Читать книгу: «Nutztierhaltung und -hygiene»
Steffen Hoy, Matthias Gauly, Joachim Krieter
Nutztierhaltung und –hygiene
2., überarbeitete Auflage
86 Abbildungen
111 Tabellen


Inhaltsverzeichnis
Cover
Haupttitel
Die UTB-Reihe
Inhaltsverzeichnis
Über den Autor
Impressum
Vorwort
Tierhaltung
1Rinderhaltung
1.1Milchviehhaltung
1.1.1Allgemeine Anforderungen an die Milchviehhaltung
1.1.2Tierschutz bei der Milchviehhaltung
1.1.3Haltungsverfahren
1.1.4Managementmaßnahmen
1.1.5Prüfungsfragen
1.2Mutterkuhhaltung
1.2.1Allgemeine Anforderungen an Mutterkühe
1.2.2Produktionsablauf der Mutterkuhhaltung
1.2.3Haltungsverfahren
1.2.4Prüfungsfragen
1.3Rindermast
1.3.1Kälbermast
1.3.2Bullen-, Ochsen- und Färsenmast
1.3.3Prüfungsfragen
1.4Kälber- und Jungviehaufzucht
1.4.1Kälberaufzuchtverfahren
1.4.2Geburt und neugeborenes Kalb
1.4.3Allgemeine Anforderungen an die Haltung von Kälbern
1.4.4Tränkesysteme
1.4.5Haltungssysteme für Kälber
1.4.6Haltungssysteme für Jungrinder
1.4.7Prüfungsfragen
2Schweinehaltung
2.1Ferkelerzeugung
2.1.1Haltung güster Sauen
2.1.2Haltung tragender Sauen
2.1.3Haltung säugender Sauen
2.1.4Ferkelaufzucht
2.1.5Produktionsrhythmus und Raumprogramm
2.1.6Management-Informationssysteme
2.1.7Prüfungsfragen
2.2Schweinemast
2.2.1Haltung der Mastschweine
2.2.2Zukaufs- und Gesundheitsmanagement
2.2.3Verkaufsmanagement und Klassifizierung
2.2.4Prüfungsfragen
3Schafhaltung
3.1Allgemeine Anforderungen an Mutterschafe
3.2Produktionsablauf der Schafhaltung
3.3Haltung der Mutterschafe mit Lämmern
3.3.1Weidehaltung
3.3.2Stallhaltung
3.4Prüfungsfragen
4Geflügelhaltung
4.1Legehennenhaltung
4.1.1Allgemeine Anforderungen an Legehennen
4.1.2Produktionsablauf der Legehennenhaltung
4.1.3Haltungsverfahren
4.1.4Prüfungsfragen
4.2Hähnchenmast
4.2.1Produktionsablauf der Hähnchenmast
4.2.2Haltungsverfahren
4.2.3Prüfungsfragen
4.3Putenhaltung
4.3.1Produktionsablauf der Putenhaltung
4.3.2Haltungsverfahren
4.3.3Prüfungsfragen
Tierhygiene
1Gase in der Stallluft
1.1Prüfungsfragen
2Staub in der Stallluft
2.1Prüfungsfragen
3Stallklima
3.1Lufttemperatur
3.2Luftfeuchte
3.3Luftbewegung
3.4Licht
3.5Prüfungsfragen
4Biosecurity
4.1Externe Absicherung der Tierhaltung
4.2Interne Absicherung der Tierhaltung
4.3Prüfungsfragen
5Reinigung und Desinfektion
5.1Einweichen
5.2Reinigung
5.3Desinfektion
5.4Prüfungsfragen
6Entwesung
6.1Bekämpfung von Schadnagern
6.2Bekämpfung von Schadarthropoden
6.3Prüfungsfragen
7Tränkwasserhygiene
7.1Prüfungsfragen
8Hygiene bei der Tierische Nebenprodukte-Beseitigung
8.1Prüfungsfragen
9Hygiene bei der Lagerung und Verwertung organischer Dünger
9.1Prüfungsfragen
10Geburtshygiene und Neugeborenenversorgung
10.1Geburtshygiene in der Milchviehhaltung
10.2Geburtshygiene in der Sauenhaltung
10.3Geburtshygiene in der Schafhaltung
10.4Prüfungsfragen
Literaturverzeichnis
Über den Autor
Prof. Dr. Steffen Hoy war Dozent für Tierhygiene an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und ist seit 1995 Professor für Tierhaltung und Haltungsbiologie am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly lehrt seit 2014 an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der freien Universität Bozen (Italien).
Prof. Dr. Joachim Krieter ist Direktor des Instituts für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Impressum
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
© 2006, 2016 Eugen Ulmer KG
Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart (Hohenheim)
E-Mail: info@ulmer.de
Internet: www.ulmer.de
Produktion: primustype Hurler GmbH | v2
ISBN 978-3-8252-4369-2 (Print)
ISBN 978-3-8463-4369-2 (E-Book)
Vorwort
In der Landwirtschaft genutzte Tiere werden in künstlichen Ökosystemen gehalten. Viele unbelebte (abiotische) und belebte (biotische) Faktoren wirken auf sie ein. Die Haltungsformen unterliegen einem ständigen Wandel. Anbindeställe für Kühe werden in zunehmendem Maße durch Laufställe ersetzt. Geschlossene Milchviehställe werden geöffnet, um hohe Luftraten zu realisieren und die von den Kühen abgegebenen Stoffströme (Wärme, Wasserdampf, Kohlendioxid) aus dem Tierbereich zu entfernen. Tragende Sauen werden seit 2013 in Gruppen gehalten. Bei der Legehennenhaltung wurden nach dem Verbot der konventionellen Käfighaltung Ende 2009 die Kleingruppenhaltung entwickelt und angewendet sowie mit der Boden- oder Volierenhaltung neue Herausforderungen für Wissenschaft und Praxis gesetzt. Immer stärker finden die Anforderungen aus der Sicht des Verhaltens Eingang in die Entwicklung von Fütterungs- und Haltungstechnik. Tierschutz-Aspekte bei der Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel nehmen in der öffentlichen Diskussion einen breiten Raum ein, wobei emotionale Betrachtung oft die fachlich begründete Argumentation in den Hintergrund treten lässt. Landwirtschaftliche Tierhaltung ist dabei eingebunden in internationale und globale Entwicklungen. Wird die dynamische Entwicklung der Betriebe durch gesetzliche Regelungen zu Tier- und Umweltschutz sowie Baurecht in manchen Ländern oder Regionen zu stark behindert, fließt das Kapital in Länder mit geringeren Anforderungen. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse (z. B. Schweinefleisch, Masthähnchen, Eier) finden dennoch ihren Weg auf den europäischen Binnenmarkt.
Die Tierproduktion ist nicht zuletzt wichtige Einkommensquelle sowohl für den landwirtschaftlichen Familienbetrieb als auch für große Agrarunternehmen mit zahlreichen Angestellten. Zugleich sichert sie Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Gewerbe (Mischfutterindustrie, Stalltechnik-Firmen, Zuchtunternehmen, Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe). Dabei lässt sich landwirtschaftliche Tierhaltung nicht von den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen abkoppeln. Sie muss auch zukünftig und mehr als je zuvor kosten- und ressourcensparend organisiert werden. Elektronische Hilfsmittel der Herdenüberwachung, beim Füttern, Melken, bei der Stallklimakontrolle und -gestaltung sowie bei der Rückverfolgbarkeit der Produkte von der Ladentheke zum Stall halten Einzug in den Landwirtschaftsbetrieb.
Diese vielfältigen Entwicklungen müssen sich auch in den Lehrinhalten der Agrarwissenschaften an den Universitäten und Hochschulen widerspiegeln. Die agrarwissenschaftlichen Fakultäten an den deutschen Universitäten bieten Bachelor-/Masterstudiengänge an. Ein leichterer Übergang von der Hochschule zur Universität und der Wettbewerb zwischen den Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind durchaus beabsichtigt.
Das Lehrbuch „Nutztierhaltung und -hygiene“ erschien 2005 in der 1. Auflage. Nach gut 10 Jahren ist das Buch nun vergriffen. Außerdem gibt es veränderte gesetzliche Vorschriften und viele technische Neuerungen, die die Autoren in der vorliegenden zweiten Auflage berücksichtigt haben.
Die Autoren hoffen, dass möglichst viele Studierende nach den UTB-Büchern greifen und sich das Rüstzeug für das Bachelor- und somit auch die Basics für das Masterstudium holen. Wir danken wiederum Carmen Weirich für die Unterstützung bei der Fertigstellung des Buches sehr herzlich.
| Gießen, Bozen und Kiel im Sommer 2016 | Steffen Hoy, Matthias Gauly, Joachim Krieter |
Tierhaltung
1Rinderhaltung
1.1Milchviehhaltung
Die Milchviehhaltung unterliegt einem starken Wandel. Immer mehr Betriebe stellen von der Anbindehaltung auf den Laufstall um. Gleichzeitig nimmt der Preisdruck auf die Milchviehhalter zu. Der Kuhkomfort spielt eine große Rolle beim Bau tiergerechter Milchviehställe. Dazu zählen die Schaffung tierfreundlicher Liegeplätze, Laufflächen und Fressbereiche ebenso wie die Gewährleistung eines optimalen Stallklimas. Das setzt allerdings die Kenntnis der Funktionsmaße von Liegeboxen, Krippen und Laufgängen voraus. Milchkühe werden überwiegend in Liegeboxenlaufställen gehalten. In manchen Regionen existieren aber auch Tieflaufställe, Kompostierungsställe und Tretmistställe. Damit alle Haltungssysteme in der gewünschten Weise funktionieren, sind die Anforderungen an Bau und Bewirtschaftung zu beachten. Managementmaßnahmen zielen auf eine gute Tiergesundheit als Voraussetzung für hohe Leistungen.
In den letzten 50 Jahren wurde die Milchleistung pro Kuh und Jahr im Durchschnitt von 2700 kg auf mehr als 8200 kg bei den Herdbuchkühen gesteigert. In Spitzenbetrieben erreicht die Milchleistung pro Kuh und Jahr 11 000 l und mehr (Tab. 1).
| Tab. 1 Ergebnisse von Spitzenbetrieben der Milchviehhaltung in Hessen (Holstein-Schwarzbunt, Auswahl – HVL-Jahresbericht 2014) | ||||
| Betriebe | A | B | C | D |
| Kühe/Betrieb | 80 | 91 | 131 | 312 |
| Milchleistung (kg/Kuh) | 11 012 | 11 553 | 10 715 | 11 442 |
| Fettgehalt (%) | 4,10 | 4,21 | 4,20 | 3,73 |
| Eiweißgehalt (%) | 3,36 | 3,45 | 3,46 | 3,24 |
| Fett (kg) | 452 | 486 | 450 | 427 |
| HVL = Hessischer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht e. V. | ||||
Das Herdenalter in den (hessischen) Betrieben beträgt etwa 4,1 Jahre und die Lebensleistung 20 250 kg im lebenden und 25 690 kg je Kuh im gemerzten Bestand. Im Mittel sind 1,8 bis 2,2 Besamungen je Trächtigkeit erforderlich. Die Remontierungsrate liegt zwischen 31 und 35 %. Vor allem in größeren Spitzenbetrieben wird bereits dreimal täglich oder mit dem Melkroboter gemolken.
Insbesondere in den letzten Jahren stiegen die Leistungen der Milchkühe deutlich an (Tab. 2). In anderen Bundesländern sind die Milchleistungen noch deutlich höher. Allerdings nahm auch das Risiko zu, dass die Hochleistungstiere von verschiedenen Krankheiten und Fruchtbarkeitsstörungen stärker als in der Vergangenheit betroffen sind. Als Abgangsursachen für Milchkühe sind besonders zu beachten: Unfruchtbarkeit, Euter- und Klauenkrankheiten, ungenügende Leistung, sonstige Krankheiten und schlechte Melkbarkeit (Tab. 3). Das Ziel einer tiergerechten Milchviehhaltung muss somit darin bestehen, eine hohe Milchleistung bei einer stabilen Tiergesundheit über mehrere Laktationen hinweg sicherzustellen. Untersuchungen zeigen, dass eine deutliche Milchleistungssteigerung nicht zwingend zu einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit führen muss.
| Tab. 2 Entwicklung der Milchleistung in hessischen MLP-Betrieben in den letzten Jahren (HVL-Jahresbericht 2014) | ||||||
| Jahr | Kühe/MLP-Betrieb | Milch (kg) | Fett (%) | Eiweiß (%) | Fett (kg) | Eiweiß (kg) |
| 2000 | 35,6 | 7090 | 4,22 | 3,35 | 299 | 238 |
| 2002 | 37,3 | 7256 | 4,24 | 3,36 | 308 | 244 |
| 2004 | 40,4 | 7345 | 4,28 | 3,40 | 314 | 250 |
| 2006 | 41,9 | 7666 | 4,21 | 3,38 | 323 | 259 |
| 2008 | 45,9 | 7669 | 4,17 | 3,39 | 320 | 260 |
| 2010 | 50,2 | 7901 | 4,14 | 3,38 | 327 | 267 |
| 2012 | 54,3 | 8117 | 4,13 | 3,38 | 335 | 274 |
| 2014 | 61,9 | 8110 | 4,07 | 3,37 | 330 | 274 |
| MLP = Milchleistungsprüfung | ||||||
| Tab. 3 Abgangsursachen (% der Abgänge) bei hessischen Kühen (HVL-Jahresbericht 2014) | ||
| Abgangsursache | 2013 | 2014 |
| Unfruchtbarkeit | 22,7 | 23,1 |
| Euterkrankheiten | 14,8 | 15,1 |
| Klauen und Gliedmaßen | 12,4 | 13,1 |
| Sonstige Krankheiten | 6,9 | 8,0 |
| Geringe Leistung | 5,1 | 5,4 |
| Stoffwechsel | 3,0 | 2,6 |
| Alter | 1,9 | 2,0 |
| Schlechte Melkbarkeit | 1,2 | 1,3 |
| Sonstige Gründe | 18,8 | 18,4 |
| Verkauf zur Zucht | 11,8 | 10,9 |
1.1.1Allgemeine Anforderungen an die Milchviehhaltung
Die Milchviehhaltung steht unter einem sehr hohen betriebswirtschaftlichen Druck. In vielen Betrieben decken die Erlöse aus dem Verkauf der Milch nicht die Kosten der Erzeugung, wenn alle Kosten einschließlich der Entlohnung der Arbeitsstunden berücksichtigt werden (Vollkostenrechnung). In einer Modellkalkulation wurde die Gewinnerwartung beim Neubau eines Milchviehstalles unter verschiedenen Annahmen (Boxenlaufstall mit Melkstand oder mit Melkroboter, 8100 l oder 10 000 l je Kuh und Jahr) berechnet. Das Ergebnis war ernüchternd: unter Berücksichtigung aller Kosten und der Entlohnung der Arbeitsstunde mit 15 Euro war in keinem Fall ein Gewinn durch die Milcherzeugung zu erzielen. Im Gegenteil: im günstigsten Fall müsste der Betriebsleiter mit einem Verlust von 5,7 Cent/l erzeugte Milch rechnen (Tab. 4). Auch aktuelle Kalkulationen bei 30 deutschen EDF-Betrieben wiesen Vollkosten von 43,5 Ct/kg ECM bei Erlösen von 40,0 Ct/kg ECM nach. Das ergab einen unternehmerischen Verlust von 3,5 Ct/kg ECM.
| Tab. 4 „Gewinn“-Erwartung bei Stallneubau – verschiedene Annahmen (nach Röhrich) | ||
| 8100 l/Kuh/anno(Cent/kg Milch) | 10 000 l/Kuh/anno(Cent/kg Milch) | |
| Boxenlaufstall mit Melkstand | – 8,90 | –5,66 |
| Boxenlaufstall mit Melkroboter | –11,80 | –8,65 |
| EDF | = European Dairy Farmers |
| ECM | = energiekorrigierte Milch (Basis: 4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß) |
Die Kalkulation fällt günstiger aus, wenn die Auszahlungspreise der Molkerei steigen. Die Beispiele dokumentieren jedoch die Schwierigkeit der Milchviehhalter, unter den gegenwärtigen und sicher auch zukünftigen ökonomischen Rahmenbedingungen (Wegfall der Milchquote) wirtschaftlich Milch zu erzeugen. Die Leistungssteigerung ist dabei eine Möglichkeit, um tendenziell die Produktionskosten (auf Vollkostenbasis) je Kilogramm erzeugte Milch zu senken. Dabei werden selbst in Spitzenbetrieben im Mittel kaum die Vollkosten gedeckt. Zwischen den Betrieben gibt es allerdings erhebliche Unterschiede, die auf Optimierungsmöglichkeiten hinweisen. Neben einer verbesserten Produktionstechnik, die auf die Senkung der Direktkosten (vor allem Futter) abzielt, müssen die Arbeitskosten gesenkt werden. Bei der Vollkostenrechnung werden sämtliche Direktkosten (u. a. Tierzukauf, Tierarzt, Medikamente, Besamung, Kraftfutter, Grundfutter – ebenfalls auf Vollkostenbasis bewertet) und Gemeinkosten (z. B. Löhne, Milchquotenpacht, Abschreibung für Gebäude, Steuern, Versicherungen) den Leistungen (Erlösen) des Betriebes gegenübergestellt (Tab. 5).
| Tab. 5 Prinzip der Vollkostenrechnung | |
| + Leistung | Verkauf Tiere, Milch; Naturalentnahmen, öffentliche Direktzahlungen, innerbetriebliche Verrechnung, Bestandsveränderungen |
| – Direktkosten | Tierzukauf, Tierarzt, Medikamente, Besamung, Kraftfutter, Grundfutter zu Vollkosten, innerbetriebliche Verrechnungen, Zinsansatz Viehkapital (bei Futterbau: Dünger, Saatgut, Pflanzenschutz) |
| = Direktkostenfreie Leistung | Leistung – Direktkosten |
| – Arbeitserledigung | Löhne, Lohnansatz, Maschinenmiete, Lohnarbeit, Maschinenunterhalt/-AfA für die Innenwirtschaft, Kosten PKW, Strom, Zinsansatz Maschinenkapital |
| – Lieferrechte | Quotenpacht, Strafabgaben für Überlieferung, Zinsansatz für Eigenquote |
| – Gebäude | Gebäudeunterhalt/-AfA, Mieten, Zinsansatz Gebäude |
| – sonstige Kosten | Betriebssteuern, Versicherungen, Büro, Buchführung, Sonstiges |
| = Gemeinkosten | |
| Produktionskosten | Direktkosten + Gemeinkosten |
| Kalkulatorisches Betriebszweigergebnis (BZE) | Leistungen – Produktionskosten oder Direktkostenfreie Leistung –Gemeinkosten |
| Gewinn | Kalkulatorisches BZE + Faktorkosten |
Die Produktivität schwankt auch in Spitzenbetrieben sehr stark (Tab. 6). Die 25 % leistungsstärkeren Betriebe erzielten 4,5 kg mehr ECM je Lebenstag, eine um 17 Monate längere Nutzungsdauer, eine deutlich niedrigere Zellzahl in der Milch, geringere Tierarztkosten und letztlich eine um 1,40 EUR höhere Direktkostenfreie Leistung als die 25 % leistungsschwächeren DLG-Spitzenbetriebe.
| Tab. 6 Kennwerte der Tiergesundheit und Produktivität in DLG-Spitzenbetrieben (DLG-Mitteilungen 4/2013) | |||
| Kennwert | Mittelwert DLG-Spitzenbetriebe 2013 | Viertelschichtung nach jeweiligem Kennwert | |
| + 25 % | –25 % | ||
| errechnete Lebensleistung (kg ECM/Kuh) | 30 381 | ~38 000 | ~24 000 |
| errechnete Lebenstagsleistung (kg ECM/Tag) | 14,9 | 17,1 | 12,6 |
| bereinigte Reproduktionsrate (%) | 28,7 | 20,0 | 38,0 |
| Nutzungsdauer Abgangskühe (Monate) | 39 | 48 | 31 |
| Kuhverluste (%) | 3,5 | 1,1 | 6,1 |
| Zellzahl (× 1000) | 201 | 140 | 265 |
| Tierarztkosten (EUR/Kuh mit Nachzucht) | 125 | 70 | 180 |
| Totgeburten (%) | 5,5 | 0,0 | 10,0 |
| Aufzuchtverluste weiblich (%) | 7,1 | 2,0 | 13,0 |
| Produktivität (Tsd. kg ECM/AK) | 507 | 677 | 342 |
| DkfL/Lebenstag (EUR/Lebenstag) | 2,40 | 3,10 | 1,70 |
Die Anforderungen an die langfristig wirtschaftliche Milchviehhaltung sind durch folgende Punkte zu charakterisieren:
der Standort muss die Erweiterungsfähigkeit des Stallgebäudes zulassen,
die Stallanlage soll sich in der Nähe der Grundfutter- und Gülleverwertungsflächen befinden,
der Stall ist vom Melkhaus getrennt, um die unterschiedlichen Ansprüche von Tier und Mensch (Melken!) zu erfüllen,
die Kühe sollen sich im Stall wohlfühlen (Kuhkomfort beim Liegen, tiergerechte Lauffläche, optimales Stallklima),
der Stall muss die Technisierung verschiedener Arbeitsvorgänge ermöglichen, insbesondere Futtervorlage und Entsorgung der Exkremente und
die tierpflegerische (z. B. Brunstkontrolle, Klauenpflege) und veterinärmedizinische Versorgung muss leicht möglich sein.
1.1.2Tierschutz bei der Milchviehhaltung
Für die Milchviehhaltung gilt allgemein das Tierschutzgesetz (zuletzt geändert im Jahre 2014). Nach § 1 darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Wer ein Tier hält oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Die Möglichkeiten des Tieres zu artgemäßer Bewegung dürfen nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Der Milchviehhalter muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen (§ 2 Tierschutzgesetz). Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft wird in § 2 a Tierschutzgesetz ermächtigt, soweit es zum Schutz der Tiere erforderlich ist, die Anforderungen an die Haltung von Tieren nach § 2 näher zu bestimmen und Vorschriften zu erlassen hinsichtlich der Bewegungsmöglichkeit, der Anforderungen an Räume, sonstige Einrichtungen, Lichtverhältnisse und Stallklima sowie im Hinblick auf die Betreuung der Tiere.
Während für die Kälberhaltung in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung entsprechende Vorgaben umgesetzt wurden, hat der Gesetzgeber in Deutschland für die Milchviehhaltung eine analoge Notwendigkeit bislang nicht gesehen, sodass damit keine gesetzlich verbindlichen, detaillierten Vorschriften existieren. Lediglich in Niedersachsen existiert eine Tierschutzleitlinie für die Milchviehhaltung. Mit dieser Leitlinie soll Behörden und Tierhaltern bei der Beurteilung sowohl von Neu- und Umbauten als auch von bestehenden Rinderhaltungen Hilfestellung gegeben werden. Für Neubauten werden dabei Mindestwerte festgelegt, während für Altbauten lediglich Orientierungswerte angegeben werden. Werden diese Richtwerte nicht erfüllt, ist eine Einzelfallbeurteilung erforderlich. Im Weiteren werden wichtige Vorgaben der niedersächsischen Tierschutzleitlinie vorgestellt. Der Liegebereich besteht aus einzelnen Liegeboxen, die entweder in einer Reihe entlang der Wand angeordnet sind (wandständige Liegeboxen) oder als zwei parallele Reihen unmittelbar einander gegenüberliegen (gegenständige Liegeboxen). Bei Neubauten muss die Boxenbreite als Achsmaß bei freitragenden Abtrennungen mindestens 1,20 m betragen. Der zur Verfügung stehende Freiraum darf nachträglich nicht durch bauliche Veränderungen eingeschränkt werden. In Altbauten sind geringere Boxenbreiten (Richtwert bis 1,10 m) möglich, sofern keine Schäden an den Tieren auftreten. Die Maßangaben in der Leitlinie beziehen sich auf Tiere der Rasse Deutsche Holstein; für andere Rassen sind die Werte anzupassen. Für den Kopfschwung beim Hinlegen bzw. Aufstehen ist ein Freiraum im vorderen Bereich der Box von mindestens 80 cm (Altbauten mindestens 60 cm) erforderlich. Der Nackenriegel (s. Abb. 8) als Steuerelement, um ein Verkoten der Liegebox zu verhindern, soll 1,70 m von der hinteren Boxenkante entfernt und 1,15 bis 1,30 m über der Einstreuoberfläche installiert werden. Die Liegeplatzlänge beträgt in Hochboxen mindestens 1,70 m, in Tiefboxen mindestens 1,80 m (Altbauten: 1,65 m, sofern keine Schäden auftreten). Wandständige Boxen sollen mindestens 2,50 m (empfohlen bis 2,80 m) und gegenständige Boxen mindestens 2,40 m (empfohlen bis 2,70 m) lang sein. Die Liegefläche muss weichelastisch und verformbar, trocken und sauber sein. Bei Gummimatten ist Minimaleinstreu zu verwenden, um Feuchtigkeit zu binden und um dem „Radiergummi-Effekt“ (Abschürfungen des Felles und eventuelle Hautschäden beim Hinlegen und Liegen) entgegenzuwirken.
Zu den Verkehrsflächen gibt es in der niedersächsischen Leitlinie ebenfalls konkrete Vorgaben. Kühe bewegen sich 2,5 bis 4 h pro Tag auf der Lauffläche und legen 500 bis 700 m weite Strecken zurück. Die Breite der Laufgänge soll mindestens 2,50 m (behornte Tiere plus 1 m) betragen. Der Lauf-Fressgang ist mindestens 3,50 m breit, empfohlen ist sogar eine Breite von 4 m. Bei vorhandenen Altbauten können diese Maße mit 2 bzw. 3 m Breite geringer ausfallen. Es dürfen keine Sackgassen vorhanden sein. Treibgänge als „Einbahnstraße“ sollten höchstens 1 bis 1,2 m breit sein. Nach jeweils 15 bis 20 Liegeboxen ist ein Quergang vorzusehen. Bei Gruppen bis 50 Tieren beträgt die Verkehrsfläche im Stall 4 m2, für 50 bis 100 Tiere mindestens 3,75 m2 und für mehr als 100 Tiere mindestens 3,5 m2. Wenn ungenügende Klimareize bei ganzjähriger Stallhaltung herrschen, ist ein Laufhof mit einer Fläche von 3 m2/Tier anzubieten. Bezüglich der Futter- und Wasserversorgung muss jederzeit Zugang zu Grundfutter bestehen. Es wird ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1,2 bis 1,5 : 1 gefordert, d. h. es muss nicht für jede Kuh ein Fressplatz vorhanden sein. Die Begründung liegt darin, dass in größeren Herden nicht mehr alle Tiere gleichzeitig zum Fressen gehen. Die Fressplatzbreite beträgt 70 bis 75 cm (in Altbauten sollte dieses Maß mindestens 65 cm sein, sofern keine Störungen bei der Futteraufnahme auftreten). Der uneingeschränkte Zugang zu Wasser muss gewährleistet sein. Die Durchflussmengen an der Tränke sollten mindestens 10 l/min betragen, empfohlen werden sogar Flussraten von 18 bis 20 l/min.
Für 50 Kühe ist eine Krankenbucht mit weicher und trockener Einstreu einzuplanen. Handelt es sich um eine Einzelbucht, sollte sie ca. 12 m2 groß sein. Bei einer Gruppenbucht wird eine Fläche von 8 m2 je Tier kalkuliert.
Auch die Abkalbebucht muss weiche und trockene Einstreu besitzen. Es wird eine Bucht für 30 Kühe mit den gleichen Maßen für eine Einzel- bzw. Gruppenbucht (ca. 12 m2 bei Einzelbucht, 8 m2 je Tier bei Gruppenbucht) wie bei der Krankenbucht gerechnet. Die Kühe müssen sich bis unmittelbar zur Abkalbung bewegen und drehen können; geburtshilfliche Maßnahmen müssen möglich sein.
Eine dauerhafte Anbindehaltung schränkt die arttypischen Verhaltensweisen der Rinder erheblich ein. Daher ist eine solche Haltung im Neubau nicht mehr zulässig. Vorhandene Anbindehaltungen sollten baldmöglich in Laufstallhaltungen umgebaut werden. Allerdings ist ein derartiger Umbau nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zu realisieren. Deshalb kann die Anbindehaltung in kleineren Ställen für Kühe und Jungtiere (z. B. für Nebenerwerbsbetriebe) weiterhin bestehen bleiben, wenn keine haltungsbedingten Schäden festzustellen sind.
Die Tierpflege muss haltungsbedingte Krankheiten und Verletzungen verhindern. Zur Tierbetreuung gehört eine regelmäßige, fachgerechte Klauenpflege.
1.1.3Haltungsverfahren
Bei der Haltung von Milchvieh ist eine klare Tendenz von Anbindeställen hin zu Laufställen zu erkennen. Moderne Laufställe sollten kühl und zugfrei mit guter Luftdurchspülung sein. Der Trend geht zu Außenklimaställen. Sie sind kostengünstig und gesundheitsfördernd. Die Giebelseite wird nach der Hauptwindrichtung ausgerichtet. Bei Offenställen (= Außenklimaställen) zeigt die offene Seite nach Süden. Die Ställe besitzen ein hohes Raumvolumen (> 35 m3 pro Kuh) und oft einen offenen First. Der Abstand zwischen mehreren Einzelställen sollte mindestens 15 m betragen, um die Durchströmung mit Außenluft zu gewährleisten. Dies sichert eine gute Abfuhr der von den Tieren abgegebenen Wasserdampfmenge sowie der sensiblen Wärme (vgl. S. 223 ff.). Außerdem dient die ausreichende Luftdurchströmung dem Abtransport von Keimen, Staub und Gasen und senkt somit den Keimdruck. Niedrige Temperaturwerte stellen für die Kühe kein Problem dar. Milchvieh produziert neben einer hohen Milchleistung viel Wärmeenergie, die an die Umgebung abgegeben werden muss, damit die Tiere thermisch entlastet werden. Je geringer die Raumtemperatur ist, umso besser gelingt den Kühen die Wärmeabgabe über Konvektion. Allerdings muss das Auftreten von Zugluft vermieden werden. In modernen Laufställen wird das durch Windbrechnetze gewährleistet, die in Abhängigkeit von der Außentemperatur geöffnet oder geschlossen werden. Es gibt technische Systeme, bei denen die Regelung der Netze durch Klimacomputer ausgeführt wird. Bei niedrigen Stalltemperaturwerten muss allerdings das Einfrieren der Tränken und Wasserleitungen verhindert werden. Ringleitungen und Zirkulationsverfahren sorgen dafür, dass das Wasser in den Leitungen bewegt wird. Auswirkungen auf die Milchleistung und die (Euter-)Gesundheit sind beim Auftreten hoher Temperaturwerte zu erwarten. Besonders belastend wirkt sich auf die Kühe die Kombination von hoher Temperatur und hoher Luftfeuchte aus (Schwüle). Dies wird durch eine geringe Strömungsgeschwindigkeit der Luft im Stall (wenn die Luft steht) noch forciert. Bei hoher Luftfeuchte haben die Kühe zusätzlich die Schwierigkeit, die an Wasserdampf gebundene (evaporative) Wärmemenge abzuführen, da die Stallluft bei hoher Feuchte nur noch wenig Wasserdampf bis zur Sättigung aufnehmen kann (vgl. S. 223 ff.). Daher werden in den Milchviehställen große Ventilatoren aufgehängt, die im Sommer für eine ausreichende Luftgeschwindigkeit sorgen, die konvektive Wärmeabgabe der Kühe unterstützen und damit eine Entlastung der Kühe bewirken. Dann können auch in heißen Klimaten hohe Milchleistungen gewährleistet werden.
Bei Milchviehställen unterscheidet man Anbinde- und Laufställe (Abb. 1).

Abb. 1 Systematik der Milchviehställe
Anbindehaltung
Die Anbindehaltung ist die traditionelle Form der Kuhhaltung, die immer mehr durch die tiergerechte Gruppenhaltung im Laufstall abgelöst wird. Beim Anbindestall sind die Funktionsbereiche Fressen, Liegen, Stehen, Melken und Entmisten am selben Ort des Anbindestandes konzentriert. Die Tiere haben die Möglichkeit der Minimalbewegung. In der traditionellen Milchviehhaltung war die Anbindehaltung mit der zeitweiligen Weidehaltung verbunden.
Das Anbinden bedeutet aber auch eine nicht zu unterschätzende Einschränkung für die Tiere. Vor allem das unbehinderte Aufstehen und Abliegen sowie eine arttypische Körperhaltung beim Liegen müssen möglich sein. Beim arttypischen Hinlegen nehmen Rinder zunächst den Karpalstütz ein, nachdem sie den Liegeplatz mit tief gehaltenem Kopf erkundet haben. Nach einigen trippelnden Bewegungen mit den Hinterbeinen legen die Tiere sich dann schnell ab, wobei sie etwas auf der Seite zum Liegen kommen. Beim Aufstehen holen Rinder durch eine wippende Bewegung Schwung, um dann die Hinterbeine aufzurichten und in den Karpalstütz zu gelangen. Mit einem Ausfallschritt stehen sie dann auch vorn auf. Ein völlig ungestörtes Aufstehen und Hinlegen ist den Kühen auf der Weide, in Tiefstreu- bzw. Tretmistställen und – mit Einschränkungen – in Laufställen möglich. Verhaltensuntersuchungen ergaben, dass das Abliegen auf der Weide erwartungsgemäß zügiger als im Stall verläuft. Vor allem unterbrochene Hinlegevorgänge bei der Anbindehaltung werden als Hinweis gewertet, dass die Kuh in diesem Haltungssystem Schwierigkeiten hat, ihr arttypisches Verhalten auszuleben. Auch Kollisionen mit der Ausrüstung beim Hinlegen und Aufstehen der Kuh deuten darauf hin, dass die Haltungstechnik nicht richtig auf die Tiergröße eingestellt ist. Ein pferdeartiges Aufstehen mit den Vorderbeinen zuerst ist ein Indikator für Anpassungsprobleme der Kuh.
Als Ausgleich für das Bewegungsdefizit in einem Anbindestall muss nach der Niedersächsischen Tierschutzleitlinie entweder täglich Zugang zu einem Laufhof oder zumindest in den Sommermonaten Weidegang gewährt werden. In begründeten Einzelfällen können für auslaufende Rinderhaltungen in beengter Dorflage Ausnahmen zugelassen werden.
Bei ausschließlicher Anbindehaltung ist infolge fehlender Bewegungsmöglichkeit der Klauenabrieb oft nicht ausreichend. Bei mangelhafter oder fehlender Klauenpflege kann es in der Folge zur Bildung von „Stallklauen“ kommen. Die ungünstigen Belastungsverhältnisse führen dann unter Umständen zu schwerwiegenden Klauen- und Gelenkerkrankungen. Regelmäßige Kontrollen und bei Notwendigkeit die Korrektur der Klauen sind daher notwendig und in einem regelmäßigen Abstand (z. B. 3- bis 4-mal pro Jahr) durchzuführen.
Stallklaue: Veränderte Klaue durch mangelnde Pflege in der Anbindehaltung. Bei der Stallklaue verlängern sich die Klauenwände und die Klauenspitze durch die zu geringe Abnutzung. In der Folge kann es zu mechanischer Überlastung und Fehlstellungen kommen.
Bei der Anbindehaltung wird zwischen Mittellang- und Kurzstand unterschieden (Abb. 1). Der traditionelle Langstand (220 bis 240 cm lang) spielt wegen verschiedener Nachteile (hoher Strohverbrauch, große Stallflächeninanspruchnahme, Verschmutzung der Kühe, hohe arbeitswirtschaftliche Aufwendungen für die Reinigung u. a.) keine Rolle mehr. Der Mittellangstand mit einer Länge von bis zu 200 cm und einer Breite von 110 cm ist durch eine erhöhte Krippe und durch ein Fressgitter zu charakterisieren (Abb. 2). Außerhalb der Fresszeit wird das Gitter geschlossen, sodass die Kuh veranlasst wird zurückzutreten und sich hinter der Krippe hinzulegen. Dieses Steuerelement soll für eine größere Sauberkeit des Standplatzes sorgen. Kühe legen – im Gegensatz zu Schweinen – keine festen Kotplätze an und verkoten den eigenen Liegeplatz, wenn das Verhalten nicht gesteuert würde. Die Verschmutzung des Liegebereiches führt zu einem größeren Aufwand für die Reinigung der Euter vor dem Melken und erhöht das Risiko von Euterinfektionen und Mastitis. Wenn das Fressgitter außerhalb der Futterzeiten geschlossen ist, kann die Kuh nicht mehr über den Tag verteilt kontinuierlich Grundfutter aufnehmen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist das nicht zu akzeptieren.

Abb. 2 Mittellangstand (Prinzipskizze)
Mastitis: Euterentzündung; infektiöse Faktorenkrankheit einzelner oder aller Euterviertel, hervorgerufen durch euter- oder umweltassoziierte Krankheitskeime in Verbindung mit einer Vielzahl von Umweltfaktoren
Die Tränke ist beim Mittellangstand standplatzseitig angebracht, da die Tiere auch bei geschlossenem Fressgitter ständig Zugang zu Wasser haben müssen. Die Anbindevorrichtung darf die Bewegungsabläufe der Kühe möglichst wenig einschränken.

Abb. 3 Kurzstand (Prinzipskizze)
Beim Kurzstand (Abb. 3) steht der gesamte Raum über der Krippe den Tieren zum Abliegen, Aufstehen, Fressen, Trinken und Liegen zur Verfügung. Die Anordnung der Futterkrippe muss die arttypischen Bewegungsabläufe beim Hinlegen und Aufstehen, die ungehinderte Futteraufnahme und eine unbeeinträchtigte Körper-, insbesondere Kopfhaltung beim Ruhen ermöglichen. Kühe fressen auf der Weide in Schrittstellung und mit dadurch etwas abgesenktem Körper. Sie können bequem das Gras mit der Zunge fassen und abreißen. Bei der Anbindehaltung stellt die Krippe ein Hindernis für die Schrittstellung dar. Die Tiere sind gezwungen, mit paralleler Stellung der Vorderbeine an der Futterkrippe zu stehen. Wenn die Krippensohle zu tief (z. B. auf dem Standplatzniveau) angeordnet ist, haben die Kühe Schwierigkeiten, die gesamte Futtermenge in unbeeinträchtigter Körperhaltung aufzunehmen. Sie stemmen sich mit dem Karpalgelenk gegen die Krippenwulst, um auch das zuunterst in der Krippe befindliche Futter zu erlangen. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum, kommt es zu pathologischen Veränderungen im Karpalgelenk und zu Verdickungen desselben. Diese krankhaften Veränderungen müssen als Technopathie bewertet werden.
Technopathie: pathologische Veränderungen am Tier, die ihre Ursache in einer nicht sachgerechten Gestaltung der Haltungsumgebung haben, z. B. Klauen- und Gliedmaßenverletzungen durch fehlerhaften Fußboden
Als Konsequenz muss beim Kurzstand die Krippensohle um 10 bis 15 cm gegenüber dem Standplatzniveau angehoben werden (Abb. 4). Untersuchungen ergaben, dass nach einer derartigen baulichen Veränderung keine weiteren Karpalgelenkschäden auftraten und bestehende Läsionen zum Teil abheilten.

Abb. 4 Richtwerte zur Höhe der Krippensohle beim Kurzstand
Die Krippenwulst darf beim Kurzstand nicht zu hoch sein. Die Krippe gehört mit zum Standplatz, d. h. beim Liegen hält die Kuh ihren Kopf über die Futterkrippe. Die Höhe der Krippenwulst beträgt maximal 32 bis 35 cm bei einer Dicke von höchstens 15 cm (Abb. 5), andernfalls ist die liegende Kuh gezwungen, ihren Kopf abzuwinkeln und auf die Seite zu legen. Lediglich flexible Gummistreifen dürfen höher als 32 cm sein. Allerdings darf dadurch nicht das Abliegen und Aufstehen behindert werden. Die Krippe muss genügend breit sein, um die großen Raufuttermengen aufzunehmen. Auf einer Höhe von 20 cm über dem Standplatzniveau muss zwischen dem tierseitigen Krippenrand und der futtergangseitigen Krippenwand ein Freiraum von 60 cm sein (Abb. 6).

Abb. 5 oben: Richtwerte zur Krippenwulstgestaltung beim Kurzstand

Abb. 6 unten: Richtwerte zur Tiefe der Krippe beim Kurzstand
Bei der Kurzstandhaltung gelten die in Tabelle 7 zusammengestellten Mindestabmessungen für die Standplätze von Jungvieh und Kühen. Die Maße für Milchkühe sind ausreichend für Tiere mit einer Widerristhöhe von 135 cm ± 5 cm. Für größere Tiere müssen die Abmessungen vergrößert, für kleinere Kühe dürfen sie angemessen reduziert werden. Die Breite des Kurzstandes beträgt 110 bis maximal 120 cm. Mit abnehmender Breite und Länge des Standes bei der Anbindehaltung (das betrifft den Kurz- und Mittellangstand) erhöht sich die Häufigkeit von Klauen- und Gelenkverletzungen. Ebenso kann die Häufigkeit von Eutererkrankungen – bedingt durch Trittverletzungen – bei zu schmalen Ständen ansteigen. Je nach der Länge der eigentlichen Liegefläche in Verbindung mit der Entmistungsart werden zwei Varianten beim Kurzstand unterschieden. Im Gitterrost-Kurzstand ohne Kuhtrainer ist die Liegefläche sehr kurz (1,40 m). Bei dieser strohlosen Haltung schließt sich an die planbefestigte Fläche ein (z. T. gummiummantelter) Gitterrost an, der zur Liegefläche hinzugerechnet wird. Allerdings liegt dadurch die Kuh meistens mit dem Euter und den Sprunggelenken auf dem Rost, was zu Euterentzündungen, Schleimbeutelerkrankungen im Sprunggelenksbereich bis hin zu Gelenksentzündungen führen kann. Im Stehen fußen die Hintergliedmaßen stets auf dem Rost. Dadurch können Klauendeformationen sowie Sohlengeschwüre und Klauenentzündungen entstehen. Aus Tierschutzsicht muss diese Form der Anbindehaltung mit extrem kurzer Liegefläche und hohem Verletzungsrisiko für die Haltung von Milchkühen abgelehnt werden. Für Jungtiere kann diese Aufstallungsform übergangsweise noch genutzt werden, sofern keine haltungsbedingten Schäden auftreten und im Sommer Weidegang gewährt wird. Andernfalls muss sie (in Niedersachsen) unverzüglich in eine tiergerechte Haltungsform umgebaut werden. Für Milchkühe beträgt der Richtwert für die Länge des Kurzstandes 1,65 m (Tab. 7). Die Auftrittsbreite der Gitterroststreben muss mindestens 20 mm, der Zwischenraum darf höchstens 35 mm betragen.
| Tab. 7 Mindestabmessungen von Standplätzen für Jungvieh und Milchkühe (Schweizer Tierschutzverordnung, Niedersächsische Tierschutzleitlinie) | ||
| Standplatz | ||
| Breite cm | Länge cm | |
| Jungtiere bis 200 kg im Kurzstand | 70 | 120 |
| Jungtiere bis 300 kg im Kurzstand | 80 | 130 |
| Jungtiere bis 400 kg im Kurzstand | 90 | 145 |
| Jungtiere über 400 kg im Kurzstand | 100 | 155 |
| Milchvieh im Kurzstand | 110 | 165/180 |
| Milchvieh im Mittellangstand | 110 | 200 |
| Die Maße für Milchvieh gelten für Tiere mit einer Widerristhöhe von 135 ± 5 cm | ||
Der Kurzstand mit langer Liegefläche und Kuhtrainer ist bis 1,80 m lang. Die Liegefläche ist üblicherweise eingestreut (ungefähr 1 kg/Tier und Tag), und es schließt sich ein bis zu 30 cm tiefer Kotgraben für den entstehenden Festmist an. Die lange Liegefläche kann aber auch mit einem Gitterrost kombiniert werden. Sowohl die Kante des Kotgrabens als auch der Gitterrost besitzen ein Verletzungsrisiko für Klauen, Sprunggelenke und Euter. In einer Reihe von Betrieben wird noch ein Kuhtrainer (Abb. 7) eingesetzt, um die Verschmutzung der Liegefläche zu verhindern.

Abb. 7 Kuhtrainer
Kuhtrainer: elektrisch geladener Leiter als Steuerelement, um die Tiere zu veranlassen, vor dem Koten und Harnen einen Schritt zurückzutreten und somit den Liegebereich sauber zu halten
Dabei handelt es sich um einen individuell einstellbaren Elektrobügel, der bei Berührung einen Stromschlag als Strafreiz erzeugt. Die Berührung findet im Zusammenhang mit dem Koten und Harnen statt, indem die Tiere dabei in arttypischer Weise ihren Rücken krümmen. Durch die Bestrafung werden die Kühe konditioniert (= dressiert), vor dem Kot- und Urinabsatz einen Schritt zurückzutreten.
Operante Konditionierung: Lernverhalten, bei dem die Tiere durch Belohnung oder Bestrafung lernen, bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen oder auch zu unterlassen
Problematisch ist, dass die Kühe auch bei anderen bewegungsintensiven Verhaltensweisen, vor allem beim Brunstverhalten, Strafreize empfangen. Der Kuhtrainer stellt somit durchaus eine Belastung für die Tiere dar und beeinträchtigt das Körperpflege- und das Brunstverhalten. Allerdings erlaubt das Gerät im Vergleich zu früher etwa 20 cm längere Standplätze, ohne dass stärker verschmutzte Tiere oder ein größerer Reinigungsaufwand zu verzeichnen sind. Wegen der Auswirkungen auf das Verhalten und möglicher gesundheitlicher Schäden darf das Steuerelement Kuhtrainer in Niedersachsen und in anderen Bundesländern grundsätzlich nicht mehr eingesetzt werden. Sofern bei Altbauten ein Bestandsschutz für Anbindehaltungen mit Kuhtrainer besteht, die nur mit unvertretbar hohem Aufwand umgestaltet werden können, ist seine Verwendung (in Niedersachsen) in Ausnahmefällen unter folgenden Bedingungen weiterhin zugelassen:
nur Einsatz von geprüften und bewilligten Geräten,
individuelle Anpassung für jeden Standplatz,
Abstand zwischen Widerrist und Kuhtrainer-Bügel minimal 5 cm,
Anwendung nur bei Kühen und Rindern ab 18 Monaten,
kein Dauerbetrieb; Empfehlung: Einsatz an einem oder zwei Tagen pro Woche,
vor der Abkalbung bis einige Tage danach kein Einsatz, ebenso nicht einige Tage vor der zu erwartenden Brunst, Einstellung des maximalen Abstandes zur Kuh,
Nutzung aller Möglichkeiten für regelmäßigen, ausgiebigen Weidegang oder Auslauf,
regelmäßiges, gründliches Putzen der Tiere, da das arttypische Körperpflegeverhalten der Kühe eingeschränkt ist,
Einhaltung der Anforderungen ist ggf. durch ein entsprechendes Gutachten des Amtstierarztes zu belegen.
Bei der Kurzstandhaltung können im vorderen Bereich des Standplatzes Trennbügel zwischen jeder zweiten Kuh angebracht sein. Diese Bügel richten die Tiere auf den Standplätzen aus und verhindern ein Diagonalstehen über zwei nebeneinanderliegende Standplätze hinweg. Die Rangordnung der Kühe kann dazu führen, dass ranghohe Tiere sich quer auf die Standplätze stellen und legen. Im Extremfall werden benachbarte rangniedere Tiere daran gehindert, sich hinzulegen. Aus der Diagonalstellung resultiert wiederum eine stärkere Verschmutzung des Liegebereiches mit den oben geschilderten Konsequenzen für Euterreinigung und -gesundheit.
Über der Krippe angebrachte Fressgitter schränken den Raum über der Futterkrippe ein und sind somit beim Kurzstand kritisch zu betrachten. Die Tränke wird beim Kurzstand krippenseitig zwischen zwei Standplätzen angebracht. Hohe Durchflussmengen sind notwendig, um den Wasserbedarf der Kühe zu decken.
Der Fußboden bei der Anbindehaltung kann eingestreut sein. Dies funktioniert allerdings nur beim Kurzstand mit Kotgang. Die Entmistung erfolgt dann mit Seilzugschieber oder Schubstangenentmistung. Falls die Entmistung mit Traktor und Schiebeschild vorgenommen wird, muss der Kotgang 180 bis 220 cm breit sein. Beim Gitterrost-Kurzstand kann eine Gummimatte als Liegefläche verwendet werden. Sie kann mit etwas Strohmehleinstreu betrieben werden, um die Feuchtigkeit zu binden.
Das Melken der Kühe erfolgt am Standplatz der Tiere mit einer Eimer- oder Rohrmelkanlage (s. Jungbluth et al. 2005). Bei der Anbindehaltung muss eine Möglichkeit bestehen, die Tiere gruppenweise zu lösen, um sie in einer Havariesituation schnell aus dem Stall treiben zu können.
Laufstallhaltung
Im Laufstall sind die Funktionsbereiche Füttern, Melken, Entmisten und Liegen getrennt. Die Tiere werden nicht am Standplatz, sondern im Melkhaus gemolken. Das Füttern erfolgt am Fressband – getrennt vom Liegebereich. Gegenüber der Anbindehaltung besitzt der Laufstall eine Reihe von Vorteilen:
Rinder sind sozial lebende Tiere – der Laufstall ermöglicht eine artgerechte Haltung in Gruppen,
die Bewegung hat bei ganzjähriger Stallhaltung positive Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Gesundheit,
die Brunst der Tiere kann im Laufstall besser als bei Anbindehaltung erkannt werden,
die Melkarbeit im Melkstand ist bequemer, hygienischer und geht schneller (kurze Wege von Melkplatz zu Melkplatz, aufrechte Körperhaltung),
in größeren Kuhbeständen sinkt der Arbeits- und Kostenaufwand pro Kuh bzw. pro Liter erzeugte Milch,
bei geschickter Anordnung des Melkhauses sind einfache Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden,
das Unfallrisiko beim Melken (Schlag- und Trittverletzungen) ist geringer
und Altgebäude können besser genutzt werden.
In vielen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass es bei richtiger Gestaltung des Laufstalles zu einer Verbesserung von Gesundheit und Leistung der Kühe gegenüber der Anbindehaltung kommt. Das am weitesten verbreitete System der Laufstallhaltung ist der Liegeboxenlaufstall. Zwischen 90 und 100 % der Spitzenbetriebe wenden diese Haltungsform an. Daneben gibt es gelegentlich Fressboxenställe und selten Tieflaufställe (Abb. 1). Vor allem in Süddeutschland findet man sehr selten den Tretmiststall als Einraum- oder Zweiraumstall. Außerdem gibt es die ersten Kompostierungsställe, zu denen aber aktuell (2015) intensive Untersuchungen stattfinden, um mögliche lebensmittelhygienische Risiken auszuschließen (s. S. 35). Die Laufstallhaltung kann ausschließlich im Stall – zunehmend als Außenklimastall – oder in Verbindung mit einem Laufhof außerhalb des Stalles durchgeführt werden. Im Liegeboxenlaufstall sind Liege- und Laufbereich baulich-funktionell voneinander getrennt. Für jede Kuh soll eine Liegebox vorhanden sein.
| Tab. 8 Mindestabmessungen für die Gruppenhaltung von Jungvieh und Milchkühen (Schweizer Tierschutzverordnung, Niedersächsische Tierschutzleitlinie) | |||
| Standplatz | Bodenfläche je Tier m2 | ||
| Breite cm | Länge cm | Liegefläche mit Einstreu | |
| Jungtiere bis 200 kg | 1,8 | ||
| Jungtiere bis 300 kg | 2,0 | ||
| Jungtiere bis 400 kg | 2,5 | ||
| Jungtiere über 400 kg | 3,0 | ||
| Milchvieh | 4,5 | ||
| Milchvieh, wandständige Liegebox | 120 | 240–250 | |
| Milchvieh, gegenständige Liegebox | 120 | 220–240 | |
| Die Maße für Milchvieh gelten für Tiere mit einer Widerristhöhe von 135 ± 5 cm | |||
Bei der Laufstallhaltung müssen (in der Schweiz bzw. in Niedersachsen) die in Tabelle 8 zusammengestellten Mindestabmessungen für die Standplatzgestaltung und die Bodengestaltung eingehalten werden. Die Werte gelten für Jungvieh und für Milchkühe. Bei der Liegeboxengestaltung wird zwischen wandständiger und gegenständiger Liegebox unterschieden. Die Liegeboxen müssen ein ungehindertes Aufstehen, Ablegen und Ruhen ermöglichen, ohne zu stark zu verschmutzen. Die wandständige Liegebox (Abb. 8) befindet sich – wie aus dem Namen ableitbar – an einer Stall- oder einer Zwischenwand. Die Wand kann das Aufstehen und Ablegen behindern, sodass die wandständige Liegebox länger als die gegenständige Liegebox sein muss. Bei dieser steht der Freiraum zwischen den beiden sich gegenüber befindlichen Boxen zum Schwungholen beim Hinlegen und Aufstehen zur Verfügung. Die wandständige Liegebox ist insgesamt von der Wand bis zur Kotkante 240 bis 250 cm lang (empfohlen bis 2,80 m). Eine Bugkante als Steuerelement in mindestens 45 cm Abstand von der Wand verhindert, dass die Kuh zu nahe an die Wand rutscht und dann Probleme beim Aufstehen hat. Ein zweites Steuerelement ist das Nackenrohr (auch als Nackenbügel bezeichnet). Es wird etwa 70 bis 80 cm von der Wand entfernt in 115 bis 130 cm Höhe über der Liegefläche angebracht. Das Nackenrohr veranlasst die Kuh, beim Aufstehen einen Schritt zurückzutreten. Da Kühe häufig nach dem Aufstehen Kot absetzen, dient das Steuerelement der Sauberhaltung der Liegefläche. Die Liegeplatzlänge beträgt, analog dem Mittellangstand, mindestens 185 cm. Die Liegebox wird durch eine Kotkante (bei der Tiefbox) bzw. eine Kotstufe (bei der Hochbox) begrenzt. Kot- und Bugkante sind jeweils etwa 10 bis 20 cm hoch. Die Tiefbox (vgl. Abb. 8 und 9) wird auf dem Niveau der Lauffläche angelegt und eingestreut (0,5 bis 1 kg täglich bei Spaltenboden und etwa 3 kg pro Tier und Tag bei Festmist). Die Hochbox (vgl. Abb. 9) ist gegenüber der Lauffläche um 20 bis 25 cm erhöht. Sie wird mit einer weichen Matte oder Matratze ausgelegt und mit etwas Strohmehl (bis 0,5 kg täglich pro Box) zum Binden der Feuchtigkeit betrieben. In den Spitzenbetrieben sind Hochboxen deutlich häufiger als Tiefboxen anzutreffen.

Abb. 8 Wandständige Liegebox
Bei der gegenständigen Liegebox (Abb. 9) werden zwei Liegeboxen so aneinandergebaut, dass die Kühe mit den Köpfen einander zugewandt liegen. Der Freiraum zwischen den Boxen kann von beiden Tieren genutzt werden, sodass die Box etwa 20 cm kürzer als die wandständige Variante sein kann. Der grundsätzliche Aufbau ist mit der wandständigen Liegebox vergleichbar. Um das Durchlaufen beider Liegeboxen zu verhindern, muss eine Begrenzung dazwischen sein (z. B. ein Rohr in 60 bis 70 cm Höhe), ohne jedoch das Abliegen und Aufstehen sowie die Kopfhaltung im Liegen zu beeinträchtigen. Der Raum zwischen den beiden Boxen kann zur Bevorratung von Stroh, Strohmehl oder Sägespänen genutzt werden (Abb. 10).

Abb. 9 Gegenständige Liegeboxen

Abb. 10 Gegenständige Liegeboxen mit Einstreu
Die Maße für die Liegeboxen sind – wie auch bei der Anbindehaltung – für Tiere mit einer Widerristhöhe von 135 ± 5 cm vorgesehen. Für größere Tiere (z. B. Deutsch Holstein mit Kreuzhöhe = 145 cm) sollten die Abmessungen vergrößert, für kleinere Tiere dürfen sie verringert werden. Die in Tabelle 8 dargestellten Funktionsmaße gelten für den Herdendurchschnitt. Diese Anforderungen können aus verschiedenen Körpermaßen der Kühe abgeleitet werden. Die wichtigsten Maße sind die schräge Rumpflänge (gemessen zwischen Bugspitze und Sitzbeinhöcker) und die Schulterbreite (Abb. 11). Aus den folgenden Formeln können die tierindividuellen Idealmaße berechnet werden:
Standplatzbreite = schräge Rumpflänge × 0,922 + 23 cm
Standplatzbreite = 2 × Schulterbreite + 5 cm.

Abb. 11 Körpermaße bei Kühen, aus denen Funktionsmaße für die Stalleinrichtung abgeleitet werden können
A = Bugspitze
B = Sitzbeinhöcker
Gelegentlich werden geringfügig davon abweichende Maße angegeben (s. Jungbluth et al. 2005).
Die Boxenmaße sollten sich an den großen Tieren der Herde orientieren. Das Problem ist allerdings, dass die freie Liegeboxenwahl die individuelle Anpassung erschwert und kleinere Tiere die Boxen verschmutzen. Zwischen den einzelnen Liegeboxen befinden sich Trennbügel, die im vorderen Bereich fest verankert sind. Im Hüftbereich sollen sich keine Stützen befinden, damit die Tiere sich nicht verletzen bzw. einklemmen können. Die Bodenfreiheit zwischen dem Standplatz und dem unteren Querholm soll 40 cm betragen.
Seit einigen Jahren kommt dem Kuhkomfort eine große Bedeutung zu. Kühe liegen täglich etwa 12 h in bis zu 9 Perioden. Somit muss die Liegefläche weich und angenehm sein. Druckstellen sollen nicht auftreten. Für die Liegeboxen steht eine Vielzahl an Bodenbelägen zur Verfügung: Kuhmatratzen (Granulat aus verschiedenen Materialien mit einem Deckbelag bespannt), Weichbetten (Gummi- und Schaumstoffunterlage), Gummimatten (mit Profil oder Noppen auf der Unterseite), Ethyl-Vinyl-Acetat (EVA)-Matten, Wasserbetten u. a. Wahlversuche haben eindeutig gezeigt, dass Kühe zum Liegen ein weiches und verformbares Material bevorzugen, das sich dem Körper anschmiegt. Sand ist ebenso ein gutes Material für die Liegebox. Allerdings gibt es das praktische Problem, dass Sand in den Güllekanal geraten kann und von dort nur schwierig zu entfernen ist.
Die Raumstruktur muss einen stressfreien Kuhverkehr von den Liegeboxen zum Melkstand und zu den Fressplätzen ermöglichen. Es dürfen keine Sackgassen und Engstellen auftreten. Rangniedere Tiere müssen die Möglichkeit haben, in einer sozialen Mindestdistanz an ranghohen Tieren vorbeigehen zu können. Bei beengten räumlichen Verhältnissen schränken vor allem rangniedere Kühe ihre lokomotorische Aktivität ein, um nicht ständig Begegnungen mit ranghohen Tieren auf engem Raum zu haben. Für die maßliche Gestaltung des Laufstalles bedeutet das, dass die Laufgangbreite entlang des Fressbereiches mindestens 350 cm betragen muss. Manche Berater empfehlen Maße bis 400 cm. Laufgänge zwischen den Liegeboxen sollten 250 cm breit sein. Bei freitragenden Bügeln, die nicht bis zur Kotkante reichen, ist ein maximal 40 cm kleineres Maß möglich. Bei mechanischer Entmistung muss beachtet werden, dass die fressenden Tiere mit den Hinterbeinen bei etwa 150 cm ab Krippe stehen. Quergänge und Zugänge zum Melkstand oder zum Auslauf werden entweder für die Breite eines Tieres (die Tiere können nur nacheinander diesen Gang passieren) oder für die Begegnung von zwei Tieren ausgelegt. Daraus ergibt sich eine Gangbreite von 80 bis 90 cm bzw. von 180 cm (Abb. 12). Werden jedoch Tränken in diesen Gängen platziert, müssen diese auf 240 cm verbreitert werden.

Abb. 12 Grundrissschema eines Laufstalles
Die Stallböden im Laufbereich müssen trittsicher und rutschfest sein und eine gute Reinigungseignung aufweisen. Spalten- und Lochböden sind dabei durch die Hersteller dem Gewicht der Tiere anzupassen. Sie müssen plan und die einzelnen Balken unverschiebbar verlegt sein. Die Kanten der Balken dürfen keine vorstehenden Grate haben oder müssen vor der Erstbelegung abgeschliffen werden. Für Milchkühe soll eine Spaltenweite von 25 mm im Fressgang und von 30 bis 35 mm im sonstigen Laufbereich bzw. ein Lochdurchmesser von 55 mm nicht überschritten werden. Die Mindestauftrittsbreite der Balken beträgt 80 mm. Spaltenböden sind wesentlich häufiger als planbefestigte Laufflächen in deutschen Spitzenbetrieben zu finden. Etwa 70 bis 90 % dieser Betriebe haben perforierte Laufflächen.
In planbefestigten Laufgängen wird rau abgezogener Beton oder Gussasphalt eingesetzt. Durch die Kot-Urin-Schicht werden Betonflächen im Laufe der Zeit glatt. Laufgänge können dann saniert werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: das Aufrauen mittels Fräsen, die Beschichtung mit Kunstharz oder die Sanierung durch eine Gussasphalt-Beschichtung. Die letzte Variante ist am teuersten, hält jedoch am längsten und bietet eine anhaltend gute Trittsicherheit.
Laufflächen (auch Spaltenböden) können mit Gummimatten beauflagt werden. Auf diesem tierfreundlichen, weichen Belag laufen die Tiere zügiger mit größeren Schritten. Die Verformbarkeit der Lauffläche (gemessen durch die Einsinktiefe) sorgt für eine bessere Standsicherheit bei der Körperpflege. Beim Lecken in der Anogenitalregion stehen die Tiere nur auf drei Beinen. Ein glatter Boden kann zum Ausgleiten führen, sodass dieses arttypische Verhalten auf diesen Böden nicht mehr oder nur eingeschränkt gezeigt wird. Es liegen noch keine Ergebnisse zur Haltbarkeit und zur Hygiene der Gummimatten nach längerer Einsatzzeit vor.
Zur Raumstruktur gehört auch, dass Abkalbe- und Krankenbox (bzw. -stall) nahe dem Melkstand einzuordnen sind, um kurze Treibewege für die euterkranken Kühe beim mehrmaligen täglichen Melken bzw. für die klauenkranken Tiere zu gewährleisten. Als Fläche für den Warteraum vor dem Melkstand sind mindestens 1,4 bis 2 m2 je Kuh zu veranschlagen, maximal jedoch 3,5 m2.
Die Fressplatzbreite beträgt am Fressgitter 70 bis 80 cm, für hochtragende Tiere bis 100 cm. Das Tier-Fressplatz-Verhältnis sollte 1 : 1 betragen. Beim Einsatz von Total-Misch-Rationen (TMR) kann die Relation auf 1,2 bis 1,5 : 1 erweitert werden, da alle Tiere ständig Zugang zu einer ausgeglichenen Futterration haben. Neben der oben beschriebenen Krippe ist in vielen Betrieben ein Futtertisch anzutreffen, der mit dem Futterverteilwagen befahren wird. Die Futterfläche aus Beton mit Kunstharzbeschichtung oder aus Steinzeugschalen soll glatt und leicht zu reinigen sein. Beim Futtertisch muss das Futter mehrmals täglich nachgeschoben werden. Dazu gibt es selbstfahrende Geräte. Die Beleuchtung des Fressbereiches erfolgt über mindestens 16 h pro Tag (80 bis 100 lx), um eine kontinuierliche Futteraufnahme zu ermöglichen.
Ein Fressgitter (Abb. 13) ermöglicht die zeitweilige Fixierung aller oder einzelner Tiere, z. B. für Trächtigkeitsuntersuchungen, veterinärmedizinische Behandlungen, Blutentnahmen oder die Besamung. Dagegen erfolgt die Klauenpflege zumeist in einem speziellen Stand.

Abb. 13 Fressgitter
Zum Stand der Technik bei der Laufstallhaltung gehört die Abruffütterung über eine oder mehrere Kraftfutterstationen. Die Kühe werden durch eine elektronische Tiererkennung identifiziert und in Abhängigkeit von ihrer Milchleistung mit einer individuell festgelegten täglichen Kraftfutterration gefüttert (zu den technischen Details s. Jungbluth et al. 2005). Für 25 bis 30 Kühe soll eine Kraftfutterstation vorhanden sein.
Große Bedeutung kommt einer ausreichenden Wasserversorgung zu. Wasser ist das wichtigste Futter- und Lebensmittel. Milchkühe nehmen große Wassermengen insgesamt und pro Zeiteinheit auf. Die Trinkgeschwindigkeit beträgt 5 bis 10 l pro min. Um die Tränke muss ausreichend Platz sein. Ranghohe Tiere blockieren gelegentlich die Tränken; für rangniedere Tiere muss eine Ausweichmöglichkeit bei Verdrängungen bestehen. Es kommen Schwimmertränken zum Einsatz, bei denen stets so viel Wasser nachläuft, wie getrunken wird. Wenn die Wasserleitungen frostsicher verlegt sind, besteht angesichts des großen Volumens der Tränken mit Vorratsbehälter (80 bis 150 l) und des häufigen Trinkens der Kühe keine Frostgefahr. Für 20 Kühe soll ein Tränkplatz vorhanden sein (eine Doppeltränke für 40 Tiere).
Eine Voraussetzung für eine hohe Milchleistung ist möglichst wenig Stress rund um die Abkalbung und eine optimale Vorbereitung auf die nächste Laktation. Daher müssen die Kühe rechtzeitig vor dem Abkalben trockengestellt werden. Trockenstellen bedeutet, dass die Kühe nicht mehr gemolken werden. Angestrebt, und in vielen Betrieben auch realisiert, ist ein Trockenstellen 51 bis 42 Tage vor dem Abkalben. Etwa 2 Wochen (16 Tage) vor der Kalbung erfolgt die Umstallung in die Transitgruppe (= Vorbereitungsgruppe), d. h. in den Betrieben befinden sich zwei Gruppen Trockensteher. Das Trockenstellen wird in den Betrieben unterschiedlich gehandhabt. In 80 % der Milchviehbetriebe erfolgt das Trockenstellen unter Antibiotikaschutz. In den ersten Tagen nach dem Trockenstellen wird in den Alveolen des Euters noch Milch gebildet, die in dem Hohlraumsystem der Euterviertel gespeichert wird. Diese sezernierte, aber nicht mehr abgemolkene Milch bildet ein ideales Nährmedium für die Erreger von Eutererkrankungen. Da die trockengestellten Kühe nicht mehr täglich auf mögliche Eutersekretionsstörungen untersucht werden (können), steigt in dieser Phase das Risiko von unerkannten oder zu spät erkannten Mastitisfällen mit Auswirkungen auf die Leistungen und die Eutergesundheit in der nachfolgenden Laktation. Daher wird vorsorglich ein Antibiotikum in die Zitzenzisterne appliziert, um die Keimvermehrung zu unterbinden. Allerdings sollte von Zeit zu Zeit ein Antibiotika-Resistenztest vorgenommen werden, um die Wirksamkeit des Präparates zu überprüfen. In 10 % der deutschen Spitzenbetriebe wird ein Antibiotikum prophylaktisch nur bei Problemkühen eingesetzt und in weiteren 10 % erfolgt eine intensive Mastitisuntersuchung vor dem Trockenstellen ohne Antibiotika-Einsatz. Mit dem Ziel, den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren, werden zunehmend interne Zitzenversiegler eingesetzt, die für einen mechanischen Verschluss des Strichkanals sorgen. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes spielt das Trockenstellen unter Antibiotikaschutz aber auch weiterhin eine große Rolle.
Die Frühtrockensteher (etwa 7 Wochen vor der Abkalbung) können im Boxenlaufstall gehalten werden. Jedem Tier muss eine Liegebox zur Verfügung stehen. Überbelegungen sind wegen der längeren Liegezeiten der hochtragenden Kühe unbedingt zu vermeiden. Während der Vorbereitungsfütterung (= 2 bis 3 Wochen vor der Abkalbung) sollten die Kühe in einem eingestreuten Laufstall (= Abkalbebox) gehalten werden. Vorteilhaft ist eine etwa 160 cm tiefe und 40 cm hohe (zwei Stufen) befestigte Standfläche am Fressgitter (je Kuh etwa 90 bis 100 cm breit). Dadurch wird die Einstreumenge reduziert und durch das harte Stehen die Klauenqualität gefördert. Bei gleichmäßiger Abkalbung über das Jahr und einer angestrebten Zwischenkalbezeit von etwa 365 bis 385 Tagen lassen sich die erforderlichen Tierplätze in einem Milchviehbetrieb für die einzelnen Haltungsabschnitte berechnen (Tab. 9). Allerdings beträgt in vielen Betrieben die Zwischenkalbezeit deutlich über 400 Tage. Etwa 30 % der Plätze sollten für die Färsengruppe veranschlagt werden. Färsen benötigen Zeit, um ihr Immunsystem an das betriebsspezifische Keimmilieu anzupassen. So wird eine Eingliederung der Färsen in den Kuhbereich ca. 6 Wochen vor der Abkalbung empfohlen. In der Praxis erfolgt die Färsenintegration häufig später, z. T. erst eine Woche vor der Kalbung. Die Tiere werden zumeist mit den Trockenstehern gehalten. Das verringert die Rangkämpfe, bietet den Färsen mehr Ruhe beim Fressen und gestattet eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere. Einige Betriebe integrieren die Färsen direkt in die Herde der laktierenden Kühe. Die Färsen können sich bereits mit den Herdenmitgliedern auseinandersetzen und lernen den Melkstand und ihre spätere Haltungsumgebung kennen. Nachteilig bei dieser Eingliederung ist, dass das Risiko von Euterinfektionen steigt, harte Rangordnungskämpfe auftreten können (Gefahr von Aborten!) und dass Färsen von den älteren Kühen am Futtertisch verdrängt werden, sodass sie zu wenig Futter aufnehmen. Die Rationsgestaltung für laktierende Kühe ist außerdem nicht optimal auf den Nährstoff- und Energiebedarf der Färsen abgestimmt.
| Tab. 9 Anteil Kuhplätze in den verschiedenen Haltungsabschnitten und empfohlene Aufstallung | |||
| Tiergruppe/Haltungsabschnitt | Dauer | Anteil (%) | Empfohlenes Haltungsverfahren |
| Frühtrockensteher | 4 Wochen | 10 | Laufstall, Liegebox; evtl. Weide |
| Vorbereitungsgruppe | 2–3 Wochen | (4–)5 | Zweiraumlaufstall; Stroh |
| Abkalbung | (1) | dito oder Tieflaufstall; Stroh | |
| Frischlaktierer | 3 Wochen | 5 | Laufstall, weiche Liegebox |
| Hochleistende | 35 Wochen | 30 | Laufstall, weiche Liegebox |
| Altmelkende | 10 Wochen | 20 | Laufstall, weiche Liegebox |
| Färsengruppe | 45 Wochen | 30 | Laufstall, weiche Liegebox |
Für hochtragende Tiere müssen eine oder mehrere Abkalbeboxen vorhanden sein. In 85 % der deutschen Spitzenbetriebe gibt es mindestens eine Abkalbebox. Die Fläche pro Box beträgt 3 × 4 bis 4 × 4 m. Werden mehrere hochtragende Kühe gemeinsam in einer Abkalbebox gehalten (in etwa der Hälfte der Betriebe ist dies der Fall), ist der Flächenanspruch pro Kuh mindestens 8 bis 10 m2. Die Abkalbebox wird als eingestreute Bucht mit Zugang zu Wasser und Futter ausgelegt. Die Bewegung bis zur Abkalbung fördert den Geburtsablauf. Man rechnet eine tägliche Strohmenge von 10 bis 15 kg pro Kuh. Durch das ungehinderte Hinlegen und Aufstehen haben die hochtragenden Kühe weniger Stress. Anbindeplätze für abkalbende oder auch kranke Kühe aus dem Laufstall sind nicht mehr Stand der Technik. In der Abkalbebox hat die Kuh die Möglichkeit, das neugeborene Kalb trocken zu lecken, was sich positiv auf die Durchblutung des Kalbes und auf die Nachgeburtsphase der Kuh auswirkt (s. Kap. 1.4.2). Von der Abkalbebox aus sollten die Kühe Sichtkontakt zur übrigen Herde haben. Das erleichtert die Wiedereingliederung in die Gruppe nach der Kolostralmilchperiode. Für etwa 30 Kühe sollte eine Abkalbebox zur Verfügung stehen. Neben der Versorgung des Kalbes (s. Kap. 1.4.2) kommt auch der Betreuung des Muttertieres in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt große Bedeutung zu. Die Kuh soll nach der Abkalbung möglichst schnell mit der Festfutteraufnahme beginnen. Daher sollte das Kalb innerhalb weniger Stunden von der Mutter getrennt und separat versorgt werden. Eine wichtige Maßnahme bei der Erstversorgung des Muttertieres ist die Verabreichung von (lauwarmem) Wasser. Die Kühe haben nach der Geburt ein Flüssigkeitsdefizit, das schnell gedeckt werden muss. Vor allem bei Schwergeburten kann es zu Kreislaufproblemen bei der Kuh kommen. Die Wasseraufnahme durch die Kuh hat folgende positive Effekte:
Pansenstimulation zur Anregung der Festfutteraufnahme,
die teilweise Füllung des Pansens reduziert die Gefahr einer Labmagenverlagerung,
beschleunigter Abgang der Nachgeburt und
besseres Wohlbefinden der Tiere.
Die Kühe bevorzugen handwarmes Wasser aus dem Eimer im Vergleich zum Wasser aus der Tränke. Mit dem Wasser können Zusatzstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Propylenglykol) verabreicht werden. In manchen Betrieben wird das Wasser den Tieren über einen Drench eingeflößt.
Drench: Schlauchleitung, über die mittels Pumpe Wasser, ggf. mit Zusatzstoffen, appliziert werden kann
Eine Krankenbucht muss unbedingt separat vorhanden sein.
Weitere Laufstall-Varianten sind Fressliegeboxen, Tieflaufställe und der Tretmiststall. Bei Fressliegeboxen-Ställen sind die Liegeplätze unmittelbar an der Krippe bzw. dem Futterband angeordnet. In der maßlichen Gestaltung entspricht der Liegebereich dem Kurzstand der Anbindehaltung, wobei die Kopffreiheit über der Krippe gesichert sein muss. Für die Laufgänge gelten dieselben Anforderungen wie für den Liegeboxen-Laufstall.
Bei Tieflaufställen wird zwischen Einraum- und Zweiraumställen unterschieden. Durch die Einstreu werden Trittsicherheit, Wärmedämmung und Verformbarkeit des Liegebereiches gewährleistet. Allerdings ist der Strohverbrauch bei solchen Aufstallungen sehr hoch. Beim Einraumstall, bei dem die gesamte Lauf- und Liegefläche eingestreut ist, wächst die Einstreuschicht durch das tägliche Nachstreuen. Somit müssen die Fress- und Tränkplätze – ähnlich wie bei der Schafhaltung – „mitwachsen“, was umständlich und aufwendig ist. Wird zu knapp eingestreut (weniger als 15 kg je Kuh und Tag), verschlammt die Einstreu. Ungenügend eingestreute, vernässte Tiefstreuflächen erfüllen vor allem in Außenklimaställen die Forderung nach einem ausreichend wärmegedämmten Liegebereich nicht. Bei hoher Stalltemperatur kann andererseits eine hohe Ammoniakkonzentration resultieren.
Einraum-Tiefstreuställe für Rinder über 4 Monate sind aus den folgenden Gründen als problematisch zu beurteilen:
ungenügender Klauenabrieb,
Sauberkeit der Tiere nur bei sehr hohem Strohverbrauch gewährleistet und
Fressplatzniveau muss laufend an die wachsende Tiefstreumatratze angepasst werden.
Für Milchvieh ist daher von einer derartigen Aufstallung abzuraten.
Im Zweiraum-Tiefstreustall sind der Fress- und der Liegebereich getrennt. Über eine Schräge oder Stufen erfolgt der Übergang vom Einstreu- zum planbefestigten oder perforierten Bereich an den Futterplätzen. Bei Spaltenboden stellt allerdings der Stroheintrag in das Güllesystem ein Problem dar. Der Strohverbrauch (6 bis 10 kg je Tier und Tag) ist geringer als im Einraumstall. Allerdings verursacht die Einstreuversorgung im Vergleich zum Liegeboxenlaufstall Mehrarbeit und höhere Kosten.
Beim Tretmiststall besteht das Grundprinzip darin, dass auf einer schrägen Liegefläche mit einem Gefälle zwischen 6 und 10 % eine Stroh-Mist-Matratze aufgebaut wird, die unter der Bewegung der Tiere (von oben nach unten) durchgetreten wird und über eine Abrisskante aus dem Stall bzw. aus dem Liegebereich befördert wird. Voraussetzung ist ein Mindestgewicht der Tiere von 180 kg. Durch das Stroh-Exkremente-Gemisch entsteht eine Rotte mit einer Temperatur von 35 bis 45 °C. Nach etwa 30 Tagen ist dann Stalldung entstanden, der über eine Faltschieberanlage oder mit Traktor und Schiebeschild aus dem Stall befördert wird. Auch beim Tretmiststall kann prinzipiell zwischen dem Einraum- und dem Zweiraumstall unterschieden werden. Die Strohversorgung erfolgt auf der „Bergseite“. Der Futterplatz ist auf der „Talseite“ angeordnet. Beim Einraumstall stehen die Tiere allerdings am Fressplatz im Morast, sodass diese Variante nicht empfohlen werden kann. Beim Zweiraumstall ist der Liege- vom Fressbereich getrennt.
Die Vorteile des Tretmiststalles gegenüber dem Tiefstreustall bestehen in der Verringerung der Strohmengen (ca. 5 kg Einstreu/Kuh und Tag) sowie in der Selbstentmistung. Nachteilig wirkt sich der Keimdruck aus der feuchten und warmen Einstreuschicht auf die Eutergesundheit (Mastitis) und die Klauenhärte und -gesundheit aus. Die Klauen müssen regelmäßig kontrolliert und ggf. behandelt werden. Beim Tretmiststall wird eine Fläche von 3,5 bis 4 m2/Kuh kalkuliert. Die Breite des Laufganges im Fressbereich sollte mindestens 3 m betragen.

Abb. 14 Kompostierungsstall
Neue Verfahren sind der Kompoststall und der Kompostierungsstall. Im Kompoststall besteht die Einstreu bereits aus kompostiertem Material (z. B. Fertigkompost). Im Kompostierungsstall (Abb. 14) dagegen setzen sich organische Einstreumaterialien, wie Sägespäne, Getreideausputz oder Holzschnitzel, mit Kot und Harn im Stall zu einem Kompost um. Wichtig für die Funktion des Systems ist der Sauerstoffeintrag in die Einstreumatte, um die mikrobiologische Aktivität zu fördern. Durch die mikrobielle Tätigkeit entsteht Wärme, die die mit den Exkrementen eingetragene Feuchtigkeit aus der Einstreumatratze verdampfen muss. Zumeist wird ein Zweiraumlaufstall mit einem befestigten Laufgang am Futtertisch angewendet, um nicht zu große Exkrementemengen umsetzen zu müssen. Pro Tier und Tag fallen ca. 50 bis 60 kg Kot und Harn an, die auf etwa 10 m2 Fläche umgesetzt werden müssen. Funktioniert das nicht, verschlammt die Einstreu rasch. Auf dem Laufgang am Futtertisch werden ca. 30–40 % der Exkremente abgesetzt und z. B. mit einem Faltschieber aus dem Stall entfernt. Im Kompoststall konnten sporenbildende Mikroorganismen nachgewiesen werden, die von lebensmittelhygienischer Bedeutung sind, sodass einige niederländische Molkereien deshalb die Annahme von Milch aus derartigen Ställen verwehren. Gegenwärtig (2015) finden diesbezügliche Untersuchungen auch an Kompostierungsställen statt. Der Kompostierungsstall besitzt große Vorteile bei den Kriterien Tiergerechtheit und Sauberkeit und führt letztlich zu mehr Tierwohl. Zu Eutergesundheit und Milchleistung fehlen noch belastbare Daten, bislang gibt es allerdings keine Hinweise auf eine Verschlechterung der Situation. Die täglich mindestens zweimalige tiefwendende Kompostpflege ist unbedingt zu gewährleisten. Bei den Baukosten ist durch den großen umbauten Raum je Kuh keine große Einsparung im Vergleich zum Liegeboxen-Laufstall zu erwarten. Wenn die hygienischen Bedenken ausgeräumt werden können, werden entscheidend die Fragen nach der Verfügbarkeit und den Kosten eines geeigneten Einstreumaterials (z. B. Getreideausputz) sein, das nicht in Konkurrenz mit möglichen anderen Anwendungen (z. B. Holzpellets) steht.
1.1.4Managementmaßnahmen
Die wichtigste Managementmaßnahme ist das Melken. In den meisten Milchviehbetrieben wird zweimal pro Tag bei einer Zwischenmelkzeit von etwa 12 h gemolken. Die tierphysiologischen Vorteile des dreimaligen täglichen Melkens bei Jahresleistungen über 7000 kg Milch sind erwiesen. Auch die betriebswirtschaftlichen Vorteile sind zumeist gegeben, sofern keine überproportional hohen Kosten für die zusätzliche Arbeit anfallen. In vielen Betrieben kann der Übergang zum dreimaligen Melken zu einer physiologischen Entlastung im Hinblick auf Euter, Stoffwechsel und Zellzahl sowie zu einer deutlichen Leistungssteigerung führen. Im Familienbetrieb ist das dreimalige Melken arbeitsorganisatorisch schwieriger zu realisieren als im Großbetrieb mit Fremdarbeitskräften. Eine noch höhere Anzahl an Melkungen pro Tag (bis 3,2-mal) ist bei der Nutzung von Melkrobotern (AMS = Automatisches Melksystem) zu erreichen.
Dabei kann zugleich eine Vielzahl an Daten für das betriebliche Management erfasst werden (Tab. 10). Die Grundlagen des Milchentzugs und die Milchgewinnung werden ausführlich im Buch „Technik Tierhaltung“ (Jungbluth et al. 2005) beschrieben.
| Tab. 10 Übersicht über die im Melkroboter erfassten individuellen Daten (Auszug) |
| Allgemeine Daten: Kuh-Nr., Abstammung, Geburtsdatum u. a. |
| Tierfütterung: Kraftfuttermenge pro Tag, Erhöhung, Reduzierung |
| Milchqualität: Leitfähigkeit in allen Vierteln, Leitfähigkeitshinweise, Milchtemperatur in allen Vierteln, Farbwerte |
| Aktivität: Aktivitätswerte, ggf. Wiederkauaktivitätswerte, Hinweise zu Aktivität |
| Übersicht Laktationen: kumulative Milchleistung, Tagesmilchleistung, Laktationstag, Anzahl Melkungen, Melkgeschwindigkeit, Anzahl Verweigerungen, Anzahl misslungene Melkungen |
| Kalender: sämtliche Ereignisse, z. B. Besamung, Trächtigkeitsuntersuchung |
| Gesundheitsereignisse: Behandlungen, Medikamente, Behandlungstag |
| Melkbesuche: Anmelkzeit und Melkzeit pro Viertel, Besuchszeiten |
Eine der Voraussetzungen für eine hohe Milchleistung besteht darin, dass jede Kuh möglichst jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringt. Die Konsequenz daraus ist, dass die Kuh innerhalb einer Serviceperiode von etwa 95 Tagen (Schwankung zwischen 80 und 110 Tagen) nach der Geburt eines Kalbes erneut tragend wird. Die Zwischenkalbezeit sollte somit weniger als 365 Tage betragen. Tatsächlich liegt sie in vielen Betrieben bei über 400 Tagen.
| Rastzeit | = Zeit von der Abkalbung bis zur ersten Besamung/Belegung |
| Serviceperiode | = Zeit von der Abkalbung bis zur erfolgreichen Besamung |
| Zwischenkalbezeit | = Zeit von einer Abkalbung zur nächsten |
Für die Erkennung des richtigen Besamungszeitpunktes ist eine intensive Brunstbeobachtung (möglichst 3- bis 4-mal täglich zu je ¼ h) außerhalb der Fütterungs- und Melkzeiten erforderlich. Im Wesentlichen gilt die „Morgen-Abend-Regel“. Allerdings sind in den letzten Jahren die Probleme bei der Brunsterkennung mit zunehmender Milchleistung deutlich größer geworden. Diese lassen sich durch eine geringe Ausprägung der Brunstsymptome, eine oft unregelmäßige und verlängerte Zyklusdauer von 22 bis 23 Tagen, eine verkürzte Brunstdauer (zum Teil unter 8 Stunden) sowie eine teilweise nur geringe Aktivitätserhöhung charakterisieren. Vor diesem Hintergrund wurden rechnergestützte Verfahren entwickelt, um Informationen zum Brunstgeschehen zu erhalten. Am verbreitetsten ist dabei die Aktivitätsmessung mittels Pedometer oder Respaktor. Sowohl Pedometer (Zählung der Schritte – während der Brunst ist die lokomotorische Aktivität erhöht) als auch Respaktoren (Messung für die Brunst typischer Kopf-/Halsbewegungen und Berechnung einer dimensionslosen Einheit „Aktivität“ nach einem internen Algorithmus) registrieren die Bewegungen der Tiere, sodass sich brünstige Kühe durch ihre erhöhte Bewegungsaktivität erkennen lassen. Pedometer- oder Respaktorsysteme stehen sowohl für Betriebe mit Automatischem Melksystem (AMS) als auch für solche mit Melkstand zur Verfügung. Daneben gibt es ein System zur automatischen, kontinuierlichen Messung der Wiederkaudauer (= Ruminationsdauer) als Bestandteil des Roboters oder als Single-Lösung zum Nachrüsten in Melkstandbetrieben. Dieses System misst sowohl die Aktivität als auch die tägliche (bzw. zweistündliche) Wiederkaudauer. In der Praxiseinführung befindet sich die automatische Progesteronmessung eines Herstellers. Unmittelbar vor der Brunst sinkt die Progesteron-Konzentration in der Milch ab, was zur Detektion verwendet werden kann. Über spezielle Software-Lösungen können ausgehend von den biologischen Gegebenheiten zum Brunstzyklus auch indirekt Informationen über mögliche Zysten abgeleitet werden.
„Morgen-Abend-Regel“: Wird die Kuh am Morgen als brünstig erkannt, erfolgt die Besamung am Abend, wird die Kuh am Abend als rindernd beobachtet, wird sie am nächsten Morgen besamt.
In Abhängigkeit von der Häufigkeit der Brunstbeobachtung kann der Besamungstermin – davon abweichend – etwas vorverlegt werden. Die künstliche Besamung ist beim Rind wesentlich schwieriger als beim Schwein, bedingt durch den Bau der Geschlechtsorgane. Dennoch nimmt der Anteil Eigenbestandsbesamer (EBB) zu, d. h. der Landwirt besamt die eigenen Kühe. Dies erfordert Übung, die am besten in großen Rinderbeständen zu erlangen ist. Daher ist der Prozentsatz an EBB in den östlichen Bundesländern deutlich höher als in den westlichen Ländern. Nicht immer wird die Kuh nach der ersten Besamung trächtig. Der Besamungsindex sollte weniger als 1,7, die Non-Return-Rate mehr als 65 % und der Erstbesamungserfolg 55 bis 65 % betragen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Parameter, die die Fruchtbarkeit des Einzeltieres oder der Herde charakterisieren, z. B. Erstkalbealter, Brunsterkennungs- und -nutzungsrate, Pregnancy Rate.
| Besamungsindex | = Alle Besamungen: Zahl der Erstbesamung |
| Non-Return-Rate (NRR in %) | = Anteile der Tiere, die nach einer bestimmten Zeit nicht mehr zur Nachbesamung gemeldet werden |
| Erstbesamungserfolg (EBE in %) | = Prozentsatz der Tiere, die nach der ersten Besamung trächtig sind |
Anatomie und Physiologie der weiblichen Geschlechtsorgane, Samengewinnung und künstliche Besamung werden in der weiterführenden Literatur beschrieben (siehe Literaturverzeichnis).
Eine Managementhilfe stellt der Kuhplaner dar. Mit diesem Programm kann nicht nur ein Herdenregister geführt werden (z. B. Erfassung von Tierzugängen und -abgängen, Leistungs- und Besamungsdaten), sondern es kann auch als Bestandsbuch für Rinderhalter zur Dokumentation des Arzneimitteleinsatzes dienen. Die Dateneingabe kann über den Computer oder Handterminals erfolgen.
Kuhplaner: Softwarepaket für den gesamten Tierbestand mit den Bewegungsdaten, z. B. Besamungen, Geburtenzugänge, Milchleistungen, Futter, Termine, Gesundheitsdaten (Führen eines Bestandsbuches), aber auch für Prämienanträge und den Nachweis von Arzneimitteln
Eine weitere Managementmaßnahme im Milchviehbetrieb ist die Klauenpflege, die entweder durch den Tierhalter selbst, durch spezialisierte Klauenpfleger oder den Tierarzt betrieben wird. Klauenerkrankungen treten bei Kühen EU-weit zu über 20 % auf, wobei pro Lahmheit ein Schaden von ca. 200 Euro entsteht. Nur gesunde Kühe können hohe Leistungen erbringen. Neben Fruchtbarkeitsstörungen und Euterkrankheiten zählen Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen zu den wichtigsten Abgangsursachen von Milchkühen. Die Milchviehhalter können Klauenkrankheiten vorbeugen durch:
eine wiederkäuergerechte Fütterung,
eine tiergerechte Haltung sowie
eine sachgerechte und regelmäßige Klauenpflege.
Zu den Klauenkrankheiten sowie zur Klauenpflege siehe weiterführende Literatur.
1.1.5Prüfungsfragen
Welche Anforderungen sind aus der Sicht des Verhaltens an die Haltung der Milchkühe zu stellen?
Erläutern Sie die Nachteile der Anbindehaltung und charakterisieren Sie die wesentlichen Funktionsmaße eines Anbindestalles.
Welche Unterschiede bestehen zwischen Mittellangstand und Kurzstand?
Mit welchen Steuerelementen kann das Eliminationsverhalten der Kühe beeinflusst werden?
Warum vollzieht sich ein Wandel von der Anbindehaltung zur Laufstallhaltung von Kühen?
Worin unterscheidet sich die gegenständige von der wandständigen Liegebox für Milchkühe?
Charakterisieren Sie den Tretmiststall und den Kompostierungsstall für Kühe.
1.2Mutterkuhhaltung
Die Mutterkuhhaltung nimmt eine bedeutende Rolle bei der Nutzung von Grünland und/oder der Landschaftspflege ein. Sie erlaubt aus ökonomischer Sicht nur geringe Investitionen, weshalb der Mitteleinsatz (z. B. Medikamente, Arbeitszeit) minimiert und einfachste Haltungsformen genutzt werden müssen. Letztere sind z. B. die ganzjährige Weidehaltung, die Unterbringung in einfachen Offenfront-Ställen sowie Altgebäuden. Gleichzeitig verlangt das Verfahren aber auch zur Erzielung vertretbarer Ergebnisse ein exaktes und intensives Management.
| Mutterkuhhaltung: | Nur das eigene Kalb der Mutter bleibt während der Säugeperiode bei der Kuh. |
| Ammenkuhhaltung: | Zum eigenen Kalb werden der Mutter bis zu 4 weitere Kälber hinzugegeben oder es werden nur fremde Kälber zugeführt. |
Die Einführung der Milchquotenregelung im Jahr 1984 ging mit einer erheblichen Reduktion des Milchviehbestandes in Deutschland einher. In der Folge hat die Mutterkuhhaltung (die Ammenkuhhaltung hat kaum Verbreitung gefunden) als extensive Tierhaltungsform zur Nutzung von Grünland und/oder bei der Landschaftspflege in den letzten 20 Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Die geschaffenen finanziellen Anreize, wie Extensivierungsprogramme sowie Tierprämien, haben den Trend zusätzlich unterstützt, sind mittlerweile allerdings weitgehend weggefallen.
Milchquotenregelung: Wurde am 2. April 1984 auf EG-Ebene eingeführt, um die Überproduktion einzudämmen und den Landwirten einen angemessenen Preis für die Milch zu garantieren. Zu diesem Zweck wurden einzelbetriebliche Referenzmengen zugewiesen, die zu bestimmten Preisen abgenommen wurden. In 2015 ist diese Regelung ausgelaufen.
Nach Quoteneinführung stieg der Mutterkuhbestand in Deutschland von 1990 bis 2002 um ca. 480 000 auf ca. 694 000 Kühe an. Die meisten Mutterkühe stehen in Kleinbeständen, die im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. In 2013 gab es knapp 6000 Herdbuchbetriebe mit ca. 63 500 Herdbuchtieren. Die Absetzkälber werden über Auktionen oder ab Hof verkauft. Die Preise schwanken in Abhängigkeit von Rasse, Geschlecht, Gewicht (bis 200 kg oder über 300 kg) und anderen Faktoren sehr stark zwischen 2,20 und 3,50 EUR/kg (Stand 2015). Die Prämienregelung (Umsetzung der auf EU-Ebene beschlossenen Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in nationales Recht) hat einen starken Einfluss auf die weitere Entwicklung extensiver Tierhaltungsverfahren. Die zentralen Elemente der Reform sind die Entkopplung der Direktzahlungen von der Produktion, die Bindung der Direktzahlungen an Kriterien des Umwelt- und Tierschutzes sowie der Lebens- und Futtermittelsicherheit (Cross Compliance) und die Verwendung eines einbehaltenen Teils der Direktzahlungen für die Entwicklung.
Die gesetzlichen Grundlagen der Mutterkuhhaltung stellen im Wesentlichen das Tierschutzgesetz in der Fassung vom 28.7.2014 sowie die Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung – TierSchNutztV) vom 25.10.2001 (BGBL 1 S. 2750) in der Fassung vom 5.2.2014 dar.
1.2.1Allgemeine Anforderungen an Mutterkühe
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung sind eine gute Fruchtbarkeit (inkl. Leichtkalbigkeit), gute Aufzuchtleistung (gute Mütterlichkeit), Genügsamkeit, Langlebigkeit (niedrige Remontierungsraten) und Umgänglichkeit der Mutterkühe. Die hohe Vitalität sowie gute Mast- und Schlachtleistungseigenschaften der Kälber sind weitere wichtige Faktoren. Gefordert sind Mutterkühe, die jährlich ein Kalb aufziehen und im Abkalberhythmus der Herde bleiben. Die Aufzuchtleistung (Anteil der abgesetzten Kälber) der Herde muss über 90 % und die Kälberverluste sollten unter 5 % liegen. Um dies zu erzielen, sind vor allem die sofortige Annahme des Kalbes nach der Geburt sowie die rasche Kolostralmilchaufnahme notwendig (s. Kap. 1.4.2). Die anschließende gleichmäßige Milchversorgung des Kalbes durch die Mutter bis zum Absetzen wird durch eine hohe Persistenz erreicht. Eine Jahresmilchleistung von über 3000 l ist für ein gutes Wachstum des Kalbes erwünscht.
Der Erfolg der Mutterkuhhaltung hängt neben niedrigen Gebäudekosten, der Vermarktung und der Standortwahl vor allem von der Wahl des Genotyps (der Rasse) ab. Da sich in den verschiedenen Gebieten Mutterkuhrassen mit unterschiedlichen Standort- und Nährstoffansprüchen entwickelt haben, stehen vielfältige Genotypen zur Verfügung. Die wichtigsten in Deutschland genutzten Rassen sind Deutsch Fleckvieh, Charolais, Limousin, Deutsch Angus, Galloway und Highland. Während sich für gute Grünlandstandorte besonders die großwüchsigen Fleischrinderrassen (Charolais, Fleckvieh, Gelbvieh und Blonde d’Aquitaine) eignen, haben die klein- (Galloway und Highland) bis mittelrahmigen (Angus, Limousin, Pinzgauer und Hereford) Rassen Vorteile auf ertragsschwächeren Grünlandstandorten. Klein- bis mittelwüchsige Fleischrinderrassen haben auch bei direkt vermarktenden Betrieben den Vorteil, dass sie schon kurze Zeit nach dem Absetzen die Schlachtreife erzielen und die Teilstücke bei der Direktvermarktung aufgrund der Größe leichter vermarktbar sind. Bei der Auswahl der Rasse spielt auch die genetisch bedingte Hornlosigkeit eine wichtige Rolle. Neben den reinen Rassen sind Gebrauchskreuzungen weit verbreitet.
1.2.2Produktionsablauf der Mutterkuhhaltung
Der Produktionsablauf der Mutterkuhhaltung unterliegt einem relativ fixen jährlichen Zyklus (Abb. 15).

Abb. 15 Produktionsschema im Jahresverlauf bei Winter-, Frühsommer- und Herbstkalbung
Die Kalbeperiode (Frühsommer, Herbst oder Winter) bestimmt den gesamten Verfahrens- bzw. Jahresablauf des Betriebes. Je besser die Kalbe- bzw. Deckperiode im Betrieb eingeplant und organisiert ist, umso höher sind die Planungssicherheit und der Erfolg. In den meisten kleineren bis mittelgroßen Betrieben ist eine Kalbeperiode pro Jahr vorgesehen. Eine komprimierte Decksaison (8 bis 10 Wochen; drei Zyklen (21 Tage) pro Kuh) und in der Folge Abkalbeperiode bringt verschiedene Vorteile: keine Verdrängung der Kälber am Futter, einheitliche Verkaufsgewichte, geringerer Beobachtungsaufwand, erhöhte Ruhe in der Herde, bessere Hygiene und leichtere Krankheitsvorbeuge (Prophylaxe: z. B. Muttertierimpfung). Nachteilig kann vor allem bei großen Herden die Vermarktung sein. Eventuell ist dort eine Verteilung auf zwei bis drei Abkalbeperioden sinnvoll. Die Vorteile der verschiedenen Kalbezeitpunkte sind in Tabelle 11 gegenübergestellt. Nachteile der Winterkalbung sind die höheren Ansprüche an Gebäude und Winterfutterqualität. Bei der Frühsommerkalbung ist dagegen die notwendige frühe Entwöhnung der Kälber (4. bis 5. Monat) als nachteilig zu nennen. Die Säugeperiode sollte aber die Laktationsleistung der Mutter soweit wie möglich ausnutzen.
| Tab. 11 Vorteile der verschiedenen Kalbeperioden in der Mutterkuhhaltung | |
| Vorteile | |
| Winterkalbung(Dez.–Febr.) | arbeitsreduzierte ZeitKälber sind zum Zeitpunkt des Weideaustriebs selbst zur Grasaufnahme und -verwertung fähigAusnutzung von Teilen der Milchleistung auf der Basis billigen Weidefuttershöhere Absetz- und Entwöhnungsgewichte |
| Frühsommerkalbung(Mai–Juli) | bessere Fruchtbarkeit der Kühe (Nährstoffversorgung)bessere Hygiene und geringe Kälberverlustegeringere Ansprüche an Stall und Winterfutterqualität |
| Herbstkalbung(Sept.–Nov.) | arbeitsreduzierte Zeit im Vollerwerbsbetriebhöhere Absetz- und Entwöhnungsgewichtebessere Hygiene und geringe Verlustebessere Fruchtbarkeit der Kühegeringere Ansprüche an Stall und Winterfutterqualität |
Eine Herdentrennung der Kühe mit Kälbern unterschiedlichen Geschlechts ist (je nach Rasse) ab dem 5. Lebensmonat (>220 kg) sinnvoll, um Fehlbelegungen zu vermeiden.
Das Absetzen der Kälber von den Müttern sollte bis ca. zum 8. Lebensmonat erfolgen, u. a. um eine ausreichende Trockenperiode der Kühe sicherzustellen.
Nach dem Absetzen werden die Tiere als Fresser verkauft, geschlachtet und vermarktet, im Betrieb (Stall und/oder Weide) ausgemästet (Ochsen-, Bullen- oder Färsenmast), zur Bestandsergänzung (Remontierung) genutzt oder einer Färsenvornutzung (d. h. frühen Belegung) unterzogen.
Das Absetzen stellt einen erheblichen Einschnitt im Leben des Kalbes dar, was sich in den ersten Tagen in gesteigerter Unruhe und Bewegungsintensität, Lautäußerungen (Abb. 16), reduzierter Futteraufnahme, Gewichtsverlusten sowie einer Immunsuppression mit der Folge gesteigerter Krankheitsanfälligkeit niederschlägt. Um die negativen Effekte des plötzlichen Absetzens zu mindern, wurden verschiedene alternative Absetzverfahren getestet. Dazu gehören das Fence-Weaning (Kälber werden nur durch einen stabilen Zaun von den Muttertieren getrennt; der soziale Kontakt bleibt zunächst erhalten), Trainer Cows (einige erfahrene, bereits abgesetzte Muttertiere verbleiben bei den abgesetzten Kälbern) sowie das Two-Step-Weaning (zunächst erfolgt durch Einziehen von Saugbügeln bei den Kälbern die Unterbindung der Milchaufnahme, anschließend nach einigen Tagen die räumliche Trennung).

Abb. 16 Anzahl Rufe pro Tag und Tier von Deutsch Angus Kälbern (10 pro Gruppe) in den ersten fünf Tagen nach dem Absetzen (ca. 200. Lebenstag) – Traditionelles und zweistufiges Absetzverfahren (Two-Step-Weaning)
1.2.3Haltungsverfahren
Die am weitesten verbreitete Haltungsform für Mutterkühe in Mitteleuropa ist die Kombination aus Weidehaltung im Sommer und Winterstallhaltung in Wirtschaftsgebäuden einfacher Bauart oder in Umbaulösungen ehemaliger Milchviehställe. Daneben wächst wegen der möglichen Kostensenkung das ökonomische Interesse am Verfahren der ganzjährigen Außenhaltung (Abb. 17). Die ganzjährige Außenhaltung war zunächst sog. Robustrassen vorbehalten, wird mittlerweile allerdings mit verschiedenen Fleisch- und fleischbetonten Zweinutzungsrassen betrieben.

Abb. 17 Schematischer Überblick der Verfahren zur Mutterkuhhaltung
Weidehaltung
Die Weide stellt die Futtergrundlage eines großen Teils des Jahres dar.
Futterflächenbedarf pro Mutterkuh und Kalb und Deckbullenanteil liegt für Robustrinder und mittelschwere Rassen bei ca. 0,8 und für schwere Rassen bei ca. 1,2 ha Weide
Ein gutes Weidemanagement (Weideunterteilung, Nachmahd, Weideruhe, Weidehygiene und dem Futteraufwuchs angepasster Tierbesatz) wirkt sich positiv auf den Weidezustand und den Nährstoffertrag aus. Als Standorte besonders gut geeignet sind leichtere, wasserdurchlässige Böden, da dort die Trittbelastung der Tiere das Bodengefüge nicht nachteilig verändert. Dagegen sind schwere, tonreiche und lange feucht bleibende Böden grundsätzlich weniger geeignet. Schwere Rassen kommen hier nicht infrage.
Die Koppelgröße richtet sich nach der Herdengröße, dem Futterzuwachs und der Weideführung, d. h. vor allem der Umtriebsfrequenz (s. Kap. 3.3.1). Überweidungen führen zu Pflanzenverarmung, niedrigerem Grünlandertrag, reduziertem Gewichtszuwachs der Tiere, höherem Bedarf an Zufütterung und stärkerer Arbeitsbelastung. Auch Unterbesatz hat nachteilige Auswirkungen. In diesem Fall nimmt ein minderwertvoller Pflanzenbestand überhand, wenn keine konsequente Nach- bzw. Zwischenmahd erfolgt.
Zu den wesentlichen haltungstechnischen Einrichtungen der Weide gehören grundsätzlich Tränkevorrichtungen, Schutzhütten, Zäune, Kälberschlupf sowie Treibe-, Sortier- und Fixiereinrichtungen. Fütterungseinrichtungen sind dann erforderlich, wenn Raufutter in größerem Umfang oder Silage, Kraftfutter bzw. Mineralfutter zugefüttert werden sollen (z. B. Winteraußenhaltung). Rundballenraufen (mit und ohne Überdachung) haben sich für das Angebot von Raufutter und Grassilage besonders bewährt.
Der Trinkwasserbedarf einer Mutterkuh liegt bei ca. 30 bis 70 l pro Tag. Die ständige Wasserversorgung auf der Weide kann über Tränken (z. B. bei Weiden in Stallnähe), Behältnisse (Wannen, Tröge oder Bottiche), Wasserfässer oder natürliche Gewässer sichergestellt werden. Einfache Behältnisse müssen täglich frisch befüllt werden, kippsicher sein, an einem schattigen Standort aufgestellt und bei Verschmutzung umgehend gereinigt werden. Die in der Praxis weit verbreiteten Weidetankwagen in Kombination mit Selbsttränken oder Trögen sind im Sommer vor übermäßiger Sonneneinstrahlung zu schützen. Die herkömmlichen Weidefässer sind für den Winterbetrieb kaum geeignet. Bei der Nutzung natürlicher Gewässer müssen Landschafts- und Trinkwasserschutz beachtet werden. Möglichen Kälberverlusten ist vorzubeugen. Der direkte Zugang der Rinder zum Gewässer bringt als weitere Nachteile die Verbreitung von Parasiten und sonstigen Krankheitserregern infolge von Wasserverschmutzung, Klauenbelastungen und eine Verschlammung mit sich. Die Befestigung der Uferränder mit einem festen Untergrund beugt der Morastbildung vor. Der Zugang zu fest installierten Tränken ist aus demselben Grund im günstigsten Fall befestigt. Tränken müssen grundsätzlich eine tiergerechte Wasseraufnahme (gute Erreichbarkeit, leichte Erlernbarkeit und Betätigung des Tränkemechanismus), einfache Reinigung und Wartung (Restwasserablauf), Schutz vor Verschmutzung, Funktionssicherheit, Haltbarkeit sowie Frostsicherheit garantieren (s. Jungbluth et al. 2005). Außerdem müssen ein ausreichender Wasserdurchlauf (mindestens 10 l pro min bei einem an eine Druckleitung angeschlossenen Selbsttränkebecken) sowie die Zugänglichkeit und ausreichende Befestigung des Tränkeplatzes gewährleistet sein. Ein Tränkebecken ist für 15 bis 20 Tiere vorzusehen. Wärmegedämmte Tränken (z. B. Ballen-, Klappen- oder Schalentränken) haben sich besonders bewährt. Für eine sichere Funktion im Winter muss die regelmäßige Abnahme von Wasser erfolgen (mindestens 10 Tiere/Tränke).
Natürliche (Bäume, Hecken) oder künstliche Schutzräume (Windschutzwände aus Rundballen, Unterstand) sollten auf der Weide zur Verfügung stehen. Besonders an heißen Tagen werden diese gern von den Tieren aufgesucht. Der eingestreute Liegebereich soll zwischen 4 und 8 m2 pro Muttertier betragen – je nach Gewicht der Tiere und Behornungszustand. Pro Kalb sind zusätzlich 1 bis 2 m2 einzuplanen.
Kälber suchen zum Abliegen gern Bereiche mit höherem Bewuchs auf. Es ist dementsprechend sinnvoll, dicht bewachsene Stellen innerhalb der Weide zu erhalten.
In Abhängigkeit von Rasse (Milchleistung) und Weideaufwuchs kann es außerdem zweckmäßig sein, den Kälbern auch während der Weidehaltung zur Ausschöpfung des Wachstumspotenzials (hohe Tageszunahmen) einen mobilen Kälberschlupf mit der Möglichkeit zur Kraftfutter- und Heugabe anzubieten. Der Kälberschlupf sollte ohne Futterautomat eine Mindestgröße von 2,0 × 1,5 bis 2,0 m haben. Der Schlupf muss 0,4 bis 0,5 m breit und 1,0 m hoch sein.
Kälberschlupf ist ein ausschließlich den Kälbern möglicher Zugang in einen getrennten Bereich in Stall oder Weide, in dem Zufütterung stattfindet und die Tiere Ruheplätze haben.
Wird aus betrieblichen Gründen eine extensivere Aufzucht betrieben, so folgt erst nach dem Absetzen der Kälber eine intensive Endmast. Der Kälberschlupf ist dann als Futterort unnötig. Unabhängig davon werden geschützte Bereiche auf der Weide von Kälbern gerne als Rückzugsmöglichkeit in Anspruch genommen.
Die Einzäunung muss Aspekte des Landschaftsschutzes sowie der Sicherheit berücksichtigen. Die Mutterkuhhaltung stellt grundsätzlich keine über die Milchviehhaltung hinausgehenden besonderen Anforderungen an die Einzäunung. Elektrolitzen haben sich bewährt (ca. 90 cm Bodenabstand). Bei hohem Ausbruchrisiko sind mehrere Litzen zu verwenden. Grundsätzlich gilt, dass der Zaun für die Tiere gut erkennbar sein muss. Seine technische Ausführung ist in jedem Fall der Fluchtgefahr anzupassen. Wesentliche Faktoren dabei sind die Nähe zu Verkehrswegen und deren Nutzungsintensität, der Tierbesatz (erhöhtes Risiko bei Bullen, Kälbern und Jungrindern sowie bestimmten temperamentvollen Rassen), die Nähe zum Betrieb (Kontrolle) sowie mögliche Störungen. Neben technisch einwandfreien Elektrozäunen kommen ausnahmsweise auch Zäune in Massivbauweise, z. B. einfache Holz- und Knotengitterzäune infrage. Eine Besonderheit stellt die Situation der Weidekalbung dar: das Kalb verlässt in den ersten Tagen den von der Gruppe entfernt gelegenen, geschützten Geburtsplatz (z. B. hohes Gras, Gebüsch, Hecken) nicht, wobei sich das Muttertier in dieser Zeit in der Nähe aufhält. Danach lockert sich die enge Bindung, die Kuh kehrt zur Herde zurück und trifft das Kalb zum Säugen. Befindet sich ein hoher Bewuchs außerhalb der Koppel und ist diese durch einen einfachen Weidezaun (Elektrolitze) abgegrenzt, kommt es nicht selten vor, dass das Neugeborene den eingezäunten Bereich auf der Suche nach Deckung verlässt („Lying out“). Daraus können Probleme resultieren, wenn die Mutter nicht zu ihrem Kalb gelangen kann bzw. umgekehrt. Besondere Sorgfalt ist der Einzäunung auch während der Deckperiode zu widmen.
Zu den häufigsten Ursachen für Weideausbrüche gehören Futter- und/oder Wassermangel, ungewohnte Wetterlagen (Gewitter, anhaltender Regen, große Hitze), starker Ektoparasitenbefall sowie Paniksituationen (z. B. durch Hunde ausgelöst).
Stallhaltung
Wichtig für die Unterbringung ist ein hoher Bewegungsspielraum für die Tiere, ausreichend Futter- und Tränkeplätze sowie eine arbeitswirtschaftlich günstige Lösung für die Einstreu und Entmistung (s. Jungbluth et al. 2005 und Kap. 1.1).
In Anbindeställen fressen, liegen und stehen die Kühe an einem Ort, dem Kurz-, Mittellang- oder Langstand. Dieses Stallsystem muss für Mutterkühe unabhängig von der Bestandsgröße aus ethologischer Sicht abgelehnt werden, da dem Bewegungsbedürfnis der Tiere nicht Rechnung getragen werden kann. Da die Tiere während der Weideperiode keinen engen Mensch-Tier-Kontakt gewohnt sind, führt eine Fixierung darüber hinaus zu erheblichem Stress und einer großen Verletzungsgefahr für Mensch und Tier (Kuh und Kalb).
Laufställe sind für die Mutterkuhhaltung am günstigsten zu bewerten. Sie sind in Fress-, Liegebereich, Laufflächen, Kälberschlupf und möglicherweise Behandlungs- und Sortierstand unterteilt. Die gängigsten sind Einraum-Tiefstreustall, Zweiraumlaufstall und Tretmiststall.
Abkalbebuchten können im Laufstall integriert sein oder sich separat befinden. In vielen Betrieben findet die Kalbung im Laufstall statt. Es gibt eine Vielzahl von Laufställen unterschiedlicher Varianten in Anordnung und Ausführung, da viele aus Altbaulösungen entstanden sind. Da der Liegeboxenlaufstall u. a. aus Kostengründen weitestgehend der Milchviehhaltung vorbehalten ist, wird auf eine Darstellung an dieser Stelle verzichtet (s. Jungbluth et al. 2005 und Kap. 1.1).
Nachteile der Tiefstreuställe sind u. a. der hohe Strohbedarf (10 bis 15 kg Stroh/GV/Tag), ein mangelhafter Klauenabrieb (schlechte Klauengesundheit), die Verschmutzung der Futterkrippen, die Tierverschmutzung, ein erhöhter Keimdruck aus feuchter und warmer Einstreuschicht sowie das damit einhergehende relativ hohe Gesundheitsrisiko für die Kälber. Im Vordergrund stehen bakterielle (Escherichia coli), virale (Corona, Rota) sowie parasitäre (Eimerien) Mischinfektionen.
Der Tretmiststall ist durch eine schräge (6 bis 10 % Gefälle zum Lauf-/Mistgang) eingestreute Liegefläche gekennzeichnet. Auf der Schräge baut sich eine Mistmatratze auf, die langsam über eine Abrisskante aus dem Liegebereich in den Lauf- bzw. Mistgangbereich (ca. 3 m Breite) getreten wird. Dort wird sie mittels Schieber oder Schlepper abgeschoben. An Liegefläche werden 3,5 bis 4 m2 pro Mutterkuh gefordert. Vor dem Laufgang befinden sich die Fressplätze (0,75 m Fressplatzbreite/Kuh). Die Ausstattung mit Fressgittern ermöglicht das Fixieren ruhiger Tiere für kleinere Eingriffe. Im oberen Bereich der Liegefläche werden ca. 5 kg Einstreu/Kuh und Tag eingebracht.
Beim Tieflaufstall ist entweder die gesamte Fläche eingestreut (Einraumlaufstall, keine Trennung von Lauf- und Liegebereich) oder lediglich der Liegebereich, wogegen der Laufbereich planbefestigt oder mit Spaltenboden versehen ist (Zweiraumlaufstall). Es besteht ein Liegeflächenbedarf von 4,5 bis 5,0 m2 je Mutterkuh (Tab. 12). Das Tier-Fressplatz-Verhältnis ist im Optimalfall 1 : 1. Der Strohbedarf liegt im Zweiraumlaufstall bei 6 bis 10 kg/GV/Tag. Die Stallbreite sollte mindestens 6,5 m betragen. Der Futtertisch muss eine Breite von 3 (einreihiger Einraumstall) bis 4 m (zweireihiger Einraumstall) haben.
| Tab. 12 Stallmaße für Mutterkühe – Laufstall | |||||
| Tierkategorie | Kühe | Kälber und Jungvieh | |||
| Gewicht (kg)Widerristhöhe (cm) | 550–650130–140 | bis 150 | bis 200 | bis 300 | bis 400 |
| Fressplatzbreite (cm)Fressplatzlänge (cm)Laufgangbreite (cm)Liegefläche (m2)Liegeboxenbreite (cm)Liegeboxenlänge (cm)Laufhoffläche (m2)davon nicht überdacht | 723202404,5120240102,5 | 401601201,2601403,51 | 451601201,8701604,51 | 502001352,0901904,51,3 | 602601602,51002105,51,5 |
An Laufställe kann ein Laufhof (Auslauf) angeschlossen sein. Im Auslauf sollte der Boden befestigt, rutschfest und mit einer leichten Neigung versehen sein. Es sollten 3,5 m2 pro Tier bzw. 5 m2 pro Tier, wenn Tränke, Außenfütterung und Kratzbürste im Auslauf vorgesehen sind, eingeplant werden. Der Stallplatzbedarf bleibt unverändert.
Auch bei einer guten Milchleistung der Mutterkühe ist es sinnvoll, den Kälbern einen Kälberschlupf mit Kraftfutter anzubieten. Für hohe Tageszunahmen der Nachzucht ist eine hohe Fütterungsintensität erforderlich. Wird aus betrieblichen Gründen eine extensivere Aufzucht betrieben, so folgt erst nach dem Absetzen der Kälber eine intensive Endmast. In Betrieben mit viel billigem Raufutter erfolgen vereinzelt auch eine extensive Winterfütterung und die Endmast der Färsen und Ochsen erst im zweiten Weidesommer. Der Kälberschlupf muss eine stabile Abgrenzung zum restlichen Bereich des Stalles haben, leicht zugänglich sein, trockene Einstreu aufweisen und über Tränke und Trog verfügen. Es sind 1,5 m2 pro Kalb vorzusehen. Neben der Futterversorgung ist der Kälberschlupf ein wichtiger Ruhebereich für die Tiere, in dem sie ungestört von Mutterkühen abliegen können.
Separate Abkalbebuchten (z. B. bei Liegeboxenlaufstallhaltung) bieten den Muttertieren im günstigsten Fall Sichtkontakt zur Herde, saubere und trockene Einstreu, eine gute Belüftung und Beleuchtung, rutschfesten Boden, Wasseranschluss (Warm- und Kaltwasser) und sind leicht zu reinigen und zu desinfizieren. Die Grundfläche sollte mehr als 12 m2 betragen. Das zeitige Aufstallen (mind. 10 Tage vor Abkalbung) sichert eine ausreichende Eingewöhnung. Nach Kalbung sollten die Tiere mindestens 24 h gemeinsam in der Bucht verbleiben. Abkalbebuchten ermöglichen intensive Geburtshygiene, bessere Geburtsüberwachung, leichtere Geburtshilfe sowie die Entwicklung einer intensiven Mutter-Kind-Beziehung mit dem Vorteil einer beschleunigten Kolostrumaufnahme (s. Kap. 1.4.2).
Stabile mobile oder stationäre Sortier-, Fang- und Fixiereinrichtungen gehören zu den wesentlichen Einrichtungen der Mutterkuhhaltung. Diese Einrichtungen dienen u. a. für tierärztliche Behandlungen, Untersuchungen oder sonstige Maßnahmen, wie Klauenpflege und Kennzeichnung. Fang- und Fixiereinrichtungen sind insbesondere bei größeren Tierbeständen zweckmäßigerweise durch Korraleinrichtungen mit Wartehof und Treibgang zu ergänzen (Abb. 18). Ein Wartehof von ca. 75 m2 Grundfläche (z. B. aus 9 × 3 m Zaunelementen aufgestellt) reicht für ca. 35 Tiere als Warteraum aus.

Abb. 18 Sortier-, Fang- und Fixiereinrichtungen für Mutterkühe (Werkbild Patura, 2005)
1 = Panel
2 = Schwingtor
3 = Kurvenpanel
4 = Panel mit Rahmen
5 = Rahmen für Treibgang und Schiebetür
6 = Behandlungskäfig
7 = Fang- und Behandlungsstand
Bei Konzentrierung der Abkalbung laufen die Deckbullen üblicherweise ca. 2 bis 3 Monate (mindestens drei Brunstzyklen) in der Herde. Dies kann in Abhängigkeit vom gewünschten Kalbezeitpunkt auf der Weide oder im Laufstall sein. Eine Reduzierung der Unfallgefahr während der Deckperiode kann durch folgende Punkte erreicht werden:
der Bulle sollte nur während der kurzen Deckperiode in der Herde sein,
zusätzliche Absicherung der Weideeinzäunung,
mindestens zwei Personen bei Arbeiten auf der Weide (Bullenabsonderung),
Fluchtmöglichkeit vorsehen (Traktor etc.),
entsprechende Sachkunde der Personen (Verhaltensweisen!) und Warnschilder an der Weide.
Außerhalb der Deckperiode stehen Deckbullen separat von der Herde in der Regel in Stallhaltung. Es werden sowohl Formen der Anbindehaltung wie auch der Boxenhaltung in Tiefstreu praktiziert. Die Boxenhaltung auf Tiefstreu gewährt den Tieren die größte Bewegungsfreiheit und ist deshalb aus ethologischer Sicht zu fordern. Der Klauenpflege ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie muss zeitig vor der Deckperiode durchgeführt werden.
Ganzjährige Außenhaltung
Ganzjährige Weidehaltung mit Frühjahrskalbung ist in klimatisch günstigen Lagen möglich. Die Anpassungsfähigkeit (Adaptation) der Tiere ist sehr hoch. Die Anpassungsreaktionen auf Hitze und Kälte sind vielfältig, wobei heiße Temperaturen schlechter vertragen werden als Kälte. Mit trockenem Liegebereich und Windschutz sind konditionell gut genährte Rinder infolge ihres dichten Winterfelles in der Lage auch Temperaturen bis unter minus 20 °C zu ertragen. Längere Regenperioden sind für die Tiere und die Weidefläche belastend. Zu den wesentlichen Problemen ganzjähriger Weidehaltung gehören die starke punktuelle Zerstörung der Grasnarbe, die schlechte Annahme von Schutzhütten zur Abkalbung (Separierung von der Herde), Unterkühlung (Hypothermie) und Unterzuckerung (Hypoglykämie) der Neugeborenen, der notwendige regelmäßige Wechsel der Futterplätze (Bereich wird schnell tiefgründig, morastig) sowie die Sicherstellung der Wasserversorgung. Deshalb ist die Haltung auf Standorten mit niedrigen Niederschlägen bzw. sehr wasserdurchlässigen und trittfesten Böden für eine ganzjährige Weidehaltung wesentlich unproblematischer. In verschiedenen Untersuchungen zeigte sich ein positiver Einfluss der Winteraußenhaltung auf die Tiergesundheit.
Wichtige Haltungselemente der Winteraußenhaltung sind Witterungsschutz (natürlicher oder künstlicher Schutzraum), Futterplatz z. B. mit Rundballenraufen (evtl. auf Betonfläche), Einzäunung sowie Tränken.
Weideunterstände müssen die Tiere vor Zugluft schützen und frei zugänglich sein. Es sollten ca. 3 m2 pro Tier vorgesehen werden. Die immer häufiger in der Praxis eingesetzten „Rundballenburgen“ können Unterstände ersetzen, wenn die Liegebereiche ausreichend eingestreut werden und die Burgen so gestaltet sind, dass im Liegebereich keine Zugluft entsteht.
Beschädigte Winterweiden sind durch Abschleppen, Walzen und Nachsaat wiederherzustellen.
1.2.4Prüfungsfragen
Erläutern Sie den Unterschied zwischen Mutter- und Ammenkuhhaltung.
Was sind die allgemeinen Anforderungen an Mutterkühe?
Was ist bei der Genotypenwahl zu berücksichtigen?
Erläutern Sie den Produktionsablauf der Mutterkuhhaltung.
Nennen Sie Vor- und Nachteile der Frühsommer-, Herbst- und Winterkalbung.
Beschreiben Sie verschiedene Absetzverfahren.
Geben Sie einen systematischen Überblick über Haltungsverfahren für Mutterkühe.
Nennen und beschreiben Sie die wesentlichen haltungstechnischen Einrichtungen der Weide.
Beschreiben Sie verschiedene Stallformen der Mutterkuhhaltung.
Was sind die Besonderheiten des Tretmiststalls?
Nennen Sie die Vorzüge von Abkalbebuchten.
Nennen Sie Vor- und Nachteile ganzjähriger Weidehaltung.
1.3Rindermast
Die Rindermast ist durch eine Vielzahl möglicher Verfahren gekennzeichnet. Am weitesten verbreitet ist in Deutschland die Bullenmast auf Silomaisbasis. Daneben spielen die Kälber- sowie die Ochsen- und Färsenmast eine gewisse Rolle.
Die gesetzlichen Grundlagen der Haltung von Kälbern und Jungvieh zum Zwecke der Mast entsprechen im Wesentlichen denen der Milchvieh- und Mutterkuhhaltung. Dies sind das Tierschutzgesetz sowie die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung – TierSchNutztV (s. Kap. 1.1.2). Die dortigen Regelungen zur Kälberhaltung treffen natürlich auch auf Kälber zu, die zum Zwecke der Mast aufgestallt werden.
1.3.1Kälbermast
Im Gegensatz zur Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung wird bei der Mast nicht auf die rasche Aufnahme von Raufutter abgezielt. Nährstoffgrundlage stellt die Milch dar, die in größeren Mengen (ca. 12 l/d) bis zu einem Endgewicht von ca. 200 bis 230 kg verabreicht wird.
Da die Tiere zur Kälbermast in der Regel aus verschiedenen Beständen im spezialisierten Betrieb zusammenkommen, gelten besondere Anforderungen an die Betriebshygiene. Diese sind für den Kälberzukauf:
nur Ankauf von Kälbern, die zu keinen gesundheitlichen Bedenken Anlass geben und ein Mindestalter von 2 Wochen haben,
für Gruppenhaltung nur alters- und gewichtsmäßig ausgeglichene Tiere kaufen,
Transportfahrzeuge vor dem Transport gründlich reinigen und desinfizieren,
Kälber vor dem Verladen nicht überfüttern (Diättränke) und
Beladenormen einhalten.
Die aufzustallenden Kälber dürfen nur in gereinigte und desinfizierte Ställe verbracht werden. Da es nach dem Zukauf von Kälbern verschiedener Herkunftsbetriebe dennoch zu gesundheitlichen Störungen kommen kann, muss der Tierbeobachtung und Gesundheitsüberwachung ein besonderes Augenmerk geschenkt werden. Dazu zählen die Beobachtung des äußeren Erscheinungsbildes (Körperhaltung, Verhalten, Haarkleid-Kotverschmutzungen, Parasitenbefall), die Messung der Körpertemperatur, die Kontrolle des Nabels (Nabelentzündung) und die Untersuchung der Gliedmaßen und Gelenke (Verdickungen – Gelenkentzündung).
Besonders häufig treten Durchfälle und Erkrankungen der Atemwege auf. Jede neu aufgestallte Kälbergruppe bringt ein unterschiedliches Keimspektrum in den Mastbetrieb mit. Gegen diese Krankheitserreger besitzen zwar die Kälber der jeweiligen Gruppe Antikörper, nicht aber die Kälber aus anderen Betrieben. Hinzu kommen die immunsuppressiv wirkenden Belastungen durch Transport, Futter-, Stall- und Klimawechsel sowie die Gruppenbildung (Rangordnungskämpfe) zum Aufstallungszeitpunkt.
Verschiedene Faktoren der Haltungsumwelt beeinflussen die Häufigkeit von Erkrankungen positiv oder negativ (Tab. 13).
| Tab. 13 Einfluss von Haltungs- und Managementfaktoren auf die Kälbergesundheit | ||
| Einflussfaktoren | positiv | negativ |
| Belegart | Alles raus – Alles rein | kontinuierlich |
| Belegdichte (< 150 kg) | niedrig (ca. 1,8 m2) | hoch (< 1,8 m2) |
| Fressplatzbreite | ca. 0,50 m | < 0,50 m |
| Luftraum | ca. 7 m3 | < 7 m3 |
| Schadgas-, Staubgehalt | niedrig | hoch |
| Temperatur | 14–20 °C | < 14 °C, > 20 °C |
| Luftfeuchte | 60–75 % | < 60 %, > 75 % |
| Luftgeschwindigkeit | < 0,25 m/s | > 0,25 m/s |
| Wandmaterial | trocken, dämmend | feucht, nicht dämmend |
Die Kälbermast erfolgt in der Regel im Warmstall mit Zwangsbelüftung. Nach der Haltung in Einzelboxen bis zur 8. Lebenswoche kommen die Tiere in Gruppen zusammen (s. Kap. 1.4). Die Gruppenbuchten können aus arbeitswirtschaftlichen Gründen mit Spaltenböden ausgestattet sein. Dieser muss den Bestimmungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung entsprechen.
1.3.2Bullen-, Ochsen- und Färsenmast
Bei der Bullenmast umfasst die Mastphase den Gewichtsabschnitt von 150 (bis 300 kg) (Fresser) bis (550 bis) 700 kg. Die täglichen Zunahmen liegen je nach Rasse zwischen 1000 und 1300 g. Die Tiere werden entweder zugekauft oder stammen aus dem eigenen Betrieb. Jungviehmast mit Vornutzung (Belegung und Kalbung vor Schlachtung) sowie Ochsenmast spielen in Deutschland, im Gegensatz beispielsweise zu den USA, eine sehr untergeordnete Rolle. Diese beiden Formen sind in der Regel mit einer extensiven Grünlandnutzung verbunden.
Die Haltungsverfahren der Rindermast entsprechen weitestgehend denen der Jungviehaufzucht (s. Kap. 1.4 sowie Jungbluth et al. 2005), wobei die Haltungstechnik aufgrund höherer mechanischer Belastungen stabiler sein muss.
Mastbullen werden überwiegend in Gruppen in besonders arbeitssparenden zweireihigen Vollspaltenbodenställen gehalten. Die Gruppengrößen in Vollspaltenbodenbuchten liegen bei 10 bis 15 Tieren. Für die Gruppenhaltung sind gleichmäßig entwickelte Bullengruppen notwendig, die im günstigsten Fall ab dem Kälberalter gemeinsam aufgestallt waren. Rangkämpfe werden dann auf ein Mindestmaß reduziert. Je größer die Gruppen sind, desto größer ist die Gefahr, dass die Tiere im Laufe der Mast auseinanderwachsen.
Als Boden eignen sich am besten Spaltenbodenelemente mit Schlitzweiten von 25 bis 30 (max. 35) mm und schmalen Auftrittsbreiten von 80 bis 120 mm. Der Buchtenflächenbedarf ist in Tabelle 14 angegeben.
| Tab. 14 Platzbedarf von Mastbullen bei einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1 : 1 (Marten und Kirchner, 1991) | |||
| Gewichtsabschnitt (kg) | Mindestbuchtenfläche pro Tier (m2) | Mindestbuchtentiefe (m) | Mindestfressplatzbreite (cm) |
| 150–350 | 2,3 | 3,4 | 55 |
| 350–600 | 2,6 | 3,6 | 70 |
Bei einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1 : 1 wird die Stallfläche ungünstig lang. Bei Reduktion des Angebotes an Fressplätzen auf 2 : 1 bis 3 : 1 werden die Ställe kompakter (Abb. 19). Die Baukosten sind dann deutlich niedriger. In solchen Spaltenbodenställen mit Tiefbuchten muss den Tieren mehrfach pro Tag Futter vorgelegt werden (Vorratsfütterung). Die Tierbeobachtung im Rahmen fester Futterzeiten ist damit nicht bzw. nur sehr eingeschränkt möglich. Aus diesem Grund sind die Anforderungen an das Herdenmanagement deutlich erhöht.

Abb. 19 Vollspaltenbodenstall für die Bullenmast bei einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1 : 1 bzw. 2 : 1 (Martin und Kirchner, 1991)
Buchtenabtrennungen können z. B. aus waagerecht verlaufenden Rohrabtrennungen in einer Höhe von ca. 1,50 m bestehen. In Bullenmastställen sind aus Gründen der Arbeitssicherheit Treibgänge (0,8 m breit) vorzusehen, um ein gefahrloses und einfaches Heraus- und Hereinbringen einzelner Tiere oder der ganzen Gruppe aus und in die Mastbuchten zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wird hinter den Buchten ein Treibgang vorgehalten. Dieser Bereich kann den Bullen ständig zugänglich sein oder abgetrennt werden. Der Treibgang kann alternativ auch außerhalb des Stalles angelegt werden. Dazu müssen die Tiere über eine Tür von der Bucht in den Außenbereich verbracht werden. Diese Tür kann zweiflügelig angelegt sein. Im Sommer kann zur Verbesserung des Stallklimas der obere Bereich geöffnet werden.
Da aus ökonomischer Sicht für spezialisierte Bullenmastbetriebe nur Flüssigmistsysteme infrage kommen, werden Tretmistställe häufig nur in kleineren Beständen im Zuge von Umbaumaßnahmen erstellt. Eine Variante ist der Tretmiststall als Offenfrontstall, bei dem der Mistbereich außerhalb der Bucht liegt (s. Kap. 1.2). Der gesamte Flächenbedarf liegt bei über 3,5 m2 pro Tier. Die Sauberkeit der Bullen ist in Abhängigkeit von der Einstreumenge in der Regel ausreichend.
Die Anbindehaltung im Kurzstand mit einem Harnrost ist aus ethologischer Sicht problematisch zu bewerten. Sie wird gelegentlich in freien Ständen in Milchviehhaltungen praktiziert (Tab. 15).
| Tab. 15 Maße für einstreulose Kurzstände für Mastbullen und Aufzuchtrinder (Sambraus et al. 2002) | ||
| Gewichtsabschnitt (kg) | Standlänge (cm) | Standbreite (cm) |
| bis 300 | 120 | 70–80 |
| bis 600 | 140 | 90–100 |
Die Futtervorlage erfolgt in den meisten Stallungen von einem befahrbaren Futtertisch aus in die Krippe. Als Begrenzung zum Futtergang bzw. der Futterkrippe kann ein verstellbarer Nackenriegel dienen. Palisadenfressgitter reduzieren die Futterverluste, sind aber teurer. Der tiefste Punkt der Krippe muss 15 bis 20 cm über dem Standniveau der Tiere liegen, da es sonst zu Beinschäden kommen kann.
Die Wasserversorgung erfolgt über Tränkebecken im Bereich des Futter- oder Treibgangs zur besseren Kontrolle und leichteren Reinigung. Abweisbügel oder sog. Schutzglocken beugen einer Verkotung der Tränken vor.
Die Gesundheit und Leistung der Tiere hängt in hohem Maße vom Stallklima ab. Der günstige Temperaturbereich befindet sich zwischen 0 und 20 °C. Der Optimalbereich für die relative Luftfeuchte im Stall liegt zwischen 60 und 80 %. Die Luftbewegung im Tierbereich soll generell 0,2 (Winter) bis 0,6 m/sec (Sommer) nicht überschreiten. Die Maximalkonzentrationen von Kohlendioxid, Ammoniak und Schwefelwasserstoff dürfen nicht überschritten werden.
1.3.3Prüfungsfragen
Nennen Sie die gesetzlichen Grundlagen der Haltung von Kälbern und Jungvieh zum Zwecke der Mast.
Welche besonderen Anforderungen sind beim Kälberzukauf zu beachten?
Welche Faktoren der Haltungsumwelt beeinflussen die Häufigkeit von Erkrankungen positiv oder negativ?
Welche Haltungsverfahren sind für die Rindermast geeignet?
Nennen Sie die Grundbedingungen der Gruppenhaltung von Mastbullen.
Nennen Sie den Platzbedarf von Mastbullen bei einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1 : 1.
1.4Kälber- und Jungviehaufzucht
Die Leistungsfähigkeit von Milch- und Mutterkühen wird sehr wesentlich von der Aufzuchtphase geprägt. Dabei setzt sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass der Gesamtkomplex von Haltung, Stallklima, Fütterung und Hygiene einbezogen werden muss, um ökonomisch erfolgreich Kälber aufziehen bzw. mästen zu können.
Kälber können grundsätzlich einzeln oder in Gruppen im Kalt- oder Warmstall gehalten werden, wobei jeweils spezifische Anforderungen zu beachten sind.
Die gesetzlichen Grundlagen der Haltung von Kälbern und Jungvieh bilden das Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung – TierSchNutztV (s. Kap. 1.1.2).
Kälber sind weibliche und männliche Rinder bis zum Alter von 6 Monaten.
Jungvieh umfasst bei Zuchtvieh die Altersspanne von 6 Monaten bis zur Zuchtnutzung und bei Mastvieh die Altersspanne bis ca. 17 Monate.
In die TierSchNutztV ging in wesentlichen Zügen die Verordnung zum Schutz von Kälbern bei der Stallhaltung (Kälberhaltungsverordnung) aus dem Jahr 1997 ein. Dementsprechend enthält sie allgemeine sowie spezifische, auf verschiedene Altersabschnitte zugeschnittene Anforderungen an die Kälberhaltung.
Grundsätzlich wird in der Verordnung zwischen Kälbern
im Alter von bis zu 2,
von über 2 bis zu 8 sowie
von über 8 Wochen unterschieden.
Diese Einteilung basiert auf der Erkenntnis, dass sich die Verhaltensansprüche (ethologische Bedürfnisse) der Kälber mit dem Alter ändern.
Aus verfahrenstechnischer Sicht kann auch eine schematische Einteilung der Kälber in Neugeborene (1. Lebenswoche), Aufzuchtkälber (ab 2. Lebenswoche), Kälber für die Mast (2. bis 25. Lebenswoche) sowie Zukaufkälber vorgenommen werden (Bauförderung Landwirtschaft, 1994). Letztere stellen z. B. besondere Ansprüche an das Hygienemanagement, da das Zusammenbringen von nicht vollständig zur körpereigenen Abwehr fähigen Tieren aus verschiedenen Beständen erhebliche Infektionsrisiken mit sich bringt (s. Kap. 1.3).
1.4.1Kälberaufzuchtverfahren
Während die Kälber in der Fleischrinderhaltung (Mutter-, Ammenkuhhaltung) längere Zeit bei der Kuh verbleiben (bis zu einem Alter von 5 bis 10 Monaten) (s. Kap. 1.2), werden sie in der Milchviehhaltung in der Regel innerhalb der ersten 24 h von ihren Müttern abgesetzt und anschließend der Kälberaufzucht oder -mast zugeführt (Abb. 20).

Abb. 20 Schematische Darstellung der Aufzuchtverfahren von Kälbern
1.4.2Geburt und neugeborenes Kalb
Etwa ⅔ der Rindergeburten finden zwischen 18 und 6 Uhr statt. Einige Minuten nach der Geburt beriecht die Kuh das Kalb und beleckt es anschließend intensiv. Die Körperpflege dient nicht nur der Entfernung der Eihäute und des Fruchtwassers sowie der Förderung der Hautdurchblutung, sondern bildet auch die Grundlage für die Ausprägung der Kuh-Kalb-Bindung, die in der Mutterkuhhaltung von besonderer Bedeutung ist (s. Kap. 1.2). Die Dauer dieser Initial-Phase ist abhängig von Alter und Rasse der Mutter und beträgt zwischen 30 min (Milchviehrassen) und 1 h (Fleischrinderrassen). Durch das Belecken werden auch die Aufstehaktivitäten des Kalbes begünstigt. Es steht ca. 10 bis 30 min nach der Geburt auf. Die folgende Hauptaktivität des Neugeborenen in den ersten 4 bis 8 Lebensstunden besteht in der Eutersuche. Die Kälber besitzen einen angeborenen Auslösemechanismus (AAM), der sie mit waagerecht gehaltenem Kopf nach oben und in einem rechten Winkel (zwischen Bauch und Hinterbeinen) nach den Zitzen suchen lässt. Eine erfahrene Mutter unterstützt dies, indem sie das Kalb durch eine antiparallele Stellung und durch leichte Kopfstöße in Euterrichtung zu lenken versucht.
Beim angeborenen Auslösemechanismus (AAM) reagiert ein Tier in richtiger Weise auf einen Reiz (= Auslöser), ohne dass es diesem jemals begegnet war, d. h. ohne dass es eine entsprechende Lernmöglichkeit hatte. Die Verknüpfung zwischen dem Auslöser und der Reaktion des Tieres ist erfahrungsunabhängig.
Das Kalb besaugt abwechselnd jede der vier Zitzen 3 bis 5 s lang. Bleibt das Kalb während der Aufzucht bei der Mutter (Mutterkuhhaltung), so reduziert sich die Säugehäufigkeit kontinuierlich mit dem Alter von 6- bis 8-mal täglich (erster Lebensmonat) über 3- bis 5-mal täglich (2. bis 6. Monat) auf nur noch 2-mal pro Tag (6. bis 8. Monat). Zwillingskälber saugen häufiger als Einzelkälber. Die Dauer des Saugvorganges ist abhängig von Rasse, Alter und Gewicht des Kalbes sowie vom Laktationszustand der Kuh. Beim Saugakt an der Zitze erfolgen 1000 bis 2000 Schlucke je Saugperiode. Die Dauer eines Saugaktes beträgt anfänglich 10 bis 12 min und reduziert sich mit dem Älterwerden der Kälber auf 5 bis 7 min, sodass eine Gesamtsaugdauer pro Tag von etwa 50 bis 60 min in den ersten Lebenswochen bzw. 30 min nach einem halben Jahr resultiert.
Die Kalbung sollte bei Stallhaltung in separaten Abkalbebuchten erfolgen. Dies gilt insbesondere bei Laufstallhaltung. Kühe in Anbindehaltung verbleiben häufig während der Kalbung am Standplatz. Die eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit in den letzten Tagen und Wochen vor der Geburt erschwert allerdings häufig deren Verlauf. Darüber hinaus sind die hygienischen Bedingungen (hoher Keimdruck) ungünstig. Abkalbebuchten sind deshalb zu favorisieren, wobei eine große Abkalbebucht für mehrere Kühe der Einzelbucht vorzuziehen ist.
Die Vorteile von Abkalbebuchten sind neben der leichteren Einhaltung von Hygienestandards, die mögliche intensive Geburtshygiene, die ausreichende Bewegungsfreiheit der Tiere vor (ante partum), während (peri partum) und nach der Geburt (post partum), die optimierte Geburtsüberwachung, eine leichtere Geburtshilfe sowie die Entwicklung einer intensiven Mutter-Kind-Beziehung (u. a. intensives Trockenlecken) einschließlich beschleunigter Kolostrumaufnahme (innerhalb der ersten 3 h post partum). Der intensive Mutter-Kind-Kontakt wird in der Milchviehhaltung zum Teil problematisch bewertet, da die spätere Trennung der Tiere durch die stärkere Bindung einschneidender ist. Nach der Kalbung sollten die Mutter-Kind-Paare in diesem Verfahren deshalb nur bis zu 24 h gemeinsam in der Bucht verbringen. Das Kalb sollte allerdings frühestens nach dem Trockenlecken in eine eingestreute Einzelbucht verbracht werden. Bei einer Kalbung im Anbindestall muss das Trockenreiben des Kalbes in der Regel von einer Person durchgeführt werden.
Abkalbebuchten sollten folgende Anforderungen erfüllen:
Möglichkeit des Sichtkontaktes zur Herde,
saubere, trockene Einstreu,
gute Belüftung und Beleuchtung,
rutschfester Boden,
(Warm- und Kaltwasser) sowie
leichte Reinigung und Desinfektion (s. a. Kap. 1.1).
Die Milch der ersten Tage (Biest- oder Kolostralmilch) ist von besonderer ernährungsphysiologischer Bedeutung, da sie im hohen Anteil aus leicht verdaulichen Nähr-, Mineral- und Wirkstoffen sowie umgebungsspezifischen Antikörpern (Immunglobulinen) besteht.
Immunglobuline sind spezifische Antikörper, die dem in den ersten Wochen weitestgehend zur körpereigenen Abwehr unfähigen (immuninkompetenten) neugeborenen Kalb einen passiven Infektionsschutz verleihen.
Das Immunsystem der Kälber entwickelt sich erst in den ersten 6 bis 8 Lebenswochen. Die Versorgung mit Biestmilch steht damit an erster Stelle bei der Bekämpfung von Infektionserkrankungen. Um eine Anreicherung der Biestmilch mit den stallspezifischen Antikörpern zu erreichen, müssen Kühe und Färsen mindestens 8 Wochen vor der Kalbung im Betrieb gestanden haben, um sich mit den spezifischen Keimen auseinandersetzen zu können. Impfprogramme unterstützen die Bildung spezifischer Antikörper und sorgen damit für einen zusätzlichen Schutz über die Kolostralmilch. Altkühe reichern im Vergleich zu Erstkalbinnen in der Regel größere Mengen an Antikörpern in der Biestmilch an. Da die Konzentration an Immunglobulinen im Blut neugeborener Kälber direkt von der Immunglobulinmenge sowie -qualität in der Biestmilch abhängt, wurde bisher empfohlen, von älteren Tieren Biestmilch gefroren zu lagern und bei Bedarf an Neugeborene (z. B. von Färsen) zu verabreichen. Aus hygienischer Sicht (Übertragung der Paratuberkulose) wird dies heute kritisch beurteilt.
Die Kolostrumgabe (1,5 bis 2,0 l) in den ersten 3 Lebensstunden ist sehr wichtig, da die Immunglobulinkonzentration der Milch rasch abnimmt. Etwa nach fünf Tagen ist wieder die Normalkonzentration erreicht. Außerdem hält die Fähigkeit der Darmwandpassage (Resorption) der Antikörper nicht lange an. Unabhängig davon verbessert die kontinuierliche Verabreichung in der ersten Lebenswoche den lokalen Schutz in der Darmwand gegen Durchfallerreger. Reduzierte Aufnahmemengen von Biestmilch sind unter anderem für Kälberverluste nach der Geburt verantwortlich. In den letzten Jahren lag die Verlustquote in der Milchviehhaltung im Bundesgebiet zwischen 10 und 15 % und damit in einem nicht tolerierbaren Bereich. In Einzelbetrieben kann dieser Wert, infolge massiver Infektionseinbrüche (vor allem Atemwegs- (Rindergrippekomplex) und Darminfektionen), sogar noch höher liegen.
Die häufigsten Verluste in den ersten 4 Lebenswochen entstehen durch Durchfallerkrankungen.
Durchfall ist eine Funktionsstörung des Darms, wodurch die Aufnahme von Flüssigkeit und Nährstoffen beeinträchtigt ist, vermehrt Flüssigkeit abgegeben und die Darmwand durchlässiger wird.
Die wichtigsten Folgen sind Exsikose (Austrocknung), Blutazidose (Übersäuerung des Bluts), Hypoglykämie (Unterzuckerung, Energiemangel) sowie Elektrolytimbalancen u. a. bedingt durch Störungen der Nierenfunktion.
Als Auslöser von Durchfällen kommen verschiedene Faktoren infrage: mangelnde Hygiene mit der Folge einer Anreicherung an Infektionserregern, wie Bakterien (u. a. Escherichia coli, Salmonellen), Viren (u. a. Rota-, Coronaviren, BVD/MD-Viren) und Parasiten (Kryptosporidien, Eimerien), aber auch Managementfehler bei der Biestmilchversorgung sowie Tränkefehler. Die täglichen Flüssigkeitsverluste können in Abhängigkeit von der Schwere des Durchfalls bis zu 8 l erreichen. Wird der Flüssigkeitsverlust nicht rasch kompensiert, kann es zum Tod des erkrankten Tieres kommen.
Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD) ist eine weltweit verbreitete virusbedingte Durchfallerkrankung bei Rindern.
Rindergrippe (Enzootische Bronchopneumonie) ist eine infektiöse Faktorenkrankheit der Atmungsorgane mit großer wirtschaftlicher Bedeutung.
Ein gründliches Hygienemanagement und der richtige Einsatz des Kolostrums reduzieren die Gefahr von Erkrankungen und bilden somit die Basis einer rentablen Kälberaufzucht. Bereits der Verzicht auf die gründliche Reinigung und Desinfektion der Tränketechnik und der Stallabteile kann zu einer Verdoppelung der Krankheits- und Todesfälle führen. Wichtiger Bestandteil des Managements ist die Dokumentation von Erkrankungs- und Todesfällen. In Kälberhaltungen mit mehr als 50 Kälbern sind Aufzeichnungen über Zahl und Ursache von Tierverlusten zu führen und für 3 Jahre aufzubewahren.
Zu den Maßnahmen am Kalb nach der Geburt gehört neben der Trocknung und Kolostralmilchgabe die Nabeldesinfektion zur Vorbeugung aufsteigender Infektionen, die Kennzeichnung sowie unter Umständen eine Enthornung.
Ohrmarken von Rindern müssen folgende Angaben (VO (EG) 911/2004 vom 29. April 2004) enthalten: Logo der Regionalstelle, Kennung des EU-Mitgliedstaates (z. B. DE für Deutschland), Kennung des Bundeslandes, Ohrmarkennummer aus Seriennummer (dreistellig) und einer fortlaufenden Nummer (fünfstellig) sowie Strichcode der Nummer.
Das Enthornen der Kälber wird in der Praxis aus Sicherheitsgründen (im Laufstall) oder auch zur Verbesserung von Gesundheit, Tierschutz oder Hygiene der Tiere häufig praktiziert. Nach § 5 des Tierschutzgesetzes darf es bis zu einem Alter von 6 Wochen ohne Betäubung vom Landwirt durchgeführt werden, wenn der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist. Ob dies grundsätzlich bei Laufstallhaltung der Fall ist, wird durchaus kontrovers diskutiert. Folgende Verfahren sind gängige Praxis:
Chirurgische Methode: Das Ausschälen der Hornknospen mit Spezialmesser ist nicht empfehlenswert, da die Gefahr von Blutungen und Infektionen relativ hoch ist.
Chemische Methode: Beim Verätzen der Hornknospen mit einem Ätzkalistift oder mit Säurepasten ist eine genaue Dosierung sehr wichtig. Zu hohe Dosierungen können z. B. zu Verätzungen der Augen durch herunterlaufende Flüssigkeit führen.
Thermische Enthornung: Das ringförmige Umbrennen der Hornknospe (Unterbrechung der Blutzufuhr) mit einem Brennstab ist, bei einwandfreiem technischem Zustand (ausreichende Hitzeentwicklung; Brennzylinderzustand) und richtiger Anwendung nach dem aktuellen Wissensstand den übrigen Methoden vorzuziehen.
1.4.3Allgemeine Anforderungen an die Haltung von Kälbern
Die genutzten Ställe für Kälber müssen nach den Vorgaben der TierSchNutztV grundsätzlich so gestaltet sein, dass die Tiere ungehindert liegen, sich hinlegen, aufstehen, eine natürliche Körperhaltung einnehmen, sich putzen sowie Futter und Wasser aufnehmen können. Es sind Mindestbedingungen bezüglich des Stallklimas sowie des Wasser- und Futterangebotes einzuhalten (Tab. 16).
| Tab. 16 Zusammenfassung der wesentlichen Regelungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bezüglich Stallklimabedingungen und Fütterung | |
| Regelungsgegenstand | Wert |
| Temperatur im Liegebereich1)erste 10 Tagedanach | max. 25 °C> 10 °C> 5 °C |
| Rel. Luftfeuchte | 60–80 % |
| Lichtdauer | > 10 h |
| Lichtstärke | > 80 lux |
| Schadgasbelastung im Aufenthaltsbereich der TiereAmmoniakKohlendioxidSchwefelwasserstoff | < 20 ppm< 3000 ppm< 5 ppm |
| Anbieten von Biestmilch p.p. | < 4 h |
| Fütterung | mind. 2 × täglich |
| Trinkwasser (ad lib.) | ab 3. Lebenswoche |
| Raufutter (ad lib.) | ab 8. Tag |
| 1) gilt nicht für Kaltställe oder Kälberhütten | |
Zweimal pro Tag muss eine Tierkontrolle durchgeführt werden. Neben dem Verbot von Maulkörben (zur Verhinderung des gegenseitigen Besaugens früher häufig verwendet) muss vor allem das grundsätzliche Anbindeverbot für Kälber hervorgehoben werden. Ausnahme: bei Gruppenhaltung dürfen die Kälber für jeweils maximal 1 h im Rahmen des Fütterns mit Milch- oder Milchaustauschertränke angebunden werden. Mit der Anbindung soll dem gegenseitigen Besaugen vorgebeugt werden. Letzteres kann, durch ein Saugdefizit bedingt, unmittelbar nach dem Tränken vermehrt auftreten. Das Saugbedürfnis wird nach dem Milchangebot für ca. 10 min geweckt, was sich in etwa mit der Länge eines natürlichen Saugaktes deckt. Werden die Kälber mutterlos aufgezogen und aus Eimern getränkt, trinken sie die Milch in großen Zügen. Sie sind dann zwar ernährungsphysiologisch mit einer ausreichenden Milchmenge versorgt, da der Saugakt aber nur etwa 2 bis 3 min andauert, entsteht ein Saugdefizit. Dieses führt dann zu Handlungen am Ersatzobjekt und richtet sich bei Einzelhaltung auf waagerechte bzw. vorstehende Boxenteile oder bei Gruppenhaltung auf die anderen Kälber der Gruppe.
Bevorzugte Körperpartien, die besaugt werden, sind Ohren, Präputium, Nabel oder Skrotum (Hodensack). Dies kann bei den saugenden Kälbern zur Bezoarbildung und zu Verdauungsstörungen und im Extremfall zu einem Darmverschluss (Ileus) führen. Bei den besaugten Kälbern können Entzündungen (z. B. Nabelentzündung) und Verletzungen der besaugten Körperteile entstehen.
Bezoare sind dichte Knäuel abgeschluckter Haare (z. T. faustgroß), die zu Verstopfungen und Verdauungsproblemen führen können.
Mögliche Einflüsse auf die Anzahl des Besaugens der Kälber untereinander sind:
Gewohnheit (da die ältesten Tiere am längsten besaugen),
stimulierende Wirkung der Milch und schmatzende Geräusche der Kälber beim Trinken (Stimmungsübertragung),
allelomimetisches Verhalten (gemeinsames, zeitlich synchrones Verhalten) und
Reizarmut des Tränkestandes bzw. Tränkeeimers im Vergleich zum Kuheuter.
Gegenseitiges Besaugen kann vor allem durch verlängerte Milchaufnahme, höhere Tränkefrequenzen sowie eine Fixierung am Tränkestand für mind. 10 min verhindert bzw. reduziert werden. Die Möglichkeit zu Auslauf und Außenkontakten, das zeitige Angebot von Rau- und Kraftfutter ad libitum sowie der Zusatz von 1 bis 2 Gramm Glukose (Traubenzucker) pro l Tränke kann die Frequenz des Auftretens ebenfalls positiv beeinflussen.
Der während der Aufzucht eingesetzte Milchaustauscher muss bis zu einem Gewicht von 70 kg einen Eisengehalt von mindestens 30 mg/kg, bezogen auf einen Trockensubstanzgehalt von 88 %, enthalten. Bei Kälbern, die mehr als 70 kg wiegen, muss die Eisenversorgung so hoch sein, dass bei den Kälbern ein auf die Gruppe bezogener durchschnittlicher Wert des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) von mindestens 6 mmol pro 1 l Blut erreicht wird. Eisen ist zu ca. 50 % im Hämoglobin, dem Farbstoff der Erythrozyten, und zu 3 bis 7 % im Myoglobin, dem Farbstoff der Muskulatur, gebunden. Hämoglobin hat vor allem die Aufgabe, Sauerstoff in den Lungen zu binden und in die verschiedenen Körperteile zu transportieren. Bei Mangel entstehen Blutarmut (Anämien), verminderte Krankheitsresistenzen, Appetitlosigkeit sowie ein verringertes Wachstum.
Eisenmangel-Anämie ist eine durch Eisenmangel verursachte Blutarmut.
1.4.4Tränkesysteme
In der landwirtschaftlichen Praxis ist die Aufzucht der Kälber mit Milchaustauscher (MAT) weithin verbreitet, um die Vollmilch an die Molkerei abliefern zu können. Der pulverförmige MAT wird in Wasser aufgelöst, wobei einige Hinweise zu beachten sind:
Einhalten der vorgeschriebenen Konzentration (Abmessen von MAT und Wasser),
gründliches Rühren der Mischung und
Beachten der Anrührtemperatur (oft zwischen 42 und 45 °C) zum vollständigen Auflösen des MAT in Wasser.
Unvollständig aufgelöstes Milchpulver kann Durchfall, Blähungen oder Koliken verursachen. Süße (= native) Milch und Milchaustauscher können in unterschiedlichen Varianten (als Warm- oder Sauertränke) an die Kälber verabreicht werden.
Die Wahl des Tränkeverfahrens (Eimer-, Trogtränke oder Tränkeautomat) ist in Abhängigkeit von Bestandsgröße, Arbeitsbelastung und Kapitaleinsatz zu treffen (s. Jungbluth et al. 2005). Die Tränkeaufbereitung kann von Hand, halbautomatisch (mit Rührgeräten) oder vollautomatisch (prozessrechnergestützt) erfolgen. Die Zuteilung der Tränke erfolgt entsprechend der Aufbereitungstechnik von Hand (Eimer oder fahrbarer Mixer), über Ringleitungen (Zuteilpistole, prozessrechnergestützt) oder an einer Abrufstation. Seit kurzem gibt es mit dem CalfRail eine automatisierte Lösung, mit der Kälber in Einzelhaltung mit tierindividuellen Mengen in kleinen frisch zubereiteten Portionen bis zu 8-mal am Tag gefüttert werden können. Ein Schwenkarm mit Nuckel versorgt nacheinander die einzeln aufgestallten Kälber.
Grundsätzlich sollte die Milchtränke über Nuckel verabreicht werden. Vorteile sind: langsames Saufen, besserer Schlundrinnenreflex, höhere Speichelproduktion mit positivem Einfluss der Enzyme auf die Fettverdauung der Milch.
Eine Alternative zur portionierten Warmtränke stellt die Vorratstränke mit angesäuerter Milch dar. Eine 0,3 %ige Gabe einer 85 %igen Ameisensäure senkt den pH-Wert auf 4 bis 4,8. Ameisensäure hat sich im Vergleich mit anderen organischen Säuren am besten bewährt. Durch die Ansäuerung kommt es zu einer Vorverdauung, sodass ein weiterer Temperaturbereich als bei der süßen Warmtränke möglich wird. Wenn Biestmilch sauer vertränkt wird, sollte die Temperatur des Kolostrums nicht über 28 °C liegen, um ein verstärktes Ausflocken des Kaseins zu vermeiden. Eine zu geringe Erwärmung vermindert die Akzeptanz der Sauertränke, insbesondere bei jungen Kälbern. Die optimale Tränketemperatur liegt somit im Bereich von 15 bis 28 °C.
In immer stärkerem Maße werden in der Kälberfütterung rechnergesteuerte Tränkeverfahren eingesetzt, die aus der Kombination von ad libitum-Automaten und der elektronischen Tiererkennung entstanden sind. Über einen Transponder am Halsband mit einer individuellen Nummer werden die Tiere am Tränkeautomaten erkannt. Sofern sie ein Futterguthaben besitzen, wird ihnen eine bestimmte Menge an Milch (MAT) zugeteilt, die entweder frisch angerührt oder aus einem Vorratsbehälter zudosiert wird. Über eine Schlauchleitung wird die Tränke zum Sauger gefördert. Dieser ist 60 bis 70 cm hoch und ggf. versenkbar angeordnet. Der Tränkestand hat eine Breite von 35 bis 40 cm und eine Höhe von 80 bis 100 cm. Im vorderen Bereich ist die Empfangsantenne angeordnet. Seitliche Begrenzungswände in kurzer (nur Brustbereich) oder langer Ausführung (gesamte Tierlänge) verhindern, dass das Kalb beim Trinken verdrängt wird. Der Tränkestand mit kurzen seitlichen Wänden ist für nach Alter und Gewicht homogene Tiergruppen geeignet. Der Tränkautomat übernimmt die Aufbereitung und rationierte Zuteilung der Tränke und stellt ein vollautomatisches Verfahren für Milchaustauscher und/oder Vollmilch dar. Er besteht aus folgenden Bestandteilen:
Vorratsbehälter mit Dosiervorrichtung für Milchpulver,
Boiler zur Wassererwärmung,
Mischbecher mit Rührwerk und Füllstandsmesser und
Steuerungseinrichtung.
Verschiedene Portionsgrößen können eingestellt werden. Bei Bedarf kann ein Dosierer für Zusatzstoffe angeschlossen werden. Die Steuerung des Kälbertränkeautomaten kann über den Fütterungscomputer für das Milchvieh oder dezentral („stand alone“) erfolgen. Wichtig ist, dass alle milchführenden Teile nach der Benutzung durch ein Spülprogramm gereinigt und desinfiziert werden müssen, um Durchfällen vorzubeugen.
Für die Tränkeautomaten gibt es verschiedene Fütterungsprogramme, mit denen entweder feste Fütterungszeiten und definierte Futterportionen oder gleitende, variable Tränkzeiten und unterschiedliche Tränkemengen eingestellt werden können. Die Futtermenge beträgt am Anfang pro Tag zumeist 6 l Milchaustauscher-Tränke. Nach der 1. und bis zum Ende der 3. Haltungswoche wird in Halb-Liter-Schritten die tägliche Portionsmenge auf 8 l gesteigert. Das Absetzen von der Tränke erfolgt zwischen der 7. und 12. Woche, wobei die tägliche Tränkemenge schrittweise jeweils um ½ l verringert wird.
Ein kontinuierlich reduziertes Milchangebot fördert die frühzeitige Aufnahme von Raufutter sowie Kälberaufzuchtfutter ab der 2. Lebenswoche.
Beim Kalb sind die Vormägen noch nicht entwickelt. Die Verdauung ist nur über den enzymatischen Abbau im Labmagen und Dünndarm möglich. Daher kann das Kalb in den ersten Lebenstagen und -wochen nur flüssige, hochverdauliche Nahrungsmittel in Form von Milchprodukten verwerten. Durch das Lab im Labmagen wird der pH-Wert der Milch von 6,5 bis 6,7 auf einen Wert von 2 bis 3 abgesenkt und damit das Milcheiweiß (Kasein) zur Gerinnung gebracht. Damit wird verhindert, dass ungeronnene, süße Milch in den Dünndarm gelangt und zu Verdauungsstörungen führt.
Lab ist ein zur Gruppe der Proteasen gehörendes Ferment, das gemeinsam mit der Salzsäure das Kasein der Milch unter Gerinnung in das unlösliche Parakasein umwandelt.
Das Fassungsvermögen des Labmagens beträgt etwa 2 l. Das ist die Begründung, weshalb die Tränkemenge pro Portion 2 l nicht übersteigen soll. Die Mindesttemperatur des Kolostrums für eine schnelle Gerinnung beträgt 35 °C bei einem Optimum von 39 °C. Bei einer geringeren Erwärmung verzögert sich die Eiweißgerinnung, und es kann zu Verdauungsstörungen kommen.
Die frühe Aufnahme von Rau- und Kraftfutter sichert die zügige Entwicklung des Magen-Darm-Traktes. Der Pansen entwickelt sich bei ausreichendem Angebot von trockenem Futter (Raufutter, Kraftfutter) und Wasser besonders stark zwischen der 4. und 8. Lebenswoche. Die für die Entwicklung des Pansens, seine Oberflächenstruktur (Zotten) sowie seine Aktivität (Muskelkontraktion) maßgebenden Kriterien sind:
die mit der Futteraufnahme beginnende Ansiedlung von Bakterien,
die Menge an verfügbarer Flüssigkeit (abhängig vom Beginn freier Wasseraufnahme),
die Struktur des Materials, das in den Pansen kommt und diesen verlässt sowie
die Nährstoffzusammensetzung des angebotenen Futters.
Das Wachstum der Pansenzotten wird im Wesentlichen durch die aus dem bakteriellen Abbau von Kohlenhydraten frei gewordenen flüchtigen Fettsäuren (Propion- und Buttersäure) angeregt. Dies ist der Grund, warum für die Kälberaufzucht eine möglichst frühe Gabe von hochwertigem Kälberaufzuchtfutter mit einem hohen Anteil leicht abbaubarer Kohlenhydrate (z. B. in Getreideprodukten) empfohlen wird. Viel Heu fördert dagegen eher die Bildung von Essigsäure, was die Entwicklung der Pansenschleimhaut weniger stimuliert. Die Pansenzotten sind bei Fütterung von strukturierter Rohfaser, Getreide und Milch im Vergleich zu reiner Milchgabe nach 8 Wochen bereits mehr als 3-mal und nach 12 Wochen mehr als 5-mal so lang. Die Fähigkeit, die Endprodukte der Fermentation, die flüchtigen Fettsäuren (Essig-, Propion- und Buttersäure), über die größere Oberfläche absorbieren zu können, ist damit wesentlich besser entwickelt. Die vollständige Umstellung von Milch auf Rau- bzw. Kraftfutter sollte in der Kälberaufzucht innerhalb von 12 Wochen erfolgen.
In größeren Beständen ist ein deutlicher Vorteil für rechnergesteuerte Tränkeautomaten in Kombination mit der Gruppenhaltung gegeben. Automatische Tränkesysteme in Gruppenhaltungen ermöglichen grundsätzlich einfacher eine physiologisch angepasste Ernährung (tier- und bedarfsgerecht) und die Ausschöpfung der Leistungsreserven, reduzieren den Luxuskonsum, führen zu zeitiger Gewöhnung an Raufutter sowie einem schrittweisen Abtränken (Reduktion des MAT-Anteils). Darüber hinaus bringen sie arbeitswirtschaftliche Vorteile. Die Gruppen können sich gleichmäßig entwickeln. Eine individuelle Versorgung der Kälber ist ohne Mehraufwand möglich.
Zur ökonomischen Ausnutzung der Systeme (Investitionsbedarf: 7000 bis 10 000 Euro) sind allerdings große Gruppen gleichentwickelter Tiere notwendig. Ein Automat kann mehrere Tränkestände mit jeweils einem Saugnuckel bedienen, wobei ein Saugnuckel für max. 25 Kälber ausgerichtet ist. Zu den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz von Tränkeautomaten zählen bei hoher Besatzdichte (>20 Kälber):
optimale Stall- und Klimaverhältnisse,
saubere Wartung und tägliche Pflege des Gerätes,
frostsicherer Aufbau des Tränkeautomaten (temperierter Vorraum),
ausreichende Zeit zum Anlernen der Kälber,
ausgeglichene Gruppen bezüglich Körpergröße und -gewicht,
Zeitaufwand für die tägliche Beobachtung und Gesundheitskontrolle der Kälber und
gutes technisches Verständnis des Betriebsleiters.
Die kontinuierliche Beschickung von Kälbergruppen an einer Tränkebox mit Kälbern unterschiedlicher Entwicklungsstufen (Alter, Größe, Gewicht) sollte unterbleiben, da sie u. a. zu wiederkehrenden Infektionseinbrüchen führen kann.
Seit einiger Zeit wird die metabolische Programmierung von Kälbern untersucht, indem davon ausgegangen wird, dass gesunde Kälber mit hohen täglichen Zunahmen die besseren, leistungsfähigeren Milchkühe werden. Eine intensivere Fütterung in den ersten Lebenswochen soll dabei kurzfristig die Konstitution und den Gesundheitsstatus der Kälber und langfristig das Leistungspotenzial sowie den Stoffwechsel der Kuh positiv beeinflussen. Dazu werden hochwertige Milchaustauscher in den ersten 5 bis 6 Lebenswochen eingesetzt, die Tränkmengen vorsichtig erhöht und die Kraftfutteraufnahme kontinuierlich gesteigert. Im Alter von 9 bis 10 Wochen kann das Kalb bei einem Gewicht von ca. 100 kg abgesetzt werden. Zu den Langzeitwirkungen und zur ökonomischen Bewertung besteht allerdings noch großer Forschungsbedarf.
1.4.5Haltungssysteme für Kälber
Bei den Haltungsverfahren kann grundsätzlich zwischen der Einzel- und Gruppenhaltung unterschieden werden, wobei beide Verfahren im Außenklima- (Kalt-) oder Warmstall praktiziert werden können (Abb. 21) (s. Jungbluth et al. 2005).

Abb. 21 Schematischer Überblick der Haltungsverfahren für Kälber
Der Trend geht in Richtung Gruppenhaltung in Außenklimaställen, wodurch die natürliche Abwehrbereitschaft und Widerstandskraft angeregt und gestärkt sowie die aktive Immunisierung der Kälber gegen Infektionskrankheiten gefördert wird. Die Anwendung moderner Computertechnik in der Tränkeverabreichung unterstützt zusätzlich die positive Entwicklung von der Einzel- zur Gruppenhaltung.
Zwei wesentliche Grundsätze sind bei der Kälberhaltung zu beachten:
Eine kontinuierliche Stallbelegung mit Tieren unterschiedlichen Alters und damit unterschiedlicher Immunitätslage führt zu einer Steigerung der Ansteckungsgefahr (auch bei Durchführung von Impfprogrammen) vor allem durch multifaktoriell bedingte Erkrankungen. Alles rein-Alles raus-Verfahren erfüllen deshalb den höchsten Hygienestandard.
Subklinisch infizierte Kühe und Färsen bilden häufig das Erregerreservoir, aus dem sich die Kälber meist schon unmittelbar nach der Geburt infizieren. Deshalb sollen Kälber getrennt von den Kühen untergebracht werden.
Die Realisierung des Alles rein-Alles raus-Verfahrens, mit dem Infektionsketten in der Aufzucht unterbrochen werden können, hat außerdem den Vorteil, dass es zur Ausbildung einer stabilen Rangordnung in der Gruppe kommt, was sich positiv auf die Ruhe im Stall und auf einen ungestörten Tränkeablauf auswirkt.
Zu den grundsätzlichen ethologischen Anforderungen von Kälbern gehört u. a. das große Ruhebedürfnis in der 1. Lebenswoche. Aus dieser Sicht ist die Einzelhaltung in dieser Zeit (Biestmilchperiode) wünschenswert und auch ausdrücklich vom Gesetzgeber zugelassen. Außer in der Biestmilchperiode empfiehlt sich die Einzelhaltung auch für kleinere Betriebe (< 5 gleichaltrige Kälber) sowie für Kälbermastbetriebe mit sehr inhomogenen Kälbern bis zur 8. Lebenswoche. Neben der ausreichenden Ruhe stellt die Einzelhaltung eine intensive Einzeltierbeobachtung sicher. Das gegenseitige Besaugen ist nicht möglich.
Bei Einzelhaltung muss den Kälbern bis zum Alter von 2 Wochen eine mit Stroh oder ähnlichem Material eingestreute Liegefläche zur Verfügung stehen. Mindestmaße müssen gemäß Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung eingehalten werden (Tab. 17).
| Tab. 17 Auszüge aus der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung – Platzangebot für Kälber bei Einzel- und Gruppenhaltung | |
| Regelungsgegenstand | Wert |
| Platzbedarf, Stallfläche (Einzelhaltung bis 2. Woche)LängeBreiteHöhe | > 120 cm> 80 cm> 80 cm |
| Platzbedarf, Stallfläche (Einzelhaltung 2. bis 8. Wo.)Länge (Innentrog)Länge (Außentrog)Breite | > 180 cm> 160 cm> 100 cm |
| Platzbedarf, Stallfläche (Ausnahme: Einzelhaltung > 8. Wo.)Länge (Innentrog)Länge (Außentrog)Breite | > 200 cm> 180 cm> 120 cm |
| Platzbedarf, Stallfläche (Gruppenhaltung)bis 150 kg Lebendmasse150 bis 220 kg Lebendmasse> 220 kg Lebendmasse | > 1,5 m2> 1,7 m2> 1,8 m2 |
| Platzbedarf, Stallfläche (Ausnahme: Kleingruppe bis 3 Tiere)2. bis 8. Lebenswoche> 8. Lebenswoche | > 4,5 m2> 6,0 m2 |
Weitere Verhaltensweisen, die bei der Kälberhaltung beachtet werden müssen, sind den Funktionskreisen des Sozial-, Ruhe-, Aktivitätsverhaltens sowie Spielverhaltens zuzuordnen.
Mit zunehmendem Alter entwickeln sich bei den Kälbern ein starker Bewegungsdrang sowie ein intensives Bedürfnis nach Sozialkontakt. Bei Kälbern in Gruppen ist häufig Spiel- und Erkundungsverhalten zu beobachten.
Funktionskreis des Verhaltens ist der Oberbegriff für Verhaltensweisen mit gleicher oder ähnlicher Aufgabe und Wirkung (Verhaltenssystem), z. B. Fortpflanzungsverhalten, Ernährungsverhalten, Sozialverhalten.
Spielverhalten sind Verhaltensweisen, die keinen unmittelbaren „Ernstbezug“ innerhalb des Funktionskreises besitzen. Es werden Solitärspiel, Objektspiel und Sozialspiel unterschieden.
Bei Kälbern treten Laufspiele mit verschiedenen Sprüngen und Laufphasen auf. Auch Hornspiele oder Drohzeremonien finden statt. Das Erkundungsverhalten zeigt sich darin, dass neue Personen oder Gegenstände intensiv berochen und beleckt werden.
Aus dieser Sicht ist die Gruppenhaltung im Laufstall nach der 1. Lebenswoche der Einzelhaltung vorzuziehen, wobei darauf zu achten ist, dass die Tiere einer Gruppe in diesem Haltungsverfahren hinsichtlich Körpergewicht und -größe ausgeglichen sind. Gegenseitiges Aufreiten sowie die Verdrängung am Futtertrog führen ansonsten zu erheblichen Nachteilen kleinerer Tiere. Kälber können dann ab der 1. Lebenswoche in Gruppen gehalten werden, wenn bei rationierter Fütterung alle Tiere der Gruppe gleichzeitig Futter aufnehmen können. Dies gilt nicht bei Abruffütterung und technischen Einrichtungen mit vergleichbarer Funktion.
Für Kälber mit einem Alter von über 8 Wochen gilt grundsätzlich die Pflicht der Gruppenhaltung. Die Vorteile der Gruppenhaltung sind die größere Bewegungsmöglichkeit, der mögliche intensive Sozialkontakt, die in der Regel raschere Rau- und Kraftfutteraufnahme, die Platzeinsparung, die Arbeitsökonomie, die besseren Mechanisierungsmöglichkeiten (z. B. Tränkeautomaten) sowie geringere Bau- und Einrichtungskosten. Ausnahmen von der Gruppenhaltung sind ausschließlich vorgesehen:
wenn nicht mehr als drei nach ihrem Alter oder ihrem Körpergewicht für das Halten in einer Gruppe geeignete Kälber im Betrieb vorhanden sind,
wenn gesundheitliche oder verhaltensbedingte Gründe dagegen sprechen oder
Quarantänemaßnahmen zur Vermeidung von Ansteckungsrisiken notwendig sind.
Die frei belüfteten Kaltställe (Außenklimaställe) zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar einen Wind- und Regenschutz, aber keinen Temperaturschutz bieten. Um die Thermoregulation der Kälber nicht zu überfordern, müssen sie deshalb über eine eingestreute Liegefläche verfügen. Die Vorteile der Außenklimaställe sind:
gute Konditionierung der Tiere durch wechselnde Klimabedingungen,
annähernd ideale Klimaverhältnisse (niedrige Schadgaskonzentration, hoher Sauerstoffgehalt, ausreichend Licht),
geringer Keimdruck (u. a. Atemwegserkrankungen, Escherichia coli, Corona-, Rota-Infektionen) und damit einhergehende niedrigere Morbidität (Erkrankungsrate),
beschleunigte Raufutteraufnahme mit folglich rascher Vormagenentwicklung,
geringe Investitions- (ca. 250 Euro pro Platz) und Energiekosten,
mögliche Nutzung von Altgebäuden (z. B. Umnutzung bestehender Maschinenhallen),
geringer Arbeitsbedarf (Entmistung mittels Frontlader und zentraler Futtertisch),
gute Tierbeobachtung sowie
mögliche Nutzung arbeitssparender Produktionstechniken (u. a. Tränkeautomaten).
Demgegenüber stehen aufgrund höherer Ansprüche an die Thermoregulation der erhöhte Rau-, Kraftfutter- und Strohaufwand und der relativ große Flächenbedarf. Hinzu kommen für das Personal ungünstige Arbeitsbedingungen, z. B. bei Frost, verbunden mit Problemen bei der Wasserversorgung. Kaltställe dürfen nicht bei lebensschwachen Kälbern genutzt werden. Die Umstellung von Warm- auf Kaltställe kann jahreszeitabhängig ebenfalls problematisch sein.
Zu den Außenklimasystemen gehören für die Einzelhaltung:
die mobile Kälber-Hütte im Freien (einzeln oder aneinandergereiht), bei der zum Aufstallen und Entmisten die Vorder- und/oder Rückwand geöffnet werden kann sowie
das wärmegedämmte Kälber-Iglu (ca. 1,60 bis 1,90 m breit × 1,30 m hoch) mit Auslauf (ca. 1,40 bis 1,50 × 1,20 m) auf wasserdichtem Boden, sodass Jauche und Regenwasser getrennt aufgefangen werden können.
Zu den Außenklimaanlagen gehören für die Gruppenhaltung (spätestens ab der 8. Lebenswoche) die Iglu-Stallanlagen (Abb. 22). Die Haltung schließt sich im Optimalfall an die Einzelhaltung im Kälber-Iglu an. Die Haltung im Großraumiglu (Iglus für bis zu 20 Kälber) ist einfach, schnell und flexibel, erfordert keine langen Baumaßnahmen, ermöglicht eine einfache Entmistung, schafft ideale Klimabedingungen und ist vor allem für wachsende Betriebe eine ideale Übergangslösung.

Abb. 22 Großraum-Iglus für je 20 Kälber und Tränkeautomat (links) und Einzel-Iglus (rechts) (Werkbild Holm-Laue 2005)
Die Kälberhütten, Iglus oder Großraum-Iglus sind auf eine betonierte Fläche zu stellen. Nach Ausstallung der Kälber werden die Hütte oder der Iglu beseitigt, der Mist entfernt und die befestigte Fläche gereinigt und desinfiziert. Danach kann der nächste Haltungsdurchgang auf frischer Einstreu beginnen. Einzelhütten oder -iglus werden so aufgestellt, dass sich die benachbarten Tiere nicht direkt berühren können. Dies dient der Verminderung des Infektionsrisikos. Die Öffnungen zeigen zur windgeschützten Seite – meistens in Richtung Südost. Iglus besitzen einen eingestreuten Mini-Auslauf, in dem Heuraufe, Kraftfuttertrog und Tränkeeimer befestigt werden.
Folgende Fehler werden häufig bei (Großraum-)Iglus gemacht:
ungeeignete, falsch dimensionierte Iglus (z. B. fehlerhafter Eigenbau),
ungeeigneter Standort (z. B. in Gebäuden – Infektionsdruck!),
kein fester Untergrund,
keine regelmäßige Reinigung zwischen den Belegungen,
zu späte Einstallung (nach Haltung im Stall),
mehrere (zu junge, zu viele oder unterschiedlich alte) Kälber in einem Iglu,
zu wenig Milch getränkt (Sorge vor Durchfall) und
mangelhafte Gesundheitskontrolle.
Die Gruppenhaltung kann weiterhin in Kälber-Tiefstreubuchten (vollkommen eingestreute Liege- und Fressfläche) und Kälber-Tiefstreubuchten mit angehobenem Fressplatz erfolgen. Beim zweiten System befindet sich im Fressplatzbereich eine planbefestigte Lauffläche (0,6 m2 pro Kalb). Die Fressplätze sind mit absperrbaren Fressgittern oder Fressständen gestaltet. Die genannten Systeme sind als Warm- oder Kalt- und Offenfrontstallversionen möglich. Sie sind allerdings durch einen hohen Arbeitsaufwand sowie Strohbedarf (2,0 bzw. 1,5 kg pro Kalb und Tag) gekennzeichnet. Die Entmistung erfolgt am Ende der Aufstallung mit Frontlader. Immer beliebter werden Offenfrontställe als Ein- oder Zweiraumstall mit getrenntem Liege- (Liegeboxen) und Fressbereich (Fressplätzen).
Die Reduktion des Strohbedarfs (auf 1 kg pro Kalb und Tag) ermöglicht die Kälber-Tiefstreubucht mit Spaltenboden am Fressplatz bei gleichzeitig erhöhtem Bau- und Kostenaufwand. Bei diesem System ist der Bereich vor dem Fressplatz als Lauffläche mit Spaltenboden (0,6 m2 pro Kalb) konstruiert. Die Spaltenweite der Betonspalten darf 2,5 cm nicht überschreiten. Bei elastisch ummantelten Balken oder Balken mit elastischer Auflage sind maximal 3 cm zulässig. Die Auftrittsbreite muss mindestens 7 cm betragen (Fertigungsungenauigkeiten maximal 0,3 cm). Die Entmistung der Liegefläche (1,2 m2 pro Kalb) erfolgt am Ende der Aufstallung mit Frontlader.
Der wesentliche Vorteil von gut eingestreuten Buchten beruht darauf, dass Kälber auch bei vergleichsweise niedrigen Stalltemperaturen in kostensparenden Außenklimaställen bei maximaler Frischluftversorgung aufgezogen werden können.
Warmställe zeichnen sich durch die Wärmedämmung, d. h. Temperaturschutz (10 bis 18 °C), Zwangsentlüftung und eine in der Regel gute Mechanisierbarkeit aus. Nachteile sind u. a. das erhöhte Krankheitsrisiko, besondere Ansprüche an die Klimaführung sowie höhere Bau- und Energiekosten. Sie sollten aus diesem Grund heute nur noch in der Kälbermast genutzt werden. Neu ist der Einsatz der Tunnellüftung im geschlossenen Kälberstall. Dabei wird über Folienschläuche Zuluft in den Stall befördert und zugleich durch die gerichtete Luftführung das Auftreten von Zugluft unterbunden. Zu den Warmstallsystemen gehört für die Einzelhaltung die Kälber-Box. Ihre Größe muss altersabhängig angepasst werden. Der Boden besteht in der Regel aus einem Lattenrost. Das Haltungsverfahren ermöglicht eine gute Kontrolle der Tiere. Die geringe Bewegungsmöglichkeit ist der wesentliche Nachteil. Zu den Warmstallsystemen für die Gruppenhaltung gehört neben den genannten Systemen die Vollspaltenbodenbucht. Für Kälber über 150 kg sind 1,5 m2 Buchtenfläche/Kalb vorzusehen. Im Ruhebereich wird ein Gummibelag empfohlen. Das System erfordert den geringsten Arbeitszeit- und Raumbedarf und bedeutet eine gute Vorbereitung der Klauen für spätere strohlose Haltungsverfahren. Nachteilig sind allerdings der hohe Bauaufwand, die notwendige Wärmedämmung, die relativ reizarme Umgebung sowie die starke Belastung der Klauen. Das System ist erst ab der 3. Lebenswoche geeignet.
Бесплатный фрагмент закончился.
