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Harz

45 MIKROABENTEUER ZUM ENTDECKEN UND GENIESSEN

Anke Fietzek

© 2021 360° medien

Marie-Curie-Straße 31 I 40822 Mettmann

www.360grad-medien.de

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Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Redaktion und Lektorat: Christine Walter

Satz und Layout: Serpil Sevim-Haase

Gedruckt und gebunden:

Lensing Druck GmbH & Co. KG I Feldbachacker 16 I 44149 Dortmund

www.lensingdruck.de

Bildnachweis: siehe Seite 255

ISBN: 978-3-96855-075-6

epub ISBN: 978-3-96855-130-2

mobi ISBN: 978-3-96855-131-9

Hergestellt in Deutschland

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Anke Fietzek

Harz

45

MIKROABENTEUER

ZUM ENTDECKEN UND GENIESSEN


Vorwort

Der Harz, das höchste Mittelgebirge Deutschlands, mit dem „Berg der Deutschen“, dem sagenumwobenen Brocken, wird immer noch sehr unterschätzt. Wer in Süddeutschland zu Hause ist, hat den Harz kaum auf dem Schirm. Wenn man von Norden Richtung Süden fährt, ist es das erste Gebirge, das man erreicht. Auf den ersten Blick nicht ganz so spektakulär wie die bayerischen Alpen, hat der Harz dennoch so Vieles zu bieten. Unglaublich vielfältig und durchaus beeindruckend präsentiert sich die Region seinen Besuchern. Die typische Harzer Gastlichkeit, deftiges Essen, atemberaubende Natur, geschichtsträchtige Gemäuer, unzählige Sagen und mystische Geschichten sowie ein Hauch Ostalgie verzaubern die Besucher auf eine ganz einzigartige Weise.

Naturliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. An kaum einem anderen Platz kann man so viele Vögel, Rot- und Muffelwild und mit etwas Glück sogar Luchse und Wölfe in freier Wildbahn erleben, was auf die unterschiedlichen Klima- und Vegetationszonen zurückzuführen ist. Auch der große Nationalpark, viele andere Schutzzonen und die unermüdliche Arbeit vieler Einheimischer, die wunderbare Natur zu bewahren, schaffen ein Paradies mitten in Deutschland.

Obwohl der Harz flächenmäßig überschaubar und auch sehr gut erschlossen ist, reicht eine Reise allein nicht aus, um auch nur die bekanntesten touristischen Highlights zu besichtigen. Wer sowieso lieber etwas abseits des Mainstream-Tourismus unterwegs ist, den Harz schon öfter besucht hat oder sogar hier zu Hause ist, der findet in diesem Buch bestimmt die ein oder andere Inspiration, um erneut in die sagenumwobene Bergwildnis zu reisen oder sich noch etwas genauer vor der eigenen Haustür umzusehen. Nicht jeder Punkt des Buches ist ein sogenanntes Highlight, vermittelt aber ein hundert Prozent authentisches Harzerlebnis und kann so vielleicht zu Ihrer schönsten Erinnerung werden.


Seit zehn Jahren reise ich für meine Artikel durch die ganze Welt. Meist in exotische Länder und immer auf der Suche nach „Erinnerungen“ neben den überlaufenen Touristenattraktionen. Als geborene Bayerin hatte ich anfangs sogar Zweifel, ob der Harz denn „genug zu bieten hat“, aber dank meines Mannes, der in Wernigerode geboren ist, und unseren besten Freunden, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Ich freue mich besonders, meine Heimat, den Harz, nach so vielen Jahren nun auf ganz spezielle Weise entdeckt zu haben, um die tollsten Erlebnisse in diesem Buch für Sie festhalten zu können.

Viel Spaß beim Entdecken und Erleben! Lassen Sie sich überraschen und halten Sie die Augen offen! Es gibt noch vieles mehr, was diese Region zu bieten hat, und vielleicht bekomme ich den nächsten Tipp sogar von Ihnen – für einen ganz speziellen Heimatmoment.

Anke Fietzek www.fietzekpro.com

Inhaltsverzeichnis

WILLKOMMEN IM HARZ

TOP TEN DER SEHENSWÜRDIGKEITEN IM HARZ

KURIOSES UND BESONDERHEITEN AUS DEM HARZ

GUT ZU WISSEN

WESTLICHER NORDHARZ

1.Wanderung zum Waldgasthof Hasenspring

2.Kaiserpfalz Werla: Archäologie- und Landschaftspark

3.Am grünen Band: Hotspot für Vogelbeobachtungen

4.Auf Entdeckungsreise im Harly-Wald

5.Klostergut Wöltingerode: die Seele baumeln lassen

6.Aloha ike: hawaiianische Wellnessmassagen

7.Auf dem Themenweg Spur der Steine

8.Herzberger Teich und Kinderbrunnen

9.Maltermeisterturm Goslar: Restaurant in historischem Ambiente

10.Wanderung zur Verlobungsinsel und Besuch im kleinsten Königreich der Welt

11.Wildgehege Bad Harzburg: zu Besuch bei Hirsch und Reh

12.Plumbohms Aussichtsreich auf dem historischen Burgberg

MITTLERER NORDHARZ

13.Mitten im Eckertal: Waldcafé, Nutztierarche und Planwagenfahrten

14.Wanderung im Ilsetal: durch wildromantische Natur zu den Ilsefällen

15.Kanada-Feeling im rustikalen Holzhaus mit Sauna

16.Museumshof Silstedt: dörfliche und landwirtschaftliche Tradition und Lebensweise

17.Harzplanetarium Wernigerode: astronomischer Spaziergang

18.Wanderung am Agnesberg: spektakulärer Blick auf Schloss und Region

ÖSTLICHER NORDHARZ

19.Glasmanufaktur Harzkristall: Glas mit allen Sinnen erleben

20.Höhlenwohnungen in Langenstein

21.Sandsteinhöhlen Blankenburg: Höhlenabenteuer für die ganze Familie

22.Hamburger Wappen: markantes Felsgebilde der Teufelsmauer

23.Herbergsmuseum Blankenburg: Museum der alten Zünfte

HARZHOCHFLÄCHE UND BROCKENGEBIET

24.Wanderung zum Rotestein: Blick über den Fjord des Harzes

25.Harzköhlerei Stemberghaus: Museum und Baude mit harztypischen Speisen

26.Wanderung zu den Leistenklippen: Wildnis und ein atemberaubender Blick

27.Pension Mühlhahn am Fuß des Brockens

28.Waldgaststätte Rinderstall: historisches Wanderziel in einzigartiger Lage

29.Unterwegs im Torfhausmoor: beeindruckende Botanik und Geschichte

30.Offroadtouren Crude: mit Ziesel und Wasserfahrrad

31.Huskyabenteuer Oberharz: mit dem Hundeschlitten durch den Harz

OBERHARZ

32.Waldvogelstation Osterode: zu Besuch bei den Wildvögeln

33.Auerhühner in Lonau: größtes Schaugehege Europas

34.WeltWald Harz: Streifzug durch die Wälder unserer Erde

UNTERHARZ

35.Mausefallen und Kuriositäten: das etwas andere Museum

36.Nordmanns wildes Paradies: Heimat der größten Bisonherde Deutschlands

37.Exkursion im romantischen Selketal

38.Ferienpark Merkelbach: Ich glaub, mich knutscht ein Elch!

SÜDHARZ

39.Unterwegs im Gipskarstgebiet mit Blick auf den Sachsenstein

40.Historischer Bahnhof Wieda: Waldgasthof mit Wildtierfütterung

41.Ziegenalm Sophienhof: wo die Natur zu Hause ist

42.Spaziergang in Stolberg: die erste historische Europastadt Deutschlands

43.Josephskreuz: größtes eisernes Doppelkreuz der Welt

44.Rhumequelle: Europas drittgrößte Frischwasserquelle

45.Steinkirche Scharzfeld: ältestes Gotteshaus im Harz

TIPPS FÜR DEN HARZ MIT KIDS UND SCHLECHTWETTER-ATTRAKTIONEN

DAS KLEINE WÖRTERBUCH FÜR DEN HARZ

REGISTER

BILDNACHWEIS


Höchster Berg im Harz – der Brocken

In den Monaten vor der Veröffentlichung dieses Buchs mussten Lokale und Besucherattraktionen immer wieder aufgrund der Corona-Pandemie ihre Öffnungszeiten einschränken oder zeitweise komplett schließen. Die in diesem Band angegeben Öffnungszeiten wurden gewissenhaft nach dem letzten bekannten Stand recherchiert – mit weiteren Änderungen ist jedoch nach der Pandemie zu rechnen, weshalb wir Lesern empfehlen, während des Aufenthalts im Harz Öffnungszeiten anhand der hier aufgeführten Internetseiten selbst zu überprüfen.

Willkommen im Harz

Die sagenumwobene Bergwildnis ist bekannt für seine Mythen und Legenden und vor allem für die umwerfend schöne Natur. Bis ins Mittelalter wurde die Region als „Hart“ bezeichnet, was Bergwald bedeutet. Der Harz vereint drei Bundesländer: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben einen Anteil an der etwa 2300 Quadratkilometer großen Region. Der Gebirgszug erstreckt sich auf einer Länge von etwa 110 Kilometern und ist bis zu 30 Kilometer breit. Die Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt beanspruchen den größten Teil des Harzes. Im westlichen Teil und somit in Niedersachsen gelegen, befinden sich die Landkreise Goslar und Göttingen. Der Landkreis Nordhausen in Thüringen liegt am südlichen Rand. Der Brocken ist mit seinen 1141 Metern der höchste Berg unweit der bunten Stadt Wernigerode in Sachsen-Anhalt, dicht gefolgt von Niedersachsens Wurmberg mit 971 Metern bei Braunlage und dem thüringischen Ehrenberg mit immerhin 635,5 Metern.

Der Harz gilt als geologisch vielfältigstes Mittelgebirge Deutschlands. Forschungen aus dem Jahr 2011 datieren das Brockengranit auf 293 Millionen Jahre, sodass die Entstehung mit dem Zerfall des Superkontinents Pangäa in Verbindung zu bringen ist. Beim Ausbruch einiger Vulkane erstarrte Magma und blieb in der Erdkruste stecken – die Geburtsstunde des höchsten Berges in Norddeutschland. Die Auffaltung der gesamten Mittelgebirgsregion ereignete sich aber bereits vor circa 300 bis 320 Millionen Jahren. Der Iberg bei Bad Grund ist ein Relikt aus dieser Zeit. Es handelt sich um Kalkstein, ein ehemaliges Korallenriff, das von einem tropischen Ozean bedeckt war und durch die Faltung der Landschaft bis auf fast 565 Meter über den Meeresspiegel nach oben gepresst wurde. Im Inneren wurden bis heute mehr als 100 Hohlräume entdeckt. Die „Iberger Tropfsteinhöhle“ ist ein bekanntes und beliebtes Ausflugsziel bei Besuchern aus der ganzen Welt. Zahlreiche Geopunkte wie Besuchersteinbrüche, Schauhöhlen, Schaubergwerke und Findlingsgärten können auf extra angelegten Geo-Wanderwegen und Pfaden im GeoPark Harz. Braunschweiger Land. Ostfalen erkundet werden.

Das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands bietet seinen Besuchern unzählige Möglichkeiten zur Entspannung oder für einen Aktivurlaub. Wanderer kommen auf Hunderte Kilometer langen Wegen voll auf ihre Kosten. Extra angelegte Bikeparks und viele Mountainbike-Trails erlauben spektakuläre Fahrten durch die dichten Wälder. Unzählige idyllische Waldseen, Talsperren und Wildwasserstrecken locken Wasserliebhaber an, und die verschneiten Hänge sind im Winter sehr beliebt für Abfahrtski, Rodeln und Langlauf.


Mit der Bimmelbahn durch Goslar

Die vielen idyllischen Fachwerkstädtchen und Dörfer bilden einen perfekten Kontrast zur wild-romantischen Natur und sind Teil der deutschen Fachwerkstraße. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Ortschaften Wernigerode, Goslar, Quedlinburg, Bad Harzburg, Braunlage, Thale und nicht zuletzt Stolberg, das mit dem Titel „Historische Europastadt“ aufwartet.

Wer in den Harz reist, sollte für jedes Wetter gewappnet sein. Vor allem im Oberharz kann das Wetter schnell umschlagen. Atlantische Westwinde frischen die Luft regelmäßig auf, und jährlich wird ein Niederschlag von etwa 1600 Millimeter verzeichnet. Im Unterharz hingegen fallen die Regenfälle mit etwa 600 Millimeter vergleichsweise mild aus. Der Brocken ist außerdem bekannt für sein „eigenes“ Wetter. Seien Sie hier auf alles gefasst. Eine Schneehöhe bis zu knapp vier Metern ist keine Seltenheit, wobei sich Schneeverwehungen bis über sechs Meter bilden können und es somit jährlich auch zu Ausfällen der Harzer Schmalspurbahn kommt.


Radauer Wasserfall

Die Flüsse weisen stark schwankende Wasserpegel auf. Gerade nach starken Niederschlägen rollen Wassermassen die engen Schluchten entlang und bringen allerlei Felsen und Geröll mit sich. Bei Wanderungen und Betreten der Flussbetten ist somit immer Vorsicht geboten. Die größten Flussläufe im Harz sind die Oder im Süden, die Bode, Innerste und Oker im nördlichen Teil und im Osten die Wipper.

Erwähnenswert ist, dass eine der wohl berühmtesten Persönlichkeiten dieses Landes im Harz zu Hause war. Der Vater der Reformation und Kirchenkritiker Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Weniger bekannt ist, dass er auch als Wegbereiter für den Denkmalschutz und die Denkmalpflege steht; bei seiner Übersetzung der Bibel erschuf er das Wort „Denkmal“. Sein Geburtshaus von 1693 in Eisleben gehört seit 1996 zum UNESCO-Welterbe als eines der ältesten Museen Deutschlands. Die ersten dreizehn Lebensjahre, die Luther sehr geprägt haben, verbrachte er mit seiner Familie in Mansfeld. Dort kann man auch heute noch das Elternhaus besichtigen. Weitere Infos unter martinluther.de

Auch im Zweiten Weltkrieg spielte der Harz eine Rolle. Am 8. April 1945 wurde er zur Festung erklärt, um Mitteldeutschland gegen die Westalliierten zu verteidigen. Das Hauptquartier der „Harzfestung“ lag bei Blankenburg. Schnell stellte sich heraus, dass es keine ernst zu nehmende Festung war, denn die Alliierten konnten den Harz mühelos umgehen und das ohne große Marschverzögerung. Bereits am 11. April hatten die US-Truppen rund 75 Prozent des Harzes besetzt. Am 20. April 1945 gelang mit Widerstand die Besetzung des Brockenplateaus und rund 50.000 deutsche Soldaten wurden in Kriegsgefangenschaft genommen. Bereits im Juli 1945 besetzten sowjetische Truppen den östlichen Teil des Harzes im Zuge der Neuordnung Deutschlands. Die innerdeutsche Grenze zog sich von 1949 bis 1990 durch den Westharz. Das ehemalige militärische Sperrgebiet am Brockenplateau verzeichnet mittlerweile über eine Million Besucher pro Jahr.

Noch heute spielt Blankenburg eine große Rolle. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein riesiges Tunnelsystem unter Tage geschaffen, um an der V2-Waffe zu bauen. Mitte der 1970er-Jahre baute die NVA das unterirdische Gelände atomsicher aus. Es reicht 8000 Meter weit und 80 Meter tief in den Berg. Ein 100 Tonnen schweres Stahltor sichert den Eingang. Auf über 30 Quadratkilometern lagern hier Arzneimittel, und somit handelt es sich hierbei um die größte unterirdische Apotheke weltweit. Heute werden von hier aus Hilfslieferungen für die ganze Welt zusammengestellt und die Versorgung von deutschen Truppen gesichert.


Blick auf den Brocken

Verschiedene Tafeln erinnern an den Verlauf der innerdeutschen Grenze. Manchen Ortes stehen noch heute Teile der Zäune oder Grenztürme. Weitere Einblicke in die DDR Zeit finden Besucher in mehreren „Ostalgie“- bzw. DDR-Museen.

Top 10

DER SEHENSWÜRDIGKEITEN IM HARZ

1Der Brocken: Unumstrittenes Highlight im Harz ist der Brocken, gerne auch „Berg der Deutschen“ genannt aufgrund seiner Lage an der ehemals innerdeutschen Grenze. Gerade während der Sommerzeit pilgern wahre Touristenströme gen Gipfel. Die meisten erklimmen den Blocksberg auf einem der verschiedenen Wanderwege; der Goetheweg von Torfhaus aus ist dabei einer der beliebtesten Pfade. Die Route entspricht dem ungefähren Aufstieg von Goethe am 10. Dezember 1777. Im August und September, wenn die Heide im Hochmoor blüht, ist die Landschaft hier besonders bezaubernd. Für geübte Wanderer bietet sich die Tour von Schierke über das Eckerloch zum Gipfel an. Auf der circa 5,5 Kilometer langen Wanderung erlebt man Natur pur. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind hier Grundvoraussetzung. Weiterhin empfiehlt sich der Teufelsstieg von Elend über den Brocken nach Bad Harzburg. Wer es lieber gemütlich angeht, der kann eine Planwagenfahrt zum Brocken buchen oder mit der Brockenbahn den Weg zum Gipfel bestreiten; harzinfo.de/naturlandschaft-harz/der-brocken-im-harz


2Hexentanzplatz Thale: Das 454 Meter hohe Felsplateau mit einem tollen Blick auf das Bodetal ist von Sagen und Mythen umwoben. Hier sollen sich seit jeher die Hexen des Harzes in der Walpurgisnacht zusammenfinden, um gespenstische Rituale zu feiern und dann gemeinsam zum Brocken aufzubrechen, wo sie dann um riesige Hexenfeuer tanzen und um die Hand des Teufels anhalten. Zum Plateau fährt man bequem mit der Seilbahn. Die Seilbahnen Thale Erlebniswelt bieten Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie. Schon die Fahrt mit der Kabinenbahn ist spektakulär und bietet wunderschöne Aussichten. Oben angekommen lohnt ein Besuch mit Tierpark, im Harzer Bergtheater oder die Abfahrt mit der Allwetterrodelbahn Harzbob Thale; bodetal.de/bodetalurlaub/ausflugsziele/hexentanzplatz


3Wernigerode: Die bunte Stadt im Harz bietet seinen Besuchern ein breites Spektrum an Aktivitäten. Der große Marktplatz mit dem wohl schönsten Rathaus Deutschlands und einem wunderschönen Brunnen lädt zum Verweilen ein. Rund um den Platz befinden sich verschiedene Cafés und Restaurants und bieten kulinarische Highlights. Eine Perle der deutschen Schlösser, das Schloss von Wernigerode, thront imposant über der Stadt. Die ehemalige Burg wurde zwischen 1110 und 1120 erbaut und erlangte ihr jetziges Erscheinungsbild im 19. Jahrhundert. Heute beherbergt das Gebäude ein beliebtes Museum. Ein Besuch lohnt allein wegen des atemberaubenden Blicks auf die Region von den Schlossterrassen aus. Den besten Blick auf das Schloss hat man vom Agnesberg aus, der nach einer kurzen Wanderung über das Christianental erreicht ist; wernigerode-tourismus.de


4Harzer Schmalspurbahn: Das gesamte Streckennetz der Harzer Schmalspurbahn umfasst mehr als 130 Kilometer. Eine Fahrt mit der Harzquerbahn von Wernigerode nach Nordhausen oder mit der Selketalbahn von Quedlinburg durch das Selketal zur Eisfelder Talmühle ist ebenso lohnenswert wie die Fahrt mit der Brockenbahn von Drei Annen Hohne auf den Brocken. Sommers wie winters sind es einzigartige Erlebnisse, wenn sich die alten Dampfloks ihren Weg durch den Harz bahnen; hsb-wr.d


5Quedlinburg: Seit 1994 trägt die Fachwerkperle den Titel UNESCO-Welterbestadt. Die verwinkelten Gassen, das alte Kopfsteinpflaster und die 2000 wunderschön geschmückten Fachwerkhäuser verleihen der alten Stadt ganz besonderen Charme, und die größte Sehenswürdigkeit ist die Stadt selbst als größtes Flächendenkmal Deutschlands. Besonders interessant ist das Fachwerkmuseum in einem der ältesten Fachwerkhäuser, die in der Ständerbauweise errichtet wurden. Lange Zeit galt dieses im Jahr 1346 erbaute Haus sogar als ältestes Fachwerkhaus Deutschlands, jedoch wurde der Höllenhof, ebenfalls in Quedlinburg, in drei Abschnitten von 1215 bis 1301 errichtet und ist somit älter. Quedlinburg wurde jedoch bereits 922 urkundlich erwähnt und spielt deshalb auch in der deutschen Geschichte eine Rolle. Sachsenherzog Heinrich wurde 919 hier gekrönt und fand 936 seine letzte Ruhe in Quedlinburg. Einen atemberaubenden Blick über Quedlinburg hat man von dem 42 Meter hohen Sternkiekerturm, der sich auf dem Gelände des Schlosshotels direkt an der historischen Stadtmauer befindet. Zugang erhält man gegen Einwurf einer Ein-Euro-Münze in das Drehkreuz am Eingang. Nach der Stadtbesichtigung ist es Zeit für eine Pause. Diese legt man am besten im weltberühmten Käsekuchencafe „Vincent“ am Fuße des Schlossbergs ein. Hier stehen mehr als 130 verschiedene frisch gebackene Käsekuchen zur Auswahl; quedlinburg.de


6Rammelsberg Goslar: Der Rammelsberg ist das einzige Erzbergwerk weltweit, dass über ein Jahrtausend lang, nämlich bis 1988, in ständigem Betrieb war. Im Jahr 1992 wurde es als Besucherbergwerk wiedereröffnet und zusammen mit der Altstadt Goslar zur UNESCO-Weltkulturerbestätte ernannt. Verschiedene Führungen Untertage und Übertage sowie wechselnde Sonderausstellungen geben Einblicke in die Abbaugeschichte; rammelsberg.de


7Oberharzer Wasserwirtschaft / Oberharzer Wasserregal: Für den Bergbau im Harz waren enorme Mengen an Wasser notwendig, um die Energieversorgung zu gewährleisten. Deshalb schuf man zwischen dem 16. bis 19. Jahrhundert ein Umleitungssystem mit vielen Wassergräben, die die notwendigen Wasserräder antrieben. Es handelt sich um das weltweit bedeutendste vorindustrielle Wasserwirtschaftssystem des Bergbaus und steht bereits seit 1978 unter Denkmalschutz. Wegen der großen Bedeutung wurden die Bauwerke im Jahr 2010 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen; oberharz.de/sommer/kultur-im-harz/oberharzer-wasserwirtschaft-unesco-weltkulturerbe


8Rappbode Talsperre und die Hängebrücke Titan-RT: Das gigantische Bauwerk ist nicht nur die größte Talsperre Deutschlands, sondern gleichzeitig das Kernstück des Talsperrensystems im Ostharz. Mit einer Länge von 415 Metern und einer Höhe von 106 Metern können über 100 Millionen Kubikmeter Wasser angestaut werden. Seit über 50 Jahren wird das Bodetal durch die Staumauer vor Hochwasser geschützt. Im Jahr 2017 eröffnete hier die längste Hängebrücke ihrer Art. Die „Titan-RT“ spannt sich mit sagenhaften 458,5 Metern über das Staubecken; bodetal.de/poi/rappbodetalsperre-1


9Barbarossahöhle: In der Nähe von Bad Frankenhausen im GeoPark Kyffhäuser liegt dieses wirklich einzigartige Naturdenkmal. Die Höhle ragt rund 1100 Meter in den Felsen hinein und ist 25.000 Quadratmeter groß. Es handelt sich um die einzige Schauhöhle Europas, die sich im Anhydritgestein befindet. Weltweit ist lediglich noch eine weitere Höhle dieser Art im Ural bekannt. Der Legende nach schläft noch heute Kaiser Barbarossa im Tanzsaal, der auch der Höhepunkt eines Besuchs ist. Mit etwas Fantasie kann man den Tisch und den steinernen Thron wie in der alten Legende beschrieben entdecken; barbarossahoehle.de


10Baumwipfelpfad und Baumschwebebahn Bad Harzburg: Auf dem Baumwipfelpfad lernt man die Natur aus einer anderen Perspektive kennen. Der barrierefreie Pfad führt in luftiger Höhe durch die dichten Baumkronen. Auf einer Weglänge von 1000 Metern gibt es viel zu entdecken. Wer möchte, kann eine der verschiedenen Themenführungen buchen. Die Baumschwebebahn verändert erneut die Sicht auf den Baumbestand des Burgberges. Seit August 2020 ist es möglich mit einer Flyline über 1000 Meter und einer Geschwindigkeit von maximal 15 Kilometer in der Stunde den Berg hinabzuschweben. Man sitzt in einem Gurtsystem und kann den herrlichen Ausblick ins Tal genießen; baumwipfelpfad-harz.de


Kurioses und Besonderheiten

AUS DEM HARZ

Inspiration für Schriftsteller: Der Harz ist eine ganz besondere Region, die durch ihre Einzigartigkeit besticht. Viele Menschen besuchen das Mittelgebirge, um sich von dem hektischen Alltag zu erholen. Auch Dichter und Schriftsteller wie Heinrich Heine, Franz Kafka und Johann Wolfgang von Goethe fanden hier die nötige Inspiration für ihre Werke, nicht zuletzt aufgrund der vielen Mythen und Sagen, die sich um die geheimnisvolle Bergwildnis ranken. Weit bevor der Massentourismus am Brocken einsetzte, bestiegt 1777 Goethe den Gipfel des Berges und schrieb Folgendes nieder: „So einsam, sage ich zu mir selber, indem ich diesen Gipfel hinabsehe, wird es dem Menschen zumute, der nur den ältesten, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seine Seele öffnen will.“ Mit seinem literarischen Meisterwerk „Faust“ trug er maßgeblich an der Verbreitung des Kultstatus des Blocksberges als Versammlungsort für alle Hexen Deutschlands bei. Aufzeichnungen zufolge sprach man aber bereits im Mittelalter von einem Ort, an dem sich die Geisterwesen und Zauberweiber trafen. Behauptungen, dass es sich um eine heidnische Kultstätte handelt, konnten Archäologen widerlegen, weil schlichtweg die Zeugnisse dafür fehlen. Allerdings hat der Harz jede Menge andere Kultstätten, die sogenannten Klusfelsen, zu bieten. Auch die Hexenverfolgung spielte in der frühen Zeit eine große Rolle im Harzgebiet. Seit der Erschließung des Blocksberges finden hier und am Hexentanzplatz in Thale die größten Walpurgisfeiern mit geschätzten 150.000 Besuchern statt. Die Namen der bekannten Felsformationen wie der „Hexenaltar“ und die „Teufelskanzel“ wurden von Bergführern im 18. Jahrhundert frei erfunden, um den Aufstieg zum Gipfel attraktiver zu gestalten. Wen wundert es, dass das meist verkaufte Souvenir im Harz die Brockenhexe ist. Der düstere Ruf des Brockens wurde durch neuere Geschichten wie beispielsweise „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preußler etwas aufgehellt.


Mystisches Highlight Teufelsmauer : Es gibt verschiedene Sagen und Geschichten, die die Entstehung der Felserhebung zu erklären versuchen. Eine von ihnen besagt, dass Gott und Teufel sich um die Welt stritten. Sie schlossen folgenden Pakt: Gott sollte das fruchtbare Flachland besitzen, aber über den rauen Harz wollte der Teufel herrschen. Der Herr stimmte zu, falls es dem Teufel gelingen sollte, in nur einer Nacht eine massive Mauer um den Harz zu bauen. Als der Teufel den letzten Stein setzen wollte, sandte Gott eine Marktfrau mit einem Hahn im Korb vorbei. Sie stolperte und der Hahn fing vor Schreck an zu krähen. Da der Teufel dachte, die Nacht sei vorbei und er habe sein Werk nicht vollenden können, schleuderte er aus Wut den letzten Stein auf die Mauer, wobei diese zersprang. So entstanden die markanten Einzelfelsen wie „Hamburger Wappen“, „Teufelsloch“, „Kuhställe“ oder „Gewittergrotte“ tragen, um nur einige von ihnen zu nennen.



Erster länderübergreifender Nationalpark Deutschlands: Rund zehn Prozent der Gesamtfläche des Harzes wurden zum Nationalpark (mit einer Größe von 25.000 Hektar) erklärt. In insgesamt sechs verschiedenen Vegetationszonen, bis hin zur subalpinen Stufe mit über 1100 Metern, finden sich verschiedene Landschaftsformen und somit Lebensräume für über 7000 Pflanzen- und Tierarten. Die wohl bekanntesten Bewohner des Harzes sind Luchs und Wildkatze. Leider trifft man die scheuen Samtpfoten nur selten in freier Wildbahn an, aber das Luchsgehege in Bad Harzburg sowie das Wildkatzengehege an der Marienteichbaude garantieren gute Einblicke in das Leben der Raubkatzen. Einzigartig in Deutschland ist die natürlich klimatisch bedingte Waldgrenze bei 1100 Metern über dem Meeresspiegel. Das typische Harzer Klima ist auch für die unterschiedlichen Vegetationszeiten verantwortlich. Vom Harzrand bis zur Brockenkuppe liegt der Vegetationsunterschied bei 90 Tagen! nationalpark-harz.de


Wald im Wandel: Leider gibt es auch Schattenseiten. Das große Waldsterben aufgrund des Klimas gepaart mit der extremen Borkenkäferplage führt dazu, dass in den letzten Jahren bereits mehr als 15 Prozent der alten Fichtenbestände verschwunden sind, und ein Ende ist leider nicht in Sicht. Viele Besucher sind bei dem Anblick des vielen Totholzes irritiert, denn schön anzuschauen ist das wahrlich nicht, und wer den Harz von früher kennt, ist meist schockiert. Dichte Wälder und sattes Grün sind an vielen Orten leider verschwunden. Das Motto des Nationalparks heißt: „Natur Natur sein lassen“ was bedeutet, dass der Mensch so wenig wie möglich eingreift und auf die Kraft der Natur vertraut. Rund 40 Prozent aber sind als Naturentwicklungszonen ausgewiesen, in denen einige Maßnahmen notwendig sind, um der Natur noch etwas auf die Sprünge zu helfen, da der massive Bergbau und die dadurch verbundene Plünderung der Wälder ihre Spuren hinterlassen hat. Dennoch gibt es immer noch viele Orte, um die wunderbare Natur zu genießen. Bedenken muss man hierbei auch, dass Fichten nicht der ursprüngliche Baumbestand des Harzes sind. Sie wurden angepflanzt, um die Holzreserven für den Bergbau sicherzustellen. Die Harzer Wälder waren früher durch Mischwälder geprägt.



Die Harzer legen besonders großen Wert auf ihre Traditionen. Unzählige Feste, oft in den kleinsten Bergdörfern, werden regelmäßig veranstaltet, damit das Brauchtum nicht in Vergessenheit gerät. Es ist ein schützenswertes Kulturgut, und viele Besucher sind meist sehr beeindruckt, wie viel Kraft und Liebe in den Erhalt der Traditionen investiert wird. Schon die Kleinsten zeigen sich stolz in ihren Trachten und wirken bei den Vorführungen mit.

Harzfest: Als größtes Fest seit 1993 findet jährlich das Harzfest statt. Hierbei werden alle drei Harzer Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen miteinander verbunden. Jedes Jahr wird eine andere Stadt oder Gemeinde für die Ausrichtung auserwählt. Es ist eine große Ehre für die Ortschaften das dreitägige Fest, das jährlich um die 20.000 Besucher anzieht, zu organisieren. Folkloregruppen aus der ganzen Harzregion reisen an, um ihre traditionellen Tänze und Musik zu präsentieren; info-harz.de


Walpurgisnacht (Hexenbrennen): In der Walpurgisnacht ist im Harz der Teufel los. Die Hexen und Teufel tanzen um riesige „Hexenfeuer“, die entzündet werden, um böse Geister zu vertreiben. Sind diese Feuer heruntergebrannt, wagen mancherorts verliebte Paare den „Maisprung“ über die heiße Glut, was ihnen Glück bringen soll.

Es heißt, früher kamen alle Hexen auf dem Blocksberg, dem Brocken und den höher gelegenen Ort zusammen, um zu Ehren der heiligen Walburga, einer Äbtissin aus England (710 bis 779) große Feste zu feiern und ihr zu gedenken. Goethe trug mit seinem Werk Faust maßgeblich dazu bei, dass die Walpurgisnacht heute so berühmt ist. Das europäische Fest wurde schon vor über 1000 Jahren von den Harzer Ureinwohnern gefeiert, die dem Germanengott Wodan ihre Opfergaben darbrachten.


Die heutige Walpurgisfeier gleicht eher einem Volksfest und hat weder mit dunklen Mächten noch mit der ursprünglichen, bäuerlichen Tradition etwas zu tun. In vorchristlicher Zeit wurden rituelle Liebesakte auf der Feldflur vollzogen, um die Fruchtbarkeit in den Ackerboden zu übertragen. Junge Mädchen rutschen entblößt über Steine und wünschten sich einen Liebhaber. Die heilige Walburga galt als Schutzheilige gegen Seuchen, Tollwut und Husten. Der Gang durch zwei Feuer sollte Geist und Körper reinigen und so Krankheiten fernhalten. Mit Ausbreitung des Christentums wurden diese Rituale als heidnische und böse Rituale benannt und wurden, wenn überhaupt, nur noch heimlich ausgeführt, was es noch geheimnisvoller machte. Die größten Feiern finden heute in Bad Grund, Braunlage, Hahnenklee, Sankt Andreasberg, Schierke und Thale statt.

„Die Hexen zu dem Brocken ziehn, Die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün. Dort sammelt sich der große Hauf, Herr Urian sitzt oben auf. So geht es über Stein und Stock, Es farzt die Hexe, es stinkt der Bock.“

(Johann Wolfgang von Goethe, Faust)

Harzer Finkenmanöver: Wer hier schwere Geschütze erwartet, wird enttäuscht – es geht um Vogelgesang. Überlieferungen aus dem 15. Jahrhundert geben Rückschlüsse auf diese Tradition, die 2014 von der deutschen UNESCO-Kommission als Immaterielles Kulturerbe aufgenommen wurde. In den alten Aufzeichnungen findet man Hinweise zur Haltung, Pflege sowie zum Gesangstraining der Buchfinken. Ein gut ausgebildeter Vogel war damals so wertvoll wie eine gute Milchkuh. Heute werden die Wettkämpfe nur noch von wenigen Vereinen und Zusammenschlüssen ausgeübt. Aufgrund der Tierschutzregelungen sind die Haltungsanforderung streng geregelt. Wenn man davon absieht, dass es sich um Wildvögel handelt, die in Käfigen gehalten werden, ist es eine wirklich nennenswerte Tradition.

Das Harzer Finkenmanöver ist eines der ältesten Kulturfeste im Harz und findet traditionell am Pfingstmontag, kurz nach Sonnenaufgang statt. Während der Paarungszeit versuchen die Finkenhähne, sich die Gunst der Auserwählten zu erkämpfen, indem sie mit besonders lautem und vielfältigem Gesang die Konkurrenten aus dem Gebiet vertreiben. Dieser Instinkt wird sich hier zunutze gemacht. Die Männchen trällern und die Jury bewertet Gefieder und Gesang und verleiht dem Sieger anschließend den Titel „Finkenkönig“. Im Anschluss feiern die Finkenzüchter und Besucher ein großes Volksfest. Hierbei werden die traditionellen Pfingstfeuer entzündet, in deren Glut später die Pfingstwürste nach speziellem Rezept zubereitet werden.

Hüttenröder Grasedanz: Jedes Jahr am ersten Wochenende im August findet von Samstag bis Montag das Brauchtumsfest statt. Seit 1885 wird dieses Familien-Volksfest zum Abschluss der Heuernte gefeiert. Höhepunkt ist die Wahl der Heuprinzessin und der Grasekönigin. Am Samstagmorgen machen sich die Burschen aus dem Ort auf in den Wald, um Birken zu schlagen, die sie nachmittags mit Blasmusik und Pferdefuhrwerk ausbringen und die Häuser im Ort schmücken. Auch die Damen des Ortes sind mit traditionellen Aufgaben betraut. Aus dem Bodetal werden Gräser, Schilf und Blumen zu Schmuckzwecken geholt. Am Sonntag findet die Auslosung der Grasekönigin und Heuprinzessin mit anschließender Krönung statt. Die Aufgaben der beiden Damen ist fortan die Repräsentation des Ortes und des Brauchtums Grasedanz. Später startet der Festumzug durch den Ort, bis zum Festplatz, wo anschließend die traditionelle Heuversteigerung stattfindet. Am letzten Tag, dem Montag, gibt es das sogenannte „Hackelsfrühstück“ im Festzelt. Serviert wird frisches Brot und Gehacktes (Mett) und dazu fließt reichlich Bier. Wenn sich das Frühstück in den Nachmittagsstunden zum Ende neigt, laden die Damen zur großen Kaffeetafel. Später werden Königin und Prinzessin von einem Umzug und unter großen Gejohle nach Hause geleitet. Zum Abschluss des Festes lädt der Ort am Sonntagabend – wie jeden Abend– zum Tanz.


Birkenblattblasen: Die musikalische Tradition des Birkenblattblasens wird noch heute im Harz praktiziert. Früher diente das Musizieren den Schäfern zum Zeitvertreib. Heute wird diese musikalische Fertigkeit, die erstmals 1799 erwähnt wurde, bei allerlei Festen im Harz präsentiert. Das Zentrum HarzKultur Wernigerode bietet in seiner Folklorewerkstatt Kurse für Kinder und Erwachsene an. Das Birkenblatt wird hier eigenhändig in Handarbeit angefertigt und später lernt man darauf zu spielen. Der Harzklub e. V. bezieht das Birkenblattblasen ebenfalls in die Kinder- und Jugendarbeit ein. Hier kann man auch noch das Peitschenknallen und Jodeln erlernen.

Im Harz finden viele weiter Feste und Feierlichkeiten statt. Auch Osterfeuer sind eine beliebte Tradition. In den Orten der Region und es gibt kaum ein Dorf, egal wie klein es auch sein mag, wo nicht ein riesiges Feuer entzündet wird. Ein Besuch auf dem traditionellen Wernigeröder Rathausfest ist empfehlenswert. Es findet meist am dritten Wochenende im Juni statt. Zahlreiche Bühnen in der ganzen Stadt garantieren ein buntes Unterhaltungsprogramm für Jung und Alt.

Gut zu Wissen

Freie Fahrt durch den Harz – das HATIX macht es möglich: Ausgewählte Bus- und Straßenbahnlinien können mit dem HATIX kostenfrei genutzt werden. Bei Übernachtung in einem der teilnehmenden Orte erhält man bei Anreise ein Ticketheft mit integrierter Melde-/Gästekarte. Ab der Anmeldung bis zum Abreisetag kann das Harzer Urlaubs-Ticket genutzt werden. Halten Sie bei jedem Fahrtantritt Ihr Ticket-Heft bereit und zeigen Sie es mit dem Meldeschein/der Gästekarte beim Busfahrer vor. Sie erhalten nun kostenfreie Fahrt auf allen öffentlichen Bus- und Straßenbahnlinien im Landkreis Harz sowie auf ausgewählten Linien im Landkreis Mansfeld-Südharz und in den Landkreisen Goslar und Göttingen (Altkreis Osterode);hatix.info

Freier Eintritt im Harz – HarzCard: Mit Erwerb der HarzCard kann man während der Harzreise richtig sparen und entdeckt vielleicht sogar noch einige Attraktionen, die ursprünglich nicht auf dem Plan standen. Da bei den einzelnen Partnern kein Eintritt mehr bezahlt werden muss, lohnt sich diese Karte in jedem Fall. Die verschiedenen Zeit-Modelle von 48 Stunden bis zu vier Tage versprechen eine Ersparnis von bis zu 40 Prozent. Freier Eintritt in über 100 Höhlen, Schlösser, Parks, Thermen u. v. m. versprechen ein Action-geladenes Harzabenteuer. Kinder bis vier Jahre sind kostenfrei dabei;harzcard.info

Harzer Wandernadel: Auf verschiedenen Wandertouren wurden Stempelstellen errichtet. Insgesamt gibt es 222 Stempelstellen an besonderen Plätzen im Harz. Die Touren dorthin unterscheiden sich in Länge und Schwierigkeitsgrad und jeder findet die passende Route für sich. Gesammelte Stempel werden mit Auszeichnungen belohnt. Eine besonders beliebte Auszeichnung für Kinder bis elf Jahre ist die Wanderprinzessin und der Wanderprinz; harzer-wandernadel.de



Westlicher Nordharz


In der Nähe des Waldgasthofs Hasenspring

Westlicher Nordharz

1.Wanderung zum Waldgasthof Hasenspring

2.Kaiserpfalz Werla: Archäologie- und Landschaftspark

3.Am grünen Band: Hotspot für Vogelbeobachtungen

4.Auf Entdeckungsreise im Harly-Wald

5.Klostergut Wöltingerode: die Seele baumeln lassen

6.Aloha ike: hawaiianische Wellnessmassagen

7.Auf dem Themenweg Spur der Steine

8.Herzberger Teich und Kinderbrunnen

9.Maltermeisterturm Goslar: Restaurant in historischem Ambiente

10.Wanderung zur Verlobungsinsel und Besuch im kleinsten Königreich der Welt

11.Wildgehege Bad Harzburg: zu Besuch bei Hirsch und Reh

12.Plumbohms Aussichtsreich auf dem historischen Burgberg


1 Wanderung

ZUM WALDGASTHOF HASENSPRING

Die rustikale Ausflugsgaststätte inmitten idyllischer Natur lässt sich am besten auf einer der verschiedenen Wanderungen erkunden. Eine Anreise mit dem Fahrzeug ist aber auch möglich.

Die kleine Ortschaft Liebenburg im Landkreis Goslar liegt eingebettet in eine reizvolle Hügellandschaft am nördlichen Harzrand, umgeben vom Salzgitterschen Höhenzug. Neben dem sich heute in Privatbesitz befindlichen Barockschloss mit der dazugehörigen Barockkirche hat das Dorf viel zu bieten: Geschichte, Kultur und Natur. Erwähnenswert ist die botanische Besonderheit der Gemeinde. Im Salzgitterschen Höhenzug in den zugehörigen Ortschaften Othfresen und Heißum entdeckte man ein riesiges Vorkommen an Kalkhalbtrockenrasen-Vegetation. Die Natur- und Umwelthilfe Goslar legte hier eine botanisch überregionale Fläche von großer Bedeutung an.

Zahlreiche stark gefährdete Pflanzen und Tiere, die auf der roten Liste stehen, finden hier die optimalen Lebensbedingungen, und so konnte ihr Fortbestehen gesichert werden. Kurzfristig ist ein Naturlehrpfad durch das Gelände geplant, der die Dringlichkeit zur Erhaltung solcher Flächen verdeutlicht. Ein Wander- und kulinarisches Highlight ist die Waldgaststätte Hasenspring.


Waldgasthof Hasenspring


Hier gibt es viele Schmetterlinge

Verschiedene Wanderwege zu dem mitten im Wald gelegenen Ausflugsziel starten am Parkplatz „Schule am Schloss“ in Liebenburg. Der direkte Weg ist rund 2,8 Kilometer lang und leicht zu begehen. Es gibt keine großen Steigungen oder andere Hindernisse, die überwunden werden müssen. Die Wanderung führt stetig durch sattes Grün des gut intakten Mischwaldes. Besonders Farne wuchern hier umfangreich. Den Wegesrand zieren viele harztypische Kräuter und blühende Pflanzen, auf denen sich Insekten tummeln. Die große Anzahl an Schmetterlingen ist hier besonders auffallend. In kleinen Teichen und im Bachlauf lassen sich Frösche und Libellen beobachten. Sogar die seltene Wasseramsel kommt zum Trinken vorbei. Der gesunde Wald ist Lebensraum für viele Tiere. Rehe kreuzen den Weg des Öfteren. Auch Luchse sind hier heimisch. Daran erinnern die vom Nationalpark Harz aufgestellten Hinweisschilder zu den Fotofallen. Achtung, gelegentliches Blitzlicht!


Gut versteckt und doch entdeckt

Hasenspring liegt auf einer Lichtung inmitten der hohen Bäume. Hier kann man wunderbar die Sonne genießen und den Wald beobachten. Die gut bürgerliche Küche schmeckt besonders lecker in dieser naturnahen Atmosphäre. Verschiedene Veranstaltungen wie Räubermahl, Livemusik oder Märchenbühne machen den Besuch besonders reizvoll.

Wer noch nicht genug Waldluft geschnuppert hat, der kann ab hier die Tour über einen der ausgeschilderten Rundwanderwege verlängern und tolle Ausblicke auf den Harz und den Brocken sowie Salzgitter und das Innerstetal genießen. Außerdem führen sie an weiteren Highlights wie den Überbleibseln der Grenzlerburg, dem Skulpturenweg, dem Schäferstuhl Salzgitter, dem Flankierungsturm der Liebenburg und einer KZ-Gedenkstätte vorbei. Die Wanderungen können individuell angepasst werden. Die Beschilderung ist gut und man hat auch ständig Handy-Empfang, um gut navigieren zu können. Im Fall eines Wetterumschwungs findet man einige Schutzhütten an den Wegen. Nach einer Wanderung sorgt der Besuch im Mineralwasser-Freibad in der Nähe des Parkplatzes für Abkühlung.

Öffnungszeiten:

 Wanderwege jederzeit zugänglich

 Waldgaststätte Hasenspring: Dienstag bis Freitag 14 bis 0 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 11 bis 0 Uhr

Eintritt: Wanderwege und Parkplatz kostenfrei


Schutzhütte

Info

Lage: Liebenburg liegt zwischen Salzgitter-Bad und Schladen; Gaststätte: Hasenspringweg 136, 38259 Salzgitter

Anfahrt: Aus Othfresen oder Schladen gelangt man über die Zufahrtsstraße L500/Poststraße zum Parkplatz „Schule am Schoss“/Thermalbad. Von hier aus der Beschilderung Richtung Hasenspring bzw. einem der Rundwanderwege folgen.

Weitere Aktivitäten:

 Schloss Liebenburg: liebenburg.eu

 Hausmannsturm und Flankierungsturm:liebenburg.eu

 Naturschutzgebiet Mittleres Innerstetal mit Kantstein: nlwkn.niedersachsen.de

Website: liebenburg.eu

HINWEISE:

 Wer sich für einen der Rundwanderwege entscheidet, sollte mindestens sechs Stunden dafür einplanen.

 Die Wege sind größtenteils gut befestigt und leicht begehbar. Stellenweise gilt es einige Wurzeln, Steine oder nasse Stellen zu überwinden. Gutes Schuhwerk nicht vergessen.

 Für den Fall eines Wetterumschwungs stehen einige Schutzhütten bereit.

2 Kaiserpfalz Werla

ARCHÄOLOGIE- UND LANDSCHAFTSPARK

Die Pfalzanlage auf dem Kreuzberg, einem natürlichen Plateau über der Oker, versetzt die Besucher zurück ins Frühmittelalter und eröffnet wunderbare Ausblicke in das nördliche Harzvorland sowie zu den Harzbergen. Ein historisches Highlight in wunderbarer Natur.


Die etwa 20 Hektar große Parkanlage liegt im freien Gelände zwischen Schladen und Werlaburgdorf. Der größte archäologische Park in Norddeutschland besticht durch seine isolierte Lage im Landschaftsschutzgebiet und bietet eine tolle Fernsicht über die Region. Vom Parkplatz aus erreicht man den Park nach einem kurzen Fußmarsch. Am Wegesrand geben in Felsbrocken integrierte Infotafeln in chronologischer Abfolge Aufschluss über historische Ereignisse der Region. Ausgrabungen zufolge war das Gelände schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt; eine flächendeckende Besiedelung konnte aber erst ab dem 9. Jahrhundert definitiv nachgewiesen werden. Im 10. Jahrhundert wurde die Siedlung zur Burganlage umgebaut und galt fortan als wichtiger Stützpunkt der Ottonen. In der Folgezeit verlor sie, vor allem durch den Bau der Pfalzanlage in Goslar, an Bedeutung und geriet bald völlig in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert weckten zufällige Funde das Interesse der Archäologen, worauf man, nach etlichen bedeutenden Funden, im Jahr 2010 mit der Rekonstruktion der Hauptburg und ihren Vorburgen begann.


Riesige Steine stehen hier überall

Einige der Ringmauern wurden ausgegraben und wiederaufgebaut und vermitteln so einen guten Eindruck von der Größe und der Aufteilung der Anlage. Rundherum machte man sich die steil abfallenden Flächen bis zur Oker zunutze und legte einen breiten und tiefen Graben an. Der heutige Graben und Wall wurden in sehr reduziertem Maß nachgebildet. Durch den erhöhten Standpunkt auf dem natürlichen Plateau konnten Angreifer schon sehr früh ausgemacht werden. Heute eröffnet sich von einer hölzernen Aussichtsplattform aus ein atemberaubender Panoramablick über die Werla.

Die Pfalzanlage war ein beliebter Ort und ein zentraler Knotenpunkt für die Etablierung der ottonischen Königsherrschaft im 10. Jahrhundert. Urkundliche Aufzeichnungen belegen 19 Königsbesuche. Allein Otto der Große besuchte die Pfalz fünfmal. Auch wirtschaftlich war sie als großer Produktionsplatz, vor allem für Textil- und Metallherstellung, von großer Bedeutung. Man geht davon aus, dass ein Teil der Schwerter, die im Kampf der Ottonen gegen die Sarazenen in Süditalien eingesetzt wurden, hier geschmiedet wurde.


Die Kaiserpfalz

Nicht nur Geschichtsfans werden begeistert sein, denn die Lage inmitten wunderbarer Natur findet man so schnell nicht wieder. Der herrliche Blick über die grünen Weiden, die Teiche und Seen der Region, kombiniert mit dem geschichtlichen Hintergrund, lassen den Besuch zu einem besonderen Erlebnis werden. Auf der rund 3,5 Kilometer langen Rundwanderung entdeckt man Schafe, die auf natürliche Weise das Gras kurz halten. Dabei werden sie von jeder Menge Feldhasen unterstützt. Für Heiratswillige hat die Gemeinde Schladen ein Trauzimmer auf dem authentisch nachgebildeten Turm 4 der Kernburg, errichtet. Das Standesamt in einer ottonischen Anlage ist in Deutschland einzigartig.

Wanderung: Vom Heimathaus „Alte Mühle“ in Schladen aus erreicht man die Pfalz nach etwa zwei Kilometern.

Öffnungszeiten: frei zugänglich

Eintritt: kostenlos; die Führungen sind kostenpflichtig; Anmeldung: Amt für Tourismus Hornburg, Tel. 05334 94910, info@Hornburg-erleben.de ; Anmeldung zum Werla-Picknick: Werlaburgdorf-Café: Tel. 05335 6051

Die Nachbildungen von Mauern der Gebäudeumrisse und die Zeichnungen der Infotafeln machen es leicht, Bilder im Kopf zu schaffen, die einen in der Zeit zurückversetzen. Bänke und eine Schutzhütte garantieren einen entspannten Aufenthalt. Regelmäßig finden Veranstaltungen und Führungen statt, denen man sich nach Voranmeldung gerne anschließen kann. Eine weitere Besonderheit ist das Werla-Picknick, das vom Werlaburg-Dorfcafé organisiert wird. Hier kann man, nach Anmeldung, ein leckeres Picknick vor historischer Kulisse genießen.

Info

Lage: Die Parkanlage liegt rund 15 Kilometer südlich von Wolfenbüttel und nordöstlich von Goslar; Mühlenstraße 1, 38315 Schladen

Anfahrt: Die A395 an der Anschlussstelle Schladen-Nord verlassen und auf der B82 weiter in Richtung Schladen fahren. Nach etwa 400 Metern an der Kreuzung nach links auf die L 615 Richtung Heinigen–Wolfenbüttel abbiegen. Nach 1,5 Kilometern zweigt rechts ein befestigter Feldweg ab, dort befindet sich der Parkplatz. Von hier aus dem Feldweg Richtung Burg folgen.

Weitere Aktivitäten:

 Heimathaus „Alte Mühle“ Schladen: heimathaus-schladen.de

 Lessingstadt Wolfenbüttel: wolfenbuettel.de

 Geflügelparadies Werlaburgdorf: cms.werlaburgdorfer-geflügelparadies.de

Website: kaiserpfalz.schladen-werla.de

HINWEIS: Das Gelände steht unter Denkmalschutz und ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

3 Am grünen Band

HOTSPOT FÜR VOGELBEOBACHTUNGEN

Isingerode ist ein kleiner verschlafener Ort in wundervoller Lage. Umgeben von weitläufigen Wiesen, Feldern, Wäldern und Seen findet man hier Ruhe und jede Menge Natur. Vogelfans kommen hier voll auf ihre Kosten, denn am Kiesteich gibt es einen tollen Vogelbeobachtungsturm.


Das 400-Seelen-Nest Isingerode liegt am nördlichen Harzrand, direkt am grünen Band, das sich durch Deutschland zieht, und ist ein Ortsteil der Gemeinde Schladen-Werla. Die Geschichte des Dorfes geht bis in die Bronzezeit zurück und bis vor Kurzem war es auch Schauplatz archäologischer Ausgrabungen.


Endlich Nachwuchs


Junger Bussard

Der Kiesteich liegt gegenüber der Ortschaft an der B82. Leider ist das Baden verboten, da es sich um Trinkwasserschutzgebiet handelt. Die rund vier Kilometer lange Wanderung ist einfach und für alle Fitnesslevel geeignet, aber nicht barrierefrei. Vom Parkplatz aus überquert man eine kleine Holzbrücke und hält sich links. Der schmale Pfad rund um den See bietet immer wieder geschützte Blicke auf das Wasser, in dem sich viele Wasservögel tummeln. In den Büschen und Bäumen, die den Weg säumen, sieht man auch viele seltene Exemplare wie Nachtigall und Tannenhäher. Mit etwas Glück entdeckt man auch einen der scheuen Eisvögel, die in den Lehmwänden am See ihre Brutplätze haben. In den angrenzenden Wiesen und Feldern kann man Reiher und Störche bei der Jagd beobachten. Sogar Rebhühner und Fasane trifft man hier recht häufig an. Große Greifvögel gleiten durch die Luft und halten Ausschau nach Beute. Milan, Habicht, Bussard und Fischadler sind hier zu Hause. Nach etwa zehn Minuten erreicht man einen großen Beobachtungsturm aus Holz. Informationstafeln im Innenraum klären über die Vögel der Region auf. Über 125 Arten brüten in der Umgebung des Teichs.


Eisvogel

Hier kann man stundenlang sitzen und die Umgebung beobachten. Besonders lohnt sich auch der Besuch zum Sonnenuntergang, dann sieht man außer Vögel auch noch Rehe, Füchse, Waschbären und mit etwas Glück einen Steinmarder oder Marderhund. Man folgt dem Weg immer weiter rund um den See, bis man am Fischereiheim auf die geteerte Straße stößt. Dieser folgt man dann, bis man nach kurzer Zeit wieder den Parkplatz erreicht.


Eidechse

Von hier aus kann man die Wanderung leicht um zwei Kilometer verlängern. Dazu folgt man dem vom Parkplatz gegenüberliegenden Feldweg Richtung Hornburg und biegt nach etwa 150 Metern rechts auf den kleinen Hügel, Richtung Isingerode, ab. Oben angekommen hat man einen tollen Ausblick über Schladen, zum Brocken und in die Umgebung. Nach Überquerung der B82 folgt man nach ca. 400 Metern dem unbefestigten Feldweg nach rechts. Dieser führt über die Felder, mit schönen Blicken auf den Kiesteich, durch ein kleines Waldstück am Friedhof vorbei bis zur Gaststätte Itschenkrug. Hier überquert man erneut die B82 und folgt der Zufahrtsstraße zurück bis zum Ausgangspunkt (Parkplatz).

Am Rückweg lohnt sich der Abstecher in die alte Kiesgrube, die sehr erfolgreich vom NABU als Lebensraum für allerlei Tiere gepflegt wird. Ein Schild rechter Hand der Straße weist den Weg durch eine wunderschöne kleine Allee. In den kleinen Tümpeln leben unzählige Frösche, Molche, Salamander; das Wasser lockt auch Säugetiere zum Trinken an. Waschbär und Vögel bedienen sich hier am reichlich vorhandenen Nahrungsangebot. Auf den Steinen sonnen sich manchmal Eidechsen und die ein oder andere Ringelnatter. Vom NABU, der hier sehr aktiv ist, wurde im Ortskern ein alter Turm mit Nistkästen und Bruthöhlen versehen. Schwalben, Meisen, Spatzen, Turmfalken und Eulen finden hier genug Platz, um friedlich nebeneinander zu brüten.


Sonnenuntergang über dem Brocken


Am grünen Band entlang

Öffnungszeiten: Wanderwege immer zugänglich

Eintritt: kostenlos

Weitere Aktivitäten:

 Stadtführung in Hornburg: hornburg-erleben.de

 Innerdeutsches Grenzdenkmal Wiedelah

 Baden im Wiedelaher See

Restaurant:

 Itschenkrug: Isingeröder Straße 1, 38315 Schladen

Die Umgebung bietet wundervolle Gelegenheiten, seltene Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Es wird sogar von Wolfsichtungen in den Abend- und frühen Morgenstunden berichtet.

Info

Lage: Isingerode liegt zwischen Schladen und Hornburg an der B82.

Anreise mit Bahn und Bus: Mit dem Zug bis Bahnhof Schladen, von dort mit dem Bus bis Haltstelle Isingerode/Itschenkrug

Anfahrt:

 Von der A36 Ausfahrt Schladen-Nord; von hier aus B82 Richtung Hornburg; nach ca. drei Kilometern erreicht man Isingerode.

 Über die A2 ab Ausfahrt Helmstedt über die B244 bis nach Schöningen und dann weiter über die B82 über Schöppenstedt und Hornburg Richtung Schladen.

 Schräg gegenüber vom Itschenkrug und dem Ortsschild befindet sich in ca. 100 Metern die Zufahrtsstraße zum Parkplatz am Kiesteich, ein schmaler, befestigter Feldweg. Nach ca. einem Kilometer kann man neben dem kleinen Wäldchen an einer kleinen Holzbrücke parken. Hier befindet sich bereits die erste Infotafel zum Vogelvorkommen. Wer keine Wanderung machen, sondern nur den Beobachtungsturm besuchen möchte, kann sein Auto in einer Haltebucht zwischen Schladen und Isingerode an der B82 gegenüber der Abfahrt nach Göddeckenrode abstellen und folgt von hier dem Wanderweg nach rechts.

HINWEISE:

 Auch Fahrradfahrer nutzen den Weg um den Teich. Hier ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt!

 Einige Wege am Teich sind dem Fischereiverein vorbehalten, Schilder weisen darauf hin.

 Leider ist der komplette Wanderweg nicht barrierefrei. Den Weg von der Haltebucht (Abfahrt Göddeckenrode) bis zum Aussichtsturm (ca. 800 Meter) kann man mit Kinderwagen begehen.

4 Auf Entdeckungsreise

IM HARLY-WALD

In Vienenburg, unweit des Klosters Wöltingerode, befindet sich der Harlyberg. Das dicht bewaldete Gebiet hat Geheimnisvolles sowie Exotisches zu bieten. Es gilt als Naherholungsgebiet und lässt, zusammen mit dem Vienenburger See, keine Wünsche offen.

Besucher kommen meist nach Vienenburg wegen des Sees oder des Klosters. Der Harlyberg erregt nur bei wenigen Besuchern Aufmerksamkeit. Der Höhenzug mit einer Länge von 6,5 Kilometern und einer Höhe von 256 Metern hat jedoch so einiges zu bieten. Durch die direkte Lage am grünen Band ist er aus Naturschutzsicht genauso wichtig wie aus geologischer Betrachtung. Es handelt sich um einen sogenannten Schmalsattel, der parallel zum Harz verläuft. Im westlichen Teil lässt sich, durch Aufstieg des Salzes und die damit verbundene Heraushebung und deren Abfolgen, bis heute der Muschelkalk am Kamm finden. Im Süden befinden sich die Überreste des Kalibergwerks, das im Salzstock angelegt war.

Das gesamte Gebiet ist Landschaftsschutzgebiet und Teile davon gehören zum FFH-Gebiet des europäischen Biotopverbundsystem Natura 2000 (Infos zu den verschiedenen Schutzgebietsformen unter waldhilfe.de). Aufgrund der geografischen Lage, der klimatischen Verhältnisse und der unterschiedlichen geologischen Formationen des Bodens gedeihen hier rund 130 verschiedene Pflanzenarten, von submediterran über nordisch-subalpin und subkontinental. Das ist wirklich eine Einzigartigkeit im Harz und Harzvorland.


Blick aus der Kräuter-August-Höhle

Im Wald lassen sich auch die üblichen Vertreter der heimischen Tierwelt beobachten. Auch die Wildkatze streift durch das Gelände. Besonderheiten der Vogelwelt sind der Pirol, der Neuntöter, die Wasseramsel, Schwarzspecht und Nachtigall, deren Gesang man öfter hört, als man sie sieht.

Die Wanderwege im Gebiet sind gut ausgebaut, die Beschilderung ist stellenweise leider nicht so gut.


Abstieg zur Höhle

Für diese Wanderung sollte man drei bis vier Stunden einplanen: Vom kostenlosen Parkplatz am Forsthaus folgt man der Beschilderung Erlebnispfad 1/Mittlerer Harly in Richtung Kräuter-August-Höhle. Am Fritz-Laube-Platz und am Gedenkstein vorbei, befindet sich die Höhle nach etwa 1,2 Kilometern Wegstrecke links vom Weg. Hier kann man die ersten geologischen Besonderheiten entdecken. Viele geheimnisvolle Sagen ranken sich um diese kleine Höhle. Der Kräuter-August war ein alter zotteliger Mann, der im 18. oder 19. Jahrhundert hier gehaust haben soll. Er war ein Heiler, der sich der Kraft der Natur bediente und mit den hier wachsenden Kräutern vielen Einheimischen Linderung verschaffte. Als Gegenleistung verlangte er nichts, freute sich aber über Essen und Kleidung.


Riesige Bäume am Wegesrand

Weiter geht es bergauf über den Mittelweg durch das Bärental. Nach einer großen Kurve folgt man dem Schild zum Mammutbaum, dem nächsten Highlight auf dieser Tour. Etwa 50 Meter neben dem Weg steht der letzte Mammutbaum, der aus einer früheren Pflanzung einzelner Bäume übriggeblieben ist. Natürlich sticht der imposante Baum deutlich aus dem Harly-typischen Buchenwald hervor – übersehen kann man ihn nicht. Nun folgt man dem Weg Richtung Westen, bis man nach etwa zwei Kilometern eine Schutzhütte erreicht. An der Abzweigung hält man sich links und folgt vom Waldrand aus dem Weg in östlicher Richtung, um nach etwa sieben Kilometern zurück nach Wöltingerode zu gelangen.

Öffnungszeiten: Wanderwege jederzeit zugänglich

Eintritt: kostenlos

Weitere Aktivitäten:

 Besichtigung Kloster und Klosterbrennerei mit Hofladen: woeltingerode.de/das-klostergut.html

 Vienenburger See, Tretboot fahren, Biergarten mit Rosarium

Restaurant:

 Klosterkrug: regionaltypische Wild- und Fleischgerichte, gemütlicher Biergarten; täglich 11 bis 22 Uhr; Wöltingerode 30, 38690 Goslar, Tel. 05324 2046, klosterkrug-woeltingerode.de

Geologisch lohnt es sich, am Waldrand rechts weiter Richtung Westen zu gehen, statt gleich wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Hier findet man verschiedene Gesteinsformen vor.

Die Entdeckungstour im Harly kann wunderbar durch Erlebnispfad 2 und 3 ergänzt werden. Auch ein Abstecher zum Harlyturm ist lohnenswert. Dieser ist jedoch nur im Frühjahr und Sommer am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Info

Lage: Im Nordwesten von Vienenburg, im Landkreis Goslar findet man das Klostergut Wöltingerode und gleich gegenüber den Harly; Wöltingerode 3, 38690 Goslar OT Vienenburg

Anfahrt:

 Von Goslar aus über die B6 und B241 Richtung Vienenburg; Beschilderung Richtung Wöltingerode folgen.

 Aus Richtung Wernigerode, Braunschweig über die A36 Ausfahrt 12 Richtung Vienenburg nehmen. Auf der B241 durch Vienenburg fahren. Nach der großen Brücke über die Oker am Ortsende rechts nach Wöltingerode abbiegen.

 Der Parkplatz am alten Forsthaus befindet sich in nordwestlicher Richtung hinter dem Kloster. Alternativ kann der Parkplatz am Klosterkrug genutzt werden.

Anreise mit Bahn und Bus: Ab Station Bahnhof Vienenburg zu Fuß ca. 2,6 Kilometer oder per Bus, Linie 822 Richtung Goslar, Haltstelle Wöltingerode

Website: goslar.de/tourismus/natur-erleben/harly

HINWEISE:

 Detaillierte Informationen und Erklärungen zu den geologischen Highlights gibt es als PDF Download unter bund-westharz.de/fileadmin/westharz/BUND_Westharz_Harly_3_Auflage_2020.pdf

 Da die Beschilderung im Harly ausbaufähig ist, hier die GPS-Koordinaten der wichtigsten Highlights: Kräuter-August-Höhle: 51.96641, 10.53617; Mammutbaum: 51.96688, 10.53206; Harlyturm: 51.96734, 10.54291

5 Klostergut Wöltingerode

DIE SEELE BAUMELN LASSEN

In Vienenburg befindet sich eine gewaltige Klosteranlage. Die fast ein Kilometer lange Klostermauer umgibt die Gebäude, die größtenteils aus dem Jahr 1676 stammen. Auf Führungen und dem Klostererlebnisweg bekommt man interessante Einblicke in das frühere Klosterleben. In der Klosterbrennerei werden regionale Produkte zu Edel-Likören nach alten Rezepten verarbeitet.



Klostergut Wöltingerode

Bis zum 12. Jahrhundert stand an dieser Stelle die Burg der Grafen von Wöltingerode. Als diese ihren Standort verlagerten, gründete man 1174 ein Benediktinerkloster. Bereits im Jahr 1188 besetzten Nonnen aus dem Zisterzienserorden das Kloster, wie eine Urkunde des Kaisers Friedrich Barbarossa bestätigt. Die Geschichte des Klosters war lebhaft. Zahlreiche Übernahmen folgten, bis am 25. Mai 1676 eine große Feuersbrunst das Kloster heimsuchte und fast gänzlich zerstörte. In den darauffolgenden 100 Jahren wurden die Gebäude neu aufgebaut. Dafür verwendete man den besonders harten Buntsandstein (Rogensandstein) aus dem nahegelegenen Harly-Wald. Bis dato finden sich kaum Spuren von Zerfall an den Gebäuden.

Heute bietet das Kloster, neben den geschichtlichen Aspekten, noch viel mehr Gründe für einen Besuch. Das Klosterhotel, das Teil des historischen Kreuzgangs ist, wurde mit komfortablen Zimmern ausgestattet. Im angeschlossenen Restaurant sowie im Klosterkrug, der sich vor den Mauern befindet, kann man exzellent, aber auch deftig essen. Der Hofladen bietet ein breites Sortiment an regionalen Produkten wie frisches Brot aus der Klosterbäckerei, Honig und Liköre aus eigener Herstellung. Seit 1682 wird hier Korn aus eigenem Anbau zu Edelkorn und Edellikören gebrannt, was noch heute den größten Wirtschaftszweig des Guts darstellt. Auch Bier wurde im Kloster gebraut. Dies wurde allerdings 1803 eingestellt. Die Altenauer Brauerei braut seit 2004 nun erfolgreich das traditionelle Wölti-Bräu.

Die ehemalige Klosterkirche wurde mehrfach um- und angebaut und erlangte so ihr heutiges Aussehen. Sie besteht aus zwei Teilen: die romanische kreuzförmige Basilika stammt aus dem 12. Jahrhundert, ein weiterer Teil wurde im 18. Jahrhundert angebaut. In der sich über der Krypta befindenden Nonnenempore fanden einst 150 Nonnen Platz, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Heute ist dieser Teil von der Krypta abgetrennt und dient als Konzertraum.


Kupferkessel

Der jährliche Weihnachtsmarkt und das traditionelle Hoffest im September bieten neben vielen Ständen mit Kunsthandwerk und Leckereien auch Unterhaltungsprogramm für Groß und Klein. Im ehemaligen Mühlengebäude des Klosters befindet sich heute ein Lachs-Infocenter. Seit 1994 versucht man die Fische wieder in der Oker anzusiedeln. Frischen, geräucherten Fisch gibt es in der Räucherei.

Öffnungszeiten:

 wechselnde Öffnungszeiten der verschiedenen Wirtschaftsbetriebe, siehe Website

 öffentliche Schnupperführungen (ohne Anmeldung, 5 EUR) Dienstag, Donnerstag, Samstag, Sonntag; Feiertag 14 Uhr; individuelle Führungen für angemeldete Gruppen nach Absprache, Tel. 05324 7744626, fuehrung@klosterhotel-woeltingerode.de

Das Klostergut ist umgeben von 360 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Das hier angebaute Getreide, vor allem Weizen, dient zur Versorgung des Klosterguts bzw. der Brennerei. Auf dem Klostererlebnisweg kann man das Gelände erkunden, auf neun Stationen erfährt man Wissenswertes über Geschichte, Entstehung und Bewohner. Der alte Baumbestand, das Wildgehege und die liebevoll gepflegten Blumenbeete inmitten der alten Mauern vermitteln klösterliche Idylle. Bei einer Schnupperführung wird die Geschichte der Gebäude und die heutige Bewirtschaftungssituation genau erklärt. Höhepunkt ist die Besichtigung der Kupfergefäße in der Brennerei und die anschließende Verkostung der Spirituosen im Hofladen. Es ist ein wunderbarer, ruhiger Ort, perfekt zum Entschleunigen und die Seele baumeln zu lassen. Wer hier nächtigt, trifft vielleicht sogar auf den Klostergeist. Davon wird vor allem nach übermäßigem Genuss der Liköre berichtet ...


Bei der Verkostung

Info

Lage: Das Klostergut gehört zum Ort Vienenburg im Landkreis Goslar; Wöltingerode 1, 38690 Goslar

Anfahrt:

 Von Goslar aus über die B241 Richtung Vienenburg, kurz vor Ortseingang vor der eisernen Brücke auf die L510, Beschilderung Kloster Wöltingerode; nach 500 Meter links kostenfreier Parkplatz am Klosterkrug.

 Anfahrt über A36, Abfahrt 12 Vienenburg auf die B241 Richtung Goslar. Der Straße komplett durch Vienenburg folgen und hinter der eisernen Brücke rechts abbiegen zum Kloster Wöltingerode.

Anreise mit Bahn und Bus: Bahn RB43; Buslinie 822

Zu Fuß: Das Kloster Wöltingerode ist Etappe des Harzer Klosterwanderwegs und sehr gut zu Fuß erreichbar.

Website: woeltingerode.de/startseite.html

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23 декабря 2023
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290 стр. 217 иллюстраций
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9783968551302
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