Читать книгу: «Secret Places Mallorca»

INHALTSVERZEICHNIS
Unerwartete Entdeckungen
PALMA UND DER WESTEN
1Palma – Vor dem Frühstück
2Sant Francesc – Die Ruhe neben dem Sturm
3Palma – Ohne Massen
4Porto Pi – Überraschendes am Rand
5La Porciúncula – Buntes Leuchten
6Rafaubetx und Portals Vells – Überraschungen im Ponent
7Puig de sa Morisca – Bronzezeit im Wohngebiet
8Illa de sa Dragonera – Das Tierparadies
9Sa Mola de s’Esclop – Ein Holzschuh aus Stein
10Finca Galatzó – Genusswandern
11Banyalbufar und Estellencs – Romantik und Natur pur
12Valldemossa – Wenn es Winter wird
13Talaia Vella – Naturschutz über Valldemossa
14Ermita de la Trinitat – Kontemplative Wege
15Miramar – Himmlische Aussicht
16Punta de sa Foradada – Ludwigs Paradies
17Deià – Dichtung und Meer
DER NORDEN
18Cova de Muleta und Punta de Sóller – Wilde Klippen
19Coll de Sóller – Kurvengenuss
20Fornalutx – Fast zu schön, um wahr zu sein
21Von Cúber nach Lluc – Der Schneesammlerweg
22Penyal des Migdia – Das Dach der Insel
23Torrent de Pareis – Mallorcas Grand Canyon
24Tossals Verds – Mallorcas »Lake District«
25Mortitx – Hochebene mit Geiern und Wein
26Pollença – Zeitreise im Bild
27Cala Sant Vicenç – Blick zur Königsburg
28Halbinsel Formentor – Mallorcas Nordkap
29Die Serra del Cavall Bernat – Wilde Gipfel
30Sa Bassa Blanca – Versteckt und einzigartig
31Alcúdia – Sichtbare Geschichte
32S’Albufera – Im Schilf
33Aigua Dolça und Son Real – Stätten der Toten
DER OSTEN
34Betlem und Bec de Ferrutx – Wallfahrt oder Wanderung?
35Llevant – Durch den Naturpark
36Sa Font Celada – Die »verlorenen Strände« bei Artà
37Artà – Die alte Handwerkerstadt
38Capdepera – Cala Rajada
DER SÜDEN
39Cala Varques – An der Ostküste
40Santanyí – Paradies der Strände
41Cala Figuera – Feigenbucht mit Flair
42Cap de ses Salines – Strandträume am Südpol
43Cabrera – Die Mutter aller Inseln
44Cala Pi, Cap Blanc – Uralte Fjordlandschaft
DIE INSELMITTE
45Raixa – Die Villa des Kardinals
46Orient – Durch Wald und Wasser
47Castell d’Alaró – Wanderung mit spektakulärer Aussicht
48Binissalem – Santa Maria del Camí – Weine
49Coves de Campanet und Fonts Ufanes – Naturwunder
50Muro – Ländliches Erbe
51Sineu – Die alte Königsstadt
52Petra – Ländliche Ruhe
53Santuari Monti-Sion – Heilige Grammatik
54Son Fornés – Die Talayot-Siedlung
55Felanitx – Unter den Mühlen
56Puig de Randa, Puig de ses Bruixes – Kontrastprogramm
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Autoren
Impressum/Text- und Bildnachweis
Die Playa de Formenter ist perfekt für ein morgendliches Bad.
In der Altstadt von Pollenca; eine klassische Paella mit Meeresfrüchten; Wanderparadies: Die Serra Tramuntana; Aus Mallorca kommen einige sehr gute Weine. Auch zu Pferd lässt sich die Insel erkunden. (unten v.l.n.r.)

UNERWARTETE ENTDECKUNGEN
WO MALLORCA NOCH ECHT IST
Mallorca? Kennt doch jeder! Aber das ist ein Irrtum. Denn auf ganz unbekannten Wegen lässt sich auf der Insel noch immer viel Neues entdecken. Bei Wanderungen zu einsamen Stränden im Naturpark Llevant, beim Übernachten auf der geheimnisvollen Ziegeninsel oder beim Besuch einer frühzeitlichen Siedlung, wo man über den Lauf der Zeit nachdenken kann – selbst wenn sie zwischen Golfplatz und Villensiedlung liegt. Es gibt viele Möglichkeiten, den Zauber Mallorcas wiederzuentdecken.
Auf Instagram posten viele Reisende Fotos von Orten und Landschaften, die in uns die Sehnsucht wecken, sofort dorthin zu fahren. Wir möchten auch vor diesem südlichen Bergpanorama stehen, zu dessen Füßen ein türkisblauer See liegt. Wir möchten auf dem Strand der einsamen Bucht sitzen und nichts hören als das leise Rauschen der Wellen. Wir möchten den Weg in das alte Dorf mit den Häusern aus Naturstein gehen, den wir auf dem Bild sehen. Und wenn möglich soll das alte Kloster dort noch von einigen Mönchen oder Nonnen bewohnt und kein Luxushotel sein. Die Dorfkneipe ist auch bitte kein exquisites Tapaslokal im trendigen Bistrostil, sondern ein Treffpunkt für die Dorfbewohner und wenigen Touristen, die hierherkommen. Und um das Bild perfekt zu machen: Das Souvenirangebot beschränkt sich auf einen Postkartenständer, der vor dem Tabak- und Zeitschriftenkiosk steht und quietscht, sobald man ihn dreht.
Große Sehnsucht
Oft heißt es, bei solchen Fotos – egal ob spontan aufgenommen oder aufwendig nachbehandelt – ginge es nur um Selbstinszenierung: ich beim Essen in einem urigen Lokal; ich am letzten einsamen Strand auf Mallorca; ich auf dem Gipfel des Galatzó … Mag sein, dass das eine Rolle spielt. Was die Bilder aber genauso zeigen: Der Wunsch, versteckte Orte zu entdecken, ist auch in Zeiten von Allinclusive-Urlauben und Motto-Kreuzfahrten ungebrochen. Ja, vielleicht ist die Sehnsucht nach einem kleinen Stück Wildnis, nach einem authentischen Ort und echten Moment noch stärker geworden, seit wir dank Google Maps niemanden mehr nach dem Weg fragen müssen und selbst die kleine Strandbar, die man für sich entdeckt hat, auf Tripadvisor schon längst als place to be gefeiert wird.
»Secret Places«, wo man sie nicht erwartet
An dieser Stelle fragt man sich vielleicht: Gibt es auf Mallorca überhaupt noch Überraschungen zu erleben? Schließlich ist es sozusagen der Vollprofi unter den Reisedestinationen. Ob Feinschmecker, Golfer, Radsportler oder Motorradfahrer, Pilger oder Hobby-Ornithologe – jeder findet hier, was er sucht. Auf einer Insel, die von rund 900 000 Menschen bewohnt, aber pro Jahr von fast 14 Millionen Urlaubern besucht wird, wie lässt sich da noch etwas entdecken? Die Autoren dieses Bildbandes sind überzeugt, dass es sie noch gibt, diese »Secret Places«. Man findet sie an den Küsten ebenso wie in Palma und im Inselinneren.
Manchmal sind sie dort, wo man sie am wenigsten erwartet hätte: wenige hundert Meter vom sogenannten »Ballermann« entfernt in einer Kirche aus Glas und Beton. Oder auf einem Hügel in einer ausufernden Siedlung von Residenten. Man findet sie auf Nebenwegen in der Serra de Tramuntana und sogar an den am meisten besuchten Plätzen der Insel – vorausgesetzt, man kommt zur richtigen Tagesoder Jahreszeit. Ein Spaziergang durch die Altstadt von Palma, bevor die Massen anrücken, stille Museen und Fincas, die zu echten Highlights werden, wenn man sich auf sie einlässt, die ungewöhnliche Stimmung eines Touristen-Hotspots im Winter: Mallorca ist voller geheimer und geheimnisvoller Orte, sobald man sich ein wenig gegen den Strom bewegt.
Wenn dieser Bildband dabei hilft, solche Plätze zu entdecken und die Insel jenseits der Klischees neu zu entdecken, würde uns Autoren das sehr freuen. Genießen Sie wundervolle »Secret Places«! Ach ja: Vielleicht zeigen Sie Ihren neuen Lieblingsplatz besser nur Ihren engen Freunden und nicht der ganzen Welt …
RUND UM MALLORCAS HÖCHSTEN GIPFEL, DEN PUIG MAJOR, IST DIE SERRA DE TRAMUNTANA WILD UND ABENTEUERLICH.
PALMA UND DER WESTEN
Küste, Kunst und coole Locations

TOR ZUR INSEL – DIE BUCHT VON PALMA.
1
PALMA – VOR DEM FRÜHSTÜCK
AM MORGEN DURCH DIE ALTSTADT

Ein Spaziergang durch die ältesten Stadtteile der Hauptstadt in der ersten Morgensonne. Kirchen- und Museumsbesuche kommen darin ebenso wenig vor wie Einkaufs- oder Ausgehtipps. Eigentlich geht es nur darum, dass es manchmal besser ist, früh aufzustehen.
OB AN DER STRANDPROMENADE
Es ist kurz vor acht am Morgen, die Sonne bricht sich durch das Grün des S’Hort del Rei und legt sich auf die Schultern eines Parkpflegers. Der kleine Park unterhalb des mittelalterlichen Königspalasts Almudaina wirkt wie verzaubert. Ist es das Morgenlicht, das gleichmäßige Geräusch, mit dem der Mann den Reisigbesen über einen der Wege zieht, oder das leise Plätschern der Wasserspiele? Dieser Königsgarten hat etwas Verträumtes, Altmodisches und erinnert an die Gärten des Generalife in der Alhambra von Granada. Eigentlich passt er nicht so richtig in das neue Palma, das sich am urbanen Lifestyle internationaler Metropolen orientiert, aber gerade das macht ihn so liebenswert.
Es ist ein Glück, durch eine schöne Stadt zu spazieren und so viel Zeit zum Schauen zu haben, wie man will. Sich nicht gedrängt zu fühlen von den Stationen und Fahrzeiten der beliebten Hop-on-Hop-off-Busse, nicht vom Strom der Touristen, der Stadtbewohner, der Autos, Radfahrer oder was auch immer. Auf all das braucht man keine Rücksicht zu nehmen, wenn man am frühen Morgen durch Palma spaziert und erlebt, wie die Hauptstadt der Balearen langsam erwacht.
Links La Seu, rechts das Meer
Im Spanischen gibt es die Redewendung: »Al quien madruga Dios lo ayuda.« Übersetzt heißt das: »Wer früh aufsteht, dem hilft Gott.« Man könnte es auch freier mit einem deutschen Sprichwort versuchen: »Morgenstund’ hat Gold im Mund.« Klingt sehr altmodisch – für dieses besondere Morgengefühl passt es aber.
Am unteren Ende des Parks kommt man über einige Stufen hinauf zur Esplanade vor der Kathedrale. Noch ein, zwei Stunden, dann ist hier die Hölle los. Doch jetzt kann man sich einfach in die Zeiten fallen lassen: Der große Torbogen, den man von der Treppe aus vor dem Königspalast sieht, ist eines der wenigen Überbleibsel aus der Epoche der arabischen Herrschaft. Durch den Bogen fuhren vor rund 1000 Jahren Schiffe in den ummauerten Hafen der Almudaina. Sie war die Festungsanlage des Herrschers innerhalb der Medina Mayurca. So nannten die Araber die Stadt, als sie von 903 bis 1229 hier das Sagen hatten.
Es ist noch zu früh für Besichtigungen, selbst die Kathedrale öffnet für Besucher erst um 10 Uhr. Auch gut, dann fühlt man sich nicht zu irgendeinem Kulturprogramm gedrängt, sondern kann sich weiter von der Morgensonne auf der alten Stadtmauer Dalt Murada anstrahlen lassen. Links diese großartige Kirche und rechts der Blick über die Bucht von Palma und das Meer – ein magischer Moment.
Die Stadt erwacht
Das finden auch andere. Vor der Kathedrale füllt sich langsam der Passeig Dalt Murada. Im Carrer de Sant Palau und in den Sträßchen im Rücken von La Seu (»Seu« steht für Bischofssitz) ist es zwar noch ruhig, in den Gassen der Viertel La Seu und Monti-Sion aber, den ältesten Teilen der 400 000-Einwohnerstadt, quetschen sich kleine Lastwagen, um Lokale zu beliefern oder die Baustelle eines ehrwürdigen Stadtpalasts mit Material zu versorgen. Zwei Frauen schieben ein grünes, verschlissenes Sofa zu einer Ecke, wo ein Lastwagen zur Entsorgung wartet. Nachbarn und Passanten bleiben stehen, kommentieren das willkommene Morgen-Happening.
Man spaziert an den dunklen Toröffnungen riesiger Stadtpaläste vorbei, die einen Einblick in kühle Patios erlauben, und vorüber an den letzten Überbleibseln der muslimischen Jahrhunderte: den arabischen Bädern, die aber ebenso wie das Museu de Mallorca zu dieser Uhrzeit noch geschlossen haben.
Auch tagsüber ein »Secret Place«
Sich einfach weiter treiben lassen, weiter in Richtung des Calatrava-Viertels mit seinen schönen Plätzen Llorenç Villalonga und Sant Jeroni. Hier ist es auch tagsüber noch relativ ruhig, dies sind gewissermaßen die »Secret Places« der Altstadt. Dass aber auch hier die Zeit nicht stehen bleibt, sieht man am eigenartigen Gebäude am oberen Ende des Carrer del Temple. Das weiße, massiv wirkende Wohnhaus mit der Tordurchfahrt war ursprünglich mal eine Templerburg. Jetzt werden die Torres mit Geldern aus der Tourismussteuer saniert.
IM GARTEN DES BISCHOFS, DER VERSTECKT IM ÄLTESTEN TEIL PALMAS LIEGT: AM MORGEN WIRKT DIE INSEL-METROPOLE WIE VERZAUBERT.
IMMER WIEDER SCHIEBT SICH DIE KATHEDRALE IN DAS MORGENLICHT.
Modern wie vor einhundert Jahren
Die Straße des Ramon Llull führt am Archiv der Könige von Mallorca vorbei zu einem kleinen Platz, der von der Basilika Sant Francesc beherrscht wird. Die Kirche, in der der Philosoph und Mystiker Ramon Llull beigesetzt ist, hat einen wunderschönen Kreuzgang und verdient ein eigenes Kapitel (siehe S. 16).
Mittlerweile ist Palma erwacht, die wenigen Geschäfte im ältesten Teil der Altstadt haben geöffnet. Aus den neuen Luxushotels, die in die alten Paläste eingezogen sind, kommen Gäste, bereit zur Shopping- oder Sightseeing-Tour. Der Zauber des Morgens geht langsam dahin, nur hier und da hält sich noch etwas von diesem besonderen Gefühl. So zum Beispiel in der Buchhandlung Literanta im Carrer del Call. Innen läuft klassische Musik. Im hauseigenen Café sind drei Tische besetzt. Dort sitzen zwei Männer und eine Frau und halten das geschriebene Wort in Ehren. Sie lesen, einfach nur, weil es schön ist zu lesen – zumindest sieht es so aus. Das Kontrastprogramm wartet auf der Plaça Santa Eulàlia und erst recht ein Stück weiter oben, beim Rathaus, wo mittlerweile ein kompakter Strom von Urlaubern vorbeifließt. Bevor man selbst wieder ein Teil der Massen wird – wie wäre es mit einem mallorquinischen Frühstück mit Milchkaffee und Ensaimada, zum Beispiel im Café Moderno an der Plaça Santa Eulàlia? Modern heißt hier: modern wie vor hundert Jahren. Das Café gibt es schon seit 1914, und die Gegenwart ist auch hier ein wenig entrückt.
ZEITREISE IM MUSEU DIOCESÀ
Das Diözesanmuseum ist ein versteckter Schatz. Das fängt schon mit der Lage an: Im Rücken der Kathedrale La Seu steht der alte Bischofspalast direkt an der großen Esplanade. Im Inneren öffnen sich neben alten Gemälden und Objekten Ausblicke auf das Meer, das seit ewigen Zeiten unverändert aussieht. Hier ist es, als machte man eine Zeitreise und wäre selbst – ebenso wie das Meer da draußen – in jener Zeit, in der auch das Kunstwerk entstand, das man gerade anschaut. Zum Beispiel im 15. Jahrhundert, als Pere Nissart ein Tafelbild des heiligen Georg malte, vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Stadt Palma. Das Museum zeigt auch die Arbeit von Antoni Gaudí an der Kathedrale. Es ist ein Originalmodell von La Seu zu sehen, das Gaudí genutzt hat und das veranschaulicht, wie der Architekt bei der Gestaltung vorgegangen ist. Ein zweiter Themenbereich des schönen Museums stellt die Reisen und das Leben von Ramon Llull vor.
WEITERE INFORMATIONEN
Museu Diocesà, C/del Mirador 5, Tel. 0034 971 71 31 33, Juni–Sept. Mo–Fr 10–18.15, April, Mai, Okt. bis 17.15, Nov.–März bis 15.15, Sa ganzjährig bis 14.15 Uhr, www.catedraldemallorca.org
Literanta, C/del Call 4, Tel. 0034971 42 53 35, www.literanta.com
Informationen zu Palma auf den Tourismusseiten Passion for Palma, www.visitpalma.com; auch als App

DIE MALERISCHEN ALTSTADTGASSEN ERLEBT MAN ZUR FRÜHEN STUNDE OHNE BESUCHERMASSEN.
2
SANT FRANCESC – DIE RUHE NEBEN DEM STURM
EIN KREUZGANG ZUM ABSCHALTEN UND EINE KIRCHE FÜR PHILOSOPHEN

Was tun, wenn die schönste und prächtigste Kirche der Insel, die Kathedrale La Seu, chronisch überfüllt ist? Ganz einfach, man besucht die zweitschönste. Die Basilika Sant Francesc liegt etwas versteckt im ältesten Teil der Altstadt. Mit ihrem wunderbaren gotischen Kreuzgang kann selbst die Kathedrale nicht mithalten.
Wenn die Schüler des Col.legi Sant Francesc de Ramon Llull Pause haben oder Sportunterricht, wird ihr Rufen und Schreien weit in die Gassen der Altstadt getragen. Es ist auch im gotischen Kreuzgang des Klosters zu hören, was nicht weiter verwundert: Die Schule liegt direkt nebenan. Ist es der Hall, der den Stimmen ihre Schärfe nimmt, oder die kontemplative Stimmung des Kreuzgangs? Was auch immer, jedenfalls stört der Lärm nicht. Im Gegenteil, er ist sogar schön, weil er dem alten Gemäuer Leben, Alltag und Normalität gibt. Vermutlich hätte das auch dem seligen Ramon Llull (1232–1316) gefallen, der in der Basilika des heiligen Franziskus seine letzte Ruhe gefunden hat. Nach der Kathedrale La Seu ist Sant Francesc das größte Gotteshaus der Insel. Und so subjektiv diese Einschätzung auch sein mag: Nach La Seu ist Sant Francesc auch die schönste Kirche der Insel. Der wunderbare Kreuzgang trägt seinen Teil dazu bei. Voll oder gar überfüllt, wie man es von anderen Highlights Mallorcas kennt, ist es hier selten. Die kontemplative Stimmung erfasst einen, kaum hat man die Anlage betreten.
Auf über einhundert Säulen spannen sich die Bögen, die einen leicht trapezförmigen Innenhof mit einem Brunnen, einer Zypresse und einer hohen Palme umschließen. Der älteste Teil des Kreuzgangs wurde im 13. Jahrhundert errichtet, der jüngste rund 200 Jahre später. Wer sein kunsthistorisches Wissen prüfen möchte, kann versuchen, die einzelnen Bauabschnitte zu unterscheiden. Kleiner Tipp: Der älteste Teil befindet sich beim Eingang.
Die letzte Ruhe des Ramon Llull
An eine der seitlichen Galerien schließt die Kirche an. Vom Kreuzgang aus kann man das Gotteshaus betreten, dessen Grundstein 1281 vom damaligen König Jakob II. (Jaume II) gelegt wurde. Zwei Jahre zuvor hatten die Franziskaner, die vermutlich mit den christlichen Eroberern 1229 nach Mallorca kamen, das Grundstück bekommen und ihre neue Klosteranlage geplant.
Vom Rummel, der in der Kathedrale herrscht, ist die große und dennoch intim wirkende Kirche bislang verschont geblieben. Die schlichte, elegante Architektur, die spirituelle Stimmung des Ortes können ihre Wirkung entfalten, ohne dass diese durch Besucher gestört würde, die sich beim Betrachten der Kirche mit ihrem Smartphone filmen oder fotografieren müssen. Auf den ersten Blick wirkt der große, goldfunkelnde Hauptaltar aus dem 18. Jahrhundert wie die Hauptattraktion der Kirche, doch das täuscht. Das Wichtigste ist eine kleine Kapelle, die links davon im Chorumgang zu finden ist. Dort ruht der Philosoph, Mystiker und Begründer der katalanischen Literatur Ramon Llull – oder, in der latinisierten Form, Raimundus Lullus. Auf Mallorca begegnet man seinem Andenken immer wieder – unter anderem im ehemaligen Kloster Miramar (siehe S. 54) und beim Klosterberg Puig de Randa (siehe S. 160). Llull wird und wurde auf der Insel fast wie ein Heiliger verehrt, auch weil sein Grab während eines Feuers in der Sant-Francesc-Kirche unbeschadet blieb. Den Heiligen Stuhl in Rom beeindruckte dies nicht, ihm war der Denker aus Mallorca lange suspekt. Mehrere Jahrhunderte hindurch galt er als Ketzer, erst 1847 wurde er als Märtyrer rehabilitiert und seliggesprochen.
DER GOTISCHE KREUZGANG VON SANT FRANCESC IST EINE OASE DER RUHE MITTEN IN PALMA. VOR DER KIRCHE WACHT DER MISSIONAR JUNÍPERO SERRA, DER ALS BEGRÜNDER VON SAN FRANCISCO UND ANDERER STÄDTE GILT.
DER BASAR DER BÜCHER
Wer bei einem Basar an das Stimmengewirr eines belebten Markts denkt, liegt beim Bazar del Libro falsch. Die Besucher des Antiquariats verstummen meist, wenn sie diesen besonderen Raum betreten, und es ist fast, als ob dieses Schweigen andächtig wäre. Vielleicht ist es eine Ehrfurcht vor der Zeit und der Geschichte, vor den gelebten und erdachten Leben, die in den rund 10 000 Büchern aufbewahrt sind. Es ist jedenfalls ein großes Glück, vor den Regalen auf Entdeckungstour zu gehen, in einem der Sessel Platz zu nehmen oder an einem der Tische und sich aus Raum und Zeit tragen zu lassen. Seit mehr als 40 Jahren gibt es schon den Bazar, der auch eine Art Bar ist. Dass die meisten Bücher auf Spanisch oder Katalanisch sind, ist nicht weiter schlimm. Alte Landkarten, Fotografien und Objekte transportieren die Zeit genauso gut.
WEITERE INFORMATIONEN
Convent Sant Francesc, Plaça de Sant Francesc 7, Tel. 0034 971 71 26 95, März–Okt. Mo–Sa 10–16, Nov.–Feb. 9.30–17.30 Uhr, www.spiritualmallorca.com
Bazar del Libro, C/Sant Crist 2, Tel. 0034 971 71 11 55

3
PALMA – OHNE MASSEN
WO DIE ALTSTADT NOCH EIN ORT ZUM LEBEN UND STAUNEN IST

Rund um die Plaça Major tobt der Bär. Warum also nicht einfach die Touristenautobahn verlassen und die Altstadt auf Nebenrouten erkunden? Zu sehen gibt es einiges, wie alte Paläste und neue Kunst, Köstlichkeiten aus aller Welt und wiederentdeckte mallorquinische Spezialitäten, eines der letzten Nonnenklöster und den wahrscheinlich größten Gummibaum der Stadt.
Es ist wie in Venedig oder Rom, wie in Barcelona oder anderswo: Wenn viele Menschen aus vielen Ländern eine Stadt in kurzer Zeit kennenlernen möchten, zieht es sie erst einmal zu den Hauptsehenswürdigkeiten. Daran ist nichts falsch, wenn man schon mal hier ist, warum also nicht zur Kathedrale, zur Plaça Major und auf den Passeig del Born? Nein, falsch ist daran nichts, nur leider machen das so viele, dass das Vergnügen auf der Strecke bleibt.
Die gute Nachricht ist: Es gibt auch viele andere sehenswerte Ecken in Palmas großer Altstadt. Um ein Gefühl für das Zentrum und das Leben zu bekommen, sind sie sogar viel angenehmer, intensiver und ja, jetzt muss das magische Wort genannt werden, dort ist Palma noch authentisch.
Das geht ganz einfach. Angenommen, man kommt vom Hafen und betritt die Stadt über die Avenida d’Antoni Maura, jene Straße, die unterhalb des Königspalasts und der Kathedrale in die Altstadt führt. Die meisten Besucher gehen jetzt die Treppen hoch in Richtung Kathedrale oder geradeaus zur Promenade El Born. Warum nicht scharf links in die engen Gassen des Viertels Sant Martí abbiegen, zum Beispiel in den Carrer de Sant Feliu? Nette Lokale wie das vegane Bon Lloc und das Wein- und Tapas-Bistro 13 % gibt es da, oder das Café Can Martí, in dem man sich dem Gedanken hingeben kann, die touristische Revolution der Insel hätte nie stattgefunden.
Eine Festung für die Kunst
In den engen Gassen hier gibt es nicht nur Lokale, sondern auch einige Galerien, was nicht weiter verwundert, schließlich liegt an der Südwestspitze des Viertels, hinter den Mauern einer ehemaligen Festungsanlage, das Museum für moderne Kunst Es Baluard. Auch wenn es gut besucht ist, Menschenmassen, die sich auf die Füße treten, sind dort nicht zu erwarten.
WER PALMA LIEBER ABSEITS DER GROSSEN TOURISTENSTRÖME ERKUNDET, FINDET SELBST IN DER ALTSTADT NOCH VIELE AUTHENTISCHE VIERTEL UND GASSEN.
KÜHNE ARCHITEKTUR IN HISTORISCHER FESTUNG – DAS MUSEUM ES BALUARD ZEIGT NICHT NUR MODERNE UND ZEITGENÖSSISCHE KUNST, ES BIETET AUCH SPANNENDE AUSBLICKE ÜBER DIE STADT UND DEN HAFEN.
Das avantgardistische Bauwerk, das sich auf mehreren Rampen in die ehemalige Festungsanlage Baluard de Sant Pere duckt, gibt dem vielfältigen Kunstschaffen der Insel einen angemessenen Ort. Der strahlend weiße Museumsbau ist mit Werken aus der Sammlung Pere A. Serra bestückt. Der Großverleger – zur Grup Serra gehören mehrere Zeitungen und Radiostationen sowie das deutschsprachige Mallorca Magazin – hat im Lauf seines Lebens Werke der klassischen Moderne, von Cézanne, Gauguin, Picasso gesammelt, ebenso wie Miró, Magritte, Giacometti und Künstler der 1980er- und 90er-Jahre wie Sigmar Polke, Anselm Kiefer, Julian Schnabel, Miquel Barceló und viele andere.
Spannend, weil nur an wenigen Orten zu sehen, sind die Landschaftsmalereien mit mallorquinischen, katalanischen und mediterranen Sujets von Santiago Rusiñol, Joaquim Mir, Hermenegildo Anglada-Camarasa oder Manuel H. Mompó. Wenn man gerade nicht in der Stimmung für einen Museumsbesuch ist, lohnt es trotzdem, die Kunstbastion aufzusuchen: Von hier aus bietet sich ein schöner Blick über den Hafen, und die Außenterrasse des Cafés ist ein sehr angenehmer Ort.
Palmas Hipster-Viertel
Von der Festung aus sieht man die breite Avenida Argentina und dahinter das Viertel Santa Catalina. Essen und ausgehen oder in kleinen Boutiquen und Shops nach ausgefallener Mode und mallorquinischen Vintage-Möbeln schauen: In Santa Catalina schlägt das junge urbane Herz von Palma. Profi- wie Hobbyköche versorgen sich in der Markthalle mit ausgesuchten Zutaten. Der Mercat de Santa Catalina ist einerseits eine klassische Markthalle, aber mittlerweile ebenso ein Feinkostmarkt mit Stehlokalen. Überhaupt gibt es im Viertel gastronomisch viel zu entdecken. Zum Beispiel echt kubanische Küche im La Perla de Habana (C/de Caro 5), Sushi in der Markthalle, frisches französisches Backwerk im Café Chantilly (vor der Markthalle) und köstliche Meeresküche im Taller de Mar (C/Cotoner 54).
Heiße Schokolade und göttliches Gebäck
Die Gassen zwischen den alten Palästen und Stadthäusern sind im Viertel zwischen La Rambla und Avenida de Jaume III besonders eng. Vielleicht zögern deshalb viele Besucher, das Labyrinth zu betreten. Nun gut, das ändert sich gerade, was nicht heißt, dass das alte Mallorca damit auf einen Schlag verschwunden wäre. So backen die Nonnen im Kloster Purísima Conceptión im Carrer de les Capuxines und im Kloster Santa Magdalena wie seit Jahrhunderten süße Köstlichkeiten. Zu festen Uhrzeiten können sie an der Pforte erstanden werden.
Wenn man am Kloster Santa Magdalena ist, sieht man gegenüber ein großes, herrschaftliches Gebäude und davor eine kleine, verwunschene Gartenanlage. Ein Baum überragt alle anderen. Es ist ein riesiger Gummibaum, der möglichweise um 1830 gepflanzt wurde, als sich an dieser Stelle ein botanischer Garten befand. Im Gebäudekomplex ist unter anderem das Kulturzentrum La Misericòrdia untergebracht. Es lohnt sich vorbeizuschauen, denn oft werden dort in einer ehemaligen Kapelle interessante Ausstellungen gezeigt, die sich oft mit Themen beschäftigen, die mit dem Leben oder der Geschichte der Insel zu tun haben.
Wer ein Herz für altes Handwerk und Traditionen hat, den wird der kleine Laden am Vorplatz des Komplexes, an der Plaça l’Hospital, freuen. Eröffnet wurde die Cerería La Real vor rund einhundert Jahren. Die handgefertigten Kerzen sind nicht nur bei gläubigen Kirchgängern beliebt. Ebenfalls eine Institution der Stadt ist das Café Ca’n Joan de S’Aigo im Carrer del Baró de Santa Maria del Sepulcre 5. Im 18. Jahrhundert ließ der damalige Inhaber Eis aus den Schneehäusern der Serra de Tramuntana in die Stadt bringen, wo es als Kühlmittel verkauft wurde. Der findige Geschäftsmann mischte das Eiswasser aber auch mit Fruchtsäften und erfand so eine Art Vorläufer des Speiseeises. Heute ist das nostalgische Café ein wunderbarer Ort, um eine heiße Schokolade mit einer süßen Ensaimada oder eine herzhafte Coca de trempó zu genießen. Letzteres ist eine Art Pizza ohne Tomatensugo, belegt mit Paprika, Zwiebeln und anderen Gemüse. Ach so, selbst gemachtes Eis gibt es natürlich auch. Es stammt allerdings nicht mehr aus den Bergen der Serra de Tramuntana.
SCHLEMMEN IN DER MARKTHALLE
Die alte Markthalle San Juan wurde vor einigen Jahren als »gastronomischer Markt« neu eröffnet. In dem Jugendstilgebäude sind Stände mit unterschiedlichen gastronomischen Angeboten untergebracht. Ob Burger, Meeresfrüchte, Mallorquinisches oder Asiatisches – man besorgt sich am Stand seiner Wahl, was man möchte, und isst gemeinsam mit anderen an Stehtischen. Der Gastromarkt liegt mitten im Wohn- und Geschäftsviertel Camp Redó, ganz in der Nähe der aus Valldemossa kommenden Straße. An Wochenenden ist der Gourmetmarkt bis weit in die Nacht geöffnet. Treffpunkt für Nachtschwärmer ist dann die Bar The One, die einen Teil des Gebäudes einnimmt. Montags kann man sich den Weg hierhin sparen, dann ist alles geschlossen.
WEITERE INFORMATIONEN
Es Baluard, Museu d’Art Modern i Contemporani de Palma, Plaça de la Porta de Santa Catalina 10, Tel. 0034 971 90 82 00, Di–So 10–20, So bis 15 Uhr, www.esbaluard.org
Centre Cultural La Misericòrdia, Plaça de l’Hospital 4, Tel. 0034 971 21 95 00, Mo–Fr 10–14 und 17–20, Sa bis 13 Uhr, www.conselldemallorca.net
Mercado Gastronomico San Juan, C/de l’Emperadriu Eugènia 6, Tel. 0034 646 60 67 14, www.mercadosanjuanpalma.es
4
PORTO PI – ÜBERRASCHENDES AM RAND
KUNST, KANONEN UND EIN KÖNIGLICHER GARTEN

In Palmas Stadtteil Porto Pi legen die großen Kreuzfahrtschiffe an. Am südlichen Ende von Palmas Hafenbucht gibt es aber noch viel mehr zu entdecken: ein Militärmuseum mit sprödem Charme, aber toller Aussicht, einen königlichen Garten und ein Kunst-Highlight, das genau genommen schon in einem anderen Stadtteil liegt. Egal, einen Besuch ist es auf jeden Fall wert.
Die angenehmste Art, um nach Porto Pi zu kommen, ist das Fahrrad. Man steigt zum Beispiel in der Innenstadt aufs Rad und radelt dann immer am Hafen entlang nach Westen. Es geht vorbei an traditionellen Fischerbooten, den Llaüts, schicken Jachten, und vielleicht liegen da sogar noch Fischernetze aus, um geflickt zu werden. Manchmal sieht man vor lauter Segelmasten das Meer nicht mehr, und manchmal möchte man gleich anhalten, um die Ankunft in Porto Pi durch einen Kaffee oder ein ausgiebiges Mahl mit Meerblick hinauszuschieben. Jedes Jahr legen in Porto Pi mehr als 500 Kreuzfahrtschiffe an. Wer Orientierungsprobleme hat, muss also nur nach den schwimmenden Hotelhochhäusern mit den wehenden Rauchfahnen Ausschau halten. Das Hafenviertel hat bis vor wenigen Jahren fast kein Tourist aufgesucht, es sei denn, er oder sie kam mit der Fähre aus Barcelona. Heute ist die Promenade renoviert, und schicke Fischlokale locken mit einladenden Terrassen.
Ein 700 Jahre alter Leuchtturm
In früheren Zeiten orientierte man sich nicht an den Kreuzfahrtschiffen, sondern am ältesten Leuchtturm der Insel. Er soll sogar der drittälteste in ganz Europa sein, errichtet im Jahr 1300. Oberhalb des Turms duckt sich die Festung Sant Carles auf der Landzunge. Darin ist ein etwas angestaubtes Militärmuseum untergebracht, obwohl es mit seiner Eröffnung im Jahr 1991 noch gar nicht so alt ist, jedenfalls nicht für ein Museum. Die Festung hat schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel. Sie wurde im 17. Jahrhundert errichtet und ist ein guter Platz, um über den Lauf der Dinge nachzudenken.
PALMA HAT AUCH ABSEITS DES ZENTRUMS EINIGES ZU BIETEN, WIE DAS MUSEUM DER MIRÓ-STIFTUNG MIT EINEM ATELIER, DAS SELBST EIN ARCHITEKTONISCHES KUNSTWERK IST.
Zum Beispiel wann die Insel zum letzten Mal angegriffen wurde, wie die Bucht vor 100, 200 oder 500 Jahren aussah und wohin sich diese Insel entwickeln wird? Den meisten Mallorquinern ist Porto Pi eher wegen des großen gleichnamigen Einkaufszentrums ein Begriff. Andere verbinden damit Bilder royaler Sommerfrische, schließlich erholt sich traditionell die königliche Familie im Marivent-Palast von ihren repräsentativen Aufgaben. Schon nicht mehr ganz in Porto Pi, aber nicht weit entfernt, liegt die sehenswerte Miró-Stiftung. Die Anlage ist nun sicherlich kein »Secret Place« mehr, andererseits ist sie es doch, denn gemessen an dem, was geboten wird, ist der Andrang selbst in der Hochsaison überschaubar.
Graffiti im Landhaus
1956, als Joan Miró überall außer in Spanien als großer Künstler gefeiert wurde, zog er mit seiner Frau Pilar nach Mallorca. Auf dem Grundstück der Finca Son Abrines im höher gelegenen Teil von Cala Major, das es als Urlaubsort so noch gar nicht gab, ließ er sich von seinem Freund, dem Architekten Josep Lluis Sert, ein Atelierhaus bauen – und wer heute dort hineinschaut, glaubt, dass der Meister nur mal kurz zum Mittagessen gegangen ist. Das angrenzende Landhaus Son Boter kaufte der Künstler später hinzu. Ja, auch da sollte man hineinschauen. Der Künstler hat die trutzige Masia als Skulpturenwerkstatt genutzt und an den Wänden einige Graffiti hinterlassen.
DIE GÄRTEN DES MARIVENT-PALASTS
Zu einer königlichen Sommerresidenz gehört unbedingt auch ein Garten, besser gesagt ein Park. So ist es auch im Palast Marivent, den die Königsfamilie im Sommer traditionell bezieht, zumindest für einige Wochen. In der Gartenanlage dürfen seit 2017 alle Urlauber lustwandeln – und natürlich die Mallorquiner, denen die Anlage im Prinzip gehört. Im Areal mit seinen rund 9000 Quadratmetern wird das gepflegte Grün von Bronzeskulpturen des Künstlers Joan Miró aufgelockert, die er in den Jahren zwischen 1969 und 1981 geschaffen hat. Der 1925 erbaute Marivent-Palast, der in früheren Zeiten als Museum und Hotel genutzt wurde, ist leider nicht zugänglich.
WEITERE INFORMATIONEN
Fundació Pilar i Joan Miró, C/Joan de Saridakis 29, Sommer Di–Sa 10–19, im Winter bis 18 Uhr, So ganzjährig 10–15 Uhr, www.miro.palmademallorca.es
Museu Militar Sant Carles, Crta. Dic de l’Oest, Tel. 0034 971 40 21 45, Di–So 10–14 Uhr, www.castillomuseosancarlos.com
Jardins de Marivent, Avinguda de Joan Miró 229, tägl. Mai–Sept. 9–20, Okt.–April bis 16.30 Uhr
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LA PORCIÚNCULA – BUNTES LEUCHTEN
EINE MODERNE KIRCHE ALS GLASKUNSTWERK

Wer behauptet, moderne Architektur sei nicht emotional, kann sich an der Platja de Palma vom Gegenteil überzeugen. Je nach Sonneneinstrahlung verwandelt sich der runde Kirchenraum der »Kristallkirche« La Porciúncula in ein Fest aus Licht und Farbe. Zum Gebäudekomplex gehört auch ein kleines Museum zur Archäologie und Tourismusgeschichte.
Es heißt ja immer, die Hotelklötze aus den 1960er- und 70er-Jahren seien hässlich. Sie verschandelten die Küsten, sie seien unpersönlich und ragten unsensibel aus einer Landschaft empor, auf die sie keine Rücksicht nähmen. Mag sein, dass das so ist, es lohnt sich trotzdem, die Augen zu öffnen und sich diese Betonriesen einfach mal so anzuschauen, als wären sie bedeutende Bauwerke. Auf Mallorca gibt es zahllose Gemeinden, wo man diesen Selbstversuch durchführen kann. Das gilt erst recht für die Keimzelle des Massentourismus, die Platja de Palma.
Warum also nicht den Besuch der Kirche La Porciúncula mit einem Spaziergang durch die Tourismusgeschichte in Form von Hotelbauten verbinden? Los geht es an der Küste, von der Plaça Sant Ferran aus. In der gleichnamigen Kirche, die an einer Ecke des Platzes steht, trifft sich übrigens sonntags die deutsche Gemeinde zum Gottesdienst.
Apropos deutsche Gemeinde: Der berühmt-berüchtigte »Ballermann« liegt gleich um die Ecke. Man spaziert einfach den Carrer del Pare Bartomeu Salvà – besser bekannt als Schinkenstraße – landeinwärts, vorbei am »Bierkönig« und dem Imbiss »Grillkönig«. Die Vergnügungsmeile ist, wenn man es aus der Distanz betrachtet, auch ein Stück Tourismusgeschichte. Aber zurück zu den Hotelbauten, deren Balkone versuchen, einen Blick aufs Meer zu erlauben. Wenn man einmal damit anfängt, auf die Fassaden zu achten, entdeckt man, wie vielfältig diese Hotelblöcke sein können, ja man kann an ihnen auch eine Art Ideologie des Massentourismus ablesen, denn diese Bauten sagen: »Jeder hat das gleiche Anrecht auf ein bisschen Meer und Sonne. Wo kämen wir hin, wenn jeder seine eigene Finca wollte? Genießt die Tage und schaltet einfach ab!«
DIE PLATJA DE PALMA IST VOR ALLEM FÜR DIE PARTYZONE AM »BALLERMANN« BEKANNT.
Vom »Ballermann« ins Kloster
Diese Gedanken über den Tourismus, wie er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand und zum Teil noch lebendig ist, kann man gut in der Kirche La Porciúncula fortsetzen. Zu dem 1968 fertiggestellten Gotteshaus gehört auch ein Kloster, in dem auf mehreren Stellwänden die Tourismusgeschichte der Insel nachgezeichnet wird. Das Kloster wird vom Regulierten Dritten Orden des heiligen Franziskus unterhalten. In der Anlage befindet sich auch die Deutsche Schule Mallorcas.
In den Räumen ist auch ein kleines Archäologiemuseum untergebracht, womit die fünf Euro Eintrittsgeld für eine Kirche zumindest ein wenig begründeter erscheinen. Trotz der liebevoll arrangierten Ausstellung ist das Highlight die moderne Kirche selbst. Der mallorquinische Architekt Josep Ferragut Pou (1912–1968) hat unter einem Betondach, das sowohl an ein Zelt erinnert als auch an einen Mix aus Kernreaktor, James-Bond-Kulisse und New Age, eine umlaufende Fensterfront mit Glasmalereien gesetzt. Die Wirkung ist grandios.
DIE SOGENANNTE KRISTALLKIRCHE LIEGT NUR WENIGE HUNDERT METER DAVON ENTFERNT.
Die Glas- oder Kristallkirche, wie das Gotteshaus Mare de Dèu dels Angels de la Porciúncula oft genannt wird, spannt sich über einer ovalen Grundfläche von 23 mal 33 Metern. Die 39 Glasfenster, die den Raum umfassen, brechen das Licht des Südens durch die farblich intensiven Darstellungen, die Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus darstellen. Ebenfalls sehenswert ist ein Betonplatz, der im Stil der Kirche von Ferragut auf dem Gelände angelegt wurde und dem mallorquinischen Gelehrten Ramon Llull gewidmet ist.
PAELLA DIREKT AM MEER
Es gibt sie mittlerweile als Postkarten, alte Schwarz-Weiß-Ansichten der Platja de Palma. Das Verblüffende daran ist das, was man nicht sieht: keine Hotels, ja fast keine Gebäude. Nur ab und an steht da ein küstennahes Häuschen an einem Strand, der so idyllisch wirkt wie heute noch Es Trenc im Süden der Insel. In einem dieser einst vereinzelten Gebäude, die im frühen 20. Jahrhundert am Strand von Palma standen, befindet sich das Restaurant El Bungalow. Es liegt von der Kirche La Porciúncula aus gesehen in Richtung Palma im Ortsteil Ciutat Jardí. Besonders schön ist es natürlich, wenn man einen Platz auf der überdachten Terrasse bekommt – man sollte besser vorher reservieren. In der Küche werden typisch spanische Meeresgerichte wie Paella, schwarzer Reis, gegrillte Sardinen und vieles mehr zubereitet.
WEITERE INFORMATIONEN
La Porciúncula, Av. Fra Joan Llabrés 1, El Arenal, Juni–Mitte Okt. Mo–Sa 10–18, Mitte Okt.–Mai Mo–Sa 9.30–14.30 und 15–17 Uhr, www.spiritualmallorca.com
Restaurante El Bungalow, C/d’Esculls 2, Tel. 0034 971 26 27 38
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RAFAUBETX UND PORTALS VELLS – ÜBERRASCHUNGEN IM PONENT
WO DIE WEISSEN KLIPPEN GLÄNZEN

Rafalbetx, Refaubetx, Rafal Beix, Rafal Baix, Rafeubetx oder Rafaubetx? Die bewaldete Halbinsel, zwischen Port Adriano (El Toro), der Illa del Toro, der Feriensiedlung Sol de Mallorca und Cap de Cala Figuera gelegen, hat mehr Eigennamen als Einwohner.
Der katalanische Linguist Joan Coromines bevorzugt die Schreibweise Rafaubetx und begründet sie mit dem arabischen ar-raffal-baid, was »weiße Traufe« bedeuten soll. Tatsächlich weisen die Küstenklippen auffallend helle Tönungen auf. Ihr vor etwa sieben Millionen Jahren hinter Korallenriffen abgelagertes Gestein war schon früh begehrt: Südlich der heutigen Partymeile von Magaluf liegen die vier beliebten Sandbuchten von Portals Vells, wo schon im 14. Jahrhundert Steinbrüche bestanden. Der gut per Schiff zu transportierende Marès-Sandstein fand sogar als Baumaterial für die Kathedale von Palma Verwendung.
Durch den unterirdischen Steinabbau entstanden in den Klippen große Hohlräume. Einer davon ist die Cova de la Mare de Deu, die ein mystisches, aber inzwischen leider schon sehr in Mitleidenschaft gezogenes Steinrelief birgt. Es soll auf einen in Seenot geratenen Kapitän zurückgehen, der dort zum Dank für seine Rettung eine Muttergottesstatue aufgestellt hat. Nach einem Felssturz kam die Figur in die Kirche von Calvià, dem Hauptort des Ponent, des Südwestens, und später in die Ermita de Nostra Senyora in Portals Nous, wo die Patronin der Fischer noch heute steht.
Oberhalb der Klippen zum Kap
Vorbei an den »Fjorden« der Cala en Beltran und der Cala Figuera gelangt man zu Fuß in einer Stunde zum Cap de Cala Figuera, wo die Sicht über die Bucht von Palma bis zur Insel Cabrera reicht. Neben einem Leuchtturm findet man dort auch einen verfallenen Wachturm aus dem Jahr 1579. Zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert wurde Mallorca ständig von türkischen und nordafrikanischen Piraten heimgesucht, die Schiffe, Geld und Güter raubten, Menschen töteten oder als Sklaven entführten. So veranlasste der Universalgelehrte Joan Binimelis (1538–1616) den Bau von Wachtürmen entlang der 550 Kilometer langen Küste. Etwa 50 dieser Bauwerke gibt es noch; sie stehen mittlerweile unter Denkmalschutz.
KRISTALLKLARES WASSER UND KLIPPEN (FAST) OHNE ENDE – DIE KÜSTE VON RAFAUBETX UND PORTALS VELLS LÄDT ZUM SCHWIMMEN UND ZUM WANDERN GLEICHERMASSEN EIN.
Naturerlebnis und Kriegserinnerungen
Der Turm am Cap de Cala Figuera wurde jedoch nicht von Freibeutern, sondern viel später vom Militär niedergemacht, denn er stand im Schussfeld von Geschützen. Westlich der Landspitze bestand nämlich seit dem Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) ein ausgedehntes Labyrinth von Bunkern, Soldatenunterkünften, Laufgräben und versenkten Kanonenstellungen, die bis 1989 in Betrieb waren. Zwischen ihren Ruinen findet man noch verrosteten Stacheldraht, überwucherte Gänge, eingestürzte Stollen und ein paar lebensgefährliche »Klettersteige«, die durch die Felsen zum Meer hinabführen. Direkt über der Cala Rafaubetx, die mit fast drei Kilometern Breite und einer Höhe von bis zu 140 Metern als die größte Klippenbucht Mallorcas gilt, »kleben« zwei flache Betongebilde, die wirken, als wären graffitigeschmückte UFOs gelandet. Es handelt sich um Beobachtungsposten, die vom Land wie auch vom Meer aus kaum zu erkennen sind. Doch Vorsicht: Das Herumklettern in den Küstenfelsen und das Betreten der zerstörten Anlagen kann ganz leicht gefährlich werden. Es ist also besser, nur das bewaldete Gebiet, das sich zu einem wahren Naturparadies (zurück-)entwickelt hat, zu durchstreifen. Es gilt als Vogeldorado und steht unter Naturschutz. Rund um die vorgelagerten Mini-Inseln erstreckt sich zudem eine reserva marina zur Regenerierung des Lebens unter Wasser.
TOURISMUSPIONIERE
1951 erwarb die Familie Xamena ein Häuschen in Ses Illetes im Westen der Bucht von Palma, das damals noch allein mitten im Wald stand. Bald wurden Ferienzimmer vermietet. Unter den ersten Gästen war der Hollywoodstar Errol Flynn, und das sprach sich herum: Das Gebäude wurde vergrößert und als Hotel Bonsol zum Inbegriff für Komfort und familiäre Gastfreundschaft. Außerdem erweiterte man das Grundstück hinab bis zum Meer, wo heute ein kleiner Sandstrand zum Baden einlädt. Dazwischen entstand ein wunderbarer Garten mit drei Pools und vielen inseltypischen Pflanzen. Die Gebäude sind übrigens so angelegt, dass jeder Gast das Meer sieht. Das Hotel ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die nahe Hauptstadt Palma und in den Südwesten Mallorcas.
WEITERE INFORMATIONEN
Hotel Bonsol, www.hotelbonsol.es Aktuelles über die Orte im Ponent, dem Südwesten Mallorcas: www.visitcalvia.com

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PUIG DE SA MORISCA – BRONZEZEIT IM WOHNGEBIET
AUF DEM HÜGEL DER HÄNDLER

Der Puig de sa Morisca in Santa Ponça ist eine bedeutende prähistorische Ansiedlung. Trotzdem ist sie wenig bekannt. Vor über 2000 Jahren lebten hier Urmallorquiner, die mit Ibiza und der punischen Welt handelten. Die Aussicht vom Puig ist heute noch strategisch günstig – auch, um das eigene Siedlungsverhalten zu studieren.
Wer durch Santa Ponça fährt, hat das Gefühl, der Ort höre gar nicht mehr auf. Kaum hat man das Zentrum verlassen, dessen Skyline aus Apartment- und Hotelblocks an Reisekataloge aus dem 20. Jahrhundert erinnert, kreuzt man im Takt der Verkehrskreisel eine Wohnsiedlung nach der anderen.
Zwischen den gepflegten Villen und Eigenheimen, in denen oft ausländische Residenten leben, erhebt sich ein etwa 120 Meter hoher Hügel. Wirklich auffällig ist er nicht, man muss schon dem Hinweisschild zur archäologischen Fundstätte Puig de sa Morisca folgen. Die liegt, zur groben Orientierung, zwischen dem Golfplatz Santa Ponça und dem schicken Jachthafen Port Adriano.
Auf dem hügeligen Areal wurden die Siedlungsreste früherer Residenten gefunden, genauer gesagt, Bewohner aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Auf mehr oder weniger angelegten Pfaden lässt sich das Gebiet erkunden, und man kommt so an einem Talayot-Turm vorbei, der einen Durchmesser von etwa neun Metern hat und dessen Portal noch gut zu erkennen ist. Insgesamt verteilen sich 15 Fundstätten auf dem Hügel. Auf der Spitze des Minigipfels – Puig bedeutet Gipfel – wartet am Aussichtspunkt ein reiches Panorama. Reich, weil der Blick aus der Zeit vor Christi Geburt bis in die Gegenwart saust – zumindest, was die Art des Wohnens betrifft.
Von alten und neuen Wohntürmen
Die Talayot-Kultur beginnt um 1400 v.Chr., und zwar mit der Ankunft von Seevölkern, die auf Mallorca und anderen Baleareninseln sesshaft werden. Aus ihren Heimatländern bringen sie eine besondere Bautechnik mit: Aus groben Steinbrocken schichten sie multifunktionale, runde, große Steintürme auf. Zum Teil wohnen sie darin, zum Teil nutzen sie sie als Grab- und Kultstätten. Der Blick in die Gegenwart ist sozusagen einer aus dem Lehrbuch: Das Panorama der Wohnsiedlungen ist ein perfektes Beispiel für die »Balearisierung«. Leider ist dies kein positiver Begriff, denn er meint unter anderem eine übermäßige und gleichförmige Bebauung und den Verlust von Landschaft und ökologischer Vielfalt. Bei der Gelegenheit sei angemerkt, dass sich die »Balearisierung« nicht auf die Balearen beschränkt. Sie wurde nur auf Mallorca als Phänomen erkannt und studiert, was wiederum ein Beleg dafür ist, dass die Sonneninsel immer wieder Tourismusgeschichte schreibt.
Beliebte Wohnlage
Nun ist es natürlich nicht so, dass zwischen anno dazumal und dem 20. und 21. Jahrhundert in Santa Ponça und auf dem Maurenhügel nichts passiert sei. Die archäologische Fundstätte war über viele Jahrhunderte bewohnt. Dass sie so beliebt war, lag an der strategisch günstigen Lage. Nach der ersten Besiedlungsphase um 1200 vor unserer Zeitrechnung beginnt eine zweite um 900 v.Chr. Aus dieser Zeit stammt der Turm auf dem Gipfelchen.
Die Archäologen sehen eine dritte Phase ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. Damals handelten die Ur-Residenten unter anderem mit Ibiza und hatten Kontakt zu phönizischen und punischen Händlern. Die Schiffe legten vermutlich am Naturhafen von Sa Caleta an oder in der Bucht von Santa Ponça, wo übrigens im 13. Jahrhundert die Armee der Christen ankam, um die Insel den maurischen Machthabern zu entreißen. In dieser Zeit war die Siedlung auf dem Puig de sa Morisca aber schon lange aufgegeben, vermutlich geschah das, nachdem die Römer im Jahr 123 die Insel erobert hatten.
WIE HABEN DIE URMALLORQUINER IHRE HÄUSER GEBAUT? AM RAND VON SANTA PONÇA KANN MAN AUF SPURENSUCHE GEHEN.
ALTER UND NEUER JACHTHAFEN
Als am 12. September 1229 der junge König Jaume I von Aragón mit 143 Schiffen auf Mallorca landete, soll die Bucht von Santa Ponça weiß von all den Segeln der Schiffe gewesen sein. Auf der Halbinsel Sa Caleta erinnert ein großes Gedenkkreuz an die Invasion, mit der ein neues Kapitel der Inselgeschichte begann. Ein Spaziergang auf der Halbinsel lohnt nicht nur wegen des Creu de Rei, dem Kreuz des Königs. Von hier aus kann man auch in den schön gelegenen Jachthafen Club Náutico de Santa Ponça spazieren. Die Marina gilt als eine der schönsten der Insel und hat eine angenehm entspannte Stimmung. Wem das zu langweilig ist: Östlich der Villensiedlung El Toro liegt der Nobelhafen Port Adriano. Das Kernstück der Anlage ist eine doppelstöckige, 250 Meter lange Shopping-Mole mit exklusiven Boutiquen, Restaurants und Bars, die Stardesigner Philippe Starck entworfen hat.
WEITERE INFORMATIONEN
Archäologischer Park Puig de sa Morisca, C/Puig de sa Morisca, Santa Ponça
Santa Ponça, Infos auf den Tourismusseiten der Gemeinde Calvià: www.visitcalvia.com
Port Adriano, www.portadriano.com
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ILLA DE SA DRAGONERA – DAS TIERPARADIES
VON KLEINEN DRACHEN UND GROSSEN VÖGELN

Menschenleer heißt nicht leblos: Gleich nach der Ankunft auf der Illa de sa Dragonera, einem gut vier Kilometer langen und bis zu 349 Meter hohen Felsriff, das vor der Westspitze Mallorcas im Meer liegt, wird man von unzähligen Inselbewohnern geradezu überfallen.
WIE EIN SCHUPPENTIER IN DER ABENDDÄMMERUNG: DIE »DRACHENINSEL« VOR DER BUCHT VON SANT ELM.
Es sind Dragonera-Eidechsen, bis zu zehn Zentimeter große Reptilien im braunen, grünen oder auch blauen Schuppenkleid, die sogar um die Schnürsenkel der Trekkingschuhe herumwuseln – allerdings nur bei Sonnenschein, denn bei Schlechtwetter bleiben die wechselwarmen Lebewesen in den Felsspalten. Es leben Abertausende Tiere dieser endemischen, also nur hier vorkommenden Art auf der Insel und haben ihr wohl den Namen gegeben. Und sie zeigen kaum Scheu vor Menschen – aber von denen gibt es hier ja auch nicht viele. Es hätten mehr werden können, denn in den 1970er-Jahren plante ein Bankenkonsortium den Bau eines Luxus-Feriendorfs. Naturschützer besetzten das Eiland kurzerhand und retteten damit seine Unversehrtheit.
Flugshow vor dem Felsriff
Heute ist die Illa de sa Dragonera einer der am besten geschützten Naturparks der Balearen – und ein wahres Vogelparadies: Im Frühjahr erschallen überall die aufgeregten Rufe von Mittelmeer- und Korallenmöwen, die hier ideale Brutplätze finden; Zwerg- und Fischadler sind zu sehen, Samtkopf-Grasmücken eilen durchs Gebüsch, Krähenscharben bevölkern die Küste, Eleonorenfalken zeigen ihre Flugkünste. Letztere haben in den steilen Felswänden der Nordwestseite die größte Brutkolonie auf den gesamten Balearen. Auch die stark bedrohten Balearen-Schwarzschnabel-Sturmtaucher bauen ihre Nester in den Klippen. Mit einem Fernglas ist man nah dran am Geschehen zwischen Himmel und Insel. Wer Glück hat, entdeckt im Wasser sogar springende Delfine oder Meeresschildkröten.
Soldaten, Seeräuber, Schwarzhändler
Wer die Insel erkunden möchte, muss per Boot von Sant Elm im Westen Mallorcas in die Bucht Es Lladó hinüberfahren. Dort versteckten sich einst die Piraten, bevor sie zu ihren Raubzügen aufbrachen. Auf dem vorgelagerten Inselchen Pantaleu waren im Jahre 1229 die Kriegsschiffe König Jaume I von Aragón gelandet, um die Wiedereroberung Mallorcas von den Arabern vorzubereiten. Und bis ins 20. Jahrhundert hinein verbargen Schmuggler in den Höhlen der Dragonera Kaffee, Zucker, Tabak und sich selbst vor der Obrigkeit. Von der erhält man heute im Infozentrum die kostenlose Genehmigung für den Inselbesuch. Dann stehen drei beschilderte Wege zur Verfügung: Einer führt zum Cao des Llebeig, dem Kap des Südwestwinds, wo man ein Leuchtfeuer und einen Wachturm aus dem Jahr 1585 besichtigen kann (zweieinhalb Stunden hin und retour), einer in die entgegengesetzte Richtung zum Kap des Nordwinds an der Nordostspitze (insgesamt eine Stunde). Die schönste Route schlängelt sich auf den höchsten Inselberg (Aufstieg eineinhalb Stunden, Abstieg gut eine Stunde).
Auf der Spitze Na Pòpia stehen die Reste des Far Vell, des ältesten Leuchtturms der Dragonera. Erbauen mussten ihn Kriegsgefangene im Jahre 1852 – sein Platz war allerdings nicht optimal gewählt, denn die Wolken verschluckten regelmäßig seine Lichtsignale. Daher ersetzte man ihn schon 1910 durch die Lichtanlagen am Meer. Am Sattel des Coll Roig fasziniert der magenkribbelnde Tiefblick über die Steilküste. Der höchste Punkt auf dem Buckel des steinernen Drachens bietet eine Traumsicht zur Serra de Tramuntana, zu der die Insel aus geologischer Sicht gehört, und über den dazwischen gelegenen Canal des Freu: Diese nur 780 Meter breite Meeresenge ist für ihre unberechenbaren Wasserströmungen berüchtigt; dort liegen schon seit der Antike Schiffe auf dem Grund.
DIE CALA EN BASSET, GESEHEN VON LA TRAPA.
ERST SCHIPPERN, DANN SPEISEN
Vom gebührenpflichtigen Parkplatz am Ortseingang von Sant Elm gelangt man zu Fuß in wenigen Minuten auf der Avinguda Jaume I zum kleinen Hafen, wo das Boot »Margarita« zur Dragonera ablegt (April–September ab 9.45, im Oktober ab 10.15 Uhr, jeweils alle 30 Minuten, letzte Rückfahrt um 16.50, im Oktober um 15 Uhr). Gruppen ab zehn Personen müssen sich für einen Besuch der Insel anmelden (unter Tel. 0034 971 17 37 31). Auf der Insel gibt es kein Restaurant, daher Trinkwasser mitnehmen!
Sehr gut speist man im Restaurant Es Molí, das etwas abseits im nördlichen Ortsbereich von Sant Elm liegt; gelobt werden vor allem Fischgerichte und die Desserts.
WEITERE INFORMATIONEN
Schiff »Margarita«, www.crucerosmargarita.com
Restaurant Es Molí, https://restaurantesmoli.com
Insel Dragonera, Aktuelles über www.illesbalears.travel/touristisches-angebot/de/mallorca/naturschutzgebietsa-dragonera
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SA MOLA DE S’ESCLOP – EIN HOLZSCHUH AUS STEIN
AUF VERBORGENEN PFADEN

Man hat’s ihm nicht gedankt: Für seine Meridianmessungen auf dem 928 Meter hohen Esclop wurde Dominique François Jean Aragó anno 1808 gleich als Spion verhaftet. Dem Scharfrichter entkam der französische Astronom, Physiker und Mathematiker damals, zur Zeit der Napoleonischen Kriege, nur knapp.
Morgens ist es noch still im Hochtal des Pla de s’Evangèlica; in der alten, liebevoll als Gästehaus renovierten Finca Ses Fontanelles wird gerade das Frühstück serviert. Das Anwesen ist eine wichtige Wanderherberge an der Ruta de Pedra en Sec, der Route der Trockensteinmauern – mit dem Kürzel GR 221 –, die auch über die Mola de s’Esclop, den höchsten Berg im Süden der Serra de Tramuntana, führt. Oder, besser gesagt, führen soll, denn dieser Abschnitt ist nach wie vor nicht beschildert und nur mit Steinmännchen gekennzeichnet. Auf- und Abstieg sind keine Spaziergänge; die etwa fünfstündige Überschreitung setzt Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gutes Orientierungsvermögen voraus. Man muss also keinen Massenandrang befürchten, aber stets die Augen offen halten – etwa auf den Feldern der Caseta des Carabinero, von denen sich ein verborgener Pfad oberhalb eines Felsturms zum Pas Gran emporschlängelt, und auch auf dem licht bewaldeten, zerklüfteten und schräg ansteigenden Karstrücken, über den man dann dem Esclop entgegenwandert. Von dort lässt sich erahnen, wie der Gipfel zu seinem Namen kam: Als mola wird im Katalanischen ein Tafelberg bezeichnet und esclop könnte man mit »Holzschuh« übersetzen.
Hinauf zum Holzschuh
Nach der Umgehung des verborgenen Hauses Ses Alquerioles, des einzigen noch bewirtschafteten Anwesens in diesem Gebiet, beginnt der »alpine« Teil der Tour – mit Klettereinlagen im hohen Dissgras, auf verzweigten Pfaden, unter Kiefern, die im Sturm umgestürzt oder bei Waldbränden verkohlt sind. Und durch den Felsspalt des Pas d’en Ponsa. Direkt unter dem schroffen Gipfel erinnern Hüttenfundamente, Mauern und ein Dreschplatz daran, dass man selbst so entlegene Gebiete einst landwirtschaftlich genutzt hat. Eine breite Rinne – steil, aber gut gestuft – ermöglicht einen erstaunlich einfachen Aufstieg zur Gipfelsäule.
ÜBER STOCK UND STEIN GEHT’S DER MOLA DE S’ESCLOP ENTGEGEN.
Dort findet man nach zwei Stunden Aufstiegszeit die Mauerreste jener Hütte, die der unglückliche Aragó für seine Vermessungsarbeiten errichten ließ. Als jugendlicher Sekretär im Bureau des Longitudes hatte er ab 1806 gemeinsam mit Jean-Baptiste Biot die Messungen von Pierre Méchain auf dem Meridian von Paris in Spanien und auf den Balearen vorangetrieben. Festgenommen wurde er übrigens, weil er auf dem Gipfel Leuchtfeuer entzündet hatte. Heute lässt sich die Aussicht unbehelligt und meist auch recht einsam genießen. Durch seine Lage im Norden des Städtchens Andratx, zwischen der Costa Nord und dem Torrent de Galatzó, bietet der Esclop ein weites Panorama vom Meer bis zur Inselebene um Palma, wobei der gegenüber aufragende Felsdreikant des Puig de Galatzó gleich alle Blicke auf sich zieht.
Und wie hinunter?
So »heimlich« wie hinauf, denn auch in der abweisenden Ostflanke zeigen Steinmännchen eine Route an, die man sich von unten kaum vorstellen kann. Unten trennt eine lange Trockensteinmauer zwischen dem Esclop und dem benachbarten Felsklotz Es Castellet zwei Landgüter voneinander. Am Fuß der Serra des Pinotells, die meerseitig mit wilden Felsabstürzen abbricht, gibt eine Zaunlücke den Weg in die verschwiegene Coma d’en Vidal frei. Das dortige Landhaus wurde von der Inselregierung als Herberge für vorher angemeldete Wandergruppen adaptiert. Der GR 221 ist ab diesem Bereich bis zum Picknickplatz Boal de ses Serveres und weiter nach Estellencs wieder beschildert.
AN DEN MAUERN ENTLANG
La Ruta de Pedra en Sec – die Route der Trockensteinmauern – führt in elf Tagesetappen von Port d’Andratx durch die gesamte Serra de Tramuntana bis Pollença. Der Name dieses Weitwanderweges weist darauf hin, dass er immer wieder zwischen alten, oft kunstvoll renovierten Trockensteinmauern verläuft. Die Route folgt historischen Ortsverbindungen, die zum Teil im Rahmen von Projekten der Lehrwerkstätten der Entwicklungsbehörde FODESMA, der sogenannten Mauerbauerschule, revitalisiert wurden. Beschildert sind derzeit die Teilstrecken zwischen Sant Elm und dem Coll de sa Gramola, zwischen Es Capdellà und Esporles sowie zwischen Valldemossa und Pollença.
WEITERE INFORMATIONEN
Finca Ses Fontanelles, Aktuelles auf www.ses-fontanelles.es
Fernweg GR 221, Aktuelles auf www.gr221.info
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FINCA GALATZÓ – GENUSSWANDERN
BESUCH BEIM »BÖSEN GRAFEN«

Man sollte unbedingt rechtzeitig prüfend nach oben sehen: Si el Galatzó du capell … Wenn der Galatzó mit einem Nebelhut bedeckt ist, das weiß der Volksmund, dann gibt’s ordentlich Regen. Zum Glück kann man sich unter dem Dach einer Finca am Fuß des Berges trocken halten.
VERBIRGT SICH AUCH EINE LIEBEVOLL RENOVIERTE ÖLMÜHLE.
Insgesamt 31 Erhebungen auf Mallorca ragen mehr als 1000 Meter übers Meeresniveau hinaus. Die südlichste davon ist der 1027 Meter hohe Puig de Galatzó, der für die ägyptischen Pyramiden Modell gestanden haben könnte: Schon vom Flughafen aus ist er leicht an seiner Dreiecksform erkennbar. Ein Gipfel der Götter und der Geister soll er gewesen sein: Die Schafhirten, so heißt es, hätten ihn gemieden, den Besitzern der wenigen Landgüter am Fuß des Berges wären ihre Arbeiter davongelaufen und hätten jeden noch so guten Lohn ausgeschlagen.
Vom Grafen zum Kinderschreck
Einer gab dem Unaussprechlichen, das die Menschen so lange Zeit fürchteten, ein Gesicht und einen Namen: Ramón Burguez Zaforteza y Fuster, Graf von Santa Maria de Formiguera – der Comte Mal, der »böse Graf«. Er besaß tatsächlich im 17. Jahrhundert das Landgut Galatzó im Norden des Dorfes Es Capdellà. Unzählige Bluttaten wurden dem verhassten Adligen zugeschrieben. So dürfte er vor der Verfolgung zum Galatzó geflüchtet sein, wurde festgenommen und verurteilt, aber nach der Zahlung einer Kaution ins Militär des Königs aufgenommen. Seit er 1694 – in allen Ehren – verstorben ist, soll seine unerlöste Seele in Sturmnächten über die Abhänge des Galatzó reiten. In den Felsen, so heißt es, erinnern Hufabdrücke daran, und im ehemaligen Stall seines Landguts will man Teile eines Galgens gefunden haben. Da wundert es nicht, dass zu quengelnden Kindern auf Mallorca nicht der Rübezahl kommt, sondern der böse Graf: Mira de vidra …, »du wirst schon sehen …«
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