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Daniel Meurois

PARALLELE
UNIVERSEN

In meines Vaters Haus

sind viele Wohnungen

Aus dem Französischen von Dr. Gerhild Schulz


Alle Rechte vorbehalten.

Außer zum Zwecke kurzer Zitate für Buchrezensionen darf kein Teil dieses Buches ohne schriftliche Genehmigung durch den Verlag nachproduziert, als Daten gespeichert oder in irgendeiner Form oder durch irgendein anderes Medium verwendet bzw. in einer anderen Form der Bindung oder mit einem anderen Titelblatt als dem der Erstveröffentlichung in Umlauf gebracht werden. Auch Wiederverkäufern darf es nicht zu anderen Bedingungen als diesen weitergegeben werden.

Copyright der Originalausgabe © by Daniel Meurois; Titel der Originalausgabe: »Il y a de nombreuses demeures«, © Éditions le Passe-Monde zweites Quartal 2010

Veröffentlicht in Partnerschaft mit Maurice Baldensperger und Francis Hoffmann GbR »Publish Vision«; info@publishvision.de, www.publishvision.de

Copyright der deutschen Ausgabe © 2020 Verlag »Die Silberschnur« GmbH

ISBN: 978-3-89845-656-2

eISBN: 978-3-89845-685-2

1. Auflage 2020

Übersetzung: Dr. Gerhild Schulz

Umschlaggestaltung & Satz: XPresentation, Güllesheim; unter Verwendung verschiedener Motive von © Maxal Tamor; © NASA images; www.shutterstock.com

Verlag »Die Silberschnur« GmbH · Steinstraße 1 · D-56593 Güllesheim

www.silberschnur.de · E-Mail: info@silberschnur.de

Für eine schöne Seele,

die sich in ‘unserer Behausung’

in den Schleier von Virginie gehüllt hat …

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel I

Paralleluniversen

Etwas Handfestes … und doch völlig Ungreifbares | Unsere Widersprüche | Entscheidende Fragen | Ein erster Vorstoß | Von ‘Paralleluniversen’ und der Überlagerung von Wellen | Kopieren | Ein verwirrendes Erlebnis | Klischeehafte Zuschreibungen überwinden – ein dringendes Anliegen | Unser Weg

Kapitel II

Die ersten Zugangspforten

Träume, Albträume und ‘luzide Träume’

Eine denkwürdige Nacht | Seelendüfte | Die Erforschung eines Traums | Die Dimension des Traums | Das Wesen des Traums | Die Bedeutung der Chakren in den verschiedenen Traumphasen | Symbole und Egregoren | Albträume | Die Masken | Luzide Träume

Kapitel III

Aufenthaltsorte der Seele nach dem Tod

Das Kamaloka | Die Dimensionen des Fegefeuers | Die Schattenreiche | Das Devachan | Wie kann man sein Paradies wieder verlassen?

Kapitel IV

Entdeckungsreise zu einer verkannten ‘Behausung’ … Vom Äther zur Materie …

Die Wirklichkeit konstruieren | Neubestimmung unserer Beziehung zur Materie | Das Universum als Hologramm | Die Maya | Materie jenseits des Sichtbaren und Messbaren | Ätherzustand und Vibhuti | Drei Schritte, die man gehen muss … | Eine Erinnerung, die es verdient, wieder zum Leben erweckt zu werden | Unsere Wohnung umbauen: Eine Methode aus dem alten Ägypten

Kapitel V

Zwei weitere Pforten des Erwachens … Von Meditation und Gebet

Auf dem Dach eines Tempels … | Die Busfahrt | Vereinigung | Eine höchst aufschlussreiche Ekstase | Vom Gebet | Die Entdeckung eines heiligen Mechanismus | Das Allerheiligste | Ein Einweihungsgebet | Unsere Seelenwohnung besser verstehen | Wie man sein Allerheiligstes errichtet

Kapitel VI

Im Reich der Archetypen

Archetypen und kollektives Unbewusstes | Pforte zur Welt der Archetypen | Im Herzen der Lehre | Wie man lernt, in das Heilige vorzudringen | Wie sich die Sprache der Archetypen entschlüsseln lässt | Das Watan-Alphabet und Hebräisch | Eine alte, ägyptische Methode

Kapitel VII

Vom Himmel zur Erde

Jenseits von Mühsal und Anstrengung | Das Portal der Erzengel | Die Lehre | Zwischen zwei Wirklichkeiten | Die Lichtung der Herbstzeitlosen | Machen wir ein paar Schritte zwischen den Atomen | Elfenworte | Und heute …

Kapitel VIII

Wie können wir ‘nach Hause’ zurückkehren?

Eine Methode zur Wiedervereinigung mit dem Lebendigen | Die Dynamik des Loslassens | Ein Pakt mit der Illusion

Anhang: Ein Wort zu Astralreisen …

Über den Autor

Vorwort

“In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen …” Wer kennt nicht diesen berühmten Ausspruch, der Christus zugeschrieben wird?

Wie viele andere Menschen auch, habe ich ihn jahrelang immer wieder gehört oder gelesen, ohne groß darüber nachzudenken.

Wenn ich mich recht entsinne, standen die ‘vielen Wohnungen’ auf unbestimmte Weise für das Jenseits, an das wir zu glauben hatten. Glauben – das sollten wir doch! Verstehen weniger … das hätte unseren Glaubensimpuls nur abgeschwächt oder die Reinheit unseres Herzens getrübt.

Also glaubte ich, wie alle anderen auch … zumindest bis zu einem Alter, in dem man zum Glück endlich zu zweifeln wagt – und selbst zu denken beginnt, schon allein um sich von der Masse abzuheben.

Vielleicht wäre es einfach dabei geblieben, hätte mein Lebensweg – oder mein Schicksal – mir nicht die Möglichkeit gegeben, einige dieser ‘vielen Wohnungen’, von denen in der heiligen Schrift die Rede ist, kennenzulernen. Das war ganz entscheidend für mich.

Ich meine natürlich die Fähigkeit, meinen physischen Leib zu verlassen und mein Bewusstsein herauszusetzen – kurz gesagt: Astralreisen. Allerdings bin ich mit diesem Begriff vorsichtig geworden. Er wird so oft falsch verstanden oder abwertend verwendet.

Nach mehreren Jahrzehnten außerkörperlicher Erfahrungen und zwangsläufig ‘mystischer’ Forschungen, erstaunt es mich, wie beiläufig der berühmte Satz aus dem Johannesevangelium aufgenommen wird. Er bringt schlicht und einfach die Vielschichtigkeit des Universums zum Ausdruck – auch wenn die Worte, in die er gekleidet ist, eher poetisch anmuten.

Letztlich ist eine dichterische Sprache voller Inbilder und Metaphern die beste Einstimmung auf die folgenden Seiten. Ihr Anliegen ist nichts Geringeres, als die Schönheit allen Seins hervorzuheben.

Ebenso überrascht bin ich, wie rundweg das ‘offizielle Christentum’ die Existenz anderer Welten totschweigt oder umgeht.

Wohl gesteht sie zwangsläufig das Vorhandensein einiger ‘raum-zeitlicher’ Aufenthaltsorte der Seele nach dem Tode ein. Auch von Welten der Engel und Erzengel ist die Rede, jedoch in so vagen oder theologisch-dogmatischen Begriffen, dass sie jeden Interessenten nur verwirren … Es gibt jedoch viel mehr Leute, die sich für die Frage interessieren, als man denkt. Zumindest würden sie sich dafür interessieren, wenn man ihnen Gelegenheit dazu gäbe.

Ich bin viel gereist und mit ganz unterschiedlichen Kulturen in Berührung gekommen. Dabei ist mir eines immer wieder aufgefallen: Die Existenz anderer Welten hat uns Menschen, ganz gleich welcher Herkunft, schon immer fasziniert. Es sieht fast so aus, als trügen wir das Wissen um ein ‘Anderswo’ bereits tief in uns – und zwar ganz unabhängig von unserem jeweiligen ‘Glauben’. Diesem ‘Anderswo’ – oder besser gesagt, all diesen anderen Orten – ist das vorliegende Buch auf der Spur. Ich möchte etwas Licht in die Sache bringen und diese Welten ein wenig erforschen.

Warum? Weil ich finde, dass wir an einem Punkt unserer Geschichte – und folglich auch unserer Evolution – angelangt sind, an dem wir blinden Glauben und radikale Ablehnung hinter uns lassen müssen. Der Sinn des Lebens verlangt von uns, nun in Freiheit zu erkennen ‘wie die Dinge sind’. Läuft nicht jede echte Entwicklung letztlich über einen Verständnisprozess?

Ist die Beschäftigung mit an einem ‘Anderswo’ etwa eine einfältige, langweilige Sache … nur weil solches in einer Gesellschaft, die alles ausblendet, was sich nicht unmittelbar fassen lässt, als Utopie erscheint? Ganz im Gegenteil. Sehen wir uns doch einmal an, was wirklich los ist …

Die intellektuelle und technologische Leichtigkeit, mit der wir heutzutage mit virtuellen Universen, Hologrammen und allen ‘nicht-materiellen’ Dingen umgehen, die tagtäglich auf dem Wege der Informatik weitergeleitet werden, zeigt ganz deutlich, wie viele mentale Beschränkungen längst weggefallen sind. Darin erweist sich unsere Bereitschaft, die Materie, aber auch ‘die Wirklichkeit’ grundlegend anders aufzufassen.

Welch’ riesigen Sprung nach vorne würden wir tun, wenn wir bereit wären, unsere neue Beziehung zur Realität auch auf das menschliche Wesen auszudehnen! Ich meine, in Richtung eines möglichen feinstofflichen Aufbaus des Menschen und der wunderbaren Verbindung seines Bewusstseins mit dem ganzen Universum.

Im Grunde hätte ich gleich schreiben sollen: “Welch riesigen Sprung nach vorne werden wir tun …” – denn es wird wohl in Kürze geschehen … und Mystiker und Topwissenschaftler versöhnen.

Zu dieser Entwicklung und geistigen Erneuerung möchte das vorliegende Buch seinen Beitrag leisten. Gegenwärtig kündigt sich das Heraufziehen eines ganz neuen Bewusstseinszustandes an. Das verlangt von uns allen, alte Denkmuster und Glaubensvorstellungen zu überwinden. Es geht nicht darum, irgendeiner ‘Bewegung’ anzugehören, sondern einfach einzusehen, dass es langsam Zeit wird, in unserem Denken und Fühlen aufzuräumen – und zwar nicht nur, um unseren Platz im Universum neu zu bestimmen. In allererster Linie wird unser alltägliches Leben damit auf eine ganz andere Stufe gehoben. Wenn das Leben wirklich Sinn bekommt und man beginnt, seine Ausmaße zu erahnen, kann die Sonne sich viel leichter darin einrichten.

Sobald wir unseren Horizont erweitern und bereit sind, unsere Gedanken neu zu ordnen, werden sich auch unsere Widersprüche auflösen. Es wird alles viel klarer und einfacher erscheinen, unsere Ängste werden abflauen … all diese Ängste vor dem Unbekannten, die mit der Frage zusammenhängen, wer wir sind und was uns erwartet.

Die Überlegungen, zu denen ich euch auf den folgenden Seiten einlade, möchten gewiss keine umfassende oder gar erschöpfende Studie der Parallelwelten sein – also ‘benachbarter’ Welten, und/oder Welten, die uns innewohnen, ohne dass es uns wirklich bewusst ist.

Wie auch meine vorausgehenden Werke, möchte dieses Buch vor allem von bestimmten Dingen berichten und versuchen, sie miteinander in Verbindung zu bringen. Mein Anspruch besteht allein darin, Menschen, die sich im Dickicht vager Ideen ein wenig verloren fühlen, ein paar Anhaltspunkte zu geben, um Ängste und leidvolle Orientierungslosigkeit zu lindern.

Es ist nicht nur Zeit, voranzukommen, sondern auch zu verstehen, warum diese Weiterentwicklung so wichtig ist und welche Rolle sie für uns spielt. Einen Schritt vorwärts zu machen und einzusehen, dass unser unendliches Universum wirklich von vielen Wohnungen bevölkert ist, es also ganz unterschiedliche Existenzformen und Bewusstseinsebenen gibt, darf nicht mehr als ‘esoterisch’ gelten und ‘zum Himmel stinken’. Es öffnet sich damit lediglich eine Türe zu unserem tiefsten Wesen. So bekommt es endlich neuen Sauerstoff. Ich wünsche mir, dass die Überlegungen, zu denen ich euch im Folgenden einlade, euch wie frischer Wind aufatmen lassen. Er möge euch neue Glücksmöglichkeiten eröffnen … auch wenn ihr dafür ein paar alte Schutzschichten ablegen müsst.

Kapitel I
Paralleluniversen

Wollte man die Anzahl mündlicher und schriftlicher Zeugnisse über andere Universen weltweit erfassen, so ginge das gewiss in die Hunderttausende … mindestens! Diese Texte und Erzählungen werden als Märchen, Legenden oder Mythen eingestuft.

Aus Sicht unserer gegenwärtigen Vernunft sind es lediglich Früchte menschlicher Fantasie. Sie können einem allenfalls ein mildes Lächeln abringen.

In gewisser Hinsicht ist diese Fantasie ja ganz respektabel. Sie dient als Ventil und hat eine Schutzfunktion angesichts der rauen Wirklichkeit. Sobald allerdings jemand die Sache nicht nur symbolisch verstanden wissen will oder sich gar daran macht, sie näher zu untersuchen, macht man sich darüber lustig.

Aufgrund der Erfahrungen, die ich im Leben gemacht habe, gehöre ich nun auch zu den ‘Häretikern’, die sich mit Forschungen auf diesem Gebiet beschäftigen. Im Übrigen bin ich überzeugt, dass Erzählungen, die fantastisch anmuten oder in Traditionslinien stehen, die dem sogenannten ‘Übernatürlichen’ einen breiten Spielraum lassen, stets echte Erlebnisse zugrunde liegen. Es sind wohl Beobachtungen, die einfach nicht ins Register des Altvertrauten und Akzeptablen passen.

Etwas Handfestes … und doch völlig Ungreifbares

Sich über solche Phänomene hinwegzusetzen oder sie gar zu verlachen, sichert natürlich in gewisser Hinsicht den ‘gesellschaftlichen Zusammenhalt’, zumindest oberflächlich betrachtet. Schaut man jedoch genauer hin, worauf das innere Gleichgewicht der Gesellschaft gründet, so zeigt sich bald, wie zerrüttet diese in Wahrheit ist.

Ihre Grundfesten sind nämlich längst nicht so ‘konkret’ und solide, wie man meinen könnte! Das ‘Greifbare’, auf das sie sich stützt, ist in Wahrheit höchst ungreifbar … ja geradezu virtuell. Es herrscht über das zarte Netz einer digitalen Welt, deren Gesetze sich mehr und mehr verfeinern und somit auf etwas Unsichtbares zubewegen.

Von Wellenlängen und Schwingungsfrequenzen zu sprechen, ist inzwischen völlig normal. Milliarden von Informationen werden blitzschnell über unseren Planeten gesendet … und auch ein Hologramm kann niemanden mehr in Erstaunen versetzen. Unterdessen wird bereits die Übertragung von Photonen auf für Normalsterbliche noch völlig ungeahnten Wegen debattiert. Es geht in Richtung Teleportation der Materie.

Um in etwas ‘weltlichere’ Bereiche zurückzukehren, denke man nur an die riesigen Summen, die weltweit zwischen den Banken kursieren. Auch hier erscheint es uns völlig normal, dass es sich dabei um ‘virtuelles’ Geld handelt.

Um die Sache ganz nüchtern zu betrachten: Wir leben in einer vermeintlich durch und durch ‘konkreten’ Welt, weigern uns aber anzuerkennen, dass ihre Bestandteile in vieler Hinsicht immer ungreifbarer werden.

Kurz gesagt, unser Leben war nie zuvor so nachhaltig von Unsichtbarem und Ungreifbarem geprägt. Noch nie mussten wir den Begriff des ‘Realen’ so weit fassen, nie war er solchen Veränderungen unterworfen.

Seltsamerweise halten unser Bewusstsein und unsere menschliche Kultur dennoch stur an einem monolithischen, materiellen Weltbild fest, als sei es die einzig mögliche Daseinsform. Wir sind wahrlich mit Blindheit geschlagen!

Unsere Widersprüche

Die Spitzentechnologien haben innerhalb weniger Jahrzehnte unsere Einstellung zur Wirklichkeit gehörig ins Wanken gebracht und uns zu völlig neuen Einsichten geführt. Auf intellektueller und psychologischer Ebene hinken wir jedoch hinterher … Die naheliegenden Konsequenzen haben wir jedenfalls noch nicht daraus gezogen. Wenn die Technik sich nun aber sprunghaft weiterentwickelt und uns neue Horizonte eröffnet, wieso gilt das dann nicht auch für andere Lebensbereiche? Was spricht denn dagegen? Ich denke hier an unsere psychischen, metaphysischen und spirituellen Barrieren im allerweitesten Sinne, also an alles, was unsere ‘Innenwelt’ als denkende Wesen ausmacht. Im Grunde sind wir nämlich durchaus in der Lage, uns weiterzuentwickeln.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie auf einem Tisch in meinem Elternhaus der erste Fernseher in Erscheinung trat. Was habe ich gestaunt! Ich war höchstens elf oder zwölf Jahre alt. Die Bildqualität war natürlich ziemlich mäßig – schwarz-weiß. Es gab nur ein einziges Programm. Und doch war es … ein Wunder.

Unser Erfahrungshorizont wurde auf eine harte Probe gestellt. Wie war es nur möglich, etwas zu sehen, das sich Hunderte oder gar Tausende Kilometer entfernt von uns abspielte?

Heute, ein halbes Jahrhundert später, erscheint es unvorstellbar, kein Farbfernsehen zu haben. Ebenso undenkbar wäre es, vom problemlosen Zugang zu unzähligen Programmen abgeschnitten zu sein. Es gibt eben zahllose Fernsehkanäle – ganz zu schweigen von damit einhergehenden Finessen, wie etwa der hohen Auflösung. Wir würden uns doch wie Dinosaurier fühlen, wenn wir nicht in diesen Genuss kämen.

Ich mache mir allerdings weniger Sorgen um die ‘Dinosaurier der Technik’, als um unsere Welt, die der Entwicklung hinterherhinkt, lieber herumtrödelt und die Augen verschließt, als sich mit ihrem ureigensten Wesen zu beschäftigen. Wir verhalten uns wie Künstler oder Schauspieler eines einzigen Fernsehkanals …, der die einzig mögliche Lebensform wäre. Das habe ich ja schon öfter gesagt. Welche Ahnungslosigkeit und Blindheit wir in dieser Hinsicht doch an den Tag legen! Das erscheint mir dermaßen kindisch. Es ist fast als würden wir noch immer gelehrten Doktrinen folgend glauben, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums.

Die alten Debatten sollten auf diesem Gebiet schon längst überwunden sein – sind es aber leider nicht.

Wir weigern uns standhaft in Betracht zu ziehen, dass im Universum ebenso viele ‘Lebenskanäle’ existieren können, wie es Fernsehkanäle gibt – im Prinzip also unendlich viele.

Als Argument ins Feld zu führen, wir hätten keine wissenschaftlichen Beweise dafür, ist wenig hilfreich. Die Wissenschaft entwickelt sich ja ihrerseits weiter. Ihre Begriffe und Vorstellungen unterliegen einem ständigen Wandel. Gerade in der Physik werden unablässig neue Gesetze entdeckt, die alte Vorstellungen ablösen. Wir sollten die Wissenschaft also nicht zu einer neuen, absoluten Gottheit erklären. Es wäre völlig verkehrt, sie zu einem so unerbittlichen, doktrinären Herrscher zu erheben, wie manche Kirchen ihn auf Erden errichten wollten. Viel sinnvoller ist es, uns ihre Erkenntnisse zu eigen zu machen, weil sie uns helfen, über unsere menschliche Verfasstheit nachzudenken. Ganz entscheidend dabei ist das Prinzip der Analogie. Warum ausgerechnet dies? Nun, weil es wohl eines der grundlegendsten Gesetze des Universums ist.

Entscheidende Fragen

Ausgehend von diesen Überlegungen, möchte ich euch nahelegen, einmal über die folgenden Fragen nachzudenken:

•Könnte nicht gerade das menschliche Bewusstsein das erhabenste ‘technische Instrument’ überhaupt sein, nämlich ein Werkzeug, das unzählige ‘Schwingungsfrequenzen des Lebens’ aufeinander abstimmen kann?

•Um noch einen Schritt weiterzugehen: Warum sollte das menschliche Bewusstsein nicht in der Lage sein, die ‘Sendungen’ – nicht nur seines, sondern all seiner – Leben selbst zu generieren?

•Könnten nicht Veränderungen der Schwingungsfrequenz oder Wellenüberlagerungen eine Erklärung für das Weiterleben der Seele nach dem Tode des physischen Körpers … und vieler anderer Berührungspunkte mit dem Ungreifbaren sein?

Man könnte eine lange Liste von Phänomenen erstellen, die nicht einzuordnen sind, doch ganz gleich wie lang die Liste ist … und zu welchen Annahmen und Fragen sie Anlass gibt, auf jeden Fall sollte sie dazu führen, unsere Haltung gegenüber den möglichen Manifestationen des Lebens gründlich zu überdenken.

Diese Übung ist nicht etwa ein Schritt ins Irrationale, sie bewirkt gerade eine erweiterte Wahrnehmung des ‘Rationalen’.

Ein erster Vorstoß

Um gleich aus der Abstraktion herauszukommen und nicht nur ‘allgemein’ zu sprechen, möchte ich euch zwei wahre Geschichten erzählen. Ich war darin Handelnder und Zeuge zugleich.

Die Erste liegt schon viele Jahre zurück. Ich war damals höchsten sechzehn oder siebzehn Jahre alt.

Im Rahmen sonntäglicher Familienausflüge verbrachte ich oft ganze Nachmittage in einem Dorf in der Picardie, das inmitten einer hügeligen Landschaft im Grünen lag.

Ein paar urwüchsige Gehöfte gruppierten sich um eine fünf- oder sechshundert Jahre alte Kirche und eine halb verfallene Mühle herum, die mindestens ebenso alt war. Es war keine Wind-, sondern eine Wassermühle. Was von dem Gebäude übrig war, lag am Ufer eines kleinen Baches, den man ohne Schwierigkeiten durchwaten konnte. Ich war fasziniert von diesem poetischen Ort. Die alten Balken und moosigen Mauern der Mühle berührten meine jugendliche Seele tief. Wenn es nur möglich war, machte ich mich alleine dorthin auf – und sei es nur für ein paar Augenblicke. Von einem solchen Moment möchte ich nun erzählen … Der Wasserstand war an jenem Tag nicht sehr hoch und so entschloss ich mich, meine Schuhe auszuziehen, um endlich einmal den Bach zu durchqueren und am anderen Ufer auf dem Pfad umherzugehen, der etwa zwanzig Meter weiter unter Bäumen durchführte. Kaum hatte ich, ohne mich umzuwenden, die Hälfte der Strecke durch den Bach zurückgelegt, als mich plötzlich eine seltsame Klangerscheinung überkam – oder genauer gesagt, war es eher das Fehlen des Klanges. Ich nahm das Plätschern des Baches nicht mehr wahr und auch nicht den Wind in den Bäumen. Nicht einmal das Vogelgezwitscher oder die Schreie der paar Kinder, die unweit von mir herumplanschten, drangen noch zu mir durch.

Ich machte ein paar Schritte in diese seltsame Abwesenheit einer Klangkulisse hinein, ohne zu begreifen, was eigentlich geschah. Unfähig stehen zu bleiben, starrte ich auf meine Waden, die sich langsam den Weg durch das fließende Wasser bahnten. Plötzlich hörte ich wieder etwas und blickte endlich auch auf. Doch was ich vor mir sah, versetzte mir einen Schock. Meine Füße waren noch immer im Wasser, doch die Umgebung hatte sich völlig verändert. Es war nicht mehr das gegenüberliegende Ufer jenseits der Wasserfurt. Es war auf einmal ein ganz anderer Fluss. Er war ziemlich breit. Das Ufer war mit Binsen und einer Art Wasserhyazinthen bewachsen. Außerdem waren menschliche Gestalten zu sehen, die gerade Schalen aus geflochtenem Schilf, in denen je eine kleine Flamme brannte, aufs Wasser setzten, um sie vom Fluss forttragen zu lassen. Ich weiß noch genau, welche Gefühle die Schönheit dieser Szene und der intensive Duft, den sie verströme, in mir auslösten. Ich setzte meinen Weg fort. Auch daran erinnere ich mich gut. Während ich immer tiefer in die Kulisse eindrang, fiel mir plötzlich auf, wie seltsam die Wesen aussahen, auf die ich mich zubewegte. Einige von ihnen blickten mich an … Ihre Gesichter waren lang und bleich. Alle sahen außergewöhnlich jung aus und hatten weder eindeutig weibliche noch männliche Züge. Sie waren von hoher, graziler Gestalt und wirkten dadurch sehr elegant. Auch die Kleidung versetzte mich in Erstaunen. Die meisten Gewänder waren zartgelb und leicht, wie ganz weiche, durchschimmernde Seide. Wenn ich heute daran zurückdenke, so möchte ich sie am ehesten mit Irisblättern vergleichen. Eines der Wesen deutete, als es mich sah, mit dem Finger auf mich und äußerte etwas, voller Erstaunen … wohl ein paar Worte, die ich nicht verstand. Sie klangen in meinen Ohren überstürzt und sehr hell.

Ich glaube, allmählich wurde mir klar, dass ich hier nichts verloren hatte. Wahrscheinlich war ich ohne es zu bemerken auf einem Filmset aufgekreuzt. Jedenfalls war ich überzeugt, zu stören. Also drehte ich mich lieber am Absatz um. Ich wollte gehen, bevor man mich dazu auffordern musste. So blickte ich wieder ins Wasser und hielt Ausschau nach den Steinen am Grund, um nicht zu stolpern. Kaum hatte ich ein paar Schritte gemacht, nahm ich auch schon wieder das merkwürdige Fehlen aller Klänge wahr, das ich wenige Augenblicke zuvor erlebt hatte. Erneut drang nicht der leiseste Laut in mich ein. Allerdings hatte ich gar keine Zeit, mir Sorgen zu machen, schließlich musste ich mich erst einmal orientieren und blickte mich nach meinem Ausgangspunkt um.

Und wirklich lag alsbald, gesäumt von ein paar kleinen, verstreuten Felsen, wieder die Wasserfurt vor mir, von der aus ich aufgebrochen war. Nur … nur die spielenden Kinder waren verschwunden und der Abend zog schon herauf. Allein ein Hund löschte am Bach seinen Durst. Ich blickte mich sogleich um … doch da war wieder nur die vertraute Kulisse … die Wasserfurt und die Ruine der alten Mühle.

Ich konnte es nicht fassen … Was war nur geschehen? Rasch zog ich meine Schuhe an und ging schnell zu meiner Familie, die bestimmt schon auf mich wartete und sich Sorgen machte. Damals war ich noch ein recht schweigsamer, verschlossener Jugendlicher, erzählte also kein Sterbenswörtchen von meinem Erlebnis. Ich sagte einfach, ich sei auf der anderen Seite der Furt spazieren gegangen und hätte gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht … Das war die offizielle Version. In Wahrheit aber, war ich in tiefster Seele erschüttert. Ich schlief kaum noch und brauchte Tage, um meine Gedanken zu ordnen. Doch schließlich wuchs Gras über die Sache. Ich verdrängte dieses merkwürdige Abenteuer … war aber zugleich überzeugt, dass ich mir nicht nur etwas eingebildet, sondern tatsächlich etwas Unerklärliches erlebt hatte.

Von 'Paralleluniversen' und der Überlagerung von Wellen

Es dauerte Jahre, bis ich endlich so weit war, vernünftig analysieren zu können, was mir vermutlich widerfahren war. Aller Wahrscheinlichkeit nach war ich kurz in ein benachbartes Universum geraten … Nur in welches? Wer könnte das jemals sagen? Es ist auch nicht so wichtig. Entscheidend ist zunächst einmal das Phänomen selbst.

Dank der vielen unterschiedlichen Erfahrungen, die ich seitdem gemacht habe, konnte ich meine Gedanken inzwischen ordnen und mich von allen Vorurteilen frei machen. Ich habe oft darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich damals wohl von einer Wellenlänge – der unserer Welt – zu einer anderen, von deren Existenz wir nichts ahnen, hinübergeglitten war …

Und so begann ich ganz spontan, den Begriff ‘Paralleluniversum’ zu verwenden, wie so viele andere auch. Wenn ich jedoch recht darüber nachdenke, erscheint er mir nicht recht angemessen. Zwei parallele Geraden oder Ebenen schneiden sich bekanntlich nie. Sie können zwar ganz dicht nebeneinander herlaufen, werden sich aber niemals treffen.

Wenn man davon ausgeht, dass dennoch zu Recht von etwas Parallelem die Rede ist, muss es meiner Ansicht nach zwischen den parallelen Linien oder Ebenen eine Schleuse geben – also so etwas wie eine ‘Türe’ oder einen anderen Weg der Kommunikation.

Diese Schleuse könnte ähnlich funktionieren wie ein ‘schwarzes Loch’, das alles ansaugt, was in seine Nähe gerät, um es in einem anderen Universum als ‘weißes Loch’ – wie Astrophysiker das nennen – wieder ‘auszuspucken’.

Allerdings sind im Falle meines beunruhigenden Abenteuers bestimmt schon viele andere Leute an der Stelle vorbeigekommen, wo die Furt schließlich zur Schleuse wurde … ohne dass irgendetwas geschah.

Daraus lassen sich mehrere Thesen ableiten: Entweder ist die Raum-Zeit-Schleuse, in die ich geriet, nicht ortsgebunden, sondern beweglich. Dann kann sie also an allen möglichen Stellen unserer Welt auftreten. Oder mein Bewusstsein hat sich aus irgendeinem Grund verändert, sodass ich plötzlich Zugang zu einem anderen ‘Lebenskanal’ hatte … Vielleicht sogar beides. Möglicherweise ist das gar kein Widerspruch.

Ich erinnere mich noch an die Rundfunkgeräte meiner Kindheit … Da kam es auch öfter mal vor, dass eine Sendung plötzlich unterbrochen war … und sich eine andere ‘drüber legte’. Das nannte man damals Überlagerung von Wellen.

Wendet man dieses Beispiel auf meine kleine Geschichte an, so wäre doch denkbar, dass auch die Schwingungsstruktur der Welt, in der wir leben, manchmal ins Schleudern gerät und punktuell solche Aussetzer hat, sodass zwei völlig unterschiedliche Wirklichkeiten plötzlich aufeinanderprallen.

Allerdings muss man im genannten Fall noch etwas Wesentliches beachten: Mein Durchgang ‘durch die Schleuse’ war ja kein einseitiges Erlebnis. Nicht nur ich bekam etwas zu sehen und zu hören. Ich war nicht nur Beobachter der Szene, sondern auch Handelnder. Ich habe darin ganz konkret mitgespielt. Da stand ich, bis zur Wade im Wasser und meine Anwesenheit wurde von den Wesen, die ich sah, ebenfalls bemerkt. Sie zeigten ja mit dem Finger auf mich und äußerten unverständliche Worte …

Kurz gesagt, ich war in jener ‘anderen Welt’, die mir erschien, konkret anwesend. Folglich habe ich nicht nur durch eine Luke in der Raum-Zeit einen Blick in eine andere Welt geworfen. Ich war selbst durchgeschlüpft – auch wenn ich nie erfuhr, wie das genau geschah. Im Grunde kann man erst in diesem Fall wirklich von einer Schleuse sprechen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Frage bleibt jedoch offen: Werde ich, wenn ich die Schwelle zur anderen Welt überschreite und dort materiell sichtbar bin – worauf ja alles hindeutet – in unserer Welt unsichtbar? Bin ich im selben Augenblick hier verschwunden? Um darauf eine eindeutige Antwort zu bekommen, hätte ich einen Begleiter bei mir haben müssen.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder habe ich mich hier, in unserer Welt, ‘entmaterialisiert’, weil ich von einer anderen angezogen wurde … oder ich war weiterhin in meiner Wasserfurt sichtbar. Dann wäre also meine Anwesenheit aufgrund irgendeines energetischen Mechanismus ‘kopiert’ worden, woraufhin ich auf ganz spontane und natürliche Weise gleichzeitig in ein anderes Universum eindringen konnte.

Kopieren

Hier drängt sich der Vergleich mit der Möglichkeit des Kopierens auf, die uns beim Computer zur Verfügung steht. Die Kopierfunktion erlaubt uns ja bekanntlich, jedes beliebige gespeicherte Dokument gleichzeitig in verschiedenen Bereichen des PCs zu nutzen und in Sekundenschnelle ans andere Ende der Welt zu schicken … wobei es an seinem Ausgangsort unverändert erhalten bleibt.

Der Vergleich hinkt natürlich etwas … Es ist schon merkwürdig, uns als Menschen mit der ‘kalten Technik’ von Computern zu vergleichen … In Wirklichkeit ist es wohl eher umgekehrt. Ich vermute, dass die Informatik auf bestimmten Funktionsweisen des menschlichen Geistes basiert … in denen auf subtile Weise große Lebensgesetze zum Ausdruck kommen.

Außerdem wirft meine kleine Erzählung noch eine andere Frage auf: War mein Bewusstsein – oder meine Seele – nur in jenem Teil meiner selbst anwesend, der die raumzeitliche Schleuse durchdrungen hat oder zugleich auch in meinem ‘Ausgangskörper’ aktiv? Dazu kann ich nur sagen, dass ich mich jedenfalls nicht an beide Ebenen erinnern kann … Als mein Bewusstsein ‘zurückkam’, war in unserer Welt – im Vergleich zu den wenigen Augenblicken, die ich in der anderen Welt gewesen war – schon ziemlich viel Zeit vergangen … mindestens eine halbe Stunde. Jedenfalls waren die spielenden Kinder vom Ufer verschwunden und es wurde schon Abend.

Daraus könnte man schließen, dass nur die ‘äußere Hülle’ eines Menschen ‘kopiert’ werden kann, sein Inneres aber – sein Bewusstsein – jedoch ‘eins’ bleibt, also nicht übertragbar ist. Sicher ist das freilich nicht. Die zahlreichen Fälle von ‘Bilokation’ sprechen dagegen und diese Fähigkeit besaßen viele großer Geister, welche die Menschheitsgeschichte spirituell prägten.

In unserer Zeit ist der überzeugendste Beweis im westlichen Kulturkreis zweifellos Pater Pio. Mehrere Zeugen berichten, ihn zum selben Zeitpunkt an verschiedenen Orten gesehen zu haben, die weit voneinander entfernt lagen. An beiden trat er ganz konkret in Erscheinung und war aktiv tätig. Wer aktiv ist, muss zumindest ein Minimum an Geistesgegenwart besitzen … Diesem Beispiel wurde oft entgegengehalten, Pater Pio sei eben erleuchtet gewesen, also ein ‘Sonderfall’. Das ist zweifellos richtig … Man darf aber nicht vergessen, dass auch ein noch so außergewöhnlicher Mensch immer noch ein Mensch ist, die Naturgesetze also nicht einfach so außer Kraft setzen kann. Er kann allenfalls ein paar Besonderheiten des Lebens aufzeigen, die noch nicht hinreichend erforscht sind.

Im Übrigen ist Pater Pio nicht der einzige Fall. Im Orient gibt es unzählige Beispiele für dieses Phänomen, vor allem im Hinduismus und Buddhismus … und schließlich ist dieser Teil der Welt nicht weniger glaubwürdig, nur weil er weit von uns entfernt ist. Freilich soll es hier nicht darum gehen, irgendetwas ‘zu glauben’, sondern zunächst einmal, sich mit Phänomenen auseinanderzusetzen, die unsere Alltagslogik ein wenig auf den Kopf stellen und unseren Geist herausfordern … Da muss er sich schon ein bisschen verbiegen. Dennoch kann ‘Gehirntraining’ als Selbstzweck natürlich nicht das Ziel sein. Es geht vielmehr darum, unseren Neuronen andere Wege zu erschließen, um uns neuen Dimensionen zu öffnen und in sogenannte ‘höhere Regionen des Geistes’1 aufzuschwingen. Bisher war ja nur von ‘Phänomenen’ die Rede. Ich aber möchte euch zu ihrem Ursprung führen, zum Geiste.

Ein verwirrendes Erlebnis

Kommen wir nun zur zweiten Geschichte, die ich euch erzählen möchte. Darin kommt keine ‘romantische’ alte Mühle vor und auch keine Wasserfurt. Sie ist in einem ganz alltäglichen Umfeld angesiedelt, im Hinblick auf die Wellenüberlagerung aber ebenso aufschlussreich.

Es ist noch gar nicht so lange her … Ich war mit meiner Lebensgefährtin auf der Autobahn unterwegs. Wir fuhren nicht besonders schnell, so um die 110 km/h. Plötzlich erschien auf dem Mittelstreifen der Autobahn ein Polizeiwagen, an dem wir einfach vorbeifuhren, da wir uns ja nichts hatten zu Schulden kommen lassen.

Oje … schon wenig später sahen wir zu unserer größten Überraschung das Polizeiauto mit Blaulicht im Rückspiegel direkt hinter uns auftauchen. Hatte das etwas mit uns zu tun? Als der Polizeiwagen dann auch noch genau auf unserer Höhe links neben uns herfuhr, konnte kein Zweifel mehr daran bestehen. Ganz offensichtlich wollte er uns auf dem Standstreifen zum Halten bewegen. Das taten wir natürlich auch … und fragten uns, was wir falsch gemacht hatten. Kaum standen wir, zeigte ein Blick in den Rückspiegel, dass auch das Polizeiauto wenige Meter hinter uns stehen geblieben war.

In der festen Überzeugung, dass jeden Moment ein Uniformierter mich auffordern würde, das Wagenfenster herunterzulassen, hielt ich, wie es sich gehört, meine Papiere bereit. Es kam aber niemand. Also drehten wir uns kaum zehn Sekunden später um … und hielten Ausschau nach dem Polizeiwagen. Wo war er nur hingekommen? Vor uns … hinter uns … rechts, links …? Alsbald mussten wir einsehen, dass nichts und niemand mehr da war … vor allem kein Polizeiwagen, weder mit noch ohne Martinshorn. Seltsam …

Wir blickten uns an und versuchten zu verstehen, was geschehen war. Doch alles Grübeln war vergebens. Wir hatten beide genau dasselbe gesehen – Irrtum ausgeschlossen! Ich hielt noch meine Brieftasche in der Hand. Es war ja alles so schnell gegangen … Links von uns fuhren vereinzelt Wagen auf der Autobahn vorbei. Fast hatte ich Lust, auszusteigen, um den Asphalt zu untersuchen, auf dem wir stehen geblieben waren. Nach drei oder vier Minuten fuhren wir schließlich weiter, machten uns aber immer noch Gedanken.

Was war uns da widerfahren? Waren wir in eine andere Zeit geraten … mitten in ein vergangenes Ereignis, in das andere Leute verwickelt waren? Oder handelte es sich um eine sogenannte ‘kollektive Illusion’? Mir ist dieser Ausdruck zu einfach. Ich finde ihn viel zu klischeehaft und als Erklärung völlig unzureichend. Es genügt ja nicht, etwas Unbegreiflichem einen Namen zu geben und es mental ‘in eine Schublade zu stecken’. Damit hat man es noch lange nicht verstanden – auch wenn diese Ansicht weit verbreitet ist.

Klischeehafte Zuschreibungen überwinden – ein dringendes Anliegen

Bisher wurde uns beigebracht, das menschliche Bewusstsein könne aufgrund seiner ungezügelten Fantasie und exzessiven Gefühlswelt leicht ins Schleudern geraten – allerdings auch durch körperliche Entgleisungen, etwa Hormonschwankungen.

Ich möchte nun nicht behaupten, das sei falsch. Man darf nur nicht dabei stehen bleiben, das wäre allzu einseitig … Es ist zu leicht, etwas als ‘Illusion’ abzustempeln, vor allem, wenn diese Etikettierung auch noch mit dem Beiwort ‘kollektiv’ ausgeschmückt wird. Meist dient sie lediglich dazu, etwas Unbequemes zu verbergen, die tiefe Unsicherheit ihrer Nutzer zu vertuschen und ihnen Bestätigung zu geben.

Um unseren Gedanken wieder aufzugreifen – was hier ‘stört’, ist natürlich die Möglichkeit, dass es andere Universen geben könnte, deren Gesetze sich unserem Verständnis entziehen. Das ist überaus unbequem. Es stellt eine ‘Realität’ und ‘Wahrheit’ infrage, die wir gerne festschreiben würden, weil wir befürchten, andernfalls die Orientierung zu verlieren – mit all ihren Annehmlichkeiten, selbst wenn wir mit dem Leben oftmals unzufrieden sind.

Unser Weg

Was mich betrifft, so ist es mein erklärtes Ziel, dazu beizutragen, derlei Orientierungspunkte aufzulösen – sowohl durch meine Methoden als auch mit dem Zeugnis dieses Buches. Nicht, um eine Leere zu schaffen, die Panik auslöst, sondern um dazu anzuregen, den Wirklichkeitsbegriff neu zu fassen und im Zuge dessen die Schönheit und Unendlichkeit des Lebensgeistes zu ermessen, der uns beseelt – durch den wir sind.

Sein ist jedoch etwas ganz anderes als bloßes ‘Kopfdenken’, das kann man drehen und wenden wie man will. Es ist schöpferisch … Es bedeutet etwas zu erschaffen – jenseits all dessen, was wir klar von uns erfassen oder ermessen können. Schaffen, als Ausdrucksform unserer Bewusstseinsstufe – um diese zur Sprache zu bringen und erstrahlen zu lassen. Schaffen aber auch, indem wir uns endlich das riesige Kraftreservoir und all die Möglichkeiten bewusst machen, die in uns schlummern. Ich denke dabei an unser unentdecktes schöpferisches Potenzial, an die uns tief innewohnende Göttlichkeit.

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir einsehen, dass wir unendlich viel mehr sind als eine weise Ansammlung von Haut und Knochen, die von Neuronen in Gang gehalten wird? Dreißig Jahre Recherche auf diesem Gebiet haben mir deutlich vor Augen geführt, dass unsere körperliche Erscheinung, also die ‘messbare’ Seite, nur der sichtbare Teil eines riesigen Eisberges ist. Nur sie zu sehen, ist eine grobe Verkürzung.

Verstehen beginnt mit Versenkung in sich selbst – bis hinein in das tiefste Innere unserer feinstofflichen Konstitution. Bevor wir unsere Untersuchung aufnehmen, möchte ich daher etwas zu meinen Arbeitsinstrumenten sagen, zum Heraustreten aus dem Körper und der Projektion des Bewusstseins in andere Räume. Diese Methode zur Untersuchung des Lebens setzt zunächst einmal eine Selbstuntersuchung voraus. Das muss man sich klarmachen, so widersprüchlich es auch erscheinen mag. Doch sobald die Seele ihre leibliche Hülle verlassen hat, muss sie zunächst einmal in sich selbst eintauchen. Erst dann kann sie aus sich herausgehen. Man wird das schnell begreifen. Die Entdeckung des Universums und seiner Welten wird alsbald zur Erkundungsreise der intimsten Winkel unserer selbst. Diese Aussage ist kein rhetorisches Stilmittel, sondern eine Tatsache, etwas völlig Selbstverständliches, das letztlich zu tiefer Ruhe und Gelassenheit führt.

Daher möchte ich euch einladen, mit mir in den Ozean des Lebens einzutauchen, auf der Suche nach der Pracht und Herrlichkeit jenes Geistes, der uns alle belebt. Die Reise führt durch Welten, die wir selbst erschaffen, Welten des Traums, des Todes, veränderter Bewusstseinszustände – ganz allgemein gesagt, Welten der Maya … zu der auch unser Sein im inkarnierten Zustand nun einmal gehört.

Auch die Welten des Gebets und der Meditation dürfen wir bei unserer ‘Rundreise’ nicht vergessen, ebenso wenig wie das Reich der Elementarwesen, der Archetypen und Engel …

Eine endlose Reise also, auf der wir zwangsläufig mit dem Begriff der Zeit jonglieren müssen – mit all ihren Widersprüchen und Möglichkeiten, sich auszudehnen. Die Reise wird bei jedem anders verlaufen – je nachdem inwiefern seine Seele schon geflügelte Sandalen tragen kann.

1) Es geht also darum, sich dem höheren Bewusstsein anzunähern. Die Gnostiker nannten es Nous.

Kapitel II
Die ersten Zugangspforten
Träume, Albträume und ‘luzide Träume’

Ich erinnere mich noch lebhaft an eine ganz besondere Nacht vor etwa zwanzig Jahren … Ich war nach Südindien gefahren und befand mich in einem kleinen Dorf, wo wir vor Hitze fast vergingen. Die Umstände der Reise sind nebensächlich. Es genügt zu wissen, dass die Unterkunft sehr einfach war. Meine zwei oder drei Reisebegleiter und ich mussten uns mit höchst dürftigen Verhältnissen bescheiden.

Es war ein großer Schuppen mit Blechdach, an dessen Ende sich ein paar schlichte sanitäre Einrichtungen befanden. Wir lehnten unsere Rucksäcke an eine Mauer. Sofern wir überhaupt noch Platz finden würden, mussten wir hier auch unser Nachtlager aufschlagen, auf mürben, staubigen Matten, die wir zuvor an der Straße gekauft hatten. Nach einem raschen Blick in die Runde überschlug ich, dass hier gut dreihundert Menschen auf engstem Raum für ein paar Tage zusammen waren. In Halbschatten und Staub lag Alt und Jung beisammen, Männer, Frauen und Kinder … ohne Ansehen der Person. So bildeten wir auf dem Boden ein regelrechtes ‘menschliches Mosaik’.

Da es rasch dunkel wurde, mussten wir alle irgendwie damit zurechtkommen, so zusammengepfercht zu sein. Wir hatten keine andere Wahl … stimmten also ein Konzert an, das aus lautem Gähnen, ersticktem Gelächter, Mantras, Schnarchen und noch ganz anderen Dingen bestand. Die indischen Familien fügten sich problemlos ein. Den Abendländern, zu denen wir auch gehörten, fiel das freilich ungleich schwerer. Vergeblich versuchte ich, mich auf meiner verbeulten Matratze einzurichten. Schon bald wurde mir klar, dass es eine lange Nacht werden würde. Zwei Stunden später hatte ich noch immer kein Auge zugetan. Es war stockdunkel und erstickend heiß.

Eine denkwürdige Nacht

Diesmal brachte mich wohl die Schlaflosigkeit dazu, meinen Körper ganz bewusst zu verlassen. Ich wollte einfach freier atmen und mich nicht länger mit Rücken- und Nackenverspannungen herumschlagen. Es ging nicht darum, von diesem Ort zu fliehen oder mich in eine andere Welt zu flüchten … Ich suchte lediglich ein wenig Entspannung. Würde es mir gelingen – unter so widrigen Bedingungen? Die Umstände waren nicht gerade günstig für eine solche Übung. Doch seltsamerweise fiel es mir ganz leicht. Nach ein paar Atemübungen und Visualisierungen schwebte ich auch schon über meinem physischen Körper und betrachtete den riesigen ‘Schlafsaal’ durch meine Seelenaugen … Ich weiß noch, dass ich innerlich tief aufseufzte … Endlich konnte ich mich erholen und fernab meiner schmerzenden Muskeln von der erstaunlichen Frische des Lebensstromes des Pranas kosten! Damit war ich vollauf zufrieden …

Wenn die Seele nicht mehr im Gewand aus Fleisch und Blut verankert ist, entdeckt sie alsbald ihre ‘Flügel’ – mit anderen Worten, ihre unendliche Freiheit und ihren alles durchdringenden Blick.

Diesen Blick hatte auch meine Seele und in jener Nacht eröffnete er ihr eine Pforte. Ich befand mich zum ersten Mal in Gesellschaft so vieler Menschen, die alle versuchten einzuschlafen oder schon tief schliefen.

Es war ein faszinierender Anblick …

Von der Schwingungsebene aus gesehen, auf der ich mich befand – also von meinem außerkörperlichen Bewusstsein aus2 – war unser Schuppen in sanftes, funkelndes Licht getaucht. Es wimmelte darin von Leben – in Form irisierender Lichtpartikel, die permanent in Bewegung waren. Diese Wahrnehmung war mir allerdings nicht neu. Was hingegen meine Aufmerksamkeit auf sich zog und mich faszinierte, waren Lichtformen, die auf unterschiedliche Weise aus den vielen liegenden Leibern austraten. Es war der Gesamteindruck der Seelen meiner Hundertschaft von ‘Zimmergenossen’. Manche hatten ihren Körper schon vollständig verlassen und schwebten zwei oder drei Meter über ihm. Andere hatten sich erst teilweise von ihm gelöst und waren am Kopf, an den Füßen oder gar am Bauch noch mit ihm verbunden. Andere rutschten bloß ein wenig neben ihren Leib oder blieben locker mit ihm verbunden. Sie gehörten also zu Menschen, die nicht recht in den Schlaf fanden.

Ich hatte genügend Zeit, all die langen, mondfarbenen ‘Glühfäden’ zu betrachten, die fast senkrecht aus vielen Körpern aufstiegen. Sie vibrierten und sahen aus wie Schnüre von Luftballons, die gleich aufsteigen würden.

Ich wusste, dass jeder zu einer Seele und einem Bewusstsein gehörte, das sich gerade auf einer anderen Schwingungsebene befand, während der dazugehörige Körper in tiefem Schlummer lag.3

Einen Augenblick lang hatte ich fast Lust, dem Bedürfnis nach Schlaf nachzugeben und dieselbe Richtung einzuschlagen … Aber irgendetwas in mir war so klar und lebendig … ich konnte es einfach nicht dabei bewenden lassen. Ich musste die Szene weiter beobachten, um herauszufinden, was das Leben mich lehren wollte. So beschloss ich, mich in meinem Lichtkörper fortzubewegen und flog alsbald acht bis zehn Fuß oberhalb des Bodens über die Körper hinweg, die rechts und links von mir meterweise in ganz unterschiedlichen Stellungen dalagen.

Seelendüfte

Kaum hatte dieser eigentümliche Spaziergang begonnen, hatte ich auch schon eine ganze Reihe flüchtiger Wahrnehmungen, ohne recht sagen zu können, ob sie akustischer oder optischer Natur waren.

Jeder Mensch, in dessen Nähe ich kam, während ich mich fortbewegte, und sei es auch nur ganz kurz, verströmte nämlich einen ‘Seelenduft’ – eine Art Botschaft, die natürlich nicht an mich gerichtet war, der ich mich aber auch nicht entziehen konnte.

Ich kam mir fast vor wie ein Radio, das eine ganze Menge von Sendungen gleichzeitig empfängt, ohne eine einzelne auswählen zu können. Um ehrlich zu sein, war der Eindruck, den ich dabei gewann, eher unangenehm. Schon bald wurde mir klar, dass mein Zustand mich mit dem Inneren meiner Schlafgenossen in Berührung brachte … also gleichsam mit den ‘psychischen Blasen’, die ihr Schlaf bewirkte.

Dieses Durcheinander von Stimmungen und Schwingungszuständen bewirkte einen Missklang, von dem mir fast schlecht wurde. Das war mir fremd. Ich wäre am liebsten sofort in meinen Körper zurückgekehrt. Die ‘Schwingungsräume’ waren nicht nur von wirren Gedanken und Bildern erfüllt, sondern auch von Gefühlen und Triebimpulsen – aufs Ganze gesehen ein Flickenteppich bar jeglicher Harmonie.

Als ich gerade so gelassen wie möglich in meinen schmerzenden Körper auf der Matte zurückkehren wollte, zogen auf einmal leise Klagelaute meine Aufmerksamkeit auf sich … wieder und wieder … Mit meinen Seelenaugen blickte ich um mich.

Die Klänge kamen von einer Frau aus dem Abendland. Sie mochte etwa vierzig Jahre alt sein. Als ich mich ihr näherte, sah ich ihr Gesicht. Es lagen darin Freude und Sorge – im Wechsel. Sie träumte natürlich … Die ‘Seelen-Innenlandschaften’, die sie in den Tiefen ihres Bewusstseins aufspürte, ließen sich an ihrem Mienenspiel ablesen.

Erneut wollte ich zu meinem Körper zurückkehren. Doch ein machtvoller Ruf aus meinem Inneren hielt mich zurück. Es war ein Appell, fast schon ein Befehl: “Steig auf … steig auf!”

Aufsteigen? Aber wohin? Darauf bekam ich keine Antwort, begriff jedoch intuitiv, dass ich mich von der Silberschnur leiten lassen sollte, die aus der Bauchgegend der Träumenden aufwärts führte. Diese Schnur war recht dick und vibrierte stark – Zeichen einer intensiven psychischen Aktivität.

Nun gut, ich ließ meinen Seelenkörper langsam parallel zu ihr emporgleiten. Es war ein Leichtes, das Dach der Scheune zu erreichen und zu durchdringen. Alsbald befand ich mich unter einem hinreißenden Sternenhimmel. Einen Augenblick verweilte ich voller Staunen. Dann nahm ich wieder die Silberschnur wahr, der ich gefolgt war. Sie stieg noch etwas weiter in die Lüfte und mündete schließlich in einen sanften, reich flirrenden Nebelschwaden. Das war zweifellos der Seelenleib der träumenden Frau.

Mit größtem Respekt erlaubte ich mir, mich ihm weiter zu nähern, folgte also meiner Intuition, die mich noch immer beflügelte, auch wenn ich nicht wusste, was von mir erwartet wurde.

Da wurde ich blitzartig vom Strahlen dieser Seele magnetisch angezogen. Es war wiederum ein Appell … und ich folgte ihm. Er war so stark, dass ich flugs in sie hineingezogen wurde. Einen Augenblick lang sah ich die zusammengekauerte Gestalt der Träumenden vor mir – dann erschien mir ihr Blick – ganz offen und weit.

Die Erforschung eines Traums

Und was geschah weiter? Das ist schwer zu sagen … es ging alles so schnell. Vor allem das Gefühl, in einen Strudel aus milchigem Licht geraten zu sein, ist mir noch inne. Und dann war ich plötzlich in einer anderen Welt. Ich begriff sofort, das es nicht ‘meine Welt war’, ich mich ihr aber anpassen musste, um als Beobachter in sie einzudringen … und zu versuchen, zu verstehen. Ich befand mich in einem kleinen Hinterhof mit einem Betonboden. Er gehörte zu einem Haus aus Ziegelsteinen und war von einem Gitter umgeben, durch das Blätter- und Astwerk der Sträucher vom Nachbargrundstück hereinragten. Vielleicht war dort ein Garten oder ebenfalls ein Hof.

Außerdem kauerte da ein kleines Mädchen. Auf dem Boden lagen ein paar Puppen und ein Blechauto. Sie schaute einen kleinen Jungen an, der seine Finger durch das Gitter zu ihr hinstreckte. Alle beide wirkten wie sehr ernsthafte Erwachsene, die sich gut kannten, es sich aber nicht eingestehen wollten.

Zuerst sah ich das Mädchen an. Sie schmollte. Dann schaute ich wieder zu dem Jungen … doch er hatte sich auf einmal in einen Jüngling verwandelt, der wütend am Zaun rüttelte, als wolle er ihn einreißen und herüberkommen. Seltsamerweise wunderte ich mich überhaupt nicht über diese Verwandlung. An dem Ort, in den ich eingedrungen war, wirkte sie völlig plausibel.

Auch das kleine Mädchen nahm auf einmal eine andere Gestalt an – und auch das erschien mir nur natürlich. Als ich sie wieder mit meinen Seelenaugen anblickte, hatte sie sich in eine junge Frau verwandelt – und die Umgebung mit ihr. Sie stand an einer Türschwelle und stieß den kleinen Jungen, der nun ein junger Mann war, körperlich zurück. In ihren Augen lag eine Mischung aus Verachtung und Lust am Spiel … Da sah ich, wie der junge Mann langsam durch die Allee eines Gartens fortging … Die Blätter der Bäume begannen zu fallen, wie Wassertropfen. Genau in diesem Moment hatte ich wieder das Gesicht der jungen Frau vor Augen. Es war gealtert. Ihre Augen waren voller Tränen und ihre Lippen haschten verzweifelt nach den Lippen eben jenes jungen Mannes, der selbst keine einzige Falte zu haben schien. Ein Schleier von Tränen war zu sehen … und mir wurde klar, dass ich hier, in diesem ‘Raum’, der mir doch fremd war, nichts mehr zu suchen hatte.

Es überlief mich ein kalter Schauer – dann war mit einem Schlag alles verschwunden. Ich ‘schwebte’ wieder im Licht, leicht oberhalb von meinem Körper, musste also nur noch in meine leibliche Hülle hineinschlüpfen. Schon wenige Sekunden später tat ich es – und war glücklich darüber.

Da war also wieder unser Schlafsaal … mit seiner erstickenden Hitze und eindringlichen ‘Symphonie des Schnarchens’. Ich hörte, wie jemand aufstand, um zur Toilette zu gehen und von rechts drang zwischen abgehackten Atemstößen ein unterdrücktes Schluchzen zu mir.

Ich richtete mich ein wenig auf, stützte mich auf die Ellenbogen und versuchte, die Dunkelheit mit Blicken zu durchdringen. Daran erinnere ich mich noch. Wahrscheinlich spürte ich, dass die Unbekannte und ihr Traum irgendwo in der Nähe waren … Der Traum war wohl zu Ende, hatte aber einen alten, längst verdrängten Schmerz in ihr aufgerührt. Über dieses ungewöhnliche nächtliche Erlebnis, bei dem ich wie ‘ferngesteuert’ ins Innerste einer anderen Seele einzudringen vermochte, sprach ich mit niemandem. Monatelang trieb mich die Frage um, wieso es überhaupt stattgefunden hatte. Wie sollte ich das nur deuten? Es war ja ganz spontan und unwillkürlich aufgetreten. Was wollte ‘man’ mir damit sagen, was sollte ich daraus lernen?

Die Dimension des Traums

Oftmals braucht es Zeit, bis unsere Fragen beantwortet werden, so auch in diesem Fall. In den beiden Jahren, die auf dieses Ereignis folgten, hatte ich mehrfach ähnliche Erlebnisse, allerdings in ganz anderem Zusammenhang. Erst ihr gehäuftes Auftreten führte mich schließlich zu einer tieferen Einsicht in den Begriff ‘Dimension des Traums’.

Nicht jeder hat Gelegenheit, Bewusstseinszustände zu erfahren, die über unsere alltägliche Wahrnehmung hinausgehen oder gar ‘übersinnlich’ sind – überhaupt haben nicht alle Menschen das Bedürfnis danach. Die Dimensionen des Traums aber kennt jeder.

Das Wort ‘Dimension’ ist in diesem Zusammenhang gewiss nicht zu stark. Aus diesem Grund war mir daran gelegen, das Thema so ausführlich zu behandeln, bevor ich euch einlade, mich bei meinem weiteren Forschungen zu begleiten. Fragt doch einmal in eurem Umfeld nach, was Leute mit dem Wort ‘Traum’ verbinden. Bestimmt wird dabei ganz schnell der Begriff des Imaginären fallen. Vielleicht bekommt ihr auch etwas von ‘diffusen, nebelhaften Regionen des Unbewussten oder Unterbewussten’ zu hören. Damit glaubt man, die Sache erschöpfend behandelt zu haben, ist in Wahrheit aber völlig an der Frage vorbeigegangen. Den eigentlichen Ursprung des Traums hat man nämlich völlig außer Acht gelassen … Dieser aber liegt im Bewusstsein selbst.

Die Einsichten, die ich euch hier vorlege, sind keineswegs endgültig oder gar dogmatisch gemeint. Sie gehen auf langjährige Erfahrungen und zahllose Einzelbeobachtungen zurück, erheben also keinen Anspruch auf Vollständigkeit … schon allein, weil unsere Bewusstseinsfelder sich ständig erweitern.

Im Folgenden möchte ich einige Beiträge zu einem verborgenen Aspekt unseres Lebens liefern, nämlich zu den Themen Schlaf und Traum. Sie basieren auf Erlebnissen, zu denen ich im Rahmen außerkörperlicher Erfahrungen ganz spontan Zugang hatte.

Viele werden es schon wissen, oder ahnen, doch es kann nichts schaden, es noch einmal zu sagen: Wenn wir einschlafen, verlässt der ‘Astralleib’ – eine feinstoffliche Dimension unseres Seins, die man auch Seele oder Bewusstsein nennt – unseren Körper, bleibt aber durch die ‘Silberschnur’ mit ihm verbunden wie mit einer Nabelschnur. Das hatte ich ja bereits erwähnt.

Dabei löst sich der Lichtkörper in Abhängigkeit von unseren Lebensumständen und unserer Gesundheit mehr oder minder vollständig vom physischen Leib. Es kommt ganz darauf an, was uns gerade beschäftigt und welche Fantasien, verdrängten Erlebnisse oder Ängste uns umtreiben.

Bei den meisten Menschen entfernt sich die Seele – der Astralleib – nur wenige Meter vom Körper. Das reicht völlig aus. Es geht nur darum, etwas Abstand von der materiellen Welt zu bekommen.

Indem der physische Köper auf natürliche Weise stillgelegt ist, kann die Seele in einen Schwingungszustand eintauchen, der ihrer Natur eher entspricht. Sie kann dort gleichsam aufatmen und sich erholen. Das ist für ihr inneres Gleichgewicht unabdingbar.

Der Raum, in dem sie sich nun befindet, ist reich an Akasha und Prana4. Dies sind die beiden Grundbaustoffe unseres Universums, gleichsam die Ziegelsteine und der Mörtel …

Inmitten dieser feinstofflichen Umgebung kann unser ‘Bewusstseinsleib’ wieder auftanken und ‘seelische Nahrung’ zu sich nehmen. Zugleich lädt er psychischen Ballast ab und erleichtert sich von den zuweilen schweren Lasten, die er im Alltag mit sich herumschleppen musste.

Was wir Traum nennen, ist der Ort, an dem dieser grundlegende energetische Austausch stattfindet. Er ist unabdingbar für unsere Existenz.

All das ist natürlich schon weitgehend bekannt. Weniger vertraut sind die meisten Menschen mit der Frage, wie der Traum entsteht und wie seine Welt im Einzelnen aussieht. Im Hinblick auf weitere Erkenntnisse unseres geistigen Wesenskerns, kann es von großem Nutzen sein, in diesen Bereich vorzudringen.

Das Wesen des Traums

Materielle Verfasstheit und physikalische Gesetze unseres Universums basieren auf einem völligen Gleichgewicht zwischen Prana und Akasha. Die materielle Welt, wie sie uns entgegentritt, ist also aus der Verbindung dieser beiden ‘Lichtphänomene’ hervorgegangen. Sobald das Gleichgewicht im Verhältnis zwischen Akasha und Prana sich verschiebt, entsteht ein neues Schwingungsfeld, eine andere Ausdrucksform des Lebens. Entsprechend gibt es viele unterschiedliche Schwingungsfelder, also ‘Pläne’, nach denen das Leben abläuft. Sie folgen alle ganz eigenen Gesetzen und beinhalten eine je spezifische Auffassung von Wirklichkeit.

Wenn der Astralleib während des Schlafes den Körper verlässt, begibt er sich in ein solches Schwingungsfeld. Es ist die erste Ebene des Lebens, welche der Seele zugänglich ist. Sie enthält Teile des Akasha, die dem Prana übergeordnet sind. Dadurch ist es empfänglicher für die psychische Energie des Bewusstseins und stärker durch sie formbar als im Wachzustand.

Da ich seit über dreißig Jahren in diese Regionen einzudringen vermag, möchte ich darauf hinweisen, dass sich all diese Schichten nochmals in eine Vielfalt an ‘Schwingungszonen’ unterschiedlichster Sensitivität auffächern. Es gibt also unzählige Ebenen, auf denen Leben zum Ausdruck kommt und erfahrbar wird.

Doch zurück zur ersten Region, die der menschlichen Seele zugänglich ist, zum Traum …

Ich hatte Gelegenheit, in die Träume einiger Mitmenschen einzudringen, da ich vom Leben dazu eingeladen wurde. Dabei wurde mir zunehmend klar, dass die Traumwelt mit ihrer Ausstattung und den darin erscheinenden Figuren eine Art Hologramm ist, das vom Bewusstsein des Schläfers erschaffen wird. Dennoch kann es sehr substantiell und in sich stimmig sein. Ich neige dazu, es mit modelliertem Licht zu vergleichen, das wie eine Skulptur in die von der Aura der Schläferseele geformte ‘psychische Blase’ eingesetzt wird.

Das dabei entstehende ‘Universum’ entspringt dem Innenleben des Träumers. Insofern ist es in jeder Hinsicht ‘unendlich’. Jeder Traum ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine Schöpfung. Man kann sich darin bewegen, kann ‘Figuren’ und Orte erschaffen und diese nach Maßgabe unseres Bewusstseinsgrades konkret ausgestalten. Der Traum setzt also eine ‘Gestalt’ heraus, welche das Bewusstsein gebildet hat, und macht sie sichtbar.

Anders als oft angenommen, läuft er nicht einfach wie ein Film im Menschen ab. Er ist vielmehr die Projektion einer Facette seines Innenlebens in den Schwingungsraum seiner Seele. Damit ist er ein ganz eigenes Universum, das den Gesetzen der Seele gehorcht, die ihn erschaffen hat.

Es ist eine lebendige Welt mit sehr konkreten eigenen Wertvorstellungen und Normen, in die man auch andere Seelen einladen kann.

Doch nun zurück zu jener Nacht in Indien, von der ich vorhin erzählte. Als am nächsten Morgen die Leute nach und nach aus dem Schuppen kamen, traf ich an der Tür zufällig die Frau, zu deren Traum ich Zugang gehabt hatte. Einen Augenblick lang begegneten sich unsere Blicke … Ich wollte einfach weitergehen, sie aber sprach mich zögerlich auf Englisch an, entschuldigte sich und fragte, ob wir uns nicht schon einmal irgendwo begegnet seien. Sie wisse zwar nicht mehr wo, sei sich aber fast sicher. Am liebsten hätte ich geantwortet: “Ja, heute Nacht in einem umzäunten Hof” – wagte es aber nicht.

Diese kurze Begegnung war der erste Beweis, der mir ganz persönlich zuteil wurde, für die Richtigkeit meiner oben geäußerten Vermutung. Ein Traum ist also viel mehr als ein bloßes Trugbild. Gewiss – er ist eine flüchtige Welt, welche die Seele als Ausdrucksform innerer Erlebnisse aufbaut und wieder auflöst. Zugleich aber hat er höchst konkrete Anteile – wenn auch nicht im unmittelbaren Sinne unserer ‘Wirklichkeit’. Er folgt lediglich anderen Gesetzmäßigkeiten als unsere Alltagsrealität.

Wenn man im Traum einen Tisch, eine Pflanze, ein Tier – oder einen Menschen berührt, so berührt man ihn wirklich, denn unsere Seele hat ihn aus sich herausgesetzt und direkt dem Lichtraum ihres Schwingungsfeldes eingeschrieben.

Es fällt dem menschlichen Geist ganz leicht, von einem Gedanken zum nächsten überzugehen und mal von diesen, mal von jenen Gefühlen erfüllt zu sein. Außerdem haben wir ein hervorragendes Gedächtnis. Es ist also nur einleuchtend, dass im Traum auftretende Personen und Umstände eine unmittelbare Folge unserer Empfindungen sind. Der menschliche Geist ist genuin schöpferisch. Allem, was ihn beschäftigt, verleiht er Form und Gestalt, seinen Hoffnungen und Ängsten, Hemmnissen und Gefühlen, seiner Freude, seiner Reue – allem haucht er Leben ein. Das wird auf einer bestimmten Frequenz des Lebens konkret greifbar – und zwar auf jener Schwingungsebene, mit welcher sich der Astralleib, also der Bewusstseinsleib im sogenannten REM-Schlaf oder Traumschlaf verbindet.

Diese Schlafphase dauert bei Menschen etwa 90 Minuten. Mit ihr habe ich mich vor allem beschäftigt, sofern das Leben mir Gelegenheit dazu gab.

Die Bedeutung der Chakren in den verschiedenen Traumphasen

Aufgrund dieser Beobachtungen kam ich zu dem Schluss, dass beim Menschen mindestens zwei Chakren zusammenwirken müssen, damit ein Traum entstehen kann – sich also in der Schwingungsblase der Seele ein Hologramm verdichtet. Inzwischen ist mir klar, dass die Art des Traumes von Weise und Wirkung der jeweils beteiligten Chakren abhängt.

Ein Chakra ist bei der Traumentstehung immer beteiligt, ganz unabhängig von der Person und den Umständen – und zwar das sechste. Es wird zu Recht auch ‘drittes Auge’ genannt.

Vom Austreten des Astralleibes scheint es unmittelbar stimuliert zu werden – mehr oder minder intensiv, in Abhängigkeit von der Schlafphase. Der Traumschlaf ist die intensivste Phase. In ihr setzt das sechste Chakra eine bestimmte Schwingung frei. Sie wird nun von dem Chakra aufgenommen, welches am empfänglichsten dafür ist. Dies ist meist auch gerade am aktivsten. Im Prinzip kommt außer dem siebten jedes dafür infrage … Damit hat es nämlich eine bestimmte Bewandtnis, auf die wir später zu sprechen kommen.

Nach meiner Beobachtung sind meist das zweite, dritte oder vierte Chakra am empfänglichsten für die vom sechsten ausgehende Energiewelle. Meist ‘antwortet’ nur ein Chakra, manchmal zwei, im Ausnahmefall auch drei.

Mit ‘antworten’ meine ich, dass ein entsprechender Energieimpuls ans sechste Chakra zurückgesandt wird … das wiederum Antwort gibt … und so weiter. Auf diese Weise entsteht ein von beiden Chakren hervorgerufener Wellenzug. Er entscheidet über die Art des entstehenden Traumes. Dabei scheint das sechste Chakra für die Entstehung des Hologramms selbst verantwortlich zu sein, während die anderen über den Inhalt bestimmen – die Schwingungsfrequenz, also die ganze Palette an Gefühlen, Stimmungen und Instinkten. Antwortet nun das zweite Chakra, wird der Traum von triebhaften Seiten der Persönlichkeit geprägt sein. Das ist nur naheliegend. Antwortet hingegen das dritte Chakra, so wird der Traum mit Affekten und Emotionen zu tun haben, im Falle des vierten Chakras, des Herzchakras, werden Situationen auftreten, die überwiegend gefühlsbetont sind. Freilich können sich im Laufe eines Traums verschiedene Phasen abwechseln. Das ist mir aufgefallen. Entsprechend können die genannten drei Chakren jederzeit in beliebiger Reihenfolge hereinwirken und die Welt formen, welche der Träumer in sich entstehen lassen muss.

So war es auch in dem erwähnten ‘indischen Traum’. Auch dort ließ die Frau, die ihn erlebte, zunächst ihre affektive Seite sprechen und beschwor eine wichtige Szene ihrer Kindheit herauf. Dann kamen Liebesgefühle zu Wort. Sie ließ den kleinen Jungen aus Kinderzeiten als Erwachsenen auftreten und stellte sich eine Szene aus der Vergangenheit vor Augen, in der sie seine Avancen zurückwies … Das schien sie später bereut zu haben. Darauf weisen die Auflösungserscheinungen in der Umgebung hin. Plötzlich fallen die Blätter von den Bäumen. Sie gemahnen an die Kraftlosigkeit eines ‘Seelenherbstes’.

Im letzten Teil des Traumes ist der libidinöse Aspekt bestimmend. Die Träumerin erschafft das Hologramm eines Kusses … der ihr jedoch nicht zuteil wird. Darin lässt sich eine Art Selbstbestrafung sehen. Sie scheint nun bitter zu bereuen, eine Gelegenheit verpasst zu haben. Sie ist gealtert, das Gesicht des Mannes jedoch unverändert jung wie einst. Das verweist auf die Kluft zwischen ihrem Selbstbild und dem Idealbild des Geliebten, den sie damals abwies.

In der allerletzten Szene war wohl wieder das Herzchakra aktiv. Es fließen Tränen. Schließlich überträgt der Körper die Überfülle an Schmerz in einen Weckreiz.

Die Frau erwachte abrupt aus tiefem Schlaf, erinnerte sich also bestimmt noch an alles, was sie im Traum erschaffen hat. Das ist fast immer der Fall, wenn Träume in der REM-Phase unterbrochen werden. Sie bleiben einem dann sehr lebhaft in Erinnerung. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Frau mich ‘erkannt’ hat, auch wenn sie mich nicht mit ihrem Traum in Verbindung bringen konnte.

Eine unbekannte Kraft hatte mich dazu gebracht, in eine Schöpfung ihres Bewusstseins einzudringen. Sie hatte meine Anwesenheit zweifellos gespürt, mich aber nicht erkannt, da ich völlig neutral geblieben war.

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9783898456852
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