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Lieblingsplätze Erzgebirge
Jan Hübler
Impressum
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Für meinen Vater Karl-Heinz Hübler
Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Jan Hübler:
SRM-GmbH, Fotograf Fritz Glänzel 146; Kloster Teplá, PR-Abteilung 182
Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.
Dank an Annelie Brux (Radebeul) für ihre Impulse bei der Foto-Auswahl
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1., überarbeitete Neuauflage 2021
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Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © Bojanovic78 – stock.adobe.com; © SimpLine – stock.adobe.com; © Trueffelpix – stock.adobe.com; © SylwiaNowik – stock.adobe.com; © Susanne Lutz
Kartendesign: Kim-Anna Bucher / Susanne Lutz
ISBN 978-3-8392-7024-0
Inhalt
Impressum
Pultscholle mit Charakter
Vorwort: Einleitung
Osterzgebirge
Vor den Toren der Stadt
Osterzgebirge: Naherholung für die Dresdner
1 Ihr Vorname deutet Gefahr an
Dresden: Wilde Weißeritz im Plauenschen Grund
2 Prachtexemplar am Steilhang
Glashütte: 1.000-jährige Eibe bei Schlottwitz
3 Zeit für eine Zeitreise
Glashütte: Deutsches Uhrenmuseum Glashütte
4 Es lockt ein Bach das Tal hinan
Glashütte: Lockwitzbachtal mit Schloss Reinhardtsgrimma
5 Na, da war was los!
Geising: Ferienlager
6 Heute Stille, früher Gejubel
Geising: Scharspitze
7 360-Grad-Panorama: Nuguggemada!
Altenberg: Geisingberg
8 Bahne frei, sonst rummst’s!
Altenberg: Abfahrtslauf
9 Eine Silberschlange im Wald
Altenberg: Bobbahn Altenberg
10 Gute Gründe für den Biergenuss
Rechenberg-Bienenmühle: Sächsisches Brauereimuseum Rechenberg
11 Natur zieht Netzstecker
Frauenstein: Gimmlitztal
12 Kettensäge und Kunst?
Mulda: Sauensäger in Blockhausen
13 Wasser contra Eisen
Dorfchemnitz: Museum Eisenhammer
14 Schneeschimmer bei Mondenschein
Altenberg: Silberglanz
15 Glück auf, der Steiger kommt!
Freiberg: Besucherbergwerk Reiche Zeche
16 Eierschecke schmeckt besonders
Freiberg: Café Hartmann
17 Fantasien in Stein
Freiberg: Terra Mineralia
Mittleres Erzgebirge
18 Ritter Runkel lässt grüßen!
Kriebstein: Burg Kriebstein
19 Romantischer Park voller Zierde
Lichtenwalde: Schloss Lichtenwalde
20 Europas größtes Motorradmuseum
Augustusburg: Schloss Augustusburg
21 Zwei Genies wirken unter einem Dach
Forchheim: George-Bähr-Kirche
22 Glück zu, wenn Flachs kommt!
Pockau: Ölmühle
23 Kalk, Kunst und Knabenkraut
Lengefeld: Museum Kalkwerk Lengefeld
24 Weihnachten das ganze Jahr
Seiffen: Spaziergang durch die Stadt
25 Wo ist das Bernsteinzimmer?
Deutschneudorf: Fortunastollen Deutschkatharinenberg
26 Kupfer in alle Welt
Olbernhau: Museum Saigerhütte
27 Fluss mit wilder Felskulisse
Pobershau: Schwarze Pockau
28 Ein Abstecher nach Transsilvanien
Großrückerswalde: Wehrkirche Großrückerswalde
29 Renaissance trifft Zweitaktmotoren
Zschopau: Schloss Wildeck
30 Der Robin Hood des Erzgebirges
Scharfenstein: Burg Scharfenstein
31 Barocker Palazzo und uralte Burg
Chemnitz: Schloss und Burg Rabenstein
32 Jugendstil aus der Gründerzeit
Chemnitz: Villa Esche
33 Lesen im Steinwald
Chemnitz: Stadtbibliothek Chemnitz
34 Dor Nischl in Kams!
Chemnitz: Karl-Marx-Monument
Oberes Erzgebirge
35 Oase für Körper und Geist
Wiesenbad: Thermalbad Wiesenbad
36 Jugendstil vom Allerfeinsten
Wiesenbad: St.-Trinitatis-Kirche in Wiesa
37 Fast so alt wie der Wald
Tannenberg: Passklausenturm
38 Possierliche Posamenten
Schlettau: Schloss Schlettau
39 Turm mit buntem Treppenhaus
Scheibenberg: Scheibenberg (807 Meter)
40 Rauchende Kegel, süßlicher Duft
Sehmatal: Schauwerkstatt »Zum Weihrichkarzl« in Neudorf
»Wenn es Raachermannl naabelt …«
Annaberg-Buchholz: Weihnachtszeit im Erzgebirge
41 Ein Wunder aus Feldsteinen
Annaberg-Buchholz: St. Annenkirche
42 Das größte Volksfest im Erzgebirge
Annaberg-Buchholz: Annaberger Kät
43 Der durchlöcherte Sauberg
Ehrenfriedersdorf: Zinngrube Ehrenfriedersdorf
44 Dramen vor Felskulissen
Ehrenfriedersdorf: Greifensteine
45 Das zweite Zuhause meiner Kindheit
Thum: St. Annenkirche
46 Erich Honecker im Gotteshaus
Gelenau: DDR-Museum
47 Irgendwo im Nirgendwo
Ehrenfriedersdorf: Waldesrausch
48 Da geed’s hoch naus und tief nunner
Oberwiesenthal: Fichtelberg
49 Ein Recke unterm böhmischen Himmel
Boží Dar: Klínovec (Keilberg)
Westerzgebirge
50 Taster Loop oder Black Raven?
Breitenbrunn: Sportpark Rabenberg
51 Unser Bimmelbah raacht nimmer
Breitenbrunn: Schmalspurbahn-Museum Rittersgrün
52 Spätgotischer Bergmannsdom
Schneeberg: Bergmannsdom St. Wolfgang
53 Stärkstes Radonbad der Welt?
Bad Schlema: Kurort
54 Niemandsland nach Zweitem Weltkrieg
Schwarzenberg: Freie Republik Schwarzenberg
55 Sympathieträger für eine ganze Region
Aue: Fußballstadion Aue
56 Horsch, da kummt ä Horch
Zwickau: August Horch Museum Zwickau
57 Ein Turm überragte die Stdat
Zwickau: Dom St. Marien
58 Aus dem Knast zum Mega-Erfolg!
Hohenstein-Ernstthal: Karl-May-Geburtshaus und Museum
59 Männer, Stelzen und Maschinen
Oberlungwitz: Sachsenring
60 Ein märchenhaft schöner Ballsaal
Stollberg: Bürgergarten
61 Auf fünf Hektar rund um die Erde
Lichtenstein: Miniwelt Sachsen
62 Ein riesiges TrinkwasserReservoir
Lichtenstein: Talsperre Eibenstock
63 Hier schwingt sich’s gut!
Stützengrün: Bikertreff Talsperrenblick Eibenstock bei Hundshübel
64 Filigranes Handwerk
Eibenstock: Stickereimuseum Eibenstock
65 Durch Waldesgrün ins Blaue Tal
Eibenstock: Blauenthaler Wasserfall
Touren nach Böhmen
Entlang der Südflanke des Kammes
Krušné hory: Touren nach Böhmen
66 Ein betürmter Berg ohne Mücken
Horní Krupka: Komáří vížka (Mückentürmchen)
67 Eine Landschaft wie im Bilderbuch
Milešov: Milešovka (Milleschauer) und Böhmisches Mittelgebirge
68 Romantik jenseits alles Irdischen
Osek: Kloster Osek
69 Barockperle über Mondlandschaft
Horní Jiřetín: Zamék Jezeří (Schloss Eisenberg)
70 Ein Ziel schöner als das andere
Krásný Dvůr: Klášterec, Kadaň und Zámek Krásný Dvůr
(Klösterle, Kaaden und Schloss Schönhof)
71 Zwei konträre Berge nebeneinander
Měděnec: Mědnik und Meluzina (Kupferberg und Wirbelstein)
72 Himmelfahrt über dem Dorf
Kovářská: Flugzeugmuseum
73 Geburtsorte von Dichter und Dollar
Boží Dar: Boží Dar und Jáchymov (Gottesgab und Joachimsthal)
74 Abwechslungsreiche Wanderung
Abertamy: Plešivec, Blatenský vrch und Vlčí jáma(Pleßberg, Plattenberg und Wolfspinge)
75 Zweitgrößte Bibliothek Böhmens
Teplá: Kloster Teplá
76 Goethes letzte große Liebe
Mariánské Lázně (Marienbad)
Karte

Schwibbogen in Tannenberg
Pultscholle mit Charakter
Vorwort: Einleitung
Vertikal betrachtet kommt dieses Mittelgebirge unauffällig daher, und doch bestimmen »Hübel« und Täler die Landschaft. Die gewaltige tektonische Platte des Erzgebirges ist an die 8.000 Quadratkilometer groß, wovon 6.000 auf die sächsische Seite entfallen, knapp 2.000 auf das nordböhmische Krušné hory. Das Erzgebirge erstreckt sich von den nördlichen Eingangstoren Zwickau, Chemnitz und Dresden nach Süden, steigt aus dem Tiefland ganz allmählich bis auf 900 Meter an. Der runde, sanft hügelige Hauptgebirgskamm zieht sich vom Osterzgebirge bei Bahratal (unmittelbar an die Sächsisch-Böhmische Schweiz angrenzend) in südwestlicher Richtung über 160 Kilometer Luftlinie bis hin zum vogtländischen Elstergebirge bei Schöneck. Auf böhmischer Seite fällt das Erzgebirge in markanten Steilhängen mehrere Hundert Höhenmeter zur Tiefebene der Eger ab. Diesen Steilabfall nehmen deutsche Reiseführer zuweilen zu wörtlich, indem sie den böhmischen Teil völlig ignorieren. Als ob das Erzgebirge auf dem Kamm an der deutschen Grenze schlagartig aufhört zu existieren. Den Gegenbeweis treten einmal mehr die in diesem Buch beschriebenen Touren – Tagesausflüge – auf die böhmische Seite an.
Das Erzgebirge ist das am dichtesten besiedelte Mittelgebirge Europas, oft beträgt der Abstand zwischen den Dörfern nur ein bis zwei Kilometer, umso erstaunlicher sind die unterschiedlichsten Dialekte. Im Prinzip gibt es von Dorf zu Dorf eine Lautverschiebung, da muss man allerdings sehr genau hinhören. Eine typische Aussage über die Region gefällig? »Wo de Hasen Hosen haaßen und de Hosen Hußen haaßen.« Wie ist der Erzgebirgler vom Wesen her, was macht ihn aus? Typisches Klischee: Ein Mann sitzt in Lederhuß mit Hußenträgern Pfeife rauchend auf der Ofenbank, am Wandhaken der grüne Filzhut. Also ich habe noch kein solches Original leibhaftig gesehen, aber es ist ein schönes Bild.
Der Erzgebirgler ist »zsammnammsch«, das heißt, er kann sich gut zusammennehmen, ist extrem sparsam, kann aus dem Nichts etwas machen, er kann gut wirtschaften und gibt nicht gerne Geld aus – nicht zu verwechseln mit geizig! Geldverdienen ist bis heute ein Problem im Erzgebirge, es gibt nicht wirklich viele gut bezahlte Arbeitsplätze. Erzgebirgler gelten als aufgeschlossen, kommunikativ, gesellig und gastfreundlich, sie mögen Besuch, die Gemütlichkeit, ihr Zuhause und ihre Heimat. Mag sein, dass Natur und Landschaft als größte Stärke für diese lebenswerte Region sprechen.
Neben dem Wald- und Holzreichtum war das Erz im Berg der Schatz in dieser ansonsten kargen Landschaft. Das Silber hat im 11. Jahrhundert ein großes »Berggeschrey« ausgelöst, Tausende Siedler angezogen und einige Städte überdurchschnittlich wachsen und prächtig gedeihen lassen. Viele Gebirgsstädte sind Perlen in einer Landschaft, die heute vor allem als Wander-, Radfahr- und Skilanglaufparadies gilt. Wenn das Wetter partout nicht mitspielen sollte, dann bietet es sich an, sich auf die Spuren des jahrhundertelangen Bergbaus zu begeben, in Museen oder Stollenanlagen.
Das ist überhaupt die Frage: Wie nähert sich der interessierte Reisende am besten dieser ausgedehnten Region an? Es gibt auf sächsischer Seite im Wesentlichen vier Teilgebiete, in deren Mitte sich jeweils ein Basislager zu wählen anbieten würde: Osterzgebirge, Mittleres Erzgebirge, Oberes Erzgebirge und Westerzgebirge. Im Übrigen tangiert das sogenannte Silberne Erzgebirge alle vier Teilgebiete längs der Alten Silberstraße von Zwickau bis Dresden, wo das gewonnene Silber verprasst wurde.
Heute hat es das Erzgebirge geschafft, als Montan- und Kulturlandschaft ins UNESCO-Welterbe aufgenommen zu werden. Es ist ein jahrelanger Weg gewesen, bis die Kommission im Sommer 2019 mit dem geschärften Profil zufrieden war. Letztendlich enthält die montane Kulturlandschaft mit Welterbestatus 17 Bestandteile auf sächsischer Seite und fünf auf der böhmischen. Jeder Bestandteil ist aufgegliedert in dutzende Einzelobjekte wie sakrale Gebäude oder Zeugen des Bergbaus. Das grenzüberschreitende Projekt soll der gemeinsamen Geschichtswahrung dienen, die Region fördern und Landschaften, wertvolle Städte und Kunstschätze für künftige Generationen erhalten. Neben dem identitätsstiftenden Imagegewinn wie der Slogan »Hurra, wir sind Welterbe!« verspricht die Einstufung als Weltkulturerbe einen Anstieg der Touristenzahlen, was die Montanregion Erzgebirge gut verkraften könnte.
Osterzgebirge

Blick vom Turm des Geisingberges
Vor den Toren der Stadt
Osterzgebirge: Naherholung für die Dresdner
Die vertrauteste Gebirgsregion ist mir seit fernen Kindertagen das Osterzgebirge, deswegen hat es Anspruch auf eine Extra-Einleitung. Es beginnt unmittelbar am Südrand von Dresden, über 40 Kilometer flach ansteigend bis zum 800 Meter hohen Hauptkamm. Auffällig am Horizont sind alte Vulkane, deren Kegel zu allerlei Fantasie beim Gedanken an ihre Entstehung anregen: der Wilisch bei Kreischa, der Geisingberg oder der Luchberg bei Oberfrauendorf. Vulkankegel bildeten im Tertiär vor mehr als zwei Millionen Jahren die letzte formgebende Phase des Erzgebirges.
Vor allem die Flüsse verbinden Dresden mit dem Erzgebirge, die hier und in der Umgebung in die Elbe münden: der Lockwitzbach bei Laubegast, die Müglitz in Heidenau und der heftigste und ungestümste: die Wilde Weißeritz in Cotta.
Das Osterzgebirge ist für Dresdner ein hervorragendes Naherholungsgebiet. Auf der Flucht aus dem hektischen Gedärm der Großstadt hält das Gebirge hinsichtlich sauberer Luft und Stille Balsam für Körper und Seele bereit.
Zentrum und beliebtester Höhenkurort des Osterzgebirges ist zweifelsohne Altenberg, von Dresden bequem mit der Müglitztalbahn zu erreichen. Ich weiß nicht, wie oft wir als Kinder mit unseren Eltern und vier Fahrrädern diese Wochenendausflüge unternahmen. Spannend war immer die letzte Etappe zwischen Geising und der Endstation in Altenberg, da wand sich die Eisenbahntrasse wie ein Linksgewinde um den Geisingberg herum und schraubte sich 200 Höhenmeter hinauf. Die Diesellok V180 röhrte vor Anstrengung wie ein Sechzehnender und schaffte es kaum schneller als im Läufertempo, die wenigen Waggons bergan zu ziehen. In Altenberg angekommen, gab es mit dem Fahrrad verschiedene Varianten, die allesamt eine Gemeinsamkeit hatten: egal in welche Richtung, es ging immer bergab!
Altenberg, eine Bergstadt mit über 550 Jahre alter Bergbautradition, trumpft heute insbesondere als Wintersport-Hochburg auf. Es gibt ein sehr gut gepflegtes Loipennetz für Skilanglauf, einen Abfahrtslauf- und Rodelhang, im Kohlgrund heißt Sie eine moderne Bobbahn willkommen.
Ein Netz von Wanderwegen lädt Sie im Sommer zu Touren in dichte Fichtenwälder ein, über naturgeschützte Bergwiesen, entlang alter Entwässerungsgräben und über freie Stoppelfelder im Schatten langer Alleen von Wildapfelbäumen, sogenannter »Holzäppel«.
Als Abiturienten beschlossen ein Freund und ich 1978, eine Radtour in die Slowakei zu starten. Wir beide kurbelten mit Zelt und Schlafsack von Pirna das Bahratal empor, passierten nach 40 Kilometern hinter Petrovice in 700 Metern Meereshöhe den Erzgebirgskamm. Wir waren knülle, hatten uns mit der berguntauglichen tschechischen Favorit-Gangschaltung beinahe unsere Kniescheiben »rausgedreht« und standen nun vor einem Straßenschild: zwölf Prozent Gefälle!
Schlagartig hellte sich unsere Laune auf: Flach auf den Lenker geschmiegt und mit vollem Karacho den Berg hinab. Was wir nicht ahnten und wussten: Die Abfahrt war fünf Kilometer lang! Der Wind pfiff uns ungeheuerlich um die Ohren. Ich linste auf meinen Tachometer und glaubte meinen vertränten Augen nicht zu trauen: Die Nadel pendelte weit jenseits der 60 am Anschlag! Es ergab sich auch ganz natürlich, so nebenbei noch zwei Trabis zu überholen. Unten in Telnice zitterten wir am gesamten Körper vom Adrenalinschub.
Diese verrückte Abfahrt an der Steilflanke des südlichen Erzgebirges, damals mit 17 Jahren, werde ich mein Leben immer in Erinnerung behalten. Ohne es bewusst zu erfassen, haben wir mit dieser Radtour die so typische Erzgebirgscharakteristik als Bruch- oder Pultscholle hautnah erlebt: der lange flache Anstieg von Norden her und der phänomenale Steilabfall des Gebirges an seiner Südflanke.
1 Ihr Vorname deutet Gefahr an
Dresden: Wilde Weißeritz im Plauenschen Grund
Mehr als vier Jahre bin ich beinahe täglich über diese alte Steinbrücke zu meinem Büro im Eiswurmlager geradelt, und automatisch drehte sich mein Kopf stets zum Fluss hin, was er denn heute so für einen Anblick bietet. Denn das ist das Verrückte: Er war nie derselbe, zeigte sich jedes Mal anders. Ein Teil des Wassers wird am Wehr abgezweigt und muss im kleinen Turbinenhäuschen Schwerstarbeit verrichten.
Im Sommer schwächelt die Wilde Weißeritz zumeist, plätschert harmlos über Kieselsteine. Eisvögel schießen wie Pfeile flach über das kleine Wellengekräusel, ein Fischreiher stelzt bedächtig am Ufer. Die Turbine steht still, der Fluss ist zu schwach. Temperamentvoller wird die Weißeritz, wenn es im Osterzgebirge regnet. Je übermütiger sie dahinschäumt, umso mehr bekommen die Anwohner Sorgenfalten. Der Flusspegel steigt, die Wasserfarbe wird schlammig braun, das Rauschen und der Widerhall vom Felsen erreichen rasch eine eindrucksvolle Lautstärke. Irgendwann muss die Turbine abgeschaltet werden, ein weißer Wasservorhang tost die Schräge am Kleinkraftwerk hinunter und donnert ins ursprüngliche Bachbett hinein. Das ist noch nicht das Maximum. Die Wilde Weißeritz kann noch eins draufsetzen wie im August 2002, als ihren ungeheuerlichen Fluten weder die 500 Jahre alte Brücke noch das Turbinenhäuschen standhielt. Millionenschäden entstanden damals auch in Dresden, als in Löbtau der Fluss in einer Kurve sein Bett verließ und seine ursprüngliche Rinne quer durch den Dresdner Hauptbahnhof und die Semperoper zur Elbe suchte und wiederfand.
In aufwendigen Baggerarbeiten wurde seitdem das Bachbett um zwei Meter tiefer gelegt, was sich als außerordentlich sinnvoll erwies, als im Juni 2013 ähnlich gewaltige Wassermassen zu Tal schossen, ohne größeren Schaden anzurichten.
Vom Bienertgarten führt ein Spaziergang durch die Alte Felsenkellerbrauerei hinauf zum Hohen Stein mit mehreren Aussichtspunkten.

1
Plauenscher Grund
Hegereiterbrücke am Eiswurmlager
01189 Dresden
2 Prachtexemplar am Steilhang
Glashütte: 1.000-jährige Eibe bei Schlottwitz
Schlottwitz im Müglitztal genießt im Schatten von Glashütte ein eher unauffälliges Dasein. Eine schnurgerade Straße führt durch den Ort. Die lose Bebauung macht es schwer, überhaupt einen Dorfkern zu erkennen. Doch ungefähr dort ist linker Hand talaufwärts gesehen ein kleiner einladender Parkplatz mit den Schautafeln des Wandergebiets Lederberg. Bevor es die Wanderstiefel zu schnüren gilt, lohnt sich ein Blick auf die Infowände. Schmuck- und Halbedelsteine lenkten schon in früheren Jahrhunderten die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich. Bereits 1750 berichtete ein Bergmann fasziniert von Achatgängen mit weißem und rötlichem Amethyst im Müglitztal.
Ein Netz von Wanderwegen umspinnt den Lederberg, die gute Ausschilderung erleichtert die Wahl und weist die Richtung zum Eibenwald. Trittsicher sollte man schon sein, der Aufstieg ist steil, es gibt kein Geländer. Knorrige Bäume, die sich abenteuerlich an Felsen krallen, säumen den Pfad. Hauptaugenmerk sollte den dunklen und geheimnisvoll wirkenden Nadelbäumen gelten, die immer häufiger oberhalb des Weges durchs Dickicht schimmern. Das zähe Holz des urtümlichen Baumes wussten bereits unsere frühen Vorfahren zu schätzen. So trug der mehr als 5.000 Jahre alte Ötzi bei seiner Entdeckung einen Bogen aus Eibe.
Schneller als einem lieb ist, hat man nach kaum einem Kilometer den ältesten Eibenbaum erreicht. Auf einmal steht man vor ihm, stolpert über seine gewaltigen Wurzeln und staunt über dieses Labyrinth aus Tentakeln, die sich über den Boden ziehen und ihn wie Riesenschlangen umklammern. Der mächtige Stamm steht schief und braucht mit seiner mächtigen Krone diese feste Verankerung. Was für eine Eibe!
Beim Zurückwandern sinniere ich darüber, mir manchmal auch solche Wurzeln auf der Erde zu wünschen. Allerdings ginge das zu Lasten der eigenen Mobilität. Entweder – oder …
Sie können den Aufstieg über den Edelmannsteig bis zum Aussichtspunkt Totenstein fortsetzen – schönes Panorama der Sächsischen Schweiz!

2
1.000-jährige Eibe
im Naturschutzgebiet Müglitzhang
Eibenwald am Lederberg
Startpunkt: Parkplatz Ortsmitte
01768 Glashütte OT Schlottwitz
www.heimatverein-schlottwitz.de
3 Zeit für eine Zeitreise
Glashütte: Deutsches Uhrenmuseum Glashütte
Ist sie sichtbar, spürbar, greifbar, fühlbar – die Zeit? Wir wissen, dass sie vergeht, mal mit uns, ab und an gegen uns und irgendwann ohne uns. Egal ob wir uns sträuben oder genießen, sie läuft ab und damit ist sie messbar. Freilich, ihre Dimension, ihre Einheit in Jahren, Monaten, Tagen, Minuten und Sekunden haben wir Menschen mehr oder minder willkürlich festgelegt.
Unter dem Motto »Faszination Zeit – Zeit erleben« öffnet seit 2008 das Uhrenmuseum in Glashütte seine Pforten. In der restaurierten ehemaligen Uhrmacherschule kann man auf über 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche 450 Exponate bestaunen. Der Rundgang startet im Jahr 1845, als der Uhrmacher Ferdinand Adolph Lange mit der sächsischen Regierung einen Vertrag abschloss, in dem er sich verpflichtete, 15 Lehrlinge über drei Jahre auszubilden. Jeder junge Mann bekam ein Vertiefungsgebiet zugewiesen, so entstanden danach Spezialwerkstätten, die eine effiziente Taschenuhrfabrikation ermöglichten. Unglaublich, was für ein filigranes Innenleben eine Taschenuhr offenbart!
Die La Grandiose von 1899 weist zum Beispiel mehr als 800 Einzelteile auf. Taschenuhren in hoher Qualität, Präzisionspendeluhren und Marine-Chronometer begründen den Siegeszug der Glashütter Produkte um die Welt. Nach dem Ersten Weltkrieg verschlafen die Ingenieure allerdings den Trend zu Armbanduhren. Zerstörungen, Demontage und Wiederaufbau belasten die Entwicklung der Uhrenhersteller um den Zweiten Weltkrieg existenziell. Erst 1964 gelingt den inzwischen verstaatlichten und vereinten VEB Glashütter Uhrenbetrieben mit der Herrenarmbanduhr Specimatic ein Renner, der 3,6 Millionen Mal über den Ladentisch geht.
Heute ist das Spitzenmodell die Grand Complication für 1,92 Millionen Euro. Sie ist auf sechs Stück limitiert und soll schon ausverkauft sein. Schade …
Empfehlenswert ist ein Spaziergang durch das Stadtzentrum und zur Abrundung eine kleine Pause am Markt im Café Uhrwerk.

3
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte
Schillerstraße 3a
01768 Glashütte
035053 4612102
www.uhrenmuseum-glashuette.com
4 Es lockt ein Bach das Tal hinan
Glashütte: Lockwitzbachtal mit Schloss Reinhardtsgrimma
In meiner Kindheit quietschte eine Schmalspur-Straßenbahn auf der gepflasterten Talstraße von Dresden bis Kreischa, heute bügelt eine Asphaltpiste aalglatt zur Kurstadt am Fuße des Wilischs. Doch wer sich auch vom Monstrum der neuen Autobahnhochbrücke nicht abschrecken lässt, der findet noch immer lauschige Wanderwege an den Talhängen bis zur Burgstädter Linde oberhalb der Hummelmühle.
Hinter Kreischa schlängelt sich der Lockwitzbach durch ein enger werdendes Wiesental. Bewaldete Berghänge säumen das Flüsschen, Teufelsmühle und Hirschbachmühle laden Wanderer zur Rast ein. Wo sich das Tal wieder verbreitert, kündigt sich der kleine Ort Reinhardtsgrimma an, der immerhin 1206, im gleichen Jahr wie Dresden, erstmals urkundlich erwähnt wurde, also kürzlich seinen 800. Geburtstag zelebrieren konnte. Das barocke Schloss stammt aus den Jahren 1765 bis 1767 mit einem stilvollen englischen Park. Alte Bäume, Teiche, Blickachsen über Wiesen und ein klassizistisches Badehaus laden zum Lustwandeln ein. Das Schloss selbst ist nur bei sporadischen Ausstellungen und zu Konzerten zugänglich. Vielleicht haben Sie mehr Glück an der Dorfkirche, diesem weithin sichtbaren Monumentalbau mit einem 30 Meter hohen Turm und einer der berühmten original erhaltenen Silbermann-Orgeln.
Flugs noch einen Kaffee in der Bäckerei am Schloss, dann kann man Reinhardtsgrimma getrost den Rücken kehren. Talaufwärts wird es zunehmend ländlicher. Bei Oberfrauendorf ragt der Luchberg wie ein Dorfwächter gewaltig in den sächsischen Himmel. Es führt kein Weg über den Gipfel, dafür bildet er den Mittelpunkt des Reinhardtsgrimmaer Rundwanderwegs. Die Quelle des Lockwitzbaches sucht der Erkundungsfreudige auf Landkarten vergeblich. Irgendwo in Höhen um 500 Meter sickern nahe dem Breiten Berg die ersten Rinnsale aus der Erde, offensichtlich lohnt sich eine markante Einfassung nicht.
Pilzmuseum Reinhardtsgrimma: Informationen zu 700 Pilzarten weisen detailliert darauf hin, welcher Pilz einem guttut und welcher das Leben verkürzt.

4
Schloss Reinhardtsgrimma
Schlossgasse 2
01768 Glashütte OT Reinhardtsgrimma
035053 4070
www.reinhardtsgrimma.de
Evangelische Kirche
Pfarrweg 2
01768 Glashütte OT Reinhardtsgrimma
www.kirchspiel-glashuette.de
5 Na, da war was los!
Geising: Ferienlager
In tiefen DDR-Zeiten waren die Betriebsferienlager für die Werktätigen und ihre Kinder eine feine Sache. Für 30 Mark waren die Eltern in manchen Familien froh, ihre Gören für zwei Wochen los zu sein und umgekehrt.
Das Sachsenwerk in Dresden unterhielt am Nordhang der Scharspitze bis zur politischen Wende 1989 ein Kinderferienlager mit fünf Holzbaracken. Nicht ohne Heimweh lernte ich das Lagerleben in den 70er-Jahren sowohl im Sommer als auch in den Winterferien kennen. Einen fulminanten Verlauf nahm der Langlaufwettbewerb: Ich besaß recht altmodische Skier aus breitem Holz mit Seilzugbindung. Die sportlichen Jungs in meiner Altersklasse hatten zumeist schmalere, leichtere »Bretteln« – und Skiwachs. Am Abend vor dem Wettkampf zog ein strenger Geruch durch die Baracken: Alle wachsten emsig ihre Ski. Keiner wollte mir ein bisschen Tubeninhalt abgeben, was für mich Anlass war, in der Dunkelheit hinauszustapfen und die leuchtende Mondsichel zu befragen, was diese Unkameradschaftlichkeit für einen Sinn hatte.
Die Antwort kam prompt am nächsten Vormittag. Über Nacht zog der Föhn übers Erzgebirge, der Schnee pappte. Es galt, mehrere Runden rings um die Scharspitze zu absolvieren. Die Konkurrenz schwächelte an den Steigungen und rutschte auf ihren wachsglatten Skiern in der Spur zurück. Ich zog wie ein Strich durch die Landschaft und rief mit wachsender Begeisterung den vor mir Gestarteten zu: »Aus der Spur!« Am Ende hatte ich die Silbermedaille erobert. Selten bin ich so positiv vom Lauf der Dinge überrascht worden!
Heute bröckeln die Holzbaracken still vor sich hin. Alle Türen stehen offen, man kann in die Zimmer hineingucken. Der morbide Charme einer längst vergangenen Ära ist im Büro der ehemaligen Lagerleitung am deutlichsten sichtbar. Ich sehe vor mir, wie ich als Kind jedes Mal Haltung annehmend artig an der Tür vorbeimarschierte.
Achtung! Sicherheitshalber sollte ein Blick von außen auf die ruinösen Baracken ausreichen.

5
Altes Ferienlager
Scharspitze
01778 Geising
6 Heute Stille, früher Gejubel
Geising: Scharspitze
Die Scharspitze reckt sich zwar immerhin 807 Meter über Meereshöhe empor, bespöttelt allerdings als bewaldete, abgerundete Kuppe ihren Namen. Unspektakulär, nur minimal flach ansteigend führt der Wanderweg von Süden auf den als solchen kaum erkennbaren Berg. Die Aussicht inmitten eines Miniplateaus, umgeben von Laub- und Nadelbäumen, ist gleich null!
Vor einigen Jahren hat die Scharspitze eine Schutzhütte verpasst bekommen, ein trockener Platz, um bei Regen oder Sturm unterzuschlüpfen und aus der Thermoskanne heißen Tee zu genießen. Es ist sehr still hier. Nur der Wald rauscht. Selten verirren sich andere Wanderer hierher, man ist meist allein.
Gerade weil sie weder Turm noch Panorama bietet, hat die Scharspitze etwas Besonderes. Sie zwingt einen dazu, den Berg anders wahrzunehmen, auf andere Dinge die Aufmerksamkeit zu richten. Augen schließen und loslassen. Träumen. Vor die Hütte in die Sonne setzen und das Gesicht nach oben recken, Kopf nach hinten ablegen.
Vor 100 Jahren war die Scharspitze der Startplatz für die Natureisbobbahn, die in 22 Kurven über zwei Kilometer bis ins Tal nach Geising hinunterführte. Der alte Wanderweg nach Nordosten stellt noch immer die einstige Trasse dar, auf der die mutigen Sportler auf hölzernen Schlitten mit Lenkrad und Stahlkufen zu Tal zischten. In einigen Kurven des Wanderwegs erinnern erhöhte Steinwälle bis heute an die Bobbahn. Eine Tafel am Aschergraben zeigt Fotos von einer gut gefüllten Tribüne mit über 500 Zuschauern, an denen die Fünferbobs mit einem Höllentempo vorbeischlitterten. Ihren Höhepunkt erlebte die Bobbahn 1926 mit den Schlesischen Gaumeisterschaften. 1930 erlosch der »Bob-Stern« der Scharspitze und sie versank wieder in ihren Dornröschenschlaf, aus dem sie bis heute nur selten von einsamen Wanderern aufgeschreckt wird.
Am Aschergraben entlang lässt sich unterhalb der Scharspitze beschaulich spazieren – bis zum Besucherbergwerk an der ehemaligen Zinnerzwäsche.

6
Scharspitze
bei 01778 Geising
Startpunkt Wanderung: Besucherbergwerk
Zinnwald-Georgenfeld
Goetheweg 8
01773 Altenberg
035056 31344
www.besucherbergwerk-zinnwald.de
7 360-Grad-Panorama: Nuguggemada!
Altenberg: Geisingberg
Wenn man von Dresden bei guter Fernsicht in Richtung Osterzgebirge schaut, fallen zwei markante Kegel auf: der Luchberg bei Niederfrauendorf (576 Meter) und der Geisingberg (824 Meter). Beide sind ebenmäßig geformte Basaltkegel, ehemalige Vulkane, die sich über der Landschaft erheben. Ein krönender Aussichtsturm ist nur dem Geisingberg vergönnt und bis heute lassen sich die 88 Stufen sommers wie winters zum 18 Meter hohen Louisenturm besteigen, um einen grandiosen Rundumblick zu genießen.
In Richtung Dresden sieht man an windarmen Tagen eine Dunstglocke am Horizont. Interessanter ist die Aussicht auf Geising und seine umliegenden Hänge und Hübel wie die Kohlaukuppe. Ein Blickfang ist die Altenberger Pinge, ein gewaltiger Einsturztrichter von 400 Metern Durchmesser und 150 Metern Tiefe. Als die Bergleute vor einigen hundert Jahren dem Berginneren zu Leibe rückten, den Berg auf gut Glück durchlöcherten, wurde das Gestein instabil und brach am 24. Januar 1620 mit einem Riesengetöse in sich zusammen. Das erleichterte die Zinnerzförderung insofern, als immense Gesteinsmassen bereits gelockert waren und man in der Pinge keine Sprengungen mehr benötigte. Die Pinge ist heute wegen Einsturzgefahr weiträumig abgesperrt.
Der höchste Berg im Osterzgebirge liegt hinter dem Wintersportzentrum Altenberg: der Kahleberg (905 Meter). Wie der glatte Rücken eines Pottwales thront er über der Stadt, ein Hochplateau, das an seiner Nordseite plötzlich abfällt – hinab zu den Galgenteichen. Früher dienten diese als Wasserlieferant für die Zinnwäsche.
Beim Ausguck gen Westen fallen unterhalb des Geisingberges weite Wiesen auf. Sie gehören zum Naturschutz-Großprojekt »Bergwiesen im Erzgebirge«. Zwischen April und Juni leuchten und duften hier die Blumen in betörender Vielfalt.
Die Pinge kann im Sommer besichtigt werden, buchbar bei der Tourist-Info Altenberg. Ebenfalls empfehlenswert: das Bergbaumuseum Altenberg.

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Geisingberg
Informationen zum Berg im Bergbaumuseum
Mühlenstraße 2
01773 Altenberg
035056 31703
www.bergbaumuseum-altenberg.de
Bergbaude Geisingberg
035056 35555
www.geisingberg.de
8 Bahne frei, sonst rummst’s!
Altenberg: Abfahrtslauf
Es heißt, die im Erzgebirge aufgewachsenen kleinen Jungs und Mädels können eher Ski fahren als laufen. Als Kind beneidete ich meine gleichaltrigen Cousins um ihre Eleganz und Lässigkeit beim Abfahrtslauf, kam aus dem Staunen nicht heraus, wie sie geschickt zu Tale bretterten, während ich permanent unfreiwillige Purzelbäume schlug und mit Schneeabbürsten schwer beschäftigt war.
Erst als Erwachsener in den Skiurlauben im böhmischen Riesengebirge lernte ich ganz passabel das Skilaufen, traute mich mit halblegal in Prag gekauften Elan-Skiern in Spindlermühle, Harrachov und Pec auf die rot markierten Steilpisten. Erst die Technik beherrschen, dann kommt die Geschwindigkeit – so lautete das Credo meiner Skilehrerin, und ich bin damit immer sturz- und kollisionsarm gefahren.
Zeit meines Lebens habe ich den Skilanglauf wegen seiner Natürlichkeit oftmals bevorzugt. Das Skiabfahrtslaufen erzeugte in mir stets ambivalente Gefühle. So rasant und frischluftintensiv dieser Sport war, etwas künstlich und mit der Zeit stumpfsinnig kam es mir bereits damals in den 80ern vor: ein buntes Völkchen schnattert beim Anstehen am Lift, die langweilige Schleppfahrt an langen Stahlseilen, und dann das zu Tale Schwingen. Man wollte gesehen werden, auch das gehörte dazu, und so ist es wohl bis heute geblieben.
Nach der politischen Wende schoben sich die Alpen mit ihren zu gigantischen Skiarenen präparierten Berghängen in den Fokus. Im Osterzgebirge hingegen müssen sich die Abfahrtsläufer wie eh und je in Bescheidenheit üben. Die Pisten in Geising, Altenberg oder Holzhau weisen kaum hundert Meter Höhenunterschied auf, bei Schussfahrt steht man in kaum einer Minute wieder am Lift.
Berge sind immer relativ. Meine Mutter rodelte als Kind in der Mecklenburger Kreisstadt Bützow immer mit Schwung den Hang am Wall hinunter, das waren an die vier Höhenmeter. Was für ein Trost für den Osterzgebirgler!
Mit sechs Liftanlagen für Skifahrer, Snowboarder und Rodler wirkt das Skigebiet um Altenberg dennoch beinahe alpin.

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Ski- und Rodelarena Altenberg/Geising
Am Skihang 3
01773 Altenberg
035056 35262
www.skilifte-geising.de
Tourist-Information Altenberg
Am Bahnhof 1
01773 Altenberg
035056 23993
www.altenberg.de
9 Eine Silberschlange im Wald
Altenberg: Bobbahn Altenberg
Es ist schon verrückt, welchen Aufwand der Mensch betreibt, um sich lebendiger zu fühlen, das Blut schneller durch die Adern strömen zu lassen. Auf poliertem Eis zu Tale zu zischen, gehört offensichtlich dazu.
Vor mehr als 30 Jahren wollten die DDR-Oberen einmal mehr auf Olympischen Winterspielen glänzen und so kam die Führungsriege auf die Idee, einen zweiten Eiskanal zu bauen. Unter Aufsicht des Ministeriums für Staatssicherheit lief alles höchst geheimnisumwittert ab, und zwar dergestalt, dass stellenweise nicht einmal die Architekten und Ingenieure wussten, welcher Radius zu welcher Kurve passt und wie das Gefälle mit beiden harmonieren könnte.
Die Physik erwies sich einmal mehr als unbestechlich – mit dem Ergebnis, dass sich nach zwei Jahren Bauzeit bei Probefahrten herauskristallisierte, dass man die Bahn unmöglich für Wettkämpfe nutzen konnte. Die Gefahr für Piloten durch Unfälle war schlicht zu groß – also Umbau! Die Baukosten explodierten, man munkelte von einer dreistelligen Millionensumme, natürlich alles nur unter der Hand weitergewispert. Die offizielle Einweihung erfolgte 1987.
Zugegebenermaßen lernte ich erst nach der Wende die Kunsteisbahn kennen, bei einer Radtour mitten im Sommer. Parallel zum Kanal führt eine Versorgungsstraße den Hang empor – mit zeitweise 24 Prozent Steigung – eine echte Herausforderung für jeden Kämpfer gegen die Schwerkraft.
Inzwischen hat die Stadt Altenberg die Rodelbahn unter ihre Fittiche genommen und veranstaltet regelmäßig Weltmeisterschaften im Einer-, Zweier- und Viererbob, Skeleton und Rennrodeln. Auf 1.400 Metern Kanallänge werden Geschwindigkeiten bis 140 Stundenkilometer erreicht. Ich nutze die Anlage lieber auf der schmalen Parallelstraße auf dem Rennrad. Die Schlittenprofis lassen sich übrigens mit dem Kleinbus wieder nach oben zum Startpunkt karren. Was hat das Ganze eigentlich mit Sport zu tun?
Es empfiehlt sich ein kleiner Spaziergang zum idyllischen Oberbärenburg mit neuem Aussichtsturm – ganz in der Nähe!

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Bobbahn Altenberg
Neuer Kohlgrundweg 1
01773 Altenberg
035056 35120
www.wia-altenberg.de
10 Gute Gründe für den Biergenuss
Rechenberg-Bienenmühle: Sächsisches Brauereimuseum Rechenberg
Ein junger Mann begrüßt uns in den historischen Gemäuern des Brauereimuseums und provoziert zunächst mit der Feststellung, es sei ein Unding, Biergenuss mit niederen Kneipeninstinkten abzuwerten oder als Dickmacher bei Männern zu bezeichnen. Bier verdiene ein viel höheres Image, da es nahezu vor gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen strotzt. Alkohol? Vier Prozent weisen es als ein Schlusslicht alkoholischer Getränke aus. Eher trifft die Bezeichnung Kraftstoff für den Körper zu oder Reinigungsmittel für zu Blutgerinnseln neigende Adern. Über 30 Mineralstoffe und Spurenelemente, Polyphenole gegen Herzkreislauferkrankungen und alle wichtigen B-Vitamine bilden ein beeindruckendes Konglomerat an positiven Stimulanzen. Ich frage mich, wieso ich jemals etwas anderes außer Bier getrunken habe – und damit hat das Brauereimuseum sein Ziel erreicht.
Zaghafte Einwürfe eines Mannes mit dem Verweis auf frisches Quellwasser werden souverän weggewischt: Das schmeckt doch nach nischt! Außerdem ist es ja sowieso zu 92 Prozent im Bier enthalten neben Malz und böhmischem Hopfen, dem besten der Welt, leider auch dem teuersten. In dem Stil locker plaudernd geleitet uns der junge Mitarbeiter durch die 450-jährige Geschichte der Traditionsbrauerei. Wir kommen an einer Fassreinigungsmaschine vorbei, beäugen einen Druckkessel und stehen schließlich im schönsten Raum, der Sudhalle mit Braupfanne und kupfernem Läuterbottich, eingerahmt von einem hölzernen Walmdachboden. Am Ende unserer Führung werfen wir noch einen Blick in den Gärkeller und ins alte Kühlhaus.
Heute ist die Brauerei Rechenberg im Osterzgebirge gut im Geschäft, beschränkt ihr Sortiment auf vier Biersorten, ausschließlich in Fässern abgefüllt. Was bleibt mir übrig, als beim Abschied ein Fünfliter-Fässlein zu kaufen und mir aufs Motorrad zu schnallen?
Leckeres Schmalzbrot, deftige Grillhaxe oder Schwarzbierbraten locken in der Brauereigaststätte Schalander.

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Sächsisches Brauereimuseum Rechenberg
An der Schanze 3
09623 Rechenberg-Bienenmühle
037327 88015
www.rechenberger.com
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