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Carrie Fox

Anstandsfesseln

– ein erotischer Roman –


www.Elysion-Books.com


Carrie Fox

ANSTANDSFESSELN


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ELYSION-BOOKS

1. Auflage: Juni 2017

VOLLSTÄNDIGE AUSGABE

ORIGINALAUSGABE

© 2017 BY ELYSION BOOKS GMBH, LEIPZIG

ALL RIGHTS RESERVED

UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleiner

www.dreamaddiction.de FOTO: © Bigstockphoto/

LAYOUT &WERKSATZ: Hanspeter Ludwig

www.imaginary-world.de LEKTORAT: Inka-Gabriela Schmidt www.inwisch.de

ISBN (vollständiges Ebook) 978-3-96000-0631

ISBN (vollständiges Buch) 978-3-96000-0624

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Inhalt

DIE ZWILLINGE

ZUCKERWATTE UND ACHTERBAHN

LUST UND ENTTÄUSCHUNG

DIE FATA MORGANA

WILLKOMMEN IN DER VIRTUELLEN WELT

DIE VERLORENE TASCHE

DAS WUNDERSPIELZEUG

GEHEIME GEWALT

WIE EIN MAGNET

DIE ENTFÜHRUNG

ALLES WIRD GUT

LIEBE IST FÜR ALLE DA


DIE ZWILLINGE

Vanessa hielt ein kleines Holzschild in der Hand. Es war etwas schmaler als ein Briefumschlag, mit abgerundeten Ecken und weiß lackiert. Auf ihm geschraubt befanden sich drei Zierhaken aus Chrom. »home« stand in geschwungener Schrift über den Haken. Beim Shopping hatte sie diese auffallend gut verarbeitete Schlüsselleiste gefunden. Sie hatte verdeckt in einem Stapel voller Kleinteile auf dem Wühltisch eines Kaufhauses gelegen. Es war ein Schnäppchen, ein günstiges Kleinod. Es würde sich gut in ihrem Flur machen. Der Schriftzug vermittelte ihr so etwas wie ein Gefühl, das sie beibehalten musste. »Home« … es war ihr Zuhause und die Geborgenheit galt es, als heimelige Empfindung festzuhalten. Sie wusste schon genau, wo sie es hinhängen wollte und hatte alles vorbereitet. Sie legte das Schild auf den Boden und nahm Ingos Bohrmaschine in die Hand. Das Teil wog schwer wie ein gefüllter Bratentopf, zum Glück war die Maschine handlicher. Dann setzte sie den Bohrer an. Das laute Aufheulen der Maschine kam einem startenden Porsche gleich und ließ ihre Fingerspitzen prickeln. Vorsichtig und zitternd probierte sie, in die Wand zu kommen und rutschte prompt ab. Mist, sie hatte die Wandoberfläche beschädigt. Ein kurzer, schräg verlaufender Kratzer war entstanden. Gottseidank verdeckt das Schlüsselbrettchen den Schaden auf der Wand, dachte sie und beschloss, sich mehr ins Zeug zu legen. Sie verstärkte den Druck ihrer Hände, stemmte sich mit aller Kraft gegen die Maschine und der Bohrer drang mit lautem Getöse in die Wand ein. Das Gerät machte so einen Lärm, dass es heftig in Vanessas Ohren dröhnte. Die Vibration durchdrang ihren Körper und ihre Oberarme, so dass es in ihren Fingern kribbelte. Roter Staub rieselte aus dem darunterliegenden Ziegelmauerwerk zu Boden. Glücklicherweise musste sie nur zwei Löcher bohren.

Selbst ist die Frau, dachte sie. Vanessa hatte die ersten Bohrlöcher ihres Lebens vollbracht und fühlte sich wie ein Sieger. Sie lächelte zufrieden und betrachtete die gebohrten Schraubenkanäle in der Wand. Jetzt musste sie nur noch zwei Dübel hineindrücken und die passenden Schrauben mit dem Täfelchen hineindrehen und fertig war ihr erstes, eigenes Werk. Ingo hätte sowieso keine Zeit gehabt, ihr beim Bohren zu helfen. Er war viel zu beschäftigt mit seiner eigenen Arbeit. Eigentlich wollte Vanessa zunächst eine Firma beauftragen oder den Hausmeister fragen, aber sie verwarf diesen Gedanken schnell wieder. Engagieren und bezahlen, das konnte schließlich jeder. Nein, diese Arbeit, die sie mit ihren eigenen Händen geleistet hatte, sollte etwas sein, das Ingos fehlende Zuwendung ersetzen konnte. Sie wollte alleine etwas fertig bringen, was ihr das Gefühl gab, gebraucht zu werden. Noch einmal betrachtete sie das weiße Schlüsselbrettchen an der Wand und fühlte sich richtig gut.

Ihre Gedanken schweiften zurück zu Ingo. Er konnte sicher nichts dafür, dass er in seiner Arbeit versank, doch Vanessas Liebebedürfnis verkümmerte dabei. Sie fühlte sich vernachlässigt, obwohl sie ihn liebte. Vielleicht wäre es ein guter Ausgleich, mit der Verschönerung der Wohnung zu beginnen? Sie brauchte etwas, das ihr Freude und Befriedigung gab, wenn sie sich allein gelassen fühlte.

Vanessa holte klappernd den Staubsauger aus der Abstellkammer, um den Mauerdreck zu entfernen. Der rote Schmutz wurde aufgesaugt, als sie sich mit dem Rohr näherte. Dann räumte sie das Gerät zurück, trat beiseite und begutachte ihr Werk voller Stolz. Es war gar nicht so schwer, wie sie am Anfang gedacht hatte. Sie ließ ihren Blick über die Wände und die Einrichtungsgegenstände schweifen. Zwei große Fotos hingen an der Längsseite. Eines zeigte Vanessa und Ingo auf einer Sommerterrasse. Die Strahlen der untergehenden Sonne hatte sie in ein warmes Licht getaucht. Sie saßen, sich wie Kumpel umarmend, die Köpfe seitlich aneinander gelehnt, nebeneinander und lächelten in die Kamera. Es war ihr letzter schöner Urlaub in Spanien gewesen. Wie lange das her war … . Sie vermisste die Augenblicke der Zweisamkeit mit ihm. Traurig seufzte sie. Am Anfang ihrer Partnerschaft waren sie und Ingo jedes Jahr in den Urlaub geflogen, in den letzten zwei Jahren hatte er jedoch keine Zeit mehr aufbringen können.

Das andere Bild zeigte Vanessa mit ihrer Zwillingsschwester Viola, als sie noch klein waren und Hand in Hand in süßen Kleidchen auf einer Blumenwiese standen. Viola sah Vanessa äußerlich in keiner Weise ähnlich. Sie war dunkelhaarig mit braunen Augen und Vanessa blond mit blauen Augen. Jede von ihnen hatte andere Wesenszüge. Viola war schon damals eine vorlaute Göre, während Vanessa schüchtern war. Manchmal dachte Vanessa, Viola sei nicht ihre Zwillingschwester, sondern stammte von anderen Eltern. Und doch war es so … Sie konnten es beide fühlen. Die tiefe Verbundenheit, das Spüren, wenn die Andere nicht gut drauf war. Wenn Eine krank war, fühlte sich auch die Andere nicht gut und oft hatten sie den gleichen Gedanken zur selben Zeit. Leider war Viola kein Kerl, den man heiraten und liebhaben konnte. So wie Ingo. Früher hatte er diese Fähigkeit auch gehabt, zu spüren, wenn es ihr nicht gut ging, aber das war mindestens so lange her, wie der Urlaub.

Vielleicht würde eine Veränderung der Wohnung auch eine Veränderung in ihren Wahrnehmungen bedeuten und sie könnte mit Ingo wieder glücklich werden. Doch genug von vergangenen Zeiten geträumt. Vanessa sah sich im Flur um. Wie der überhaupt aussah! Das Regal neben dem Spiegel war verkratzt, weil Ingo immer seinen Schlüsselbund dort hin warf. Es war eine Unart von ihm, seine Schlüssel dort hinzuschmeißen. Immer wieder ärgerte sie sich darüber. Doch jetzt konnte er sie ordentlich aufhängen, damit es aufgeräumt aussah. Das Schlüsselbrettchen passte perfekt in den Flur. Es war nicht zu groß, aber unübersehbar. Seine weiß lackierte Oberfläche harmonierte mit der weißen Haustür und der lindgrünen Wandfarbe. Die Chromhaken passten gut zur Deckenlampe, die in hellem Silber strahlte. Am liebsten würde Vanessa noch einen neuen Schuhabstreifer kaufen und einen modernen, schmalen Schuhschrank in Weißlack. Warum eigentlich nicht? Der Flur hatte, seit sie hier eingezogen waren, nichts Frisches mehr an Einrichtungsgegenständen gesehen. Wenn sie genau hinsah, konnte sie die abgewetzten Stellen an der Wand erkennen, wo ihre Schuhe standen und wo Ingo und sie die Jacken und Mäntel hingehängt hatten. Die Wand sah abgenutzt aus. Sie müsste gestrichen werden. Eine neue Garderobe wäre auch nicht schlecht. Vielleicht mit einer ebenso weißglänzenden Oberfläche. In Gedanken malte sie sich einen hübschen Eingangsbereich aus, mit einer anderen Farbe und einem neuen Design. Sie wollte, dass die Dinge farblich gut aufeinander abgestimmt und ausgewählt wurden. Die Bilder ließen sich bei dieser Gelegenheit bestimmt in einen passenderen Rahmen bringen. Neues zu schaffen gäbe ihr mit Sicherheit ein gutes Gefühl. Eins, dass sie glauben ließe, dass es ihr gehörte. Ihr allein, denn sie hatte es entworfen und eingerichtet. Was Ingo wohl dazu sagen würde? Zustimmen oder meckern? Bisher hatte er ihr eine freie Hand gelassen, wenn es darum ging, den Haushalt zu führen und hier und da einen Gegenstand zu kaufen. Aber diesmal ging es um etwas Größeres. Freute er sich über eine kleine Veränderung? Oder lehnte er es ab? Vielleicht war es ihm egal, weil er sowieso keine Zeit für sein Zuhause hatte? Leider würde es nichts daran ändern, dass er die Zeit nicht mehr aufbrachte, es könnte jedoch wenigstens seine Stimmung aufhellen. In letzter Zeit sah er abgespannt und bedrückt aus. Ach, wenn er doch mit aussuchen könnte, was die Möbel anging. Früher waren sie oft shoppen gegangen und hatten gemeinsam Sachen ausgesucht. Sehnsuchtsvoll dachte Vanessa an die Zeit zurück, in der sie zusammen gezogen waren und alles miteinander gekauft hatten. Aber heute war alles ganz anders.

Sie seufzte und beschloss trotzdem den Flur in einem leichten, sonnigen und freundlichen Gelb zu streichen. Es würde einen sommerlichen Flair in den Flur bringen und schlechte Launen vertreiben.

Den Haushalt hatte sie für heute erledigt. Bis Ingo nach Hause käme, hatte sie noch genügend Zeit, sich in einem Einrichtungshaus umzusehen. Sie wollte nicht bis morgen warten und musste ihre sprudelnden Ideen in ihrem Kopf ausschöpfen und zu realisieren versuchen. Im Möbelgeschäft gäbe es sicher tausend Möglichkeiten … Sie stieg in ihre Sportschuhe, schwang ihre dünne Sommerjacke über die Schultern und warf einen letzten Blick in den Spiegel. Nicht, dass sich noch Bohrstaub in ihrem Gesicht befände. Nein, sie hatte sauber gearbeitet, in ihren blonden Haaren fand sich kein Stäubchen. Sie fuhr mit der linken Hand dem Scheitel entgegen gesetzt durch das Haar und schüttelte ihre Frisur auf, so dass die langen, blonden Haare schön über ihre Schultern fielen. Sie griff nach ihren Schlüsseln, nahm den Geldbeutel an sich und verschwand durch die Haustür.


»Mareike, bringen Sie mir bitte die Akte Greiner gegen Autohaus Ballhoff.« Ingo hielt den Zeigefinger auf die Taste der veralteten Sprechanlage, die ihn mit der Dame im Vorzimmer verband.

»Ist sie beziffert?«, kam prompt die Antwort.

»Nein, ich hatte keine Zeit, Sie müssen nach dem Namen suchen.«

»Ach, Herr Hohenstein! Sie sollten sich angewöhnen, fortlaufende Nummern für ihre Fälle auf die Ordner zu schreiben.«

»Jaja, Sorry, das habe ich nicht mehr geschafft.«

Ingo wandte sich erneut seiner Arbeit am PC zu. Er musste noch mehrere Anschreiben erledigen und einige wichtige Dokumente ausdrucken. Kurze Zeit später klopfte es, die Tür ging auf und Mareike trat mit einem dicken Leitzordner ins Büro. Sie schob den Anrufbeantworter beiseite und legte die Akte auf einen Beistelltisch.

»Herr Hohenstein, Sie haben ja immer noch keinen Platz gemacht.« Sie verzog den Mund und schüttelte leicht den Kopf. Anscheinend verstand sie nicht, dass Ingo zu viel anderes zu tun hatte, als auch noch seinen Schreibtisch aufzuräumen.

»Danke, Mareike«, antwortete er kurz und knapp zurück und machte eine wedelnde Handbewegung. »Sie können gehen.«

»Tsss«, hörte er sie zischeln, bevor sie die Bürotür hinter sich schloss.

Sie hatte ja Recht, aber Ingo konnte kaum noch dagegen ankommen. Jeglicher Papierkram stapelte sich mit der Zeit zu einem unordentlichen Haufen, so dass auf dem Schreibtisch keine Ablagemöglichkeit mehr war. Mitunter suchte er Dinge, die er selbst nach dem Umschichten der Stapel nicht mehr fand. Ja, er war schlampig geworden in letzter Zeit. Mit der gestrigen Post kam ein Antrag auf Verteidigung wegen eines Schadens an einem Sportauto. Es gab keine Verletzten. Er schüttelte missbilligend den Kopf. Kleinigkeiten wie diese machten die meiste Arbeit. Akten. Gespräche. Gerichtstermine. Botenfahrten. Der Stress ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Wie schön wäre es, wenn er sich am Wochenende ausruhen könnte, wie andere Leute es auch taten. Wie gern würde er mit Vanessa etwas Schönes unternehmen. Doch sein Arbeitspensum ließ ihm keine Ruhe. Er nahm wöchentlich viel Arbeit mit nach Hause, die er nicht aufschieben konnte.

Ingo seufzte und lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück. Er betrachtete den Fotorahmen mit dem Bild seiner Frau. Vanessa… Ihr schönes, langes Haar umrahmte ihr Gesicht. Auf dem Foto sah sie über die rechte Schulter, schien ihr Kinn darauf abgestützt zu haben und die blonden Haare fügten sich der Körperdrehung, lagen harmonisch in einem geschwungenen Bogen über der Schulter. Ihre wunderschönen Augen sahen ihn direkt an. Der Hintergrund war schwarz, sodass ihr Gesicht, die goldenen Haare und die strahlend blauen Augen besonders gut zur Geltung kamen. Sie hatte ihm das rot gerahmte Foto zu ihrem gemeinsamen ersten Hochzeitstag geschenkt und nun stand es auf seinem Bürotisch. So hatte er seine Frau immer im Blick. Er lächelte das Bild an, nahm es, streichelte leicht über das Gesicht hinter der Glasscheibe und setzte einen angedeuteten Kuss darauf.


Viola schleuderte ihren kastanienbraunen Wuschelkopf im Takt der Musik hoch und runter. Sie tanzte durch ihr Wohnzimmer und jauchzte voller Lebensfreude.

»Ach wie schön ist es, frei und ungebunden zu sein. Ich kann tun was ich will. Niemand fragt, warum ich gehe und wie lange ich weg bleibe. Und das Beste ist, dass keiner wissen will, wohin ich gehe«, sagte sie zu sich und grinste schelmisch. Sie hatte neongrünen Kopfhörer auf und stellte die Musik lauter. Ihr Lieblingssong erklang. Sie tanzte zu den heißen Rhythmen. Niemand sah ihr beim Herumhopsen zu. Sie war allein und freute sich darüber, dass sie seit ein paar Monaten ohne festen Partner war. Ihre neu gewonnene Freiheit war das Beste, was ihr jemals passiert war und ein Grund zur Dauerfreude. Sie wollte sie genießen und viele verschiedene Männer kennen lernen. Ihre Charaktere erforschen, ihr Verhalten und natürlich wie sie im Bett waren. Sie wollte sich austoben und sich die Männer schnappen, die ihr gefielen. Die Welt stand ihr offen und sie beschloss, alles mitzunehmen, was sich ihr an Gelegenheit bot. Es mochte in den Augen anderer schlampig und sexistisch sein, doch Viola war das egal. Sie war ungebunden und plante, alles auskosten, ohne sich zu binden. Sie war der festen Meinung, sie als freie Frau dürfe das Spiel bis in die Unendlichkeit treiben.

Das Lied war zu Ende. Sie zog den Kopfhörer ab und ließ sich erschöpft in den Sessel fallen. Sie zählte in Gedanken die Männer, die sie seit dem vernascht hatte. Bisher waren es vier. Allesamt kannte sie aus dem Internet. Was täte sie nur ohne die virtuelle Welt? Vier kurze Begegnungen mit heißem Sex und ohne Verpflichtungen, was könnte es Schöneres geben? Vier Kerle waren doch ein guter Schnitt. In jedem Monat einen. Es wurde Zeit, dass sie sich nach jemand Neuem umsah.

Heute hatte sie beschlossen, nach Feierabend in die Stadt zu fahren. Auf dem Weg zur Arbeit waren ihr bunte Plakate aufgefallen. Ein Rummelplatz wurde aufgebaut, wie jedes Jahr um diese Zeit. Sie wollte dabei zusehen. Vielleicht ergäbe sich eine Gelegenheit. Sicher kämen viele Schaulustige, um zu sehen, wie die Fahrgeschäfte aufgebaut wurden. Doch vorher hatte sie noch im Laden zu tun. Sie zog ihren Lieblingsoverall an, den mit der Glitzerkante an dem weit ausgeschnittenen Dekolleté. Sie wusste, wie das petrolfarbene Kleidungsstück wirkte und dass ihr männliche Kunden ständig in den Ausschnitt sahen. Sie war darüber äußerst amüsiert. Aufdringlich? Anzüglich? Nein, sie empfand dieses Kleidungsstück als einen Blickfang für die männliche Kundschaft. Sie hatte den Eindruck, dass es verkaufsfördernd war, in dieser Aufmachung im Laden zu stehen. Sie schmunzelte bei diesem Gedanken. Ihr Körper war mit dem wallenden, dunklen Overall verdeckt und zeigte sonst nichts außer ihrer schlanken Taille, die sie mit einem Glitzergürtel betonte. Und natürlich erlaubte sie augenzwinkernd jedem einen kleinen Einblick auf ihre üppige Oberweite.

Viola arbeitete in einer Accessoire-Boutique am Anfang der Einkaufsstraße. Als sie das Geschäft betrat, war ihr Kollege gerade dabei, Kartons aufzuschneiden.

»Hallo, Juppi«, grüßte sie. Juppi sah auf und schnitt weiter, ohne hinzusehen. So ritzte er einen Karton an der falschen Stelle auf und stach sich mit der Messerspitze in den Finger der anderen Hand.

»Scheiße«, schimpfte er und steckte den verletzten Finger in den Mund.

»Na wenn das mal keine herzliche Begrüßung ist.« Viola lachte, als sie ihren Kollegen am Boden knien sah. Das Cuttermesser in der Hand haltend, sah er sie von unten herauf an, wie ein Dackel, der um Futter bettelt.

»Hast du dich verletzt?«

»Nein, nicht der Rede wert. Hab nicht aufgepasst. Mist.« Während er sich erhob, lutschte er noch mal an seinem Finger. »Heute ist eine Sendung Handtaschen gekommen.«

»Lass mal sehen.« Viola nahm den Karton, der an der falschen Stelle einen Schnitt abbekommen hatte. Knallbunte Taschen waren darin. Ein ganzes Sortiment in verschiedenen Mustern und Farben. Karierte und geblümte. Pastellfarbige und Bunte. Den Schnitt hatte die leuchtend rote Tasche abbekommen. An einer unauffälligen Stelle am Boden und zwei Zentimeter lang. Es war kein großer Schaden, aber sie wusste, dass die Leute diese Tasche stehen lassen würden. Die Kundschaft verlangte einwandfreie Ware. Sie überlegte, ob sie die Tasche beim Hersteller als Transportschaden reklamieren sollte, oder sie abschreiben und wegwerfen. Da fiel ihr ihre Schwester Vanessa ein. Rot war ihre Lieblingsfarbe, das wusste Viola genau, schließlich waren sie Zwillinge. Für die Farbe Rot hatte Viola genau so viel übrig, wie Vanessa. Sie waren wie beste Freundinnen. Sie waren in der gleichen Schulklasse gewesen und hatten immer gemeinsam gelernt. Vanessas Federmappe war damals genauso rot, wie die Sportschuhe, die sie manchmal trug. Bestimmt würde sie ihr gefallen, also deponierte sie das ferrari-rote, leuchtende Täschchen unter der Verkaufstheke zwischen den Ordnern.

Sie griff zum Geschäftstelefon und rief ihre Schwester an.

»Hallo, Vanessa. Was machst du gerade, bist du zuhause?«

»Grüß dich Viola. Ich bin unterwegs. Ich plane, unseren Flur zu renovieren. Was gibt’s denn?«

»Den Flur renovieren? Bist du sicher, dass du das kannst?«, veralberte Viola ihre Schwester. Die schüchterne und zurückgezogene Vanessa wagte eine Renovierung?

»Wenn er fertig ist, zeige ich ihn dir. Also was gibt’s?«

»Komm bitte in mein Geschäft, ich habe dir etwas Feines zurückgelegt.«

»Ach ja? Was ist es denn?«, Vanessas Neugier war durch das Telefon zu spüren.

»Das sag ich dir noch nicht. Es ist eine Überraschung und ich weiß, dass es dir gefällt.«

»Mach es doch nicht so spannend«, erwiderte Vanessa.

»Komm einfach bei mir vorbei, ok? Wann hast du Zeit?«

»Na gut. Ich komme morgen am Nachmittag zu dir. Heute muss ich mir Möbel anschauen.«

»Da würde ich am liebsten mitgehen, aber ich habe hier noch viel zu tun. Bis morgen Schwesterlein.«

Viola legte auf und gesellte sich zu ihrem Kollegen, um weitere Pakete zu öffnen und die Geschenkartikel ins Regal einzusortieren.

»Was machst du heute Nachmittag, bei dem schönen Wetter?« fragte sie Juppi.

»Ich werde mein Auto waschen und mit meiner Familie ins Grüne fahren.«

»Wie schön«, erwiderte sie und war froh, außer ihrer Schwester keine Familie zu haben, an der sie sich anzuhängen hatte, wenn es der Anstand gebot und wenn Geburtstagsfeiern stattfanden. Sie würde lieber für alle Zeit alleine und unabhängig bleiben, anstatt sich nochmal fest zu binden. Eine solche Familie würde sie nur erdrücken und sie ihrer Freiheit berauben. Sie mochte keine Einschränkungen. Schon gar nicht, wenn es um ihre Lebensführung ging.

»Und du?«, fragte Juppi zurück.

»In der Stadt wird ein Jahrmarkt aufgebaut. Der soll dieses Jahr riesengroß werden und mehrere Attraktionen bieten. Mit einer großen Loopingachterbahn, einem Riesenrad und anderen tollen Sachen. Das muss ich sehen.«


Charly war mit den Schaustellern unterwegs und Chefmonteur der Loopingbahn. Die Schule hatte er nicht bis zum Abschluss geschafft. Damals hatte er sie abgebrochen, weil er dem verlockenden Angebot »Mitreisende gesucht« gefolgt war. Es bedeutete ihm ein Leben in Freiheit und es war ihm durchaus klar, dass er seinen Wohnstandort ständig wechseln musste. Gut, die ganze Welt konnte er dadurch nicht bereisen, aber es brachte ihm immerhin ein Pendelleben zwischen den großen, deutschen Städten ein. Zehn Jahre war das nun her. Heute war er Verantwortlicher für den Aufbau. Mit seinen sechsundzwanzig Jahren war er im besten Alter und ihm war bewusst, welche Wirkung er auf die Damenwelt hatte. Schließlich arbeitete er täglich an der frischen Luft und hatte einen braun gebrannten Körper. Oft wurde er angesprochen, wo er im Urlaub gewesen wäre. Seine Arbeit war ein echter Knochenjob, der ihm allerdings einen gestählten und muskulösen Körper beschert hatte. Die Breite seiner Schultern war mit den Jahren gewachsen. So ein Auf- und Abbau prägte das Aussehen und machte ihn zu einem kraftvollen Burschen, der wusste wie er auf seine Umgebung wirkte.

Er setzte seinen gelben Sicherheitshelm auf und sah sich um. Seit einigen Tagen brachten Transporter und Lastkraftwägen mit Überlänge die langen Metallstreben der transportfähigen Loopingachterbahn. Fünfzig riesige Metallcontainer waren auf dem Stellplatz abgeladen worden. Alle waren nummeriert und aufs Peinlichste geordnet. In einem befanden sich die Streben, Stützen und überdimensionalen Metallgelenke. Tomasz, einer seiner polnischen Helfer, transportierte gerade Unmengen von Fetteimern in einer Schubkarre zum Aufbauplatz. Sie wurden zum Schmieren der beweglichen Stahlteile gebraucht.

Metallenes Hämmern erscholl über den Platz. Hebemaschinen quietschten und Männer riefen sich auf Polnisch etwas zu. Sie begannen, das Fundament mit den Tragstreben zu verbinden. Charly trat hinzu, vermaß den Ausgangspunkt und prüfte mit der elektronischen Wasserwaage die Genauigkeit. Alles musste exakt sitzen, denn die Tragfähigkeit des Grundgerüstes entschied über die Sicherheit des nachfolgenden Aufbaus. Er holte aus, bückte sich, schlug mit dem großen Hammer gegen den Stahl. Anschließend prüfte er die Passgenauigkeit der übergroßen Muttern. Dann nickte er den Arbeitern zu und streckte den Arm aus, damit alle seinen erhobenen Daumen erkennen konnten. Alles war gut, der Aufbau des Riesenloopings konnte beginnen. Charly nahm sein Handy aus der Hosentasche und rief den Kranführer an, dass er mit dem Stellen der Metallteile beginnen konnte. Er setzte sich wartend auf das Rohrgerüst und versuchte die Temperatur einzuschätzen. Es war ziemlich heiß für einen Frühsommer, gefühlte dreißig Grad. Er schwitzte und spürte den Schweiß auf seiner Haut herunterlaufen. Sein Muskelshirt war am Rücken durchnässt und die Hitze hatte ihm Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Er setzte den Sicherheitshelm ab und wischte sie mit dem Handrücken fort. Er öffnete eine Flasche Wasser. Er setzte sie an und trank einen großen Schluck, bevor er sich den Rest über den Kopf goss. Wie erfrischend das war! Er genoss es, wie das Wasser kühlend in seinen Nacken und über das Gesicht lief. Es floss vom Kinn herab und tropfte auf seine Brust. Er schüttelte sich wie ein nasser Hund und wischte sich, die Flasche in der Hand haltend, das Kinn ab. Dann hörte er den Kran, wie er über die unebene Wiese heran rumpelte. Charly blinzelte dem Sonnenlicht entgegen.

Er dirigierte den Kran in die Richtung, in die er die Schwerlasten drehen musste, damit sie millimetergenau an ihrem Bestimmungsort befestigt werden konnten.

»Hey, da oben! Den Ring neben der Halterung fest montieren!«, rief er Tomasz zu.

»Jou!«, schrie der zurück.

»Und steck das lange Ding tief rein!« Ein dreckiges Lachen erklang von oben. Tomasz war damit beschäftigt, die tonnenschweren Rundstahlstreben zusammenzusetzen und blickte frech grinsend auf ihn.

»Bis zum Anschlag!«, befahl Charly und musste jetzt selber lachen.

»Schon gemacht.« Die Stimme des Polen klang rau, wie die eines Seemanns. Wenn Charly ihn betrachtete, sah er auch genauso aus, nur dass er an einer Stahlstrebe hing und nicht am Mast eines Segelschiffes.

»In drei Tagen ist Sicherheitsabnahme. Ihr müsst euch beeilen!«, rief Charly zurück und machte sich daran, die erste Etage der Rohrverbindungen zu erklimmen. Bald würde die Loopingbahn stehen.

Irgendwo hatte jemand ein Radio angestellt. Musikschwaden wehten über den Platz. Charly nahm einen Stahlträger in Empfang, den der Kran vorsichtig in seine Richtung drehte und koppelte das tonnenschwere Teil mit Hilfe eines Riesenwerkzeugs mit einem anderen Metallteil zusammen. Er setzte seine ganze Muskelkraft ein, um positionsgenau zu hantieren. Ein dumpfer, metallischer Klang und ein anschließendes Klicken verrieten ihm, dass die Verbindung eingerastet war und richtig saß. Er ließ seinen Blick über das Kirmesgebiet schweifen. Von hier aus konnte er über den ganzen Platz sehen. An den Absperrungen standen Schaulustige, die den Fortgang des Aufbaus beobachteten. Eine junge Frau drängte sich nach vorne. Sie hatte braune, wirr gelockte Haare und trug einen dunklen Overall. Sie schien interessiert an dem ganzen Treiben. Plötzlich blickte sie ihn an. Er sah sich um. Nein, es war niemand anderer in seiner Nähe, also fixierte sie sicher ihn. Er kannte diesen Beobachtungsblick der Frauen. Er wusste, was diese Damen von ihm wollten. Und nur allzu gern ließ er sich darauf ein, denn in jeder Stadt gab es mindestens eine, mit der er sich vergnügte.


ZUCKERWATTE UND ACHTERBAHN

Viola war in ihr Auto gestiegen. Das hätte sie lieber stehen lassen sollen, denn sämtliche Straßen rund um den Rummelplatz waren bereits abgesperrt. Schwerlastschlepper auf sechzehn Rädern lieferten riesige Verstrebungen und kunstvoll bunt lackierte Metallteile. Viola blieb der Mund offen stehen, als sie die riesenhafte Fratze des Teufels vorbeiziehen sah. Wahrscheinlich war es ein Teil der Horrorbahn aus dem Geisterschloss. Das Gesicht beeindruckte sie auch ohne blinkender Lichtleisten, zuckenden Blitzen und unheimlicher Geräusche. Sie musste eine Umleitung fahren, um nahe an den Rummelplatz zu gelangen. Sie parkte ihr Auto abseits und musste noch einige Minuten laufen, bevor sie ankam.

Nach einer Weile wurde das Drängeln der Schaulustigen unbequem. Viola kämpfte sich vor, bis sie die Absperrung erreicht hatte. Dicke, rot und weiß gestreifte Plastikgitter versperrten den Platz. Zum Glück waren endeten sie in Bauchhöhe, wahrscheinlich damit auch Kinder etwas zu sehen bekamen. Es liefen schwarz gekleidete Security-Mitarbeiter mit wachsamen Augen am Zaun hin und her. Sie trugen Kappen, die an Polizisten erinnerten und an ihren schweren Gürteln hingen Schlagstöcke. Offenbar mussten sie für alle Fälle ausgerüstet sein oder zumindest bedrohlich aussehen. Beeindruckt beobachtete Viola, wie sie patrouillierten. Dann betrachtete sie das Skelett des stählernen Kolosses, das später die Loopingbahn werden sollte. In einer Woche sollte das Fest beginnen. Sie freute sich auf die leckeren Köstlichkeiten, die gebrannten Mandeln und Zuckerwatte. Dieser Rummelplatz war traditionsreich und bestand seit dem siebzehnten Jahrhundert, hatte sie gehört. Die bunten Lichter der modernen Kirmes würden in Kürze schillernd blinken und die laute Musik an jedem Stand anders klingen. Sie war auf die neuen Fahrgeschäfte gespannt. Wie auch auf anderen Festplätzen konnte es für Viola nicht hoch oder schnell genug sein. Das war ein echter Kick, ein Adrenalinstoß den sie genießen musste. Mal ganz abgesehen von den wohlschmeckenden Süßigkeiten, von kandierten Äpfeln oder einem großen Humpen Bier am Abend, war die Atmosphäre auf dem Jahrmarkt beinahe wie auf dem berühmten Oktoberfest. Und am Ende ließ stets ein gigantisches Feuerwerk den Himmel erleuchten. Es würde das pure, spritzige Abendleben für sie sein. Ach, wenn es doch schon so weit wäre!

Plötzlich riss sie ein prachtvoller Anblick aus ihren Träumereien. Da saß ein braungebrannter, cooler Typ mit halbnacktem Oberkörper auf der ersten Etage des Fahrgerüstes. Er sah beeindruckend und bombastisch aus. Neben ihm stand eine Flasche Wasser, daneben lag ein gelber Sicherheitshelm. Der Mann nahm die Flasche, trank zuerst und schüttete sich die Flasche Wasser über den Kopf. Das Wasser floss über seine schwarzen Haare und sein sonnengebräuntes Gesicht. Er öffnete den Mund, trank den Rest des fließenden Wassers, dann schüttelte er sich, wischte die Wassertropfen mit dem Handrücken fort und streckte danach seinen braunen Oberkörper der Sonne entgegen. Dann setzte er den Helm wieder auf und sprang elegant wie eine Raubkatze von der ersten Etage des Fahrgerüstes auf den Boden. Dabei hielt er sich mit einem Arm an einer Stange fest und schwang seinen schönen Körper drehend hinunter. Himmel noch mal, was hat der für einen durchtrainierten Körper. Viola konnte selbst aus dieser Entfernung erkennen, wie seine Muskeln an den Armen spielten. Und erst der Rücken. Ein großes V ging in eine schlanke Hüfte über, die in einem Jeansbund verschwand. Die Jeans war zerschlissen, ein Blau war kaum noch zu erkennen und seine Füße steckten in klobigen, schwarzen Sicherheitsschuhen. Wie ein Bauarbeiter sah er aus. Voller Kraft und schmutzig von der Arbeit. Sie seufzte bewundernd. Offensichtlich war er der Vorarbeiter der Truppe und hatte hier etwas zu sagen. Er gab Anweisungen, die von den anderen Arbeitern ausgeführt wurden. Schließlich wandte er den Kopf zum Absperrzaun. Eine Weile verharrte er. Sah er sie an? Eigentlich konnte er jeden meinen, aber sie wurde das Gefühl nicht los, dass er sie meinte. Wenn er doch nur näher käme, damit sie sein Gesicht sehen konnte. Aber er ging zurück in den hinteren Bereich. Schade, sie hätte ihn gern länger beobachtet. Einen Augenblick lang überlegte Viola, ob sie sich an der Security vorbeischleichen sollte, um den Mann an dem großen Gerüst zu verfolgen. Aber sie könnte genauso gut des Platzes verwiesen werden, wenn man sie erwischte. Vielleicht würden die Sicherheitsbeamten den Schlagstock zücken. Nein, das durfte sie nicht riskieren. Sie hielt sich zurück und beschloss, den gut aussehenden Kerl zu suchen, wenn der Rummel begann. Irgendwo würde sie ihn finden. Er gehörte ja hierher.

Sie sah noch eine geraume Zeit dem Treiben zu, genoss die metallisch hämmernden Geräusche, den Sonnenschein und die Musik, die von weit her zu ihr wehte. Die Monsterteile, die der Kran brachte, wurden von den Arbeitern routiniert zusammengesetzt. Die Sonne schien hell und ließ die Stahlstreben aufblitzen. Der Frühsommerhimmel zeigte weiße Wölkchen. Es war ungewöhnlich heiß. Kein Schatten war weit und breit, keine Bäume, keine hohen Mauern. Ihre Kehle fühlte sich staubig an, wohl wegen der Hitze. Oder weil sie wegen des Typs staunend den Mund offen stehen lassen hatte? Sie kicherte insgeheim. Bei einem Prachtwetter wie diesem konnte sie sich noch ein Eis gönnen. Sie drehte sich um und wollte sich gerade einen Weg durch die Menschenmenge bahnen, um den Platz zu verlassen, zögerte aber, einen weiteren Schritt zu tun. Sie spürte, wie sie von hinten beobachtet wurde. Etwas bohrte sich scheinbar in ihren Nacken. Als hielte sie jemand im Genick fest, ließ sie ihre Augen nach rechts und links rollen, ohne ihren Kopf zu bewegen. Irgendjemand war nahe an sie heran getreten und hielt sie mit seinem Blick fest. Ein leichter Hauch schien sich auf ihren Hals gelegt zu haben. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und eine Gänsehaut überzog ihre Arme. Sie wollte sich gerade umdrehen, als sie eine flüsternde Stimme hinter sich vernahm. Der Mund, aus dem die Stimme kam, befand sich dicht an ihrem Ohrläppchen. Wie unverschämt. Eigentlich war es sogar sehr unverschämt, aber irgendwie auch überraschend angenehm. Intim und gleichzeitig spannend. So ein Gefühl hatte sie noch nie.

»Verzeihen Sie, dass ich Sie störe, aber Sie sind mir in der Menge aufgefallen.« Violas Atem stockte. War es wirklich der Eros, den sie vorhin bewundert hatte? Langsam drehte sie ihren Kopf. Tatsächlich, er war es. Ihr Herz stolperte kurz, als sie ihn aus den Augenwinkeln betrachtete. Er hatte ein verwegenes, braun gebranntes Gesicht. Eins, das erfahren aussah, unerhört männlich und herausfordernd, aber auch realistisch und freundlich. Sie las eine Spur von Wildheit darin und eine bestimmte Verlockung, die sie mit Absicht treffen sollte. Seine stahlblauen Augen blitzten sie erotisierend an. Mein Gott, was für schöne Augen. Sie kontrastierten mit dem schwarzen, halblangen Haar, wie funkelnde Sterne am Nachthimmel.

»Oh, ich habe Sie gar nicht bemerkt.« Jetzt drehte sie sich vollends um und sah ihm ins Gesicht. Seine Nase war leicht gekrümmt und sein Mund lächelte zunächst verschmitzt, bis er seine Reihe weißer, gepflegter Zähne zum Vorschein brachte. Er strahlte wie ein Zigeunerjunge und zog sie komplett in seinen Bann.

»Ich bin Charly«, stellte er sich vor und gab ihr seine Hand.

»Viola«, antwortete sie und legte zaghaft ihre Hand in seine. Die Luft schien wie elektrisiert und als sie seine kraftvolle Hand in ihrer spürte, knisterte es leicht.

»Wie ich sehe, interessiert dich der ganze Aufbau?«

Er legte ungefragt einen Arm um ihre Schultern. Seine forsche Art, sie zu berühren, gefiel ihr. So spontan. Sie liebte Spontanität und es fühlte sich warm an.

»Möchtest du dich Backstage umschauen?«

»Oh ja, sehr gerne.« Wow, sie durfte mit ihm durch die Absperrung gehen. Stolz erfüllte sie. Charly gab der Security ein Handzeichen und öffnete einen bestimmten Teil der Plastikabsperrung. Sie gingen in den Bereich der geparkten LKWs und Wohnwägen. Eine Holzbank mit zwei Plätzen stand vor einem der Caravans.

»Setz dich doch«, sagte er und führte sie auffordernd zur Bank. Sie nahm Platz und sah sich um. Die fleißigen Arbeiter kamen ihr vor, als wären sie in einem Bienenstock beschäftigt. Sie räumten Dinge und Teile zum Aufbau hin und her. Sie sah Charly an, der neben ihr Platz genommen hatte.

»Wieso bin ich dir aufgefallen?«, fragte sie und sah ihn direkt an.

»Du hast eine Ausstrahlung, die jeden in hundert Metern Umkreis umhaut. So etwas wie dich bemerke ich unter zehntausend anderen Menschen sofort.«

»Ach komm!«, widerlegte sie sein Schmeicheln. »Das sagst du doch bestimmt zu jeder Frau.«

»Nein wirklich. Ich schwöre«, sagte er mit ernster Miene und legte, drei Finger zeigend, seine Hand auf seine Brust. »Du siehst toll aus und du hast ein wunderbares Lächeln. Ich stehe darauf, weißt du?« Er war nah an sie herangerückt. Ihre Körper berührten sich. Viola spürte eine eigenartige Wärme, die sich zwischen ihnen entwickelte, wie ein Schwelbrand. Sie fühlte sich geschmeichelt und lächelte ihn an. Sie ließ ihren Blick über seine Armmuskeln und Schultern gleiten. Selten hatte sie einen solchen formschönen Oberkörper gesehen. Adern zeigten sich unter seiner glatten Haut, als seien sie Stromleitungen, die zu seinem Herzen führten. Wie gerne würde sie mit ihren Fingerspitzen darüber fahren. Zögerlich suchte sie den Kontakt zu seiner Hand, die er auf seinen Schenkel gelegt hatte. War das zu schnell? Schließlich hatte er sie nur kurze Zeit über den Platz geführt und anschließend knappe drei Minuten im Arm gehalten.

»Machst du das schon lange, diese Aufbauten?«, fragte sie, um eine Unterhaltung zu beginnen und damit es ihm nicht auffiel, wie sehr sie ihm nahe sein wollte.

»Ja, ich habe die Schule für meine Freiheit aufgegeben.«

Freiheit? War sie ihm genauso wichtig, wie ihr? Wie spannend, um nicht zu sagen wie passend. Sie wollte unbedingt mehr von ihm erfahren. Davon, wie sich sein Dasein auf dem Rummelplatz anfühlte, wie er sich mit diesem Leben arrangierte und wie er im Allgemeinen war und sich gab.

»Ich habe beobachtet, wie du mit den Geräten umgehst. Das war echt interessant.« Nebenbei konnte sie zusehen, wie das Gerüst der Loopingbahn wuchs.

»Mit meinem eigenen Gerät kann ich am besten hantieren.« Er legte ein charmantes Lächeln auf und zwinkerte ihr zu. Wie zweideutig er redete. Aber genau das gefiel ihr an ihm. Obwohl sie ihn gar nicht kannte, war es ihr, als kommunizierten sie das gleiche Lied miteinander. Sie hatte die passende Antwort parat.

»Ich habe bewundert, wie du es einpassen kannst. Mit diesem riesigen Rohr, das du in der Hand hieltest.« Ein eindeutig sexistischer Unterton sollte ihn herausfordern. »Du musst sicher viel arbeiten?«, fragte sie kokettierend und strich sich eine Haarsträhne von der Stirn. Dann schlug sie ihre Beine übereinander und setzte sich entspannt hin. Interessiert hörte sie ihm zu.

»Ich kann arbeiten wie ein Tier, Tag und Nacht, vierundzwanzig Stunden lang und ich werde niemals müde.« Er legte einen Arm um sie und sah sie herzig an. Viola ließ sich nur allzu gern vom ihm bezirzen.

»Niemals?« flüsterte sie und lehnte sich an seine maskuline Schulter.

»Niemals …«, bestätigte er leise raunend und ließ seine Hand über den dünnen Stoff ihres Overalls gleiten. Die Hand lag nun auf ihrem Oberschenkel und er streichelte sachte hin und her. Er neigte seinen Kopf zu ihr und flüsterte leise.

»Wärst du mein Gerüst, würde ich bei dir auch gern ein Rohr einschrauben.« Ein Rohr einschrauben? Seine Direktheit gefiel ihr. Und erst diese zweideutigen Sätze. Manchmal redete sie genauso wie er, frivol und sexlastig. Es könnte sich gut ergänzen, wenn sie ihn erst richtig kennen lernte. Viola wusste in diesem Augenblick, was in naher Zukunft geschehen könnte. Wahrscheinlich nähme er sie gleich mit, würde mit ihr nach irgendwohin verschwinden und sie verführen. Ein traumhafter Gedanke. Und wie spannend! Es wäre eine Erfahrung mehr, noch nie hatte sie etwas mit einem Kerl vom Jahrmarkt gehabt. Einem, der ständig umherzog und dem die Freiheit so viel bedeutete, wie ihr selber. Eine geheimnisvolle Verbundenheit schlich in ihr Herz.

»Ich suche noch die Sicherungsnut für meinen Bolzen«, murmelte er, während er mit der Hand von der Außenseite ihrer Schenkel auf die Innenseite fuhr – und wieder zurück.

»Die habe ich. Sollen wir schauen, ob die Größe passt?«, antwortete sie spontan zurück und grinste schelmisch.

»Lass es uns ausprobieren.« Dieser Kerl war ein unvergleichlicher Süßholzraspler. Er neigte den Kopf zu einem Kuss. Viola sah ihn an, schloss lasziv die Augen und näherte sich mit zitternden Lippen seinem zigeunerhaften Gesicht. Ein prickelndes Gefühl überkam sie, das ihren ganzen Körper überzog.

Was er jetzt wohl tun würde? Sie bemerkte eine bestimmte Feuchte, die sich in ihrem Höschen ausbreitete. Es war die Mischung aus allem, die sie so schnell antörnte. Das ungewöhnliche Ambiente, der hübsche Kerl und ihre Erwartungen, schnell ein neues Abenteuer zu finden. Es war die kürzeste Anmache, die sie bisher erlebt hatte. Eine Viertelstunde lang hatten sie geflirtet und nun war es schon so weit.

»Wenn alles kontrolliert ist, dürfen die Geräte in Betrieb genommen werden«, sagte er leise, seine Lippen an ihre heftend. Dann folgte der Kuss. Es war der leidenschaftlichste Kuss, den Viola jemals erhalten hatte. Seine warmen, weichen Lippen umschlossen die ihren. Seine Zunge glitt kreiselnd in ihren Mund, wie eine weiche Schraube. Heiße Wellen durchfuhren ihren Körper, als er ihre Taille umfasste und sie zu sich heran zog.

»Hast du Lust?«, fragte er flüsternd und küsste zärtlich ihre Stirn, während seine Hände ihr Gesicht umrahmten.

»Ja«, hauchte sie, sie wollte nur noch in seinen Armen liegen, gestreichelt und verwöhnt werden und sein bestes Stück kennen lernen.

»Komm mit.« Er fasste sie an der Hand, so dass sie aufstehen musste und führte sie über drei Stufen in den Caravan.


Die Kanzlei, in der Ingo selbständig als Anwalt arbeitete, lief ausgezeichnet. Über zu wenig Arbeit brauchte er sich wahrlich nicht zu beklagen. Das Gegenteil war der Fall. In letzter Zeit hatte er mehr Aufträge von seinen Klienten bekommen, als sonst. An acht Stunden Arbeitszeit täglich war lange nicht mehr zu denken. Im Gegenteil, er musste oft Akten mit nach Hause nehmen und sich um die Angelegenheiten kümmern, mit denen er beauftragt wurde. So wie heute. Es war Freitagnachmittag. Das Büro schloss er pünktlich um siebzehn Uhr ab. Mit einem Stapel Akten unter dem Arm hatte er sein Büro verlassen und sie zu Hause auf dem Schreibtisch abgelegt, damit er sie über’s Wochenende bearbeiten konnte. Die kleine Arbeitsecke in dem Erker des Wohnzimmers war eine Miniaturausführung seines Büros in der Kanzlei. Ein paar große Grünpflanzen davor verstellten die Sicht, sodass die Ecke im Wohnzimmer nicht sonderlich auffiel. Er hatte sich einen Kaffee zubereitet und setzte sich an den PC. Nichts würde er lieber tun, als endlich eine Ruhepause einzulegen, aber das Arbeitspensum überrannte ihn regelrecht. Was sollte er bloß tun? Vielleicht sollte er für einige Wochen einen Hilfsangestellten nehmen. Zunächst nur, um Ordnung zu schaffen, die ständige Sucherei nahm zu viel Zeit in Anspruch. Es wäre wahrscheinlich eine Erleichterung für ihn, wenn er außer Mareike noch jemanden beschäftigte. Sofort setzte er sich an seinen PC, um ein Stellenangebot an die Arbeitsagentur zu formulieren. Er füllte das vorgefertigte Anschreiben online aus. Da es sich um keine Anwaltstätigkeit handelte, trug er Aushilfe in die Zeile ein. Als er fertig war, klickte er auf Ausdruck und setzte seine Unterschrift darunter, damit er die Papiere heute noch mit der Post abschicken konnte. Er legte das Blatt auf den Stapel anderer Papiere und trank erst mal einen Schluck Kaffee.

Er spürte, wie das Loch, in das er abrutschte, immer tiefer wurde. Er sah keine Chance, den Berg von zu bearbeitenden Fällen liegen zu lassen, um Luft zu holen. Er fühlte sich an, wie der berühmte Frosch, der sich aus einem Butterfass herauskämpfen wollte, aber immer wieder an der fettigen Kante ausrutschte und erneut hineinfiel. Auch Vanessa war zurückgezogener geworden. Ihre Distanziertheit hatte er schon seit einer Weile bemerkt. Vielleicht ärgerte es sie, dass er keine Zeit für sie hatte. Sah sie denn nicht, dass er nur für sie so viel schuftete? Dass er sein gutes Geld nach Hause brachte und sie damit versorgte? Sie hatte alles, was sie sich wünschte. Er konnte ihr mit seinem guten Verdienst alles bieten. Sie konnte sich ein schönes Leben machen und brauchte nicht zu arbeiten. Sie sollte froh darum sein. Sie konnte wegfahren, shoppen, sich Luxus gönnen und eine schöne Zeit machen. Sie könnte ruhig ein bisschen mehr Dankbarkeit zeigen. Was wollte sie denn noch? Zeit mit ihm? Wenn er viel verdienen sollte, musste er mehr arbeiten. Ihr alles auf einmal zu geben war unmöglich. Herrgottnochmal! Er wollte ja mehr mit ihr zusammen sein, aber er hatte ja noch nicht einmal Zeit für sich selbst. Vanessa ging öfter alleine los, das hatte sich in letzter Zeit so eingespielt. Sie war oft mit ihrer Zwillingsschwester zusammen, aber das war okay für ihn.

»Ich gehe einkaufen, mein Schatz«, hatte sie vor einer halben Stunde gesagt und war durch die Tür verschwunden. Was sollte er also tun? Ihr etwas schenken? Damals hatte er sie viel öfter beschenkt, doch er hatte es mittlerweile vor lauter Arbeit schleifen lassen. Damals, ja damals, als sie glücklich und frisch verheiratet waren, war alles anders. Ingo erinnerte sich an die schönen Stunden, vor allem an die aufregenden Zeiten, die sie im Bett verbracht hatten. Bereits vor ihrer Hochzeit hatten sie ausgiebigen Sex und es war jedes Mal wunderbar. Sie hatten die Finger nicht voneinander lassen können. Vanessa war hübsch, auch heute noch. Sie war jung, frisch und knackig. An diesem Zustand hatte sich nicht viel verändert, bis heute nicht. Als sie sich die Ehe versprachen, war sie für ihn ein Hauptgewinn. Er hatte gewusst, wie wild die Männer auf seine Frau gewesen waren und wie sie ihn beneidet hatten. Er hatte es sehr genossen. Er allein hatte sie erobern können, während andere noch suchten. Nie zuvor war er stolzer gewesen. Sie war eine gute Frau, die ihn treu umsorgte und er genoss es.

Immer noch saß er am PC in seinem Wohnzimmer und dachte nach. Er erinnerte sich an den Tag, an dem er sie kennengelernt hatte. Auf einer Silvesterparty explodierte ein Knallfrosch direkt vor ihren Füßen und sie sprang zurück, direkt in seine Arme. Wie in einem verschwommenen Traum sah er sie vor sich. Ihr langes, blondes Haar, das sich so seidig anfühlte, wie ein hauchzartes Tuch. Ihr Geruch, sie roch stets wie frisch geduscht und meist lag ein Hauch von süßlichem Blumenduft auf ihrer Haut. Ein leichtes, betörendes Parfum. Sie hatte zierliche Ohrläppchen, die ihn reizten, sie zu küssen. Ihre Küsse, mein Gott wie viele Wochen war das her! Ihre weichen Lippen. Ihr lasziver Ausdruck, wenn sie den Mund leicht geöffnet hatte. Früher hatte Ingo bereits Lust empfunden, wenn sie ihre Lippen nur zum Sprechen bewegte. Diese Weichheit ihrer zartrosa Lippen und der gute Geschmack, wenn er ihr einen Zungenkuss gab. Seine Hand wanderte wie von Geisterhand geführt in seinen Schoß, während er darüber nachdachte, wie wundervoll erregend ihre Küsse waren. Ihre Lippen waren wie kleine, frisch gebackene Erdbeersouffle’s, warm und weich. Er schloss die Augen und lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück. Seinen Kopf ließ er langsam in den Nacken sinken, als hätte er dadurch ein besseres und intensiveres Bild in seinem Kopf. Er entspannte und sah sie bildlich vor sich stehen. Dann stellte er sich ihre Küsse vor. Wie sie auf seine Haut tupften, während sie sich an seinem Hals und an seiner Brust liebkosend abwärts bewegten. Er konnte sie förmlich auf seiner Haut spüren. Sein Schwanz hatte sich bei diesen lustvollen Erinnerungen erhoben. Er öffnete seinen Reißverschluss und meinte, ihre Hände zu spüren, als stünde sie wirklich da. Wie sie zärtlich an seinen Lenden herabfuhren, um sein bestes Stück in die Hand zu nehmen und in ihren Mund zu führen. Als wären seine Hände ihre, umfasste er seine hart gewordene Latte und holte sie heraus. Oh, Vanessa. Er sehnte die Vergangenheit herbei. Als das Zusammenleben noch perfekt funktionierte und es ihm ein Leichtes war, sie zu verführen. Vanessa… Wärst du doch nur hier. Wie gerne würde er sie jetzt ins Schlafzimmer zu begleiten … Seine Hand bewegte sich auf und ab, dabei hielt er seinen Schaft fest umklammert und stellte sich vor, ihre heiße Spalte würde sich für ihn öffnen. Ihre blütenzarten Schamlippen teilten sich bei seiner Berührung mit der Eichel wie ihr Mund, wenn er ihr seinen Zeigefinger sanft hinein schob. Sein Druck mit der Hand entsprach der Enge ihrer Vagina und bei jeder Auf- und Abbewegung entwich ihm ein leises Keuchen. Ein wohliges Stöhnen, das ihn an ihre Zweisamkeit erinnerte und die Laute, die sie ihm gab, wenn sie in sein Ohr hauchte und ihre Lust in einem Laut wahrnehmbar wurde. Die Gedanken daran putschten ihn auf, der Druck seiner Faust festigte sich. Seine kraftvolle Hand bewegte sich schneller. Auf und ab. Seine Eichel verschwand in einem Kranz aus lockerer Haut und blitzte, sich als gerötete Kuppe präsentierend, hervor, wenn er die Haut zügig herunter zog. Minutenlang hielt er diesen schönen Zustand aus, doch dann kroch ein Lustgefühl in ihm hoch, das heißer war als eine Herdplatte auf höchster Stufe. Dieses heiße, brennende Gefühl schwirrte wie elektrisierend von seinen Eiern durch die Schwellkörper und manifestierte sich in seiner Eichelspitze. Sie war glutrot und glitschig geworden. Es hatte sich mehr darauf gebildet, als nur ein Sehnsuchtstropfen. Ingo befühlte seine Eichel mit dem Daumen und rieb die Nässe herunter. Oh Gott, Vanessa, das könnte alles für dich sein. Das natürliche Gleitmittel unter seinem Daumen machte ihn geil. Der pralle Eichelkopf, alles für dich… Das heiße Gefühl breitete sich schnell in ihm aus, verharrte in der Eichel. Eine tiefe Sehnsucht nach seiner Frau erfasste ihn. Wie von einer Triebfeder gesteuert, griff er schnell mit der anderen Hand in seine Hosentasche und holte ein Taschentuch heraus. Zitternd und stöhnend hielt er das Tuch vor seine pulsierende Eichel. Leider nicht mehr rechtzeitig vor dem plötzlichen Abschuss, der ihm einen wohligen Orgasmus bescherte und eine Empfindung, die er lange nicht mehr gespürt hatte. Ein angenehmes Gefühl der Entspannung breitete sich in seinem Körper aus, wie die Ringe eines Steinwurfs in einem ruhigen See. Er ließ sich relaxed in den Hochlehnerbürostuhl hinein gleiten und atmete immer ruhiger werdend. Als er aus seiner kurzen Benommenheit erwachte, sah er, was er angerichtet hatte. Was hatte er getan? War er verrückt geworden? Wie konnte er vor dem Computer abwichsen und seine Gefühle explodieren lassen? Wie schändlich. Was würde Vanessa sagen, wenn sie ihn so gesehen hätte? Unbehagen breitete sich in ihm aus. Er schämte sich und er wäre am liebsten unsichtbar geworden. Schnell stopfte er seinen erschlafften Schwanz zurück in die Hose. Was hatte er getan, warum war er dermaßen unbeherrscht? Er sah sein Sperma auf der Tastatur. Sein Anschreiben an die Arbeitsagentur hatte ebenfalls einige Spritzer abbekommen. Als er versuchte, den Schleim mit dem Taschentuch abzutupfen, verschmierte er nur die Buchstaben seines Briefes.


LUST UND ENTTÄUSCHUNG

Ehe Viola sich’s versah, war Charly mit ihr in den Wohnwagen gegangen. Die schmale Tür hatte einen Rundbogen. Der Fahrbereich war deutlich vom Wohnbereich getrennt und im hinteren Ende entdeckte sie zwei Sitzgelegenheiten. In der Mitte stand ein Tisch.

»Hey Süße, wollen wir gleich zur Sache kommen?«, fragte Charly unverhohlen, zwinkerte dabei und lächelte so charmant, dass Viola nicht nein sagen konnte. Warum auch? Es war das, was sie wollte. Sie ließ es ihn nur nicht merken. Sie ließ ihren Blick schweifen und sah ihn fragend an. Wo sollte das denn bitte stattfinden? Kein Bett war zu sehen, nicht einmal eine gemütliche Ecke.

»Wo willst du es machen?«, fragte sie und sah sich suchend um.

»Ich kann zaubern, pass auf.« Charly legte den Tisch tiefer, der exakt an die Kanten der zwei Bänke stieß. Dann holte er eine Teilmatratze aus dem unteren Stauraum und puzzelte sie zwischen die Sitzpolster. Zum Schluss warf er eine kuschelige, bunte Decke darüber. Viola staunte nicht schlecht. Ruckzuck war ein Bett mit ausreichender Breite hergestellt. Er ließ die Jalousien herunter, die auf der Holzvertäfelung über den niedrigen Fenstern des Caravans befestigt waren. Ein schummriges Ambiente umgab die zwei. Das Tageslicht drang in weißen Streifen durch die Schlitze der Jalousie und fiel auf das Bett.

»Wie wunderbar. Es ist gemütlicher, als ich dachte«, stellte Viola erfreut fest.

Charly entledigte sich seiner schweren Sicherheitsschuhe und zog seine verwaschene Jeans aus.

»Ich geh mich kurz frisch machen«, meinte er und begab sich in den spärlichen Toilettenbereich. Viola streifte sich den Overall ab und wartete nur mit BH und Slip bekleidet. Es dauerte nicht lange, bis Charlie um die Ecke schaute und ihr zulächelte. Seine weißen Zähne waren einwandfrei und ließen ihn jugendlich frisch wirken. Sogleich legte er sich auf das Bett und streckte die muskulösen Arme von sich. Wie schön er aussah. Die weißen Streifen des Tageslichts schmeichelten seinem rassigen Körper. Er hatte ein wohlgeformtes Sixpack, das im schummrigen Glimmer der Lichtstreifen noch mehr herausstach. Er war nackt bis auf die Boxershorts, die sein bestes Stück versteckten. Noch …

»Komm her zu mir«, deutete er mit leicht winkender Hand. Das ließ sich Viola nicht zweimal sagen. Sie legte sich neben ihn und sah in sein Gesicht. Seine Lippen suchten ihren Mund, den sie ihm verführerisch zuwandte. Keine Frage, das waren die schönsten Lippen, die sie je gesehen hatte. Keine Sekunde später hingen sie aneinander, als seien sie miteinander verschweißt. Wunderbare, heiße Wellen der Erregung durchfuhren ihren Körper. Als sie seine Hände auf ihrer Brust spürte, erhoben sich ihre Nippel. Eine leichte Gänsehaut überzog sie. Viola küsste ihn heiß und voller Verlangen und ließ ihre Hand an seinem kräftigen, festen Körper hinunterwandern. Über die Brustpakete, das Sixpack, die Lendensichel, bis sie an den Rand der lockeren Boxershorts stieß. Sanft hob sie den Gummizug an, um unter den Stoff der Hose zu gelangen. Sie ertastete sein strammes Glied, das sich unter der Hose aufbäumen wollte. Es fühlte sich hart an. Als Viola ihn mit ihrem Fingerspiel verwöhnte, atmete Charly schwer und lüstern. Es gefiel ihr, wie er lustvolle Töne von sich gab. Er animierte sie, in die Welt der Begierde einzutauchen. Sein hartes Glied passte sich ihrer hohlen Hand gut an. Ob er sich in ihrem Körper ebenso anpasste? Charly richtete sich auf und begann die Shorts von den Beinen zu streifen. Viola stand auf und nestelte an ihrem BH, während Charly sich zu ihr hinunter begab, sich vor sie kniete und ihren seidenen Slip auszog. Im Knien umarmte er ihren Po, zog ihre Vorderseite zu sich hin und vergrub seine Nase zwischen ihren Beinen. Ein heißes Zucken ging durch ihren Unterkörper. Er atmete tief in sie hinein und ließ sie die Hitze seiner feuchten Zungenspitze spüren. Ein paar gleitende Bewegungen mit seinem Mund erregten sie so sehr, dass sie unwillkürlich in die Hocke gehen wollte. Das war kaum auszuhalten! Charly bemerkte, was er in ihr angefacht hatte und setzte einen zärtlichen Kuss auf ihren Venushügel, bevor er sich erhob. Dann zog er sie auf die Matratze und prüfte mit seinen Fingern, während er sie feurig küsste, ihre Nässe zwischen den Schenkeln. Ja, sie war bereit.

»Jetzt kann die Fahrt losgehen«, sagte er leise und drängte sie rücklinks zurück auf das Bett.

»Alles dreht sich, wie bei einem Karussell«, flüsterte sie, kaum noch fähig, ein lautes Wort zu sprechen. Viola schwanden die Sinne, als sie sich ihm hingab und ihre Schenkel öffnete. Charlys Schwanz hatte eine angenehme Dicke, die sie ausfüllte. Seine Hoden berührten den unteren Teil ihrer Pussy. Ein erstes Stöhnen entfuhr ihr. Charly indes drückte sein bestes Stück hinein. So weit, dass sie spürte, wie die Wulst oberhalb der Eichel den Widerstand ihrer vaginalen Muskeln reizte. Ein flattriges Gefühl überkam sie und erneut stieß er tief in sie hinein. Er verschwand in ihr und glitt wieder hinaus. Der Gedanke an dieses Bild und das Gefühl, das sich in ihr ausbreitete, ließ sie erregter werden. Er stieß sie in den Himmel der Lust. Rein und raus, rein und raus… Sie konnte sich nichts Schöneres vorstellen. Ihr Verlangen steigerte sich und sie spürte, wie die Feuchtigkeit sich heiß an den Schenkeln ausbreitete und wie Charly damit benetzt wurde, als er seine Hüften an den Innenseiten ihrer Schenkel rieb. Oh, was für ein heißes Vergnügen war es, mit ihm zu vögeln. Und das am helllichten Tag! Abgeschirmt in einem Caravan. Abgekapselt unter den vielen Arbeitern um sie herum und niemand bekam etwas mit. Welch ein erregender Gedanke! Oder etwa nicht? Vielleicht war ein Wackeln von außen sichtbar. Ob die Federung des Fahrzeugs wohl quietschte? Der Aufbautrupp wusste wahrscheinlich auch, dass Charly seine Eroberungen hierher schleifte. Aber Viola war das alles ganz egal, sie verwarf ihre kurzen Bedenken und konzentrierte sich auf Charly. Nur auf ihn. Auf nichts anderes. Während er in sie hineinstieß, betrachtete sie seine Oberarme, auf die er sich gestützt hatte. Bei jedem Stoß veränderten sich die Muskeln. Sie sah die Anstrengung. Seine Adern unter der Haut waren deutlich erkennbar und traten hervor. Sie pulsierten und er drückte seinen Schwanz weiter in sie hinein. Sehr bald bemerkte sie, wie etwas Großartiges sich in ihrem Schoß zusammenbraute. Und auch Charly beschleunigte seinen Takt. Der Gedanke, dass er bald käme, trieb Viola in eine berauschende Phase des Glücks. Ihr Unterkörper bebte, in ihrem Inneren rollte ein Orgasmus heran. Charly war schneller geworden und trieb sein Prachtstück in sie. Sein Glied wurde härter, seine Bewegungen fordernder. Er warf seinen Kopf in den Nacken, dass die schwarzen Haare flogen und an seinen Wangen kleben blieben.

Viola stöhnte bei jedem heftigen Stoß und es peitschten Liebeswellen in ihr hoch, die ihren Körper auf wollüstige Weise ins Paradies stießen. Dann war es soweit. Mit einem gewaltigen Donnergrollen überkam sie die Befreiung. Ein Schrei der Lust verließ ihren Mund, sie wandte ihren Kopf hin und her, bis der Orgasmus abebbte. Kurze Zeit nach ihr kam Charly. Er bewegte sich zuckend, warf seinen Kopf zurück und stöhnte mit schmerzverzogenem Gesicht. Aber es war kein Schmerz, sondern die angestrengten Gesichtszüge seiner lustvollen Befreiung.

Dann ließ er sich von ihr herabgleiten, versank in ihrer Armbeuge zwischen dem üppigen Busen und ihrer Schulter. Am liebsten hätte sie diesen Augenblick festgehalten und nie mehr losgelassen.

»Es war wunderschön mit dir.« Sanft streichelte Charly über Violas Haut, nachdem sie beide wieder zu Atem gekommen waren.

»Ich fand es auch bombastisch«, erwiderte sie und konnte sich an seinem Körper nicht satt sehen.

»Du Schöne, ich könnte noch den ganzen Tag neben dir liegen bleiben. Leider habe ich nicht so viel Zeit. Ich muss zurück auf die Baustelle.«

»Das verstehe ich doch. Trotzdem ist es schade, jetzt wo es so gemütlich werden könnte.«

Charly stand auf und sagte, ohne den Blick von ihr zu wenden:

»Ich habe es sehr genossen.« Auch er schien seltsamerweise sehr an ihr zu hängen und machte den Eindruck, sie nicht verlassen zu wollen. Trotzdem war draußen heller Tag und sicher wartete die Arbeit auf ihn.

»Ich auch. Sehen wir uns wieder?«, fragte Viola, die hin und weg war von diesem Mann. Er hatte alles, was sie sich von einem Mann wünschte. Einen tollen Körperbau, einen außergewöhnlichen Beruf, er beherrschte die Zärtlichkeit ebenso wie das Kraftvolle und nicht zuletzt passten ihre Geschlechtsteile zusammen, wie zwei Puzzlestücke.

»Das will ich hoffen!«

Schnell huschte der Kugelschreiber über einen Fetzen Papier als er seine Handynummer aufschrieb. Charly lächelte hintergründig, gab ihr den Zettel und umarmte sie zum Abschluss herzlich. Einen Augenblick später war er in seine Arbeitskleidung gestiegen und stand in der Tür mit der gelben Sicherheitskappe in der Hand.

»Lass dir Zeit beim Anziehen und mach die Tür hinter dir zu, wenn du gehst.«


Vanessa schloss verärgert die Wohnzimmertür hinter sich, denn sie erwartete die Möbelpacker.

Wie Ingo seinen Arbeitsplatz schon wieder verlassen hatte! Alles lag schlampig herum, ungeordnete Papierstapel und zerrissenes Kopierpapier mit verwischten Buchstaben. Hatte er schon wieder Diätjoghurt am Computer gegessen und herumgespritzt? Er hätte es weg wischen können. Sollte sie es etwa tun? Nein. Heute nicht! Heute räumte sie nicht hinter ihm her. Heute hatte SIE keine Zeit!

Einer der Möbelpacker stellte den großen Karton im Hausflur ab. Sein Begleiter hatte den großen Spiegel herauf getragen. Vanessa trat beiseite. Sie hatte Stunden zuvor den Flur ausgeräumt, alle Teile des kleinen Schuhschranks und die Hakenleiste vorerst in den Keller geschleppt, die Bilder von der Wand genommen und den Flur in einem hellen, sonnigen gelb gestrichen. Die Farbe roch frisch und war angenehm, ein Vanilleton mit einem leichten Tick ins Orange. Stimmungsaufhellend sollte sie sein, hatte Vanessa im Baumarkt erfahren. Ob das stimmte? Nachdem sie die Türen abgewaschen hatte und den hellen Laminat gereinigt, sah der Flur um einiges schöner aus. Das Schlüsselbrettchen leuchtete neu und hochglänzend. Fehlten nur noch die neuen Möbel. Vanessa hatte in einem Möbelhaus eine neue Garderobe mit einem zwei Meter hohen Spiegel und einen neuen Schuhschrank bestellt. Die Männer, die den großen Karton im Flur abgestellt hatten, waren eifrig dabei, die Möbel zusammen zu schrauben und aufzustellen. Das ging in Windeseile vonstatten und Vanessa war froh, das nicht auch noch tun zu müssen. Das Ausräumen und Streichen hatte ihre Kräfte fast aufgezehrt. Morgen hätte sie vielleicht sogar Muskelkater von der ungewohnten Arbeit, aber dennoch war sie stolz auf sich. Der Flur war wirklich schön geworden und der ganze Aufwand hatte sich gelohnt. Sie wollte Ingo damit überraschen. Wenn er heute Abend nach Hause käme, würde er große Augen machen.

»Unterschreiben Sie bitte den Lieferschein, er ist gleichzeitig Ihr Garantieschein.«

Und schon waren die zwei Männer mit dem Aufbau fertig und verabschiedeten sich freundlich.

Sie nahmen den Verpackungsmüll mit und trampelten lautstark die Holztreppe im Hausflur hinunter.

Vanessa schloss die Haustür, lehnte sich mit dem Rücken an und betrachtete den neuen Flur. Wie schön, wie elegant er jetzt aussah. Sie brauchte nur noch die Bilder an die Wand zu hängen. In den neuen weißen Rahmen sahen sie aus, als gehörten sie zu den weiß lackierten Möbeln als Set mit dazu. Zuerst hing sie das Bild ihrer Zwillingsschwester auf. Viola wollte am Nachmittag vorbeikommen, um sich den renovierten Eingangsbereich anzusehen. Vanessa freute sich auf ihren Besuch und das Gespräch bei einem heißen Kaffee. Dann nahm sie das Bild mit dem Spanienmotiv in die Hand. Ingo … flüsterte sie wehmütig. Was für eine schöne Zeit hatten sie in Spanien erlebt!

Vanessa ließ sich von dem Bild in Urlaubslaune versetzen. Der Sonnenschein auf dem Bild warf den Schatten der magentafarbenen Bougainville auf die Terrasse, auf der sie saßen. Es war zwei Jahre her, dass sie schöne Urlaubstage dort verbracht hatten. Damals waren sie täglich am Strand spazierengegangen, waren entspannt im Pool oder im Meer geschwommen und hatten sich gemeinsam von Strandmasseuren verwöhnen lassen. Am Abend waren sie essen gegangen und hatten dem vielfarbigen Sonnenuntergang zugesehen. An jedem so wundervollen Urlaubstag hatten sie langen und schönen Sex. Vanessa vermisste diese liebevollen Stunden. Sie vermisste Ingo, seine Zärtlichkeit, seine Nähe. Er fehlte ihr. Seine Zeit fehlte ihr. Nachdenklich stellte sie eine kleine bunte Blumenvase auf den Schuhschrank und steckte eine Rose hinein, die sie aus dem Garten mit nach oben genommen hatte. Eine einzelne rote Rose. Früher hatte Ingo ihr häufig einen üppigen Strauß voller roter Rosen geschenkt, zum Zeichen dass er sie liebte. Das tat er schon lange nicht mehr.

Vanessa seufzte und dachte an ihre Schwester. Wenn sie doch endlich mit ihr reden könnte! Kaum hatte sie an ihre Schwester gedacht, klingelte ihr Handy. Typisch, wie oft hatten sie den gleichen Gedanken zur selben Zeit.

»Hey, Schwesterlein!«

»Hallo, Vanessa. Du, ich muss dir heute absagen, ich schaffe es nicht, zu dir zu kommen.«

Vanessas Lächeln entglitt ihrem Gesicht.

»Na toll, jetzt lässt du mich auch noch im Stich.«

Das hatte ihr gerade noch gefehlt, dass ihre Zwillingsschwester sie versetzte. Sie hätte so viel mit ihr zu besprechen gehabt. Wie enttäuschend das war. Vanessa fühlte sich nun erst recht im Stich gelassen. Die Absage verstärkte die Einsamkeit, die sie mit Ingo erlebte noch weiter.

»Also entschuldige mal, ich kann echt nichts dafür. Ich habe hier so viel Arbeit, weil sich Juppi krank gemeldet hat. Und was heißt überhaupt AUCH? Wer denn noch?«

»Ingo hat auch keine Zeit für mich. Und jetzt auch noch du. Du bist genau wie er! Arbeit, Arbeit. Ich höre immer nur Arbeit Eine schöne Schwester bist du!« Vanessa schrie erbost ins Telefon. Doch gleichzeitig fiel ihr selbst auf, wie unbeherrscht sie war. Sie hatte ihre Schwester angeschrien. Das durfte sie nicht, sie war ihre einzige Vertraute. Schnell musste sie es wieder rückgängig machen.

»Oh Viola, tut mir leid, ich wollte dich nicht…«

»Was ist los mit dir?«, unterbrach Viola Vanessas angefangene Entschuldigung.

»Tut mir leid, Sorry. Ich weiß nicht, was gerade in mich gefahren ist.« Vanessas Stimme zitterte, ihre Hand ebenso. Sie presste das Handy an ihr Ohr. In so einem Stimmungstief hatte sie sich vorher noch nie befunden.

»Hey komm mal wieder runter! Was ist denn passiert?« Viola schien auf die mentale Entgleisung ihrer Schwester einzugehen und zeigte Verständnis. Vanessa hatte auch nichts anderes erwartet, schließlich war Viola auch eine Freundin. Trotzdem atmete sie erleichtert auf.

»Vanessa! Beruhige dich bitte. Ich kann nicht einfach alles stehen und liegen lassen. Ich kann sonst morgen den Laden nicht öffnen.«

»Ja, ich verstehe es. Sorry wegen vorhin. Wir finden einen anderen Tag, okay?«

»Ich rufe dich morgen wieder an, wenn ich weiß, was mit Juppi ist. Ob er kommt oder nicht.«

»Bis Morgen, Viola.« Vanessa beendete das Gespräch.

Da stand sie, alleine gelassen mit ihrem schönen Werk. Mit dem sauberen und neuen Flur, den sie stolz hatte zeigen wollen. Und plötzlich fühlte sie sich einsam, verlassen von Mann und Schwester und es zerriss sie innerlich. Tränen stiegen in ihre Augen, aber es gelang ihr, sie zu unterdrücken. Stark sein, jetzt nur nicht losheulen. Sie sollte lieber anfangen, das Essen zu zubereiten, bevor Ingo nach Hause kam, anstatt sich von solchen schwerwiegenden Gefühlen übermannen zu lassen!

Vanessa holte tief Luft, zwang sich zur Ruhe und ging in die Küche.


Halb sechs, Ingo müsste gleich zur Tür herein kommen. Vanessa ging ihren hausfraulichen Tätigkeiten nach und deckte den Tisch. Sie stellte zwei Gläser und Teller darauf und legte das Besteck seitlich der Teller hin. Dann hörte sie, wie die Haustür aufgeschlossen wurde. Ingo schmiss seine Schlüssel wie immer auf den Schuhschrank. Na warte… Vanessa eilte in den Flur.

»Ingo, siehst du nicht, dass der Schrank neu ist?« Sie war wirklich geladen und kurz vor der Explosion ihrer Gefühle, deswegen konnte sie sich kaum noch beherrschen, ihm nicht ihre Wut entgegen zu schleudern.

Ingo sah sie entgeistert an. Verstand er sie etwa nicht?

»Warum schmeißt du deinen Schlüssel schon wieder da hin?« Vanessas Augenbrauen zogen sich zusammen. Bemerkte Ingo denn gar nichts? War er auch noch blind geworden?

Erst jetzt sah er sich um.

»Entschuldige«, sagte er verdattert. »Was hast du hier eigentlich gemacht?« seine Antwort klang weder liebevoll noch interessiert. Er sah noch nicht einmal wirklich hin. Gefiel es ihm etwa nicht? Wo sie sich solche Mühe gegeben hatte?

»Ich habe den Flur renoviert.«

Ein Lob von ihm wäre richtig, stattdessen fragte er sie übellaunig. »Warum hast du das gemacht? Wir hätten eine Firma beauftragen können. Stattdessen musst du dir die Hände an so einer Arbeit schmutzig machen? Und die Farbe, also entschuldige mal, sieht aus wie Pisse.«

Es sah aus, als stellte er sich in Angriffsposition.

»Ingo!«, entsetzt sah sie ihn an, ballte ihre Fäuste hinter dem Rücken. Warum regte er sich überhaupt so auf? Sie hatte es doch nur gut gemeint. »Ich habe mich ins Zeug gelegt, versucht unsere Wohnung schön zu machen und du siehst es noch nicht einmal. Ich bin dir ganz egal!«

»Nein, du bist mir doch nicht egal …« er trat einen Schritt näher an sie heran. »Aber du musst keine harte Männerarbeit vollbringen. Das ist nichts für Frauen!«

Vanessa trat einen Schritt zurück.

»Aber ich … ich …«, war alles was sie noch sagen konnte. Ein dicker Kloß saß plötzlich in ihrem Hals und sie wusste nicht, ob er aus Wut heraus entstanden war, oder ob sie gleich in Tränen ausbrechen würde.

»Ich, ich«, äffte er ihr nach, holte aus und fegte die kleine Blumenvase vom Schuhschrank herunter. Sie zerbrach auf dem Boden und das Wasser lief heraus. »Denkst du auch noch mal an MICH?« Er betonte das letzte Wort.

Vanessa starrte ihn fassungslos und enttäuscht an. Die Vase. Die Rose. Der saubere Boden … . Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

»Ich bin es leid, dass du mich immer alleine lässt!«, schluchzte sie ihm entgegen.

»Was? Ach, jetzt bin ich auf einmal der Schuldige?« Er machte einen Schritt auf sie zu.

»Ich will nicht mehr allein sein!« Vanessa drehte sich um, lief in ihr Zimmer, knallte die Tür hinter sich zu und schmiss sich weinend aufs Bett.

Nachdem sie sich beruhigt hatte, hörte sie, wie Ingo draußen im Flur die Scherben aufhob. Dann war es einen Moment lang still. Sie spürte, dass er vor ihrer Tür stand. Sie konnte ihn fast atmen hören. Er klopfte zaghaft.

»Vanessa, entschuldige. Darf ich reinkommen?«


DIE FATA MORGANA

»Ich hab den besten und tollsten Mann gefunden, den es auf der Welt gibt!« sagte Viola begeistert und sah glücklich aus. Sie hatte auf dem Stuhl im Straßencafé Platz genommen und saß Vanessa gegenüber. Der aufgespannte, gelbe Sonnenschirm spendete ausreichend Schatten.

Vanessa blickte ihre Zwillingsschwester einen kurzen Augenblick erstaunt an, als hätte sie einen Geist gesehen. Sie wusste, dass Viola ihre Freiheit über alles stellte. Vor kurzem hatte sie noch gesagt, sie würde sich nie wieder binden wollen. Sollte sie Amors Pfeil dennoch getroffen haben, auch wenn ihr lockeres Wesen stets auf der Suche nach einem Liebesgespielen war? Viola war schließlich ständig auf Abenteuer aus. Doch dieses Mal strahlte sie und es schien ihr ernst zu sein. Sie war wohl fündig geworden. Dass es überhaupt einen gab, der so außergewöhnlich war, wie sie und mit dem sie zusammenpasste! Unglaublich, wie das Leben verlief. Vanessa hatte auch gedacht, sie hätte den Mann ihrer Träume geheiratet, doch heute sah alles anders aus. Aber sie gönnte Viola ihr Glück von ganzem Herzen und fragte sie. »Wie hast du ihn gefunden?«

»Auf dem Rummelplatz, der gerade aufgebaut wird. Bist du dort schon gewesen?«

»Nein, das ist mir zu viel Trubel.« Vanessa schüttelte ablehnend den Kopf.

»Er ist unglaublich abenteuerlich veranlagt und sieht wahnsinnig gut aus. Wie ein Schauspieler. Naja fast. Er ist der Lover schlechthin. Ich kann nicht aufhören, an ihn zu denken. Stell dir vor, wir hatten Sex in seinem Wohnwagen. Spontan, wie geil! Das hat mir sehr gefallen«, schwärmte Viola.

»Hat es denn niemand bemerkt?«, fragte Vanessa nach und blickte schüchtern flüsternd und mit vorgehaltener Hand in Violas Gesicht. Wie konnte sie nur … also nein.

»Nein. Das ist gerade das Prickelnde an der Sache. Werden wir erwischt oder nicht?« Violas Wangen färbten sich rot. Ihre Augen glitzerten voller Freude. Sie war eifrig dabei, ihre neue Eroberung zu beschreiben. Das konnte sie gut, sie nahm nie ein Blatt vor den Mund. Ganz anders als Vanessa.

»Das ist wundervoll für dich, ich gratuliere dir.« Vanessa strengte sich an, dass ihre Mimik genauso begeistert aussah, wie die ihrer Schwester, doch auf ihrer Seele lastete ihre eigene Beziehung. Das in so einer Situation zu verbergen, war schwierig. Und tatsächlich konnte sie Viola nichts vormachen. Sie hatte sicher schon längst erkannt, dass etwas im Argen lag.

»Und wie geht es mit dir und Ingo? Warum warst du letztens so aufbrausend am Telefon?«, hakte sie neugierig nach. Sie rückte mit ihrem Stuhl näher an den Tisch heran und sah Vanessa gespannt an.

»Ach weißt du, es ist alles ziemlich eingefahren. Um ehrlich zu sein, es ist mittlerweile langweilig. Wir leben gemeinsam und ich bin alleine. Wir hatten uns gestritten, wegen dem neuen Flur. Er hat mir eine Szene gemacht. Dabei hatte ich es doch nur gut gemeint.«

Viola machte ein mitleidiges Gesicht. Sie schien zu erahnen, was in Vanessa vorging.

»Ich wünschte, du wärst auch so glücklich wie ich. Wie lange geht das bei euch schon?«

»Du meinst, dass es nicht gut läuft?«, fragte Vanessa nach und erntete einen neugierigen Blick und ein herausforderndes Nicken von Viola.

»Viele Wochen. Wenn ich überlege, sind es schon Monate. Er ist überlastet mit seiner Arbeit in der Kanzlei. Du kannst es dir nicht vorstellen.«

»Ach du je, das tut mir leid für euch. Und du hattest die ganze Zeit keinen Sex?« Violas Gesicht wirkte verständnislos und gleichzeitig erstaunt. Ihr Mund blieb offen, sichtlich gespannt, welche Antwort sie bekäme.

Vanessa nickte nur nachdenklich und stumm.

»Aber du musst doch irgendwie auch Befriedigung bekommen. Wie machst du das, wenn er nichts mehr von dir wissen will? Hast du etwa eine heimliche Sextoysammlung?« Viola grinste spitzbübisch.

Vanessa sah sich um, ob niemand zuhören konnte. Es war peinlich, Viola gegenüber zu sitzen. Am liebsten würde sie tun, als gehörte sie nicht dazu.

»Ach was«, winkte sie ab. Sexspielzeug war doch nur etwas für … Ein künstlicher Penis für sie, die unbefriedigte Frau. Bei dem Gedanken fühlte sie sich plötzlich wie eine abgelegte Jacke, die niemand mehr brauchte.

»Und nichts mehr wissen wollen ist auch zu viel gesagt. Er kümmert sich. Leider nur um das Notwendigste. Er ist irgendwie so lustlos geworden, weil er keine Zeit mehr hat. Ich kann ihn gut verstehen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass er keine Zeit für uns aufbringen kann. Er ist unzugänglich geworden. Das ist unser einziges Beziehungsproblem. Ich kann dir sagen, das reicht auch.«

»Das ist hart. Kannst du nicht deinen Ausgleich bei anderen Männern suchen, so wie ich? Such dir einen Lover für diverse Spielchen.« Leger und von sich überzeugt, lehnte sich Viola im Stuhl zurück und fixierte Vanessa mit einem bohrenden Blick.

»Was?« Erschreckt sah sie ihre Schwester an. »Aber dann wäre ich Ingo ja untreu!« In ihren Gedanken tauchte ein Verbotsschild auf, das von ihrem Gewissen hin- und hergeschwungen wurde. »Nein, nein. Ich bin nicht so eine. Vergiss es. Irgendwann wird Ingo sich wieder an mich wenden, das weiß ich ganz genau. Und ich kann ihn doch nicht betrügen.«

»Es ist kein richtiger Betrug. Sieh es als Spiel. Die Männer machen es doch genauso.«

»Du brauchst nicht versuchen, mich zu überzeugen. Ich bin nicht wie du und ich werde es auf gar keinen Fall werden.« Vanessa stand beleidigt auf. »Vergiss es!«, sagte sie mit lauter Stimme und drehte sich zum Gehen um.

»Entschuldige bitte. Schwesterherz, ich habe es nicht so gemeint. Warum bist du denn so gereizt?« Violas Hand hatte sich fest um Vanessas Handgelenk gelegt. Sie zog sie zurück auf den Stuhl. »Sorry, das war nicht so gemeint. Aber mal ehrlich, was willst du stattdessen machen?« Viola sah sie skeptisch und mit hochgezogenen Schultern an.

»Wenn mir das alles zu viel wird, suche ich mir meinen Ausgleich anderswo. Ich hole mir meine kleinen Erfolgserlebnisse, wenn ich ein günstiges Schnäppchen gemacht habe. Und ich beginne jetzt, die Wohnung umzugestalten. Der Flur war erst der Anfang. Ich brauche das. Es macht mich für einen Moment lang glücklich.«

»Du geht’s shoppen und renovierst, statt Sex zu haben?«, fragte Viola erstaunt.

»Wie soll ich es dir erklären? Es reicht aus, um zufrieden zu sein. Jedenfalls für eine Weile.«

»Und letztendlich ist eine Verschönerung nur Ersatzbefriedigung, die auf Dauer eben auch nicht glücklich macht«, entgegnete Viola.

»Letzten Monat habe ich mir ein paar Pumps geleistet, das günstig war. Fünfzig Prozent habe ich darauf bekommen.«

»Welche Farbe?«

»Rot.«

Viola grinste süßlich. »Ach, was für ein Zufall. Ich habe noch etwas Schönes für dich zurückgelegt. Gehst du mit, wenn ich los muss? Meine Mittagspause geht nur noch eine Viertelstunde.«

»Gerne.«

»Ich frage mich trotzdem, wie du deine Gefühle beherrschst. Ohne Sex könnte ich nicht sein«, sagte Viola. Das war ja klar. Viola war wie ein wilder Hengst, der mit flatternder Mähne über eine Wiese galoppiert. Vanessa dagegen war ein braves Lämmchen, das im Schatten der Bäume liegt und vor sich hin träumt.

»Glaub mir, ein Lover ist viel besser, als sich mit Krimskrams zu belohnen. Du musst deinem Verlangen auch mal einen Ausbruch erlauben.«

»Jetzt hör aber auf! Wie soll ich das anstellen? Ich mag keine Partys und keinen Rummel.«

»Da überlegst du noch? Hallo? Hast du schon mal was von einem Internet gehört?« Violas Ton wurde bestimmender.

»Ach ja, das Internet. Sorry, das ist mir gar nicht eingefallen«, meinte Vanessa. Daran hatte sie allen Ernstes nicht gedacht.

»Es wimmelt von männlichen Angeboten. Es muss ja kein Gigolo sein, aber bestimmt gibt es jemanden, der dich gerne verwöhnen würde, da bin ich mir sicher.«

Vanessa spürte, dass Viola sie am liebsten in ihre sexistische Welt geschubst hätte, doch sie krallte sich am Rand ihrer heilen Welt fest. Sie sträubte sich. Es war ihr zuwider, sich derartige Eskapaden vorzustellen. Andererseits begann es leise in ihr zu glimmen, wie eine schwache Glut, ein winziges Fünkchen in einem Kaminfeuer, das ausgegangen war. Sie fragte nach Violas Eroberung.

»Wie ist denn dein Neuer? Wie war das Erlebnis im Wohnwagen?«

»Geil, geil, Supergeil! Er war ein Traum, zuerst einfühlsam und dann ging die Post ab, sag ich dir. Und sein Ding ist so passend, als wäre er für mich konstruiert worden. Unsere Teile passen zusammen, wie der Korken in der Weinflasche, wenn du verstehst, was ich meine.« Viola lächelte, als ob sie im siebten Himmel schwebte. Ein Glanz des Glücks schimmerte in ihren Augen. Wie beneidenswert. Das musste frische und glückliche Liebe sein.

In Vanessas Erinnerung regte sich etwas. Das, was früher wichtig und schön gewesen war, hatte sich quasi verabschiedet. Würde sich dieser Zustand heilen lassen? Mit einem Lover? Nein. Unmöglich. Es gehörte sich einfach nicht. Das konnte sie Ingo nicht antun. Nichtsdestotrotz schien die Glut in ihr größer werden zu wollen. Dieses Gefühl versuchte sie zu unterdrücken.

»Ja, ich kann mir vorstellen, wie gut es dir gehen muss und wie erfüllt dein Sexleben ist. Oder ist da mehr zwischen euch?«, versuchte sie, Viola auszufragen.

»Es ist der erste Mann, der mir wirklich gefällt. Ich wäre gern mit ihm zusammen. Nicht so richtig, ich würde auf keinen Fall heiraten. Wir müssen ja nicht zusammen ziehen. Er ist so … so …« Vanessa rang nach Worten und blickte, die Hände halb erhoben, in das Blau des Himmels. So musste es sein, wenn man richtig verliebt war. Ihr fehlten die Worte, leichte Röte überzog ihre Wangen und wahrscheinlich sah sie ihre Welt rosarot, auch ohne Brille.

»Ich glaube, ich habe mich in diesen Typen verknallt«, gab sie zu und strich ihr braunes Haar hinter die Ohren zurück. Dann blickte sie erschrocken auf ihre Uhr.

»Ach herrje, meine Mittagspause ist vorbei. Ich hatte die Zeit ganz vergessen.« Vanessa konnte sich an dieses verliebtsein gut erinnern. Viola musste es schwer getroffen haben. Sie lächelte, stand auf und forderte Vanessa auf, mit zu gehen. Kurz darauf befanden sie sich in ihrem Shop.

»Wow! Die sieht klasse aus«, bestätigte Vanessa, während sie die leuchtend rote Tasche drehte und begutachtend hochhielt. »Und die Farbe erst«, freute sie sich. »Die passt hervorragend zu meinen neuen Pumps. Wie viel willst du dafür haben?«

»Ich schenke sie dir.« Viola streckte sie ihr entgegen. »Die Farbe ist wirklich hinreißend. Mit der wirst du auffallen.«

Mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck zwinkerte sie nickend. Wollte Viola mit dieser Geste ihrem Vorschlag mit dem Lover Nachdruck verleihen? Oder kam es Vanessa nur so vor?

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233 стр. 6 иллюстраций
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9783960000631
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