeitsweise hat sich in meiner mehr als zwanzigjährigen vollzeitlichen Tätigkeit als christlicher Psychotherapeut entwickelt und immer klarer herausgebildet. Dabei kam mir die Herausforderung zustatten, meinen ganz in der Praxis entwickelten Ansatz in Seelsorgeaus- und -weiterbildungen immer wieder theoretisch und biblisch klar begründen und einfach, verständlich und praxisbezogen lehren zu müssen. Erst durch die Ausbildungstätigkeit wurde mir bewusst, dass sich in meiner Arbeit ein eigenständiger, kohärenter Ansatz entwickelt hatte, den nicht nur Psychotherapeuten, sondern auch Laienseelsorger aufnehmen und umsetzen können. Was ich hier weitergebe, ist also die Frucht meiner Erfahrung als Psychotherapeut und Ausbilder. Es ist aber auch Ausdruck der Entwicklung meiner Denkweise und meiner Person; das Vermittelte soll in Übereinstimmung mit meinen tiefsten Überzeugungen stehen2, es soll „Golddeckung“3 haben in meinem Leben.

Auch für mich gilt die Regel: Wir haben die Meinungen und Theorien, die sich aus unserem Leben ergeben, und vertreten das, wovor wir selber bestehen können. Deshalb will ich Ihnen als Leser zunächst meinen persönlichen Weg und die Hintergründe meiner Überzeugungen offenlegen.

Nach fünfzehn Jahren Lehrtätigkeit in den Fächern Deutsch, Französisch und Geschichte entschloss ich mich mit 38 Jahren, das Psychologiestudium an der Universität Bern aufzunehmen. Als Nebenfächer wählte ich Psychopathologie und Schweizergeschichte. Schon während des Studiums begann ich mit einer Ausbildung in Verhaltens- und in Gesprächspsychotherapie. 1982 promovierte ich mit dem Thema: „Das handlungsbegleitende laute Selbstgespräch“. Nach dem Abschluss begann ich, psychotherapeutisch zu arbeiten, und baute die Christliche Beratungsstelle Bern auf. Ausbildungsmäßig bin ich Gesprächspsychotherapeut und Supervisor SGGT, Fachpsychologe FSP für Psychotherapie und habe später noch eine Weiterbildung in Paar- und Familientherapie gemacht. Ich und die wachsende Zahl meiner Mitarbeiter4 – zuerst eine Psychologin, dann ein Psychiater, eine Psychiaterin und ein Psychologen-Ehepaar – hatten uns zum Ziel gesetzt, unsere ausbildungsspezifische Arbeitsweise mit dem christlichen Glauben zu verbinden. Dies wurde zum Markenzeichen der Christlichen Beratungsstelle. Es zeigte sich sehr rasch, dass dieses Angebot einem großen Bedürfnis gläubiger Menschen entsprach. Trotz der wachsenden Mitarbeiterzahl wurde der Zudrang so stark, dass ich pro Jahr oft bis zu hundert Menschen die gewünschte Therapie versagen musste und ihnen höchstens ein einzelnes Gespräch anbieten konnte. Seit 2002 bin ich nun pensioniert; die anderen Therapeuten führen das Christliche Therapiezentrum im Siloah Gümligen, wie die Beratungsstelle nun heißt, weiter.

Von Anfang an war es mein Ziel gewesen, zuerst die psychologische Sicht des Menschen und die menschlichen Hilfsangebote kennen zu lernen und dann zu entdecken, welche Angebote Gott, der Schöpfer des Menschen, für diesen hat. Zu Beginn meiner Tätigkeit erlebte ich dann die freisetzende und verändernde Kraft des Glaubens an mir selbst: In einer Woche für Gebetsseelsorge erfuhr ich eine befreiende und tief greifende Veränderung meiner Person. Gott hat mich mit dem Geschenk der Freiheit der Kinder Gottes, dem Leben aus der Liebe des Vaters und der Hilfe des Heiligen Geistes so überrascht, dass ich den Entschluss fasste, ihm mein ganzes Wissen und Können abzugeben; er sollte darüber verfügen können und mich durch seinen Geist leiten. Das eigene beglückende Erleben hat den Wunsch geweckt, anderen Menschen die gleiche Erfahrung zu ermöglichen. Es hat die weitere Entwicklung meiner therapeutischen Tätigkeit stark bestimmt und zudem zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Zusammenspiel von psychologischen Kenntnissen, psychotherapeutischen Vorgehensweisen und der Kraft des Glaubens geführt.5

Auch meine Zertifizierung als Gesprächspsychotherapeut wurde zu einer überraschenden Erfahrung. Ich hatte mich mutig entschlossen, den Experten Therapien und Tonbänder vorzulegen, die mein Einbeziehen des Glaubens in klarer Weise dokumentierten. Nun war ich gespannt auf ihre Reaktion. Würden sie mir die Zertifizierung verweigern? Das Gegenteil trat ein. Der eine Experte sagte: „Ich beneide diese Frau um das Veränderungspotential, das in ihrem Glauben liegt.“ Der andere ging noch weiter: „Was in dieser Therapie geschehen ist, beeindruckt mich so …; eigentlich müsste ich persönliche Schritte tun in dieser Richtung.“ Dann ermutigten sie mich, über das Thema „Der christliche Glaube als Veränderungspotential“ zu schreiben.6 Diese erstaunlichen Reaktionen werden verständlicher, wenn man den überzeugungsmäßigen Hintergrund der Gesprächspsychotherapie kennt: Sie geht davon aus, dass das Beziehungsangebot des Therapeuten das eigentliche therapeutische Agens ist. Das Veränderungspotential des Klienten wird durch eine therapeutische Haltung von bedingungsloser Wertschätzung, Empathie (einfühlendes Verstehen) und Kongruenz (Echtheit) freigesetzt. Damit wird Gott zum besten therapeutischen Gegenüber, denn er verkörpert diese Haltung in vollkommener Weise, und die Gottesbeziehung wird zum idealen Raum für tief greifende Veränderung. Für jede Art von christlicher Psychotherapie oder Seelsorge müsste die Arbeit mit dem Klienten an einer durch Liebe geprägten Gottesbeziehung eigentlich zur Priorität Nr. 1 werden.

Die Erfahrungen des Anfangs haben sich in der Folge vertieft und bestätigt. Ich könnte meine Überzeugung heute so zusammenfassen: Gott ist in jeder helfenden Tätigkeit der eigentlich Wirkende; es ist seine Gnade, die dem Menschen Veränderung ermöglicht7. Der Ausruf Jesu am Kreuz: „Es ist vollbracht“8 bedeutet, dass alles, was zur Freisetzung, Stillung, Heilung und Veränderung eines Menschen nötig ist, schon für ihn bereitsteht. Wenn ein Mensch im Glauben sich nach Gottes Angeboten ausstreckt, kann seine Kraft viel mächtiger wirksam werden.9 Dort, wo die Motivation eines Klienten aus dem Glauben kommt und er Gott vertraut, steigern sich die Intensität, die Effizienz, die Kürze und die Nachhaltigkeit des therapeutisch-seelsorgerlichen Prozesses. Je mehr Gott in den Gesprächen direkt zum Zuge kommt, desto effizienter werden sie. Durch das Einbeziehen des Glaubens erhöht sich die Kompetenz des Helfers. Als Gottes Mitarbeiter tätig zu sein, bewirkt viel Entlastung, bringt aber auch große Herausforderungen mit sich und bedingt eine eigene, anspruchsvolle Professionalität. Auf der Basis des Glaubens Hilfe anzubieten, verstehe ich als ein fachkompetentes Handeln in Verantwortung vor Gott, dem größten therapeutischen Experten, dessen Mitarbeiter wir sind.

Was ist nach meiner Grundentscheidung, mich Gott zur Verfügung zu stellen und ihm all mein Wissen und Können abzugeben, geschehen? Aus dem Neuen, das ich in der Zusammenarbeit mit ihm entdeckte, dem psychologischen Wissen, an das Gott mich von Zeit zu Zeit erinnerte, gewissen therapeutischen Regeln, die sich von ihm her bestätigten, und der wachsenden praktischen Erfahrung hat sich mein Ansatz Schritt um Schritt entwickelt. Er ist für mich ein unteilbares Ganzes geworden. Auf die immer wieder gestellte Frage: „Welches ist der Anteil Ihres Psychologiestudiums und Ihrer psychotherapeutischen Ausbildung in dem, was Sie heute tun?“, musste ich immer dieselbe Antwort geben: „Ich kann es nicht mehr auseinander halten“.

Da Gott als Schöpfer des Menschen der größte psychologische Experte, als sein Erlöser der kompetenteste Therapeut und in seiner Liebe der immer Wirkende ist, ist es für mich und für den Klienten das Beste, wenn ich mich Gott unterordne und mich seinem Wirken anschließe. Dabei komme ich kaum je in Konflikt mit dem, was ich in meinen Ausbildungen gelernt habe; und wenn dies einmal geschieht, dann erachte ich Gottes Weisheit als höher und dem menschlichen Erkennen weit überlegen. So ist Gott für mich das Modell geworden, von dem ich lerne, der Meister, mit dem ich zusammenarbeite, der Supervisor, vor dem ich mein Tun verantworte, und der Lehrer, den ich frage, wenn ich etwas nicht verstehe. Gott ist die wirkliche Quelle aller therapeutisch-seelsorgerlichen Weisheit und Erkenntnis.10

Hinweise für den Leser

Dieses Buch ist einerseits als Sachbuch gedacht: Ich möchte den Leserinnen und Lesern, ob sie nun Laien oder Fachleute sind, meine Arbeitsweise möglichst klar und praktisch umsetzbar darlegen. Ich gehe dabei nicht geradlinig-systematisch, sondern spiralförmig-vertiefend vor. Dies bedeutet, dass gewisse Grundgedanken und wichtige Themen mehrfach angesprochen werden. Nach einer ersten Erwähnung oder kurzen Einführung taucht das gleiche Thema in einem neuen Zusammenhang erneut auf, wird aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet und vertieft; dies kann mehrfach geschehen. Auf diesem Weg kann das menschliche Herz Neues entdecken und die Dinge immer tiefer verstehen.

Zwischen dem Verstehen eines Inhaltes und der eigenen Erfahrung besteht eine Wechselwirkung: Je größer die Erfahrung, desto tiefer das Verstehen. Deshalb habe ich das Buch auch als Erfahrungsbuch konzipiert. Ich möchte meine Leser ermutigen, das Gelesene für ihr eigenes Leben nutzbar zu machen. Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich beim Lesen für das öffnen, was Sie anspricht, wird Gott Sie anleiten, wie Sie eines seiner Angebote annehmen, wo Sie eine klare Entscheidung treffen und wie Sie Ihren Entschluss nachher umsetzen können. So können Sie das, was Jesus durch seinen Tod am Kreuz für Sie vollbracht hat, portionenweise für sich in Besitz nehmen; Sie begeben sich damit in „Gottes Therapie“. Aus eigener Erfahrung kann ich bezeugen, dass es spannend, beglückend und äußerst lehrreich ist, beim „großen Helfer“ Klient zu sein. Es lohnt sich, die persönliche Betroffenheit und den inneren Weg beim Lesen des Buches in einem Lese-Tagebuch festzuhalten. Wenn Sie sich darauf einlassen, werden Sie reich gesegnet werden. Dessen bin ich gewiss.

Für Menschen, die anderen helfen wollen, ist die eigene Erfahrung mit dem Ansatz, den sie vertreten, von grundlegender Bedeutung. Von Gott her selber Veränderung zu erfahren, macht uns brauchbarer für ihn; dabei lernen wir unseren Meister besser kennen und mehr lieben. Wenn wir erleben, wie Gottes Kraft an uns wirkt, stärkt das unseren Glauben und erweitert unsere Hoffnungskapazität auch für andere. Wenn wir wahrnehmen, wie Gott mit uns umgeht, können wir von ihm als Modell lernen. Indem wir die Stationen des Veränderungsprozesses selber durchlaufen, können wir andere besser darin begleiten. Die eigene Erfahrung bringt uns mehr Entfaltung, Zurüstung von Gott, wachsende Kompetenz als Helfer und die „Golddeckung“ im eigenen Leben. Die knappen Hinweise am Ende eines Kapitels sind als Anregungen zu verstehen, eigene Erfahrungen zu machen. Durch die Lektüre dieses Buches soll nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch persönliche Veränderung ermöglicht werden.

Wenn Sie sich auf eine vertiefte Lektüre dieses Buches einlassen, könnte noch etwas anderes geschehen: Sie könnten eine Berufung für eine helfende Tätigkeit empfangen11; oder eine bereits empfangene Berufung könnte sich klären oder verändern. Wenn ich von Berufung spreche, so denke ich zuerst einmal an ein Angesprochen-werden durch Gott, wie viele biblische Gestalten im Alten und im Neuen Testament es erlebt haben. Eine helfende Tätigkeit in göttlichem Auftrag auszuüben schafft viel Entlastung und es vermittelt die ermutigende Erfahrung, anderen zum Segen gesetzt zu sein und durch diese Tätigkeit selber gesegnet zu werden.

Ich widme dieses Buch allen, die dadurch gesegnet werden sollen;

für sie habe ich es geschrieben!

1 Manfred Vogt/Wolfgang Eberling in: Psychoscope 3/2003.

2 In meinem Buch Makarios – Der Weg, ein glücklicher Mensch zu werden, das ebenfalls im Neufeld Verlag erschienen ist, habe ich diese Überzeugungen ausgeführt. Ich werde sie in diesem Buch nur andeuten, in den Anmerkungen aber darauf verweisen.

3 Vgl. hierzu die Begriffserklärung im Anhang.

4 Um einfach und lesbar zu schreiben, verwende ich meistens nur die kürzere männliche Form (Mitarbeiter, Seelsorger, Helfer usw.), schließe aber die weibliche Form darin ein.

5 Nähere Einzelheiten beschreibe ich in Kapitel 7.1., „Mein Weg“.

6 Ihr Wunsch erfüllt sich mit diesem Buch.

7 Dies gilt für alle Menschen (vgl. Ps 145,9); auch dann, wenn er nicht bewusst einbezogen wird.

8 In Joh 19,30.

9 Jesus sagt zur blutflüssigen Frau: „Dein Glaube hat dich geheilt“ (Mt 9,22).

10 Vgl. Kol 2,3: „In Christus sind verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis.“

11 Mehr dazu in Abschnitt 1.2.1., „Gott beruft Menschen“.

1. Die Grundlagen

Jede Art von helfender Tätigkeit, ob es nun Psychotherapie, Seelsorge, Coaching, Beratung oder Mediation ist, muss sich einer Reihe von Fragen stellen. Damit werden die Grundannahmen und Überzeugungen offengelegt, die das Handeln des Helfers bestimmen. Viele Helfer haben sich diese Fragen nie gestellt und sind sich ihrer Grundannahmen und deren weitreichenden Auswirkungen auf ihr Tun sowie der Rückwirkungen auf ihr eigenes Leben nicht bewusst. Dass wir in vielen Situationen aus einer unüberlegten Selbstverständlichkeit heraus handeln und uns der zugrundeliegenden Motive und Überzeugungen nicht bewusst sind, gehört zum normalen menschlichen Verhalten. Weil aber mit einer helfenden Tätigkeit eine so hohe Verantwortung verbunden ist, müssen wir uns der Auseinandersetzung mit diesen Grundfragen stellen.

Auf diese Grundannahmen werde ich immer wieder zurückkommen. Um ihre große Bedeutung anzudeuten, möchte ich kurz auf ihre Auswirkungen auf unser helfendes Handeln und auf ihre Rückwirkungen auf die eigene Person eingehen. Diese Grundannahmen bestimmen unsere Arbeitsweise, zum Beispiel: Unsere innere Zielsetzung; das Maß der Hoffnung, das wir für eine Situation haben; welche Rolle wir übernehmen; unsere Gesprächsführung; was wir aus den Äußerungen des Klienten heraushören und aufgreifen; welche therapeutischen Methoden und Wege wir wählen; welchen Stellenwert der Glaube und das Gebet in unserer Arbeit einnehmen. Ebenso groß sind auch die Rückwirkungen auf unsere Person und unser Erleben. Diese Grundannahmen bestimmen das Maß an Verantwortung, das wir zu tragen haben, wie viel Hilflosigkeit, Überforderung und Stress wir erleben, ob und wie weit die Klienten uns vertrauen können, wie kompetent wir uns fühlen und wie „erfolgreich“ wir sind. Sie bestimmen unser therapeutisches Selbstwertgefühl. Von ihnen hängt ab, wie viel Kraft die helfende Tätigkeit uns kostet, wie wir regenerieren können und wie viel Psychohygiene für uns nötig ist. Es lohnt sich also, sich diesen Fragen zu stellen.


Übersicht 1
Grundfragen für helfende Tätigkeiten
In welcher Art helfender Tätigkeit stehe ich (z.B. Seelsorge, Beratung o.a.)?
Wie definiere ich diesen Begriff? Welche Ziele werden dabei angestrebt?
Wie sieht mein Menschenbild aus?
Ist bleibende Veränderung für Menschen möglich? Wenn ja, wie geschieht sie?
Welchen Platz hat Gott in meiner helfenden Tätigkeit?
Wie definiere ich meine Rolle?
Worin besteht meine Verantwortung, worin die des Klienten?

Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Sie bitten, diese Fragen für sich selbst schriftlich zu beantworten. Sie können dies auch dann tun, wenn Sie noch gar keine helfende Tätigkeit ausüben; wir haben alle eine Antwort auf diese Fragen und können uns diese bewusst machen.

1.1. Final ausgerichtete Seelsorge

Es ist Ihnen sicher aufgefallen, dass ich mich bislang nicht darauf festgelegt habe, wozu ich meinen Ansatz zähle: zur Psychotherapie (dies ist mein gelernter Beruf) oder zur Seelsorge (ich beziehe ja den Glauben mit ein)? Da ich bewusst auf Ratschläge verzichte, auch auf „geistliche“, handelt es sich bei meinem Ansatz sicher nicht um Beratung; auch Coaching trifft nicht zu, da mir eine tief greifende Hilfestellung am Herzen liegt.1

Weder die Begriffe „Psychotherapie“ noch „Seelsorge“ werden meinem Ansatz ganz gerecht. Weil es mir um tiefe Heilung geht, handelt es sich eigentlich um einen therapeutischen Ansatz. Da dabei aber den „geistlichen Mitteln“, d. h. dem Glauben, weit größere Bedeutung zukommt als den psychotherapeutischen, habe ich mich schließlich für „Seelsorge“ entschieden. Es ist mir wichtig, nicht nur Psychotherapeuten, sondern auch Laien mit einer klaren göttlichen Berufung dazu zu ermutigen, gemäß meinem Ansatz anderen Menschen Hilfe zu leisten. Dabei geht es immer um alle Dimensionen des Menschseins, um Geist, Seele und Leib. Gottes Fürsorge richtet sich ja auf die ganze Person. Seine Erlösung betrifft auch unseren Leib (Heilung, leibliche Auferstehung), mit seinen Angeboten kommt er unserer Seele zu Hilfe (Stillung, Vergebung, Frieden2 usw.) und unseren Geist, dem für unsere Gottesbeziehung eine zentrale Rolle zukommt, will er stärken. Es geht Gott um die Einheit und Entfaltung der ganzen Person.

Das meinem Ansatz gemäße seelsorgerliche Handeln baut ganz auf der biblischen Tatsache des göttlichen Angebotes der Neuschöpfung auf. Es ist vorwärts gerichtet, es soll auf Gottes Ziel hin führen, es ist final ausgerichtet. In der „Finalen Seelsorge“, wie ich meinen Ansatz von nun an nenne, lassen wir uns auf Gottes finale Denk- und Handlungsweise ein.

Welches wären nun die Antworten der Finalen Seelsorge auf die Grundfragen in Übersicht 1? Im finalen Ansatz kommt Gott die wichtigste Rolle zu. Er soll im seelsorgerlichen Geschehen den Platz einnehmen, den auch Jesus als Mensch ihm gegeben hat; und als Seelsorger nehmen wir Gott gegenüber die Haltung der Hingabe und Unterordnung ein, die Jesus uns vorgelebt hat. In Johannes 5,17–20 sagt er:

Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. …

Der Sohn kann nichts von sich selbst tun,

außer was er den Vater tun sieht;

denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.

Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut.

Weil Jesus unser Vorbild ist, wollen wir den Inhalt dieser Aussage genau verstehen und die Schlussfolgerungen für die Finale Seelsorge ziehen:

 „Mein Vater wirkt bis jetzt“ gilt auch heute noch. Ich kann also davon ausgehen, dass Gott im hilfesuchenden Gegenüber bereits am Wirken ist.

 Ich erkenne an, dass ich nichts aus mir selber heraus tun kann, was Gottes Willen entspricht3. Deshalb vertraue ich darauf, dass Gott mir als seinem Mitarbeiter zeigt, wo und wie er in meinem Gegenüber am Werk ist.

 Dort, wo Gott wirkt, lege auch ich Hand an und versuche, mich dabei ganz von seinem Geist leiten zu lassen.

 Hingabe an Gott und Liebe zu ihm sind die Grundlagen für die Mitarbeit am göttlichen Werk.

Aus der grundsätzlichen Entscheidung, sich in der Finalen Seelsorge nach dem Vorbild Jesu als Gottes Mitarbeiter zu verstehen, ergeben sich alle anderen Antworten auf die oben aufgeführten Fragen. Da sie in den kommenden Kapiteln tiefer bearbeitet werden, genügt hier eine zusammenfassende Übersicht:


Übersicht 2
Charakteristiken der Finalen Seelsorge
Die Finale Seelsorge ist ein seelsorgerlicher Ansatz, der ganz von der Neuschöpfung ausgeht, die in Jesus Christus für uns bereitsteht (2Kor 5,17).
Sie kann als „Geburtshilfe“ für den neuen Menschen verstanden werden.
Das biblische Menschenbild ist die Grundlage: Der Mensch braucht Erlösung, um in die Bestimmung der Gottebenbildlichkeit und der Liebesfähigkeit hinein zu kommen.
Durch Gottes Kraft ist bleibende Veränderung möglich. Der Beitrag des Menschen besteht darin, Gottes Wege und Angebote anzunehmen. Mittels der „Kunst der kleinen Schritte“ kann er lernen, im von Gott geschenkten Neuen zu leben.
Im ganzen seelsorgerlichen Prozess und in jedem Gespräch soll Gott der eigentlich Handelnde sein. Der Seelsorger ordnet sich ihm als Mitarbeiter unter. Er ist bemüht, Gottes Denk-, Sicht- und Handlungsweise zu übernehmen.
Ohne die Bereitschaft des Klienten, sich auf Gottes Wege einzulassen und in Freiheit seine Angebote anzunehmen, ist keine tiefe Veränderung möglich. Weil Gott den Menschen immer freilässt, verzichtet auch der Seelsorger auf Druck.

Impulse zur Vertiefung:

Welche Grundannahmen prägen meine helfenden Tätigkeiten?

Wie groß ist meine Offenheit für neue Gedanken und Sichtweisen?

Was spricht mich am Ansatz der Finalen Seelsorge an?

1.2. Gott sucht Mitarbeiter

Ist es nicht beeindruckend, dass Gott Menschen als Mitarbeiter sucht? Welche Liebe muss er zu den Menschen empfinden, dass er sie beteiligen möchte an dem, was er tut. Er kennt ja unsere Begrenztheit und geringe Kraft, unseren Mangel an Liebesfähigkeit und Weisheit, unsere Unfähigkeit zum Guten und unsere Versuchbarkeit und Unzuverlässigkeit. Dennoch scheint er sich dazu entschlossen zu haben, durch Menschen an Menschen zu handeln.4 Dies zeigt sich auch darin, dass er seinen Sohn Mensch werden ließ, damit dieser als „Menschensohn“5 die Erlösung für alle bewirke und als „zweiter Adam“ einen Neuanfang setze.6 In seiner Liebe zu uns geht Gott das Risiko ein, sich von uns abhängig zu machen; wir lassen ihn im Stich, wenn er nicht durch uns wirken darf.

1.2.1. Gott beruft Menschen

Wie Gott Menschen in die Mitarbeit beruft, dafür gibt es im Alten und im Neuen Testament viele Beispiele. Er wählt seine Mitarbeiter nicht aufgrund ihrer natürlichen Begabungen oder äußerer Kriterien aus, sondern er sieht auf ihr Herz. Gott sucht nicht begabte, sondern hingabefähige Menschen; diese kann er dann auch begaben.7 Die Berufung des Jesaja und was er erlebte, als er in Gottes Gegenwart stand, wollen wir genauer ansehen und daraus die für uns wichtigen Schlüsse ziehen:

Da sprach ich: Wehe mir, denn ich bin verloren.

Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, …

Da flog einer der Seraphim zu mir; und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Und er berührte damit meinen Mund und sprach: Siehe, dies hat deine Lippen berührt; so ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt.

Und ich hörte die Stimme des Herrn, der sprach: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich! 8

 Gott beruft immer unwürdige Menschen. Sich dessen bewusst zu sein, bewahrt uns vor Stolz und bewirkt den tiefen Wunsch, für den Dienst gereinigt und geheiligt9 zu werden.

 Auch für den Dienst der Seelsorge brauchen wir gereinigte und geheiligte Lippen.

 Gott sucht Mitarbeiter, um zu den Menschen reden und ihnen das Gute, das er für sie bereithält, anbieten zu können.

 Wir sind frei, auf Gottes Ruf zu antworten oder nicht. Ihn anzunehmen heißt, uns ihm so zur Verfügung zu stellen, dass er in allem Regie führen und seine Werke durch uns tun kann.10

 Unsere Hingabe geschieht aus Liebe zu Gott und in ganzer Freiwilligkeit; Gott sucht Söhne und Töchter nach dem Vorbild Jesu, keine Marionetten.1.2.2. Die doppelte Grundentscheidung

Wenn Gott wirklich Mitarbeiter sucht, stehen wir vor einer doppelten Grundentscheidung:

1)Will ich mit Gott zusammenarbeiten oder will ich versuchen, das Gute in eigener Regie und mit meinen eigenen Mitteln zu vollbringen?

2)Wenn Zusammenarbeit: Will ich Für-Arbeiter für Gott oder Gottes Mit-Arbeiter sein? Von der ersten Art hat er wohl viele; die zweite, deren Vorbild Jesus ist, ist seltener.11

Es ist ein mutiger und folgenreicher Schritt, sich für die Zusammenarbeit mit Gott zu entschließen. Die klarste Art, wie der Entschluss vollzogen werden kann, zeigt uns Paulus:

Weil Gott so viel Erbarmen mit uns hatte, rufe ich euch zu:

Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt ihm euch selbst als lebendiges Opfer dar, an dem er Freude hat. So vollzieht ihr den ­Gottesdienst, der Gott wirklich gemäß ist.

Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr im Innersten von Gott umwandeln. Lasst euch eine neue Gesinnung schenken. Dann könnt ihr erkennen, was Gott von euch will. Ihr wisst dann, was gut und vollkommen ist und was Gott gefällt.12

Paulus weiß, dass man die Barmherzigkeit Gottes an sich selber erfahren haben muss, bevor man sich ihm so bedingungslos hingeben kann.

Deshalb möchte ich Sie an dieser Stelle dazu einladen, sich auf den durch die weitere Lektüre des Buches in Ihnen ausgelösten persönlichen Prozess einzulassen. Machen Sie selbst möglichst viele eigene Erfahrungen mit Gottes Angeboten und seinem barmherzigen Handeln und setzen Sie sich ehrlich mit den vermittelten Erfahrungen und Schlussfolgerungen auseinander. Gegen Ende des Buches, wenn Sie besser wissen, worum es sich bei der Zusammenarbeit mit Gott und dem Ansatz der Finalen Seelsorge handelt, werde ich auf diese grundsätzliche Entscheidung zurückkommen und Sie ermutigen, den großen Schritt, den ich selber nie bereut habe, auch zu wagen.13

1.2.3. Ein Lernprozess beginnt

Mit dieser Grundentscheidung beginnt ein herausfordernder Lernprozess.14 Er hat damit zu tun, dass unser Verhalten stark durch Gewohnheiten und Automatismen geprägt ist. Man ertappt sich deshalb immer wieder bei Regungen, Gedanken und spontanen Handlungen, die im Gegensatz zum gefällten Entschluss stehen. Hier gilt es dann, um Vergebung zu bitten, umzukehren und unsere getroffene Entscheidung wieder zu bekräftigen. Wenn wir unserem Entschluss in dieser Weise treu bleiben, werden die alten Gewohnheiten und Reaktionsmuster abgebaut und die dem neuen Mitarbeiterstand gemäßen aufgebaut. So wird sich die neue Gesinnung immer klarer in uns ausprägen.

Es gilt aber nicht nur umzulernen. Es gibt auch neue Kompetenzen zu erwerben, die für Gottes Mitarbeiter unverzichtbar sind.15 Dies hat damit zu tun, dass die Professionalität der Mitarbeiter Gottes andere Anforderungen an uns stellt als die menschliche Professionalität; in der Herausforderung, die sie für uns bedeutet, steht sie dieser aber in keiner Weise nach! Wie und wo können wir diese Kompetenzen erwerben? Hier macht Jesus uns ein Angebot:

Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.16

Jesus ruft uns an seine Seite und bietet sich uns als Modell an. Er ist ein liebevoller, geduldiger und demütiger Lehrer. Er lädt uns ein, die drückenden Joche unserer Verpflichtungen zu verlassen und unter das leichte, sanfte Joch der Sohnschaft und der Freundschaft mit ihm zu treten. Er will die Richtung bestimmen und den Karren ziehen; wir dürfen einfach mitgehen und von ihm lernen, wie er seine Beziehung zum Vater lebt und tut, was er den Vater tun sieht. Unser Alltag ist der Ort, wo wir mit diesem Modellern-Prozess beginnen müssen; er beginnt mit der Treue im Kleinen.17

Wie könnte dieser Lernprozess ganz konkret aussehen? In meiner therapeutischen Tätigkeit hat sich erwiesen, dass das innere Zwiegespräch mit Jesus, dem Jochgenossen, so etwas wie ein Geheimtipp ist: Die Menschen, die nach dem Hingabeschritt von Römer 12,1–2 sogleich begonnen haben, durch ihren ganzen Alltag hindurch alles mit Jesus zu besprechen, habe ich erstaunlich schnell wachsen sehen. So wie alle Menschen das innere Selbstgespräch entwickeln können, sind wir grundsätzlich auch zum Zwiegespräch mit Gott befähigt.

Impulse zur Vertiefung:

Gott sucht Mitarbeiter. Was löst diese Feststellung in mir aus?

Worin möchte ich Gottes Barmherzigkeit erfahren?

1.3. Gottes Angebote

Wenn wir Gottes Mitarbeiter sein wollen, ergeben sich weitere Fragen: Wie geht Gott auf die Nöte und Leiden seiner Geschöpfe ein? Welche Angebote und Wege hält er für die Menschen bereit?

Aus meiner langen Erfahrung heraus bin ich davon beeindruckt, wie vollkommen Gott mit seinen Lösungen auf den Menschen eingeht: Er liebt ihn, achtet seine Würde und weiß um seine Schwachheit:

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind;

er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.18

Es lassen sich zwei Arten von göttlichen Angeboten und Wegen unterscheiden: einerseits biblisch begründbare und allgemeingültige; andererseits individuelle und einmalige, ganz auf die einzelne Person zugeschnittene göttliche Lösungen.

1.3.1. Die biblischen Angebote

Übersicht 3 vermittelt einen Eindruck vom Reichtum der göttlichen Gaben und Hilfestellungen. Gott macht uns wirkliche Angebote – der Mensch ist nicht dazu verpflichtet, darauf einzugehen. Sie müssen freiwillig beansprucht und in Besitz genommen werden. Im Gegensatz zu vielen menschlichen „Angeboten“ verdienen sie diesen Namen, denn vom Anbieter her sind keine eigennützigen Interessen damit verbunden; Gottes einziges Ziel ist, das Schwere stellvertretend für uns zu tun, uns entgegenzukommen, Entlastung zu schaffen und es uns einfach zu machen.

Der folgende Überblick über die biblischen Angebote (vgl. die angegebenen Bibelstellen) ist aus meinen Erfahrungen in der Finalen Seelsorge und meiner täglichen Bibellektüre über die Jahre entstanden. Er entspricht dem heutigen Stand; aber ich bin auf weitere Entdeckungen gespannt.


Übersicht 3
Gottes Angebote
Versöhnung mit Gott – in die Gottes-Kindschaft eintreten(2Kor 5,18–20; Joh 1,12; Röm 8,14–16)
Die Freiheit der Kinder Gottes empfangen und bewahren(Joh 8,36; Gal 5,1; Jak 1,25; 1Kor 6,12)
Nur einen Herrn haben: alles für Gott tun – niemanden sonst zufriedenstellen (Apg 5,29; Mt 23,8–10; 1Kor 4,1–4; Kol 3,17)
Der Heilige Geist: Beistand, Tröster, Ermutiger, Lehrer, Ausrüster(Gal 4,6; Joh 14,26; 2Tim 1,7; 1Kor 12,4–11)
Gottes Wort als Brot des Lebens, Wegweiser und zurechtbringende Kraft (Mt 4,3; Ps 119,105; Hebr 4,12–13; Jes 55,10–11)
Aus der unguten Erblinie austreten – ins göttliche Erbe eintreten(1Petr 1,18–19; Röm 8,17; Kol 1,12; 1Petr 3,9)
Liebesfähigkeit: Die Frucht des Hl. Geistes – Gottes Kleiderschrank(Mt 22,36–40; Gal 5,22; Kol 3,12–14)
Versöhnung mit dem Leben: mit der Vergangenheit – dem Heute – der Zukunft (Lk 9,62; Phil 3,12–14; Ps 31,16)
Versöhnung in den Beziehungen: Vergebung empfangen – Vergebung schenken (2Kor 5,18–19; 1. Joh 1,8–9; Eph 4,32; Mt 6,14–15)
Stillung: Gottes Liebe empfangen – Defizite Gott zur Stillung übergeben (Röm 5,5; Joel 2,25; Joh 7,37–39)
Heilung für die Wunden der Seele und des Geistes(Jes 53,2–5; 57,18–19)
Befreiung von menschlichen Bindungen – von finsteren Mächten(Joh 8,36; Mt 18,18; Kol 1,13–14; Lk 10,17)
Heilung für den Körper (Jes 53,4–5; Mt 10,1; Mk 16,18; Jak 5,16)
Gott für uns sorgen lassen – ohne Sorgen leben (Mt 6,34; 1Petr 5,7)

Vielen Menschen fällt es schwer, dies zu glauben und Gottes Gnade auch anzunehmen. Dies zeigt das folgende Beispiel (Beispiel 1):

Die vom Leben enttäuschte, übergewichtige Frau war in einer Klosterschule erzogen worden. Sie litt unendlich unter der Schuld einer Abtreibung, die sie klar als Mord erkannt hatte. Als ich zu ihr von Gottes Angebot der Vergebung sprach, fuhr sie mich an: „Das ist zu billig! Dafür muss ich büßen und leiden!“ Trotz allem, was sie in ihrer Jugendzeit gehört hatte, konnte sie es nicht annehmen, dass Jesus die Strafe stellvertretend für sie getragen und einen unvorstellbar hohen Preis dafür bezahlt hatte. Ihre Antwort machte mich hilflos – es gab keine andere Hilfe für sie.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass hinter allen göttlichen Angeboten und Lösungen das Werk der Erlösung steht, das Jesus durch seine Menschwerdung und seinen Tod am Kreuz vollbracht hat. Gott hat sich entschieden, die zerstörerischen Auswirkungen des Sündenfalls19 nicht durch kleine „Reparaturen“ zu beheben, sondern schöpferisch zu überwinden: durch eine neue Schöpfung des Menschen in Jesus Christus. Dies ist das Grundangebot Gottes für jeden Menschen.20 Durch die klare Hinwendung zu Jesus Christus als Erlöser und Herrn, die im Neuen Testament als Umkehr oder Bekehrung umschrieben wird, eröffnet sich für jeden Menschen der Weg in die Gotteskindschaft und in die in Jesus für ihn vorbereitete Neuschöpfung:

Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.21

Wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken,

die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.22

Gott will uns einen neuen Start ermöglichen, es uns einfach und leicht machen. Dafür hat er alles, bis hin zu den einzelnen Werken, die wir tun sollen, liebevoll für uns vorbereitet. 23 Die Angebote Gottes sind wie einzelne Facetten des Erlösungswerkes Christi; sie ermöglichen es uns, portionenweise in unsere individuelle Neuschöpfung einzutreten. Wenn wir ein göttliches Angebot annehmen, tragen wir zum wachstümlichen Umgestaltungsprozess bei, den das Neue Testament „Heiligung“ nennt.

In der Finalen Seelsorge kommt Gottes Angeboten eine solche Schlüsselstellung zu, dass ich einige Hinweise geben möchte, wie sie im seelsorgerlichen Gespräch eingeführt und angenommen werden können. Der Beitrag des Helfers besteht je in drei Dingen:

 Beim Versuch zu erkennen, welches für den Klienten der nächste Schritt in die Neuschöpfung sein könnte, wird dem Helfer auch oft klar, welches Angebot Gott ihm machen möchte.

 Er teilt dem Klienten seine Gedanken mit und macht ihm Gottes Angebot verständlich. Dabei ist es wichtig, dass der Klient Gottes Hilfestellung als Entlastung versteht und sie nicht zu einer „frommen Pflicht“ macht. Gottes Angebote sollten nicht in bitterem Gehorsam angenommen werden.

 Nun lässt er den Klienten frei entscheiden, ob er Gottes Angebot annehmen möchte oder nicht. Falls ja, wird besprochen, wie dies im Gebet geschehen kann.

Im Umgang mit Gottes Angeboten sind viel Sorgfalt und Behutsamkeit nötig, um keinen Druck auszuüben oder den Klienten zu manipulieren. Diese liebevoll freilassende Gesprächsführung gehört zu unserem Auftrag, „die Seele des Klienten einen Weg zu führen“. An drei göttlichen Angeboten – Vergebung, Reinigung der Erblinie und Sorgenfreiheit – möchte ich nun exemplarisch aufzeigen, wie der Weg aussehen kann, den wir die Seele des Klienten führen wollen, damit Gottes Angebot zum Ziel kommt; sein Ziel ist immer Friede.24

1.3.2. Vergeben

Dieser biblische Auftrag25 ist eigentlich ein göttliches Angebot. Dass wir vergeben, ist für uns selber so unverzichtbar wichtig, dass Gott daraus ein Gebot gemacht hat. Wenn Gott uns einen Auftrag gibt, gilt immer: „Dieu donne ce qu‘il ordonne.“26 Er will uns also helfen, diesen Schritt, wie schwierig er auch sein mag, tun zu können.

Weil er die zerstörerischen Folgen des Unversöhntseins kennt, verlangt Gott aus Liebe zu uns, dass wir vergeben sollen. Das Unvergebene zerfrisst den Menschen wie eine Säure; Unversöhntheit macht lebensunfähig. Wer nicht vergibt, hält seinen Schmerz fest, und seine Seele kann nicht gesunden; Vergebung ist der Schlüssel zur inneren Heilung. Wer Menschen nicht aus ihrer Schuld entlässt, lebt in seinem Lebenshaus unaufhörlich mit ihnen zusammen. Deshalb schafft Vergebung eine große Befreiung: Wer andere Menschen entlässt27, kann in seinem Lebenshaus wieder Ruhe und Frieden finden.

Juristisch gesehen, ist Vergebung ein einfacher Willensakt. „Ich vergebe meinem Vater alles, was er mir Ungutes getan hat“, würde genügen; diese Vergebung hat Gültigkeit. Aber Gott geht es um mehr. Der Schritt der Vergebung soll in unserer Person Frieden schaffen. Dafür genügt der Willensakt nicht. Um ans Ziel zu gelangen, muss unsere Seele einen Weg gehen können. Als Seelsorger müssen wir diesen Weg kennen und die Seele des Klienten führen können. Wir sollten aber auch verstehen, worum es beim Vergeben eigentlich geht: Es geht dabei nicht um die Frage der Wahrheit und der Gerechtigkeit – die ist allein Gottes Sache –, sondern um das Ausräumen der Vorwürfe. Überall, wo eine innere Anklage ist – sie möge gerechtfertigt sein oder nicht28 –, braucht es Vergebung. Übersicht 4 zeigt die wichtigsten Etappen auf dem Weg des Vergebens auf (gegebenenfalls sind nicht alle nötig; es gilt, sich von Gott leiten zu lassen).


Übersicht 4
Vergeben – die Seele einen Weg führen:
Das Herz ausschütten; Schmerz, Wut, Scham usw. aussprechen und zu Gott hin abfließen lassen (vgl. Ps 62,9).
Sich der inneren Vorwürfe bewusst werden, die Anklage formulieren; der Helfer fragt nach und ermutigt, bis alles klar beim Namen genannt auf dem Tisch liegt.
Eintreten in Jesu Vergebungsbereitschaft.
Im lauten Gebet Punkt um Punkt im Namen Jesu vergeben; der Helfer kann nachfragen und gewisse wichtige Vergebungsschritte im Gebet bestätigen.
Ist die Bereitschaft zur „2. Meile“ (vgl. unten) vorhanden? Dazu ermutigen.
Wenn Beziehungen noch weiter bestehen: Annahme des anderen in seinem So-Sein; in die vergebende Grundhaltung gemäß Römer 15,7 eintreten.
Bitte um innere Heilung, Wiederherstellung, Wiederaufrichtung der Würde usw.; falls nötig auch um Löschung quälender Erinnerungen.
Von nun an gilt über dem Vergebenen Römer 8,28: alles muss denen, die Gott lieben, zum Guten mitwirken – es gibt keine Ausnahmen. Diese Verheißung im Glauben anzunehmen und an der gewährten Vergebung festzuhalten, bewahrt das Herz im Frieden.

Gewisse Etappen des Weges, den unsere Seele gehen muss, um zu Gottes Ziel zu kommen, fallen uns manchmal schwer. Zu diesen gehört die Notwendigkeit, uns die inneren Anklagen ehrlich einzugestehen. Hierzu ein Beispiel (Beispiel 2):

Als die Diakonisse bei der Bearbeitung ihrer Mutterbeziehung zum Ausdruck brachte, sie möchte ihrer Mutter vergeben, erklärte ich ihr, welchen Weg wir miteinander gehen würden. Da rief sie aus: „Sie anklagen, das werde ich nie tun; das darf man doch nicht!“ Ich erklärte ihr, dass es ja nur darum gehe, die Anklagen, die sie seit Langem in ihrem Herzen trage, klar zu formulieren. Sie blieb bei ihrer Weigerung; und ich beharrte darauf, die Anklage müsse formuliert werden.

Erst im übernächsten Gespräch war sie dazu bereit. Als sie ihre Vorwürfe dann laut auszudrücken begann, verstand ich, weshalb sie sich geweigert hatte: „Mutter, ich hätte dich umbringen können!“, brach es aus ihr heraus. Sie erschrak selber über die Tiefe ihrer Wut. Ich half ihr, so gut ich konnte, formulierte gewisse Anklagen klarer, fragte nach, bis alles ausgeräumt war: „Gibt es nicht noch mehr? Ist das alles? Ist der Sack ganz leer?“ Mitten in der Anklage wurden ihr ihre eigenen Fehler so stark bewusst, dass sie gleich auch ihre eigene Schuld vor Gott bringen wollte. Sie war dann aber einverstanden, den Weg des Vergebens zuerst zu Ende zu gehen, bevor wir ihre Schuld vor Gott brachten.

Und wenn der Schmerz und das Leiden zu groß sind und die Seele es nicht schafft zu vergeben? Wie kommt Gott diesen Menschen dann zu Hilfe? Dieser Frage bin ich in meiner Arbeit immer wieder begegnet. Ich verstand jeweils so gut, dass sich in der Seele des Opfers alles dagegen sträubte und es ihm menschenunmöglich schien zu vergeben. Andererseits wusste ich zu gut, dass es für die betroffene Person lebenswichtig war, es zu tun. Der erste Schritt bestand oft in der Einsicht, dass sie um ihrer selbst willen vergeben müsste; und so bewirkte Gott dann das Wollen. Aber der Schritt zum Vollbringen war auch dann oft noch groß. Deshalb beteten wir manchmal um die innere Bereitschaft und die Kraft dafür. Und wenn es auch dann zu keinem Durchbruch kam? Durch die unten geschilderte Erfahrung wurde mir zum ersten Mal klar, dass auch Vergeben-Können ein göttliches Angebot ist: Wir dürfen Gott unsere Unfähigkeit bekennen und in die Vergebungsbereitschaft Jesu eintreten. So wird auch das Vergeben zu einem von Gott vorbereiteten Werk. Dies wird hier deutlich (Beispiel 3):

Im ersten Ehejahr hatte das junge Paar eine hilfsbedürftige junge Frau bei sich aufgenommen. Nach Jahren hatte meine Klientin dann erfahren, dass Ihr Mann sie während fünf Jahren mit der jungen Frau betrogen hatte. Nun war die Ehe am Ende, und wir arbeiteten die verletzenden Erfahrungen auf. Heute war schon das dritte Gespräch, in dem die Frau versuchte, ihrem Mann zu vergeben. Und wieder sagte sie unter Tränen: „Ich schaffe es nicht!“ Was konnten wir tun? Ich schlug eine Zeit des hörenden Gebets vor: „Herr, wie möchtest du Frau B. zu Hilfe kommen?“ Ich hatte einen bildhaften Eindruck: Jesus stand Herrn B. gegenüber und schaute ihn mit seiner ganzen Barmherzigkeit und Liebe an; die von ihm ausgehende Gnade war wie ein Lichtkegel. Ich verstand, dass Jesus Frau B. einlud, sich vor ihn hinzustellen und so in seine Vergebungsbereitschaft einzutreten. Dazu war sie bereit. Im Gebet stellte sie sich vor Jesus hin; so stand sie auch selber im Lichtkegel der Gnade. Als sie ihren Mann dann mit dem Blick der Barmherzigkeit Jesu ansah, brach sie in Tränen aus und sagte: „Der arme Kerl!“ Nun war das Tor für sie offen, den Weg des Vergebens zu gehen.

Zuletzt noch etwas zum Geheimnis der „zweiten Meile“29: Die „erste Meile“ des Vergebens ist unverzichtbar, die zweite ist freiwillig. Sie besteht in dem, was Jesus bei der Kreuzigung und Stephanus bei seiner Steinigung getan haben30: Sie haben das Maß an Barmherzigkeit und Gnade vollkommen gemacht, indem sie Gott nun auch noch darum baten, ihren Mördern zu vergeben. Ich habe immer wieder erlebt, dass Menschen nach der „ersten Meile“ die zweite gerne tun, wenn wir sie auf diese Möglichkeit hinweisen. Und etwas ist mir dabei aufgefallen: Wer zur „zweiten Meile“ bereit ist, in dessen Herz kommt das göttliche Angebot des Vergebens wirklich vollkommen zum Ziel: der Friede Gottes kehrt ein in seine Seele.

1.3.3. Erlösung aus dem unguten Erbe

Gott kennt das Gesetz der Perpetuierung31 und weiß, dass jeder Mensch bei seiner Zeugung in die beiden elterlichen Erblinien mit ihren Anteilen an Segen und an Fluch eintritt. Dieses Erbe hat nicht nur eine körperliche Dimension, sondern auch eine seelische und eine geistliche. Nach der Geburt beginnt dann die Prägung durch die elterlichen Lebensweisen: Wir lernen von ihnen, indem wir Reaktionsmuster abgucken und Grundeinstellungen übernehmen – hilfreiche und wenig hilfreiche, denn das kindliche Modelllernen ist nicht selektiv. Gottes Angebot in 1. Petrus 1,1832 besteht nun darin, dass Jesus uns durch seinen Tod aus der unguten Erblinie und den unbrauchbaren Prägungen „losgekauft“ hat.33 Dies bedeutet, dass wir aus diesen belastenden Mustern austreten und in die zur Neuschöpfung gehörenden eintreten können. Sätze wie: „Das muss ich einfach tun!“ oder „Ich bin eben so!“ haben dann keine Gültigkeit mehr. Gott bietet uns eine Reinigung der Erblinie an, sodass wir aus den problematischen Bereichen unseres menschlichen Erbes austreten und in das Erbe unserer Gotteskindschaft eintreten können, damit der Segensfluss aus „tausend Generationen“34 ungehindert durch unser Leben fließen kann.

Aber auch hier stellt sich die Frage, ob der Klient Gottes Angebot wirklich annehmen und eigenverantwortlich werden will, oder ob er sein Verhalten weiterhin mit diesen Prägungen entschuldigen möchte. Dieses Angebot kann in fünf Schritten angenommen werden:

 Die Person bekennt die unguten Reaktionsweisen oder Muster vor Gott als Schuld und bittet dafür um Vergebung.

 Sie legt die unguten Prägungen ab und nimmt Gottes Angebot des Loskaufs für sich in Anspruch; der Seelsorger bestätigt die Gültigkeit von Gottes Zusage und setzt die abgelegten Muster außer Kraft.

 Die Person zieht die neuen, gottgemäßen Haltungen und Lebensweisen an; sie tritt in diesem Bereich in das ihr als Gotteskind zustehende Erbe ein. Der Helfer kann diesen Schritt bestätigen (Zeugengebet35).

 Fürbitte für die Menschen, die bisher durch diese unguten Reaktionen betroffen worden sind, Gott möge es gemäß Römer 8,28 an ihnen gut machen.

 Falls die Person Kinder hat: Gebet, dass dieser ungute Strang der Erb­linie auch für kommende Generationen durchtrennt sein möge.1.3.4. Sorgen abwerfen

Auch hier ist Gottes liebevolle Absicht wieder klar spürbar. Wenn wir es ihm überlassen, möchte er für uns sorgen; und wenn wir uns keine Sorgen um morgen machen müssen, können wir ganz und voll im Heute leben und Gott zur Verfügung stehen. Das wünscht sich Gott.36 Deshalb schreibt Petrus:

All eure Sorge werft auf ihn,

denn er kümmert sich um euch (1Ptr 5,7 EÜ).

Wenn wir eine bedrängende Sorge los werden wollen, so sollten wir Gottes Angebot wörtlich ernst nehmen. Solange wir bitten: „Nimm mir meine Sorgen doch ab!“, wird wohl kaum etwas geschehen. In 1. Petrus 5,7 steht: „… werft auf ihn!“ Dies ist eine bewusste, aktive Handlung, hinter der ein klarer Entschluss steht. Um diesen Schritt im Gebet mit Entschiedenheit zu vollziehen, kann man ihn mit einer symbolischen Handlung begleiten. Immer wieder habe ich Klienten ermutigt, sich Zeit zu nehmen, um ihre Sorgen klar zu formulieren und auf ein Blatt Papier zu schreiben. Wenn sie dann bereit waren, sie loszulassen, nahmen sie mit einem letzten Blick auf das Blatt Abschied von ihnen, zerrissen das Blatt dann betend, und ich entsorgte die Fetzen im Papierkorb. Hier die Entdeckung eines Klienten (Beispiel 4):

Welche Kraft in einer symbolischen Handlung liegt, hat ein Klient, mit dem ich über seine Sorgen und die Jakobus-Stelle gesprochen hatte, von sich aus intuitiv erfasst. Beim nächsten Termin berichtete er mir, was er anschließend an unser Gespräch aus eigener Initiative getan hatte: Er hatte sich am Fluss, an dessen Ufer die Christliche Beratungsstelle lag, einen flachen Stein ausgesucht, seine Sorgen darauf geschrieben und diesen dann betend in den Fluss geworfen. Wie befreiend war es, die Sorgenlast versinken zu sehen!

Dieses Angebot anzunehmen ist für manche Menschen gar nicht so einfach. Einige scheinen durch ihre Erziehung einen inneren „Sorgen-Auftrag“ empfangen zu haben, sodass ihr Gewissen sie dazu drängt. Andere besitzen so etwas wie einen gewohnheitsmäßigen „Sorgen-Rucksack“, den sie immer wieder zu füllen wissen. Für andere sind die Sorgen der Fluchtweg aus den schwierigen Fragen des Heute, Ausdruck ihrer Unfähigkeit, im Heute zu leben. Wenn es in der Seelsorge um das Ablegen der Grundhaltung des unguten Sorgens geht, können wir Gott bitten, er möge uns in einer Zeit des gemeinsamen Hörens37 den nächsten Schritt zeigen; er wird uns gewiss antworten.

Wie wir oben angedeutet haben, geht es Gott immer um unsere ganze Person. Deshalb hat er auch Angebote für unseren Geist und für die Heilung unseres Körpers. So kann es in der Finalen Seelsorge auch dazu kommen, dass Gott den Geist eines Menschen heilen, stärken und für seine Aufgabe innerhalb der Person zurüsten will. Ich habe es auch mehrfach erlebt, dass das Gebet für körperliche Heilung Teil meines seelsorgerlichen Auftrages war.38

1.3.5. Gottes individuelle Angebote

Mein Staunen gilt aber nicht nur den für alle Menschen gültigen, biblischen Angeboten Gottes, sondern noch mehr seinen individuellen Angeboten, Wegen und Lösungen, die er für die einzelne Person bereithält. Es ist beeindruckend, die Kreativität Gottes zu entdecken und zu sehen, mit wie viel wohlwollendem Entgegenkommen, Gnade, Weisheit und Feinheit er auf die einzelne Person in ihrer einmaligen Wesensart und Situation eingeht. Hier ein Beispiel dafür aus meiner seelsorgerlichen Praxis (Beispiel 5):

Der Mann stand zum vierten Mal in einer außerehelichen Beziehung und lebte getrennt von seiner Frau. Nun wollte er aus dem inneren Hin-und-her-gerissen-Sein herauskommen. Die Gefühle zogen ihn zur Geliebten, die Treue seiner Frau und die Erwartungen der Kinder zogen ihn zurück nach Hause. Gegen Ende eines Gesprächs sagte er: „Wenn ich nur wüsste, was Gott mir raten würde!“ Ich war überrascht – das war doch klar. Ich hätte ihn an Maleachi 2,15–16 erinnern können. Aber die innere Stimme hielt mich zurück, ihm eine Antwort zu geben. So fragte ich nur: „Wollen Sie es wirklich wissen?“ „Ja“, sagte er. „Dann bitten wir jetzt Gott, dass er es Ihnen bis zum nächsten Gespräch zeigt.“ Als wir das getan hatten, entließ ich ihn. Was würde nun geschehen?

Er war ganz beglückt, als er das nächste Mal kam: „Er hat es mir wirklich gezeigt, es ist ganz klar: Ich kehre zu meiner Frau und meiner Familie zurück.“ „Wie hat er es Ihnen gezeigt?“, fragte ich ihn. „Er hat mir die Liebe zu meiner Frau wieder geschenkt.“ Welch liebevolle, gnädige Antwort von Gott! Darauf wäre ich nie gekommen.

Als Schöpfer-Gott mit unendlicher Kreativität fehlt es ihm nie an Lösungen und Wegen. Auch seine individuellen Angebote sind immer Ausdruck seiner Weisheit und seiner allparteilichen39 Liebe. Gottes Lösungen machen uns nie von anderen Menschen abhängig; er selber tritt in die Lücke und schenkt uns, was wir brauchen. Sie bewirken zudem den größtmöglichen Segen für alle Beteiligten. Auch dazu ein Beispiel aus der Praxis (Beispiel 6):

In einem Paargespräch ging es um das Chaos, das jeweils losbrach, wenn der Mann abends nach Hause kam und mit den Kindern noch etwas „Freude“ haben wollte. Seine Frau fürchtete sich oft vor seiner Heimkehr: In kurzer Zeit brach die sorgfältig bewahrte Atmosphäre von Frieden zusammen; es war häufig kaum mehr möglich, die Kinder vor dem Schlafengehen wieder zur Ruhe zu bringen. Beide waren frustriert: Der Mann, weil ihm seine Frau die Freude mit den Kindern anscheinend „nicht gönnte“, und die Frau, weil er die Bemühungen eines ganzen Tages jeweils „in kürzester Zeit zunichtemachte“40. Welches konnte hier Gottes Lösung sein? In einer Hör-Stille machte Gott dem Mann ein Angebot: „Ich hänge dir meine Freude an die Klinke der Haustüre. Wenn du heimkommst, kannst du sie anziehen, bevor du hinein gehst.“ Dies empfand auch die Frau als Geschenk für sie; sie verstand, dass Gottes Freude nicht Chaos stiftet, sondern den Frieden bewahrt.41

Gottes Lösungen und Angebote sind oft so überraschend und unerwartet, dass sie Erstaunen auslösen. Was mir dabei besonders aufgefallen ist, ist Gottes feiner Humor, der dem Klienten eine hilfreiche Distanz zu seinem Problem ermöglicht. So ist in meinen Gesprächen auch immer wieder ein herzhaftes Lachen ausgebrochen. Selbst mir gegenüber hat Gott seinen Humor schon oft eingesetzt (Beispiel 7):

In einer meiner ersten Gebetsseelsorge-Wochen, an der ich teilnahm, erzählte mir ein Seelsorger gegen Ende der Seelsorgezeit ein inneres Bild, das Gott ihm für mich geschenkt hatte: Ich lief kreuz und quer auf einem Hügel umher; über mir schwebte ein kleines Wölkchen, aus dem Segens-Regen auf mich fiel. Dazu kam einfach der Satz: „Könntest du es mir ein bisschen einfacher machen und weniger umher rennen?“ Wie liebe- und humorvoll Gott seinen Rat ausgedrückt hatte, brachte uns zum Lachen.

Das Bild sprach zu mir und prägte sich mir ein. Wenn ich dann später wieder in der Gefahr stand, überaktiv zu werden, hörte ich in mir nur: „Wölkchen!“ Und dann wusste ich, was Gott sich jetzt wünschte.

Impulse zur Vertiefung:

Wenn ich aus Gottes Angeboten leben will – mit welchem beginne ich?

Wie kann ich Gottes individuelle Angebote und Lösungen persönlich erfahren?

1.4. Gottes Wege

In Gottes Wort können wir nicht nur Angebote, sondern auch Wege entdecken, wie wir zum Ziel kommen können. In den Hinweisen zu den drei Angeboten Gottes habe ich einige wichtige Wege Gottes bereits angedeutet. Was ist aber mit dem Begriff der „göttlichen Wege“ gemeint? Darunter verstehe ich die Art, wie das Ziel der Neuschöpfung angestrebt werden kann.

Gottes Wege stehen oft im Gegensatz zu unseren menschlichen Theorien und Wegen, an denen wir trotz aller Misserfolge oft hartnäckig festhalten. Es soll genügen, an einige zu erinnern: „Wenn man etwas begriffen hat, kann man es auch tun“; „Man kann, wenn man will“; „Ohne Fleiß, kein Preis“ usw. In der Realität unseres Lebens bewähren sich diese Theorien aber nicht. Die menschlichen Wege haben viel mit Anstrengung, Mühsal und selbstverdientem Erfolg zu tun. Sie überschätzen die Möglichkeiten des Menschen und überfordern ihn.

Es gibt aber auch christlich-religiöse Handlungsanweisungen, welche an der Realität des Menschen vorbeigehen und ihn überfordern, indem sie das Ziel durch eigene Leistung und Anstrengung erreichen wollen: „Man muss nur tun, was die Bibel sagt“, verbunden mit der Aufforderung zu einem Willensakt, bei dem die Seele nicht mitkommt.42 „Man muss nur richtig beten, dann …“, verbunden mit einem Gebets-Programm, durch welches der Erfolg garantiert werden soll.43 „Reiß dich ein bisschen zusammen; den Rest, den du nicht tun kannst, den tut Gott dann schon“, als ob Jesus nicht alles für uns vollbracht hätte. Gottes Wege verlangen ganz andere innere Haltungen: Das ehrliche Eingeständnis des Unvermögens, Demut, bitten können, ein unverdientes Geschenk annehmen und Dankbarkeit. Sie sind Ausdruck von Gottes Gnade, seinem stellvertretenden Handeln und seiner Barmherzigkeit.

Auf Gottes Wegen können wir seine Angebote in Besitz nehmen und durch seine Kraft von innen heraus verändert werden. Sie führen alle auf’s Ziel der Neuschöpfung zu. Wenn wir uns im Gespräch von ihm führen lassen, wird Gott uns zeigen, auf welchen seiner Wege er diese Person jetzt führen will.

Hier nun ein Überblick über die Wege, die Gott uns anbietet:


Übersicht 5
Gottes Wege
Eine nach vorne gerichtete, durch den Glauben geprägte, finale Haltung: Jes 43,18–19; Phil 3,12–14
Sich nach dem neuen Herzen ausstrecken: Spr 23,12.26; Hes 36,26–27; Gal 4,6;
Bitten – empfangen: Jak 4,2–3; Mt 7,7–11; Joh 15,16; Mt 18,19–20
Sein Verhalten wie ein altes Kleid ausziehen – das von Gott bereit­gestellte neue anziehen: Gal 3,27; Eph 4,22–24; Kol 3,7–10
In der von Gott geschenkten „Neuheit des Lebens“, im Licht und in den vorbereiteten Werken „wandeln“: Röm 6,4; 1. Joh 1,7; Eph 2,10
Gott Raum geben, damit seine Frucht in uns wächst: Joh 15,1–8.16; Gal 5,22
Mit Dankbarkeit begießen, was Gott in unserem Leben pflanzt: Ps 50,23; 1Thess 5,18; Phil 4,6; Kol 3,15

Auch hier soll ein Beispiel wieder Klärung bringen (Beispiel 8):

Das Ergänzungsmuster dieses Paares war sehr herausfordernd: Er war aufgrund seiner Herkunft und seiner Kindheit ein intellektueller Chaot; sie entstammte einer wohlgeordneten, kleinbürgerlichen Familie; beide standen im Glauben. Die Frau hatte lange versucht, sich immer wieder neu auf die sprunghaften, für sie unverständlichen und verletzenden Entscheidungen ihres Mannes einzulassen; sie hatten ihr und den Kindern viel Unsicherheit beschert. Diese unvermittelten Kurswechsel hatte sie als Treubruch erlebt und mit der Zeit begonnen, auf Distanz zu gehen und ihm sein ungutes Verhalten bei jeder Gelegenheit vorzuwerfen. In unseren Paargesprächen machte er klare Schritte der Veränderung; sie aber fuhr fort, ihn durch Liebesentzug zu bestrafen.

Eines Tages stießen wir auf folgenden Satz von Paulus: „Lasst alle Menschen eure Freundlichkeit spüren.“44 Wir sprachen darüber, dass diese Freundlichkeit eigentlich zur „Grundausstattung“ des neuen Menschen gehöre. Ich fragte die Frau: „Spüren Sie, dass Gott diese Freundlichkeit in Sie hineingelegt hat?“ „Ja.“ „Auch Ihrem Mann gegenüber?“ Sie schaute mich verschmitzt an: „Ja, auch ihm gegenüber.“ „Wollen Sie sie ihn nicht von Zeit zu Zeit spüren lassen?“45 „Nein, das möchte ich nicht.“ „Nun“, sagte ich, „das ist Ihre freie Entscheidung. Wichtig ist, dass Sie spüren, dass die Freundlichkeit in Ihnen da wäre.“

Sie tat es dann im Nachhinein doch, sogar immer häufiger. Der Zeitpunkt aber, wo sie bereit war, den anderen göttlichen Weg bewusst zu beschreiten, „sein Verhalten wie ein altes Kleid ausziehen – das von Gott bereitgestellte neue anziehen“, kam erst nach einigen Gesprächen.

Impuls zur Vertiefung:

Wenn ich persönliche Erfahrungen mit Gottes Wegen sammeln möchte – zu welchem lädt er mich ein?

1.5. Finale Logik

Ein Ausschnitt aus einem Gespräch von Jesus mit seinen Jüngern soll als Einführung in Gottes finale Sichtweise dienen:

Seine Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?

Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat …46

 Die Jünger gehen davon aus, dass jede Sache eine kausale Ursache hat und hinter jedem Problem die Frage nach der Schuld steht.

 Jesus geht davon aus, dass es schwierige menschliche Situationen gibt, die nicht auf klar zuweisbare menschliche Schuld zurückzuführen sind. Für all diese Nöte gibt es aber göttliche Lösungen bzw. Werke, die Gott durch seine Mitarbeiter tun will.

 Die Warum-Frage ist der typische Ausdruck des kausalen Denkens der Jünger; das „Damit“ Jesu ist das Merkmal seiner finalen Ausrichtung.

 Die beiden Sichtweisen führen zu einer anderen Ausrichtung und einer anderen Vorgehensweise: Im rückwärtsgerichteten kausalen Ansatz müsste man die Ursache angehen, um deren negative Auswirkungen zu verändern; im vorwärtsgerichteten finalen Ansatz stellt sich die Frage, wie Gott sich in dieser Not durch sein Wirken verherrlichen will; die Frage nach der Ursache ist dafür nicht von Bedeutung.

 Trotz der intensiven Erfahrungen mit Jesus sind die Jünger noch immer im kausalen Denken verhaftet; sie haben Gottes Sicht- und Denkweise noch nicht übernommen.

 Dass Gott final denkt, hängt mit seinem Wesen zusammen: Das Gesetz von Ursache und Wirkung, von Saat und Ernte gehört zu den Naturgesetzen der Schöpfung.47 Gottes Segen und seine Gnade durchbrechen dieses Gesetz. Die Finalität ist die Logik der Erlösung, der Gnade und des Reiches Gottes.48 Jesus hat stellvertretend für uns geerntet, was wir gesät haben; wir dürfen ernten, was er am Kreuz für uns gesät hat.

Auch nach mehr als zwanzig Jahren Erfahrung mit Gottes finalem Denken und seinem vorwärtsgerichteten Handeln geht es mir immer wieder so wie den Jüngern: spontan reagiere ich oft aus dem kausalen Denken heraus. Unter den Fähigkeiten, die wir als Gottes Mitarbeiter zu entwickeln haben, ist das Umstellen auf Gottes finale Sicht- und Handlungsweise etwas vom Schwierigsten. Und doch ist es für unsere Zusammenarbeit mit Gott grundlegend wichtig: Die finale Sicht ist die Perspektive des Glaubens und der Hoffnung. Wir wollen so denken lernen wie unser Meister.

Wenn wir im helfenden Gespräch innerlich bei Gott bleiben und uns auf seine finale Sicht einlassen, wird unser Hören, Denken und Handeln dadurch bestimmt. Wir hören anders zu, halten nach anderen Lösungen Ausschau und stellen die den Verlauf des Gesprächs bestimmenden Weichen anders. Mit unserem Entschluss, uns auf Gottes Sicht- und Handlungsweise einzustellen, wählen wir auf der Zeitachse einen anderen Standort (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Finale Logik


Weil Hören immer selektiv ist, fallen uns aus dieser Perspektive andere Elemente der Äußerungen des Klienten auf, wir greifen andere Aussagen wieder auf, ziehen andere Schlüsse und streben ein anderes Gesprächsziel an. Eines ist gewiss: Als Mitarbeiter Gottes müssen wir den finalen Standort wählen; nur so können wir erkennen, wo er bereits am Wirken ist und welches der nächste Schritt in Gottes Zukunft für den Klienten sein könnte.

Wie können wir lernen, uns auf Gottes Denkweise einzustellen? Das beste Übungsfeld für viele seelsorgerliche Kompetenzen ist der Alltag. Dies gilt auch hier: In Alltagssituationen und alltäglichen Begegnungen können wir uns ganz bewusst auf die vorwärtsgerichteten Fragen ausrichten: Wozu? Wo ist Gott dran? Welches ist der nächste Schritt? Welches könnte nun Gottes Werk sein? So schärft sich unser Blick für Gottes Gedanken und Pläne. Wenn wir dann zudem noch beginnen, die uns selber betreffenden Ereignisse, unser eigenes Erleben und unsere Reaktionen und Entscheidungen so zu betrachten, dann gewinnen wir immer mehr Eigenerfahrung und Golddeckung in diesem für Mitarbeiter Gottes so zentralen Bereich.

Nun kann ich mir vorstellen, dass Sie eine bedrängende Frage auf dem Herzen haben: Was geschieht bei dieser vorwärtsgerichteten Arbeitsweise mit der Vergangenheit?

Der Mensch ist ja ein geschichtliches Wesen; seine Vergangenheit ist Teil seiner Person und auch im Blick auf seine Vergangenheit braucht er Erlösung; nur wenn er mit ihr versöhnt ist, kann er sich mit ganzer Kraft nach vorne ausrichten und das Alte hinter sich lassen.49 Gott steht vor uns, ermutigt uns zum nächsten Schritt und zieht uns liebevoll auf sein Ziel hin. Weil Jesus alles Ungute in unserer Vergangenheit mit sich ans Kreuz genommen hat, ist dort alles geschehen, was zum Zurechtbringen und zur Heilung unserer Vergangenheit nötig ist.

Wie können wir Gottes Angebot, unsere Vergangenheit zurechtzubringen, beanspruchen? Im Brief an Titus spricht Paulus vom „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung“50. Dieser Ausdruck hat bei mir die Vorstellung eines riesigen, mit „Heil“ gefüllten Bassins ausgelöst, in das wir alles Problematische aus unserer Vergangenheit ablegen und eintauchen dürfen. Diesen Schritt habe ich mit mehreren Personen getan. Hier ein Beispiel (Beispiel 9):

Beide hatten sich mit der vorwärtsgerichteten Arbeitsweise einverstanden erklärt; nun wich die Frau des Lokomotivführers aber immer wieder aus, wenn es um Schritte ins Neue ging: „Ich möchte ja schon …; aber mit dieser schlimmen Kindheit …“ Nach zwei, drei Gesprächen wurde ich ungeduldig. Ich berichtete ihr vom göttlichen Angebot des „Bads der Erneuerung“ und machte ihr den Vorschlag, im Vertrauen auf Jesu Werk am Kreuz alles Schlimme aus ihrer Vergangenheit dort abzulegen. Wir würden uns dafür so viel Zeit nehmen, wie sie brauche, um gar nichts zu vergessen. Sie war bereit, sich darauf einzulassen, und wünschte, dass ihr Mann dabei sein und uns in der Fürbitte unterstützen solle.

Sie kam mit einer langen Liste ins nächste Gespräch. Ich ermutigte sie nun, jeden Stachel, jedes verletzende Wort, alle schwierigen Erfahrungen usw. Punkt um Punkt zu formulieren und dann bewusst ins Heilsbad abzulegen. Ich fragte nach und formulierte klarer, bis wir alles sauber ausgeräumt hatten. Wir brauchten zwei ganze Gespräche dafür. Das war eine Befreiung! So ist Ruhe in ihr Leben eingekehrt. In den weiteren Gesprächen konnte sie sich den Herausforderungen der Ehebeziehung stellen und Schritte nach vorn ins Neue hinein tun.

Bedeutet das bisher Gesagte, dass es in der Finalen Seelsorge nie zur Aufarbeitung vergangener Ereignisse kommt? Keineswegs! Gottes grundsätzliches Ziehen geschieht zwar vom Ziel her; aber er ist frei, auch ein vergangenes Erlebnis wieder ans Licht zu ziehen, wenn zu dessen Heilung ein Beitrag des Klienten nötig ist (häufig handelt es sich dabei um Vergebung). Auch die Aufarbeitung von Vergangenem geschieht dann aber final.51

Für entscheidend halte ich deshalb nicht die Frage, ob wir mit dem Klienten Schritte in die Zukunft tun oder Vergangenes aufarbeiten sollen; das einzig Wichtige ist, dass wir als Gottes Mitarbeiter das tun, was er jetzt im Leben dieser Person mit uns zusammen tun möchte. In seiner göttlichen Weisheit und Freiheit soll er entscheiden können, was für den Klienten gut und weiterführend ist. Aus meiner Erfahrung ist es bei Gott so: Er zieht das ans Licht, was er jetzt lösen möchte; alles andere darf weiterhin im „Bad des Heils“ ruhen.

Impulse zur Vertiefung:

Wie kann ich Gottes finale Denkweise auf mein Leben übertragen?

Was aus meiner Vergangenheit wäre im „Bad der Erneuerung“ abzulegen?

1.6. Das Lob der Torheit

In seinem 1511 erschienenen Büchlein schreibt Erasmus von Rotterdam: „Mir scheint, die christliche Religion steht überhaupt einer gewissen Torheit recht nahe“52, und zitiert dann folgende Stelle von Paulus:

Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit;

uns aber […] ist es Gottes Kraft. […]

Das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen.53

Als Christen stehen wir vor der Wahl zwischen der Weisheit der Menschen und der Torheit Gottes. Es gibt keinen dritten Weg. Nicht zu wählen und beides miteinander verbinden zu wollen – dies ist wohl die schlechteste aller Möglichkeiten.54 Der Weg der Gnade ist uns eigentlich fremd und fällt uns schwer; und wer möchte schon als törichter Mensch angesehen werden? Deshalb braucht es Demut und Mut, Jesus wirklich zu folgen, indem man sich so wie er ganz auf Gott verlässt, nichts aus eigener Weisheit versteht, nichts aus sich heraus tut, nur die vorbereiteten Werke vollbringt, sich ihm in allem unterordnet und nur seine Ehre sucht; indem man auf die Kraft der Erlösung vertraut, auf Gottes Angebote, die Verheißungen in seinem Wort, das Wirken des Heiligen Geistes, die Effizienz der einfachen Wege Gottes und die Weisheit von Gottes Ordnungen.

Es ist beeindruckend, wie gut Gott uns durch den Beistand des Heiligen Geistes ausrüstet. Durch ihn wohnt unser Meister in uns; ohne ihn wären wir unfähig, Gottes Mitarbeiter zu sein (vgl. Übersicht 6).


Übersicht 6
Der Beistand des Heiligen Geistes
Er führt uns in die Wahrheit und offenbart uns Gottes Gedanken: Johannes 16,13
Er lehrt uns alles und erinnert uns auch wieder daran: Johannes 14,26
Er gibt uns innere Führung und Leitung: Röm 8,14
Er ist unser Beistand, Tröster und Ermutiger: Joh 14,16; Röm 8,16
Er hilft unserer Schwachheit auf und tritt vor Gott für uns ein: Röm 8,26
Durch die „Frucht des Geistes“ will er in uns den Charakter Jesu ausbilden: Gal. 5,22
Durch seine Gaben stattet er uns mit der Kraft Jesu aus: 1Kor 12,4–11

Für die Zurüstung und kontinuierliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter hat Gott mehrere Möglichkeiten: Er lässt sie selber erleben und empfangen, was sie an andere weiterzugeben haben.55 Er will uns sein Handeln so sichtbar machen, dass wir von ihm als Modell lernen können.56 Er schenkt uns aber auch Menschen, die uns seine Wahrheit lehren (das Timotheus-Prinzip) und die für uns Vorbilder im Glauben sind.57 Durch seinen Geist schließt er uns sein Wort auf.

Aber es gibt auch Dinge, die wir als Gottes Mitarbeiter loslassen und andere, auf die wir verzichten müsse: Unser Wissen, unsere natürlichen Begabungen, die erworbenen Kompetenzen und unsere Erfahrung sollten wir in Gottes Hände ablegen, damit Gott darüber verfügen kann. Wir wollen nicht durch sie, sondern durch Gottes Geist gelenkt werden. Auch den Wunsch, Wissen anzuhäufen, unsere Erfahrungen zu systematisieren, Theorien aufzustellen, Programme und Techniken zu entwickeln, sollten wir ablegen. Damit verzichten wir auch auf die Sicherheit, für alle Fälle „etwas zu haben“, und sind ganz auf Gott geworfen. Auch das Effizienz- und Erfolgsdenken entspricht Gott nicht; für seine Mitarbeiter geht es eher darum: „Tue das Gute vor dich hin und bekümmre dich nicht, was daraus werden wird.“58 Wir müssen bereit sein, auf Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und die Anerkennung und Ehre durch Menschen zu verzichten.59

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich „das Lob der Torheit“ wirklich anstimmen: Jesus ist der beste Herr, den es gibt. Sein Joch ist wirklich leicht und ich finde dort Ruhe für meine Seele60. Was er für mich vorbereitet hat, ist nie überfordernd. Dass ich ihm allein dienen kann, macht mich frei von Menschenfurcht und bewahrt mich davor, Menschen gefallen zu wollen oder sie zufriedenzustellen. Die Veränderung des Klienten ist Gottes Sache, nicht meine Verantwortung. Da er alle Lösungen hat und die Hauptverantwortung trägt, bin ich je nur für meinen Teil im aktuellen Gespräch verantwortlich, und auch darin will er mich leiten; so kann ich entlastet „hindere lige“61. Es ist so spannend und bereichernd, von Gott lernen zu können und von seiner schöpferischen Kreativität angesteckt zu werden. Am Schluss eines Gesprächs kann ich ihm das unvollkommene Werk zurückgeben, damit er es zurechtbringt. Für meine Fehler kann ich Vergebung empfangen; er beurteilt mich mit Barmherzigkeit, ermutigt mich, fordert mich aber auch heraus. Viel Segen fließt durch diese Zusammenarbeit mit ihm in mein Leben zurück, in unsere Ehe und zu unseren Kindern hin. Der Gewinn ist also über alle Maßen groß!

Impuls zur Vertiefung:

Wie weit kann ich mich auf Gottes Torheit einlassen?

1 Vgl. dazu die Begriffserklärungen im Anhang.

2 In Mt 11,29 verspricht Jesus: „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“

3 Vgl. dazu das Gleichnis vom Weinstock und den Reben in Joh 15,1–8.

4 In Apg 10,3–6 z. B. will Gott sein Werk klar durch einen menschlichen Zeugen tun.

5 So nennt sich Jesus selbst immer wieder (z. B. in Joh 5,27).

6 Vgl. dazu in Röm 8,14–17.29–30; 1Kor 15,45–47 u. a.

7 Vgl. als Beispiel Bezalel und Oholiab in 2Mo 31,1–6.

8 Auszüge aus Jes 6,1–8.

9 „Heiligen“ bedeutet, dass Gott einen Menschen für seinen Dienst aussondert und zubereitet.

10 Nochmals Jesus: Joh 5,19 und 8,28; zur Grundhaltung siehe Joh 7,18.

11 „Gott hat viele Menschen, die für ihn etwas tun wollen, aber nur wenige, die bereit sind, mit ihm etwas zu tun“. (Oswald Chambers). Vgl. dazu auch Kapitel 7.2.

12 Röm 12,1–2 (GN).

13 Mehr dazu in Kapitel 7.3.

14 Mehr dazu in den Kapiteln 7.1. und 7.4.

15 Vgl. dazu Übersicht 28 in Kapitel 7.7.

16 Mt 11,29–30.

17 Vgl. dazu Übersicht 29 in Kapitel 7.7.

18 Ps 103,13–16 (LU).

19 Mehr dazu in Kapitel 2.2., „Die Wurzel aller Not“.

20 Vgl. Apg 3,19; Joh 1,12-13.

21 2Kor 5,17.

22 Eph 2,10.

23 Vgl. in Makarios: Der Lebensstil der Söhne und Töchter (S. 89f.).

24 Wie wichtig Gott dieses Ziel ist, zeigt sich z. B. darin, dass Jesus als Auferstandener seine Jünger immer so begrüßt: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19–20; LU); vgl. auch Joh 14,27.

25 Vgl. etwa Mt 6,12; 18,21–35; Mk 11,25; Eph 4,32.

26 Ein französisches Wortspiel: „Gott gibt, was er verlangt.“

27 Das griechische Wort für „vergeben“ in Mt 6,14 bedeutet „entlassen, wegschicken“.

28 Wir müssen Menschen immer wieder auch Dinge vergeben, für die wir sie ungerechtfertigter Weise anklagen. Dazu und zur „Interpretationsfalle“ in unseren Beziehungen siehe in Makarios: Was der Entflechtung dient (S. 51ff.).

29 Vgl. Mt 5,41.

30 Lk 23,34 und Apg 7,60.

31 Siehe hierzu die Erklärung im Anhang und den Abschnitt 2.3.4., „Das Gesetz der Perpetuierung“.

32 „Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel.“ (1Petr 1,18–19; EÜ).

33 In der Antike konnte man einen Sklaven mit einer Geldsumme loskaufen; dann war er wirklich frei und sein eigener Herr. Die Hingabe seines Lebens am Kreuz ist der Preis, den Jesus bezahlt hat.

34 Vgl. 2Mo 34,7. Jesus hat uns aus dem „Gesetz der Heimsuchung“ losgekauft; die Gnade siegt.

35 Siehe die Begriffserklärung im Anhang.

36 Vgl. Mt 6,25–34. Mehr dazu in Makarios: Versöhnt leben (S. 77ff.); Der Lebensstil der Söhne und Töchter (geistlich-seelische Hygiene und Prophylaxe) (S. 89f.).

37 Mehr zur „Hör-Stille“ in Abschnitt 6.6.4., „Hörendes Gebet“.

38 Vgl. Abschnitt 5.3.9., „Körperliche Heilung“.

39 Gottes Liebe gilt allen Beteiligten gleich. Vgl. hierzu auch die Erläuterung im Anhang.

40 Dies war je die subjektive Interpretation des Verhaltens des Partners. Zur „Interpretationsfalle“ vgl. in Makarios: Was der Entflechtung dient (S. 51).

41 Mehr zu diesem Beispiel in Abschnitt 3.3.1. unter 5. und 7.

42 Ein Beispiel dafür findet sich in 1.3.2.: Pauschales Vergeben führt nicht zum Ziel Gottes, dem inneren Frieden.

43 Mehr dazu in Abschnitt 6.6.2., „Seelisches Gebet“.

44 Phil 4,5 (NZH).

45 Hier handelte es sich um den Weg „In der von Gott geschenkten Neuheit des Lebens wandeln“.

46 Joh 9,2-4.

47 Vgl. z. B. Hi 4,8; Gal 6,7.

48 Vgl. etwa Röm 8,31–34; 1Kor 6,9–11.

49 Vgl. Phil 3,13: Paulus hat seine schwierige Vergangenheit nicht verdrängt. Es ist Ausdruck einer versöhnten und erlösten Beziehung zu ihr, wenn er sagt: „Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist.“

50 Titus 3,5 (LU). Mehr dazu in Makarios: Versöhnt leben (S. 77f.).

51 Vgl. dazu Abschnitt 5.3.4.

52 Erasmus von Rotterdam: Das Lob der Torheit, Birkhäuser Verlag, Basel 1960, S. 178.

53 1Kor 1,18–25.

54 Vgl. dazu in Offb 3,15–18, wo Gott sagt: „Ach, dass du kalt oder heiß wärest!“

55 Vgl. etwa Joh 4,14; 7,38 oder 2Kor 1,3–5.

56 Vgl. Mt 11,29; Eph 5,1.

57 2Tim 2,1–2 und 1Kor 11,1.

58 Matthias Claudius: An meinen Sohn Johannes, Heilbronn 2002.

59 Vgl. dazu Joh 7,18; 8,50.

60 Vgl. wieder Mt 11,29.

61 „Zurück lehnen!“ Vgl. dazu in Kapitel 7.1., „Mein Weg“.

2. Menschliche Nöte – Gottes Angebote

Unser Menschenbild gehört zu den inneren Grundannahmen1, die unser helfendes Handeln entscheidend mitbestimmen: Was ist der Mensch, wie funktioniert er und was bewegt ihn zum Handeln? Wie kommt es, dass so viel Ungutes und Leiden die menschliche Existenz prägen? Lässt sich für die verschiedenen Nöte ein gemeinsamer Nenner finden? Gibt es hier Abhilfe? Unseren Antworten auf diese Fragen kommt große Bedeutung zu. Sie bestimmen, welche Ziele wir in unserer psychotherapeutischen bzw. seelsorgerlichen Tätigkeit anstreben, wie viel und wofür wir Hoffnung haben können, welche Hilfsangebote wir machen können und welche Wege uns offen stehen.

Da das Menschenbild von so grundlegender Bedeutung ist, möchte ich hier einen kurzen Exkurs zum Thema Menschenbild in Psychologie, Psychotherapie und Seelsorge einfügen. Die Psychologie hat auf zentrale Fragen des Menschenbildes2 keine Antwort, da sie sich ganz auf die Erforschung des menschlichen Verhaltens ausrichtet und versucht, dies möglichst wissenschaftlich, d. h. wertfrei zu tun. Da sie nur entdecken kann, was Gott geschaffen hat, stehen ihre Resultate selten im Gegensatz zu biblischen Aussagen.3 Anders ist die Situation aber in der Psychotherapie4: Jede psychotherapeutische Schule hat das Menschenbild ihres Gründers als Fundament, aus dem sich jeweils alle anderen Elemente der Zielsetzung und des Vorgehens ergeben. Viele dieser Anthropologien sind humanistisch ausgerichtet; sie gehen also davon aus, dass der Mensch alle Ressourcen in sich trägt, um sich selbst zu helfen. Alle in einer Psychotherapie entwickelten Techniken und Methoden sind darauf angelegt, dieses Menschenbild zu verwirklichen. Hier kommen wir als Christen in einen Konflikt: Wollen wir den psychotherapeutischen Ansatz mit seinem humanistisch geprägten Menschenbild und den sich daraus ergebenden Zielsetzungen und Methoden übernehmen oder entscheiden wir uns für das biblische Menschenbild, das den Menschen als erlösungsbedürftig versteht und Gottes Angebote und Wege zur Erlösung als notwendig erachtet?

Geht es hier wirklich um ein Entweder-Oder? Gibt es keine Möglichkeit, die menschlichen Wege in einen biblisch-christlichen Ansatz zu integrieren? Immer wieder habe ich die Ansicht gehört, dass die übernommenen psychotherapeutischen Methoden durch den Einsatz im Rahmen des Glaubens geheiligt würden. „Der Zweck heiligt die Mittel“ ist aber keine biblische Aussage und stimmt von Gott her ganz gewiss nicht. Als Schöpfer-Gott mit unbegrenzten Möglichkeiten und uneingeschränkter Kreativität bedient er sich normalerweise nicht der von Menschen entwickelten Methoden und Wege, um seine Ziele zu erreichen; seine Ziele können mit den menschlichen Möglichkeiten gar nicht erreicht werden.5 Wir müssen also wirklich wählen! Wenn wir „weder Fisch noch Vogel“ sind, leben wir in einer großen Spannung; und schließlich kommen beide Seiten zu kurz: Wir können nicht nach menschlich-psychotherapeutischer Kompetenz streben und uns gleichzeitig nach tieferer Erkenntnis von Gottes Wegen ausstrecken. Für mich als promovierten Psychologen und zertifizierten Psychotherapeuten war es eine große Erleichterung, mich ganz für die Abhängigkeit von Gott zu entscheiden, und eine beglückende Erfahrung, aus der Enge der menschlichen Wege und Programme auszutreten und als Mitarbeiter Gottes Anteil zu bekommen an der unendlichen Weite seines Handlungsspielraumes. Etwas davon haben ja auch meine Kollegen und Experten bei meiner Zertifizierung erahnt.6

2.1. Ein biblisches Menschenbild

Zu den Grundannahmen, die uns oft nicht bewusst sind, aber die wir alle haben, gehört auch ein Menschenbild. Jedes Menschenbild braucht Antwort auf einige Grundfragen.


Übersicht 7
Grundfragen des Menschseins
1)Woher kommt der Mensch – welches ist sein Ursprung?
2)Wohin geht der Mensch – was ist das Ziel des Lebens?
3)Ist der Mensch für sein Handeln verantwortlich? Vor wem?
4)Welches sind die Antriebe des menschlichen Handelns?
5)Wie entwickelt sich der Mensch und wie kommt es zu Veränderung?
6)In welchem Verhältnis steht der Mensch zu den Mitmenschen?

Die Antworten der Finalen Seelsorge auf diese Fragen möchte ich in Beziehung setzen zu psychologischen Erkenntnissen. Dabei wird klar, dass die biblischen Antworten in wichtigen Punkten über die der Psychologie möglichen Aussagen hinaus gehen.

2.1.1. Ursprung und Ziel

Über Ursprung und Ziel des Menschen kann die Psychologie keine wissenschaftlichen Antworten geben; es handelt sich um Grundannahmen religiöser oder philosophischer Natur. Für die Finale Seelsorge gelten die biblischen Aussagen:

 Der Mensch ist ein Geschöpf, das Gott nach seinem eigenen Bilde geschaffen hat. Jeder Mensch ist also gewollt, unter welchen Umständen und wie auch immer er gezeugt wird, und hat von Gott her auch eine Bestimmung.7

 Der Mensch lebt nicht um seiner selbst willen. Der Sinn des Lebens besteht darin, etwas zum Lobpreis von Gottes Herrlichkeit zu sein. Das Ziel unseres Lebens-Laufes ist die Auferstehung aus den Toten, damit wir ins ewige Leben, die Herrlichkeit und in die Gemeinschaft mit Gott eingehen können.82.1.2. Verantwortlichkeit des Menschen und Antriebe des Handelns

Die Psychologie versteht den Menschen als moralisches Wesen, das durch ein Wertsystem und ein damit verknüpftes Gewissen gelenkt wird. Da der Mensch ein von anderen abhängiges und bedürftiges Wesen ist, werden seine Bedürfnisse zum vorrangigen Antrieb des Handelns. Dabei geht es nicht nur um die Stillung körperlicher, sondern auch um seelische bzw. emotionale Bedürfnisse. Dies hat sich auch in meiner Arbeit immer wieder bestätigt (Beispiel 10):

„Alles, was ich in meinem Leben bisher getan habe“, sagte mir eine etwa 40-jährige Frau im Erstgespräch, „habe ich getan, um die Liebe der Menschen zu gewinnen.“ In diesem Bemühen war sie gescheitert. Sie mochte sich auch selbst nicht. Sie hatte sich oft verleugnet und versucht, die anderen zufriedenzustellen; in vielen Beziehungen war sie „unter die Räder gekommen“ und alle Opfer hatten nicht zum Ziel geführt. Das Scheitern und die große Abhängigkeit vom Urteil und der Zuwendung der anderen hatte sie veranlasst, Hilfe zu beanspruchen. Es war ein beeindruckender Weg, wie sie bei Gott Stillung erlebte, zu einer positiven Selbstbeziehung fand und in die freie Liebesfähigkeit der Kinder Gottes hinein wuchs.

In diesen Fragen stimmen die psychologische Sicht und das biblische Menschenbild weitgehend überein. Weil der Bibel aber auch die geistliche Dimension des Menschen wichtig ist, versteht sie den Menschen umfassender und bezieht auch Gottes Angebote mit ein, damit der Mensch werden kann, wozu er bestimmt ist:

 Von Anfang an hat Gott den Menschen als freies, und damit als vor ihm verantwortliches Wesen geschaffen. Weil er wählen kann, kann der Mensch auch schuldig werden. Schuld zerstört Beziehungen und hindert die Entfaltung des Lebens. Deshalb hasst Gott die Sünde.9 Seine Gnade ermöglicht die Erlösung aus der Schuld;10 dafür gibt es außerhalb des Glaubens keine Lösung.11

 Die Bibel versteht das Herz als Zentrum der Person; es ist Sitz unserer tiefen Bedürfnisse und Wünsche. Die Antriebe unseres Verhaltens kommen aus dem Herzen. Deshalb verspricht Gott, „das trotzig und verzagt Ding“ durch ein neues Herz zu ersetzen.122.1.3. Entwicklung und Veränderung

Hierzu hat die Entwicklungspsychologie aufschlussreiche Ergebnisse zu melden: Entwicklung wird als lebenslanger Prozess verstanden, in dem jede Phase ihre besonderen Aufgaben mit sich bringt. Was die Entwicklung des Menschen möglich macht, ist seine Lernfähigkeit, die bis ins Alter erhalten bleibt. Lernen bedeutet nicht nur, Neues lernen zu können, sondern auch umlernen und bewusst verlernen können. Die Lernpsychologie kommt zum Schluss, dass Modelllernen das wichtigste Lernen für die höheren menschlichen Fähigkeiten ist.13 Die Psychologie versteht den Menschen also als soziales Wesen.

Das Thema der Entwicklung des Menschen und seiner Veränderung ist für die Bibel zentral:

 Die der Psychologie bekannten Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten des Menschen kennt die Bibel auch; sie offenbart uns zudem aber eine viel machtvollere Kraft der Gestaltung, Veränderung und Entfaltung des Menschen: Gottes Handeln für und an uns. Dies kommt in Übersicht 8, „Gott verändert uns“, zum Ausdruck. Es ist beeindruckend, was Gott bereits alles für uns getan hat, wenn wir geboren werden. Die Übersicht macht aber auch klar, welche große Bedeutung dem Moment zukommt, in dem ein Mensch sein „Ja“ zu Gottes Einladung gibt und Jesu Werk der Erlösung für sich annimmt: Dann zieht der Hl. Geist in ihm ein und alles, was für ihn bereit ist, kann nun Stück um Stück inkrafttreten.


Übersicht 8
Gott verändert uns
Die verborgene Vorgeschichte
Vor Grundlegung der Welt:ErwählungEph 4,4–5
Jesu Tod am Kreuz:Erlösung aus der SündeRöm 6,17–18
Vergebung der SchuldEph 1,7
Neuschöpfung Eph 2,10
GotteskindschaftJoh 1,12–13
Einpflanzung in sein ReichKol 1,13
Zeugung:Schöpfung nach Gottes BildPs 139,14–15
Formung im MutterleibPs 139,13
Bildung des LebenswegesPs 139,16
Geburt – Kindheit – JugendLiebendes und schützendes Begleiten und Tragen GottesPs 22,10–11
Bekehrung → bewusstes Leben mit Gott
Die Erwählung wird wirksam:Innewohnen des Heiligen GeistesGal 4,6
Veränderung der Gesinnung Eph 4,23
Heiligung 1Thes 5,23
Unser BeitragHingabe zum DienstRöm 12,1–2
Der Lebensstil der Sohnschaft1Jo 2,6
Die finale AusrichtungPhil 3,12–14
Auferstehung
Ende des Stückwerkhaften:Schlagartige Vollendung1Kor 15,51–53

 Dazu kommen all die Veränderung bewirkenden Angebote Gottes, die der Mensch in Anspruch nehmen kann: das Geschenk der Neuschöpfung, neue „Kleider“ des Verhaltens, Gott bewirkt in uns das Wollen und das Vollbringen, Heiligung durch den Heiligen Geist, in Neuheit des Lebens wandeln, die Frucht des Geistes usw.

Das Geschenk des Neuen ist aber immer auch mit Lernen verbunden.14

2.1.4. Der Mensch als Beziehungswesen

Die Psychologie stellt fest, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Das ist auch der Kernpunkt des biblischen Menschenverständnisses.15 Da Gott uns nach seinem Bilde geschaffen hat, sind wir dazu bestimmt, in durch Liebe geprägten Beziehungen zu leben.16 Weil der Mangel an Beziehungsfähigkeit die Ursache vieler menschlicher Nöte ist, macht Gott die Beziehungs- und Liebesfähigkeit zum Ziel der Erlösung.

Der Mensch als Beziehungswesen lebt immer, ob er es will oder nicht, in drei Beziehungs-Dimensionen: Erstens in einer Beziehung zu Gott oder einem Gottes-Ersatz, also zu etwas, das seine eigene Existenz übersteigt. Zweitens in Beziehung zu sich selbst, ob er sich mag oder nicht. Drittens in einer Beziehung zu den Mitmenschen. Gottes Ziel der Liebesfähigkeit gilt für alle drei Dimensionen. Abbildung 2 deutet darauf hin, dass das Liebesgebot eigentlich wieder ein göttliches Angebot ist: Wer bei Gott, der Quelle aller Liebe, angeschlossen ist, der wird zum Kanal, durch den Gottes Liebe fließen kann: zuerst in sein eigenes Leben und durch ihn hindurch dann auch zu den Mitmenschen. Dafür hat Gott den Menschen eigentlich geschaffen.

Abbildung 2: Der Mensch als Beziehungswesen


Impulse zur Vertiefung:

Wo liegen die Wurzeln meines Menschenbildes?

Welche konkreten Antworten gebe ich auf die sechs Grundfragen meines Menschseins?

2.2. Die Wurzel aller Not

Es gibt eine weitere Dimension des Menschenbildes, die in die Liste der Grundfragen (Übersicht 7) aufgenommen werden könnte: Die Frage nach der Wurzel all der Nöte, die zum menschlichen Leben gehören. Darauf hat die Psychologie keine Antwort. Die psychotherapeutischen Schulen haben individuelle Antworten, die jeweils ihrer eigenen kausalen Logik verpflichtet sind und dem Menschenbild ihrer Begründer entsprechen.

Welches ist die Antwort der Bibel? Als Gott den Menschen geschaffen hatte, war alles sehr gut.17 Dass der Mensch in seiner Freiheit aber – gegen Gottes Rat – das wählte, was für ihn selbst und alle Beziehungen Zerbruch bedeutete, ist der Anfang allen Übels. Der innere Prozess von Versuchung und Schuldigwerden, wie ihn Adam und Eva erlebt haben, wiederholt sich in unser aller Leben unzählige Male.18

Wenn wir die Folgen betrachten, wird das Ereignis im Garten Eden zur größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Dies zeigt sich auf eindrückliche Weise im Erleben von Adam und Eva19:

 Die Beziehung zerbricht in allen drei Dimensionen: Sie haben Angst vor Gott, sodass sich Adam und Eva vor ihm verstecken; die Schuld trennt sie von Gott. Die Einheit zwischen Mann und Frau zerbricht; durch die Solidarität im Unguten werden sie zu Feinden und das Beziehungs-Spiel der Schuldverschiebung beginnt. Schließlich tragen beide den Stachel der Schuld in sich, werden uneins mit sich selbst und einsam.

 Neue Gefühle entstehen, die Gott nicht kennt: Angst, Scham, Schuldgefühle, Bitterkeit, Neid, Hass, Selbstmitleid, Ohnmacht, Hilflosigkeit usw.

 Die Wahl des Unguten hat Konsequenzen: den Verlust des Paradieses. Das Leben wird zum Kampf; durch Arbeit und Mühsal muss das Überleben gesichert werden; Gebären bringt Schmerzen; Beziehungs-Bedürfnisse bleiben ungestillt; Lüge und Totschlag dringen in die Familie ein; am Ende steht der Tod.

 Mit seinem Ungehorsam hat sich der Mensch unter die Herrschaft des Bösen gebracht.20 In seiner Verantwortung für die Natur hat er auch diese mit sich gerissen und Satan unterworfen.21

 Aus dieser Sklaverei konnte sich der Mensch nicht mehr selber befreien; hier musste Gott eingreifen, Satan besiegen und Erlösung schaffen.22

 Gottes Gnade hat darüber gewacht, dass uns durch die Katastrophe des Sündenfalls hindurch gewisse göttliche Wesenszüge ansatzweise erhalten geblieben sind: eine natürliche Fähigkeit zu lieben und Gutes zu tun; trotz aller Not immer wieder der Mut zum Leben; immer noch sind beglückende Beziehungen möglich; wir können uns am Leben freuen und tragen die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies in uns.

Unser Erleben und das Zusammenleben der Menschen sind bis heute durch die Konsequenzen des Sündenfalles bestimmt und wir können aus eigener Kraft nicht heraus kommen. Viele Menschen tragen die ängstliche Frage von Paulus in ihrem Herzen: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen…?“23

2.3. Die Zerbrochenheit des Menschen

Jeder Mensch wird hineingeboren in die Not, die mit dem Sündenfall begann, und trägt dann selbst auch wieder dazu bei, dass die Kette von Schuldverstrickungen nicht abbricht.24 Die Zerbrochenheit des Menschen, die ihn zu einem erlösungsbedürftigen Geschöpf macht, hat vier Wurzeln: das belastende Erbe, unvollkommene Gegenüber (und damit auch unvollkommene Modelle), den Kampf des Lebens und das Gesetz der Perpetuierung (oder: vom Opfer zum Täter).

2.3.1. Belastende Erbanteile

Gemäß den biblischen Aussagen besteht das menschliche Erbe, das ein Kind bei der Zeugung antritt, aus einem riesengroßen Anteil an Gutem und Segen – und einem kleinen Anteil an Ungutem, Zerstörerischem.25 Wie die einmalige Auswahl aus dem riesigen Erbgut für jedes Kind geschieht, gehört zu den Geheimnissen Gottes. Zum Erbe, das wir als Kind angetreten haben, gehört nicht nur das, was genetisch fassbar ist (Gestalt, körperliche Robustheit, Intelligenz; aber auch Dispositionen für Krankheiten, Organschwächen usw.). Auch auf der seelischen Ebene treten wir ein Erbe an: Wir sind in Familienschicksale, Familienwunden, eine soziale Schicht und Verpflichtungen aller Art hineingeboren worden. Dazu kommt noch die geistliche Erblinie, die einerseits durch Segen, andererseits durch Fluch, Belastungen, unbereinigte Familienschuld usw. geprägt sein kann. Durch Jesu Erlösung will Gott uns aus der zerstörerischen Macht der unguten Erbteile freisetzen26 und zugleich Platz schaffen für das göttliche Erbe, auf das wir um Jesu willen ein Anrecht haben.27

2.3.2. Unvollkommene Gegenüber

Unsere Eltern, die Geschwister und die anderen Bezugspersonen waren nicht die idealen Gegenüber, die wir eigentlich gebraucht hätten. Ihre beschränkte Liebesfähigkeit hat bei uns zu Defiziten an Liebe, Geborgenheit und Gemeinschaft geführt. Zudem sind wir immer wieder durch Worte, Urteile, Blicke und Handlungen verletzt worden – häufig unbeabsichtigt und von unseren Gegenüber selbst oft nicht bemerkt. Zudem können Eltern oder andere Bezugspersonen ein Kind auch besitzergreifend an sich binden, wodurch die freie Entfaltung seiner Person gehindert wird.

All unser menschliches Verhalten mussten wir von Modellen lernen. Unsere ersten und wichtigsten Vorbilder waren die Menschen unserer Umgebung, und die waren eben nicht vollkommen. Von unvollkommenen Modellen aber lernt man unvollkommene Verhaltensweisen; und das, wofür die Modelle fehlen, bleibt ungelernt. So gibt es bei uns allen angelerntes Fehlverhalten und Lerndefizite.

2.3.3. Das Leben als Kampfplatz

Schon in der Familie haben wir diese Tatsache erfahren. Im Kampf um „den Platz an der Sonne“, die Liebe der Eltern, standen wir im Wettstreit und in der Auseinandersetzung mit den Geschwistern. Wir mussten unsere eigenen Strategien entwickeln, um die Aufmerksamkeit und die positive Zuwendung der anderen zu gewinnen. Wir mussten auch lernen, wie wir uns abgrenzen und unsere Ziele durchsetzen können. Der Härte des Lebens sind wir aber auch in schicksalhaften Ereignissen begegnet wie Todesfällen, Krankheiten, Unglücksfällen usw. All dies hat uns gezwungen, seelische Bewältigungs- und soziale Kampfstrategien zu entwickeln.28

2.3.4. Das Gesetz der Perpetuierung

Der Mensch ist aber nicht nur Opfer der Welt, in die er hineingeboren wird. Weil er in der Sünde verhaftet ist, wird er selbst auch zum Täter: Was uns angetan worden ist, tun wir auch wieder anderen an.29 Oft ist es uns gar nicht bewusst, was wir tun,30 weil wir von Natur aus immer zuerst das Unsere sehen, den Versuchungen unserer Gelüste oft schnell erliegen und für alles unsere inneren Begründungen haben. In der menschlichen Not scheint das Gesetz der Perpetuierung wirksam zu sein: Wo wir selbst verwundet worden sind, verletzen wir wieder andere. Defizite führen zu Fehlverhalten, die bei anderen wieder Defizite entstehen lassen. Im Versuch, uns zu schützen, um nicht zum Opfer zu werden, verletzen wir andere. So wird das Ungute von Generation zu Generation weitergegeben. Das wird im folgenden Beispiel deutlich (Beispiel 11):

Der Gemüsebauer war entschlossen, seine schwierige Vaterbeziehung aufzuarbeiten. Er hatte seinen Vater als lieblos, militärisch-streng, unbarmherzig konsequent, stur, hart und zornig erlebt; er war oft geschlagen geworden. Die Aufarbeitung seiner Kindheitserfahrungen und der Vaterbeziehung nahm mehrere Gespräche in Anspruch. Als wir zum Punkt kamen, wo er seinem Vater vergeben wollte, geschah mitten im Formulieren der Anklage etwas Eindrückliches. Er stockte und wurde blass; ein tiefes Erschrecken packte ihn: „Das ist ja furchtbar! Ich habe so gelitten unter meinem Vater und nun wird mir bewusst: Ich mache mit meinen Kindern genau das Gleiche!“ Er brach zusammen und weinte, denn er war der Macht des Gesetzes der Perpetuierung begegnet. Eine tiefe Buße über seinem Tun packte ihn.

Jesus Christus war bereit, in diese unheile Welt hineingeboren zu werden und von der Zeugung an den Weg aller Menschen zu durchleben. Auch in seiner Erblinie gab es belastende Anteile; auch er musste alles lernen;31 auch er hatte keine idealen Eltern und manchmal schwierige kleine Brüder; er machte einschränkende und verletzende Erfahrungen und musste lernen, sich abzugrenzen.32 Aber als erster und einziger hat er das Verhaftetsein in der Sünde durchbrochen, das Gesetz der Perpetuierung überwunden. Er wurde im Leben nicht schuldig. Seinetwegen gibt es Hoffnung für uns alle.

Impulse zur Vertiefung:

Was wird mir bewusst, wenn ich über die vier Wurzeln

meiner Zerbrochenheit nachdenke?

An welchen Punkten möchte ich Erlösung aus meiner persönlichen Zerbrochenheit beanspruchen?

2.4. Nöte und Störungen einordnen

Ein Ordnungsschema zu bilden, um die Realität einordnen zu können, scheint ein menschliches Bedürfnis zu sein. Kategorien zu besitzen, gibt uns das Gefühl, über die Realität verfügen zu können. Ein Kategoriensystem hat immer mit unseren Theorien zu tun; und wenn wir diese ändern, müssen wir auch unsere Kategorien anpassen. Dies konnte ich während der zwanzig Jahre psychotherapeutischer Tätigkeit feststellen: Aufgrund der wechselnden Theorien der Gesellschaft wurden gewisse Störungen immer wieder anders eingeordnet, einige verschwanden sogar ganz aus der „Internationalen Klassifikation psychischer Störungen“ der WHO33, wie z. B. die Homosexualität, die nun nicht mehr als Störung eingeordnet wird.

Das Klassifikationssystem ICD-10 geht von einem medizinischen Krankheitsverständnis aus. Das dahinter stehende Denken möchte ich an einem alltäglichen Beispiel aufzeigen: Wenn wir feststellen, dass etwas bei unserem Auto nicht richtig funktioniert, bringen wir es in die Werkstatt. Der Mechaniker stellt die Ursache fest (Diagnose) und behebt die Störung. Schließlich fährt das Auto wieder normal. Ein solches mechanistisches Denken ist aber eigentlich unangemessen, wenn es um die menschliche Person geht; das ist uns allen bewusst. Sogar unser Körper ist nicht einfach eine unabhängig funktionierende Maschine; er steht mit den seelischen Funktionen und dem Erleben in enger Wechselwirkung.34 Wie viel weniger wird ein mechanistisches Verständnis unserer Seele und unserem Geist gerecht. Deshalb verzichte ich bewusst auf den Begriff „Störung“ und verwende den der Seele angemesseneren Begriff „Not“.

Um dem Bedürfnis nach einem der Finalen Seelsorge gemäßen Ordnungsschema für die menschlichen Nöte zu entsprechen, schlage ich ein einfaches, aus vier Hauptkategorien gebildetes Raster vor. Seine Geltung soll auf den Rahmen der Finalen Seelsorge beschränkt bleiben – es beansprucht keine Allgemeingültigkeit. Das heißt auch, dass es nicht direkt auf psychiatrische Krankheitsbilder angewendet werden kann.

Da viele Nöte aus einer Kombination von Ursachen entstehen35, können gewisse Nöte nicht eindeutig zugeordnet werden. Bei den Beispielen wird darauf verzichtet, die Namen zu erklären. Sollten Begriffe im Anhang nicht erklärt werden, sind sie für das Verständnis des Inhalts ohne Bedeutung und können vernachlässigt werden.

2.4.1. Nöte in der Beziehungsfähigkeit

Da Gott den Menschen als Beziehungswesen geschaffen hat und wir dem Kontakt mit anderen Menschen letztlich nicht ausweichen können, ist die Beziehungsfähigkeit das Kernstück des menschlichen Lebens. Sie ist durch die Auswirkungen des Sündenfalls am stärksten betroffen: Seelische Verletzungen, Liebesdefizite, fehlende oder ungute Modelle führen zu mangelnder sozialer Kompetenz.

Hinter manchen als psychische Krankheiten eingestuften Störungen habe ich in meiner Praxis immer wieder Beziehungsnöte entdeckt: Depressionen36 und schizophrene Schübe können durch unverarbeitete Beziehungserlebnisse ausgelöst worden sein37. Hier einige für diese Kategorie typische Nöte: eine schlechte Selbstbeziehung, mangelnde Abgrenzung, Distanzlosigkeit, Kommunikationsschwierigkeiten, die Stolz-Minderwertigkeits-Schaukel, Menschenfurcht, Gefühlskälte usw.

2.4.2. Entwicklungsbedingte Nöte und Lerndefizite

Neben den Lerndefiziten (z. B. mangelnde kommunikative Fertigkeiten) gehören auch Nöte in diese Kategorie, welche auf die Erblinie, Modelllernen oder Prägung zurückzuführen sind. Was aus den elterlichen Erblinien stammt, von den Eltern als Modell übernommen worden ist und was durch die empfangene Erziehung geprägt worden ist, lässt sich letztlich nicht genau auseinander halten; alles gehört zum „eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel“38. Einige Beispiele: egoistische Wertmaßstäbe, ein überstrenges Gewissen, Perfektionismus, das Fehlen gewisser Gefühle, ungute Gewohnheiten u. a. Hier ordne ich auch alles ein, was durch nicht oder ungenügend verarbeitete negative Erfahrungen ausgelöst worden ist: gewisse emotionale Reaktionen (z. B. situationsbedingte Ängste), Vermeidungsverhalten, Festlegungen, unbrauchbare soziale Strategien (z. B. alles unter Kontrolle haben39, „Angriff ist die beste Verteidigung“, Unehrlichkeit usw.), das typische Opfer-Verhalten u. a. Auch das Leiden an den Folgen getroffener Entscheidungen (z. B. Berufswahl, Partnerwahl o. ä.) gehört hierhin.

2.4.3. Bedürftigkeit und emotionale Defizite

Dieser Kategorie ordne ich vieles zu, was man als Persönlichkeitsnöte umschreiben könnte: mangelnde Frustrationstoleranz, Unfähigkeit zur Selbstkontrolle, Suchtverhalten, Willensschwäche, emotionale Unersättlichkeit usw. Hier gehören aber auch emotionale Defizite und das daraus entstandene Beziehungsverhalten hin (z. B. Selbstverwöhnung, klebrige Anhänglichkeit, das Helfersyndrom, Prahlerei usw.), ebenso die meisten sexuellen Nöte.

2.4.4. Geistliche Nöte

Hier ordne ich alles ein, was mit der religiösen Dimension des Menschen zu tun hat: Falsche Gottesbilder, eine negative oder unentfaltete persönliche Gottesbeziehung, unverarbeitete verletzende Erfahrungen mit religiösen Autoritätspersonen, hinderliche religiöse Prägungen, religiöse Ängste (z. B. die Sünde gegen den Heiligen Geist begangen zu haben) usw. Aber auch alles, was mit Schuld und Vergebung zu tun hat, ordne ich hier zu: Als unvergebbar eingeschätzte persönliche Schuld, falsche Schuldgefühle, fehlende Selbstvergebung, Gewissensnöte, Unversöhnlichkeit usw. Die Probleme im Bereich der Bindungen und des Okkulten gehören ebenfalls in diese Kategorie: Seelische Bindungen an Menschen oder Orte, dämonische Belastungen, Flüche, die Auswirkungen okkulter Erfahrungen oder Praktiken u. a. Auch Störungen in der inneren Ordnung der Person40 gehören in diese Kategorie.

2.4.5. Und die Diagnose?

Ein Kategoriensystem zu besitzen, verleitet leicht dazu, Diagnosen stellen zu wollen. Ist das in der Finalen Seelsorge sinnvoll? Eigentlich können wir darauf verzichten. Der wichtigste Grund dafür ist ansatzbedingt. Wir wollen uns nochmals bewusst machen, dass die Diagnosestellung ein wesentlicher Teil des medizinischen Vorgehens ist – aufgrund der Diagnose wird die Behandlungsmethode festgelegt. Wie wir bereits festgestellt haben, geht der Ansatz der Finalen Seelsorge aber in eine andere Richtung. Unser Vorgehen ist dadurch charakterisiert, dass wir keine Standard-Behandlungen kennen, sondern uns als Gottes Mitarbeiter seinem Wirken anschließen wollen. Gott kennt die Ursache eines Übels zwar ganz genau, aber weil er einmalige Lösungen hat, scheint eine Diagnose im strengen Sinne für ihn nicht wichtig zu sein. Seine Situationsanalyse ist final ausgerichtet: Die Lösung ist ihm wichtiger als die Feststellung der Ursache oder die genaue Beschreibung des aktuellen Zustandes.41 Deshalb wollen auch wir der Versuchung widerstehen, nach den Ursachen zu suchen und der hilfesuchenden Person gegenüber unsere seelsorgerliche Kompetenz durch eine Diagnose unter Beweis stellen zu wollen. Laienseelsorgern fehlt meist der wissensmäßige Hintergrund, um eine sorgfältige Diagnose stellen oder eine von einer Fachperson gestellte Diagnose sinnvoll einordnen zu können.42

Welche Bedeutung hat die Diagnose für den Klienten und seine Angehörigen? Es ist leicht verständlich, wieso Angehörige immer wieder den Wunsch nach einer Diagnose äußern. Der Umgang mit der Not des Klienten bildet für seine Umgebung eine Herausforderung. Wenn man nun sein Verhalten als Symptome einer „Krankheit“ einstufen kann, schafft das Erleichterung. Die Etikettierung bringt aber gewisse Gefahren mit sich: Der aktuelle Zustand wird auf ungute Weise akzeptiert und als „Krankheit“ festgeschrieben. Nun erwarten die Angehörigen oft keine Veränderung mehr und die motivierende Hoffnungshaltung verschwindet. Die akute Not und das Leiden des „Kranken“ werden nicht mehr wirklich ernst genommen – es sind ja „normale“ Symptome. So begegnet man dem Klienten nicht mehr als Person, sondern als einem „Fall“. Dieses „Abgestempelt-Sein“ ist für die betroffene Person eine verletzende Erfahrung.

Es sind aber auch Gründe denkbar, weshalb der Klient selbst sich eine Diagnose wünscht. Einen möglichen Grund möchte ich durch ein Beispiel andeuten (Beispiel 12):

Ein junger Mann meldete sich bei mir mit der Frage, ob er nicht dämonisch belastet sei. Er bat mich mehrfach fast flehentlich: „Nicht wahr, ich bin doch dämonisch belastet!“ Nach der Überprüfung seiner Situation im Gespräch und im Gebet konnte ich seine Vermutung nicht bestätigen. Ich fragte ihn dann, weshalb ihm diese „Diagnose“ so wichtig sei, und bekam eine aufschlussreiche Antwort: „Dann wäre ich für meine Probleme gar nicht zuständig und müsste mich nicht darum kümmern. Ich könnte dann einfach warten, bis ich frei werde.“ Seine Not war, dass er erwachsen und eigenverantwortlich werden sollte; und dagegen sträubte er sich.

Welche Schlussfolgerungen können wir daraus ziehen? Eine Diagnose kann auch beim Klienten zu einem Motivationsverlust führen. Da es in uns immer zwei entgegengesetzte Kräfte gibt – wir wollen Veränderung und wir fürchten uns vor dem unbekannten Neuen und der größeren Verantwortung –, kann eine Diagnose fördern, dass man in der Not verharren will. Es ist wichtig, dass wir den Wunsch eines Klienten nach einer Diagnose ernst nehmen, aber das Gespräch über die dahinterstehenden Motive mit ihm suchen.

Daneben kann der Wunsch nach einer Einordnung des Erlebens aber auch mit der Angst und der Verunsicherung der hilfesuchenden Person zu tun haben: Sie kann ihr Erleben nicht einordnen. Sie hat alles getan, um aus ihrer Not herauszukommen, hat auch ihren Glauben eingesetzt, aber sie schafft es nicht. Dies erlebt die Person als Versagen, sie bekommt Schuldgefühle und macht sich Selbstvorwürfe. In solchen Situationen ist es ein Akt der Barmherzigkeit, dem Klienten zu erklären, was er erlebt. Auch hier wieder ein Beispiel: Jemandem, der eine depressive Episode durchlebt, zu sagen, dass diese Erfahrung wie jeder Tunnel ein Ende haben wird und dass es „normal“ ist, dass man im Tunnel den Himmel nicht sieht (d. h., nicht mehr glauben kann), schafft echte Entlastung und neue Hoffnung. Dabei habe ich jeweils versucht, auf ein plakatives Etikett zu verzichten.43 Dies ist besonders auch dann wichtig, wenn der Einsatz von Medikamenten angezeigt ist. Falls der Klient eine Diagnose mitbringt (z. B. durch den Hausarzt), gilt es im Gespräch zu klären, wie diese sich für den Klienten auswirkt, und auch darüber zu wachen, dass sich keine unerwünschten Auswirkungen der Diagnosestellung einstellen.

Impuls zur Vertiefung:

Bin ich im Ordnungsschema auf Nöte gestoßen, die ich einmal angehen sollte?

2.5. Gottes Angebote

Auf Gottes Angebote habe ich bereits immer wieder hingewiesen. Nun soll das bisher Gesagte in einem Überblick geklärt werden (vgl. Übersicht 9). Unter „Gottes Angeboten“ fasse ich alles zusammen: Gottes direktes Wirken an uns und unseren Beitrag, der immer auch von Gott angestoßen wird. Zwischen beiden besteht eine gegenseitig sich fördernde Wechselwirkung. Beim menschlichen Teil sollen die Zusammenhänge aufgezeigt werden zwischen dem Annehmen von Gottes Angeboten44, den Wegen, die uns im Glauben offen stehen45, und dem Lernprozess des Umsetzens im Alltag. Aufgrund dieser Klärung sollte es dann möglich sein zu erkennen, welches Gottes Angebote für die im Ordnungsschema der menschlichen Nöte erwähnten Beispiele sein könnten.


Übersicht 9

Weil Gott den Menschen nach seinem Bilde als freies, liebesfähiges Gegenüber schaffen wollte, ging er auch das Risiko des Ungehorsams ein. Im Sündenfall missbrauchte der Mensch seine Freiheit und erlag der Versuchung, sein zu wollen wie Gott. So zerbrachen alle Beziehungen, Mühsal, Not und Tod kamen in sein Leben und er geriet in die Sklaverei des Bösen. Gott gibt seine Ziele aber nicht auf. So sandte er seinen Sohn, der den Menschen durch seinen stellvertretenden Tod aus dem Verhaftetsein in der Sünde loskaufte, ihm die Freiheit wieder schenkte und ihn liebesfähig machte. Gott entschloss sich zu einer radikalen Lösung: Mit Jesus sollte eine neue Menschheit beginnen.

2.5.1. Gottes Teil – unser Beitrag

Die Erlösung und die Neuschöpfung sind Angebote und jeder Mensch muss sie für sich persönlich in Anspruch nehmen.46 Wer Jesus Christus als Herrn in sein Leben aufnimmt, bekommt das Anrecht, „Kind Gottes zu werden“47. Nach der Grundentscheidung der Bekehrung kann also ein Prozess beginnen, durch den der Mensch in die einmalige, individuelle Neuschöpfung hineinwächst, die für ihn geschaffen worden ist. Dies umschreibt die Bibel als „Heiligung“. Einerseits sollen wir uns nach dieser Heiligung ausstrecken, andererseits ist sie das Wirken des Heiligen Geistes an uns.48 Das Zusammenspiel zwischen göttlichem Handeln und menschlichem Beitrag ist letztlich ein Geheimnis, das wir nicht ganz durchdringen können. Mir hat der Vergleich mit einem Pingpong-Spiel geholfen: Gott ist der Meisterspieler, der uns Anfänger zum Spiel einlädt. Der Aufschlag kommt von ihm, schön hoch und in die Mitte unserer Spielhälfte, damit wir den Ball ganz sicher abnehmen können. Wenn wir den Ball zurückgeben, geht das Spiel weiter; wenn wir dies nicht tun, unterbrechen wir das Spiel. Gott bricht das Spiel seinerseits nie ab. Seine Anschläge sind das Gute, das er uns anbietet. Sein Angebot anzunehmen bedeutet, den Ball zurückzuspielen.

Bevor wir uns dem menschlichen Beitrag zuwenden, wollen wir den überwältigend großen Teil Gottes etwas ansehen. Sein direktes Handeln an uns beginnt mit der Bekehrung. Dort sind wir freiwillig in Jesu Erlösungswerk eingetreten und haben ihn eingeladen, mit seiner Kraft in uns wirksam zu werden. Für sein Handeln an uns durch den Heiligen Geist stehen ihm nun zwei Wege offen:

1)Gott verändert uns ohne unser Dazutun, sei es unmerklich, wie bei einer langfristigen Klimaveränderung, sei es schlagartig49, wie es bei der Auferstehung geschehen wird. Gottes „normaler“ Weg ist eher der wachstümliche; dieser führt zu dauerhafteren Ergebnissen.50 Sein Handeln geschieht „unter dem Strich“ unserer Bewusstheit; Gott arbeitet in uns, von unserem Mitwirken ganz unbehelligt, wie ein Chirurg während der Narkose des Patienten. In meiner seelsorgerlichen Erfahrung habe ich immer wieder erlebt, wie viel Gott in den Nächten an Menschen tut. Hier ein Beispiel aus meiner Praxis (Beispiel 13):

Die Frau hatte sich bei mir gemeldet, weil sie über den Verlust eines Kindes durch den plötzlichen Kindstod nicht hinwegkam. Sie war damit einverstanden, dass ich sie auf meine Warteliste setzte. Als wir nach fast einem Jahr mit der Arbeit beginnen konnten, kamen sogleich traumatische Erfahrungen aus der Kindheit auf den Tisch. Deren Aufarbeitung nahm uns ganz in Beschlag; vom eigentlichen Grund ihrer Anmeldung war nicht mehr die Rede.

Mitten in der Bearbeitung dieser schweren Erlebnisse sagte sie zu Beginn eines Gespräches: „Ich weiß nicht, was mit mir geschieht: Jede Nacht weint es in mir. Am Morgen bin ich aber nicht traurig und die Tage gehen ihren gewohnten Weg. Was ist das?“ „Ich weiß es nicht. Lassen Sie es einfach weinen; das scheint gut zu sein für Sie. Aber etwas können Sie tun: Jeden Abend stellen Sie das, was in der Nacht in Ihnen geschieht, unter Gottes Schutz und Herrschaft.“

Als sie nach drei Wochen wieder kam, berichtete sie: „Es weint nicht mehr; nach 14 Tagen hat es aufgehört.“ Wir verstanden damals noch nicht, was geschehen war. Einige Wochen später kam sie auf den ursprünglichen Grund ihres Kommens zurück: „Die Verarbeitung dieses Verlustes ist nicht mehr nötig. Nur etwas möchte ich noch tun: Meinem Mann eine lieblose Äußerung am Totenbett unseres Kindes vergeben.“ Das tat sie dann auch. Im Austausch verstanden wir, dass Gott sie den Trauerprozess unter seiner Obhut in den Nächten, also „unter dem Strich“, hatte durchleben lassen.

Er kann aber auch andere „Gnadenmittel“ für sein Wirken unter dem Strich einsetzen: die Kraft seines Wortes oder das Abendmahl.

2)Gott will uns in den Veränderungsprozess einbeziehen, indem er uns zum Pingpong-Spiel einlädt. Das göttliche Anspiel besteht in einem Anstoß, den wir beim Lesen von Gottes Wort, im Gebet51, durch das direkte Reden des Heiligen Geistes52, durch einen von Gott eingegebenen Gedanken53, einen Traum54, durch eine Predigt, ein Erlebnis, ein Naturschauspiel, das für uns zum Gleichnis wird, usw. empfangen. Das Wirken des Geistes ist unvorstellbar kreativ und vielfältig. Und dann hängt es von uns ab, ob wir diesen Anstoß als Gottes Reden ernst nehmen und aktiv werden. Wie dies konkret geschehen kann, möchte ich an einem persönlichen Beispiel aufzeigen (Beispiel 14):

Ich fuhr mit dem Fahrrad zur Christlichen Beratungsstelle. Diese morgendliche Fahrt hinunter zur Aare war für mich eine erfrischende Gebets- und Vorbereitungszeit im Zwiegespräch mit meinem Herrn. An diesem Morgen wurde ich unvermittelt an eine kürzlich erlebte Situation erinnert. Dazu kam das Wort: „Wenn du so reagierst, Manfred, dann ist das Stolz.“ „Stolz?“ „Ja, Stolz!“ Zuerst wehrte ich mich gegen dieses Urteil; aber dann begann ein innerer Weg des Verstehens; ich musste Jesus recht geben, es stimmte. Und jetzt? Ich wollte es gleich anpacken. Nun begann auf dem Fahrrad ein innerer Weg der Seelsorge an der eigenen Seele, auf dem ich Schritt um Schritt weitergeführt wurde: Ich bekannte Jesus diese Reaktionsweise als Schuld und bat ihn über all den Situationen, in denen ich mich so verhalten hatte, um Vergebung. Ich legte die dahinterstehende Haltung der Überheblichkeit im Namen Jesu ab und bekleidete mich mit der zu meiner Stellung als Sohn gehörenden Haltung der Demut. Ich bat, der Heilige Geist möge mich im Alltag an diesen Schritt erinnern, damit ich ihn treu umsetzen konnte. In den 20 Minuten Fahrzeit war der innere Weg abgeschlossen.

Wenn wir Gottes Anstoß aufnehmen und unsere Seele einen Weg führen, spielen wir den Ball zurück. Das Pingpong-Gleichnis weist darauf hin, dass Gott uns normalerweise nur den ersten Schritt zeigt und uns kein Gesamt-Programm bekannt gibt; nach dem Ausführen des ersten, wird er uns dann den zweiten zeigen. Das Spiel ist dann zu Ende wenn Gottes Ziel, z. B. die Integration der nächsten Portion an Neuschöpfung in unserem Leben, erreicht ist.

Den Zusammenhang zwischen Gottes Grundangebot (Neuschöpfung) und den einzelnen Angeboten (z. B. Vergebung empfangen, ablegen und anziehen usw.) können wir so verstehen: Jedes Einzel-Angebot, das wir mit einem Schritt im Gebet konkret annehmen, bildet einen Baustein für den Aufbau der Neuschöpfung. Gottes schrittweises Leiten hat zum Ziel, dass unsere Seele mitkommen und in seinen Frieden finden kann.55 Zu unserem Beitrag im Zusammenwirken mit Gott gehört auch die Bereitschaft zu lernen. Der Lernweg besteht darin, dass wir nach dem im Gebet vollzogenen Schritt die mit dem alten Verhalten verbundenen Gewohnheiten hartnäckig abbauen, damit sich die neuen aufbauen können.56

2.5.2. Heiligung

Die schrittweise Veränderung, die im Neuen Testament als Heiligung umschrieben wird, ist ein wachstümlicher Prozess; er verläuft aber nicht so gradlinig, wie wir uns dies wünschen. Die Veränderung unserer Person geschieht so, wie der Frühling kommt: Da gibt es milde Tage, wo alles sprießt, und dann kommen die Eisheiligen, wo einiges erfriert; aber der Frühling kommt! Dass Gott sein Ziel mit uns erreicht, dafür übernimmt Jesus Christus die Verantwortung.57

Den Veränderungsprozess der Heiligung, durch den wir immer mehr zu dem werden, wozu Gott uns eigentlich bestimmt hat, vergleiche ich mit dem schrittweisen Umzug vom alten Haus (der gefallene Mensch) ins neue Haus (die individuelle Neuschöpfung). Eine Skizze kann hier etwas Klarheit schaffen:

Abbildung 3: Heiligung


Heiligung ist der Lernweg vom alten ins neue Haus. In der Heiligung zu wachsen bedeutet, dass wir in immer mehr Bereichen unseres Lebens für immer längere Zeit ohne Rückfälle im neuen Hause zu leben vermögen. In der Realität unseres Lebens spielt sich dieser Veränderungsprozess so ab, dass wir in gewissen Bereichen bereits für längere Zeit im Neuen leben können, bis wir, z. B. unter Druck, wieder in die alten Gewohnheiten zurückfallen. Die Bereinigung dieses Rückfalles ermöglicht uns dann die Rückkehr ins Neue. In anderen Bereichen unseres Lebens dagegen haben wir vielleicht noch nie einen Entschluss fürs Neue gefasst, leben also noch ganz im Alten oder haben nur erste Vorschuss-Erfahrungen mit dem Neuen gemacht. Gleichzeitig kann es aber auch Bereiche geben, wo wir schon fest im Neuen verankert sind.

Nun braucht der kleine Haken im alten Haus noch eine Erklärung: Bildlich gesprochen tragen wir alle Hosenträger, die dort angehängt sind – es gibt also eine Kraft, die uns ins alte Verhalten zurückzieht. Wenn wir beim Umsetzen unserer Entschlüsse die Rückfälle jedes Mal treu bereinigen, nimmt die Zugkraft der Hosenträger mit der Zeit ab. Beim Wunsch, der Versuchung zu widerstehen, das Ziehen der Hosenträger also zu überwinden, kommt uns Gottes Gnade als Gegenkraft zu Hilfe: Jesus ermutigt uns zu widerstehen; er zieht uns aufs Ziel zu; er hilft uns nach einem Rückfall auch wieder auf und lädt uns zur Rückkehr ins neue Haus ein. Ganz gesichert wird das Leben im Neuen auf dieser Erde aber nie sein. Die alten Gewohnheiten bleiben in unserem Verhaltensrepertoire erhalten, die Rückfallmöglichkeit bleibt bestehen. Diese Tatsache zeigt, dass die Neuschöpfung auf dieser Erde „Stückwerk“ bleibt.58 Deshalb stellt Paulus fest: „Wir seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.“59 Wir sehnen uns danach, ganz und unverlierbar im Neuen leben zu können. Dies wird aber erst durch die Auferstehung möglich werden, wo wir „in einem Nu, in einem Augenblick … verwandelt werden“60. Dann wird unser „irdisches Zelthaus“ abgebrochen und wir werden endgültig und unverlierbar “in unserer Behausung aus dem Himmel“61 wohnen.

Impulse zur Vertiefung:

Welche Angebote Gottes gelten für die im Ordnungsschema angeführten Nöte? Überlegen Sie sich, welchen Weg man zu deren Annahme einschlagen könnte.

Im vorherigen Kapitel haben Sie sich einige Punkte notiert. Nun können Sie in einem der Punkte Ihre Seele den Weg zum Frieden Gottes führen.

1 Wie bereits angedeutet, sind uns diese oft gar nicht klar bewusst. Sie haben sich durch Modelllernen und vielerlei Einflüsse in uns gebildet; sie sind oft nicht sehr kohärent und wir haben sie meistens nicht bewusst gewählt.

2 Vgl. dazu Übersicht 7.

3 Ein Beispiel: In meiner Doktorarbeit zum lauten Selbstgespräch konnte ich dieselben Funktionen nachweisen, die sich auch aus biblischen Texten ergeben, wo das Selbstgespräch erwähnt wird.

4 Vgl. die Begriffserklärung im Anhang.

5 Vgl. dazu Jes 55,8: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr.“

6 Vgl. dazu im Vorwort.

7 Siehe z. B. 1Mo 1,26–28; Ps 139,13–16; Eph 1,4–5.

8 Eph 1,12; Phil 3,11–14; Titus 3,7.

9 Vgl. dazu die Begriffserklärung im Anhang.

10 1Mo 2,16–17; 4,6–7; 2Mo 34,6–7; Kol 2,13–14.

11 Vgl. dazu Beispiel 1 in Abschnitt 1.3.1.

12 Jer 17,9 (LU); Ps 51,12; Hes 11,19–20; Mt 22,37–38.

13 Die Bedeutung des Modelllernens in der Bibel: Mt 11,29; Eph 5,1; 1Kor 11,1.

14 Eph 2,10; 3,20–21; Röm 6,4; 2Tim 1,7.

15 Vgl. dazu in Makarios die Kapitel „Gott lieben“ (S. 23), „… und deinen Nächsten wie dich selbst“ (S. 33) und „Konzepte für unsere Beziehungen“ (S. 41); ebenso: Röm 13,8.10; 1Kor 13.

16 Vgl. Mt 22,37–40 und Abb. 2.

17 Siehe 1Mo 1,31

18 Vgl. dazu Röm 2,15 und 7,18–19

19 1Mo 2,15–17; 3,1–4,16

20 Röm 5,12; 1. Joh 3,8

21 Röm 8,19–22

22 Joh 8,34–36

23 Röm 7,24 (LU)

24 Röm 5,19; 1. Joh 1,8

25 In 2Mo 34,7 wird auf Gottes Gnade hingewiesen, durch die der Segen auf 1000 Generationen, das Ungute aber nur auf 3–4 Generationen Auswirkungen hat.

26 Vgl. den Abschnitt 1.3.3.

27 Vgl. Röm 8,15–16; Eph 1,11–12; 1Petr 3,9.

28 Vgl. Beispiel 31 in Abschnitt 5.3.4.

29 Vgl. dazu Röm 2,1 und Jesu Warnung in Mt 7,3.

30 Dies gesteht Jesus am Kreuz sogar seinen Mördern zu: „Sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34).

31 Vgl. Hebr 5,8.

32 Einige Beispiele: Lk 2,42-51; 4,28–30; Joh 2,3–4; Mk 3,31–32.

33 ICD-10 Kapitel V (F) / Klinisch-diagnostische Leitlinien, 2. Auflage; Bern 1993.

34 Z. B. bei psychosomatischen Störungen; vgl. Übersicht 30 im Anhang.

35 So kann z. B. mangelnde Liebesfähigkeit durch fehlende Modelle sowie durch eigene Liebesdefizite und verletzende Erfahrungen in der Kindheit bestimmt sein.

36 Vgl. Übersicht 30 im Anhang.

37 Vgl. Beispiel 39 in Kapitel 5.4.

38 1Petr 1,18.

39 Vgl. dazu Beispiel 31 in Abschnitt 5.3.4.

40 Vgl. dazu Abschnitt Geistsorge in Kapitel 5.3.8.

41 Einige Beispiele: Jes 57,18–19; Hos 14,5; Mk 10,17–22; Offb 2,2-5.

42 Die in Übersicht 30 im Anhang aufgeführten Symptome psychischer Störungen dienen nicht der Diagnosestellung; sie sollen dem Helfer erlauben, gewisse Phänomene richtig einzuordnen.

43 Ein weiter Grund, weshalb ich Diagnose-Etiketten zu vermeiden suche: Die Möglichkeit, mittels der Diagnose im Internet alles über seine „Krankheit“ zu erfahren, führt bei vielen Klienten zu Angst und Hoffnungslosigkeit. Sie sind durch die dort vermittelten Informationen überfordert und verunsichert.

44 Siehe Übersicht 3 in 1.3.1.

45 Siehe Übersicht 5 in 1.4.

46 Die Freiheit, die Gott uns lässt, ist Ausdruck unserer Gottesebenbildlichkeit. Vgl. Röm 8,21; 2Kor 3,17; Jak 1,25; 2,12

47 Joh 1,12.

48 Vgl. den Hinweis in 1Kor 6,11: „…ihr seid geheiligt worden … durch den Geist unseres Gottes.“

49 Vgl. z. B. Saul in 1Sam 10,6.9.

50 Vgl. das französische Sprichwort: „Le temps ne respecte pas ce qui a été fait sans lui.“

51 Vgl. z. B. Apg 10,9ff.

52 Siehe wieder Apg 11,12.

53 Auch wieder Apg 11,16 (vgl. dazu 10,46–48).

54 Vgl. z.B. Apg 16,9.

55 Gott allein kennt „den Weg des Friedens“ (Jes 59,8); siehe auch Lk 1,79.

56 Mehr dazu in Abschnitt 3.3.1., „Die Etappen der Veränderung“.

57 Vgl. Kol 1,21–22; Hebr 12,1–2a.

58 Auf diese Stückwerkhaftigkeit weist Paulus in 1Kor 13,9–10 (LU) hin.

59 Röm 8,23 (LU).

60 1Kor 15,52.

61 Aus 2Kor 5,1–2, wo Paulus von der leiblichen Auferstehung spricht.

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