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Andreas Meyer

„Gedankeninferno“

Ist Man(n) ohne Prostata noch ein Mann? Diagnose Prostatakrebs

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Erste Bekanntschaft mit dem Krebs

Thema Vorsorge

Mein Körper

Die ersten Schmerzen

Termin beim Urologen

Der sieht nicht gut aus!

Termin in Sindelfingen

Auf nach Stuttgart zum MRT

Weitere Gespräche mit den Ärzten

Freitag, der 13.

Tag der Erwartung

Was ist wichtig am Arzt-Patienten-Verhältnis?

Heilfürsorge des Bundes

Neue Sichtweise des Lebens

Tierischer Schnüffler

Hallo Marco, ich habe Krebs.

PET-CT Untersuchung

Geheimnis gelüftet

Tag der Operation

Ablauf der Operation

Risiko: Thrombosen

Das Gespräch mit dem Operateur

Entlassung aus dem BWK-ULM

Wieder Zuhause

Harn-Inkontinenz

Anschlussheilbehandlung

Die erste Behandlung

Gedanken von Claus-Dieter

Gedanken von Gregory

TNM- Klassifikationen von uns dreien

Was ist eine Neoblase?

Kontinenz-Training

Der Abszess

Hormon-Medikament Trenantone

Trainingszeiten für Zuhause

Ernährung und Gesundheit

Die 10 Regeln der DGE

„Neues Jahr, neues Glück“

Prostatakrebs-Bestrahlung

Showtime of my life

Strahlentherapiesystem „TrueBeam“

Die erste Bestrahlung

Thema Impotenz

Bestrahlung oder Chemotherapie

Einlagen für den Mann

Besuch im BWK-ULM Teil II

Injektionsarten!

Hormone spielen verrückt!

Zwischenbericht von meinen Jungs

Keine Lust auf Sex!

Schluss mit Sexualität nach Prostatakrebs?

Auf der Zielgeraden

Zukunftsmusik

Aus dem Leben gerissen!

Nach genau 160 Tagen Krankenstand!

Anschlussheilbehandlung Teil II

Nachkontrolle, die dritte

Was nun?

„Zitate“

„Nachwort“

Bilder Galerie

„Einfach nur was ins Auge fällt“

Links für weitere Informationen Teil 1

Links für weitere Informationen Teil 2

Bücher-Vorschläge

Seite 216. Foto Bezaubernd (Quelle: Timo Weigel)

Ein weiterer Buch Vorschlag

Abbildungsverzeichnis

Seite 14. Thema Vorsorge Foto (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 37. Zitat von (Antrè Hoff)

Seite 96. Zitat von (Arthur Schopenhauer)

Seite 101. Foto von Gregory (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 109. Zitat von (Lucius Annaeus Seneca)

Seite 122. Foto von DGE (Quelle: Google)

Seite 132. Foto von Frauen & Männer VOX (Quelle: Google)

Seite 178. Foto von Klaus und Gerry (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 197. Foto von Birnen (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 198. Foto von Blumen (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 199. Foto von Birnen (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 200. Foto von Strauch & Baum (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 201. Foto von Sonnenblume (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 202. Foto von Blühten (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 203. Foto von meinem Freund (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 204. Foto von Sonne (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 205. Foto von Natur (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 206. Foto von Menschen (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 207. Foto von Wald & Wasser (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 208. Foto von Park (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 209. Foto von Gregory (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 210. Foto von Gegenständen (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 211. Foto von Frost (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 212. Foto von Schnee (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 213. Foto Baum (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 214. Foto ins Auge (Quelle: Andreas Meyer)

Seite 215. Foto Hühner (Quelle: Andreas Meyer)

Impressum neobooks

Erste Bekanntschaft mit dem Krebs


Mein Name ist Andreas Meyer

Autor des Buches

„Gedankeninferno“

Was hat mich dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben? Ganz einfach die Krankheit.

Dieses Buch soll Menschen in der gleichen Situation Mut machen und die anderen motivieren, zur Vorsorge zu gehen. Es tut nicht weh, aber kann Schlimmeres verhindern.

„Eine positive Denkweise

inmitten des Kampfes gegen den Krebs ist jedoch ein Teil dessen, was hilft, weiter zu kämpfen“.

Leider kenne ich den Namen desjenigen der dieses Zitat geschrieben hat nicht, aber es war ein scharfsinniger Mann.

„Gedankeninferno“

Ist Man(n) ohne Prostata noch ein Mann?

Diagnose Prostatakrebs


© 2021 Andreas Meyer

Umschlag, Illustration: Miriam Haji

Lektorat, Korrektorat: Kristin Peschutter

Weitere Mitwirkende: Fotograf Timo Weigel

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44,

22359 Hamburg

Paperback ISBN 978-3-347-33574-5

Hardcover ISBN 978-3-347-33575-2

E-Books ISBN 978-3-347-33576-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Informationen der

Deutschen Nationalbibliothek.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Vor einigen Jahren hatte ich eine Fernbeziehung in der schönen Schweiz. Wir hatten uns über ihren Bruder und den Radsport kennen und lieben gelernt. Ich muss dazu sagen, dass wir bis heute eine sehr schöne und ehrliche Freundschaft miteinander pflegen. Anna ist eine wundervolle Frau und auch eine, die das Thema Vorsorge sehr ernst genommen hat und es bis heute noch tut - dies auch aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit als gelernte Krankenschwester, seit Jahren arbeitet sie in der Herzforschung in der Universitätsklinik Bern. Anna nimmt regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen bezüglich Brustkrebses teil und bisher war immer alles gut. An einem Wochenende, als ich in der Schweiz war, stellte sie nach dem Duschen beim Abtasten der Brüste einen Knoten fest. Sie kam zur mir und meinte, ich solle doch mal fühlen. Ich bemerkte den Knoten auch und empfahl ihr, am Montag in der Arbeit einen Arzt ihres Vertrauens daraufschauen zu lassen. Ich versuchte sie zu beruhigen, was mir aber nicht gut gelang. Heute kann ich das nachvollziehen. Man hofft immer, dass alles nicht so schlimm ist, wie man es immer hört. Anna meinte nur: Ich war doch erst bei der Voruntersuchung und da war alles ok. Als Mann, Freund oder Partner steht man jetzt vor einer Aufgabe, die fast unlösbar ist, weil man sich nicht in die Lage einer Frau, Freundin, Lebenspartnerin versetzten kann. Nachdem Anna beim Arzt war und auch gleich alle wichtigen Untersuchungen hinter sich gebracht hatte, hieß es abwarten auf die Ergebnisse. Diese Zeit war auch für mich kraftraubend, aber ich ließ mir nichts anmerken, da man als Mann ja stark sein muss. Insgeheim hoffte ich, dass alles nur falscher Alarm war.

Den Tag der Entscheidung erlebte Anna leider ohne mich, ich war wieder zuhause auf Arbeit. Abends klingelte das Telefon, ich sah an der Nummer, dass es Anna war. Auf einmal hatte ich ein komisches Gefühl im Magen, es sollte mich nicht täuschen. Ihre Stimme klang sehr ruhig und gefasst. Ich fragte sie nur: Und, alles gut? Dann hörte ich eine zittrige Stimme, die mir antwortete: Schatz, ich habe Brustkrebs, einen sehr aggressiven. Mir blieb die Spucke weg und ich versuchte sie gleich aus der Ferne zu trösten. Soll ich kommen? Wir schaffen das zusammen, waren meine Worte. Die nächsten Tage und Wochen waren sehr intensiv für uns beide. Anna bekam zuerst und relativ schnell eine Chemotherapie, bevor man dann den Tumor aus der Brust operativ entfernte. Zum Glück hatte sie sehr gute Ärzte. Man konnte den Tumor entfernen, ohne die komplette Brust wegnehmen zu müssen. Nach der Operation war klar, zuerst musste sie wieder auf die Beine kommen, und vor allem ihr Immunsystem musste gestärkt werden, bevor die Bestrahlung beginnen konnte. Die Chemotherapie hat Anna viel Kraft gekostet. Ich versuchte auch in der Zeit, in der ich nicht bei ihr sein konnte, ihr zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen. Ich suchte für sie schöne Strickmützen aus, die sie während der Zeit ohne Haare tragen konnte. Ich versuchte ihr Kraft und Mut zuzusprechen und ihr Halt in dieser schwierigen Zeit zu geben. Ich hatte auch einen guten Mitstreiter, ihr ein und alles. „LUCKY“, mein Labrador-Rüde und Annas bester Freund. Die Spaziergänge mit ihm und mir taten ihr sehr gut und sie hatte außer mir noch jemanden zum Kuscheln. Es war schön zu sehen, wie es Anna von Tag zu Tag besser ging. Leider braucht so eine Krankheit seine Zeit, auch der Körper, der in dieser Zeit viel Kraft und Energie verbraucht, muss sich erst regenerieren. Man selbst kann das nur mitfühlen, wenn man das alles selbst auch durchgemacht hat.

Und zum Glück hatte ich bis dahin noch keine Krebs-Diagnose. Ich kann nur den Hut vor ihr ziehen vor dem, was sie durchleben musste. Allein die Chemotherapie hätte mich schon an Rand der Verzweiflung gebracht. Mir hat es gereicht, die Bilder zu sehen, wie sie im Stuhl liegt und die Hände und Füße mit Kühlkompressen bedeckt waren, um sie zu kühlen. Der Rest des Körpers war mit einer Decke umhüllt. Daneben stand der Ständer mit den Medikamenten und Infusionen. Und trotz allem kam ein Lächeln über ihre Lippen. Ich habe heute noch die Bilder vor mir und denke trotz allem positiv in die Zukunft. Zum Glück ist Anna seit fünf Jahren wieder krebsfrei. Sie ist eine lebensfrohe Frau, die wieder schöne und große Wanderungen in den Schweizer Alpen mit ihrer Freundin machen kann. Klar hat sie heute immer noch ein komisches Gefühl, wenn sie ihre jährliche Nachsorgeuntersuchung machen lässt. Im Hinterkopf ist immer noch der Gedanke: Hoffentlich ist alles noch gut.

„UND ES IST ALLES GUT.“

Thema Vorsorge

Ich war nie ein Held der Vorsorgeuntersuchungen, vor allem nicht in dem Bereich der Urologie. Meine Vorstellungen von einer Vorsorgeuntersuchung verliefen in meinem Kopf wie ein Horrorfilm ab. Und dass, obwohl ich erst einmal eine solche Untersuchung über mich ergehen lassen musste, damals bei der Musterung in der Bundeswehr. Dort durfte ich mich bei dem Gesundheitscheck vor dem Stabsarzt frei machen, sodass er mir dann seinen Finger zur Untersuchung in den Popo stecken musste, um dann etwas abzutasten. Ob dies etwas mit der Vorsorgeuntersuchung für Prostatakrebs zu tun hatte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, weil man ja auch nicht richtig aufgeklärt wurde. Was heißt eigentlich Vorsorge? Vorsorge bedeutet nichts anderes als Prävention, um Risiken zu verringern, beziehungsweise es gar nicht so weit kommen zu lassen. Wir alle machen es mehrmals täglich. Zahnpflege ist eine Prävention gegen Karies- und Parodontose- Vorbeugung. Jeder weiß, dass nach jedem Essen Mundhygiene angesagt sein sollte, man predigt es ja auch seinen Kindern, und keiner hat Angst davor. Es wird automatisch gemacht, ohne weiter darüber nachzudenken. Beim Thema Krebsvorsorge wird stattdessen überlegt: Soll man jetzt oder soll man erst später gehen? Ich persönlich habe mir diese Fragen nie gestellt, da ich gesund war, und darum das Thema Krebs für mich so weit weg war, wie für andere Menschen ein Bericht in den Nachrichten über einen Selbstmordattentäter in Afghanistan. Ehrlich gesagt, ich weiß selbst nicht, wie viele Arten von Krebs es wirklich gibt. Ich denke viele, denn der Körper eines Menschen hat genügend Angriffsstellen, um Tumore zu bilden. (Brustkrebs, Darmkrebs, Hautkrebs, Lungenkrebs, Prostatakrebs, Eierstockkrebs usw.) Was sagt uns das? Vorsorge ist heutzutage wichtiger denn je. Darum finde ich, dass jeder von uns seinen Arzt des Vertrauens aufsuchen sollte, um mit ihm dieses Thema gemeinsam anzugehen. Dazu habe ich eine kleine Geschichte, die ich Euch erzählen möchte. Sodbrennen kennt wahrscheinlich jeder von Euch. Es gab eine Zeit, da hatte ich nur noch Sodbrennen, nach jedem Essen. Ich holte mir aus der Apotheke ein Gel gegen Sodbrennen. Den Gedanken, zum Arzt zu gehen und nachzusehen, verdrängte ich galant. Und wieso? Ich hatte Angst, mich einer Magen- und Darmspiegelung zu unterziehen, diese könnte ja unangenehm und schmerzhaft sein. Deshalb war der Weg in die Apotheke einfacher. Das hört sich alles schon komisch an: Koloskopie (Darmspiegelung) oder Gastroskopie (Magenspiegelung). Leider wurde das Sodbrennen nicht besser, sondern schlimmer. Ich war gezwungen, meinen Hausarzt aufzusuchen. Er überwies mich zu einer Internistin ganz in der Nähe. Als ich zum Termin in die Praxis ankam, wurde ich sehr freundlich von einer Arzthelferin begrüßt. Nach einer kurzen Wartezeit wurde ich aufgerufen und ging mit der Arzthelferin in den Behandlungsraum. Einige Minuten später öffnete sich die Tür und eine Frau Mitte 50 in einem weißen Arztkittel kam herein. Sie hatte auf mich sofort eine positive Ausstrahlung. Ich hatte von der ersten Minute an ein gutes Gefühl. Sie erklärte mir den Eingriff und das Vorgehen mit dem Koloskop. Was ich nie vergessen werde sind ihre ersten Worte vor dem Beginn der Untersuchung: Herr Meyer, haben Sie keine Angst. Sie schlafen ein wenig und ich schaue mir Ihr Innenleben an. Mit einem Lächeln gab sie mir die Spritze des Vergessens und zwanzig Minuten später war alles vorbei. Seither lasse ich mir alle zwei Jahre einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung geben und freue mich sogar auf die Untersuchung. Danach weiß man genau, dass alles in Ordnung ist.

Das beruhigt ungemein und tut gar nicht weh. Bei mir wurde eine erhöhte Magensäureproduktion erkannt, was ich jetzt durch Tabletten in den Griff bekommen habe. Einen Baustein zum Thema Vorsorgeuntersuchung habe ich gelegt. Aber bis alle Bausteine zusammengeführt sind, fehlen noch ein paar Untersuchungen. Wenn alle Vorsorgeuntersuchungen so unkompliziert vonstatten gehen würden, wäre das Thema überhaupt kein Problem in der Gesellschaft. Männer nutzen das Angebot zur Vorsorge nur sehr sporadisch. Lediglich 50 Prozent gehen regelmäßig zum Arzt, etwa 30 Prozent dagegen überhaupt nicht. Und gerade einmal jeder Zehnte nutzt das Angebot zur Krebsvorsorge, und das, obwohl Krebserkrankungen an zweiter Stelle der häufigsten Todesursachen stehen. Mit der richtigen Vorsorge können jedoch viele Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Sogar, wenn man sich rundum gesund fühlt, können Risiken und Hinweise auf Erkrankungen durch eine Früherkennungsuntersuchung entdeckt werden. Und je früher eine Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Im Fokus stehen hierbei nicht nur Tumore, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ebenfalls zu den häufigsten Todesursachen der heutigen Zeit zählen. Im Folgenden gebe ich Euch eine Übersicht über die wichtigen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung für den Mann. Hier ein Beispiel: Hodenkrebs macht zwar lediglich 1,5 Prozent aller bösartigen Krebserkrankungen aus, kann unerkannt aber sehr gefährlich werden. Der Krebs tritt meist im Alter zwischen 20 und 25 Jahren auf. Im besten Fall stellt der Arzt die Diagnose, bevor sich die bösartigen Tumorzellen im Körper verbreiten. Denn auch hier gilt: Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Hodenkrebs ist mittels moderner Chemotherapie und Bestrahlung sehr gut behandelbar. Für Hodenkrebs gibt es keine spezielle Vorsorgeuntersuchung.

Die Verantwortung liegt daher bei jedem selbst: Bereits in der Pubertät ist das Abtasten der Hoden auf Verhärtungen oder Vergrößerungen, die auf Krebs hindeuten, wichtig. Spätestens ab dem 18. Lebensjahr sollte man sich einmal pro Monat die Hoden untersuchen. Bei Auffälligkeiten sollte man sich nicht scheuen, gleich zu einem Urologen zu gehen. Am besten ist es, wenn man frühzeitig einen Vorsorgetermin ausmacht.



Mein Körper

Ich hatte schon früh als Kind und Jugendlicher alles, was man an Kinderkrankheiten haben konnte. Von Mumps über Masern bis hin zum rheumatischen Fieber. Das letztere wurde mit einer Penicillin-Kur über mehrere Jahre behandelt. In dieser Zeit und noch Jahre später hatte ich das Glück, keine grippalen Infekte zu bekommen, da ich so viel Rest-Penizillin in meinem Körper hatte. Viele Jahre später war ich auf einer Wehrübung bei der Bundeswehr in Stetten am Kalten Markt bei Sigmaringen. Es war sehr heiß und staubig auf dem Truppen-Übungsplatz. Meine damalige Aufgabe war es, alte schrottreife Autos vom Abstellplatz zum Sprengplatz mit einem großen Bagger zu fahren. Ich muss dazu sagen, während der Fahrten auf den Übungsplatz hatte ich die Fenster aufgeschoben und der Staub konnte in die Kabine eindringen.

So weit, so gut, zwei Tage später bekam ich grippeähnliche Symptome und ging zum Truppenarzt am Standort Stetten. Er gab mir Grippetabletten und hat mich dann übers Wochenende krankgeschrieben. In der Nacht von Freitag auf Samstag wachte ich schweißgebadet auf, mein Körper glühte und ich wusste nicht, was mir geschah. Ich hatte Fieber, erst 38,5, später dann über 40 Grad. Ich fühlte mich wie durch ein Sieb gedrückt. Hatte zwar Durst, bekam aber nichts herunter, mein Körper fühlte sich an, wie wenn ich von innen heraus austrocknen würde. Nach vielem Hin und Her mit einem Bundeswehrarzt wurde ich dann von einem Krankenwagen abgeholt und ins naheliegende Krankenhaus gebracht. Die Ärzte versuchten mit kalten Wickeln das Fieber zu senken, aber es gelang ihnen nicht. Eine Infusion nach der anderen lief durch meine Adern, um den Wasserhaushalt auszugleichen.

Durch einen dummen Zufall wurde herausgefunden, was ich haben könnte. Eine Krankenschwester, die auf der Station, auf der ich lag, arbeitete, hatte gehört, dass in Stetten am Kalten Mark wieder das Q- Fieber ausgebrochen war. Q-Fieber? Was ist denn das, dachte ich mir. Das Q-Fieber (Query Fieber, Ziegengrippe) ist eine Erkrankung, die insbesondere bei Rindern, Schafen und Ziegen vorkommt. Sie wird durch das Bakterium Coxiella burnetii verursacht. Dieser Erreger kann auch auf Menschen übertragen werden. Jetzt war mir einiges klar geworden: Schafe, Truppenübungsplatz, Staub - das passte alles zusammen. Ich bekam ein Antibiotikum und ein paar Tage später ging es mir schon wieder richtig gut. Das Dumme an der Krankheit ist, man trocknet von innen heraus aus. Das Ganze kann, wenn man es nicht rechtzeitig behandelt, zum Tode führen. Einziges Manko ist, ich darf seitdem nie wieder Blut Spenden auf Grund der Ziegengrippe, oder auch Q-Fieber genannt. Klar, hatte ich auch andere Wehwehchen in meiner Jugend und auch später. Aber ich rannte nicht gleich zum Arzt. Man ist doch ein Mann, der muss das aushalten können. Kennt ihr auch so Sprüche? Oder: Ein Mann weint doch nicht, oder: Was nicht zum Tode führt, härtet ab. Über solche Sprüche kann ich nur lachen und mit dem Kopf schütteln. Eine schmerzhafte Geschichte fällt mir da noch ein. März 2010, ich war mit der Bundeswehr im Auslandeinsatz in Afghanistan. Eines Tages bekam ich Zahnschmerzen, und klar, man geht nicht gleich zum Zahnarzt, schluckt lieber Schmerzmittel und arbeitet weiter. Am Anfang halfen die Schmerzmittel noch, aber irgendwann halfen auch die besten Tabletten nichts mehr. Meine Backe wurde auch immer dicker. Spät am Abend konnte ich es fast nicht mehr aushalten vor Schmerzen. Ich ging ins Lazarett, es war mir schon peinlich, da gerade an diesem Abend die deutsche Fußballnationalmannschaft

ein WM-Spiel hatte. Ich lief in den Rosengarten, den Ruhebereich der Ärzte und Pfleger. Zum Glück war der Zahnarzt auch noch da und schaute zusammen mit den anderen das Spiel. Ich entschuldigte mich bei ihm, dass ich gerade jetzt auftauche während des Spieles. Er lachte und meinte: Halb so schlimm, komm einfach mit. Er schaute sich das Ganze an, machte ein Röntgenbild vom ganzen Kiefer und meinte nur: Das müssen wir aufmachen. Er gab mir eine Spritze. Nach fünf Minuten fragte er mich, ob ich schon etwas spüren würde. Ich meinte nur: Nö. Komisch, normalerweise müsste ich doch merken, dass es pelzig wird an der Stelle, wo ich gespritzt wurde. Er klopfte mit seinem kleinen Hacken an den Zahn, den ich vorher als Schmerzzahn lokalisiert hatte. Ich dachte, mich trifft ein Stromschlag, als er an den Zahn klopfte. WOW, das waren Schmerzen. Das Spielchen machten wir noch zweimal, dann war es dem Zahnarzt zu blöde. Er meinte: Jetzt lege ich Dich kurz schlafen, und als ich wieder zu mir kam, war der Zahn draußen. Ich fühlte mich um einiges besser als zuvor. Er zeigte mir das, was übrig war vom Zahn und der Wurzel. Es roch alles streng nach Eiter und war komplett schwarz, wie verfault. Er meinte nur, so etwas hat er noch nie gesehen, jetzt würde er verstehen, was für Schmerzen es gewesen sein müssen und wieso die Spritzen nicht gewirkt haben. Er meinte, die Wurzel wurde nicht ganz bei einer Wurzelspitzenresektion entfernt. Der Rest der Wurzel hatte sich entzündet und ist dann abgestorben. Die Gase, die sich dann gebildet hatten, verursachten diese Höllenschmerzen. In dem Moment hätte ich am liebsten den anderen Zahnarzt in Deutschland in der Luft zerrissen. Heute habe ich an der Stelle ein Implantat drin und alles ist gut. So, jetzt habe ich Euch einen kleinen Einblick in meine Krankenakte gegeben.

Und je älter man wird, um so mehr Zipperlein bekommt man.

Aber ich denke, das ist ganz normal im Leben, als junger Spund ist man kerngesund und nach vielen Arbeitsjahren geht es dann los. Der eine hat weniger Beschwerden als der andere.

Aber was erzähle ich Euch, dass wisst ihr ja bestimmt aus eigener Erfahrung. Ja, und ab Fünfzig spricht man dann nicht mehr darüber, was einem so alles weh tut. Aber Spaß beiseite, was sind denn die sogenannten Krankheitsbilder ab Fünfzig? Menschen im Alter ab fünfzig Jahren – die sogenannten „Best Ager“- sind besonders anfällig für drei Krankheiten. Diese Menschen sind meistens von Osteoporose, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Jedoch wird der menschliche Organismus mit zunehmendem Alter anfälliger für Krankheiten, die manchmal auch chronisch werden können. Typische Krankheiten, die vor allem ältere Menschen betreffen, sind: Demenz, Inkontinenz, Schlaganfall, Parkinson oder Arthrose. Das sind schöne Aussichten, wir sind ja alle positiv eingestellt, und somit bleiben wir alle gesund und werden schön alt. Oder nicht? Das wünscht sich doch jeder Mensch.

Die ersten Schmerzen

Was für ein komisches Gefühl! Anfang Oktober fing das ganze Dilemma an. Ich stand wie jeden Morgen gegen 4:30 Uhr auf, um mich für den Dienst fertig zu machen. Mein erster Weg ist morgens immer ins Bad auf die Toilette. Ich merkte gleich, dass ich beim Urinlassen leichte Schmerzen in der Harnröhre spürte. Ich dachte mir nichts dabei und beließ es. Der einzige Gedanke war: Was von allein kommt, geht auch von allein wieder. Auf den Gedanken, zum Arzt zu gehen, kam ich nicht, es brannte ja nur ein bisschen. Nachdem es nicht besser wurde, dachte ich mir: Das wird nur eine Blasenentzündung sein, trink einfach einen Blasentee und alles wird wieder gut. Gesagt, getan. Ich besorgte mir einen Blasentee und trank diesen einige Tage mehrmals am Tag. Wie heißt es so schön: Der Glaube versetzt Berge, und vielleicht auch Schmerzen beim Wasserlassen. In der Zwischenzeit hatten wir schon den 12. Oktober und ich hatte nicht nur das Brennen beim Wasserlassen, sondern der Druck auf die Blase wurde auch stärker. Immer noch kein Warnzeichen für: Hallo, ab zum Arzt, nein, da geht man lieber ins Internet und bestellt sich eine Packung Granu Fink Kürbiskerne. Sie versprechen die Stärkung der Blase oder die Linderung von Prostatabeschwerden, so der Beipackzettel. Betroffene hoffen durch ihre Einnahme auf eine „sanfte“ Therapie ohne Nebenwirkungen. Na ja, das hört sich doch schon mal gut an, besser als zum Urologen zu gehen. Nach einer weiteren Woche bemerkte ich trotz Blasentee und den Kapseln keine Verbesserung. Das Einzige, was blieb, waren die noch erträglichen Schmerzen beim Wasserlassen. Am darauffolgenden Wochenende bekam ich besuch von Anne aus der Schweiz.

Samstagsabends im Gespräch musste ich wieder auf die Toilette um Wasser zu lassen, nur diesmal konnte ich fast kein Wasser mehr lassen, denn es kamen nur wenige Tropfen aus der Harnröhre. Ich dachte, die Blase platze gleich, der Schmerz war fast nicht mehr auszuhalten. Anne sprach mich darauf an und meinte nur: Sag mal, was hast du denn? Ich setzte mich mit einer gefühlt übervollen Blase auf das Sofa und erzählte ihr von meinem Problem. Spinnst Du, waren ihre ersten Worte, ab zum Arzt, das geht ja gar nicht, lass nach Dir schauen. Ich musste ihr versprechen, dass ich am Montag darauf gleich zum Arzt gehen und mir eine Überweisung zum Urologen geben lassen würde. Gesagt, getan holte ich mir eine Überweisung zum Urologen in Herrenberg. Ich war vor vielen Jahren einmal dort und deshalb versuchte ich, bei diesem Arzt einen Termin zu bekommen. Ich rief in der Praxis an und die Arzthelferin meinte, der Arzt sei im Ruhestand und die Frau Doktor könne momentan keine neuen Patienten mehr annehmen außer die Altpatienten des Vorgängers. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich vor vielen Jahren bei ihrem Vorgänger gewesen sei. Nach langem Hin und Her hatte ich einen Termin bekommen. So, jetzt gab es kein Zurück mehr, dachte ich, der nächste Donnerstag kann kommen. In der Zwischenzeit wurde das Brennen und der Druck beim Wasserlassen nicht wirklich besser. Die Granu Fink Kürbiskerne halfen auch nichts mehr, darum landeten sie im Mülleimer. Zum ersten Mal gingen mir Gedanken durch den Kopf, wie wohl so eine Untersuchung ablaufen würde. Vom Gedanken, dass es Krebs sein könnte, war ich meilenweit entfernt. Ich hatte eher Panik, was die Untersuchung anbelangte. Einfach überraschen lassen, mein Freund, sie wird schon nicht so dramatisch ablaufen. Auf der einen Seite war ich jetzt beruhigt, dass sich jemand um die Schmerzen kümmerte, und auf der anderen Seite wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, wie danach geschaut wird.

Termin beim Urologen

Dann kam der Tag der Untersuchung beim Urologen. Wie immer, wenn ich einen Termin habe, war ich zehn Minuten vor dem Termin da. Ich wartete auf dem Parkplatz vor der Praxis. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten sich nur wenige Patienten in der Praxis aufhalten. Kurz vor dem Termin ging ich Richtung Praxis, der Weg führte mich durch ein renovierungsbedürftiges Treppenhaus zur Praxis. Die Türe stand offen, daneben befand sich ein Ständer mit Handdesinfektionsmittel und einem Schild: „Bitte Hände vor dem Eintritt desinfizieren“. Ich desinfiziere meine Hände und blieb an einer Markierung am Boden stehen, bis ich aufgerufen wurde. Die Arzthelferin stand am Tresen hinter einer Plexiglasscheibe. Ich reiche ihr meine Überweisung und meinte, ich hätte um 11:30 Uhr einen Termin. Sie nahm meine Überweisung entgegen und bat mich, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Diesen Satz hört man doch fast immer bei Ärzten, bis man dann ins Behandlungszimmer aufgerufen wird. Beim Umschauen bemerkte ich gleich, dass die Praxis neugestaltet wurde. Das Wartezimmer war schön lichtdurchflutet und offen gestaltet und nur mit einer Glastür vom Flur getrennt. An den schönen weißen Wänden hingen zwei große Bilder mit Bäumen, dazu ein schöner dunkler Parkettboden und eine Pflanze, die in der Ecke stand. Ich muss sagen, ich fühlte mich richtig wohl und geborgen. Das zog sich durch die ganze Praxis durch. Nach wenigen Minuten wurde ich aufgerufen. Ich durfte im Arztzimmer Platz nehmen und war gespannt darauf, was in den nächsten Minuten passieren würde. Plötzlich öffnete sich die Tür und ein Frau Mitte 30 betrat den Raum. Schönen Tag, Herr Meyer, was kann ich für Sie tun, klang es aus ihrem Munde.

Ich war perplex, eine Frau hätte ich jetzt nicht erwartet. Schönen guten Tag, Frau Doktor, antwortete ich, ich habe seit einiger Zeit beim Wasserlassen Schmerzen und dabei auch einen Druck auf der Blase, aber es kommt fast nichts dabei heraus. Sie hatte eine Maske auf, trotzdem konnte ich ein Lächeln hinter der Maske erahnen. So, dann wollen wir mal schauen. Sie nahm meine alte Akte und schaute oberflächlich darüber. Dann fragte sie mich, ob ich schon einmal einen PSA-Test abgegeben habe. Ich antwortete: Nein, was ist das? Sie erklärte mir, was da gemacht wird und für was der SPA-Wert stünde: für ein prostataspezifisches Antigen. Im Alltagsgeschäft des männlichen Körpers ist die Vorsteherdrüse, namentlich Prostata, vor allem mit der Produktion von Sekret beschäftigt. Bei einem Orgasmus zieht sich die Prostata zusammen und gibt das Sekret als Sperma-Beigabe in die Harnröhre ab. Spezielle Zellen der Prostata steuern dem Sekret wiederum ein Eiweiß bei: das prostataspezifische Antigen, kurz PSA. Das Protein hat die Aufgabe, bei einer Ejakulation das Sperma zu verflüssigen, damit der Samen aus den Nebenhoden optimale Lebens- und Transportbedingungen vorfindet. Ein PSA-Wert kann daher bei jedem gesunden Mann im Prostatasekret, beziehungsweise im Sperma, nachgewiesen werden. Darüber hinaus gelangt das PSA in geringerer Konzentration in die Blutbahn, wo es als „Blutwert der Prostata“ feststellbar ist. Das Blut in unserem Körper versorgt den Organismus mit wichtigen Nährstoffen. Zugleich enthält es entscheidende Informationen über unseren Gesundheitszustand. Organe wie Leber, Nieren und auch die Prostata geben bei Erkrankung vermehrt organspezifische Eiweiße an das Blut ab. Die Prostata produziert in diesem Fall eine größere Menge ihres „hauseigenen Proteins“, dem prostataspezifischen Antigen (PSA). Ein erhöhter PSA-Wert kann unter anderem Hinweis auf eine Prostatitis sein. (Quelle: Google-Prostata)

Ich hoffe, ihr habt das mit dem PSA- Wert einigermaßen verstanden. Es gibt auch viel darüber im Internet zu lesen, vor allen auch verständlich geschrieben. Ich war begeistert von Frau Doktor H., sie hatte mich direkt in ihren Bann gezogen und das Vertrauen war zu 100% da. Das finde ich das Wichtigste. Jetzt konnte mich nichts mehr vom Hocker hauen, dachte ich so. Aber zuerst wollen wir jetzt mal die Prostata abtasten, meinte sie mit einem leichten Zwinkern. Ich zog meine Hose bis zu den Knien herunter, ebenso meine Unterhose. Nun beugen Sie sich nach unten und stützen sich mit den Armen an den Knien ab, sagte sie mir. Bevor sie mit der Untersuchung anfing meinte sie, jetzt könnte es ein bisschen kalt werden vom Gel am Handschuh. Ich nickte ihr zu und los ging es. Klar fühlt es sich ein bisschen doof an, wenn eine Frau einem mit dem Finger in den Hintern fährt und an einer Stelle herumdrückt. Aber es ist echt nicht schlimm. So, Herr Meyer, ich kann etwas Hartes spüren, das ist nicht normal, ansonsten finde ich nichts Auffälliges. Das waren ihre ersten Worte, nachdem ihr Finger wieder draußen war. Sie zog ihre Handschuhe aus ließ sie in den Abfalleiner fallen und desinfizierte ihre Hände wieder. Ich zog meine Unterhosen und meine Jeans wieder hoch und setzte mich wieder auf den Stuhl am Schreibtisch. Ich war überrascht, wie einfach und schnell so ein Abtasten geht. Daraufhin zeigte mir Frau Doktor H. das Geschlechtsorgan eines Mannes im Querschnitt eines Modelles. Es war alles schön zu sehen, von der Blase über die Prostata bis zur Harnröhre und den Hodensäcken. Sie erklärte mir den genauen Ablauf, welche Aufgabe jedes einzelne Organ hat und wo die Männer auch Probleme bekommen können. Ich war hin und weg gerissen, wie gut und verständlich sie mir das alles erklärte. So, und nun, Herr Meyer, ich bin mir nicht ganz sicher, es könnte sein, dass Sie einen Stein (Kalkablagerungen) in der Prostata haben könnten.

Lassen Sie mich noch einen Ultraschall machen. Nach dem Ultraschall war sie sich immer noch nicht sicher, ob Stein oder nicht Stein. Ich sagte zu ihr: Ich kenne eigentlich nur Nierensteine. Von Steinen in der Prostata habe ich noch nie gehört. Ja, so ähnlich kann man das vergleichen, es kommt aber auch sehr selten vor, meinte sie. So, und zum Schluss nimmt die Arzthelferin Ihnen noch Blut ab, um den PSA-Wert zu bestimmen. Wir schicken das Blut ins Labor und sobald das Ergebnis da ist, melde ich mich bei Ihnen. Ich ließ mir dann noch ein bisschen Blut abnehmen und fuhr direkt mit einem sehr guten Gefühl ins Wochenende. Zuhause angekommen telefonierte ich mit Anne. Ich erzählte ihr den kompletten Ablauf der Untersuchung und auch die vorläufige Diagnose: „Steinchen“ in der Prostata. Sie lachte mich aus und meinte nur: Und, war es jetzt so schlimm, die Vorsorgeuntersuchung? Ich musste Anne beipflichten: Es war nicht schlimm und meine Horrorvorstellungen waren umsonst. Ich dachte insgeheim: Die Untersuchung kannst du auf jeden Fall jedes Jahr machen lassen. Zum Verständnis hier noch ein paar Informationen bezüglich des PSA-Wertes. Der PSA-Wert ist grundsätzlich erst einmal nur als Indiz für die Aktivität der Prostata anzusehen. Unabhängig von einer möglichen Prostatitis lässt sich demnach immer ein gewisser PSA-Spiegel im Blut eines Mannes messen. Bei jungen Männern geht der PSA-Wert gegen Null, mit zunehmendem Altem ist bei fast jedem Mann eine Erhöhung des PSA-Werts feststellbar. Ein normaler PSA-Wert liegt bei gesunden Männern im Bereich von 0 bis höchstens 4 Milliardstel-Gramm (Nanogramm, ng) pro Milliliter Blut. Blutwerte zwischen 2 ng/ml und 4 ng/ml gelten zwar noch als Normalwerte, sind in der Regel aber bereits kontrollbedürftig, insbesondere bei jüngeren Männern.

Der PSA-Wert setzt sich als Gesamtwert aus „freien“ und „gebundenen“ PSA zusammen. Das bedeutet, dass das PSA im Blut sowohl ungebunden auftaucht als auch an Bluteiweiße gekoppelt. Bei einer Entzündung der Prostata (Prostatitis) kann der PSA-Wert erhöht sein. Findet der Arzt im Blut außerdem vermehrt Entzündungszellen, ist dies ein weiterer Hinweis. Beides ist bei einer Prostatitis aber nicht generell der Fall. Zur Feststellung und Einordnung einer Prostataentzündung wird der Arzt, neben dem PSA-Wert im Blut, auch den Urin analysieren. In diesem Zusammenhang hat sich die sogenannte 4-Gläser-Probe bewährt. Ergänzend führt der Arzt eine Tastuntersuchung der Prostata über den Enddarm durch, um zusätzliche Gewissheit über eine mögliche Prostatitis zu erhalten. Mit dem Zeigefinger ertastet er mögliche Entzündungsanzeichen, dazu zählen beispielsweise Verhärtungen oder eine Schwellung. Deuten PSA-Wert, Urin und Prostata-Untersuchung auf eine Prostataentzündung hin, kann der Urologe eine entsprechende Prostatitis-Therapie in die Wege leiten. Oder weitere Untersuchungen einleiten, wie es dann auch bei mir weiter ging. (Quelle: Google-PSA Werte)


Was einem alles in so einem Moment

durch den Kopf geht?

Der sieht nicht gut aus!

Einige Tage später war das Ergebnis der PSA-Untersuchung da. Frau Doktor H. rief mich im Dienst auf meinem Handy an und meinte, ob ich heute Nachmittag noch bei ihr vorbeischauen könne. Klar, Frau Doktor, antwortete ich ihr und meinte, dass ich gegen 17:00 Uhr da sein könne. Ich saß im Büro und meine Gedanken rasten hin und her: Wie ist der Wert, hoch oder nicht, und was ist mit der Vermutung der Steinchen? Der Anruf hatte mich wirklich aus dem Konzept gebracht. Was nun? Nach paar Minuten Stress im Kopf machte ich mir einen Cappuccino und versuchte mich zu beruhigen, sodass ich den Rest des Tages bis Dienstschluss meine Arbeit zu 100% erledigen konnte. Man macht sich schon so seine Gedanken: Was wäre, wenn? In der Praxis angekommen, musste ich noch ein paar Minuten im Wartezimmer Platz nehmen, bis ich dann aufgerufen wurde. Ich durfte wieder im gleichen Arztzimmer wie beim ersten Mal Platz nehmen. Frau Doktor H. kam aus dem gegenüberliegenden Zimmer direkt zu mir. Hallo Herr Meyer, wie geht es Ihnen heute? Ich antwortete: Frau Doktor, wie soll es mir gehen? So wie die letzten Tage, nur bisschen aufgeregt, was das Ergebnis des PSA-Wertes betrifft. Sie schaute auf ihren Monitor mit dem Ergebnis. Für den ersten PSA-Test überraschend hoch: 12,80 ng/ml, sagte sie. Sie schaute mich an und meinte: Ja, da müssen wir etwas machen. Was mich ein bisschen beunruhigt ist der Tastbefund. Ich würde Sie gerne zu einem Kollegen nach Sindelfingen in die Urologische Abteilung des Sindelfinger Krankenhauses schicken, damit er sich das Ganze auch einmal anschaut und noch einen weiteren innenliegenden Ultraschall macht. Ich meinte nur: Wat mutt, dat mutt.

Jetzt so langsam hatte ich auch meine Bedenken, dass es nicht nur eine leichte Harnwegsentzündung sein wird. Es ist echt komisch, aber mein Gefühl lässt mich selten im Stich, wie auch da wieder. Und ehrlich gesagt glaubte ich nun schon, dass das Ganze etwas Größeres werden würde. Klar würde mir die Frau Doktor nicht direkt ins Gesicht sagen, dass ich Krebs hätte, so etwas muss zu 100% sicher sein, bevor man einem Patienten eine solche Diagnose an den Kopf wirft. Ich besorgte mir eine neue Überweisung vom Truppenarzt und fuhr ein paar Tage später nach Sindelfingen zu weiteren Untersuchungen. Zum PSA-Wert ist noch zu sagen, ihr habt ja vorhin gelesen, dass der Normalwert zwischen 0 ng/ml und 4 ng/ml ist und da sollte man schon nachhaken, wo der Wert herkommt. Bei 12,80 ng/ml denke ich, wird es echt Zeit, etwas zu unternehmen. Viele Daten und Fakten wurden mir später noch klarer und verständlicher, durch die Gespräche mit den unterschiedlichsten Ärzten, denen ich noch begegnete während meinen Therapien.


Die Gedanken

spielen verrückt!

Termin in Sindelfingen

Kurz nach halb eins war ich auf dem Parkplatz des Sindelfinger Krankenhauses angekommen. Den Rest lief ich zu Fuß, vom Parkplatz zum Haupteingang des Krankenhauses. Vor der großen Tür setzte ich meinen Mundschutz auf und betrat den Eingangsbereich. Ich wurde von zwei Mitarbeitern des Hauses empfangen. Der eine wies mich an, die Hände zu desinfizieren, der andere gab mir ein Formular zum Ausfüllen. Es bezieht sich auf Corona. Jeder von uns hat in letzter Zeit schon einmal so etwas ausgefüllt. Mit den Fragen: Waren Sie in der letzten Zeit mit jemanden zusammen, der positiv auf Corona getestet wurde? Haben Sie Fieber, Husten oder ähnliche Symptome? Hatten Sie schon einen positiven Corona-Test? Und noch einige Fragen mehr. Als ich es ausgefüllt hatte, unterschrieb der Mitarbeiter auf dem Formular und meinte, ich soll es zur Anmeldung mitnehmen und dort dann abgeben. Das war mein erster Besuch in diesem Krankenhaus. Ich musste mich erst einmal durchfragen, wo sich die Anmeldung der Urologie befand. Ein netter Pfleger beschrieb mir den Weg zur Urologie. Als ich dort ankam, gab ich die Unterlagen und meinen Überweisungsschein bei der Anmeldung ab und nahm im Wartebereich Platz. Was macht man, wenn man noch Zeit hat bis zum Termin? Ich beobachtete die vorbeilaufenden Patienten, Pfleger und Ärzte mit Akten in den Händen. Außer mir saßen nur noch zwei weitere Patienten im Wartebereich. Es war schon sehr ungewohnt, nur die Augen der Gesichter zu sehen und den Rest hinter der Maske nur zu erahnen. Auf einmal kam ein Arzt mit einer Akte in der Hand um die Ecke und rief meinen Namen. Ich antwortete: Hier - und stand auf.

Guten Tag, Herr Meyer, kommen Sie doch bitte mit.

Wir gingen den Gang entlang bis zu einem Behandlungszimmer. Bitte kommen Sie doch herein und setzen Sie sich. Mein Name ist Dr. med. S., ich bin Oberarzt und Koordinator des Prostatakarzinomzentrum Sindelfingen. Ich habe gerade noch mit Frau Dr. H. telefoniert. So, erzählen Sie mir bitte noch einmal mit ihren Worten, was los ist. Das kam mir bekannt vor, alles drei- oder viermal zu erzählen. Es ist wie bei der Bundeswehr, jedes Mal sitzt ein anderer Arzt vor dir und du musst die Geschichte von vorne erzählen. Zum Glück konnte er nicht Gedanken lesen. Ich erzählte die gleiche Geschichte, die ich schon Frau Dr. H. erzählt hatte. Er notierte sich einige Punkte, die ich ihm erzählte. Danach fragte er mich noch, wie hoch der PSA-Wert gewesen sei, ich antwortete ihm: 12,80. Soso, dann würde ich Sie gerne noch einmal abtasten wollen. Ich legte mich auf einen Behandlungstisch und streckte ihm meinen Popo zu. Als erstes tastete er mit dem Finger die Prostata ab und meinte während des Tastens: Oh ja, die ist ganz schön hart. Tut das weh? Ich verneinte. Jetzt würde ich gerne noch einen Ultraschall von Innen machen. Er nahm eine Ultraschallsonde, tat ein wenig Gel darauf und führte sie mir rektal ein. Auf dem Monitor sah es aus wie auf einer farbigen Weltkarte. Er erklärte mir, was wir gerade sehen. Nach der Untersuchung war ich genauso schlau wie vorher. Ich wusste, ich habe etwas, aber was genau war noch unklar. Die Urinabgabe vor der Untersuchung ergab auch keine weiteren Aufschlüsse. Was nun, Herr Doktor? Ich würde Sie gerne nach Stuttgart zum MRT schicken, um sicher zu gehen, dass wir richtig liegen. Kein Problem, ich mache alles, was gemacht werden muss. Also auf ein Neues, eine Überweisung besorgen und ab nach Stuttgart.

Auf nach Stuttgart zum MRT

Bevor ich das Krankenhaus verlassen konnte, musste ich noch ein bisschen Blut für ein großes Blutbild abgeben. Klar war auch, dass mit dem Blut wieder ein PSA-Wert bestimmt wurde. So ging ich nach Hause mit dem Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt mit meinem Körper. Aber es konnte mir zu diesem Zeitpunkt niemand genau sagen, ob ich Krebs habe oder nicht. Bis zum Termin in Stuttgart hatte ich noch einige Tage Zeit. Deshalb ging ich normal zum Dienst und versuchte die Zeit, so gut es ging, nicht mit den Gedanken an Krebs zu verschwenden. Ich habe mal gelernt, immer positiv zu denken. Worüber ich wirklich nachdenken musste, war über meine Klaustrophobie, die ich schon seit meiner Jugend hatte. Was ist Klaustrophobie? Bei Klaustrophobie entwickeln Menschen in engen und geschlossenen Räumen, (zum Beispiel in Fahrstühlen, U-Bahnen) sowie bei Menschenmengen (etwa Konzerte) starke Angstgefühle. (Quelle: Google) Während meiner Lehre als Koch musste ich mal ins Kühlhaus und einen Beutel Pommes Frites holen. Als ich im Tiefkühler stand und den Karton mit den Pommes aufmachte, hat jemand die Türe hinter mir geschlossen und das Licht ausgemacht. In diesem Moment dachte ich, mein Leben ist vorbei. Ich bekam fast keine Luft mehr. Ich hämmerte gegen die Tür und schrie: Aufmachen, aber es passierte nichts. Vor lauter Panik und weil es ja dunkel war, konnte ich die innenliegende Schnellöffnung nicht finden. Nach gefühlten Minuten hat dann jemand die Türe wieder geöffnet. Ich hatte Todesangst und ließ meiner Wut dann auch freien Lauf in der Küche. Diese Situation war der Auslöser schlechthin. Ich konnte keine Fahrstühle mehr fahren, keine engen Räume betreten, und wenn ich einen engen Pullover ausziehen wollte, und dabei hängen blieb, war auch Stress angesagt. Ebenso hatte ich Muffensausen bei CT- und MRT-Untersuchungen, denn in die sogenannte Röhre konnte ich nicht hineinfahren. Schon bei einem offenen CT hatte ich Schwierigkeiten. Und jetzt sollte ich wieder ein MRT machen lassen, um herauszufinden, was ich habe. Nicht nur Anne, auch Amy ist eine gute Freundin von mir und sie wusste auch von meiner Geschichte bis hierhin. Sie bot an, mit mir zum MRT zu gehen, was ich dankend annahm. Die Magnetresonanztomographie, abgekürzt MRT oder MR, ist ein bildgebendes Verfahren, das vor allem in der medizinischen Diagnostik zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe im Körper eingesetzt wird. MRT-Bilder werden mit einem Magnetresonanztomographen erzeugt. Das ist ein röhrenförmiges Gerät, in das der Patient auf einer Liege hineingeschoben wird. In der Röhrenwand liegen elektrische Spulen, die ein pulsierendes Magnetfeld und Radiowellen erzeugen. (Quelle: www.google.de) Amy und ich trafen uns kurz nach zehn Uhr vor dem Eingang der Praxis in Stuttgart. Sie hatte noch ein Becher mit frischem Kaffee in der Hand. Am frühen Morgen schon wieder Drogen zu sich nehmen, scherzte ich mit einem Zwinkern. Von irgendetwas muss man ja wachwerden, antwortete Amy mit einem Lächeln. So, dann lass uns mal nach oben gehen, hast du deine Maske dabei? Klar doch, antwortet sie. Wir liefen durch das Treppenhaus in den zweiten Stock, wo sich die Praxis befand. Oben angekommen öffnete ich die Türe und betrat einen großen Raum, wo sich die Anmeldung in einem rechteckigen Glaskasten befand. Drei Damen saßen mit Abstand nebeneinander und kümmerten sich um die Patienten. Als ich an der Reihe war, gab ich wie immer die Überweisung einer der Damen hinter dem Schalter. Und wie immer hatten sie Probleme, das Überweisungsformular der Bundeswehr richtig zu deuten. Haben Sie eine Krankenkassenkarte dabei, fragte die Dame mich.

Leider nein, so etwas gibt es bei der Bundeswehr nicht, versuchte ich ihr zu erklären. Aber das war zu kompliziert für die Dame, sie holte sich Unterstützung von einer Kollegin. Und die Diskussion begann von vorne. Ja, wenn Sie keine Krankenkassenkarte dabeihaben, können wir die Untersuchung nicht durchführen, meinte die zweite Arzthelferin. Ich stand kurz vor der Detonation. Amy meinte nur: Bleib ruhig, das hilft nichts. Wenn Sie uns eine Kostenübernahme-Erklärung unterschreiben, dann können wir Sie untersuchen. Mit einem Puls von gefühlt 250 unterschrieb ich die Kostenübernahme und im gleichen Augenblick meinte Amy: Ruf doch einfach bei der Freien Heilfürsorge an und frage nach. Leider durfte sie aufgrund von Corona nicht mit im Warteraum auf mich warten. Amy suchte sich im Treppenhaus ein Platz und wartete dann auf mich. Ich suchte mir eine Sitzmöglichkeit an der großen Fensterfront, füllte die Unterlagen, die ich bekommen hatte, aus und wartete auf das erste Arztgespräch vor der Untersuchung. Nach gefühlten 20 Minuten wurde ich aufgerufen. Ich lief Richtung Arztzimmer, in dem ein älterer hagerer Mann an der Tür stand. Der Arzt war mir von Anfang an sehr unsympathisch. Ich beantwortete seine Fragen und hoffte, dass ich bald wieder gehen könne. Nach dem Gespräch musste ich wieder in den Warteraum zurückgehen. Eine Arzthelferin brachte eine Flasche mit einer Flüssigkeit und einen Becher und meinte, ich solle diese 1-Liter-Flasche in den nächsten 15 Minuten austrinken. Gesagt, getan trank ich das Mittel innerhalb der Zeit aus. Es schmeckte sehr neutral, fast wie lauwarmes Wasser, das Kontrastmittel.

Die MRT-Untersuchung beginnt

Bis sich das Kontrastmittel im Körper richtig verteilt hatte, dauerte es auch wieder eine halbe Stunde, dann durfte ich in eine Kabine gehen und mich bis auf die Unterhose ausziehen. Von der Kabine aus wurde ich dann in einen Raum geführt, wo das MRT stand. Das Teil, vor dem ich echt Muffensausen hatte. Nicht die Untersuchung, sondern meine Klaustrophobie machte mir zu schaffen. Ich bekam eine Beruhigungsspritze und legte mich dann auf den fahrbaren Tisch. Die Arzthelferin machte das sehr professionell, sie hatte so eine beruhigende Stimme, dass ich fast eingeschlafen wäre, als sie den Tisch in das Gerät einfuhr. Sie sagte nur: Schließen Sie jetzt die Augen und in weniger als zwei Minuten sind wir durchgefahren. Danach beginnt die Untersuchung etwa zehn bis fünfzehn Minuten. Trotz des Beruhigungsmittels war ich sehr angespannt. Als ich die Augen aufmachte, sah ich die Decke mit dem Sternehimmel hinter dem MRT. Dies beruhigte mich enorm und ich konnte die Zeit der Untersuchung gut hinter mich bringen. Nach der Untersuchung fragte mich die Arzthelferin: Und, war es jetzt doch so schlimm wie vermutet? Ich lächelte Sie an und meinte nur: Mit Drogen ist alles nicht schlimm. Ich stand langsam auf und ging in die Kabine, um mich wieder anzuziehen. Das Ergebnis und den Arztbrief würde ich zugesandt bekommen, meinte die Arzthelferin. Das Einzige, was ich mitbekam, waren die Bilder des MRT auf einer CD. Als ich die Eingangstüre zur Praxis öffnete, sah ich Amy immer noch im Treppenhaus sitzen. Noch ein bisschen neben mir von der Beruhigungsspritze meinte ich zu Amy: Lass uns gehen, für heute reicht es mir. Zusammen verließen wir das Gebäude in Richtung Parkhaus, wo Sie das Auto geparkt hatte.

Ein paar Tage vor dem Termin hatte Sie mir angeboten, mich nach der Untersuchung nach Hause zu fahren. Auf der Heimfahrt sprachen wir über die Untersuchung und den unsympathischen Arzt beim Vorgespräch. Da Amy selber in einer Praxis beschäftigt ist, konnte sie auch nur mit dem Kopf schütteln, wie sich die Damen in der Praxis benommen hatten. Ein weiteres Thema war die Freie Heilfürsorge, so ein Drama jedes Mal. Es gibt Einrichtungen wie die Bundespolizei oder die Polizei in Nordreinwestfalen, da gibt es schon die bekannten Krankenkassen-Chipkarten, auch für Beamte im öffentlichen Dienst. Nur die Bundeswehr bekommt es nicht umgesetzt. Weshalb die Bundeswehr noch keine Chipkarten verwendete, erfuhr ich auch erst später beim Telefonat mit der Freien Heilfürsorge. Zuhause angekommen telefonierte ich sofort mit einem Mitarbeiter in Strausberg, der für die Soldaten zuständig war. Herr E. war sehr freundlich und kompetent, was meine Fragen anbelangte. Nach diesem Telefonat war ich um einiges schlauer und ich musste mir keine Gedanken mehr machen, was die Bezahlung der Behandlungskosten des MRT anbelangte. Zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, dass ich noch einige Telefonate mit Herrn E. führen würde. Das nächste Problem ließ nicht lange auf sich warten. Dazu später mehr beim Thema Heilfürsorge des Bundes oder der, wie wir Soldaten auch sagen, Freien Heilfürsorge. Ach ja, bis heute warte ich immer noch auf den Arztbrief, obwohl die Rechnung längst bezahlt ist. Was soll man dazu sagen, am besten nicht aufregen und darüber schmunzeln. Denn es könnte ja noch schlimmer kommen, was ist da schon ein fehlender Arztbrief.

Weitere Gespräche mit den Ärzten

Was ich schon immer gehasst habe war, wenn ich genau gefühlt habe, dass etwas nicht in Ordnung ist mit meinem Körper und alle Untersuchungen, die ich durchlaufen habe, kein für mich befriedigtes Ergebnis gebracht haben. Das ist, wie wenn am Auto etwas beim Fahren scheppert und man in die Autowerkstatt geht, um es nachschauen zu lassen. Der KFZ-Meister setzt sich ins Auto und fährt eine Runde, kommt zurück und das Geräusch ist weg. Du kommst Dir blöde vor, setzt Dich wieder ins Auto und bist keine zehn Meter gefahren, da scheppert es wieder. Genau so kam ich mir vor, als ich mit den zwei Ärzten redete. Und sie konnten mir keine Erklärung geben, wieso, weshalb und warum es so ist, wie es ist. Wenn ein Arzt keine Erklärung findet, ist immer die „Psyche des Patienten“ Schuld. Ich ging von einer Untersuchung zur nächsten, gab da Blut und Urin ab und beim nächsten Mal wieder. Aber bis dahin gab es keinen klaren Befund. Mir kam es vor, als wenn man schon wüsste, was eigentlich los war, aber wenn man jetzt schon mit einer Therapie beginnen würde, konnte man die „Kuh“ Patient ja nicht länger melken. Jetzt hieß es wieder: Abwarten und Tee trinken. Du sitzt im Büro und deine Gedanken sind zu 100% nicht da, wo sie eigentlich sein sollten. Einige Tage nach der MRT-Untersuchung bekam ich einen Anruf aus Sindelfingen, ich sollte doch noch einmal vorbeikommen auf ein Gespräch, die Ergebnisse wären jetzt da. Ich fuhr am nächsten Tag direkt nach dem Dienst nach Sindelfingen ins Krankenhaus, um mit Dr. med. S. ein weiteres Gespräch zu führen. Und es kam, wie es kommen musste: Ja, Herr Meyer, wir sind uns immer noch nicht sicher, auch das MRT hat nicht die Gewissheit gebracht, ob es sich jetzt um einen Tumor handelt oder nicht.

Was ich sagen kann ist, dass der PSA-Wert von 12,8 ng/ml auf 14,5 ng/ml gestiegen war. Das zeigte eindeutig, dass etwas nicht in Ordnung war. Ich schaute ihn an und meinte nur: UND NUN? Sie sind der Arzt, nicht ich. Ich würde auf jedem Falle jetzt eine Prostatabiopsie vorschlagen. Oh, schon wieder eine Untersuchung! Und was wird da gemacht? Nach dem Gespräch mit Dr. med. S. fuhr ich nach Hause. Am nächsten Tag ging ich wieder in den SAN-Bereich, um eine erneute Überweisung ins Sindelfinger Krankenhaus zu bekommen, diesmal für die Prostatabiopsie. Nur diesmal war eine Frau Oberfeldarzt N. da, sie ist ausgebildete Urologin und kannte Herrn Dr. med. S. sehr gut, da sie selbst schon in Sindelfingen in der Urologie gearbeitet hatte. Wir verstanden uns auf Anhieb super. Ich hatte auch ein gutes Gefühl bei ihr. Sie schaute meine Akte an und meinte: Ja, auf jeden Fall ist jetzt eine Biopsie vonnöten. Aufgrund des Anstiegs des PSA -Wertes sollten wir keine Zeit verlieren. Sie füllte die Überweisung aus und bat mich, Dr. med. S. schöne Grüße auszurichten, was ich ihr auch versprach. Sie erklärte mir in verständlicher Sprache, was bei einer Biopsie gemacht wird und nahm mir die Angst davor. Der Eingriff sollte am Freitag, den 13. November, gemacht werden und ich sollte danach über Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben. Zum Glück bin ich nicht abergläubisch. Und es war ja notwendig, um endlich Klarheit zu bekommen. Bei einer Prostatabiopsie handelt es sich um die Entnahme von Gewebe aus der Prostata zwecks anschließender Untersuchung unter einem Mikroskop. Die Prostatabiopsie ist ein etabliertes und sicheres Verfahren und stellt zurzeit die einzige Möglichkeit zur definitiven Diagnose eines Prostatakarzinoms dar. (Quelle: www.prostata.de). Und Dr. med. S. hatte mir ja versprochen, dass er den Eingriff unter Narkose bei mir vornimmt. Und zwar deswegen, weil es für beide Seiten angenehmer sei.

Ich würde schlafen und er könne in Ruhe arbeiten.

Das fand ich persönlich sehr gut, da ich sowieso ein kleiner Angsthase in dieser Beziehung war.

„Wenn wir zulassen,

dass Angst uns

beherrscht, wird sie zum alleinigen Grund

unserer Niederlage“

Zitat von Antré Hoff

Freitag, der 13.

Ich denke, viele von Euch kennen den Klassiker: Freitag, der 13. Es ist ein US-amerikanischer Horrorfilm aus dem Jahr 1980 von Sean S. Cunningham. Und wer ihn nicht kennt, sollte sich ihn unbedingt einmal anschauen. Zurück ins Jahr 2020, mein Bekannter Ralf fuhr mich morgens nach Sindelfingen ins Krankenhaus. Mein Arzt empfahl mir, wegen der Narkose nicht selbst zu fahren. Wie beim ersten Mal musste ich wieder einen Corona-Zettel am Eingang ausfüllen, zur stationären Aufnahme gehen und eine Nummer ziehen. Dann konnte ich mich auf ein Sofa im Wartebereich setzen und warten, bis meine Nummer auf einem Bildschirm erschien. Endlich hatte ich etwas Zeit, das Buch meines Kameraden und Autor-Kollegen Johannes Clair: „Vier Tage im November. Mein Kampfeinsatz in Afghanistan“ zu lesen zu beginnen. Dieses Buch begleitete mich von da an während der gesamten Behandlung. Nach ein paar Minuten stand meine Nummer auf der Anzeige. Ich ging in die Kabine Nummer 2, in der mich zwei Mitarbeiterinnen des Krankenhauses schon erwarteten. Die eine lernte gerade die andere Dame ein. Ich bekam ein "All-inclusive-Bändchen" an meine rechte Hand, hier waren alle Daten von mir auf einem Barcode ersichtlich. Ich musste noch ein paar Papiere ausfüllen und unterschreiben, die ich dann wieder in die Hand bekam und mit auf Station nahm. Die Station war im dritten Stock, das hieß Treppensteigen, da ich ja keinen Aufzug fahre. Zum Glück hatte ich nur eine leichte Sporttasche dabei. Oben angekommen suchte ich erst einmal eine Stationsschwester, die mir weiterhelfen konnte. Das war nicht einfach, denn ich sah niemanden auf den Gängen herumlaufen, den man fragen hätte können.

Fast am Ende des Ganges befand sich ein Stationszimmer und eine Möglichkeit sich hinzusetzen, was ich dann auch machte. Ich wartete, bis sich jemand auf dem Gang zeigte, den ich fragen konnte. Und zum Glück habe ich dann die richtige Schwester, die auf mich zukam, angesprochen. Sie meinte: Einen kleinen Moment noch, ich bin gleich bei Ihnen. Ich antwortet ihr: Kein Problem, ich habe Zeit, ich sollte nur morgen Abend wieder zuhause sein, denn da kommt ein guter Film im Fernsehen. Sie schaute mich an und lachte, natürlich unter der Maske. Ich hatte die einfache Maske auf, die bis dahin noch erlaubt war. Kurze Zeit später brachte sie mich in ein Zimmer, wo ein älterer Mann im Bett lag und schlief. Ich durfte meine Sachen in den Schrank an der Wandseite einräumen und das schöne OP-Hemdchen mit dem sexy Netzhöschen anziehen und dann im Bett warten, bis ich zur Biopsie abgeholt wurde. Ich las im Buch weiter und irgendwann kam eine andere Schwester und meinte: Jetzt geht’s los, Herr Meyer. Ich legte mein Buch auf den Nachttisch und ab ging es Richtung Fahrstuhl, was ich eigentlich gar nicht mochte. Aber im Bett und mit Betreuung ging das schon, ich dachte ja gerade an etwas anderes als dass der Aufzug jetzt steckenbleibt. Die Tür ging auf und schon standen wir vor dem Vorbereitungsraum zum OP. Zwei junge Damen in OP-Kleidung nahmen mich in Empfang. Ich musste vom Bett über die Patientenschleuse auf einen Patientenumbetter klettern und mich flach darauflegen. Dann wurde mir eine Wärmedecke über den ganzen Körper gelegt, da es im OP ja nicht gerade warm ist. Anschließend fuhren wir in den OP. Dort musste ich noch einmal auf den OP-Tisch klettern. Eine der Damen setzte mir am rechten Arm unter Aufsicht einer erfahrenen OP-Schwester den Zugang für die Narkose. Nachdem der Zugang gesetzte war, kam Dr. med. R. S. an den Tisch und meinte: So, gleich geht’s los.

Ich musste ihm noch schöne Grüße von Oberfeldarzt Frau Dr. N. ausrichten, er grinste mich an und meinte: Ja, die kenne ich auch sehr gut, sie stand öfters neben mir im OP. Ich sah die Spritze mit dem Beruhigungsmittel in seiner Hand und wie er es durch den Zugang in meine Venen spritzte. Gleich darauf folgte eine weitere Spritze mit weißem Inhalt und da wusste ich, dass ich sofort im Reich der Träume sein würde. Der Arzt sagte noch: Jetzt geht’s los - und schon war ich im Tiefschlaf. Als ich wieder zu mir kam, lag ich im Bett auf Station, neben mir wieder der ältere Herr, aber jetzt hellwach. Ich musste feststellen, dass es mir sehr gut ging. Ich hatte wieder die Narkose gut vertragen und keine Schmerzen durch den Eingriff. Na also, was will man mehr. Mein Bettnachbar fragte mich, wieso ich hier war und ich antwortete ihm: Nur wegen der Prostata- Biopsie. Und dass ich am nächsten Morgen wieder nach Hause könne. Er meinte, dass würde er auch gerne, aber er müsse noch ein wenig hierbleiben, denn er würde am Montag an der Wirbelsäule operiert. Ich fragte ihn: Wieso? Und dann begann er mir seine ganze Leidensgeschichte von Anfang an zu erzählen. Zwischendurch dachte ich nur: Man, geht’s dir gut. Er hatte auch vor einem Jahr Prostatakrebs und ihm sollte auch die Prostata entfernt werden. Während der Behandlung stellten die Ärzte fest, dass er eine Krankheit habe, bei der es sehr schwierig sei, Operationen durchzuführen, weil sein Blut sehr dünn sei. Das stellten die Ärzte aber erst während der laufenden OP fest. Deswegen konnten sie die Prostata nicht ganz entfernen, sondern nur eine Ausschabung machen. Hierbei wird mit dem durch die Harnröhre eingeführten Endoskop Gewebe mit einer Hochfrequenz-Schlinge abgetragen und dabei die Wundfläche gleich verschorft. (Quelle: www.prostata.de) Der Eingriff verlief gut und die Ärzte waren zuversichtlich. Sein PSA-Wert war wieder im grünen Bereich.

Nach einiger Zeit stieg aber der PSA-Wert wieder an und die Ärzte mussten dann eine andere Therapie einschlagen und versuchten es mit Chemotherapie und Bestrahlung der Prostata. Als ich das hörte, dachte ich nur: Du armes Schwein. Das möchte doch keiner ernsthaft mitmachen wollen. Ich hörte ihm gespannt zu und dachte für mich: Schlimmer kann es nicht werden. Und es kam schlimmer. Durch die Chemo und die Bestrahlung wurde es zwar besser, aber nicht gut genug. Die Metastasen hatten sich schon in seiner Lendenwirbelsäule verbreitet. Das war gar nicht gut, vor allem hatte er jetzt Tag und Nacht Schmerzen, die so stark waren, dass er sie ohne starke Medikamente nicht aushalten konnte. Er erzählte mir, wie es ist, wenn man nicht mehr stehen, sitzen oder liegen kann vor lauter Schmerzen. Ich wollte es mir nicht vorstellen, was der arme Mann gerade durchmachen musste. Wenn man so etwas mitbekommt, dankt man Gott, dass man sich jeden Tag noch schmerzfrei bewegen kann. Apropos, da sind meine leichten Schmerzen beim Wasserlassen lächerlich. Zurück zu mir. Später bekam ich noch etwas zum Abendessen, danach ging es mir um Welten besser. Mit hungrigem Magen kann man schlecht schlafen. Die Nacht verlief für mich gut, ich konnte gut und fest schlafen, im Gegensatz zu meinem Bettnachbar. Dieser brauchte wieder starke Schmerzmittel in der Nacht, damit er wenigstens ein paar Stunden schlafen konnte. Ich hatte Mitleid mit ihm, als ich das hörte. Vor dem Frühstück konnte ich mich noch Duschen. Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich von meinem Bettnachbarn und wünschte ihm alles Gute für die bevorstehende Operation und gute Genesung. Heute würde es mich interessieren, wie es ihm ergangen ist, ob er heute schmerzfrei und gesund leben kann. Ich wurde von meinem guten Freund und ehemaligen Kameraden Klaus, Mitglied der Rettungshundestaffel, abgeholt und nach Hause gebracht.

Zuhause angekommen verbrachte ich ein sehr geruhsames Restwochenende. Am darauffolgenden Montag ging es wieder zum Dienst. Und jetzt hieß es abwarten, bis das Ergebnis der Biopsie da war. Diese Zeit war nicht einfach für mich, vor allem, wenn man weiß, wie so etwas auch enden kann. Bis zu diesem Tag hatte ich meinen Eltern noch nichts davon erzählt, was ich bis dahin alles durchgemacht hatte. Erst, wenn das Ergebnis der Biopsie da war und ich genau wusste, was los ist, würde ich meine Eltern einweihen. Wieso sollte ich zu diesem Zeitpunkt alle Menschen, die ich liebe, verrückt machen, wenn später alles doch nur ein Fehlalarm war. Bis jetzt wussten es nur meine beiden Freundinnen und meine Vermieter. Seit der Biopsie waren nun schon sechs Tage vergangen. Es hieß, zwischen fünf und acht Tagen könne es schon dauern, bis das Ergebnis da sei. Ich hatte zum Glück genügend zu tun, um mich abzulenken im Dienst. Und die folgende Woche war ich noch fast die ganze Woche auf dem Flughafen eingeplant, um den Sprungdienst zu koordinieren. Das machte mir Riesenspaß und wenn ich Glück hatte, konnte ich noch ein paar Runden mit dem Airbus A 400 M mitfliegen. Der Tag der Entscheidung würde kommen, ob ich mich verrückt machte oder einfach darauf wartete. Klar möchte man schon wissen, woran man ist. Ich würde es früh genug erfahren und dann wird man weitersehen. Und bis dahin mochte ich ganz normal weiterleben, wie ich bis dahin auch gelebt hatte. Ob gesund oder nicht gesund, das ist doch egal, die Hauptsache ist, man wacht jeden Morgen wieder auf und kann sein Leben leben.

Tag der Erwartung

Es war Tag 13 nach der Biopsie. In der Zwischenzeit hatte ich schon mehrmals im Sindelfingen im Krankenhaus angerufen und nachgefragt, ob das Ergebnis schon da sei. Bis jetzt kamen nur negative Rückmeldungen. So langsam konnte das Ergebnis endlich da sein, es nervte jetzt echt, so ohne Klarheit zu leben, dachte ich. Ich versuchte noch einmal, den Stationsarzt zu erreichen, wählte seine Nummer und es klingelte durch wie schon oft. Es war Freitag kurz vor 11 Uhr. Eigentlich hatte ich gleich Dienstschluss und konnte nach Hause gehen. Oh, eine Stimme an dem anderen Ende der Leitung. Ja, was wollen Sie denn, ich bin im Stress. Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht stören, ich wollte nur nachfragen, ob das Ergebnis meiner Biopsie schon da ist. Kurze Pause am anderen Ende. Wie heißen Sie denn? Andreas Meyer, Meyer mit „ey“. Es dauerte wieder einige Sekunden. Ich dachte für mich: Man, mach hin, ich will es jetzt endlich wissen. Und dann kam der Satz, den ich nie vergessen werde: „Es sieht echt Scheiße aus.“ Ich dachte, ich höre schlecht. Und meinte nur: Können Sie mir das Ergebnis per E-Mail zukommen lassen? Der Mann antworte: Ja schon, aber jetzt nicht und legte auf. Ich war perplex in diesem Moment, überrascht, erstaunt, verwundert, konsterniert, verdutzt und entgeistert über diesen Menschen. Und so etwas ist auch noch Arzt. Jetzt gibt es ein Ergebnis und ich bin immer noch nicht schlauer als vor dem Telefonat. Ich packte meine Sachen zusammen und fuhr nach Hause. Ich erzählte niemanden von diesem Telefonat. Eigentlich hatte ich vor, es Dr. med. R. S. zu erzählen, leider erfuhr ich nachmittags vom Sekretariat, dass er im Urlaub war. Die nette Dame ließ mir dann das Ergebnis per E-Mail zukommen. Ich bin kein Arzt und was da so steht, hört sich für mich alles gleich an.

Ich musste bis Montag warten, bis ich einen Arzt in der Kaserne fragen konnte. Nun verbringe mal ein ganzes Wochenende mit dem Satz: „Es sieht echt Scheiße aus“. Folter ist milde ausgedrückt, ich dachte, ich muss gleich sterben. Na ja, das kann ich meiner Familie und Lucky nicht antun. Ich bin zwar ein Mensch, der vor dem Sterben Respekt und auch Angst hat, aber ich bin auch ein Kämpfer vor dem Herrn. Deshalb sprach ich mir Mut zu und begann die Wohnung zu putzen wie jeden Freitag. Es ist wichtig, dass man Abschalten kann, den Kopf freibekommt, um später bessere Entscheidungen treffen zu können. Ich dachte öfters über diesen Satz nach am Wochenende und mir war auch klar, dass der Satz die Situation genau beschrieb, wie es um mich stand. Es war zwar undiplomatisch, wie er mir gesagt wurde, aber er brachte alles auf den Punkt. Und im Nachhinein kann ich diesem Arzt nicht mehr böse sein, im Gegenteil, es war kurz und schmerzlos. Darum war ich gespannt, was meine Ärzte in der Kaserne am Montag dann dazu sagen würden. Ich hatte Glück, dass Oberfeldarzt Frau Dr. N. Dienst hatte. Sozusagen ist sie eine meiner zwei Urologinnen. Sie schaute sich das Ergebnis an und versuchte dann, mir zu erklären, wie so eine Biopsie aufgebaut ist. Sie erklärte mir, dass bei einer Biopsie die Prostata in zwei Hälften gesehen wird, und zwar verläuft der Harnleiter im Querschnitt fast in der Mitte der Prostata. So haben wir eine rechte und eine linke Seite. Wie so etwas ausgewertet wird, erfahrt ihr auf den nächsten Seiten. Der Arzt, der die Biopsie durchführt, nimmt von der rechten Hälfte und von der linken Hälfte Proben. Bei mir waren es zwölf Proben insgesamt, sechs von der rechten, und sechs von der linken Hälfte der Prostata. Im Labor werden dann alle Proben auf Krebszellen untersucht. Hier gibt es dann eine Einteilung der Anzahl der Krebszellen und deren Aggressivität. (Quelle: www.wikipedia.org)

Man sagt dazu: der „Gleason-Score“, der als Zahlenwert dargestellt wird. (1-5 pro Seite) „Der Gleason-Score dient der histologischen Beurteilung der Drüsenbeschaffenheit im Prostatagewebe. Er dient als Prognosewert beim Prostatakrebs und ist weltweit etabliert. Je höher der Wert, desto höher ist der Grad der Entdifferenzierung und desto schlechter ist die Prognose. Die Zahl 5 beschreibt hoch aggressive und bösartige Zellmuster und die Zahl 3 zwar bösartige, aber nicht aggressive Zellen. Zellen mit einem Gleason-Muster von 4 können je nach Häufigkeit zu Tumoren mit einem Gleason von 6 (in dem Fall 3+4) oder 8 (in dem Fall 4+3) tendieren.

Deswegen werden Tumore mit einem Wert von 7 als intermediär bezeichnet. Prostatatumore mit einem hohen Risiko, also 8, 9 oder 10, können in der Regel folgende Merkmale aufweisen:

 wachsen infiltrativ und schnell

 infiltrieren den Prostatarand (Prostatakapsel), das umgebende Fettgewebe, das Nerven- und Gefäßbündel

 infiltrieren benachbarte Organe im Beckenbereich, wie Harnblase, Samenblasen oder Dickdarm

 verursachen früh Metastasen in den Lymphknoten und Knochen

 verursachen nur im fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome für den Mann

 der PSA-Wert steigt schnell und stetig an.“

(Quelle: www.wikipedia.de -Gleason)

Diese hoch bösartigen Tumore können lebensbedrohlich sein. In den meisten Fällen wird als geeignete Therapie die Total-Operation gewählt und je nach Stadium der Erkrankungen auch über Strahlentherapie, Chemotherapie oder Anti-Hormonelle-Behandlung entschieden. Jetzt bin ich zwar kein Arzt, aber ich habe verstanden, was ich habe und wie ich das Ergebnis einzustufen habe. Ich hatte schon seit dem Satz: „Es sieht echt Scheiße aus“ ein komisches Gefühl, dass das alles nicht so gut aussieht, wie ich es gerne hätte. Durch dieses informative Gespräch wurde mir das Ganze noch verdeutlicht. Also könnt ihr Euch denken, wie das Ergebnis bei mir ausgefallen ist: Ja, ich hatte fast die volle Punktzahl erreicht 4+5 = 9, hohes Risiko, und diese Zahl wird zu den hoch bösartigen Tumoren gezählt. Also noch einmal zusammengefast: Ich habe einen bösartigen Tumor mit hohem Risiko, was immer das jetzt auch heißen mag. Und wie geht es jetzt weiter, Frau Oberfeldarzt N? Sie meinte: Zuerst einmal werde ich direkt in Ulm im Bundeswehrkrankenhaus anrufen und versuchen, so schnell wie möglich einen Termin für weitere Untersuchungen und einen Operationstermin zu bekommen. Denn wir sollten jetzt nicht mehr lange herumdoktern, sondern handeln. Sie nahm den Telefonhörer in die Hand und rief direkt in Ulm bei der Urologie an. Nach weniger als drei Minuten Gesprächszeit war der Termin in Ulm fakt. So schnell kann es gehen, wenn es brennt, und bei Ihnen brennt es schon stark, da kann man nicht mehr von einem Entstehungsfeuer reden. Ja, dachte ich, dann auf zum Löschen nach Ulm.

Was ist wichtig am Arzt-Patienten-Verhältnis?

Was heißt eigentlich: Vertrauen zum Arzt? Zuallererst, ganz einfach und wesentlich: Der Patient muss sich beim Arzt wohlfühlen können, denn nur so kann ein Vertrauensverhältnis zustande kommen, das die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit von Arzt und Patient ist.

Kann ich meinem Arzt vertrauen oder nicht? Ist die Therapie sinnvoll oder durch wirtschaftliche Interessen bestimmt? Diese Frage stellen sich inzwischen offenbar einige Patienten. „Viele Menschen in Deutschland bekommen Angstzustände bei dem Gedanken, ins Krankenhaus zu müssen“. (Quelle: www.aerzteblatt.de) Viele Patienten fühlen sich entmündigt und allein gelassen mit der Unsicherheit, wie es weitergeht. Ärzte, die ihre Profession mit dem Anspruch antreten, Menschen zu heilen und Leben zu retten, sind mitunter überfordert und fügen sich resigniert den ökonomischen Zwängen. Muss so etwas sein? Ich finde nicht. Aber auch der Arzt muss sich mit seinem Patienten wohlfühlen. Das ist heutzutage gar nicht so einfach: Die Politiker und auch die Medien beeinflussen Patienten fortwährend, sie seien schnell Opfer von Kunstfehlern, weil der Arzt nicht gründlich genug ist. Die Versicherungen hingegen suggerieren, die Ärzte würden aus finanziellen Gründen viel zu viel bei Patienten untersuchen und behandeln. Kein Wunder, dass viele Ärzte den Patienten inzwischen weniger als hilfsbedürftigen Menschen, sondern als möglichen Kläger in einem Kunstfehlerprozess sehen. Und hier sollte man auch einen Strich ziehen seitens der Ärztekammern. Aus Sicht des Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, reicht die Entwicklung hin zu mehr Markt und Wettbewerb im Gesundheitswesen noch weiter zurück, in die 1970er Jahre. (Quelle:www.bosch-stiftung.de)

Mit den späteren Reformen hätten sich die Prozesse lediglich bestätigt und intensiviert. Er warnte aber davor, die Ökonomie grundsätzlich zu verteufeln. „Es ist naiv, einer vernunftorientierten Ökonomie ihre Berechtigung abzusprechen. Ohne Ökonomie kann es keine gute Medizin geben“, sagte der BÄK-Präsident bei der Tagung der Robert-Bosch-Stiftung. (Quelle: www.aerzteblatt.de) Montgomery identifizierte sich aber auch mit den in der Öko­nomi­sierung verbundenen Tendenzen, die seiner Ansicht nach zu einer Deprofessionalisierung des Arztberufs führen und die von Vertrauen und Verantwortung geprägte Patienten-Arzt-Beziehung zerstören würden. Aus Sicht eines Arztes: Es sind so viele Untersuchungen und Behandlungen sinnvoll, wie ich als Arzt brauche, um das beruhigende Gefühl zu haben, einen umfassenden Überblick über die Beschwerden des Patienten zu bekommen, um ihn dann auch bestmöglich behandeln zu können. Übrigens ist das eine Haltung, die ich mir schon während der Zeit als Krankenhausarzt angewöhnt habe: Feierabend ist nicht, wenn die Arbeitszeit vorbei ist, sondern wenn sich das Gefühl einstellt, die Station ruhigen Gewissens verlassen zu können. Das konnte auch (gar nicht selten) zwei Stunden nach dem regulären Feierabend sein. Überstunden wurden zu Zeiten der Ärzteschwemme nicht bezahlt. (Quelle: aerzteblatt.de) Wow, wie viele Ärzte gibt es noch, die so denken und handeln? Ich denke genügend, man muss sie nur finden, oder das Glück zu haben, von einem behandelt zu werden. Aus eigener Erfahrung kann ich nur Jedem raten, sein Bauchgefühl einzusetzen, dann wird man auch den richtigen Arzt finden. Und wenn der Bauch dagegen ist, sollte man ruhig das Gespräch abbrechen und die Praxis verlassen.

Und hier noch ein paar Infos zum Thema Hausarzt: (Quelle: www.google.de)

Bin ich mit meinem Hausarzt nicht zufrieden?

Ist man mit der Behandlung eines Arztes unzufrieden, kann man sich mit einer Patientenbeschwerde an die Ärztekammer wenden. Eine Fehleinschätzung, ein falsches Medikament oder ein versehentlich operierter Arm: Auch Ärzte können manchmal Fehler machen – auch wenn sie nach ihrem besten Wissen und Gewissen handeln.

Wie erkläre ich dem Arzt meinen Schmerz?

Mit dem Finger zeigen, zeigen Sie, wo das Problem liegt. Wenn etwas weh tut, dann am besten mit dem Finger daraufweisen. Wenn ein Schmerz ausstrahlt, dann die Richtung, in der er das tut, zeigen.

Kann ich meine Krankenakte mitnehmen, wenn ich den Hausarzt wechseln möchte?

Wechselt der Patient den Hausarzt, muss der bisherige dem neuen Arzt die Originalkrankenunterlagen übergeben, wenn der Patient sein Einverständnis erklärt hat. Ein Anspruch auf Erstattung der Kosten besteht nur unter engen Voraussetzungen.

Welche Unterlagen des Arztes darf ich bei einem Arztwechsel verlangen?

Kopien der Unterlagen sind gegen Erstattung der Kosten herauszugeben. Ausgenommen hiervon sind diejenigen Teile der Akte, welche subjektive Eindrücke oder Wahrnehmungen des Arztes enthalten. Die Einsicht in diese subjektiven Aufzeichnungen kann der Arzt gewähren, er muss es aber nicht.

Kann ich vom Arzt meine Befunde verlangen?

Ein Recht auf die Herausgabe von Originalunterlagen besteht nicht. Sie können jedoch bei Bedarf Kopien machen. Entbinden Sie Ihren Arzt von der Schweigepflicht, können auch Fachärzte etc. die Befunde und Unterlagen erhalten.

Wer hat Zugriff auf meine Krankenakte?

Als Patient haben Sie als Einziger nach § 630g Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) jederzeit das Recht, Ihre Patientenakte einzusehen. Das Original muss Ihr Arzt für mindestens zehn Jahre aufbewahren, weshalb er es nicht aus der Hand geben darf.

Wird ein schlechter Befund sofort mitgeteilt?

Ärzte müssen ihre Patienten über bedrohliche Befunde informieren. Das gilt nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) auch dann, wenn der Behandlungsvertrag längst beendet wurde und der Patient lange nicht mehr in der Praxis war. Lesen und dann einfach abheften – das geht bei Befunden nicht.

Wie lange dauert es, bis ein Bericht beim Hausarzt ist?

Ein detaillierter Bericht mit den Untersuchungsergebnissen wird Ihrem überweisenden Arzt zugestellt. Dieser erreicht Ihren Arzt meist innerhalb von einer Woche, bei medizinischer Notwendigkeit auch kurzfristig am selben oder darauffolgenden Tag.

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232 стр. 71 иллюстрация
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9783754175323
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